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Ueber eine Vergiftung mittelst Fliegensteins.

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ARCHI!' DER PAARMACIE.
CXXVI.
Bandes drittes Heft.
Erste AbtheCdung.
I.Phpsik, Chemie uad
prahtlsche
Pharmacie.
Ueber eine Vergiftung mittelst Fliegeosleias ;
von
Carl Ohme,
Apothelrer in Wolfenbfittel.
I n der Zeit vom 28. Juli bis zum 3. August d. I.
wurde vor hiesigem Schwurgerichte ein das allgerneine
Interesse im hohen Grade erregender Process verhandelt.
Der hiesige Friseur D o m b r o w s k y war angeklagt,
seine verstorbene zweite Ehefrau, mit der er seit zwei
lahren nicht glucklich verheirathet gewesen, mittelst Fliegensteins vergifiet zu hahen.
Das Zeugenverhor ergab, dass die Verstorbene am
Morgen des 14. April 1853 nach dem Genusse eines mit
Leberwurst bestrichenen Weissbrodes, das ihr D o m b r o w s k y eigenhandig uberreicht hatte, nach etwa zwei
Stunden heftig erkrankt war. Es zeigten sich Erbrechen,
Schwindel, Ohnmachten, Brennen und Schmerzen im Magen und im Schlunde, zuletzt hefiige Diarrhoen, welche
Krankheits- Erscheinungen mehr oder weniger heftig bis
zum 1h e n desselben Monates sich wiederholten, bis der
Zustand der Kranken nach dem Genusse eines Sagoschleimes mit Rothwein, den der Angeklagte eigenhandig seiner
Frau gekocht und uberreicht hatte, sich plotzlich so verschlirnmerte, dass dieselbe am Abend &es 16. April ver17
Arch. d. Pharm. CXXVI. Bds. 3. Hft.
258
Ohme,
schied, ohna dass in Folge der grossen SchwPche in den
Ietzten 24 Stunden noch starkes Erbrechen oder Durchfall
sich gczeigt hatte.
Die von dem Arigeklagten verweigerte Section wurdc
am age vor der negrabniss-Pcierlichkeit aul’ den Antrag
dcs Vaters der Versiorbenm Serichlsseitig angcordnet.
Sphter wurde mir dann der Magen und die Eirigeweidc
d er V erst or ben en z ur ch em i sch c n Uri t er s u ch un g u berg eben,
und ergab dieselbe Folgeridcs:
Dic innercn Magcnwande zeigten an vielen Stellen
sogenanrite hiimorrliagische Erosionen, ausscrdern befarid
sich im Magen eine rijthlich-graue sclileiniige Fliissighcit.
Schon mit blossen Augen und deuilicher noch mit der
Loupe liessen sich auf der Mulagenwand sehr fein vertheilte
schwiirzlichc Puncic wahrnchmen, von dcnen sich einise
metalliscli glaiizend und irisirend zeigtcn. Einige diescr
durch Abspulen gesarnmelten metallischcn Partikelchtw
erwicscn sicli durch die chcniischc l’rufung unzweifelhaft
als metallisches Arsen. Es wurdc jetzt noch zur Feststellurig der Gegenwart von arsenigcr Saure die blagcnflussigkcit direct in den Marsh’schen Apparat gebracht,
wodurcti sich eine grosse Menge von Arsenspiegeln bildcn
liesscn.
Zuletzt wurdc noch alles ini Magen vorhandenc Arsen
mitlelst Salpetcr- SalzsCure in Lijsung gebracht und aus
den mit Schwt3felwasserstofas niedergeschlagenen 25 Grari
Schwefclarsen die Mcnge von Arsen berechnet, die irri
Magen theils als blelall, tlieils als arsenige Siiurc befindlich
gewesen war.
Von den Eingeweiden war der Zwolffingerdarm stark
aufgetriehen, zcigtc aber ausser einigen bluiigcn Streifen
in seincm lnnern nichls Bemcrkenswerthes
Metaliisclies
Arsen konnte mittelst einer Loupe darin niclit aiif~cfuriden
werdcn. Selbstversthndlich aber war arsenige Saure i n
den Eingcweiden vorlianden, so dass mittelst Schwefelwasserstoffgas daraus 8 Gran Schwefelarsen dargestellt
werden konnten.
Es wurden ausserdem noch die Schlafrockstaschen
Veryiftuny mittelst Fliegensteins.
259
des Angeklagten untersucht und fand sich auch hier metallisches Arsen in kleinen feinen Punctchen, jedoch in sehr
geringer Menge vor.
Im Verlaufe der Schwurgerichts - Verhandlung kam
durch die Aossage der Krankenwarterin ein wichtiger
Umstand zur Sprache, dass namlich das Glas mit Sagoschleim und Rothwein, von dem die Verstorbene wahrend
der lelzten Nacht getrunken habe, am Morgen des Sterbetages von dem Angcklagken in die sehr heisse untere
Ofenrohre gesetzt und dort zersprungen sei, in Folge dessen der Inhalt des Glases ausgelaufen, von dem Angeklagten aber sorgfaltig, sowohl aus dem Ofen, als auch
vom Fussboden aufgewischt sei. Auf IetLteren Urnstand
gestiitzt, halte der Angeklagte durch seine beiden Vertheidiger auf Untersuchung des Ofens antragen lassen, oder
hafte wenigstens, um auch vor seiner Verlheidigung den
Schein der Unschuld zu bewahren, die Untersuchung nicht
verhindern wollen.
Die Stelle des Ofens, auf der ersiehtlich die Spuren
einer eingeirockneten FlGssigkeit zu bemerken waren,
wurde mittelst eines Messers abgekratzt, mit destillirtem
Wasser und Filtrirpapier abgewaschen, u n d aus der mit
Aetzkali ausgekochten Substanz nach dem Uebersattigen
mit Schwefelsaure durch den Marsh’schen Apparat eine
grosse Menge von Arsenspiegelri dargestellt Durch AhscBlammen und Decantirsn des ungelosten Ruckskandes
konnte in diesem mittelst eines stark vergrossernden Sonnenmikroskops kein rnetallisches hrsen erkannt werden,
da fein zerriebenes Arsenmetall durch das Miktmkop,
unter Wasser betrachtet, a n den Randern eine dunllelviolette Farbung zeigt.
So weit reicht die hie, nur irn Auszuge gesebene
Darslellung der Krankengeschichte, des Sectiorisbefundes
unrJ die Hesuliate der chrrnischen Unc~rsuchunren.
Da die Vergiftung hternach ohne %weifelmittelst s o p n
Fliegensteins vorgenommen war, so hatte ich schon vor
dem Beginn der Schwo~gevichlssiczung alle miP nothwendig scheinenden Versuche angeslellt, um auf jede mog17 *
260
Ohme,
licherweise gestellt werdende Frage eine geniigende Antwort geben zu konnen. Bekanntlich uberzieht sich der
groblich zerstossene Fliegenstein beim Liegen an feuchter
Luft nach einiger Zeit mit einer pulverigen grauen Oxydschicht, die von Einigen fur ein Suboxyd, von Anderen
aber wohl richtiger fur arsenige Saure und fein zertheilles
metallisches Arsen gehalten wird. Verschiedene Prohen von
Fliegenstein mussten demnach auch verschiedene Mengen von
arseniger Saure enthalten, und zeigten die deshalb angestellten Versuche einen Gehalt von 4 bis zu dil Proc. an
arseniger Saure.
Fliegensteinpulver, das genau 12 Monate lang an ziemlich trockner Luft gelegen hatte, zeigte durch Behandlung
mit Ammoniak einen Gehalt von 9 Proc. arseniger Saure.
Die entstandene Oxydschicht schiitzt iibrigens den
Kern des Metalles vor dem ganzlichen Zerfallen.
Wird Fliegenstein mit destillirtem Wasser iibergossen,
so lost dieses augenblicklich aus der Oxydschicht die
bereits fertig gebildete arsenige Saure auf. Nicht aber
verwandelt sich das Metal1 schnell durch Wasser und Luft
in arsenige Saure, wie fast alle Lehrbhcher der Chemie
angehen.
Die Oxydation geht immer nur sehr langsam vor sich
und blanke Arsenspiegel halten sich auch in feuchter Luft
hlonate lang unverandert.
Auch ein Zusatz von Chlorwasserstoffsaure beschleunigt den Process nur sehr gering.
Ausserdem wurde noch in Bezug auf die Bildung von
Arsenwasserstoff im Marsh’scben Apparate durch Versuche
festgestellt, dass nur solcht! Fliissigkeiten Arsenspiegel
geben, in denen bereits fertig gebildete arsenige Saure
vorhanden ist. Fein vertheiltes metallisches Arsen in den
Apparat gebracht, bildet kein Arsenwasserstoff.
In Bezug auf die Giftigkeit des Fliegensteins im Verhaltniss zur arsenigen Saure steht der erstere bei weitem
nach, da nur die bereits fertig gebildete oft sehr geringe
Menge von arseniger Saure im Fliegenstein zur Wirkung
kommen kann.
Vergiflung mittelst Fliegensteins.
261
Versuche an einem Hunde haben gezeigt, dass die
Wirkung von 15 Gran fein geriebenem Fliegenstein mit
Fett geniengt erst nach zwei Stunden sich zeigte. Es
stellten sich heftiges Erbrechen und spaler Durchfall ein,
jedoch war der Hund, ohne alle Gegenmittel, am folgenden
Tage vollkommen munter und sehr fresslustig.
Nachdem demselben Hunde eine gleiche Dosis 4 Tage
hintereinander gegeben war, trat bei wiederholtem Erbrechen und Durchfall zulelzt Lahmung und ganzlicher Mangel an Fresslust ein, so dass der Hund mittelst Blausaure
getodtet werden musste.
Die Section zeigte alle Erscheinungen einer Arsenvergiftung, es zeigten sich aber im Magen und in den
Eingeweiden nur sehr geringe Spuren von metallischern
Arsen; weshalb anzunehmen ist, dass dieses durch Erbrechen und Durchfall bereits wieder aus dem Korper fortgeschafft war, indem bei einer Oxydation desselben der
Tod viol schneller hatte eintreten mussen.
Auf diese und auf die schon bekannten Erfahrungen
gestutzt, haben die Chemiker Medicirialrath Dr. 0 t t 0 ,
Apotheker Dr. H e r z o g und Schreiber dieses, die ihnen
vom Schwurgerichtshofe vorgeleglen Fragen folgendermaassen beantwortet :
Frage I. 1st in der am 19. April 1853 secirten Leiche
der am 16ten ejusdem verstorbenen Dombrowsky’schen
Ehefrau, und zwar:
a) in dem Magen und dessen Inhalte,
b) in den ubrigen Eingeweiden
Fliegenstein (Metall) oder ein anderes Gift und welches,
gefunden worden?
Antwort I . a) Es ist in dern Magen und dessen Inhalte
metallisches Arsen und arsenige Saure gefunden worden,
unzweifelhaft als Fliegenstein eingebracht. b) Es ist in
den iibrigen Eingeweiden Arsen gefunden worden. Aus
der chemischen Untersuchung lasst sich nicht mit Sicherheit erfahren, ob dasselbe als arsenige Saure allein, oder
auch als metallisches Arsen vorhanden war. Die genaue
269
Ohme,
Besichtigung mit bewaffnetem Auge hat iibrigens kein
rnetallisches Arsen erkennen lassen.
Zu der Annahme, dass Fliegenstein angewandt sei,
berechtigte u n s einestheils die erwiesene Gegenwart von
Arsenmetall neben arseniger Saure, anderntheils auch der
Umstand, dass im Handel uberhaupt nur diese Form des
Arsenmetalls kauflich ist.
Es wird aber hei kiinfiigen ahnlichen Fallen unumganglich nothwendig sein, die Mengen von arseniger Saure
und Arsenrnetall getrennt zii bestimmen, da nur die m e nige Saure als wirkendes Gift in Betracht kommen kann.
lnzwischen muss aber die Loslichkeit des reinen Arsenmetalls und der grauen Oxydschicht beim Fliegenstein in
der Rlagenflussigkeit noch genau studirt werden.
Frage 2. In welcher Quantitit ist das Gift aufgefunden?
Antworl 2. Es ist gefunden worden an Arsenmeball
und arseniger Saure zusammengenommen so viel, als annahernd 24 Gran Arsenmmetall entsprechen.
Frage 3. 1st in der bei 4 . erwahnten Leiche und zwar:
a) im Magen und dessen lnhalte,
b) in den ubrigen Eingeweiden auch arsenige Saure
gefunden ?
Antwort 3. a) Es ist im Magen und dessen Inhalte
arsenige Saure gefunden worden, vergl. Antwort 4. a),
woraus folgt, dass 6) in den ubrigen Eingeweiden arsenige
Saure vorhanden sein musste, da nach Antwort I . b) auch
in diesen Arsen nacligewiesen worden ist.
Frage 4. In welcher Quantitat ist diese arsenige
Saure gefunden worden?
Antwort 4. Nach dem Resultate der chemischen Untersuchung kann die Gesamnitmenge der vorhandenen arsenigen Saure nicht mit Genauigkeit angegeben werden.
Aus der Starke der Reactionen, welche auf arsenige Saure
deuren, iasst sich jedoch abnehmen, dam diesclbe in nicht
urrbetrachtlicher Mcnge vorhanden war.
Urn diese ['rage genau beantworten zu konnen, hatte
bier also sine Behandlung des Magens nnd der Eingeweide
a d den Gehalt an arseniger Same al'tein vorangehen
Ve’ergiftung mittelst Fliegensteins.
263
mussen, was jedoch bei der gegenwartig noch ungenauen
Kenntniss der Wirkungen von Wasser oder Saucen auf
Fliegenstein unterblieben war.
Frage 5. Befindet sich:
a) in dem menschlichen Magen,
6) in den ubrigen Eingeweiden des Menschen Saure,
welche den Arsenik (Metall) lost.
Antw. 5. a) Es befindet sich in dem menschlichen
Magen Saure. 6) Es befindet sich in gewissen Ablheilungen dcr ubrigen Eingeweide des Menschen Saure. Wie
diese Saure auf den Arsenik als Metall wirkt, daruber
liegen keinerlei Erfahrungen vor.
Ueber das Vorhandensein von Saure im Magen und
in den Eingeweiden des Menschen herrscht allerdings
keine Verschiedenheit in den Ansichten, wohl aber iiber
die Natur dieser Saure oder richtiger wohl dieser Sauren.
Wie aber diese Sauren auf reines Arsenmetall wirken,
daruber liess sich fur das Ma1 nichts Bestimmtes angeben.
Frage 6 . In welcher Zeit nach Einfuhrung in den
Magen erfolgt diese Losung?
Antw. 6 . Siehe Antwort auf Frage 5.
Da die Fragen 5. u. 6. es zweifelhaft liessen, ob unter
Arsenik das reine Metall oder der arsenige Saure haltige
Fliegenstein gemeint sei, so wurden event. die folgenden
Bemerkungen zu Frage 5. u. 6. gegehen.
Bemerkung zu Frage 5. u. 6 . : Sollte unter Arsenik
(Metall) Fliegenstein verstanden worden sein, so andern
sich die Antworten auf diese Fragen, weil derselbe neben
dem Arsenik als Metall auch arsenige Saure enthalt.
Diese Antworten wurden dann folgendermaassen lauten:
Antw.5. Die in dem Magen enthaltene Saure erhoht
jedenfalls die Loslichkeit der schon im Wasser loslichen
arsenigen Saure, welche in dem Fliegenstein cnthalten ist.
Antw. 6. Das Aufgelostwerden dieser arsenigen Saure
in der Magenflussigkeit erfolgt verschieden schnell nach
der Verschiedenheit der Substanzen, mit denen der Fliegenstein event. gemengt, eingebracht wurde oder in dem
Magen zusammentrifft.
264
Ohrne,
Die ersten Wirltungen von Fliegenstein bei Thieren
variirten iibrigens nach Versuchen von 45 Minuten his zu
2 Stunden.
Frage 7. In welchem Gewichtsverhaltnisse steht der
Arsenik zu der arsenigen Saure?
Antw. 7. 100 Arsenmetall geben 432 arsenige Saure.
Frage 8. In welcher Quantitat ist die arsenige Saure
fur den Menschen tijdtlich?
Antw. 8. Auf diese Frage ltann die Chemie keine
Ant wort geben.
Man rnusste dabei nolhwendig die Wissenschaft von
ihren Tragern trennen.
Frage 9. Kann auf chernischem Wege festgestellt
werden:
a) ob das Gift der Domhrowsky’schen Ehefrau bei
ihren Lebzeiten,
b) in einem oder zu verschiedenen Malen,
c/ wie lange vor ihrern Tode, oder
r l j wie lange vur Auffindung des Gifies im Korper der
Entseelten beigebracht wurde?
Sofern und soweit diese Vorfrage zu bejahen ist, wird
sich das Gutachten auf die sub izJ bis d) bemerklen Puncte
erstrecken.
Antw. 9. Insofern die chemische Untersuchung in den
Eingeweiden das Gift nachgewiesen hat, k a n n im vorliegenden Falle vom cheniischen Standpuncle aus gesagt
werden, dass tias Gift der Dombrowsky‘schen Ehefrau bei
ihren Lebzeiten beigebracht worden ist. Die Mediciner
sind im Stande, darauf die bestimmteste Antwort zu geben.
Was die Puncte b) c) d) anbetrifft, so kann die Chemie aber diese keine Auskunft geben.
Es schien u n s zweifelhaft, ob nicht auch diese ganze
Frage uberhaupt eine rein rnedicinische sei, wir einigten
uns jedoch zu obiger Fassung der Antwort.
Wegen der verschiedenen Zeit der Einbringung des
Fliegensteins in den Korper Less sich im Allgemeinen von
keiner Seite der Wissenschaft etwas Beslimmtes sagen.
Da jedoch bei den aogestellten Versuchen an Thieren diem
Vergiftung mittelst Flicgensteins.
265
bei der Section imrner nur sehr geringe Quanlitaten von
Fliegenstein zeigten, so kann man tlaraus schliessen, dass
das Gifr der Verstorbenen jedenfalls in mehreren Malen
beigebracht wurde, da nach dem rnehr als 100maIigen Erbrechen und den heftigsten Durchfallen wahrend der Krankheit
unmoglich eine so grosse Quantilal von Arsen hatte aufgefunden werden konnen, wenn nicht kurz vor dem Tode der
Kranken bei schon vorhandener Lahmung eine neue Quantitat
des Gifies beigebracht ware. Es gehorte jedoch die Beanlwortung dieser speciellen Frage lediglich vor das medicinische Forum.
Frage 10 Is1 in der linken Schlafrockstasche des
Angek!agten Fliegenstein, oder ein anderes Gift - und
welches - gefunden?
Antw. 10. Es ist Fliegenstein gefunden worden.
Frage 4.1. Desgleichen in der rechten Schlafrockstasche?
Anlw. 91. Desgleichen wie ad 10.
Frage 9 2. Hat die bei der Haussuchung vorgefundene
und rnit Beschlag belegte Gifikruke arsenige Saure oder
ein anderes Gift - und welches - enthalten?
Antw. 92. Sie hat gefarbts arsenige Saure entbaltemIn einer vorgefundenen Gifikruke fand sich natolich
arsenige Saure rnit Kohlenpulver und SafLgrun gemengt,
wie dieselbe naah einer bier bestehenden Verordnung
verkauft werden soll.
Frage 13. 1st das
a) im Magen, bezuglich dem Mageninhalte der elc,
Uombrowsky,
6) in den ubrigen Eingeweiden derselben,
c) in der zu Prage 9. erwahnten linken,
d) in der zu Frage 10. erwahnten rechten Schlafrockstasche,
e/ in der bei Frage 1 I. gedachten Giftkruke,
0 das am"29. Juli d. J. an einem Ofen des Dombrowskyschen Hauses vorgefundene Gift der Substanz und
Form nach identisch?
Antw. 43. ad a) c) d). Das im Magen, beziiglich dem
266
Ohme,
Mageninhalte der D o m b r o w s k y gefundene Gift ist identisch mil dem in der linken und rechten Schlafrockstasche
gefundenen. Ad b) massen wir uns auf die Antwort zu
Frage 1. b) beziehen. Ad e) ergiebt sich die Antwort aus
der Antwort auf Frage 92. Ad f ) Das an einem Ofen des
Dombrowsky'schen Hauses ausgemittelte Gift hat sich als
arsenige Saure zu erkennen gegeben. Ob das in der Ofenrohre gefundene Arsen ursprunglich in Metall neben arseniger Saure bestanden hatte,
oder ob die vollstandige Verwandlung in arsenige Saure
durch gleichzeitige Einwirknng der freien Saure des Rolhweins, dcr Ternperatur - Erhohung durch fortwahrendes
Einheizen im Ofen, oder durch allmalige Oxydation wahrend der verflossenen vier Monate geschehen war, daruber liess sich mit Beslimmtheit Nichts anfuhren.
Gestutzt auf dieses chernische Gutachten beantworteten
darauf die Mediciner die ihnen vorgelegten Fragen, wie
weiter unten folgt. Ich gebe des innigen Zusammenhangs
wegen auch dieses Gutachten hier, da es ausserdem ohne
Frage auch fur die Chemie von Wichtigkeit und Interesse ist.
Prage I. 1st der Tod der am 16. April 1863 verstorbenen Dombrowsky'schen Ehefrau durch Gift herbeigefu h rt ?
Antw.4. In Erwagung
I ) dass die Dombrowsky'sche Ehefrau nach unmittelbar vorhergehender vollkommener Gesundheit am 11, April
d. J. Morgens jahlings plotzlich von den Symptomen eines
heftigen Magen- und Darmreizes (heftige, brennende SchmerZen daselbst, Wurgen, Erbrechen, Diarrhoe), verbunden
mit tiefem Ergriffensein des Nervensystems (Schwarzwerden vor den Augen, Schwindel, grosse Mattigkeit, Angst,
Ohnmacht u. s. w.) ergriffen wurde;
2) dass in der am 99ten desselben Monates vollzogenen
Legalsection in der Magen- und Darmschleimhaut Reizungen und Entzundungen vorgefunden, die dern 'bei Lebzeiten
constalirten Symptomencomplexe entsprechen (Wulstungen,
Rothung, Erosiouen, Blutpuncte u. s w.) ;
3) dass dieser oben erwiihnte Zustand der Magen-
Vergiftung mittelst Fla'eyenstain.5.
267
schleimhaut der Art ist, dass er nach d(bri Ergebnissen
der Wissenschaft nicht als der Ausgang errier spater entstandenen Magen- und Darmentzundung, sorillern nur allein
als das Resultat der Einwirkung einer atzcriden Substanz
angenommen werden muss ;
4) dass dem entsprechend a u f der Magenschleimhaut
und im Magen- u n d Darminhalte durch ,-lie chemische
Untersuchung eine solche Substanz (Fliegcnstein und arsenige Saure) vorgefunden, welche mit dtr Magen- und
Darmschleimhaut in Contact gebracht, erlahrungsgemass
den vorgefundehen Zustand derselben h e n orruft ;
5) dass dieses Gift in dem Magen uiid Darmcaaak
der Verstorbenen in einer Menge gefunderi, die ohne alle
Hinzuziehung der durch das Erbrechen urid die Diarrhoe
wahrscheinlich entleerten Massen des C I wahnten Giftes
erfahrungsgemass nicht allein die bei LetiAeiten beobachteten Symptome herbeifuhren, sondern arich als eine zur
Tiidlung eines Menschen hinreichende angeiiommen werden
muss; dass endlich
6) die Section keine andere Todesursache nachgewiesen, die vorliegende aber zur Erklurang des Todes
vollkommen ausreicht;
beantworten wir die Frage mit einem unbedingten Ja J
Frage 2 1st nach medicinischen Gr undsatzen anzunehmen, dass a) der etc. D om b r o w s h y dieses Gift in
einem oder zu verschiedenen Malen? ririd b) wie lange
vor dem Tode beigebracht wurde?
Antw. 2. ad a). In Berucksichtiguns
I) dass die ersten Symptome der Vergiftung am Idten
April d. J. Morgens, der Tod aber erst <)m 16. April d. J.
Abends eingetreten; dass die Zeogen niclit cine tobtinuirliche Sleigerung der Symptome der Vt,rgiftoag, sonderh
vietmehr ein Nachlass derselben behaapret; &SS
2) bei diesem Nachlasse der Syml)tome aine durch
Nichts als neue Einfuhrung des Gifte- za motivit%nb(r
Steigerung derselben eingetreten, derorr Ende &er T6d
war; dass
3) die durch die chemische Untersuchung im VOr.
268
Ohme,
dauungscanale gefundene Menge arseniger Siure nicht
unbetrachtlich, so dass erfahrungsgemass nicht angenommen werden darf, dass dieselbe schon bei dem ersten
Auftreten der Vergiftungssymptome im Korper vorhanden
gewesen ;
erklaren wir, dass eine wiederholte Einfuhrung des
Giftes statt gehabt haben muss.
Ad 6) Was die verschiedenen Zeiten der Einfuhrung
des Giftes anbetrifft, so muss dieselbe
I ) geschehen sein in einer dem ersten Auftreten der
Vergiftungssyrnptome unmittelbar vorhergehenden Zeit, die
allerdings nicht mathcmatisch genau zu bestimmen, die
weiteste mogliche Entfernung erfahrungsgernass aber nicht
uber I 2 Stunden, in dem vorliegenden Falle wahrscheinlicher Weise nicht uber drei Stunden angenommen werden darf;
2) in einer dem Aufireten der in Freitag-Sonnabend
Nacht erfolgten aussergewohnlichen Steigerung der Vergiftungsymptome unmittelbar vorhergehenden Zeit, uber
deren nahere Bestimmung dasselbe gilt, als bei No. I.;
3) ob in der Zwischenzeit ebenfalls Einfuhrungen des
Giftes angenommen werden mussen, ist die Meinung der
Sachverstandigen nur in so fern getheilt, dass Stadtphysicus Dr. S ch ii t t e dieselbe rnit Bestimmlheit hehauptot,
Landphysicus Dr. S ch r a d e r und Hofmedicus Dr. G u n t h e r die Mogiichkeit zwar vollkommen zugeben, jedoch
in den ihnen vorgefuhrten Zeugenaussagen nicht hinlangliche Beweise vorfinden, ihrerseits dieselben als absolut
bestimmt hinzustellen.
Weshalb die erste, resp; ersten Einfuhrungen des Giftes
nicht sofort todtlich wirkten, liegt die Erklarung deutlich
in dem Symptomenverlaufe. Dieselben wirkt,en wesentlich
reizend und atzend auf die Magenoberflache, in Folge
davon heftige Entleerungen eintraten, die das Gift grosstentheils wieder aus dem Korper ausgefuhrt haben mogen;
wahrend das am Freitage eingefuhrte Gift in dern schon
vorbereiteten Korper sofort Lahmung des Nervensystems
Vergiftung rnitlelsl Fliegensteins.
269
(Paralyse) herbeifuhrte, die neue Enlleerungen hinderte
und den Tod herbeirief.
Frage 3. Wirkt das Arsenmetall, in Saure verwandelt
und den Saften des Menschen in gewissen Quantitaten
beigemischt, todtlich auf den Kijrper ein?
Antw. 3. Das Arsenmetall, in Saure verwandelt (vorausgeselzl, dass unter diesem Ausdruck arsenige Saure
verstanden worden ist), wirkt, den Saften des hlenschen
in gewisser Quantilal beigemischt, erfahrungsgemass auf
den Korper todtiich ein.
Frage 4. In welcher Quantitat ist die arsenige Saure
fur den Menschen todtlich?
Antw. 4. Da die vergiftende Einwirkung der arsenigen
Saure auf den menschlichen Korper von den verschiedensten ausseren und inneren Einfliissen und Zustanden rnodificirt wird, so lasst s;ch diese Frage mit ahsoluter Bestimmtheit nicht beantworten; doch lehrt die Erfahrung, dass eine
4 Gran ubersteigende Dosis als den Tod herbeifuhren
konnend angenommen werden muss, dass aber auch unter
begunstigenden Umstanden eine weit kleinere Gabe den
Tod herbeifiihren kann.
Frage 5. Kommen bei Arsenikvergiftungen stets dieselben Krankheitssymptome und zwar samrntlich vor oder
zeigen sich cliese Symptome in einzelnen Fallen verschieden ?
Antw. 5. Erfahrungsgemass kommen bei Arsenikvergiftungen nicht stets dieselben Krankheitssymptome und
zwar sammtlich vor, sondern es zeigen sich dieselben
Symptome in einzelnen Fallen verschieden.
Frage 6. Wirkt der Arsenik paralytisch auf das Nervensystem des Menschen?
Antw. 6. Erfahrungsgemass hat der Arsenik unter
anderen Wirkungen auch die, dass er paralytisch auf das
Nervensystem einwirkt.
Frage 7. Konnte die nach dem chemischen Gutachten
in der Leiche der etc. D o m b r o w s k y aufgefundene
Quantitat Arsenik, bezuglich arsenige Saure, wenn diese
270
Ohme, Vergattung mattelst Flregensteins.
Quantitat auf einmal beigebracht wurde, eine solche Paralyse des Nervensystems herbeifuhren ?
Antw. 7. Erfahrungsgemass konnte die nach dem chemischen Gutachlen in der Leiche der etc. D o m b r o w s k y aufgefundene Quantitat Arsenik, bezuglich arsen Saure, wenn
die Quantitat auf einmal beigebracht wurde, eine solche
Paralyse herbeifuhren; wobei wir auf die Antwort auf
Frage 52 u 6 verweisen.
Frage 8. Begrundet der Umstand, dass im Magen
Arsenmetall uiid arsenige Saure, in den hbrigen Eingeweiden aber nur arsenige Saure gefunden ist, den Schluss :
es musse das Gift zu verschiedencn Zeiten beigebracht sein?
Antw. 8. Aus dem Umstande a 11 e i n , dass im Magen
Arsenmetall und arsenige Saure, in den ubrigen Eingeweiden aber nur arsenige Saure gefunden ist, kann der
Schluss: nes m u s e das Gift zu verscbiedenen Zeiten beigebracht seincc, nicht begrundet werden.
Frage 9. Welchen Einfluss haben Angst und Schrecken
auf die menschlichen Verdauungsorgane, und kann dadurch
bei lebhaften, leicht erregbaren Personlichkeiten Erbrechen
und Stnhlgang bewirkt werden?
Antw. 9. Angst und Schrecken haben aufdie menschlichen Verdauungsorgane zuweilen eincin alterirenden Einfluss und kann allerdings bei lebhaften, leicht erregbaren
Pewonlichkeiten erfahrungsgemass zuweilcn Stuhlgang und
Eibrechen bewirkt werden.
Nachdem somit die absichtliche VergiftuRg durch die
Chemie, Medicin und durch die Zeugenaussagen unzweifelhaft bewiesen war, gahen die Geschworenen nach Beendigung des Plaidoyer, trotz des Laugnens des Angeklagten,
ihren Wahrspruch dahin ab, dass der Angeklagte der vorsatzlichcn Todtung seiner Frau mittelst Gift schuldig sei,
in Fslge dessen derselbe zur Enthauptung verurtheilt wurde.
Das Interesse wahrend der ganzen fast achtlagigen
Verhandlung steigerte sich a m letzten Tage so bedeutend,
dass gewiss jeder der Zuhorer nur tief ergriffen den dicht
gedrangten Sitzungssaal verlassen hat.
Die Wissenschaft
aber und besonders die Chemie hatle wiederum ihrea
-
Slickel,
Erklarung der Giftigkedt rnancher Kase. 231
ZUT
Werlh und ihre Bedeutung fur die hochsten Interessen
der Dlenschheit bethatigt *).
Beitrag zur Erklarung der
mancher Kase ;
von
Carl Stickel,
Apothelter i n ILaltennordheiin.
I m Septemberhefte dieses Archivs, Jahrg. 1853, ist
nach der Untersuchung von R o b e r t B r a n d e s eine Abhandlung von W a ck e n r o d e r uber schadlichen Kase
geliefert worden. Die Ursache aber, wie dieses Gift sich
bildet und was der Landwirlh zu t h u n hat, urn die Bildung desselben zu verhindern, ist eben sowohl noch eine
Hypolhese, als die Bildung des in deniselben Hefte von
W a c k e n r o d e r nach S chlo s s b e r g e r ’ s Abhandlung
besprochenen Wurstgiftes.
Nachstehender Fall kann nioglicher Weise zu einer
Erklarung dienen
I m April v. J. erkrankten drei Personen i n einem unserer Amtsorte i n .Folge von Kasegenuss. Heftiges Leibweh, Neigung zum Erbrechen und Durchfall lraten ein.
Ein in der Nachbarschaft wohnender, sehr robuster Mann
nahm die Sache von der lacherlichen Seile, ass einen halben Kase derselben Art und wurde eben so krank wie
die ubrigen Patienten. -Man glaubte, die Kase waren absichtlich vergiftet. Ich untersuchte deshalb den Kase gerade
so, wie in der citirten Abhandlung angegeben ist. Giftige
Melalle fanden sich nicht vor.
Auf weiteres Befragen erzahlte mir der Ueberbringer
Folgendes, was ich wortgetreu mittkeile :
,,Meine Frau hat weder i n einem kupfernen Gefasse,
~
*) Die vorstehende Ahhandlung durfte in ihrer Ausfiihrlichkeit der
schwurgerichtlichen Verhandlungen ihrer Neuheit w e g e n unsern
Die Ked.
geehrten Lesern willlcommen sein.
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