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Philipp Phbus. Nekrolog

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ARCHIV DER PHARMACIE,
14. Band, 4. Heft.
w
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M
-
A. 0 riginalmit t heilun gen.
Philipp Phobus.
Ne kr o log.
,,Die deutsche Pharmacie hat einen ihrer sachkundigsten und
wohlwollendsten Beurtheiler uud zugleich einen ihrer treuesten Fursprecher und Freunde verloren: Herr Dr. P h i l i p p Phobus in
Giessen, Grossh. Heas. Geheimer Medicinal - Rath und Professor
a. D. ist am 1. Juli im hohen Alter daselbst verschieden. Neben
der allein zuriickgebliebenen Gattin, der langjahrigen Arbeitsgehiilfin
und unermudlichen Pflegerin des Entschlafenen , eteht ein weiter
Kreis von Verehrern, Freunden und Bekannten trauernd an seinem
Grabe."
Mit diesen Worten theilte die Pharmaceutische Zeitung ihrem
Leserkreise die Trauernachricht mit, und vervollstandigte in kurzen
Zugen das gelegentlich des 50jahrigen Doctor - Jubilaums gegebene
Lebensbild des Verstorbenen.
Dem Deutschen Apotheker-Verein geziemt es, seinem Ehrenmitgliede, dem unermudlichen, bis zur letzten Stunde opferfreudigen
Vorkampfer der Pharmacie , neben dem verganglichen Zeichen der
Hochaehtung , welches dem Todten an seincr Grtlbdiitte gewidmet
wurde, cin unvergangliches Denkmal an dieser Stelle zu setzen.
Am 27. 3Iai 1804 in Miirkisch- Friedland, einer kleinen Stadt
Westpreussens, wo sein Vater Dr. Ludwig Phobus als sehr geschatzter Arzt wirkte, geboren, empfing Phobus aeinen ersten Untcrricht in einer kleinen Privatschule , und besuchto alsdann das
Friedrichs-Gymnasium zu Frankfurt a. d. 0. und das Gymnasium
zum grauen Kloster in Berlin. Ostern 1821 als Selectaner zur
Arch. d.'Pharm. XVII. Bas. 4. Hft.
16
242
Ph. Phobns, Nekrolog.
Universitiit entlaesen , eroffnete sich seiner grossen Arbeitslust und
vielseitigem Ausbildungsstreben ein unbegrenztes Feld. Enge
freundschaftliche Beziehungen verbinden ihn mit von gleichem wissenschaftlichem Eifer beseelten Studiengenossen, welche jedoch, fur
ihn sehr schmerzlich , in Folge eines aus nnbedeutender Ursache
(wegen eines Platzes im Colleg) erwachsenen Duells fur langere
Zeit unterbrochen wurden. Durch einen unglucklichen Zufall verletzte die abgesprungene Klinge den Gegner todtlich, Phobus erhielt
zehn Jahre Festungsstrafe , von welcher er bis zur Begnadigung
zwei Jahre verbiisste. Am 15. Juni 1827 zum Dr. medic. und
chirnrg. promovirt, unternahm er 1828/29 eine elfmonatliche Reise
nach Suddeutschland , der Schweiz und Nord -Italien, welchcr
1830/31 eine viermonatliche Reise nach Paris und Strassburg,
hauptsiichlich zu anatomischen Studien bei Louis (Paris) und E. A.
Lauth (Strassburg) folgte. 1831 zum Prosector am Charitd- Xrankenhause in Berlin ernannt, habilitirte er sich 1832 als Privatdocent insbeeondere fur pathologische Anatomie, unterbrach jedoch,
auf mancherlei Odium stossend, 1835 die akademische Laufbahn
und ging , durch einen wiederholt verliingerten Urlaub vom Ministeriurn die Privatdocentschaft sich wahrend , nach dem Harze, um
seiner Neigung e n naturhistorischen Studien und arztlicher Praxis
folgen zu konnen.
Von wissenschaftlichen Arbeiten aus dieser Zeit sind hervorzuheben die erste Heraufigabe von ,,Specielle arztliche Rezeptirkanst etc. Berlin 1831 ", welche in wiederholten Auflagen erweitort jetzt ale, ,,Waldenburg und Simon" in den Handen der
Aerzte sich findet ; die epochemachenden Unterrmchungen uber Behandlung und Leichenbefund bei der orientalischen Cholera, sowie
Abbildungen und Beschreibung der in Deutschland wildwachsenden
Giftgewiichse. 2. Abtheilung. Kryptogamen, welche er gemeinwhaftlich mit seinen Schnl - und Universitiitsfreunden Brandt und
Ratzeburg bearbeitete. Die Hingebung, mit welcher Yhijbus die
Eireichung seiner wissenschaftlichen Zwecke verfolgte , k s t sich
aus den beiden Thatsachen erkennen, dass er bei der Choleraepidemie 1831 in Berlin, um die Gefahrlichkeit der Ansteckung zu
widerlegen , sich unniittelbar nach dem Tode eines Cholerakranken
in dessen Bett lcgte; und urn die Giftigkeit der Pilze zu controliFen, mit denselben am eigenen Korper so lange experimentirte, bis
er einem eolchen Exporiment (mit Boletus luridus) fast unterlag.
Ph. Phijbiiv, Nekrolog.
243
Nach Ablehnung von Berufungcn nach Petersburg und Dorpat
ubernahm er 1843 die ordentliche Professur fur Medicin, insbcsondere
Pharmacologie in Giessen. Seine rastlose Thatigkeit liess ihn alsbaid ein pharmacologisches Institut schaffen, welches spater mehrepen an anderen Universitaten zum Vorbild diente, und dessen Leiter er blieb bis zu seiner wegen geschwachter Gesundheit erbetenen
Entlassung von der akademischen Lehrthatigkeit 1865, resp. bis
zum Eintritt des auf seine Enipfehlung von Dorpat nach Giesscri
berufenen Amtsnachfolgers Professor Dr. Buchheirn , dessen Nekrolog r o n Freundeshand das Miirzheft des Archivs uns zur Kundc
gebracht hat.
Schon als Knabe gern docirend und sammelnd, ist Phobus dieser Neigung treu geblieben bis zur letzten Lebenszeit, wo der
sieche Korper dem immer noch regen Geiste nicht mehr zu dienen
vermochte. Ein Zeichen dieses Sammelsinns und der aussergewohnlichen, dem Verstorbenen eigenen Gewissenhaftigkeit und Accuratesse giebt das ca. 6500 Species umfassende Herbarium. In einem
sehr practisch eingerichteten Schranke befinden sich in 96 Mappen,
durch einen Umschlag von grunem Cattun vor Staub und Tnsecten
geschutzt, in musterhafter Ausstattung die nach Familien geordneten Pflanzen. Der Katalog fullt sieben Octav - Futterale (jede
Gattung auf einem Octavbllttt , diese Blatter nach Familien); eine
kurze Uebersicht ist nochmals in einem speciellen Katalog verzeichnet. Den Hauptstock der Sammlung hat Phobus selbst durch
Sammeln in Deutschland , der Schweiz u. a. w. gelegt , vermehrt in
der ublichen Weise durch Kauf, Tausch und Geschenke. Eine
grosse Zahl von namhaften Botanikern hat dazu beigetragen, von
denen ich nur nenne: Wernekinck, weiland Prof. d. Bot. zu Miinster; Otto, weiland Prof. d. Bot. u. Med. zu Greifswald; Hoppe
(Alpen); Sieber, den bekannten Reisenden (Alpen; Antillen ; Cap ;
Mauritius; Neu - Holland); Lurnnitzer (Flora von Pressburg); Noe
und Joh. von Charpentier (Alpen) ; Rostkovius und Schmidt (Flora
von Stettin); Brandt und Ratzeburg ; Florke und Laurer (Flechten);
Leiblein (Kryptogamen).
Die mineralogische Sammlung ist von Phobus vor einigen
Jahren veraussert worden.
Von seiner schriftstellerischen Thatigkeit giebt ein Verzeichniss Kunde, welches, von 1832 bis fast zum Lebensende fortgefuhrt,
fast 200 No. zeigt, und neben den eigenen selbstiindig erschienenen
16 *
244
Ph. Phiibus, Nekrolog.
Druckschriften sehr zahlreiche Abhandlungen physikalischen, mineralogischen, botanischen, anatomischen, pharmaceutischen und naturlich am meisten medicinischen Inhalts verzeichnet. Daneben eine
grosse Zshl Recensionen,, Ausziige, Correspondenz- Artikel medicinischen und naturwissenschaftlichen Inhalts, auch kleinere und grossere
Beitrage zu Werken von L. J. von Bierkowski, E. A. Lauth, J. Th.
Chr. Ratzeburg, H. Tasche, F. A. Weber, A. Wigand, u. A.
Die Besprechung dieser Wirksamkeit competenterer Feder
uberlassend, erwahne ich an dieser Stelle nur die bis zum Jahre
1862 erschienenen wichtigeren selbstandigen Druckschriften, Handbuch der Arzneiverordnungslehre, 3. Ausgabe. 2 Thle. 1840 ; Ueber
die Naturwissenschaften als Gegenstand des Studiuma, des Unterrichts und der Prufung angehender Aerzte, Nordhausen 1849; Die
wichtigsten Regeln der Arzneiverordnungslehre, Nordhausen 1850;
Zur Vereinfachung der Arznciverordnnngen , Giessen 1856 ; Ueber
pharmncodynamische Aequivalente fur die Hauptbestandtheile der
Mineralwasser etc., Giessen 1858 ; Der typische Friihsommer -Katarrh oder das sogenannte Heu - Asthma ; Die Delondre - Bouchardat’schen China- Rinden, Giessen 1864.
Dass einer so vielseitigen werthvollen Thatigkeit auch die
aussere Anerkennung und Auszeichnung nicht fehlte , ist selbstverstandlich. Phobus wurde Inhaber mehrerer russischen, preussischen
und hessischen Orden, Mitglied und Ehrenmitglied vieler gelehrten
Gesellschaften. Eine besondere Freude war es fur ihn, wie er mir wiederholt ausgesprochen hat, dass der Deutsche Apotheker - Vcrein ihm
1874 durch eine Deputation dae Diplom als Ehrenmitglied uberreichen
liess, da er dadurch neue Kraft fand, fur die ihm als hohes Lebensziel vorschwebende Sache der gefahrdeten Pharmacie a u k neue in
den Kampf zu treten. Dicse Thatigkeit, sowie die Vollendung dcr
im Verein mit Freunden (A. Almhn - U p l a ; R. Buchheim- Giessen;
A. Cantani -Neapel; F. A . Fluckiger - Strassburg; B. Hirsch-Frankfurt a/M.; Th. Husrmann - Gottingen; G. Kerner-Frankfurt a/M.;
A. Oberdorffer -Hamburg ; G. Planchon-Paris ; Th. Rieckher- Marbach a. N.; F. c. von Schneider-Wien; J. L. W. Thudichum-London;
J. von Trapp- Petersburg; A. Vogl- Wien) 1868 begonnencn internationalen Pharmacopoe fullte das letzte Decennium seines Lebens.
Als sprechendstes Zeugniss der Anerkennung seiner Fachgenossen moge die zur Feier seines 50jahrigen Doctor - Jubilaums
am 15. Juni 1877 von B. von Langenbeck, L. Waldenburg und
Ph. Phobus, Nekrolog.
245
B. Frankel unterzeichnete Adresse der Berliner medicinischen Gesellschaft hier eingefiigt werden:
,,Hochverehrter Herr College ! Die Berliner medicinische Gesellschaft sendet Ihnen durch uns herzliche Gluckwunscbe zu dem
funfzigjahrigen Jubilaum Ihrer Doctorpromotion. Ein halbes Jahrhundert riistiger Arbeit , eifrigen Forschens , edlen Strebens liegt
hinter Ihnen und hat fur Sie und Ihre Berufsgenossen Friichte
gezeitigt , auf die Sie mit vollster Befriedigung zuriickblicken konnen. Nicht enge Grenzen haben Sie gleich vom Beginne Ihrer
wissenschaftlichen Thatigkeit an bis in Ihr Greisehalter hinein
Ihrem Forschenstriebe gosetzt; nicht enge Grenzen haben Sie
Ihren Pflichten a h Arzt und Lehrer dem gesammten iirztlichen
Stande wie dem einzelnen Collegen und Schuler gegeniiber angewiesen. Was Sie waren, wollten Sie ganz sein, und sind es ganz
gewesen !
Wi-ihrend Sie vor allem Arzt blieben, Arzt, der seinen Beruf
mit vollster Strenge auffasst, der immer weiter im Wissen vorzudringen strebt , um auch sein Konnen zu vervollkommnen, arbeiteten Sie gleichzeitig, um das arztliche Wissen im speciellen zu
vermehren und das arztliche Konnen zu einer Kunst zu gestalten.
Die Arzneiverordnungslehre , Ihre eigenste Schopfung, bleibt ein
unvergangliches Zeugniss Ihres nach einem kiinstlerischen Ausdruck der arztlichen Praxis hinstrebenden Zieles.
Die Pharmacologie, das Gebiet, auf dem Sie vornehmlich arbeiteten und lehrten, ruhte bei Ihnen auf der breiten Grundlage botanischer Studien und Forschungen, denen Sie Sich ohne Unterlass
widmeten, bis Sie Sich in denselben durch anerkannte Leistungen
zu einer unbestrittenen Meisterschaft emporarbeiteten. Den Titel
eines Doctors der Philosophie, der Ihnen honoris causa zuertheilt
wurde, haben Sie Sich auf diese Weise nicht als blosse Ehrengabe, sondern als die Frucht gewissenhafter rastloser Thiitigkeit
errungen.
Auf dem Gebiete der Pathologie haben Sie Arbeiten geliefert,
die - wie diejenige iiber die Cholera und die uber das Heufieber
nicht nur zu ihrer Zeit den besten auf diesem Gebiete sich
anreihten, sondern selbst jetzt noch nach Verlauf von mehreren
Decennien in manchen Stiicken unubertroffen geblieben sind. Auch
fir die Pathologie haben Sie Sich einen festen Boden gesncht, auf
dem Sie aufbauten: es ist die patbologische Anatomie. Sie waren
-
246
Ph.Phiibus, Nebtolog.
der erste Prosector am hiesigen Kgl. Charitekrankenhause, der erste
in der Reihe der ausgezeichneten Manner, die hier wirkten. Noch
bewahrt das pathologische Institut den mit grossem Fleiss von
Ihnen angelegten und ausgefithrten ,,Vermehrungs - Catalog der
anatomischen Sammlung No. 1 -- 224 " vom 11. Mai 1831 bis zum
3. September 1832, und die betreffenden Praparate Rind der seitdem bedeutsam angewachscnen Sammlung als werthvolle Stiicke
einverleibt geblieben.
Neben lhrer wissenschaftlichen und practischen Thatigkeit
beseelte Sie stets noch ein ideales Streben, welches auf die Hebung des arztlichen Standes und des mit Ihrer Lieblingsdisciplin,
der Pharmacologie eng verknupften Apothekerstandes , gerichtet
war. Ein Bluhen der Pharrnacologie als Wissenschaft - darin
stimmen wir aus vollstem Herzen mit Ihnen uberein - ist nur
moglich, wenn auch der gesammte Apothekerstand auf wissenschaftlicher Hohe und in angesehener socialer Stellung erhalten wird ;
der Zustand der Pharmacologie beeinflusst aber andererseits wieder
die Ausiibung der aritlichen Praxis und den wissenschaftlichen
Sinn, der den Arzt bei seinen Verordnungen leitet. I n diesem
&me aufgefasst, ist Ihr Xampf um die Hebung der Yharmacologie
und des Apothekergewerbes, welchem Sie nunmehr seit vielen Jahren Ihre beste Kraft widmen, recht eigentlich zugleich ein Streben
zur Hebung der arztlichen Kiinst, der arztlichen Wissenschaft,
des arztlichen Standes. Unsere lebhaftetite Wiinsche begleiten Sie
bei diesen Bestrebungen. Moge es Ihnen, hochverehrter Herr College, vergonnt sein, Ihr Ziel erreicht zii sehen!
Auch noch mit anderen gewichtigen Arbeiten , welche auf
nichts geringeres als auf eine internationale Pharmacopoe hinzielen,
sind Sie seit vielen Jahren beschaftigt. Yit kiihnem Muth
ergriffen Yie als Greis eine Aufgabe, zii deren Bewiiltigung kaum
Jugendkraft ausreichend erscheinen konnte.
Yoge es Ihnen
vergonnt uein, diese Aufgabe zu einer gliicklichen Vollendung zu
bringen !
S o stehen Sie da, noch fur die Zukunft sorgend und arbeitend, wahrend Sie bereits fast zwei Generationen Ihre hervorragenden Dienste als Arzt , Forscher und Lehrer gewidmet haben.
Wir begliickwiinschen Sie zu diesem so seltenen Jubilaum, das
nicht nur den Blick auf alte Verdienste zuriickwenden, sondern
auch noch kiinftige neue Lorbeeren fur Sie erhoffen lasst !"
Ph. Phobus, Nekrolog.
247
Auf Wunsch der alleinstehenden Wittwe und vieljahrigen
Arbeitsgehiilfin die hinterlassenen Manuscripte einer Durchsicht und
Priifung unterwerfend, habe ich in den letzten Wochen nochmals
Gelegenheit gehabt , den Umfang seiner Correspondenz und seine
uniibertreaiche correct durchgefuhrte Registratur aufs eingehendste
kennen zu lernen. Dieser apothekermassigen Ordnungsliebe und
angstlichen Sorgfalt, mit welcher Phobus arbeitete, ist es wohl
auch allein zuzuschreiben, dass die Pharmacopoea Europaea ihm
zum Schmerzenskind geworden nnd unvollendet geblieben ist. Ob
das rnit bedeutenden Geldopfern und werthvoller Arbeitskraft geschaffene Werk zum Nutzen der Medicin und Pharmacie vollendet werden wird, dariiber lasst sich zur Zeit noch nicht urtheilen,
es wird das wesentlich von den noch lebenden Mitarbeitern abhangen.
Unter der Bezeichnung ,,zum Kampfe fir die Pharmaoie gehorig" umfasst eine besondere Abtheilung des Arbeitsfeldes die
sorgfiiltig geordneten Brochiiren und Zeitschriften , welche rnit den
Lebensverhaltnissen der Pharmacie in irgend welcher Beziehung
stehen. Die chronologisch geordneten Briefe der Kampfzeit geben
ein treues Bild der schwankenden Verhaltnisse. Als erste Betheiligung ist der 1849 in: Ratzeburg, ,,Die Naturwissenschaften u. 8. w."
veroffentlichte Aufsatz zu betrachten. Entschiedener und scharfer
wird dieselbe jedoch erst 1871 mit dem durch die bevorstehenden
Verhandlungen im osterreichischen Abgeordnetenhause hervorgerufenen offenen Sendschreiben an A. von Waldheim, Direktorial- Mitglied des Allg. Oesterr. Apoth.-Vereins. Unter lebhaftester Correspondenz und personlichem Verkehre mit Pharmaceuten , Aerzten
und National- Oekonomen entstand 1871 -73 die zweite, erweiterte Bearbeitung mit dem Titel ,,Beitrage zur Wurdigung der
heutigen Lebensverhlltnisse der Pharmacie" , welche als eine
unerschopfliche Fundgrube von die Pharmacie beriihrenden Fragen
bezeichnet worden ist.
In wissenschaftlich correcter Weise untersucht bier Phiibus
die Lebensverhaltnisse der Pharmacie in den Kulturstaaten und
theilt dabei dieselben in drei Stufen ein, von denen als hochste er
die Stufc bezeichnet, auf welcher die Staatsdiener - Eigenschaft des
Apothekers und das System der unverausserbaren Concessionen
formlioh anerkannt ist.
Dieser Schrift folgte 1874 die in Gemeinschaft rnit seinem
Amtsgenossen Buchheim, Kehrer und Wilbrand veranlasste bekannte
248
Ph. Phobue, Nekrolog.
Petition der 225 Professoren und Aerzte an den hohen Bundesrath
des Deutvchen Reiches, und, neben mehreren Aufsiitzen in der Berliner klinischen Wochenschrift und den Grenzboten , die Denkschrift ,,Zur Lage dcr Pharmacie" am Schluss des Jahres 1875.
Die Energie, mit welcher Phobus fur die von ihm fir nothwcndig
und richtig erkannte Umformung der Pharmacie eintrat , liess den
mehr als 70jahrigen Greis im Herbst 1875 nochmals eine Reise
nach Berlin unternehmen , er hoffte durch personliche Einwirkung
rascher eine giinstige Entscheidung herbeifuhren zu konnen. Von
Ministern, Bundesraths - und Reichstags - Mitgliedern freundlich aufgenommen, schrieb er mir damals, ,,ob der Erfolg giinstig sein
wird, kann noch niemand voraussehen, schlimmsten Falls werden
wir, wenn wir ausharren, m i t E h r e n besiegt werden und u n s e r e n N ;Ic h k o m m e n gute Waffen fur eine Wiederaufnahme des
Kampfes hinterlassen.
Als eine solche Waffe ist auch sein letztes Werk, der druckfertig vorliegende Entwurf eines deutschen Pharmacie - Gesetzes zu
bezeichnen, welcher im September 1875 der Veroffentlichung harrte,
jedoch durch den fiir Phobus ausserordentlich schmerzlichen Beschluss der Hamburger Deligirten -Versammlung (Ph. Ztg. No. 77.
1875), in weloher die fur Unverkauflichkeit neu zu ertheilender
Concessionen stimmenden Kampfgenossen in der Minoritlit blieben,
zur Seite gelegt wurde. Mit Phobus'scher Grundlichkeit ist in
diesem Werke in 7 Titeln (I. Aufgabcn, Pflichten und Rechte des
Apothekers im Allgemeinen ; 11. Pharmaceutische Verwaltungs Behorden; I I L Erlangung der Befiihigung; IV. Errichtung , Verlegung und Uebertragung von Apotheken und verwandten Anstalten. Wirkungskreise aller dieser Anstalten; V. Einrichtung der
Apotheken und verwandten Anstalten ; VI. Geschiiftsbetrieb; VIL Revisionen) mit Uebergangsbestimmungen und Register eine sogenannte ,,Apotheker - Ordnung " aufgebaut.
Ein Auszug des Vorworts moge zeigen, von welchen Grundsiitzen der Verfasser sich leiten liess:
,,Die Medicin muss der Pharmacie der nachsten Zukunft eine
ansehnliche wissenschaftliche Hebung dringend wiinschen , damit
die Apotheker mehr als bisher den Aerzten, von denen mit jedem
Tage mehr verlangt wird , Untersuchungen erleichtern oder ganz
abnehmen konnen zum Besten der einzelnen Kranken und ganz
besonders des allgemeinen Gesundheitswohls."
Ph. Phobus, Nekrolog.
249
,,Aber es wird hie und da, selbst von hochst intelligenten
Mannern und an einflussreichsten Stellen geglaubt, die Verhandlungen zur Hebung der Pharmacie seien noch nicht spruchreif; zu
einer von den Pharmaceuten dringend geforderten neuen Gesetzgebung sei noch nicht brauahbares Material genug vorhanden. Ich
habe gegen diese Ansichten Einiges drucken lassen; um aber mir
selbst und Anderen einen noch schlagenderen Beweis zu liefern,
dass jene Spruchreife bereits erreicht ist, habe ich den folgenden
Entwurf bearbeitet. Derselbe wird an vielen Stellen noch der
Verbesserung von Einzelheiten durch pharmaceutisch, jnridisch und
administrativ Sachkundige bediirfen; aber ich hoffe, dass man ihn
im Ganzen hinreichend finden werde, urn die Anspriiche zur Geltung zu bringen, welche von Aerzten und Naturforschern an die
Pharmacie der niichsten Zukunft als ein fortan unersetzliches Cultur -Element gestellt werden miissen."
Ein Bediirfniss fiir den bescheidenen und angstlichen Gelehrten war der Nachweis seiner Urtheils-Competenz, woriiber er sich
Seite V. seines Vorworts zu: ,,Beitrage zur Wiirdigung der heutigen
Lebensverh. d. Pharmacie '' in folgender Weise ausspricht :
,,Ich habe schon sehr jung die pharmaceutischen Dispeneir Arbeiten bei meinem Vater kennen gelernt, der als Arzt in einer
kleinen Stadt g e n o t h i g t war, selber zu dispensiren, weil.in ansehnlichem Umkreise keine Apotheke existirte, bis es seinen wiederholten Bemuhungen gelang, durch eine fur das Stiidtchen erwirkte
Concession einen Apotheker herbeizuziehen. Ich bin als Gymnasiast
3 Jahre lang in einer Berliner Apotheke aus- und eingegangen, in
welcher mein Freund R a t z e b u r g , der nachmals auch um die
Pharmacie so verdiente Schriftsteller (t 1871)) als Lehrling arbeitete; der Apotheker Lehrling wurde mein erster Lehrer in der
Botanik: der Unterricht war begreiflich hochst diirftig, aber er
brachte mir doch die Liebe zu dem Fache bei. - Ich habe 1826
bis 28 als Practicant in den Berliner Kliniken die Grundlinien zu
meinem nachmaligen Handbuche der Arzneiverordnungslehre entworfen, wed damals als Anleitung zum Verordnen nur ein diirftiges Formenwesen, Receptirkunst genannt, als ein unbedeutender
An h an g der Arzneimittellehre existirte, der niemanden befriedigen
konnte. Es gelang mir allmahlich, zumal nachdem ich 1828 pract.
Arzt geworden war, durch Versuchsformeln (im Ganzen mehr als
2000), die theils in meiner Wohnung, theils (meistens in meiner
-
250
Ph. Phobus, Nekrolog.
Gegenwart) in Berliner Apotheken, spater in der Apotheke zu
Stolberg am Harz , ausgefuhrt wurden, - durch Beobachtungen
am Krankenbett , durch Benutzung der medicinischen und pharmaceutischen Literatur, u. 8. w., jenem Formenwesen einen mehr sachlichon lnhalt zu geben; ich hatte die Freude, die neue Disciplin,
welche ich Arzneiverordnungsluhre nannte, als einen T h e i l der
Arzneimittellehre anerkannt zu sehen. Yon dem Handbuche war
1847 die dritte Ausgabe vergriffen, aber ich konnte keine vierte
liefern, weil andere Bernfs - und schriftstellerische Aufgaben stets
wissenschaftlich dringender gefordert waren. - Um 1840 wurde
mir durch die Gefalligkeit J. Fr. Niemann’s (zu Merseburg, des
auch um die Pharmacie sehr Verdienten) uud Wilh. v. Horn’s
(des so vielseitig Hochverdienten , - damals zu Erfurt) wiederholt
die Gelegenheit , Apotheken - Revisionen zu Stolberg a. H. und zu
Nordhausen beizuwohnen. - 1843 als Prof. der Arzneimittellehre
nach Giessen berufen begriindete ich hier das pharmacologische
Institut der Universitat (dem allmahlich an mehreren andern Universitatsn Anstalten gleicher oder ahnlicher Tendenz folgten),
bestimmt zum Unterricht hauphachlich der Medicin Studirenden,
z. Th. aber auch (namentlich in Pharmacognosie, Toxicologie, Balneologie) der Pharmacie Studirenden. In diesem Institut musste
ich , bis 1867 , die Aufgabe , alle gangbaren Arzneimittel pharmacognostisch und chemisch auf Echtheit und Giite zu priifen (SO
weit der Arzt dazu im Stande ist), lehren und fast taglich iiben,
auch von den Medicin Studirenden die pharmaceutischen DispensirOperationen, ohne deren anschauliche Kenntniss der Arzt nicht
geschickt verordnen kann , unter meiner Anleitung ausfuhren lasBen. - Auf zahlreichen wissenschaftlichen Reisen in der Mehrzahl
der europiiischen Lander suchte ich nicht bloss arztliche Fachgenossen und Anstalten fleissig auf, sondern auch Apotheker und
pharmaceutische Anstalten, ja die Apotheker vielleicht noch haufiger
als die Aerzte, weil man jene leichter zu Hause findet, und weil
meine Liebhaberei fur Botanik und Mineralogie bei ihnen mehr
Nahrung fand. - Zu den internationalen pharmaceutischen Congressen von 1867 (Faris) und 1869 (Wien) war ich eingeladen;
an dem ersteren habe ich eifrigen und, soweit es mir moglich war,
thatigen Antheil (den die gedruckten Protocolle amweisen) genommen (fur den letzteren war ich leider verhindert). Kleineren pharmaceutischen Versammlungen habe ich vielfach beigewohnt. Die
Ph. Phobue, Nekrolog.
251
arztliche Praxis hat mich nicht selten auch in die Familien - Riiume
der Apotheker gefuhrt. - So bin ich allmahlich dahin gekommen,
dass ich mich unter Apothekern fast so einheimisch fuhle als unter
Aerzten; so habe ich das Gluck gehabt, in weit reicherem Maasse
als viele andere Aerzte, von Apothekern mannigfache und sehr
werthvolle Belehrung zu empfangen, fur welche ich mich tief dankbar verpflichtet fuhle; - so habe ich seit 47 Jahren den herrschenden Arzneigebrauch durch vielseitige eigene hnschauung
kennen gelernt , auch ZUP zweckmassigeren Gestaltung desselben
durch das oben gedachte Handbuch und zahlreiche kleine schriftstellerische Arbeiten mein Scherflein pro viribus beigetragen."
Wir Alle kennen die Hingebung, mit welcher Phobus in den
schwierigsten Zeiten, welche die Deutsche Pharmacie durchlebt hat,
seine volle Kraft einsetzte, mir perRonlich wurde die Ehre und das
Gluck zu Theil, in vertrautestem Austausch seinen Ideen Gestaltung
nehmen zu sehen. Es diirfte wohl kein zweiter Arzt existiren,
welcher die Pharmacie so vielseitig kennen gelernt, und ale Schirmer des Fachs ihr so grosse Opfer an Gesundheit, Zeit und Geld
gebracht hat, als Phobus.
Die letzten Lebensjahre meines entschlafenen hochverehrten
Freundes waren dnrch korperliches und geistiges Leiden getriibt.
Es war ihm nicht beschieden, die beiden Aufgaben, die er als Greie
mit Jugendkraft ergriffen und bearbeitet hatte, zu glucklicher Losung zii bringen. Wahrend er am 25. Juni 1877 in Erwiderung
meines Gliickwunsches zu seinem Doctor - Jubilaum aus Immenstadt
(Sudbaiern), wohin er bei seiner fast zu angstlichen Bescheidenheit
sich begeben hatte, urn den beabsichtigten Ovationen zu entgehen,
mir noch schreiben konnte: ,,Was I h r Wunsch enthalt, lautet fast
genau so, wie Das, was ich mir selber oft als Ziel aufstelle: geistige Riistigkeit noch auf einige Jahre, u n d , dass ich den Tag
noch freudig begriissen konne, wo das Geschick der Pharmacie auf
Generationen hin giinstig entschieden wird ", erlahmte die geistige
Spannkraft plotzlich in sehr bemerkbarer Weise, als der Beschluss
des hohen Bundesrathes in seiner Sitzung vom 3. Mai 1878, ,,dam
von einer reichsgesetzlichen Regelung des Apothekerwesens zur
Zeit abgesehen werden solle", ihm bekannt wurde, und gleichzeitig der Vollendung seines Lieblingskindes , der Pharmacopoea
Europaea, fur ihn uniiberwindliche Schwierigkeiten sich entgegenetellten. Asthmatische Beschwerden gestatteten ihm nur selten
252
K. Kraut, Magneeia alba.
freie Bewegung, bis die letzten Anfalle ihn ganz an das Bett fesselten.
Unter unermiidlicher, sorgsamster Pflege seiner treuen Lebensgefiihrtin (Henriette, geb. Berger) endete sein Leben am 1. Juli
d. J. Die Beerdigung mit akndemischen Ehren fand unerwartet
schon am 3. Juli Morgens 7 Uhr statt, so dass der Auftrag unseres
Vereins -Directoriums, den Verstorbenen als Ehrenmitglied des
Vereins durch die Widmung eines auszeichnenden Lorbeerkranzes
zu ehren, nur in der Weise ausgefuhrt werden konnte, dass am
4. Juli eine Deputation der tieferschutterten Wittwe im Namen des
Vereines herzliches Beileid aussprach und einen Lorbeerkranz auf
das Grab legte mit der Inschrift:
,,Der Deutsche Apotheker - Verein seinem Ehrenmitgliede
Herrn Geheimen Medicinal - Rath Dr. P ho b u 8.
Ruhe sanft !''
M a r b u r g am 30. August 1880.
Fr. S i e b e r t .
Magnesia alba.
Von I(. Kraut.
Die vergleichende Untersuchung einiger Sorten von Magnesia
carbonica von R. Otto (dieses Archiv 217, 96) erinnert mich an
Resultate, welche vor einigen Jahren in meinem Laboratorium erhalten wurden und welche ich bereits in Gmelin's Handbuch (11, 435)
mittheilte. I m Handel vorkommende Sorten von Magnesia alba,
a) anglica, b) crystallisata, c) gerrnanica ergaben im lufttrocknen
Zustande folgenden Gehalt an Wasser und Kohlensaure :
Rechnung.
5MgO
4C02
7He0
. . . . .
. . . . .
. . . . .
a.
b.
C.
200
176
126
39,84
35,05
25,ll
40,15
35,06
25,34
39,56
35,74
25,56
43,59
3747
19,69
5MgO,4CO2, 7 H e 0 502
100,OO
100,55
100,86
100,75.
Somit unterschied sich die als germanica bezeiobnete Sorte
von den beiden ersten durch ihren kleineren, der Formel
5 MgO, 4 CO *, 5 He 0 entsprechenden Wassergehalt (Rechnung
J
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