close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Ueber den Bitterstoff der Sennesbltter.

код для вставкиСкачать
42
Ludwig,
stehen, weil es, wie dieses, noch zwei dem Ammoniaktypus angehorige Wasserstoffatome enthalt und sich nur
dadurch Ton ihm unterscheidet, dass das niit dem Methylenyl (CH2) combinirte, im Wassertypus stehende Wasserstoffatom durch Aethyl vertreten ist. Durch dieses
Aethyl kann, weil es zunachst nicht im Ammoniaktypus,
sondern im Wassertypus steht, die basische Natur der
Verbindung nicht wesentlich erhoht werden. Daher bewirken Sauren die Zersetznng desselben, und nur wenn
die Slure irn wasserfreien Zustande auf das ebenfalls
wasserfreie Aethoxacetamid einwirkt, entstetit eine Verbindung, die aber durch Wasser sofort zersetzt wird.
Xlit Basen kann es sich naturlich noch weniger leicht
verbinden, als das Glycolainid, weil es gar kein im Wassertypus steliendes, extraradicales Wasserstoffatoni enthiilt.
Ueber den Bitterstoff der Sennesblgtter;
von
H. L II cl w i g.
Die ersten sorgfaltigen Untersuchungen der Sennesbliitter haben H. F e n e u l l e und J. 13. L a s s a i g n e angestellt und in den Aimales de Chimie et de I’ha~macie,
Toni. X V L png. 58 und Journ. de Pharnt. 1824. Tom. X .
pag. .58 veroffentlicht. Ein Auszug ihrer ersten Arbeit
findet sich ini Berlinischen Jahrbuch fur Pharmacie, 1822,
I. 85. Sie fanden in den alexandrinischen Sennesblgttern
(von Cassia acutifolia Lamark) sogenanntes Cathartin,
braungelben Farbstoff, atherisches Oel, fettes Oel, Chlorophyll, Eiweiss, Schleim, Aepfelsiiure (theilweise an Kalk
gebunden), weinsauren und phosphorsauren Kalk, essigsaures Kali und Pflanzenzellgewebe.
Das C a t h a r t i n d e r S e n n e s b 1%t t e r (Seiennecathartin) stellten sie wie folgt dar: Die wasserige Abkochung
der Sennesbliitter wnrde mit Bleizuckerlosung gefallt,
der Niederschlag abtiltrirt, durch das Filtrat Schwefel-
uber den Bitterstof d e r Seniiesbla'tter.
43
wasserstoff geleitet, das Schwefelblei entfernt, das Filtrat
zur Trockne verdampft, der Ruckstand init Weingeist
ausgezogen, der Auszug zur Extractdicke verdunstet, das
Extract mit Weingeist, dem etwas Schwefelsaure zugesetzt
worden war, behandelt (um vorhandenes Kali in schwefelsaures Kali zu verwandeln, das in Weingeist unloslich
ist), der filtrirte weingeistige Auszug durch Bleizuckerlosung oder kohlensaures Bleioxyd von Schwefelsaure,
darauf durch Schwefelwasserstoffgas vom Blei befreit und
das Filtrat eingedunstet, wo das Sennecathartin hinterbleibt. F e n e u l l e und L a s s a i g n e beschreiben dasselbe
als eine hygroukopische, arnorphe, rothlichgelbe Masse
oon eigenthumlichelv Geruch, bitterem, ekelerregendeui
Geschmack, loslich in Wasser und Weingeist in allen
Verhiiltnissen, unloslich in Aether. Aus der wasserigen
Losung fallen Gerbsaure und auch der Hleiessig das
Sennecathartin in gelblichen Flocken.
Alkalien verdunkeln die Farbe der Losung. Schwc€elsaures Eisenoxyd farbt die Losung braun. Keine F.4.
lung bewirken Jodwasser, Bleizucker, Brechweinstein,
Leimlosung. Bei der Erhitzung zerlegt sich das Sennecathartin unter Bildung von Essigsaure, brenzlichem Oel,
Kohlenwasserstoffgas, Kohlensaure und Kohle ( F e n e u 11e
und L a s s a i g n e ) .
D e a n e (Phamnac.Journ. and Tyaitsnct. 1844. Vo2.I V .
p . 0'1) lieferte eine vergleichende Untersuchung der verschiedenen Sennesblattersorten, die sich jedoch auf Bestimmung der wasserigen und weingeistigen Extracte beschrankte (Liebig, Poggendorf, Wohler, Handwiirterbuch der
Chernie, Rcl. VII. 1859. S. 836').
L. F. B l e y und D i e s e l gaben im Archiv der Pharmacie, 2. R., 55. Bd. Septbr. 1848. S . 258-269 eine Zusammenstellung des bis dahin Bekannten iiber die Sennesblatter, namentlich auch der Extractbestimmungeri von
D e a n e und lassen dann von S. 270-278 eigene Untersuchungen der Blatter von Senna obovata und Tinnevelly
Seiiiza folgen.
Unter den Arbeiten ihrer Vorglnger
44
Lzt dw ig,
heben sie die Darstellung eines S e n n e s b l a t t e r h a r z e s
durch B e r n a t h ( A h t i u s in1 Jahresbericht der Phar~nacie,
1844. p . 475) heraus. 32 Unzen ostindischer Sennesblatter mit 12 Pfd. Weingeist drci Stunden lang digerirt,
den A U S Z Uwarm
~
ausgepresst und mit Wasser behandelt, lieferten 5 Unzen sch\varzes, harzglhzendes, eigenthiimlich balsaniisch riechendes und bittersuss schmeckendes, in Weingeist losliches Harz. RI a r t i u s beinerkt
hierau, dass sich diescs Harz der alevandrinisehen Sennesblatter im Weingeist leicht lose nnd sich selbst in
der K d t e nicht ausscheide. B e r n a t l i will 112-1 Drachme
desselben fur Kinder und 2 Ilrachmen fur Erwachsene
als hinlanglich gefunden haben, uni purgirende Wirkung
zu erzielen.
Die wichtigsten Resultnte cler Untersuchungen der
Sennesblatter von B l e y und D i e s e l sind:
1. Sowohl die Blatter dcr Cassia Innceolntu, als anch
die der Cassia obovata, hinterlassen beim Einaschern
reichliche Mengen (11 bis 1 2 Procent) Asche, von stark
dkalischer Reaction, in welcher kohlensaures Kali, Clhlornatriurn, kohlensanrer und phosphorsaurer Kalk, Tdkerde und Spuren von Kieselerde aufgefunden wnrden.
2 . Oefters wurden Spuren von Amrnoniaksalzen in
den Sennesblattern gefunderi; der kalte wiisserige Aufguss verschiedener Sennasorten reagirte bald neutral,
bald sauer, und gab beim Erhitzen Abscheidung von
Eiweiss.
3. Bei Destillation der Sennesblatter mit kochsalzhaltigem Wasser konnte kein athcrisches Oel im Destillate nnchgewiesen werden ; das letztere reagirte schwach
sauer, vielleicht von Essigsaure, wie F e n e u 11e behaiiptete. Jedoch vermochten I31ey und D i e s e l ein essigsaiires Salz in den Sennesblattern nicht nufzufinden.
Der Geruch der Sennesblatter haftet vielmehr an
einem gelben hsrzigen Farbstoff, den B l e y und D i e s e l
Chrysoretin der Sennesbldtter nennen. Schon L a s s a i g n e
und F e n e u l l e erliielten denselben. (Wird eine wiisse-
iiher d e n Bitterstof der SeniaesblZtter.
