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Untersuchung einiger Geheimmittel.

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58
III. Geheimmittel.
Untersuchung eiiiiger Gteheimmittel.
Voii G. C. W i t t s t e i n . " )
Die Industriebliitter haben wiederholt und mit Recht
riigend hervorgehoben, dass in Oesbrreich das GeheimmittelUnwescn unter dem Schutze leichtsinnig ertheilter Zeugnisse
und Privilegien iippigst wuchere. Wer sollte nun wohl glauben, dass das Xonigreich Sachsen in dieser Beziehung dcm
Nachharstaate wenig odw gar nicht nachstehe ? Und doch
ist dem leider so; dieses Land, dessen Bewohner an Intelligenz und sonstigen riihmenswerthen Eigenschaften keinem
anderen Volkc nachstehen , ,ja die meistcn iibertreffen , birgt
eine Anzahl der abgefeimtesten Schwindler auf dem G ebiete
dcr Quacksalberei , deren Treiben durch Concessianirung.cn
von Seite der Regierung und durch bcreitwillige Zwischenhandler krgftigst untcrstiitxt wird. >lit ticfem Bedauern muss
ich dahei constatiren , dass unter den letztern die Apotheker
eine niclit unbedeutende Rolle spielen, und dass die der
Haupt - und Residenzstadt Dresden hier mit boscm Beispiele
vorangehen. In den Dresdener Apotheken nimmt der Irandel mit Geheimmitteln - z. Thl. sogar selbst dort angefertig t - ininier grossere Dirnensionen an ; auch die erbarmlichsten Dinge, wie z. B. I3 e r g ni a n n s Zahnwolle, verschmahet man nicht, auf dem Lager zu lialten, und mein jiingst
hcrausgegebenes ,,Taschenbuch der Geheimiuittellehre " wird
vielleicht nur desshalb angeschafft , um die darin niedergelegten
Untcrsuchungs - Resultate im eigenen Inferesse auszubeuten !
Zahnwolle , Krauterbonbons , Odontine und verschiedene
andere, die Anvlagen der Dresdener Apotheken verunzierende
Gegenstiindc sind bereits in meinem Taschenbuche nach Verdienst abgefertigt ; wieder andere harren noch des kritisohen Xessers, und heute gilt es der Zerlegung des nachstehenden Trifoliums.
*) Vom Hrn. Verfasser als Sepcratabdruck aus seiner Vierteljahrschrift
U i e Redaction.
eingesendet.
Untersuchung einiger Geheinimittel.
59
a) M. A. G e r z a b e c k s B l e i c h s u c h t p u l v e r .
Concessionirt voni k. slchsischen Ministerium des Innern.
I n einer versiegelten Pappschachtel , welche xu 8 Ngr.
(38 kr.) vcrkauft wird, befinden sich 101/2 Drachmen eines
graugriinlichen, stark nach Anis riechenden , anisartig und
siiss schmeckenden Pulvers , welches bei naherer Besichtigung
drei Gemengtheile erkennen I#sst :
einen graugriinlichen -- Anis,
einen weissen - Zuclrer,
einen schwiirzlichen metallglinzenden - Eisenfeile.
Die Eisenfeile betrSgt 14 Proc.
des Gemenges , und
gehort, ihrer SprBdigkeit nach, in die Kategorie des Gusseisens.
Die leere Schachtel zii 1 kr., den Inhalt ebenfalls zu
1 Irr. angesetzt, besitzt das Gnnze, wenn man die Muhe des
Zusammenrnengenu ebenfalls mit 1 kr. berechncn will , einen
reellen Werth yon 3 kr. odor kaum 1 Kgr.; die Verkauferin (ein Fraulein M. A. G.) macht also ein Geschafi mit
700 Proc. Gewinn un'cl salvat aniniam suam.
b) B e r g m a n n s Z a h n p a i t e .
Der ,,Erfinder" dieses und des folgenden Mittels bezeichnet sich als A d o l p h H e i n r i c h A u g u s t B e r g n i a n n in
Waldheim im K. Sachsen; er ist also wohl verschieden von
der Person des Barttinktur- , Eispomade -, Theerseife-, Zahnwolle- etc. B c r g m a n n , der seinen Stammsitz in Rochlitz,
aber bereits weit - nach Paris und Pesth - reichknde
wilde Scliiisslinge getrieben hat. Vielleiclit sind es Bruder,
jedenfalls blutsverwandte Gesinnungsgenossen.
Die Zahnpaste, ,,amtlicli gepriift und bemahrt gefunden, "
besteht aus einem sorgfiiltig in Wschspapier , Stanniol und
rothes goldbedrucktes Papier eingewickelten , etwas uber 2"
langen, l*/z''breiten und 1/2" dicken, kaum 1 Unze netto wiegenden , schniutzig violettrothen durchscheinenden , ceratartigen , doch etwas weicheren Stiick, welches stark pfefferminzartig riecht, und ebenso , sonst milde seifenartig schmeckt.
I n Wasser lost sich die Masse ziemlich klar auf.
Eine Portion davon fein geschabt und gelinder Warme
ausgesetzt, verlor 30 Proc. am Gewicht; diese 30 Proc.
('I7)
60
Untersuchung einiger Geheimmittel.
bestanden, ausser Wasser , in Pfeferminzol iind Weingeist.
Der Weiugeist ist bekanntlich ein Mittel, den Seifen eine
gewisse Transparenz zu ertheilen (Opodeldok).
Die restirenden 70 Proc. der Paste gaben, mit verdunnter Schwefelsaure zersetzt , 40 Th. Fettsauren.
Die von den Fettsauren getrennte saure Fliissigkeit
wurde mit Soda neutralisirt , eingetrocknet und die trockne,
luftbestandige, 40 Th. wiegende Masse, welche siiss und salzig schmeckte , mit Weingeist von 85 p. C. behandelt, wobei
12 Th. Sale ungelost blieben. Der geistige Auszug hinterliess beini Verdunsten 28 Th. gewohnlichen, nur etwas gefarbten und Spuren schwefelsauren Natrons enthaltenden Zncker.
Das Fhrbende der Paste ist ein Anilinroth.
Urn nun eine solche Zahnpaste darzustellen, lose man
50 Th. einer feinen Oelseife und 25 Th. weissen Zucker in
25 Theilen Weingeist von 40 Proc. bei gelinder Warme auf,
setze etwas Pfefferminzol nebst wenig Anilinroth hinzu, und
giesse in eine Form aus.
Fur 4 Ngr. (= 14 kr.), welche ein 1 Unze schweres
Stuck Zahnpaste kostet, kann man sich die 6- 8 fache Menge
herstellen.
c) B e r g m a n n s Z a h n s e i f e .
Dieses Fabrikat , ebenfalls ,,arntlich gepriift und bewahrt
gefunden," ist eine schmutzig rothliche etwas triibe, dick
syrupartige , stark pfefferminzartig riechende, ebenso und
zugleich deutlich suss schmeckende Flussiglieit ; in Kraken zu 3 Drachmen Netto. Inhalt um 3 Ngr. (= 10 kr.)
ausgeboten.
Man begegnet hier ganz denselben Bestandtheilen , wie
in der Paste, nur in etwas anderem Verhaltniss, und ausserdem noch mit einer Beigabe von Zimnitol, die Seife ist demnach im Grunde nichts weiter, als die Paste in tropfbar flussigem Zustande.
Zu ihrer Darstellnng lose man 12 Theile feine Oelseife
und 30 Theile weissen Zucker in 58 Theilen Weingeist von
40 Proc. auf und fuge der Losung noch etwas Pfefferminzol,
ein paar Tropfen Zimmtol und ein wenig Anilinroth hinzu.
Cntcrsuehung ciniger Geheimmittel.
61
d) R i k . B a k Q ' s Z a h n t i n k t u r .
Der Goheimmittelfabrikant N i k. B a.k Q in Stuttgart hat
sich veranlasst gefunden, im Schwabischen Nerkur einen offenen Brief an mich zu richten, weil ich in meinem jiingst
erschienenen ,, Taschenbuche der Geheimmittellehre '' bei
Erwiihnung seiner Zahntinktur, auf die Untersuchung F o r s t e r s gestiitzt, in humoristischer Weise hinxugefiigt habe, man
miisse davon soviel nehmen, bis man berauscht sei, dann
hore der Zahnschmerz auf. Herr B. ist iiber diese Bemerkung urn so mchr entriistet, weil ich es gewagt, auf solche
Art ein Nittel zu perhorresciren, welches vom k. baier.
Ober - Medicinal - Ausschuss gepriift und vom k. baier. Handelsministerium zum Verkaufe genehmigt sei. Allen Respekt
vor diesen beiden Behorden, aber es Bonnen sich Falle ereignen, wo der Respekt mit den Thatsachen in Xonflikt gerath.
Der k. baier. Ober - Medicinal - Ausschuss scheint dem Principe zu huldigen , Alles zuni offentlichen Vertriebe zuzulassen,
was unschadlich ist , obgleich die meisten dieser ,,unschuldigen " Mittel nur auf eine unwiirdige Ausbeutung des Publikums yon Seite der Verfertiger berecbnet sind. Jenem Principe verdankt denn auch das B a k Q ' s c h e Zahnmittel seine
Concessionirung in Baiern; es gehort zu den Tausenden von
Zahnmitteln, die bald helfen, bald nicht helfen, von denen aber
ein jedes behauptet, es sei die wahre Panacee, und eben darin
liegt der Unfug. Herr B. irrt sich, wenn er vielleicht hofft,
ich werde auf seinen offenen Brief antworten; doch kann ich
ihm nicht verhehlen, dass er, wenn auch wider Willen,
durch denselben zur Verbreitung des Buches beigetragen,
mithin im Interesse des Autors nnd Verlegers gehandelt hat.
Auf dem faulen Boden der Geheimmittel - Industrie wuchern
noch manche Pilze, welche die Sichel der Kritik bis jetzt
nicht beriihrt hat, und unter ihnen befinden sich selbst hochbejahrte - ein Beweis, dass sogar Pilze ein zahes Leben
fuhren konnen. Es ist daher Zeit, auch ihnen einmal an den
Kragen zu gehen.
62
Uutersnchung cinigcr Gehcimniittel.
e) S t o l l w erlr'sclie B r u s t b o n b o n s .
Xaii kann fast lreinc Zeitung Icsen, ohnc auf cinc cinpfehlende Anzeigc dicser Zuckerbiickcr\vanre zu stosscn ; sic ist
dcr walirc ,,Hans in nllan Ciasseii" und dcr hbsat,z ein
ininienser. R'atiidicli , was, wic der gclbc Papicrsaok, worin
dic Bonbons rersicgelt verabreiclit ~vcrdcn, von 20 ilcrztcn
gepriift und attcstirt, sowic niit 2 Prcisincdaillen gckriiiit
ist, IHUSS wold - so urtheilt die AIasse - nichr nls Zuclter
win. Mir dagcgen imponircn dcrglcichen Empfehlungcn
schon langc nicht mchr, ich wiinschc dcr Sache immcr auf
dcn G-rund zu sellen, und liabc desshdb nicht unterlasscn,
die Waarc selhst ins Vcrlior zu nehmen.
Dicse Bonbons unterschcidcn sich voii dcr gewohnlichcn
Conditorwaare iiusscrlidi iiicht , sind sclimutzig gelb , trubc,
und rerrathen iin Cesc1imncl;c iiiclits weitcr als Zuclrer ; einnial wolltc es niir scheinen, als wenn sich cinc schwache
Andeutung r o n Aqu:b Napline zu erkcnnen g.Lbe, doc11 musste
hicr wohl Tiiuschung iiu Spiclc win, denn derselbc G ceclimack
wicderholte sicli bei andem 8tiiclicn niclit, was niicli zu dcr
Bchauytiing bcrechtigt, dilss Herr S t o 11we r k zu seinem
Fabriltatc Aqua Xaphac niclit vorwcndct.
Uni den angcblichcn ,,reizmildernden , beruhigcndcn iind
nacli UmstXnden 1;rampfstillendcn Pflanzcntlieilon ," ~ d c h cin
den Bonbons cntlialtcn win sollen, auf die Spur zu ko1n11ien,
habe ich 10 Stuck d:i\-on zerricben , niit gewiihnlichem oilicinellen Aetlier cinigc Tagc lang in Berulirung gelassen, diesen
danu klar abgegosscn und verdunstct. Es hintcrblicb ein
unbedeutender Ruckstand in Gestalt cines goldgclben Estrakts,
das miissig bitter scliineckte und niit Ecagcnticn gelxiif\, nur
cincn scliwiiclien Gchalt an cisengriinendeni Gerbcstoff zu
erkennen gab. Der niichste Scliluss aus dieser Thatsachc
waro nun, dass Herr S t. bci der Bcrcitung seiner Bonbons
sich , statt dcs Wasscrs, eines schwachen Infusuius irgend
cines unschuldigen , Bitterstoff uiid Gerbeetotf enthaltendcn
Krautes ,' von ~velclieni die Arznciruitlellehrc angiebt , dass es
bei Brustlciden Iielfc, z. 11. dcr Hcrba Capill. Vcncris , TIerba
Veronicae u. s. w. bcdicnc. Die Dosis grcnzt abcr scliou an
Untersucliung eiaigcr Gchcimmittcl.
63
das Gebiet dcr IIomoopathie, und IIerr St. wird dadurch in
seinem Aiisgabc - Etat nicht mcrklich alterirt werdcn. Dieser
Herr kijnntc sich iibrigens dic Ssche noch bequemcr und
wohltciler niaclien , wenn er sich, mni Zweck der Einfihrung
ciner Spur Bitterstoff und Gcrbcvtoff in seine Bonbons, Lei
jcdcr Xochung cines frisch geschnittencn Spatels von Pichtenholz bedicnte, der dann imnicr noch ein brauchbares Brennmaterial abgiebt. Ich liabe niinilich vor liingerer Zeit nachgcwiesen,") dass das Fichtenholz ausser cisengriinendcm Gerberrtoff auch einen Bitterstoff enlhiilt; beide Bestandtheile
gehen bci deni wiederholten Umriihren und Prufen der heisscn
Zuckerlijsung in dime iiber.
Beziiglich dcs Preises, zu welcheni die s t o 1l w e r k ' schcn
Bonbons verkauft werden , diirfte folgcnde Kalkulation nicht
uninteressant sein. Das Packet kostet 14 Kreuzer, enthlilt
24 Stuck und diese wiegen 2 5/6 Unzcn , woron aber 'I6 Unze
Papier ist, also netto 27, Unzen. Danach berechncn sich
16 Unzen Bonbons zu 84 Kreuzer. Herr S t . wird als guter
Gcschliftsmann die schniutzig gelbe Farbe seiner Waare nicht
dadurch liervorrufen , dass er Raffinade ein wenig anbrennen
Insst odcr mit ein wenig gebranntein Zucker versetzt, sondern
gleich von vornherein nur lialbraffinirten Zucker - sogenannten gelben Fsrin - nehnien. Von diesem kosten aber
16 Unzen kaum 18 Kreuzer, und bei massenweisem Ankauf
noch weniger; mithin werden 16 Unzen gelbcr Farin in der
Form von Bonbons urn einen 4%rnal hoheren Preis an das
leidende Yublikum abgesetzt, welches dcnn auch in scinem
kindlichcn Vcrtrauen auf die vielen Lrztlichen Zeugnisse, Preismedaillen und Regierungs - Concessionen in jencn Bonbons
etwas ganz Apartcs erblickt und flott darauf 10s kauft. Aber,
wird Hr. S t. inir nun einwcnden, setzen Sie dcnn nichts an
pro studio ct labore, und was mich die ,,rcizmildornden,
beruhigenden iind nach Umstanden krampfstillenden I'flanzentheile " kostcn? Darauf dicne Hrn. S t. ziir Antwort: Studium
= Null, Labor ebcnfalls beinahe = Null odcr, urn mich
*) W i t t s t L' i n ' s Vicrteljahresschr. 111. 14.
64
Untersuchung einiger Geheimmittel.
bestimmter auszudrucken, = 1 Kreuzer per 16 Unzen, und
hinsichtlich der Ausgaben fur die Pflanzentheile , in welche
Hr. St. den Schwerpunkt seiner Industrie zu verlegen sich
herausnimmt, bin ich mit mir noch nicht ganz einig, ob ich
sie in den Etat dss beregten Fichtenholz - Spatels , also = Null
(denn der Spate1 verliert ja durch seinen Gebrauch beim
Zuckerkochen nichts an Werth als Brennmaterial) , oder in
der Reihe 0,000000 um eine Decimale hoher ansetzen 9011.
f) Redlinger’sche Pillen.
Vor mehren Jahren wurde in meiner Vierteljahrsschrift *)
das Ergebniss tier Untersuchung der L a n g ’ schen Pillen niedergelegt und dabei missbilligend bemerlrt , ’dass dem L a n g ,
welcher in Baiern selbst sein Fabrikat nicht verkaufen darf
(weil die mit dessen Gebrauch verbundenen Nachtheile der
Behorde einleuchten) , doch ausdriicklich gestattet ist , damit
Handel in das Ausland zu treiben, also ausdriicklich gestattet
ist , das Publikum im duslande zu benachtheiligen. Diese
freundnachbarlichen Gesinnungen gegen das Ausland finde
ich noch bei eineni andern Geheimmittel, den R e d 1i n g e r ’ schen Pillen, vorherrscheud. Von dieser Winkel - Industrie war inir bis vor Kurzem gar nichts beliannt; erst vor
einigen Monaten erfuhr ich zufallig, dass in Augsburg unter
der Firma J. C. R e d l i n g e r & Comp. eine grossartige Pillenfabrik bestehe, deren Erzeugniss in Raiern zu verkaufen
zwar verboten sei, aber dafur desto massenhafter in das
Ausland (man behauptet, sogar nach China und Japan) gehe.
Mit dem Verbote in Baiern hat es unbezweifelt seine volle
Richtigkeit, denn dadurch erkliirt sich einEig und allein das
ganzliche Schweigen der Firma J. C. R e d l i n g e r & Comp.
iiber ihre Pillen in den inlandischen Zeitungen; aber unter
der Hand geht der Handel damit im Inlande ziemlich ungenirt vor sich, denn, wie mir ein Preund in Augsburg, dessen
gefalliger Vermittlung ich einige Schachteln jener Pillen ver*) IX. 251.
65
Untersuchung einiger Geheimmittel.
danke, schrieb, werden sie dort in der Fabrik in Rollchen
A 8 Schachtelchen an Raufleute und Grossisten unbedenklich
abgegoben. Die Firma R e d 1i n g e r ist also hinsichtlich der
Einhaltung des Verbotes zum Debit ihrer Pillen im Inlande
nicht so slrrupulos als die Firma L a n g in Xiinchen, denn es
bedarf schon eines eigenthiimlichen diplomatischon Verfahrens,
um die letztere zur Abgabe einer Schachtel voll Pillen h i e r
i n Y i i n c h e n zu bewegen.
In einem rothgebeizten und versiegelten Holzschachtelchen mit der gedruckten Abfschrift ,,R e d 1i n g e r ' sche 151len 15 Stuck 12 kr." befinden sich graubraunliche, mit Lykopodium bestreuete , ziemlich harte , siisslich aromatisch nach
Fenchel , entfernt auch nach Jalape riechende , iihnlich und
zugleich bitter schmeckende Pillen. Sie wiegen zusammen
22l/, Gran, also jede Pille 11/, Gran, und sind hiiufig schlecht
abgednitten , so dase rundum noch ein vorstehender Ring
haftet. Aloe giebt sich weder durch Geruch, noch durch
Geschmack zu erkennen.
In Wasser zcrgehen die Pillen nach einigem Stehen;
wenn man nach erfolgter Zertheilung umriihrt, so setzt sich
ganz unten rasch ein aufi weissen glanzenden Theilchen
bestehendes Pulver ab, und daruber lagert sich eine leichteje
graue Masse. Das schwere Pulv-er wurde bald als C a l o m e l
erkannt. Der filtrirte wasserige Auszug hinterlasst beim
Verdunsten einen gelbgriinlichen luftbestiindigen Firniss von
rein bitterem, schwach an Fenchel erinnernden Geschmack,
worin vorhcrrschend G u m m i , dann die extraktiven Theile
des P e n c h e l s und E n z i a n s sich befinden.
Der vom Wasser nicht aufgenommene Theil der Pillen
verrath schon durch sein Weichbleibcn beim Liegen in der
Wiirme und sein Briichigwcrden in der Xalte einen bedeutenden Gehalt von liarz, und sein Geruch deutet auf J a l a p e n h a r z , was sich denn auch durch Behandeh mit Alkohol, Verdunstcn dcr Tinktur und weitere Priifung des Qerdunstungsriickstandcs bestiitigt. Wenn die Pillen mit Wasser gehorig erschopfi sind, so geht in den Alkohol nichts
Bitteres mehr iiber - ein weiterer Beweis von der ganzliArch. 8. Pharm. CLXXXIV. Bds. 1. u. 4. Hft.
5
66
Unterauchung einiger Geheimrnittel.
chen Abwesenheit der Aloe. Das erhaltene Jalapeuharz
Ioste sich ziemlich vollsth&g in Actlicr auf, stammte mithin nicht von der knolligen, sondern von der stangeligen
Jalape.
I n Folge dcr dann angestellten quantitativcn Analyse
ergab sich, dass eine jede Pillc '/, Gran Calomel und l/, Gran
Jalapenlrarz enthalt; die iibrigen Bcfitandtheile sind Nebensache. Die Vorfichrift zur hnfertigung von 120 Stuck dieser
Pillen wiirde lauten :
Rp. Calomelanos gr. XXIV
Resin. Jalapae gr. L V
Rad. Gcntianac
Sem. Foeniculi
Gummi arabici $ gr. XXX
Aquae q. s.
Die Pillen sind von zwei voll bedruckten Zetteln, der
eine I/,, Bogen, der andere
Bogen stark, begleitct, auf
welchen u. a. rnit fetter Schrift zu lesen ist:
,,Die Kenntniss der Bestandthcile , sowie die Zusammcnsetzung dcr R e d 1i n g e r ' schen Pillen gehiirt a h
einziges tiefes Geheininiss uns an und befindet sich in
keines andern Menschen Hiinden."
Da also dicser Versicherung zufolgc das Recept von
Herrn J. C. R e d l i n g c r & Comp. selbst gewifis nicht willig
herausgegebcn wird, und ein riuborischer Ueberfall der gehpimen Fiicher dieser Firma nicht statthaft ist, so mussten wir
die schwarze Kunst zum Bandesgenossen nehrnen, um uns
in den Besitz desselben zu bringan. J a , ja, kcin Zweifel,
dam die schwarze Runst lange Finger bat, aber das Uerkwurdigste dabei ist, dass trotz dieses mystischen Raubes die
Firma ihr Recept nicht vermisst. Zerbrechen wir uns den
Xopf nicht dariiber, und fertigen wir die Erkliirung des Akts
einfach mit der Phrase ,,das ist Teiifelswerk" ab. Der Teafel spiolt ohnehin schon in diesem Drama eine Rolle und bildet mit dem Blodsinn dic Hauptfiguren, denn
,,diese Pillen erwarmen den Nagen und das verkaltete
Geblut, fuhren Seure, Schleim und iiberflussige Galle
67
Untersuchung einiger Geheimmittel.
in dem Magen auf eine ganz subtile Art durch den
Leib, und legen auf diese Weise den Grund zu Erzeugung eines ganz neuen und verbesserten Gebliites; da
nun aus dem Nagen, wann er einnial ausser Stand
ist, sein'e Verrichtung bei Verdauung der Speisen zu
thun , alIerhand Ungemach und Gebrechen des Leibes
entstehen, so setzen" u. s. w.
Hierauf wird in 24 Paragraphen auseinandergesetzt , in
welchen Fallen die Pillen specie11 Hiilfe leisten; diese Falle
sind so ziemlich alle moglichen Kranlrheiten , wesshalb eine
namentliche Auffiihrung hier unnothig erscheint. Auch haben
es die Pillen, oder vielniehr ihre Verfertiger auf j e d e s
Lebensalter des Menschen abgesehen , denn Kindern von der
Geburt an bis zu einem halben oder ganzen Jahre sol1 taglich eine halbe Pille, und mit dem Vorriicken des Alters
steigende Dosen gereicht werden. Die Vergiftung des Menschengeschlechts kann nicht systeniatischer betrieben werden,
zumal wenn man bedenkt, dasa das Calomel durch langeres Liegen der Pillen unzweifelhaft zum Theil in Sublimat
iihergeht !
Die Fabrik nimmt fur 8 Schachteln = 120 Pillen oder
180 Gran 1 fl., was per Schachtel 7lI2 kr. betragt; also hat
der Wiederverkanfer an jeder Schachtel einen Nutzen von
41/2 kr. Jene 120 Pillen kommen nebst den 8 Schachteln
der Fabrik keinenfalls iiber 15 kr. zu stehen, mithin resultirt
fur sie schon ein Nettogewinn von 300 Proc., und das iibrige
Publikum wird gezwungen , den Zwischenhandlern noch
weitere 200 Proc., oder zusammen 500 Proc. Gewinn zu
zahlen !
g) S c h r e y er'sche Z a h n - P i l l e n .
S c h r e y e r *) & Comp., Chemiker in Miinchen, haben,
wie sie sich riihmen , Pillen erfunden, welche gegen die heftigsten Schmerzen carioser Ziihne schnell und sicher wirken
*) Zur Vermeidnng van Missverstaiidnissen sei hier bemerkt, dasa der
iinlangst verstorbene Munchener Apotheker S c hr e y e r mit obiger Firma
nichts geinein hat.
5"
68
Gntereuchung einiger Geheimmittel.
und deren Wiederkehr verhindern, auch dieselben yon hochster medicinischer Stelle priifen lassen, und vom k. baierischen
Ministerium des Handels die Erlaubniss zum Verkaufe derselben erhalten.
Trotz dieses hohen Geleitsscheines fand ich mich doch
veranlasst, das Fabrikat naher zu priifcn, weil ich dahinter
wiederum -nichts Solides witterte, und tauschte mich auch
nicht. I n einem vierkantigen, ll/zZoll hohcn und z/3 Zoll
breiten PappkBstchen steckt ein diinnes, 1 2011 langes und
Zoll weites, an einem Ende zugeschmolzenes und am
andern Ende mif eincm Kork vcrschlossenes Glasrohrchen,
worin sich 2 Stuck je etma 8 Gran schmcre Pillen r o n dunkdbrauner Farbe, ziemlicher Weiche , wenig Zusammenltang
und grobpulverigeni Ansehn bcfinden. Der Geruch dieser
Pillen ist aromatisch, nach Zimmt und Xelken, weiterhin
pfefferartig; der Geschmack salzig, aromatisch und wharf
pfefferartig.
Wasser entzieht den Pillen K o c h s a1 z, G u m m i nnd
die extraktiven Bestandthcile des Z i m m t s , der N e l k e n
und des s c h w a r z e n P f e f f e r s . Kochsalz und Pfeffer sind
die Hauptbestandtheile, udd die Idce, den Inhalt der Pfefferund Salzbuchsen der Speisetische zu Zahnpillen zu verarbeiten, jedenfalls eine originelle.
Das Xastchen kostet beim Erfinder 9 kr., beim Wiederverkiinfer 18 kr.; jcner steckt dabei 800 Proc., dieser wei
tere 900 Proc. Gewinn ein, denn mehr als 1 kr. ist der game
Plunder nicht werth.
Wer das Nittel gebrauchen will, der nehme
Zerriebenes Xochsalz 2 Theile
Zcrriebenen Pfeffer
2
,,
Zerriebenen Zimmt
,,
Zerriebene Nelken
,,
Zerricbenes Gummi
2
,,
menge Alles gut und setze tropfenweise so lange Wasser
hinzu, bis ein stcifer Teig entsteht, mit welchem man den
cariosen Zahn ausfiullt. Die Wirkung ist gleich der aller
ubrigen Zahnmittel.
Untersuchung einiger Geheimmittel.
h)
69
T o r o k ' sche Z a h n - C i g a r r e t ten.
Als Erfinder dieses mit k. k. ausschliesslichem Privilegium belasteten ,,neuesten und best anerkannten '' Xttels
gegen Zahnschmerz figurirt J o s e p h vo n T 6 r o k , Apotheker
in Pesth; aber ich weiss aus sicherer Quelle, dass dieser
Schwindel - denn es ist meiter nichts als ein solcher eigentlich von dem bekannten B e r g m a n n in Rochlitz ausgeht , welcher schon so manche segensreiche Erfindung
gemacht hat, wie z. B. einer Eispommade, Theerseifu, Barterzeugungs - Tinktur.
In einem , einem Brillenfutteral ahnlichen Pappkastchen
befinden sich 6 Stuck 4" lange Cylinder von der Starke
eines diinnen Federkicls , bestehend aus einem 11/2r' breiten
Stuck grauweissen dicken groben Loschpapiers , welches mit
Styraxtinktur getrankt ist. Ziindet man cinen sokhen Cylindcr an einem Ende an, so brennt cr, auch hingelegt, verhoge des in der Mitte durchgehenden Luftkanals ganz auf
und hinterlisst eine hochst geringe Menge leichter , aus kohlensaurem Xalk. Kiesclerde und Eisencpyd bestehenden Asche.
Die beigegebene Gebrauchsanweisung setzt umstandlich
anseinander, w i e man diese Cylinder rauchen soll. Wer sich
verleiten lasst, ein solches Xastchen - es kostet 1 fl. zu kaufen , erwirbt damit eigentlich nur ein Brillenfutteral,
was ihm auf dem gewohnlichen Handelswege etwa 1 Groschen
kosten wiirde, denn sein Inhalt ist vollig werthlos.
Als trnurige Thatsnche moge noch bemerkt werden, dass
diescs Mittel in einem osterreichischen medicinisehen Rlatte
gewaltig hermisgestrichen ist.
Wie ich hore, mill sich B e r g m a n n auch in Baiern
um Concessionirung seiner Papiercylinder bewerben ; nach
dem Eingangs Mitgetheilten zweifle ich nicht, dass er seinen
Zweck erreicht.
i) Pi B o n i' sches C af f e e- 8 u r r o g a t .
Es wird in Buchsen von Weissblech zll 1/4 und l/* Pfnnd
Inhalt fur 14 und 28 kr. verkauft. Jede Biichse ist noch in
70
Untersuchung einigcr Geheimmittel.
gelbes Papier gehullt, dieses oben iind unten mit einer rothen
Sicgelmwke, auf welcher die Buchstabcn K. & St., geschlossen und mit folgender Gebrauchsanweisung bedruckt.
,,Ein Loth von diesem Surrogat einem Viertelpfund
zimmtfarbig gcrostetem und gcinahlenem CafTec beigemischl,
verbcsserl den Gcschmack desselbcn in hohcm Grade, bewirkt
schone Liiuterung und darf mit Recht als einc betrlichtliche
Ersparniss an Caffec cmpfohlcn werdcn."
Dieses Pabriknt ist nichts News , wenigstens habe ich
ein ihm ganz glciches schon vor 15 Jahren im IIandel angetroffcn, jedoch untcr cinem andern Kamcn, dcsscn ich niich
nicht mehr crinnerc (es kam aus Stuttgarl). Ein Schlaukopf
ist namlicli auf den Gedankcn gckomnicn, den Cichoricncaffee
d. i. die gerostetc und gemahlcnc Cichoricnwurzel auszukochcn, den Absud so weit cinzudickcn, bis dcr Ruckstand sich
beirn Erkalten briichig zcigt, dicsen d a m g o b zu pulverisiren
und das Pulver unter irgend cinem Namcn als ,,Verbesscrungsmittel des Caffec's ," eigentlich abcr seiner Finanzen,
auszubietcn.
Beim crstcn Anblick diews Surrogdts glaubt man gcmahlene Caffecbohnen vor sich xu haben, nbcr das Pulvcr ist dichtcr, sein Gcruch .c.crrath sofort die Cichorie, und dcr Geschniack
ist ein hochst widerwLtig bitterer. An dcr Luft &lit das
Pulver bald Feuchtigkcit, wird dunkler, gliinzend kohlschwarz
und zKheharzig. I n Wasscr lost es sich mit braungelber
Farbe und sehr triibc auf.
Tqollen wir nun auch die Bezeichnung Surrogat nicht
anfechten, so miissen wir doch gegen dic Behauptung yon
einer Verbcsseruiig dcs Gcschmacks dcs wirklichcn Caffce's
durch dassclbe cntschieden Protefit cinlegen , vielnichr , wic
wohl auch jeder Unbefangene schon ohne Weiteres nicht
bcstreiten wird , das Gegontheil versichcrn.
k) K o l n i s c h e K r a u t c r - E s s c n z v o n P l e i m c .
,,Sie verhindcrt sofort das Ausfallcn wie bci rcgelmassigem Gebrauclie das friihzcitigc Grauwerden dcr Haare;
sie hat bereite mchrfach auf kahlgcwordcnen Scheiteln wie-
Untersuchung einigcr Geheimmittel.
71
der ein neues kriif'tiges I-laar hervorgerufen und manchc Perriicke iiberflussig gemacht; sie stitrkt die Kopfnervcn und
reinigt dic Haut griindlich."
Bcstiitigt wird dies Alles durch ein den Ankiindigungen
beigedrucktes stereotypes Zcugnisu cines Kolner Bcamten,
welcher das Xittel selbst gcbraucht zu haben vcrsichert.
Untcr den Stadten, welche sich in Erfindung von Geheimmitteln ganz besonders fruchtbar zeigen, ikt Koln nicht die
lctzte; ich habe schon friihcr cinigc dort hausende Pf'uscher
der oflentlichen Meinung gegeniiber gcstellt, und werdc leider
mahrscheinlich noch wiederholt in den Fall kommen , dies
thun zu miisscn, denn es gehort nun einmal zu meinem
Berufe, eolche Enlcnnester aufzustoren.
Dic in Rcde stehcnde Esscnx wird in starken weissen
Glasern zu 36 kr. vcrkaufi. Der Inhalt \vie& kaum 2 Unzen,
das Glns selbst aber iiber 2 Unzcn; iiberhaupt kann man bei
dergleichen Mitteln regelmiissig die Beobachtung machen, dass
die Glaswiinde moglichst dick sind und das Quantum des
Inhalts in gar kcinem Verhiiltniss zur Grijsse des Glascs
stcht. Grund und Zwcck dieser Vorsichtsmaasfiregel liegen
auf der Hand.
Die Esscnz ist gclb rnit einem Stich ins Griine, riecht
sehr angenchm, ciner fcinen Eau de Cologne ahnlich, und
schmeckt nach atherischcn Oclen und Alkohol. Lackmus wird
nur spurweise davon gerothet. Das Hinneigen dcr Farbe
ins Griinc konnte der Vermuthung Raum geben, als ware sie
cinc Polge der Anwendung feinster A1 p e n krauter, denen
ja, ncbcn andern Wundcrkraften , bckanntlich auch die Piihigkeit zucrltnnn t wird, Iiciicn Haarwuchs hervorzurufen. hllcin,
wenn selbst nicht einmal die Reklame zu dieser Phrase greift,
dann kann UIXI so weniger an die Xoglichkeit ihrer (der
Alpenkrauter) wirklichcn Bcnutzung gedacht wcrden. Also
wcg mit den Alpcnkrautern, dic Kolner miissten sie ja crst
sehr wcit herkomnien lassen; sic machen es sich beqnemer,
giessen einige unschuldigc Flussigkciten zusammen , und die
Haar - Essenz ist fertig.
72
Untersuchung einiger Goheimmittcl.
Da die Cantharidcn, wie Jedermann weifis, eine bedeutende Zugkraft besitzen, so sol1 man auch schon auf den Einfall gekommen soin, sie zur Bereitung ron Haarwuchs bcfordcrnden Mitteln zu verwendan. Hier indessen sind sie keinenfalls mit im Spielc; laest man niinilich dio Eesenz in dsr
R a r m e verdunsten, so bleiben znlctzt 75 Gran Olivenol
zuruck, dem nur noch kleine Antheile eines braunlichen
Harzes (verharzter iitherischer Oele) anhaugen. Ich habe
mir diesen Ruokstand , auf Leinwand gestrichen , auf den
Oberarm gebunden und 24 Stunden dasclbst licgen lassen,
ohne aber dadurch die geringste Reizung der Haut hervorzurufen.
Das Recept zur Kolncr Rriiuter-Esscnz wiirde also etwa
lautdn:
Weingeist yon 95%
. . . . . 3 Loth
Olivcnol . . . . . . . . . . /d 7,
Einigc wohlriechende iitherische Oele 'Is ,,
und ware mit 12 kr. rcichlich bezahlt.
1) K r e l l e r ' s E a u d ' h t i r o n a .
Dcr ,,Chemikcr" K a r l X r e l l e r in Niirnberg ist sehr
erfindungsreich in mystiuchcn und hochtrabenden Namen fur
seine Arkana. So kcnnt man von ihm cin Anadoli; ich habe
ihn auch in Verdacht, die Ifamen Lilionesc, Odontine etc.
gescbaffen zu haben, und beute mollen wir uns mit eincr
andern Frucht seincs Witzes bcschlftigen.
Eau d'htirona iet, sciner Versicherung zufolgc, die feinste
fluesige Schonheits~eife, durch deren Gebrauch jegliche Hautfehler leicht und ,,schmcrzlos " beseitigt wcrden. Das k.
baierische Ministcrium des Innern hat am 1 2 . Xug. 1840 den
Verkauf zu diesen Zweclien genehmigt, und die IIcrrcn Prof.
' J i a s t n e r , Dr. S o l h r i g und Dr. K o p p (beilsuflg gesagt,
simmtlich schon langc im Grabe ruhcnd, abcr ihrcr Zeit dergleichen Unternehmungen gcrn hiilfreichc Hand lcistond) hahen
die Wirkungen bestatigt. Also was n i l 1 r r m mehr?
I n einem starken Krptallgliischen, welchcs leer 3 Loth
wiegt, erbalt man fur 20 kr. nicht ganz 2 T,oth cincr braun-
-
Beitrage zur Schwindel Induatrie.
73
lich gelben, sehr angenehm nach Nelken, Zimmt, Pfeffermiinze und Alkohol riechenden Fliissigkeit. Beim Verdunsten
des Inlialts bleiht
Loth Natronolseife zuruck, welche durch
die anhangenden extraktiven Befitandtheile der Nelken und
des Zimmts eine braunliche Farbe besitzt.
Herr Kr. macht, wie man nun leicht schliessen kann,
einen weingeistigen Auszug von Nelken und Zimmt, lost in
1 'i2
Loth desselben 1/4 Loth Natronolseife auf, setzt ein paar
Tropfen Pfefferminzol hinzu , und das grosse Werk ist vollbracht, gross schon desshalb, weil es eine Rente abwirft, die
Alles, was man Wucherzinsen nennt, weit hinter sich lasst.
-
Beitr%ge znr Schwindel Industrie.
Von E u g . D i e t r i c h . * )
a) D i d i e r ' s w e i s s e S e n f k o r n e r .
,,Im Namen der Menschheit! Theilen Sie diese Vorschriften mit. Sie werden unendlich vie1 Gutes stiften!" so beginnt mit apostolischer Phrase D i d i e r seinen jedem
Packete beigegebenen Prospekt. Wir sind beini Anblicke
von solch' wohlmeinender Aufforderung ganz ergriffen, konnen aber unsere Empfindungen katim mehr ziigeln, wenn wir
auf die nachsten Seiten des Schriftstuckes blicken; denn die
da gebrauchten Schlagwbrter - ,,Bedeutungsvolle Ermahnung" - ,,Sehr wichtige Mittheilungen " - ,,Entdeckungen '( - ,,Rationelle Andeutungen '' - etc. etc. folgen einander in ununterbrochener Reihe; ein Punkt ist stets wichtiger als der andere, 50 dass der Geist kaum so schnell zu
fassen verniag, was ihm hier eroffnet wird.
Wahrhaft orignell sind einzelne Stellen, welche uns zur
wortlichen Mittheilung veranlassen, u. A. die Art und Weise,
wie man am weissen Xenf diese immense Heilkraft entdeckt hat:
") Als Seperatabdruck vom Dr. W i t t 6 t e i n an Dr. L. B 1e y eingesandt.
Die Redaotion.
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