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Untersuchungen Uber die MolekUlverbindung im Veramon.

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Untersuchungen uber die Molekulverbindung im Veramon
441
gegebenen Vorschriften und Hinweise z. B. eine Volumzunahme ges
funden, die einer Flussigkeitssaule von 11 mm entspricht, so wird
im Punkt 11 der Ordinate eine Parallele zur Abszisse gezogen. Ihr
Schnittpunkt mit der Kurve auf die Abszisse ubertragen, fiihrt dort zu
einem Punkt, der den Prozentgehalt unmittelbar ablesen lal3t. In
unserem Falle enthielte der Mentholfranzbranntwein 1.88 % Menthol.
Es ist leider nicht miiglich, sich von der Dimensionierung der Apparatur
unabhangig zu machen, indem man die effektive Volumzunahme des Tetras
chlorkohlenstoffs der Ermittlung des Menthols zu Grunde legen wurde. Bei
Verwendung von 5 ccm der ursprunglichen Menthollosung entspricht nach
den schon zu Beginn angefuhrten Daten meines Apparates einer 0.5%igen
Menthollosung eine Volumzunahme von 25.45 mm3, wahrend einer l%igen
Losung nicht das d o p p d t e Quantum, sondern 66.36 mm3 entsprechen. ES
liegt daher, wie ja auch die erhaltene Kurve anzeigt, keine Proportionalitat
vor. Jeder Analytiker muR sich daher seine Apparatur selbst eichen.
Z u s a m m e n f a s s u n g.
ImVorliegendcn wird eineMethode zur Bestimmung von Menthol
in Franzbranntwein beschrieben, die sich auf die Auslaugung des
Menthols durch Tetrachlorkohlenstoff, aus der auf das dreifache
Volumen mit Wasser verdunnten Probefliissigkeit, stiitzt. Mit Hilfe
einer Standardlosung wird in einem geeigneten Apparatc die mit der
Auslaugung verbundene Volumzunahme bei verschiedenen selbst hers
gestellten Konzentrationen bestimmt und die erhaltenen Werte in
einem Koordinatensystem zu einer Kurve vereinigt zur Darstellung
gebracht. Jeder im Vcrsuch ermittelten Volumzunahme, in mm
Fliissigkeitssaule ausgedruckt, entspricht ein bestimmter Punkt in
der Kurve, der seinerseits wieder einer bestimmten urspriinglichen
Konzentration der Menthollosung zugcordnet ist. Die Methode ist
von grof3er Gcnauigkeit.
486. A. Kofler und R. Fischer:
Untersuchungen uber die Molekulverbindung im Veramon.
(Aus dem Phnrmakognostischen Institut d e r Universitat Innsbruck.)
Eingegangen am 21. Juli 1932.
Durch die Untersuchungen von P f e i f f e r I), R h e i n b o 1 d t
und K i r c h e i s e n *) und H e r t e 1 3, wurde im Veramon das Vor:
handensein einer echten Molekiilverbindung, die die Komponenten
Verona1 und Pyramidon im stochiometrischen Verhaltnis 1 ,: 1 ents
halt, nachgewicsen. Die drei erstgenannten Autoren griindeten ihre
Beweisfuhrung einerseits auf das Ergebnis der Erstarrungskurve,
andrerseits auf die Bestimmung des AuftaurSchmelzdiagrammes.
H e r t e 1 ermittelte durch rontgenographische Messungen den struks
turellcn Feinbau der Verbindung und kam zu dem Resultat, daf3 sie
ein eigenes, von dem der Komponenten unabhangiges Kristallgitter
aufweist und es sich daher urn eine Molekiilverbindung im Sinne
seiner strengen Definition handelt.
A. K o f l e r und R. F i s c h e r
442
Unsere Untersuchungen, die in kristallo tischer Richtung in Verz
bindung mit Mikroschmelzmethoden durckgefuhrt wurden. stellen
einen weiteren Beitrag zur Charakteristik dieser Verbindung, des
sogen. P f e i f f e r 'schen Korpers dar. Die eine G m p o n e n t e der
Molekiilverbindung, das Veronal, haben wir vor kurzem in gleicher
Arbeitsweiso untersucht und dabei das Auftreten von drei Modis
fikationen feststellen konnen (F i s c h e r und K of 1 e r 9. Uber das
Pyramidon liegen Angaben von H a a s ") unmdH e r t e 13, vor, auf die
wir spater bei Besprechung unserer eigenen Untersuchungen uber das
Pyramidon noch zuriickkommen werden.
Die Darstellung der Molekulverbindung wird nach P f e i f f e r am besten
durch Kristallisation eines Verona1SPyramidon:Gemisches im Gewichtsverhalts
nis 1 : 2 aus heil3er wasseriger Losung unter bestimmten Bedingungen v o r g e
nommen. H e r t e 1 gewinnt seine Kristalle durch langsames Verdunsten des
Losungsmittels im Vakuumexsikkator aus kaltgesattigter wasseriger Losung,
uber deren Herstellung e r keine genaueren Angaben macht. Z u r Anfertigung
der mikroskopischen Praparate fur die kristalloptische Untersuchung verwendes
ten wir eine heiBe, nach der Vorschrift b) von P f e i f f e r hergestellte Losung
der Komponenten oder besser, das nach dem Abkiihlen dieser Losung gewonnene
Filtrat. Die Fliissigkeit wird auf den Objekttrager getropft und bei Beginn
der Kristallisation mit einem Deckglas bedeckt. Es entstehen sehr lange
nadelfijrmige Kristallchen mit abgeschragten Enden oder flachen End:
pyramiden. daneben jedoch immer zahlreiche Veronalkristalle in Form aller
drei Modifikationcn.
Bei den Nadeln der Molekiilverbindung lassen sich zweierlei
Arten von Auflagerung erkennen (siehe Fig. 1 und 2). Die Nadeln
Fig. 1
Fig. 2
Fig. 3
Fig. 4
Fig. 5
mit der flachen Endpyramide (Fig. 1) und niederen Interferenzfarben
zeigen meist Langsstreifung und loschen gerade aus; Schwingungss
richtung a' in dcr Langsrichtung. Die abgeschragten Nadeln (Fig. 2)
zeigen hohere Interferenzfarben und eine Ausloschungsschief e von
43O. Es handelt sich um m o n o k 1 i n e Kristalle, wobei die zuerst an%
gegebene Auflageflache 100, die andere der Flache 010 entspricht.
Die Achsenebene liegt senkrecht zur Symmetrieebene. Der Achsens
winkel ist sehr klein, optisch negativ. Dispersion der Achsen p > Y .
Die Achsenebene fur Rot und Gelb liegt quer zur Langsrichtung, fu r
Blau parallel zur Langsrichtung und besitzt einen ganz kleinen
Achsenwinkel. Infolge der Dispersion erscheint in der 4jozStellung die
Gesichtsfeldmittc zwischen den beiden Achsenpolen Rot. Bettet man
Untersuchungen iiber die Molekiilverbindung im Veramon
443
diese Kristalle in Kartoffelsirup ein und dreht sie durch Verschieben
des Deckglases um ihre Langsachse, so kann man an der Ausloschung
feststellen, da 8 es sich tatsachlich um zwei verschiedene Auflages
rungen der Kristalle handelt. Dreht man um die kurze Achse, SO
kann man den Austritt cder I. Mittellinie a ins Gesichtsfeld bringen.
Mit dieser Orientierung stimmen die konoskopischen Bilder auf
beiden Flachen iiberein; auf 100 erhalt man farbige Halbkreise rnit
einem schwarzen Balken parallel der Langsrichtung (Symmetries
ebene) und auf 010 das Bild eines Schnittes senkrecht zur 11. Mittelr
linie mit den fallenden Farben in der Richtung a.
Die Brechungsexponenten konnten nicht ermittelt werden, da
sich die Molekiilverbindung in den Immersionsfliissigkeiten unter
Zersctzung lost.
Neben diesen auf dem Objekttrager hergestellten Kristallen wurden auch
groDere in Kristallisierschalen gezuchtete Kristalle zur Untersuchung heran*
gezogen. Die nach den Angaben von P f e i f f e r aus hei8en Losungen geS
wonnenen Kristalle waren mit den oben beschriebenen mikroskopischen
Kristallchen vollkommen identisch Bei der Kristallisation aus Losungen, die
durch Auflosen von 5 g Pyramidon und 1 g Verona1 in 60 ccm heifiem Wasser
und Filtration der erkalteten Losung hergestellt wurden, entwickeln sich bei
langsamer Verdunstung gro8ere. seidenglanzende, in Buscheln stehende, flache
Kristallnadeln mit abgeschragten Enden. Die Kristalle bestehen fast immer
aus Aggregaten parallel gelagerter Einzelindividuen und sind sehr briichig.
Bei der mikroskopischen Untersuchung lassen sich auch diese Kristalle mit
den oben beschriebenen identifizieren. Die flachen Kristallnadeln zeigen die
gut entwickelte 100SFlache und schmale Prismenflachen. Die goniometrische
Messung konnte aus Mange1 an geeigneten einheitlichen Kristallen nicht vors
genommen werden.
Auch durch Mikrosublimation kann man KristaUe der Molekiils
verbindung erhalten. Wir sublimierten bei 0.1 bis 11 mm Quecksilbers
druck und Temperaturen von 65 bis 80° und einem Abstand von 5 mm.
Als Ausgangsmaterial kann man entweder die Molekiilverbindung
oder die beiden Komponenten im ents rechenden Mischungsverhaltnis
vorwenden. In den Mikrosublimaten bPildet die Molekiilverbindung in
Garben angeordnete nadelformige Kristalle (Tafel Bild 1) mit abs
geschragten Enden, deren kristalloptische Untersuchung eine volls
stiindige Obereinstimmung mit den aus Losungen gewonnenen
Kristallen ergab. Der Achsenwinkel ist aber hier nicht ganz konstant,
haufig erscheint cr fur Rot und Gelb gro8er als bei den aus Losungen
gewonnenen Kristallen; in diesen Fallen erreicht der Achsenwinkel
fur Blau fast Oo. Worauf dieses Schwanken des Achsenwinkels zuriicks
zufuhren ist, konnte nicht ermittelt werden. Vielleicht spielen Beis
mengungen von Pyramidon in verschiedenem Grade eine Rollc.
H e r t e I 3) kommt bei seinen rontgenographischen Messungen zu dem
Ergebnis, d a 8 die Kristalle der Molekulverbindung dem rhombischen Kristalls
system angehoren. wahrend wir, wie envahnt, monokline Kristallstruktur fest.
stcllten. Die Griinde fur diese Unstimmigkeit konnten wir nicht aufklaren.
Wir versuchten verschiedene Arten der Kristallisation. konnten aber immer
nur eine Kristallform feststellen, so d a 8 eine IXdarung durch das Auftreten
verschiedener Modifikationen nicht wahrscheinlich ist. Um aber ganz sicher
zu sein. daR unserc Kristalle in ihrem Habitus die von H e r t e l rijntgenos
graphisch gcfundenen Hauptzonen zum Ausdruck bringen, ware cin Vers
444
A. K o f l e r und R. F i s c h e r
gleich mit dcn von H e r t c 1 zur rontgenographischen Messung verwendeten
Kristalle wertvoll gewesen. Leider hatte Professor H e r t e 1 , an den wir uns
deshalb brieflich wandten, von seinen Kristallen nichts mehr zur Verfugung.
Bei der Beurteilung der Natur der Molekiilverbindung spielte in
der Literatur das V e r h a l t e n b e i m S c h m e l z e n eine wichtige
Rolle. P f e i f f e r bezeichnet den Schmelzpunkt als unscharf, ,,die
Nadeln geben bei etwa 113 bis 115" eine triibe Flussigkeit, dic erst
gegen 140'' vollig klar wird". Bei der Mikroschmelzpunktbestimmunp,
wobei die Substanz zwischen Objekttrager und Deckglas unter dem
Mikroskop geschmolzen wird, lassen sich die Vorgange genau vers
folgen und erklaren. Bei dem von uns verwendeten Mikroschmelzs
punktapparat von K o f 1 c r und H i 1 b c k e, mit elektrischer 'Heizung
und thermoelektrischer Temperaturmessung besteht die Moglichkeit,
o h m die Genauigkeit der Schmelzpunktbestimmung zu gefahrden,
mit der Temperatur rasch anzusteigen ( K o f l e r 2 ) . La13t man die
Temperatur mit ungefahr der gleichen Geschwindigkeit ansteigen,
wie dies bei der Makrobestimmung im Kapillarrohrchen ublich ist,
so erhalt man einen Schmelzpunkt von 113O, bei noch lmgsamerem
Temperaturanstieg 111 bis 1120. Wenn wir aber die Temperatur rasch
erhijhen, so dai3 wir etwa in 2l/2 Minuten ungefahr l l O o erreichen und
dann erst den Temperaturanstieg verlangsamen, sehen wir Schmelzs
punkte Dis zu 117O. Das Tempo des Ansteigens im Augcnblick des
Schmelzens betragt hierbei etwa 6" pro Minute. Dcr Schmelzvorgang
ist scharf, und zwar um so scharfer, je rascher die Schmelztemperatur
erreicht wurde. Dabei sieht man unmittelbar nach dem Schmclzen
in den Tropfen Kxistalle auftreten und wachsen. Bei langsamem
Tcmperaturanstieg oder beim Schmelzen grof3erer Kristalle erscheinen
die neuen Kristalle schon wahrend des Schmelzvorganges, bevor der
ursprungliche Kristall vollstandig geschmolzen ist. Bei weiterem
Temperaturanstieg nimmt die Zahl und G r o k dieser neuen Kristalle
bis gegen 130° zu, oberhalb dieser Temperatur beginnen die Kristalle
sich an den Ecken und Kanten abzurunden, um zwischen 135 und 140"
allmahlich vollstandig zu verschwinden. Die Schmelztropfen haben
dabei eine gelbliche Farbe angenommen (s. Tafel Abb. 4). Unterbricht
man das Erhitzen vor dem Erreichen von 130'' und laf3t die Praparate
abkuhlen, so behalten sie ihr Aussehen bei; man sieht in den glasig
erstarrten Schmelztropfen die neuen Kristallchen unversehrt erhalten.
Durch Weglosen der Schmelze mit Benzol lassen sich die Kristalle
fur die kristalloptische Untersuchung und die Mikroschmelzbestims
mung isolieren. Diese neue auftretenden Kristalle erweisen sich als
Veronal. Es tretcn besonders die beiden metastabilen Modifikationen
des Veronals auf, die trikline stets stark verzwillingte (Gitterstruks
tur) Form in rechteckigen Blattchen (Tafel Abb. 5). die monokline
Modifikation in stengeligen und bipyramidalen Formen (Tafel Abb. 6).
Die trigonden stabilen Kristalle treten seltener auf.
Der Schmelzvorgang der Molckiilverbindung stellt sich nach
unseren Beobachtungen in folgender Weise dar: bei raschem l'empes
raturanstieg erhalt man einen scharfen Schmelzpunkt zwischen 116
und 1 1 7 O . Wahrend oder unmittelbar nach dem Schmelzen zersetzt
sich dic Verbindung, wobei ein Teil des schwerer schmelzbaren bzw.
Untersuchungen iiber die Molekiilverbindung im Veramon
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bei dieser Temperatur in der Schmelze schwer loslichen Veronals auss
kristallisiert. Die Triibung, die man bei makroskopischer Beobachs
tung im Kapillarrohrchen bis gegen 140° sieht, ist also eine sekundare
Erscheinung, die mit dem Schmclzvorgang als solchem nichts zu tun
hat. Ihr Verschwinden bei 1400 ist ein Auflosen des Veronals in der
umgebenden Schmelze. Der niedrigere Schmelzpunkt der Molekuls
verbindung, den man beim langsamen Erhitzen beobachtet, ist auf
teilweise Zersetzungsvorgangc vor Erreichen der Schmelztemperatur
zu erklaren.
Im V e r a m o n liegt bckanntlich eine Mischung von einem Molekiil der
Molekulverbindung mit einem Molekiil Pyramidon vor. Der Schmelzpunkt
dcs Veramons wird in der Literatur verschieden angegeben. Nach H e r z o g 8)
sintert es bei 950 und ist bei 1020 60 weit geschmolzen, dn8 man in der Schmelze
noch glitzernde Kristallchen herumschwimmen sieht, die bei 1120 geschmolzen
sind. S t a r k e n s t e i n9) gab 950 an, die herstellende Firma 91 bis 97O,
R h e i n b o 1 d t und K i r c h e i s e n 2) als Auftaupunkt 930, als Schmp. 110.50.
Bei mikroskopischer Untersuchung des Veramons lassen sich neben gro8eren
stengeligen Kristallen der Molekulverbindung noch Kristallfragmente von
unregelmiifiiger Form erkennen, die in der Hauptsache aus Pyramidon be5
stehen. Auf dem Mikroschmelzpuiiktapparat kann man das Verhalten der
Partikelchen haufig gesondert verfolgen. Bei ungefahr 980 schmelzen schon
einige Kornchen, bei 102 bis 1040 schmilzt der Hauptteil der unregelmafiigen
Kristallfragmente. Die griiBeren stengeligen Kristalle der Molekulverbindung
schmelzen bei ungefahr 114 bis 1150- Aus einigen dieser Schmelztropfen
kristallisiercn sekundar Vcronalkristallchen in der oben beschriebenen Weise
aus. Beim ZusammenflieDen cines bei 114" entstandenen Schmelztropfens mit
einem bei 1020 entstandcnen unterbleibt die Bildung von Veronalkristallen.
Die bekannte Tatsache, da8 das Veramon beim Schmelzen im Kapillarrohrs
chen schon bei 110 bis 1120 vollstandig klar wird, hangt damit zusammen. da8
hier infolge des Uberschusses von Pyramidon eine sekundare Triibung durch
Auskristallisiercn des Veronals nicht stattfindet.
Untcrwirft man das V e r a m o n d e r M i k r o s u b l i m a t i o n
bei 75 bis 800, 11 mm Quecksilberdruck und einem Abstand von 5 mm,
so erhalt man im Sublimat nebeneinander Kristalle der Molekulvers
bindung und des Pyramidons. Beim Schmelzen dieser Sublimate sieht
man das Pyramidon genau bei 108O, die Molekiilverbindung bei 116O
schmelzen, sofern beide Kristalle sich nicht beriihren. Auch durch
Sublimation eines Gemischcs von 1 Molekiil Veronal und 2 Molekulen
Pyramidon erhalt man die gleichen Sublimate. Wenn man die Moles
kiilverbindung allein oder eine innige Verreibung von Pyramidon und
Veronal im molekularen Verhaltnis 1 : 1 sublimiert, so erhalt man in
der Hauptsache Kristalle der Molekiilverbindung und Tropfchen;
bei langcrer Sublimationsdaucr auBerdem wenige Veronalkristalle.
Dabci zeigt sich bei der Untersuchung des Ruckstandes, da0 sich im
Ausgangsmaterial aus dcr Mischung durch das Erwarmen bereits
groBtenteils die Molekulverbindung gebildet hat. Die Bildung der
Molekulverbindung 1aBt sich ubrigens auch schon unter dem Mikros
skop verfolgcn. Gibt man Veronal und Pyramidon in molekularen
Mengen 1 : 1 zusammen, verreibt innig in der Reibschale zu einem
sehr feinen Pulver und beobachtct das Verhalten des Pulvers zwischen
Objekttrager und Deckglas unter dem Mikroskop beim Erhitzen,
446
A. K o f l e r und R. F i s c h e r
dann sieht man, d d l sich ab 70° neue Kristalle bilden, die sich bei
der Untersuchung als Molekulverbindung erweisen.
Fur die p h a r m a k o 1 o g i s c h e u nsd t h e r a p e u t i s c h e
B e u r t e i 1 u n g ist das Verhalten der Molekiilverbindung, des Verar
mons und der entsprechenden Gcmische der Komponenten in wasses
riger Losung in verschiedenen Mengcnverhaltnissen von wesentlicher
Bedeutung. Stellt man nach der Vorschrift b) von P f e i f f e r I) eine
heilsgesattigte Losung der beiden Komponenten her, so erhalt man
bei der Abkuhlung eine reichliche Mcnge der Molekiilverbindung.
Filtriert man nach dem Erkalten die Mutterlauge a b und uberlant sie
an der Luft oder im Exsikkator der Verdunstung, so entstehen neben
Kristallcn der Verbindung auch Veronalkristalle. Diese bilden rund;
liche Kristallkorner oder langgestreckte prismatische Kristalle der
monoklinen Modifikation oder prismatische Kristalle der verzwillingr
ten triklinen Form. LaBt man das Wasser vollstandig verdunsten,
so erhalt man zum SchluR Pyramidonkristalle in der triklinen Form
wie sie von H e r t e 1 beschrieben wurden. Nimmt man zur Losung
doppelt soviel Wasser, als P f e i f f e r l ) in seiner Vorschrift b) angibt,
so erhalt man als erstes Kristallisationsprodukt Veronal in seidenr
glanzenden Prismcn mit abgeschragten Enden, die aul3erlich eine ges
wisse Ahnlichkeit mit der Molckulverbindung haben, kristalloptisch
und durch die Mikroschmelzpunktbcstimmung sich aber eindeutig als
Veronal erweisen. Bci weiterem Verdunsten kristallisiert dann aus
der Losung die Molekulverbindung in Form langer Nadeln und auch
Veronal in der Kornerform aus. Aus einer warmgesattigten wasscs
rigen Losung der Molekulverbindung allein erhalt man zunachst beim
Abkuhlen groBe, seidigglanzende langsgeriefte Kristallstengel mit abr
geschragten Enden, die mit den soeben beschriebenen Veronalr
kristallen ubereinstimmen. Neben diesen Kristallen der monoklinen
Modifikation erhalt man aber auch die verzwillingte trikline und die
stabile trigonale Form. Erst spater kristallisiert die Molekulverbindung
aus. Dieselben Kristalle erhalt man, wenn man an Stelle der Molekulr
verbindung die beiden Komponenten im selben Verhaltnis lost.
Lost man 1 g Veramon in 25 ccm heiBem Wasser, so kristallisiert beim
Erkalten und langsamem Verdunsten zuerst Veronal, besonders in den beiden
metastabilen Formen und erst spater die Molekiilverbindung Bus. Lost man
in feicher Weise eine Mischung von Veronal und Pyramidon im Mengens
ver altnis des Veramons auf, so erhalt man genau dieselben Kristalle. Vers
gleicht man die Loslichkeit von 1 g Veramon (in Pulverform) und 1 g der
mechanischen Verreibung der Komponenten im entsprechenden Verhaltnis in
50 ccm Wasser bei einer Temperatur von ungefahr 36 bis 400, so findet man,
daR heim Schutteln nach zwei Minuten in beiden Fallen vollstandige Lijsung
eingetreten ist.
Bei allen diesen Versuchen zeigte es sich, daf3 bei kalt gesattigten
Losungen ein groBerer Uberschua von Pyramidon vorhanden scin
mu& als dies bei heiljgesattigten Losungen notwendig ist, urn d a s
Auskristallisieren von Veronal allein zu verhindern. I n a 1 1 e n
Fallen war nie ein Unterschied feststellbar,
o b fur die Herstellung der Losungen die Molekuls
verbindung oder ein Gemisch der beiden Kompos
nenten im selben Mengenverhaltnis verwendet
Untersuchungen iiber die Molekulverbindung im Veramon
447
w u r d e. Es durfte daher auch fur die therapeutische Wirkung gleichs
gultig sein, ob man Veramon oder ein einfaches Gemisch von 28.5%
Veronal und 71.5% Pyrami,don verwendet.
Anhangweise seien noch einige Beobachtungen uber die beiden
Komponenten der Molekulverbindung, das Veronal und das
Pyramidon, mitgeteilt.
Ober das V e r o n a 1 wurden rontgenographische Untersuchungen
von H e r t ello) angestellt, der es nach seinen Messungen ins
rhombische Kristallsystem einreihte. Die von j h m untersuchten
Kristalle sind mit unserer metastabilen monoklinen Form identisch
(F i s c h e r und K o f 1 e r ')). Wir sind mit kristallographischen Unter.
suchungen beschaftigt, die diese Unstimmigkeit klaren sollen. In
unserer Arbeit uber das Veronal wurden an diesen Kristallen einige
Konstanten gefunden, die fur das rhombische Kristallsystem sprechen,
wie z. B. die gerade Ausloschung in der ganzen Stengelzone bei den
prismatisch ausgebildcten Veronalkristallen. Dagegen hat der monos
symmetrische Bau der Kristalle uns veranlqfit, dieselben dem monos
klinen Kristallsystem einzureihen, wie dies in der Literatur vor
H e r t e 1 bisher immer geschehen war.
Uber das P y r a m i d o n liegen Angaben von H a a s s ) und
H e r t e 13, vor. H a a s untersuchte Sublimate von Pyramidon und
kam zu dem Ergebnis, dan sie vermutlich rhombisch sind. H e r t e l
machte seine goniometrischen und rontgenographischen Messungen
an Kristallen, die aus Losungen gewonnen waren, und reihte sie in
das trikline System ein. Eigcne Untersuchungen erstreckten sich so.
wohl auf Kristalle aus Losungem als auch auf Sublimate. Die Kristalle
aus Losungen stellen rechteckige oder rhomboidische Blattchen dar,
welche Formen zweierlei Arten von Auflagerungen entsprechen. Die
scheinbar rechteckigen Blattchen (Fig. 3), manchmal mit abs
gestumpften Ecken, haben einen Kantenwinkel von 94O, eine geringe
schiefe Ausloschung von 4O und zeigen den Austritt der zweiten
Mittellinie. Die rhomboicdischen Blattchen (Fig. 4) haben eine AUSZ
loschun von 8 O und entsprechen dem Austritt der I. Mittellinie.
Der A c senwinkel ist sehr gro8, so da8 die Achsen schon aunerhalb
des Gesichtsfeldes liegen. Beim Drehen in Kartoffelsirup kann man
die Achsen nacheinander ins Gesichtsfeld bringen und dabei den
optischen Charakter als negativ erkennen. Die Achsenebene liegt in
beiden Fallen quer zur Langsstreckung. Ofters findet man Zwillings.
kristalle mit symmetrischer Ausloschung imAusmaI3e von 8Ooder groDe
flachenhafte, gestreifte Aggregate, aus einem System von Zwillingss
lamellcn bestehend. Die Kristalle sind triklin und stimmen auch bei
der goniometrischen Messung mit ,den von H e r t e 1 3, beschriebenen
Kristallen uberein.
Die Sublimate bilden meist derbere langsgestreifte Kristalle, die
Aggregate von parallel gestellten Individuen darstellen. Die Rands
kristalle dieser Aggregate sind flachenhaft ausgebildet und zeigen
rechteckige Begrenzung. Neben diesen Aggregaten finden sich in den
Sublimaten noch gut ausgcbildete Einzelkristalle mit rechteckiger
Form. Diese Blattchen sind genau rechtwinklig (Fig. 5), zeigen gerade
i?
Untersuchungen uber die Molekiilverbindung im Veramon
448
Ausloschung und konoskopisch den Austritt der 11. Mittellinie y
(und nicht, wie H a a s 6, angibt, die optische Normale). Die Achsens
ebene liegt quer, wie durch Drehen der Kristalle in Kartoffelsirup
ermittelt werden konntc. Optischer Charakter negativ. Da sich in
den Sublimaten keine Blattchen senkrecht zur ersten Mittellinie
fanden unid an den in Kartoffelsirup gedrehten Kristallen keine quans
titativen Messungen vorgenommen werden konnen, ist eine sichere
Entscheidung des Kristallsystems nicht zu treffen. Wahrscheinlich
gehoren die Kristalle dem rhombischen System an, wie auch H a a s
vermutet. Zwillingsbildungen wurden nicht beobachtet. Die Kristalle
in den Sublimaten zcigen mit den aus Losungen gewonnenen sehr
gronc PuBerc Ahnlichkeit, lassen sich aber leicht mit Sicherheit vonr
cinander unterscheiden. Es handelt sich hier offenbar um z w e i
v e r s c h i e d e n e M o d i f i k a t i o n e n d e s P y r a m i d o n s . Der
Schmelzpunkt der Formen laBt aber unter dem Mikroskop keinen
Unterschied erkennen, selbst wenn man sie im gleichen Gesichtsfeld
nebeneinandcr schmilzt. Es wurdc nic cine Umwandlung der einen
in dic andere Form beobachtet.
Z u s a m m e n f as s ung.
Dic im Veramon enthaltene Molekulverbinidung von Veronal und
Pyramidon wurde kristalloptisch untersucht und dabei monokline
Kristallstruktur festgestellt. Die Achsenebenc ist gegen die Langss
richtung der Kristallnadcln um 47O geneigt, der optische Charakter
negativ, sder Achsenwinkcl sehr klein. Die Achsenebene liegt fur Rot
und Gelb senkrecht zur Symmetrieebcne, fur Blau parallcl zur Syms
metrieebene.
Die Mikroschmelzpunktbcstimmung ergab bei raschem Erhitzen
einen scharfen Schmelzpunkt zwischen 116 und 117O. Wahrend oder
unmittelbar nach dem Schmelzen zersetzt sich die Verbindung, W O ~
bei ein Teil des Veronals auskristallisiert. Die Trubung, die man bci
makroskopischer Beobachtung im Kapillarrohrshen bis gegen 140°
sieht, ist also eine sekundare Erscheinung, die mit dem Schmelzvors
gang als solchem nichts zu tun hat.
Das Pyramidon kristallistert in zwei verschiedenen Modis
fikationen. Aus Losungen erhalt man trikline Kristalle und im Sublis
mat rechteckige Blattchen, die vermutlich dem rhombischen Kristalls
system angehoren.
Es wurden Kristallisationsversuche mit der Molekiilverbindung,
mit Veramon und mit Gemischen der Komponenten in verschiedenen
Mengenvcrhaltnissen angestellt. In allen Fallen war nie ein Unters
schied feststellbar, ob fur die Herstcllung der Losungen die Molekuls
verbindung oder ein Gemisch der beiden Komponenten im selben
Mengenverhaltnis herangezogen wurde. Es diirfte daher auch fur die
therapeutische Wirkung gleichgultig scin, ob man Veramon oder ein
einfaches Gemisch von 28.5% Veronal und 71.5% Pyramidon vers
wendet.
*
L i t e r a t u r.
1)
P. P f e i f f e r , Ztschr. physiol. Chem. 146,
98 (1925).
H. K h e i n b o l d t und M. K i r c h e i s e n , Arch. Pharmaz. u. Ber.
Dtsch. Pharmaz. Ges. 263, 513 (1925).
2)
449
Zur Kenntnis der Inhaltsstoffe der nordischen Mistel.
E. H e r t e 1, Ztsch. physikal. Chem., BodensteinsFestband, S. 267 (1931).
R. F i s c h e r und A. K o f 1 e r , Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz.
Ges. 270, 207 (1932).
W. H a a s , Mikrochemie, EmichzFestschrift, S. 83 (1930).
5)
6)
L. K o f 1 e r und H. H i 1b c k , Mikrochemie 8, 38 (1931).
7 ) L. K O f I e r , Arch. Pharmaz. u. Rer. Dtsch. Pharmaz. Ges. 270, 293
(1932).
8)
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10) E. H e r t e 1, Ztschr. physikal. Chem. 11, 279 (1930).
3)
4)
*
Z u r Tafel.
A b b. 1 bis 4. Vakuumsublimat der Molekulverbindung, Schmelzvorgang.
A b b. 1: bei Zimmertem eratur.
A b b. 2: bei 1170. Die fristalle vollkommen geschmolzen. In einzelnen
Tropfen beginnen sich bereits Veronalkristalle zu bilden.
A b b. 3: bei etwa 1200. Die Veronalkristalle in den Tropfen sind bereits
gewachsen und haben sich vermehrt. Uber Schmelztropfen, die das Deckglas
nicht beruhren, groRere Sublimationstropfen.
A b b. 4: bei etwa 1250. Ein Teil der Tropfen ist durch seitliches Abs
flieRen aus dem Gesichtsfeld verschwunden. Die Spuren sind frei von Sublis
mationstropfen. Die ubriggebliebenen Schmelztropfen encheinen auf der
Photographie deshalb dunkler. weil sie in Wirklichkeit eine gelbe Farbe an5
genommen haben.
A b b. 5: ein glasig erstarrter Schmelztropfen der Molekulverbindun bei
Zimmertemperatur. Darin vorwiegend Tafelchen von rechteckigem Urnriff, die
aus der triklinen Form des Veronals bestehen.
A b b. 6: Schmelztropfen der Molekulverbindung bei etwa 1250. Vorr
wiegend monokline, jedoch such trigonale Veronalkristalle sichtbar.
487. Julius August Muller:
Zur Kenntnis der Inhaltsstoffe der nordischen Mistel,
Viscum album L.
Auszug aus der Habilitationsschreift.
(Mitteilung aus dem Institut fur Pharmazie und Nahrungsmittelchemie der
Universitat Halle. Direktor: Prof. Dr. C. A. R o j a h n.)
Eingegangen am 22. Juli 1932.
Die der Familie der Loranthazeen angehorende w e i I3 f r ii c h 5
t i g e oder n o r d i s c h e M i s t e l , V i s c u m a l b u m L., wird seit
Jahrhun,derten in der Volksmedizin gebraucht. Nachdem in neuerer
Zeit zuerst G a u t i e r I) die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen
Medizin auf diese Pflanze gelenkt hatte, ist die Mistel haufiger Gegen:
stand pharmakologischer Untersuchungen gewesen. Die von G a u :
t i e r bei Verwendung der frischen Pflanze beobachtete Blutdrucks
I) Semaine medicale 1907, 513; Gazette des hbpitaux 1907, Nr. 119; Nous
veaux rembdes, Nr. 23, 529.
Arehiv und Berichts 1932.
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