45
rigc Abkochung der Sennesblatter mit Bleizucker gefiillt,
der gesammelte Niederschlng untcr reinem W asser durch
Schwefelwasserstoffgas zersetzt, so hangt sich der Farbstoff an das gebildete Schwcfelblei und kann dem mit
Wasser gewaschenen Schwefelblei durch kochenden Weingeist entzogen werden. .Beim Verdunsten der weingeistigen Losung hinterblei bt er braungelb, amorph, ist mit
gelbcr Farbe im Wasser loslich und wird aus seiner
Losung durch Bleizucker und Bleiessig gefallt. Mit kohlensaureni Natron verniischt, ertheilt er den durch Alaun
gebeizten Zeugen eine schon gelbe Farbe, dem Leinenund Baumwollenzeuge eine Ockerfarbe. SalpeterBaure
riitliet den Sennafarbstoff und bei der Destillation giebt
er Ammoniak. L a s s a i g n e und F e n e u l l e . )
Moglichst rein kann das Chrysoretin nach B l e y und
D i e s e l erhalten wcrden, wenn man die Sennesblatter
durch wiederholte Infusion mit heissem Wasser erschtipft,
die erhaltenen Auszuge ini Wasserbade zur Extractdicke
bringt, das Extract wiederholt mit Weingeist auskocht,
den Weingeist von den Ausziigen abdestillirt, die Ruckstande der ltetorte im Wasserbade zum Syrup eindampft
und diesen zu ofteren Malen init Aether schiittelt. Beim
Abdestillircn des Aethers von den vercinigten Ausziigen
liinterbleibt das Chrysoretin als eine braunlichgelbe, dem
Curcumin ahnliche Masse, von unangenehm bitterem Geschmack und Geruch nach Sennesblattern, besonders beim
Erwarmen, wobei dns Chrysoretin zu einer dunkelbraunen Nasse schmilzt. Beim raschen Erhitzen zersetzt es
sich unter Verkohlung und Verbreitung stechend riechender Dampfe. I n dunnen Lagen erscbeint das Chrysoretin fast rein gelb. Wasser nimmt nur wenigchrysoretin
auf; siedendes Wasser nimmt eine ziemlich gelbe Farbe
davon an; die Losung trubt sich beim Erkalten; Alkohol und Aether loses es leicht. Bleiessig und Zinnchloriir, so wie salpetersaures Quecksilberoxydul geben dainit Niederschlage ; salpetersaures Silberoxyd wird durch
dassclbe bald reducirt.
46
Ludwig,
Das Chrysoretin lost sich mit prachtig rother Farbe
in Ammoniak, so wie in den meisten Alkalien, woraus
es durch Siiuren gelbfloekig g e f d t wird; dabei tritt der
charakteristisehe Senneeblattergeruch kriiftig hervor. Durch
Auflosen in Alkalien und Faillen mittelst Saure kann das
Chrysoretin weiter gereinigt werden.
Salpetersaure und concentrirte Schwefelsaure zerstoren es in der Warme.
B l e y und D i e s e l konnten im Chrysoretin der Sennesblatter keinen Stickstoff finden.
4. Das von F e n e u l l e nnd L a s s a i g n e erhaltene
sogenannte Sennecathartin erklaren B 1e y und D i e s e I
fiir ein Gemenge ihres Senna-Extractivstoffes rnit dern
Braunharz der Senna.
Nach dem Ausziehen des Chrysoretins aus dem wiisserig - weingeistigen Sennesblatter- Extract durch Aether,
Vermischen des in letzterem unloslichen Extracts m i t
concentrirter Losung des kohlensauren Amnioniaks und
Ansauern der intensiv braunen Losung mit nicht zu verdunnter Schwefelsaure fallt ein braunes Harz nieder, welches sich rnit intensiver rothbrauner Farbe in Alkalien
lost nnd aus dieser Losung durch Sauren in gelbbraunen
Flocken wieder niederfallt. Reim Erhitzen dieses Sennabraunharzes tritt ein eigenthumlicher Geruch hervor. Alkohol lost es leicht auf; Wasser und Aether fast gar nicht.
Die Trennung des Braunhnraes der Senna kann auch
so geschehen, daes man das alkoholische Extract mit
Wasser zerlegt und das wasserige Filtrat mit Glaubersalz versetzt, wodurch das Braunharz, noch mit Chrysoretin verunreinigt, ausgeschieden wird.
5 . In den Bhtterlangen von der Abscheidung des
Chrysoretins und Brannharzes blieb der sogen. Extraetivstoff der Sennesbliitter; die mit kohlensaurem Kali neutralisirte eingedunstete Losung gab einen Ruckstand, aus
welchem Weingeist dieses ekelhaft bittere braune amorphe
Extract auszog.
iibei. den Bitterstof der SennesblZtter.
47
6. Ausser den genannten Stoffen enthalten die Sennesblatter Pectinstoff, Fett u. s. w.
M a r t i u s (Monographie der Sennesblcteer, 1857, Leipzig bei L. Voss) konnte F e n e u l l e ' s Cathartin nicht rein
erhalten ; in dieseni sogenannten Cathartin ist noeh Bitterstoff, Harz und Farbstoff gemengt.
Auch in dem Sennabitter von W i n c k l e r (JaArbuch
fur prakt. Pharin. Bd. X I X . S. 263) sei der Bitterstoff mit
einem Theile der Farbsaure verbunden.
i nck 1e I'
babe nicht den Bitterstoff durch basisch essigsaures Bleioxyd gefkllt, sondern den sauren Farbstoff.
M a r t i u s glaubt, dass er selbst noch keinen reinen
Sennabitterstoff uuter Hiinden gehabt habe, wenigstens
liege die Vermuthung nahe, dass noch Gummi und Zucker
demselben beigemischt sei.
Den Farbstoff der Sennesblatter hiilt M a r t i u s fur
Chrysophansaure, die wie in der Rhabarbcr auch in den
Sennesblattern mit einigen andern Farbstoffen (Aporetin
und Phaoretin) gemengt vorkomme.
Zur Gewinnung
der Senna-Chrysophanskure werden die Blatter mit Wasser digerirt, welches etwas kohlensaures Natron enthiilt,
die abgepresste Flussigkeit wird rnit verdunnter Schwefelsiiure angesauert, der gypshaltige Niedcrschlag gesanimelt,
getrocknet und mit Aether ausgezogen (wobei sogenanntes Aporetin und Gyps zurtickbleiben). Der atherische
Auszug hinterliisst beim Verdunsten ein gelbcs korniges
Pulver, welches sich in siedendem Alkohol zum Theil
lost, wahrend ein dunkelbrauner Ruckstand (sogen. Phaoretin) ungelost bleibt. Beim Erkalten des alkoholischen
Auszugcs scheiden sich Krystalle von sogen. Margarin Bus.
Die davon getrennte rlkoholischba Losung wird rnit Wasser
versetzt und abgedampft, der Ruckstand rnit Alkohol aufgenommen, der letztere verdunstet und das nun Hinterblcibende rnit Aether behandeh. Die iitherische Flussigkeit liefert beim Verdunsten eine Masee, die in 85procentigem Weinpist aufgenommen w i d , wobei wiederum
ein rothbrauner Korper zuruckbleibt. Aus der alkoho-
m7
48
Ludwig,
lischen Losung bekomnit man endlich die Chrysophansaure beiin Verdunsten des Weingeistes als warzige Masse
von intensiv gelber Farbe.
Nach M a r t i u s sol1 die
Wirksamkeit der Sennesblatter von ihrem Gehaltc an
Chrysophansaure abhangen, was S a w i ck i (Dissevtatio inauguralis, Dorpat 1857) bestreitet. (Vergl. Handworterbuch der Chernie, 1859. Bd. VII. S. 838, wo auch die
Ergebnisse der Aschenanalysc dcr Sennesblatter von RI a rt iu s und S ch r e i b e r nachgelesen werden konnen.)
Zur Hereitung des sogenannten St. Gerrnain Thees
(Species laxantes 8. I$ermn?id), eines Gemenges aus 210yes Sunibuci, Fenchel, Anis, Ciaentor tartari und Sennesblattern, iniissen die letzteren vorher mit Weingeist extrahirt, dann wieder getrocknet werden, ehe sie als Bestandtlieil dieses Thees dienen konnen. Man findet deshalb
in den Apotheken haiifig solche weingeistige Sennesblatter-Extracte als nutzlosen I3allast aufgehoben. Ich habe
nun seit einigen Jahren mit solcheni Extr. Fol. Sennae
spivituos. von zwei Mitgliedern meines Instituts Versuche
anstellen lassen, um daraus den Sennesblatterbitterstoff
zu isoliren, und theile hier die bis jetzt erlangten Resultate mit.
I. illit dem weingeistigen Extract aus 3 Civilpfunden officineller Sennesblatter, welches noch vom jetzt verstorbenen llof-Apotheker O s a n n hier bercitet worden
war, stellte Elerr F r a n a S t o l z n e r aus Gotha (von Ostern
1860 bis dahin 1863 Mitglied meines pharniaceutischen
Instituts) die folgenden Vcrsuche an :
Das Extract loste sich in warinem Wasser fast vollstandig auf. Dic Losung wurde mit Bleizucker gefillt;
der Niederschlag erschien dunkelbmun. Er wurde gesammelt, unter 'Iliasser dnrch Schwefelwasserstoffgas zersetzt,
die Losung voni Schwefelblei abfiltrirt, iin Wasserbadc
eingedunstet und der Riickstand mit Weingeist behandelt; es blieb nur wcnig nngelost. Die weingeistige Losung wurde eingedunstet, der Riickstand mit kaltem Wasser aufgenotnmen, wobei ein hnmussnureartiger Korper
-
iiber den Bitterstof der Sennesblutter.
49
ungelost blieb. Die Losung gab mit Qerbsaure einen
Niederscblag; dieser wurde mit feingepulvertem Bleioxyd
und Wasser erwiirmt, eingetrocknet und rnit Weingeist
ausgezogen. Beim Verdunsten des Weingeistes blieben
schmutzigweisse Flockchen zuriick, welche sich mit Kalilauge, Natronlauge und Aetzammoniakiiiissigkeit nicht
farbten, von concentrirter Schwefelsaure geschwarzt wurden und den charakteristischen Geruch der Sennesblatter
zeigten.
Die vom Gerbsaureniederschlage abfiltrirte Flussigkeit war dunkelbraunroth gefarbt ; Thonerdehydrat fallte
den Farbstoff theilweise, Bleioxyd hingegcn vollstandig.
Die vom Bleizuckerniederschlage abfiltrirte Flussigkeit wurde mit Bleiessig gefallt ; aus dem Niederschlage
konnten bei iihnlicher Behandlung wie beim BIeizuckerniederschlage ahnliche, nach Sennesblattern riechende,
weisse Nookchen geschieden werden. In der duroh Bleizuuker und Uleiessig nicht fallbaren E’liissigkeit fanden
sich Zucker, anorganische Salze und nur noch Spuren
jener riechenden flockigen Substanz.
11. 4 Civilpfund Tinncvelly-Sennesblatter wnrden rnit
Weingeist von 80 Volumproc. extrahirt, vom Auszuge der
Weingeist abdestillirt und der Riickstand im Wasserbade
bis zur Entfernung des Weingeistes erwiirmt. Beim Erkalten schied sich eine harzige Masse Bus, welche in 80procentigem Weingeist vollstandig, in Aether nur theilweise loslich war.
Die wasserige Losung wurde von der harzigen Masse
getrennt und mit Bleizucker gefallt. Der schmutziggraue
Niederschlag wurde gesammelt, unter Wasser durch Schwefelwasserstoffgas zersetzt, die vom Schwefelblei abfiltrirte Losung im Wasserbade eingedampft, der Kiickstand mit Weingeist gelost und nun Aether zur Losung gemischt. Es schied
sich das Gemenge in eine kirschroth gefiiirbte Fluesigkeit
und in eine auf dieser schwimmende athcrisch weingeistige
Liisung von rothbrauner Farbe ; abgehobcn und verdunstet,
Arah. d. Pharm. CLXIX. Rds. 1. u.2. Hft.
4
50
hawig,
hinterliess die letztere eine kleine Menge eines harziihnliehen Korpers.
Die vom Bleizuckerniederschlage abtiltrirte Flussigkeit wurde mit Bleiessig gefallt, der gesammelte Niederschlag unter Wasser mit Sehwefelwasserstoffgas zersetzt,
die vom Schwefelblei abfiltrirte Flussigkeit im Wasserbade eingedunstet, der Ruckstand in Weingeist gelost
und die Losung mit Aether vermischt. Die atherisch
weingeistige Losung gab gerbsaureartige Reactionen. Sie
wurde verdunstet, der Ruckstand niit reinem Aether ausgezogen und die entstandene rein gelbeLosung von dem
schwarzbraunen, bitter schmeckenden, ungelost bleibenden
Syrup getrennt. Beim Vcrdunsten blieb ein gelber Ruckstand, der sowohl rnit Ammoniakflussigkeit, als auch mit
Natronlauge sich blutroth farbte. Dieser gelbe Farbstoff
hat mithin grosse Aehnlichkeit mit der Chrysophansiiure
der Rhabarber und der Pavmelia parietina.
So unvollstandig dicse Versuche des Hcrrn S t o 1zn e r gcbliebcn sind, so bestatigten sie doch die Angaben
von L a s s a i g n e und F e n e u l l e , B l e y und D i e s e l
und M a r t i u s iiber das Vorhandensein eines in Aether
loslichen gelben Farbstoffs, der durch Alkalien blutroth
gefk-bt wird, in den Sennesblattern, ferncr die Anwesenheit von harzartigen Substanzen ; sie zeigten die Anwesenheit gerbsiiureartiger Stoffe und eines durch GcrbsBure
fallbaren, nur wcnig gefarbten, flockigen Riechstoffes.
Ueber den Ritterstoff liessen sie im Unklaren. Die folgenden Untersuchungen verbrciteten uber denselben einiges Licht.
111. Der weingeistige Auszug von 2 Yfund FoL sennae alexandrin,. aus der hiesigen Hof-Apotheke des Hrn.
Dr. R. M i r u s , wurdc von Hrn. R e i n h o l d S t u t z ,
Gehulfen in dieser Apotheke, unter meiner Leitung im
Laboratorium meines chemisch-pharmaceutischen Instituts
wie folgt bearbeitet : Durch Destillation wurde der Weingeist entfernt, der noch diinnfliissige wasscrige Ruckstand
mit circa 8 Unzen gekornter Knochenkohle versetzt und im
ilder den Bitterstoff der 8ennesblatter.
51
Dampfbade unter ofterem Umruhren zur Trockne abgedampft. Der Ruckstand wurde nun mit kaltem Regenwasser ausgezogen, der erlialtene dunkel gefarbte Auszug rnit frischer gekornter Knochenkohle versetzt, daruber abermals im Wasserbade zur Trockne verdampft
und das kalt gewordene Qemenge mit kaltem Regenwasser ausgewaschen.
Die beiden Portionen Knochenkohle mit den auf
ihnen haftenden organischen Bestandtheilen wurden nun
mit hochstrectificirtem Weingeist einigemal hinter einander ausgekocht, die dunkel gefarbten filtrirten weingeistigen Ausziige gemischt und von ihnen der Weingeist
abdestillirt. Die in der Retorte ruckstandige syrupartige
etwas schleimige Flussigkeit zeigte einen anfangs susslichen, dann aber ekelig bittern und kratzenden Geschmack.
Sie wurde in eine Porcellanschale gegossen, hier mit
1 Unze vorher mit Wasser angericbenen, fein priiparirten, reinen Bleioxyd vermischt, sodann auf dem Dampfapparate unter haufigem Umriihren zur Trockne gebracht.
Dabci zeigte sich ziemlich starke Schaumbildung, wahrend die Bleioxydverbindung ein pflasterartiges Ansehen
annahm .
Die ganze Operation hatte den Zwcck, etwa vorhandene organische Sauren an das Rleioxyd zu binden und
so von den etwa vorhandenen indifferenten Bitterstoffen
zu trennen. Zur Losung d i r lctzteren wurde das trocken
gewordene Gemenge in einer gut verschlossenen Flasche
mit hochstrectificirtem Weingeist nnter ofterem Umschutteln einige Zeit digerirt, dcr weingeistige Auszug abfiltrirt und zur Entfernung von etwas gelostern Bleioxyd
mit Schwefelwasserstoffgas behandelt. Die vom niedergefallenen Schwefelblei abfiltrirte weingeistige Losung
hatte beim Stehen in einem verschlossenen Glase bis
zum andern Morgen eine ziemliche Anzahl kleiner nadelformiger, gelblich gefiirbter, glanzender Krystalle fallen
lassen, welche sich unter dem Mikroskopo als tetragonale
Prismen erkennen liessen.
4*
52
Ludwig,
Diese Krystalle wurden folgenden Proben unterworfen :
1. Ein Theil derselben wurde auf Platinblech erhitzt;
nur anfangs zeigten sie ein Verglimmen, wie von anhangender organischer Substanz; bei starker Hitze kamen
sie ins Schnielzen, ohne sich zu verfluchtigen.
2. Eine Probe der Krystalle, in der unten verschlossenen Glasrohre erhitzt, entwickelte saure Dampfe, unter
Verbreitung eines eigenthumlichen Geruches ; der Ruckstand mit Salpetersaure aufgelost, mit Ammoniak und
Schwefelammonitlni behandelt, blieb farblos.
3. Kalilauge war ohne Wirkung auf die Krystalle.
4. Concentrirte Schwefelsaure ubte in der Kalte keine
Wirkung auf die Krystalle; in der Hitze braunte sie
dieselben schwach, wohl wegen anhangender organischer
Substanz. Wir hielten diese Krystallchen fur smres
phosphorsaures Kali mit anhangender organischer Substanz ; die kleine Menge derselben erlaubte keine weitere
Priifung.
Die von den erwiihnten Krystallchen abfitrirte weingeistige Fliissigkeit gab bei langsanier Verdunstung nichts
Krystallinisches mehr, auch der syrupartig gewordene
Ruckstand wollte nach langerer Ruhe nicht krystallisiren. Derselbe stellte jetet eine gelbbraune Extractmasse
dar von anfangs susslichem , dsnn aromatisch bitteren
und kratzenden Geschmack dlr. Es wurde davon eine
Probe in Wasser gelost und daniit folgende Versuche
angestellt :
1. Ein Theil der L6sung wurde mit wasseriger Gerbsaurelosung vermischt ; hierdurch entstand ein volumirninoser flockiger Niederschlag.
2. Quecksilberchlorid gab keine Fallung.
3. Platinchlorid eben so wenig.
4. Mit Natronlauge gemischt, rothete sich die Losung
des Bitterstoffes.
5 . Eine neue Probe der Losung wurde mit einigen
Tropfen Kupfervitriollosung und uberschussiger Natron-
iiber den Bitterstoff der Semesblattev.
53
h u g e gemischt und zum Sieden erhitzt; es trat dabei
keine Reduction des Kupferoxyds zu Kupferoxydul ein,
woraus folgt, dass noch kein freier Zucker zugegen war.
6. Der Rest der wasserigen Losung wurde mit einigen Tropfen verdiinnter Schwefelsaure vermischt und die
Mischung einige Minuten gekocht. Ein sich verbreitender stark aromatischer Geruch und die Ausscheidung von
oligen Tropfen an der Oberflache der Flussigkeit liessen
erkennen, dass hier Zersetzung (Spaltung) statt gefunden
hatte. Als die vom ausgeschiedenen Oel abfiltrirte Losung mit Kupfervitriol und uberschussiger Natronlauge
vermischt wurde, trat griine Farbung und beim Kochen
sofortige Abscheidung von rothem Kupferoxydul ein, zum
Zeichen, dass sich bei der Spaltung des Bitterstoffs neben
dem atherisch oligen Korper auch Zucker gebildet hatte.
Urn nun diesen e u den Elneoglycosiden gehorigen
Bitterstoff in reinerer Form zu erhalten, wurde die Hauptmenge desselben wie folgt behandelt. Die heiss bereitete wasserige Losung desselben wurde mit einer wasserigen Losung von- reiner Gerbsaure gefallt, der erhaltene
gerbsaure Bitterstoff gesammelt, mit Wasser und Bleioxyd gemengt, im Wasserbade eingetrocknet, mit Weingeist der Bitterstoff aus der trocknen Masse extrahirt,
aus dem Filtrate durch Schwefelwasserstoffgas das mitgeloste Blei gefallt und die Losung wieder abgedunstet.
Zur Fallung des Bitterstoffes reichte etwa 1 Drachme
Gerbsaure hin ; der dadurcb entstandene Niederschlag war
jedoch von verschiedener Beschaffenheit : ein Theil desselben war namlich flockig und setzte sich rasch zu Boden, wahrend der Rest auch nach langerer Ruhe in -der
Fliissigkeit vertheilt blieb und ihr ein milchiges Ansehen
ertheilte, in Folge dessen er auch nicht abfiltrirt werden
konnte. Es wurde deshalb die uber dem Niederschlage
stehende milchige Fliissigkeit abgegossen) der Niederschlag einigemal mit Wasser abgewaschen und wie angegeben mit Waseer, Bleioxyd und Weingeist behandelt,
54
Ludwig,
um den Bitterstoff abzuscheiden. Ein Gleiches wurde
mit der milchigen Fliissigkeit vorgenommen.
Jeder der beiden Bitterstoffriickstande wurde in Spiritus gelost und in beide Losrxngen HS geleitet, wodurch
jedoch kein Niederschlag entstand. Beide Filtrate besassen die Farbe des Rlildeiraweins ; eingedunstet liessen
sie amorphe Ruckstande, die nieht krystallisiren wollten.
Der aus dem flockigen Gerbsaureniederschlage geschiedene Bitterstoff liess sich nicht vollkominen austrocknen ;
er wurde deshalb in einern wohlverschlossenen Glase mit
Aether behandelt, worin er sich theilweise loste und den
Aether gelb fArbte. Der im Aether unlosliche Theil
wurde mit Weingeist aufgenommen und in einer Porcellanschale im Wasserbade der Weingeist davon hinweggedunstet. Jetet blieb der Hitterstoff vollstandig trocken
zuriick.
Wir nennen diesen am 27. Juli 1863 von uns rein erhaltenen Bitterstoff der Sennesblatter Sennepikrin. Er stellt
einen dem Jalapenharz gleichenden luftbestandigen Korper
von braunlichgelber, zerrieben gelblicher Farbe dar, leicht
loslich in Weingeist, schwer loslich in Wasser, unloslich
in Aether. Von siisslich bitterem und erwbmenden Geschmack. Gerbsaure fallt die wasserige Losung des
Sennepikrins in gelblichweissen Flocken. Alkalien farben die wasserige Losung desselben riithlich, Eisenchlorid farbt sie griin. &lit verdiinnten Siiuren gekocht
spaltet sich das Sennepikrin in Zucker und ein stark arornatisch riechendes Btherisch - oliges Product.
Der neben dern Sennepikrin vorhandene, in Aether
losliche Korper blieb nach dern Verdunsten des Aethers
als eine braungefarbte, nicht austrocknende terpenthinartige
Masse zuriick, deren weingeistige Losung einen bittern,
und zugleich kratzenden Geschmack besass.
Beim Kochen der mit etwas Wasser vermischten
spirituosen Losung dieses S en n a c r o 1s mit verdiinnter
Schwefelsaure trat derselbe aromatische Geruch ein, wie
bei der Spaltung des Sennepikrins durch heisse verdiinnte
chemische Bestandtheile der Samen des Tazcmelloleka. 55
Sohwefelslure j als hierauf die Flussigkeit mit Kupfervitriol und Kalilauge gekocht wurde, fand eine Reduction
des Kupferoxyds zu Kupferoxydul statt. Dieser bis auf
Weiteres als Sennacrol vom Sennepikrin zu unterscheidende Korper hat mithin eine dem letzteren analoge Zuaammensetzung und wird wohl durch einen Mehrgehalt
an den atherisch-oligen Bestandtheilen und einen Mindergehalt an Zucker von dem Sennepikrin sich unterscheiden.
Diesem Weichharze ganz gleich verhielt sich der
Stoff, welcher aus der milchigen Gerbsaurefallung durch
Bleioxyd und Weingeist abgeschieden worden war.
Wir werden uns mit der weiteren Untersuchung des
Sennepikrins und seiner Begleiter beschaftigen.
Jena, im November 1863.
Untersnchnnaen uber die chemischen Bestandtheile
der Samen 6s Tanmellolchs (Lolium temulentw;
von
Dr. H. L u d w i g und L. S t a h l in Jena.
Die ersten genaueren Unterauchungen uber den
Giftstoff und die Bestandtheile des Taumellolchs wurden
yon L. F. B l e y 1834 (in Buchnep’s Repertorium fav di6
Pharmucie, Bd. 48. S. 169-200) veriiffentlicht. Er fand
im Lolchsamen:
11,0 Procent Pflanzenfaser
StGrkemehl
Gummi, rnit Aepfelslure, Salzsaure,
Schwefelsaure, Kalk und Kali
0,7
,, Zucker (krystallisirbarcn)
0,s
Kleber
0,65 ,,
Eiweiss
2,9
,, durch Salzsaure erzeugtes Gummi und
verhartetes Eiweiss
7,5
Chlorophyll
3,5
,, Weichharz
6,O
bittern E x t r a c t i v s t o f f , rnit selssauren und schwefelsauren Salzen
1,55
Extractivstoff mit apfelsaurem Kalk
20,O
Wasner. Aetherisches Oel, Ypuren
29,9
11,5
96,oo.
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
0
Размер файла
661 Кб
Теги
ueber, der, bitterstoffes, den, sennesbltter
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа