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Ueber Vernderungen des Trinkwassers.

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Uebcr Veriindcruiigori des Trinkwassers.
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Ueber Veriiiaderurigcii cies Trinkwasscrs.
Voii J u l i u s M i i l l c r , Apothcker in Brcslau.
(Vorgotragen in dcr Schlcsischen Gesellschaft fur vaterlindischo Cultur,
Naturwissenschaftliche Section, am 2 5 . October 1871.)
Tm Friihjahr dieses Jahres, als vereinzelte Pille von
Fleckentyphus in Breslau aiiftraten, wurde ich von ~ d e mdirigircnden Arzte des Sllerheiligen -Hospitals Herrn Geheimratli
v o n P a s t e u r bewogen, die Trinkwasser, von denen die Erkrankten getrunken, cheinisch und mikroskopisch z u untersnchcn, um dadurch rnoglichenfalls zu constatiren, ob das
Trinkcvasser als Herd cler Bnsteckung zii betrachten , oder
abcr, ob es in irgend welchen Zusammenhang mit den Erkrankungen zu bringen sei. Ich ergriff urn so Iieber diese
Arbeit, als die Trinkwasser - Frage Breslau's eine stets brennende ist; freilich gebrach es mir an Zeit, dieselbe iin $llgemeinen mit der Ausfiilirlichkcit zu behandeln , die nothig ist,
um sie x u einem einigerinaasscn befriedigenden Abschluss
xu bringen - liierzu miissten die Brunnen aller Strassen in
kiirzeren Zwischenriiumen mid zwar zu gleicher Zeit quantitativ untersucht werden; - immerhin aber bin ich zu der
Ansicht gelangt, dass das Trinkwasser den Herd des Fleokcntyphus nicht abgegeben habe.
Ich beschrankte rnich bei der Untersuchung selbst ant'
cluantitative Bestimmung des G e s a m m t - R ii c k s t a n d e s ,
der S c h w e f e l s i i u r e , der o r g a n i s c h e n S u b s t a n z e n , vor
Allem aber der S a l p e t e r s a u r e und des A m m o n i a k s ,
d. h. der Stoffe, die urspriinglich nicht im Wasser, sondern
erst in Folge thieriseher und menschlicher Auswurtbstoffe, V O ~
denen der die Brunnen unigebcude Boden impragnirt ist, in
dau Trinkwasser gedrungen sind. War die Nenge der Sdl'etersaure und des Ammoniaks, die ich - auch in den ani
ineisten davon enthaltenden %'assern - fand, eine gewiss
nnr geringe, so darf doch nicht vergessen werden, dass diem
beiden Verbindungen, nameiitlich die letztere, bei Bildung aller
!)rganismen eine grosse Ilolle spielen. --
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Ueber Vcriudcrungen des Triiikwassers.
Das Ammoniak bestimmte ich nach N c s sl e r; es wrirden
3 Liter Wnsser mil Kalihydrat versetzt, eine genugende Mlenge
QuccBsilberjodid- Jodkalinmlosung zngefiigt , der dadurch cntstandene Niederschlag init Watronhydrat und Schwefclnatriiim
destillirt , das entwcichcntle Ammoniak in Salzsiure geleitet
und das gebildete Chlorammoninm durrh Platinchlorid bestimmt; eine blethode, die bei ciniger Uebung schnell und
sicher zum Ziele fuhrt. - Die Salpetersaure bestimmte ich
nach 31 a r x verrnittelst einer genau gestellten I n di g o l o s n n g. 1st diese Methode auch nichl absolut genau, so giebt
sie doch sicher, wenn man die Indigolosung sich selbst
gestellt hat, die eu erreichende Parbe also genau kennt,
gewiss sehr annahernd richtige Eesultate. - Die organische
Substanz bestimmte ich nach T r o ni in s d o r f durch Xeduction
des i i b e r m a n g a n s . K a l i s i n a l k a l i s c h e r F l i i s s i g k e i t .
Zur Untersuchung gelangten 1 0 Wasser der verschiedensten Gegenden 'der Stadt; aus allen wollten die Erkrankten
getrunken haben. Ich hezwecke nicht, hier die genauen Zahlen der gefundenen Mengen obengenannter Substanzen anzugeben; ieh will nur anfuhren, dass die betreffenden TTasser
nach ihren Bestandtheilen zu den verschiedensten der Stadt
gehorten. So gab das Wasser des Ritterplatzes -- eines der
besten Trinkwasser, die Breslaii hat, im Liter 0,5 Grm. Abdampfungs Riickstand; die anderen schwankten zwischen
0,5 - 1,948 Grm. Ruckstand. Die Menge der organischen
Snbstanz 'vITar ganz variabel ; es wurden auf 1 Liter 2 Milligrm.,
9,s Milligrm., 9,s Milligt-m. und mehr iibermangansaures Kali
verbraucht. Ebenso verschieden war der Behalt an Schwei'elsaure; er variirte ewischen 0,04 bis 0,29 im Liter. Auch
die Ammoniak - und Salpetersaure - Menge waren ganz verwhieden; eines der Wasser war fast frei an Ammoniak,
sndere enthielten im Liter his 0,00553 ; der Salpetersaure Gehalt schwsnkte zwischen 0,007 -0,25 Grm. in1 Liter. Vergleicht man iibrigens die Mengen der Salpetersaure
und des Ammoniaks in den verschiedenen Wassern, so fallt
sofort die Thatsache in die Augen, dass, je grosser der
Gehalt an Salpetersaure, urn SO geringer der an Ammoniak;
-
Ueber Veriindorungca des ‘l‘riiikwassers.
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und urugekehrt, j e grosser der Gchalt an Ammoniak, uni
so geringer der an Salpctersaure. Es 16sst Rich dies Factum dadurch leicht erltlaren, dass das Ammoniak, in welcher
Verbindung der Stickstoff vermittelst der Kloaken zuerst in
den Boden gelangt, nach und nach beirn Sickern durch das
Erdreich sich; zu Salyetersaure oxydirt. Hierbei sei nocli
erwahnt , dass durchschnittlich die Wasser des rechten Oderufers der Sladt Breslau aile reicher an Aminoniak, dagegen iirmer
an Salpetersiiure, die des linlcen Odurufers reicher an Saipetersaure, dagegen ariner an Ammoniak sind. Der Grund hierfur liegt
wahrscheinlich in der Bodenbeschaffenheit : das linke Oderufer
besteht narnentlich aus d e r b e m k i e s i g e n S a n d e , ein
Material, welches der atmospharischen Luft reichlich Gelegenheit zur Oxydatiori bietet , das rechte Oderufer dagegen aus
iiiit t h o n i g e m S c h 1a m m begleitendem Schliefsand. Vergleicht man nun die hier bei der Fleckentyphus - Frage
in Retracht kommenden Trinkwisser in ihren chemischen
Bestandtheilen, so ergiebt sich, dass nicht die geringste Uebereinstirnmung zu finden ist, und dass unter ihnen die besten wie die
schlechtesten Wasser Breslau’s erscheinen. W a r es auch eine
Unmoglichkeit , durch die chernische Analyse den etwaigen
Ansteckungsstoff zu finden, so ware es doch denkbar gewesen, falls dieser wirklich im Wasser sich befinde, irgend eine
Uebereinstimmung der cheniischen Bestandtheiie nachzuweisen.
Ich ging dabei von der Ansicht aus, dass der betreffende
Ansteckungsstoff , ahnlich wie gewisse Yflanzen z. B. nur auf
Kalkboden gedeihen , ebenfalls gewissc anorganische Substanzen zu seiner Entwicklung nothig ,habe. Diese Annahme hat
sich nicht bestiitigt , da die chemischen Bestandtheile der
betreffenden Wasser in keinerlei Zusaminenhang zu bringen
siiid. - Immerhin ware es wohl gewagt, in Polge dessen
behaupten zu wollen , das Trinkwasser konne unmoglich den
Ansteckungsstoff enthalten ; inuss doch hieriiber in erster
Reihe das Mikroskop zu Rathe gezogen werden. Ich habe
dasselbe fleissig benutzt, bin aber in dem Erkennen der bleineu Organismen doch zu unsicher, urn darin irgend etwas
Eiitscheidendes aufstellen zu lconnen; nur soviel kann ich
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Ueber Veranderungcn des Trinkmssers.
