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Zur Kenntnis der Flavonglykoside aus Betulaceen.

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316
Horhammer, V o r n d r a n und Wagner
Archlv der
Pharmazle
Zur Ermittlung der angegebenen Durchschnittswertewurden mindestens je 3 Versuche
durchgefiihrt. Egaben sich stiirkere Schwankungen, so wurden bis zu 8 Versuchen &usgefiihrt.
Zusammenfassung
Die Maxima der Azulenbildung bei der Wasserdampfdestillation und der kontinuierlichen Destillation in der Karlsruher Apparatur von Matricaria Charnomilla
liegen zwischen pH 5,2 und 6,6. Bei der kontinuierlichen Destillation liegen die
Ausbeuten bis zu 80% hoher.
Ein Zusatz von Ascorbinsaure ergibt bei der Wasserdampfdestillation eine Steigerung um 90% und bei der kontinuierlichen Destillation eine Steigerung von 370,b
gegeniiber der Destillation ohne Ascorbinsaure.
1503. L. H o r h a m m e r , E. V o r n d r a n und H. W a g n e r
Zur Kenntnis der Flavonglykoside aus Betulaceen
Aus dem Institut fur Pharmazeutische Arzneimittellehre der Universitat Miinchen
Direktor: Prof. Dr. L. H6rhanmer
(Eingegangen am 28. April 1956)
I n friiheren Arbeitenl), 2), 3, wurden etwa 60 Arten der Familie der Betulaceen
papierchromatographisch auf das Vorkommen von Flavonglykosiden untersucht.
Entsprechend der Glykosidfuhrung konhten wir damals die einzelnen Vertreter
der Familie in einen Hyperosid-Typ (R, 0,38- 0,51 - 0,66) und einen MyrizitrinTyp (Rf 0,38 - 0,58 - 0,66) einteilen. Gleichzeitig beobachteten wir, daB jedes
Hauptglykosid von zwei Nebenglykosiden begleitet war. Wahrend die Isolierung
des Hauptglykosides aus einigen Arten gelang, war die Reindarstellung der Nebenglykoside mit den damaligen Methoden noch nicht moglich.
Das Ziel der vorliegenden Untersuchungen sollte daher sein, unter Anwendung
neuerer Verteilungsverfahren vor allem diese Nebenglykoside zu isolieren und damit die bisherigen papierchromatographischen Ergebnisse zu bestatigen. Von den
beiden das Hauptglykosid begleitenden Flavonen interessierte vor allem das Glykosid mit dem Rf-Wert 0,66, das in nahezu jeder gepriiften Art gefunden wurde.
Die Isolierung aller nur in geringer Konzentration vorkommenden Nebenglykoside
bereitet erhebliche Schwierigkeiten, wenn die Droge grodere Mengen storender
Ballaststoffe enthalt. In diesem Falle sind auch die klassischen Verfahren der Ausschiittelung und fraktionierten Kristallisation nicht mehr ausreichend. Die Isolierung der Nebenglykoside aus Vertretern der Betulaceen gelang daher erst nach
sinnvoller Kombination moderner Trenn- und Reinigungsverfahren, insbesondere
des Verfahrens der chromatographischen Trennung an der Magnesolsaule und am
Papierbogen, sowie der Reinigung mit Hilfe der multiplikativen Verteilung nach
L. C. Craig.
l)
1)
3,
R. Hansel, Habilitationsarbeit, Munchen 1953.
P. Frank, Dissertation, Munchen 1954.
E . Vorndran, Dissertation, Munchen 1955.
289./61. Bd.
1956, Nr. 6
Zur Kenntnis der Fluvonglykoeide aus Betulaceen
317
Insgesamt konnten aus vier Arten der Betulaceen, namlich aus Carpinus orientalis Mill., Alnus incana Moench, Anus subcordata C. A. Mey und Corylus avellana L., a c h t Plavone isoliert und in ihrer Konstitution aufgeklart werden. Es
handelt sich urn Querzetin, urn die Rhamnoside und Galaktoside des Querzetins
u n d um d a s Glukosid des Myrizetins (8. Tab. 1).
Tabelle 1
Untemuchte Blattdroge
Carpinus orientalis Mill.
Alnus incana Moench
Alnus subcordata C. A. Mey
Corylus avellana L.
