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Ein sUdamerikanischer Verwandter der Sennesbltter.

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S e e l k o p f und Tercin
636
Frakt -Nr:
Archiv der
Phama.de
--
Abb. Trennung von je 50 mg n-Propyl-(D), n-Butyl-(E),n-Amyl-(F), n-Hexyl-(G) und
n-Heptyl-benzylaminhydrochlorid(H)(VolumenverhaltnisV = 25/25 ml; Methode: CraigGrundprozeB mit n = 96 Verteilungsschritten; Temperatur : 20-22O)
Fur die Durchfuhrung unserer Untersuchung stand uns eine Craig-Verteilungsapparatur
im Maz-PZanck-Institut fur Biochemie, Munchen, zur Verfugung, wofur wir Herrn Professor Dr. ,4. Butenandt und Herrn Dr. E. Hecker unseren verbindlichsten Dank aussprechen. AuBerdem danken wir dem Verband der Chemischen Industrie - Fonds der Chemischen Industrie - fur seine Forschungsbeihilfen auf das warmste.
.liischrift: Dr. I€. SchBnenberger, Miinchen 15, Pettenkoferstr. 14a.
1894. C. S e e l k o p f und L. R. T e r h n
Ein sudamerikanischer Verwandter der Sennesblatter
Anden-Universitiit, M&ida/Venezuela
(Eingcgangen am 14. Februar 1960)
In d e n venezolanischen Anden wachst eine nahe Verwandte der Senna und wird
wie diese schon seit vorkolonialen Zeiten als Abfuhrmittel verwendet. Im Volke ist
die Pflanze unter d e m Namen ,,Urumaco" bekannt. In einigen Gegenden wird die
strauchartige Pflanze auch ,,Arbolito" (Biiumchen) genannt. Der botanische Name
des Strauches ist: A d i p e r a ( C a s s i a ) J a h n i i Britton und Rose a u s der Familie
der Leguminosae, Subfamilie Caesalpiniodeae. Er wachst wiId in d e n kalten Zonen
der Anden zwischen 1500 und 3200 m Hohel). Fast immer findet man die Pflanze
an den Ufern der Bache und kleinen Rinnsale und mit Vorliebe an unbewachsenen
Stellen. In friiheren Zeiten war die Pflanze in der besagten Zone sehr verbreitet2).
1) A . Jahn, Los paramos Venezolanos. Sus aspectos fisicos y su vegetaci6n. Boletin de la
Sociedad Venezolana de Ciencias Naturales, No 3 : 100. Lit. y Tip. del Comercio, Caracas (1931).
2) H. Pittier, Lamer, Tobias y colaboradores: Catalog0 de Ia flora Venezolana. Toino I : 369
Lis 372. Lit. y Tip. Vargas, Caracas (1945); R.C. McLean und W . R.Iuirney-Cook, Textbook of
theoretical botany. Vol. 11: 1181. Longmans, Green and Co., Londres (1956); P. y Font Quer,
colaboradores, Diccionario de botanica, p6g. 562. Editorial Labor, Barcelona (1983): G. Erdtman,
Pollen morphology and plant taxonomy - Angiosperms, pig. 16. Almqvist, & Wiksells, Uppsala
( 1n.52).
293.165. Bd.
1960, Nr. 6
Ein sudamerikanischer Verwandter der Sennesbltitter
637
Heute kommt sie nur noch in isolierten, einzelnen Exemplaren oder in sehr kleinen
weit voneinander entfernten Gruppen vor, so vor allem entlang der sog. Trasandina,
einer StraSe, welche den venezolanischen Andenzug bis an die colombianische
Grenze durchzieht. Die fruher groSen Bestande fielen einem rucksichtslosen Raubbau zum Opfer, da das Holz zur Bereitung von Holzkohle sehr begehrt war. Wenn
die Pflanze iiberhaupt noch anzutreffen ist, so verdankt sie es ihrer medizinischen
Verwendung, und es ist auch kein Wunder, daS man in der Nahe der verstreut
liegenden Hauser fast immer auch einen :,Urumaco" antrifft. Das ganze Jahr iiber
Blatt
Schote
Bliite
Samen
Geoffnete Schote
Abb. 1. Urumago Adipera Jahnii Britton & Rose
stehen die Straucher in Blute. Die intensiv gelben Bluten heben sich sehr stark von
den dunkelgrunen Laubwerk ab und geben so dem Strauch ein durchaus ornamentales Aussehen.
Die einheimischen Bauern benutzen ausschlieSlich die Bluten als Abfuhrmittel,
nicht aber die Blatter oder die Fruchte. Nach den Angaben einiger Landleute sol1
eine Abkochung der frisch geernteten Bluten energischer wirksam als eine solche
von Sennesblattern sein. Beschreibung der P f l a n z e : Der ,,Urumaco" ist ein
2 - 4 m hoher, an seiner Basis oder kurz oberhalb des Bodens verzweigter Strauch.
Die Rinde der alteren h e ist graubraun, die der jiingeren Zweige intensiv griin.
Die Pflanze besitzt 3- bis Bpaarig gefiederte, wechselstandige Blatter, deren etwa
2 mm dicke, oberseits rinnig gefurchte, abstehend behaarte Spindel 6 bis 10 cm
lang werden kann und die auf der Oberseite, jeweils zwischen den Fiederblattchen,
eine auffallende, konische, dunkel gefarbte, abstehende Zwischenjochdruse tragt.
Die oberseits dunkelgrunen, etwas fettig glanzenden, kahlen oder sparlich behaarten
638
S e e l k o p f und T e r a i n
Archiv &r
Pharmazie
Piederblat,tclien sind ungleichseitig, 2 bis 4 ern lang und etwa 1 bis 2 cm breit,
lanzettformig bis elliptisch, spitzlich bis leicht eingebuchtet. Die leicht gewellten
Blattrander sind nach unten umgebogen. Der kraftige, oberseih rinnig eingesenkte
Mittelnerv tritt unterseits, wie die fiederartig angeordneten, am Rande bogig verbundenen Seitennerven, deutlich hervor. Die gelblichgriine Blattunterseite ist wie
die Nerven, Blattspindel, Blutenstande, AuBenseite der Kelchblatter und die jungen
Friichte abstehend weich behaart. Zwischen den 300-500 ,LA langen und ca. 15-30,~
breiten, fast glatten, lang zugespitzten, schwach gewellten, an der Basis oft abgewinkelten H a a r e n finden sich, besonders zahlreich auf der Blattunterseite, vieldicke
zellige, rotbraune, keulenformige, bis zu 250 ,LA lange und etwa 60-80
D r u s e n z o t ' t e n mit kurzem, mehrzelligen, oft zur Blattflache gekrummten Stiel.
Die mit zmei seitlichen Nebenzellen versehenen Spaltoffnungen kommen nur auf
der Blattunterseite vor. Der Blattquerschnitt bietet keine Besonderheiten. Auf die
obere Epidermis folgt eine Reihe langgestreckter Palisadenzellen, dann das wohlausgebildete Schwammparenchym und darauf die untere Epidermis. Ca-Oxalatdrusen, 10-20 ,LA grol3, inReihen zu 2-4 gekammertenpalisaden und im Schwammparenchym. An den Blattnerven fehlen begleitende Kristallzellreihen fast ganz,
wie sie bei den bekannten Folia Sennae so auffallig sind. Die Blatter enthalten
reicblich Schleim, der die Epidermis und Haare uberzieht, und der sich mit
Thionin rotviolett farbt.
Eine Verwechslung") der Blatter von A d i p e r a J a h n i i mit den entfernt ahnlichen Folia Sennae scheint .uns kaum moglich, wenn auf folgende Merkmale geachtet wird : Folia Sennae sind kleiner, dunner, graugrun, die Hauptnerven treten
nur wenig hervor, ferner sind sie anliegend behaart und besitzen keine Drusenzotten
und keine Zwischenjochdriisen. Sie unterscheiden sich weiter mikroskopisch durch
den Besitz von Spaltoffnungen auf beiden Blattseiten, durch das Vorhandensein
von Ca-Oxalat-Einzelkristallen in Kristallzellreihen und durch Palisadenzellschichten auf beiden Blattseiten (aequifazialer Bau).
In der uns zur Verfugung stehenden Literatur haben wir keine Angaben uber die
chemischen Substanzen finden konnen, die fur die abfuhrende Wirkung des ,,Urumaco" verantwortlich sind. Da der ,,Urumaco" ein naher Verwandter der viel gebrauchten Sennadroge (Cassia angustifolia und Cassia acutifolia) ist und uber die
Chemie seiner Inhaltsstoffe, wie gesagt, nichts bekannt ist, haben wir die Blatter,
Bluten und die Friichte des Strauches untersucht. Aus naheliegenden Griinden
richteten wir unser Augenmerk in erster Linie auf die mogliche Gegenwart von
Sennosiden, welche das eigentlich aktive Prinzip in den Sennesblattern sind. Die
- ~ ) Mitarbeiter aufgefunden und in ihrer Struktur
Xennoside wurden durch X ~ O ~ P und
*) Wir dankcn Herrn Prof. Or. H . Volk, Botanisches Institut, der Universitat W'urzburg, fur
die Durchfuhrung der pharmakognostischen Untersuchung.
3, A . Stoll, W . KuPmaul und B. Becker, Verh. Schweiz. Natf. Ges. 1941, S. 235.
4, W . KuPmazil und B. Becker, Helv. chim. Acta 30, 59 (1947).
5 , A . Stoll, 3. Becker und W . Kulj*maul,Helv. chim. Acta 32, 1892 (1949).
6 , A . Stoll und B. Becker, ,,Festschrift P . Casparis", Schw. Ap. Ver. Zurich, 1949, S. 221.
j ) A . Stoll und B. Becker, Rec. des Trav. chim. des Pays-Bas. 69, 553 (1950).
*) A . Stoll und B. Beeker, A . Helfenstein, Helv. chim. Acta 33, 313 (1950).
293./65. Bd.
1960, Nr. 6
Ein siidamerikanischer Verwandter der Senneabliitter
639
aufgeklart. Es gibt zwei Sennoside, die als A und B bezeichnet werden. Ihre Aglukone werden durch die symmetrische Vereinigung zweier Molekule 1,&Dihydroxyanthrachinon-3-carbonsauregebildet. Jede Rheinhalfte tragt in der 8-Stellung ein
Molekul D-Glukose. Sie sind als Dihydro-dianthronderivate aufzufassen, wobei
sich -4 und B nur in bezug auf ihre Konfiguration (die beiden fraglichen C-Atome
sind in der Formel mit x gekennzeichnet) unterscheiden.
C,H,,O, . O
0
OH
C,H,,O,.O
I/
0
OH
'
Sennosid A stellt die rechtsdrehende Form und Sennosid B die intramolekular
kompensierte Mesoform dar.
Wir haben auch nach anderen Anthrachinonderivaten gesucht, sei es in ihrem
freien Zustand, sei es als ihre Glukoside oder im oxydierten oder reduzierten Zustand. J e grol3er der Anteil glukosidisch gebundener ,,Anthranole" und je mehr
reduzierte Anthrachinonderivate in einer Droge vorhanden sind, um so starker ist
die abfuhrende Wirkung; aber trotzdem ist die Anwesenheit reduzierter Anthrachinone nicht immer erwiinscht, da sie die Darmschleimhaut stark reizen, oft Erbrechen und mehr oder weniger heftige Koliken hervorrufen, die reflexbedingt zu
Spasmen der Unterleibsorgane fiihren.