sagen, dass ich rnit Ausnahmc dcs znr Zcit rlcr Unlersnchung
triiben Wassers einer einzigen Strasse ,,der G rosscn Rosengasse Nr. 12," wo B a c t e r i e n und M o n a d e n sicher zu
erkennen waren, in den anderen WTLssern nichts irgend BUSfallendes, ja nichts 1,cbendes gesehcn habe. -Erscheint es nach cliesen Untersnchungen als hiichst
iinwahrscheinlich , dass das Trinkwasscr tien Ansteckungsstoff enthalten solle, so wird es fast zur Unmoglichlteit,
wenn man bedenkt, dass bei dcn wenigen diesriial in
Breslau aufgetretenun Flcclrentyphus - Fallen angcnommen
werden musste , gerade nur die ungefahr 12 Brunnen, von
denen die Erkrankten getrunkcn, hatten den betrcffenden Ansteckungsstoff enthalten nnd gerade nur dio wcnig Erkrankten hiitten den gccigneten Boden ziir Entwickelung des Contagium dargebotcn. Erfiilrrt man nun noch, dass Leute , die
in der crwahnten Grossen Rosengasse 1 2 , wosclbst auch
einige Erkrankungcn vorgelrommen sind , ihrc Schlafstcllc
haben, vielleicht nie, sicher aber nicht atis dem da befindlichen
Briinnen Wasser trinken , SO w i d obcn anfgc.stelltc Rehauptung noch mehr bestatigt. Nichts destoweniger unterschatzc ich die Wichtigkeit
cines guten Trinkwassers; im Gegentheil niusste die Polizei
- namentlich bei Aniage nciier Briinnen , die in grossen
Stiidten ja stets unweit der Kloaken angelegt werden miissen,
anf's Sorgfaltigste fiir ausreichende TJmkleiduhg von Iiies,
Kohle etc., somrie fur gnte Cementation sorgen. Einmal mit der Wasserfrage beschaftigt , verfolgte ich
dieselbe weiter. Ich liess die betreffenden genau analysirten
WVGsser, Anfang Mai geschopft, in offenen, niir rnit dcr Glnsplatte lose verschlossenen Gefassen dem Lichte ausgesctxt
stehen. Sie blieben bis auf grosseren oder geringercn Absatz von Eisenoxydhydrat iind kohlensanrem Kalk unveriindort
bis Anfang Juli. Der Grund hierfiir liegt in dem so selt,en
gehnbten Sonnenschein; denn als Anfang Juli die Sonne lclthafb anf die Wiisser einwirlrte , zeigte sich bald Bildnng von
Organismen. Die TT%ser wnrden meist znerst triih, set,zten
nac?h und .nacli irnmer mehr und mehr grune, resp. braiine
Deber Yer~nindertingcn dcs Triiikwassers.
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Subsbnzcii ani Noden ab, bis eridlich die Permehrang derselben anfhorte und (la5 i i l w den] liodensatz hefindliche Wass e r wiedcr viillig klar wurde. IIierbei beobachtete ich , dms
in den an Ammoniak reichen Wasseni die angefuhrte VerCnderung znerst sichtbar wurde. Betraclitct ninn rnit blossen Augen die gebildeten, auf
dem Boden befindlichen Organismen, so Gillt Jedem sofort die
Mengen - und Ferben-Verschiedenheil; auf. Von den drei
WLssern, die icli d e r Gesellschaft roygexeigt, i s t der Bodensatz des ersten Wassers der nnbedeutendste, braun nnd dicht ;
der des ztveiten Wassers erheblicher , griinlich brann nnd
voluminoser, d e r des dritten der griisste und dunkelgriin.
Untersucht man jeden einzelnen Bodensatz mit dem Mikroskop, so findct man, abgesehen von Infusorien, die in
allen vorhanden, dass der braune des ersten Wassers lediglicli
aus D i a t o m e e II rnit hraunem Inhalt besteht , griine pflanzliche Gebilde sind nicht vorhanden; der griinbranne Bodensatz des zweiten Wassers zcigt such viele D i a t o m e e n ,
es sind aber auch sehr erhebliche Nengen griiner pflanzlicher
Gebilde ,,Pro t o c o c c u s '' bemerkbar; d e r dnnkelgriine Bodensatz des dritten Wassers endlich zeigt iiberwiegende Bildung d e r g r i i u e n e i n z e l l i g e n A l g e im Vergleich ziim
Frag ich mich nun nach
Vorkommen der D i a t o m e e n .
eineni Grunde dieser verschiedenen Xengenentwicklnng dcr
chlorophyllreichen Alge, so kann ich denselben nur in dem
verschiedenen Ammoniak - Gehalt d e r Wasser finden , um so
mehr als ich beobaehtete, dass mit der Beendigung der organischen Entwicklung alles Ammoniak aus dem Wasser verschwunden war. Ich glaube, dass der Stickstoff zur Bildung
des stickstoffhaltigen Chlorophylls n u r vom Ammoniak, nicht
aber, ark ich gleich nachweisen werde, von der Salpctershure
hergenommen wird ; ist das Ammoniak verbraucht, so hort dji:
weitere Entwicklung auf. Das erste Wasser, das so g u t
wie frei von Ammoniak ist, zeigt gar keine Bildung chlorophyllhaltiger Algen, j a auch die Diatomeen sind nicht griin;
bei dem zweiten Wasser, das in 1000 C. C . 0,00087 Grni.
Ammoniak ent,hielt, finden wir neben Nengen von Diatonieen
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Uoher Vor%nderuugcii des Trinkwussci,s.
griinc l'rotococcus - Arten; bei dem dritten X\r\;usser cndlicIi,
das in 1000 C.C. 0,0053 Grm. Amnioniak ergxb, ist die Bildung der griinen A l p cine g m z bedontende. Mir wird es
schwer, diese Beobachtungen dciii reineii Zufall zuzuschreiben,
urn so mehr, als die W er dicht iieben ein:inder standen.
Hoffentlicli kann icli iru nachsten Soninler, in welchcr Zeit die
Sonne diese Versuchc so begunstigt, meine Behanptung, dass
also die Hildung der cliloro~~hyllhaltigurlOrgmismen iiii Zusammenhang mit den1 Aiitmor~iakgeliall steht , aufrcuht erhalten. Eine Bestatigung dafiir habe icli in dern dur Sonne
ausgesetzten Oderwasser des Breslauer neuen Wasserhebewerkes gefunden. Dasselbe ist fast absolut f'rei yon Ammoiiiak und es liaben sich in der That lieine c.liloi.ophylJha!tigen
Algen entwickelt.
Endlich will icli Iiicrbei noch erwlihnen, dass , wenn bei
iler Entwickelung der Organismen, wic ich sclion angefiihrt,
aus allen Wasserii dus Ainmoniak verschwuridcn ist, der G ehalt an Salpetersaure dagegen sich nicht im Geringsten wriindert h;lt. Die JVbsser zeigen sammtlich nocli jetzt ganz
(lieselbe Menge Balpetershure, als a n deni Tage, wo icli sie
tler Sonne ausgesetzt ; der Stickstoff der Balpetersiiure also
ist xur Bildung der nicderen Organisiiien nicht verbranclit
worden. Hieran anschliessend, berichtete ich der ~esellschaf'tiiber
5 angestellte Versuche, die beweisen sollen , welchen EinHuss
die in der Luft befindlichen Sporen hei Bildung der sich irn
Wasser entwickelnden Organismen haben, und dass auoh hier
die sich auf geeignetem Boden entwickelnden kleinen Orgnnismen der Luft durch Ihurnwolle euriickgel~alten werden.
Hei allen fiinf Versuchen wurde am 25. August atis cin nntl
demselben Brunnen geschopftes TVasser, das zienilich rcicli an
Ammoniak wie Salpeters6ure war, verwcndet.
Zum ersten Versuch wnrde d a s Waseer in einem niit
einer Glasplatte lose bedeckten G-lase, diixkt wie es vont
Rrunnen genoniinen, der Soline ansgesetet. Sdiori ;tit) vier1en
Tage zeigten sic11 die crsten Aiiltiiige griiner Organisinen,
[lie sicli bis JIitte September vernielii*ten. .Urn cliese &it
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Ueber Voriintlcruogen des Trinkwassers.
horle die Weitcrentwicltelung anf; gleichzeitig war alles
Ainnionialr a m dem Wasser verschwnnden , die Menge der
Salpetcrstiure aber nach wie vor dieselbe. Der zweite Versnch wnrde so angestellt, dass das Wasser vor dem Einfiillen in das lose hedeclrte Glas eine halhc
Stunde lang lebhaft geltocht wnrde; hier also waren sicher
die im Wasser hefindlichen 8poren getodtet. Dabei sei
erwiihnt, dass das Wasser bei dein Xochen ungefahr $/3 seines Amnionink - Gehaltes verlaren hatte. Ebenfalls der Sonne
ansgesetzt, zeigten sich bei diesem Wasser nach seehs Tsgen
die ersten Anfange der organischen Entwickelung; Mitte
September war aueh hier dieselbe heendet. Die entmickelten Orgsnisnien konnten nus von den in der Luft enthnltenen Sporen herriiliren. Unter dem Mikroskop zeigten
sich die gebilcleten Organismen identisch mit den im nicht
gekochten Wasser entstandenen und zwar waren es ausser
Infusorien ,,Protococcus - Arten iind Diatomeen, " nur war die
Menge der griinen Alge eine bei Weitem geringere, als wie
bei dem nicht gekochten Wasser. Es bestiitigt dies meine
oben niitgethcilte Beobachtnng, d a ja in der That das gekochte Wasser weit weniger Ammoniak enthalt, als das nicht
gekochte. Zuni dritten Versuche wnrde in einem ungeffihr 1/4 Liter
fassenden Kolben mit langem Halse wenig destillirtes Wasser
gebracht und dies SO lange gekocht, bis ails dem Kolben alle
.Lnft verdriingt war, hieranf der Hals mit einem Kautschuk Pfropfen lufldicht versehlossen. Am Brnnnen selbst wurdo
nun der Pfropfen unter Wasser, das jetzt naturlich in den
inftleeren Kolben hereinsturzte , heruntergenommen, der Hals
sofort mit vorher durch Kochen in Weingeist gereinigter
Bauinwolle lose gefiillt und nun das Wasser ebenfalls der
Sonne ausgesetzt. Nach 5 - 6 Tagen zeigten sich auch hies
die Anfiinge der organisclien Entwickelung, die sich bis Mitte
September erheblieh verniehrten. E s sind dies, wie ich mich
durch einen anderen ebenso angestellten Versnch uberzeugt
hahe, nusschliesslich chlorophyllhaltige Yrotococcus - Arten ohne
irgend mwlche' Diatomeen. Die hier eingetretene Entwickelung
Arch. d. Pl1nr111. C X C I X . BAa. I . Hft.
3
34
Ueber Verinderungen des Trinkmassers.
niuss, wenn in der That die Bauniwollc die in der Lnft
enthaltenen Sporen zuriickhiilt, lediglich von den im Wasser
schon vorhandenen Sporen herriihren. Zum vierten Versuch wurde ebenfallls in eincn Kolben,
auf dessen Hals icli eine eweimal rcchtwinklig gebogene , an
beiden Seiten offene Glasrohre luftdicht aufgesetzt , e t m ?
destillirtes Wassor gebracht und dasselbe bis zur Austreibung der Luft im Kochcn erhalten; dann wurde die iinsserr
Oeffnting der Robre in schon eine halbe Stnncle lang gelrochtes Wasser wiihrend des Siedens getaucht. Das hochende
Wasser stieg nun in dem Maasse, als die Wasserdiimpfe im
Kolben sich abkiihlton, in den Kolben. Sobald derselbe voll
war, wurde sofort der Hals mit ebenfalls vorher gereinigter
Baumwolle gefiillt, nnd das Wasser der Sonne ansgesetzt.
Das Wasser ist nocli jetzt ebenso klar wie vorher, cs haben
sieh absolut keine Organismen entwickell. Die in dem Waseer enthaltenen Sporen sind also durch das vorhergegangeno
Kochen vollig getodtet und die in der Liift vorhandenen in
tler That durch die lose aufgcstcckte Btlarnwolle voilig zuriiclrgehalten worden. Der fiunfte Versuch endlich wurdc wie der vicrte angeHtellt, nur schmolz ich hier, nachdcm das kochende Wasser
In den Kolben gestiegen, die iiusserc Ocffnung der Glasd i r e zih
Selbstversthndlich konnle hier cine organische
Hntwickelung nicht eintreten iind ist auch nicht eingetreten.
Aus diesen Versuchen geht hervor, dass die Bildnng
der Organisrnen beim Stehenlassen unserer Trinkwiisser theils
von den schon im Wasser befindlichen, theils von den durch
dic Lufb in dasselbe gclangten Sporen herrdhrt; dass die
vermittelst dcr in dcr Ln ft enthaltenen Sporen gebildeten
Organismen dieselben sind , wie die bei Abschluss der Lnft,
wo nur Diatomeen nicht entstehen, sich bildenden; dass die
im Wasser befindlichen Reime beim Koehen getbdtet und die
in der Luft enthaltencn durch Baumw-olle zuruckgehalten
werden. Pralrtisch verwerthen will ich diese Versuche im kiinfligen Somnier , wenn die Sonne die Versuche begiinstigt,
Uebcr Vcr2ndcruitgcn cles Trinbwvfisscw.
35
insofern, als ich durch die so sehr gcriilimlen Kohlcnfilter
filtrirtes Urunnen-ovasscr soforl in der beschriebenen Weise
in einen Xolben bringen und, rnit gereinigter Baumwolle
hetleclrt, der Sonnc rrusset7.cn wcrde. Sind , wie bchnuptet
wird, in der That (lie Sporen dnrch das Filtriren zuriickgcMebcn, so koiint,e, wic beim gekochten Wssser, keine orga-.
nisehe En twickelnng in dieseni Wasscr entstehen. Ware
dies docli der Fall, so gingen also die Sporen dnrch die
Kohle durch, das Filtriren selbsl hatte nur cinen geringen
Werth. -
Urn endlich synthetisch nachanweisen , ob die im Trinliwasser sich bildenden Urgsnismen mit den chemischen Bestandtlieilcn desselben in irgend welcheni Zusammenhsng &hen,
oder oh dieselben rein den1 Zufall zneuschreibcn sind , habe
ich Anfang Septembers verschjedene Flaschen mit chemisch
reinem, destillirten Wnsser , in welches icli , den) Gehalt der
Trinkwiisser angemessen , in die eine Flasclie salpetersaures
Ammoniak, in die andere snlpetersaures Xali, in die dritte
kohlensaures Anmoniak, in die vierte phosphorsanms Natron
itnd in die Elinfte Chlornatrium gebrecht, der Sonne ausgese tz t.
Es zeigte sich trotz des lebhaften Sonnenscheines bis
Ende SepLember absolut keinerlei Bildung irgend w-elcher,
weder thierischer noch pflanzlicher, Organiamen. Die in der
Tiuft enthaltenen Sporen hatten also trotz des vorhandcnen
Ammoniaks , der Salpetersaure etc. in den Wassern keinen
keimnngsfGhigen Boden gefunden ; es muss in Folge dessen
in den Trinkwassern doch noch etwas Andres vorhanden
sein, was die Entwickelung der Sporen begunstigt. - lim
die liingcstellten destillirten Wlsser nun den TrinkwLsern
iihnlicher zu machen , fugte ich zu jedem etwas kohlensauren
lialk, gelost in Xohlensaure, zu; bis heute ist aber trotz dieses Zusatzes eine Entwickelung von Organisnien nicht erf'olgt.
Im nachsten Sommer werde ich mit diesen Versnchen fortfahren, werde in jedes der Wiisser cine kleine
Menge irgend welcher o r Q a n i s c 11 e n S u b s t a n z zufiigen
3"
33
fler Erstarrungspunkt clcs Broms
und sehen, ob dadurch vielleicht die Sporcn der Luft zun
Keimen veranlasst werden. In jedeni Falle erstatte ich iibei
die gewonnenen Itesullate Bericht.
J# M.
In Betreff der eben besprochenen Verhiiltnisse verdienl
nachgelesen zu werden: 11. Y a s t e u r , MBnioire SUP les corpuscules o r g a n i s h , p i existent dans l’atniosphhre; exameu
de la doctrine des g6n6rations spontan4es. (Annales de chimie et de physiqne 111. s&., tome 6 4 , pag. 5-110;
1862.)
Ein Auszug dieser Abhandlnng findet sich in1 Jonrn. f. prakl.
Uhem. 1862, Bd. 85, H. 465 -- 472 nnd in Kopp- Will’s
Jahresb. f. 1861. (Giessen 1863.) S. 159 - 163.
H.Ludwig.
Dep Erstarruagspunkt des Broins
(des wasserfreien)
liegt nach H e i n r i c h B a u m h a n e r bei - 24O,5 Cels. Das
feste Eroni erscbeint als eine rothbraune (nicht bleigrane)
lirysta!linische Masse. ”) Danach isC auch die Angabe in
Nr. 1 (3. Jan. 1872) des chemischen Centralbletts zn berichtigcn, nach welcher dieser Punkt bei 2445 liegen soll.
H. L.
”) Berichte d . dentscli. cheni. Gesellsch. zu Berlin. 4. Jahrg. Nr. 17.
S. 927 vom 11. Dee. 1871.
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