Glykoside
RpWerte
identifiziert als
0,82
0,67
0,51
0,51
0,67
0,51
0,58
0,67
Querzetin
Querzitrin
Hyperosid
Hyperosid
Querzitrin
Hyperosid
Myrizitrin
Querzitrin
mg/%
2.50
4,45
0,25
13,30
0,17
21,00
32,OO
1,40
Versuchsteil
1. I s o l i e r u n g v o n Q u e r z e t i n , Q u e r z i t r i n u n d H y p e r o s i d a u s C a r p i n u s
o r i e n t a l i s Mill.
E x t r a k t i o n : 1800 g gcsammelte Blatter aus dem Botanischen Garten Munchen
(Sammelzeit Juli, August und September) wurden grob zerkleinert und nacheinander im
Sozhkt-Apparat mit Chloroform, wassergesiittigtem Ather und Methanol extrahiert. Die
Chloroformfraktion enthielt nur Ballastatoffe und konnte verworfen werden.
A t h e r f r a k t i o n : I m iitherischcn Extrakt fanden sich laut Papierchromatogramm der
Hauptanhil des Glykosids Rf 0,67 und geringe Mengen des Aglykons Rf 0,82*). Nach
Entzug des Extraktionsmittels durch Destillation wurde der grune, durch mitausgefallenes
Flavon gelb gefiirbte Ruckstand mit heiI3em Wasser mehrmals digeriert und vom Chlorophyll befreit. Letzte Reste dea Chlorophylla konnten durch Ausschutteln der wiiBrigen
Phase rnit Chloroform entfernt werden. Aus dem konzentrierten, wasrigen Extrakt kristallisierte beim Stehenlassen im Eisschrank eine Substanz aus, die auf Grund ihres
Schmelzpunktes von 307-311" C mit Querzetin (Schmp. 303-312" C) **) idenxisoh sein
m d t e . Dieaea Aglykon diirfte sekundiir durch hydrolytische Spaltung dea sehr labilen
Olykosides Rf 0,67 bei der Aufarbeitung des Pflanzenmaterials entatanden sein.
Nach Abtrennung dea Aglykons enthielt die uberstehende Losung fast ausschliellich
Glykosid Rf 0,67. Die wassrige Glykosidlosung wurde im Vakuum zur Trockene gebracht,
der gelbe Ruckstand im Tmckenschrank bei 110' C getrocknet und fein pulverisiert. Wir
extrahierten hierauf den Ruckstand am RuckfluBkuhler mit 5mal 300 ml waaserfreiem
khylazetat, vereinigten die Extraktionen und destillierten das Losungsmittel bie auf
200 ml ab. Die gekiihlte, gelb gefilrbte Losung versetzten wir mit loo0 ml Pentan
(Kp. 32" C). Nach 24stiindigem Stehen im Kuhlschrank wurde von dem ausgefallenen
Niederschlag abzentrifugiert und die Substanz zur KristaUisation in Athanol gelost. Nach
mehrmaligem Umkrktallisieren, zum SchluB aus Wasser, erhielten wir das Glykosid Rf 0,67
in einer Ausbeute von 80 mg. Der Schmelzpunkt der Substanz lag bei 178-179' C und
etimmte mit dem von authentischem Querzitrin (Smp. 176-180' C) uberein.
* ) Die Rf-Werte beziehen sich auf das LosungsmittelsystemAthylazetat-Ameisensiiure-Wasser (10+2+3) und auf Chromatographierpapier der Firma Schhleickr & Schiill Nr. 2043 b G1.
**) Alle Schmelzpunkt-Bestimmungenwurden im Mikroschmelzpunkt-Apparatnach Kofler
durohgefiihrt.
318
H o r h a m m e r , V o r n d r a n und Wagner
ArQiv der
Pharmazie
M e t h a n o l f r a k t i o n : Zur Gewinnung von Glykosid Rf 0 3 1 wurde die Droge nunmehr
im Soxhlet-Apparat erschopfend mit 90YJgem Methanol ausgezogen. Wir destillierten
vom Losungsmittel ab, digerierten den dickfliissigen, griinbraungn Ruckstand mit heidem
Wasser und filtrierten noch heiB durch Watte. Dieser Proze5 wurde mehrmals wiederholt.
