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Nutzanwendung neuzeitlicher pharmakochemischer Forschungsergebnisse.

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344
Ludwig Kroeber
34. Apothckendirektoi. Ludwig Kroeber, Miinchen:Schwabing
Vorsitzcnder des Arbeitsausschusses fur Pharmakochemie der
Deutschen HortuszGesellschaft.
Nutzanwendung neuzeitlicher pharmakochemischer
Forsc hungsergebnisse.
(Eingegangcn am 17. April 1924.)
Wahrend die deutschc chemische Industrie niit ihren hochwerti:
gen Erzeugnissen bekanntermanen vor dem Kriege den gesamten
Weltmarkt bcherrscht hatte, sah sich der Drogens und Vzyetabilim
markt bis zu z/s seines Bedarfes auf Bcziige aus den1 Auslande angc:
wiesen. Ein Eingehcn auf die an anderer Stelle bereits ausfuhrlich zur
Darstellung gebrachten Griinde fur diese beklagenswcrte Erscheinung
als Folge einer verfehlten vorkrieglichen Handelspolitik, die sich auch
noch heutigen Tages nach der Aufhebung der Abricgclung unserer
Grenzen im Verfolge des Verfalles unserer Wahrung auswirkt, liegt
nicht im Rahmen dieser Betrachtung, dic sich die Aufgabc gestcllt hat,
Mittel und Wege zum Ersatze bisher unentbehrlich gehaltener Auss
landsdrogen zu weiscn.
Wenigcr dem cigencn Tricbe, als viclmehr der aus den obigen
Umstandcn geborenen N o t gehorchend, sah sich die Schulmedizin
in den letzten Jahren zu mehr als einer Anleihe bei der auf Beobachs
tung und Erfahrung beruhenden Volksheilkunde veranlafit. Es ist
ein uberaus anzichendes Bild, zu verfolgen, wic weit hierbei die Volkss
empirie auf Grund eingehcnder, neuzeitlicher pharmakochemischer
Forschung und pharmakologischer Beobachtung ihre nachtragiiche
Kechtfertigung erhalt. Dcr nach Uberwindung des in den lctztcn
Jahrzehnten in Bliite gestandenen ,,Drogen:Nihilismus" zu neuem
Leben erwachten Pharmakognosie (Drogenkunde) und ihrer Tochters
wissenschaft, der Pharmakochemie (Pflanzenchemie) ist in der Gegens
wart dic volkswirtschaftlich uberaus wichtigc Aufgabe des Auffindens
sogenanntcr P a r a 11 c 1 d r o g e n in der heimischen Flora zum Ers
satze der zahlreichen Fremdlinge in unserem Arzneischatze zugefallcn.
Zu ihrem vordringlichen, weiteren Aufgabenkreise ziihlt ncben der
Forderung des Anbaues und der Sammlung heiniischer Arzneipflanzen
nuch die Feststellung von Kulturmoglichkeiten wertvoller Auslandss
drogen. Damit deckt sich das Programm dcr dcr Leitung des Vers
fassers unterstehenden Dcutschcn Hortus I Gesellschaft. Zur Erlaus
tcrung des Bcgriffes ,,Paralleldrogen", d. h. Angehiirige gleicher bzw.
verschiedener Pflanzenfamilien der alten und der ncuen Welt mit
wcitgchendcr Ubereinstimmung ihrcr chemischen Inhaltsstoffe, die
cine gleichsinnige pharmakodynamische (therapeutische.) Wirkung
voraussetzen laBt, sci bemerkt, daB cine vollkommene Ubereinstini:
mung solcher angesichts der Kompliziertheit der Zusammensetzung
pflanzlicher Organismen als ausgeschlossen erscheint. Die hierdureh
bedingte allenfallsige gcringfiigige Abweichung der physiologischen
Wirkung durfte indessen nicht von so ausschlaggebender Bedeutung
sein, daf3 sie nicht in Hinsicht auf unscre Vcrarmung hinter den okos
nomischcn Gesichtspunkt zurucktretcn kiinnte und mu8te. Unter
345
Nutzanwendung neuzeitl. pharmakochem. Forschungsergebnisse
diesem Gesichtswinkel moge der medizinische Leser an die folgenden
Ausfiihrungen herantreten.
Die auf den unfruchtbaren Abhangen der brasilianischcn und
peruanischen Cordilleren sich in groRen Bestanden vorfindende
Krameria triandra Ruiz et Pavon liefert die wegen ihres Gerbsaures
gehaltes geschatzte R a d i x R a t a n h i a e , welche sich seit Beginn
des 18. Jahrhunderts als Zahnerhaltungsmittel, Antidiarrhoicum und
TonikorAdstringens Eingang in die europaische Heilkunde zu vers
schaffen gewui3t hat. Die heimische Flora hat ihr die sie um das
Doppelte an Gerbstoffgehalt ubertreffende, von Pfarrer S. K n e i p p ,
spater d u r c h T s c h i r c h , W a s i c k y u n d B r a n d t der Vergessenp
heit entrissene R h i z o m a T o r m e n t i 11 a e von Potentilla Schrank,
Tormentilla erecta L., Potentilla silvestris Necker (Blutwurz, Rotwurz,
Ruhrwurz) gegenuberzustellen, deren alkoholische Tinktur seit ges
raumer Zeit in unserer Anstalt an Stelle der Ratanhiatinktur zu
Mischungen mit Myrrhenr und Jodtinktur zur Anwendung gelangt.
'Das im 18. Jahrhundert als Fiebermittel hochgeschatzte L i g n u m
Q u a s s i a e (Quassias, Bitters, Fliegenholz) von Picrasma excelsa
Planchon bzw. Quassia amara LinnC ist gleichfalls siidamerikanischen
Ursprungs. Ungeachtet seiner Beibehaltung im Arzneibuche ist es
obsolet geworden. Soweit es als Amarum (Bittermittel) fur die Theras
pie noch in Betracht kommt, vermag es durch die Wurzeln der heimis
schen G e n t i a n e e n ( E n z i an), sowie durch das Kraut von
E r y t h r a e a C e n t a u r i u m L i n n C ( T a u s e n d g u 1d e n I
k r a u t ) oder durch das Kraut von A r t e m i s i a a b s i n t h i u m
L i n n C (W e r m u t) Ersatz zu finden.
Das gleiche trifft sowohl fur die in der Mitte des 17. Jahrhunderts
zunachst aus Sudamerika, spater auch aus Java und Ostindien von
den dortigen Kulturen nach Europa gebrachte C h i n a r i n d e von
Cinchona succirubra Pavon und anderen Cinchonoideen, wie auch fur
die mit ihr zu gleicher Zeit von den Bahamainseln zn uns gelangte
C o r t e x C a s c a r i l l a e ( C a s c a r i l l r i n d e ) von Croton eluteria
(LinnB) Bennet zu, soweit die beiden lediglich aIs appetitanregende
Bittermittel (Stomachica) in Frage kommen.
Die anfanglich mit ubertriebener Erwartung als Specificum gegen
Magenkrebs seit etwa 50 Jahren aus der nordlichen Halfte Sudameris
kas in die Therapie eingefuhrte C o r t e x C o n d u r a n g o ( C o n d u s
r a n g o r i n d e) von Marsdenia cundurango Reichenbach fil. verdankt
ihre Wirkung als Stomachicum einem Glucoside Condurangin, das
angeblich mit dem in dem heimischen V i n c e t o x i u m o f f i c i n a 1e
M o e n c h , C y n a n c h u m v i n c e t o x i c u m ( S c h w a 1b e n s
w u r z , H u n d s w u r g e r) enthaltenen Vincetoxin identisch sein $011,
weshalb diesess von A. Ts c h i r c h als Ersatz fur die Condurango in
Vorschlag gebracht worden ist.
Als Paralleldroge der ostafrikanischen, zu Anfang des 18. Jahrr
hunderts in Europa als Bittermittel und Antidiarrhoicum bekannts
gewordenen R a d i x C o l o m b o ( C o l o m b o w u r z e l ) von
Jatrorrhiza palmata (Lamarck) Miers ist seit liingerem die heimische
B e r b e r i t z e, S a u e r d o r n ( B e r b e r i s v u l g a r i s L i n n C), deren
hrchiv und Berichte.
23
3446
Ludwig Kroeber
Alkaloid Berberin mit den Alkaloiden der Colombowurzel in einem
nahen verwandschaftlichen Verhaltnissc steht, bekannt. Der Greifs.
walder Pharmakologe H. S c h u 1 z weist auf die vorziiglichen Erfolge
hin, die R e i 1 mit Berberin bei der Diarrhoe der Phthisikcr erzielt hat.
Er gelangt daher zu der warmen Empfehlung der Anwendung dcr
Wurzel und der Rinde der Berberitze an Stelle der zu dcm gleichen
Zwecke vcrordneten Abkochungcn dcr Colombowurzel. Als die Aba
sonderung verschiedener Drusen anregendes und deshalb bei Lufts
rijhrenkatarrh zur Vermchrung und Verflussigung dcr Schleima
sekretion von der Therapie verwendetes Mittel gilt die seit etwa
50 Jahren in Deutschland bekanntgewordenc von Q u i 11 a j a s a p o
n a r i a M o 1 i n a , einem in Peru, Chile und Bolivien heimischcn
Baume, stammendc C o r t e x Q u i l l a j a e ( S e i f e n r i n d e ) . In
ihrer Eigenschaft als Expektorans diirftc sie vor den gleichfalls
saponinhakigen Wurzeln hcimischer Caryophyllacccn (Nelkcns
gcwachsc - 5 c i f c n w u r z c 1 , S e i f e n k r a u t (S a p o n a r i a
o f f i c i n a 1 i s L i n n 6 ) und Primulaccen (Primelgewachse - P r i :
mula officinalis J a c q u e s , Primula v e r i s Linni.,
P r i m u 1 a r e 1 a t i o r J a c q u c s u. a.) durchaus nichts varaus haben.
5
Die von R. W a s i c k y und K. J o a c h i m o w i t z (Wien) auss
gcgangenc Anregung des Ersatzes einer weitercn Saponindroge, nams
lich der zu Ende des 18. Jahrhunderts aus ihrer nordamerikanischen
Hcimat nach Deutschland gelangten R a d i x S c n e g a e (S e n e g a s
w u r z e 1) von Polygala senega Linne durch die Wurzeln heimischer,.
erhcblich saponinreicherer S c h 1 ii s s e 1 b 1 u m c n a r t c n , war zwar
in Usterrcich auf fruchtbaren Bodcn gefdlen, in Deutschland
indessen unbeachtet geblicben, bis sich dcr Vcrfasser diescs fur ihrc
eingehende klinische Erprobung im Krankenhausc Miinchcns
Schwabing eingcsetzt hatte. Angcsichts der uberraschend groi3en
i'bereinstimmung der komplizicrten chcmischen Inhaltsstoffe von
Palygala senega und Primula officinalis (clatior), auf deren Beschreis
bung hier nicht des naheren eingegangcn werden kann, ist es nicht ver:
wunderlich, da13 auf Grund der jahrclangen gunstigen Beobachtungss
crgebnisse der Fremdling das Feld vor der schlichten Schliisselblumcn:
wurzel hat raumen musscn. Die weitcrc Verwendung der Sencgas
wurzel bedeutet demnach cine durch nichts zu rechtfertigendk Vergeus
dung des geschwachten deutschen Nationalvermogens, zumal sie nach
der Fcststellung des Saponinforschers R. K o b e r t durch Schwindcn
des Saponingehaltes beim Lagern sehr erheblich an Wirksamkeit einbiifit. Damit durften die von dcn Arzten in den letztcn Jahren er:
hobcnen Klagcn bezuglich des haufigen Versagcns der kostspieligen
Scncga ihre Aufklarung finden. Dagegen gestattet das haufige Vorr
kommen der Schliisselblumc dercn alljahrliche Einsammlung und Ers
neuerung. Entsprechend dem erheblich hoheren Saponingehalte der
Primelwurzel sind wir zur Aufstellung der folgenden Formel gelangt:
Decoctum rad. Primulae 5 : 270, Natr. bicarbonic. 0.5, Sirup, simpl.
ad 300, wobei der Alkalizusatz die Erfassung der sauren Szponine be.
zweckt.
Die Versuchc, die brasilianische B r e c h w u r z c 1 ron Uragoga
Ipecacuanha Baillon, die zu Ende des 17. Jahrhundcrts zunachst aIs
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Nutzanwendung neuzeitl. pharmakochem. Forschungsergebnissc
Spezificum gegen die Amoebendyscnterie, wozu sie ncuerdings
wiederum betrachtliches lnteresse gefundcn hat, nach Europa gelangt
ist, in ihrer Eigenschaft als Expektorans durch die Wurzel des heimir
schen w o h l r i e c h e n d e n V c i l c h c n s (Viola odorata Linn6) zu
ersetzen, gehen bereits auf hundert Jahre zuriick, nachdem
B o u 11 a y in der letzteren ein mit dem IpecacuanhasEmetin angebr
lich identisches Alkaloid, das ViolasEmetin, gefunden hatte. Sie verr
moclite sich indessen damals ebensowenig in dem Arzneischatze einr
zuburgern, wie auf die neuerlich im Jahre 1915 erfolgte EmpEehlung
durch 0. L i n d e. Erst, nachdem der Verfasser in der Veilchenwurael
die Anwesenheit zweier Reihen von Saponinen (4.2 " l o ) festgestellt
hatte, die ihre Eignung als Expektorans als wahrscheinlich gelten
lassen mochte, gelang es die Arzteschaft des Krankenhauses Munchens
Schwabing fur die Beobachtung der Wirkung einer Abkochung nach
der Formel: Decoct. rad. Violae odorat. 1:270, Sirup. simpl. ad 300,
am Krankenbette zu interessieren. Obwohl es bekanntlich nahezu
unmoglich ist zu einem objektiven Werturteil hinsichtlich der Wirs
kung oon Expektorantien zu gelangen, geht dennoch aus den mir von
der Arzteschaft unseres Hauses zur Verfugung gestellten Attesten
hervor, da8 Radix Violae das gleiche wie die Radix Ipecacuanhae zu
leisten scheint.
Als weitere hinsichtlich ihrer Wirkung von der Mehrzahl der
Fachgenossen verkannte Saponindroge fristet das L i g n u m G u a z
j a c i (G u a j a k h o 1 z), das Kernholz von Guajacum officinale b n i .
sanctum LinnC, das die Spanier zu Endc dcs 15. Jahrhundetts
von Westindien als angebliches universelles Mittel gegen die
Lustseuche (Syphilis) nach Hause brachten, im Spezies lignorum
des Arzneibuches ein unbeachtetes Dasein.
Seinen Ruf verr
dankte es vermutlich den in ihm enthaltenen Saponin. K o b e r t
schreibt den Saponinen in therapeutischer Hinsicht die Absona
derung der Speicheldriisen, SchweiBdrusen und der Niere anr
regende, daher expektorierende und diuretische Wirkungen zu. Im
Darmkanal wirken die Saponinsubstanzen anregend auf die Peris
staltik und die Sekretion. Auf diese Weisc mag sich die behauptete
gunstigc Beeinflussung der Saponindrogen auf chronische Ekzeme,
auch solcher auf luetischer Basis, erkliiren. In der Volksheilkunde
haben Saponindrogen von jeher in hohcm Ansehen als ,,Blutreinir
gungsmittei" gestanden, cine Annahme, die nicht ganz von der Hand
zu weisen sein durfte. Wenngleich sich die physiologischen Wirkungen
der einzelnen Sa onine keineswegs stets miteinander decken, so durfte
dennoch angesic ts der groi3en Anzahl heimischer Saponindrogen an
eine Streichung der auslandischen im Arzneibuche zu denken sein.
Zum mindesten ware eine klinische Uberpriifung der Wirkung der
ebenfalls im Spezies lignorum enthaltenen heimischen Saponindroge
R a d i x O n o n i d i s ( H a u h e c h e l w u r z e l ) von Ononis spinosa
LinnB, die sich in der Volksheilkunde als Blutreinigungsmittel und
Diureticum groBer Wertschatzung seit langem erfreut, dringend zu
wiinschen. Angesichts der widersprechenden Ansichten uber den
Wert oder Unwert dieser Droge in der Schulmedizin darf auf Grund
ihrer Zugehorigkeit zu dem offizinellen Arzneischatze eine Klarstellung
nicht mehr langer auf sich warten lassen. Da das in ihr enthaltene
K
Archiv und Berichte.
23.
348
L u d w i g klroeber
Glucosid ,,Ononid" dem Glycyrrhizin des in grol3en Mengen aus
Spanien und RuBland eingefuhrten S u D h o 1 z e s , dem Wurzelholze
von Glycyrrhiza glabra Linne, in chemischer Beziehung sehr nahe
steht, dijrfte mit einer gleichsinnigen dynamischen Wirkung als Ex*
pektorans bei Erkrankungen der Atmungsorgane zu rechnen sein,
Zum Beschlusse des Kapitels ,,Saponindrogen" sei noch der im
16. Jahrundert aus ihrer zentralamerikanischen Heimat nach Europa
gelangtcn R a d i x S a r s a p a r i I1 a e (Sa r s a p a r i 1 I w u r z e l ) vers
schiedener Smilaxarten gedacht, die zwar von der ursprungliehen
Hohe ihres Ansehens als Antisyphiliticum herabgesunken, noch
immer der Aufnahme im Arzneibuche gewurdigt ist. Auch bei ihr
ware an den Ersatz durch heimische Saponindrogen, wie R a d i x
O n o n i d i s , R a d i x P r i m u l a e , R a d i x S a p o n a r i a e u. a.
zu denken. Erinnert moge auch noch daran sein, d a 8 die R a d i x
C a r i c i s a r e n a r i a e ( S a n d r i e t g r a s ) fruher den offizinellen
Namen Rhizoma Sarsaparillae germanicae fuhrte. Eine gunstige Be:
cinflussung chronischer Ekzeme und Hautsyphiliden wird ferner volkss
heilkundlich dem Wurzelstockc der g e m e i n e n Q u e c k e (T r i s
t i c u m r e p e n s ) = Rhizoma Graminis zugesprochen. Da sich
hinter den volkstumlichen pflanzlichen Heilmitteln bei niiherem ZUS
sehcn stcts ein kleinercs oder groaeres Kornchen Wahrheit verbirgt,
wiirden sich die Kliniker ein grotJes Verdienst erwerben, wenn sic
das Ihrigc zu einer endgultigen Klarung dieser und vieler anderer
rioch strittigen Fcagen auf dem Gebicte der pflanzlichen Arzneistoffe
beitragen wollten.
Die Erkenntnis, da13 aus der Reihe der Anthrachinondrogcn die
heimische F a u l b a u m r i n d e v o n R h a m n u s ( A l n u s ) F r a n s
g u 1 a L i n n C an Wirksamkcit als Laxativum der C a s c a r a s S a s
g r a d a s R i n d e von R h a m n u s P u r s h i a n a der nordarnerikani:
schen Rocky Mountains in keiner Weise nachsteht, hatte schon bevor
der Krieg uns gelehrt hat aus der Not eine Tugcnd zu machen, nicht
zuletzt durch die zahlreichen Veroff entlichungen des Verfassers, der
die Ehrenrettung des im eigenen Lande schnode verkannten Pros
pheten seit 20 Jahren betreibt, sich Bahn gebrochen. Eine
weitere Beibehaltung der Sagradarinde im kommenden Deutschen
Arzneibuche wurde jeglicher Berechtigung entbehren. Hinsichtlich
ihrer von mir ermittelten Wirkung zwischen S e n n a und R h a ~
b a r b e r stehend vermag sie diese wie die A 1 o e wenigstens bis zu
einem gewissen Grade zu ersetzen. Beachtlich erscheinen die Vors
s c h l g e von A. T s c h i r c h , der Vergessenheit anheimgefallene
lieimische Anthrachinondrogen, wie die Wurzelstocke von R u m e x
a l p i n u s L. ( M i i n c h s r h a b a r b e r ) b z w . v o n R u m e x o b t u s i c
f o l i u s L., welche ehemals die Radix Lapathi acuti lieferten, als
Ersatz fur C h i n a r h a b a r b e r wieder in das Bereich klinischer
Heobachtungen einzubeziehen. Des weiteren lenkt T s c h i r c h die
Aufmerksamkeit auf die gleichfalls anthrachinonhaltigen Wurzelstocke
von P o l y g o n u m d u m e t o r u m L. ( H e c k e n k n o t e r i c h ) , die
er f u r einen brauchbaren ersatz der agyptischen bzw. ostindischen
S e n n e s b l a t t e r von C a s s i a a c u t i f o l i a e t a n g u s t i f o l i t l
halt. Zum gleichen Zwecke durften die Wurzelstocke von P o 1 y F
g o n u m c u s p i d a t u m s s a c h a l i n u m , dem bei uns verwilderc
Nutzanwcndung neuzeitl. pharmakochem. Forschungsergebnissc
349
ten grol3blatterigen japanischen Knoterich, dienlich sein. Wieweit 91s
heimische Laxativa die in Sudeuropa allgemein als nicht reizendes
Abfuhrmittel im Gebrauche stehenden Blatter der E s c h e (F r a x i r
n u s e x c e l s i o r L.), ferner der Wurzelstock von P o l y p o d i u m
v u l g a r e L. ( G e m e i n e r T u p f e l f a r n , E n g e l s u i ) ) und
schlienlich die Innenrinde des H o 11u n d e r s (S a m b u c u s n i g r a
L.) nach den weiteren Vorschlagen von A. T s c h i r c h herangezogen
werden konnten, bedarf noch der klinischen Nachpriifung, obschon
ihre Brauchbarkeit auf Grund ihrer Rolle in der Volksheilkunde langst
festzustehen scheint.
In diesem Zusammenhange sei auch darauf hingewiesen, d a 8 auf
G r u n d der Ergebnisse der Arbeiten von K r o e b e r , S e m m e 1 ,
C a s p a r i s u. a. die von H. R o s s an den verschiedensten Orten
Deutschlands kultivierten c h i n e s i s c h e n R h a b a r e r a r t e n
( R h e u m p a l m a t u m u n d R h e u m o f f i c i n a l e ) in bezug auf
ihre Wirksamkeit in keiner Weise den Vergleich mit der Importware
zu scheuen haben. Ubrigens sind K r o e b e r , C a s p a r i s u n d
G o 1 d 1 i n gleichzeitig und unabhangig voneinander zu der Festr
stellung gelangt, daO die bisherige Wertbemessung des Rhabarbers
auf Grund seines Anthrachinongehaltes insofern von irrigen Vorauss
setzungen ausgegangen ist, a h dieser und die Wirkung keinesfaUs
parallel miteinandergehen, woraus sich logischerweise der Schlul3
ergibt, dai) an der Abfuhnvirkung des Rhabarbers bisher noch
unbekannte Inhaltsstoffe hervorragenden Anteil nehmen mussen.
Wiewohl der deutsche Bedarf an B a r e n t r a u b e n b l a t t e r n
v o n A r c t o s t a p h y l o s u v a u r s i ( L i n n e ' ) S p r e n g e l aus
dem reichen Vorkommen der Pflanze, die sich durch das Hervors
bringen langer, sich wieder bewurzelnder Seitenzweige vor den
Vaccinioideen kennzeichnet, nach 0. A n s e I m i n o mit Leichtigkeit
gedeckt werden konnte, gelangen dennoch sehr erhebliche Mengen
dieser als leichtes Diuretikum und Blasendesinfizienz zur Behandlung
von mit eitrigen Entzundungen der Schleimhaute der Harnwege eins
hergehenden Blasenkatarrhen mit Vorliebe verwendeten Droge aus
dem Norden, aus Spanien und Tirol zur Einfuhr. D a das in der
Barentraube enthaltene Glucosid Arbutin, dem infolge seiner Spaltung
im alkalischen Harne in Glucose und Hydrochinon die Desinfektionss
wirkung zuzuschreiben ist, mit dem Vacciniin der Blatter der
H e i d e l b e e r e ( V a c c i n i u m m y r t i l l u s L.), das bei seiner
Zerlegung ebenfalls Hydrochinon liefert, identisch ist, so mochten
diese um so eher an die Stelle der ersteren, im Preise hoher bewerteten,
zu treten, als der fortgesetzte Gebrauch der Biirentraubenbliitter
wegen ihres unangenehmen Geschmackes dem Widerwillen vieler
Patienten begegnet. W i r sind aus diesem Grunde zu einer Mischung
der beiden Drogen ubergegangen. Der volkstumliche Gebrauch der
B i r k e n b l a t t e r von B e t u l a v e r r u c o s a E h r h . als Diuretir
cum und Blutreinigungsmittel scheint nunmehr seine nachtragliche
wissenschaftliche Rechtfertigung insofern gefunden zu haben, als es
mir vor kurzem gelungen ist, erhebliche Mengen (32O/0) eines Ger
misches von sauren und neutralen Saponinen in ihnen festzustellen.
D a sich die Birkenblatter zudem nach den Angaben von W i n t e r 5
350
Lu.dwig Kroebcr
n i t z als frei von jeg!ichcr Nierenreizung crwiesen habcn, wozu noch
die Beobachtung der Abnahme der EiwciBausscheidung durch den
Harn kommt, so mochte ich der klinischen Erprobung dieser wohlz
feilen Drogc warm das Wort reden.
Objektiv schwer festzustcllen. von den Kranken indessen subs
jcktiv gunstig bcurteilt, ist die Wirkung des in unserer Anstalt seit
Jahren im Gebrauche stehenden K i e s e 1 t e e g e m i s c h e s nach
K o b e r t s I< u h n aus S c h a c h t c 1 h a 1 m , 2 i n n k r a u t (E q u i
s e t u m a r v e n s e L.), V o g e l k n o t c r i c h ( P o l y g o n u m a v i s
c u l a r e L.) und H o h l z a h n ( G a l e o p s i s o c h r o l e u c a L a $
in a r c k), mit dcr K ii h n in zahlreichen Fallen bei Lungenphthise einen
auf3erordcntlich gunstigcn Erfolg erzielt haben will. Die in den drei
gcnannten Drogen reichlich vorhandcne Kieselsaure sol1 nebcn dcr E r z
rcgung cincr ,,heilsamcn Lcukocytose'' (Vermehrung der wcil3cn Bluts
korpercherl) durch ihrc mechanischc Einlagerung im Lungetigcwebc
dicsem eine erhohte Widcrstandsfahigkeit gegenuber den einschmelc
zcnden Prozessen (Cavernenbildung) geben. Vogelknoterich .und
liohlzahn waren durch dic seinerzeit r'ur sie ins Werk gcsetzte
schwindelhafte Reklame (Homerotee, Homeriana, Weidemanns rus;
sischcr Knoterichtee - Blankenheimer Tce, Liebersche Auszehrungs:
krauter), die weit uber deren wirklichen W e r t hinausgegangen war,
bei der Schulrnedizin in begreiflichen Mif3kredit gekommen. Durch
meine Feststcllung, da13 Galcopsis ochroleuca nicht unerhebliche
Mengen (3.2 O/O) von Saponincn enthalt, ist in Vcrbindung mit ihrcrn
Kieselsauregehalt der seit langcm geubte volkstumlichc Gebrauch
diescr Droge bei Erkrankungen der Atmungsorganc und Lungcnphthise
nicht ohnc wciteres von der Hand zu weiscn. Durch Ermittlung des
Kieselsauiegehaltcs in den obigen drci Drogen und ihren Zubercitun:
gen vermochte ich den Bcweis &fur zu erbringen, dal3 wcingeistige
Fluidcxtrakte aus ihncn keinc Vorziige vor ihrcn cinfachcn Abz
kochungen aufzuweisen haben. Von Belang fur den Pharmakoz
chemiker ist die von mir gcmachtc Bcobachtung der in weiten Grenzen
schwankenden Wasserliislichkcit der aus Equisctum, Ga!copsis und
Polygonum isoliertcn Kiesclsaurcn.
Mangel bzw. unerschwinglich hohc Preisc fur dic nordamerikaz
nische H y d r a s t i s c a n a d e n s i s 1, i n n C ( G e 1 b w u r z) und das
zumcist von Rui3land und Spanicn nnch' Deutschland cingcfuhrte
S c c a I e c o r n u t u m ( E 1 u t t c r k o r n ) g a b e n in den Ietzten Jahren
ciie Veranlassung zur eingehenden pharmakochemischen, pharmakolo:
gischen und klinischcn Uberprufung einer Reihc in dcr Volksheilz
kunde seit langem als Hamostatika angewandter heimischcr Arzneis
pflanzcn. Unter ihncn hat sich das allgcmcine Interessc insbesondcre
auf das H i r t e n t a s c h e l ( C a p s c l l a b u r s a p a s t o r i s
M o e n c h ) , das durch R. W i n d r a t h im Jahrc 1917 auf Grund
gunstiger klinischer Beobachtungcii in empfehIeiiJe Erinncrung gez
bracht worden war, ,konzcntricrt.
Ungeachtct dcr ihm in
€3. K e r s c h e n s t e i n e r (Krankcnhaus MunchenzSchwabing) und
C. F r o in m e (Berlin) erwachsenen J,obrcdner, wclchc das Hirtens
taschcl hinsichtlich seiner uterinen Wirkung der Hydrastis und Secale
vollkommen gleichstellten, hat es nicht an Klinikern gefchlt, die ihm
Nutzanwendung neuzcitl. pharmakochcm. Forschungscrgebnissc
351
jegliche Wirkung absprachen. Eine weitere Gruppe von Beobachtern
hielt sich insofern auf einer mittleren Linie, indem sie die Wirkung
des Hirtentaschels als eine hochst unsichere bezeichnete, da neben
unbestreitbarer gelegentlicher Uteruskontraktionswirkung Versager
an der Tagesordnung seien, eine Erscheinung, die im iibrigen auch fur
Secale langst bekannt ist. Der lebhafte Meinungsaustausch zwischen
den verschiedenen Lagern ist noch in so frischer Erinnerung, daB es
geniigt, an dieser Stelle die zahlreichen fur und wider Wirkung und
Vcrsagen des Hirtentaschels ins Feld gefiihrten Hypothesen lediglich
in chronologischer Reihenfolge zu streifen. Darnach hat K r o e b e r
als erster auf die auffallende Ubereinstimmung des Geruches der
Fluidextrakte von Capsella bursa pastoris und Secale cornutum aufs
merksam gemacht, woraus er den SchluB zog, dai3 der den Praparaten
von Mutterkornersatzmitteln (Capsella bursa pastoris, Erodium cicus
tarium, Senecio vulg., Erigeron canadensc u. a.) gemeinsame, zunachst
aromatische Geruch, welcher beim Lagern einem mehr oder minder
ausgepragten Secalegeruche Platz macht, der Beeinflussung unterliege
durch den allmahlich cinsctzenden Abbau von Eiweifistoffen
(Aminen), die dem prOxyphenyliithylamin (Tyramin) dcs Secale naher
stehend, einen wesentlichen Anteil an der hamostatischen Wirkung
dieser Drogen nehmen. Durch die kurz hierauf veroffentlichte Ent.
deckung von Cholin, Tyramin und einer weiteren dem Nicotin nahes
stehendcn Base durch B o r u t t a u und C a p p e n b e r g hatte die
Vermutung von K r o e b c r eine wesentliche Stutze erhalten. Mit
Kecht haben daher die Angaben von R. W a s i c k y und T h. F r a n z ,
welche das Vorhandensein wirksamer Bestandteile in Capsella bursa
pastoris, deren zugegebene gelegentliche Kontraktionswirkung der
glatten Uterusmuskulatur sie ausschliefilich dem abhorm hohen Ges
halte der Droge an Kaliumverbindungen zuschrieben, in Abrede stellr
tcn, zunachst Aufsehen gemacht, um hierauf den Widerspruch von
M. K o c h m a n n und A. T s c h i r c h zu finden. Das von E. G i l g
als n e w s Moment in die Diskussion gebrachte Vorgeben, daB die
Wirkung einem das Hirtentaschel haufig befallenden Schimmelpilz,
dem sogenannten ,,weiBen Rost" (Cystopus candidus) zuzuschreiben
sei, wurde von H. C a p p c n b e r g bekampft, von A. T s c h i r c h hins
gegen als fur eine Teilwirkung belanglich durchaus wahrscheinlich
bezeichnct. Des weiteren sind G i 1 g und T s c h i r c h in der anger
schnittenen Frage Bundesgenossen in A. H e f f t e r und S. G. Z o n r
d e c k erwachsen. Einen weiteren wichtigen Beitrag hierzu haben
schlielJlich W. W i e c h o w s k i und H e d e H a 1p h e n geliefert, die
den experimentellen Beweis dafur erbrachten, da8 die uterusaktiven
Stoffc von Secale und seinen pflanzlichen Ersatzmitteln Produkte
bakterieller Spaltung an sich wirkungsloser Bestandteile sind, die teils
weise schon in der lebenden Pflanze vor sich geht. So vermochten
sie nicht nur die Wirkung des Mutterkorns erheblich zu vertiefen, sons
dern auch jene des Hirtentaschels s o g g um das Zehnfache zu steigern,
wenn sie diese Drogcn der unter Garungserscheinungen und Saurer
bildung einhergehenden Einwirkung von auf dem Mutterkorn
wuchernder Spaltpilze aussetzten. Nach W i e c h o w s k i und
€1 a 1 p h e n sind iibrigens die uterusaktiven Stoffe des Hirtentaschels
anderer Natur a h jcne des Secale, dessen Chcmismus durch die Aufr
352
Ludwig Kroeber
findung des angeblich fur die Wirkung den Ausschlag gebenden
E r g o t a m i n s durch S t o 11 in eine neue Phase eingetreten ist.
Weitere Versuche haben nunmehr den Beweis dafiir zu erbringen, ob
die beobachtete Garung mit Bildung wirksamer Stoffe sozusagen
etwas Spezifisches fur bestimmte Pflanzen darstellt und nicht durch
irgendwelche Spaltpilze in jedem beliebigen pflanzlichen Material
hervorgerufen werden kann, - eine Auffassung, zu der ich mich auf
Grund meiner langjahrigen Beschaftigung mit dem Gegenstande bes
reits vor den Veroffentlichungen von W i e c h o w s k i und
H a l p h e n bekannt habe. Ich stimme daher durchaus mit dem
SchluDworte T s c h i r c h s uberein: ,,Es wird sich wahrscheinlich mit
der Zeit herausstellen, da8 die Zahl der als Hamostatika anzur
sprechenden Pflanzen, wenn man ihre Auszuge priift, sich sehr verr
groBern lassen wird, indem sich ihre eiweiheichen Auszuge als
,,mutterkornahnlichwirkend" bei postpartalen Blutungen brauchbar
erweisen werden. Aber erst, wenn wir wissen, unter w-elchen Bedin:
gungen der EiweiBzerfall erfolgt, wenn wir erkannt haben werden,
was ihn einleitet und wie der Verlauf der Reaktion ist, wenn uns
sichere Mittel zur Arretierung des Abbauprozesses nach der optima:
len Bildung der Amine zu Gebote stehen, konnen wir damit rechnen,
konstant wirkende bzw. uberhaupt wirkende Praparate zu erhalten."
Erganzend sei zum Schlusse noch bemerkt, da8 sich C 1. G r i m m e
mit der Zusammentragung geschichtlicher Angaben der Capsella
bursa pastoris verdient gemacht hat.
.
Die iiber den ursprunglichen Rahmen dieser Ausfiihrungen hinaus:
gehende breitere Behandlung des Kapitels ,,Pflanzliche Hamostatika"
erscheint aus dem Grunde gerechtfertigt, weil ihnen in der Therapie
eine besonders wichtige Rolle zukommt. Dariiber hinaus sollten fur
den Fernerstehenden an einem Schulbeispiele ZieIe und Wege der
neuzeitlichen Pharmakochemie zur anschaulichen Darstellung ge:
langen.
Die von H. S c h u l z gemachte, von H. K e r s c h e n s t e i n e r
von unserer Anstalt bestatigte Angabe, da8 S a 1 b e i (S a 1v i a)
o f f i c i n a l i s L.) den Wettbewerb mit dem A t r o p i n und
Agaricin zur Bekampfung der Nachtschweine der Phthisiker in jeder
Weise zu bestehen.vermag, leitet zur Untersuchung der Frage uber,
bis zu welchem Grade der -Uberschwemmung des Arzneischatzes
mit synthetisch hergestellten Arzneistoffen durch ungekunstelte,
vegetabilische wirksam begegnet zu werden vermag, Verschiedene
Anzeichen sprechen dafiir, da8 sich in der Gegenwart eine Wandlung
in den bisherigen Anschauungen der Schulmedizin, die ihr Heil nahezu
ausschliefilich in der Medikation der aus den Arzneipflanzen isoliers
ten und in mijglichster Reinheit dargestellten chemischen Prinzipien
erblickt hatte, nach der Richtung hin vollzieht, da8 sie zu friiheren
Auffassungen zuruckkehrend, wiederum der Gesamtdroge, d. h. der
Summe der einzelnen Komponenten und der Eigenart ihrer gegen:
seitigen Bindung im Pflanzenkorper neben der naturlichen Abstufung
der Mengenverhaltnisse ihre Aufmerksamkeit zuwendet. Derartigen
Erwagungen verdanken u. a. das Pantopon und Laudanon ihre Ents
stehung. . Man ist eben nach und nach zu der Erkenntnis gelangt, daB
Nutzanwendung neuzeitl. pharmakochern. Forschungsergebnisse
353
B. keines der vielen Spezialpraparate fur Digitalis oder fur Secale
sich mit der harmonischen Gesamtwirkung der ursprunglichen Droge
zu messen vermag. Auf Grund meiner eigenen Beobachtungen deckt
sich die Wirkung kunstlich hergestellter Anthrachinone nicht vollig
rnit jener der Anthrachinondrogen. Ebenso werden isolierte Saponine
sich vermutlich pharmakodynamisch anders verhalten wie die Sapos
nindrogen oder die synthetische Kieselsaure anders wie die in den
Kieselsauren organisch gebundene Siiure.
Auf meine Anregung hin ist in unserer Anstalt seit kurzem ein
neuer Weg dahingehend betreten worden, da8 zum Zwecke der Eins
sparung von Spiritus den Kranken an Stelle der Tinkturen die ents
sprechenden Drogen ohne jedwede weitere Verarbeitung in Tablettenr
form verabreicht werden. Die bisher damit gemachten Beobachtuns
gen ermuntern durchaus zur Fortsetzung dieser Versuche.
Nachdem wir seit Jahren den gesamten Bedarf der Anstaltss
apotheke an Lindenbliiten, Schafgarbe, Spitzwegerich, Fliederbliiten
und Hirtentaschel aus dem Ertragnisse der eigenen Sammlung in
unseren ausgedehnten Gartenanlagen, die auch die zu meinen phari
makochemischen Studien benotigten Mengen an: WeiBe Taubnessels
bluten, Gundelrebe, Kreuzkraut (Senecio vulg.), Gartenmelde, Erds
rauch, kanadisches Berufkraut (Erigeron canadense), Birkenblatter,
strahllose Kamille (Matricaria discoidea suaveolens) und Storchenr
schnabel lieferten, eingedeckt haben, sol1 im kommenden Friibjahre
erstmals an den versuchsweise lanmafiigen Anbau von: Pfeffers
minze, Baldrian, Thymian, Kamil e, Eibisch, Stockrose, Chinarhabarr
ber, Wollblume, Fingerhut und Stechapfel in Verbindung mit der
Gartenverwaltung herangetreten werden.
Die auf dem der Qebauung'noch harrenden Gelande unserer An<
stalt sich in grol3en Bestanden vorfindende B r o rn b e e r e (R u b u s
f r u c t i c o s u s L.) bot willkommene Gelegenheit zur Sammlung
grol3erer Mengen von Brombeerblattern, die nach meinen Angaben Z U ~
nachst fermentiert und hierauf getrocknet, ein durchaus wohli
schmeckendes und bekommliches Getrank lieferten, dss in seinem
feinen, an Tee und Rose gemahnenden Aroma neben seinem Gerbs
stoffgehalte seinem chinesischen Vorbilde jedenfalls um ein betrachts
liches naher kommt wie das Heer zweifelhafter KaffeeeErsatzmittel,
die mit dem Bohnenkaffee zumeist nichts wie die braune Farbe gemeini
Sam haben. Die Einfiihrung des Brombeerbliittertees bleibt daher aus
volkswirtschaftlichen Grunden sehr beachtlich. Die mir zur Beurteis
lung vorgelegenen Proben f abrikmaBig hergestellter Brombeerblatteri
tees haben alle Anforderungen erfullt, die man biliigerweise an ein
Volksgetrank stellen kann. Zu seiner endgultigen Einbiirgerung, wos
bei sich durch die Sammlung des Rohmateriales fur eine groBe Anzahl
Arbeitsloser Verdienst schaffen liefie, gehort heute lediglich die
Ueberwindung eines alten, eingewurzelten Vorurteiles.
Beziiglich einschlagiger Literaturangaben zu den obigen Ausfiihs
rungen siehe: K r o e b e r , ,,Studienergebnisse einer Reihe von
Fluidextrakten aus heimischen Arzneipflanzen". Pharmazeutische
Zentralhalle 1922/1923.
z.
P
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