close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Mitteilung aus dem chemischen Laboratorium der Grossh. Bad. technischen Hochschule Karlsruhe. ber die Theerl-Seifenlsungen in ihrer Anwendung zur Desinfektion insbesondere Uber das Lysol

код для вставкиСкачать
C. E n g l e r u. E. Diecklioff, Ueber Teer6l-Seifenl6sungen.
561
Mitteilung aus dem chemischen Laboratorium der
Grossh. Bad. technischen Hochschule Karlsruhe.
Uber die Tliecrii.l-Seif‘enlii.snngen
in ihrer Anw endung zur Dcsinfektion, insbesondere
iiber das Lysol.
Von C. E n g l e r und E. Dieckhoff.
(Eingegangen den 12. X. 1892.)
I. Allgemeiner Teil.
Losungen von Seifen in Theerolen und von Theerolen in Seifen
sind nach den teilweise erst neuerdings bekannt gewordenen Thatsachen schon vom Jahr 1874 ab zu Desinfrktions- und verwandten
Zwecken fabriziert und in den Handel gebracht wwden. J. S c h en k e l
reklamiert die Prioritat der Herstellung solcher Praparate fur die
von der Chemischen Fabrik Eisenbuttel unter der Bezeichnung Sapokarbol bereiteten Praparate, und in der That findet sich in der
Pharm. Zentralhalle des Jalires 1884 (S. 290) eine Mitteilnng von
H. H a g e r uber wasserlosliches Sapokarbol, desgleichen spater, 1887
und 1888, in der Chemiker-Zeitung von S c h e n k e l selbst uber mit
Wasser emulgierende Mischungen von Seife und Theerol, in welchen
Praparaten offenbar schon die ersten Anfiinge der spateren Desinfizientien Kreolin, Lysol etc. zu suchen sind. Der Umstand jedoch,
dais in den betreffenden Publikationen Angaben uber die eigentliche
chemische Natur jener Praparate und vor allein uber ihre Herstellung nicht gemacht wurden, war wohi der Hauptgrund, weshalb
dieselben in den ersten Jahren nur wenig bekannt und beachtet
wurden. Erst als im Jahre 1887 von Hamburg aus das Pearson’sche
bezw. das Jeye’s Kreolin in den Handel gebracht wnrde und als
1888 dazu auch noch das Artmann’sche Kreolin hinzutrat, schenkte
man diesen Prliparaten grokere Au-Cmerksamkeit.
Schon in damaliger Zeit existierten nach dem oben Gesagten,
zwei Sorten solcher Theerol-Praparate: die mit Wasser emulgierenden,
wozu Sapokarbol 11. und die Kreoline gehorten, und das in Wasser
vollig Iosliche Sapokarbol I. Wie bemerkt jedoch wurden zu Anfang
weder zutreff ende Analysen noch auch die Bereitungsweisen dieselPraparate bekannt gegeben.
Arch. d. Pharm. XX& Bds. 8. Weft.
?6
C. E n g l e r u. E. Die c k h o f f , Ueber Teeral-Seifenlosungen.
562
Im Vordergrund des Interesses standen mehrere Jahre hindurch
ohne Zweifel die Kreoline, deren Zusammensetzung vom Jahre 1887
ab auch allmdig aufgcklart wurde.
Im Mai 1889 meldete W. D a m m a n n das bekannte Patent (R.
P. 52 129) an, in wclchem eine ganz bestirnrnte Methode der Herstellung wasserlijslicher Theerol-SeifenprSiparate beschrieben wurde
nnd zur oKentlichen Eenntnis gelangte, und auf‘ Grund dieses
Patentes wurde dann bald darauf das Lysol der Firma S c h u l k e
& N a y r in Hamburg hergestellt und vcrtrieben. Um Weniges
spater pnblizierte Dr. N o c h t 1) eine Mitteilung uber Herstellung
wiissriger L6sungen yon roher Karbolsaure in Seifen. Xachdem man
den Wert solcher Liisungen, der in der Hauptsache auf der wasserloslichen Form der Kresole beruhte, erkannt hatte. entstanden in dem
Solveol und Solutol von Fr. v. H e y d e n ’ s Xachfolger (R. P. 57 8421,
neuerdings in dem wasserloslichen Phenolin von A r t m a n n iihnliche
l’riiparate bezw. Nachahmungen. 1,etztore Firma legte ihrem Praparate sogar die Bezeichnung ,,T,ysol” (in IUammer!) bei. Der
Umstand, dafs wir uns im hiesigen Laboratorium schon seit Jahren
mit der Frage derllletall- bezm. Seifcn-Kohlenstoff~vasserstoff-Lijsungen
heschiiftigt hatten?), war die Veranlassung, d a k wir auch der in der
Dammann’schen Patent - Anmeldung zur allgemeinen Eenntnis gebrachten interessanten Frage der Untersuchung der SteinkohlonTheerole, also der Kohlenwasserstoffe und der Phenole, in Seifenlosung und damit ihrer Wasserloslichmachung naher traten und genauere Untersuchungen dsriiber anstellten, und schon vor etwa zwei
Jahren wurde der erste Teil dieser letzteren verfiffentlicht. 3) Wenn
S c h e n k e l dieser und anderen Publikationen gegenuber die Prioritat
der Herstellung wasserl6slicher Theerol-Priiparate fiir die chemische
Fabrik Eisenbuttel in Anspruch genornmen hat, so geschah dies, insoweit es sich nm die T h a t s a c h e der ersten Herstellung handelt,
mit vollem Rechte und in einer besonderen Mitteilung4) haben wir
diesem Anspruch auch bereits Rechnung getragen. Xicht beipflichten dagegen kijnnen wir ihm, wenn er das Lysol. dessen Entstehungsgeschichte uns genau bekannt ist, fiir eine Nachahmung
1)
2)
3)
4)
Zeitschrift ftir Hygiene 1889. VII. S. 521.
Dingl. Polyt. Journal 188i. 263. S. 193.
Pharm Ceutral-Halle 1890. No. 31.
Ibid. 1890. S. 649.
C. E n g l e r u. E. Dieckhoff, Ueber Teerol-Seifenlosungen.
563
erklart. Nur Wenige hatten von der Existenz des Eisenbutteler Praparates uberhaupt Eenntnis erlangt und auch uns war
die kurze Ankiindiguag H a g e r s vollstandig entgangenl).
So standen thatsachlich die Dinge, als der Eine von uns mif der
ersten Publikation uber das Lysol hervortrat. I n dieser Publikation
wurde zwischen zwei verschiedenen Theerol-Seifenpraparaten unterschieden und zwar wurden sie vom Gesichtspunkt ihrer Wasserloslichkeit als Losungen von Theerolen in Seifen, wie z. B. das
Lysol, nnd als Losungen von Seifen in Theerolen, wie z. B. Kreolin,
1~7richnet. Die ersteren bleiben beim Verdiinnen mit Wasser vollig
klar, die letzteren dagegen geben Emulsionen.
Ohne irgeiid durchschlagende Griinde anzufiihren, erklartHueppe2)
diese Unterscheidung blos fur eine geistreiche, chemisch unhaltbare
Behauptung. Wir glauben demgegenuber jedoch unsere Dfutmafsung
nicht unterdriicken zu sollen, dafs Herr H u e p p e sich diese seine
Aufserung nicht geniigend uberlegt, am allerwenigsten aber es versucht hat, durch einige Experimente den Beweiv ftir die Berechtigung
seiner scharfen Kritik zu erbringen. Moglich auch, dafs er die
Original-Abhandlung des Einen von uns im Zusammenhang iiberhaupt
nicht gelesen hat, und wir wollen deshalb nochmals kurz darauf zuruckkommen. Wie die friiheren sowie auch die weiter unten mitzuteilenden Versuche beweisen, kann man 1) Mischungen von Kresol
mit Seifen herstellen, die je nach der Menge der Seife beim Verdiinnen mit Wasser klar bleiben oder aber Ausscheidungen von
Kresol gaben; 2) kann man in gleicher Weise KohlenwasserstoffSeifenlosungen bereiten. die j e nach dem gegenseitigen Mengenverhaltnis von Seife und Kohlenwasserstoff beim Verdiinnen mit Wasser
klar bleiben oder aber emulgieren; 3) endlich konnen auch entsprechende Mischungen , welche gleichzeitig Kresol und Kohlenwasserstoffe enthalten, hergestellt werden. D d s die Lijslichkeit der
Kohlenwasserstoffe in Seifen durch die Gegenwart von Eresol etc.
1) Dals in der beziigl. Ankiindigung H a g e r s ein Grund gegen Erteilung des R. P. 52129 nicht gefunden werden konnte und thatsiichlioh
auch nicht gefunden wurde, ist selbstverstandlich, da in derselben weder
uber die wahre chemische Natur noch auch iiber das Verfahren der Herstellung der sogenannten Sapokarboie , welche anfanglich durchaus
nicht so einfach erschien, wie sich vielleicht splter herausstellte, Mitteilung gemacht wurde.
2) Berliner Idin. Wcchensthrift 1’3T.l.S. 1095.
36*
C. E n g l e r u. E. D i e c k h o f f , Ueber TeerBI-Seifenl6sungen.
564
erhoht wird, worauf Hammer1) aufmerksam macht, war uns bekannt und geht auch aus den unten mitgeteilten Versuchen hervor.
Nimmt man genugend Seife, so entstehen in allen Fallen wasserlosliche Produkte, nimmt man ZII wenig Seife, so scheidet sich beim
Verdunnen mit Wasser auch in allen Fallen der Uberschuk des gelosten Korpers, sei es Kresol oder Kohlenwasserstoff oder beides aus. I m
Allgemeinen -- und darin geben wir H u e p p e recht, es war uns dies
aber auch so gut wie Anderen schon Iangst bekannt - sind die Kohlenwasserstoffe schwerer loslich in Seife als die Phenole, scheiden sich
also ,,ceteris paribus" leichter aus.
Wgren nun aber die bisherigen Kreoline nur Lysole gewesen,
welche mehr Kohlenwasserstoff enthalten, bezw. sie emulgierten nur
infolge ihres Kohlenwasserstoff-Gohalts, s o diirften die ausgeschiedenen
Emulsionskugelchen im Wesentlichen auch nur aus Kohlenwasserstoff
bestehen. Es ist aber vollig verabsaumt worden zu untersuchen, ob
denn dieseEmulsionen der Kreoline wirklichnur ausgeschiedener Kohlenwasserstoff sind, was leicht gewesen ware; man hatte dann gefunden,
dak die bei der Emulsion ausgeschiedenen unloslichen Teilchen zum
erheblichen Teil auch a m Kresolen gelnildet sind. I n keiner der gegen
unsere Auffassung gerichteten Betrachtungen, auch in der ausfuhrlichen
Abhandlung H a m m e r s nicht, ist man auf diesen Gedanken gekommen,
wahrend dock gerade dieser Punlrt bei Benrteilung der Wirkungsweise der Kreolins in erster Roihe in Bet,raclit komnit2). Demgegeniiber m u b es auffallen, wenn H u e p p e in der gleichen Abhandlung
bei Vergleichung der Wirkungsweise des Kreolins gegenuber Lysol
und Solveol imrner von emulgiertem Zustand der Kreosole bei ersterem spricht ini Gegensatz zu den gelosten Kresolen des Lysols und
Solveols. Diejenigen Theerol-Seifenl6sungen, welche genugend wasserhaltige Seife enthalten, nm auch bei weiterer Vordunnung n i t Wasser
das gesamte 't'heerol, d. h. Kohlenwasserstoff und Kresule - gelost
zu erhalten, habeii wir eben Losungen von Theeriil in Seife genannt;
xolche Theerol-Seifenmisehungen dagegen, welche bei Zusatz von
-
Archiv fur Hygiene 1892. XIV, S. 119
Sclion hieraus geht hervor, dnls gewohnliches Penrson'sches
Kreolin nicht ohne Weiteres durch Seifenzusatz in Schulke-Mwyr'sches
Lysol umgewa.ndelt werden kann, wie dies von einer Seite empt'ohlen
wird, da das enfstehende Produkt ganz andere Beschaffenheit besitzt
(zu vie1 Seife, Kohlenwasserstoffe u i d zu wenig Kresol), als das Lysol
zu 50 Prozent Kresolgehalt. Noch weniger ist dies rnit Kreolin vou
Artmann moglich.
1)
21
C. E n g l e r u. E. Dieckhoff, Ueber Teerijl-Seifenlosungen.
565
Wasser emulgieren, d. h. das Theerol teilweise ausscheiden, Losungen
von Seife in Theerol. Alle diese Praparate enthalten eben zu wenig
Seife, um die Bestandteile des Theerols inkl. Eresol vollig gelost zu
erhalten. Damit hangt auch der relativ hohe Wassergehalt des
Lysols und der niedrige Wassergehalt des Kreolins (nach Otto 11.
Beckurts 3, 4 Proz., aus der Analyse von Henle zu schliefsen nur
1 Proz.) zusammen.
Ausdriicklich betonen wir jedoch, dafs damit durchaus nicht
bestritten werden soll, dals die Kohlenwasserstoffe schwerer loslich
sind als die Xresole und dab, gleiche Mengen Seife vorausgesetzt,
ein kohlenwasserstoffreiches Theerol ein emulgierendes, ein kohlenwasserstoffarmes dagegen ein wasserlosliches Produckt liefern
kann; wir behaupten nur, es gab und es giebt mit Wasser
emulgierende Praparate (Kreoline) , deren Emulsionen nicht blos
durch Kohlenwasserstoffe, sondern auch durch Kresole gebildet sind,
wahrend es umgekehrt Kohlenwasserstoff und kresol-haltige Praparate giebt, die mit Wasser nicht emulgieren.
Wie O t t o und B e c k u r t s l ) richtig festgestellt haben, ist dabei
auch die Natur der Seife von wesentlichem Einflufs, denn von der
einen Seife gebraucht man mehr, von der anderen weniger, um den
gleichen Effekt zu erzielen und so ergiebt auch, wie aus den nnten
folgenden Versuchsresultaten erhellt , Harzseife mit Theerol noch
Emulsion, wahrend man mit einer gleichen Menge gewohnlicher
Seife schon vollige Loslichkeit erzielt.
Mit diesen Auseinandersetznngen stimmen ubrigens auch die von Hammer2) gemachten
Wahrnehmungen uberein, wahrend wir die Angaben H u e p p e’s uber
Unloslichkeit gewisser Eohlenwasserstoffe in entsprechenden Seifenlosungen nicht bestatigen konnen. Dadurch wird nun aber
auch das von H a m m e r angezweifelte Resultat des von dem Einen
von tins mitgeteilten Versuchs der Uberfuhrung einer kohlenwasserstoffreichen Steinkohlentheerols in vollig wasserloslichen Zustand,
teilweise sogar durch Hammer’s Wahrnehmungen selbst, als vollkommen richtig bestatigt.
Wir benutzen diese Gelegenheit, urn auch auf die Frage der
Alkalinitat des Lysols etwas naher als bisher einzugehen. ’Dabei
1)
2)
Pharmaceut. Centralhalle 1889, S. 227.
A. a. 0. 1892. XIV. S. 190.
C . E n g l e r u. E. D i e c k h o f f , Ueber Teerol-Seifenksungen.
566
miissen wir von vornherein eino unrichtigo Angabe H u e p p e ' s korrigieren. Er sagt in seiner schon zitierten Jlitteilung (S. 1095):
,,Oh diese Praparate mit alkalischer Seife hergestellt werden und
d9shalb diese Reaktion als wesentlich mit zu bcachtcn ist, oder ob
sie auch rnit neutralen Seifen hergestcllt werdon, wie neuerdings
angegeben wird, verrnag ich n i c k sicher zu sagen; fruher waren
die im Handel befindlichen PrSiparate sicher alkalisch." - Den Beweis fur diese Behauptung ist Herr H u o p p e schiildig geblieben.
W i r wollen ja nicht daran eweifeln, dafs er in der That einmal ein
alkalisch reagierendes Lysol in H h d e n gehabt habon mag. Dafur
jedoch, dafs dieses Priiparat einer Originalflasche direkt entnommen
war, fehlt vorerst jede Garantie. W i r muvson dios auf Grund unserer
Versuche, die uns bei vielon Dutzendan von Lysol. pur. ausnahmslos
neutrale Reaktion ergaben, vielmehr bezweifeln. Aber selbst, wenn
dem so ware, so konnto os sich nur nm eine Ausnahmo handeln, da
zu den ICriterien fur reines Lysol ausdrucklich auch neutrnle Reaktion gehortl). Hatte Herr H u e p p e , was doch bei der Wichtigkeit, die er dieser Frage beilegt, jedenfalls angezeigt gewesen ware,
wiederholto Proben gomacht, so hiitte er sich von der Neutralitat
des Lysols und von der Unrichtigkeit seiner Behauptung uberzeugen
konnen. Wir haben jener auffallendcn Behauptung gegenuber und
um unserer Sache ganz sicher zu scin, nun auch noch eine girixe
Reihe von zwei Jahren her a u f h e w a h t e r alter Lysolprobeu einer
erneuten Prufung auf Neutralitit, unterzogen, jedoch nicht in einom
einzigen Falle alkalische Reaktion konstatieren konnen, wobei wir
bemcrken, dafs auch das schr einpfindliche Phenolphtdei'n keinerlei
Alkalinitit anzeigte. Wie uns bekannt ist, wird gerade auf Neutralitat der Seife, d. h. also auf Vermeidung eines auch nur kleinen
Uberschusses an freiem Alkali bei Herstellung des Lysols das
grofste Gewicht gelegt.
Dafs die in dem Lysol enthaltene neutrale Seife beini Verduunen
mit viel Wasser inf'olge der Bildung basisch fott,tsaurer Salze alkalische Reaktion zeigt, beruht auf der allbekannten# Thatsache,
dafs uberhaupt jode noch so neutrale Seife beimverdunoen mit viel
Wasser schwach alkalische Realction annimmt. Erstens aber ist
diese alkalische Reaktion eine Bnfserst sahwache und verdchwindet
selbst gegenuber Phenolphtaleih schon durch Kolilensaure, und zweitena
1)
R a u p e n s t r a u c h , Archiv f. Pharm. 1891. XXIX, Heft 3.
C. E n g l e r u. E. Dieckhoff, Ueber Teerol-Seifenlosungen.
567
ist sie keineswegs durch freies Alkali, sondern eben nur durch
basisch fettsaure Salze der verdunnten Seife veranlakt. D a k eine
lediglich durch solche Salze verursachte schwach alkalische Reaktion
bei Verwendung des Lysols zu medizinischen und ganz allgemein
sanifaren Zwecken keinerlei Bedenken unterliegen kann, ist fur den
Fachmann, zumal den Mediziner. welchem bekannt ist, daCs die
meisten tierischen Flussigkeiten, wie z. B. Blut, Galle, menschliche
Nilch, fast immer auch der Speichel im normalen Zustand in gleicher
Weise alkalisch reagieren, selbstverstandlich.
Gegen die Alkalinitat des stark verdunnten Lysols macht
H u e p p e denn allerdings auch nur geltend, dals ,,solehe alkalische
Losungen an der Luft sich oxydieren und dadurch eine Einbufse an
Desinfektionskraft erleiden." Diesem Einwurf gegeniiber darf zuntichst jedoch darauf hingewiesen werden, dafs solche Desinfizientien
in verdiinntem Zustande uberhaupt nicht langer aufbewahrt en
werden pflegen, d a m aber miissen wir vor allem auch noch ganz
entschieden bestreiten, dafs die Anwesenheit basisch fettsaurer Salze eine
auch nur irgend nennenswerte Oxydation und Veranderung des gelosten
Kresols herbeifiihrt. In der That h d e t sich denn auch weder in den E t teilungen H u e p p e ' s , noch auch in denen H a m m e r s , welcher
Gleiches behauptet hat, ein Beweis fur die Richtigkeit jener Behauptung und wir haben es deshalb fur angezeigt gehalten, zur Entscheidung dieser Frage einige Versuche durchzufuhren. 100 ccm Lysol
wurden mit destilliertem Wasser auf zwei Liter verdiinnt, in ein
weites Becherglas geschuttet und darin unter haufigem Umruhren
14 Tage lang offen an freier Luft stehen gelassen. Zur Bestimmung
des Kresolgehaltes in dieser Losung wurde dieselbe destilliert, das
Deahdlat zweimal mit Ather ausgeschuttelt und der atherische AUSzug abgedunstet. Der dabei erhaltene gelbgefarbte aber vollig klare
olige Ruckstand betrug 51 ccm und ergab bei Destillation von
25,5 ccm mit eingesenktem Thermometer 24,s ccm eines Destillates,
welches dieselben Siedepunktszahlen aufwies, wie bei den g e w o h lichen Lysolproben, insbesondere destillierte auch hierbei die Hauptmenge zwischen 190 und 2100.
Zur Kontrolle wurden darauf 50 ccm desselben Lysols auf
1 Liter verdiinnt und sofort destilliert. Das Destillat, ganz in
gleicher Weise wie oben mit Ather ausgeschuttelt u. s. w., ergab
einen Eresol-Ruckstand von 25,5 ccrn (also auf 100 : 51 ccm) und
568
C. E n g l e r u. E. Dieckh o f f , Ueber TeerCil-Seifenlosungen.
bei Wiederdestillation desselben destillierten 24,8 ccm unter ganz
denselben Siedeverhaltnissen uber.
Diese Ubereinstimmung der beiderseitigen Resultate beweist,
dafs eine irgend nachweisbare Oxydation des Kresols in verdiinnten
Lysollosungen an der Luft infolge der durch die basisch fettsauren
Seifensalze bedingten alkalischen Reaktion nicht statthdet und dafs
somit der Einwurf H u e p p e ' s vollig unbegrundet ist.
Wir warden auf die Frage absolnter NeutralitBt des Lysols kein
besonderes Gewicht gelegt haban> - sowie wir es auch als unwesentlich betrachten, dafs ein von uns bezogenes Originalpraparat
von Solveol schwach sauer reagiert - und hatten es infolge dessen
auch nicht fur nijtig erachtet, jene Frage so eingehend zu behandeln,
wenn nicht von verschiedenen Seiten gegen das Lysol. pnr. der ganz
unbegriindete Vorwurf alkalischer Reaktion besonders betont und
nachgebetet worden wiire. Hierher ist auch die vollig aus der Luit
gegriffene Behauptung H a m m e r ' s i ) zu rechnen, dafs man bei der
Herstellung des Lysols ,,ab s i c h t l i c h " sehr stark alkalische Seifen
verwende, dafs durch das ,,uberschussige Alkali" der Seife ein Ttil
der Phenole (Kresole) in Alkalisalze uberfuhrt und dadurch die Loslichkeit der Kresole in der Seifenlosung selbst erhoht werde. Wir
konnen nicht umhin, diese Behauptung als eine in hohem Grade unuberlegte zu bezeichnen, zumal von einem Fachmanne, welcher vollkommen in der Lage gewesen ware, sich vom Gegenteil zu uberzeugen und der auf Grund der bisherigen Publikationen hatte
wissen mussen, dafs bei der Herstellung des Praparates sei es gegen begriindete oder nicht begriindete Einwande gerade auf die vollige Neutralitat der Seife der grofste Wert
gelegt wird. Hatte zudem Herr H a m m e r die erste Mitteilung2)
des Einen von uns uber Lysol gelesen, so wiirde er sich uberzeugt
haben, dafs dort geradezu der Beweis gefiihrt ist, dafs solche Kresolalkalisalze sich bei Bereitung des Lysols n i c h t bilden, sodafs also
auch die fertigen Praparate solche Verbindungen nicht enthalten
konnen.3) Zum Uberflufs beweisen unsere, meiter unten teilweise
mitgeteilten Versuche, auch noch auf's schlagendste, dass eine solche
Archiv f. Hygiene 1891. XII. 361.
2) Pharm. Centr.-Halle 1890. No. 31.
3) Die Angabe Dr. B u t t e r s a c k s (Arbeiten a. d. Kais. Ges.-Amt
1892 Bd. VIII. 2. p. 365). dafs es bis zur Loslichmachung der Kresole
nach dem v. Heyden'schen Patent ohne Zuhilfenahme von Mineralsauren oder dnrch Verseifung nicht gt.lungen sei, die Kresole in Losung
zu bringen, darf wohl auf einen lapsus linguae xururkyef'uhrt werden,
da beim Lysol die Kresole iiichi verseift, d. h. in Seife ubergefiihrt,
sondern nur mittelst Seife gelijst werden.
1)
C. E n g l e r u. E. Dieckhoff, Ueber Teerol-Seitenlosungen.
569
Mitwirkung der Eresol-Alkalien fiir Losung der Phenole ganz unnotig ware, da die Kresole in den Seifen (fettsauren und olsauren
Alkalien) ungleich leichter laslich sind als in Kresol-Alkalien und
auch in kresotinsauren Salzen, sonach auch vie1 konzentriertere KresolLosungen in Seifen sich herstellen lassen, die beim Verdunnen mit
Wasser klar bleiben, als in Eresolaten und Eresotinaten.
Ebenso wenig begriindet ist die Angabe H a m m e r ' s , dafs das
Lysol ,,ein Gemisch aus Seife, Kohlenwasserstoffen, Eresolen, Xylenolen etc." sei. Hatte sich Herr H a m m e r die Miihe genommen, ein
Lysoluni purum des Handels zu untersuchen, so wurde er gefunden
haben, dafs es gerade so eine Losung von ,,Kresol" von ganz bestimmtem Prozentgehalt und von Seife in Wasser ist, wie das Solveol eine solche Losung von kresotinsaurem Alkali und Xresol in
Wasser. Damit ist zugleich auch die Hinfalligkeit des gegen das
Lysol gerichtetenvorwurfs nnkonstanter Zusammensetzung erwiesen. DaL fiir das den roheren Zwecken der Desinfektion dienende Lysolum crudum keine vollig reinen Praparate verwendet werden, ist
selbstverstandlich und kann nicht als Argument gegen das zu medieinischen Zwecken dienende Lysol. pur. ins Feld gefiihrt Fverden.
Aber auch Lysol. crud. enthalt 50 Proz. Kresole. Far iiberflusig
halten wir es, die Behauptung, dafs der Seifengehalt des Lysols fur
Desinfektionszwecke statt eines Vorteils ein Nachteil sei, zu widerlegen. Hier hilft jedem objektiv Uberlegenden der gesunde Menschenverstand, denn wer sich die praktische Verwendung der Desinfektion
vergegenwartigt, der mufs zugeben, dars mit nur sehr wenig Ausnahmen, wie z. B. das Schlupfrigwerden von Instrumenten, gerade
die gleichzeitige reinigende, Fett und Schmutz losende Wirkung des
Lysols ein entschiedener Vorteil ist. Die Richtigkeit dieser Auffassung wird auch durch die Versuche Dr. B u t t e r s a c k s l ) bestltigt; er
sagt in dieser Beziehung wortlich: ,,dafs bei dem Lysol dieses (giinstige)
Resultat z. Th. dadurch erreicht wird, dafs das Lysol dasSputum verseift und auf diese Weise seinen Kresolen Zugang zu den einzelnen
Bacillen gestattet, ist schon oft erortert worden. Wahrend der Auswurf
im Lysolgefak anfangs oben schwamm und allmalig, bis auf einzelne
Brockel, immer dunnfliissiger wurde, blieb derselbe Auswurf in den
10proz. Solveolen als ziemlich unversnderte, kompakte Masse am Boden
fiegen und nahm nur eine etwas weniger zahe Beschaffenheit anu.
1) Arbeiten aus dem Kaiserl. Gesundh.-Amt. Bd.VII1. 3 (1892)~.370.
C. E n g l e r u. E. D i e c k h o f f , Ueber Teerol-Seifenliisungen.
570
Nicht ganz verstindlich sind uns endlich die neuesten vergleichenden Versuche, welche H a m m e r l) iiber die desinfizierende Wirkung verschiedener Kresol-Praparate angestellt hat. Diese Versuche
sind ausgefiihrt mit 0,3, mit 0,5 und 5proz. Losungen von Solveol,
Kreolin, Lysol etc. und sind nach den tabellarisch zusammengestellten Resultaten anscheinend sehr zu Gunsten des Solveols ausgefallen. Herr H a m m e r fahrt nach Feststellung dieser Wahrnehmung
d a m fort (a. a. 0. S. 130): ,,Dieser Unterschied findet aber ganz
leicht seine Erklarung darin, dafs die Zusammensetzung dieser Mittel
eine verschiedene und speziell der Kresolgehalt derselben ein verschiedener ist. Die angewandten Solveol- und Solutolliisungen enthielten wirklich so viel Kresol gelost, als der Prozentgehalt der
Losung, also 0,3, oder 0.5, oder 5 Proz. ausdriickt, wahrend die
gleichprozentigen Losungen des Lysols und Kreolins in Bezug aui
ihren Kresolgehalt minderwertiger sind. So enthalt das Lysol nach
der chemischen Analyse, die an anderer Stelle angefiihrt wurde, rund
50 Proz. wirkliches Kreso12) daher sind die verwendeten Losungen
in Bezug auf ihren Kresolgehalt nur halbwertig, das Kreolin enthalt
gar nur 10 Proz. Kresole und daher die verwendeten Losungen nur
den 10. Ted der bezeichneten prozentuarischen Menge wirkliches
Kresol. Dafs die Resultate sofort andere und denen mit Solveol und
Solutol gewonnenen viel ahnlicher werden, wenn man diesen Umstand
in Rechnung zieht, zeigen nachstehende S7ersuche:"
Bouillonkulturen.
I
Staphylococcus
Griiner Eiter.
-
- -io'
5'
- --
60'
jC!
Lysol 0,6 Proz. Losung =0,sProz.
Kresol . . . . . . . . . .
Lysol 1 Proz. Lasung = 0,5 Proz
Kresol . . . . . . . . . . 0
Kreolin Pearson, 5 Proz. LiisuEg
=0,5 Proz. Kresol . . . . . 0
Solveol3) = 0.3 Proz. Kresol . .
Solveol = 0,5 Proz, Kresol . . . 0
0
0
0
0 ti
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
tt l-t t.t 0
0 o u o
0
0
ts t i
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
Archiv f. Hygiene 1892. XIV. S. 127.
NB. Das Solveol enthalt im Vergleich damit nach der Ankiindigung der Fabrik Fr. v. Heyden's Nachf. nur 24 Proz. wirkliches Kresol.
3) Weshalb ist wohl bei Solveol niemals der wirkliche Yrozentgehalt an Solveolpraparaten, sondarn stets nur der Kresolgehalt aufgeriihrt?
1)
2)
C. E n g l e r u. E. Dieckhoff, Ueber Teed-Seifenlosungen,
571
Es erschien uns anfangs unglaublich, dafs die zahlreichen vergleichenden Versuche, die H a m m e r auf Tabelle I bis V I seiner Abhandlung mitteilt, nicht unter wirklich gleichen Bedingungen angestellt sein konnten. Nachdem aber aufser uns noch einige Andere
den betreffenden Teil der Abhandlung unbefangen und aufmerksam
durchgelesen und beurteilt hatten, l i d s sich nicht mehr bezweifeln,
dafs die ,,vergleichenden" Versuche unter ganzlich ungleichen und
unzulassigen Bedingungen durchgefiihrt sind, dafs H am m e r beispielsweise v e r g l i c h e n h a t 0,3 P r o z . S o l v e o l , w o b e i d i e 0,3 P r o z
s i c h n i c h t a u f d a s Solveol, s o n d e r n a u f d e n G e h a l t
d e s s e l b e n a n E r e s o l b e z i e h e n , m i t 0,3 P r o z . L y s o l ,
wobei j e d o c h d i e 0 , 3 P r o z . d a s G e s a m t g e w i c h t d e s
L y s o l s ( h e z i e h u n g s w e i s e 0,15 P r o z , K r e s o l ) b e d e u t e n .
Unter der Voraussetzung, dafs jenes Solveol ca. 24 Proz. Kresol
enthdt, wie das jetzt im Handel befindliche Praparat, h a t H e r r
H a m m e r also n i c h t e i n e 0,3 p r o z e n t i g e S o l v e o l l o s u n g rnit
e i n e r 0,3 p r o z e n t i g e n L y s o l l o s u n g , s o n d e r n e i n e 1,25 p r o z e n t i g e S o l v e o l l o s u n g m i t e i n e r 0,3 p r o z e n t i g e n L y s o l l o s u n g
verglichen, beziehentlich bei den Versnchen rnit 0,5 Proz. eine
2,08 prozentige Solveollosung mit einer 0,5 prozentigen LysollGsung
etc. Bezogen auf den K r e s o l g e h a l t (24 Proz. beim Solveol und
50 Proz. beim Lysol) sind verglichen eine 0,3 prozentige Solveollosung mit einer 0,15 prozentigen Lysollosung und in gleicher Weise
eine 0,5 prozentige Solveollosungn rnit einer 0,25 prozentigen Lysollosung etc.
Derartige ,vergleichende Versuche" verdienen keine Beachtung
und es ist schade um Zeit und Miihe, die darauf verwendet worden sind. Ihre Veroffentlichung in der angegebenen Form ist aber
auch bedauerlich, weil fiir Jeden, der nicht mit besonderer Vorsicht jene Tabellen I. bis V I durchliest, die Tauschung entstehen
mufs, als ob z. B. eine 0,3prozentige Solveol-Losung ungleich wirksamer sei als eine 0,3 prozentige Lysolosung u. s. f. - Davon,
d d s Herr H a m m e r eine solche Tauschung beabsichtigf hat, kann
selbstverstandlich keine Rede sein ; ein Vorwurf dieser Art wiederlegt sich nicht blos durch den Namen des Verfassers und das Institut, von welchem die 1 Veroffentlichung ausgegangen ist, sondern
auch durch die Bemerkungen des Verfassers selbst, bei deren aufmerksamer Beriicksichtigung man auf den richtigen W e g gefiihrt wird.
C. E n g l e r u. E. D i e c k h o f f , Ueber Teerirl-Seifenlirsungen.
572
Aber wir glauben uns denn doch dazu berechtigt, gegen derartige
vergleichende Versuche, die weder wissenschaftlichen noch praktischen
Wert beanspruchen konnen, Verwahrung einzulegen und, da sie nur
allzuleicht falsche Vorstellungen erwecken, vor Veroffentlichungen in
solcher Form zu warnen. Gleiches gilt natiirlich auch hinsichtlich
der Versuche iiber die toxischen Wirkungen der Kresolpraparate,
bei deren Besprechung der fragliche Punkt allerdings etwas klarer
gestellt worden ist. Soviel geht jedoch auch aus den Versuchen
H a m m e r s , insoweit sie iiberhaupt Vergleichswert besitzen, hervor,
dars, und damit stimnien auch die Resultate Dr. B u t t e r s a c k s iiberein I) die desinfizierende Wirkung, reduziert auf den Kresolgehalt, fiir
Lysol dieselbe ist wie diejenige fur Solveol, wobei aber noch in
Riicksicht gezogen werden mufs, dafs der Preis des Kresols in Gcstalt des Solveols sich nicht unerheblich hoher stellt; denn er berechnet sich im Solveol (eine Originalflasche von 250 g Solveol
B 24 Proz. Kresol zu 0,7 Mark) auf rund 12 Mark das Kilogramm
Kresol, fur das Lysol (eine Originalflasche von 250 Gramm Lysol
B 50 Proz. Kresol zu 1 Mark) auf nur 8 Mark das Kilogramm
Kresol, s o dafs das Kreso! in Gestalt von Solveol ungef&hr 50 Proz.
teurer zu stehen kommt als in Form des Lysols. Dies kann auch nicht
auffallen, da der Ballast an Losung des teureren kresotinsauren Alkalis
bei Solveol 76 Proz., beim Lysol aber an Seifenlosung nur 50 Proz.
betragt. Es scheint aber vorerst nicht zu gelingen, kresolreichere
Solveole herzustellen, indem zwar das kaufiiche Solveol sich wohl
mit noch mehr Kresol vermischen lafst, diese Mischungen jedoch
beim Verdiinnen mit Wasser Trubungen geben und den Uberschufs
des Kresols wieder ausscheiden. Dafs die v. Heyden'schen Solveole
in der That schon als bis zum anfsersten rnit Kresol gesattigte Losungen zu betrachten sind, geht auch aus den Mitteilungen Dr. B u t t e r s a c k s (siehe a. a. 0. p. 368) hervor, wonach von 11 Proben beim
starken Verdiinnen mit Wasser (auf 1 Proz.) mit Ausnahme von
zweien samtliche durch Ausscheiden von Emulsionstropfchen trtibe
wurden.
Abgesehen von den Angriffen, welche das Lysol aus dem
Hueppe'schen Laboratorium durch H u e p p e selbst und durch
H a m m e r erfahren hat, mehren sich in letzter Zeit die Urteile, die
1)
,,Arbeiten aus dem Kaiserl. Ges-.AmtY 1892. VIII. I1 13, 370.
C. E n g l e r u. E. D i e c k h o f f , Ueber Teeriil-Seifenlosungen.
573
zu Gunsten der Verwendung desselben fur die verschiedenartigsten
Desinfektions- und antiseptischen Zwecke sprechen.
Wir glauben
in dieser Beziehung u. A. nur auf die Abhandlungen und Mitteilungen von S c h o t t e l i u s l ) , V. G e r l a c h 2 ) , Haene13), 0. V u l p i n s * )
R e m o u c h a m p s u n d Sugg5), B. H i r s c h e l e ) , Braun7), M i c h e l s e n s ) , Ad. P 8 e 9 ) , S p e n g l e r l o ) , F o t h l l ) , A. S t r a u b e l z ) ,
M. R e u t e r 13), R a u p e n s t r a u c h l * ) , F r i t z L u s c h e r 15) u. A.
hinweisen zu sollen, um einige Anhaltspunkte fur die Beurteilung
der Brauchbarkeit des Lysols fiir verschiedene Zwecke zu geben.
Abgesehen von der praktischen Verwertbarkeit bieten die Praparate, wie das Ereolin, das Lysol, das Solveol, Solutol und andere
ein entschieden wissenschaftliches Interesse dar, indem sie einen
Blick in die Verhaltnisse der Loslichkeit von Stoffen und Losungen
ineinander gestatten, iiber die bisher nur sehr wenig bekannt gewesen ist und deren eingehendes Studium sich gewifs der Muhe
lohnen wird. Uber die Loslichkeit von Netallen, bezw. Metalloxyden,
1) S c h o t t e l i u s , ,,Vergl. Unters. uber d. desinfiz. Wirkung einiger
Theerprotlukte" Miii ich. Xledizin. Wochensclir. 1890. Nr. 20.
2) G e r l a ch, ,Tfber Lysol", Zeitschrift f. Hyg. u. 1rifekt.-Krankh.
1902. XI. 167.
3 ) H a e nel, ,,Lysol in der Chirurgie", Deutsch-Med. Wochenschr.
1891. Nr. 22 u. 23.
4) 0. V u l p i u s . ,,Ueber Lysol etc. in der Chirurgie", Beitr. z. klin.
Chirurg. 1891. VIII, 212.
5) R e m o u c h a m p s und Sugg. ,,l'Acide PhBuique. la Cresoline
e t le Lysol", Trav. d. Lab. d'Hyg. et de Bacberiol. de I'Univ.
Gand. 1890.
6) B. H i r s c h e 1, ,,Desinfektionsmittel" , Inaugural - Dissertation.
Freiburg j . B. 1890.
7) Is r nu n, ,Lysol
als Desinfektionsmittel in der Hehammenpraxis", Archiv fur offentliche Ges. Pfiege i n ElsaIs-Lothringen. XV.
Heft 11. (1891 )
8) M i c h e l s e n . ,,Anwend. d. Lysol in der Praxis d. Gynakologie etc.",
Zentralbl. f. Gynakol, 1891, Nr. 1.
9) A d. P 6 e. ,Lysol in der GynBkol. und Heb. Hilfe", Deutsch.
Med. Wochenschr. 1P90, Nr. 44.
10) S p e n g l e r , ,Unters. uber Desinfekt. tuberk. Sputums'., Munch.
Med. Wochenschr. 1891, Nr. 45.
11) F o t h , ,,Ueber Lysol.', Zeitschrift f. Veterin.Kunde. i891, Nr. 9.
12) A. S t r a u b e, ,,Lysol in der tiergrztlichen Praxis", ibidem.
1891, Nr. 4.
13) M. R e u t e r , ,,Desinf'ekt. von Schlachthausern und Viehhsfen dnrch
Lysol.'. Arch. f anim. Nahrungslnittelkundtt. V I I , 1891/92.
14) G. A. R a u p e n s t r a u c h , ,,Das Lysol etc.'., Arch. fur. Pharm.
1891, XXIX, Hrft 3.
15) F r i t z L a s c h e r , ,,Bakteriolog. und Blin. Vers. iiber Sozol u.
Lysol", 1892. Bern beiS. Collin.
C. E n g l e r u. E. D i e c k h o f f , Uebet Teed-Seifenlosungen.
574
woruber unseres Wissens Schiell) und Nacadam2) zuerst berichtet
haben und welche der Eine von uns, auf Grund vonversuchen, die
in Gemeinachaft, mit Herrn K n e i s angestellt worden sind, auf die
Bildung von Seifen und deren Losung durch Kohlenwasserstoffe ZUruckfuhren konnte, haben Priiparate wie das ,,feste Erdol" und die
Kreoline neues Licht verbreitet, es hat sich dadurch gezeigt, dafs
man Salze der Fettsauren, besonders a;ch Salze der Schwermetalle,
sowie andere ahnliche Salze in erheblicher Menge in den Kohlenwasserstofien des Erdols, in Theerol und dessen Bestandteilen auflosen kann. Uber die Losungsverhsiltnisse der Kohlenwasserstoffe
des Theerols und dessen Bestandteilen in fettsauren Salzen und deren
Derivaten, bezw. in wassrigen Seifenlosungen, haben alsdann die
Mitteilungen D a m m a n n ' s das erste Licht verbreitet und es hat sich
dahei vor Allem herausgestellt, dars die Kohlenwasserstoff e, sowie
gewisse andere Bestandteile des Theerols, ganz besonders die
Phenole, sich in bisher ungeahnten Mengen in wassrigen Seifenlosungen zur klaren Lijsung bringen lassen. Des Weiteren ist dann
durch das v. H e y d e n ' s c h e Patent die Loslichkeit der hoheren Phenole in wassrigen Losungen von Salzen gewisser Karbonsauren und
Oxykarbonsauren und deren Derivaten, sowie in Phenolaten klargestellt worden, wobei durch H u p p e ganz besondeh auf die interessante Thatsache hingewiesen wurde, wie gewisse Korper, die an
sich in Wasser schwerloslich oder fast unloslich sind in erheblichen
Mengen in Wasser loslich gemacht werden konnen wenn man zwei
derselben gemeinsam mit Wasser zusammenbringt , sodafs also
die beiden schwer loslichen Verbindungen sich gegenseitig lijslich
machen, ohne dafs dabei eine chemische Verhindung vor sich zu
gehen scheint.
Indessen diese Versuche, welche vor allem den praktischen Zweck
der Erzeugung von Desinfektionsmitteln vor Augen hatten, haben die
bezugliche Frage der Loslichkeit von Eohlenwasserstoff en, von Phenolen etc. in wassrigen Salzlosungen noch entfernt nicht erschiipft,
vielmehr nur Andeutungen in dieser Richtung gegeben, so dafs es
wiinschenswert erschien, auf diesem Gebiete noch weitere Versuche
anzustellen.
1)
2)
Berichte d. Deutsch. Chem. Ges. XII, 507
Zeitschr. f. Chem. GroLindustrie 111, 28.
C. E n g l e r u. E. Dieckhoff, Ueber Teeral-Seifenlissungen.
575
Vor allem erschien es uns angezeigt, die Loslichkeit der Kohlenwasserstoffe sowie der Phenole in den Alkalisalzen organischer Sauren
einer etwas exakterenpriifung zu unterwerfen und festzustellen, welche
Salze insbesondere die Loslichkeit der Kohlenwasserstoffe bezw. der
Phenole vermitteln. Es wurden jedoch auch noch andere Verbindungen
in den Bereichunserer Untersuchung gezogen und namentlich festgestellt, in wieweit die Anwesenheit der Phenole, die Loslichkeit
der Kohlenwasserstoffe in Salzlosungen beeinflusst. Die dabei erhaltenen Resultate sind in den folgenden beiden Teilen dieser Arbeit
beschrieben.
11. Teil.
Uber die Liislichkeit der Kohlenwasserstoffe des
Petroleums in w'aissrigenLisungen fettsaurer Salze.
(Die in diesem Teile mitgeteilten Versuche sind von Herrn T h e o d o r
S c h m i d t ausgefuhrt).
Da die bisherigen Versuche iiber die Loslichkeit von Kohlenwasserstoffen in Seifen nur mit den gewohnlichen Gemischen hoherer
Fettsauren angestellt sind, es aber von Interesse schien, die Loslichkeit der Kohlenwasserstoff e in wtissrigen Losungen von Salzen
der einzelnen reinen Sauren der Fettreihe kennen zu lernen, haben
wir eingehende Versuche nach dieser Richtung ausgefiihrt. Es
kamen dabei einerseits die Kalium- und Natrium-Salze, auch ein Bleisalz der Fettsauren von Essigsaure bis Kapronsaure, aufserdem auch
noch der Stearinsaure zur Verwendung, andererseits die Fraktionen
von 50 zu 50° C zunachst eines Elstlsser rohen Erdols, von dem wir
sicher sind, dafs es mit keinen anderen Kohlenwasserstoffen versetzt
war, dann auch noch anderer Erdole.
Zur Bestimmung der Loslichkeit der Erdolkohlenwasserstoffe in
den Salzlosungen wurden letztere entweder in Mesurohren, oder in
Messkolben mit langem engem in
ccm eingeteiltem Hals, gebracht und mit dem aufgeschiittetem Ole wiederholt kraftig umgeschiittelt.
Aus der folgenden Tabelle sind die Nengen der gelosten Ole in
den betreffenden Salzlosungen ohne weiteres ersichtlich, wobei noch
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
0
Размер файла
848 Кб
Теги
ber, ihre, theer, die, bad, mitteilung, gross, insbesondere, der, zur, aus, lysol, dem, chemische, karlsruhe, anwendungen, hochschule, seifenlsungen, technischen, uber, das, desinfektion, laboratorija
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа