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Ueber den frischen Seidensaft.

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142
Ludwig,
Diese Arbeit ist in der General-Versammlung des Apotheker-Vereins am 13. September 11847 mit dem ersten
Preise belohnt worden.
Die Pcufi~ngs- Commission.
Dr. L. F. B 1 e y.
Dr. G e i s e l e r .
Dr.L.Aschoff.
Ueber den frischen Seideflsaft ;
von
Dr. H e r n i . L u d w i g ").
-
In Jena's Umgegend findet sich hier und da der
weisse Maulbeerbaum (illorus alba) angepflanzt ; es sind
junge liraftige Stamme, welche aus einer Zeit herstammen, wo von Preussen aus die Anregung zur Einfiihrung
der Seidenzucht in Deutschland gegeben wurde. In Thiiringen blieb bis jetzt dieser Industriezweig in der Kindheit,, fur Jena jedoch wurdc im vorigen Jahre der Beweis
geliefert, dass hier so gut, wie in ltalien und Frankreich
mit Vortheil die schonste Scide gezogen werden konne,
vorausgesetzt, dass die Seidenzucht rationell betrieben wird
und Maulbeerblhtter in hinreichcnder Menge zur Futterung
dcr Raupen vorhanden sind.
Herr v. T r e n t o vi u s aus Memel, Mitglied des hiesi;>)Die im Sonimer des vorigen Jahres uns dargebotene Gelegenheit,
die Seidenzucht in ausgezeichneter Weise ausgefBhrt zu sehen,
veranlasste mich, Urn. v. T r e n t o v i u s uin littheilung mehre-
rer, die Seidenzucht betreffender Gegenstande zur chemischen
Untersuchung zu bitten ; denn es schien rnir, als sei noch manche
darauf beziigliche Frage durch die chemische Analyse zu erledigen. IIr. Dr. L u d w i g , clamals Assistent am hiesigen pharm.chemischen Institute, verfolgte dann den Gegenstand weiter. Die
gewonnenen Resultate hat derselbe bereits in einem Vortrage
bci der vorigjiihrigen General -Versarnmlung des norddeutschen
Apolhelcer-Vereins in Jena mitgetheilt. Dieselben werden in
dcr gegenwsrtigen Zusarnrnenstellung auch unsern Lesern willkommen sein.
H. W r .
iiber den frischen Seidensaft.
1Q3
gen landwirthschaftlichen Instituts, brachte aus der Lombardei, wo er sich langere Zeit aufgehalten, und dort die
Seidenzucht bei ausgezeichneten Seidenzucbtern kennen
gelernt hatte, Eier des Bombyx mori (der Seidenmocte),
sogenannten R a u p e n s a m e n mit, und beschloss, als er
den weissen Maulbeerbaum hier angepflanzt fand, den Versuch zu machen, J e n a i s c h e Seide zu ziehen. Seine
Bemiihungen wurden mit dem besten Erfolge gekront.
Vom 29. Mai 1847 an, wo die Raupchen aus den Eiern
schliipften, bis zum 28. Juni, also innerhalb 30 Tagen, wahrend welcher nur zu Anfang geheizt werden musste, um
die Zimmertemperatur bestandig auf 1G-ZOO R. .zu erhalten, 'hatten sie gegen 1300 Pfd. frische Maulbeerblatter
verzehrt und begannen sich einzuspinnen. Die Menge der
gehorig ausgebildeten Cocons im frischen Zustande vor
der Todtung der Puppen durch heisse Wasserdampfe betrug beinahe 100 Pfd. preuss. Gew. Die Anzahl der Cocons
mag gegen 2,1,600 Stuck hetragen haben.
Kurz vor dem Binspinnen betrug das Gewicht solcher Raupen, welche sich vollig ihrer Excremente entledigt hatten, 4,7 Grm. im Miltel von vier Wagungen. Unter
denjenigen Raupen, welche. noch frassen, die aber ebenfalls bald ans Einspinnen gehen wollten, wogen manche
6,4 Grm., das Durchschnittsgewicht (aus funf Wagungen)
der noch fressenden ausgebildeten Raupen betrug 5,s Grm.
108 frische Cocons wogen ;Pfd. preuss. Gew. oder 233,8
Grm., mithin ein Cocon 2,165 Grm. Ein unversehrter trockner
Cocon, dessen Puppe durch Wasserdampfe getodtet wurde,
mog nach zehnmonatlichem Aufbewahren, also vollig lufttrocken, 0,582 Grm. Ein 'aufgeschnittener, leerer, lufltrocknes Cocon wog 0,333 Grm.
Diese Gewichtt: stimmen sehr gut mit den Angaben
des Grafen D a n d o I o uberein, nach welchen 1000 Unzen
Gespinnst bestehen aus 842 Unzen lebendigen Puppen,
4 ) Unzen Raupenbalgen und 153; Unzen reinem Gespinnst.
(Dnndolo, del arte di governare i bachi d a seta. Ed. 3
Milano 1819. 8.)
Nach dem Zeugniss des Berliner Seidehandlers, an
164
Ludwig,
welchen die Cocons verwerthet wurden, waren es die
schonsten, welche ihm im vorigen Jahre zum Kauf gebracht wurden.
Die Aufziehung der Raupen geschah im Zimmer auf
neben und iiber einander angebrachten Hurden. Die Erhaltung der Reinlichkeit wurde sehr zweckmassig durch
Bindfadennetze, die auf holzerne Rahmen gespannt waren,
bewirkt. Durch einfaches Auflegen der mit frischen Blattern uberstreuten Netze auf die mit Raupen bedeckten
Hiirden Less sich leicht eine Sonderung der Raupen von
den Excrementen und Blattiiberresten bewirken ; denn die
gefrassigen Thiere begaben sich alsbald hinauf zu den
frisch aufgedeckten Blattern und die Hurden konnten nun
leicht gesaubert werden. Ein iibler Geruch war wahrend
der ganzen Dauer der Aufzucht durchaus nicht zu bemerken, und von den mannigfaltigen Krankheiten, welche mitunter die Raupen heimsuchen, von der Schwarzsucht bis
zum Calcino, waren dieselben ganzlich verschont geblieben.
Eine Untersuchung des frischen Seidensaftes schien
mir nicht unniitz zu sein, da meines Wissens in neuerer
Zeit nichts dariiber bekannt geworden ist; denn Muld e r ' s Untersuchungen der Seide beziehen sich auf die
Seidenfaden, und nicht auf den Seidensaft, d. h. die frische unveriinderte Seidensubstanz.
0 k e n ( i n seiner All-qern. Naturgesch. fur alle Slande,
Stuttgart 1836, 5. Bd. 3. Abth. S. 1068 f f ) sagt uber, den
Seidensaft etwa Folgendes: ))Die Seide ist der in feine
Faden ausgezosene, an der Luft schnell erhartende Speichel der Seidenraupe ; letztere webt sich daraus einen langlich eifijrmigen, in der Mitte etwas eingeschniirten, weissen,
gelblichen oder grunlichen, zolllangen, halbzollbreiten Cocon,
der beim Aufhaspeln einen oft 900 Fuss langen (nach Messungen von Ma 1 p i g h i und L i o n n e t ) Faden, den Seidenfaden liefert. Nach Aussen ist der Cocon mit einer lockern,
netzartis verfilzten Hiille umgeben, welche zu Floretseide
verwendet wird, dann folgt der vier- oder fiinffach iibereinander gewickclte Seidenfaden, welcheP sich bis auf die
innerste Schicht abhaspeln lasst.
iiber den frischen Seidensaft.
145
Die Seidenmaterie ist kein den Seidenraupen eigenthumlicher Saft, sondern nichts Anderes als Raupenspeichel, welcher in zwei sehr langen blinden Rohren abgesondert wird, die an den Seiten des Darmes hin und her
gewunden liegen und fast die ganze Bauchhohle ausfullen.
Vorn offnen sie sich dicht neben einander, jeder in einer
kleinen Warze, ausserhalb der Unterlippe, gleichsam am
Kinn. Aus diesen beiden Warzen dringt der flussige Saft
hervor, erhartet an der Luft sogleich, beide Faden kleben
aneinander und bilden so den Seidenfaden, der unter deni
Vergrosserungsglase deutlich die beiden aneinander geklebten plat.tgedruckten Fadchen erkennen Iasst. Vor dem
Einspinnen sind die Seidenschlauche strotzend voll von
einem gelblichen, dicken, zahen Saft ; dieser gleicht eineni
erweichten Gummi oder einem dicken Syrup. Mit Wasser zusammengebracht, farbt er dasselbe gelb, in siedcndem Wasser wird er nicht flussiger, in Brannlwein erhartet er. An der Luft vcrtrocknet er augenblicklich, liisst
sich alsdann weder durch Warme, noch durch Wasser
oder eine andere Flussigkeit erweichen. In der Flamme
vertrocknet er und brennt endlich mit Prasseln und Gestank
wie Horn. Wurde die Raupe damit, statt Faden zu ziehen, Oberfliichen uberschmieren, so wurden diese ohne
Zweifel wie mit dem schonsten Lack uberzogen aussehen.((
Den von 0 k e n angegebencn physikalischen Eigenschafien der Seidenmaterie habc ich nur wenig hinzuzufugen. Herr v. T r e n t o v i u s stellte mir hereitwilligst eine
Anzahl ausgewachsener Seidenraupen zur Verfiigung, uni
mit dem frischen Seidensafte derselben sogleich Versuchc
anstellen zu konnen.
Die frisch aus dem Korper der eben im Einspinnen
begiffenen Raupe genommenen Seidenschlauche sind hochstens taubenfederkieldick, mit bernstein- bis goldgelbem,
glasartig durchsichtigem, dickem, ziihem Safte erfullt. Mit
kaltem Wasser geschiittelt, fsrben sie dasselbe goldgelb ;
clamit zum Sieden eihitzt, geben sie ihren Inhalt ganzlich
an dasselbe ab. Die zuruckbleibenden farblossn Haute
betragen im Vergleich zu ihrem Inhalte nur wenig. Die
1,l
Arch. d . Pharm. CIV. Bds. 2 . lilt.
4 56
L udiuig ,
wiisserige Losung des Seidensaftes schaumt beim Erhitzen
zum Sieden stark, o h n e a b e r i m M i n d e s t e n z u g e r i n n e n . Sie enthalt demnach kein Eiweiss. Sie reagirt
vollig n e u t r a1 gegen Lackmus- und Curcumapapier. Beim
Eindampfen in der Platinschale hinterbleibt ein schaumiger, weisser Rucksland, welcher bei starkerem Erhitzen,
unter Verbreitung eines Geruchs nach versengten Federn,
vcrkohlt und erst bei langerem Gliihen vollig verbrennt,
ohne merkliche Mengen von Asche zu hinterlassen.
In einem verschlossenen Glase 36 Stunden sich selbst
iibcrlassen, erstarrt die wasserige Seidensaftlosung zu e i n e r
z i t t e r n d e n G a 11e r t e, welche mit mehr Wasser geschuttelt, selbst beim Sieden sich n i c h t v o l l i g wieder lost.
Ein Tropfen der heissen Losung vermittelst eines Glasstabes herausgenommen, erstarrt wahrend des Herabfallens
theilweise zu einem Seidenfaden, an welchem der iibrige
Theil des Tropfens hangen bleibt.
Setzt man zu der frischen wasserigen Seidelosung
e i n e n Tropfen verdunnter Salzsaure, oder Salpetersaure,
Schwefelsaure oder Essigsaure, so scheidet sich die Seide
als ein flockig zahes, zusammengeballtes Ge r i n n s e 1 an
der Oberflache dcr Flussigkeit ab, welches sich auch bei
weiterm Zusatz yon Sauren in der Kaltc n i c h t wieder
liist. Fugt man im Gegentheil sogleich v i e 1 Essigsaure
oder verdunnte Salpetersaure, Salzsaure oder verdunnte
Schwcfelsaure hinzu, so bleiht das Gemisch vollig klar und
diinnflussig, erstarrt aber nach einigen Stunden zu einer
Gallerte.
Kocht man die gefullten Seidenschlauche mit concentrirter Salzsaure, so enlsteht eine schmutzig - violette Auflosung, welche nach einigem Stehen einen briiunlich - gruneii Bodensatz giebt. Die vom Seidensaft durch Ausziehen
mit Wasser befreiten Schlauche geben mit Salzsaure gekocht nur eine gelbliche Flussigkeit. Der frische Seidensaft zeigt mithin gegen c o n c e n t r i r t e S a l z s a u r e ein
den eiweissartigen Korpern oder Proteinsubstanzen ahnliches Verhalten.
Kaliumeisencyaniir giebt weder in der reinen wasse-
uber deli frischen Seidensaft.
1Q7
rigen Seidelosung, noch in der sogleich mit vieler Essigsiiure versetzlen, noch in der ammoniakalischen Losung
eine Veranderung zu erkennen. Durch diese Nichtfallbarkeit durch Blutlaugensalz unterscheidet sich der frische
Seidenstoff wesentlich von Fibrin, Albumin und Casein,
uberhaupt von den Proteinstoffen.
Quecksilbersublimat giebt weder in der reinen, noch
in der sogleich mit vie1 Essigsaure versetzten Auflosung
einen Niederschlag. Auch Alaunlosung, Kalkwasser, unterchlorigsaures Natron nebst Salzsaure bewirken keine Niederschlage. Salpetersaures Silberoxyd ebenfalls keine
Reaction, auch nicht auf Zusatz von Aetzammoniak. Auf
Zusatz von Salpetersaure bildet sich ein zaher, am Lichte
braunroth werdender Niederschlag.
Gerbsaurelijsung oder Gallapfelaufguss geben in geringer Menge oder im Ueberschuss zugcsetzt, einen flockigzahen, dem gerbsauren Leim ahnlichen Kiederschlag.
Neutrales essigsaures Bleioxyd, Kupfervitriol bringen
gallertartige Gerinnuns hervor.
Aetznatronlauge bewirkt keine augenfallige Veranderung in der wasserigen Seidelosung ; auf Zusatz einiger
Tropfen Kupfervitriollosung entsteht nur theilweise Fallung
von Kupferoxydhydrat, ein Theii des letzteren bleibt gelost
und farbt die Flussigkeit violett. Beim Kochen dieser violetten alkalischen Fliissigkeit entsteht durchaus keine Abscheidung von Iiupferoxyd oder Kupferoxydul. Schwefelwasserstoff schlagt aus dieser Losung das Kupfer als
Schwefelkupfer nieder. (Leimlijsung verhalt sich gegen
Kali und Kupferoxyd ahnlich.)
Die mit Aetznatronlauge gekochte Seidenlosuns entwickelt, mit Salzsaure angesauert, durchaus keinen Schwefelwasserstoff. Wenn nun auch letzterer Versuch nicht die
ganzliche Abwesenheit des Schwefels beweist, so zeigt er
doch, dass die Mengcn des Schwefels im Scidenstoff geringer sind, als im Leim, Legumin, und noch weit geringer
als z. B. im Eiweiss.
Yon den Proteinsubstanzen unterscheidet sich der
frischc Seidenstoff dadurch, dass seine wasserige Auflosung
19 *
4 58
Ludwig,
in der Siedehitze nicht gerinnt und durch Kaliumeisencyanur und Sublimatlosung nicht gefallt wird.
Vom Leim (Glutin, Knochenleim) dem er naher steht,
als den Albumindiden, unterscheidet er sich durch seine
Fallbarkeit durch Sauren, durch sein indifferentes Verhalten gegen unterchlorigsaures Natron und durch seine Fallbarkeit durch essigsaures Bleioxyd und Kupfervitriol.
Dem Chondrin (Knorpelleim) steht der Seidenstoff in
chemischer Hinsicht am nachsten. Ausser der Eigenschaft'
des Seidenstoffs, beim Stehen seiner wasserigen Losung
zu einer zitternden Gallerte zu erstarren, mit Gerbsaure
einen zahen Niederschlag zu geben, durch Kaliumeisencyanur nicht gefallt zu werden, in der Hitze nicht zu
gerinnen, welche Eigenschaften sowohl Chondrin als Glutin mit ihm theilen, hat der Seidenstoff mit dem Chondrin
noch das Gemeinsame, durch neutrales essigsaures Bleioxyd gefallt zu werden. Auch wird Chondrin durch Essigsaure gefallt, wie der Seidenstoff; nur lost es sich im
Ueberschuss der Essigsaure nicht auE Ein Hauptunterschied liegt darin, dass Chondrin durch Alaunlosung, unterchlorigsaures Natron und SublimaE gefallt w i d , was beim
Seidenstoff nicht der Fall ist.
In einem Puncte sind Fibrin und Seidenstoff einander
sehr ahnlich. Beide treten in fliissiger Form aus dem
Korper des Thieres; sobald sie aber mit der atmospharischen Luft in Verbindung kommen, verandern sic rasch
ihre Beschaffenheit und werden Sanz oder theilweise ini
Wasser unloslich. Welche Ursache diese Umwandlung
bewirkt, welche Veranderungen Fibrin und Seidenstoff dabei
erleiden, ist noch zu untersuchen. Beim Seidenstoff ist es
wahrscheinlich, dass eine beginnende Sauerung diese Gerinnung hervorruft, ahnlich wie cs fur die Gerinnung des
Caseins der Milch schon lange bekannt ist.
Leim und Eiweiss sind in dem frischen Seidensafte
nicht vorhanrlen; da M u l d e r diese Stoffe in der rohen
Seide fand, so miissen sie durch Zersetzung der ursprunglichen Substanz, des Seidenstoffs, entstanden sein, ebenso
wie sein Fibrdin, der Hauptbestandthcil der Seide.
.
iiber den frischen Seidensafi.
149
Nach M u l d e r besteht die rohe Seide aus:
a.
Seidenfaserstoff od. Fibrin 53,37
Leim
20,66
Eiweiss
23,43
Wachs
1,39
Farbstoff
0,05
Fett und Harz
0,lO
100,oo
...........
..........
..........
.........
......
-
-
b.
53,01
19,08
25,47
1,li
0,OO
0,30
100,oo.
a. ist gelbe neapolitanische Seide; 6 . ist weisse rohs
levantische Almasinseide. (Poggend. Annal. 1836. H. 14.)
Durch Behandlung der rohen Seide mit Alkohol, Wasser und Essigs3ure zog Mu1 d e r Farbstoff, Fett, Leim und
Eiweiss aus. Die in jenen Losungsmilteln unliisliche Seidenfaser nennt er Fibro'in, und fand sie zusammengesetzt
entsprechend der Formel C J9 H 3'NtiOO1'. Die Aehnlichkeit
mit dem Leim ergiebt sich aus dieser Formel, denn
3 Aeq. Leim (= C 1 3 H l"N * O 5 , =C 3 9 H 3ON60 5 ,
+ W'asser
+ Sailerstoff
i Aeq. Fibroi'n
11
0
0
-
C39H3IN6017.
Das Fibro'in, welches M u l d e r auch in den Herbslfaden und C r o o c k e w i t t in dern Meerschwamm nachweist, besitzt Eigenschaften, welche mit denen des frischen
Seidenstoffs nicht ubereinstimmen. Das Fibroin ist in
Wasser, Essigsaure und Ammoniak unloslich, in Aetzkalihuge unter Zersetzung aufloslich, desgl. in concentrirter
Schwefelsaure, Salzsaure und Salpetersaure. Die verdhnnten sauren Auflosungen werden durch Gallapfelaufguss
(Gerbsaure) gefallt. Schwefel giebt M u 1 d e r nicht als
Destandtheil des Fibro'ins an; da aber nach ihm die rohe
Seide Leim und Eiweiss enthalt, so muss der frische Seidensaft Schwefel enthalten. M u 1d e r fuhrt jedoch unter
den Resultaten seiner Analysen des Seidenleims und Seideneiweisses keinen Schwefel auf.
Das Fibro'in ist nach M u l d e r unter die Hauptbestandtheile des Organismus der niedern Thiere zu zahlen und
ersetzt bei ihnen vielleicht den Blutfaserstoff der hohern
150
Ludzcig,
Thierclassen. Seine Betrachtungen uber das Fibroin schliesst
M u l d e r mit den Worten: ))Urn ubrigens die Metamorphose der Stoffe des thierischen Korpers einmal kennen
zu lernen, rnussen wir zuerst die Bestandtheile der einfac!;
organisirten Thiere untersuchen. Von den chemischen Verbindungen, die in den Insekten vorkomrnen, wissen wir
fast gar Nichts, und doch bietet diese Thierclasse wegen
ihres eigenthumlichen Charaktcrs mehr Interesse dar, als
alle andere.((
Es moge rnir erlaubt sein, nocli einige Bemerkungcn
iiber mehrere andere flussige und fest'e Abscheidungen der
Seidenwurrner, so wie uber die Bestandtheile der Waulbeerblatter rnitzutheilen.
Urn seiner engen, dicht gewebten EIiille entschlupfen
zu kiinnen, bedient sich der ausgebildete Seidenfalter eines
schwach gelblich gefiirhten Saftes, mit welchem er das eine
Ende des Cocons durchfeuchtet und dadurch das Gespinnst
so auflockert, dass er mit einiger Anstrengung gewohnlich
fiiihmorgens zwischen b und 6 Uhr sich hindurch ins Freie
zwiingen kann. Die Leichtigkeit, mit welcher jener Saft
das dichte Seidengewebe anfzulockern vcrmag, macht die
Frage nach seinen Bestandtheilen interessant. Er reagirt
schwach und kaum merklich alkalisch, wird beirn Aufbewahren schwarzbraun, liefcrt beirn Austrocknen einen
schwarzen Ruckstand, der beim Gluhen 74 Pro c. r e in e s
k o h l e n s a u r e s K a l i hinterlasst. Die organische Saure,
welche mit dem Kali verbunden war, liess sich wegen
der geringen Menge des zu Gebote stehenden Saftes nicht
ermitteln. Aus dieser Thatsachc erklart sich eine den
Seidenzuchtcrn hochst unangenehme Beohachtung. Zuweilen namlich werden die Cocons ganz schwarz in Folge
des Hinsterbens der Puppe. Hochst wahrscheinlich scheidet sie vor ihrem Tode jenen kalireichen Saft aus, der die
Bildung von Huminsaure oder einer andern braunen Modersaure bedinst, welche, den Cocon durchdringend, die Seide
verdirbt. In der Praxis sucht man nach einern Mittel, um
die Seide von den Cocons in der K8lte abhaspeln zu kon-
iiber den fi-ischen Seidensaft.
nen. Zwar ist dies einigen Fabrikanten gelungen, doch
machen sie ein Geheimniss aus ihrem Verfahren. Die
iibrigen Seidehaspler bedienen sich noch des heissen Wassers, um den Seidenfaden abwickeln zu konnen, was fur
die Arbeiterinnen hochst Iastig ist. Auf meinen Vorschlag
versuchte Hr. v. T r e n t o v i us, unter Anwendung einer kalt
bereitelen Auflosung des doppelt kohlensauren Kalis einige
Cocons abzuhaspeln,aberohne gunstigen Erfolg. Als statt des
doppell kohlensauren Kalis einfach kohlensaures Iiali angewandt wurde, gins zwar das Abhaspeln in der Kiilte
vor sich, aber der Scidcnfaden riss mehrere Male, ein
Beweis, dass derselbe durch das kohlensaure Kali aufgelockert wurde. Weitere Versuche wurden in dieser
Richtung nicht angestellt. Vielleicht wiirde sich lauwarmes Seifenwasser zu diesem Zwecke anwenden lassen.
Eine andcre Flussigkcit, welche von dcn Raupen von
Zeit zu Zeit neben den festen Excrementen kurz vor dcm
Einspinnen entlecrt wird, enthielt neben einer unbestininiten organischen Subslanz Chlorlialium, aber iC e i n e Hamsiiure, mlic man ~ ~ 0 1 1hin
1
und wieder angegcben findet.
hIit eiwas Salpetersiiure auf einem Chrschiilchen eingedickt, zeigt sich weder beirn Trockenwerden und starkcrem Erhitzen, noch bei Ammoniakzusatz irgend eine rothe
Farbung von Murexid, welches doch hier entstehen musste,
wenn Harnsaure vorhanden wiire.
Die Excremente, welche von den Soidcnwurmern in
Masse ausgestossen werden, sind walzenfiirmige, Iangsgefurchte, an beiden Seiten die Form eines sechsstrahligen
Sterns zeigende, nach Illaulbeerbliittern ricchende Korper&en, welche sich im Wasser zu einem Brei vertheilen
lassen, der aus lauter feinzertheilten Maulbeerblattern besteht. Sie sind schon grun gefiirbt, geben an Aether Blattgrun ah, verlieren bei 1OOOC. getrocknet 61 Proc. Wasser.
Beim Einaschern in der Platinschale hinterlassen die frischen Excremente 6,3 Proc. weisse Asche (dies betragt
auf die getrockneten Excremente 16 Proc. Asche), welche
grosstenlheils aus kohlensaurem Kali, Chlorkalium und
kohlensaurem Kalk, mit etwas phosphorsaurem Kalk und
4 59
Ludwig,
geringen hlengen von Talkerde und Schwefelsaure bestand,
mithin ganz den Charakter einer Pflanzenasche besass.
Durch Abzug der 64 Proc. Wasser und der 6,3 Proc.
Asche erhalt man 32,7 Proc. organische Substanz in den
Seidenwurm-Excremen.ten, die griisstentheils aus Holzfaser,
griin gefiarbt durch Chlorophyll, besteht. Etwa 5 Proc.
dieser organischsn Subslanz bestchen aus in Wasser liislichem Extract und in Wasser aufquellendern Schleim.
Der wasserige Auszug der Excremente war braun
gefarbt und reagirte neutral. Bleizuckerlosung, Eisenchlorid, Kupfervitriol, Kalkwasser, Chlorbaryum, Silbersolution
gaben flockige, braunlich gefiirbte Niederschlage. Zusatz
von Essigsaure, oder Salzsaure, oder Schwefelsaure brachte
nur geringe Trubung hervor, aber nach Zusatz von iiberschussigem Kochsalz zur angesauerten Flussigkeit schieden sich. an der Oberflache zahe graue Flocken ab und
die Flussigkeit wurde fast entfarbt.
Frisch bereitete Hausenblasenlosung veranderte den
wasserigen Auszug nicht, auf Zusatz von einigen Tropfen
Essigsaure entstand ein zaher flockiger Niederschlag.
Gereinigte' Thierkohle mit dem wiisserigen Auszuge
in der Iialte geschuttelt, bewirkt nach kurzer Zeit viillige
Entfarbung der Flussigkeit. Diese Reactionen sprechen
dafur, dass der wasserige Auszug der Seidenwurm-Excrernente eine Siiure aus der Classe der H u m i n s a u r e n
enthal t *).
Eine qualitative Analyse der 13 1 a t t e r d e s w e i s s e n
M a u 1 b e e r b a u m s ergab als Bestandtheile : Pflanzenalbumin, Aepfelsaure, Phosphorsaure, Sclileim, Zucker, Chlorophyll, Holzfaser , Wasser und unorganische Salze, alles
Substanzen, welche fast in keinem Blatte dikotyledonischer
Pflanzen fehlen. Die chemische Zusammenselzung erklart
hier durchaus nicht, warum die Seidenraupen nur Maulbeerblatter, und keine anderen vielleicht noch zartere Blatter fressen. Da anzunehmen ist, dass das Pflanzenalbu") Vergl. W a ck e n r o d e r, Charakteristik der stickstofffreien orga-
nischen Situren. Jena, 1811. p. 21.
uber den frischen Sea'densafl.
1ti3
min die Grundsubstanz ist, woraus die Seidenraupe ihren
Seidensaft bereitet, so wurden einige Versuche damit angestellt. Aus dem frisch ausgepressten Maulbeerblattersafte wird das Pflanzenalbumin vollstandig durch Erhitzen
zum Sieden ausgeschieden, und nach dem Filtriren findet
man durch Reagentien, z. B. durch Blutlaugensalz und
Essigsaure, keine Proteinstoffe mehr im Safte. Fugt man
aber zu dem kalt ausgepressten Safte sogleich Essigsaure,
so fallt (ahnlich wie das Legumin, das Thiercasein, der
Seidenstoff) alles Pflanzcneiweiss des Saftes nieder. Ein
Ueberschuss von Essigsaure vermag diesen Niederschlag
nicht wieder aufzulosen; auch in uberschussigem Ammoniak lost es sich nicht auf. Dieses Maulbeerblatteralbumin
entwickelt mit Aetzkalk gegluht vie1 Ammoniak, enthalt
also Stickstoff; mit Aetznatronlauge gekocht, lost es sich
zu einer braunen schaumenden Flussigkeit auf, die rnit
Salzsaure neutralisirt, grauweisse Flocken abscheidet und
Schwefelwasserstoff entwickelt. Each der Reinigung dieses Pflanzcneiweisses durch Behandlung mit Aether, Alkohol und Wasser lieferte dasselbe beim Verbrennen gegen
7 Proc. Asche, welche neben Kalk eine ziemlich bedeutende Menge K i e s e 1 e r d e enthalt. Sol1te nicht die Gegenwart der Kieselerde in aufgeloster Form in dem Blattersafte das eigenthumliche Vcrhalten dieses Maulbeerblatteralbumins bedingen, namentlich seine Unloslichkeit in Essigsaure und Ammoniak? Aehnliche Erschcinungen bietet
die Gruppe der Schleime dar, unter denen das Bassorin
nach C. S ch m i d t ' s Untersuchungen seine Unloslichkeit
in Wasser lediglich einem Kalkgehalt verdankt.
Auch die frischen, kalt ausgepressten Safte von Mercurialis annua, Aristolochia Sz$ho, Georginenblattern, Runkelrubenblattern , ferner der frische Saft der Kartoffeln
lassen auf Zusatz von Essigsaure alles oder den grossten
Theil ihres Pflanzenalbumins fallen, wahrend der frische
Saft von Blattern der Attemisia Dracunculus durch' Essigsaure nicht gefallt wird ").
") Ueber das sogenannte vegetabilische Eiweiss in diesen Pflanzensaflen sind rnehrfdche Versuche irn Laboratorio des pharrnaceu-
454
Ludwig, iiber den frischen Seidensaft.
Bei Vergleichung der Zusammensetzun,a der frischen
Maulbeerblltter mit derjenigen der feslen Excreniente der
Seidenraupen findet man, dass besonders das Pflanzeneiweiss i n den letztern fehlt, und an die Stelle der Aepfelsaure sieht man jene huminsaureartige Saure treten. Bei
einem directcn Versuch mit dem fur sich im Wasscr unloslichen ~~aulbeerhlatteralbumin,wobei das letztere mit
Wasser ubergossen etwa 9 4 Tage bei gewohnlicher Sommertemperatur sich selbst iiberlassen blicb, wurde eine
fast vollstandige Losung dieses Pflanzenalbumins erhalten,
ohne dass Schimmelbildung eingetreten ware. Beim Filtriren blieb nur eine geringe Menge ungeloster Suhstanz
zuruck. Nur zu Anfang des Vcrsuchs zeigte sich ein stinkender Geruch, spater wurde die Flussiskeit geruchlos,
schleirnig und reagirte neutral. Diese wasserigen LosunSen wurden beim Erhitzen zum Sieden nicht verandert;
Salpetersaure , Kaliunieisencyanur , Quecksilbersublimat,
Gerbsaure , Essigsaure bewirkten darin durchaus keine
Fallung mehr, Proteinsubstanzen konnten deshalb nicht
mehr voi-handen sein. Bleizuckerlosung, Kupfervitriol brachten starke Niederschliige hervor. Es war also beim Faueine iihnliche Saure en[len des ~laulbeerbl~tteralbnmins
standen, wie diejenige, welche im wiisserigen Auszug dcr
Excrernente vorhanden war.
Die verschiedenen mehr oder weniger braungefiirbten
Stoffe saurer Natur, welche man mit einem Collectivnamen
Humussauren bezeiclinet, stehen in dirccter Verbindung
mit den Proteinstoffen oder eiweissartigen Korpern, und
nur durch ein weiteres aufmerksames Stodiurn dieser vielen organischen Verbindungen wird vielleicht etwas Klarheit in den von neucm erhobenen Streit uber die Natur
der den Thierkorper constituirenden Proteinverbindungen
kommen.
tisch-chemischen Instiluts zu Jena in1 Laufe des vorigen Somniers angestellt worden, iiber welche deinnlchst berichtet werden soll.
11. Wr.
-*--
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