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Ueber den Ursprung und den Anbau der Weinrebe.

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158
II. Botalnik.
Ueber den Ursprmg und den Anbau der Weinrebe.
In der Society of Arts in London hielt vor einiger Zeit
Dr. T h u d i c h u m , ein deutscher Aret und Botaniker, einen
interessanten Vortrag uber den wirklichen Ursprung und den
Anbau der Weinrebe und uber die nothwendigen climatischen
Verhiiltnisse, welche die Kultur derselben bedingen und sprach
uber die Producte der verschiedenen Weinrebenarten, uber
die Gewinnung und Behandlungsweise des Mostes und der
Weine in den verschiedenen Landern, wo der Weinbau im
Grossen betrieben wird. Der Redner verbreitete sich dann
uber die nicht , immer naturgemiisse Behandlung des Mostes
und Weines , wobei oft wissenschaftliche Grundsiitze nicht
entbehrt werden konnen, um einen guten und haltbaren Wein
zu e r h a l h .
Mit vielem Geschicke behandelt der Redner dieses Thema,
welches jedenfalls den deutschen Weinzuchtern vie1 niiher
liegt, als den Englandern, da in England die Weinrebe nur
in Treibhiiusern gezogen wird und nur einzeln im Garten von
Hampton Court bei London angepflanzt ist. Der Vortrag
beleuchtet diese beziiglichen Fragen von einem universellen
Standpunkte, so dass sie auch nach meiner Ansicht wohl
einiges Interesse fur die Leser unseres Archivs haben werden.
Meistens beginnt fast jede Abhandlung uber den Weinstock damit, dass man behauptet, er sei von Asien aus in
Europa eingefuhrt worden; in dieser Hinsicht theilt er das
Schicksal vieler anderer Kulturpflanzen, deren Ursprung den
Schriftstellern uber Gartenbau unbekannt war.
Der erste Irrthum, der nach Dr. T h u d i c h u m begangen
wurde, ist die Annahme, dass alle Sorten von Weinstocken
Ueber den Ursprung und den Anbail der Weinrebe.
159
von einer einzigen Art abstammen sollen; wollten wir dieses
annehmen, so hatte Wissenschaft und Studium ein Ende.
Zur Erklarung der Existenz der wilden Reben wird in
den meisten botanischen Schriften angenommen, dass kultivirte Weinreben degenerirt seien, und so wurden wilde Weinreben in Frankreich und Deutschland gewohnlich fur Ueberbleibsel v m Weinanlagen der Romer gehalten und den Rijmern iiberhaupt die Einfuhrung des Weinstocks in diesen
Landern zugeschrieben. So scheint mir auch seither, gestitzt
auf obige Annahme hin, das Vorkommen der wilden Reben
wenig beriicksichtigt worden zu sein, weil selbst bedeutende
botanische Schriftsteller sich dieser Ansicht nicht entschlagen wollten.
Die Weinrebe wachst in Asien in grosser Ausdehnung
in den Urwatdern besonders am Kaukasus, oft in bedeutenden Diokichten bis ins siidtstliche Europa, ohne jede Pflege,
in iippigster Fiille wild! Ob der Weinstock aber von dorther nach Europa eingefuhrt worden, ist bei den vorliegenden
Thatsachen nicht bestimmt bewiesen ; wir wissen aber , dass
der Weinstock, wo ihm die bestimmten klimatischen Bedingungen gegeben sind und erforderliche Localverhaltnisse zusagen,
in manchen Welttheilen und selbst in Europa urspriinglich
wild wachst, sich selbst in Deutachland verbreitet hat, wie
am Rheine, an der Mosel, Donau, Etsch etc. und dass er
wohl nicht erst aus Asien eingefiihrt ist.
Ueber die wilden Reben, welche in den Waldern am
Oberrheine in den beiderseitigen Rheinflachen haufig wachsen, heisst es schon im Jahre 1540 ,,die verwilderten Wbinreben sind in den Waldern der Rheinflache zwischen Strassburg und Speier ganz gemein, wachsen auf die hohen Baume,
die miissen sie tragen." So auch in Riedwiilder am Rheine
bei Rastadt, wo ich die Pflanze in iippigster Vegetation 1825
in Menge beobachtete.
G m e 1i n untersuchte bei der Bearbeitung seiner Flora
badensis die wilden Reben des Oberrheins genauer und beschrieb
sie als eigene Art unter dem Namen V i t i s s y l v e s t r i s .
Sia sind meistens diocisch seltener monocisch. Der Stock
,
160
Ueber den Ursprung und den Anbau der Weinrebe.
windet sich hoch, die Bliitter sind kleiner als an der kultivirten Weinrebe, der Duft der Bluthe ist sehr angenehm;
die Trauben sind klein , griinrothlich, bleiben sauer und sind
ungeniessbar.
C. B a u h i n nannte diese Rebe schon fruher V i t i s s y 1
v e s t r i s L a b r u s c a.
Auch botanische Schriftsteller erwahnen der wilden Reben in siidlichen Landern Europas noch vie1 fruher, so in Italien C r e s c e n t i u s in Bologna, der im 13. Jahrhundert lebte,
in Spanien C l e me n s R ox a s , ein klassischer Schriftsteller
des spanischen Weinbaus, welcher noch fruher sclion die wilde
Weinrebe als in Spanien einheimisch annahm ; seine Beschreibung der wilden Weinrebendickichte Algaidas bei St. Lucar
de Barameda vergleicht Dr. Thudichum mit der Fuchsrebe
(V. v u 1p in a) in den amerikanischen Urwaldern'.
Die wilden Reben des Rheinthales wurden zuerst in
ihrem wahren Charakter von dem friiheren Apotheker B r on n e r in Wiesloch bei Heidslberg erkannt; er studirte sie erst
jahrelang in der Wildniss und pflanzte dann Setzlinge in seinen Garten
1866 besuchte Dr. T h u d i c h u m Bronners Weinberg
und konnte da nach der Beschreibung verschiedene Arten
unterscheiden ; am auffallendden sind die Verschiedenheiten im
ganzen Habitus, dann in den Bliittern und Friichten, den
unfruchtbaren Arten und den mit saueren nicht essbaren
Friichten.
Die Inflorescenz zeigt bei den wilden Reben drei bestimmte Formen: einige Pflanzen sind mannlich und haben
statt des GriiTels eine kleine Honigdriise; diese Pflanzen tragen meistens eine Masse von Bltthentrauben und erfiillen
schon in einiger Entfernung die Luft mit Wohlgeruch wie
bei der kultivirten Weinrebe , andere Stocke haben Zwitterbluthen; aber die meisten, sowohl der Pflanzenindividuen ale
der Arten sind weiblich mit fehlgeschlagenen Staubgefhsen.
Bei den a m e r i k a n i s c h e n R e b e n finden sich auch
polygamische und diocische Pflanzen und Monographen betrachten diese Verschiedenheiten nicht ale charakteristisch.
-
Ueber den Ursprung und den Anbau der Weinrobe.
161
B r o n n e r und T h n d i c h u m nehmen 28 Arten wilder
Reben in der Rheingegend an. Sie unterscheiden sich von
anderen Rebenstiicken , auch von den kultivirten , und viele
derselben kommen nicht fort und gehen zu Grunde, wenn sie
von ihrer Heimstatte verpflanzt werden!
Jetzt hat man unverkennbare Reste des Weinstocks mit
Blattern , Zweigen und Traubenkernen in dem Braunkohlenlager von Salzhausen in der Wetterau aufgefunden, 180 Puss
tief unter festem Basalt, aua der Tertiarzeit vor der Basaltperiode, da der Bhsalt sich uber die Braunkohlen ergossen
hat. Wann haben sich diese Lavastrome, wann der ganze
Vogelberg , die Wasaerscheide zwischen Rhein und Weser,
gebildet? Wir wissen es nicht, aber diese Zeit wurde uberdauert von den Nachkommen der V i t i s t e u t o n i c a T h u dichum.
In Ober- und Niederosterreich an den Ufern d. Donau,
besonders von Wien bis Presburg, finden sich eine Menge
wilder Reben; schon vor Jahren wies J a c q u i n in den Annalen fur Landwirthschaft nach, dass auf den Donau-Inseln
viele wilde Reben mit kleinen Trauben wachsen. Eben solche
Reben finden sich in Ungarn und Siebenburgen an der Theiss
und'Save; auch in Tyrol, besonders an der Etsch, bilden sie
Dickichte, R h u s C o t i n u s und w i l d e F e i g e n b i i u m e iiberwuchernd.
Es scheint demnach der Beweis geliefert, dass in allen
europaischen Landern, wo die erforderlichen klimatischen Bedingungen vorhanden sind , Arten der wilden Weinrebe in
unangebautem und ungepflegtem Zustande vorkommen; ihre
botsnischen Eigenschaften lassen nach T h u d i c h u m keinen
Zweifel , dass sie daselbst urspriinlich einheimisch und nicht
importirte Arten durch Degeneration oder Kreuzung entstanden sind.
Nach den Ansichten von Dr. T h u d i c h u m hat jede
besondere Gegend, welche eine gut charakterieirte Wcinsorte
producirt , auch eine besondere Rebensorte , die daselbst einheimisch oder durch natiirliche oder kiinstliche Auswahl aue
Aroh. d. Pbarm. OXCVI. Bds. e.FIR
11
162
Ueber den Ureprung uud den Anbau der Weiurcbe.
den einheimischen hrten entstanden sein muss; denn sie wird,
nach anderen Gegenden verpflanzt , ihre Eigenschaften mehr
oder weniger verlndern, so dass sie einen anderen Wein liefert oder fur Weinproduction werthlos wird, oder bleibt
unfruchtbar, krankelt und stirbt ab.
Oesterreich besitzt v i e r Rebensorten, welchc: wahrscheinlich an den Ufern der Donau einheimisch sind:
Der R o t h g i p f 1e r Oberosterreichs Bliitter dunkelgriin,
Rippen, Nerven und Spitzen roth , dem Traminer ahnlich,
Trauben griin.
Der g r u n e Nus k a t e l l e r Oberosterreichs, sonst nicht
in Oesterreich angepflanzt , eine der fruchtbarsten Reben mit
grossen Trauben , Beeren klcin und griinlich gelb.
D e r w e i s s e v o n G r i i n z i n g , einem Dorfe bei Wien,
wird auch nnr um Wien angebaut.
)
)
D e r r o t h e Z i e r i f a n d l c r von Biislau, wird nur stellweise in dem Thale von Wien nach Baden angepflanzt; die
Traubcn sind hochroth und sollen einen guten Wein produciren. B r o n n e r pflanztc diese vim Sorten in seinen Garten bei Wiesloch; wahrcnd 10 Jahren erhielt er nicht einc
Traube von ciner derselben und spiiter gingen alle Stocke
zu Grunde. Europiiische Weinreben, nach Amerilra verpflanzt,
kommen nicht fort, denn wie die Erfahrung gelchrt, ist der
Weinbau dort nur mit einheimischen Arten oder Kreuzung
derselben moglich.
Der portugiesische Wein B u c e 11a s sol1 von rheinischcn
Reben welche nach Portugal verpflanzt wurden, abstammen.
Die am haufigsten angcbantc Rebe des Rheins ist die R i e s s 1i n g t r a'u b e; wer wird aber im B u c e 11a s einen Riesslingwein erkennen? Der Riessling ist demnach durch das siidliche Klima so verandert, dass er ein ganz anderes Product
liefert. Der aus Spanien importirte Sherry wird zum Theil
von einer Traube gewonnen, wclche P i e t r o X i m e n e s
von den Ufern der Mosel nach Spanien gcbracht haben SOIL
Hier ist demnach derselbe Fall eingetreten dass veriinderte Localverhiiltnisse und bcsonders sudliches Klima eingc)
)
Ucbcr den Ursprung und den hibau der Wcinrebc.
163
wirkt haben, uni einen so genz vorschiedenen Wcin hervorzubringen, denn wer kann im Moselweine etwas von der
Natur des Sherry erkennen?
Die Beispiele der Veranderung der Weinrebe bei ihrer
Verpflanzung in andere, verschiedene klimatische nnd BodenVerhiiltnisse sind bekannte Thatsachen, die durch Beobachtungen vielfach vorliegen, und liesscn sich auch noch vermehren. Nach dem Redner kann alles dieses daair den Beweis
lieferp , dass jede Gegend von eincm bestimmten gleichmiissigen Rlima ihre bcstimrnte, den klimatischen Verhaltnissen
anpassende Rebe hat, die urspriinglich dort wild wuchs und
kultivirt wurde und anderwarts gar nicht oder nur mit vollstiindiger Veranderung ihrer Eigenschaften zu kultiviren ist ;
aber selbst dann is t eine gewisse klimatische Uebereinstimmung dieser verschiedencn Gegenden nothwendig.
Sol1 nun in einer Gegend, welche noch keinen Weinbau
hatte, dieser eingefuhrt wcrden, so ist dieses vorauasichtlich
nur dann moglich nnd von Erfolge, wenn passende Reben,
besonders wilde Arten, wcnn sie zu haben sind, gepflanzt
und durch Kreuzen und Pfropfen etc. veredelt werden.
-
C h a p t a 1’s Anlage von Weinreben im Luxembourg
Garten in Paris hatte zum Theil die Aufgabe, die Trauben,
in Beziehung zur Verwendbarkeit der Weinbereitung zu studiren. Nach Dr. T h u d i c h u m zahlte dort die Sammlung an
2000 Nummern, die er fur weniger als 500 Arten (Formen)
halt, welche bedentende Fortschritte im Weinbau einschliessen,
die aber nur an der Hand der Wissenschaft gemacht werden
konnen. Die verschiedenen und relativen Eigenschaften dcr
Reben in Beziehung der Yenge von Zucker, Gerbsaure, Sauren,
Salzen, Farbstoffen, atherisden Oelen und andern Riechstoffen,
wclche in den Trauben enthalten, sind noch nicht bestimmt
ermittelt worden. Welchen sehr bedeutenden Einfluss das
Wetter auf die Entwickelung der Trauben und die richtige
Behandlung des Mostes auf den Wein hat, ist bekannt, aber
noch nicht genau untersucht. Manche Rebensorten erscheincn
iiberhaupt ungceignet fir den Weinbau; so liefern manche
11 *
164
Ueber den Ursprung und den Anbau der Weinrebe.
des Jura keinen Wein, oder sehr schlechten, der ungeniessbar und ohne Wasser nicht zu trinken ist.
Man hat bisher meist angenommen, dass die unreifen
Trauben Siiure anhiiufen, welche dann wiihrend der Reife in
Zucker umgesetzt wurde, man hat aber jetet gcfunden, dass
die Same bei der Reife sich gleich bleibt oder selbst wachst,
wiihrend die Zuckermenge von 2,5 bis auf 19,s Theile steigt,
und in der That zeigt jede Rebensorte in dieser Beziehung
ein anderes Verhalten.
Die E u fa r i n e - R e be liefert die sauerereichsten, am
wenigsten sussen Trauben. Im September enthalten sie 23
bis 25 pr. Mille Saure und 150 bis 160 pr. Mille Zucker;
in einer bestimmten Periode haben die unreifen Beeren weniger Saure, ale die reifen. I n einer bestimmten Zeit der Reife,
wenn sie anfangen schwarzblau zu werden, vielleicht auch
wahrend der ganzen Reifezeit, wachst die Saure, statt sich zu
vermindern, wie man dieses seither in der Regel Wr alle
Friichte angenommen hat.
Der P 1o u f f a r d, ebenfalls eine Weinrebe des Jura, liefert
einen sehr guten Rothwein.
In den siidlichen Ltindern werden die Trauben meist in
der Zeit fires grossten Volums geherbstet; es ist dieses auch
Ursache, dass sich die siidlichen Weine nicht lange halten
und gckocht werden mussen. In Sauterne erntet man die
Trauben nach ihrer Reife in 8 bis 10 Perioden, und es werden einzelne Beeren' ausgeschnitten. Am Ehein wird die
Riesslingtraube moglichst spat gelesen, damit sie Gelegenheit
hat in den Zustand der Edelfiule uberzugehen.
Wenn auch der Most in den siidlichen Landern nicht
nach wissenschaftlichen Grundsatzen behandelt wird, so bleibt
derselbe doch nicht ohne Behandlung, denn was die spanischen , portugiesischen und franzosichen Weine anbelangt , so
werden die abgeschnittenen Trauben wiihrend des Kelterns
oder der Most wird mit Gjpspulver bestaubt. Man sucht vergebens nach der Ursache dieser Behandlungsart; sol1 der Wein
starker gemacht werden, so ist der Zweck verfehlt, denn der
Gyps nimmt fast ein Viertel seines Gewichtes Wasser auf
Ueber den Ursprung nnd den dnbau der Weinrebe.
165
und sohliesst auch einen Theil des Mostes ein, wodurch das
Quantum wesentlich vermindert wird, so dass 50% Gyps
die Hiilfte der Briihe wegnimmt und den Zuckergehalt nur
von 13 auf 17% erhohet. Der Gyps vermindert die freie
Saure im Wein von’ 5, auf 0,5 pr. Mille und mehr, er zersetzt aber auch die weinsauren Balze und bildet schwefelsaure Salze, wodurch der Wein zu einer geschmierten Briihe
wird. So enthalten in der That alle Xeres- Weine, die
gegypst worden sind, eine nicht unbedeutende Menge von’
Kalisulfat , durch welches manche Sorten bitter schmecken
und abfuhrend wirken. Die Nierenaffectionen des Xeres
sind wohl auch theilweisc den
Alkoliol zuzuschreiben,
der nicht gegypste Xeres mit weniger als ISo/,, Alkohol
wird weder des Zimmts, noch des SdpeterBthers bediirfen, um
ihn angenehmer zu machen. Wird die Weinsaure durch Gyps
entfernt, so wird der reife Most in unreifdn verwandelt, der
noch Aepfelsaure enthalt.
In der Champagne, besonders aber nur in den bedeutenderen Fabriken, ist die Reinlichkeit in don KelterhGusern und
W ohnhausern vorherrschend , die Trauben werden nieistens
vorher gereinigt, che sie auf die Kelter gebracht werden.
Die Folge davon ist, dass selbst ordinare Weine zu einem
guten Stoff umgewandelt werden, die noch mit Vortheil verkauft werden konnen.
Es ist demnach der Champagnerweinexport, allein in
Rheims von 3 Millionen auf 9 Millionen Flaschen gestiegen
dnd die Gesammtproduction in der ganzen Champagne betragt
nach den Angaben 35 Millionen Flaschen.
Obgleich der Champagner Veranderungen unterworfen
ist, so sind diese doch sehr gering gegen die des Burgunderweines, welcher auf den Balgen und Krappen gahrt; dieser
kann bitter und zahe werden und der Transport in Gebinden
ist oft sehr gewagt; es liegt dies wohl nur an der Weinbcreitung mit einem Stoffe, der einen vorzuglichen Wein geben
konnte!
Der Burgunderwein verbreitet in Folge seiner Bereitungsart zuweilen einen Goruch nach faulen Eiern , welche
166
Ueber den Ursprung und den Anbau der Weinrebe
manche ftir ein Zeichen der Eohtheit halten! Am Rhein und
an der Mosel dagegen ist dic Wcinbcreitung sehr einfclch
und reinlich, demnach ist das Getrlnk auch klar und von
guteru Geschmack. I n der Giroiidc ist die Darstellungsart
des Weines sehr verschieden und allc die ro then Weine werden auf einfache Weisc bereitet. Die grosse Mcrige des ordinlren Rothweins kommt meistens mit viel Schmuta in Beriihrung, aber die Winzcr trosten sich damit, dass dicser alle
durch die Gahrung herausgeworfen wiirde.
Whhrend die Champagne gute Keller hat, wodurch die
gleichmhssige Giite des Products ereielt wird, so hat das
iibrige Frankreich nur wenige und meistens keine Keller nnd
desswegen oft kcinc Mittel, die GHhrung zu iiberwachen und
zu leiten ; denn dicsc geht meistens in oberirdischen Schuppen vor sich, wodurch viel Wein durch die same Glhrung
verloren gcht. Der Mnngul an Ke1li:rn ist nucli in Spanicn
die Ursache , dass dort ein reincr , imvcrfalschter Naturwein
gar nicht dargestell t wcrden kann. l h s e siidlichen Weine
erfordern eine langsame, ruhige Ghhrung, die niir durch eine
niedere Ternperatnr zu crreichen ist.
Ucr ZLedncr war schr crstnunt, in einer Stadt wie London ebenfalls den Mangel an Xellcrn wahrzunehinen, wodurch
jhhrlich Tausendc von FHssern Bier, bcsonders Stout, in den
warmen , sogenannten Kellern der Wirthshluser verderben.
Die beriihmtesten und besten Weine der Rheingegcnd :
der Johannisberger , Steinberger, Hochheimer btammen, wie
alle belcannten Weine des Rheingeus, von der Ri e s s 1i n g t r a u b e. Der Riidesheirner, der Feuerberger werden von der
0 r l e a n s - T r a 11 b e gewonnen. Eine dritte am Rheine vorherrschende Wcinrcbcnsortc ist der T r a m i n e r , welcher
auch besonders in den besten Lagen dcr Pfalz angebaut wird.
Man nimmt meistens a n , dass dic ltebe von Tramin bei
Brixen in Siidtyrol starnme, wo cler beriihmte MarzeminoWein wachst , aber nach T h u d i c h n ni findet sich dort die
Traminer-Rebe nicht, ~zuclivide Meilen im Umkreise ist sie
nicht zu sehen iind ist dcmnnch als wahrscheinlich anzuneh-
Ueber deu Ursprnug uud den h b n u der Weinrebe.
167
men, dass dicse Rebensorte nur dcm Rheinthale urspriinglich
eigen ist.
Die vierte Sorte, welche in der Rheingegend in bedeutender Ausdehnung angebaut wird, ist der S y l v a n e r , der
mit dem Riessling die rneisten mittleren Rheinweine producirt.
Der Traminer .hat ein angenehmes, besonderes Bouquet; der
Sylvaner - Traubenwein ist geistig, wohlschmeckend , hat aber
weniger Bouquet. Die Rothweine von Assmannshausen und
Tngelheim werden von B u r g u n d e r T r a u b e n bereitet, aber
diese Weine unterscheiden sich sehr auffallend von dem Burgnnder-Wein. Die rothen Weine van Boslau und Gumpoldekirchen bei Wien werden von den sogenannten , , f r u h e
b 1a u e n P o r t u g i e s on" gewonnen, die Traube ist friihreifend,
blauschwarz , 'hat grosscre Beeren als ,der Burgunder, und
obwohl der dunkele Wein sehr gesucht wird, so scheint doch
tiein portugiesischer Ursprung noch nicht bewiesen. Kroatien
ist fir den Wcinbau besonders geeignet, es wachsen dort
grossbeerige Trauben, wie die blaue Zimmttraube , rothe Portugiesen , Griinhainer , der Zeunisch , der weisse Welschriessling und die Tokayer - Rcbe ,,F u r m i n t ;" die letztere giebt
ohne lange chemische Behandlung des Mostes nie einen guten
Wein. Derselbe Fall tritt beim Ungar- Wcin ein. Tokayer,
auch aus den besseren Jahren, lagert 10 bis 15 Jahre und
selbst jahrelang auf der ersten Hefe. Wiirden die Winzer
bessere Reben pflanzen und zweckmassigere Behandlung des
Mostes und des Weines einfuhren, so wiirde der Export
auch nach Deutschland bedeutender werden.
Der Weinbau in Dalmatien ist dem in Italien iihnlich,
und es wachsen dort dunkele, adstringirende Weine, die aber
meistens nach Italien, der Turkey, Thessalien etc. versendet
werden ; und be? zweckmassigerer Behandlung wiirde der
Export w r gewinnen konnen. Fiir Tyrol ist noch des beriihmtcn T y r o 1i n g e r s (in Deutschland Trolinger gcnannt)
zu erwlhnen; die Franzosen, welche diese Weinrebe auA der
Pfalz bezogen haben , nennen dieselbe F r a n k e n t h a 1e r.
Diese Rcbe ist ungemein fruchtbax und selbst bei nicht sehr
giinstigen Jahren konnen die Trauben verwendct werden, sie
'
+
168
Ueber den Ursprnng und den Anbau der Weinrebe.
sind etwas lockerbeerig) kleinbeerig, diinnschalig und wohlschmeckend. Die beriihmten W einblume in den Treibhausern
zu H a m p t o n - C o u r t und Schloss Windsor sind Trollinger Reben.
Die chemische Analyse der Weine ist nach Dr. T h u d i c h u m seither meistens auf die Untersuchungen beschriinkt worden, ob man cinen Naturwein , einen gemischten
oder einen verfalschten Wein vor sich habe, es sind dieses
nach T h u d i c h u m nicht die wahren und hauptsachlichsten
chemischen Fragen, die man an einen Wein zu stellen hat,
sondern es handelt sich hier mebr nm die Erforschung der
chemischen Natur des Weines und seiner wirklichen Zusammensetzung der Bestandtbeile.
So enthalten Weinc c i n e b e d e u t e n d e A n z a h l v e r s c h i e d e n e r A e t h e r a r t e n , in manchcn Fiillen 25 und
mebr, wahrend des Rcifons beim Lagern vermchrt sich ihre
Zahl bis diese ein gewisses Maximum erreicht, dann aber
nimmt die Anzahl wieder ab und so wird durch die chemische
Analyse die Beobachtung der Geruchsorgane bestiitiget.
Nach dem Ausspruche von wissenschaftlichen Chemikern,
welche ron der franzosischen Regierung beauftragt waren
uber das Gypsen des Mostes ihr Gutachten abzugeben, hat
die Regierung verboten dass mit gegypsten Weinen weder
die Armen noch die Flotte versorgt werden solle, weil sie
sich a h schiidlich erwiesen haben. Bei den Ungar- Weinen
legt man einen Werth auf den Gehalt an Phosphaten und
etwas Eisen, aber diese Bestandtheile sind gering und die
Quantitat ist oft sehr verlnderlich, so dass wenig Werth
darauf zu legen ist.
Ausserdem enthiilt ein kleines Glas Bier mehr phosphorsaure Verbindungen als eine Flasche Wein. Im Verlaufe
des Vortrags wurde auch den Zusatzes von Glycellin besprochen, welcher in Frankreich und Deutschland dem Wehe oft
gemacht wird; da aber friiher schon ein franzosischer Cbemiker nachgewiesen hat , dass in gegohrener Flussigkeit immer
Glycerin vorhanden ist, so wird durch den Zusatz von reinem
Glycerin nur ein normaler , bei der Gahrung veranderlicher
)
Ueber den Ursprung und den Anbau der Weinrebe.
169
Bestandtheil etwas vermehrt; der Wein wird dadurch etwas
siisser, es benimmt demselben den harten Geschmack, welchen
besonders manche saure Weine haben. Auch der Zusatz von
Zucker vor der Gahrung und Verdiinnung der Saure mit
Wasser , wurde als eine rationelle Verbesserung des Weines
anerkannt , doch wurde bemerkt , dass der , dem giihrenden
Most meistens zugesetzte Traubenzucker (aus Stiirkemehl und
Schwefelsaure bereitet) , ein anderer sei , als der , welcher
urspriinglich in den reifen Trauben und Most enthalten iet
und ausserdem noch manche Verunreinigungen h a t Diese
letzteren gehen dann meistens in den Wein iiber, wodurch
derselbe zuweilen einen nicht angenehmen Geschmack erhiilt
und weniger haltbar ist, wie der reine Naturwein. Am richtigsten und rationeller wiirde man verfahren, einem solchen
Weine Rohrzucker zuzusetzen, der durch die Wirkung der
Saure in die Zuckerarten verwandelt' wird, die in den Trauben enthalten sind; wegen der Mehrkosten wird meistens,
besonders bei den geringeren Weinsorten Traubenzucker verwendet.
Die Sauren wechseln in den verschiedenen Weinen sehr
merklich ; wahrend bei vielen die Weinsaure vorherrscht , hat
der Portwein und Sherry kaum etwas davon, weil bei dem
ersteren durch die Menge des Alkohols die weinsauren
Salze ausgefiillt werden und der Sherry eine Zerseteung durch
das Gypsen erleidet.
Die zusammengesetzten Aetherarten haben immer eine
bedeutende physiologische Wirkung als Reizmittel, besonders
die 0iichtigen Aether; sie sind in den verschiedenen Weinen
sehr verschieden, aber am reichlichsten in den Naturweinen
enthalten, denen sie Aroma und Bouqnet geben. Alle verstarkten Weine, ausser Portwein, Xeres und Madeira, enthalten wenige, fliichtige Aetherarten, aber eine grossere Anzahl
von h e n , welche weder das Bouquet noch dieselben stimulirenden Wirkungen besitzen.
Champagner ist ein starker Wein, aber durch die Menge
von fliichtigen Aetherarten sehr stimulirend , was durch den
Kohlensauregehalt noch sehr vermehrt wird.
170
Bryologiscke Notisen aus dcm Rhongebirge
Auf der Insel Madeira hatte durch die Traubenkrankheit,
durch Oidium , der Weinbau lange Zeit aufgegeben werden
Sussen und noch immer tritt dieser Pile in den neu angelegten Weinbergen, mehr oder weniger in vcrschicdenen Jahren auf; so 1869 mehr als 1868. Die besten Ernten seit der
Wiederanpflanzung fallcn in die Jaliru 1863 und 1865. In
den riiirdlichstcn Thcilen der Insel, wo friiher dic Hauptyuelle
der billigeren Weine war, hat man don Weinbau ganz aufgegeben, de sich diese Gegenden besscr fir Cfctreide und
sonstige Kultmpflanzen, als zu Weinbau eigncn. Die jiihrliehe Weincrnte betragt bis jctzt nur cin D r i t t e l der friiheren, hat sich aber seither bestandig vcrmehrt. (Gaea Trl B.)
Dr. Lijhr.
Bryologischc Notimn itus ilcm IthiRgnbirgc.
Vun A d c l L c r t G c h e e b , Apoth. iu Gcisa.
K,
Reue zahlreiche Wunderungen in dns Rhongebirge, fortgesctzt bis Bnfang December 1870, liabcn der interessanten
Punde wieder so viele crgcbcn, dass ich, ganz g e g e n meilien ursprunglichen l'lan , schon jetzt cine kleinc Fortsetznng
dur vorigen Sliizze (S. Archiv d. Pharm. Jan. 71) folgen lassen will.
Dabei gercicht cs mir zu hohem Vergniigen, Hmrn Prof. Dr.
M i l d e abermals aufs Wiirmstc zu danken fir die wahrhatt
aufopl'ernde Liebenswiirdigkeit , mit welcher der allverchrtc
Forscher sammtliche zweifelhaften Moose, auch clcr diesjiihrigen Ernte, ebenso rasch als sorgfiiltig untorsucht hat. Bci
solcher Untcrstutzung wird mein vorgcsteoktes Ziel in nicht
allzulanger Zcit, so hoffe ich, errcicht sein.
1) P l e u r i d i n m a1 t c r n i f o l i n m Br. et Sch. Zahlrcich
aid einem sandigen Aclicr bei K i r c h h a s c l ; bis jetzt der
einzige Standort im Gebiete, *wShrend das verwandte P. s u b u 1a t u m uberall in der Rhon hanfig ist. *) Vooi Xm. Verfasser als Scpmatabdruck nus der ZcjtscLrift F1 o r a
cingesandt.
IT. L.
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