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Wie muss gutes Trinkwasser beschaffen sein.

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E. Reicherdt,
Wie muss gutes Trinkwesser beschaffen sein?
211
Wie muss gutes Trinkwasser beschaffen sein?
Von E. Reichardt.*)
Bei der Fulle des Materials, welche so allmahlig eintritt
durch die zahlreichen und an verschiedensten Orten ausgefuhrten chemischen Priifungen des Wassers, geht, wie so
haufig, der Kern der Frage oft verloren, oder, was van gleicher Wirkung , in der Fiille anderer Betrachtungsweisen,
geistreicher Ideen, verloren.
Ein neuer Fall mag Anlass zu dieser Besprechung
geben.
In dem bairischen Stadtchen N.,welches auf hohem Felsen und isolirt liegt, und nur nach einer Seite hin Anschluss
an hohere Gebirgstheile besitzt, traten wiederholt epidemisclie
Krankheiten auf, endlich im Jahre 1870 in grosstem Maassstabe Ruhr. Bei 1880 Einwohnern war die Zahl der Erkrankungen 215 und unter diesen 51 Todesfalle im Verlauf’e
von noch nicht ganz zwei Monaten. Bei der behordlich
angeordneten Besichtigung der Sachlage hatte der dortige
Bezirksarzt ganz besonders das Brunnenwasser einiger Pumpbrunnen als schadlich und fur die Verbreitung der Epidemie
fordernd bezeichnet und dies fuhrte zur chemischen Untersuchung.
Fur die Beurtheilung der gewonnenen Resultate war es
jedoch nothweudig, auch die Yischung reiner Quellen dortiger
Gegend kennen zu lernen ; bei augenblicklichem Mange1 aus
der Umgebung der Stadt selbst wnrde eiu Wasser aus gleicher Gebirgsformation (Thonschiefer) gewahlt , obgleich es
von dem Krankheitsheerde mehrere Stunden entfernt zu
Tage trat. Spater, nach Angabe des ersten Gutachtens,
wurhen jedoch die fur die nunmehr beschlossene Wasserleitnng
in Aussicht genommenen Quellen gleichfalls untersucht und
folgende Ergebnisse erhalten.
*) Bus der Zeitachrift fur Epidemiologie 1872.
14*
212
E. Rcichardt,, Wie muss gutes Trinkwasser beschnffeii sein?
100,000 Theile Wasser ergaben :
Abdampf- Organ. SalpeterriickSubstand: stanz:
A.
53,O
H. 43,O
c.
79,O
12,0
I.
11.
111.
IV.
5,l
2,4
13,l
Chlor.
'$::'-Kalk:
Pumpbrunnen :
9,18
9,40 3,09
4,81
9,15 0,69
1O,91 15,31 2,75
4,55
8,69
10,60
12,90
Qnelle aus Thonachieferforination :
0
0,054
0,247 2,40 5,04 0,73
6,06
Quellwasser fur die neue Leitung
5,O 0,54
Spur. Spur. Spur.
1,
,,
8,5 O,54
,,
9,
?,
10,O 0,73
,,
9,
?,
8,5 0,54
,,
5,04
5,04
7,28
erde : Hiirte:
2,54
4,OO
in Aussicht:
1,12 0,73
1,12 0,73
1,68 0,36
2,24 0,73
Grenzzahlen fiir Trinkwasser:
10-50,O 1-5,0
0,4 0,2-0,s 0,2-6,3 -
-
2,14
2,14
2,18
3,26
18.
Aus diesen wenigen Thatsachen liisst sich sofort widerspruchslos das Urtheil begriinden, was hier am Ortc als gutes Trinkwasser bezeichnet werden muss, d. h. d e n e i g e n t lich a l l e i n g u l t i g e n Ausspruch g e s t a t t e n die
Mischungsverhiiltnisse r e i n e r Quellen d e r h e r r s c h e n d e n G e b i r g s f o r m a t i o n . Das zuerst aus Mangel
naheliegenden Materials in Vergleich gezogene Quellwasser
aus Thonschieferformation zeigt eine sehr grosse Uebereinstimmung mit dem Wasser der zur neuen Leitung vorgeschlagenen Quellen; der einzige hervortretende Unterschied
liegt in der die Grenzzahl bei Weitem noch nicht erreichenden grosseren Mengen Ychwefeluiiurc und gleichzeitig des
Xalkes , demuach in eiuer griisseren , jedoch keineswegs bedenklichen Menge Gyps.
I n Durchschnittszahlen ausgedriickt (vergl. meine Grnndlagen zur Beurtheilung des Trinkwassers, 11. Aufl. Jena 1872,
8. 33) ergahen mir friihere Untersuchungen reiner Quellwasser aus verschiedenen Gebirgsformntionen folgende Itesul tate
f i r 100,000 Theile Wmser :
E. Reichttrdt, Wie muss gutes Trinkvasser besehaffen sein?
Abdampf-: Substaiiz
Organ. : Salpcterriickstand
siuro :
“lor
:
Schwc- Kttlk:
fclsiiiii-e:
213
:::::
Harte:
Granit :
2,44
1,57
12,5- 22,5 1,38
32,5
0,9
41,8
0,53
236,5
8pr.
10-50
1-5,0
0,33 0,39 0,97 0,25
Bunter Sandstein:
S1)11r-0,98 0,42 0,88 7,30 4,8
Moschelkalk :
0,021
0 3 7 1,37 12,9
2,9
Muschelkelk, dolomitisch :
0,23
Bpur. Sp.-Y,4 14,O 6,5
Gypsquelle :
spur.
1,61 llO,H3 76,6 12,25
Grenzzahlcn :
0,4 0,2-0,s 0,2-6,3 0
1,27
13,96
16,95
23,l
92,75
18.
Die oben mitgetheilten Analysen der Quellen aus Thonschiefer vermehrten das Material ganx erfreulich, obgleich
auch gchon RO das Resultat klar vor Augen liegt, dass der
Begriff von reinem Quellwasser ein sehr relativer sein und
bleiben muss und wesentlich ortlich aufziifassen und zu beurtheilen ist.
Die sog. Grenezahlen sind demgemass xu moderiren; sie
sind das Resultat der zahlreichen Untersuchungen von Quellen und Brunnen der Wiener Umgebung und derjenigen
Brussels und mit wenigen Zusatzen oder Erweiterungen von
mir direct iibertragen worden, erhalten jedoch erst eine richtige Wiirdigung bei dem Vergleiche mit dem Einflusse der
waltenden Gebirge, wie schon ails der sehr bedeutenden Verschiedenheit der Menge des Abdampfriickstands zu entnehmen ist.
Treten lokal gypsreiche , salzfuhrende Quellen auf, b o
sind diese, obgleich von naturlicher Reinheit, doch ebenso
verwerflich fiir die tagliche Nabrung, jedoch konnen derartige
Vorkornmnisse wohl als leicht erkennbare, ungewohuliche Falle
bezeichnet werden und ist nur der Einsicht halber die Gypsquelle in der Aufzahlung mit bemerkt worden.
Wenn aber die weit und breit gebo tene Gebirgsformation
Dolomit ist oder dolomitisch , so steigt erklarlicherweise die
214
E. Reichardt, Wie muss gutes Triiikwasser beschaffcn sein?
hlenge der Talkerde, der Grad der Harte und, wie die oben
gegebene Mittelzahl beweist, sogar iiber die geslattete Grenzzahl hinaiis, SO dass fur solche Falle dieselbe nicht ausreichen
wiirde. Die Reinheit dieses W-assers wird aber durch die
Menge der anderen Bestandtheile erwiesen - Salpetersaure
0,23 , organische Substanz 0,53, Chlor Spur, Schwefelsaure
Spur - 3,4 und fur die Beurtheilung derartiger Wasser in
gesundheitlicher Beziehung oder als Genusswasser werden
sofort diese Bestimmungen von griisstem Werthe ; wiirden in
diesen dolomitischen Wassern erhebliche Mengen Schwefelslure oder Chlor zugegen sein, so ware die Verwerflichkeit
derselben zum Genuss erwiesen.
Es sol1 hier nicht die Aufgabe vorliegen, die weiteren
Untersuchungsmerkinale von reinem und verunreinigtem Wasser zu besprechen , oder die Richtigkeit der Bog. Grenzzahlen
zu erwagen, da ich mir schon friiher wiederholt erlaubt habe,
diess zu erortern und verweise ich in dieser Hinsicht auf die
obenerwahnte 2. Auflage der Grundlagen zur Beurtheilung
des Trinkwassers.
Die Frage, wie ein gutes Trinkwasser beschaffen sein
6011, wird in der Regel als eine combinirt chemische und
medicinische, in Summa gesundheitspolizeiliche bezeichnet und
mehr wie einmal sind mir derartige Erorterungen vorgelegt
worden, sei es vor, sei es nach der Begutachtung von k z t licher Seite. Mehr wie einmal konnten dabei nicht unerhebliche Meinungsverschiedenheiten bemerkt werden, indem sowohl
Arzt, wie Chemiker ihre personlichen Anschauungen als maassgebend betrachteten und keineswegs den einfachen Sachverhalt dabei im Auge behielten.
Oh ein Trinkwasser rein oder verunreinigt sei, ist nur
durch chemische Priifung zu ermitteln und die Zeit wohl als
eine der Vergangenheit angehorige zu bezeichnen, wo Bezirksarzte und Bezirksvorsteher, vielleicht unter Beiziehung eines
Apothekers, *) die Orte durchwanderten, um nach Geschmack,
*) D. h. der Apotheker als Nebenperson, womoglich ohnc Stimme
und gewohnlich mit der Anweisung , keine unnothigcn chemischen Priifungen amustellen,
Rdt.
E.Reiohardt, Wie
m u ~ sgutes Trinkwasser beechden eein?
215
Geruch und Farbe sofort die Giite des Wassers zu beurthei]en, ja sogar nach Zahlen dieselbe auszudrucken ! Die Frage
ist eine vie1 zu ernste, um durch solehe, jeder Tauschung
unterworfene Proben Erledigung finden zu konnen. Es versteht sich dabei von selbst, dass iibel riechende und schmeckende
Wasser von vornherein zu verwerfen sind, dazu ist keine
grosse Commission nothwendig. Aber gerade die bleibenden
Verunreinigungen des Wassers , die gewohnlichen Vorkommnisse grosserer Mengen der Salpctersaure, der organischen
Substanz u. 8. w. sind durch diese mechanischen Proben nicht
zu kennzeichnen ; ja salzhaltige Wasser besitzen sogar fast
durchgangig einen weit angenehmeren Gesmack.
Ohne Widerspruch muss der Satz aufgestellt werden,
d a s s ein j e d e s T r i n k w a s s e r r e i n sei, f r e i von
ungehorigen Zufliissen d e r benachbarten Umgeb u n g . Das Wasser, als das bei Weitem wichtigste Nahrungsmittel, muss dern Menschen von demselben Grade der
Reinheit geboten werden, wie das Brot, das Fleisch, die
kiinstlichen Getranke. Die Mittel, diese Reinheit zu beweisen, sind erst in neuerer Zeit mit Hilfe der Chemie erkannt
worden und nun handelt es sich darum, mit moglichster Ausdehnung diese Kenntniss zu verwerthen. - Aufgabe der
Gesundheitspflege. Dass die Mischungsverhdtnisse selbst des
reinsten Quellwassers sehr verscliieden sein konnen hinsichtlich des Gehaltes an Xalk und Talkerde, sog. Haerte, wurde
schon friiher erortert und der Gesichtspunkt dahin erweitert,
dass die Beurtheilung nur nach der herrschenden Gebirgsformation und den darin vorkommenden Quellen gegeben
werden kann, abgesehen von den auch hier vorkommendcn
abnormen Verhaltnissen.
Hierdurch gewinnt die Untersuchung der Wasser auch
ein weiteres wissenschaftliches Interesse , welches dem Geognosten willkommenes Material bieten wird und jedem denkenden Naturforscher einen erfreulichen Fortschritt: Die Quelle
wird gleichzeitig ein ausserst brauchbares Mittel, dem Auge
verborgene Schichten der Erde zu lichten.
216
E. Reichardt, Wia niuss
guters Trinkwasaer beschafieu win?
Wie leicht, rasch und richtig sich im Vergleich fraglicher
Wasser Nit den normalen reinen Quellen der Umgegend ein
Urtheil begrunden lasst, beweist wohl hinreichend das oben
mitgetheilte Beispiel und kann sofort auch den Laien iiberzengen , welche gunstigeren Verhaltnisse bei der Beschaffung
des reinen Quellwassers zu erlangen sind.
Die sog. Grenzzahlen fur organische Substanz, Salpeterskme , Chlor, Schwefelsaure, bioten hierbei sehr brauchbaren
Anhalt, um das allgemeine Vorkommen gegeniiber dem localen zu beleuchten.
Wen, man die Grosse der dufgabe der Gesundheitspflege in Beziehung auf die Untersuchungen der Wasser
erwiigt, so wurde es schon in dieser Hinsicht wiinschenswerth sein, die Priifungen auf das nothwendigste Maass zu
beschranken , und so wenig die Feststellung der physikalischen Merkmale - Geruoh, Geschmack, Farbe - geniigen
kann, so iiberflussig und die Einsicht erschwerend wiirde es
sein, wenn die chemische Untersuchung sich auf die Feststellung aller Bestand theile richten wurde. Einmal wiirde
das endliche Ziel, alle fur den Genuss in Gebrauch gezogenen
Wasser zu nntersuchen , unendlich hinauageschoben , und sodann durch die Fiille des Materials, der Zahlen , berechneter
Salze, der Ueberblick nur erschwert, dem Laien die ausserst
wichtige und belehrende Einsicht geradezu unmoglich gemacht.
Es ist daher unumganglich nothwendig , das werthvolle
Resultat der bisherigen Porschung hervorzuheben und festzuhalten, dass die Bestimmung nur weniger Bestandtheilc
geniigt, urn das Abnorme , die localen Zufliisse zu den Quel]en, nachzuweisen.
Eine Steigerung der Mengen des Chlors, der Schwefelsiiure, der Haerte, vor Allem der Salpetersaure und der sog.
organischen Substanz, oft auch schon des Abdampfriickstandes allein, giebt gegenuber der Mischung der reinen Quellen
den unangreifbaren Beweis, dass Zufliisse existiren, die unter
allen Verhaltnissen verwerflich sind. Es ist keineswegs nothwendig, dass gleichzeitig eine Vermehrung aller dieser ein-
E. Reichardt, Wie muss gutes Triiikwiisser beschotfcw
sein?
217
flussreichen Bestandtheile cintrctc ; bei dcn mir vielfach vorlicgenden Beobachtungen kennzeichnetcn sich die Beimischungcn bald auf die eine, bald auf die andere Weise, lasscii
sich aber stets feststellen und verwerthen, sobald man die
Sachlage, um welche es sich handelt, klar vor Augen behllt.
Sehr leicht ist es, selbst dem Laien zu beweisen, dase
beispielsweise die Verniehrung von Chlor, gegeniiber der rcinen Quelle eben abnorm ist und nur auf verwerflichen Zuflussen beruhen kann ; unvcrstandlich bleibt es demselben aber
meistentheils, wenn eine Streitfrage vorgetragen wird, ob das
Chlor als Chlormagnium, Chlorkalium oder Chlorcalcium u. s. w.
vorhanden sei, Verhiiltnisse , fur welche sogar dem kenntnissreicheren Arzte meistentheils das Verstandniss fehlt. Dem
Chemiker ist es ja sehr leicht, durch Rechnung derartige
'Combinationen zu bereiten, vielleicht auch zu beweisen, cr
verkennt aber dabei vollig die Einfachheit der Frage, um die
es sich handelt, und das Publikum , was dieselbe verwerthen
sol1 , muss eventuell mit vielen Geldopfern die Wasserleitung
bezahlen.
Es ist richtig, dass schwefelsaures Natron weit krlftiger
wirkt , als schwefelsaurer Kalk , aber diese Frage hat nichts
gemein mit derjenigen nach reinem Trinkwasser ; eine ungcwohnliche Steigerung der Schwefelsaure ist unter allen Unistanden verwerflich , da die Aufgabe vorliegt, reines Wasser
zu schaffen, oder die Verunreinigung zunachst nachzuweisen.
Ebensowenig forderlich der Sache sind die unter den
Chemikern hier und da eingefuhrten Streitigkeiten uber die
Bestimmungsweisen der einzelnen Bestandtheile des Wassers.
Einmal wiirde dieser Streit iibcr die Methode von der Aufgabe der Gesundheitspflege ganzlich fern zu halten sein und
ist in die chemische Fachlitcratur zu vcrweisen, sodann handelt es sich thatsachlich nicht um Substanzen, deren Bestimmungsweisen auch nur zu den schwierigeren der chcmischen
Analyse zu zahlen sind. Bei der allgemeinen Bedeutung der
Wasseruntersuchungen ist vielmchr darauf zu halten, die
allgemeinsten bekanntesten Prufungen zu empfehlen , welche
218
E. Reichardt, Wie muss gutes Trinkwasser beschafftln win!
ohne besondere Fertigkeiten leicht und s i c h e r auegefuhrt
werden konnen.
Weit wichtiger ist die Beurtheilung der durch die chemische Untersuchung erhaltenen Resultate fur die Zwecke
der Gesundheitspflege. Es ist jetzt ebenso als veraltet zu
bezeichnen, wenn der Chemiker der Behorde oder dem Belehrung snchenden Publicurn die Zahlen der Analyse einfach
vorlegt und sich als den Erfinder dieser Ergebnisse bewundern lasst, wahrend kein Theil mit den gebotenen Unterlagen
etwas anzufangen weiss. Die Beurtheilung und Bearbeitung
der einfachea analytischen Resultate muss Sachverstandigen
zugewiesen werden, welche genau wissen, urn welche wichtige
Frage der Gesundheitslehre es sich handclt.
Ein Wasser , welches Verunreinigungen enthiilt , ist niemals als gutes und reines Trinkwasser zu bezeichnen und
sicher verwerflich. Die Erkenntniss dicser Sachlage fordert
auf, reines Wasser zu schaffen, sei es durch mine Quellen
oder durch geignete Abschliessung, bessere Fassung der verunreinigten Quelle; spatere Untersuchungen wiirden dann
die Ergebnisse der Verbesserungsmaassregeln zu priifen
haben.
Wissenschaftlich ist es gewiss von grossem Interesse zu
erfahren, wie die Verunreinigungen , Zuflisse zu Wasser
schwanken , wie die Pumpbrunnen je nach der Jahreszeit, je
nach den Bodenverhaltuissen in Mischung und PlZenge des
Wassers wechseln, und man hat derartige oft wiederholte
Priifungen zusamrnengestellt und die Resultate mit dem jetzt
so beliebten , oft gemissbrauchten Ausdruck: ,,Statistik des
Wassers" belegt, aber diese Betrachtungsweisen beriihren
zuniichst nicht die wichtigste Frage nach Beschaffung und
Beschaffenheit eines reinen Trinkwassers. Selbst wenn ein
fraglicher Brunnen zu irgend einer Zeit ganz reines Wasser
cinmal enlhilt, so miisste man consequenter Weise vor dem
Geniiss desselben erst die chemische Priifung anstellen lasscn. Urn solche absichtlich hereingeworfene Fragen handelt
e8 sich hier gar nicht; ist das Fleisch als trichinos erwiesen,
so wird das ganze Thier als gesuedheitschadlich verworfen,
E.Beichardt, Wie muss gutes Trinkwasser beechaffen sein?
219
gleichviel ob einzelne Organe davon frei sind, ist das Wasser unrein, so iat es zu beseitigen, selbst wenn die Statistik
erweist, dass im Monat Mai einmal reines Wasser nachgewiesen wurde.
Die Kenntniss, was unter reinem Wasser , reiner Nahrung, zu verstehen sei, muss ohne Ausnahme, ohne Nachsicht
angewandt werden, Ausnahmen werden leider nur zu oft,
durch ortliche Verhaltnisse bedingt, nothig werden.
Mit vollem Rechte hat sich die Wiener Wasserversorgungscommission (vergl. meine Grundlagen zur Beurtheilung
des Trinkwassers ,! 2. Aufl., S. 5) dahin ausgesprochen , dass
nur Quellwasser und nicht filtrirtes Flusswasser als Trinkwasser zu gebrauchen sei, weil letzteres zu wechselnden
Ein- und Zuflissen ausgesetzt ist und das Filtriren im GanZen doch nur als mechanische Reinigung wirken kann.
Die chemische Untersuchung des Elbwassers ergab fur
100,000 Theile Wasser folgende Resultate (8. Grundl. etc.
S. 28):
Abdampf- Organ.
Sslpeterruckstand: Subatam ; saure:
26,O
27,O
22,5
10-50
Schwe- Kalk:
Chlor : felsgure:
erde :
Hgrte:
Eibe von Magdeburg:
0,14
3 3 3 4,80 5,6 1,6 7,8
von Hamburg:
17,45
Spur.
2,97 2,40 6,7 0,73 7,7
fil trirt (Hamburger Wasserleitung) :
8,O
1,85 2,75 5,04 0,73 6,l
Grenzzahlen fur gutes Wasser :
1-5,O
0,4
0,2-0,s 0,2-6,3 - 18.
3,45
Die betreffenden Proben Wasser wurden fast zur selben
Zeit in Magdeburg und Hamburg entnommen , nemlich im
November 1870, diejenigen von Hamburg an gleichen Tagen
und zwar das unfiltrirte Elbwasser oberhalb der Aufnahme
des Wassers durch die Wasserkunst.
Erwiigt man , welche kalkreichen Bache und Flusse,
welclie salzreichen Zuflisse aus den Salzdistrikten Thiiringens
und der Provinz Sachsen der Elbe zugefuhrt werden, so
220
E.Heichardt, Wie m u m gutes Trinkaasser beschatfeii ticin?
siehl man sof'orl, wie .Kalli und Talkerde grosstentheils abgcschieden wurden und vorxugsweise dic schwefelsauren Sjulzr,
und Chloride in Losnng bleiben ; dds Elbwasser von Magdeburg enthiilt davon mehr, als dasjenige von Hamburg. -Welclier Unterschied herrscht aber iu dcr Mcngc dcr orb':&nischcn Substanz? die Z~iflusse sind ebeii z u wechselnd und
vielseitig, als dass man ein derartigcs Wasscr als Gcnusswasscr verwenden sollte. Was hat nun aher die Rcinigung
durch das Filtriren geandert ? der Unterschied liegt hanptsachlich in der durch ubermangansaures Kali bestimmten
organischen Substanz und natiirlich sind durch diese Manipulation die schwebenden organischen, wie anorganischen
Store entfernt worden, aber die in dem filtrirten Wasser vorhandene Menge organischer Substanx iiberschreitet noch Rehr
bedeutend die von 1' e t t e n k o f e r gegebene Grenzzahl 5
pro 100,000 Theile Wasser. Einc sog. statistische Untersuchung des Elbwassers wird sicher eben so bedeutende
Aenderungen in der Mischung erweisen , wie anderwarts im
Wasser der Pompbrunnen oder der Flusse und Bache. Der
oben erwahnte Ausspruch der Wiener Commission ist vollig
richtig: , , W a s s e r d e r F l u s s e i s t a l s T r i n k w a s s e r
i i b e r h a u p t n i c h t z u v e r w e n d e n . " Fruher oder spater
werden Stadte mit dergleichen Xinrichtungen noch mehr Kapita1 anwenden miissen, urn, nach Art der alten romischen
Leitungen , frisches, reines Quellwasser den Einwohnern zu
bieten , d. h. das wichtigste Nahrungsmittel in moglichster
Reinheit xu schaffen. Dadurch, dass das Wasser fur das
Auge darchsichtig und klar bereitet wurde, sind die darin
gelosten Stoffe wenig oder gar nicht geandert und geloste
Verunreiuigungen bleiben nach wie vor darin.
Es wurde hier a19 Aufgabe betrachtet, Erorterungen uber
Methode der Untersuchung und sonstige Besprechungen chemischen Inhaltes als fremd hinzustellen , der einfachen Aidgabe gegeniiber, reines Genusswasser zu schaffen.
Ebenso nachtheilig wird aber der Sachlage die vielseitig
geubte Kritik seitens des arztlichen Publikums, was auf
E. Reichardt, Wie muss
gutes Trinkwasser beschrcffen scin?
221
gleiche Weise sehr nllgemein die einfache Frage urngeht und
mit personlichen Anschauungen belastet. Gewiss kann iiberall
nicht genug Kritik geiibt werden, aber sie mag sich dahin
wenden, wohin sie gehort , gleich den Besprechungen iiber
chernische Methode.
Beines Trinkwasser zu schaffen ist cine unleugbare,
wichtige Aufgabe der Gesundheitspflege , der Nachweis , was
unter gutem Wasser zu verstehen sei, wurde in den natiirlich gebotenen Anhaltepunkten der reinen Quelle gesucht und
ist bei einigem Verstandniss unschwer zu liefern.
Jeder verstandige Arzt oder Mensch iiberhaupt wird
diese Forderung als vollig gerecht anerkennen mussen und
die darin jetzt erworbenen Kenntnisse als werthvolle Bereichernng in Anspruch nehmen.. Sehr hanfig wird aber, nanientlich bei ortlichen Verhandlungen , die Frage personlichen
Anschauungen untergeordnet. Wie oft ist es Gegenstand der
Erorterungen gewesen , ob verunreinigtes Wasser uberhaupt
schadlich sei, oder nur in besonderen Fallen; der betreffende
Arzt hat die Beobachtung gemacht , dass der liebgewordene
Hausbrunnen seit Jahrzehnten unschadlich gewesen sei und
nimnit nicht selten Gelegenheit, mit solchen ganz lokalen und
personlichen Ansichten den Bestrebungen, die allgemeine Lage
hinsichtlich der Beschaffung von reinem Wasser zu bessern,
entgegenzutreten. Leicht erklarlich ergreifen die nicht so
sachverstandigen Behorden der Stadt mit Freuden derartige,
ganzlich zu verwerfende Zeugnisse, urn von der scheinbar zu grossen Ausgabe noch auf einige Zeit verschont zu
hleiben.
Der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht liegt hier
in dem unabweisbaren Bediitfniss , reines Trinkwasser zu
Rchaffen und die Kritik, was darunter zu verstehen sei, kann
nie einer individuellen Meinung untergeordnet werden , sondern ist einzig und allein auf das Ergebniss der chemischen
Untersuchung zu griinden , welche ihren Stitzpunkt in der
Zusammensetzung der reinsten Quellen der herrschenden C ebirgsformation zu suchen hat.
222
Luudm. Leiner, Receptblatt-Format und Recepten - Registratur.
Sucheh wir, Aerzte und Chemiker gemeinsam, die Frage
in ihrer Einfachheit zu erhalten und energisch durchzufiihren,
so wird ein gnter Fortschritt der Neuzeit erreicht werden.
J e n a , im October 1872.
-
-
Receytblatt Format und Rcceptcn Registratur.
Von L u d w i g L e i n e r .
Zur vollstandigen Ordnung in einem Apothekengeschafte
gehort so gut wie die in Einzelheiten durchgefuhrte Einrichtung der Officin, die Inetandhaltung der verschiedenen Apparate zu pharmaceutischen , chemischen und mikroskopischen
Arbeiten und ihre zeitweise Reform, auch die Ordnung in der
Buchfuhrung. Sie ist unumgehbar fur die pracise Geschafts Leitung. Und wie die Buchstaben-Ordnung zur Wort- und
Satz-Bildung fuhrt, so ist auch die Ordnung der Recepte ein
Theil der Basis der Buchfuhrnng. Auch hier giebt es gewisse
Geeetze, so einfach es scheint, so vornehm es oft vernachlassigt wird; und je ordentlicher es damit beschaffen ist,
desto wohler ist es dem dabei, der Ordnung liebt.
Schon in dem 1856 herausgegebenen Versuche einer
pharmaceutischen Buchfuhrung *) ist auf zweckmassiges Format der Vormerkungsblatter hingewiesen und die Recepten Registratur kritischer behandelt , als es vordem Uebung war.
Dort ist aber mehr ein allgemeiner Gesichtspunkt der Ueberschau und freien beliebigen Auswahl festgehalten worden.
In der Besprechung einer Zeitschrift kann mehr der personliche vertreten werden und kann jenen erganzen.
1) Zur Ordnung der Registratur ist ein zweckmassiges
R e c e p t b 1a t t F o r m a t sehr wunschbar, und, mit Grunden
-
*) Versueh einer allgemeiner einzufiihrenden pharmaceutischen Buchfiihrung von B a u r und L e i n e r . Leipzig u. Heidelberg; C. F. Winter’sche Verlagshandlung 1856.
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