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Versuche Uber die Brauchbarkeit von Herba Equiseti als Diuretikum.

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Matricaria charnomilla L. und Matricaria discoidea L.
53
T a b e l l e 2.
Priifung von 01. Matricariae am rechten Meerschweinchenauge und von
01. Discoideae am linken Meerschweinchenauge.
Heilung nach Tagen
Matricaria-Auge
Discoidea-Auge
Meerschweinschen Nr.89. . .
4
< 15
,, 9 0 . . .
2
11
,, 91 . . .
3
13
,, 9 2 . . .
2
15
,, 9 5 . . .
2
< 15
,, 9 6 . . .
3
< 15
97. . .
3
< 15
9
,, 9 s . . .
3
< 15
t
,, 9 9 . . *
3
< 15
,, 100. . .
2
< 15
1,
Wir wollen mit vorliegenden Ausfuhrungen der Matricaria discoidea nicht jeglichen Heilwert absprechen. Die strahlenlose Kamille
mag ein wertvolles Karminativum und Antispasmodikum sein, vielleicht auch wertvolle Dienste als Anthelmintikum leisten (L e c 1e r c ,
1930), sie vermag aber nicht, und das haben unsere Untersuchungen
eindeutig gezeigt, die echte Kamille in allen Fallen zu ersetzen, da ihr
der wesentlichste und wirksamste Bestandteil der echten Kamille
fehlt, das entzundungswidrige Prinzip im atherischen 01.
S c h r i f t t u m.
F e i s t , Apoth.-Ztg. 1934, 1157.
H a r t w i c h , Zytologische und pharmakognostische Untersuchungen iiber
Matricaria discoidea D. C., Dissert. der Universitat Berlin, 1936.
H e u b n e r unld G r a ib e , Naunyn-Schmiedebergs Arch. exp. PathoI.
Pharmakol. 171, 329 (1933).
H. L e c 1 e r c , Presse mkdicale 1930, Nr. 84.
L a k o w i t z , Apoth.-Ztg. 1932, 233.
H. R O B , Heil- und Gewiirzpflanzen 1917, Nr. 2.
A. W a 1 t e r , Pharmaz. Ztg. 1919, 304.
R. F. W e i 13, Hippokrates 1938, 41.
853. Kurt Breitwieser:
Versuche iiber
die Brauchbarkeit von Herba Equiseti als Diuretikum.
(Mitteilunig aus dem Pharmakognostischen Institut der Technischen Hochschule,
IBr,aunschweig. Leiter: Prof. Dr. K.J a r e t z k y).
Eingegangen am 18. Oktober 1938.
Die Verwendung des Schachtelhalmes als Diuretikum ist nach
H a a s (1) und nach M a d a u s (2) schon Dioskorides und Agrikola
bekanntgewesen. Auch I b n B a i t h a r erwahnte die Anwendung der
Droge bei Nieren- und Blasenerkrankungen. Spater wird die Droge
im gleichen Sinne von F u c h s (1543), B o c k (1565), L o n i c e r u s
(1582), M a t t h i o l u s (1590), O l i v e r d e S e r r e s (1651), T a -
54
Kurt Breitwieser
b e r n a e m o n t a n u s (1687), v. H a l l e r (1755), L e n h o s s e k
(1826) und anderen empfohlen. In neuerer Zeit will B r e i t e n s t e i n
t 1904) eine 30 %ige Steigerung der Harnausscheidung, I-I e r r e (3) bei
Verabreichung eines 6%igen Aufgusses an Ratten nach 45 Minuten
eine 68%ige und V o 11 m e r (4) an Kaninchen eine Steigerung von
23.2% bzw. 49% und an Mausen von 38.6% beobachtet haben. Bei
den Versuchen H e r r e ’ s fallt auf, dafi eine Mischung von Herba
Equiseti und Nerba Thymi im Verhaltnis 3 : 1, obwohl die beiden
Drogen fur sich gegeben eine Steigerung von 68% bzw. 49% ergaben,
die ausgeschiedene Harnmenge nach K Stunden nur um 20% vermehrte. G e s s n e r (5), S c h u 1z (1920) und andere Autoren haben
die diuretische Wirkung auf den Gehalt der Droge an loslicher Kieselsaure zuruckgefuhrt. M e y e r (6) hat sogar die als Diuretika verwendeten kieselsaurehaltigen Drogen zu einer besonderen Gruppe
zusammengefafit. Jedoch haben die erst kiirzlich ausgefuhrten Versuche vonR. J a r e t z k y , K. B r e i t w i e s e r und F. N e u w a l d (7)
ergeben, da8 der in Losung befindlichen Kieselsaure eine diuretische
Wirkung keineswegs zugeschrieben werden kann. Schon vorher hatten F 1 u c k (8) und K r e i t m a i r (9) bezweifelt, dai3 Herba Equiseti
der Kieselsaure ihre diuretische Wirksamkeit verdanke. K r e i t m a i r ist auf Grund seiner Untersuchungen am Harnblasenfistelhund der Ansicht, da8 die diuretisch wirksame Komponente der
Herba Equiseti ein leicht zersetzlicher organischer Korper ist. Besteht diese Annahme zu Recht, so wiirde sie uns eine befriedigende
E-rklarung fur die von J a r e t z k y , B r e i t w i e s e r und N e u w a l d
erzielten negativen Ergebnisse mit den durch %stundiges Auskochen
der Droge am Ruckflufikuhler erhaltenen wasserigen Auszugen
geben. Andererseits werden nun aber von anderen Autoren die Angaben uber die diuretische Wirkung des Schachtelhalmkrautes iiberhaupt in Zweifel gezogen (S p i e 1 m a n n , 1783). H a a s (1) konnte
in letzter Zeit im Selbstversuch mit einem Extrakt von Schachtelhalm keinerlei diuretische Wirkung beobachten. Zur Klarung der
Frage, ob und wieweit der Herba Equiseti eine diuretische Wirksamkeit zugeschrieben werden darf, habe ich mit verschiedenen Zubereitungen der Droge nach der Methode von J a r e t z k y und N e u w a 1 d (10) biologische Versuche durchgefuhrt.
Es wurden hierzu jeweils zwanzig etwa 100 g schwere Albinoratten drei Tage vor Beginn des Versuches mit taglich 200 g Haferflocken und 200 ccrn frischer lvIilch ernahrt. Vom vierten Tage an
bekamen die Tiere bei gleichbleibender Ernahrung je 100 g Korpergewicht 5 ccm der Untersuchungsfliissigkeit oder 5 ccm Wasser mit
einer Magensonde eingefuhrt. Da K r e i t m a i r nach einer brieflichen Mitteilung seine Versuche mit fertilen Sprossen durchgefuhrt
hat, habe ich zunachst diese auf diuretische Wirksamkeit gepriift.
Aus 200 g frischen braunen Sporophyllstanden habe ich 30 g Pre8saft gewonnen, der den Versuchstieren in einer Verdiinnung von
5 : 100 ccm Wasser verabreicht wurde. Diese Konzentration wurde
bei Annahme von 85 % Wassergehalt in den Sporophyllstanden einem
5%igem Dekokt aus der Droge entsprechen. H e r r e hat seine Versuche mit 6%igem Dekokten angestellt, fur die fruher von uns mit-
Brauchbarkeit von Herba Equiseti als Diuretikum
55
geteilten Versuche wurden 10% ige Abkochungen verwendet.
Ergebnis dieses Versuches zeigt Tabelle 1.
Das
T a b e l l - e 1.
GesamtpreBsaft ,der fertilen Sprosse von Equisetum arvense.
2Q. bis 27. Jsuni 1938
I
I-
Wassertage
1
PreBsafttage
I
Mittelder
I l.Tae
Gewicht der 20 Ratten
in g 1796
Eingefuhrte Flussigkeits. . . in ccm 89
menge
Ausscheidung
nach 45 Minuten in % 40.4
nach 60 Minuten in % 54.0
nach 4 Stunden in % 183.7
Es ergab sich also keine Steigerung der Diurese. Die geringe
Erhohung der Ausscheidung nach 4 Stunden liegt durchaus innerhalb
der ublichen Fehlergrenze. Die Ausscheidung an Kieselsaure, die ich
bei diesen wie auch bei den folgenden Versuchen zur Kontrolle der
friiher erhaltenen Ergebnisse nochmals gepruft habe, betrug an den
Wassertagen im Mittel 1.14 mg, an den PreBsafttagen 1.05 mg SiOn.
Eine Vermehrung der Kieselsaureausscheidung war auch nicht zu erwarten, da der frische PreBsaft der Sporophyllstande nur 0.021 %
Kieselsaure gelost enthielt (bestimmt nach der Methode von J a r e t z k y und D r i m b o r n) (ll), mithin 100 g Ratten nur 1.05 mg
SiOz zusatzlich zur Nahrung am Tage verabreicht bekamen. Die
friiher verwendeten Abkochungen aus den sterilen Sprossen des
Ackerschachtelhalms enthielten durchschnittlich 37.4 mg SiOs %, SO
da8 also in diesem Falle taglich eine rund 36fache Menge zur Anwendung gelangte. Da nun aber K r e i t m a i r in seinen Versuchen
am Harnblasenfistelhund und am Kaninchen die beste Wirkung mit
den alkoholloslichen Anteilen erhielt, habe ich aus 80 g frischen
Sporophyllstanden durch Perkolation mit 96%igem Alkohol 164 ccm
Perkolat gewonnen. Ein Viertel dieses Perkolats wurde auf dem
Wasserbad bei niedriger Temperatur bis zur Verjagung des Alkohols
eingeengt, dann mit Wasser auf 120 ccm verdunnt und den Versuchstieren in der iiblichen Weise abwechselnd mit Wasser eingegeben.
l'abelle 2 1aBt erkennen, da8 das alkoholische Perkolat keine diuretisch wirkenden Stoffe enthielt. Da die zur Anwendung gebrachte
Menge einen nur etwa 2%igem Dekokt aus trockner Droge entsprechen wurde, habe ich an e i n e m Tage die doppelte Menge, also
den Ruckstand von 82 ccm Perkolat, in der entsprechenden Zubereitung verabreicht. Es ist jedoch auch in diesem Falle keinerlei
Steigerung der Harnausscheidung zu verzeichnen gewesen. Ob aller-
56
Kurt Breitwieser
dings die eingetretene Diuresehemmung auf spezifisch antidiuretisch
wirkende Stoffe zuruckzufiihren ist, laBt sich noch nicht entscheiden.
Die gleichen Untersuchungen habe ich nun anschliefiend mit den
sterilen Sonimersprossen von Equisetum arvense vorgenommen, die
bekanntlich die unter der Bezeichnung Herba Equiseti minoris im
Ilandel befindliche Droge darstellen. Es wurden frische Pflanzen
gesammelt, zermahlen und mit einer kleinen sogenannten homooT a b e l l e 2.
Perkolat mit 96%igem Alkohol aus den Sporopbyllstaniden von Equisetum
arvense.
Mittlere
Mittlere
Ausscheidung
an2Tagennach Ausscheidung
Eingabe desPeran den
zugehorigen
SporophyllWassertsgen
standen
k$~tq~i~~e~
Zeit der Ablesung
~
45 Minuten .
60 Minuten .
4 Stunden . .
.....
. ...
.. . . .
I
I
17.1
36.7
70.5
1
~
24.2
39.0
73.5
1
Ansscheidung
nach Eingabe
des Perkolates
nus 40.0
Sporophyllstanden
16.7
32.9
64.1
nach Eingabe
"On
1
1
29.5
47.0
88.9
pathischen Saftpresse ausgeprefit. Die 40 g frischem Material entsprechende PreBsaftmenge (bei Annahme von 25 94 Trockensubstanz
der frischen Pflanze also 10 g trockner Droge entsprechend) habe
ich auf 100 ccm mit Wasser verdunnt und den Versuchstieren einpefuhrt (Tabelle 3).
T a b e l l e 3.
FrischpreRsaft steriler Sommersprosse von Equisetum arvense.
11. bis 18. Juli 1938.
___-
.__-
PreRsafttage
Wassertage
Mittel der
__
~
--
Was. PreO1.Tag 4.Tac 6.Tag &Tag ?.Tag $.Tag 5.Tag 7.Tag ser safttage tage
-Gewicht der 20 Ratten
in g
Eingefuhrte Flussigkeitsmenge .
. i n ccm
Ausscheidung
nach 45 Minuten in %
nach 60 Minuten in %
nach 4 Stunden in %
SiO, i m H a m
in mg
SiOz im Predsaft
in %
..
7
-----
1966 1013 1981 1986 !053 !051 1998 1868
99
101 100 100 102.: 103 LOO.! 93.5
21.2
37.4
74.7
0.94
26.7
46.0
84.7
1.19
32.5
49.5
87.5
1.34
31.0
51.0
88.0
1.14
-
-
-
-
24.9
42 2
69.8
1.64
0.04
29.6
48.6
82.0
1.39
0.03
30.3
47.8
82.6
1.14
0.04
33.2
47.6
75.9
1.64
0.02
25.4
46.0
83 7
1.15
29.5
46.6
77.6
1.45
-
-
57
Brauchbarkeit von Herba Equiseti als Diuretikum
Die erhaltenen Werte liegen innerhalb der Fehlergrenze und beweisen zur Geniige, dai3 der frische PreBsaft von Equisetum arvense
keine diuretische Wirkung entfaltet. Ferner erweist sich auch der
PreBsaft der sterilen Sommersprosse mit einem Gehalt von nur 0.02
bis 0.04 % loslicher Kieselsaure als verhaltnismafiig kieselsaurearm.
Die Folge ist, dai3 sich die im Harn ausgeschiedene Kieselsauremenge
im Rahmen der Wassertage halt. Ich habe in dieser wie auch in den
anderen Versuchsreihen, soweit ich dies nicht ausdriicklich anders
angebe, an den Wassertagen stets gewohnliches Brunnenwasser gegeben, um die Versuchstiere zu schonen. Zwischen den ausgeschiedenen Harnmengen an Tagen mit Einfuhr von destilliertem Wasser
und solchen, an denen Brunnenwasser gegeben wurde, besteht nach
dem Ergebnis eines eigens zu diesem Zweck angesetzten Versuches
kein Unterschied. Auch das spezifische Gewicht des Harns war in
Oeiden Fallen das gleiche. Der Kieselsauregehalt war an den Tagen
nach Eingabe von destilliertem Wasser nur 0.47 mg (0.24 bis 0.64)
Die Kieselsaurezufuhr ist also mengenmafiig direkt abhangig von der
Einfuhr, was fur die Annahme einer harndesinfizierenden Wirkung
der Kieselsauredrogen wichtig ist. Zur Priifung der alkoholloslichen
Anteile wurden 200 g frischss Kraut zermahlen und mit 400 ccm
96%igem Alkohol unter ofterem Umschutteln 48 Stunden digeriert.
Dann wurde abfiltriert, der Ruckstand ausgepref3t und das Filtrat bei
einer unter 40° liegenden Temperatur langsam eingedunstet, wobei
sich ein Teil des extrahierten Chlorophylls und vielleicht auch andere
Stoffe in Form griiner zusammengeballter Massen ausschieden. Sobald in der zuruckbleibenden Losung kein Alkohol mehr nachzuweisen war, wurde die nun aus einer wasserigen Losung von Extraktivstoffen bestehende Fliissigkeit filtriert und so weit verdunnt, daB
100 ccm der den Ratten einzugebenden Losung die Extraktivstoffe
aus 40 g frischer Droge enthielten (was annahernd einer l0%igen Zubereitung aus getrockneter Droge entsprechen wurde). In einem
zweiten Versuche wurde die doppelte Menge der Extraktivstoffe zur
hnwendung gebracht (Tabelle 4). Das Ergebnis dieses Versuches
stimmt mit der Priifung des alkoholischen Perkolats aus den fertilen Sprossen durchaus uberein, indem hier eher von einer diuresehemmenden als von einer -fordernden Wirkung gesprochen werden
kann.
T a b e l l e 4.
Perkolat mit 96%igem Alkohol BUS den sterilen Sommersprossen
von Equisetum arvense.
Zeit der Ablesung
'1
Mittlere Ausscheidung
an Wassertagen - - _ - p l
Ausscheidung bei Verabreichung
dcr alkoholloslicben Anteile aus
40g frischem Kraut
010
45 Minuten
60 Minuten
4 Stunden .
......
......
......
25.2
40.2
80.8
~
1
1
010
22.9
33.5
87.7
80gfrischemKraut
~
I
I
%
21.1
34.6
71.4
58
Kurt Breitwieser
SchlieBlich war es erforderlich, alle die pharmazeutischen Praparate zu priifen, die ublicherweise aus der Handelsdroge zur Erzielung
eines diuretischen Effektes hergestellt werden und wurden. Hierbei
war ich naturlich wiederum bemuht, den Grundsatz moglichst schonender Zubereitung anzuwenden, da ja, wie bereits friiher mitgeteilt,
das Dekokt keineswegs diuretisch wirkt. In Anbetracht der Ergebnisse, die K. J a r e t z k y und F. N e u w a 1 d bei der Untersuchung
yon Radix ononidis erzielten, habe ich zunachst das Destillat der
Wasserdampfdestillation gepriift. Ein aus einer 10%igen Anschiittelung der Droge gewonnenes Destillat ergab nach Yi Stunden eine
Harnausscheidung von 13.6% der Einfuhr (Wassertage 16.1%), nach
60 Minuten von 29.9% (Wassertage 30.1%) und nach 4 Stunden
betrug die ausgeschiedene Menge 83.8% der Einfuhr (Wassertage
79.7%). Das lO%ige Infus aus Herba Equiseti minoris, bereitet nach
Vorschrift des DAB. 6 durch 5 Minuten langes Infundieren im
Wasserdampfbad, ergab nach 45 Minuten, nach 60 Minuten und nach
4 Stunden eine Ausscheidung von 31.8%, 43.7% und 66.1%, gegeniiber
29.8%, 43.0% und 66.8% an den zugehorigen Wassertagen. Eine
andere Rattengruppe ergab die in Tabelle 5 mitgeteilten Werte
T a b e l l e 5.
Infusum Herbae Equiseti arvensis (frisch geschnittenes Kraut).
Infustage
Ausschei dung
nach 45 Minuten.
nach 60 Minuten.
nach 4 Stunden .
__
..
..
..
Es wurde hierbei jedoch nicht ein Infus aus getrockneter Droge
Yerwendet, sondern, urn die beim Trocknen von Drogen immer auftretenden enzymatischen Umsetzungen zu vermeiden, habe ich die
frischen Pflanzen am gleichen Vormittag, an dem der Versuch angestellt wurde, im Garten des Pharmakognostischen Instituts der Technischen fiochschule Braunschweig geerntet, sofort grob zerschnitten
und zu Infus verarbeitet. Hierzu wurden 50 g geschnittenes Kraut
5 Minuten lang mit destilliertem Wasser infundiert und 250 ccm Filtrat gewonnen. Diese Konzentration wiirde etwa einer 5%igen Zubereitung aus trockner Droge entsprechen. Eine Diuresesteigerung
trat allerdings auch hier nicht ein.
D i e b o 1 d (12) fiihrt in seiner 1828 erschienenen Arbeit die diuretische Wirksamkeit von Herba Equiseti majoris (von Equisetum
hiemale) auf das darin enthaltene scharfe Harz zuriick, wobei er
nnter Harz die mit Alkohol extrahierten, aber in Wasser unloslichen
Anteile der Droge versteht. Diese auf keinerlei biologischen Versuch
gegrundeten Untersuchungen mogen heute gewiB nicht mehr be-
59
Brauchbarkeit von Herba Equiseti als Diuretikum
weisend sein, jedoch war zu bedenken, da8 H a a s durch Extraktion
von Herba Equiseti arvensis mit Azeton eine Extraktausbeute von 1.3%
erhielt, die er chemisch nicht weiter aufarbeiten konnte. Da die Moglichkeit besteht, da8 hier bisher nicht rein erfaBte Wirkstoffe vorliegen, habe ich allerdings mit dem gleichen negativen Erfolg, mit
einem Azetonextrakt, der ja die harzigen Anteile aller Wahrscheinlichkeit nach hatte enthalten miissen, folgenden Versuch unternommen. Ich habe 100 g Herba Equiseti pulv. zweimal mit je 400 ccm
Azeton am RiickfluDkiihler ausgekocht und die vereinigten azetonischen Losungen, welche infolge des hohen Chlorophyllgehaltes dunkelgriin erschienen, zunachst bei niederer Temperatur im lebhaften
Luftstrom auf die Halfte eingedunstet. Dann wurde eine wasserige
Losung von 10 g Gummi arabicum pulv. zugegeben, um das Ausfallen dunkelgruner in Wasser unloslicher Massen zu verhindern. Es
entstand so nur eine triibe Suspension, die jedoch auch bei langerem
Stehen keinen Bodensatz bildete, und aus der durch weiteres Einengen im Luftstrom bei niederer Temperatur mit Leichtigkeit die
letzten Anteile von Azeton beseitigt werden konnten. Nachdem dies
geschehen war. wurde die Suspension mit Wasser auf 1 Liter verdiinnt, so da8 die nunmehr fur den biologischen Versuch zubereitete
Losung einem lO%igen Extrakt aus Droge entsprach. Die mittlere
Harnausscheidung betrug an den Tagen der Extraktgaben nach
45 Minuten 11.8% (Wassertage 18.3%), nach 60 Minuten 22.5%
(Wassertage 34.7%), nach 4 Stunden 52.5% der eingefiihrten Fliissigkeitsmenge gegeniibcr 62.7 % an den zugehorigen Wassertagen.
Ich habe nun, um ein sicheres Urteil iiber den Wert der Droge
als Diuretikum abgeben zu konnen, endlich noch das von H a a s zuerst dargestellte Equisetonin gepriift. Dieser von H a a s zu den Saponinen gestellte Korper wurde durch wiederholte Fallung des
methylalkoholischen Extraktes der Droge mit Ather dargestellt,
durch wiederholtes Losen in Methylalkohol und Wiederausfallen mit
Ather gereinigt und in 0.25 %iger wasseriger Losung (entsprechend
einem 5%igen Dekokt der Droge bei einem Gehalt von etwa 5%
Equisetonin) biologisch gepriift. Da nach Ansicht vieler Autoren die
saponinhaltigen Drogen ebenfalls als oft diuretisch wirkend angesehen werden, habe ich in einem zusammen mit F. N e u w a l d ausgefiihrten Versuch auch Saponin Merck in wasseriger Losung (50 mg
auf 100 ccm) gepriift (Tabelle 6).
T a b e l l e 6.
Auswertung von Equisetonin (0.25%ige wasserige Losung) un,d Saponin
puriss. Merck (0.05%ige wasserige Losung).
Ausscheidung
nach
1
I
____
~-
Bei
Saponinlosung
%
I
%
~~~~
45 Minuten
60 Minuten
4Stunden .
..
...
...
26.5
29.8
66.8
11
,
I
%
1
1
zugigigen
Wassertag
l
%
~~
24.2
40.6
81.2
83.6
60
Kurt Breitwieser
Das Ergebnis 1af3t keinen Zweifel mehr daruber bestehen, dal3
die verbreitete Ansicht, Drogen lediglich wegen das darin beobachteten Saponingehaltes als diuretisch wirksam zu bezeichnen, keinerlei
Berechtigung hat. Inwieweit einzelne Saponine eine solche Wirkung
zu entfalten vermogen, wird gesonderten Untersuchungen uberlassen
bleiben mussen. Dem Saponin des Ackerschachtelhalms kommt
jedenfalls keine diuretische Wirksamkeit zu.
Nachdem somit alle Versuche mit verschiedenen, nach schonendsten Verfahren bereiteten galenischen Zubereitungen und Extrakten
der Pflanze negativ verlaufen waren, auch dem in der Droge festgestellten Saponin eine diuretische Wirkung nicht zukommt, erhebt
sich die Frage, wie die abweichenden Beobachtungen K r e i t m a i r S,
H e r r e s und V o l l m e r s zustande komrnen. Man wird die Versuche K r e i t m a i r s , die an Hunden und Kaninchen durchaefuhrt
wurden, ebenso die V o l l m e r s an Kaninchen und Mausen, nicht
ohne weiteres mit meinen Ergebnissen vergleichen konnen. Fur den
andersartigen Verlauf der Versuche H e r r e s gibt es die folgenden
Erklarungsmoglichkeiten. Es konnte Droge verschiedener Herkunft
ein verschiedenes Verhalten aufweisen. Diese Moglichkeit scheidet
aus, da ich zu meinen Versuchen Drogen von verschiedenen, raumlich weit auseinanderliegenden Gegenden verwendet habe. Es konnte
ferner gar nicht die aus Equisetum arvense bestehende Droge vorgelegen haben. Es ware hier an die unter der Bezeichnung Herba
Equiseti majoris bekannten Arten Equisetum maximum und Equisetum hiemale zu denken oder an die gelegentliche Beimischung einer
anderen Art. Ich habe daher Infuse der erwahnten Arten und aui3erdem den AufguB der frischen Pflanze von Equisetum limosum zum
AbschluB ebenfalls gepruft.
T a b e l l e 7.
Auswertung anderer Equisetumarten.
Ausscheidung
nach
Inf. Equiseti
maximi 10%
Infus. Eqois. hiem.
10%
Inf- Equis. limos40.0 frisches Kraut
auf 100ccm
(2) G. ' M a d a u s , Handbuch der biologischen Heilmittel, Abt. 1, Bd. 2,
S. 1272.
Brauchbarkeit von Herba Equiseti als Diuretikum
61
(3) E. H e r r e , Naunyn-Schmiedebergs Arch. exp. Pathol. Pharmakol.
184, 710.
(4) H. V o I 1 m e r und H. H i n d e m i t h , Naunyn-Schzmiedebergs Arch.
exp. Pathol. Pharmakol. 186, 565.
(5) 0. G e s s n e r , Die Gift- und Arzneipflanzen Mitteleuropas, 1931,
Seite 306.
( 6 ) E. M e y e r , Pflanzliche Therapie, Leipzig, 1935, S. 36 u. 63.
(7) R. J a r e t z k y , K. B r e i t w i e s e r und F. N e u w a l d , Untersuchungen iiber die Wirkung von Kieselsaure und Kieselsauredrogen auf die
Harnausscheidung bei Ratten, Arch. Pharmaz. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges.,
z. Z. im Druck.
(8) H. F 1ii c k , Schweiz. Apoth.-Ztg. 1931, 97.
(9) K r e i t m a i r , Mercks Jahresberichte 1936, Bd. 50, S. 108.
(10) R. J a r e t z k y und F. N e u w a l d , Arch. Pharmaz. Ber. Dtsch.
Pharmaz. Ges. 1938, S. 114fohg.
(11) R. J a r e t z k y und H. J. D r i m b o r n, Uber ,das Vorkommen von
Kieselsaure und Saponin bei den Borraginazeen, Veroffentlichungen der
R. f. H. e. V., Miinchen, Nr. 3.
(12) K. D i e b o lgd, Bachners Repertorium fur die Pharmazie 28, 366
(1828); 29, 198 (1828).
854. Horst Bohme:
Das ultraviolette Absorptionsspektrum von Pomeranzenschalenolen.
(Aus dem Pharnazeutischen Institut der Universitat Berlin.)
Eingegangen am 2. November 1938.
V a n 0 s und D y k s t r a I) beschrieben vor kurzem in einer sehr
ausfuhrlichen Arbeit uber die Absorptionsspektren atherischer Ole
auch das des bitteren Pomeranzenschalenols. Sie fanden ein Absorptionsmaximum bei 319 mp und ein Minimum bei 274 mp und stellten
weiter fest, daR die diese Absorption bewirkende Substanz sich nach
der Destillation im Ruckstand befindet.
Diese Tatsache laRt auf die Anwesenheit einer nicht destillierbaren, bisher noch unbekannten Substanz im Pomeranzenschalenol
schlieaen. Vor kurzem haben nun B o h m e und P i e t s c h ') uber
die Isolierung einer bisher ebenfalls nicht bekannten Verbindung aus
dem Stearopten von bitterem Pomeranzenschalenol berichtet, fur
die sie in Analogie zum Zitropten des Zitronenols und zum Bergapten
des Bergamottols den Namen A u r a p t e n vorschlugen. Diese Substanz, deren Zugehorigkeit zur Klasse der Kumarine nahegelegt
wurde, zeigt nun, wie aus Abb. 1 hervorgeht, ein recht charakteristisclies Absorptionspektrum im Ultraviolett und neben einem ausgepragten Minimum bei 265 m p ein deutliches Maximum bei 319 mp.
In Abb. 1 findet sich ferner daneben das von v a n 0 s und D y k s t r a
1)
2)
J. Pharmac. Chim. [8] 25, 437 (1937).
Arch. Pharmaz. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 276, 482 (1938).
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