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Zur Technologie des Baryts.

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Wa,gner, zur Technologie des Bulyts.
229
Znr Technologie des Bargts;
von
Professor Dr. R 11 d o 1 p h W a g n e r *).
Der Baryt kommt, wie allgemein bekannt, als Schwerspath und als Witherit im Mineralreiche hiiufig und in
sehr grossen Massen vor. aehort das letztere Mineral
vorziiglich England (namentlich den Grafschaften Lancashire, Flintshire, Shropshire, Cumberland, Durham, Westmoreland, Northumberland) an, so findet sich dagegen
der Schwerspatli in deutschen Gebirgen, so im Spcssart
(besonders im Fiirstenthume Aschaffenburg), im Odcnwalde, im Sohmarzwalde u. s. w. in so bedeutender Menge,
dass die E'rage nach seiner Verwendung schon seit liingcr
als finfzig Jahren ventiqirt, bis auf den heutigen Tag
aber nicht orschopfend beantwortet wurde. Wenn man
von dcr Benutzung der Barytrnineralien zur Herstellung
der c1iemis1:hcn Barytpraparate absieht, so lasst sicli
mit Orund behaupten, dass vor dem Jahre 1830 dcr
Schwerspatli als das einzige deutsche Bnrytmineral XK'
B~r)x+pnur als Zusatz von Bleiweiss, hin und wieder zur
Verfertigung yon Cupellen und von Testen zum Silberfeinbrenncn und auch, und dies gilt vorziiglich von dcr
Aschaffenburger Gegend, als Streusand, Verwendung
fand. Seit ctws 20 Jnhren hat sich der Stand derDingc
geiindert, man erkannte nach und nach die werthvollcn
Eigenschaftcn des Bnryts und der Barytpriiparate, suchtc
dicse Eigenschaften der Industrie dienstbar zu machen
und gab HO die Veranlassung zur Entstehung der Barytindustrie, die fast au gleicher Zeit mit der Industrie clcr
Theerfarben cntstanden, Ietzterer ebenburtig ist und ohnc
allen Zwveifel durchgreifende Ver#nderungen in vicleii
Industriezweigen bewirlten w i d .
Vom chemisch - technologischen Standpunctc aus Z I I
*) Beeonderer Abdruck auB dem Kunst- und Gewerbeblatte ( I t polytt!chnischen Vereirie f i r dae Kanigreich Bayern, Aprillid I
1863, s. 222.
230
Wagner,
zeigcn, wie weit die Barytindustrie bereite gekommen
und welcher Ausdehnung sie fur die Zukunft fAhig erscheint, ist die Veraulassung der gegenwariigen Abhandlung.
Von den chernischen Eigenschaften des Bnryts, die
in industrieller Hinsicht von besonderer Tragweite sind,
steht obcn an die, durch Schwefelsiiure aus allen seinen
Verbindungen als ein unlosliches, blcndcndweisses Pulver
ausgeschieden zu werden. In Folge dieser Eigenschaft
eignet sich der Raryt zur Darstellung von unzkhligen
chemischen Prkparaten, die in der Folge einzcln genannt
werden sollen. Eine andere Eigenthiimlichkeit des Baryts
besteht darin, dass er leichter ale Rali und Natron die
Elemente des Stickstoffs und Kohlenstoffs zu Cyan vereinigt und deahalb fur die Zukunft der Blutlaugensalzfabrikation, der Blaufarberei und der Eneugung von
I31au in dar Zeugdruckerei, so wie fur die Bereitung der
Ammoniaksalze, ein hiichst wichtiger Korper geworden
ist, insofern er den Stickstoff der Atmosphare zu fixiren
und in werthvolle cheinische Verbindungen wie Cyan
und Ammoniak uberzufIihren vermag. Dass der Baryt
mit Rohrzucker beim Erwlrmen eine im Wasser unloslichc Verbindung giebt; dsss der Baryt im erhitzten Zustande mit atmosphlrischer Luft zusammengebmcht, Sauerstoff aus derselben aufnimnit und dadurch in Bariumsuperoxyd ubergeht, welches zur technischen Darstellung
von Ssuerstoffgas Anwendung gefunden hat; dam der
Raryt so gut wie das Bleioxyd in die alasmasse einzutreten vermag und Gliser bildet, die in Folge des hohen
specifischen Oewichts, was Lichtbrechungsvermogen anlangt, den Bleigliisern den Rang streitig machen; dase
ler Baryt ale starke Baee in vielen, j a man kana belaupten in den ineisten Fallen statt des theuren Kalis
ingewendet werden kann, wenn es sich urn die Ausfalu n g von Metalloxyden (in der Farbenfabrikation), urn
ie Spaltung neutraler Fette in Glycerin und Fetteauren,
m die Xitrification (selbst behufs der Darstellung von
zur Techtaologie des Baryts.
231
Kalisalpcter) u. S. W. handelt - alles dies ist fur die
technische Gewerbsthltigkeit wichtig und sehr ausgedehnter Anwendungen fihig.
Fur die dcutsche Industrie ist nur der Schwerspath
von Tnteresse, dor, wenn wir von seiner Anwendung in
feingemahlerrem Zustande zuin Versetzen der Farben
(des Bleiweisses, der griinen und blauen Kupferfarben,
des Chronigelb, der Smalte, j a selbst zuweilen des Ultramarins) absehen, vor eeiner industriellen Renutzung in
eine zweckinassige Form, entwcder i n kohlensaurem
Baryt oder in Chlorbaryum iibergefuhrt werden muss.
Zu dem Ende wird der Scliwersyath durch Kohle zu
Schwefelbaryum reducirt und letzterer entweder durch
einen Stroni Kohlensauregas in kohlensauren Baryt, oder
durch gew isse Metalloxyde, wie Kupferoxyd, Zinkoxyd
in Aetzbaryt, oder durch Salzsiiure in Chlorbaryum ubergefuhrt. Dies sind jedoch bekanntc Dinge, und finden sich in
jedern Lehrbuclie der Chemie. Eine zweckmgssige Methodc dcs Aufschliessens des Schwerspaths gehijrt aber
noch zu den froinmen Wunschen des technischen Chemikers, denn selbst das Verfahren von A s s e l i n , Scliwerspath mit Chlorcalcium und Holzlrohle zu gluhcn, oder
die Methode von I< u c z y II s k i, das Aufschliessen des
Schwerspaths dnrch Zusatz von Kochsalz zu erleichtern,
lassen in 13ezug auf die Vollstiindigkeit des Aufschliessens
vie1 zu wunschen ubrig. Ein Zusatz von Glaubersalz
zum Schwerspath mijchte besonders anzurathen sein,
wenn das Aufschliessen auf dem Heerde eines Flanimenofens und in grossem Manssstabe gcschieht *).
Unter den Barytpraparaten steht der kiinstliche (d. h.
gefdllte) H ch w e f e 1 s a u r e B R r y t (BEmc-fie,Rarytwciss,
Pernianentweiss) oben R n , nicht allein wegen der Vielseitigkeit seiner Anwendung, sondern nuch, weil er
uberall in der Rarytindustrie zum Vorschein kommt und
-
*) Eine ausfiihrliche Beechrcibung der Daretellung von Barytweise aus Schwerepath findet sich in J. G. G e n t e l e , Lehrbuch der Farbenfabriketion, Rraunschweig 1860, pag. 176.
232
Wagner,
das werthvolle Endproduct in fast allen Fallen ist, in
denen der Baryt industrielle Anwendung findet. Man
stellt das Barytweiss bekanntlich meist direct durch Fallen von Schwefel- oder Chlorbaryum mit Schwefelsaure
oder durch Losen von Witherit in mit Schwefelsaure
versetzter Salzsaure dar. Letzterer von P e l 0 u z e (1859)
berriihrenden Methodc gebuhrt der Vorzug, obgleich sie
nicht iiberall befolgt werden kann, denn nach ersterem
Verfahren erhalt man ein schwefelhaltiges Product (entweder weil das Schwefelbaryum Barythyposulfit oder ein
Polysulfuret des Baryums enthielt), das beiln Aufbewahren gern sauert und zu vielen Zwecken, wo neutrales
Barytweiss Erforderniss ist, keine Verwendung finden
kann. Weit wichtiger als die dirccte Methode der Darstellung des schwefelsauren Baryts ist die indirecte Darstellungsart, wobei das Barytweiss als Nebenproduct auftritt. Dies ist nun der Fall bei der herstellung zahlloser chemischer und technischer Priiparate, so z. B. bei
der Gowinnung
1) von W e i n s a u re, die man darstellt, indem man
die Halfte der im Weinstein enthaltenen Saure durch
kohlensauren Baryt in der Wiirme neutralisirt und die
dabei entstehende Losung von neutralem weinsaureui
Kali, wie es gagenwiirtig zweckmassig in pharrnaceutischctiemischen Laboratorien geschieht, suf Kali turturicuna
verarbeitet, oder dieselbe durch Chlorbaryum zersetzt.
Der erhaltene weinsaure Kalk wird nach dem Auswaschen
lnit kaltem Waaser durch verdiinnte Schwefelsiiure zer
setzt u. s. w. Diese Mcthode hat vor der gewohnlich
ange,wendeten des Neutralisirens mit kohlensaurem Kalk
und Zemetzen des neutralen Kalktartrates mit Chlorealcium u. 8. w. den Vorzug, dass das Barytweiss sich aus
der Weinsiiurelosung schnell und vollstiindig absetzt und
ein gesuchter Handelsartikel ist, wghrend andererseih
der Gyps keinen Werth hat. Der schwefelsaure Baryt
scheidet sich aus der Weinsiiurelosung bis auf die letzta
Spur ab, wiihrend der Qyps in geringer Menge zuriickbleibt und die Weinsaure uerunreinigt;
zur Technologic des Baryts.
233
2) von C i t r o n e n s a u r e . Auch bei der Darstellung
dieser Saure Itisst sich der Kalk mit Vortheil durch
Baryt (anfangs kohlensauren Baryt, Vollenden d h Sattigung rnit Aetzbaryt) ersetzen. Einmal ist der citronensaure llaryt weniger loslich als der citronensaure Kalk,
dns andere Ma1 krystsllisirt die aus dem Barytsalze abgeschiedene Siiure leichter als die aus dem Kalksalze
erhaltene, da letztere stets gypshaltig ist ;,
3) von E s s i g s a u re. Wird roher Holzessig niit
kohlensailrein Baryt oder mit Schwefelbariurn gesattigt,
80 erhiilt man e s s i g s a u r e n B n r y t , welcher durch vorsichtiges Rosten von den TheerstofTen befreit werden
kann. Die Losung des essigsauren Baryts wird durch
eine aquivalente Menge Schwefelsaure zersetzt, wobei
man, ohnt? D e s t i l l a t i o n , Essigsaure und Barytweiss
erhalt. In historischer Hinsicht interessant ist es, dass
die Methode der Essigsaurebereitung aus essigsaurem
Baryt und Schwefelsaure bereits im Jahre 1790 von
L. I3 r u g n a t e 11i (vergl. Gmelids Geschichte der Chemie,
Giittingen 1799, Ud. III.pug. 467) besohrieben worden ist;
4) von c s s i g s a u r e r T h o n e r d e . Die unter dem
Nauoen R o t h b e i z e in der FPrberei und Zeugdruckerei
angewendete Losung von Thonerdeacetat wird bekanntlich mittelst Bleizucker und Alaun dargestellt. Anstatt
des Bleizuckers liisst sicli essigsaurer Baryt anwenden,
wobei man denvortheil hat, dass man anstatt des schwer
zu verwerthenden Bleisulfates Barytweiss erhalt j
5) von S a l p e t e r s a u r e . Dureh Zersetzen einer
concentrirten L h u n g von Barytsalpeter mit einer aquivalenten Menge Schwefels!iure erhalt man, nachdem das
Barytweiss sich abgeschieden, ohne Destillation, nicht zu
sehr verdiinnte Salpetersaure, die in vielen Fallen, .ohne
weiter concentrirt zu werden, Anwendung finden, oder
durch Erhitzen bei 1000 bis auf 1,13 specifisches Gewicht
(= 19 Proc. Salpetersaure) gebracht werden kann ;
6 ) von C h r o m s a u r e . Fur technische Zwecke zersetzt man den chronisauren Baryt mit Schwefelsgure,
234
Wagner,
wobei gelb gefarbter schwefelsaurer Baryt entsteht, der
rasch absetzt und als Barytgelb Anwendung finden kann,
und eine etwa 1OoB. starke Losung von Chromsliure erhalten wird, die man in Steinzeuggefassen oder in Bleipfannen bis auf 50 - 600 B. concentriren kann ;
Unter den verschiedenen
7) von K a 1is a 1p e t e r.
Metliodcn der Darstcllung von gewiihnlichern Salpeter
aus Chilisalpeter verdient nach €3 01 1e y (1860) diejenige
den Vorzug, nauh welclier man den satronsalpeter durch
Chlorbaryum in Barytsalpeter (und Chlornatrium) uberfiihrt, und den Barytsalpeter durch schwefelsaures Kali
i n Barytweiss und Kalisalpeter zerlegt. Iler Uinweg
und die an ihn gekniipfte Arbeitsvermehrung wird sicher
reichlich compcnsirt durch grossere Ausbeute und reineres
Product j
8) von S t e a r i n - und P a l r n i t i n s a u r e .
In den
Stearinkerzenfabriken merdcn behufs der Ausscheidung
der Fettsanren ails der Kalkseife jahrlich Tausende von
Centnern Schwefelsaure in werthlosen Gyps verwandelt.
Es liegt daher der Gedanke nahe, zur Verseifung des
Talgee oder Palmfettes Aetzbaryt (oder wie ich vor mehreren Jahren vorgeschlagen habe, Schwefelbaryuni) anzuwenden, womit der Vortheil verknupft isf, dass inan die
benutzte Schwefelsaure fast zu dem Ankaufspreise in
Gestalt von Barytweisa verwerthen, und aus der ron der
schweien und sich leicht absetzenden Barytseife abgelassenen Fliissigkeit das Glycerin weii vollstrindiger abscheiden kann, als wenn man sich des Kalkee ‘zur Verseifung
bedient hatte. Bei Vorhandensein zweckmassiger Ruhrapparate, urn die Fettsubstnnz und die Harytlosung in
innige Beriihrung zu bringen, wird man ohne Zw,eifel
mit 6-8 Th. Aetzbaryt auf 100 Th. Talg sich begnugen kiinnen ;
9) von S t l r k e z u c k e r , Die Abscheidung der Schwefelsaure aus der Zuckerflussigkeit, durch Kochen von
SGrke init verdunnter Schwefelsaure erhalten, ist unstreitig eine der wichtigsten Operationen der Starkezucker-
zur Technologie des Bnryts.
235
gewinnung, da von ihr nicht nur die Farbe und Reinheit,
sondern auch ganz besonders der Geschmack des Productes abhlingt. Dem zur Neutralisation angewendeten
kohlentjauren Kalk ist ohne Zweifel der kohlcnsaure
Baryt vorzuziehen, da der entstandene echwefelsaure
Raryt vollkommen unloslich ist, sich schnell und vollstandig ablagert und auch noch vortheilhaft verlussert
werden kann j
10; von S o d a . Wird lrohlensaurer Baryt in Breiform unter bestandigem Umriihren mit einer Glaubersalzlosung digerirt, so verwandelt sich der Baryt in Baryt,weiss, wahrend die iiber dem n’iederschlage stehende
Fliissigkeit kolilensaures Nstron enthalt. Leider geht die
Zersetzung des Sulfates selbst beim grossten Ueberschusse
des kohlensaurcn Baryts und durch anhaltendes Sieden
nicht v o l l s h d i g vor sich. Ein besseres Resrrltaf erhalt
man, wenn man den kolilensauren Baryt zunachst in
Bicarbonat iiberfiihrt und dann die Sulfatlosung zufugt;
ee bildet sich Barytweiss und zweifach lrohlensaures
Natron, welches entweder als solches verwerthet oder
durch Gliihen in Soda iibergefuhrt wird. Ersetzt man in
dem L e b l nnc’schen Sodafabrikationsverfahren den kohlensauren Kalk durch Witherit, so erhalt man ebenfalls
Soda, wzhrend beim Auslaugen aller Baryt ale Baryumovysulfuret zuriickblei bt und auf geeignete Weise entweder wieder in kohlensauren Baryt zuriickgefuhrt oder
auf andere Barytpriiparate verarbeitet wird j
11) von vielen chemisch p h a r m a c e u t i s c h e n
Y r i i p a r a t e n , so von B l a u e a u r e ohne Destillation
(durch Zcrsetzen einer Losung von Cyanbaryum mit
einem Aequivalent Sch wefelsaure und Decantiren der
wasserigen BlausSiure von dem Barytweissniederschlage),
vom Schwefelwaseerstoffwasser ea tempore (aus
wasseriger Liieung von Schwefelbaryum und verdiinnter
Schwefelsiiitre und Absetzenlaseen des Niederschlages),
ron J o d wa s e r s t o f f s a u r e (entweder durch Zersetzen
einer wiisst:rigen Losung von Jodbaryrim rnit Schwefel-
-
236
Wagner,
satire, oder beeeer durch Eintragen von fein zertheiltem
Jod in schwefligeauron Baryt, der im Waseer suspendirt
ist: (BaO, SO2
J
HO = BAO,SO3
JH), von
J o d - und B r o m k a l i u m (durchzersetzen von Jod- oder
Brombaryum mit Knlisulfat, oder durch Sattigen der aus
schwefligsaurcm Baryt erhaltenen Jodwaeserstoffeaure mit
kohlensaurem Kali), von wasseriger u n t e r c h l o r i g s a u r e r
S a u r e (aus unterchlorigsaurem Baryt und Schwefeldure)
u. 8. w. Von der F e r r o c y a n w a s s e r s t o f f s i i u r e (nach
gleichem Principe erhalten) wird unten die Rede sein.
Wie aus dem Vorstehenden zur Geniige hervorgeht,
wird ein grosser TheiI d e s Schwersputhes, welchen die
Barytindustrie in Anspruch nimmt, dem IIandel in Gestalt von Barytweiss iiberliefert. In der Regel kommt
es in Teigform - Blam j x en pdte - mit 20-30Proc.
W a s s e r Tor. Das Barytweiss hat seit etwa 6 Jahren als
Wasserfarbe bei der Tapeten-, Buntpapier und Kartenfabrikation ausgedehnte Anwendung gefunden und scheint
iiberhaupt fur vide Zwecke ein Ersatzmittel fur Bleiweiss
und Zinkweiss werden zu wollcn. Das blendende Weise
dieser Farbe ist durch kein anderes Material zu ersetzen,
es ist indifferent gegen jede Einwirkung der Luft, der
S o m e und der Temperntur, wird duruh schmefelwaeserstofflialtige Exhaltionen nicht gedunkelt und hat in mehrcren
Schichten dunn mit Leiniltisung aufgetragen eine Deckkraft, welche der des reinsten Kremserwcisa am nachsten
steht., Bei dec geringen Herstellungskostan und dem geringen specifischen Gewichte iet der Preis kaum
gegen
den von Bleiweiss. Als Bindemittel wendet man an
Leim Qder Kleister, oder auch ein Gemcnge von Kleister
und Waeserglaslosung. Mit Oelfirniss angerieben deckt
das Barytweiss wenig, gut dagegen, wenn ee mit einem
gleichen Gewichte Zinkweiss gemischt ist. Dass das
Barytweiss als Oelftrrbe nicht geeignet erscheint, mag
seineu Grund zuni Theil darin haben, dass es in Folge
seiner chemischen Beschaffenheit durch das Oel nicht
zersotzt wird, wiihrend bei der Anwendung yon Zinkweiss
+
+ +
-
zur Technologie des Baryts.
237
und Bleiweiss stets ein kleiner Theil mit der Oelsiiure
dcs Fimisses zu Zink- oder Bleipflaster zusammentritt,
wodurch der Dreckkraft Vorschub geleistet wird. Fur
den Tapetenfabrikanten ist das Barytweiss ein schatzbares
Material in Folge seiner Eigenschaft, sowohl mit als ohnc
Qlanzpraparat, durch die Biirste oinen sonst unerreichbaren
Satinglanz anzunehmen, welche der Feuchtigkeit widersteht. Die Zimmermaler und Stuccatiirarbciter verwonden ebenfalls das Barytweise in grossen Mengen. Auf
glatter Gyps oder Kalkwand mit leichter Leimung
einige Ma1 diiiin aufgetragen, hierauf mit einer dichten
Burste oder mit einem Linirballen abgericben, giebt d i s
Barytweiss eine haltbarc Glanzflache von blendcndweisser
Farbe.
Dass das Barytweiss vor dem Schwerspathmehl unbedingt. den Vorzug verdient, wenn es sich um Farbenmischungen handelt, ist allgcmcin anerkannt. In Folge
seiner absolut weisscn Farbe, seiner indifferenten Beschaffenheit und seiner Unzersetzbarkeit liisst es die ursprunglichen Farbentone durchaus unvcrandert. Mit hochrothen Krapp oder Carminlack versetzt, gicbt das Barytweiss das schonste Rosa, mit Rerlinerblau das lebhafteste
Hellblau.
Als mineralisches Lumpensurrogat in der Papierfabrikation ist das Barytweiss sehr gceignet, insofern
ee weisser ist als das Lenzin und sich feiner zortheilen
lasst als dor Qyps (welcher letztere den Papiermuhlen
unter dem Namen Annaline oder Milchweiss zugeht).
Auf 100 Kilogramm Oanzstoff verwendet man 15 Kilogramin teigformiges Barytweiss. Der Zusatz von Barytweiss zur Papiertnasse ist in mancherlei Hinsicht vortheilhaft, nnmlich ordingre und mittelfeine Papiere gewinnen dadurch an Weisse, der bei dunnem Papiere
eintretende Uebelstand des Durchscheinens wird his zu
einern gewissen Grade dadurch aufgehoben, der Festigkeit des Papieres geschieht dadurch kein Abbruch, und
endlich wird das Papicr durch einen Barytweisszusatz
-
Wagner,
238
-
wohlfeiler.
In neuester Zeit wendet man auch den
schwe0igeauren Baryt in der Papierfabrikation an, welcher erst als Antichlor wirkt und dann, nachdem er in
Barytweiss ubergegangen, die Masse des Papieres vermehren hilft. - Dass auf nasaem Wege erhaltener kieselsaurer Baryt in der Papierfabrikation ale Fullstoff ebenfalls wird Anwendung finden konnen, unterliegt keinem
Zweifel. Aus okonomisclien Griinden ist es nber nothig,
dass dieses Barythydrosilicnt als Nebenproduct bei irgend
einem chemischen Processe gewonnen werdc. Ob harzsaurer Baryt - durch Fiillen von Harzseife mit Chlorbaryum erhalten - entweder fiir eich oder in Verbindung
mit harzsaurer Thonerde zur vegetabilischen Leimung
Verwendung findcn kann, ist erst durch Versuche fedzustellen.
Das Barytweise findet ferner zum Appretiren der
Haurnwolle und Leinenzenge Benutzung. Anstatt dcr
Knochenerde und des Zinkoxydes kann es zur Darstellung von Slilchghs und Email Verwendung tinden.
Zu englischem Steinzeug (dry bodies) und dern Jaspisgute
(Jaaper-ware) verwendet man dio eisenfreiesten Sorten
Schwerspath, wclcher letztere in neuercr Zeit auch als
Zusatz zum vulcanisirten Kautschuk, wie e. B. behufs
der Herstellung von Kegelkugeln, Billardkugeln u. dergl.
Verwendung findet.
Der kohlensaure Baryt - am zweckmassigsten in
Form von fein gemtlhlenem Witherit, ist in neuerer Zeit
vorgeschlagen worden, urn die letzten Sauredampfe der
Sods- und Gchwefelsiiurefabrikation aufzunehmen, die
durch Wasser, den Kokscondensator und ubliche Apparate
nicht condensirt wurden. In England kam der Witherit
vor einiger Zeit bei der Fabrikation vorziiglicher Sorten
von Krystallen und Spiegelglas in Gebrauch.
Vor einigen Jahren fand K u h l m n n n in einem
Ofen, der zur Reduction des schwefelsmren Baryts zu
Schwefelbaryum diente, Ultramarin, und zwar B a r y t-
ZUY
Technologic des Baryts.
230
U l t r a m a r i n , d. h. Ultramarin, in welchem das Katron
durch Baryt ersetzt worden ist.
W ird kohlensaurer Baryt mit Kohlentheerpech (sog.
Asphalt) und Siigespanen in einer thonernen Retorte anhaltend gegluht, so geht derselbe grosstentheils in k a u s t isch e n B a r y t uber, der in technologischer Hinsicht
hochst wichtige Eigenschaften besitzt und alle Benchtung
von Seiten der chemischen Industriellen verdient. B o u ss i n g a u l t hat (1861) gezeigt, dass rvenn man uber bia
zum dunklen Rothgluhen erhitztes Ihrythydrat Luft leitet,
das Wasser ausgetrieben und Aetzbaryt und dnnn Baryuin.
superoxyd gcbildet wird, welchecl letzteres durcli stiirkeree
Erhitzen in Sauerstoffgas iind Baryt zerfallt. Dieses
Verfahren erregtc sofort nach seinem Bekanntwerden
grosses Aufsehen und zwar in doppcltcr Hinsicht, einmal
glaubte man ein Verfahren gefunden zu haben, den atmospharischen Sauerstoff auf billige 7Veise herstellen und
fiir technischc Zwecke verwenden zu konneo, dae andere
Xal sah der technische Chemikcr in dcm Baryumsuperoxyd das Nittel zur zweckmiissigen Bcschaffung des
Wasserstoft'super~ydes, eincs Kiirpers, von dem man
allgemein erwartetc, dass er uber lang oder krirz an die
Stelle des Chlorkalkes treten und dadurch die Rleicherei
aiif die einfachste Operation zuriickfuhren wiirde. Diese
Hoffnungen haben sioh aber keineswegs verwirklicht j die
lsolirung ~ C atiiiosphiirischen
E
Sauerstoft'cs mittelst Baryt
ist im Grossen. aiif einigc Schwicrigkeitcn gestossen und
iiberdies durcll die neuerdings yon d e L u c a und D e v i l l e ermittelten Methodcn der uberaus vortheilhaften
Darstellung des Sauerstoffs aus Schwcfelsaurc total in
den IIintergrund gedrlingt worden. Und was das Ihryumsuperoxyd und das nus ihm dargestelltc , g e s a u e r s t o f f t c .
W a s s e r u anlangt, so haben ncuerc Versuche gelehrt,
dnss es als Bleichmittel diirchnus keinc Beachtung verdient. (Wollte man sicli der Barytyraparate zur tcchnischen Sauerstoffgewinnung bedienen, so konnte man den
Barytsalpeter verwenden. 1 Kilogrm. dieses Salzes gab
240
Wagner,
beim Gluhen 238 Liter eines Gasgemenges, bestehend
in 100 Raumtheilen aus
Stickoxydul . . . . . . .
110
Stickstoff . . . . . . . . . 32,3
Sauerstoff . . . . . . . . . 66,7
100,O.)
Leitet man iiber erhitzten Aetzbaryt einen Strom
von Luft, deren Sauerstoff man vorher durch eine Siiule
gliihender Kohlen in Kohlenoxydgaa verwandelt hat, ao
tritt der atmosphiirische Stickstoff unter dem Einflusse
des Baryts mit dem Kohlenstoff zu Cyan zusammen und
dieser wieder mit den1 Baryt zu C y a n b r t r y u m , einem
in gewerblicher wie ili rein wissenschaftlicher Hinsicht
hochst beachtenswerthen Korper. In techiiischer Beziehung’ kann er Anwendung finden
1) zur Dsrstellung von C y a n k a l i u m , indem man
die LGsung des Cyanbaryums mittelst schwefelsauren
Kalis zersetzt ;
2) in der B e r l i n e r b l a u f a b r i k a t i o n , namentlich zur Herstellung der helleren Nuancen, indem man
das bei der Zersetzung dea Cyanbaryums qit Eisenvitriol
entstehende Barytweiss zur Verdiinnung dea Berlinerbluues benutzt;
3) zur Bereitung des B a r y t b l u t l a u g e n s a l z e e
(Ferrocyanbaryum), das ohne Zweifel in der nachsten Zeit,
mindestens theilweise, an die Stelle des Ferrocyankaliums
treten diirfte ;
4) zur Darstellung der F e r r o c y s n w a e s e r s t o f f s a u r e (erhnlten durch Zersetzen der vorigen Verbindung
mit Schwefelsiiure), die in Folge ihrer Eigenschaft, beim
Kochen unter gleiclizeitiger Einwirkung der Luft, unter
Entwickelung von Rlausiiure, Berlinerblau zu bilden,
zur Erzeugung von Bleu de France ausgedehnte Anwendung findet;
5 ) zur Berstellung von C e m e n t s t a h l .
Seitdem
man weise, dass die Elemente des Cyans wesentliche
Beetandtheile des Stahles sind, hat man sich mit Vortheil
zur Technologie des Bavyte.
241
der Cyanver bindungen, nainentlich des Cyanbaryums zur
Stahlbildung bedieut;
6) zur :Fabrikation von A niino n i a k und A m 111 o n i a k s a l a e n . Leitet inan uher das durch Gluhen ron
kohlensaurem Baryt mit kohlenhaltigen Substanzen erhaltene Uemenge von Cyanbaryuni und Aetzbaryt, bis
auf 3000 erhitzte Wasserdgmpfe, so entweicht Aminoniakgas und es bloibt kohlensaurer Ijaryt (durch Zerlegung
des ursprunglich vorhandenen anieisensauren Bargtfi) zuruck. Llsst inan die Zersetzung des Cyanbaryums durch
iiberhitzte Wasscrdiimpfe bei Qegcnwart von Allroholen
odcr alkoholiihnlichen Kiirpern vor sich gehen, so erhalt
man die A i c m o n i a k b a s e n . A n i l i n z.B. kann man
darstellen, indem nmn uber Cyanbaryum ein bis auf 3000
erhitztes Geroenge von' Wasserdampfen und Plienylsaure
leitet, A e t 11;y I a m i n , indem inan Cyanbaryum auf gleiche
Weise niit Rranntweindainpfen behrindelt. Wie wichtig
eine wolilfeilz und eweckmassige Mcthode der Ilarstellung
von Acthylainin fur die Technik sein wurde, liegt auf
der Hand, wenn man einige seiner Eigenscliaften naher
ins Auge fasst. Das Aethylamin lijst Tlionerde in reichlicher Menge. zu Aethylaniin - Aluminat, welches an der
Luft alles Aethylamin verliert uiid Thonerde hinterliisst.
Er wurde daher das Aethylaniin - Aluminat ale die beste
Thonerdebeize die ubrigen Mordants in der Farberci verdrangen, sobald es gelungen sein wird, mittelst Baryt
das Aethylamin fabrikrnassig zu erlialten. Auch in der
Krappfarberei kann das Aethylaniin grosse Wichtigkeit
erlangen, d a inan Mordanciren und Ausfarben in e i n e
Operation vereinigcn kann ; ebenso im Zeugdruclr, wobei
man nur eine verdickte Liisung von Thonerde uiid Alizarin in Aethylamin aufzudruclten hatte. Dass in der analytischen Chemie die Trennung der Thonerde voin Eisenoxyd mitteliit Aethylamin ausgefuhrt werden kann, ist
bekannt.
Der Aetzbaryt besitzt die wichtigo Eigenschaft, mit
Rohrzucker :in der Siedhitze eine unlosliche Verbindung
16
Arch. d. Pharm. CLXII. Bds. 3,Hft.
242
Wagner, zur Teohnologie des Barytu.
von Z u c k e r b a r y t (Cl2H11011BaO) zu bilden. Die
bisher gebrauchlichen Methoden der Gewinnung von
Rohrzucker aus den Ruben beruhen sammtlich auf einer
Ueberfuhrung der fremden Stoffe in eine unlosliche Form
oder Verbindung, mitbin auf einer hbscheidung dieser
Stoffe von dem Zucker. Das Umgekehrte, niimlich die
Trennung des Zuckers von den fremden Stoffen durch
Ausfallen des ersteren aus dem Safte oder aus der Melame ist durch die Anwendung des Baryts ermijglicht.
Der als Niederschlag sich ausscheidende Zuckerbaryt
wird oon der Flussigkeit, in welcher alle iibrigen Substanzen gelost bleiben, getrennt, dann in reinem Wasser
suspendirt und durch Kohlenssure zersetzt. Man erhlilt
eine Zuckerlosung, welche wie gewohnlich rerkocht, nnd
andererseits kohlenssuren Baryt, welcher wieder auf Aetzbaryt verarbeitet wird. Die Gewinnung des Zuckers
mittelst Baryt hat allerdings im Grossen Schwierigkeiten
mancherlei Art im Gefolge, so dass die praktische Anwendung, welche eine Zeit lang davon gemacht wurde,
schon wieder aufgehort hat. Es ist aber i n dieser Sache
das letzte Wort sicherlich noch nicht gesprochen!
Der s a 1p e t e r s a u r e B a r y t (Rarytsalpeter) lasst
sich entweder durch Zersetzen von Chlorbaryum mit
Chilisalpeter oder auch nach der gewohnlichen Methode
der Salpeterbildung aus Witherit und faulenden Thiersubstaneen darstellen. Ich habe vor einigen Jahren vorgeschlagen, in gewissen Fallen den theuren Kalisalpeter
durch den billigen Barytsalpeter zu ersetzen, so zur Bereitung der Salpetersaure mit oder ohne Destillation, zur
Reinigung dor Glasmasse, zur Rereitung der Zundholzmasse, in der Feuerwerkerei und zur Bereitung dee
Schiesspulvers j (in leteterer Hinsicht sind jedoch ungeachtet zahlloser Versuche und langjahriger Bemiihungen
noch grosse Schwierigkeiten zu besiegen). Die Luftbest5ndigkeit und der Umstand, dass der Barytsalpeter
kein Krystallwass hat, sind fur seine kunftige Benutzung
wichtige Momente. Dass Bolle y neuerdings vorgeschlagen
Wagner, Darstellung von Jodcalcium.
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hat, mittelfit Barytsalpeter aue Chilisalpeter gewohnlichen
Salpeter derzustellen, ist oben bereits erwahnt worden.
Da der B:wyBalpeter nach dem Gluhen - unter Entwickelung eines Gases, welches, wie schon gesagt, 66,7
Volumenproc. Sauerstoff enth#lt - Aetzbaryt hinterlasst,
so verdient er auch in dieser Hinsicht Beachtung.
Da.; B a r y t ch 1o r a t liefert ein grunes Feuer von
grosser Schonheit und wird dasselbe vielfach in der
Kunstfeuerwerkerei benutzt. Der b a s i s ch ch r o m e a u r e
B a r y t findet unter dem Namen gelbes Ultramarin, Barytgelb, Perrnanentgelb oder Steinbuhler Gelb als gelbes
Farbmsterial eine, wenn auch beschrankte Anwendung.
Dass der s c h w e f l i g s a u r e B a r y t eben so gut wie der
schwefligsaure Kalk Handelsartikel sein s o h , ist klar;
ausser als Antichlor, eur Bereitung von Jodkalium und
ahnlichcn Jodmetallen u. s. w., wurde das Barytsulfit in
vielen Fallen in der Industrie Anwendung finden konnen,
wo man gegenwartig sich der fliissigen schwefligen Saure
bedient. Der u n t e r c h l o r i g e a u r e B a r y t (von v o n
K u r r e r schon vor mchr als dreissig Jahren unter den
beachtenswerthen Bleichmitteln als Chlorbaryterde aufgefiihrt) diirfte in Losung vielfache Anwendung finden
konnen; mit Zinkvitriol zerlegt, fallt ein Gemenge yon
Barytweiss und Zinkoxydhydrat nieder und in der Losung bleibt untcrchlorige Saure.
Darstellung von Jodcalcium ;
yon
Professor Dr. R u d o l p h W a g n e r .
Das Jodcalcium, welches in neuerer Zeit haufig in
der Photographie Verwendung findet, wird nach v. L i e b i g 's Vorschrift*) dargestellt durch Zusammenbringen
von 1 Th. Phosphor mit 20 Th. Jod und 40 Th. Wasser
*) Annalen der Chemie nnd Phnrm. CXXT, pag.222.
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