close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Zur Medicin Toxikologie und Pharmakologie.

код для вставкиСкачать
348
Vereinszeitung.
Pharmaceuten am meisten und wiinschen, dass eine neue Apothekerordnung die Heranbildung besser regeln moge.
Erst, wenn die Apotheker iiber pharmaceutische Angelegenheiten
werden vollstandig gehijrt und zur Mitwirkung fur die Vervollkommnung berufen werden, wird dieses geschehen konnen : denn
der erste Schritt der Verbesserung wird immer eine genaue sachkundige Kenntnissnahme sein.
Die zweite Denkschrift vom Jahre 1851 liess das Directorium
verabfassen, als im Konigreich Preussen durch den damaligen Herrn
Minister die Vorlegung eines neuen Medicinalgesetzes in Auesicht
gestellt worden war.
In derselben sind nach einer kurzen Recapitulation des Inhalts
der friiheren Denkschrift die Mange1 in dcr Pharmacie nachgewiesen in der Apothekerordnung, der Pharmakopoe und der Amneitaxe, deren Grund gefunden wurde in der Verabslumung der
Benutzung der pharmaceutischen Krafte bei Fesstellung der Medicinalgesetze.
Nur wenn dem ganzen Umfange der Pharrnacie eine wiinschenswerthe Priifung eugewendet, und je nach dem Ergebniss Verbesserung beanstrebt wird, kann dersclben geholfen werden. Alle einzelne
Abhiilfe wurde immer Pelliativrnitlel bleiben.
Die Abstellung des Unwesens der Geheimnisskramerei ist hijchst
wiinschenswerth, weshalb wir uns denn auch der Petition anschliessen,
deren Abfassung wir allerdings in einer griindlicheren 'CVeise gcwiinscht hatten, aber wir vermogen darin nur einen einzelnen Gegenstand zu erblicken, wahrend ms vorziiglich auch die Ausbildung
der Apotheker iiberhaupt Heachtung der wissenschaftlichen Interessen
der Apotheker vorziiglich am Herzen liegt, wofiir in Ureslau so Ansehnliches geschehen ist, was in Berlin und Halle noch fehlt, namentlich die Herstellung eines grossen chemischen Laboratoriums
yon Seiten des Staats, welches niemals durch Privatlaboratorien,
welche hloss merkantilischen Zwecken dienen, ersetzt werden kann.
Bereits im Jahre 1846 sind im Archive der Pharmacie Bd. 97
S. 345-369 die Wunsche und Hoffnui:gen fur die Pharmacie ausfiihrlich zusammengestellt worden.
Indcm nun das Directorium des Apotbeker -Vereins Ew. Excellenz bescheiden nnd ehrerbietigst diese freimuthige Darlegung uberreicht, wagt es zu hoffen, dass Hochdieselben darin niir beachtungswerthe Wiinsche erblicken mochten fur die Verbesserung der Pharmacie, somit fur das Gesammtwohl, und erbittet dieser Vorlage eine
gnadige Aufnahme und Beachtung.
In aufrichtiger Ehrerbietung :
Das Directorium des Apotheker - Vereins in Norddeutschland.
In dessen Namen und Auftrage der Oberdirector
Dr. B l e y .
Bernburg, den 9. Juli 3859.
3. Zur Medicin, Toxikologie und Pharnrakologie.
-
Uebep die Malerkolik (Bleikolik) und undere Ei$iisse
schadlicher Furben.
Viele Farben sind der Gesundheit der Arbeiter und Maler,
die vie1 mit ihnen umgehen mussen sehr schadlich; sie kSnnen
bei Unvorsichtigkeit schwere Krankhditen, ja den Tod herbeifuhren.
Vereinszeitung.
349
Vor allen sind es die arsenikalischen Kupfer-, Blei- und Quecksilberfarben, vor deren Einathnvm, und zum Theil auch ausserer
Beruhrung man sich in Acht zu nehmen hat. Wir haben es hier
nicht mit der Fabrikation dieser Farben, wohl aber mit den Einwirkungen zu thun, die sie beiin Arbeiten, Malen und anderen
Manipulationen auf die Gesundheit ausiiben.
Es ist nicht der Staub der sqhldlichen Farben allein, der sich
beim Pull ern, beim Ausschiitten a m den Behaltern, beim Abreiben von Wanden und Tapeten, der Luft mittheilt, und durch Einathrnen verschluckt wirc! j gleich giftig und nachhaltender wirken
die Ausdiinstungen bei dem Reiben auf Wanden und Malereien,
so lange sie noch nicht vollig trocken sind, und selbst dann noch
- namentlich bei den Arsenfarben - durch die Ausdiinstung,
wozu feuchte Wande, gesrhlossene Zinimer, wohl auch feuchte
AtrnosphLre die Hand bieten.
Werden dergleichen Farben mit Wasser abgerieben, 80 dass
deren VerstLubung gehindert wird, dann wirken sie weniger heftig
durch die Diinstung wahrend des Reibens, heftiger wenn dieses
mit Oel geschieht.
Auch die Dunste der Oelanstriche wahrend des Erhirtens sind
schon deshalb schiidlich, weil das Oel in der Regel mit Bleioxyden
behaftet ist; weniger die der Leimfarbenanstriche. Sobald ein
Oel- oder Firnissanstrich getrocknet ist, bildet er iiber den Farben
eine Decke, oder hiillt sie so ein, dass Dunste sic$ nicht entwickeln,
noch einen Weg nach Aussen finden konnen, auch wenn einige
Feuchtigkeit hinzutritt. Bei Wasserfarben dngegen ist diese Ausstromung fortdauernd, so lange noch ein Atom der schadlichen Substanz vorhanden ist und wird von der geringsten Feuchtigkeit aufs
Neue erregt und verstirkt.
Bleifarben horen auf scbadlich auszustromen, sobald sie durch
feuchte Dunste metallisch reducirt sind; dann aber sind sie zugleich
verdorben, schwarz und untauglich. Hliufige Reruhrungen von
Bleioxyden rnit blosser Hand sind eben so schadlich und veranlassen, wie das Einathmen, Bleikolik.
Die Arsenfarben eingeathmet, verursachen eine wahre und
plitzliche Vergiftung, die sich bis zum Tode steigern kann. Anstriche von dergleicheu wirken im langsamen Fortschreiten auf
Vernichtung der Gesundheit, Abzehrung und Tod, wenn sie in
Wohn- und Schlafzinimern angebracht sind, da sich unter Umstinden daraus fluchtige Arsenikverbindungen bilden, und der Luft
beimengen. Deshalb sind die Schweinfurtergrune auf Wanden
und Tapeten - wie auch alle Arsenfarben
durchaus verwerflich; dergleichen Tapeten unterliegen in mehreren Staaten gesetzlicher Confiscation. Dass auch keine Anstriche damit angefertigt
werdcn, sollte der Haus- oder Miethbesitzer zum eigenen Wohle
verhindern. Geringe Anwendung dieser schonen Farben mit anderen bei Kantenmalereien kann, wie sich von selbst versteht,
fur den Bewohner keine, nur fur den Farbenreibcr Nachtheile
haben. Der Gebrauch jener Griine hat leider im Grossen ungemein
iiberhand genommen.
Quecksilberfarben sind nicht weniger nachthcilig, jedoch im
geriugeren Nachhalte, auch bie sollten mit grosster Vorsicht angewendet werden. Sie kommen aber in der Regel wenig in Gebrauch
in der Neuzeit, da sie von den schonen Chromfarben verdrangt
werden. Im Allgemeinen dienen folgende Vorsichtsmaassregeln,
-
350
Vereinszeitung.
um die schadliche Wirkung bei der Bearbeitung zu neutralisiren
oder doch sehr zu schwachen.
1) Man nehnie nie den Pinsel in den Mund, hiite sich vor Beschmutzung der Hande und vor dem Essen aus solchen rnit Farbe
beschmutzten Fingern.
2) Man reibe die Farben im Freien oder unter einem Luftzuge, der Staub und Diinste abwarts nicht dem Reiber entgegenfiihrt.
3) Heizung oder Kochen rnit altem Holz, an dem ein solcher
Anstrich haftet, kann sehr schadliche Folgen haben.
4) Der Genuss von geistigen Getranken bei oder vor der Handthierung mit dergleichen Farben giebt viel Anlass zu Krankheiten.
Bei der Arbeit mit Bleifarben ist das Trinken von Wasser, welches
mit Essig oder CitronensLure gemischt ist, jedoch ohne Zucker,
anzurathen. Unmassiger Genuss geistiger Getranke ist im Allgemeinen eine disponirende Ursache zu Rleikoliken.
5 Man esse nie wahrend der Arbeit rnit solchen Farben.
61 Beschmutzungen der Hande beseitige man durch Waschen
mit lauwarmem Wasser, worin etwas SchwefelkalilSsung, hierauf
mit Thon in Wasser, hierauf rnit reinem Wasser.
7) Bekleidungen, welche rnit dergleichen Farben beschmutzt
werden, wechsele man bald.
8) Das Vorbinden eines feuchten Schwammes vor Mund und
Nasenlocher mittelst Schniire ist bei dem Aufenthalte in einer mit
Farbediinsten oder Sttlub geschwlngerten Btmosphare schr rathsam
und wenig beladigend.
9) Man ergreife nie den Pinsel, wenn man unwohl oder Reconvalescent ist; der Korper hat dann bei weitem mehr Empfanglichkeit fur dergleichen Einflusse; auch arbeite man nicht in stark
aufgeregtem Zustande oder rege sich durch grosse 13eeilung auf;
selbst wird diese Arbeit bei geoffneten Poren der Haut, beim
Schwitzen, nachtheiliger ; setze auch dazwischen zuweilen aus, um
reine Luft einzuathmen.
10) Man muss nie nuchtern arbeiten; warme Getranke, wie
Milch, Kaffee, Chocolade, vorher genossen, stumpfen schon die
CVirkung der zufillig eingezogenen Staubtheilchen und Diinste
etwas ab: im nuchternen Zustande ist der Korper viel empflnglicher
und reizbarer.
11) Die Bleifarben bringen andere Empfindungen in dem Korper hervor, als die Arsenfarben, diese andere als die Kupferfarben.
Meint man, dass ein Uebelbefinden von den Farben herriihren
konne, so verschiebe man die Berathung eines Arztes nicht; bei
Abwesenheit eines solchen kann das Trinken fetter Milch vorlaufig
niitzlich sein.
Die Symptome der Bleikolik - welche irnmer am meisten zu
fiirchten ist - sind folgende: Ein driickcnder Schmerz in der
Magengegend ; anfinglich nur eine Beklommenheit mit Asthma
verbundeo, welche bald in stkkeren und stechenden Scbmerz ijbergeht, der den ganzen Unterleib einnimmt, und sich bis in die
Brust, Achseln, Rreuz und Riickgrath verbreitet. Es stellt sich
Neigung zum Erbrechen ein, die Ausleerung ist hartleibig, die
durch Urin sehr gering; bisweilen ergreift eine Lahmung die oberen Extremitaten, bisweilen die unteren, wobei die Schmerzen nachlassen. In Fallen tritt Dilirium, Krampf und epileptische Zufiille
ein. Der Kranke ist in der Regel nicht im fieberhaften Zustande,
doch bildet sich auch ein schleichendes, seltener ein hitziges Fieber
Vereinszeitung .
351
aus. Die Neigung zum Brechen bleibt stationar. Der Schmerz
erhalt nach und nach einen solchen hohen Grad, dass die iiusseren
Glieder sich krampf haft verdrehen und wird fiirchterlich, ohne
durchaus zum Tode zu fiihren.
Diese Schilderung wird hinreichend die Nothwendigkeit darthun, beim Eintreten der Symptome arztliche Hiilfe herbeizurufen.
Ebenso dringend ist es, wenn man nach dem Eiiischlucken von
arsenigem Staub Uebelkeiten verspiirt ; der schnelle Gebrauch von
Eisenoxydhydrat (Ferrum hydricum in aqua) mit gebrannter Magpesia kann hier von Nutzen sein, bis arztliche Hiilfe erlangt werden kann. Bis zur Herbeischaffung dieses Mittels ist es, wie bei
Vergiftungsfallen iiberhaupt gut, fette Milch, Eiweiss, Seifenwasser
oder Zucker in grosser Men e zu geniessen.
12) Besonders gefahrlict ist das Abreiben der mit Arsengriin
(arsenigsaurem Kupferoxyd) gefiirbten Tapeten und das Abkratzen
von dergleichen Anstrichen auf Wauden.
13) Der Gebrauch des Operments Schwefelarsenik) ist in breiteren Anstrichen gleich gefiihrlich; es ildet sich daraus auf Kalkwanden eine hochst giftige Luftart, Arsenikwasserstoffgas, die todtlich werden kann und der schon viele Chemiker zum Opfer fielen.
Bkb.
(Polyt. Centrallialle. 1859. No. 2.)
b
Ueber den Bleigehalt der Schnupftabacke.
G. F e i ch'tinger hat verschiedene Schnupftabacke auf Bleigehalt untersucht, woraus folgende Thatsachen hervorgehen :
1) Dass jeder Schnupftaback, wenn er in Blei gepackt
ist,
-~
auch bleihaltig ist.
2) Der Bleieehalt der Schnuoftabacke riihrt nicht davon her.
dass die Bereitung der Schnupftabacke in bleiernen Gefissen vorl
genommen wurde, sondern die Ursache liegt in der Verpackung.
3) Der Schnapftaback in einer Blechbuchse ist nicht in seiner
ganzen Masse gleich stark bleihaltig, sondern die Schichten, die
dem Blei naher liegen, sind starker durch Blei verunreinigt, als
diejenigen, die sich in der Mitte der Biichse befinden.
4) Eine Verzinnung des Bleies schiitzt nicht vor der Verunreinigung des Schnupftabacks mit Blei. J a selbst auch dann nicht,
wenn sich zwischen Taback und verzinnter Bleifolie eine Lage
Papier befindet.
5) Es scheint, dass das mehr oder wenigerAngreifen der B b i verpackung von der Art der Beize heniihrt und dass der grossere
und geringere Gehalt an Wasser keinen Einfluss ausubt, indem
gerade derjenige Taback am meisten Blei enthielt, der der wasserZrmste war.
6) Dass sornit eine Verpackung des Schnupftabacks mit Blei
nicht unbedingt zu gestatten ist, denn es wird Niemand leugnen
konnen, dass das Schnupfen von bleihaltigem Schnupftaback ebenso gefahrlich ist, wie das Einathmen von Bleiweissstaub, welches
letztere so gefahrliche Folgen fir die Arbeiter in Bleiweissfabriken,
fur Ans'treieher etc. hat. Bedenkt man, dass ein gewohnlicher
Schnupfer per Monat eine Biichse Taback verschnupft, welche
gleich ist 112 Pfund, so macht dies in einem Jahre 6 Pfund aus.
In einem Pfund Schnupftaback der einen untersuchten sind nach
F e i ch t i n g e r 5,212 Grm. reines metallisches Blei enthalten, folglich in 6 Pfund 31,272 Grm. E r fiibrt also jghrlich 31,272 Grm.
352
.
Vereinszeitung
oder circa 2 Loth reines metallisches Blei in seine Nase.
u. Gewerbeblattfilr Bayern. 1859.)
(Kunst-
B.
Ueber die Gesundheitsschildlichkeit der Abgange der
Destillutionen.
Die Schlempe, welche den Ruckstand der Alkoholdestillation
aus Korn bildet, enthllt zerstortes Zellgewebe und losliche organische Substanzen, welche sie zur Viehfiitterung geeignet machen.
Diese Verwendung ist in Folge eines von der franzosischen Regierung im Monat November v. J. erlassenen Decrets angeordnet worden; es darf daher diese Schlempe nicht weggegossen werden. Dies
ist aber nicht der Fall mit der Schlempe, welche aus der Alkoholdestillation von Ruben hervorgeht. Weniger concentrirt, als die
erstere, ist sie weder zur Fabrikation von Laugensalzen, noch zur
Viehfiitterung tauglich. Ihre Menge ist oft enorm. Es existiren
Fabriken, in denen tiglich 200 uiid selbst 300 Cubikmeter producirt
werden. Man hat sogar die Gesammtmenge der im Jahre 1857
von den Destillationen des Departements du Nord producirten
Schlempe auf 3,000,000 Cubikmeter abgeschiitzt.
Um dieser Abgange sich zu entledigen, entleert man sie gewohnlich in eine Wassersaule und es sind daraus an manchen
Orten die grossten Uebelstiinde hervorgegangen.
I n den Departements du Nord und du Pas de Calais, wo die
Industrie der Destillationen am meisten entwickelt ist, haben die
Wasserllufe im Allgemeinen wenig Wasser und einen sehr schwachen Fall. Die Schlempe, welche man hineingiesst, hat sie verdorben, weil sie in der That organische Substanzen enthllt, die im
Wasser zur Erzeugung von Faulniss geeignet sind.
Diese Substanzen sind darin unter zwei verschiedenen Formen
enthalten, im Zustande einfacher Suspension oder vollstlndiger
Auflosung. Nach den von M e u r e i n gernachten Analysen entbalt
1 Litre Schlempe ungeAhr 8 Grm. unlosliche organische Substanz,
11 Grm. lasliche und 7 Grm. mineralische Substanzen. Reim Austritt aus den Kesseln enthalt die Srhlempe uberdies eine kleine
Quantitat einer starken Mineralsaure, gewohnlich Schwefelsaure.
Wenn diese AbgInge in die Wasserlaufe gegossen werden, so
setzen sich die darin enthaltenen Zellstoffuberreste und die unloslichen organischen SubstanZen iiberhaupt, am Boden und an den
Rlndern, hSiufen sich in den Hohlungen des Hodens und iiberall
da, wo der Strom schwach ist, an und bilden mehr oder weniger
dicke Schichten, welche allmiilig in Faulniss iibergehen und dabei
Gase, mit denen hiiufig Schwefelwasserstoff sich mischt, entwickeln.
Auch die loslichen Substanzen nehmen an diesem Glhrungsprocesse
Antheil. Zum Theil unloslich geworden, bilden sie a n der Oberflache den weissen Schaum und die schillernden Hlutchen, welche
die atmospharische Luft hindern, mit dem Wasser in Beruhrung
zu treten. In diesem Zustande wird das verdorbene Wasser untauglich fiir den hLuslichen Gebrauch, todtet die Fische, vergiftet
die Brunneq welche es speist, und verbreitet weit nmher uble
Geriiche. Diese Thatsachen haben an verschiedenen Orten des
Nord - Departements statt gefunden und die bisher dagegen angewendeten Maassregeln sind ohne Erfolg geblieben.
Es mussen vielmehr folgende Mittel zur Anwendung kommen:
.
Vereinszeitung
353
1) Anwendung von Salzsaure statt der Schwefelsaure zur Fermentation des Rubensaftes.
2) Behandlung der Schlernpe mit Kalk und Entleerubg der so
behandelten Fliissigkeiten in Bassins.
3 Filtration der Schlempe durch einen drainirten Thonboden.
41 Verwendung der Schlernpe als fliissiges Dungmittel auf cultivirtes Land.
5) Absorption derselben durch Absorptionsbrunnen.
Leider sind das Schwefelwasserstoffgas und die anderen Gase
nicht das Einzige, wodurch die Wasserlaufe beschadigt werden,
sondern auch die organischen Stoffe thun dieses. Um diese zu
entfernen, reicht Filtriren nicht aus. Das beste Verfahren, um
die Schlempe zu klaren und ihr einen Theil der darin gelosten
organischen Stoffe zu nehmen, ist der Kalk. Fiigt man zu einer
triiben Schlempe 80 vie1 Kalkmilch, dass die Fliissigkeit schwach
alkalisch wird, so bildet sich ein flockiger Niederschlag und die
Fliissigkeit klart sich allmalig auf. Nach K u h 1m a n n 's Erfahrungen entfernt der Kalk ungefiihr 1/3 der aufgelosten organischen
Substanzen. Zur vollstandigen Entfernung der letzteren hat man
die Schlempe noch durch mehrere gut ausgernauerte Reinigungsbassins gehen lassen, aber bis jetzt keiu geniigeudes Resultat erhalten.
Der Gebrauch des Kalks darf aber nicht in zu grosser Quantitat zugesetzt werden. Bestimmte Dosen lassen sich aber nicht
vorschreiben, es muss dies f i r jeden einzelnen Fall die Praxis
lehren. Die dem bisherigen Reinigungssystem anhangenden Inconvenienzen werden schwinden, wenn man nicht ein Reservoir von
grossem Umfange und geringer Tiefe, sondern einen tiefen Bottich
oder eine grosse Cisterne nimmt. Zwei solche Rottiche miissen in
jeder Fabrik eingerichtet sein, der eine fiillt sich, wlhreud die
Fliissigkeit in dem anderen mit Kalkmilch behandelt und dann in
die Bassins gegossen wird.
Die mit dem Kalk behandelte Schlernpe muss von dem Niederschlage, der darin suspendirt ist, befreit werden. Hierzu eignet
sich am besten eine wirkliche Filtration, welche sich in dem Bassin
mit Hulfe zweier oder dreier horizontaler und durchlocherter
Zwischenwande, zwischen und auf denen sich Sand befiudet, sehr
leicht ausfiihren lasst: sobald der Sand sich durch die organischen
Substanzen verstopft, wird er gereinigt werden miissen. Durch
dies oder ein ahnliches Verfahren wird die mit K a k behandelte
Schlempe leicht geklart werden konnen.
Die Reinigung der Schlempe durch drainirten Thonboden ist
auch vorgeschlagen, lasst aber auch noch manches zu wiinschen
ubrig. Zur Zeit kann man ein bestimmtes Verfahren aoch nicht
vorschreiben, nach W u r t z ' Erfahrungen und Ausichten wiirde
aber die Regierung folgende Bestimmungen zu erlassen haben :
1) Das Ausfliessen der Riickstande in die Grnben und Siimpfe
rnit stehendem Wasser darf ferner in keinem Falle geduldet werden. Ihre Ausleerung in absorbirende Brunnen wird nur provisorisch und unter der Bedingung der Riicknahme, falls dies Mittel
die nachgewiesenen Nachtheile bringt, zu gestatten sein.
2) Die freie Saure der Schlempe muss neutralisirt werden.
3) Die Schlempe, welche aus der Behandlung des Rubensaftes
rnit Schwefelsaure hervorgeht, darf in die Wasserlaufe nur nach
vollstandiger Klarung, sei es auf dem Wege der Infiltration durch
354
Vereinszeitung.
einen drainirten Thonboden, durch Kalk und durch Sandinfiltration
oder durch ein anderes gleich wirksames Mittel, entleert werden.
4) Die nach der Behandlung des Rubensaftes rnit Salzsaure
riickstandige Schlempe muss ebenso rnit einem der oben genannten
specifischen Mittel geklart werden und darf nur in Wasserlaufe,
die einen taglichen Zufluss haben, der wenigstens lOOmal mehr
betragt, als das Volum der Schlempe, entleert werden.
5 ) Wenn irgend ein neues System der Behandlung, welches
hinlaugliche Gewahr fur die Salubritat giebt, vorgeschlagen wird,
so konnen auch die Prafecten die Benachrichtigung des Gesundheitsrathes deren versuchsweise Anwendung gestatten.
6) Die Fabrikauten, welche ihre Schlempe auf Wiesen und
Aeckern absorbiren lassen, sind keiner besonderen Bedingung bezuglich der Schlempe unterworfen.
7) Die Autorisation zur Entleerung der Schlempe in die Wasserliufe kann von den Prafecten jederzeit zuruckgenommen werden, wenn die angeordneten Reinigungsmittel als unzureichend
erklart werden. (Annal. d'hygikne publ. Jun. 1859.)
B.
Die Verpackung und Versendung von Phosphorziindwaaren
betrefend.
Um den in sanitits-, wic in sicherheitspolizeilicher Hinsicht
durch den Verkehr mit Streichziindholzern und Phosphorzundwaaren so hiufig vorkommenden Unglucksfillen in Etwas zu steuern,
finden wir uns veranlasst. auf Grund des 5. 11. des Gesetzes uber
die Polizeiverwaltung vom 11.Marz 1850 in Betreff der Verpackung
und Versendung dieser Fabrikate unter Bezugnahme auf das bezuglich dieses Transports fur die Eisenbahnen bereits ergangene
Regulativ vom 29. Marz resp. den 12. April 1848 fiir den Umfang
des Regierungsbezirks Erfurt Folgendes hiermit anzuordnen :
0. 1. Die Fabrikanten sind gehalten, die fertigen Streichzundholzchen sofort in Schachteln oder Buchsen oder in Papier fest zu
verpacken. Jedes Packchen nicht uber 1000 Stuck.
5. 2. Der Transport zu Wagen darf nur in vor dem Eindringen der Luft moglichst gesicherten, dauerhaften und gut gearbeiteten Kisten yon starkem Eisenblech oder mit Leinwand und Papier
verklebtem Holz von einem nicht uber 2 Cubikfuss betragendcn
Inhalte erfolgeu. Die Kiste selbst muss mit Hulfe von Sagespanen
am Bodeu und Deckel, so wie zwischen den einzelnen Lagen der
Packete so fest und sorgfaltig sein, dass der Raum derselben vollig
ausgefiillt ist.
5. 3. Aeusserlich ist jede derartige Kiste deutlich als ,Streichzuuder enthaltend' zu bezeichnen.
5. 4. Der Fuhrmann ist gehalten, solche Kisten vor jeder
Beschidigung zu sichern und sie, falls noch andere Frachtguter
auf dem Wagen sich befinden, auf dem hinteren Theile des letzteren oder oben unterbringen.
0. 5. Unrichtige oder unterlassene Declaration solcher Sendungen Seitens der Aufgeber, so wie wissentliche Annahme und
Beforderung solcher unrichtig oder gar nicht declarirten Gegenstande Seitens der Fuhrleute ist straffillig.
5. 6. Beim Transport der in Rede stehenden Waaren durch
TrSiger ist eine Verpackung in Schachteln, Buchsen oder Packohen
in Wachsleinwand ausreichend.
Ve7el.einszeitung.
355
Alle Zuwiclkrhandlungen gegen vorstehende Verordnung, deren
strengste Ueberwachung den Polizeibehorden hiermit eur Pflicht
gemacht wird, sind mit einer Polizeistrafe von 1 bis 10 Thlr. oder
verhaltnissmlssigem Gefangniss zu belegen.
Erfurt, den 19. April 1859.
Konigl. Regierung.
Abth. des Innern.
Uebev die Wirkung des amorphen Phosphors.
Die Herren O r f i l a und R i g o n t haben neulichst Untersuchungen iiber die Wirkung des amorphen (rothen) im Vergleich zum
gewohnlichen (Stangen-) Phosphor angestellt und dargethan, dass
ersterer im thierischen Organismus so vie1 wie keine Wirkung
Lusserte, da eine Hundin davon binnen 12 Tagen 250 Grm. gefressen hatte, ohne dass sie dabei leidend gewesen: getodtet wies ihr
Darmkanal keine Verletzung dar. Ein anderer Hund bekam 3 Tage
lang 2 Grm. rothen Phosphor, am 4ten 5 Grm., ohne dass dadurch
dessen Gesundheit gestort wurde; dagegen war ein krlftiger Hund,
dem man Abends 2 Grm. gewohnlichen Phosphor beigebracht hatte,
am andern Morgen todt, und eine Hiindin, der man 50 Grm. (!!)
gewohnlichen Phosphor gab, verendete nach einer Viertelstunde,
wahrend obige Hundin drei Tage hinter einander tlglich 50 Grm.
amorphen Phosphor ungefahrdet frass. Dabei fanden 0 r f i 1a und
und R i g o u t , dass init Phosphor vergiftete Thiere sehr lange der
Fiulniss widerstanden; dass Phosphor 14 Tage lang wenigstens
i n den Cadavern der damit vergifteten Thiere als freier Phosphor
nachzewiesen und als solcher mittelst Schwefelkohlenstoff aus der
Maginfliissigkeit ausgezogen werden kiinne. (Polyt. Centralhalle.
1859. No. 3.)
Bkb.
Die Kunstdungerfabriln in sanitMtlicher und nationulb'konomischer Hinsicht.
Unter der Ueberschrift : ,,Wie kann die Diingerproduction
grosserer Stldte am vortheilhaftesten der Landwirthschaft nutzbar
gemacht werden"? hat Professor W i 1h e l m W i ck e in Gottingen
kiirzlich im ,,Journal fur LandwirthschafP einen Aufsatz veroffentlicht, welcher von Seiten der Behorden aller grosseren Stldte, wie
von allen ackerbautreibenden Landleuten die grosste Beachtung
verdient. Herr Prof. W i c k e geht darin von der feststehenden
Thatsache aus, dass im Allgemeinen der Stalldunger, welcher dem
Landmann vermittelst des eigenen Viehstandes zu Gebote stehe,
fiir eine genugsame Bedungung seiner Aecker und Wiesen nicht
ausreiche, und wie derselbe, namentlich in den stroharmen Jahren,
sich deshalb frerndlandische Diingersurrogate zu verschaffen suchen
musse, wovon der ausserordentlicheVerbrauch des peruanischen Guano
i n den letzten Jahren den Beweis liefere. Es sei aber dieser peruanische Guano ganz zu entbehren, wenn man darauf Bedacht nehmen
wolle, die menschlicheh Busleerungen, welche in den Stadten bis
jetzt so gut wie verloren gehen, richtig und vollstandig im Interesse
der Dungerproduction zu verwerthen. Nach des Nationalbkonomen
Professors S t o c k h a r d t Berechnungen haben namlich die circa
10 Centner jahrlich von einem Menschen producirten Faces, 81s
richtig verwendete Diingermasse, einen Werth von 2 bis 3 Thlr.,
das fur eine Stadt, wie Hannover (von circa 50,000 Einwohnera)
die stattliche Summe von 100,000 bis 150,000Thlr. ausmacht. Den
356
.
Vereinszeitung
Werth des von 1000 Menschen tlglich gewonnegen Harns (die
Menge wiirde 25 Centner betragen, worin 1 Centner fester Riickstand) veransch!agt S t o c k h a r d t auf 6 Thlr.: das macht fur eine
Stadt von 50,000 Einwohnern einen taglichen Diingerverlust von
300 Thlr., also im Jahre mehr als 100,000 Thlr. Solche Verluste
sind im Stande, selbst den Sorglosesten zum Nachdenken anzuregen. Es ist aber nicht bloss die Casse der Stldter, welche den
Verlust auszubaden hat, sondern es kommen noch andere Interessen zur Sprache, die weit hbher anznschlagen bind. Es ist die
mangelhafte Aufbewahrung jener Stotie, welche nicht bloss eine
Verschlechterung derselben (als Dungstoff) in hohem Grade nach
sich zieht, sondern selbst gefiihrlich fur Leben und Gesundheit der
Stidter werden kann. Wenn der Stlidter den Landwirth auffordert, die Magazine seiner Ausleerungen doch zur Diiugung zu benutzen, so kann dieser mit Recht einwenden, solche schlechte Substanzen, die kaum des Wegfahrens werth, kann ich nicht gebrauchen.
Der beste Theil hat sich verfluchtigt und andere brauchbare Substanzen, woran mir gernde gelegen, sind in den Boden gedrungen,
der Rest, mit dem Ballast von Kehricht, hat f i r mich nicht so vie1
Werth, als dass ich dafiir die unangenehme Arbeit leisten mochte.
Und der Landwirth hat Recht. - Diesem doppelten Uebelstande
nun abzuhelfen, einmal: dass der Unrath sich nicht zu sehr in
den Aborten der einzelnen Hauser haufe, sodann durch zu langes
Liegen dort zu sehr hinsichtlich seines Werthes als Diingungsmaterial sich verschlechtere, vielmehr, um die sammtlichen Stoffe
als leicht transportablen Dungstoff fur die Landwirtbschaft herzustellen: zur Erreichung dieses wichtigen Doppelzweckes seien nun
ebeu die seit den letzteren Jahren in niehreren HauptstLdten Deutschlands begrundeten sogenannten Iiuiistdiingerfabriken geeignet. Ala
eine besonders musterhafte Anstalt der a r t bezeichnet Professor
W i c k e die seit 1857 im Betriebe stehende neue ,,Kunstdiingerfabrik zu Linden vor Httnnover". Der Lindener Kunstdunger (urn
die Hllfte billiger als der peruanische Guano) hat bereits fur die
landwirthschaftlichen Zwecke sich auf das Borziiglichste fur Roggen, Hafer, Gerste, Buchweizen, Runkelriihen u. s. w., ingleichen
fur die Diingung von Wiesen urid Kleefeldern bewahrt, wie die
Zeugnisse namhafter Oelronomen, welehe denselben als Dungmittel
verwandt, dies darthun. (Arch.fur Med.-Gesetzgeb. etc. 1859. No. 24.)
B.
4, Botanisches.
Vegetation Stidafrikas.
L i v i n g s t o n e theilt in P e t e r m a n n ' s geographischen Mittheilungen, 1858, S. 203 - 210 dariiber Folgendes mit:
Aus dem Caplande und der n&chst gelegenen Ost- und Westkiiste liegen die botanischen Untersuchungen von E. M e y e I-,
D r e g e , H o o k e r und B r o w n vor, welche A. d e C a n d o l l e
iibersichtlich zusammengestellt hat. Fiir das Innere fehlen anhdtige Arbeiten noch, denn kein Botaniker von Fach besuchte dasselbe, L i v i n g s t o n e schildert nur die allgemeinsten und auffalligsten Verhiiltnisse. Der Landstrich vom Orangefluss im Siiden bis
Ngamisee im Norden ist bloss debhalb eine Wiiste, Neil er kein
fliessendes Wasser uud nur wenig Quellen hat, aber Gras und viele
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
0
Размер файла
601 Кб
Теги
medicina, zur, toxikologia, pharmakologie, und
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа