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Die ansteckenden Krankheiten und die Mittel zur VerhUtung und gegen Verbreitung derselben.

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ARCHIV DEE PHARMACIE,
5. Band, 2. Heft.
A. Originalmittheilungen.
Die ansteokenden Hrankheiten und die Mittel zur
Verhiitung nnd gegen Verbreitung derselben.
Von E. R e i c h a r d t in Jena.
Die mannigfaltigen Bemiihungen auf diesem wichtigen
Gebiete der Gesundheitspflege haben noch keine so greifbaren Resultate ergeben, dass man mit irgend einer Bestimmtheit Mittel gegen einzelne oder siimmtliche ansteckende Krankheiten nennen und empfehlen konnte; im Gegentheil schwindet
ein empfohlenes Medicament oder Desinfectionsmittel und
dergl. nach dem anderen von dem Standpunkte der Unfehlbarkeit und diese Sachlage hat leider auch zu der Annahme
Anlass gegeben , die Ergebnisse der bisherigen wissenschaftlichen Forschungen uberhaupt iiber Bord zu werfen und sich
auf den Standpunkt der reinen Negation zu stellen. Eine
Beleuchtung der gegebenen Thatsachen hinsichtlich der Aufgabe der Gesundheitspflege sollen diese Zeilen versuchen.
Mit welcher Erstaunen erregenden Schnelligkeit Epidemien sich verbreiten konnen, s o b a l d d e r g e e i g n e t e B o den dafiir g e g e b e n , ist bekannt, man kommt auch ohne
jeden chemischen Beweis zu der unliiugbaren Thatsache, dass
die Luft oft Trager der die Krankheit verbreitenden nnd
erregenden Stoffe sein muss. Vielleicht ist es gut zu erwahnen,
dass die Zeit der Annahme von Geistern und neckischen
Kobolden langst verschwunden ist , nicht Processionen oder
sinnliche Opfer konnen Hiilfe bringen, sondern nur thatkraftiges nnd verstiindiges Eingreifen von Seiten aller dabei
Arch. d. Pharm. VIII. Bda. 2. Heft.
7
98 E. Beichsrdt, Die ansteck. Krankheiten n. d. Mittel s. Verhiitnng etc.
Interessirten. Die Chemie hat liingst die Existenz von dem
Auge direct nicht sichtbaren Gasarten erwiesen, welche haufig
rasch tiidtlich wirkende Gifte sind und die mikroskopischen
Forschungen haben ebenso dem unbewaffneten Auge unsichtbare Thier - und Pflanzenforrnen erkannt , welche gerade bei
den so rasch auftretenden Vertinderungen der Umsetzung
organischer Gemische einen wesentlichen Einfluss ausiiben.
Diese gewiss wichtigsten und folgereichsten Entdeckungen haben in manche, bis dahin dunkel erscheinende Vorgiinge
in der Natur Licht gesendet und namentlich die neueste Zeit
suchte auf diesem Wege die Ursache der epidemischen Krankheiten zu finden, und wenn nicht diese, doch die Verbreitung
derselben. Binsichtlich der kleinsten Organismen, besonders
der Pilzkeime, ging man so weit, denselben nicht allein die
Verbreitung der allgemeihen Zersetzung organischer Gemische
zuzuschreiben , sondern versuchte mit anerkennenswerthem
Fleisse , bestimmte Pilze' oder bestimmte Formen derselben
als Erreger - Ursache - der einzelnen epidemischen Krankheiten nachzuweisen. Es geniigt wohl, auf die Annahme des
sog. Cholerapilzes hinznweisen. Ganz unzweifelheft ist es,
dass bei der Entwickelung solcher epidemischen Krankheiten
namentlich in den Facalmassen der von der Krankheit Ergriffenen eine ungewohnliche Masse dieser niedrigsten Orga&men auftreten , mit kaum glaubhafter Schnelligkeit sich
vermehren und zur Verbreitung der Krankheit, ja der bestimmten Krankheitsform, wesentlich beitragen. Allein ebenso bestimmt wurde erkannt, dass das Auftreten dieser lebendigen
Wesen und namentlich diese auffallige, massenhafte Vermehrung derselben abhangig ist von dem Vorhandensein der
Krankheit selbst. Die bestimmte Krankheitsform, wird durch
Ansteckung von Aussen iibertragen und nun trrigt der so
Erkrankte zunachst den Heerd der epidemischen Verbreitung
in sich, sind Leute vorhanden, welche diese bestimmta Krankheitsform aufnehmen konnen, dazu disponirte, so geht nachweisbar die Verbreitung von dem e i n e n , vielleicht eingeschleppten Falle aus und d a m treten alle diese mit der Verbreitung verbundenen Erscheinungen zu Tage , welche nicht
E. Reichardt, Die ansteck Krankheiten u. d. Mittel z. Verhiitung etc. 99
gekommen waren, wenn nicht erst ein Krankheitsfall zur
Entwickelung gelangt ware. Haufig b d e t sic4 nnd im glucklichsten Falle , kein der Verbreitung geeigneter Heerd; der
Fall bleibt vereinzelt und die Krankheit kommt nicht zur
weiteren Entwickelung. Im umgekehrten Falle verbreitet sich
die Krankheit , begiinstigt durch die Witterungsverhaltnisse,
Jabreszeit, bestimmte an die Zeit gebundene Nahrung z. B.
reifendes Obst u. 8. w., mit der bekannten, Erstaunen erregenden Eile.
