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Vorkommen des Amygdalin's.

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362
Vorkommen des Amygdalin's.
der kleine Partikc: metallischen Eisens enthielt. Von den
uiserncn Dachern Stockholms konnte es nicht gut herriihren,
da der Schnee gesammelt wurde, nachdem es bereits mehrere
Tage stark geschneit hatte und also die Dacher bereits mit
ciner hohen Schneeschicht bedeckt waren.
Wahrend der
Nordpolevpedition fand N. Gelegenheit, den Versuch zu wiederholen unter UmstLnden, die den Staub entschieden als
kosmischen Ursprungs bezeichnen , da der Schnee auf einer
Eisfliche im Norden von Spitzbergen gesammelt wurde.
Der Stoff enthielt ausser metallischem Eisen auch Phosphor,
Kobalt und wahrscheinlich auch Nickel. Was sich nicht in
Siiurgn loste , bestand aus feinem , ungefarbten Grus , unter
welchem sich auch einige Fragmente von 'Diatomaceen unterscheiden liessen. (Pogg. Ann. 252, 154; daraus Journ. pract.
Chm. 9, 356.).
J.
c.
Vorkommen des Amygdalin's.
Das Amygdalin ist 1830 von R o b i q u e t und B o u -
t r o n - C h a 1a r d in den bittern Mandeln entdeckt worden,
spater von Liebig und Wobler genauer untersucht und als
crstes Beispiel einer unter Bildung von Zucker zerfallenden
Verbindung hingestellt. Nachdem so der Anfang gemacht
wordeu war, folgten in zunehmender Reihc die Untersuchungen
iihnlicher organischer, theilv neu entdeckter, theils achon fruher
anfgefundener organischer Verbindungen.
Das Amygdalin
wurde nicht blos in den bittern Mandeln, sondern auch in
andern Theilen der zu den Amygdaleen und deren nachsten
Verwandten, dep Driipaceen und Pomaceen gehorenden PflanZen als sehr verbreitet, nachgewiesen. Ja man gelangte
sogar zu der Annahme, dass es auch in Pflanzen, die den
Familien der Papilionaceen und Lineen angehoren , enthalten
sei. Bei Versuchen, das Amygdalin aus den Pflanzentheilea
der Amygdaleen darzustellen , hat man dasselbe nicht immef
krystallinisch aufgefunden , sondern aus den griinen Theilen
eine amorphe Masse erhalten, die zwar dieselben Spaltungsproducte lieferte , aber dcnnoch in gewissen Eigenschaften von
dem krystallinischen Korper abwich. * Winkler fuhrte fur die
Korper die Benennung ,,amorphes Amygdalin" ein. Neuerdings hat E d u a r d L e h m a n n untersucht , ob der Blausaure
liefernde Bestandtheil der Xirschen -,Yflaumen -, Pfirsich- und
Apfelkorne , der Faulbaumrinde und dcr Kirschlorbeerblatter
identisch ist n i t dern Amygdalin der bittern Mandeln, odar
Vorkommen des Amygdalin'a.
363
wodurch er sich von denselben unterscheidet. Verfasser giebt
ziierst eine Uebersicht iiber das
V o r k o m m e n des Amygdalins. Die ergiebigste Quelle
zur Darstellung dieses Glycosids sind bis jetzt die bittern
Mandeln , welche dasselbe, je nach der Darstellungsmethode,
als wasserfreies, als vier oder sechsfach gewassertes Produkt liefern. Robiquet lind Boutron - Chalard stellten iiber
den Entstehungsort ,des Amygdalins i'n den Mandeln die Neinung auf, dass durch die Einwirkung kochenden Alkohols auf
die Bestandtheile des atherischen Bittermandelols ein sehr
fluchtiges Prinzip zerstort , und so das Amygdalin gebildet
worde, ein Irrthum, welchon Liebig und Wohler sehr bald aufklarten und nachwiesen , dass die Fruchtkerne das Glycosid
fertig gebildet enthielten.
Das Amygdalin krystallisirt im zweigliedrigen System,
ist farb - und gernchlos, schmeckt erst suss, dann bitter, reagirt
neutral, wird durch langeres Erhitzen auf 120° C. vom Wasser befreit, schmilzt bei 200° C. und erstarrt zur amorphen
Masse, die bei erneutem Erhitzen bei 125O bis 130° C. schmilzt.
Nach den1 Trockenen zieht es 2 bis 31/20/0Wasser an; es
lost sich in 12 Theilen Wasser v. 8 - 12O C., in 904 Theilen kalten und 11 Theilen kochendem Alkohol von 0,819 spec.
Gew., in Aether ist es unloslich. Das Molekularrotationsvermogen des bei 45O C. uber Xalk getrockneten Amygdalins
betragt 35,510 nach links. Beim Erhitzen schmilzt es zur
wasserklaren Fliissigkeit , die sich dann braunt , es verbrennt
anfangs unter Caramelgeruch, spater riecht es nach Weissdorn
und thierisch brenzlichen Stoffen. Eine wassrige Losung entfarbt in der Warme Xalihypermanganatlosung unter Abscheidung von Manganhyperoxydhydrat. Concentrirte Schwefelsaure lost das Amygdalin mit hellviolettrother Farbe. Beim
Kochen mit verdiinnter Schwefelsaure entweichen kleine Mengen Rittermandelol und AmeisenGure. Die Losung in rauchender Salzsaure farbt sich beim Erwarmen gelb und braun und
scheidet bei stiirkerem Erhitzen schwarzbraune Humuskorper
ab , im Filtrat hinterbleibt ein Gemenge von Huminsaure, Salmiak und Nandelsaure. Durch Xochen rnit verdiinnter Salxsaure zerfallt das Amygdalin, ohno sich zu farben, leicht in
Eittermandelol, Zucker und Blausaure , nebenbei auch in ein
seciindares Product, die* Ameisensaure. Beim Xochen rnit
Kali- oder Natronlauge wird es unter Entwickelung von
Ammoniak zerlegt , wobei sich als zweites Produkt Amygdalinsaure bildet. Ebenso wirkt Xochen rnit Barytwasser. In
Beriihrung mit Emulsin, oder Mandelmilch , zerlegt sich das
-
b64
Vorkommen des Ampgdalin's.
Amygdalin unter Bilduag von Bittermandelol, Blaueaure
nnd hhtstraubenzucker , wobei auch andere Korper, vielleicht
durch Zereetzung der ereteren, erzeugt werden. Auch Bierhefe vermag zerlegend auf Amygdalin einzuwirken.
Naoh Piria kann dae Amygdalin, ale durch Vereinigung
von 6 Atomgruppen gebildet behchtet werden, bei deren Paar u n g sich 8 Atome Wasser auascheiden.
H. Schiff debt die Constitutionsfomel
r(QH)'
-
nnd triigt no eratene der Bpaltnng in Glycoae und HydrocyanBenzaldebyd, zweitene der Beqiehung zwischen Amfgdalin
und Amygdalinsiiure, dritbne der Bildung der Mandelsaure
hhnung.
Die Kiibkerne nntemuchte Gteieeler , welcher an6 denwelben nur amorphee Amygdalin daretellen konnte. Dasnelbe
lieferte bei der Spaltung durch Emulsin dieselbe Menge Blausiiure, welche daa krystallisirte Wparat liefert Nebenbei
erhielt er noch griines, durcb Aether auegezogenee fettes
Oel. Winkler fand spiiter in den Hireahkernen auch das
Emulsin und 0. Michelson bestiitigte beide Resultate. - Nach
Geiseler enthalten die PBrSichkerne SO/,, kryetallinischee Amygdalin und ein mit Aether ausziehbares, griingef&btes, chlorophyllhaltigee fettes Oel. Die Maumenkerne enthalten nach
Winkler neben krystallisirtem Amygdalin einen beeonderen
Bitternto& welcher zueret syrupartig und spiiter trocken w i d
Dae runorphe hygdalin liefert aber nach ihm mit Yandelemulsin kein blansiiurehaltiges Destillat.
Ueber die sehr amygdalinreichen Samen der Aepfel
bringt Gmelin eine kune Notiz, in welcher er behauptet, dass
gerade unter den Pornwen Py-rus Malus kein blaueaurehaltiges
Destillat liefere, eine Behanptung, die VOD 8. Henschen &ls
irrig widerlegt wurde, doch ohne daas derselbe die Abscbeidung von Amygddin versuchte,
,
366
Vorkommcu des Amygdalin’s.
Eine gtiissere Beachtung haben die Faulbaumrinde und
die Kirschlorbeerblatter erfahren , man konnte in denselben
aber neben anderen unwesentlichen Yflanzentheilen nur amorphes
Amygdalin auffinden. Winkler erklarte den Bitterstoff der
Kirschlorbeerblatter fur eine dem Amygdalin analoge , Blausaure und benzoylwasserstoffhaltige Verbindung, welche erst
durch Emulsin in Amygdalin iibergefuhrt wird und sich
dann zersetzt. Denk erhielt kein krystallinisches, wohl aber
amorphes Amygdalin. Liebig & Wohler , Simon, Leptge
ebenso. Simon bemerkte, dass beim Trocknen bei
20° C.
die Blatter Blausaure verlieren, welche letztere nach Winkler
fertig in denselben gebildet ist. Das amorphe Amygdalin in
der Faulbaumrinde hat Wicke nachgewiesen. Riegel giebt
die Ausbeute nach Simon’s Xethode zu 0,2% an. Heumann,
Winkler , Bergmann fanden nur amorphes Amygdalin und
Widtmann und Denk versuchten resultatlos nach Robiquet’s
Methode dasselbe krystallinisch darzustellen, auch 0.Michelson
gewann blos ein amorphes Praparat. Wicke fand das wassrige Destillat der im December gesammelten Rinde blausaurereicher , als der im Fruhjahr gesammelten. Heumann hingegen fand im Marz mehr, im Oktober weniger amorphes
Amygdalin. Dass dic Faulbaumrinde, ahnlich wie die Rirrichlorbeerblatter, beim Trockenen Blaosaure verliert, fand Simon.
+
D a r s t e 1l u n g s m e t h o d 8.
Handelt es sich darum, ein schon krystallisirtes Praparat zu
erhalten und eine reichliche Ausbeute zu erzielen, so iut die
Methode nach Liebig und Wohler vorziiziehen. Nach dieser
Vorschrift sollen drirch Ausprewen entfettete bittere Mandeln
zweimal mit 94 -95% kochendem Alkohol extrahid werden.
In dieser Anwendung des starken Weingeistes liegt der hauptsachliche Vortheil und die Zweckmassigkeit der Methode und
es wird dnrch Alkohol von dieser Stilrke der in den Fruchtkernen vorhandene Zucker, der, wenn er das Amygdalin verunreinigt, schwer daraus zu entfernen ist, nicht nur in geringer
Menge aufgenommen , sondein der Weingeist schiitzt auch
vor der Zersetznng hei dem nachhericen, langere Zeit audauernden Erhitzen der Amygdalinlosung. Ein weiterer Hauptvortheil besteht in dem Fallen des Amygdalins aus seiner, vom
fetten Oel gereinigten und durch Abdestilliren der Halfte
Weingeists concentrirten Losung verrnittelst Aether. Erstlich
wird dadurch eine reichere Ausbeute bezweckt und zweitens
etwa noch vorhandenes fettes Oel von den Krystallen getrennt.
366
Vorkommen des Amygdalin’s.
Schliesslich wird das Amygdalin noch aua absolutem Alkohol
umkrystallisirt und so eine Ausbeute von 2l/, o/o erhalten.
Verfasser modificirte dieses Verfaliren daliin, dass er die
Samen erst vollutindig mit l’etroleumather entfettete , dieselben dann trocknete, zuletzt nochmals verrieb und weiter
die vorstehende Methode einschlug, wobei er sehr schon ausgebildete Amygdalinkrystalle erhielt.
Das amorphe Amygdalin nach Winkler wurde aus den
Kirschlorbeerblattern folgendermassen dargestellt : Die zerschnittenen Blatter wurden lmit Weingeist digerirt und dann
ausgekocht ; colirt , ausgeprecrst und der Weingeist abdestillirt.
Dem Riickstande das Blattgriiu durch Aether entzogen, und
der Gerbstoff mit Bleinitrat ausgefiillt. Das durch Natronsulfat von Blei befreite Filtrat wird verdunstet und der Ruckstand mit absolutem Alkohol ausgekocht, wo nach den Verdampfen des Auszngs amorphes Amygdalin hinterbleiht, das aber
noch etwas Natronsalpeter enthalt, welcher sich durch nochmaliges Losen in absolutem Alkohol entfernen lasst. Verf.
priifte gleichzeitig die Darstellungsmethoden von Simon, welche
sich als unzweckmassiger herausstellten. Es wird hiernach die
alkoholische Tinktur der getrockneten Blatter mit Bleioxyd
geschuttelt , und das bleifreie Filtrat zur Trockene verdampft.
Die von 0. Michelson angegebene Methode zur Darstellung
des amorphen Amygdalin’s aus Faulbaunirinde hat eigentlich
vor dem letzterwahnten Verfahren keinen Vorzug, sondern
wird durch den starken Aetherverbrauch weniger empfehlenswerth. Die Grundziige der Methode bestehen in Extrahiren
der chlorophpllhaltigen und anderer in Aether loslichen Substanzen der Rinde durch absoluten Aether, Auskochen der
getrocknejen Rinde mit 95% Weingeist , Fallen der Losung
mit Bleiacetat und Entfernen des Bleies durch HS. Das ziir
Trockene verdampfte Filtrat wird nochmals mit Aether von
den fetten Korpern befreit und uber SO3 unter der Luftpumpe
getrocknet.
Die Aufgabe , ails den griingefarbten , chlorophyllhalfigen
Pflanzentheilen ein so wenig als moglich verandertes und
reines Amygdalin darzustcllen, glaubt Verf. in der Weise zu
losen, dass er die Pflanzentheile mehrere Male mit absolutem
Alkohol auskochte, um einen sehr weingeistigen, sehr zuckerarmen Auszug zu erhalten. Den siedcnden heissen filtrirten
Abkochungen wurde durch frisch gefalltes Bleioxydlydrat der
Gerbstoff entzogen und dabei auch das Chlorophyll abgeschieden. Da es nicht gelang, nach dieser Methode krystallinisches
Amygdalin zu erhalten, suchte Verf. den Beweis zu fuhren,
Vorkonimen des Amygdalin’s.
367
dass nicht die Anwendung des Bleioxydhydrats daran Schuld
ist, sondern von den chemischen physikalischen Constitutionen
des Bitterstoffs abhangt, ob es amorph oder krystallinisch
erhalten wird. Zu diesem Zaecke wurden zerstossene, bittere,
entfettete Jilandeln mit Alkohol ausgekocht , heiss filtrirt und
das Filtrat mehrere Stunden rnit Bleioxydbydrat gekocht, das
Gemisch unter Umschutteln 8 Tage digerirt, dann heiss
filtrirt und die concentrirte weingeietige Losung mit Aether
versetzt, wodurch sich vollkommen reines, unverandertes, krystallinisches Amygdalin abschied. Im Gegensatz wurde der
Versuch gemacht, nach Liebig und Wohlers Methode aus grungffarbten Pflanzentheilen Amygdalin krystallinisch abzuscheiden,
wobei jedoch nur ein amorphes sehr unreines Praparat erhalten wurde.
I. A m y g d a l i n a u s d e n K i r s c h e n - , P f l a u m e n - , P f i r sich- und Apfelkernen.
Lehmann zerrieb die gut getrockneten Cotyledonen d e r
K i r s c h k e r n e zu einem Alehle, behandelte dieselben nach
seiner oben rnitgetheilten Methode und erhielt krystallinisches vollkommen farbloses Amygdalin , welches aus absolutem Alkohol umkrystallisirt einer Ausbente von 0,82% entsprach. Ebenso wiirden die Cotyledonen d e r P f l a u m e n k e r n e behandelt. Die daraus erhaltenen Amygdalinkrystalle
wurden uber SO3 getrocknet und gaben eine Ausbeute =0,96%.
A p f e l k e r n e zerkleinert , entfettet mit Alkohol ausgekocht , geben eine grungelbe Losung. Der darin enthaltene , den dicken Samenschalen entstammende Gerbstoff lijste
Rich volkommen in Aether, so dass reine und farblose Ampgdalinkrystalle erhalten wurden. Die Ausbeute war = 0,6O/,,.
Pf i r s i c h k e r n e lieferten 2,35% krystallinisches Akygdalin.
Es geht daraus hervor, dass die Angaben von Geiseler,
Winkler und Michelson unrichtig sind. Jedenfalls ist ihr entgegengesetztes Resultat dem Umstande zuzuschreiben, dass sie
zii schwachen Weingeist zum Eitrahiren anwenden und in
Folge dessen ein zuckerhaltiges Praparat erhielten , welchcs
aber nicht krystallisiren konnte, da Zucker die Krystallisationsfahigkeit des Amygdalins aufhebt.
L1. A m y g d a l i n a u s d e r F a u l b a u m r i n d e u n d d c n
X i r s c h 1 o r b e e r b l a t tern.
Die Rinde wurde von 3-4jahrigcn Ap,sten gesammelt und
sowohl frisch als auch getrocknet nach der aiigegebenen modificirten Simon’echen Methode auf Amygdalin verarheitet , und
368
Vorkommen des Amygdalio’s.
dabei die Erfahrung gemaoht, dass sich der Bitlerstoff aus
getrockneter Rinde vie1 leichter darstellen Iasst. Dieses wird
erklarlich, wenn man bedenkt , dass der aus trockener Rinde
bereitete alkoholische Auszug , bei Abwesenheit grosserer’
Mengen Feuchtigkeit, nur sehr geringe Mengen des in der
Rinde enthaltenen amorphen Zuckers aufnehmen kann und deshalb das durch Fallen mit Aether gewonnene Produkt nu?
noch einmal mit absolutem Alkohol ausgekocht zu werden
braucht, um ein fast zuckerfreies Amygdalin zu liefern. Die
Ausbeute betriigt 0,7%. Die Angabe Heumanns, dass die
ltinde im Friihjahr amygdalinreicher sei als im Herbste,
bestatigte sich.
Bei der Bearbeitung der Kiischlorbeerblatter wurde das
Verfahren wie bei der Faulbaumrinde inncgehalten und stellte
sich dabei heraus, dass der von den Ausziigen abdestillirte
Weingeist, ebenso wie bei der Faulbaumrinde, stark roch und
konnte im Destillat freie Blausaure nachgewiesen werden,
weshalb die Ansicht Winkler’s und Simon’s, dass die Pflanzentheile kleine Mengen fertig gebildete Blausaure abdunsten,
begriindet erscheint.
111. E i g e n s c h a f t e n , S p a l t u n g , Z e r s e t z u n g u n d
Z u s a m m e n s e t z u n g des aus den Fruchtkernen krystallinisch darges tellten Amygdalins.
Das aus den oben angegebenen Samen gewonnene Amygdalin kq-stallisirte aus absoluten Alkohol im warzenformigen
Gruppen : die aus concentrisch geordneten , perlglanzenden
Schuppen bestanden. Unter der Lupe betrachtet, zeigten dieselbon die, dem aus bittern Nandeln dargestellten Amygdalin
entsprechende, Krystallform des zwoigliedrigen SystemR. Aucli
in dem anfangs faden, nachher bitterlichen Geschmacke und in
der Geruchlosigkeit stimmte es vollkommen mit dem Mandelamygdalin iiberein. Wasserleer schmilzt es bei 125O C. zu
einer amorphen hellgelben Maese. Bei starkerem Erhitzen
schmilzt es erst, dann braunt qich die Fliissigkeit und verhrennt zuletzt unter starkem Aufblahen der Masse und Verbreiten eines Geruchs zuerst nach Caramel, dann nach gebrannten Fedcrn, ohne Riickstand. Kalihypermanganatlosung
entfarbt es beim Erwarmen. Mit concentrirter Schwefelsaure
iibergossen, lost es sich darin mit hellviolettrother Farbe, die
nachher in Gelb iibergeht, ohne Schwarzung auf. Durch eine
frisch bereitete Mandelemnlsion wurde es schon in der. Kalte,
schneller noch beim Emarmen auf 40° C., in Blrrusaure , Bit-
Vorkommen des Amygdalin'a.
369
termandelol und Zucker zerlegt. Mit Barytwasser gekocht,
entwickelt sich Ammoniak und in der Fliissigkeit bleibt amygdalinsaurer Baryt. Oie Zersetzung geht so vollstandig von
Statten, dass man das entwickelte Ammoniakgas zur quantitativen Bestimmung des Stickstoffs im Amygdalin benutzen
kann.
Die Elementaranalyse ergab fur 3 Amygdalinproben die
Formel C 4 O H NO * 9
*'
IV. E i g e n s c h a f t e n , Z e r s e t z u n g , S p a l t u n g u n d Z u sammensetzung d e s s o g e n a n n t e n a m o r p h e n Amygd a l i n s aus d e r R i n d e d e s F a u l b a u m e s und d e r
K i r s c h lo r b e e r b l a t t e r.
Das amorphe Amygdalin der Faulbaumrinde und das aus
den Kirschlorbeerblattem gewonnene sind in ihren Eigenschaften
und Zersetzungsproducten einander vollstandig ahnlich. Dnrch
Behandeln rnit Thierkohle liisst sich dasselbe nicht vollstandig
entfiirben. Bei gewohnlicher Temperatur unter der Luftpumpe
uhcr concentrirter Schwel'elsiuro eingetrocknet, bildet es eine
hellgelbliche, durchsichtige, glasglanzende, sprode, harzahnliche
amorphe Masse, die bei looo C. ihre Farbe in dunkelbraun
umandert. In kochendem absoluten Alkohol gelost und mit
wasserfreiem Aether gefallt , scheidet es sich als wsisse,
flockige Masse aus, die mit dem Mikroskop betrachtet, sich
ale nicht krystallinische Kornchen erweist. Die Kornchen
halten sich jedoch nur so lange, als sie von absoluteu Alkohol oder Glycerin eingehiillt werden ; werden diese Korper
entfernt, 80 zerfliessen sie rasch zu einer gelblichen Masse.
DieRer Eigenschaft ist es zuzuschreiben , dass das Praparat,
selbst nach mehrmonatlichem Stehenlassen unter der Luftpumpe , niemals wasserfrei , ja sogar nach langerem Erhitzen
bis auf l l O o C. nur a18 sehr wasserarmes Praparat erhalten
wird. Der Geschmack ist eigenthiimlich, stark und rein bitterj, dem Salicin ahnlich. Es ist geruchlos, ist in Wasser in
jedem Verhaltniss, in kaltem Alkohol etwas schwer, in kochendem leicht und in Aether gar nicht loslich. Linksdrehend.
In nicht vollkommen farbloser Losung wurde der Drehungswinkel [a] w = 23,4 beobachtet. Obgleich nur in amorphem
Zustande gewonnen, besitzt es doch die Eigenschaft, durch
Pergamentpapier leicht zu diffundiren. Mit concentrirter
Schwefelsaure ubergossen lost es sich mit dunkelbraunvioletter
Farbe, die nach einiger Zeit in braunlich gelb ubergeht.
&ah, d. Pbrm. II. Bd& 4. Eft.
24
,
370
Vorkommen des Amygdalin'e.
Mit einer Emulsion ron sussen Mandeln verrieben, tritt
die Zersetzung und die Entwickelung von Blausaure und
Bittermandelol viel spiiter ein, als wie dieses bei dem krystallinischen Amygdalin der Fall ist. Mit Barytwasser gekocht entwickelt es Ammoniak und es restirt amygdalinsaurer Baryt, welcher aber viel langer schmierig bleibt und
nur schmer vollkommen auszutrocknen ist. Beim Erhitzen
schmilzt es zuerst, dann braunt und schwarzt es sich , blaht
sich bedeutend auf, stosst einen starken Dampf aus, und verbrennt zuletzt mit Geruch nach Caramel wad einer stickstoffhaltigen Substanz.
Fur das sogenannte amorphe Amygdalin der Faulbaumrinde ist die Formel
CSOH7sN071, fur das der Kirschlorbeerbliitter CsoH67K060.
Vergleicht man die Formeln des aus Faulbaumrinde und
Kirschlorbeerblattern erhaltenen amorphen Amggdalins mit
derjenigen des krystallisirten, so fdllt, wenn man von dem
Wasserstoff abstrahirt, das eigenthumliche Verhaltniss, in denen
Kohlenstoff und Stickstoff zu einander stehen, sofort auf. I n
dem amorphen Amygdalin kommen 80 Kohlenstoff auf 1 Stickstoff, bei dem krystallisirten 40 C. auf 1 N. Betrachtet man
weiter die Resultate der Kochung mit Barytwasser, so findet
sich ebenfalls blos eine halb so grosfie Menge Stickstoff bei
dem amorphen, a18 wie bei dem krystallisirten, wobei sich das
amorphe Amygdalin spaltet in 1 Aeq. Ammoniak und 2 Aeq.
amygdalinsauren Baryt ; wahrend sich das krystallisirte Amygdalin unter gleichen Verhaltnissen spaltet in 1Aeq. H3N und
1 Aeq. amygdalinsauren Baryt.
Dieses Verhalten lasst sich nur so erklaren, dass man
annimmt, das sogenannte amorphe Amygdalin sei eine Verbindung aus einem Aeq. Amygdalin und einem Aeq. Amygdalinsaure , variirenden Mengen Wassere. Diese Thatsachen
vereint, daso sich der Bitterstoff der Faulbaumrinde und der
Rirschlorbeerblatter so bedeutend von dem krystallinischen
Amygdalin unterscheidet, lassen jetzt die Bezeichnung ,,amorphes Amygdalin (' unzweckmassig erscheinen. Man konnte
den leider nur amorph zu gewinnenden Korper ,,Lanrocerasin" nennen. Seiner Constitution nach darf er als intermedilr zwischen Amygdalin und Amygdalinsaure, wenn man
will, als amygdalinsaures Amygdalin, gelten. (Pharm. Zcitschr.
fur Russl. Jahrg. XIII, 1874. Nr. 2. pay. 33 u. Nr. 3.
pay. 6'5.).
C. Sch.
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