Wir erhielten auf dieee Weise einen chlorophyllfreien und VGV Ballaststoffen weitgehendst
befreiten Extrakt, der bcim Stehenlassen im Eisschrank noch meitere Extraktivstoffe abaetzte. Die Losung wurde zentrifugiert, erneut filtriert und bis zum volligen Entzug der
Ravone mit Athylazetat ausgeschiittelt. Wir destillierten im Vakuum vom Losungsmittel
ab und verarbeiteten den erhaltenen gelbbraunen Ruckstand wie oben angegeben mit
Athylazetat und Pentan. Selbst nach mehrtagigem Stehen der iithanolischen Losung im
Kuhlschrank war keine Kristallisation zu beobachten. Wie die Chromatogramme ergaben,
war Glykosid Rf0,51 nur in geringen Mengen vorhanden, so dad mit einer Kristallisation
zunachst nicht zu rechnen war. Wir versuchten daher, die flavonhaltige Losung durch
die praparative Papierchromatographie weiter zu reinigen.
a) P r a p a r a t i v e P a p i e r c h r o m a t o g r a p h i e
Die Lthanolische Losung wurde in Streifen auf Papierbogen der Grode 60 x 58 cm
(Schkicher & SchuZZ Nr. 2043 b Gl) aufgetragen und im Gemisch Athylazetat-Ameisenshure-Wasser (10 2 3) entwickelt. Nach dem Trocknen markierten wir die Flavonzone
vor der Analysenquarzlampe und schnitten sie i n Streifen aus. Um ein gleichmadiges
Abtropfen beim Eluieren zu gewiihrleisten, wurden die Streifen a m Ende schrag zugeschnitten und anschlieBend in einer Chromatographierkammer nach der absteigenden
Methode mit 96%igem Athano1 eluiert. Das konzentrierte Eluat zeigte trotz mehrwochigem
Stehen im Kuhlschrank keine Kristallbildung. Urn den Reinheitsgrad dw Losung festzustellen, verglichen wir das Methanolspektrum mit dem von authentischem Hyperosid.
Dabei ergaben sich deutliche Abweichungen im Kurvenverlauf. Die praparative Papierbogenmethode lieferte somit ein papierchromatographisch nicht jedoch spektrophotometrisch reines Glykosid. Die einwandkeie Identifizierung genuiner Naturstoffe ist aber
nur moglich, wenn diese beiden Forderungen der Reinheit genugen.
Wir versuchten daher die weitere Reinigung iiber eine Magnesolslnle. Der Versuch verlief negativ, das Spektrum des Eluates war nach Durchgang durch die Siiule noch unverilndert .
+ +
b) M u l t i p l i k a t i v e V e r t e i l u n g
Zur weiteren Reinigung eignet sich die Verteilung zwischen zwei fliissigen Phasen nach
einer Methode von L. C. Craig4). Als Losungsmittelsystem verwendeten wir ein Gemisch
Athylazetat(1)-Wasser(l), welches zuvor durch 1 stiindiges Schutteln in einer Schuttelapparatur gegeneinander abgesattigt worden war. Nach dem Entfernen des Athanols wurde
der Eluatruckstand in 10 ml der wii5rigen Phase gelost, filtriert und in der Verteilungsbatterie ( E . Hecker) bei prr 5,5-5,7 uber 10 Stufen verteilt. Aus den organischen Phasen
der Elemente 5 , 6 und 7 erhielten wir insgesamt 4,5 mg Glykcsid. Das Spektrum der
Substanz stimmte nunmehr nach Lage der Banden und in seinem sonstigen Verlauf mit
dem von authentischem Hyperosid iiberein.
2. I s o l i e r u n g v o n H y p e r o s i d u n d Q u e r z i t r i n a u s A l n u s i n c a n a Moench
E x t r a k t i o n : 3000 g Blatter wurden in den Monaten Mai, Juni und Juli im Botanischen Garten Miinchen gesammelt und sofort ohne vorherige Trocknung erschopfend
mit 900/bigem Methanol extrahiert. Die Entfernung des ChlorophyUs erfolgte wie unter 1.
angegeben durch mehrmaliges Digerieren mit heiBem Wasser. Von den epater noch ausfallenden flavonfreien Niederschlagen zentrifugierten wir a b und filtrierten die braune
%sung.
4,
H . Wagner, Dissertation, Munchen 1986.
289.161. Bd.
1956, Nr. 6
Zur Kenntnis der Flavonglykoside aus Betulaceen
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T r e n n u n g u n d R e i n i g u n g : Zur Gewinnung eines Rohkristallisates schiittelten wir
den wassrigen Extrakt mit hithylazetat bis zur Farblosigkeit und brachten die Losung zur
Trockene. Der Trockenextrakt wurde nunmehr in einer Extraktionshiilse im Soxhlet mit
wasserfreiem k h y l a z e t a t behandelt, die erhaltene gelbe Losung (1500 ml) auf 200 ml
eingedampft und nach dem Abkiihlen mit 1000 ml Pentan (Kp. 32' C) versetzt. Nach
mehreren Tagen hatte sich im Kiihlschrank ein Niederschlag gebildet, der abzentrifugiert
und getrocknet wurde. Zur Umkristallisation losten wir die Substanz mehrmals in 70Yoigem
k h a n o l . Es wurde 400 mg Reinkristallisat erhalten, das einen Schmelzpunkt von 230 bis
232' C hatte (authentisches Hyperosid, Smp. 225-228' C).
Die pspierchromatographische Priifung ergab in der Mutterlauge noch weitere Mengen
von Glykosid Rf 0,51, hauptsiichlich jedoch Glykosid Rf 0,67 und geringe Anteile eines
Flavons Rf 0,35. Fur die Isolierung von Glykosid Rf 0,67 schienen wiederum die Methoden
der prilparativen Papierchromatographie und die multiplikative Verteilung erfolgversprechend. Das nach der unter 1. angegebenen Methode erhaltene Eluat wurde nun zweima1 12 Verteilungsschritten bei pH6,s im System Athylazetat-Wasser unterworfen. Die
Substanzen aus Element 5 und 6 wurden vereinigt. Das aufgenommene Spektrum zeigte
die Reinheit des Glykosids an. Verwendung zur weiteren Identifizierung fanden die
Substanzmengen aus Element 8, 9 und 10. Die Gesamtausbeute a n Glykosid Rf0,67
aus Alnus incana betrug 5 mg (0,17 mgyo).
3. I s o l i e r u n g v o n H y p e r o s i d a u s A l n u s s u b c o r d a t a C. A . M e y
E x t r a k t i o n : 300 g grob zerkleinerte lufttrockene Blatter (Sammelzeit Mai und Juni)
wurden mit dreimal 6 Liter kochenden Wassem im Sikkotopf extrahiert. Die filtrierw,
klarbraune Fliissigkeit lieBen wir langsam iiber das Ionenaustauscherharz Amberlite
IRC 50 (H)fliel3en. Um die Flavone quantitativ zu binden, gaben wir die durchgelaufene
Fliissigkeit iiber eine zweite regenerierte Siiule. Nachdem die Austauschersaule mit
destilliertem Wasser bis zur Farblosigkeit der ablaufenden Fliissigkeit ausgewaschen war,
eluierten wir die adsorbierten Flavone rnit 96xigem Athanol. Aus dem Eluat resultierte
nach Abdestillieren des Athanols ein gelbbrauner Ruckstand, der in heil3em Wasser aufgenommen wurde.
T r e n n u n g u n d R e i n i g u n g : Diese erfolgte inder unter 1. bzw. 2. angegebencn Weise.
Di-. nach der Extraktion im Soxhlet erhaltene Losung (fiinfmal300 ml waseerfieias Athylazetat) wurde auf 300 ml eingeengt und mit 1500 ml Pentan versetzt. AUSdem Niedersehlag konnte durch mehrmaliges Umkristallisieren 63 mg (21 mg%) Subktanz ieoliert
werden, die nach Schmelzpunkt und RpWert rnit Hyperosid identisch sein mu0te. Das
Nebenglykosid Rf 0,67 konnte nach dieser Methode nicht isoliert werden.
4. I s o l i e r u n g v o n M y r i z i t r i n u n d Q u e r z i t r i n a u s C o r y l u s a v e l l a n a L.
Die Isolierung von Myrizitrin gelang J . Rabatk7 aus getrockneten Blattern mit wassergesattigtem Ather. Bereits nach 2 Stunden so11 sich die Losung triiben und das Auskristallisieren beginnen. Dieses Verfahren konnten wir auch bei der Isolierung von Querzitrin aus Carpinus orientalis mit Erfolg anwenden. Trotz wiederholter Versuche ist uns
jedoch die Isolierung von Myrizitrin aus Corylus avellana nach der von J . Rabat6 angegebenen Methode nicht gelungen. Der Grund hierfiir diirfte in dem Mehrgehalt an
Ballaststoffen liegen, den unsere aus dem Botanischen Garten Miinchen gesammelte Droge
hatte. Die Herkunft der Droge, die J . Rabat6 untersuchte, ist uns nicht bekannt.
E x t r a k t i o n , T r e n n u n g u n d R e i n i g u n g : 500 g Frischdroge wurden wiederum
erschopfend mit 90yoigem Methanol ausgezogen (Soxhlet-Apparat), das Extraktionsmittel
5,
J. Rabat; in E . Bamann und K . JZyrbiicE, Die Methoden der Fermentforschung, Leipzig
1941 und New York 1946, S. 142.
320
H o r h a m m e r . V o r n d r a n und W a g n e r
Ar&lv der
Pharmazie
abdeatilliert und der dunkelgriine Extrakt wiederholt mit heiBem Wasser digeriert. Nach
dem Abtrennen des Chlorophylla behandelten wir den Extrakt in bekannter Weise mit
i]ithylezetat. Der erhaltene Trockenriickstand wurde nun mehrmals mit je 100 ml waaserfreiem Azeton extrahiert. Die vereinigten azetonkchen Extrakte konzentrierten wir auf
ein Gesamtvolumen von 5 0 m l und lieBen die Losung eine Chromatographierrohre
(2,B cm 0 , 50 cm Hohe) pawieren, die mit synthetischem, wasserhaltigem Magnesol
(Magnesiumtridikat amerikanischer Herkunft) gefiillt war. Die Flavone adsorbierten sich
im obershn Teil der Rijhre in einer Breite von etwa 4 cm. Die Siiule wurde daraufhin rnit
waasergesiittigtem hhylazetat bei einem m e r d r u c k von
bis
atii entwickelt. I m
UV-Licht konnten nach einiger Zeit drei Zonen erkannt werden. Die schnell wandernde
Zone 1 war im UV-Licht intensiv gelb g e f h b t und scharf begrenzt. Die beiden anderen
Zonen 2 und 3 stimmten in ihren Fiirbungen iiberein, sie waren unter dem UV-Licht
braun, im sichtbaren Licht gelb. Die Zonen wurden getrennt aufgefangen und papierchromatographiech untersucht. Zone 1 hatte gleiche Laufhohe mit dem urspriinglich nicht
featgestellten Aglykon Rf 0,82, welches amcheinend durch hydrolytische Spaltung
wiihrend dea Extraktions- und Reinigungsprozesses entstanden war. Zone 2 erwies sich
als Glykosid Rf 0,67 und Zone 3 als Glykosid Rf 0,58. Das erwartete zweite Nebenglykosid blieb in der Rohre zuriick und konnte nicht eluiert werden. Die Losungsmittel
der einzelnen Eluate wurden abdestilliert, der Riickstand in Athanol gelost und die
Losungen zur Kristallisation in den Kiihlschrank gestellt. Aus allen Loeungen kristallisierte
nur dm Glykosid Rf 0,58 in einer Geaamtmenge von 160 mg. Der Schmelzpunkt lag
bei 197-198' C (authentisches Myrizitrin, Smp. 1 9 6 1 9 7 ' C). Eluat 2 wurde durch
priiparative Papierchromatographie und durch multiplikative Verteilung nach L. C . Craig
weiter gereinigt. Die Ausbeute a n Glykosid Rf 0,67 aus Corylus avellana betrug 7 mg
(1,40 mg%).
5. I d e n t i f i z i e r u n g k r i s t a l l i n i s o l i e r t e r F l a v o n g l y k o s i d e
Q u a n t i t a t i v e H y d r o l y s e d e r G l y k o s i d e : Etwa 20 mg Flavonglykosid wurden
genau gewogen, rnit 10 ml n-Schwefelsiiure 1 Stunde im siedenden Waaserbad am Riickflul3kiihler erhitzt und daa Aglykon durch 10-stiindiges Stehen im Kiihlschrank quantitativ abgeachieden. Wir filtrierten mit 'einer bei 110' C bis zur Gewichtskonstanz getrockneten Glasfritte G 2 und bestimmten den Aglykonanteil durch Wiigung (siehe
Tabelle 2).
Tabelle 2
Glykosid
Querzitrin
Hyperosid
Hyperosid
Myrizitrin
Pflanze
Carpinus orientalis
Alnus incana
Alnus subcordata
Corylus avellana
gef. Wert
theoret. iVert
64,93 yo
62,95 yo
64,78 Yo
67,90 yo
67,39 yo
65,09"/o
65,09 :h
68,53 y!,
A z e t y l i e r u n g d e r A g l y k o n e : Etwa 25 mg Aglykon wurdan mit 0,5 g frisch geschmolzenem Natriumazetat und l ml Essigsiiureanhydrid etwa 3 Stunden im Azetylierungskolbchen erhitzt. Nach Zugabe von 2 ml Wasser stellten wir die Losung in den Eisschrank. Die erhaltenen Azetylierungsprodukte reinigten wir durch mehrmaliges Umkristallisieren aus heil3em Methanol. Die weiBen Kristallnadeln der Pentaazetylquerzetine
zeigten Schmelzpunkte zwischen 188 und 192' C (authentischee Pentaazetylquerzetin,
Smp. 190-192" C). Schmelzpunktdepression mit authentischer Substanz trat nicht ein.
Dae Hexaazetylmyrizetin hatte einen Schmelzpunkt von 202-204" C (authentisches
Hexaazetylmyrizetin, Smp. 202-204" C) und zeigte keine Depreesion'im Mischschmelzpunkt mit authentischem Hexaazetylmyrizetin.
289.'61. Bd.
1956, Nr. 6
Zur Kenntnk der Flavonglykoside aus Betulaceen
32 1
B r o m i e r u n g v o n Q u e r z e t i n : Das au9 Carpinus orientalis Mill. isolierte Querzetin
identifizierten wir auI3erdem durch die Darstellung des Bromquerzetins. 30 mg Querzetin
wurden mit 2 ml Eiseaaig aufgeschwemmt, die Mischung mit 5 Tropfen Brom versetzt
und 1 Stunde beiseite gestellt. Das abzentrifugierte ReaktionsFrodukt wurde dreimal mit
Eisessig gewaschen und aus einer Mischung gleicher Teile Athanol und Eisessig umkristallisiert. Smp. 238-240' C. Mit authentischem Bromquerzetin war keine Schmelzpunktdepreseion zu beobachten.
Zuckerosazone: Zur Neutralisation der nach der Hydrolyse erhaltenen, sauren
Zuckerlosung verwendeten wir den Ionenaustauscher Dowex 2 (Standardkornung 20 bis
50 mesh, Austauschkapazitiit 2,3 MiLliiiquivalent/g Harz trocken, Feuchtigkeitsgehalt
40%). Gereinigt wurde die Handelsware zuvor durch Waschen mit n-Natronlauge und
anschlieDend mit n-Salzsaure. Das Regenerieren nahmen ,wir mit gesattigter Natriumbikarbonatlosung (70% hithanol) vor. Die jeweilige schwefelsaure Zuckerlijsung gaben
wir gemeinsam mit den Waschwilssern durch eine mit regeneriertem Dowex 2 gefullte
Glasrohre (0,scm Innendurchmeaser und 20 cm Hohe). Abtropfgeschwindigkeit = 30 bis
60 Tropfen pro Minute. Die Zuckerlosung hatte nach Paasieren der Siiule einen pHvon 7,O.
Der Ionenaustauscher wurde mit wenig ml Wasser nachgewaschen und die vereinigten
Eluate vorsichtig auf etwa 1 ml eingeengt. Jeweils die Halfte der neutralisierten Zuckerlosung stand fiir Papierchromatographie und Osazonbildung zur Verfugung.
0,5 ml Zuckerlosung wurden mit 0,5 g einer Losung aus Phenylhydrazinhydrochlorid
und Natriumazetat (10,O g Phenylhydrazinhydrochlorid und 15,O g Natriumazetat in
100 ml Wasser gelost und filtriert) versetzt (pH der Liisung = 5,O) und 1 Stunde im
Wasserbad in einem Mikrokolbchen am RuckfluBkiihler erhitzt. Das Osazon schied sich
als gelber, kristalliner Niederschlag a b und konnte auf einer Mikroglasfilternutsche gesammelt werden. Zur Umkristallisation loskn wir das Osazon in hithanol, setzten etwa
1/3 Wasser zu und lieI3en im Eiaschrank auskristallisieren. Nach zweimaligem Umkristallisieren war Schmelzpunktkonstanz erreicht. Beim Rhamnoosazon erwies sich das Umkristallisieren aus Benzol ah vorteilhafter.
Tabelle 3
Rhamnoosazon authentisch
Galakbsazon authentisch
Osazon
Oeazon
Osazon
Osazon
des
des
des
des
Zuckers von Querzitrin (Carp. orient.)
Zuckers ,, Hyperosid (Alnus incana)
Zuckers ,, Hyperaid (Alnus subcord.)
Zuckers ,, Myrizitrin (Coryl. avellana)
179-180° C
188O c
-~
179-180' C
187-188" C
188' c
178-179" C
P a p i e r c h r o m a t o g r a p h i e : Die isolierten Flavone wie such die durch Hydrolyse
entstandenen Aglykone wurden im Wechsel mit authentischen Substanzen auf Papierbogen (Schleicher & Schiill2043 b G1) aufgetragen und in (a)hhylazetat-AmeisensaureWasser (10+2+3) und (b) Butanol-Eisessig-Waer (4+1+5) entwickelt. Ebenso wurden
Chromatogramme der neutralisierten Zuckerlosungen mit Vergleichszuckern hergeatellt.
Als Entwicklungsgemische verwendeten wir (c) Pyridin-Butanol-Wasser (1 +2+ 1,5), wobei nach Abtrennung der oberen Phase dieser noch ein Teil Pyridin zugesetzt wurde
und (d) m-Kresol-Eisessig-Wasser (25+1+24) ; Spriihreagens nach S.M . Putridge:
Anilinphthalat in Butanol. I n allen Fallen konnten die in Tabelle 4 zusammengestellten
RpWerte authentischer Substanzen erhalten werden.
322
A r d v der
Horhammer, V o r n d r a n und W a g n e r
Pharmazie
Tabelle 4
a
0,82
0,57
0,67
0.51
0,58
b
0,69
0,43
0,73
Querzetin aus Carpinus orientalis
Querzitrin aus Carpinus orientalis
Hyperosid &us A n u s incana
Hyperosid aus A h u s subcordata
Myrizitrin aus Corylus avellana
0,82
0,67
0,51
0,69
0,73
0,51
0,58
0,48
0.65
Aglykon
Aglykon
Aglykon
Aglykon
0,82
0,82
0,82
0,57
0,69
0,69
0,69
0,43
Querzetin authentisch
Myrizetin authentisch
Querzitrin authentisch
Hyperosid authentisch
Myrizitrin authentisch
aus
aus
aus
aus
Querzitrin
Hyperosid
Hyperosid
Myrizitrin
(Carp. orient.)
(Alnus incana)
(Alnus subcord.)
(Cor. avellana)
0,48
0.65
0,48
6. C h a r a k t e r i s i e r u n g v o n F l a v o n g l y k o s i d e n , d i e n u r in g e r i n g e r Menge o d e r
nicht kristallin erhalten wurden
M i k r o s c h m e l z p u n k t : Bei den durch Reinigung nach der multiplikativen Verteilungsmethode erhaltenen Glykosiden ergaben sich meist noch geringe Schmelzpunktabweichungen. Wir losten deshalb die Substanz in wenig hithanol und dampften auf einem
kleinen Objekttrrlger mit Vertiefung das Losungsmittel vorsichtig ab. Die am Rande der
Vertiefung sich ansammelnde Substanz wurde noch zweimal in derselben Weise umkristallisiert, bis der Schmelzpunkt konstant blieb. Die Schmelzpunkte lagen fast alle uni
einige Grade unter denjenigen der freiwillig auskristallisierten Glykoside (siehe Tabelle 5).
Tabelle 5
Hyperosid authentisch
Querzitrin authentisch
230-232' C
178-179" C
Hyperosid aus Carpinus orientalis
Querzitrin aus A n u s incana
Querzitrin aus Corylus avellana
223-225" C
174-178" C
174-176' C
Q u a l i t a t i v e H y d r o l y s e : 2 ml einer methanolischen Losung des Glykosids wurden
mit 2 ml 2n-Schwefelsrlure 2 Stunden am RuckfluBkiihler erhitzt, gegen Ende der Hydrolyse 4 ml Wasser zugesetzt und anschlieoend die Mischung auf dem Wasserbad so lange
erhitzt, bis das Methanol entfernt. war. Hierauf schuttelten wir die wassrige L6sung mit
Athylazetat aus. Die vereinigten Phasen wurden durch Schiitteln mit Wasser gewaschen
und dann abdestilliert. Den Riickstand losten wir in Methanol.
Diese Idsung erlaubte die Aufnahme von Absorptionsspektren und den Vergleich derselben mit Spektren authentischer Substanzen. Die Aglykonspektren aus den genannten
Glykosiden stimmten nach Lage der Banden und in ihrem sonstigen Verlauf mit der
authentischen Querzetinkurve uberein.
Die wassrige Phase schiittelten wir zur Entfernung der Schwefelsaure mit einer geringen
Menge Dowex 2. Die neutrale Zuckerlosung wurde auf dem Wasserbad auf 0,5 ml eingeengt und fiir chromatographische Vergleiche verwendet. Eine Osazonbildung war wegen
dcr geringen Zuckermengen nicht moglich.
289.61. Bd.
1956, Nr. 6
Zur Kenntnis der Flavonglykoside aus Betulaceen
323
Q u a n t i t a t i v e Hydrolyse: Die methanolische Losung der Glykoside filtrierten wir
zur Entfernung von Verunreinigungen durch Glaefritte G 3.
a) Bestimmung der Aglykonkonzentration:
2 ml der methanolischen Glykosidlosung und 2 ml2n-Schwefelsliure wurden 2 Stunden
am RuckfluBkuhler erhitzk, abgekiihlt und mit Methanol auf 10 ml aufgefiiUt (die Verdunnung richtet sich nach der Konzentration der Losung und nach der Schichtdicke der
verwendeten Kuvetten). Die Konzentration des Aglykons lie0 sich nunmehr spektrophotometrisch mit dem Unicam Spektrophotometer SP 500 bei einer Wellenlange von
373 mp (EsDes.= 76,O) bestimmen (siehe Tabelle 6).
b) Bestimmung der Zuckerkonzentration:
Weitere 2 ml der methenolischen Flavonlosung wurden auf dem Waaserbad eingedampft
und in 5 ml Waeser gelost. Nach dem Abkuhlen setzten wir diese einer Msch bereiteten
0,2yoigen Anthronlosung mit 96yoiger Schwefelsaure zu. Nach 15 Minuten konnte die
Absorption der Losung bei einer Wellenlange von 620 m,u gemessen werden. Aus einer
fiir jeden Zucker aufgestellten Eichkurve ermittelten wir den jeweiligen Zuckergehalt
(siehe Tabelle 6).
Die ermittelten Werte der Tabelle 6 sind das arithmetische Mittel einer Reihe von
Einzelbestimmungen.
Tabelle 6
Gewichtsverhliltnis
Glykosid
Zucker
Aglykon
Aglykon : Zucker
in () theoret. Wert
Glykosid Rf 0,51
Carpinus orient.
Glykosid Rf 0,67
Ahus incana
Glykosid Rf 0,67
Corylus avellana
0,142 mg/ml
= 7.88- 10-6 mol/l
0,122 mg/ml
= 7,43.
mol/l
0,197 mg/ml
= 1,2.
mol/l
0,238 mg/ml
= 7,87 10-5 mol/l
0,223 mg/ml
= 7,41 10-j mol/l
0,362 mg/l
= 1,2
mol/l
-
.
.
1 : 0,59 (1 : 0,59)
1 : 0,54 (1 : 0,54)
1 : 0,54 (1 : 0,54)
P a pier c hro ma t ogr a p h ie : Aglykone und Glykoside wurden in denselben Losungsmittelgemischen entwickelt wie unter 5 angegeben. Die isolierten Substanzen zeigten in
ihren Rf-Werten obereinstimmung mit denen der authentischen Substanzen.
Zusammenfassung
Friihere papierchromatographische Ergebnisse uber die Glykosidfihung der
Betulaceen konnten durch die Isolierung weiterer Flavonderivate aus Carpinus
orientalis, Alnus incana, Alnus subcordata und Corylus avellana bestatigt werden.
I m einzelnen wurden isoliert :
Querzetin, Querzitrin und Hyperosid aus Carpinus orientalis, Querzitrin und
Hyperosid aus Alnus incana, Hyperosid aus Alnus subcordata und Querzitrin und
Myrizitrin aus Corylus avellana. Das in nahezu allen 60 gepruften Arten der Familie
vorkommende Glykosid, dem fruherl) der Rf-Wert 0,66 zugeordnet wurde, konnte
nunmehr a19 ein Querzetin-3-rhamnosid (Querzitrin) identifiziert werden. Fiir die
Isolierung eignete sich sehr gut die Fallung der Glykoside mit Pentan nach vorausgegangener Extraktion eines Trockenextraktes mit wasserfreiem Atthylazetat.
Zur Reinigung und Trennung der Glykoside wurden mit Erfolg verwendet: das
Verfahren der Chromatographie a n der Magnesolsaule, die praparative Papierbogenmethode und die multiplikative Verteilung nach L. C. Craig.
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