Es wurden die folgenden Teile des ,,Urumaco" untersucht : Bliiten, Blather,
Schoten (Hulsen) und die Samen.
Analyse des frisc h e n P f l a n z e n m a t e r i a l s
Die Pflanzenteile wurden gleich nach der Ernte im Laboratorium aufgearbeitet,
urn irgendwelche Verluste und Xnderungen durch die Lagerung zu vermeiden. Samtliche Gehaltsangaben sind auf Trockensubstanz bezogen, soweit in den Tabellen
nicht anders angegeben. Wie die Zusammenstellung der Tafel 1 zeigt, unterscheiden sich die einzelnen Bestandteile in ihrem Feuchtigkeitsgehalt ganz erheblich.
Tabelle 1
Pflanzenteil
Bl&tter
Bliiten
Schoten
Samen
Wassergehalt in
36,31
39,30
46,03
64,65
?A
640
S e e l k o p f und T e r c i n
Aschiv der
Pharmazie
Die fur die Schoten und die Samen angegebenen Werte beziehen sich auf voll
ausgebildete, aber noch grune Fruchte.
Sennoside : Es sind zahlreiche Methoden zur Bestimmung der Anthrachinone
in den Vegetabilien angegeben worden. Im wesentlichen basieren sie auf der Hydrolyse der glykosidischen Bindungen durch Sauren oder Alkalien in wahigem, alkoholischem oder acetonischem Milieu. Die Aglukone werden mit Ather, Chloroform
oder Benzol ausgezogen. Bei den verschiedenen Methoden variieren die Behandlungszeiten und die angewandten Temperaturen. Diese hderungen beeinflussen
ganz erheblich die erhaltenen Resultate, so da13 es oft nicht moglich ist, bei ein und
derselben Droge ubereinstimmende Werte zu erhalten. Der Hauptfehler der meist
benutzten Methoden liegt darin, daI3 es nicht moglich ist, die nach der Hydrolyse
erhaltenen Aglukone quantitativ zu extrahieren. Die Ergebnisse hangen zum grol3en
Teil von der benutzten Technik und dem Losungsmittel ab. Wenn man die Hydrolyse der Glykoside und die Extraktion der gebildeten Aglukone mit Eisessig in
einem einzigen Arbeitsgang vornimmt, ist es nach Auterhoffg) moglich, die eben
genannten Mange1 auszuschalten. Daruber hinaus hat die ,,Eisessigmethode" den
Vorteil, daI3 sie sehr schnell arbeitet und dadurch die Oxydation der Anthranole
weitgehend vermieden wird. Es wurde daher aus den eben angefuhrten Griinden
ausschliel3lich diese Methode verwendet. Es wurden stets 5 g Material eingewogen,
die unter einem Eohlendioxydstrom rasch zerkleinert wurden. Die Extraktion erfolgte mit einem Gemisch von 10 ml Salzsaure (25y0ig) und 75 ml Eisessig. SchlieSlich wurde noch rnit 300 ml &her extrahiert, und der verbliebene Ruckstand wurde
nochmals mit 150 ml &her behandelt. Die erhaltenen Losungen zeigten je nach den
extrahierten Pflanzenteilen dunkelgrune oder braunliche Parbungen. Es war nicht
moglich, aus der atherischen Losung auch nur Spuren von Sennosiden zu isolieren,
ebenso gelang es nicht, aus der Droge nach dem Vorgang von Stoll und Mitarbeitern5) mit oxalsburehaltigem Methanol Sennoside zu gewinnen. Demzufolge zeigten
die alkalisierten Auszuge nach der Behandlung rnit Wasserstoffsuperoxyd auch
keinerlei Verfarbung. Dieses Ergebnis ist insofern uberraschend, als es sich doch
bei der untersuchten Pflanze rim eine botanisch sehr nahe Verwandte der Senna
handelt. Das Fehlen der Sennoside ist sicher auch der Grund der verschiedenen
Wirkung des ,,Urumaco" und der offiziellen Sennesblatter, wie sie schon empirisch
von den Eingeborenen beobachtet wurde und von uns im Selbstversuch bestatigt
werden konnte.
Bestimmung der Gesamtnienge der Anthr ach in o n d er iv ate u n d der
Anthranole
Da der ,,Urumaco" keine Sennoside enthiilt, haben wir nach anderen Anthrachinonderivaten gesucht, die fur die purgative Wirkung der Pflanze in Frage kommen konnten. Urn diese Substanzen zu bestimmen, ist es notig, die Glukoside vorher zu hydrolysieren; denn nur die Aglukone der Anthrachinone lassen sich mit
Hilfe der Borntrager-Reaktion identifizieren, wahrend die Anthranole mit Alkali
__
H . Auterhoff, Arzneim.-Forsch. 1, 412-414 (1951).
293./69.Bd.
1960, Nr. 6
641
itin sudumerikanischer I-erwundter der Senneshltitter
unter keinen Umstanden Farbungen geben. Dieses Verhalten ermoglicht die getrennte Bestimmung beider Bestandteile. Trotzdem ist es erforderlich, genaue Versuchsbedingungen einzuhalten, da die durch die Hydrolyse in Freiheit gesetzten
Anthranole ohemisch sehr labil sind und sich durch Autoxydation teilweise je n i c h
den Umstanden in Anthrachinone, in Dianthrone oder in Substanzen mit hoherem
Molekulargewicht verwandeln.
Die Bestimmung des Gesamtanthrachinon-Gehaltesund der Anthranole wurde in Anlehnung an die von Auterhofflo) gegebenen Vorschriften durchgefiihrt. Die Anwesenheit
von glukosidisch gebundenen Anthrachinonen in dem ,,Urumaco" lieB vermuten, daB ein
Teil der ,,Anthrachinone" auch frei, also nicht an Zucker gebunden, vorliige. Die Bestimmung der freien Anthrachinone in Gegenwart der Glukoside ist relativ einfach, da sich die
ersteren leicht in Ather losen, wiihrend die letzteren iitherunloslich sind. Wir haben je ein
Gramm frischer und gut zerkleinerter Droge je zweimal mit je 50 ml Diisopropyliither
ausgezogen (in den Tropen verdient der hoher siedende Diisopropyliither entschieden den
Vorzug' gegeniiber dem Diithylather). Die weitere Aufarbeitung der vereinigten AtherExtrakte geschah dann wie bei den vorigen Beispielen.
Fur den Gebrauch einer Droge in der Apotheke oder in der pharmazeutischen Industrie
ist es oft erwiinscht und unerliiBlich, die Pflanzen zu trocknen. Es ist aber seit langem
bekannt, daB die Pflanzen, welche ,,Anthrachinone" als Wirksubstanzen enthalten, beim
Trocknen sehr oft wesentlichen qualitativen und quantitativen Veranderungen unterliegen.
Im Falle des ,,Urumaco" informierten uns die Bauern aus dem Chamatal, daB nur die
frisch gesammelten Teile die gewiinschte Wirkung hiitten, wahrend die getrockneten Teile
sehr vie1 und mit der Zeit sogar alles von der urspriinglichen Wirkung verloren. Fur den
Hausgebrauch der Landbevolkerungspielt dieser Umstand weiter keine Rolle, da das ganze
Jahr iiber frische Droge zur Verfiigung steht. Fur die Apotheke und noch mehr aber fur
die pharmazeutische Industrie ist eine vorherige Trocknung kaum zu umgehen. Um nun
zu erfahren, wie sich eine vorsichtige Trocknung auf den Gehalt an Wirksubstanz auswirkt,
haben wir frisch gesammelte Bliiten, Bliitter, Schoten und Samen, die vorher unter Kohlensiiureatmosphare zerkleinert wurden: im Vakuum-Trockenschrank bei 2 5 O C getrocknet.
