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II. Botanik und Pharmacognosie. Die Koloquinthe als Nhrpflanze

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11. Botanik und Pharmacognosie.
Die Koloquinthe als N%hrpflsnze.
Von F. A. F l u c k i g e r .
C i t r u l l u s C o l o c y n t h i s Arnott ist eine einjahrige am
Roden kriechende oder etwas klimmende Gurke mit einer
kugeligen, 6 bis 8 oder 10 Centimeter im Durchmesser
erreichenden Frucht. Dieselbe ist bemerkenswerth durch ihr
trockenes schwammiges und ausserst bitteres Fruchtgewebe,
welches schon Reit dem Alterthum zu allen Zeiten als Purgans
oder Drasticum benutzt worden ist. 81s Trager der Wirkung
ist ein eigenthumlicher Stoff, das Colocynthin, erkannt warden, wovon die Frucht sehr wenig zu enthalten scheiqt,
welcher aber in reinem Zustande iiusserst heftig wirkt,*) Die
Kenntniss des Colocynthins in chemischer Hinsicht ist freilicli
noch hochst unvollstandig.
Von ihrer Wirkung abgesehen ist die Koloquinthe oder
Bittergurke ihrer weiten Verbreitung wegen rnerliwiirdig. Sie
bewohnt das game ungeheure Gebiet der nordafricanischen
Wiiste, uberschreitet das rothe Meer, tritt in Arabien**) auf,
findet sich wieder jenseits des persischcn Buljens bis zum
Caspimeer und geht bis Indien. Hier ist sie gemeixi, sowohl
im Nordwesten, z. B. in Adschmir***), als auch auf der
sandigen Coromandelkuste. $) Ausserhalb des heissen afri)’ Sogar tadtlich : Wigger’e -Husernann’scher Jahresbericht 1868. 549.
**) P a l g r a v e , Arabie centrale. Trad. par Jouvcaux I (1866) 225.
’”) I r v i n e , General and medical topography of Ajmeer. Calcutta
1841. 209.
t) R o x b u r g h , Flora indica III. 720.
236
Dic Koloquinthe als Niihrpflanze.
canisch - asialischen Wiisteiigebietes, welches als die eigentliche Heimat dieser zierlichen Gurke zu betrachten iut, gedeiht sie auch in Syrien his Aleppo und iiberschreitet diew
Breite, indem sie unter 36O40' noch am spanischen Cap
de Gatas) vorkommt. I n gleicher Breite ungefahr wird die
Biltergurlre , Ilixeayyocqi&, auch von der griechischen Insel
Melos beherbergt , wo sie nach v. H e Id r e i c h 's **) Urtheil
wild wilchst. Wir diirfen daher wohl dasselbe von der Insel
Cypern vermuthen, wo die Pflanze bei Jeri unweit Nicosia
schon seit dem Mittelalter*%$) zur Ansfuhr der Frucht angebaut
wird. Iiumerhin mogen die Araber auch die Verbreitung der
Rittergurke Iwie so mancher anderer Nutzpflanzen gefordert
haben. Schon im 3. Jahrhundert nach Chr. finden wir sie in
der nabathaischen (mesopotnmischen) Landwirthtichaft t) und
zur Zeit der arabischen Herrschaft in Spanien. Gegen Endc
des 10. bis in das 12. Jahrhnndert nennen die arabischen
Schriftsteller uber spanische Landwirthschaft die Koloquinthe
als Culturpflanze.tt)]
In Europir aber gedeiht sie nur noch in den genannten
xiidlichsten Strichen, SO dass ,,Coloquentidae, " deren Anbau
K a r l d e r G r o s s e im Jahre 812 in Deutschland verordnete,ttt) nicht wohl die Bittergurke, sondern vie1 eher etwn
Momordica Elalerium bedeutet.
Siidwjirts dagegen findet sich unsere Pflanze wieder auf
den Cap Verdischen lnseln ( G r i s e b a c h ) und selbst , nach
31 i q 11 e 1, iuf den Sundainseln.
