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Ueber die Erkennung von Blut und von Blutflecken bei gerichtlichen Untersuchungen.

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Ueber die Erkeiinung von Blut und von Dlutflecken
hei gericlit lichen 1J u tersuctiungen.
Professor Dr. [-I e i 11 r i ch R o s e in Berlin tlieilt daruber folgcntfe wichtige A bhandlung niit.
D a s I3 I u t Ita nn in s r i n c n Ei ge n s r) b a ft c n his w e i I c:n ei n c
grosse VerSnderunq erleirlen, wenn es mit gewil;sen Snhstanzen I i i n ~ ci n 13eriilirung gcwt'sen ist, so dass man cs
an f ch em i sch m \Ycge n ic!i t d ti rch gew iilinl i che Ilea Zen ti en
zu cr!tcnncn irn Staridc ist. I<s ist dies bei gericlillicfien
Untcrsuclirlngen von U'ichtigkeit, wie ich mich durch
eigene E~~fahruog
iiberzeugt hilbe.
Wenn l 3 l n ~ irn getrockneten Zustande, niclit gctmengt
mil antleren Substanzen, zur UntE-rsuchung voi-liegl, so h a t
cliese keino Scliwicrigkeiten, sclbst wenn die l l r n g e des
getrockrielen Illntr~s sclii. gcring i5f. Man I-)eliandclt es
mit kallem destillirtern Waaser anhaltend rind IanKe, intlem
man von Zeit ZII Zeit dassolhe vom ungeliisten Faserstolf
vorsichtig abgiesst, I)ic tlerselbe r l u i d i tIic lleh~~nrllung
mit
Wasser so zicmlich vorn Blutrothe hefreit ist. Drirch die
mi li r os k opi sch e I1es i c h t ign n g cr k en n l man den r u clc st andigen k'asersloff tlcutlich irk solcben, bcsonclers wenii m a n
ihn vergleiclit mil, andcrem, tier fvisch A U S eincr lileincn
M enge vo n g?
I 1.0c k n c t c ni hl en < c h e n t 1I u t d u r cli I1e ti a ri tl I u 11g
rnit Wasser absichtlich dargwiellt worden ist.
Die wiisscrige 1,iisung des I3introthes priift rnan mit
ReagcJrititm, rind wentlct zu diesen Veriuchen ntir die erste,
gleichsarn concentrirtc, Losung an, wiilirend die folgenden,
die als Wascliw er gedient, hal)cn, zu wenis vorn aufgeliisten Klutroth c~nthallcn. Die Ilcactionen. die man verwendet, sind beltannt und i n Le!irbiichern der gerichtliclirn
Medicin besctiriel)cn. Einen 'rheil dcr Flussigkeit crhitzt
man his zum Kochen wotlurch in ilir ein grcisseres oder
gcringeres Gerinnsel cntsteht, jc nach der hlrnge des aufgeliistcw Dlutrothes. War die TAiisung selir verdunnt, so
ontsteht oft nur ein OpaIisir.cn.
Die Farbo des Ccrinnsels ist schmutzig-rothlich. Es
k i s t sich lcicht in erhitzter iitzender Kalilosung aul'; die
Farhe ist mehr odcr rnincler grunlich, sie hat aher das
Eigenthumliche, hi ciner gewissen, aber nicht zu starken
Vertliinnung der l'lussiglicit griin nur Ijeirn durchgehendcn
Lichte zu crscheinen, heim darauf fallenden ist sic roth.
Diese Beobaclitungen k a n n man am besten in einem wcissen Rcagensglase anstellen.
Setzt rnan zu einem antlern Theile der Auflosung des
Dlutrothes Chlorwasser im CJebermaass, so dass sic nach
~1
Erkennting von Blut bei gerichtlichen Unlersuchungen. 3 I3
dem Schutteln danach riecht, 60 wird sie entfarbt, und
es scheiden sich weisse Flocken ab, die gewohnlich auf
der Oberflache schwimrnen. Wirt-l Salpetersaure zu einem
dritten Theile der Blulanflosung binzugefugt, so entsteht
tilie weissgraue Fallung, und Gallapfeltinctur giebt in dem
vierten Theile der Losung einen schwach violelten Niederschlag
Von diesen Reactionen kijnnen nicht alle angeetellt
werden, wenn man nur eine sehr kleine Menge von aufgelostem Blutroth zur Verfugung hat, wenn z. B. nur ein
nicht bedeutmder Rlutfleck mil Wasser behandelt worderi
ist. Dann ist es rathsam, die geringe hlengc der concentrirten odcr nicht zu vertiunnten Losung des Blutrothes zu
kochen und die gekochte Losung mit Kalihydrat zu behandeln. Hat m a n dadiirch die olwn angefiihrlen Erscheinungen erhalten, so kann diese alkalische Flussigkeit rnit
einem Uebermaasse von concentrirlem Chlorwasscr versetzt
werden, wodurch weisse Flocken sich abscheiden, oder
man kann dazu nur die HRlfte der alkalischen Liisung
verwenden, um die anderc Halfte mit Salpetersarire zii
iibersattigen, um den oben angofubslen Niiderschlag zu
erhalten.
