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Ueber den Geheimmittelschwindel im Allgemeinen und das Euchlorin des Dr. Meitzen insbesondere

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221
IT.
Geheimmittel; Toxikologie.
Ueber den Geheimmittelscliwindel im Allgemeinen
und Bas Enchlorin des Dr. Mcitzen insbesondere.
Von Dr. H e r m . V o h l in Coln.
Zu allen Zeiten hat der Geheimmittelschwindel bestanden
und kein Volk der alten Zeit und Jetztzeit ist demselben fromd
geblieben. Alle sind mehr oder minder diesem hochst eintriiglichen, aber verabscheuungswiirdigen Betruge in der einen
oder der anderen Porn1 ausgesetzt gewesen.
Die Gewinnsucht und die Unverschiitntheit auf der einen,
die Unwissenheit, der Aberglaube und die Leichtgliiubigkeit
auf der andern Yeite waren von jeher die machtigsten
Stiitzen desselben.
Mit dem Fortschritt, welchen die mediciniechen Wissenschaften , unterstiitzt yon den wichtigen und weittragenden
Entdeckungen der Naturwissenschaften , erfuhren, hatte man
a priori annehmen sollen, dass diesem schamlosen, gefghrlichen
und betrugerischen Treiben des Geheimmittelschwindels ein
Ziel gesetzt wiirde.
Die Erfahrung zwingt uns aber leider EU dem Bekenntnisse, dass der Aufschwung, den diese Wissenschaften im
,411gemeinen und im Besondern die Chemie machtcn , diesem
verderblichen Treiben nicht steuerte , sondern im Gegentheil
demselben gleichsam in die Hiinde arbeitete und dass mit
diesem Fortschritt sich die Zahl der Geheim- und Priiservativmittel vermehrte, dass die Quacksalberei und die Charlatanerie in bedenklicher Weise zunahmen.
222
Ueber den Gekeini111itt~l6ehwindol
im Allgcmeinen ete.
Jcdes Licht verbreitct einen Schatten um sich her, welcher um so dunkeler sein wird, j e heller sein Leuchten ist.
So hat denn auch der Fortschritt, den die Natur- und medicinischen Wissenschaften erfuhren, neben dem vielen GuLcn
manches Bose ins Leben gerufen.
Seitdem die Lehren der Naturwiseenschaften und beeondcrs die Chemie in weitern Kreisen Eingang gefunden haben,
klagt man uberall ubcr die immer mehr und mehr uberhandnehmenden Verfalschungen der nothffcndigsten Lebensbedurfnisse und iiber das Auftreten unzahlbarcr Praservativ - und
Geheimmittel.
Dass diese Klagen hinreichend begriindet sind , unterliegt
heinem Zweifel, man wiirde jedoch unrecht handeln , wollte
man der Chemie allein die Schuld autbiirden.
Es ist die gleichsam krankhaft gesteigerte Gewinnsucht
dcs Menschen, die, mit einer unbegrenzten Unverschamtheit
gestiihlt , sich die Unwissenheit, den Aberglauben und die
Luichtglaubigkeit des Publikums zu Nutzen macht , um ohne
grosse Jliihe und schnell in den Besitz von Reichthiimern zu
gelangen.
Die Chemie ist es aber auch, welche alle diefie Missgeburten der Schlauheit brandmarkt und jeden Schlupfwinkel
durchstobert, um der gefiissentlichen Tiuechung und dcr
Heuchelei die Naske zu entreissen, UN sie dem Publikum in
dcm wahren Lichte zu zeigen, gerade so, wie sie dem Giftruorder zwar das Xittel zu seinem Verbrechen in die Hand
giebt, ihn aber auch seines Verbrechens iiberfuhrt und der
gerechten Strafe zufihrt.
Welchen Scharfsinn man auch immerhiu anwenden niogc,
die Chemie versteht es meistcrhaft, den Betriigcr, wenn er
anf' Kosten der Chemie gcsiindigt hat, zu entlarven.
Wenn man die Gehcim- und l'rkervativmittel, welche
heutigen Tages feilgeboten werden , zusammenstellt , so findet man, dass es kein Land der Erde glcbt, welehee nicht
gegen cine jede Krankheit, gegen ein jedes Leiden eine
Unzahl sogenannter Heil- und Priiservativmittel aufzun &en
hatte.
Ueber deli Geheiruinittelechwindel in Allgenwinen etc.
223
ReHlisse aber auch nur der hundertste The8 dieser angepriesenen ;\.iittel n u r die Hall'te der ihneu angedichtetell und
nachgeruhmten Hcil- uiid Schutzkrifte, es diirften dann auf
unserer weiten Xrde keine Krankheiten mehr existiren und
das Aiiftreten der Epidemien ware zur reinen Unmoglichkoit
geworden; die Aerzte waren uberflussig und konnten die
1Iiinde in den Schooss legen.
Aber abgesehen davon, dass die meisten dieser gepriesenon Mittel einer jeden Heil - oder Schutzkraft entbehren, giebt
es viele darunter , welche wirkliche Gifte oder Substanzen
enthalten, die einen nachtheiligen Einfluss auf die Gesundheit
des Menschen ausiiben konnen und nicht allein das Uebel
nicht hehen, sondern zu dem urspriinglichen Leiden oft neue
hinzufugen, welche den Organismus ierriitten und schliesslich
haufig den Tod zur Folge haben.
Die grosse, oft nicht im Entferntesten geahnte Gefahr, in
welche der Gebrauch dieser sogenannten Heil - und Prilservativmittcl den Xenschen stiirzt, macht es einem jeden
Kundigen und Sachverfitiindigen zur Pfficht, derartige Schwindelcicn aufzudecken und das Publikum vor diesen falechen
Propheten zu warnen, wodurch dann auch die betreflende Behorde in den Stand gesetzt wird , diesem unheilbringenden
Unfug zu steuern. Hier in Coln sind in neuerer Zeit mehre sogenannte
Praservativ - und Heilmittel aufgetaucht , die eine besondere
Beachtung verdienen und welche ich einer griindlichen Untersiichung unterworfen habe.
Vor allen andern halte ich es !iir nothwendig, ein Geheimmittel, welches gleichsam ein U n i v e r s a l - P r a s e r v a t i v - Mi t t e 1 reprasentiren 8011, einer tiefen einschneidenden
BeHprechung , vom wissenschaftlichen Standpunkte aus , zu
iinterwerfen, weil eben der Fabrikant sich mit fieinem w i s s e n s c h a f t l i c h e n S t a n d p u n k t e b r i i s t e t und sich mit
eineiu W i s s e n s c h a ft 8 - S c h w i n d e l - N im b u Y urngiebt,
durch welchcn das Publikum irre ge!uhrt wird und grosses
Unheil angerichtet werden kann. Es ist der E u c h l o r i n T oi 1 e t t e - E s s i g (P r e s e r v a t i f - C o sin e t i q u e ) , S c h u t z
224
Ueber den Geheininiittclschwindcl
in1
Allgemcioen etc.
g e g e n A n s t e c k u n g n l l e r A r t (?), von Dr. E. M e i t z e n ,
C h e m i k e r (?!) i n C o l n a m R h e i n .
Das Nittel besteht aus zwei verschiedenen Fliissigkeiten,
welchc sich in kleinen Glasflaschen befinden. Eines der beiden Glaschen ist schwachblau gefarbt und enthalt e k e f a r b1 o s e klarc Fliissigkeit , welche mit E u c h 1 o r i n signirt ist.
Das andere ist von weissem Glase und enthalt eine braungefiirbte Fliissigkeit; es ist rnit T o i l e t t e - E s ~ i gbezeichnet.
I. R e s t a n d t h e i l e d e r i n d e m b l a u e n G l a s e rnit
E u c h l o r i n b e z e i c h n e t e n F 1u s s i g k e i t.
Was die Benennung Euchloriri anbelangt, so ist dieselbe
nicht neu, sondern wurde schon von H. D a v y im Jahre
1811, also schon vor 60 Jahren, einem gasformigen Korper
gegeben , welcher entsteht , wenn man chlorsaures Kali mit
verdiinnter Chlorwasserstoffsaure in gelinder Wiirme behandclt. Wegen der schonen, gelbgriinen Farbe nannte Davy
dieees Gas Euchlorin , zusammengesetzt aus td (schon, sehr)
iind x13eog (gelbgrun). Nach M i l l o n enthalt das D a v y ' gche E u c h l o r i n die sogenannte C h l o r o c h l o r s a u r e . Es
wurde dadurch die Ansicht., dass dap Euchlorin C h 1o r o x y d u l oder c h l o r i g e Saure sei, widerlegt. - Nit welchem
Rechte Me i t z e n dcr betreffenden Fliissigkeit diesen Namen
heilegte, werden wir spiitcr sehen. Keineswegs ist derselbe
diirch die Parbe der Fliissigkeit, die bei der Etymologie
iirspriinglich doch maassgebend war, gerochtfertigt.
Das M e i t z e n ' s c h e E u c h l o r i n ist eine f a r b l o s e ,
xiemlich klare Flussigkeit , hat einen, dem der Bleichsalze
zukommendcn Geruch und entsprechenden Geschxnack , reagirt
stark alkalisch und bleicht xuletzt das blauc Lackmuspapier.
I)as spec. Gewicht ist bei
15". = 1,0239 (Wapor = 1).
10 Cubikcentimeter dieser Fliissigkeit hinterlassen, im
Wasserbade abgedampft und bei 1000 c'. getrocknet, 0,824
Grm. R~ckstaqd. Dieser Riickstand entwickelt beim schwachen Gliihen Saueretoffgm. Der Gluhriickstand giebt , in
wasseriger Losung mit Salpeterslure angesauert und rnit
+
Ueber den Geheimmittelachwindel im AUgerneinen etc.
225
salpetersaurem Silberoxyd vcraetzt, einen starken, kasigen Niederschlag von Chlorsiiber , wohingegen die urspriingliche
Lobung einen vie1 geringeren Niederschlag mit diesem Reagens erzeugte.
Wird die urspriingliche Fliissigkeit mit Essigsaure vorsichtig neutralisirt und alsdann mit salpetersaurem Quecksilberoxydul versetzt, so entsteht ein weisser, schwerer Niederschlag von Xalomel, welcher sich nach und nach in der
Fliissigkeit lost, indem e r sich in Quecksilberchlorid verwandelt. Salpeters. - oder essigsaures Bleioxyd erzeugt in der
Fliiseigkeit zuerst einen weissen Niederschlag , der jedoch
sofort durch Gelb, Orange und Braun in dunkel Rothbraun
iibergeht und zwar durch Bildung von B 1 e i h y p e r o x y d.
Mit Salz - oder Schwefelsaure versetzt, entwickelt diese Fliissigkeit neben einer geringen Menge von Kohlensaure Chlor.
Essigsaure bewirkt dieselbe ZerRetzung, nur minder lebhaft.
An Basen enthielt die fragliche Fliissigkeit aumer N n, t r o n nur S p u r e n v o n K a l k u n d M a g n e s i a . 8chwefelsiiure enthielt dieselbe nur in iiusserst geringer hlenge.
DRS Ergebniss der chemischen Analyse lasst diese Flussigkeit als eine schwache Auflosung von u n t e r c h 1o r i g s a u r e m N a t r o n erkennen, welche mit C h l o r n a t r i u m
u n d k o h l e n s a u r e m N a t r o n verunreinigt ist und ausserdem noch Spuren von K a l k , M a g n e s i a u n d S c h w e f e l s a u r e enthalt.
Das Meitzen’sche Euchlorin ist also nichts andere8 , als
die s e i t 4 6 J a h r e n bekannte L a b a r r a q u e ’ s c h e F l i i s s i g keit. (Siehe: De I’emploi des chlorure d’oxyde de sodium
e t de chaux, par A. G. L a b a r r a q u e , Pharrnacien de Paris
1825). Es wurde L a b a r r a q u e f k seine Erfinilnng von
der Societe &encouragement pour l’industrie nationale in Paris die Yreismedaille zuerkannt und am 20. Juni 1825 wurde
ihm von der franzosischen Akademie der Wiseenschaften der
Montyons’sche Preis von 3000 Francs ertheilt. Schon damals wurdc von L a b R r r a q u e diese Fliissigkeit zur L) e s
i n f e c t i o n angcwandt.
-
226
Ceber den Geheimmittelschwindel im Allgemeinen etc.
Die, dieser Katronverbindung entsprechende K a1 i v e r b i n d u n g ( u n t e r c h l o r i g s a u r e s K a l i ) wurde zuerst von
dem Franzosen J a v e 11e dargestellt und nach ihm auch J a v e 11 e ' s c h e s W a s s e r oder B 1 e i c h w a s s e r genannt.
Beidc Verbindungen haben ganx gleiche Eigenschaften, bezuglich ihrer bleichenden und desinficirenden Kraft, ebenso sind
beide sowohl in Losung, wie auch in fester Form unter gleichen
Verhaltnissen einer allmiihligen Zersetznng unterworfen.
Man stellt dieve bciden Salze am besten dar, indem man
Iiquivalente Nengen von C h 1o r k a 1k mit den betreffenden
kohlens. Alkalien in wassriger Losung zusammenbringt. Zfnter
Abscheidung von kohlens. Xalk bildet sich dann das entsprcchende unterchlorigsaurc Allialisalz. Ein kleiner Ueberschuss des
kohlensauren Allialis e r h o h t die Haltbarkeit der Verbindung,
kann abcr die allmahlige Zersetzung n i c h t aufheben. Die
Gegenwart von leichtoxydirbaren und organischen Substanzen,
wie z. B. Staub, IIarzen, atherischen Oelen, Alkohol , Holzgeist , Pflanzenfasscr, resp. Holzsubstanz bewirken R o f o r t
eine Zersetzuqg dieser Verbindung, auch selbst dann, wetin
cin bedeutender UeberschuRs an kohlensaurem Alkali vorlixnden ist und die Fliissigkeit alkalisch reagirt. Die Gegenwart einer freien Sfime beschleunigt die Zerseteung
ungemein.
Was die desinficircnde Kraft der unterchlorigsauren Alkalisalze anbetrifft, so haben sie vor dem Chlorkalk k e i n e n
Vorzug. Im Gegentheilc, sie sind kostspieliger und en thalten
bei gleichen Gewichtstheilen weniger wirkendes Chloy , weil
die Sattigungscapacitat bei den Alkalien geringer, wie beini
Xalk ist; der alh-naliligen Zersetzung sind alle gleich stark
unterworfen.
Ans dieser Untersuchung geht zu Geniige hervor, dass
das Meitzen'sche E 11 c h 1 o r i n nichts Anderes als die liingst
bekannte L a b a r r a q u e ' s c h e F l i i s s i g k e i t und die von
Xlcitzcn gcwiihlte Boncnnung durchaus n i c h t w i s s e n s c h a f t l i c h b e g r i i n d c t . und dcmnach u n p a s f i e n d ist.
Der Zweck, wanim Meitzen diesel. Fliissigkeit den h'ainen
E 11 c h l o r i n gab, ist, nicht zii verkennen. -
Ueber den Geheimmittelschwindel irn Allgemeinen etc.
227
It. B e s t a n d t h e i l e d e r in d c m w e i s s e n G l a a e r n i t
T o i l e t t e - E s s i g b e z e i c h n e t e n F 1u a s i g k e i t.
Der Meitaen'sche Toilettencssig hat eine braune Farbe,
einen alkoholisch -aromatischen, sauerlichen Geruch, einen aromatischen, s c h a h n und sauren Geschmack und reagirt stark
sauer.
Mit Wasser gemischt, tritt sofort untcr schwacher Erwiirmung eine milchige Triibung unter Ausscheidung von
Harz und atherkchen Oelen ein. Das Rpec. Gewiclit dieser
Fliissigkeit war bei
15OR. = 0,889.
Um a n n i h e r n d d i e H a u p t b e s t a n d t h e i l c dieser
Flussigkeit liennen zu lernen , wurde in nachfolgcnder Weise
verfahren.
Einige Kubikcentimeter der fraglichen Flussigkeit wurden in einem Platinschalchen erhitzt. Es entwickelten sich
leicht brennbare DGmpfe, welche zuerst mit einer wenig leuchtenden blauen, spater rnit leuchtender und zuletzt rnit ruasciider Flamme verbrannten. Wurde die Flamrne nach dem
ersten Stadium geloscht, so traten e s s i g s a u r e Darnpfe auf;
im letzten Stadium reizten die sich entbindenden Dlimpfe zu
einem heftigen Husten, wie man solches bei der damptformigen B e n z o e sa u r e beobachtet. Auch erinnerte der sich verbreitende Geruch an B e n z o e h a r z.
Die zuruckbleibende kohlige Masse verbrannte rnit Hinterlassung einer sehr geringen Aschenmenge.
Nach dieser Vorpriifung wurden 50 Kubikcent. (ein ganzes Gliischen) rnit einer concentrirten Auflosung von kohlensaurem Kali neutralisirt und alsdann bei guter Kiihlung der
Destillation unterworfen.
Das Destillat hatte einen starken aromatischcn Geruch,
dem des K o l n i s c h e n W a s s e r s sehr ahnlich und war leicht
entziindlich.
Mit Wasser gemischt, erfolgte eine starke, milchige Triibung und Ausscheidung von atherischen Oelen.
Zu dem DeRtillat wurde so lange Wasser zugesetzt, b k
keine Triibung mehr erfolgte und aledann vermitteht eines
+
228
Ueber den Geheimmittclachwindel im Allgemeinen etc.
Scheidetrichters das Oel von der wasserigen Flussigkeit
getrennt.
Das abgeschiedene, iitherische Oel wurde keiner weiteren
chemischen Untersuchung mehr unterworfen , da sie zwecklos
gewesen ware. Dem Geruch nach zu urtheilen, war es ein
Gemisch verschiedener Oele der C i t r u a - A r t e n , wie sie
zur Bereitung dea K o l n i u c h e n W a s s e r u in Anwendung
kommen.
Die wassrige Fliissigkeit wurde nun mit Kochsalz gesattigt und der Destillation un terworfen. Nach einer zweimaligen Rectification wurde das Destillat zuerst rnit kohlenfiaurem
Kali entwassert und einer nochmaligen Destillation unterworfen. Das Destillat wiirdc nach einer vollstandigen Entwasserung rnit Aetzkalk nochmalu rectificirt. Dem Destillat hafteb
noch immer ein schwacher Geriich nach den iitherischen Oelen
an; im Uebrigen war der Geruch geiatig und erinnerte an
ein Gemisch von A l k o h o l u n d H o l z g e i s t . ( M e t h y l o x y d h y d r a t.) Eine partielle Trennung wurde dnrch eine
fmctionirte Destillation mit eingesenktem Thermometer erzielt.
Die Fliissigkeit gerieth schon unter 60° C. ins Sieden; bei
+ 68O C. war der Siedepunkt ziemlich fest. Das Uebergehende wurde separirt, ebenso das Destillat, welches bei + 78O
bis 79O C. erhalten wurde.
Ein Theil des letzten Destillates wurde in einer Retorte
unter Zusatz von saurem chromsauren Kali und Schwefeluaure
bei guter Kiihlung (mit Eis) der Destillation untsrworfen.
Unter Bildung von Chromoxyd ging ‘eine saure, stark nach
A 1d e h y d riechende Fliissigkeit iiber , welche , rnit Xreide
neutralieirt, der Rectification unterworfen wurde. Das erhaltene. Destillat gab, mit Ammoniak und ualpetersaurem Silberoxyd versetzt, beim Erwiirmen im Wasserbadc einen glanzenden Silberepiegel. Mit Aetzkali versetzt , braunte Rich d m
DeRtillat stark und schied ‘nuf Zusatz einer Saure A 1d e h y d h a r z ab. Wurde das Uestillat mit Ammoniak gesattigt und
alsdann niit SchwefelwasserRtoff behandelt, so bildete Rich das
von Liebig entdeckte T h i a l d i n .
Ueber den Geheimmittelschmindel im Allgemeinen ctc.
229
Diese Reactionen geben unzweifelhaft die Gegenwart von
A1 k o h o l (A e t h y l - A 1k oh 01) in dem Meitzen'schen ToiletteEssig zu erkcnncn; nichts destoweniger wurde auch noch
durch Behandeln des Destillates n i t Platinschwarz neben
Ameisensaure auch E s R i g R a u r e erzeugt , wodurch denn
wiedcrum die Anwesenheit des Acthyl - Alliohols im Destillate
nachgewicsen wurde. Wurde ein Theil dcs Destillates, welches bei
68OC. gewonnen worden war, mit Oxalsiiure und
Schwefelsaure der Dostillation untcrworfen , so rcsultirte eine
Fliissigkeit , welche . beim Yerdunsten tafelrormige Krystalle
lieferte. Eine Verbrcnnung dieser Krystalle mit chromsaurem
Bleioxyd crgab die procentische Zusammensetzung des o x a 1s a u r e n M e t h y 1o x y d s. Auch die vorhinerwiihnte Bildung
von Ameisensiure bei der Behandlung des zweiten Destillatcs niit Platinschwarz spricht fur die Anwesenheit von H o l z g e i s t ( 11 e t h y 1a 1k oh o 1).
Da die Anwesenheit des Holzgeistes unzweifelhaft dargcthan worden war und derselbe stets von K e t o n e n
bcgleitet ist, so wurde Zuni Nachweis der letzteren das
Destillat benutzt, welches zuerst, also vor
68O C. ubergegangen war.
Die Ketone der Fettrcihe wurden als c o 110 1 d - K 6: r p c r
nach dcr vortrefflichen Mcthode von J. E. R e y n o l d s nachgewiesen. (Siche: Bericht der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, Viertcr Jahrgang Nr. 8 (1871) Seite 483.)
Das muthrnaasslich ketonhaltige Dcstillat wnrde mit verdunntcr wiissriger Kalilauge versetzt und zu diesem Gemisch
vorsichtig eine wassrige Quecksilberchloridlosung tropfenweise zugegeben. Das ausgeschiedene Quecksilberoxyd liisle
sich wieder vollstandig zu einer klaren, farblosen Flussigkeit.
Ilei fortgesetztein Zusatz entstand ein weisser Nicderschlag.
Durch Filtration wurde der Niederschlag von der alkalischen
Fliissigkeit gctrennt. Das Filtrat bildete eine schwach g e 1b l i c h e , o p a l e s c i r e n d e Fliissigkeit. Dieselbe wurde nun
der Dialyse unterworfen und die wassrige Losung im Dialysstor durch Abdampfcn uber Schwefclsiiure concentrirt. Wurde
die erhaltene Fliissigkcit bis
50°C. erwarmt, AO g e l a t i Arch. d. Pharm. CXCVIII. I l d ~ .J. 11%
1G
+
+
+
230
Uober den Geheimmittelschwindel im Allgernoinen etc.
n i r t e sie vollstandig; durch Zusatz ciner S p u r v o n e i n e r
f r e i e n S a u r e wurde sie ebenso zum G e r i n n e n gebracht.
Dicse Reactionen geben die Anwcsenheil von einem Keton aus
derxeihe der fetten Sauren unzweifelliaft zu erkenncn. Ich glaubo
nicht, dass dem Herrn Xcitzen die Anwcsenheit von Ketonen dieser Art in seinem Toilctte-Essig bis jetzt bekannt
war. Er wurde sonst gewiss in irgend einer Weise daraus
Kapital geschlagen haben , obgleich diese Korper in k e i n o r
H i n s i c h t eine d e s i n f i o i r e n d e K r a f t besitzen. Der Retorteninhalt, welcher bei der Destillation des mit
kohlensaurem Kali versctzten Toilette - Essigs als Riickstand
blieb, hatte eine erhebliche Menge cines dunkelbraunen Harzes abgeschieden.
Die Flussigkeit schied beim Erkalten ein
Salz in kleinen Nadcln und Schiippchen aus. Dieses Salz
wurde durch Filtration von dcr Fliissigkeit getrcnnt und
zwischen Fliesspapicr bis zum Trocknen ausgepresst. Ein
Theil der Salzmasse wurde im Wasser gelost und mit Salzsaure zersetzt. Es schied sich B e n z o E s S u r e aus. Zur
weitern Bestatigung derselben wurde die gewonnene Saure
der Sublimation zwischen Uhrgliisern unterworfen.
Die von der Salzmasse getrennte Mutterlauge , welche
einen Ueberschuss von kohlcnsaurem Xali enthiclt, wurde nun
mit verdunnter Schwefelstiuro zcrsetzt und der Destillation
nnterworfen. Es wurde einc sehr saure Flussigkeit von starkern E s s i g g e r 11c h erhnlten. Ein Thcil des DestillateR,
mit Alkohol und Schwfelsaure versetzt , zeigte beim Kochen
den characteristischen Gcruch nach E s s i g a t h e r ; ein anderer
Theil, mit Bleioxyd im Ueberschuss versetzt, ergab beim Digerircn cine s t a r k a l k a 1 i s c h reagirende Liisiing yon
basisch cssigsaurcm Blcioxyd.
Der M e i t z c n ’ s c h e T o i 1 c t t c - E s s i g besteht demnach
nus einer Auflosung von B e n z o i i h a r z und einem Gemisch
i i t l i e r i s c h e r O c l c v e r s c h i e d e n e r C i t r u s - A r t e n in
einer blischung von A l k o h o l , I E o l z g e i s t u n d c o n c c n t r i r t c r Eg s i g s ii u r c , die als Verunrcinigung , resp. nnr
zafillig, K e t o n e d e r I l e i h e d e r f o t t e n S i i u r c n enthdt.
Ueber den Geheimmittelachwindel im Allgcmeinen etc.
231
Da Me i t z e n auch K o 1n i s c h R a s s e r - F a b r i k a n t ist,
so wird er zur Darstellung seines Toilette -Essigs die verharzten Essenzruckstande , die wegen ihrer dunkeln Farbc
sich zur Kolnis~hwasserbcreitungnicht mehr eignen, benntzen.
Es geht dieses aus der ansserst weichcn Beschaffenheit des
ausgeschiedenen Benzo6harzeA hervor , die durch die Gegenwart der Weichharze der verharzten Essenzriickstiande bedingt wird.
Dieses Meitzen’sche Geheimmittel wird in verschiedencn
Quantitaten zu den beigefugten Preisen verkauft :
1) T a s c h e n f o r m a t (2 Flacons a 50 Cubikccnt. Inhalt)
zu 20 Sgr.;
2) R e i s e f o r m a t (2 Flacons k 100 Cubikcent. Inhalt) zu
1 Thlr. und
3) H a u s f o r m a t (2 Flacons B 200 Cubikcent. Inhalt) zu
1 1/2 Thlr.
Der eigentliche Werth dieser Substanzen, die Flacons
mit einbegriffen ist beim :
1) T a s c h e n f o r m a t circa (Euchlorin 1 Sgr. u. ToiletteEssig 3 Sgr.) 4 Sgr.;
2) R e i s e f o r m a t circa (Euchlorin 1 Sgr. nnd ToiletteEssig 5*19 Sgr.) 7 Sgr. und
3) H a u s f o r m a t circa (Euchlorin 2 1/2 Sgr. und Toilette Essig lo1/, Sgr.) 13 Sgr.
Dass Herr Dr. M e i t z e n bei diesen exorbitant hohen
Preisen keinen Schaden leidet, ist klar. Aber selbst die iibertrieben hohen Preise wiirden sich in ciner Hinsicht rechtfertigen lassen, wenn der von Meitzen angegebene und markt~chreierisch ausposaunte Zweck einer Universaldesinfection
damit erreicht wiirde.
In eincm kleinen, dem Geheimmittel beigegebenen Schriftchcn sagt Dr. M e i t z e n bezuglich der Anwendung Folgendes:
(Seite 8.) Man schuttet in ein Glaschen einen Theeloffel
des Toilctte-Essigs und nach dem Aiigenmaass 10 bis 20
(aber nicht mehr) Theeloffel Wasser, nimmt von dieser Milch
etwas in die hohlc Hand und bestreicht den Korper.
16%
232
Ueber den Gehein~nlittelschwindelim Allgemeinen etc.
Dasselbe thut man gleich, ohne Wasser zuzusetzen, rnit
dem Euchlorin, indem man etwas davon wie es ist, auf die
hohle Hand giesst und uberreibt, ohne dass man nothig hatte,
es formlich ein- oder trocken zu reiben. Es ist gleichgiiltig,
ob die Stellen von der ersten Befeuchtung schon trocken
oder noch feucht sind, denn auch die getrocknete Stelle halt
zunachst noch so vie1 Saure fest, dass das Euchlorin darauf vollig
wirksam wird. Irgend wclche Yorsicht ist hierbei nicht nothig.
1 Grm. Toilette-Essig, in circa 15 Grm. Wasser gegossen und 15 Grm. Euchlorin geniigt fir den gesammten Xorper; d i e A n w e n d u n g e i n e r e i n z e l n e n d e r b e i d e n
Substanzen b r i n g t ersichtlich die g e w u n s c h t e
W i r k u n g n i c h t h e r v o r (??!)auch darf man nicht zuerst
mit Euchlorin befeuchten, indcm dies die Wirkung abschwachen (?)
und unzuverllssig machcn wiirde; wohl aber vor und nach
diesem rnit Toilette - Essig."
Urn die Frage , , i s t d a s M e i t z e n ' s c h e g e p r i e s e n e
Geheimmitte 1 ein w i r klich e s Priiserva tivmit tel,
welches durch die Einwirkung der beiden Flussigkeiten auf einander eine wirkliche Deeinfect i o n b e w f r k t?" zu beantworten, muss man zunachst den
chemischen Vorgang, der bci der Vermischung der beiden
Fliissigkeiten eintritt, sich vergcgenwartigen.
Auf der einen Seite ist ein untcrchlorigsaures Salz (sog.
Euchlorin), welches auf der andern Seite mit einer blischung
von Alkohol, IEolzgeist, Harzcn, atherischen Oelen und Essigskure zusammen konimt und es wird auch dem Laien klar
werden, dass sich hier die desinficirende Xraft des aus dem
unterchlorigeauren Salze sich entbindenden Chlors nicht geltend machcn kann, wcil das durch die Essigsaure entbundene
Chlor sofort mit einer ganzen Reihe organischer Korper zusammen kommt , die sich augcnblicklich mit jhm verbinden
und dadurch eine Desinfection unmoglich machen.
Herr Dr. h I e i t z e n miisste denn doch ale gewesener
Apotheker wissen , dass man vermittelst eines Schwammes,
den man rnit Weingeist gctriinkt hat und vor Mund und
Nase bindet, dcn schiidlichcn Einfluss einer chlorhaltigen At-
Ueber den Gckeimniittelschwiiidcl ini Allgorneiuen etc.
233
mosphare abwendet, weil eben der Alkohol sich sofort des
freien Chlors bemiichtigt.
Das unterchlorigsaure Natron, a 11e i n angewandt , ubt
bekanntlich eine desinficirende Kraft aus, mit einem Y i x t u m
w i c der M e i t z e n ’ s c h e T o i l e t t e - E s s i g aber zusamniengebracht, ist die Wirkung gleich N u l l . Selbst ohne die
Gegenwart einer freien Saure werden die unterchlorigsauren
Alkalisalze von Weingeist , Holzgeist , atherischen Oelen und
Harzen zerstort. Dieses ist eine zu bekannte Thatsache, und
in jedem Lehrbuch der organischen Chemie kann sich Herr
Dr. M e i t z e n hieruber Aufkliipng verschaffen.
Ferner ist noch; zu betonen, dass der hohe Harzgehalt
des M e i t z e n ’ s c h e n Toilette-Essigs den Korper mit einer
diinnen Harzschicht uberzieht , die selbst in dcm Falle , dass
wirklich Chlor frei wurde, den Korper vor der desinficirenden
Kraft des Chlors schutzt, so dass auch bei einem massenhaften Auftreten von Chlor erst die Harzschicht iiberwunden
werden muss. Da nun die Einreibung mit dem Toilette-Essig
dem Euchlorin vorhergeht, so wird, wenn sich ein Ansteckungsstoff auf der Haut befindet, derselbe von dem Harze bedeckt
und der Einwirkung des Euchlorins entzogcn. Mischt man
die beiden Meitzen’schen Flussigkeiten zusamnien , so entbindet sich auch k e i n e S p u r v o n C h l o r , ein Beweis, dass,
auch auf den menschlichen Korper applicirt , eine Desinfection
nicht stattfinden kann. Das M e i t z e n ’ s c h e Geheimmittel
ist also trotz seines hohen Preises in dieser Hinsicht vollstiindig wirkungslos.
Welche Mittel Herr Dr. M c i t z e n anwendet, um sein
Fabrikat an den Mann zu bringen , erhellt aus nachfolgenden
Anzeigen, welche er in der Kolnischen Zeitung machte.
In der Kolnischen Zeitung vom 19. Februar 1871 sagt
Herr M e i t z e n :
,,Da die Pocken noch Besorgniss erregen, so bringe ich
mein ,,E u c h 1o r i n “ zur Bewahrung des eigenen Korpers in
Erinnerung. Warme Empfehlungen von hoher Stelle finden
sich bei mir zur vorherigen Einsicht.”
Dr. Me i t L e n, Wallrafsplatz 10 in Coln.
234
Ueber den Geheiinmittclschwindel im Allgemeincn etc.
Was es mit den , , w a r m e n E m p f e h l u n g e n von
h o h e r S t e l l e " zu besagen hat, wird aus Nachfolgendem
klar werden. Seinem Fabrikate hat hi e i t z o n gedriicktc
Gutachten beigegeben, von denen ich das des Herrn Dr. W.
R i c h t e r hervorhebe. Es lautct wortlich :
,,Die Komposition des Herrn Dr. hi e i t z e n - ,,E u c h 1or i n - E s s ig" - entspricht als Prbcrvatif bei Kmnkheiten, die
durch Miasmen iibertragen wcrdcn, ganz dem gegenwiirtigen
Standpunkte der Wissenschaft und ist deswegen deren Verbreitung im Intercsse dcr offentlichen Gesundheitspflege sehr
zu wiinschen."
C o l n , im Marz 1870.
Dr. W. R i c h t e r , Mitglied d. S a n k - Commiss., Vorstandsmitgl.
d. Niederrh. Ver. fur iiffentliche Gesundheitspflege etc.
Der unterzeichnete Gutachter ist dor Verwalter der Kolner Armenapotheke , welcher sich hier seines eigentlichen
Standcs zu schamen scheint und sich mit nichtssagenden hohlen Titeln briistet, um dadurch dem Publikum zu imponiren.
Welchen Standpunkt Herr Richter in wissenschaftlicher Beziehung einnimmt, bekundet dieses Gutachten vollstandig. Er
ist in diescr Hinsicht ein wiirdiger Gcnosse des Herrn Mcitzen. Schon friiher hatte ich Gelegenheit, die schwachen
Kenntnisse des Herrn Richter in chemischer Beziehung darzulegen. (Siehe Archiv der Pharmacie. Bd. CXCIV, Seitc 277
bis incl. 281 und Bd. CXCVI, Seite 203; Dingl. polyt. Journ.
Bd. CXCIX. Heft 4. Seite 312 bis incl. 314 und an andern
Orten.) Richter sollte doch wohl als Mitglied der SanitatsCommission einem jedcn dersrtigen Geheimmittelschwindel zu
steuern suchen; im Gegentheil befordert er aber hier geradezu
dieses Treiben.
Am 22. Februar 1871 erschicn nachfolgende Anzeige in
der Kolnischen Zeitung:
,,Derjenige, welcher ein Mittel anbictet, dessen Erfolg
nicht durch E r f a h r u n g oder sichere w i s s e n s c h a f t l i c h e
G r i i n d e v e r b i i r g t ist, i s t u n c h r e n h a f t und g e f d h r l i c k Die Priifung und Erkcnnung ist nicht schwer. - Zur
Uebcr den Gehcimmittclschwindel in1 Allgemcinen etc.
235
llewahrung vor Pocken mussen besonders Mund und Nase
dcsinficirt werden ; hierzu eignet sich a l l e i n das angenehnie
und dem Munde wohlthatige ,,E u c h 1o r i n um so mehr, da
es das Anstecken noch gesunder Ziihnc durah einzelne schlechtc
verhindert. Warme Empfehlungen v o n h oh e r Stelle finden
sich bei mir zur vorherigen Einsicht."
Dr. M e i t z e n , Wallrafsplatz 10. Coln.
((
Herr Dr. Meitzen hat durch diese Annonce sein eigenes
Urtheil gesprochen und den Stab uber sich gebrochen. Das,
was ein Fremder nicht wagen durfte, offentlich gegen ihn
auszusprechen, hat Herr Meitzen selbst von sich gesagt und
in einsm Blatte veroffentlicht, welches circa 25000 Abonnenten ziihlt, welches in der ganzen civilisirten Welt verbreitet
ist. E r hat sich selbst gebrandmarkt und an den Pranger
der Oeffentlichkeit gcstcllt.
Am 8. April 1871 veroffentlichte Meitzen in demselben
Blatte Nachfolgendes :
,,G e g e n P o c k e n."
(Fur Sachverstandige.)
,,Unzweifelhaft sind Chlor und Sauren die zuverlassigsten
Mittel gegon j e d e s C o n t a g i u m (Pocken, Scharlach, Cholera ,. Syphilk) wie gegen die Verderbniss noch gesunder
Ziihnc durch hohle. Zu allgemeiner Benutzung miissen aber
beide vereint , kraftig wirksam , dabei unschiidlich, angenehm
imd ohne Belhstigung auf dem eigenen Korper, in Mund und
Nase etc. anwendbar sein. Das Chlor muss sich in Verbindung mit Oxygen und Essigsaure auf heliebiger Stelle und
iiur in nothigem Maasse sich selbst entwickeln.
Dies ist hergestellt und a m t 1i c h e Empfehlungen (bei
inir und in den Depots) bezeichnen als , , v o r z i i g l i c h ( ' mein
,,E u c h l orin." Etuis in Haus-, Reise- und Taschenformat."
Dr. E. M e i t z e n , Apotheker und Privatlehrer der Chemie. (?!!)
Coln, Wallrafsplatz 10.
Es gehort eine gute Portion Dreistigkeit dazu, einen
solchen Galimathias mit wissenschaftlichem Anstrich xu ver-
236
Ueber eine blcihaltige Poniniade
offentlichun und in ciner solchcn Wciso dom gebildeten Publikum entgegen zu treten.
Abgeeehen davon, dass dem Publikum in diesem Pseudo Universal - Praservativ - Mittel fur theurcs Geld auch niclit das
31indestc geboten wird, kann dio Anwendung eines dorartigen
w i r k u n g s l o s e n Mittcls grosses Unheil anrichten, indem
diejenigen, welche, an die schutzende Kraft diesos bfittels
glaubend, dasselbe anwenden, sich nun vor Ansteckungen
gicher halten und sich der Gefahr der Bnsteckung sorglos
aussetzen. Es sind mir Falle bekannt, dass Personen, welcho
durch die Anwendung dcs Yeitzen'schen Mittels sich vor
Yockenansteckung gesichert glaubten und in ihrcm christlich
frommen Sinn dic Pflege von Pockenkranken iibernahmcn,
angesteckt wurden und als Opfer dersclben ficlcn. Es wiirde
dicses wahrscheinlich nicht getwhohen scin , wenn sie nicht
durch das Meitzcn'sche Mittel sicher gemacht, d. h. irregafiihrt, sich in die Gefahr begebcn hiitten. - Pereant errores,
vivant homines! C o l n , im Juni 1871.
Ueber cine blcihaltige Pornmade.
Von A d e l b o r t G e h e e b , dpotheker i n Geisa.
Im vorigen Sommer brachte mir eine Dame aus hicsiger
Umgegend eine Pornmade, mit dem Befragcn, ob dieselbe der
Gesundheit nachtheilige Bestandtheile enthalte oder nicht.
Es sei, 80 erzahlte die Dame, diem Salbe seit liingerer Zeit
von einer Freundin zum Fiirben ergrauter IIaare mit ausgczeichnotem Erfolge angewcndet und daher auch ihr zu gleichem Zn-ecke empfohlen worden; der ,,verdachtige '' Geruch
der Pommade aber habe sie misstrauisch gemacht, um so
mehr, als ihre Freundin seit geraumer Zeit von einem rathselhaften Leiden befallen sei; dasselbe konne ,,vielleicht" in
dem Gebrauche dieser Salbe seinen Grund haben.
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