*) G r i s e b a c h .
**) Nutzpflanzen Griechenlands. Athen 1862. 50.
***) M a s L a t r i e , Histoire de l'ile de Chypre, III (1861) 498
Cuhrt als Producte Cyperns an1 Ende des XV. Jnhrhunderts neben Sesam,
TIanf, Zucker, Oliven, Storax, Johannisbrod, auch ,,C o 1o q u i n t i d a " auf.
t) M e y e r , Geschichte der Rotrtnik I11 (1856) 69.
tt) So in H a r i b ' s Calender bei D u r e a u d e l a M a l l e , Climatologie compar6e dl: l'Italie et de l'dndalousie anciennes et mod. Parip
1849 p. 8 1 und in Ibn-al-Awam, Libre d'agriculture, traduit p. C l h e n t IIollet 11 (1866) 226.
ttt) P e r t z , Monumenta Germaniae hist. 111 (1835) 181.
Die Koloquinthe als Niihrpflsnze.
837
Die grosse siidafricanische Wiiste Kalahari besitzt ebenfalls eine Bittergurke, welche aber nicht mit derjenigen der
Sahara identisch, wenn auch mit ihr sehr nahe verwandt ist.
Jene siidliche Art ist nemlich eine bitterfriichtige Form der
Wassermelone, C i t r u 11u s v u 1g a r i s Schrader , welche auch
als eigene Speciea, C i t r u l l u s a m a r u s oder C i t r u l l u s
c a f f e r Schrader, aufgefasst worden ist.*) So sehr auch die
essbare siisse Wassermelone +rind die bittere in ihrem GeRchmacke verschieden sind, so vollkommen gleich sind ihre
Stammpflanzen, ein Verhiiltniss, das ja auch bei dem Mandelbaume, so wie in Betreff der Wurzelbildung bei Manihot
ntilissima wieder vorkommt.
Ob in der griechischen Bezeichnung der Bittergurke :
Kolokgnthe, oder eben so hiiufig Kolokynte, schon oine AnHpielung auf ibr massenhaftes Vorkommen liegt oder nichl,
mag dahin gestellt bleiben.**) Es ware allerdings berechtigt, indem viele aufmerksame Reiseude sic als eine in sehr
grosser Zahl auftretende Bewohnerin jener sonst so trostloa
pflanzenleeren Gebiete hervorheben. So Bruce, B n r c k h a r d t ,
Vogel, Schweinfurth und wie sie alle heissen die Forscher, welche sich fur die IVissenschaft irn heissen Wiistensande abgemuht haben. Lassen wir in ihrer rrller Xamen
den Meister der Pflanzengeographie, G r i s e l a c h, sprechen.*”*)
,,Die Hiiufigkeit einer am Boden kriechenden Cucurbitacee, der Koloquinthe, Citrullus Colocynthis, ihre weite, wahrscheinlich durch Vogd geforclerte Verbreitung ist ein ausgezeichnetes Beispiel von der Herrschaft des Lebens auch in
der Wiiste, wie mit so wenig Feuchtigkeit und wahrend einer
*) P a p p e . Florae capenais medicae prodr. 1857 p. 14. - H a r v e y n n d S o n d e r Flora capenclis IT (1868) 494. - G r i s e b a r h , Vegetation der Erde I1 (1872) 578.
**) H e h n , Eulturpflanzen und Hausthierc ete. 220 leitet dim Wort
von Kolossos ab, womit zunachst, der riesigen Grosse wegen , die Kiirbisse , unt,er Hinzufugung der hau6gen Endsilbe L VT oder u v 3 bexeic!inet
werden.
***) Die Vegetation der Erde 11 (1874)
97.
238
Die Koloquinthe a l s Niihrpflanzc.
so kurzen Zeit des Wachsthums doch eine saftige") Frucht
von der Grosse einer Orange gebildet und mit eigenthumlichen Stoffen ausgestattet wird."