In dcn Rantlbuchern ist ausfuhrlich angegeben, wie
die AuflCisung de.i Blutrothes sich von Auflosungen anderer
I?asbstofk organisclicn Ursprungs leicht und sicher auf
cheniischern Wege unterscheiden liisst, und wie auch die
Uiulllecken zu erhennen sind, wenn sie narnentlich auf
ungefarbtem Leinen- oder Baumwollenzeug sich finden.
Man kann bei der Behandlung tierselben mit kaltem Wasser das Bluhoth ausziehen, wiihrend der Faserstoir auf
dem Zeuge zuruckbleibt, vorsichtig abgeschabt u n d m i k i . 0 skopisch besichtigt werden kann.
Sincl iridessen die Blutflecken auf .gefarbtem Zeuge,
und 1,csontlers auf einern Zcuge, tlas aus einer stickstol‘fartigen organischen Substanz besteht. wie a d Wolle oder
Seide, so konnen dieselben nur mit Schwierigkeit erkannt
werden, wenn sie nicht in so bedeuteiitler Menge vorhanden sind, dass man das getrocknete Blut vorsichtig at1
dem Zeuge pbksatzen kann. Es geht dies aber sehr gut
an, selbst auch bei kleinen Mengen, wenn nian dabei mit
Behutsamkeit verfahrt,. Ich hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, mich davon zu uberzeugen, als ich Blutflecke, die
nur als feine Triipfchen auf einen schwarzen Tuchrock
gespsutzt waren, der Untersuchung uriterwerfen musste.
Ich konnte mich nur durch Besichtigung vermillelst einer
guten Loupe von ihrer Gegenwart uberzeugen, u n d dies
3.14
Erkennuny
voti
Blul Lei prichtlichen Unlersuchuqen.
gelang besser bei Lampenlicht, als beim Tageslicht. Sie
wurden mit griisstcr Vorsiclit abgekratzt, wobei naturlich
nicht vermieden werden konnte, dass mit dem getrockrieten Blute nicht anch vie1 von den Tuchfasern abgeschabt
wurde. Das Abgekratzte, dessen Menge nur unbedeutend
war, wurde in einem kleincn Niipfchcn von weissem Porcellan mit eiriigen Tropfcn von l i i ~ l t C ~Wasser
1
libergossen ;
nach liingercr Uigestion i n der Iialte wurde dassclbe
rijthlicli gefiirbt. L)ic Losung wurdc von den nngeliisten
Tuchl'asern abgeg,)ssen. Wcgen tier Cegenwart dieselTuchtasern korinte n u n freilich der ungeloste Fasersloll'
mikroskopisch niclil untersucht werden, aber i n der riithlichen Losung erzeugte sicli durcti Kochcn ein Gerinnsel,
das sich in Kalilauge durch Erhitzen n i i t griinlicher Farbe
liiste, die den oben erwahnteti L~iclrroisinusdeullicb zeiste
u n d durch Iieagentien die Iieactionen gab, deren otJc?n
gedaclit worden ist.
Von ganz bcsonclerer Bedeulung a h ist die Untersuchung des Ulutcs, wcnn cs u u f rnc~alliscliernEiseri eingctroclrnet i s t . h i einor solcheir ~ ! ~ ~ ~ e r s u e t i tu~nign ich
auf besonderc Schwicriglteilen gestosscn, die ieh bei friihere11 Unkrsu cli II n gcu
ril ichcr
1'1 riiclit crwil 11 n t find e,
uiid tlereri Mittheiluiig mir von einer ;;ewissen Wiclitigkeit
zu scin sclieirit
V il u q u e I i n hat zucrst die Ikmerliung ipnncht, dass
Eisenrost, welchor sich im 1rinc~r.ntJewolinler Iliiuser auf
Gegerrtiintleti von me:allischem I<isen gchildet l!til, Ammoniak enthiilt. C he v a 1 Ii e r , der (Jic'sc Wahrnehmung bestiitigte, l'and Animoni~k aucli in tlt!n i n dcr 1Uilt~r sich
findenden Oxyden des Eisens, u n d U o u s si n g a u 1 t ilicses
Alkali sogar i n cinern ~isenoxydbydi.~:t,,
welches an seinem
Standorte niclit unmittellrar i n Lkruhrung mi(, cter Luft
gcwesen war. Auch A u s t i n liatle schon friilier gefunden,
dass w e t i n I3isen duidi Bcriihrung niit Luft und Wasser
sich oxyclirt, Ammoniak gebildc:L wurcle.
Wenn man dalier vermuthet, dass, wenn ein schneidendes Inslrumenl von Eiseri a u f einer Oberfliiche stark
:nit Rost ubcrzogen is[, in dicsenl Spuren von getrocki~etemBlute enthalleri sein biintilen, so muss nmn in der
Entwickeluns von Arnmoniak beiin Erliitzen des gekratzten
Eisenrostes nicbt cine Ilesiiitigung jener Vcrmutbung zii
finden glaubeii.
IIat m a n nacli einer schwachen Erliitzung in einern
trocknen Reagensglase das Arrimoniak aus dem Eisenl:oste
enlfernt, den riiaii von dern eisernen Instrumente abgeschabt
hat, so ri)uss bei Gegenwart vori auch nur geringen Yengeii
Erltennung von BIui bei yarichtlicheic Untllersuchungen. 3 1.5
von Blut durch starkere Erhilzung iler bekannte stinkende
brandige Geruch wahrgenommeri werden , der bei der
Verkohluog eiweissartiger Substanzen entsteht, und braunes. slinkendes empyreumalisches Oel wird sich an dem
iiicht erhitzteri Theile des KeagensglLischens zeigen. Nocli
sicherer aber kann die Verinuthung bestatigt werden, wenn
man den schwach erhitzten Eisenrost in geringer Menge
mil sinem ungefiihr gleichen Volni-nen Kalium oder hesser
L O I I Natrium in einer sehr kleirinn Glasriihre schmilzt, die
an einern Ende zugeschmolzen ist, die geschmolzene Masse
nach dern Erkalben rnit Rasser I)ehandrlt, die fillrirte
Losung niit eincr sehr gcringen 3len:;e Risenliisung. die
zugleich Osytl und Osydul enthalt, verselzl und darauf
iiiit elwas S i i l z s h 1 1 ~ubersattigt. Es hleibt dann cine griis.
sere oder geringere hlenge von Berlinerhlau unqelijst, wenn
Ulut zugegrn war, dessen I'arhe nur g i i n erschcint, wenu
die Menge der hinzugefiigten Eiscnauflosuug elwas zu
hedeutend gewesen ist.
I)urch Gegenwarl von Rlut irn Eisenrost enlstehen
Richer diese Err;clieinunpcn, auch wenn dasselbe i n hiichst
yeringer I'Pienge vorhanden w a r Aber diesc Ersclieinungeu
hrauchen niclit gerade von Anwesenheit von B l u l herzuruhren, denn sie wenlen d u r ~ hdie Gegenwari jecior sticksto ffh a 1li gc n u i-giI 11i schc II S111) s la n z bed i ng t . \Venn a be r
tler Eisenrost nur durch Oxydation ties &ens an feuchter
Luft entstanden ist, so zeigen sich jene Ersclieinungen
be$t iII ini I nich :
Uebrisens lassen sich Blulfleckc, die a d tilankem
tiwtallischcn Eisen eingetroclinet .-inti, sehr leicht schon
von Roslllecken unterscheitien
.Iene sind tlnnkelbt~aun
und nur hellroth, wenn das [Ilut heirn Eintrockncn auf
Eisen sehr diinn ausgebreilet war. Sie zeichnen sich aher
besonders dadurch aus, dass n a n h den1 l'rockiien das U l u t
sich selir leicht von dem Eisen abliist u n d dicses ziemlich
rein hintcrl~isst, wahrend die 1ioslllt:clte rest aim Eisen
sitzen u n d schwer von Jemselberi abzukratzen sind. Wenn
daher ein Messer, das mil lllut belleckt war, lange als
Cor us deOctk aufbewahrt wird, so is1 leicbt rnijglich, dass
nacK einet gewissen Zcit keine Riulspuren aur ihm gefuuden werden kijnnen, da durch die geringste Reibung das
irockne R l u t sich vom Jlcsser ablijst rind verloren gcheri
k an n.
lch hill)(?rriicti tlavori durch eigerie Vei.siralic hei einer
gerichtlichen Untersuchung uherzcugen kijnuen. Es wurde
mir oin Mosser zur Untersuchuns iibergehen, vermittelst
en mit dor gi*ii:;s[en Wahrscheinlichlicit eiri Mord
3 I6 Erkennung von Blut bei yerichllichen Untersuchunyen.
verubt worden war. 1)ieser Ilord geschah wiihrend tles
Somrners in einern Koriifelde; riilcli demselben blieb das
Messer auf deni Felde licgen und wurde erst nach ciniger
Zei t au f g fir liden.
Die Klinge des Messers war durch das tiegeri auf
feuclitcr Erdc mil Rost stark uberzogen, so dass nur ari
sehr wcnigen Stcllen die mctallische Oberfldclie dcs Eisens
zu bemcrhcn war.
Die Hostflccke hntten ~ollliomnien das Anscthen von
Host, wic er sich a u f metallischcrn Eisen durch den Einfluss von Feuchtimkeit urid L u f t bildet. Nach dcm Abkratzen in einem Eleinen lleagensglase erhitzl, cntwickcltc
der Rost Ammoniak, das hefeucliietes Lackmuspapier stark
hliiuete; abcr beiin stiirkcren hhitzcn zcigte sich kein
branstiger Geruch, und Spuren von em yreirmatischem
O d e waren nicht zu I)emcrkcn. Wurde er crtiiizle Rost
rnit Natriuni geschniolzen, so konnte dnrch die obeir
cr wa h nte Bcli an d I un g k e i n tl er I i i i c i blau erhnl te II we r den.
Dns erwihntc Messer war cin solches, dcssen Klinge
eingesclilagen werden lionnte. Es war mir abcr niii nicht
eingeschlagener Kliiigcb iibcrsandt und hiichst wahrscheinlicli auch in dicscni Zustandc auf oder in der Erdc gefunden worden. so t1;iss d a s anhal'tcnde Dlui durch llcgen
wegg(!spult s p i n musslc und dcr auf der Klinge sich bilderide I:i.enrost nichts davon cnrhnltcn lionnte.
Dai lnncrc der Schale tics Alessers war mil eincr
d II n k cl n , fit .c t s (: h w R rze n S11 bs Ia n z LIn ge fu I I t, w e I cti e u n mi ttclbar nach deiii Hcrauskralzcn rioch eiwas weich war,
aher spiiier zu cincr zerrcil)barcn Masse er1iPrtetc. Eirie
sehr klcinc. Menge davori in einwn kleinen Ileagelislliisclicheit erliitzt, verhiclt sich wie petrocknetes Blut. cs entwickelte einen starken, brandigcn Gcrucli, es Liltlcte sich
stinkendcs cm~~yreun~ntisches
Ocl urid ails deni erhitzten
Ruckslande konnte tlurcli Ilehanrllung mit Katriurn eine
bedeutende Menge von Uerlincrblau erzcugt werden.
Als aber cine griissere Jlcngc der schwarzen Matcrie
rnit U'iisser beliandclt wurdtl, nahrn diescs auch nach l a n ger Beriihrung heiri tllutrotli daraus nuf und firbte sich
nicht riithlicli. Die Digestion wurde sehr lange Ibrtgcsetzt
und selbst dui-ch eiiie gelinde Ilitzc unttlrstiitzi, die jcdocli
nicht so gesteigcrt wordc, (lass die etwa aufgclosten Substanzen dadurch coagulirt werden konntcn; dessen ungeachtct hlicb das Wasser gariz ungefirbt. Nach dcrn Filtviren ergab sich durch Heagentien, dass es nur cine sehr
geringc Spur von ciwcissartigen Substanzen aufgenommen
hatte.
x
Erkennung von nlut bei gerichtlichen Untersuchungen. 317
Wurde aber die mil Wasser behandelte schwarze
Substanz darauf mil etwas Ki~lihydratlosung qekocht, so
fiirhle sie cliese sosleich grunlich; die fildrte Liisung
zeigte den obeu erwahnlen Dichroisrnus u n d verhirlt s i c h
gegen Reagentien gmz wie eine Auflosung des Rlutroths
i n Kalilosung. Als die Substanz nach der Behandlung mi[.
Wasser und Kaliliisung mit Salzsaure digerirt wurde, lijste
diese eine hedeutende Blenge von Eisenoxyd daraus auf,
das nach Uebersattigung der Losung vermittelst Ammoniaks als ein voluminoser Niederschlag gefdlt wurde Die
schwarze Rlasse ails der Scheide des Messers bestand
also wesentlich a m getrocknetern Blute und Eisenoxyrl,
welches sich als Rost durch die Fenchtigkeit aus dern
metallischen Eisen, mit welchem die innere Schale des
M esser s he k I e i d c t war , ge b i Id et hat t e.
Durch die Gcgenwart dw grossen Blenge des Eisenoxydhydrats hatte also clas getrocknete U l u t eine seiner
wesentlichslen Eigenschaflen, seine Lijslickeit i n kaltem
Wasser, verloren; und in der That kann nach vergleichenden Versuchen, die ich zu dern Ende in grosser Menge
angestellt habe, das feuchte Eisenoxydhydrat das Blutroth
vollstiindig aus seiner Aulliisung fallen und die Losung
tlesselben im Wasser verhindern.
Dass dern so sei, ergab sic11 schori durch eint: fernere
Untersuchung des Inhalts der innern Schale des erwahnten
Messers. Ausser der erwahnten Materie fand sich da ein
Stuckchen Holz eingeklemmt, wo ungefahr die Spitze der
Klinge einschlagen kann, um dieselbe nicht auf das Eisen
der innern Schale schlagen zu lassen. A n diesem I l o l z r
hatte sich, besonders a n dern einen Ende desselbcn, getrocknetes Blut angesclzt, das wahrscheinlich nicht mil
dem Eisenrost in Beruhrung gekornmen war. lhrch llesichtigung rnit der Loupe konnte es deuilich fiir getrockneLes Blut erkannt werden.
Dieses Stuckchen Holz wurde a n dem Ende, wo es
am wenigsten Blut enthielt, an einem leinenen Faden hcfestigt, in einern engen Reagensglaschen in Wasser gebracht,
so dass es nicht auf dcm M'asser schwimmen konnte,
sondern zum grossten Theil in demselbeu unterget.aucht
war. Nach einiger Zeit konnte man sehr deu~lich wahrnehmen, dass von dem Holze aus, und zwar von den
Stellen, wo das getrocknete Blut sass, rijthliche Streifen
nach dem Botlen des Glases sicli senkten, whhrend eine
flockige voluminose Materie am Holze sitzen blieb, die
sich urn so heller farbte, je langer die Einwirkung des
Wassers dauerte. Mit der Zeit, loste sich ein grosser Theil
318
Erkenn.ung von Blul bed gerichtlichen Urrterstcchunyen.
dieser Materie vom Holze ah und fie1 auf den Boden ties
Glases. Nach zwei Tagen wurde das Ilolzchen aus dem
Wasser gezogen, und die flockige Materic, die am Hoke
sitzen gehliehen war, der mikroskopischen Besichtigung
unterworfen. Sie zeigte sich vollstandig identisch mit
Fasersloff, der aus getrocknetem Menschenblute durch
eine ahnliche Behandlung mit Wasser zur Vergleichung
mit dem erhaltenen frisch dargestellt worden war. Die
riithliche Flussigkeit, in welcher der Faserstoff sich nbgesetzl halte, wurde von demselben abgegossen Obgleich
sie eine verdiinnte Auflosung war und nur wenig vom
Blutroth aufgelost enthielt, so zeigts sie, durch Reagentien
gepruft, unzwcideutig die Gegenwart des Rlutroths.
Die Eigenschaft des Eisenoxydhydrats, sich mit den]
Blutroth zu verbinden und dcmselben eine seiner wichtigsten Eiqenschaften, seine Loslichkeit in kaltem Wasser, z u
nchmen, vertlient hei gerichtlichen Untersuchungen Beachlung. Ich habe deshalb eine Reihe von Untersuchungen
uber diesen Gegensthnd angestcllt, deren Resultate inh in
der Iiiirze hier mittheilen will.
Wird frisch gefalltes reines Eisenoxydhydrat mit einer
verdunnten Auflosung yon Blutroth in der lialte unter
iifterem Umschiitteln digwirt, so enthalt schon nach 25
Stunden die filtrirte Auflosung kein Rlutroth, wahrend
durch Kochen des Eisenoxyds mit Kalihydratlosung Blut
aufgeliist wird und in derselben durch Keagentien leicht
entdeckl werden kann.
Wird statt des feuchten Eisenoxydhydrats geqlubtes
Eisenoxyd rnit eincr verdunnten Aufliisung von Bhlroth
hehandelt, so nimmt dasselbe ungleich weniger von demselben auf. Nach 28 Stunden ist die filtrirte Plussigkeit
noch gefiirbt, aber aus dem ruckstandigen Eisenoxyd kann
durch Kocheri rnit Kalilosung eine betrachtliche Menge
von I3lulroth ausgezogen werden.
Je frischer das Eisenoxydhydrat nach seiner Fallung
angewendet w i d , desto schneller entfiirbt es eine Auflosung von Blutroth; nur ist es in diesen Fkillen schwierig,
die Flussigkeit zu filtriren, weil anfangs das Eisenoxyd
mechanisch tlurchs Filtrum geht. Hat man sie aber klar
filtrirt, so kann tnan keine Spur von Blutroth in der filtrirten Fliissigkei1,wahrnehmen. Eirle Auflosung von Blutroth
init einer hinreichenden M e n p von Eisenchlorid versetzt
iind dann aus derselben das Eisenoxyd durch Ammoniak
gefallt, gab nach dem Filtriren eine Flussigkeit,, die farblos
war und kein Dlntroth enthielt. Es versteht sich, dass hei
diesen Versuchen das Hlutroth riur in so geringer Menge
Erlcennung von Blut bei gerichtlichen C'vitersuchungen. 319
angewandt wird, dass durch seine Gegenwart die Fallung
des Eiscnoxyds vermittelst Ammoniak nicht verhindert
werden kann.
Wird die Auflosung des Blutroths hingegen mil eincr
Auflosung von schwefelsaurem Ammoniumoxyd-Eisenoxyd
(E isen a III monia k al a u n) u n d d a nn m it A rnni o n ia k verse t zt,
so ist die filtrirte Flussigkeit nicht vollig entfarbt, wenn
auch die Menge des Eisensalzes ziemlich betrachllich ist.
Wird aber zur Losung noch Salmiak hinzugefiigt und dann
Ammoniak, so ist die filtrirte Flussigkeit vollig entfarbt
und enthalt ltein Blutroth.
Lasst man Blutrotti in einern mit Eisenrost stark iiberzogenen eisernen Gefasse bei der gewijhnlichen Temperatur der Luft eintrocknen, befeuchtet man die eingetrocknete Masse mil Wasser u n d Iasst dies wieder eintrocknen.
so erhalt man nach nicht sehr langer Zeit, wenn m a n
diese Operation einige Male wiederholt, eine trockne
Masse, welche, [nit Wasser behandelt, demselben keino
rothe Farbe mittheilt und kein Blutroth abgieht. Wird
aber der mit kaltem Wasser behanclelte Riickstand mil
Kalihydratlosung gekooht, so erhiilt man nach dem Filtriren eine lief gefarhte Losung, in der leicht durch Reagentien die Anwesenheit des Blutroths nachgewiesen werden
kann. I h s in der Kaliliisung ungeloste Eisenoxyd zeigt,
nach der Auflosring in Salzsaure vermittelst Kaliumeisencyanid gepruft,, einen Gehalt von Eisenoxydul.
Wenclet man statt eines rostigen Gelasses von Eisen
eins mit blanker, mctallischer Oberflache an, und lasst man
in demselben Blutroth bei gewiihnlicher Temperatur eintrocknen, so dauert es bei weitt:m Iiinger, ehe das Blut.roth durch das sich einhildende Eisenoxytlhytli~at seine
Lijslichkeib im Wasser verliert. Alan muss clas Befeuchteri
niit Wasser untl das Eintrocknen hei weitem iifter wiederholen damit die Unloslichkeit dcs Blutroths in kaltern
Wasser erfolge. klan erhiilt dann cndlich eine braunt.,
fast schwarze Masse, die sich leicht pulvern Iasst. Die
Masse giebt dann an das Wasser keiri Blutroth mehr ah
und verhalt sich gaoz so wie die, welche in der Innenseite
der Schale des ohen erwahnten illcssers enthalten war.
Thonerdehydrat verhiilt sich gegen eine Aufl6sung
von i3iutroth alinlich wie EisenoxytJbydrat. !m frisch
gelallten Zustande nirnmt FS dasselbc auf, rind die liltrirte
Lrisiirrg ist farblos und enthiilt kein Blutroth. Es scheint
indessen eine grossere Menge von Thonerdehydrat als von
Eisenoxydhydrat nothwcnclig zii spin. urn der Auflijsung
einer bestirnrnten Menge von Hlutrot ti letzteres zu entziehen.
320 Erkennung uon Rlut bei gerichtlichen Uritersuehunyen.
Aus einer AuflOsu~~gvon Huhnereiweiss in Wasser
konnte durch Eisenoxydhydrat und durch Thonerdehydrat
dasselbe nicht so vollig entfernt werden, wie das Lllutroth.
Wurde eine verdunnte Auflosung von Blutrohh mit
gepulvertem Thon unter ofterem Umschutteln in der Kalte
digerirt, so gehorte ein langer Zeitraum dam. wohl von
einem Monat oder noch langer, u m die Flksigkeit farblos
zu machen, wobei das Blulroth anfing sich zu zersetzen
und den bekannten Geruch des faulenden Kase entwickelte.
Die filtrirte Plussigkeit enthielt dann Ammoniahsalze in
geringer Menge, aber kein Blutroth. Der Thon aher. dessen weisse Farbe nur an einigen Stellen in eine etwas
schmutzige ubergegangen war, farbte eine Kalihydratliisung
beim Erhitzen grunlich, und durch Reagentien Less sich
dann in derselben die Gegenwart von Blutroth leicht
entdecken.
Wurde hingegen eine sehr concentrirte Losung von
Blutroth in sehr wenigem Wasser mit gepulvertem Thon
sehr lange in Beruhrung gelassen, so konnte dasselbe von
dem Thon nicht aufgenommen werden. Es fing an zu faulen, und nach mehreren Monaten hatte sich noch die rolhe
P q b e des Blutroths erhalten. Erst sls das Ganze mit
vielem Wasser verdiinnt und umgeschuttelt wFrde, honnle
nach einiger Zeit der Flussigkeit das Blutroth entzogen
werden.
Der Thon besitzt also auch die Eigenschaft, das Blutroth dem Wasser zu entziehen, obsleich in einem weit
minderen Grade, als das feuchte Eisenoxydhydrat. Jedenfalls ist dieser Umstand bei gerichtlichen Untersuchungen
LU beachhen.
Diese Bemerkungen stehen in einem scheinbaren
Widerspwche mit einer von La ss R i g n e gemachten Erfahrung. Dieser benutzte einen Blutfleck, der durch etwa
;Deciliter auf einem Pflaster von feinem Sande (pad
tendre en grks, Thonboden ?) vergossenen Thierbluts entstanden war, urn zu sehen, nach wie langer Zeit man
daran die Natur des Bluts noch werde nachweisen konnen.
Man liess das Stuck Boden wahrend eines Monats dem
Regen und Lichhe ausgesetzl an freier Luft Iiegen. Die
Farbe war nach dieser Zeit blasser und grunlich, elwas
ins Rothe ziehend geworden. Das Stuck wurde gepulvert
und mit kaltem Wasser 12 Stunden hindurch ausgezogen,
das dadurch eine rothbraune Farbe annahm nnd durch
Reagentien die Gegenwart des Blutroths zeigte.
Der Ruckstand, der an das Wasser durchaus nichts [,Ohliches mehr abgab, hatte auch eihe grunliche Farbe, und
Erkennung von Blut bei gerichtlichen Uiitersuchungen. 31 I
nach einigen Versuchen zeigte er auch die Anwesenheit
des Blutroths. Er wurde nur [nit verdunnter Ammoniakflussigkeit digerirt, und L a s s a i g n e hat ihn nicht mit KaliI1 dratliisung erhitzt , wodurch sich die Gegenwart des
B utroths noch deutlicher herausgestellt haben wurde.
L a s sai g n e schloss aus seinen Versuchen, dass man
die von einem Boden eingesogenen Blutflecke selbst nach
einem Monate noch durch die gewohnlichen Reagentien
erkennen konne. Offenbar aber ware gewiss der Erfolg
ein anderer gewesen, wenn das Blut nicht in seinem concentrirten Zustande, sondern nach grosser Verdunnung
angewandt worden und ein noch Iangerer Zeitraum, als
der eines blonats verstrichen ware. Denn L a s s a i g n e
selbst hat sich, freilich durch nicht ganz zweckrnassige
Reagentien, davon iiberzeugt, dass der Boden nach vollkommener Ausziehung durch kaltes Wasser noch Blutroth
enthielt.
Schwieriger ist die Auffindung des Blutroths, wenn
die Auflijsung desselben einen Boden getriinkt hat, der
aus humusreicher Gartenerde besteht. Ich diyerirte sehr
lange, mehrere hlonate hindurch, eine verdunnte Auflosung
von Blutroth mit Erde aus einem Bluruentopf. Nach dieser
Zeit war die filtrirte Fliissigkeit farblos und gab auf Platin
abgedampft nur einen sehr geringen Ruckstand, enthiell
aber kein Blutroth. Die mit Wasser ausyezogene Erde
rnit Kalihydratlosung gekocht, gab eine tief gefarbte Flussigkeit, welche nach dem Filtriren eine dunkelbraunc
Farbe, aber wegen der grossen Menge des in Kali aufgeliisten Humus nicht den Dichroismus zeigte, welcher der
Auflosung des Blutroths in ICdilosung eigenthumlich ist.
In dieser Losung entstehen nach Uebersiittigung mit Siiuren braune Niederschliige, welche von derselben Beschaffenheit sich zeigen, als die, welclie durch Siiuren i n
der filtrirten Flussigkeit hervurgebracht werden, die dieselbe Gartenerde durch Behandlung mit, Kalilijsung giebt,
wenn sie auch nicht niit Blutroth behandelt wordeo ist.
Urn die Gegenwert des Blutroths in einer solchen Kalilosung zu erkennen, welche zugleich Humus aufgelost
enthait, ist es am besten, die Kalilcisung rnit einem Uebermaass von concentrirtem Chlorwasscr zu versetzen, wodurch wcisse Flocken entstehen, wie in einer Auflisung
von reinem Blutroth (oder anderer protdinartiger Korper)
in Kali, wahrend der in Kali aufgeltjste Ilumius diese
Flock~rivcrmittelst Chlorwasscr nicht erzeugt.
Wird hingegen eine concentrirte Buflosung von Blutrohh rnit Gartencrdc in der Kalte digerirt. so wird dasselbe
21
Arch. d. l'harm. CXXX, Bds. 3 . Ilft.
Y
322 Verfahren, den Leberthran geruchlos zu machen.
von der Erde so leicht nicht aufgenommen. Denn noch
nach niehreren Monaten giebt Wasser damit noch eine
rothe Losung, die Blutroth enthalt, obgleich nach dem
volligen Auswaschen der Erde mit kaltem Wasser dieselbe
noch Blulroth enthalten haben wurde, das sich in heisser
Kalilosung zugleich rnit Humus gelost hatte. ( Wztlslein’s
Vierleljahruchrift. Bd. 3. 2 )
u.
Verfahren, den Leherthran geruehlos zu machen.
Dasselbe besteht nach M u r r a y darin. den Leber‘thran mit Kohlensaure in Berijhrung zu hringen. Der
hierzu angewandte Apparat ist demjenigen ahnlich, welcher zur Fabrikation der Gaswasser gebraucht wird. Der
Leberthran, einem starken Drucke unlerworfen und mit
der Kohlensaure in Beruhrung gebracht vermittelst Rijhrern, welche an die Axe des Cylinders hefesligt sind,
wird vollstandig geruchlos. Der Geruch entweicht durch
eine beim Apparat angebrachte Oeffnung in die Luft.
(Pharrn. Journ. and Transact.)
A . 0.
IJeber Vorkommen der Butterssure in den Fauinissproducten der Ruckstaude von der Runkelriibendestillation.
Urn Alkohol zu gewinnen, wird in einigen Gegenden
Frankreichs der in Giihrung verselzte Saft der Runkelruben der Destillation unterworfen. Die Ruckstande von
dieser Deslillation verbreilen an den Orten, wo sie angehauft in Faulniss ubergehen, einen sehr ublen Geruch,
weshalb man einschreiten musste, diese Ruckstande so
zu beseitigen, dass die Umgebung dadursh nicht ferner
helastigt werde.
F e n e u 1 1 e hat die Faulnissproducte
soloher Riickstande untersucht.. Er fand darin fluchtige
Alkalien, Oele u n d buttersaures Ammoniak. (Journ.de Chim.
mid. 1 . 3 . - Chem.-pharm.Centrb1. 185L No. 41.)
B.
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