close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Ueber Pareira Brava.

код для вставкиСкачать
D. Hanbury, Ueber Pareira Brava.
109
in Gebrauch gezogen werden sollen. Dieses letztere ist auch
bei Folia Laurocerasi und bei Herba Cochleariae der Fall,
welche trotzdem mit einer Schilderung bedacht worden sind.
Die vorstehenden Bemerkungen beziehen sioh zumeist
auf die vegetabilischen Rohstoffe, welche in der Pharmacopoe
Aufnahme gefunden haben. Da das Werk als Gesetzbuch
vor uns liegt, so konnte f i r jetzt idie Frage ausser Acht
gelassen werden, ob die Auswahl jener Stoffe im einzelnen
durchweg eine richtige gewesen sei; im grossen Ganzen durfte
dieses sowohl von Seiten der Medicin, wie vom practisch
pharmaceutischen Standpunkte aus bejaht werden.
Ueber Pareira Brava.
Von D a n i e l Hanbury,.)
F. R. S., F. L. 5.
Die botanische Herkunft der verschiedenen Stamme und
Wurzeln, welche den Namen P a r e i r a B r a v a fuhren, ist
ausserclt dunkel. Bei den meisten Autoren stammt die Drogue ohne Frage von C i s s a m p e l o e P a r e i r a L., einer
kletternden Pflanze aus der Familie Menispermaceae, welche
in den tropischen Districten der alten und neuen Welt
wiichst.
Vor mehreren Jahren veranlasste mich die Schwierigkeit,
Pareira Brava von guter Beechaffenheit in London zu bekommen, desshalb nach Westindien zu schreiben, und ich erhielt
auch bald daranf eine Quantitat Stiimme und Wurzeln von
C i s s a m p e l o e P a r e i r a L., welche in Jamaika unter der
Aufsicht des H e m N. W i l s o n , Director des botanischen
Gartens auf dieser Insel, gesammelt worden waren. Ferner
wurden mir Exemplars des Stammes jener Pflanze aus Trinidad, Brasilien und Ceylon zngeschickt.
Diese Materialien liefertan sofort den Beweis, dass die
lange bestandene Annahme, Pareira Brava stamme von C i s *) Vom Verfasaer ale Separat-Abdruck aub d. Pharm. Jonm., Ang.
1813 mitgetheilt.
(7.
c. If.
110
D. Hanbury, Ueber Pareira Brava.
s a m p e l o s P a r e i r a L., irrig sei. In der That glichen
weder Stamm noch Wurzel derjenigen Drogue, welche seither
als Pareira im Handel angetroffen wurde.
Welches ist nun die w a h r e P a r e i r a B r a v a ? - Um,
diese Frage zu beantworten, miissen wir auf die altere Geschichte der Drogue zuriickgehen.
Das Verdienst, uber Pareira Brava die erste Nachricht
gegeben zu haben , wird gemeiniglich dem hollandischen Reisenden Piso zuerkannt, welcber in seinem 1648 herausgegebenen Werke D e M e d i c i n a B r a s i l i e n s i unter den portugiesischen Namen C a a p e b a , C i p o d e C o b r a s oder
H e r v a d e N o s s a S e n h o r a eine Pflanze beschrieb. Piso’s
Abbildung ist kaum zu erkennen , aber seine Beschreibung
der Fmcht, welche den Hopfen -Xiitzchen gleiche (semen
magnum coloris rosacei, e c a p s u l i s lupulo similib u s prominens), passt ganz gut auf eine C i s s a m p e l o s ,
und wirklich ist C. g l a b e r r im a St. Hil. nnter jenen portugiesischen im siidlichen Rrasilien bis auf den heutigen Tag
bekannt. Mein Freund J. Correa de Mello von Campinas in
der Provinz St. Paul0 war so gefallig, mir ein Exemplar dieser Pflanze mit Wurzel zu senden; letztere (die Wurzel) finde
ioh aber ganz uniihnlich irgend einer Sorte Pareira Brava.
Dass Piso von Pareira Brava nichts sagt, wurde man
schon lange vor 1710 h e ; * % ) und erst seitdem man vermuthete, dass die Drogue von Ci s Sam p e lo s stsmme, haben
die Autoren sie mit Piso’s Caapeba identificirt.
Pareira Brava ist sicherlich zuerst von den Portugiesen
nach Europa gebracht worden. Allgemeine Aufmerksamkeit
erregts sie erst im Jahre 1688, als Michel h e l o t , Marquis
von Gournay, geheimer Rath Ludwig’s XIV und ein ausgezeichneter Politiker, sie von Liesabon mitbrachte, wo er als
Gesandter seines Konigs verweilt hatte. Ohne Zweifel schrieb
man der Drogue ausserordentliche Eigenschaften zu. RouillB,
*) Diesea Factnm .yar znerst in der Pharmacopoe von Indien, 1868.
p. 8, Anmerkung, auegesproahen.
**) Hist. de l’dcad. Roysle des Sciences, annee 1710, 66.
lil
D. Hanbnry, Ueber Pareira Brava.
Amelot’s Nachfolger auf dem Lissaboner Gesandtschaftsposten,
nahm ebenfalls von der Pareira Brava mit nach Paris, und im
Jahre 1710 finden wir ihrer Erwiihnung gethan in der franzosischen Akademie, *) welche Herm Etienne Fraapois Geoffroy,
Professor der Medicin und Pharmacie am College de France,
beauftragt hatte, &re Kriifte zu untersuchen. Jean Claude
Adrien Helvetius, ein sehr verdienstvoller Arzt , welcher,
obwohl noch jung, von Ludwig XIV in seinen letzten Lebenstagen consultirt und nachher auch an den Hof Ludwig’s XV
gezogen wurde, beschaftigte sich mit der neuen Drogue noch
friiher und lieferte vollgiiltige Beweise ihres medicinischen
Werthes. **)
Beide Geoffroy und Helvetius, waren Conespondenten
des Sir Henry Sloane, jenes fleissigen Forderere der Wissenschaft, dessen grossartige Sammlungen den Grund zu dem
Britischen Museum legten, - und unter den Sloanischen
Manuscripten fand ich einen Brief von Helvetius,-)
welcher
im Jahre 1715 an Duyvenvoorde, Gesandten der GeneralStaaten bei Xonig Georg I, gerichtet war, und aus dem ich
hier folgende Stelle wiedergebe :
,,Ich bin sehr erfreuet, dass Ihr Euch selbst an mich
gewendet habt wegen Rathsertheilung hinsichtlich dee Gebrauchs der P a r e i r a B r a v a, welche Euch empfohlen
worden war, denn ich kann Euch in dieser Beziehung sehr
gut bedienen, sintemal ich einer der Eraten gewesen bin,
der sie in Frankreich eingefiihrt hat. In Folge einer
grossen Anzahl gliicklicher Versuche bin ich mit diesem
Anneimittel sehr vertraut geworden , ich versichere Euch
daher, dass Ihr nichts Besseres thun konnt, als Gebrauch
davon zu machen.
Die Pareira Brava ist eine Wurzel, welche aus Braeilien iiber Lissabon zq uns kommt,
)
.. . . .
)
*) Hist. de l’dcad. Royale des Sciences, annee 1710, 56.
**) Helvetius’ Trait6 dee Maladies les plne freqnentee et dee remeden
ap6cifiques pour lee guerir. Parie 1703, 98.
***) Sloane’s Xanuscripte Nr. 3340 p. 291. - Der Brief iat bereita
publicirt in Philos. Transact. Nr. 346. Nov. und Dec. 1715 p. 866.
D. Hanbury, Ueber Pareira Brava.
112
aber wegen des Krieges sehr selten geworden ist; hier in
Paris kostet das Pfund 40 Livres. In Brasilien heisst sie
die Universal-Medicin, denn man gebraucht sie in allen
Xrankheiten. Ein von dort zuriickgekehrter Kapuzinermonch erzahlte mir, er konne von diesem Yittel keine
besserc Vorstellung geben , als durch die Versicherung,
dass er und seine Collegen auf allen ihren Reisen in der
einen Tasche das Evangeliumbuch und in der andern die
Pareira Brava gehabt hiitten.
Helvetius empfahl die feingepulverte Wurzel in Gaben
von funf Gran in Form eineu warmen Aufgusses.
Petiver, Apotheker in London und Sekretair der koniglichen Gesellschaft , ein eifiiger Sammler von Naturalien jeglicher Art, von dessen Briefen sich ebenfalls einige in der
Sloanischen Sammlung befinden, schrieb am 11. Decbr. 1716
an Colonel Warsley, k. Gesandtsn in Lissabon, unter Anderem:
,,. . . . Es freuet mich zu horen, dass die Brasilianische
Flotte gliicklich angekommen ist , indem ich zugleich hoffe,
dass sie einiges Interessante fir meine Sammlungen gebracht hat. Namentlich wiire mir nichta willkommner, als
Exemplare der Blatter und Fruchte von Ipecacuanha, Pareira Brava, Balsamum Copaivae und vom achten Brasilienund Brasiletto -Holz, da sich daran wichtige Entdeckungen
kniipfen.
."*)
Der erste Schriftsteller, welcher die erate gedruckte Nachricht iiber die Pareira Brava gegeben hat, scheint Pomet zu
sein, dessen H i s t o i r e d e s d r o g u e s im Jahre 1692 fertig
wurde.**) Er beschreibt die Drogue, welche er kurs vorher
in Paris gesehen, und giebt von dem ihm durch Tournefort
zugekommcnen Exemplare elne Abbildung.
Geoffroy nennt in seinem herrlichen Werke, T r a c t a t u s
d e M a t e r i a m e di c a ,***) dessen Beendigung ihm nicht
.. . ."
..
...
*) Sloane's ?tfanuacr. 3340. p. 306.
**) Dies erhellet BUS Approbations- Ihiefen, die vorausgingen.
Publication erfolgte allerdings erst 1694.
***) Tom. II. (1741) 21.
Die
b. Hanbnry, Ueber Pareire Rmva.
113
mehr vergonnt war, die Drogue mit dem brasilianischen Namen B u t u a und dem portugiesischen Namen P a r e i r a
B r a v a , und beschreibt sie ah eine holzige, harte, gedrehete,
aussen dunkelfarbige , ranhe Wurzel mit zahlreichen Liings
und Querrunzeln, ahnlich wie die der T h y m e 1a e a (D a p hn e
G n i d i u m L.), innen von dunkelgelber Farbe, auf dem Querschnitt concentrische Ringe zeigend, die durch zahlreiche, von
Innen nach der Peripherie laufende faserige Strahlen mib
einander verbunden sind; geruchlos , bitterlich und schwach
sussholzartig susslich schmeckend ; von der Dicke einee Fingers bis zu der eines Kindesarmes. Er fugt noch hinzu, die
Brasilianer und Portugiesen ruhmten ungemein ihre Wirkung
als Diureticurn, Lithontripticum , Vulnerarium, Stomachicum,
Cordiacum und Alexipharmacum, *) und betrachtet sie geradezu als eine Panacee.
Es entsteht nun die Frage: Kann dia 60 hochlich belobte
Drogue genau bezeichnet werden?
Wie bereits bemerkt, hat Pomet dieRelbe abgebildet, und
seine Figur ist vortrefflich. Aber Sloane hat uns bessere
Materialien hin terlassen. In seiner Sammlung von Gegenstiinden dor Materia medica, welche sich jetzt im britischen
Museum befindet , sind mehrere wohl conservirte Exemplare
der Drogue, welche von verschiedenen Personen und zu verschiedenen Zeiten erhalten worden sind und s a mm t 1.i c h
m i t e i n a n d e r ii b e r e i n s t im m e n ; und seine umfangreichen
geschriebenen k'ata!oge, sowie seine ubrigen Papiere verbreiten befriedigendes Licht uber ihren Ursprung.
-
*) Hill bemerkt mitQecht, damit gehc man in ihrer Lobpreisung SU weit,
und demungcachtet hnbe man einige ihrer wirkliohen Vorziige iibersehen.
,,Sie ist sicherlich ein Diureticurn," sagt er, ,,von nicht geringer Art,
und hat sich bei Nierenleiden sehr heilsam erwicsen; ferner wurde sie bei
Pleureeie und Fieber (? q u i n e i e s ) mit mehr Erfolg angewnndt, ale andere dahin gehorige Mittel. Bei Harnstrenge leistet h u m ein anderes
Mittel mehr und wirkt schneller , allein es ist tborioht , davon 8U erwerten, daas ea den Rlasenstein auflose. . . Bei Ulceration der Nieren und
Blase, IVO der Urin eiterig und achwer abgeht, iat kaum ein Medicament
dieser W m e l eu vergleichen.