Begreiflich dass Menschen und Thiere sich bemuht haben,
dieser Bewohnerin der Wiiste abzugewinnen , was sie nur
irgend bieten kann. Das Fruchtmark wird in Adschmir ohne
Nachtheil von Buffeln gefressenw) und nach E. V o g e l ' s
Wahrnehmung dient es in der Sahara auch den Straussen
zur Nahrung.-)
Hierdurch wird ohne Zweifel die weitere
Verbreitnng der Koloquinthe nach allen denjenigen Punkten
des unwirthlichen Gebietes kraftig gefordert, wo sich nur
irgend die Bedingungen zum Gedeihen dieser geniigsamen
Pflanze verwirklichen , welche erwiinschte Abwechslung in
die Einformigkeit der Wuste bringt.
Daran freilicb ist nicht zu denken, dass ihr Fruchtmark
auch dem menschlichen Nahrungsbediirfnisse zu gute kommen
konne; es ist auffallend genug, dass dieses trotz der energischen Wirkung des Colocynthins obigen Andeutungen zufolge bei Thieren der Fall ist. Die Bitterkeit haftet aber in
geringerem Grade den Samen an und diesen Umstand hat
sich der Instinct der Stiimme zu Nutze gemacht, welche jene
weiten %ume durchstreifen und begreiflicherweise mit hochster
Begier nach vegetabilischer Kost spahen, an welcher es ihnen
sicherlich oft genug gebricht.
In P e r e i r a ' s Elements of Xateria medicat) finde ich
schon die Angabe, dass die Samen der Bittergurke nach Cayt.
L y on in Nordafrica ein wichtiges Nahrungsmittel bilden.
Einem neuern beriihmten Sahara - Forecher , D u v e y r i e r, j-j-)
aufolge iet dieses, und zwar schon seit dem Alterthum der
Fall bei den Tebus oder Tibbus, den Troglodyten der Alten,
lich,
*) Saftreich ist die Koloquinte much in friechem Zustnnde nicht eigent80 vie1 ich weise.
**) I r v i n e 1. c.
***) Petermann's Jdittheilungcn 1855. 247.
t) Vol. TI. part. 2. (1857) 212.
t t ) Ler Touarcgs du Nord. Paris 1864. 171,
Die Koloquinthe als Niihrpflanze.
239
Dieser Wustenstamm bereitet die Samen der Bittergurke
durch Rosten und Kochen zu einer Nahrung, welche D u v e y r i e r nicht eben verwerflich fand.
Einen Hauptsitz der Tibbus hat N a c h t i g a l 1870 im
Lande Tibesti besucht und in ausfuhrlicher Schilderung*)
kennen gelehrt,, nemlich das wilde Gebirgsland Tu, welches
sich in 1 7 O und 18O ostl. Liinge von Greenwich uber ungefahr 5 Breitengrade (18O bis 22O nordl. Br.) erstreckt und
sich in seinen Hochgipfiln bis 7000 Fuss iiber das Meer
erhebt. In den Anfigen zahlreicher Flussthaler dieser Landschaft hat eine etwas kraftigere Vegetation den Tibbus da
und dort danernde Wohnsitze ermoglicht, von denen aus
sie nomadisirend auf die Weideplatze der Kameele und Bur
Ernte der Koloquinthenkerne ziehen. Von den Nahrungsverhiiltnissen dieser Tibbu - Resade (Felsen - Tibbus) entwirft.
N a c h t i g al, nach den Erfahrungen seines dortigen gezwungenen Aufenthaltes, ein ausserst dusteres Bild. **) In
den westlichen Thalern wenigstens stiitzt sich ihre kiimmerliche Existenz fast ganz auf die Milch ihrer Ziegenheerden,
wozu nur wenige erbarmliche Producte der Pflanzenwelt
kommen. Darunter eteht obenan der Same der Koloquinthe,
Aler genannt. Die Noth zwingt die Felsen-Tibbus zu eehr
sorg%altiger Behandlung dieser Samen. Zuniichet werden sie
in starken Sacken getreten, urn die letzten Reste des bittern
Pruchtmarkes abzulosen. Hierbei miisseii die harten Samen
ohne Zweifel unverletzt bleiben und werden hernach dnrch
Worfeln rein erhalten. Weniger klar ist der Zweck der
folgenden Behandlung ersichtlich, welche nach dem genannten
Beisenden darin besteht, dass die Samen mit Asche (von
Kameelmist) gemengt auf glatter Steingrundlage mit einem
abgerundeten Steine bearbeitet werden. Vermuthlich begiinstigt die Asche den Angrifl' der harten, sonst beinahe
schlupferigen Samenschale, welcher freilich erst durch Befeuch") Zeitschrift der Gesellschaft fh Erdkunde zu Berlin V (1870) 216.
289 und folg.
* ) 1. c. p. 838.
240
bie koloquintte als Nihrpflanze.
tung recht zu crreichen ware, wovon aber nicht die Rede
ist. Diese Behandlung zertriimmert und beseitigt die Schale
und damit auch, wie sich weiterhin ergeben wird, schon die
Hauptriienge des Bitterstoffes. Nochmaliges Worfeln liefert
nun die Samenkerne ziemlich rein in die Hande der fleissigen
Arbeiter. Die Beseitigung der Samenschale wird vermuthlich
von andern Stiimmen durch Rostung erreicht, wie die erwiihnte
Angnbe D u v e y r i e r ’ s schliessen l b t .
Die Kerne werden endlich , T
h c h t i g a 1’ s Darstellung
zufolge, aufgekocht , wohei die Tibbu- Resade dem Wasser
i’risches Laub des Ethelbuschee beigeben.
Die letzte Spur der Bitterkeit entziehen sie den Kernen
durch kaltes Wasser, worin sich, wie wir wissen, das (2010cynthin allerdings auflost. Die entbitterten Kerne trocknen
die Tibbus schliesslich an der Sonne und geniessen sie zeri5eben und mit gleichfalls getrockneten und gepnlverten Dal
teln als angenehmes , besonders auf Reisen sehr bequemeR
Nahrungsmittel.
Die ZweckmIissigkeit des letztern Zusatzes leuchtet ein,
da durch die Auswasserung der Koloqninthensamen ihr ohneliin geringer Zuckergchalt wahrscheinlich fast ganx weggetiihrt wird; nothwendig miissen sie dabei ausserdem auch an
Fett einbiissen. Das ganze Verfahren der Tibbus lauft also,
wie man sieht, auf Concentration des Stickstoffgehaltes der
Samon iind auf Beseitigung des Colocynthins hinaus nnd man
wird zugeben miisscn, dass eie sich dam der zweckmiissig
Rten Mittel bedienen, welche ihnen in ihren diirftigen Ver
haltnissen irgend zuglnglich sind. Eine so rationelle Ver
werthung der bescheidenen Gabe der Natur, wie sic in diesen
Samen vorliegt, ist in der That bemerkenswerth.
Ich habe mich um so mehv zii niiherer Untersuchung
derselben aufgefordert gefuhlt, als sie bei der pharmaceutiwhen Verwendung der Koloquinthen, wie mir jetxt scheinen
will, ohne znreichendeu Grnnd beseitigt zii werden pilegen.
Die F r u c h t d e r K o l o q n i n t h e zeigt quer durchRchnitten sechs Fiicher, deren jedea einen, das Fnichtmark in
verticaler Richtung durchsetzenden, Sarnsntrager darbietet.
941
Die lfoloqnintbe als Niihrpdanze.
Letztere tragen an kurzen, weissen Nabelstrangen eine
Menge Samen; ihre Zahl in der ganzen Frucht erreicht 200
bis 300, fallt also bei dem massenhaften Auftreten der Pflanze
sehr in das Gewicht.
Die S a m en sind bis 7 Millimeter lang , 6'"" breit nnd
2"" dick, entweder flach oder etwas gewolbt, die Riinder
abgerundet und glatt. Das eine Ende des Samens la& in
eine kurze sanfte Spitze aus, das andere ist breit gerundet,
so dass der Umriss des auf der Seitenfiche liegenden Samens
eiformig erscheint Das Durchachnittegewicht eines Samens
betriigt 45 Milligrm.
Die Oberflache der Samen schwankt zwiechen braungelber und graubrauner beinahe etwas in griin ubergehender
Farbung; in einer nnd derselben Frucht trifft man aber auch
weisse Samen, welche in ihrer Ausbildung gehemmt oder
noch nicht zur Reife gelangt waren, wenigetens ist der Keim
in den weissen Bamen gewohnlich verkummert. Die Ssmenachale ist glanzend nnd glatt; erst die Loupe zeigt ihre
etwas kornige Beachdenheit. Der Nabel bildet eine kurze,
helle dicbt nnterhalb der Spitze am Rande des Samens eingelassene Linie; etwas langer und mehr vertieft sind zwei
ungefar 1 Millimeter lange Furchen f,welche auf jeder Seitedache des Samens gegen die Spitze hin lanfen.
Arob. d. Phmnn. 111. Rolhe. 1. Bdr. 3. Heft.
16
242
Die Koloquinthe ale Nahrpflonee.
Koloquin t h ensamen.
A, durch die Loupe gesehen:
1) Halfte der Samenschale, die Breitseite darbietend. f’ Furchen mit ungefdrbtem P a r e n c h p gefullt, it Nabel.
2) Liingsschnitt durch den Samen parallel zu Fig. 1. -7- Wiirzelchen, k Cotyledon, t Samenschale.
3) Liingsschnitt senkrecht auf Fig. 1.
4) Querschnitt durch eincn Samen.
R Querschnitt durch die Samenschale , nngefihr 200 ma1
vergrossert
a Cuticula,
b Epidermis,
c d g Steinzellen-Gewebe (Sclerenchym), dessen innersta
Schicht g aus einer einzigen zusammenschliessenden Reiha
ciibischer Zellen besteht.
Durch Druck oder weit besser durch Kocben mit WaR8er lasst sich die sehr harte Samenschale law des Randea
von der Spitze an sprengen, jedoch nur bis gegen dae breite
Ende hin, wo der Zusammenhang der Schale fester ist. Der
weiche, weisse Kern fiillt die letztere ganz atis und besteht
aus zwei nicht gut trennbaren Cotyledonen k, k, welche flach
auf einander liegen und das wenig ausgebildete Wurzelchen 1’
nach der Samenspitzc hin nur wenig vortreten lassen. Daa
SamenhSntchen, welches die Kerue umschlicant, haftet ziemlich
Die Koloquinthe ah Klmpflance.
243
fest 3n der Schale. Da letztere ungefahr l/* Millimeter dick
ist, so betragt ihr Gewicht durchschnittlich doppelt so viel,
wie das der Samenkerne.
Sorgfaltig von den letzten Resten des so ausserst bittern Fruchtmarkes befreite Samen schmecken immer noch
stark bitter. Diese Bitterkeit kommt in weit hoherem Grade
den Schalen d s den Kernen zu; ein einzelner Kern schmeckt
nur milde olig, aber mehrere zusammen gekoetet, lamen einen
deutlichen bittern Geschmack erkennen.
- Legt man die Samen in kaltes Wasser, so werden
sie in geringem Grade schliipferig ohne dass eine auffallonde
Quellung stattfindet. Das abgegossene Wasser enthalt dennoch eine ziemlich ansehnliche Menge Schleim, welcher durch
neutrales essigsaures Blei , nicht vollstiindig durch Alkohol,
gar nicht durch Eisenchlorid oder Borax gefiillt wird. Auch
der Bitterstoff geht hierbei in Losung iiber und kann durch
Gerbstofflosung niedergeschlagen werden. Es iet daher eigenh
lich sehr f r a g l i c h , ob die Pharmacopoen gut d m n thun,
die S a m e n von der pharmaceutischen Verwendnng a u s z u 9 c h 1i e s s e n.
Mi t Riicksicht auf ihren unleugbaren Bitterstoffgehalt wiirde ich diese Vorschrift nicht ferner unterstutzen.
Der wiisserige Auszug der Sgmen wird durch Eisenchlorid nur ganz unerheblich gefarbt, durch Jod nicht veriindert und reagirt schwach sauer. Da in demselben durch
Kaliumjodhydrargyrat keine Trubung hervorgerufen wird , so
ist anzunehmon, dass der Geschmack nicht durch ein Alkalo'id
mitbedingt wird.
Unter dem Yikroskop findet man die Samenschale von
einer glashellen etwa 10 Mikromillimeter diclien Cuticula a
bedeckt, wolche ziemlich fest haftet. Die Epidermis b besteht
aus einer Reihe radial gestellter Zellen, deren BusRere Wiinde
stark verdickt sind und hauptsachlich den in Wasser loslichen
Schleim abgeben , ohne jedoch die Erscheinung des Aufquellens in dem Maasse darzubieten wie so viclo andere Samen.
Die niclit sehr weite Hohlung der Epidermiszellen enthalt
einen braiinen kornigen Inhalt, welcher durch weingeistigee
1G*
244
Die Koloquinthe ale Nahrpflanzo.
Eisenchlorid schwarzlich gefarbt wid. Die Dicke der Epidermis erreicht kaum 50 Mikromillimeter, das ubrige Gewebe
der Schale ist ganz aus zierlich geschichteten Steinzellen
c d g gebaut.
Diejenigen Schichten dieses Sclerenchyms,
welche dicht unter der Epidermis liegen (c), so wie diejenigen
unter der Innenflache der Schale bei c', sind klein im Verhiiltnisse zu den grossen unregelmassigen Steinzellen, welche
die Mittelschicht der Samenschale zusammensetzen. Dagegen zeichnen sich die Steinzellen, welche die ganze
innere Wandung der Samenschale auekleiden , durch ihre
ansehnliche Grosse und wiirfelige Gestalt sehr aus. Sie
sind dicht gedrangt zu einer schon dem unbewaffneten
Auge erkennbaren dunklern einzelligen Schicht g zusammengefugt. Am Scheitel des Samens ist das sonst sehr feste
Steinzellengewebe etwae lockerer ; in den 4 schon erwahnten
Furchen findet man sehr weite Zellen ohne festen Inhalt,
deren ungefarbte derbe knorpelige Wande in kochendem
Wasser nicht auffallend veriindert werden. Ich sehe daher
keine besondere Aufford erung dam, dieses Gewebe als Schleimzellen zu bezeichnen, unter welchem Namen B e r g * ) dmselbe auffihrt. Jod farbt die Steinzellen, nicht die Cuticula, gelb.
Die Cotyledonen endlich zeigen in ihrem dunnwandigen
Pdrenchym keine auffallenden Verhaltnisse ; der Zellinhalt
besteht aus kleinen runden Kornchen, yvelche im polarisirten
Lichte nicht krystalloPdische Structur darbietsn. Bus Carminlosung nehmen diese Kornchen den Farbstoff auf und werden durch Jod in Jodkaliumlosung gelbbraun, durch salpeterRaures Quecksilberoxydul roth und durch alkalisches Kupfertartrat violett gefarbt, wonach sie fur Protei'nstoffe zu halten
sind. Einige Reihen des Gewebes der innern Flache der
Cotyledonen sind aus senkrecht zu dieser Beriihrungsflache
verlangerten ansehnlichern Zellen gebaut ; die oberflachliche
Schicht dagegen besteht aus weit kleinern Zellen , welche als
knorpelige derbe fest zusammenhangende Haut den ganzen
*) Darstellang u. Beschrdning dcr offlcinellen Gewtichse. Heft 25. Taf. 6,
Die Koloquinthe ids Nahrpflrnze.
245
Keim umscliliessen. Diese innere Samenhaut namentlich
erwei8t sich durch die starken Fiirbungen, welche ihr jene
eben genannten Reagentien ertheilen , als reich an Eiweiss.
Aber selbst die sclerenchymatischen Schichten der Famenschale , wenigstens die innern, scheinen in den Zellwiinden
noch etwas Eiweiss zu enthalten, denn sie werden durch
Jod gelb und durch salpetersaures Quecksilberoxydul nach
einiger Zeit roth gefarbt.
Feine Schnitte aus den Cotyledonen der Koloquinthensamen zeigen nnter concentrirtem Glycerin grosse Oeltropfen ;
durch Zusatz von Wasser oder von Xalilauge wird ein weit
reichlicherer Austritt von Oel herbeigefM.
Zucker liess sich auf mikrochemischem Wege nicht nachweisen; docb enthalt der Same eine geringe Menge desselbon. Wird nemlich das wasserige Decoct durch neutrales
essigsaures Blei vom Schleime befreit und das concentrirte
Filtrat nach dem Erkalten mit alkalischem Kupfertartrat versetzt, so scheidet sich nach kurzer Zeit etwas Kupferoxydulhydrat aus. Der Zucker krystallisirt nicht.
Fur den N a h r n n g s w e r t h der Samen kommen daher
das fette Oel und der Proteingehalt in Betracht, wenn von
dem Zucker abgesehen wird. Zur Bestimmung des erstern
habe ich 8,029 Grm. bei 1000 getrockneter Samen gewiihlt,
welche in ungefahr gleicher Menge aus braunen, gelblichgrauen und weissen gemischt , der durchschnittlichen Beschaffenheit der ohne Auslese aus den Friichten zu gewinnenden Samen entsprechen mochten. Die in Arbeit genommenen Samen aerquetschte ich mit groblichem Quarzpulver,
bis keine nnzerrissenen Theilchen mehr wahrgenommen wurden und brachte das Gemenge in eine spitz ausgezogene
Glasrohre, worin es 20 bis 30 Male von heissen Aetherdampfen durchdrungen wurde. In dem Kolbchen blieben nach
dem Verjagen des Aethers 1,2925 Oel = 16,94 pC. zuriick.
Dieses Oel zeigt eine hochst unbedeutende gelbliche Flirbung,
ist sehr dickflussig, ohne jedoch in der Winterkalte zu erstarren und schmeckt nicht bitter, sondern milde. In Beruhrung
mit Untersalpetersaure wird es nicht feat, wonach es den
246
Die Koloquinthe ale Niihrpflanre.
trocknenden Oelen beizuzahlen ist. Doch verdickt es sich
in dunner Schicht an der Luft nur langsam.
Das E i w e i s s ist wie 80 haufig in zwei Formen vorhanden. Ein geringer Theil desselben geht nemlich in kaltes
Wasser uber und triibt dasselbe, doch nur sehr schwach,
beim Kochen oder nach Zusatz von Essigsiiure oder Phenol,
die Hauptmenge aber wird von den unter dem Mikroskop
sichtbaren in Wasser nicht loslichen Komchen gebildet.
2,7875 Grm. im Waeserbade getrockneter Samen von gleicher Art, wie die zur Oelbestimmung genommenen, werden mit
Quarzpulver zerrieben und mit Natronkalk verbrannt. Die
Ammoniakdampfe werden von S a h a u r e absorbirt, der Salmiak
bei 80° bis 90e, zuletat bei gewohnlicher Temperatur uber
Schwefelsaure zur Trockne gebracht und durch Umkrystallisiren weiss erhalten. Er lieferk 0,271 geschmolzenes Chlorsilber , woraus sich 0,1004Chlorammonium ergaben. *) Diese
Zahl entspricht 0,0265 Stickstoff; der Same hatte also 0,950
pC. Stickstoff geliefert, welche mit 6,25 multiplicirt (da in
dem Eiweisse ungefahr 16 pC. Stickstoff vorkommen), einen
Eiweissgehalt von 5,93 pC. ergeben. Wahrend das Mikroskop im Gewebe der Cotyledonen dicht gedriingte Eiweissk6rner erkennen lasst , ist der durch die Analyse ermittelte
Procentsatz gering ; der Widerspruch erklart sich daraus, dase
ja auf die Samenkerne niir ein Drittel des Gesammtgewichtes der Samen fdllt.
Dem entsprechend wurde sich der Protei'ngehalt der
Kerne allein rerdreifachen. Was von Eiweiss in den Zellwanden des Sclerenchyms g d steckt, dsrf nicht hoch angeschlagen werden; die Schalen geben bei der trockenen Destillation natiirlich saure Dampfe.
Den Gehalt der Samen an u n o r g a n i s c h e n S t o f f c n
habe ich in verschiedcnen Versuchen von 2,48 bis 2,1 pc.
schwankend gefunden. Damit contrastirt der hohe Aschengehalt des lockeren Fruchtmarkes, nemlich 11 pC., wic ich
*) Direct gewogen zeigte der Salmiak 0,119 Gewieht.
Weiterc bryolugiache Xotizeu uus dem lihongebiqe.
247
whon friiher hervorgehobcn habe.") - In der Asche der
Samen konnte ich, wenigstens vermittelst der Sodaperle in
der Oxydationsflamme, kein Mangan finden.
Lufttrockene Samen verlieren bei looo durohschnittlich
7,17 pC. Wasser.
Wie sich von vornherein erwarten liess, enthalten die
Roloquinthensamen die gewohnlichenNahrstoffe und zwar, wenn
die Samen unverandert in Betracht gezogen werden, nur in
geringer Menge. Faasen a i r aber die von den Wiistenbewohnern zubereiteten Kerne allein ins Auge, so ist eine mit
iingefahr 48 pC. fetten Oeles und 18 pC. Eiweiss ausgestath t e Substanz, welche in reichlicher Menge ohne alle Pflege
geerntet werden kann, in jenen von der Natur vernachlgssigten Landstrichen nicht gering anzuschlagen und wir miissen
dem Instincte der genannten Volkerachaften alle Anerkennung
zollen, dass sie auf dieses Nahrungsmittel verfallen sind.
Weitere bryologische Notimen aus dem Rhhgebirge.
Von A d e l b e r t G e h e e b , Apoth. in Geisa.**)
,,Wem's die Alpen einmal angethan, " sagt Dr. L o r e n t z
in einer friiheren Nummer (1868) der ,,Flora," ,den lassen
sie nicht wieder 10s , und wenn der Herbst kommt , die Zeit
des Wanderns, dann kehrt das Heimweh in die Brush ein
und zieht uns unwiderstehlich zum Hochgebirge." - Und die
Rhon, sie ist dem Moossammler eine Art Alpenwelt! Wo
D i c r a n u m M i i h l e n b e c k i i Friichte treibt und L e p t o t r i c h u m g 1a u c e a c e n s seine blaugriinen Raschen ausbreitet,
wo das priichtige M u l g e d i u m n l p i n u m bliiht und
im Grase auf luftiger Hohe L y co plod i u m a 1p i n u m griint,
-
-
*) Lehrbuch der Pharmakoguosie 596.
**) ills Separataldruck aus der ,,Flora'' vom Herrn Verf. erhalten.
Man vergleiche die friiheren Artikel Desselben in Archiv 11, 146,
E. A.
59 und 146, 89 M d 170.
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