Auf der anderen Seite war langst bekannt, dass dieje&
gen Zersetzungsprocesse von thierischen und pflanzlichen
Stoffen, welche wir als Faulniss bezeichnen, bei einigermassen
grosserer Masse gesundheitsnachtheilge Wirkungen a u s s e q
sogar in ganz bestimmten Formen, z. B. bei der Faulniss von
Massen pflanzlicher Reste, in den Siimpfen, tritt das Sumpffieber, Wechselfieber auf. Man bat die hierbei erzeugten
gesundheitsschiidlichen Stoffe mit dem Namen M i a s ma oder
C o n t a g i u m belegt , ohne damit chemisch genauer zu begrenzende Stoffe bezeichnen zu konnen. M i a s m a SOU mehr
die gedachten, gasartigen Stoffe bezeichnen, welche dem Boden
entstromen und hier auf vorhandene, in Zersetzung befindliche sog. organische Substanzen zuriickgefiihrt werden miissen. C o n tagium ist dagegen das von Kranken zu Kranken
iibertragene Gift oder der Ansteckungsstoff; derselbe kann
ebenso gasformig sein, jedenfalls leicht vertheilbar.
Unbestreitbar und langst vor der neueren Untersuchung
anerkannt ist das Vorhandensein von S t o f f en, welche derartige gesundheitaschadliche Wirkungen hervorrufen; dieselben
mussen entweder in unendlich kleiner Masse die Krankheitserscheinung verbreiten und einzuleiten im Stande sein , oder
von einer Beschaffenheit, die wir bis jetzt, trotz unserer so
sehr gesteigerten Hiilfsmittel , noch nicht nachzuweisen im
Bind. Eine leicht anschauliche Aufklarung erwartete
rind suchte man in den niedrigsten Organismen oder in
gewissen Uebergangsformen derselben, in den nur mikroskopisch erkennbaren Pilzkeimen oder Thierformen und ist weder
7"
100 E. Reichardt, Die ansteck. Krnnkheitcn u. d. Nittel z. Verhiitung etc.
Miihe noch Geld geschont worden, um hier einfache Grundlagen zu erhalten.
Diese niedrigsten Organismen finden sich iiberall verbreitet , wo noch die Lebensbedingungen geboten werden und
selbst dann, wenn hiiher organisirte Pflanzen oder Thiere
liingst nicht mehr sich entfalten konnen. Luft, Wasser, Erde
verbreiten diese lebenden Wesen gemeinsam, nur auf verschiedene Weise und wo so ein Keim hingelangt und B o d e n
f i n d e t , s i c h zu e n t w i c k e l n , da geschieht das letztere.
In kiirzester Zeit entstehen aus einem Individuum, einer
Zelle, Massen von neuen Zellen in millionenfacher Zahl, jede
einzelne neugebildete Zelle wieder Qhig, zu wandern, d. h. von
Luft oder Wasser getragen zu werden, um an andcrem,
geeigneten Orte dieselbe Entwickelung zu beginnen. Allein
ein derartiges Leben ist unmoglich ohne weitergreifende chemische Thatigkeit. Die lebende Zelle, mag sie auch noch so
klein sein, bedarf zum Leben und nun vollends zu ihrer Vermehrung Kahrung und zwar bestimmte Nahrung, die sie oft
selbst erst mit bereiten muss. Indem die Zelle Lebensstoffe
in sich aufnimmt , andere wieder ausscheidet , tritt unbedingt
ein ebenso regsamer Verkehr mit der Nahrung liefernden,
ausseren Umgebung ein.
Erst spat und in neuester Zeit wurde es erkannt, dass
die langst bei der Bereitung von Bier, Wein oder Branntwein
benutzte Hefe nichts anderes sei, als eine Pilzform, ein Uebergangsstadium von Pilzen , welches unter geanderten Verhaltnissen sich auch andert in Form, in der Entwickelung anderer
Organe, in der Art und Weise der Vermehrung. Wahrend
die eigentliche alkoholische Hefe sich in unglaublicher Masse
vermehrt durch einfache Zelltheilung , bildet der unter anderen Umstiinden daraus sich entwickelnde Schimmelpilz fruchtahnliche Formen, welche bei dem Zerreissen unzahlbare,
kaum sichtbare Samen ausstreuen und der Luft, dem Wasser, dem Boden zur aeiteren 'Ferbreitung mittheilen.
Aber diese alkoholische Hefe, oder diese ganz bestimmte
Uebergangs - Entwickelungsform von Schimmelpilzen besitzt
die Fahigkeit , chemiache Veranderungen zu veranlassen und
E. Reichardt, Die ansteck. Krankheiten u. d. Mittel z. Verhiitung etc. 101
zwar ganz bestimmte, nur dieser Form angehorende , soweit
die jetzigen Forschungen Aufschluss zu geben im Stande
sind, nemlich die Zersetzung des Zuckers in Alkohol und
Kohlensaure. Es geniigt vollstandig, auf unsere grossartigen
Brauereien, Brennereien u. s. w. hinzuzeigen, um den Beweis
zu liefern, wie genau der Fleiss der Menschen diese Thatigkeit des Hefenpilzes untersucht und fir practische Zwecke
nutzbar gemacht hat und dennoch ist es nichts weiter, als
dass man die Lebensbedingungen einer bestimmten, mikroskopisch nur erkennbaren Pilzform feststellt und, weil brauchbar fur unsere eigenen Zwecke, diese ausbeutet.
Das bekannteste Beispicl der chemischen Zersetzung
durch Pilzformen ist zugleich das lehrreichste; es zeigt auf
das Ueberraschendste, wie diese Organismen mit der ausseren
Umgebung, hier der Zuckerlosung, in Wechselwirkung treten,
Zersetzungen veranlassen , dcnn ohne Hefe geht keine derartige Umsetzung des Zuckers vor sich, und der bekannte,
rasche Verlauf bei der Bereitung von Wein, Bier und Branntwein ist Beweis, welche Massen von Stoff durch so niediig
organisirte Wesen verandert , in anderweitige chemische Zersetzung iiberfuhrt werden konnen. Auf das grosse Ganze
der Natur ubertragen liegt aber in diesem so bekannten
Vorgange auch der Weg gezeichnet, was fur mannigfaltige
Umanderungen chemischer Art durch so niedrig entwickelte
Organismen eingeleitet und bewerkstelligt werden konnen !
In der That, betrachten wir die allverbreiteten Umsetzungen von den Abfiillen des Thier- und Pflanzenreiches, die
Processe der Faulniss, Verwesung und Vermoderung, so findet
sich all iiberall auch die Entwickelung dieser dem Auge
meist unsichtbaren lebenden Keime und dienen dieselben wie
haufig zur Kenntniss oder Erkennung der Zersetzungserscheinung selbst. Aber i n dem erwahnten und bekannten Vorgange der sogenannten a l k o h o l i s c h e n G a h r u n g liegt
noch ein anderer, gerade fur diese Betrachtung wichtiger
Beweis. Wir betrachten die Hefe als eine Entwickelungsform
verschiedener Schimmelpilze , welche , wie diese Organismen
uberhaupt, auch in dieser Gestalt aich vermehren kann und
102 E. Reichardt, Die aneteck. grankheiten u. d. Mittel e. Verhiitung etc.
zwar mit friiher nicht zu denkender Raschheit. Die Vermehrung geschieht hier durch einfache Zelltheilung , sodass
weitere Organe fur die Erganzung neuer Individuen nicht
auftreten, die einfachste Art geniigt , die neuen, lebenskraftigen Keime zu schaffen. Aber um die Hefe' als alkoholische
Hefe zu erhalten, ist es nothwendig, dass Zuckerlosung vorhanden sei, gewisse Salze und namentlich auch geeignete
Warmegrade. Fehlt oder schwankt eine dieser nothwendigen
Bedingungen, so spiegelt sich dies treu in der Moglichkeit
oder in dem Verlaufe der Gahrung wieder. Mit Steigerung
der Warmegrade strecken sich die sonst rundlichen Hefenzellen in die Lange und erlangeh nunmehr die FZhigkeit, den
Alkohol bei Luftzutritt in Essigsayre zu rerwandeln, oder
den Zucker in Milcbsaure nnd je langgestreckter, endlich
stabfbrmig die Hefenzellen auf'treten, um so mehr sind dieselben geeignet, sog. saure Gahrung hervorzurufen.
Die E r h a l t u n g d e r Hefen- oder Pilzform hangt
demnach von ganz bestimmten Verhaltnissen a b
und eine Aenderung derselben wird ebenso a n d e r e
c h e m i s c h e U m s e t z u n g e n h e r v o r r u f e n , Die Art der
chemischen Umsetzung ist demnach wiederum abhiingig von
der Art und Beschaffenheit des die Umsetzung begleitenden
Pilzes.
Diese in der Technik langst bekannte Thatsache, friiher
bekannt, als man mit Mikroskop 'die Erklarung zu bieten im
Stande war, hatte vielleicht Manchen abhalten sollen, bestimmte
Krankheitspilze zu suchen.
Allein abermals lehrt der Process der alkoholischen Gahrung , dass die Hefe , die bestimmte alkoholische Giihrungshefe, im Stande ist, diese ebenso bestimmte Zersetzungsweise
des Zuckers hervorzurufen , Robald die nothwendigen Bedingungen - zuckerhaltende Pflanzenskfte u. 8. w. - gegeben
werden und soweit die Untersuchungen bis jetzt reichen,
scheint die gleiche Wirksamkeit allen diesen Organismen
eigen zu sein , die mit bestimmten chemischen Verandcrungen
von Gemischen auftreten. Hat sich beispielsweise eine bestimmte Form von niedrigsten Organismen in einem beson-
E. Reichardt, Die ansteck. Krankheiten u. d. Mittel Z. Verhutung eto, 103
deren Grade der Faulniss z. B. von Fleisch entwickelt und
gelangt dieselbe auf anderes dazu geeignetes Fleisch, so tritt
bei diesem letzteren sofort derselbe Faulniss - oder Zersetzungsgrad auf, den der betreffende Organismus mit begleitet hatte.
Durch Aenderungen der Bedingungen konnen jedoch auch
diese Wirkungsweisen sich andern, obgleich erwiesen ist,
dam diese kleinsten Organismen oft weit widerstandsfahiger
sind, als hoher entwickelte der eigenen oder anderer Gattungen.
Wie die alkoholische Hefe uberall, womoglich alkoholische Giihrung hervorruft, bewirkt die Essighefe , Essiggtlbrung, die fade Hefe Faulniss und es steht mit diesen Beobachtungen sehr gut im Einklange, dass eine bei epidemischen
Krankheiten auftretende eigenthumliche Entwickelung solcher
Pilze oder Pilzformen auch die wichtigsten Verbreitungsmittel
fur gleiche Veranderungen in dem thierischen oder menschlichen Organismus werden. Ganz unbedingt lenken diese
Vorgange die grosste Aufmerksamkeit auf sich und sicher
hat man dem Einflusse der niedrigsten Orgahismen bei Verbreitung der Epidemieen eine entscheidende Bedeutung beizumessen. Aber bis jetzt kann man nichts Anderes aussprechen,
als dass alle diese Pilze oder jede dieser Pilzformen die zu
ihrer Entwickelung nothwendigen Bedingungen haben mussen
und Eins ohne das Andere nicht denkbar ist. Je enger der
Kreis der durch diese Pilzentwickelung hervorgerufenen Erscheinungen begrenzt ist, je schwieriger wird es sein, die
dabei nothwendigen Bedingungen festzustellen und zu erkennen,
wenn man erwagt , welche Vorsichtsmaassregeln schon nothwendig sind, um nur den guten Verlauf der alkoholischen
Gahrung zu ermoglichen. Hat daher die wissenschaftliche
Forschung bis jetzt keine bestimmten Pilzgattungen fur einzelne Krankheiten beweisen konnen, so sucht man die Erklarung in dem bekannten Verhalten dieser niedrigsten Organismen, wo schon bestimmte Uebergangsformen im Stande
sind, bestimmte chemische Zersetzungen zu bewirken, so
bestimmt , dass ganz zweifellos diese Zersetzung mit der
besonderen Form verkniipft auf'tritt.
104 E.Reichnrdt, Die anateck. Krankheiten u. d. Mittel z. Verhfitung etc.
Urn so grossere Bedeutnng, und bis jetzt noch ungeniigend beachtct , gewinnen die Bedingnngen, unter welcher!
eine bestimmte Umsetzung oder eine bestimmte Entwickelung
von Pilzkcimen stattfindet. So weit man die Untersuchungen
jetzt ausdehnte, hat man das hiermit vollig stimmende Resultat erhalten , dass eine bestimmte Krankheitsform auch
einen bestimmten , geeigneten Boden zu ihrer Entwickelung
bedarf, d. h. geeignete Personcn, die sich schon in einem
bestimmten Zustande der Empfiudlichkeit oder Empfiinglichkeit befinden, geeignete der Gesundheit unzutragliche Verhaltnisse der Umgebung, der Wohnung, welche die Entwickelung der Krnnkheit begiinstigen und wie oft auf bednuernswerthe Weise sich geltend machen. Hluser, wie Strassen
beweisen sich dann als Heerde der Rrankheit und unerbittlicli
rnfft der Tod die Opfer hin, bis alle oder der grosste Theil
der s o disponirten Personen unterlegen sind.
Tritt irgendwo Diphtheritis auf, so sind alle in dieser
Gcgend lebende Personen der Ansteckung ausgesetzt , die
eine mehr, die eine weniger. Gelangen die bei dieser Kranliheit auftretenden Pilzforluen mit einer l’erson in Beriihrung und
mit den die Ansteckung erleidenden Organen und findet sich
hier die noch nothwendige Disposition, so entwiclielt sich auch
hier diese rasch rerlaufende Kranliheit , verbnnden mit dcr
eben so rasch vor sich schreitenden Pilzrcgetation. W a r die
Person nicht disponirt , so findet der Anstecliungspilz keinen
Boden, er entwickelt sich gar nicht, oder was eben so oft
beobachtet, in einer rasch untergehenden und nicht schiidlichen
Form, demnach geiindert mindestens in der Wirkung , treten
die Pilzc auf und verschwinden alsbald.
Genau s o , wie bei der alkoholischen Giihrung, ohne
Zucker keine Giihrung durch Hefe ; bleibt letztere ein wenig
zu lang der Wirkung der Luft ausgesetzt, so entsteht nicht
mehr Alkohol aus dem Zucker, sondern ebenso rasch Saure
und war die Aenderung der Hefe noch weiter fortgeschritten, so ist dieselbe fahig, Faulniss zu erregen. Dieselbe Hefe,
nur etwas geanderte Form und dann ganz andere Wirkung!
E.Reichardt, Die anateck. Krankheiten u. d. Mittel z. VerhLtmg etc. 105
Stellt man, um Grundsatze fest zu halten, als sllgemeine
Bedingungen fur solche (;~hrungserscheinungenfest: WS r m e ,
W a s s e r , L u f t und nun noch das durch die Hefen- oder
Pihform zersetzte Ma t e r i a 1, den Zucker oder die bei einer
bestimmten Rrankheitsform auftretenden noch unbekannten
Substanzen, so ist leicht denkbar, welche Mannigfaltigkeit in
den Zersetzungserscheinungen durch Aenderungen innerhalb
der einzelnen Bedingungen entstehen kann. Die eine Zersetzungsweise bedarf etwas mehr Warnie, weniger Wasser,
den ungehinderten Luftzutritt oder kann nur bei Gegenwart
ganz besonderer Materialien, die zu dem bestimmten Vorgange nothwendig sind, stattfinden. Und diese so unendlich
vielfache Gestaltung erschwert gewiss die genaue Xenntniss
einer bestimmten Gahrungserscheinung sehr bedeutend und
offnet anch hier ein noch unbegrenzles Feld der Forschung,
was bei der bisherigen Betrachtungsweise der in innigstem
Zusammenhange stehenden Vorgange bei epidemischen Krankheiten noch ou wenig Beachtung fand. Vielleicht geben diese
Zeilen Anlass zu genauerer Beobachtung der Gahrungsbedingungen, hoffentlich fuhren sie hier und da zur Renntniss der
besonderen Gahrungsmaterialien. Vielleic6t lehrt aber digse
nur der practischen Beobachtung entlehnte Auffassung von
Neuem , dam die Entwickelung einer bestimmten Pilzform
cben einen dazu geeigneten Boden, d. h. die dazu nothwendigen Bedingungen voraussetzt und eines ohne das Andere
eben nicht vorkommen kann.
Um so mehr Aufmerksamkeit nehmen die iiusseren Verhaltnisse in Anspruch, welche eine derartige Entfaltung einer
Epidemie ermoglichen. So wenig man auch im Stande war,
bestimmte Rrankheitspilze nachzuweisen , so wenig ist in
Zweifel zu ziehen, dass diese niedrigsten Organismen bei sehr
vielen und nsmentlich ansteckenden -Rrankheiten in auffallender Weise auftreten und sicher auch zur Verbreitung mit
beitragen, sei es als Trager des Ansteckungsstoffes, sei es
als thatsachliche Erreger der mit der Krankheitsform verbundenen chemischen Zersetzungsprocesse.
106 E.Reichardt, Die aneteck. Krankheiten u. d. Wttel z. Verhiitung etc.
Sind die Pilxe allein diese Rrankheitserreger und Verbreiter? Diese Frage ist ebenso eine noch vollig offene; sehr
viele Falle deuten darauf hin, dass auch giftige, gesundheitsnachtheilige Stoffe , unter Umstanden die Krankheit oder
Krankheitsform verbreitende Gase oder Bestandtheile der Luft
auftreten, z. B. die so rasche Uebertragung bei schlecht
eiternden Wunden auf andere nkher oder entfernter gelegene
ansteckbare Kranke und die folgende, vielleicht unaufhaltsame
Blutzersetzung. Bei der schon an und fur sich schwierigen,
ja unmoglichen Nachweisung einer einzelnen Pilzzelle , welche
unter Umstanden wie leicht von der Luft verbreitet werden
nnd uberall die ihr eigene Zersetzungsthatigkeit hervorriifen
kann, ist ein Ausschluss der Gegenwart derselbcn unmoglich,
und nicht nur die Luft, selbst der Hulfe spendende Arzt
kann ganz unbewusst Trager des AnsteckungRstoffes sein,
mag derselbe gasformig, fliissig oder fest sein oder die Form
solcher Organismen besitzen.
Auch diese Anschauung fuhrt wiederum zuriick , nicht
auf die Ansteckungsstoffe selbst, denn diese kennen wir bis
jetzt zu wenig, sondern auf die allgemeinen Verhaltnisse,
welche besonders gesundheitsnachtheilig wirken , und diese
fernzuhalten und zu beseitigen ist und bleibt die Aufgabe
der Gesundheitspflege; es wird dieselbe auch keineswegs
geandert durch die bisherige unvollkommcne Kenntniss der
einzelnen Erscheinungen.
Zwei grosse, verbreitete Processe sind in der Natur
ununterbrochen thiitig, Reste von Thier und Pflanze zu zerstoren - F a u l n i s s und V e r w e s u n g . Die V e r w e s u n g
ist langsame Osgdation , langsame Verbrennung und liefert
wie diese endlich Kohlensaure und Wasser, bei dem Stickstoff allmlhlich Salpetersaure und 80 wiirden die das Organische ziisammensetzenden Elemente : K o h 1 e n 8 t o f f , W a s Rerstoff, S a u e r s t o f f , S t i c k s t o f f wieder in einfachste
Sauerstoffverbindungen uberfiihrt sein, die, wenn nicht in ungewohnlicher Menge geboten , der Gesundheit nicht nachtheilig sind. Auch Scbwefel, Phosphor u. 8. w. geben hierbei
Schwefel - und Phosphorsaure. Die thateachliche Verbrennung
E. Reiohardt, Die ansteck. Krankhgiten u. d. Mittel z. Verhiitung etc. 107
organischer Substanzen wiirde unter allen Umstanden zu der
Gesundheit nicht nachtheiligen chemischen Verbindungen f ~ h ren und ist, wenn nothig, stets als bestes Hiilfsmittel zu
bezeichnen, aber in wie vielen Fallen, z. B. im bedeckten
Boden, nicht zu erreichen.
Der F an1 n i s s p r o ce s s schreitet dagegen bei Abschluss
der Luft und des Sauerstoffes vor und bildet demgemass
sauerstoffarme oder ganzlich davon freie Verbindungen, ,Kohlenoxyd, Kohlenwasserstoffe (Sumpfgase) , Schwefelwasserstoff,
Phosphorwasserstoff, Ammoniak und als Riickstand im Grossen
Kohlen oder kohlenstoffreiche Geniische. Diese Producte der
Faulniss sind maistens sehr unbestandig , nehmen mehr oder
minder rasch noch Sauerstoff auf und derartige Gase sind
den hoheren Thieren, welche selbst Sauerstoff im Athmungsprocesse als Nahrung verbrauchen, Gifte. So bestimmt dies
erkannt ist, so ist es doch auch gewiss, dass man die gewohnlichen Heerde der Faulniss nicht auch als die bestimmten
Quellen von Krankheiten bezeichnen kann , sie konnen es
allerdings werden , wie sogleich noch zu erortern ist. Wie
viele Leute haben Beschaftigung mit faulenden Stoffen im
Transport, oder wie haufig werden solche giftige Gase bei
vorsichtiger Handhabung in kleinen Mengen eingeathmet ohne
bleibenden Nachtheil, ohne dass irgend eine bestimmte Krankheit darnach sich einstellt. So weit es bis jetzt moglich war,
auf derartige gasformige Beimischungen der Luft einzugehen,
so weit sind auch gewissermassen verneinende Resultate
erhalten worden, d. h. entweder war es iiberhaupt nicht moglich, solche giftig wirkenden Gase nachzuweisen oder die
gefundene Menge war so unendlich gering, dass man unmoglich die Entstehung einer bestimmten Krankheit und noch
weniger die epidemische Verbreitung davon abhangig machen
konnte. Alle derartigen Untersuchungen ergeben dagegen
mit volliger Bestimmtheit, dass die Ansteckungsstoffe, mogen
sie gasformig sein oder in den vielbesprochenen Organismen
sich finden, bei den zu der Faulniss zu zahlenden Zersetzungserscheinungen auftreten und entstehen. Nach den mit Fleiss
vorangestellten Besprechungen uber die bekannteren Giih-
108 E. Reichardt, Die annteck. Krankheiten u. d. Mittel s. Verhutung etc.
rungserscheinungen ist ein solcher Torgang leicht denkbar
und erklarlich, eine weiter fortnchreitende Faulniss wird ihre
ganz besonderen Zersetzungsproducte , besondere Gahrungsstoffe oder auch Pilzformen fuhren, welche iiberall die gleiche
Art der Urnsetzung zu veranlassen im Stande sind und vielleicht nur in kurz voriibergehenden Nomenten auftreten oder
verschwinden LS. w. Bei Cholera und Typhus hat man die
Beobachtung gemacht , dass gerade die Facalstoffe kurze Zeit
nach der gewohnlichen Entleerung dieses Stadium durchmachen , in welchem ansteckende Stoffe auftreten. Bei anderen Krankheiten mogen die Bedingungen oder die die AnHteckung bewirkende Zustande etwas anders sein ; gewiss ist
es Aufgabe der Forschung, jetzt mehr diesen ausseren Verhaltnissen Aufmerksamkeit zuzukenden, urn diese kennen und
bekampfen zu lernen.
Der Faulnissprocess liefert stets Producte , welche in
grosserer Blenge gesundheitsnachtheilig wirken, in besonderen
Fallen erzeugeu sich nach bis jetzt gewonnenem Einblicke
endlich auch durch ihn diese direct noch nicht bekannten
Ansteckungsstoffe. Die Verwesung liefert dagegen als Endergebniss die Verbrennungsproducte, meit bestindigere und
unschadlichere Formen, welche sofort wieder von den Pflanzen als Nahrung Verwendung finden. Jedoch sind Kohlensiiure, Wasser, Salpetersaure eben die Endergebnisse und ehe
diese allein entstehen , treten eine ganze Reihe Zwischenformen auf, die den Faulnissproducten theilweise nahe stehen,
auch namentlich mit der Entwickelung von Pilzen verbunden
sind ; meistens treten aber schon hoher entwickelte Formen
auf, welche bei Weitem weniger mit den gesundheitsnachtheiligen Wirkungen begleitet zu sein scheinen. Immerbin
beanRpruchen auch diese Zustande aufmerksame Beobachtung
und diirften hier und da mit in Rechnung zu ziehen sein.
Betrachtet man die so rersuchte Characteristik der Entwickelung von Ansteckungsstoffen bei epidemischen Krankheiten vom chemischen Standpunkte aus, urn derselben entgegen
zu wirken oder diese Stoffe zu zerstoren, so wurden die Mittel keineswegs durch die Entdeckung eines, bestimmten
E. Reichardt, Die ansteck. Krankhciten u. d. Mittel
Z.
Verhfitmg etc. 109
Krankheitspilzes oder eines bestimmten Ansteckungsstoffes
beeinflusst werden konnen. Welcher Natur diese unbedingt
vorhandenen Stoffe sein konnen und miissen, ist vollig klar ;
entweder liegen sie in den Pilzformen oder den damit verbundenen, vielleicht in ihnen enthaltenen Substanzen, oder
sind es Gase, Flissigkeiten u. dergl., die durch die Zersetzung
pflanzlicher und thierischer Reste, von Facalstoffen, sich erzeugt
haben und dann gehoren sie unbedingt zu den sauerstoffarmen Verbindungen, wie sie als unvollkommene Zerstorungsproducte bei diesen Zersetzungserscheinungen nur vorkommen
konnen. Der Chemiker wird ebenso wenig den einzelnen
Pilzkeim herausgreifen und todten konnen, wie den Ansteckungsstoff allein herausziehen, er richtet sich gegen die
ihm wohlbekannten Processe und gegen die zur Faulniss
und angehenden Verwesung nothwendigen Bedingungen , urn
hier die Ursachc zu bekampfen und zu beseitigen, ohne welche
der Ansteckungsstoff iiberhaupt nicht entstehen kann. Dass
bei lebenden Wesen oder in der nachsten Umgebung derselben nicht immer die schroffaten Mittel in Anwendung kommen konnen, wie z. B. Verbrennung, liegt auf der Hand und
f ~ r zu
t Untersuchungen iiber die Brauchbarkeit von diesem
oder jenem Materiale und iiber Mange1 an Vorschlagen haben
wir uns jetzt nicht mehr zu beklagen.
Aber die Gesundheitspflege richtet sich natiirlich auch
auf die als schadlich erkannten Zersetzungsprocesse selbst
und sucht diese aus der Nahe der menschlichen Wohnungen
zu entfernen oder die nachtheiligen Wirkungen zu schwachen.
Die Verwesung organischer Stoffe wird stets nur moglich sein, wenn geniigend Luft oder Sauerstoff zutreten kann,
jede Beschrankung fiihrt mehr oder weniger zur Faulniss.
Dumpfe , der Luft wenig zugangliche Zimmer zeigen sofort
die riechenden Gase der Faulniss oder Vermoderung. - Ausdruck fur das gemeinsame Auftreten von Faulniss und Verwesung. - Wiirde man so vie1 lockere Erde, lockerndes Stroh
den Abwurfsstoffen zufiigen konnen , wie beispielsweise auf
dem Acker es selbst geschieht, so wiirde die Verwesung ohne
alle naohtheiligen Folgen fur die Gesundheit. verlaufen , dq
110 E. Reichardt, Die anateck. Krmkheiten u. d. Mittel z. Verhiitung etc.
hier soviel Erdbestandtheile vorhanden sind, dass selbst die
gasformigen Producte zurii6kgehalten und spater von den
Pflanzen als Nahrung verwendet werden. J e weniger Luftmtritt, um SO weniger Verwesung, um SO mehr Faulniss.
Die als Thatsachen hervorzuhebenden Ergebnisse der bisherigen Betrachtung sind demnach : F a u 1 ni s s u n d u n v o 11kommene Verwesung liefern Producte, namentlich gasformige, welche unbedingt gesundheitsn a c h t h e i l i g u n d in e i n i g e r m a s s e n g r o s s e r e r M e n g e
a l s G i f t e zu b e z e i c h n e n sind. Die b i s j e t z t f e s t g e s t e l l t en E r g e b n i s s e h i n s i c h t l i c h d e r E n t s t e h u n g
d e r A n s t e c k u n g s s t o f f e fiihren a u f die g l e i c h e n
P r o c e s s e oder Zustande in d e r Zersetzung organ i s c h e r M a t e r i e n h i n.
P e t t e n k o f e r suchte desshalb den Heerd der Entstehung solcher ~nsteckungsstoffe im Boden. Jeder Boden,
welcher lange mit Wohnungen uberbaut und bewohnt wurde,
enthlilt reichlichst Abfallstoffe, welche namentlich durch die
leider eingeburgerte Sorglosigkeit in uberreichem Maasse dem
Untergrunde von jeher zugefuhrt wurden. Wahrend die Manzendecke etwa eindringende Reste von Thier und Yflanze
bald verschwinden lasst , indem die Producte der Verwesung
als Nahrung dienen, haufen sich ohne diese derartige Substanzen im Boden an, dringen noch in tiefere Schichten, aus
denen wir vielleicht unser Wasser zur menschlichen Nahrung
entnehmen.
P e t t e n k o f e r gab mit vollem Rechte dem Steigen und
Fallen des im Boden stehenden, sog. Grundwassers eine vorher nicht erkannte Bedeutung, denn die hier vorhandenen
organischen leicht zersetzbaren Stoffe , Reste von Abwurfsstoffen oder diese noch selbst, treten bei dem Fallen des
Grundwassers mit der nachdringenden Luft in Beriihmg und
werden umgekehrt bei dem Steigen wieder grosseren Mengen
von Feuchtigkeit ausgesetzt. Beide Erscheinungen, das Steigcn
oder Fallen des Grundwassers bringen geanderte Verhaltnisse
fiir die moglichen Umsetzungsprocesse hervor und dass diese
leicht einen gefahrlichen Character erhalten konnen, ist nach
E. Reichardt, Die ansteck. Erankheiten u. d. Mittcl z. Verhiitnng etc. 111
den vielfachen Beobachtungen nicht zu bezweifeln. Das
Letztere ist jedoch nicht nothwendig , denn die gewohnlichen,
bekann ten Zersetzungsproducte , welche hier auftreten, sind
keineswegs 80 gefiihrlich, sie werden es aber, sobald, vielleicht durch Amsen eingetragen , Ansteckungsstoffe zutreten
und nun in bekannter Schnelligkeit sich vermehren.
Zweifellos ist festgestellt, dass da die Epidemieen ihre
Heerde zur Verbreitung haben, wo gleichzeitig Nodef und
faule Zersetzung , Paulniss oder unvollkommene Verwesung
vorhanden sind. So wird dann die Erde, welche an und fur
sich mit der Zersetzung leicht zugiinglichen Stoffen beladen
ist, zum Trager der Ansteckungsstoffe, die sich vielleicht
ebenso hier weiter entwickeln oder auch nur verbreiten konnen.
Dass W a s s e r , welches einem so verunreinigten Boden
entnommen wird, nie den Anforderungen an reines Quellwasser, reine Nahrung , entsprechen kann , ist wohl ebenso
selbstverstandlich und fuhrt dies zu der zweiten Aufgabe hinsichtlich des bewohnten Bodens, hier , wenn irgend moglich,
kein Wasser zur Nahrung zu entnehmen. Es darf dabei
wohl nur darauf hingewiesen werden, wie oft die Verbreitung
von gefahrlichsten Epidemieen auf Brunnen zuruckgefu6rt
werden konnte. Aber das fliessende Wasser biirgt auch noch
die Gefahr in sich, dass es als Triiger der Ansteckungsstoffe
vermoge der Beweglichkeit dieselben oft weit und rasch verbreitet.
Die Luft tritt sodann als gefliigelter Trager schadlich
wirkender Substanzen hinzu, kann jedoch am Leichtesten
erneuert und in starkere Bewegung versetzt werden.
80 ist es nothwendig, die ganze aussere Umgebung des
Menschen in den Beobachtungskreis zu ziehen, aber die Mittel
zur Verhutung oder namentlich gegen die TTerbreitung der
ansteckenden Krankheiten sind, vom chemischen Standpunkte
aus betrachtet, unbedingt da zu suchen, wo es gilt, den unvollkommenen Zersetzungsprocessen organischer Materien entgegen zu treten, sie zu verhindern, zu beseitigen, sie unschadlich zu machen.
'
F. A. Fliickiger, Docnmente zur Geschichte d. Phrumacie.
112
Die Erkenntniss dieser im Ganzen sehr einfachen Sachlage fuhrt dann von selbst zu den einzelnen Gegenmitteln , welche einer spater folgenden Besprechung vorbehalten
werden.
Jena im Januar 1876.
Docmente zur Geschichte der Pharmacie.
Von F. A. F l i i c k i g e r .
(Schluss.)
68.
Der Stadt M a g d e b u r g ernewerte Apotheken -0rdnung
. . benebst billigen Taxa und verzeichniis aller medicamenten so in beyden Apotheken zu finden. 1 6 6 6 . 124 S.
(Gottinger Bibl.).
Catechu seu Terrae japponicae ein Loth 1 2 Gr., SO vie1
wie Aloeholz, wiihrend z. B. Benzo6 j d s a dulcis) nur 2 Groschen, Perubalsam 6 Gr., Campher 3 Gr., Opium 6 Gr., Gutti
8 Gr., Myrobalani 2 tir,, Copal 4 , Rhabarber 6 , Jlast,is 3. C a t e c h u gehorte somit zu den a l l e r t h e n e r s t e n D r o g e n
jener Zeit! Semen Ricini indici majoris, grana Tylli ein
Stuck 2 Pf. Unter den Drogen ,,quorum valor modb crescit,
modb decreseit," die daher nicht taxirt sind: Piper album,
Piper a e t h i o p i c u m , Piper longum, P. nigrum und P. turcicum, Grana Paradisi.
Diese Taxe hat eine auffallende Aehnlichkeit mit derjenigen von Wittenberg vom Jahr 1646 (No. 50 oben), welche
so weit geht, dass z. B. in beiden Tasen, ohne Zweifel urspriinglich durch ein Versehen des Setzers , Piper i n d i c u m
aethiopicum gedruckt steht, wo Piper .a 1b u m i n d i c u m zu
lesen wire.
6 9.
E. E. und hochw. Raths der Stadt L e i p z i g vor dic
Apotheken daselbst . . . . . Tasa. Leipzig Februar 1 6 6 9.
105 S. (Bibliothek des Geh. Ned.- Rathes Herrn l'rof. P h o e b u s in Giessen.)
. ..
.
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