Die Untersuchung des getrockneten Materiales wurde wie beim frischen durchgefiihrt.
Ein Teil des Materials wurde sofort nach dem Trocknen und ein Teil nach dreimonatiger
Lagerung untersucht. Da beim Trocknen aul3er der Oxydation durch den Luftsauerstoff,
der sich durch Anwendung von Vakuum oder inerten Gasen weitgehend ausschlieBen liiBt,
noch fermentative Prozesse eine Rolle spielen, haben wir auch einen Versuch durchgefiihrt,
bei dem die Fermente vor dem Trocknen zerstort wurden. Wir behandelten zu diesem
Zweck frische Bliiten 10 Minuten hng mit Alkoholdiimpfen von einem geringen gberdruck
( 8 5 O C ) . Das so stabilisierte Material wurde sofort im Vakuum bei 25" getrocknet. Snschliel3end wurden der Gesamtanthrachinon-Gehalt, der Gehalt an freien Anthrachinonen
und der Anthranole bestimmt.
Da wir keine reinen ,,Anthrachinone" und ,,Anthranole" aus der zu untersuchenden
Pflanze zur Verfiigung hatten *), benutzten wir als Vergleichssubstanz synthetisches 1,8Dihydroxyanthrachinon (Istizin).Wenn wir die Losungen der aktiven Anthrachinonverbindungen aus dem ,,Urumaco" mit solchen des Istizin vergleichen, begehen wir keine allzu groBen Fehler, da das Istiiin gleichfalls die Borntragerreaktion gibt und sich sein Molekulargewicht nicht sehr von dem der zu bestimmenden Substanzen unterscheidet. Die Vergleichslosung wurde auf folgende Weise hergestellt : 80 mg Istizin wurden in einer Mischung
von 7 3 ml Eisessig, 1,0 ml konz. Salzsaure, 15,O ml3O%iger Natronlauge und 70 ml einer
Mischung von Natronlauge und Ammoniak (bestehend aus 70 ml 5yniger Natronlauge, die
H . Auterhoff, Dtsch. Apotheker Ztg., 23, 416-417 (1931).
*) Die Untersuchung dieser Substanzen sol1 ciner spateren Arbeit vorbehalten bleiben.
10)
Archiv 293./65.Heft 6
41
S e e l k o p f und TPrcin
642
76
Archiv der
Pharmazie
~
erhaltene Losung wird mit aqua dest.
02-
und die Extinktionen bei einer Wellen-
Rlatter
0,806
5,75
Bluten
0,800
5,73
Schoten
0,644
4,70
&men
1,000
7,25
Gehalt des frisch gesammelten Materials a n Gesamtanthrachinonen.
0,90
0,94
0,87
2,06
Tabelle 3
Pf lanzenteil
Extinktion
Schichtd. 1 cm
mg l/g
Frischdroge
1,50
Blatter
0,204
2,90
0,402
Bluten
3,10
0,428
Schoten
Samen
0,OOO
Gehalt des frisch gesammelten Materials a n Anthranolen.
g w og
Trockendroge
0,24
0,48
037
-
Tabelle 4
Yf lanzenteil
Extinktion
Schichtd. 1 cm
mg k
Frischdroge
0,149
1,lO
Blatter
Bliiten
0,462
3,35
Schoten
0,038
0,30
Samen
0,114
0,85
Gehalt des frisch gesammelten Materials an freien A4nthrachinonen.
gl100 g
Trockendroge
0,17
0,55
0,06
0,24
293.,65. Bd.
1960,Nr. 6
Pflanzenteil
Ein siidamerikunischer Verwundter der SennesblLitter
Tabelle 5
Extinktion
mgik
Schichtd. 1 cm
Trockendroee
643
gjlOO g
Trockendrone
Blatter
0,802
6,74
0,57
Bluten
1,106
8,65
0,87
Schoten
0,882
6,35
0,64
Samen
0,742
5,35
0,54
Gehalt der im Vakuum getrockneten Teile an Gesamtanthrachinonen gleich narh der
Trocknung bestimmt.
Tabelle 6
Pflanzenteil
Extinktioii
Schichtd. 1 cm
mg /k
Trockendroge
silo0 g
Trockendroge
Bliitter
0,148
1,20
0,12
Bliiten
0,108
0,80
0,os
Schoten
0,222
1,60
0,16
Samen
0,371
2,70
0,27
Gehalt der im Vakuum getrockneten Teile an Anthranolen gleich nach der Trocknung
bestimmt.
Tabelle 7
Pflanzenteil
Extinktion
Schichtd. 1 cm
mg/k
Trockendroge
silo0 g
Trockendroge
Blhtter
0,142
1,06
0,11
Bluten
O,l7 1
1,25
0,13
Schoten
0,049
0,40
0,04
Samen
0,085
0,65
0,07
Gehalt der im Vakuum getrockneten Teile a n freien Anthrachinonen, gleich nach der
Trocknung bestimmt.
Tabelle 8
Pflanzenteil
Extinktion
Schichtd. 1 cm
"g/b
Trockendroge
s ws
Trockendroge
Blatter
0,790
5,70
0,57
Bluten
1,119
8,60
0,86
Schoten
0,850
6,15
0,62
Samen
0,710
5,15
0,52
Gehalt der im Vakuum getrockneten Teile an Gesamtanthrachinonen, drei Monate nach
cler Trocknung bestimmt.
Tabelle 9
Pflanzenteil
Extinktion
Srhichtd. 1 cm
'"sik
Trockendroge
S/lOO g
Trockendroge
0,138
1,oo
0,10
Bliitter
Bliiten
0,100
0,75
0,08
Schoten
0,218
1,60
0,16
Samen
0,366
2,60
0,26
Gehalt der im Vakuum getrockneten Teile an Anthranolen, drei Monate nach der Trocknung bestimmt.
41 *
Archiv der
S e e l k o p f und T e r c i n
644
Pharrnazle
T a b e l l e 10
Pflanzenteil
mg /k
Trockendrogc
Extinktion
Schichtd. 1 cm
0,138
BIMter
0,165
Bluten
Schoten
0,042
0,080
Samen
Gehalt der im Vakuum getrockneten Teile a n freien
der Trocknung bestimmt.
g/lO(' g
Trockendroge
1,00
1,20
0,30
0,60
Anthrachinonen, drei
0,10
0,12
0,03
0,06
Monate nach
T a b e l l e 11
Bestandteil
Extinktion
Schichtd. 1 cm
'WIk
Trockendroge
g W Jg
Trockendroge
Gesamtanthrachinone
1,290
9,30
0,93
0,620
4,50
0,43
Anthranole
Anthrachinone. freie
0,750
5,40
034
&halt der durch Alkoholdampf stabilisierten wid hernach getrockneten Bliiten.
Pflanzenteil
Gesamtanthrachinone g'%)
T a b e l l e 12
Xnthranole
g 70
Anthrachinone
frcie goo
0,90
0,24
0,lli
Blatter
0,94
0,48
0,55
Bliiten
0,85
0,57
0,06
Schoten
0,24
Samen
2,06
Gehalt des f rischen Materials auf Trockensubstanz bezogen.
Pflanzenteil
Gesamtanthrachinone go,,
T n b e l l e 13
Anthranole
990
Anthrachinone
freie gy(,
Gebamtgehalt
go,,
1,14
1,42
1,44
2,06
Gesamtgehalt
goo
0,5i
0,12
0,11
0,69
Blatter
0,87
0,os
0,13
0,95
Bliiten
0,64
0,16
0,04
0,80
Schoten
0,54
0,27
0,07
0,81
Samen
Gehalt des im Vakuum getrockneten Materials sofort nach der Trocknung bestimmt.
Pflanzenteil
Gesamtanthrachinone goo
Tabelle 14
Anthranole
0,57
Blcitter
0,86
Bliiten
Schoten
0,G2
Samen
0,52
Gehalt des im Vakuum getrockneten
stimmt
.
g",,
Anthrachinone
freie goo
Gesamtgehalt
g%
0,lO
0,10
0,67
0,08
0,12
0,96
0,03
0,78
0,16
0,06
0,7S
0,ZR
Materials, drei illonate nach der Trocknung be-
293./65.Bd.
1960,Nr. 6
Ein siidainerikunischer Verwundter der Sennesbkitter
645
Tabelle 15
Probe
Gesamtanthrachinone go,
dnthranole
so:,
Anthrachinone
freie go,
Frische Bliiten
0,94
0,48
Direkt nach Trocknung
0,87
0,08
0,86
0,08
Drei Nonate n. d. Trocknung
Mit Alkoholdampfen stabilisiert
0,93
0,45
Vergleich der Gehalte verschieden beha,ndelter Bluten. Alle
Gesaintgehalt
0,55
0,13
0,12
0,54
SYO
1,42
0,95
0,94
1,38
Werte sind auf Trocken-
substanz bezogen.
Wie nus der Tabelle 12 hervorgeht, enthalten die frischen Bluten tatsachlich mehr
Anthrachinonkorper als die Bliitter. Lediglich die noch nicht ganz reifen Samen sind noch
etwas reicher an Wirksubstanz. In uhereinstimmung mit den Beobachtungen der einheimischen Bevolkerung erleidet die Droge selbst beim vorsichtigen Trocknen im Vakuum
ganz erhebliche Verluste, die beim Lagern noch ein wenig zunehmen. Eine vorherige Stabilisierung der frisch gesammelten Bluten mit Alkoholdampfen unter geringem nberdruck
erlaubt es, die Bliiten ohne wesentliche Verluste zu trocknen. Wieso es zu einer den Sennesbliittern durchaus vergleichbaren purgativen Wirkung des ,,Urumaco" kommt, obwohl
dieser im Durchschnitt weniger aktive ,,Anthrachinonverbindungen" als die Senna enthalt,
muS eine zukunftige Isolierung und Reindarstellung der Wirksubstanzen erbringen.
Zusammenfassung
Es w i d ein Strauch beschrieben, der vulgar in der dndenregion ,,Urumaco"
genannt wird. Botanisch handelt es sich um A d i p e r a J a h n i i Britton & Rose
(= Cassia J a h n i i R o s e ) , eine Verwandte der offizinellen Sennaarten. Die
frischen Bluten des ,,Urumaco" werden von den Bauern der venezolanischen Anden
als Abfuhrmittel verwendet.
Die wichtigsten pharmakognostischen Daten zur Unterscheidung von den Sennesblattern werden angegeben.
Der Gehalt an Anthrachinonderivaten der Bllitter, Bliiten, Hulsen und der Samen
im frischen und getrockneten Zustand wird untersucht. Durch vorherige Stabilisierung mit Alkoholdampfen gelingt es, die Bliiten fast ohne Verluste an Wirksubstanz zu trocknen.
Bemerkenswert ist die vollige Abwesenheit von Sennosiden in dieser Pflanze,
welche sie uber die morphologischen Unterschiede hinaus auch chemisch von der
offizinellen Senna differenziert.
Die pharmakologische Wirkung mu6 anderen Anthrachinon- und Anthranolderivaten zugeschrieben werden.
Die pharmakologische Wirkung nimnit stark durch die ubliche Trocknung ab,
was schon seit Jahrhunderten von den Eingeborenen gewubt wurde, die ausschlieblich die frischen Pflanzenteile vor allem die Bluten verwenden.
Anschrift: Prof. Dr. C. Seelkopf, Inatituto de Investigacion puimica, JIBrids (Veiiezuela).
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