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Zur pharmakologischen PrUfung von Digitalisspezialitten.

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Wissenschaftlicher Teil.
284.
C.Focke:
Zur pharmakologischen Priifung von Digitalisspezialitaten.
Eingegangen am 15. Dezember 1928.
Nachdem in den Arzneibuchvorschriften die gepulverten Folid
Digitalis und der gepulverte Semen Strophanthi ihren gleichmafiigen
Wirkungswert erhalten haben, erstere durch physiologische Priifung,
letzterer durch Festlegung des Strophanthingehaltes, ist bekanntlich
auch fur die aus beiden Drogen hergestellten Tinkturen die gleichs
mafiige Wirkungsstarke gewahrleistet. Der Bulbus Scillae ist
unter den kardiotonischen offizinellen Drogen allein von einer Werts
feststellung freigeblieben; aber diese kann auch noch voraussichtlich
bald nachgeholt werden, sei es auf physiologischem oder chemischem
Wege').
Inzwischen haben seit zwei Jahrzehnten neben den genannten
Herzdrogen und ihren Zubereitungen fur die Rezeptur des Arztes
und fur die Dispensation in den Apotheken die sogenannten
D i g i t a 1 i s s p e z i a 1 i t a t e n eine groBe Bedeutung gewonnen.
Dazu mochte ich hier nicht nur die aus der Digitalis selbst, sondern
die aus der ganzen Gruppe, also auch aus Adonis, Convallaria,
Scilla, Strophanthus hergestellten Praparate rechnen. Die Frage, ob
es nicht angebracht ware, auch fur die Spezialitaten eine amtlichc
Kontrolle hinsichtlich ihres pharmakologischen Wertes anzustreben,
ist vor anderthalb Jahren aufgeworfen worden durch eine Veroffents
lichung aus Schweden. Ein dortiges Apothekenlaboratorium hatte
einen Bericht herausgegeben uber Untersuchungen, die wahrend des
Jahres 1926 im Auftrage des schwedischen Apothekenverbandes an5
gestellt waren an titrierten Blattern nebst Tinktur und acht Digitaliss
spezialitaten aus Deutschland (das Digalen eingerechnet), an den offis
zinellen Blattern nebst Tinktur und vier Spezialitaten aus Schweden
sowie einer Spezialitat der Schweiz (Digifolin)2).
Der Bericht war verfaf3t von J. W. H a m n e r , Apothekens
besitzer in Stockholm, der seit etwa 15 Jahren zahlreiche Digitalis,
blatterproben nach der kurzfristigen Methode gepriift und dariiber
mehrere Arbeiten. meistens in Schweden, eine auch in Deutschland
veroffentlicht hatte3). Er befurwortete in diesen Veroffentlichungen
vor allem die Einfiihrung der physiologischen Priifung fur die
I) Vgl. F o c k e , Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 1927,
Heft 2, und 0 1 i a r o u. R o t h 1 i n (Basel), Quantitative Untersuchungen
usw., Arch. exp. Pathol. Pharmakol. 131, 138 (1928).
2)
Arsberattelse iiver Verksamheten under &r 1926 vid Apotekens
Kontrollaboratorium, Stockholm 1927, Verlag Victor Petterson.
8 ) Therapeut. Monatshefte 1926, Oktober.
.4rchiv und Berichte 1929
12
170
C. F o c k e
Digitalisblatter. In dem Bericht von 1926/27, den er mir freunds
licherweise zuschickte, konnte ich zunachst aus sprachlichen
Grunden nur die Tabellen verstehen. Darin fie1 sofort auf, d a 8 fur
die einzelnen Untersuchungsgruppen der langfristigen Methode
meistens zu kleine Tierreihen benutzt waren, wodurch die Beurteilung
leicht irregefuhrt wrerden kann. Auf diesen Umstand von mir aufc
merksam gemacht, erwiderte der Verfasser, daB er nur eine
,,ungefahre" Untersuchung beabsichtigt habe. Hiernach war zu err
warten, daB er bald sorgfaltigere Prufungen folgen lassen werde.
Der Bericht hatte in Deutschland wohl kaum Beachtung gefundcn.
bis die P h a r m a z e u t i s c h e Z e i t u n g ' ) einen Auszug brachte,
wobei sie im guten Glauben an seine Richtigkeit hinzufugte, man
konne daraus entnehmen, jnwieweit die IFabrikantenarznei der in der
Apotheke frisch bearbeiteten Arznei gleichwertig zu erachten sei".
Jetzt wurden viele Apotheker und auf dem Wege uber sie, auch
manche Arzte beunruhigt. Es entstanden Zweifel, ob man die als
minderwertig bezeichneten Praparate, unter denen vier von ersten
deutschen Firmen stammten, weitergebrauchen durfe; und es folgten
Anfragen an die Fabriken. Auf die Stellung, die diese dazu bald
offentlich genommen haben, komme ich unten zuriick. Es erschien
der schwedische Bericht von 1928, gezeichnet von J. W. H a m n e r
und E. K a 11 s t r o m ". Darin wurde Verodigen nicht wieder erwahnt,
aber uber Digalen, Digitalysat, Digipurat wiedcr in derselben kurzen
und ungunstigen Weise berichtet wie zuerst. Da nun die Frage einer
amtlichen Prufung solcher Praparate ohnehin jetzt zur Erorterung
gestellt ist, nachdem auch J o a c h i m o g 1 u eine solche Prufung fur
wunschenswert erachtet hats), so sol1 hier eine Klarung gesucht
werden hinsichtlich der beiden Frngen: Wie ist bei dem schwedischen
Befund an den vier deutschen Spezialitaten der Tatbestand gewesen?
(I), und: Erscheint eine amtliche Kontrolle der Digitalisspezialitaten
in den Apotheken iiberhaupt angebracht? (11).
I. Die mir heute vorliegende deutsche Ubersetzung des schwe:
dischen Berichtes von 1927 gibt schon in der Einleitung einen Fingers
zeig. Auf den Packungen mancher Spezialitaten wird ja die fur den
Kranken zweckmafiige Dosis oft gleichgestellt mit einer bestimmten
innerlich zu gebrauchenden Dosis der Folia. Nun setzt H a m n e r
in der Einleitung voraus, daB die fur den Kranken angegebene Dosis
der Spezialitat auch als In jektion am Frosch ebenso stark wirken
musse wie die fur den Menschen als gleichwertig angegebene Blatter:
dosis. Wenn das richtig ware, so hatten wir vor zwei Jahrzehnten
den in Deutschland von einigen Autoren vertretenen Vorschlag durch:
fuhren mussen, die Digitalis einfach in ,,Froscheinheiten" zu ver:
ordnen, ganz gteich von welchem Praparat. Welche Unstimmigkeiten
d a s zur Folge gehabt hatte, ist von niir damals dargelegt wordeni).
4)
5)
1,)
7)
23. No\-ember 1927, Nr.94, S. 1493.
In demselben Verlag.
Dtsch. med. Wchschr. 1928, Nr. 38. S. 1586
hlcd. Klinik 1909, hr.2 i , S. 1OOi.
Zur pharmakologischen Priifung von Digitalisspezialitaten
171
Der abwegigevorschlag wurde dann aufgegeben. Die Gleichstellung der
fiir den Frosch geltenden Wertverhaltnisse mit der fur den Menschen
geeigneten Dosierung ist unmoglich, sobald Praparate verschiedener
Herstellung in Frage kommen. Der Arzt verlangt nur, daR er jedes
Praparat gleichbleibend stark in der Apotheke findet. Aus diesem
berechtigten Verlangen hat sich die Voraussctzung entwickelt, da8
von einer bestimmten Digitalisspezialitat jede Packung die gleiche
Starke besitzt. Und diese Voraussetzung zu erfullen, bemuhcn sich die
herstellenden Firmen auf das ernsteste, indem sie andauernd priir
fende Arzte mitarbeiten lassen, die pharmakologisch entsprechend
geiibt siqd. Bei dieser Allgemeinlage war es nun schon wenig wahrs
scheinlich, da8 - wie das schwcdische Gutachten meint - eine
Packung Verodigen nur die Halfte, Digalen nur ein Drittel, Digitalysat
hochstens ein Viertel und Digipurat etwa zwei Funftel der deklar
rierten Starke gehabt haben sollte.
Hinsichtlich des V e r o d i g e n ist von der herstellenden Firma
alsbald eine Berichtigung emchienens). Darin wird festgestellt, entr
sprechend den oben betonten Unterschieden zwischen den Wirkungs:
werten bei Froschen und Menschen, da8 auf den Etiketten die An3
gabe ,,1 Tablette = 0.1 g Fol. Digit." naturlich nur als klinische
Gleichung gemeint sei; am Frosch sei eine Tablette selbstverstandlich
nur = 0.05 g Folia. Um weiteren MiRdeutungen vorzubeugen, wird
jetzt im Aufdruck das Wort ,,klinisch" ausdriicklich hinzugefugt.
Also eine Minderwertigkeit war nicht vorhanden, sondern nur irrtums
lich geschlossen worden.
Beim D i g a 1e n haben friihere Untersuchungen von anderen und
mir zwar stets nur etwa ein Drittel desjenigen Proschwertes ergeben,
den das Praparat auf Grund seines Glykosidgehaltes haben mii0te.
Aber daraus durfte ein Vorwurf gegen das Digalen nicht hergeleitet
werden, weil sich die scheinbare Unterwertigkeit nach einem Bericht,
den R e d o n n e t 1917 aus dem Ziiricher pharmakologischen Institut
erstattet hat, vollig daraus erklart, da8 zur Originallosung fast ein
Drittel der Menge an Glyzerin zugesetzt wird9). Allerdings will neuerr
dings E h r i s m a n n gefunden haben, da8 der Zusatz von
Glyzerin ,,fur die Auswertung von Digitalispraparaten praktisch
ohne Bedeutung" sei'O). Aber er hat hauptsachlich Reinpraparate
(Gitalin, Digitoxin M e r c k , Digitalein amorph., Digitalin pulv.
german.) und das den galenischen Praparaten nahestehende Cardin
gepriift. Bei Versuchen, die ich selbst mit Digitalysat angestellt
habe, konnte durch Glyzerinzusatze von 5 bis 30% die Wirkung an
Grasfroschen entsprechend der Glyzerinmenge deutlich herabgesetzt
werden. Wahrscheinlich ist es beim Digalen ebenso. Denn, wenn
R e d o n n e t die Glykoside aus dem glyzerinhaltigen Digalen auszog,
so erhielt er damit am Frosch vollig den theoretisch zu fordernden
8)
g,
bis 308.
1")
Pharmaz. Ztg., 30.November 1927, Nr.%, S. 1528.
Nach J o a c h i m o g l u , Arch. exp. Pathol. Pharmakol. 86, 307
Arch. exp. Pathol. Pharmakol. 123, 384 bis 385 (1927)
12"
172
C. F o c k e
Wirkungswert. Man mu8 also doch annehmen, d a 8 in einigen Prapas
raten der Glyzerinzusatz den Resorptionsvorgang beim Frosch SO
verlangsamt, daf3 das Tier Zeit hat, sich teilweise zu entgiften. Es
stand also dcr geringe Froschwert, den man in Schweden fand, nicht
im Widerspruch zum angegebenen Wert*).
Vom D i g i p u r a t u m war cine Tablette bzw. 1 ccm dcr fliissigen
Form von der Firma als gleich stark bezeichnet worden mit 0.1 Fol.
Dig. titr. Dabei war stillschweigend vorausgesetzt, d a 8 die zur
Vergleichung dienenden Folia so, wic friiher iiblich, als 10% Infus
gepriift wurden. Diese Voraussetzung bleibt auch gultig, weil das
Digipurat in wesentlich wasseriger Losung gepriift wird. Dann habcn
die angegebenen Mengen der beiden Praparate ctwa den Wert von
100 Froschdosen (F. D.). Wenn man aber, wie es in Schweden geschah,
zur Vergleichung von einem alkoholischen Auszug der Folia ausgeht,
so ergeben sich bei 0.1 der Folia durchschnittlich 200 F. D., ohne daf3
das Digipurat schwacher geworden ware. Dieses Verhaltnis hat
K. F. S c h m i d t vor kurzem dargelegtll). Hiernach betont die
Firma auf ihren DigipuratumSPackungen jetzt ausdriicklich die Vers
gleichung mit dem 10% Infus der Folia. Statt einrr Wertminderung
des Praparats lag also auch hicr nur ein Mil3verstandnis des Unter;
suchers vor.