Histoire of Materia medica 1751 p. 600.
Arch. d. Pbsrm. I11.Reihr. 1V. Bda. 0. Hh.
A
. .
-
114
D. Hanbury, Ueber Parcira Ilrava.
Die erste Notiz fand ich in einem Briefe aus Lissabon
vom 17. October 1699, welcher von Joseph Geston an John
Ellis*) gerichtet ist und worin der Schreiber bemerkt:
,,Im Anftrage meines Bruders W. Geston schicke ich
Ihnen hierbei sechs Stocke der-Pareira B r a v a oder P a r r a
B r a v a . Wie man mir gesagt hat, wird das Mittel in Pulverform zu l Scrupel und dem kraftigsten Patienten zu
1 Octave (Drachme) in Rheinwein gereicht. . , . Es dient
gegen Blasenstein, Gries , .Harnstrenge und Kolik , ist iiberhaupt ein herrliches Medicament."
Obgleich dieser Rrief nicht an Sloane adressirt, auch des
Letztern darin nicht Erwahnung geschehen ist, so kann man
doch aus dem Vorkommen desselben unter seiner Correspondenz mit Recht den Schluss ziehen, dass die betreffenden
Exemplare f ~ ihn
r bestimmt waren.
Die Aufzeichnungen in den von ihm selbst geschriebenen
Katalogen sind:
,,652. P a r e i r a B r a v a . - Aus Braviiien, a1s Mittel
gegen den Blasenstein geriihmt."
,,4039. P a r e i r a B r a v a . - Eine gegen den Stein
benutz te Wurzel."
,,6708. Die P a r e i r a B r a v a , brannfarbig, aus Brasilien, augeblich die beste Sorte. - Von Herrn Geoffroy."
,,10471. Einige Exemplare der P a r e i r a B r a v a , aus
Lissabon, angeriihmt gegen Harnstrerige und Stein, - nach
Herrn Geoffroy die Am b i t u a oder B u t u a Zanoni's. Von Dr. Fuller in Sevenoaks."
I m Jahre 1866 wandte ich mich an meinen Freund
Theodor Peckolt, bpotheker in Rio Janeiro, damals noch in
Cantagallo , wegen der Pareira Brava, und erhielt Exemplare
von zwei Pflanzen, deren eine als B u t u a oder P a r e i r a
B r a v a l e g i t i m a und die andere als B u t i n h a oder P a r e i r a
B r a v a m i u d a (wortlich: k l e i n e P a r e i r a B r a v a ) bezeichnet war, nebst einer grossen getrockneten ganzen Pflanze der
.
*) Sloene's Manuscr., 4046, fol.
240.
D. Hanbury, Ueber Pnreira Brava.
115
ersteren. Die Herbarium - Exemplare dieser Pflanzen boten
keine Merkmale dar, durch welche ich sie hatte konnen als
zwei Species ansehen, und Peckolt schrieb mir spater , dasB
ihre Verschiedenheit hauptsiichlich in dem Habitus bestehe,
auch komme die l e g i t i m a mehr in trocknen Lagen vor a h
die m i u d a .
Ich habe auch von meinem Freunde J. Correa de Mello
in Campinas Exemplare bekommen , welche als P a r r e ir a
B r a v a p e q u e n a ( k l e i n e P a r e i r a B r a v a ) oder A b u t s
p e q u e n a , und Blatter, welche als B l a t t e r d e r d i e P a r e i r a B r a v a l i e f e r n d e n P f l a n z e bezeichnet wareu, die
sammtlich zu Peckolt’s Pflanze zu gehoren schienen. Correa
de Mello lieferte mir auch die getrocknete Wurzel, ferner
wurde ich von einem Handlungshause in Rio Janeiro rnit der
Wurzel rerseiien.
I n den letzten Wochen iibergab Herr G. R. Francis von
der Firma Hearon, Squire und Francis sowohl der Pharmaceutischen Gesellschaft a h auch mir eelbst zwei Exemplare
von Wurzeln, an welchen einige Blathr hingen, und von
denen die eine P a r e i r a B r a v a , g r o s s e s R l a t t , und die
andere P a r e i P a B r a v a , k l e i n e s B l a t t bezeichnet war.
Zwiechen diesen beiden Sortan konnte ich keinen Uuterschied
wahmehmen.
Die Wurzeln von Peckolt’s P a r e i r a B r a v a l e g i t i m a ,
die von Cornea de Mello und die von Francis empfangenen
stimmen sowohl mit Sloane’s Exemplaren, als auch mit Pomet’s Abbildung vollstandig iiberein.
Was die Mutterpffanze betrim, so identificire ich aie mit
dem C h o n d o d e n d r o n * ) t o m e n t o R u m Ruiz & Pavon,
*) Miers ( C o n t r i b u t i o n s of B o t a n y 111. 307) will diesen Namen
C h o n d r o d e n d r o n geechrieben wissen, weil die beiden ersten Sylben
von ~ 0 d ? o 5hergeleitet seien. Pch ziehe aber vor , den nun einmal von
allen Botanikern angenommenen Nsmen Chondodendron beimbehalten.
(Der Name sol1 andeuten, dam der Raum iiberall rnit Enoten bedeckt
iet. W.)
8*
116
D. Hanbury, Ueber Pareira Bravn.
wovon ein authentisches Exemplar im Herbarium des britiwhen Nuscums liegt, welches ich verglichen habe. Es ist
clcr C o c c u l u s C h o n d o d e n d r o n DeC. (Prodrom. I. 98), und
abgebildet als C o c c u l u s (?) p l a t y p h y l l a von Bug. de
St. Hilaire *) sowie von Eichler *") als B o t r y o p s i s p 1a t y p h y l l a Miers. Es stimmt sehr gut iiberein mit der Abbildung von C i s s a n i p e l o s A b u t u a in Vellozo's F l o r a F l u in i n e n s i s,
),*
niit welcher Eichler es unter Vorbchal t
identificirt.
C h o n d o d e n d r o n t o m e n t o s u m findet sich in mehrern Districten Brasiliens, wo es B u t u a oder A but u a heisst.
Seine Traube mit grossen eiformigen Beeren, ahnlich einer
Weintraube, ist ein weiterer Beweis, dass es dieselbe Pflanze
ist, welche die alten portugiesischen Colonisten P a r e i r a
B r a v a oder w i 1 d e n TV e i n t) nannten. Weder die Frucht
noch die Bliitter der C i s s a m p e 1o s P s r e i r a glsichcn in
irgend einer Beziehung den1 Weinstocke.
Die Wurzel des C h o n do d e n d r o n kann nicht mit dem
Stamme verwechselt werden , denn dieser ist holzig , faserig
und von anderer Structur. Geoffrofs Beschreibung , welche
ich auf der vorigen Seite ubersetzt habe, ist ziemlich richtig. Die zahlreichon Exemplare, welche ich gesehen, weichen
nur wenig von einander ab. Sie sind sammtlich Theile einer
gewundenen zweigigen Wurzel , welche der Liinge nach
geriinzclt ist, und der Quere nach Risse, Spalten und 8trei*) P l a a t e s u s u e l l e s d e s B r n s i l i e n s , pl. 42.
**) Martius, F l o r a B r a s i l . fasc. 38. tab. 48. Eichler stcllt von
Ilotry o p s i s 2 Arton auf, Miers 8, y o n dcuon G augenscheinlich auf Ch.
tuiiicntosum pnsseii. bliers' Arteii , von ihm selbst bezeichnet, befindcn
Rirli im nritischen Museum, und ein typisches Exemplrr der von Eichler
nhgebildeten Pflnuze iin Kew - Herbarium.
***) Tom. X, tab. 140. Miers betrachtet sie als seine A b u t a m a c r o p h y l l a , die rber eine grnz andere Pflanze ist.
t) Tm Portiigiesischen wird das Wort P a r r c i r a gcschriebeu; es
Lezeiclinct eiiien Weilrstock, welcher an eincr Wand oder 011 cineni Bauine
hinaufwtichst. P i r rib bedeutet Weinblatt.
D. Hanbury, Ueber Pareira Brays.
117
Fruehtbusebel der P a r e i r a B r a v a ( W i l d e r Wcin) der Brasilianer,
C h o nd o den dr o n t o m e n t o 111 m. (Nach einem von Peckolt erhaltcncn
und in Weingeist aufbewahrten Exemplare.)
fen hat. Die Wurzel ist iiusserlich scliwarxbraun und innen
hell gelbbraun. Unter Francis’ Drogue befinden sich jungc
Wurzeln, an deren oberem Theile noch die Ueberreste der
griinen Luftstamme sitzen. An Peckolt’s Excmplare sind
die Luftstamme noch vollstiindig erhalten, so diclr wie ein
Finger land mehrere Fuss lang. Die Wurzel scheint v011
Saft erfullt zu sein , denn sie echneidet sich niittelst eines
Federmessers lnchr wie hartes Fett oder Wachs, als wie
118
D. Hanbury,
Ueber Pareira Brave.
faseriges Holz.
Aufdem Querschnitte bemerkt
man
keine so regelmiissigen und
schon begrenzten Zonen, wic
sie die gewohnliche Pareira Brava
zeigt.
Die
Wurzel des
Chondodendron enthiilt
eine
weite
wohl markirte
Centr a1- San le,
welche aus, v.
einer gemeinschaftlichen
Axe entspring e n d e n,Keilen
znsammengesetzt ist, urn
welche wenige
concentrische
Ringe laufen,
die von keilfdrmigen, oft
unregelmiissigen, zerstreueten u. undeutlichen Strahlen
durchzogen
Aechte Pareira Rrava - Wunel Jrs C h o n d o d e n sind. Die Axe
dr o n t o m e n t o s u m.
erscheint selt.
1. Yon einer @ London 1862 gekauften Waare.
2. Wurzelschnitto erhalten von J. Corroa de Dlello.
excentrisch.
D. Hanbury, Ueber Parcira Brava.
Bei C i s s a m p e l o s P a r e i r a haben
Wurzel und Stamm naheeu gleiche Structur , und auf dem Querschnitte bemerkt
man keine concentrischen Ringe. Die aus
Jamaika empfangenen, welche die moglichst
grossten waren , hatten selten iiber 1 Zoll
im Durchmesser, und h a d g trifft man
Stamm und Wurzel nur von der Dicke eines
Federkiels.
119
q
Quersohnitt den
~
~
ra L. Von einem
Exemplare aun Jamaika
Die Pareira Brava des englischen Handels ist meist
stiirker, als die Wurzel des C h on d o d e n d r on, und von holzigerer Structur. Ihr inneres Gefuge , den meisten Droguisten
wohlbekannt, ist sehr merkwiirdig, denn es besteht aus einer
Reihe von Schichten , welche oft ausschliesslich nach einer
Richtung entwickelt sind. Hinsichtlich ihrer botanischen
Herkunft ist weiter nichta bekannt, als dass ihre Structur
auf die Familie der Menispermeen hinweist.
I n neuester Zeit ist auch diese Waare selten geworden
und an ihre Stelle eine Drogue getreten , welcher jegliche
rnedicinieche Wirksamkeit abgeht. Diese Drogue besteht aus
cylindrischen holzigen Kniippeln , welche eine innere Strnctur
besitzt, die von der des Chondodendron nicht sehr verschieden, obwohl im Allgemeinen weniger excentrisch ist , wozu
noch kommt , dass man stets einen deutlichen Centralkern
bemerkt. Sie ist geschmacklos, und scheint haufig durch
Nasse verdorben zu sein. Sie sollte vom pharmaceutiechen
Gebrauche ganzlich auegeschlossen werden.
Man kennt noch einige andere Sorten von Pareira Brava
- wenigstens in Sudamerika. Eine von h e n , welche sich
gegenwartig auf dem Londoner Markte befindet , zeichnet
sich durch bedeutende Grosse und durch eine schone gelbe
Farbe des Innern aus. Sie schmeckt auch stark bitter und
enthalt wahrscheinlich Berberin.
Eine andere Sorte wird abgeleitet von A b u t a r u f e A c e n s Aubl., einer wohl charactcrisirten Pflanze in Guiana
~
~
P, Hantury,
Ucber Pareira Brava.
und dem nordlichen
Brasilien. Exemplare
einer dicken, holzigen
Wurzel, als A b u t u a
grande od.Parreira
B r a v a g r a n d e bezeichnct und von dieser Art abgeleitet,
sandte niir Correa de
Mello; sie zeigt zahlreiche concon trische
Lagen, welcbe von
sehr deutlichen dunkeln
Markstrahlen
durchsetzt sind , und
deren
interradiale
Riiiime aegen Reichthum an Starkmehl
weiss aussehen. Sie
ist jedenfalls eine gut
characterisirte Sort8 ;
im Handel habe ich
sie nicht angetroffen.')
Aus Allem geht
unwiderleglich .hemor,
dass es die Wureel
des
Chondodend r o n ist, auf welche
sich der Ruf der Pareira Brava urspriinglich grundet.
In Brasilien wird
Pareire Brava be- diese wnrzel
die
Wurzei (?> gcwohnlich a18
ksnnt, und irrthumlich von C i s s a m p e l o s
richtige oetrachtet und
P a r e i r a L. abgeleitet,
nocli heuto in hohen Ehren gehalten.
*) Als ilublct sich in Giiiaiia nufhielt, 1762-64, ivurden dic Stiimme
der A b u t a r u f e s c e n s unter dcr Bezeichnung P a r e i r a B r a v n b l a n c
b. Hanbury,
Ueber Pareira Bhra.
121
Obgleich dies von den europaischen Gelehrten nicht
klkr erkannt wurde, so gingen .sic doch auch nicht immer
ganz fehl. h i b o u r t *) echeint die achte Drogue besestien
iind ihren botanischen Ursprung richtig vermuthet zu haben.
Sie ist auch die von Gobel und Kunze**) abgebildete Wurzel, und ein altes Exemplar davon in der Sammlung der
Pharmaceutical Society tragt die Bezeichnung P a r e i r a
B r a v a . Ich eelbst traf sie irn Jahre 1862 im Handel.
Jiingst hat Dr. Squibb***) angageben , dass einige kleine
Posten Pareira Brava, welche im Jahre 1871 nach NcwYork kamen, grossentheils aus einer vorher noch nicht gesehenen Waare bestanden, nnd dass er anfangs an eine Verfalschung gedacht habe ; aber bei genauerer Priifung hiitte
er sie mit den altern Beschreibungen der Pareira Brava und
namentlich mit Pomet's Abbildung ubereinstimmend gefunden,
or halte sie daher fur die achte Pareira-Wurzel. Aus
Squibb's Beschreibung erkenne ich , dass seine Drogue keine
andere war, wie die, von welcher in diesem Aufsatze die
Rede gewesen ist.?)
Ohne Zweifel wiirde man die richtige Waare, bei etwaiger Nachfrage, in reichlicher Menge sich verschaffen , und
dadurch die jetzt cureirende werthlose leicht verdrangen
konnen.
naeh Frmkreich gesandt. Wie er bemerkt, giebt es eine Varietiit davon
mit rotblicben Holrtbeilen, welche man in Cayenne P a r e i r a B r a v a
r o u g e nennt. Er bercbrieb and eeichnete aorh eine Pflanae unter dem
Namen A b u t s a m a r a oder P a r e i r a B r a v a j a u n e , deren HoIa gelblich und sebr bitter sei.
Letztere ist, wie ich glaube, identisch mit dem gelben Jlolze, von
welcbem, wie ich gesagt' habe, sich ein Tbeil als ,,Pareira Brava"
im Handel befindct. - Siebe Histoire des Plantes de la Guiane Franqoise,
i. (1775), 618-21,
tab. 250-51.
*) H i s t o i r e d e n Drog., ed. 4, I11 (1850) 671.
**) Pharm. Waarenkunde, I1 (1830-34) tab. 13. Fig. 1, b-c.
***) A m e r i c . J o u r n . of P h a r m . , March 1, 1872, 107.
f) Am 11. Bug. von Dr. S. erhaltene Eremplare bestiitigten meine
Annabme.
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
2
Размер файла
715 Кб
Теги
ueber, brave, pareira
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа