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Untersuchung der officinellen Fructus Papaveris auf Morphin Narcotin und Mekonsure.

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G. Krause, Cntersuchung der offloinellen Fructurr Papavcris etc.
507
dem Chinidin der Fall und awar dergestnlt, dass auch kleine
Spuren Cliinidin als Beirnengung bei den andcrn Alltalo'idcn
leicht erkennbar sind.
Zuniichst nach dem Zusammenbringen der Chinidinlosung
mit Rhodankalium findet die Bildung olartiger Tropfen statt,
die indesien alliuahlig erstarren und dann bei durchfallendem
Liclite brliunlich gelb, bei anffallendem Lichte porcellanartig
weiss erscheinen.
Die runden Tropfcn reihen sich bald an einander, uic
Sflanzenzellen oder Kettenpilzc, und bilden dann Gruppen, die
i n ihrer Gesammtheit eich sehr wolil mit kleinen %\wigen
von Thuja odcr Laubmoosen vergleichen lassen. Dicse Erscheiuungen treten mit sehr grosser Sicherheit ein , wenngleich die Zeitdauer ihrer Erscheinung etwas variirt.
l!
I
Fig. VI.
Fig. V.
--
Untcrsuchnng dcr officiiiellen Fructus Papaveris ruf
lorphin , plTrtrcotiii und iVlckorrs8iiirc.
Von G. K r a u s e in Leopoldshall bei Stassfurt.
Es ist bckannt, dass die Friichte von Papaver somniferum L. irn unreifcn Zusttlnde das Opium licfern. Angestcllte
Versuche und die dadurch erzielten I L e d t a t e haben bewiesen, dass nicht al!ein der Orient Opinm aus jener Pfl:lnze
zu erLengcn verrnag. Seit Jahrea gewinnt niau in w w l i i e -
508 6. Ki-auac, Untcrsuchung der kffcincllen Fructus Papayerisdc.
denen Landern \.on Europa Opium, wdches, in1 Vergleiche
zu jencni, sogar noch reichcr an Mogh2um ist. I m Allgemeinen spricht inan das Opium von Smyrna fur das beste
an. Eine Durchschnittsangabe der wirkaumen Bestandthcile
von den verschiodencn Opium - Sortan IS,& sich nicht genau
feststellen, d a die Ereeugung dieser von dem Kliina, der
Kultur, dem Uodcn und der Art und Weitie der Gewinnung
nicht unabhlingig ist. Mali kann annchrncn, dass gutes Opium
(Pharm. Germ.) an 10 Yo Norphiurn, 4
Sacrotin, 5'0/0 Mekonsaure enthllt. Es wird hierbei yon andcrcn Alkalo'iden
und sonstigen Bestandtlieilcn abgeschen.
Was eben gesngt w-urde in Betreff der variablen G i i h
des Opium, lasst sich weiter ausdchncn auf die officinellen
Friichte seiner Stammpflnnze. Es sind das die erwiihnten
unreifen, walnnssgrosscn , getrocknctcn Capseln von Papaver
xomniferum. Sic haben scbon von jclier den Ruf eines Sedativum gehabt und sollen sclion von dem verdienstreichen Dioskorides von dnazarba als Ai.znciiiiitte1 augewendct xordcn
scin. Ebcnso waren sie Karl dcin Grossen belcannt. Auch
gegenwiirtig sind sic wicdcr von dar Pliarmncopoett Germanica und andercn khnlichcn Gesctzbiiclicrn aiifgcnoninicn.
Xari hat jcdoch neucrdings yon der eineii Seite an der Wirksainkeit dieves Medicnnientcs stark gezwcifelt , wghrcnd von
der entgegengesctztan Yarthci iibcrtriebcne Berichte , wohl
auf Irrthumern bcruhend , von den arzencilichen Stoffen gemacht wwrden. Es schien deninach angezeigt , die Alohnfriichte einer abermaligen genaucn Untersuc:hnng zu unterwerfen und hiertiei zunPchst nur Yorphiii , N a r c o h und Mekonsaure zu beriicksichtigen. Doppelt werth schien dies, da
in jiingstcr Zeit (Jsnuar 1871) von n'ittstein in 150 g.
Extract, aus 600 g, Fructus Papareris dargcstellt und ihm
vom Apothelier Gulielmo zugessndt, nicht die Spur von Morphiuin wahrgcnozumcn werden lionnte.
U h gleicli voni Anfange an jcder Einwendung aus dem
W e g c zu gehen, welche dcn Gang der Uiitersuchung angreifen moclite, lialtc ich es fur zw-eckentsprechcnd, dic Bchandlungsweise der Xohnfriichte auufiihrlich mitzutheilen.
1st
G. Krause, Untersuchung dcr officinellen Friictus Papaveris etc.
509
dicse auch in vieler Hinsicht iihnlich eincr allgenieinen Priifung des Opium auf Xorphium etc., so muss sic doeh in manchcr Weise modificirt werden. Ich untersnchte auf Morphin
und Narcotin qualitativ und quentitativ , auf Xekonsiiure nur
qualitativ.
Es wurde 1 Klg. der in der Apotheke vorrathigen, oficinellen Fructus Papaveris, also mit den Samen, in Arbeit
genommen. Znnachst wurden dieseiben contnndirt, d a m in
dreimal 24 Stunden dreinial hinter einander mit j e drci Liter
Wnsser ubergossen , in einem geschlossencn irdenen Gefassc
untcr haufigem Umriihren digerirt und d a m vermittelst eincs
Colirtuches mit den Hiinden ausgcpreast. Jcder einzclne huszug wurde durch Eisenchloridlosnng auf Mekonsaure gepriif't
and folgendes Kesultat crzielt. 13s trnt sclbst in cinigcn
Tropfen dcs lctzten hellbrauncn Int'usum nach Hinzuliigung
eines kleincn Tropfcns dcs Rcagens einc deutlich sichtbarc
Reaction, blutrothe Streifen, ein , mithin Vorhandcnscin von
Mekonsaurc, demnach auch yon Opium.
Die vcrcinigten,
abgesetzten und nochmals colirten dnnkclbraunen Ansziigc
wurden nun bis zu eincm Drittct- Pliissigkcit, gleich drei
Litern, eingedampft. Bei dem weiteren Verfahren richtcte
ich mieh nach den Angaben, welchc uber Morphium -Hcreitiing
vorhandcn sind (Wittstein's ansgexcichncte ,,Darsteliung chcmischer Priipnrate.")
Ich ordnete jedoch fiir diesen Fall einc
mir zweckmiissig erscheinende Abiinderung an. Da man gntes Opium, welches circa 15 o/o Alkalo'ide und 5 o/o Yekonsame enthiilt, mit 25°/0 Kalkhydrat behandeln wiirde, so that
ieh dies in analoger Wciac mit jenen Ausziigen. Ich nahrii
die blohnfriichte als cin - bis eweiprocentig a n und verwandte
demnach ungefiihr den 12. Theil von jener Menge, niimlich
2 oj'o oder 20 g. fur die ganzc Quantitiit. Ich brachtc das
Kalldiydrat mit 200 g. IV'asser zum Kochcn und setztc dann
allmahlig das Mohncxtract unter bestlndigem Agitircn hinzu.
Uie ganze Pliissigkeit wiirde dnnnch noch eine halbe Stunde
lang im Kochen erhalten, absetzcn gelassen, colirt unct der
abgepresste Kalk zwcimnl mit jc einem halbcn Liter I V ~ S S C ~
wiederholt ausgckocht. Hicrauf wurde dcr Kalk zur wcit.eren
510 G. Krause, Gntcrsuchung der officinellen Fructus Pspavcris ate.
Priifiing auf Karcotin und Melionsiiiir~ bei Seitc gestellt.
Siirnmtliche kalkhaltige Flussigkeiten liess ich bis auf 4 Liter
einifarnpfen und filtrirte sie. Das Filtrat wurdc in einer
l’orcellanscha!e zum Kochen erhitzt , 1 0 g. Salmiak hinzugesetzt und eine Stnnde lang linter stcteni Urnriihi.cn gekocht.
Danach stellte ich die Schnlc rnit Inhalt an einen kiihlen Ort
und liess sie wahrcnd acht Tage stehen. Nach Verlauf dieser
%eit goss ich die Fliissigkeit durch ein Filter und bemerkte
auf dcm Boden dcr Schale cinen Niederschlag, welcher nach
einigen Abwaschungen niit knltem Wasscr weisslich erschien.
Ich glaubte, durch ein weitcres Eindampfen und Stehenlassen
der hlutterlaugc nochmals einen iiiederschlng zu erhalten,
hatte mich jedoch gctiiuscht. Ich that jene fragliche Substanz in einen Kolben, iibergoss sie mit 100 g. Spiritus
(I’harm. Germ.) und figte Neinsaure bis zur stark sauren
Kcaction hinzu. Dic hiischung wurde einige Stunden lang
bei gelinder Wiirmc digerirt, der Auszng nach dem Erkalten
in ein Porcellanschiilchcn filtrirt , der Ruckstand rnit kleinen
Mengen NTeingeist derselben Stiirke ausgewaschen und die
Filtrate im Wasscrbade eingcdampft. Die restirende schmierige, braune hlasse wurde, nachdem sie erkaliet, rnit wenig
Alkohol angcrieben und dnnn rnit einer grosscren Menge
nufgenommen. Dicsc Fliissigkeit wurde wicdcr filtrirt und eingedampft. Den Abdampfiingsrest lostc ich in wenig ‘M‘asser,
f’iigte zwei Tropfen Katronlauge hinzii, so dass trotzdem die
saure Reaction noch vorherrschte. Zii der gclblichen Losung
gab ich in einem Reagensglase die gleiche Alcnge Aether
und schuttelte stark dnrch. Nachdem sich die Aetlierschicht
yon der wasscrigen Fliissigkcit getrennt hatte, hob ich sie
niit einer Pipettc ab, goss eine neue Qiiantitgt Aether hinzu,
schiittelte wicdcr und entfernte diesen. Hei dcr vierten
Behandlung auf gleiche Weise blieb der Aether klar. Ich
versetzte nun die gerciiiigtc doch imrner noch gelbliche Alkaloidsalzl~rung, als wclche ich sie ansprach, mit uberschiissiger Katronlauge und schiittelte sie wiederholt mit A ether.
Kach Trennung desselhen mischte ich eine concentrirta Sal~uiid~liisung
hinzu und schiittelte sofort mehrnials rnit Amyl-
G . Krausc, Untcrsuchung der officinellen Fructus Pal’areris etc.
51 ’1
dlrohol. Ich rcrdunstetc die::e Ansziige irn Wasscrbade iind
naliin den Riicltstnnd niit \\-armem \I.Tasser auf, w e k h e s dui,ch
Ich reinigte die Solution
SchwefelsSure angesauert war.
tlurcti bftercs Schiitteln init Anijlalkohol.
Endlich machtc
ich sic mit Animoni:ik alkalisch und behandelte sic wiedcrnrri
init Fuseliil. Dieser A u s z u g w r d e i n i lvasscrbade vcrdampft;
xucrst in einem Yorccllansch~lolien, wonar~h e r anf ein farirtes
Uhrglas iibertragen und zur Trocline gcbracht w i d e . D:is
Kcsultat war f‘olgendes :
7,1385 Gewicht d w Substanz mit dem Uhrgl:tsc.
7,1175 Cewicht des Uhrgiases.
- - - .- - .
0,0210
Gewicht
des erhaltcnen Riiclistandes.
__ . - - -.
IXcsen nun unterwarf icli cincr niihttron l’riifn ng, wdche
gleich Norphiurn beriicltsichtigtc. Tch stellte folgcnde zwci
liaactionen an. Ich betupfte Praglichcs mit wenig cwicentrirter Salpctcrsiiure, wobei dit:sc iwth gefirbt wirdr. Glcichf’alls erliirlt ich cine rothe Fiirbung, als ich cine nciie l’robc
in eincm ScOiilchen niit Schvvefclsiiurc erwiirmtc, er1i:dtcu licss
iind darauf einen halben Tropf‘en SalpctersBurc hinzuselzte.
.Hiernach war erwiesen, class Xorphium wirklich vorlianden
und zwar 0,0021 %.
Ich schritt niin zur UntermAiiing d(:s Kalkriickstandes
auf Xarcotin nnd M(:konsiiure. Codein und Thehain betrnchtete ich als nicht vorhanden. Ich digerirte den Kalk mehrmals hinter einander mit starkem lVeingcist.e, filtrirte ab,
fiigte dem Filtrate cinige Kornchen Weinsiinre bis zur sanren
Reaction hinzu i i n d verdampfte es im Wasserbndc. D e r lteinigungsprocess decl Vtrl.daIlil)fungsrcsles gesclidi in gleicher
Weise, wie oban beini Morlihinrn niirliilirlicli siigcgchen wnrde.
S t a t t Aether und Amylalkohol wcndetc ich nur Aether Z ~ ) D I
Reixiigen und naclilicr mini Liisen nus dcr mit K‘atronlauge
alkaliscli gexnachten Fliissigkeit an. Die Aetherl6sung verdampfte id1 wiedcr bci gelindcr IYiirme, zii1ct;l.t in jenem tawirten Uhrglase. Es verblicb ein Riickstnnd. Bei den) Eindainpfbn riahln ich eineii eigentliiirnlichen, starkon, betiiubenden
(;erucli wahr. Die Wiiagc gill an :
512 G. Krauw, Unfersuchung der officinellcn Fructus Papaveris etc.
7,1263 Gewicht dcr Substanz ruit dcm Uhrglase.
7,1175
Gewicht des U hrglascs.
.
0,()090 Gewicht des erhaltrnen Iiiirpers.
Es bestand dieser hariptsiichlicli aus feincn Krystallen,
wclche mit unbewaffnetem Augc, noch vie1 bcsser unter dein
Nikroskopc a19 ein Cnnglomerat spiessiger oder nadclformiger
Saulchcn erkannt wnrden. Schon diese Eigcnschaft war chnracteristisch genug, um Xarcotin erkennen zu lassen. Ich
befeuchtete einen Thcil mit Schwefelaiiure, welche diesen mit
gelber E'arbe loste und bcim Erhitzen in Roth iibcrging. Dieselbe FZrbung trat ein, als ich den anderen Theil der Probe
mit Schwefelstlure annebzte und mit einem Glasetabe eine Spur
Salpctersiiure hinziigab. Mithin war auch die Auwevenheit
von Narcotin festgestellt, also: 0,001).%.
Dexn mit Spiritus extrahirten briiunlich aussehcnden Kallre,
welcher die Mekonsiiuro nnch einschloss , wurdc Salzsiiure
mit Wasser sehr verdiinnt eugefugt und bis zur Losung gelinde
erwarmt. Diese erfolgte vollstiindig , his auf Abscheidung
einer gallertartigen braunen Substanz. Ein Tropfen der abfiltrirten Flussigkeit, niit Wasser verdiinnt und rnit Eisenchlorid in Beriihrung gebracht, geniigte, uni deutliche Reaction
auf Mekonsiiure hervorzurufen. Das ganze Piltrat und ein
zweiter Auszug der Gallerte mit salzsarirehaltigem Wasser
wurden rnit Thierkohle gereinigt und nun versuctit, dureh thcilweises Eindampfen bei nicht zu hoher Temperatur nnd Stehonlassen eine Ausscheidung von dern sauren Salze des mekonsauren Kalkcs erfolgen zu lassen. EY gelang dies jednch nicht.
Desgleichen erhielt ich ein negatives Resultat, als ich ein
weiteres Verdampfen unter Zusatz von mehr verdiinnter 8alzsliure vornahm und Nckonsaure in natura erwartete. Nach
jedem Einengen wurde die Priifung eines Tropfens dcr
Flussigkeit rnit Eisenchloridliquor auf eineui Uhrglase mit
weisser Unterlage vorgenommen, wobei die Reaction, blutrothe
Xreislinien, sich stets mit vollendeter Scharfe zeigte. Auch
konnte man bernerken, dass die Reaction, j e concentrirter die
Losung, desto starker auftrut.
G . Erause, Untersuchung der officinellen Fructus Papaveria etc. 513
Die ganze Analyse hat also ergeben, dass die untersuchten Fructus Papaveris an Morphin 0,0021 o/o, an Narcotin
0,0009 o/o und an Nekonsiiure eine entsprechende Menge
enthielten. Will man nach diesen Resultaten das vorhanden
gewescne Opium berechncn und nimmt dieses, in Bezug auf
Morphium, als zehnprocentiges an, so waren davon in jenen
Friichten 0,021 o/o. Demzufolge waren freilich die wirksamen
Bestandtheile der Yohncapseln so geriug , dass eine weitere
Vorsicht bei dem Dispensiren derselben nnd bei ihrer Anwendnng kaum mehr nothig schien. Bekanntlich ist die Masimaldosis des Opium, i. c. pro dosi, beinahe acht ma1 grosser,
als oben erwahnte Zahl, vorausgesetzt, man genosse ein Absud von 100 g. Mohnfruchtcn auf einmal. Man verordnet
jedoch zum Infusum gewolinlich nur 10- 20 auf 100- 150 g.
Es liisst sich aber aus vorliegender Untersuchung auch ein
anderer logischer Schluss ziehen. Man weiss, dass aus unreifen, frischen Mohncapseln im Inn - und Auslande Opium
gewonnen werden kann.
Es ist ferner durch Wittstein vor Kurzem erwiesen, dass
die getrockneten Friichte nicht die Spur Morphium, deswegen
auch kein Opium, enthalten konnen. Meine Untersuchung
giebt an, resp. bestatigt, dass eine Uttelstufe vorliegen muss
mit relativ geringer , dem ungeachtet immer noch erheblicher
Xenge Opium. Die Quantitat, desselben hangt lediglich von
dem verschiedenen Reifestadium der Friichte ab. Je niiher
diese der volligen Reife sind, desto mehr schwindet der Gehalt
an Opium. Um daher ein moglichst wirksames Nedicament
zu erhalten, wird darauf zu schen sein, dass die Friichte wirklich ,,Fructus Papaveris immaturi" sind. Sie durfen noch nicht
aufgesprungen sein, miissen im Gegentheil die unreifen Samen
noch enthalten. Ihre Grosse sei kaum gleich einer Walnuss.
Ihre Farbe sei im frischen Zustande blaugriin. Das Trocknen
geschehe bei nur gelinder Warme, nicht zu schnell und nicht
in den directen Strahlen der Sonne. Es miissen diese zwar
bekannten Rcgeln aus dem Grunde ausdriicklich crwahnt und
wiederholt werden, da die Friichte, deren Extract Wittstein
untersucht, hiitten Opium enthalten miissen, wenn sie regelArLroh. d. Pharm. XI. Bde. 0. Hft.
33
614 0.ffrause, Untersuchung der offirinellea Fructus Papaveris etc.
recht gesammelt und getrocknct worden wiiren. Wie erwahnt,
stammten sie aus eincr Apotheke, welcher das Gesetz ,,Fructus immaturi" vorschreibt.
Nebcn den Resultaten und Folgerungen der chemischen
Untersuchungen der Mohnfriichte kann man sich gleichzeitig
die Erscheinungen bai physiologischen Experimenten vergegenwartigen. Es beweisen diese genugend , wie stark sedirend die aus Jenen bereitetcn Arzeneien , als ,,Hausmittel ''
vielfach angewendet, wirken, demgemass haufig grossen Schaden verursachen. Erst neuerdings (3liirz 1874) wurde in
cinem pharmaceutischen Fachblatte dringend aufgefordert, die
Abgabe dcr Capita Papaveris ad usum mercatorium durchaus
nicht zu gestatten, da mit diesen in manchen Gegenden Siiddentschlands der grosste Unfug getrieben wiirde. Die Landleute bedienen sich derselben, um bei ihren jiingeren Kindern
einen kiinstlichen Schlaf herbnizufiihren und urn dadiirch der
Pflcge derselben ftir vielc Stunden entbunden zu sein. Die
schadlichen Folgen, eine Storung des Nervensystems des kindlichen Organismus, blieben selten aus. Ausser diesem Falle
und anderen Fallen kann ich folgende Geschichte mittheilen
und vcrburgen. Ein Kind von einem halben Jahre bckam
ohne Wissen seiner Eltern von der Wiirterin taglich ein Absud von Fructus Papaveris, 4 Kipfe auf 1 Tame zu trinken,
,,wenn es unruhig war und nicht schlafen wollte." Selbstverstiindlich stellten sich die iiblen Wirkungen sehr bald ein.
Das Kind wurde schlafrig, d. h. hatte stcts X'eigung zum Schlafe,
war abgespannt, und es schien Benommenheit des Kopfes
einzutreten. Schliesslich ward es vollstandig theilnahmlos
gegen alle ausseren Eindriicke und verblicb in dicsem Zustande, bis die Eltern nun gliicklicherweise durch eine dritte
Person auf das Treiben der ,,Pflegerin" aufmerksam gemacht
wurden. Man stellte natiirlich sofort das weitere allnllihliche
Vergiften ein und wendete eine gemasse Behandlung an.
Es verging jedoch geraume Zeit, ehe diese zur vollstandigen Wirkung kaln und das Kind sich orholte. Jetzt,
nach Verlauf niehrerer Jahre, ist die normale Beschaffen-
E.Almquist,
Galle
11.
Srhwefcls
:I.
Rcngens a. Glykoside?
515
heit des Korper - und Geisteszustandes wieder eingetreten,
und es konnen schiidliche Folgen nicht mehr wahrgenommen werden.
Hann Grtlle und Schwefelstiure als Reagens auf Glykoside dielien?
Von E. A l m q u i s t .
(Ihgesendet von Prof. Husemann in Gdttingen.)
2) In dein Berichte der deutwhen chemischen GeseIIschaft zu Berlin fur Februar 1874 findet sich ein Aufsatz
unter dem Titel: Beitrage zur Auffindung des Digitalins und
Atropins. Der Verf. H. R r u n n e r in Zurich betont hier
zucrst das Bediirfniss, eine neue Reaction auf Digitalin aufzufinden, da alle bisher gekannten ein hochst unbefriedigendes
Resultat liefern und schlagt vor als Reagens Galle und Schwefelsaure anzuwenden. Er geht von dem bekannten Factum
aus, dass die Glykoside von Schwcfelsaure so xerlegt werden,
dass Zuckor gebildet wird, somit auch nach Zusatz von Galle
und Schwefelsaure P c t t e n k o f e r s Gallenreaction geben.
Der Verf. hat diesem Plane gemiiss Versuche angcstellt
und die Methode sehr empfindlich gefunden: 1 Cc. von einem
Decoct von Digitalisblittern (180 Cc. Wasser und 0,3 g. Blatter) gaben noch dcutliche Reactionen. Andere Stoffe, welche
untersucht wurden , Weinssure, Milchsiiure, einige Alkalo'ide
gahen vollkommen negatives Resultat.
In Veranlassung hiervon habe ich einige Versuche angestellt, um zu erfahren, welche Stoffe mit Galle und Schwefelsaure P e t t c n k o f e r s Reaction gebcn. Dabei bin ich auf
folgende Art zu Werke gegangen : Krystallisirte Galle wird
in absolutem Alkohol gelost, so dass die Losung 1,s o/o Galle
enthalt, davon wurde 1 Tropfen in eine Porcellanschale gebracht, der Spiritus verdunstct, 8 Tropfen (10 o/o) Schwefelsaure nnd darnach eine unbedeutende Mcnge des Stoffes, der
untereucht werden 5011, hinzngesetzt, wonach die Schale vorsichtig crwarInt wird, bis die Reaction eintritt. Auf solche
33 *
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