Hinsichtlich des D i g i t a 1 y s a t u m hat die herstellcnde
Fabrik cbenfalls kurz bekanntgegeben, d a 8 die Gleichstellung der
klinischen Starkc des Praparats mit der am Frosch unrichtig istll).
Da ich selbst die Priifungen des Digitalysats hercits 25 Jahre durchs
gefiihrt hahe, ist es vielleicht erlaubt, cin paar Worte mehr dariiber
zu sagenis). - Das Digitalysat ist bekanntlich dcr frische Blattersaft,
der dann mit dem konservierenden Zusatz von etwas Alkohol
dialysiert worden ist. Auf die Bemangelung von H a m m e r , daO
manche Flaschchen einen kleinen Bodensatz zeigen, braucht nicht
eingegangen zu werden, weil derartiges bei vielen galenischen
Pflanzenauszugen vorkommt, ohne da13 es als Zersctzungszeichen
aufgefa8t wird, und weil hier nur vom Wirkungswert zu redcn ist.
- Das Verhaltnis der (friiher titriert genannten) jetzt offizinellen
*) Anmerkung bei der Korrektur. - Hier kann heute noch das Verhiiltnis
beim Digifolin herangezogen werden. Das zum inneren Gebrauch bestimmte
Digifolin. liquidum wirkte nach meinen Versuchen am Frosch auffallend
schwacher als das AmpullenSDigifolin, obgleich beide gleich stark eingcstellt
sind. Jetzt erfahre ich von der A. G. f . chem. Industrie in Basel, dal3 im
ersteren merklich Glyzerin enthalten ist, im letzteren nicht, und dal3 die
schwiichere Wirkung am Frosch als Folge des Glyzerinzusatzes von den
Pharmakologen der Firma schon langst einwandfrei festgestellt sei. Dadurch
erklart sich auch der geringe Wert, den J o a c h i m o g 1 u (1. c.) und H a m n e r
am D. liquidum gefunden haben. Die Wirkung am Menschen scheint durch
den Glyzerinzusatz ebensowenig beeintrachtigt zu werden wie beim Digalen.
i1)
12)
13)
Dtsch. med. Wchschr. 1928, Nr. 20.
Pharmaz. Ztg. 11. Februar 1928, Nr. 12, S. 188.
Vc1. auch Ztschr. exp. Pathol. Therapie 16. 413 bis 466 (1915).
Zur pharmakologischen Priifung von Digitalisspezialitaten
173
Folia Digitalis zum Digitalysat mu13 je nach dem Gesichtspunkt, von
dem ausgegangen wird. verschieden sein. Der PreDsaft von 1 g
frischgruner Blatter, deren Trocknung etwa 0.2 g ergeben wurde, ist
in 1 g Digitalysat enthalten; daher solIte 1 g Blatterpulver = 5 g
Digitalysat sein. Aber oral genommen wirken beim Menschen ers
fahrungsgemaB etwa 0.15 Folia als Infus oder 0.12 g als Pulver ebenso
stark wie 1.0 Digitalysat, so da8 klinisch von den Folia 1.0 = 6.6
b i s 8.2 Digitalysat zu setzen sind. Noch groBer ist der Unterschied,
wenn zum Froschversuch das Blatterpulver mit Alkohol erschopfend
extrahiert wird; dann ergibt 1 g = 2000 F.D., wahrend in 1 g Digitas
lysat frisch mindestens 120 F.D., nach einigen Jahren noch mindestens
100 F.D. enthalten sind, so da8 bei dieser Methode von den Folia
1 g = 17 b i s 20 g Digitalysat zu rechnen ware. Also kann bei der
langfristigen Froschmethode das Digitalysat nur etwa ein Drittel
derjenigen Wirkungsstarke zeigen, die es klinisch ausiibt! Es kann
also auch hier von dem durch H a m n e r vorausgesetzten Paralleliss
mus keine Rede sein.
Bei der Priifung mui3 ferncr ein Umstand beachtet werden, der
mit der Entstehung des Digitalysats zusammenhangt. Es geht ein
Teil der Glykoside nicht mit in das Praparat; sie wiirden zwar durch
die Membran gehen, verbleiben aber schon im PreBriickstand. Vor
Jahren hat W. S t r a u b festgcstellt, da8 das Digitalysat hauptsachs
lich die Gitalingruppe enthalt, wenig von der Digitoxingruppe").
Diese Ansicht hat sich mir durch Untersuchung des PreRrucks
standes bestatigt. Hieraus erklart es sich, dafi die toxische Wirkung
beim IFrosch zwar ziemlich schnell eintritt, aber auch, wenn sie nicht
in den ersten Stunden zum Tode fiihrtc, von dem Tier leichter als
bei digitoxinreicheren Praparaten iiberwunden wird. Daraus folgt,
da8 der richtige Wirkungswert, anders als beim alkoholischen Blatters
extrakt, nur an tadellos reagierenden Froschen gefunden werden
kann. Man muB das a m t 1 i c h e , an Katzen eingestellte Standards
pulver nebenher priifen! Wenn dieses, statt normal 2000, beispielss
weise nur 1500 F.D. zeigt (was selbst an Wintertieren nicht
selten von mir gesehen wurde), so kann daneben zwar ein
fragliches Blatterpulver gepriift werden; man mu8 dem gefuns
denen Wert nur das fehlende ein Viertel zurechnen. Aber mit einem
Digitalysat, auch wenn es normal ist, kommt man bei einer um ein
Viertel herabgesetzten Tierreaktion nicht zur Klarheit. Manchmal
geniigt dann die groDte zulassige Injektionsmengc nicht, um von sechs
Tieren die notigen vier zu toten, weil sie Zeit haben, sich zu entgiften.
Dann darf man eine Minderwertigkeit des Praparates nicht folgern,
sondern mu8 den Versuch bei gunstigerer Froschreaktion wieders
holen. - Halt man diese Besonderheit zu dem iiber das Verhaltnis
,,Froschwert zu klinischem Wert" Gesagten, so wird es ganz uns
zweifelhaft, daB die vier Digitalysatproben, die H a m n e r an verhalts
nismaBig wenigen Tieren untersucht hat und die nach ihrer Herr
stellungsnummer noch nicht alt waren, sicher slmtlich einen klinisch
I*)
Munch. med. Wchschr. 1917, Nr. 16.
174
C. F o c k e
einwandfreien Wert besaBen und auch am Tier ergeben hatten, wenn
die Versuche entsprechend angeordnet worden waren**).
J o a c h i m o g l u hat, nebenbei bemerkt, ein ebenfalls dem
Handel entnommenes Digitalysat etwa gleichen Alters gepruft und
daran 142 F.D. gefundeni6); vermutlich reagierten seine Tiere gerade
optimal.
Nach dem Ausgefuhrten mochte ich nicht dahin mih e r s ta n d e n
werden, als wolle ich unterschiedslos ein Fursprecher aller oder auch
nur der genannten Spezialpraparate sein. Vielmehr ist e s meine
Uberzeugung ebenso wie friiher, daB der Digitalisbedarf eines
Kranken meistens, von Ausnahmen abgesehen, am besten gedeckt
wird durch den Gebrauch der Folia. Aber hier handelt es sich urn
die Frage der G 1 e i c h m a D i g k e i t der Spezialitaten. Gerade
wegen meiner im allgemeinen gegen ihren Gebrauch gerichteten
Meinung habe ich seit 20 Jahren nicht nur jahrlich Digitalysat dem
Handel entnommen, sondern oft auch Spezialitaten. die von anderen
grofien Firmcn stammten, und habe daran eine UngleichmaBigkeit
festzustellen gesucht. Aber es ist mir niemals gelungen, Abweichungen
zu finden, die iiber den espcrimentcllcn Fehlerspielraum hinauss
gegangen waren.
H a m n e r ist offenbar von einer zu optimistischen Auffassung
seiner Prufungsmethode ausgegangen. Seine Ergebnisse, soweit darin
deutsche Praparate abfallig beurteilt werden, sind jedenfalls irrig.
Er hat die Moglichkeit eigener Irrtumer unterschatzt. Letzteres
darf man nuch schliefien aus dem Anhang, der den SchluR der an5
gefuhrten Veroffentlichung aus scinem Laboratorium von 1928 bildet.
Er hatte bei S t r a u b die Priifung am isolierten Eskulentenherzen
kennengelernt16). Dadurch wufite er, daB S t r a u b selbst eine
Starkeverglcichung verschiedencr Praparate untereinander behufs
klinischer Bewertung nach dieser besonderen Methode nicht an5
erkennt. Dennoch hat H a m n e r sich grone Muhe gegeben, am
Eskulentenherzen Starkevergleichungen aufzustellen. Es war ihm
dabei auch unzweifelhaft bekannt, daf3 mit galenischen Praparaten,
z. B. dem Blatterinfus, bei dieser Methode ein tonischer Herzstills
stand auszubleiben pflegt, wegen des Vorhandenseins der Kalisalze
usw. Wenn er nun allein vom Digitalysat sagt, dai3 es sich hierin
ganz anders verhalte als die ubrigen Spezialpraparate, so kann das
beim Leser den Eindruck erwecken, als ob hier ein Fehler des Digis
--__
**) Anmerkung bei der Korrektur. - Fur diese Annahme spricht noch
Folgendes: Ende Dezember teilte Herr H a m n e r mir das Protokoll von ers
neuten Untersuchungen an zwei Digitalysatflaschchen mit. An einer vom
Oktober 1927 stammenden Fullung hatte er nur knapp 60 F.D. und an einer
vom April 1928 stammenden nur etwa 66 F.11. gefunden. Also wieder Unter.
werte. Er schickte mir freundlicherweise die Reste. Daran fand ich etwa
80 F.D. und 100 F.D., gleichzeitig aber am amtlicheii Standardpulver nur drei
Viertel der normalen FroschrReaktionsstarke. Daher waren die Digitalysat.
werte mit mindestcns vier Drittel zu verviclfachen z 10.5 und 130 F.D.! Das
sind normale Werte.
)
:
1
Dtsch. med. Wchschr. 1928, Nr. 38, S. 1585 bis 1586.
18)
Sr. Lakaresallskapets forhandlingar 3 bis 4, 1928, 131.
Zur pharmakologischen Prufung von Digitalisspezialitaten
175
talysats vorlage, was er eigentlich wohl nicht sagen wolltc. Jeden:
falls ist sein Versuch, die langiristig gewonnenen Befunde durch die
am ausgeschnittenen Herzen gewonnenen zu stutzen, hinfallig.
Die 'Uberschatzung pharmakologischer Folgerungen hat in der
Geschichte der Digitalis bekanntlich schon groOe Forscher zu Irrs
tiimern verleitet. Durch H a m n e r wird kein weiterer Nachteil
entstanden sein, als da8 die schwedischen Apotheker und Arzte gegen
einige brauchbare Mittel ein Vorurteil gefai3t haben. Das wird wohl
nur eine vorubergehcnde Erscheinung sein und keine weitere Ver.
breitung finden.
11. Die Verhaltnisse bei den vier Praparaten sind hier etwas aus:
fuhrlich besprochen worden, weil dadurch eine Antwort auf die
F r a g e d e r a m t l i c h e n P r u f u n g erleichtert wird. Es geht aus
dem Gesagten hervor, dai3 die Priifung nicht immer eine einfache
Angelegenheit ist, die nach einem Schema schnell erledigt werden
konnte. 'Falls von einer Digitalisspezialitat eine Probe amtlich gepruft
werden rniifite, so ware das vergleichbar dem gerichtlichen Auftrag
zur Begutachtung z. B. eines Krankheitsfalles mit kriminellen Spats
folgen. Uber einen solchen Fall wird der Sachverstandige ein be;
griindetes Urteil nicht abgeben konnen, ohne sich aus den Akten
uber die Vorgeschichte unterrichtet zu haben. In ahnlicher Weise
wurde jede Digitalisspezialitat vor der Untersuchung eines Studiums
ihrer Eigenheiten bedurfen. Der Gutachter mu8 sich mit der Ent:
stehung und Zusammensetzung, soweit sie zu crfahren ist, dann mit
der Art der Einstellung (ob nach dem chemischen Gehalt oder
physiologisch nach dem Wert des Blatterinfuses oder des Blatter:
alkoholextraktes?), ferner mit den durch das Praparat gebotenen
Besonderheiten des Tierexperiments vertraut machen. Dann wird
zur Prufung eine kleine Packung nicht immer geniigen; es mu8 eine
ausreichende Menge des Materials sichergestellt werden, um es in
langerer Zeit wiederholt untersuchen zu konnen. Wer alle diese
Griindlichkeiten nicht aufwenden kann oder will, ist vor Selbst:
tauschungen nicht geschutzt.
Nun muO man sich vor Augen halten, welche Inanspruchnahme
zahlreicher Stellen notig ist, um ein einziges Praparat, die Folia, zu
beaufsichtigen, und andererseits, daf3 wir wohl hundert Spezialitaten
der Digitalisgruppe haben. Daraus folgt von selbst die Erkenntnis,
da8 eine amtliche Prufung aller Digitalisspezialitaten unausfuhrbar
ware. Es mui3te denn ein besonderes Institut fur diesen Zweck er:
richtet werden, mit einem gewiegten Pharmakologen an der Spitze,
einem Stab von Assistenten und reichen Geldmitteln. Selbst wenn
diese Utopie verwirklicht werden konnte, so ware das dennoch
ganz uberflussig und zwecklos. Denn wahrend fur die offizinellen
Herzdrogen, die fruher rnit unglaublichen Starkeunterschieden un:
gepruft in die Apotheken kamen, die Wertprufung ein dringendes
Erfordernis ist und durchgefuhrt werden mu8, liegt die Sache bei
den Spezialitaten gerade umgekehrt. Diese sind ja schon vor ihrer
Abfullung pharmakologisch gepruft. Fur die Grundlichkeit ihrer PruS
fung sorgt der Wettbewerb der groBen Firmen, die bei klinisch erz
I 76
Zur pharmakologischen Priifung von Digitalisspezialitaten
wiesener Unzuverlassigkeit ihrer Praparate das Vertrauen der Xrzte
und des Publikums verlieren wurden. Eine nochmalige Priifung liegt
aunerhalb der offentlichen Belange.
Zur weiteren Sicherung der Wertbestandigkeit mochte ich nur
cine Anregung geben. Bei der gro8en Zahl der Praparate konnen
von einem einzelnen Praparat, das in einer Apotheke vielleicht selten
angefordert wurde, einige Packungen lange liegen bleiben und infolge
Alterns an Wert vcrlieren. Darum sollten alle Firmen, wie das einige
jetzt schon tun, ihre Praparate nicht mit einer Journalnummer, sons
dern mit dem fur den Patienten unauffalligen, fur den Kundigen
lesbaren Datum des Abfiillungstages versehen. Es kann z. B. der
2. Januar 1928 gestempelt werden mit 280102. Dann wird e s immer
moglich sein, Praparate aus dem Verkehr zu nehmen, dercn Abfullung
zu lange zuriickliegt.
Den Ubelstand, d a8 die Zahl der Digitalisspezialitaten uberhaupt
zu gro8 ist, haben die Fabriken selbst hervorgerufen. Nachdeni eine
Firma ein gutes haltbares Praparat in fester Form als Tablette hers
ausgebracht, eine andere Firma einen ebenso guten Liquor zum Ein:
nehmen in Tropfenform hergestellt hattc, da war es in beiden Fallen
wohl nicht unbedingtes Bedurfnis, d a8 die Tablette nach einigen
Jahren auch als Flussigkeit, der Liquor auch als Tablette auf den
Markt gebracht wurde. Es ist nebenbei nicht ausgeschlosscn, da8 die
chemische Konstitution des anfangliehen PrPparates dabei wieder
etwas verandert wird. Ebenso ist die Notwendigkeit nicht an5
zuerkennen fur die bunte Mannigfaltigkeit der ~4bfullungcnin halben,
ganzen, kleinen, mittleren, groRen Kassenr, Spars, Privatr und Klinik:
packungen. - In der Apotheke einer kleinen Stadt von loo00 Eins
wohnern wurden vor einem Jahr bei der Revision 42 verschiedene
Digitalispraparate gefunden"). In Grohtadtapotheken konnte das
Doppelte gezahlt werden. Die Aufbewahrung und dieubersicht werden
taglich schwieriger. Da stets einige Praparatc vorwiegend gefragt
werden, kann es gar nicht ausbleiben, d a8 andere uberaltern. Dieser
wachsende Mifistand konnte nur von den Firmen selbst verrnindert
werden. Jeder Fabrikant miiBte sich entschliefien, sein Digitalis5
praparat nur noch in einer oder hochstens in den zwei gebrauch:
lichsten 'Formen herzustellen, moglichst der eine nur einen Liquor,
der andere nur eine Tablettenform, der dritte nur die als die reizs
losesten bewahrten Ampullen, ein vierter nur die als die bestcn
erprobten Zapfchen oder hochstens, wie gesagt, zwei Formen; dabei
jedes Praparat nur in einer kleinen und in einer groi3en Packung.
Vorschlage im einzelnen eriibrigen sich hier. Bei einem solchen Vorr
gehen wiirden die wenig gebrauchten Packungen verschwinden. Es
gabe weniger Ladenhiiter, und die Sicherheit ware erhoht. Freilich
brachte derartiges, von einer einzelnen Fabrik allein angefangen,
ihr vielleicht einen Nachteil; aber wenn alle g r o k n Firmen sich
dariiber vereinbarten, so wiirde das m. E. von groDem Vorteil fur
die Firmen selbst, fur die Apotheker und Xrzte und fur die
Kranken sein.
17)
Apoth.sZtg. 1927, Nr. 102. S. 1524.
Die Bestimmung des Bruzins als Silikowolframat
177
Z u s a m rn e n f a s s u n g. In einem schwedischen Apothekenr
laboratorium waren vier Digitalisspezialitaten, die von angesehenen
deutschen Firmen stammten, im Gegensatz zu den andauernd guns
stigen deutschen Erfahrungen, nach physiologischer Priifung als
unterwertig bezeichnet worden. Diese Schlunfolgerung hat sich in
allen vier Fallen als irrtumlich erwiesen.
Es gibt Digitalispraparate, die aus dem Froschlymphsack lang
samer resorbiert werden, wenn sie einen merklichen Anteil an
Glyzerin enthalten.
Eine amtliche Prufung samtlicher Digitalisspezialitaten ist nicht
durchfuhrbar, weil die Aufgabe zu groB ware; uberdies ware die
amtliche Prufung gerade bei den gangbarsten Spezialitaten ubers
fliissig, weil diese von Firmen hergestellt werden. die um ihres
eigenen Ansehens willen schon das groBte Gewicht darauf legen,
dai3 diese Praparate auf Grund sachkundiger Prufung einen stets
gleichmii8igen Wirkungswert besitzen.
Die gute Wertbestandigkeit dieser Spezialitaten konnte noch
weiter dadurch gesichert werden, daB auf den Packungen der AbS
fullungstag (unauffallig) angebracht wird, und ferner dadurch, dat3
zufolge einer Vereinbarung zwischen den Hauptfirmen die groBe Zahl
der Formen und verschiedenen Packungen moglichst eingeschrankt
wiirde.
285. B. Kljatschkina und M. Strugadski:
Die Bestimmung des Bruzins als Silikowolframat und zur Analyse
von Semen Strychni.
(Aus der Analytischen Abteilung des Staatlichen ChemischA’harmazeutischen
Forschungsinstituts in Moskau, Abteilungsleiter E. S t u b e r.)
Eingegangen am 7. Januar 1929.
In einer fruheren Mitteilung aus unsercm Laboratoriuml) haben
wir die Bestimmung des Strychnins als Silikowolframat beschrieben.
Vorliegende Arbeit behandelt die Bestimmung des Bruzins und die
der beiden Alkaloide gemeinsam.
In jener Arbeit hatten wir gefunden, daB unter den damals einr
gehaltenen Fallungsbedingungen: 0.15 g Strychninnitrat in 90 ccm
IKiger HNOs gelost und heiB mit 10 ccm einer lO%igen Silikowolfr
ramsaurelosung gefallt - ein Niederschlag entsteht, der nach dem
Auswaschen mit H10 ungefahr die Molekularzusammensetzung
1) E. S t u b e r und B. K 1 j a t s c h k i n a , Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch.
Pharm. Ges. 1, I , (1928).
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