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Denkschrift.

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DenhschrifU
uher den
derzeitigen Standpunct und die Verhaltnisse
dcr
Pharmacie in Deirtschland
uberhaupt,
insbesondere in den Staaten, in welchen sich der
norddeutsche Apotbelcerverein verbreitet ;
entworfen
von dem
Directorium dieses Vereins.
Hannover.
In1 V e r l a g e d e r Hahn’schen H o f b u c h h a n d l u n g .
1848.
Allen Freunden d e r Pharmacie
gewidmet,
besonders aber den Mannern,
welche auf die
Verbesserurig des Standes der Apotheker
in jeglicher Beziehung einen Einfluss
auszuiiben vermiigen
oder
zu derselben beizutragen berufen werden diirken.
Vorwort.
Das Directorium des Apothekervereiris in Norddeutschland, eines Vereines, welcher gegenwiirtig gegen
die Halfte aller deutschen Apothekec umfasst, welcher sich iiher Preussen, Sachsen, Hannover, Kurhessen, Oldenburg, Sachsen -Weimar, RIecklenburg,
Brauus~hweig,Sachsen - Coburg- Gotha, Sachsen -Meiningen Sachsen - Altenburg Anhalt, Schwarzburg,
Lippe, Schaumhurg - Lippe und Reuss, erstreckt und
welcher nun in das 25ste Jahr seines Bestehens eingetreten ist, war sclioii liingst zu der Ueberzeugung
gekommen, dass eine Beleuchtung der gegenwartigen
Lage der deutschen Pharmacie sich als dringeiid nothwendig herausstelle. Es hielt eine solche fur nothwendig, um eiitschieden und klar die Marigel aufzudecken, welche der freien Entwickelung der Pharmacie
sich nachtheilig in den W e g stellen, und urn die
Mittel zu ihrer Abhiilfe anzugeben. Deshalb erliess
dasselbe schon durch seiuen verewigten Oberdirector,
Hofrath Dr. B r a n d e s eine Bufforderung an sammtlithe Mitglieder zur Einsendung ihrer Ansicliten uber
diesen wichtigen Gegenstand.
Es sind iiber I30 Mittheilungen eingegangen,
und zwar aus Oesterreich 4, aus Preussen 40, atis
Baiern 8, aus Sachsen 12, aus Haariover 9, aus Wiirtemberg 2, aus Baderi 3, aus Hessen-Darmstadt 3,
aus Hessen - Cassel 6, aus Mecklenburg 6, aus Oldenburg 5, aus Sachseii-#'eimar 5, ails Braunschweig 6,
,
,
,
\l
aus Sachsen - Coburg - Gotha 2, aus Sachsen - Meitiiiigen 2, aus Sachsen-Altenburg 5, aus Aribalt 4, aus
Schwarzburg 4, ails Lippe 4, aus Schaumburg -Lippe 2,
aus Holstein 3, aus Hamburg 2, keine aus Nassau,
Reuss
Hessen - Homburg, Bremen, Lubeck und
Frankfurt.
Der Oberdirector B r a n d e s , Hof- und Medicinalrath und Apotheker in Salzuflen, ein Maim von gediegeuen Kenntnissen, vielseitiger Eiusicht, IJmsicht,
urid frei von Vorurtheilen, iibernahm die Bearbei tung,
wiinschte aber, da er bei dem Umfange seiner Gedie
schafte derselben wenig Zeit widmen konnte
Theilnahnie darau von Seiten des jetzigen Oberdirectors, Dr. B l e y , so wie von einigen andereu Freunden,
iiamentlich Die. G e i s e l e r in IEonigsberg und C. F.
B ti ch o l z in Erfurt. Nach dem friitizeitigen Ableben
des Hofraths B r a n d e s , welches am 3. Decbr. 1842
erfolgte, iibertrug das Directorium die Ausarbeitung
dieser Denkschrift seinem Nachfolger ini Directorium,
welcher, da eiriige der friiher genannten Freunde die
Theilnahme, ihrer Berufsgeschafte megeu, ablehnen
mussten, sich dieserhalh mit seinem Fveunde, Dr. Med.
Ill e ti r e r Apotheker in Dresden, verband ; zugleich
wurden aber nicht allein die ausgezeichnetsten Professoren der Ptiarmacie, sonderii aucb praktische Apotheker deer verschiedenen deutschen Staaten zu Rathe
gezogen.
Es schien nach mancherlei Planen urid Entwiirfen,
welclie zur Ausarbeitrtng der Denkschrift aufgestellt
wurden den Bearbeitern am z~ eclimEssigsteii, das
Ganze in drei Theile aerfallen zu lassen.
Der erste Ahschuitt sol1 eine Entwiclielung der
Pliarrnacie aus der Medicin his zu der Hohe, auf
,
,
,
,
VII
welcher dieselbe als Wissenschaft jetzt steht, in gedrangter Form enthalten. Diesem sol1 eine Schilderung des Umfanges der Medicin in Umrissen folgen.
Daraus wird der Umfang des pharmaceutischen
und medicinischen Wissens hergeleitet, und, wie wir
glauben, bewiesen werden, dass jedes fur sich allein
gross genug- ist, urn die Krafte eiries Mensehen in
Anspruch zu nehmen.
Hieran wird sich eine Betrachtung der Pharmacie
als Wissenschaft, als Technili und als kaufmannisches
Geschaft anreihen und so der Beweis geliefert werden, dass die Pharmacie keinen einzelnen der drei
genaniiten zugeziihlt werden, sondern, obwohl sie von
allen dreien etwas besitzt, dennoch als eigenthumlich,
fur sich allein dastehend und sefbststandig angesehen
werden musse.
I m zweiten Abschnitte wird die Betrachtung der
Auforderungen des Staats an den Apotheker in wissenschaftlicher, lechiiischer und kaufmannischer Beziehung, und zwar mit stetem Hinblicke auf die Behiirden,
die Aerzte und das Publicurn, als die drei Theile, in
welche der Staat in dieser Beziehung zerfallt, gegeben
werden.
Der dritte Abschnitt wird die Betrachtung der
Entschadigung, welche der Staat dem Apotheker fur
seine Anforderungen gewahrt und zu gewahren hat,
enthalten.
Diese verschiedenen Betrachtungen haben wir, um
sie klar und fasslich hervortreten zu lassen moglichst biindig z u ~ a m m e n z u f a ~ ~ euiis
n bemuht, um so
den hohen Behiirden, welche das Medicinalwesen zu
beaufsichtigen und zu verwalten haben, die Einsicht
in die Mange1 der Pharmacie und in das, was ihr
,
VIII
zu ihrep freien Entwickelung nothwendig ist, zu erleichtern und ihnen den wahren Standpunct, den die
Pharmacie einnimmt, zu zeigen, damit sie derselben
die Selbststandigkeit, deren sie bedarf, urn sich frei
urid zum Frommen des Ganzen auszubilden, zu Theil
werden lassen.
Es sind in derselben von denjenigen Puucten,
welclie nach des verewigten B r a n d e s Aufstellung
bei Abfassung dieser Sclirift ins Auge gefasst werden
sollten, keine wesentlichen iibersehen, aber alle in
ein moglichst wissenschaftliclies Bild zusammengestellt.
Wir hoffen und wunschen, dass diese Denkschrift,
welche den hohen Behiirden, denen die Leitung und
Aufsicht des Medicinalwesens anvertraut ist, uberreicht
werden soll, von denselben mit Nachsicht werde aufgenommen werden. Wir empfe hlen sie deiiselben zur
geneigten Prufung und Beachtung, welche die Wichtigkeit des Gegenstandes verdient, denn wir sind uns
bewusst, bei der Ausarbeitung iiberall der strengsten
Wahrheit gefolgt zu sein.
111 einer solchen wird unser Vereiii seinen schonsten Lohn fur diese muhevolle Arheit finden.
Das Directorium des Apothekervereias in Norddeutschlaud.
Dr.Bley. D r . D u Menil. Dr. W i t t i n g . Dr.E.F.Aschoff.
L. O v c r b e c k . F. Faber. Dr. L. Asclioff
Dr. Geiseler. Dr. TIorzog.
Erster Abschnitt.
Die Entwicltelung der I’harmacic aus und niit der Medicin, die n6thige
Trennung beider. - Die eigenthiimliche Stellung der Pharmacie a h
wipsenschaftliches, technisches und kaufmlnnisches Geschaft und die
hieraus hervorgehende Selbststhdigkeit derselben.
Das Bestreben, die kor’perlichen Leiden und Gebrechen
der Menschen zu beseitigen, rief auch gleichzeitig das
Bedurfniss der Heilmittel hervor, und so entstand die
Medicin und die Pharmacie, wenn beide jetzt schon diesen
Namen verdienen, gleichzeitig.
So einfach die Krankheiten und die Art, sie zu heben,
anfangs waren, so einfach war auch dcr Heilapparal, und
Jeder, der sich mit der Kur der Kranliheiten beschaftigte,
konnte und musste gleichzeitig seine Heilmittel sammeln
und bereiten.
Nach und nach mehrten sich die Erfahrungen der
Einzelnen und es wurden die 13eobachtungen Mehrerer
zusammengestellt, und so erhielt denn das Ganze einen
solchen Umfang, dass Schulern und Gehiilfen das Einsammeln und Bereiten der Medicamente , welche damals
fast alle aus dem Pflanzenreiche, nur sehr wenige aus dem
Thierreiche genommen wurden, iibertragen werden musste.
Zu dieser Zeit entstanden wohl auch die schon bei den
Griechen bekannten Rhizotomen, welche man als die ersten
,dpotheker ansehen kann, obgleich damals eine vollkommene Trennung noch nicht statt fand. Die grossc Anzahl
von Medicamenten aus dem Pflanzenreiche, zum Theil
wohl auch aus dem Thierreiche, wurde spiiter durch den
Einfluss der Alchemie mit Stoffen aus dem Mineralreiche
vermchrt, es beruhete jedoch die Kcnntniss und Bereitung
der Medicamente nicht auf wissenschaftlichen Principien,
sondern war nur ein loses Haufwerk oberflachlicher
Kenntnisse der verschiedensten, oft seltsamsten, Stoffe, die
3
2
auf eben so abenteuerliche, umstindliche und abergldubische Weise gesammelt und bereitet wcrdcn mussten.
I)iese Vermehrung des Arzneisdhatzes maelite es nothwendig, dass das Sammeln und Berciten dcr Medicamente
vorzugsweise von besonderen Pcrsoncn bctrieben wurde,
doch walirte es l a n ~ e ,ehe eine vollliommene Trennung
zwischen Arznei - Verordnenden und Arznei - Bereitenden
erfolgte, da immer der Eine in die Rechte des Anderen
ubergriff, etwas, was sich ja bis in dic neussten Zeiten
noch fortgesetzt hat.
Im 46ten und namentlich im 4iiten Jahrhundert wurdc
nun auch yon den Regierungen erkannt, dnss die durch
die Vermehrung des Arzneischatzes zuerst bedingte Trennung der Medicin von der Pharmacie nothig sei, theils,
um die grosse Anzahl der Medicamente immer in gutem
Stande vorrathig halten, theils, urn vom Staate aus eine
Controle uber die arztlichen Verordnungen ausiihen zu
konnen, und SO entstandcn die Privilegien fur die ADOtheker. Jene Privilegien wurden somit nicht bloss des
Vortheils der Apotheker wesen ertheilt, sondern, um es
diesen moglich zu machen, d e n g r o s s c n A r zn e i s ch a t z
v o r r a t h i g u n d i n O r d n u n g h a l t e n zu konnen, also
zugleich zu Gunsten des Publicums.
Es wanderte nun bis zur Pllitte des 18. Jahrhunderts
die Medicin und Pharmacie, namentlich letztere, mehr auf
dem empirischen Wege fort; es hedurfte zur Darstellung
der Medicamente fast nur mcchanischer Operationcn, denn
die alchemistischen Mauipulationcn beruhten eben so wenig
auf wissenschaftlichen Principien. Die Arzneistoffe konnten
nur auf empirischem Wege gepriift und iiberwacht werden
und SO blieben die Aerztc, im Aufwage der Behorden, mit
Recht die Aufseher der Apotheken.
Anders wurtle es nun in der zweiten Halfie des 18
khrhunderts, wo alle Naturwissenschaften einen neuen
Aufschwung erhielten.
Durch L i n n 6 ’ s ordneiiden Geist wurde es moglich,
die Naturkorper vollkommen uberschauen zu konnen, und
dadurch, dass L a v o i s i e r das Stahlsche System in der
3
Chemie umstiirzte, hekam man klarere Anschauungen von
der Zusammensetzung der Korper.
Mit dieser Periode beginnt die wissenschaftliche
Entwickelung der Pharmacie; anstatt, dass man friiher
nur zusammenhaufte, konnte jetzt eine Sichtung des koIossalen Arzneischatzes vorgenommen werden, und so
wurde denn hierdurch es moglich, eine Menge oft sehr
liostbarer und doch unwirksamer Mittel, von welchen
viele, als verschieden angesehen, einander doch gleich
waren, zu entfernen, um so Platz fur das Neue, Nothigere
und Bessere zu finden.
Mit dieser wissenschaftlichen Entwickelung der Pharmacie beginnt aber auch die Nothwendigkeit der Trennung
derselben von der Medicin, welche in der That schon im
15. 'Jahrhunderte erfolgt war, iiberzeugender hervorzutreten.
Denn wenn arich der Arzt die Naturwissenschaften
studirt und theilweise studiren muss, so erlangten diese
doch nach und nach einen solchen Umfang, und erforderten zugleich ein so fortgesetztes Studium und praktische
Uebung, dass der Arzt nicht im Stande war, sie bei seinen
Berufsgeschaften fortzutreiben. Sehen wir uns urn, wer
seit L i n n 6 ' s und L a vo i s i e r 's Griindung der botanischen
und chemischen Systeme das Mehrste zur Forderung dieses Theils der Naturwissenschaften beitrug, so finden wir
fast immer, dass es Apotheker und aus dem Apothekerstande Hervorgegangene waren *).
Mit Riesenschritten sind nun die Naturwissenschaften
vorgeriickt und schreiten noch vorwarts, namentlich gilt
diess von der Chemie, deren Einfluss auf alle Gewerbe
allgemein bekannt istm*).
Wenn nun auf das Allgemeine der Einfluss der Chemie
so gross ist, wie sollte er es nicht urn so mehr auf die
") Die Nothwendigkeit der Vertretung der Pharmacie bei den Medicinalbeh6rden, von Dr. L. F. B l e y . Lemgo 1838.
**) S. etiemische Briefe in der Augsburger allgemeinen Zeitung von
L i e b i g , 1842, 43, 44.
I*
4.
Pharmacic sein, aus der und mit dcr sich die Chemie
entwickclt hat.
Um den Einflass zu crkcnncn, den die Entwickclung
der Naturwissenschaften auf die Pharmacie ausgcubt,
wollcn wir cinnial cinen Blick auf dic Ausbildung der
Pharnmceuten werfen.
Sonst lerntc der Apotheker in einer Apotheke, erhielt
scinen Lehrhricf und konntc spdler eine hpotheke iibernehmen, ohne beim Austritt aus der IAire oder bci Ucbernahme ciner Offcin sich ciner Prufiing zu untcrwrrfen.
Zu Ende des vorigcn Jahrhunderts wolltc dicsc Art, sich
rnit der Pharmacie vertraut zu machen, schon nicht mehr
ausreichen und einige ausgezcichnetc Apotheker unternahmcn die wcitere Ausbildung dcrer, die sich der Pharmacic widmen wolltcn. Spater konnten auch einzelne
Manner nicht mchr den Anforderungcn, welche gemacht
wurden, gcnugen und es cntstanden so die pharmaceutischen Institute, wclche nach den jetzigcn Bedurfnissen
der Zeit nur, wenn sie mit Universithten verbunden sind,
Gcniigc leistcn konnen. Auch wurden von Seiten der
Behordcn Prhfungcn der Apothckcr angeordnet und dadurch
die Anspruche gesteigert, dcnen nur nach Empfang eines
besonderen Unterrichts gcnugt werden konnte. Schon
hicraus geht hcrvor, dass die Pharmacie eine wissenschaftliche Form angenommen hat, mit wclchem Beweise
wir uns aber nicht begnugen kbnncn: denn wir wollen
darthun, dass die Pharmacic zur Wisscnschaft selbst
geworden.
Als Bewcis hicfur gilt cs wohl, class auf allen guten
Universitaten Professoren tlcr Pharmacie angestellt sind,
dass, wer als Pharmaceut das lcistcn will, was er leislen
soll, hinlanglich zu thun hat, sich allc Hulfswisscnschaften,
welche er zur Auskbung der Pharmacie bcdarf, anzueignen,
ja, dass er diess nicht mehr vermag, wcnn er nicht auf
kurzere oder langerc Zeit sich den rein thcoretischcn Studien auf der Universitat odcr in ciner pharmaceutischcn
I.chranstal6 liingiebt.
Wenn nun aber die theoretische Pharmacie einen
solchen Umfang erlangt hat, dass sie die geistige Thatigkeit e k e s Menschen vollkommen in Anspruch nimmt, urn
wie viel weniger kann die praktische Pharmacie als ein
Anhangsel ’der Medicin angesehen werden, und wie viel
weniger ist der Arzt im Stande, die Pharmncie nebenbei
so zu treiben, dass er sie beaufsichtigen konnte? Die
Unmoglichkeit des Letzteren hat man zwar in vielen
Staaten schon einsesehen, und deshalb die specielle Aufsicht der Apotheken solchen Leuten anvertraut, welche
dieselben noch ausubcn odcr doch fruher ausgeubt haben,
im Uebrigen aber und bei den meisten hoheren Behiirdkn
nimnit man immer noch an, dass Aerzte im Stande sind,
die pharmaceutischen Angelegenheiten zu beurtheilen und
die dahin einschlagende Gesetzgebung zu leiten. Man
glaubt sich hierzu berechtigt, weil auch der Arzt sammtliche Naturwissenschaften studiren muss, bedenkt aber
nicht, dass dem Arzte eben nur wenig Zeit dazu iibrig
bleibt, und dass gerade das Studium der Naturwissenschaften ein sehr zeitraubendes ist. Gilt diess von Naturwissenschaften uberhaupt, so gilt es von der Physik und
Chemie insbesondere, und ob man gleich zugeben muss,
dass die jungere Generatioa der Aerzte vielmehr Gelegenheit hat, diese Wissenschaften zu treiben, und auch mehr
davon weiss, als im Allgemeinen die alteren, so miissen
uns doch dieselben auch zugeben, dass sic mehr einen
anderen Theil derselben cultiviren mussen, um ihn auf die
Lebenshergange der Pflanzen - und Thierwelt und a d
die Erkennung der Krankheitserscheinungen anwenden zu
konnen.
Der Umfang der Medicin ist ebenso, wie der der
Pharmacie, gewachsen, ja in noch weit grosserem Maasse
ist diess namentlich in neuerer Zeit durch L i e b i g ’ s ,
M u l d e r ’ s , L e h m a n n ’ s , M a r c h a n d ’ s und vieler
anderer Chemiker Untersuchungen veranlasst. Ja, es ist
die Heilkunst durch ihre mehr philosophische und auf die
exacten Wissenschafien gestiitzte Begrundung in der neuern
Zeit schwieriger und urnfangreicher geworden.
6
Der Arzt braucht z. B. von der Chemie vorzugsweise
die organische mit der so weit ausgebiideten Elementaranalyse zur Erklarung des Herganges so vieler h b e n s erscheinungen auf chemische Weise, er bedarf der mikroskopischen Untersuchungen zu gleichen Zwecken. Es
muss jeder Arzt jetzt ferner Chirurg sein, und mancher
einzelne Theil der Chirurgie ist schon zu einer selbststandigen Wissepschaft angewachsen, z. B. die Augenheilkunde,
die Geburtshulfe.
Wenn nun schon aus der Betrachtung des Umfangs
von dem Wissen, welches die Pharmacie und Medicin,
bloss theoretisch getrieben, nothig machcn , hervorgeht,
dass man nicht bcide gleichzeitig treiben kann, so wird
sich diese Behauptung noch mehr rechtfertisen , wenn
wir die praktische Pharmacie naher ins Auge fassen.
Diese zerfallt in drei Theile: in den w i s s e n s c h a f t lichen, t e c h n i s c h e n und k a u f m a n n i s c h e n . Diese
dreifache Richtung, welche der Pharmaceut vcrfolgen muss,
veranlasst es, dass der Apothekerstand selten, fast nie
richtig beurtheilt wird und beurtheilt werden Bann. Selbst
bloss theoretisch gebildete Pharmaceuten siud nicht vermogend , den Geschhftskreis des praktischen Apothekers
ganz zu iibersehcn. Es geht ihnen die Einsiclit in die
kaufmannischen Verhaltnissc desselben ab, und letzteres,
sein kaufmannisches Verhaltniss, ist es wiederum, welches
haufig alle Aussagen und Urtheile praktischer Apotheker
bei Gelehrten, Behdrden und Puhlicum vcrrlachtigt.
Dass der Apotheker jetzt eine wissenschaftliche Bildung haben muss, wird wohlNiemand mehr laugnen. Es
muss diese mit dcr Schulbildung beginnen, in der Lehrzeit
sich begriinden, auf dcr Universitat sich fortsetzen, und
will er nicht hinter der Zcit zuruckhlciben. so darf derselbe nic aufhoren, fortzuarbeiten, denn dic Naturwissenschaften gehen mit schnellen Schritten vorwarts. Dass
viele Pharmaceuten jetzt so gebildet sind, so fortarbeiten,
lasst sich daraus beweisen, dass Viele von unsercm Stande
als Lehrer an Gewerbschulen und an Universitaten iibergehen, dass Viele noch iibersehen konnten, und dass in
7
kleineren Orten der Apotheker die einzige Person ist, von
welchem die Gewerbetreibenden und Fabrikanten sich
Hath holen konnen und in der That auch holen, dass
Andere als Schriftsteller bekannt sind, oder als Vorsteher
von Fabriken, wo chemischc Kenntnisse nothwendig sind,
fungiren. Nicht Alle, welche Apotheker sich nennen und
Apotheken vorstehen, sind so gebildet, es iiegt diess, wenigstens zum Theil, in den drucltenden Verhaltnissen, unter
denen, namentlich an kleinen Orten, die Apotheker seufZen, auch an den geringen Forderungen, welche ehemals
und theilweise nocli jetzt d i e G e s e t z e a n d i e A p o t h e k e r b e i d e n P r u f u n g e n u. s. w. machten und
machen.
Ein anderer Beweis, wie gross der Umfang der Naturwissenschaften sei, ist der, dass wir sehen, wie es ganz
unmoglich ist, dass der Eine das ganze Gebiet derselben
bearbeiten, erschopfen kann "). Es geht das schon hervor
aus der Betrachtung der Chemie, wo wir wahrnehmen,
dass der, wclcher der orgnnischen Chemie sich widmet,
nicht gleichzeitig die unorganische in derselben Ausdehnung treiben kann. Wenn diess aber schon bei einem
einzelnen Theile der Naturwissenschaften der Fall ist, um
wie vielmehr ist es rein unmoglich, dass der Arzt alle
Naturwissenschaften in der Art und Weise, wic sie der
Apotheker benutzt, studiren kann.
Das Studiuni der Naturwissenschaften des Apothekers
unterscheidet sich auch noch immer von dem des blossen
Gelehrtcn, als solchen wesentlicli. Der Gelelirte treibt die
Wissenschaften ihrer selhst willen, der Apotheker muss
aber dabei immer die Anwendung derselben auf das Leben
und die Beschaftigung der Menschen im Auge haben.
Diesc eigene Art, mit den Wissenschaften sich zu beschaftigen, ist es auch, welchc den Apotheker so hrauchbar
macht, welche es erlaubt, dass er in so vide andere
Branchen des Staatslehens ubergehen kann.
Alle Naturwissenschaften konnen nicht bloss theoretisch
") Aninerltungen
ZII
1) II file ti i l ' s StGchiometrie. Hannover. S. 9 etc.
8
getrieben werden, sie erfordern eine praktische Bearbei:
tung. Der Botaniker muss seine Pflanzen sammeln, analysiren, trocknen, noch mehr hat der Zoolog zu thun und
beim Studium der Mineralogie kann man der chemischen
Analyse nicht entbehren. Beim Apotheker reichen aber
die feineren Arbeiten nicht aus, er muss seine chemischen
und chemisch- pharmaceutischen Operationen in etwas
grossem Maassstabe anstellen, und schliesst sich theils hiermit, theils mit anderen mehr mechanischen Arbeiten dem
Techniker an.
Zu diesen mechanischen Arbeiten, welche mehrfache
Uebung tlnd Pertigkeit erfordern, gehijren die vielfachen,
welche das Bearbeiten der Rohstoffe, die Darstellung mehrer, ja der meisten, rein pharmaceutischen Praparate und
das Dispensiren der Medicamente erfordern : es sind diess
in der Mehrzahl, wie schon erwahnt, oft nur mechanische
Verrichtungen, sie unterscheiden sich indess doch wesentlich von den Beschaftigungen der Handwerker, weil nicht
allein die g r o s s t e S o r g f a l t dabei nothig ist, sondern
auch, weil immer dabei die G r u n d g e s e t z e d e r W i s s e n s cha f t beachtet werden miissen.
Der Apotheker muss drittens auch noch Kaufmann
sein, aber freilich nicht im gewiihnlichen Sinnc des Wortes;
der Kaufmann treibt seinen Handel nur mit den Artikeln,
wobei er etwas zu verdienen weiss, der Apotheker aber
muss alle Dinge halten und anschaffen, welche ihm die
Pharmakopoe vorschreibt und welche der Arzt zur Heilung
der Kranken bedarf. Er darf alle diese Dinge nur in
bester Qualitat verabreichen und nur zu hestimmten festgesetzten Preisen. Er muss ferner zu jeder Tageszeit,
selbst mitten in der Nacht, nieistentheils auch ohne Erhahung des Preises, dem Armcn, wie dcm Reichcn, die
kleinste Menge der Medicamente uberlassen, und in dringenden Fallen, wenn Gefahr zu furchten ist, auch ohne
Bezahlung. Ein Fall, der nicht sclten ist.
Der Apotheker bedarf ein wcit grosseres A n l a ~ c
capital, als der Kaufmann. Denn indem Iclzterer im Jahre
oft zwei bis dreimal so vie1 umsetzt, als er im 13esiIze
hat, setzt der Apotheker oft kaum den sechsten Theil von
dem um, was er zur Anlage seines Geschaftes bedarf.
Der Apotheker hat ausser dem grosseren Anlagecapital
auch noch weit grossere Geschaftsspeesen, als der Kaufmann, denn man kann durchschnittlich nicht mehr als
allerhiichstens 9 2-4 500 Thaler Umsatz auf einen Gehulfen
oder Lehrling rechnen. Ausserdem ist der Apotheker noch
einer steten Controle uber sein Personal, seine Waare,
sein Handeln und Wissen, vom Staate unterworfen.
Aus dieser Betrachtung ergiebt sich denn doch wohl,
d a s s d i e P h a r m a c i e nach i h r e m Wissen u n d
Geschaftsbetriebe ein abgeschlossenesGanze
b i l d e t und j e t z t e t w a s ganz Anderes ist, a l s
s i e s o n s t w a r ; d a s s s i e nicht n e b e n b e i vom
Arzt getrieben w e r d e n k a n n , t h e i l s w e i l
d e r Umfang der medicinischenWissenschaft
so angewachsen, t h e i l s , weil d i e P h a r m a ceuten s e l h s t d i e Naturwissenschaft auf
a n d e r c W e i s e u n d in g r i i s s e r c m U m f a n g e
t r e i b e n miissen; ferner, d a s s sie als e t w a s
S e l b s t s t a n d i g e s b e t r a ch t e t w e r d e n m u s s ,
d a sie, a u s s e r d e r unifassenden Kenntniss
d e r N a t u r w i s s e n s c h a f t e n , auch d e r e n p r a k tische Anwendung auf die Bereitung d e r
Medicamente und auf d a s Leben uberhaupt
b e d a r f , u n d weil d e r A p o t h e k e r gleichz e i t i g T e c h n i k e r u n d K a u f m a n n s e i n muss.
Wie kommt es aber, wirft man uns vielleicht ein, dass
nicht lingst schon, wenn sich A11es so verhhlt, die Selbststandigkeit der Pharmacie in Beziehung auf ihre wissenschaftliche und technische Leistung anerkannt worden
ist?
Vor Allem liegt der Grund darin, dass der Arzt erst
da sein muss, ehe der Apotheker gebraucht wird, und
dass es Niemand giebt , welcher das Ganze iibersehen
kann, weil namlich der Stand der Pliarmacie ein so ganz
eigenthumlieher ist. Zweitens mbgcn die, welche jetzt
noch die Obergewalt ausuben, die Einzigen, die cs bcur-
10
theilen konnten, niimlich die Aerzte, nicht gern zugeben,
dass es anders geworden ist im Laufe der Zeit: und
drittens erscheint das Urtheil der Apotheker immer verdachtig und lasst sich leicht verdachtigen, weil ihr wissenschaftliches Handeln gleichzeitig und innig mit dem kaufmannischen .verbunden ist.
1st es uns gelungen, durch das hier Gesagte den
Ausspruch zu rechtfertigen, dass die ,Pharmacie etwas
Selbststandiges ist, dass sie nicht dem reinen Gelehrtenstande, der bloss die Wissenschaften ihrer selbst willen
treibt, noch dem arztlichen, der die Naturwissenschaften
eines anderen Zweckes wegen pflegt,. noch dem blossen
technischen, noch kaufmannischen angehort, so folgt auch
daraus, d a s s N i e m a n d A n d e r s , a l s d e r A p o t h e k e r
bei d e n n i e d e r e n und hochsten Behorden d i e
p h arm a c e u t is ch e n u n d p r a k t i s ch - ch emi s ch e n
Angelegenheiten v e r t r e t e n und beurtheilen
k 6 n n e. Doch sol1 keineswegs durch diesen Ausspruch
der auch von uns als nothig anerliannte Beisitz vonAerzten und Juristen bei Berathung pharmaceutischer Angelogenheiten, was wir spater noch weiter angeben werden,
weggelaugnet wcrden.
Es muss urn so mehr verwundern, dass man die
Pharmacie so selten oder doch so unvollkommen bei den
verwaltenden und gesetzgcbenden Bchorden vertreten
findet, da man doch in neuerer k i t sehr wohl gefiihlt
hat, dass einzelnc fruhere Unterahtheilungen zu selbststandigen herangewachscn, dass z. B. ausscr d e n T h o o 1 o g e n besondere S ch u 1m iin n e r zu den Collegien gezogen werden mussen, dass man fur den H a n d e l s s t a n d
besondere C a m m e r n und H a n d el sg e r i ch t e errichten
muss.
Zweiter Abschnitt.
Anforderungen der verschiedeneii deutschen Staaten an die Apothelier
in wissenschaftlicher, technischer und kaurmannischer Beziehung, sowie
Schildcrung der Anwendungen, welche von den wissenschaftlichen
Kenntnisscn des Apothclcers in verschicdenen Lindcrn gemacht werden,
nebst Bemerkungen ubcr Almnderung und Vcrbesaerung, welche die
Fortschritte der Zeit veranlnssen und die Apothelcer wdnschen.
Nachdem wir versucht haben, irn ersten Abschnitte
die Selbststandigkeit der Pharmacie darzuthun und zwar
durch die Schildcrung der eigenthumlichen Stellung, welche
sie als wissenschaftliches, technisches und kaufmannisches
Gcschaft cinnimmt, wclche Selbststandigkcit besonders
noch durch dic Hohe untl den Umfnng, welchen die wissenschaftlich - praktische Bildung des Pliarmaceuten erfordert, gerechtfcrtigt wird, wollen wir in diesem Abschnitte
die Anforderungcn, welche der Staat in wissenschaftlicher,
technischer und kaufmjnnischcr Beziehung an den Apothclier stellt, schildcrn und hicran die Fordcrungen der
Zeit und unserc desfallsigen Wunsche knupfcn.
In wissenschaftlicher Beziehung fordert der Staat, dass
der Apothekcr cine wisscnschaftliche Vorbildung genossen
und in den bcschreibcntlcn und untersuchenden Naturwissenschaften so vicl thcorctischc Kcnntnisse und praktische Fertigkeitcn sich crworbcn habc, dass er die Naturkorper nicht nur zu erkennen und zu bestimmen, die
unkhtcn Droguen von den achten xu unterscheiden vermas, sondcrn (lass er auch dicselben kunstgerecht zu
zerlegen und zu neuen. zusammcnzusetzen im Standc ist,
wie es die Medicin zuin Hcile dcr Mcnschheit und dio
Justiz bci polizeilichen und gcriclitlichen Untersuchungen
verlangt. Aber nicht bloss nrit den Sloffen an und fur
sich und der Wirkung dcr unorSanischcn auf einander
muss der Apothclicr bekannt win, sondcrn es muss derselbe im Allgemeinen auch die Wirkung dcrselben auf
den lcbenclen Organismus kenncn, u m bei den Verordnungen der Acrzte mdglichc Schreibfehler oder sonstige
Versehen zu cntdecken und dcm Laien bei der Verabrci-
42
chung medicinischcr, tcchnischer m d giftiger Stoffe dic
nothigcn Verhaltun~sregelnzu gcben.
Obgleich es feststeht, dass in Deutschland die Pharmacie auf einer weit hohercn Stufe sich bcfindet, als in
allen Landern Europa's"), so sind doch noch in den verschiedenen Staatcn Deutschlands die Anfordcrungen verschicden: cs wird sich am bcsten ein Bild hicruber herausstellcn, wcnn wir die Art, wic die Aushildung des Apothckcrs, urn den Staatsprufungen zu genugen, erlangt und
der Grad, welchen dieselbe crreicht haben muss, naher
ins Augc fassen und dann uns zu zeigcn hemiihen, wie
in den verschiedenen Staaten die erlangten und Seforderten Kenntnisse der Pharmaceuten benutzt und verwendet
werden.
Was nun zucrst die wissenschaftliche Vorbildung eiiies
jungcn Mannes, der Apothckcr werden will, betrifft, so
besteht hieruber in den wcnigsten Staaten ein bcstimmtes,
noch weniger geniigendes Gesetz. In dcn mehrstcn Landcrn, namentlich in Prcussen und Sachsen, ist es den
Physicats- oder Bezirks -Aerzten, in Ocsterreich den Apothekergremien uberlassen, die Fahigkeiten dcs Aspiranten""),
dcr ubrigens nur das 44. Jahr erreicht zu haben braucht,
zu prufen***), und es geniigt hicr, wenn derselbe lesen,
schreiben, rechnen kann und im Lateinischen so weit ist,
dass er aus einer lltcren oder neueren lateinischen Grammatik, odcr sonst einem leichten Schriftsteller etwas ubersctzen kann.
In Ocsterreich wird das zuruckgelegte 45. Jahr crfordcrt, nur in dem venctianischcn Gubernialgebiete ist das
3))
*,)
**.,)
Jahresbericht uber die Fortschritte der Pharmacic in allen LSndern. 1842. IIeransgcgcben yon D i c r h ach in Heidelberg,
B l a r t i u s , S c h e e r e r und S i m o n . Erlangen 1844. S. 192.
Nach einer lx+dichen Mittheilung sbll jedoch in Oesterreich cin
Lebensalter yon 17-18 Jahren und die Vollendnng dcr scch.:
Gymnasialltlassen vorgeschrieben sein mit Erfordern der Entlassung mit der ersten Rote, wogegen die Apothclrer remonstrirt
haben, weil sich selten Lehrlinge gefunden hiitten.
1\1C 11 c r 's Dargtellung des Apothelcerwcscns. Wicn 1844.
13
nothige Alter auf das 14. Jahr feslgestellt. Man fordert
daselbst gesetzlich die Nachweisung der mit Erfolg zuriickgelegten Normalschulklassen, wenn dieses auch im Wege
dcs Privatstudiums statt fand, ferncr die hinlangliche Kenntniss der lateinischen Sprache und daher das mit gutem
Fortgange ahsolvirte Studiuni sammtlicher Grammatikalklassen; in R'icderbsterreich ist eine viermonatliche Probezeit
angeordnet. In Anlialt ist das vollendete 45. Jahr vorgeschrieben.
In Wiirtemherg sol1 der Lehrling, nehen den nothigen
Verstandeskraften , die lateinische Sprache, so wie die
Anfangsgriinde der Mathemathik und der Naturlehre inno
haben")
Im Kiinigreich Hannover, eben so in Hohcnzollcrn,
wird nur dab 44. Jahr erfordcrt, so wie eine leserliche
I-Iandschrift, Uchung in der gewohnlichen Rechenkunst
und Verstehen leichter lateinischcr SchriftstellerW*), was
uns eine allzuniedrige Forderung zu sein scheint.
In Baiern, wo man hberhaupt die strengsten Anforderungen an die Apotheker stellt, beginnt man auch gleich
init grosseren Anforderungen in Betreff der literarischen
Vorbildung: dort muss dcr, welcher die Pharmacie erlernen will, ein Alter von 45-20 Jahren erreicht, und einen
vollstandigen Cursus einer lateinischen Schule, welche
Yorbereitungsschulen fur die Gymnasien sind, absolvirt
haben ***). Dasselhe gilt im Grossherzogthum Baden f).
Nach unserem Urtheile kbnnen wir die Ansicht derer
nur gut heissen, wclche dieses hohere Alter uiid die hohere
Vorbildung fordern, und nur einen bescheidenen Wunsch
hatten wir in dieser Bezichung noch hinzuzufugen, dass bei
der Gymnasialhildung mchr k i t auf die Mathematik, welchc
die Grundlage aller Naturwissensc~iafiei~ist, gewendet
werden mochte, als es auf vielcn Gelehrtenschulen bis
~~
%
.)
I{. jT''urtenib. Apotli.-Instruct. v. 31. n h i 1814 u. I(. Wiirtemb.
Verordn. v. 25. Ppov. 1824 u. 22. Sept. 1843.
f i 1 i i l l c r ' s 1)aratcll. S. 43.
+"") Uns. s. 49.
t) DilS. s. 4 7 .
4s")
11
jetzt der Fall ist, und dass man die Aufnahme in die Lehre
nirgends von der Prufung beim Physicus oder Bezirksarzt,
sondern von dem Zeugniss eines Lehrercollegiums abhangig machte, wie z. B. in Oesterreich und Baiern.
Die crste Bildung, welche der neue Apotheker erhalt,
ist im Allgemeinen angenommen cine pralitische und hierin
Iiegt etwas, was auf das ganze Tliun und Treiben der
Apotheker einen wesentlichen Einfluss aushbt.
Nack den Gesetzen der mehrsten Staaten sol1 die
Lehrzeit mindestens 4 Jahre dauern. Ob wir gIeich glauhen, dass 4 Jahre Lehrzcit als Minimum anzunehmen ist,
so mussen wir doch auch zugeben, dass da, wo eineVorbildung, wie in Baiern gcfordcrt wird und auch spziter
ein ein - his anderthalbjahriger Aufenthalt auf der Universitat niithig ist, 3 Jahre Lehrzeit zur Ausbildung der mechanischen Fertigkeiten ausreichcn.
Es ist aher nach unserem Dafurhalten in der Dauer
der Lehrzeit nocli etwas Anderes zu suchen, als bloss die
Erlerriung von Kenntnissen und Fertigkeiten. Es muss
namlich der angehende Apotheker sich hier an die
Schwere und Strenge, an die Entbehrungen und Pflichten,
welches sein kiinftiger Beruf f'ordert und auferlegt, gewohnen.
Wahrend der Lchrzcit sollen nach allen liieruber jetzt
geltenden Gesetzcn der verschiedenen Staaten Deutschlands die Erlernung der mechanischen Arbeiten mit der
thcoretiscticn und wissenschaftlichen Beschaftigung in den
zur Pharmacie niithigen Nalnrwissenschaften Hand in IIand
gehen und deshalb sollen von den Lehrherren nicht bloss
bei den wissenschaftlichen Arbeiten die nijthigeii Erlauterungen gegeben werden, sondern es sollen auch wochentlich cinige Stundcn dcm theoretischen Unterrichte der
Botanik, Zoolwjc, illineralogic, Waarenkunde, Physik und
Chemie Sewidmet werden, etwas, was von dem Apotheker
allgemeiner Scubt werden miisste, strenger, als es leider
hiiufig der Fall ist und was die Gesetze ihm unbedingt
zur Pflicht machen solllen ").
*) In Oesterreich
zuhnlten
,
ist es vorgcschrieben, den Lelirling fleissig anNaturgeschichte, W a n r e ~ ~ k i ~ ~Chemie
~de,
und pralr-
45
Die Art der Aneignung der wissenschaftlichen Kenntnisse, gleichzeitig mit Anwendung derselben auf die Praxis
(und mit Bieser selbst verbundcn), ist es auch, welche eine
eigcnthumliche Auffassung der Wissenschaft veranlasst, die
dem tuchtigen Apothckcr glcichsam zur andern Natur geworden ist, und ihn fur die verschiedenen Verhaltnisse
des Lebens so brauchbar macht, und den Apotheker beFahigt, in die heterogensten Geschaftsverhaltnisse, welche
naturwissenschaftliche Kenntnisse erfordern, ubergehen zu
konnen.
Nachdcm nun die Lehrzeit uberstanden, ist es nothmendig, dass sicli der Lehrling ciner Prufung unterwirft,
1x1~11deren gutem Ausfalle er zum Gehulfen erklart wird.
Dime Prufung ist nach den Gesctzen an vielen Orten nur
von einem Arzle anzustellen, an andern unter Zuziehuns
eines Apothekers im Beisein des Lehrherm. Am haufigsten besteht dieselbc in nochmaliger Ermittelung der
Schulwissenschaften, indem der Adspirant einen deuttische Apothekerkunst zu studiren nnd ilini hierzu triglich wenigStens zwci Stnndcn Zcit zit geben, und (ilters in dcr Woche P r b
fungcn anzustcllen. (RIuIlcr’s D a r s t e I I . S. 11.)
In Gratz und Prng sind die Lelirherren verpfliclitet, illre
Lehrlinge an den VorLcsungcn iibcr Chcmic, Botanilc und Naturwrissenschaften Theil nehmen zu lasscn.
I n Baiern ist dem Lchrhcrrn ausdriicklich zur Pflicht gcmacht,
seine Lehrlingc zu lteincr der Pharniacie fremden, am wcnigsten
zu lcncclitisclien Arbciten zii verwenden, und denscFben tgglich
wenimstens
zmci Stundcn Zeit znm Studium nnd Kachholen zu
0
gdnnen. Die Zoglinge miissen ein Tagebnch uber alle angefertigten l’riparate fiihren und dasselbe am Schlusse ihrer Lehrzeit
bei ihrer Priifung dcr. Examinations -Cornmission vorlegen. Diese
1’:inrichtung ist selir nacbahmungswurdi~ u n d giebt zuglciclr cine
Controle uber die tnelir oder wcniger fleissige Benutzung .der
Laboralorien von Seiten d e r Apothcltcr. ( R l i t t h e i l u n g d e s
I I e r r n B o f r a t h s Dr. B u c h n e r . )
I n Wurtembcrg ist dcn Apotheltern vorgeschrieben, die
Lehrlingc in clcr pralttisclien Apollieltcrltunst, so wie den Anfangsgriinden der Cheiiiie, Botanik und Waarenliunde griindlich
zu unterweisen. (R1 i i l l e r ’ s D a r s t e l l . S. 44.)
16
schen Aufsatz liefern und etwas aus der Pharmakopos
iibersetzen muss, endlich aus einem Examen iiber Hiilfswissenschaften der Pharmacie, von denen er wenigstens
&en so vie1 wissen muss, als zum Bestimmen und Erkennen der officinellen Pflanzen und zum Verstehen der
Jrorgange bei der Darstellung der pharmaceutisch - chemischcn Praparate, welche in der Pharmakopoc aufgenommen, nothwendig ist. Ferner muss er die wichtigsten
Gesetzc uber Dispensiren der Mcdicamente iiberhaupt und
der heroischen und narkotischen insbesondere kennen, so
wie die Dosen, in welchen dicsclben gereicht werden
mussen.
Die Priifungen finden in den osterreichischen Staaten
grijsstentheils bei den Gremien statt, und es wird die
Uebersetzung einzelner Stellen aus der Pharmakopoe,
miindliche Beschreibung mehrercr rohen Arzneistoffe, Erorterungen der cliemischen Zusammensetzung einzelner
chemischer Praparatc .und ihrer Gute , Ablesen einiger
Kecepte, Erklarung ihrer Bereitung, Taxiruns derselben
und Bereitung eines pharmaceutischen Praparates verlangt ").
In Baiern sind nach 3. 15. der Apothekerordnung
eigene Prufungscommissionen von den Icreisregierungen
in den grossern StBdten ernannt, bestehend aus dem Physicus des einsclilagenden Gerichtsbezirks und zwei Apothekern. Die Priifung ist schriftlich, praktisch und miindlich. Sic besteht namlich 1) in schriftliclier Bcantwortung
einiger Fragen aus der allgemeinen Naturbeschreibung,
Physik, pharmaceutisclier Chemie und Botanik, 2) in miindlither Uebersetzung verschicdener Stellen aus der P/iarmacopoca bnvnr~ica,3) in miindlichcr Beantwortung einigcr
Fragcn aus dcr Apothckerordnung, 4) in mundlicher Priifung uber Pharmakognosie mit Anwendung von Reagentien,
5) in Receptur und Taxirung einiger Recepte, 6) in Darstcllung eines pharmaceutischen Praparates.
In Wurtemberg sol1 sich diese Priifung iiber dic Kcnnt*) 31 i i l l e r ' s Darstell. S. 42.
17
nisse der rohen Arzneimittel, die Anfangsgriinde der Botanik, Naturkunde und pharmaceutischen Chemie erstrecken
und ein nochmaliges Versichern uber die Kenntnisse in
der lateinischen Sprache in sich schliessen *).
In Hannover ist nur einc Prufung vor dem Physicus
mit der Anforderung des Erweises der praktischen Geschicklichkeit angcordnet, ebenso in Preussen und Sachsen, doch sol1 in letzterm Staate, da, wo noch ein Apotheker sich befindet, der letztere zugezogen werden.
In Hamburg wird der Lehrling in Gegenwart des
Lehrherrn von Apotheltcrn in der Kenntniss der lateinischen Sprachc, der Pliarmakopiie und in der Ferligkeit
der pharrnaceutischcn Arbeiten ciner Prufung unterworfen.
Ein bloss tlieoretischcs Examen, wie cs am oftersten
statt findet, ist in jeder IIinsicht als unzureichend anzusehen, selbst wenn es im Beiscin eines Arztes von einem
Apotheker vorgenommcn wird, denn man erhalt keine
Kenntniss von dcm, was der zu Prufcnde in der Praxis
leistct, ohne welche kein Apotheker existiren kann. Wir
lolochten daher wunschen, dass, wie es jetzt an einigen
Orten, z. B. in Dresden, Erfurl, gcschieht, man dem theoretischcn Examen clurch Apotheker unter Vorsitz des Bezirksarztes, das Fertigcn eines lcichten chemischen oder
pharmaccutisehen Eriiparats, ciniger Recepto, ferner das
Taxircn dersclben, vorausgehcn lassen miichte. Nach diesop doppelten Priifung ini Theoretischen und Praktischen
ware demnnch das Zeugniss auszustellen, fur dessen gewissenhafte Ausstcllung die Examinatoren verantwortlich
gemacht werden solltcn.
Nachdem nun der Apotheker sein erstes Examen
gliicklicli thcrstanden, muss cr nach den verschiedenen
Staatsgcsetzen cine bcstimnitc Zcit, rneist von 5 bis 5
Jahren als Gehulfe in eincr Apothcke oder in mehreren
gearbeitet habcn, ehe er zur zweiten Priifiing zugelassen
wird, wobci noch zu vcrlangen ware, dass dcrselbe wenigstcns ein Jahr scincr Scrvirzcit im Laboratorio zuge>)
Rliiller’s Darsteli. S. 45.
2
18
hatte. In einzelnen Staaten werden ihm von seiner Servirzeit 2 Jahre erlassen, wenn er ein Jahr in einer
pharmaceutischen Lehranstalt oder auf einer Universitat
zugebracht hat, noch in andern Landern wird absolut verIangt, dass er ausser der vorgeschriebenen Servirzeit *)
ein oder, wie in Baiern, noch ein bis zwei Jahre sich dem
theoretischen Studio der Naturwissenschaften gewidmet
habe.
So hoch beim Apotheker die praktische Thatigkeit,
die derselbe in der Officin und im Laboratorio ubt, und
zwar nicht bloss um dessenwillen was er lernt, s o n d e r n
a u c h , um s i c h a n d i e s t e t e T h a t i g l t e i t , O r d n u n g
und Aufopferung, welche u n s e r Stand e r f o r d e r t , z u g e w o h n e n anzuschlagen ist, so kann doch
bei dem Standpuncte, den jetzt die wissenschaftliche Ausbildung des Apothekers erfordert, ein rein theoretisches
Studium, wenigstens fur Ein Jahr nicht enthehrt werden.
Dass durch eigencs Studium der Besuch cines Institutes,
welches mit einer Universitat verbunden ist, oder einer
Universitat selbst, nicht ersetzt werden kann, ist gewiss,
denn nur hierdurch erhalt der junge Pharmaceut einen
Blick in den freien Kreis, in welchem die Wissenschaft
sich bewegt. Jedoch macht die nothwedgie nicht zu Iange
Entfernung und Verwiihnung von der Praxis ein moglichst
rasches akademisches Studium bei den Pharmaceuten wunschcnswerth.
Hat nun der Gehulfc die gcfordertc Conditions - und
sesp. Studienzeit zuriickgelegt, so kann er in manchen
Staaten ohne Weiteres zur Staatsprufung zugelassen werden, in anderen Staaten ist es nothig, dass der Exspectant
die Verwaltung einer Apotheke oder das Besitzthurn einer
)+.
Diese ist in Preussen auf 4 - 5 Jahre, in Baiern auf 3 Jahre (so
dass den academischen Studien eine sechsjghrige vorzngsweise
praktische Ausbildung vornusgehen muss), in Wiirtemberg, Hannover und Hamburg ( N u l l e r ’ s D a r s t e l l . S. 17), in AnhaltBernburg auf 5 Jahre ( M e d i c . O r d n u n g d e s H e r z o g t , h u r n s
B e r n b u r g 18201, S O wie in Neclrlenbnrg Schwerin aof einige
Ja hre I‘estgesetzt.
-
19
solchen nachweise, welche Einrichtung wohl iiicht ohne
Nachtheil sein durfte. Bei der zuletzt genannten BedinRung haben die obersten Behorden einen guten Zweck
erreichen wollen, niimlich den, zu verhindern, dass junge
Apotheker nicht zu friih, etwa gleich wenn sie ihre theoretischen Stuclien eben beendigt haben, aufhijren fortzuarheiten. Sic haben aber nicht bedacht, dass diese Verordnung so leicht umgangen werde. Zwcckmassig durfte
es aber sein, wenn der Pharmaceut, welchcr seine Prufung bestanden hat, in der Zwischenzeit, bis er zum Etablissement gelangt, noch weiter als Gehulfe oder Provisor
serviren musste. Hierdurch wird auch am besten dem
Umstande vorgebeugt, dass, wenn ein Apotheker erkrankt
oder auf lfngere Zeit verreisen muss, nicht so leicht eine
Verlegenheit wegen Vertrctung des Geschafts durch qualificirte Personen entsteht.
In Oesterreich sind die Apotheker verpflichtet , nur
Gehiilfen aufzunehmcn, wclche in den Kaiserstaaten selbst
ihre Lelirzeit bestanden haben und mit @en Zeugnissen
versehen sind, welche Verordnung wegen ofters eintretenden Mangels an solchen Gehiilfen umgangen werden muss.
- Ini Braunschweigschen muss jeder eintretende Gehulfe
erst von der Obersanitatsbeliorde gepriift werden.
Die Examina sind sehr abweichcnd in den verschiedenen Landern, in manchcn werden diese nur von einem
Arzte oder von einem Apotheker, welcher zuweilen nur
gewohnliche Kenn tnisse besitzt, vorgenommen, in anderen,
wie in Sachsen, bloss von Professoren und Aerzten, in
anderen grosseren Staaten, z. B. in Preussen, Baiern, von
ciner besonders dazu niedergesetzten Prufungscommission.
Uiese Commissionen enthalten Professoren der Botanik,
Mineralogie, Zoologie und Chernie, wissenschafilich gebildete Apotheker und Aerzte. Nur ein solches aus Aerzten,
Lehrern der Naturwissenschaften und praktischen Apothekern zusammengesetztes Collegium ist befahigt, ein genugendes Examen anzustellen.
In Oesterreich wird die Prufung in Gegenwart des
Uecans als Praises und der Professoren der Chemie, Bo2*
tan& und Naturgeschichtc vorgenommen und bczieht sich
&en so wohl auf theorctische, als praktische Kenntnisse.
Ocfters werden freilich mehr bloss chemische, als pharmaceutische Praparate aufgegeben.
In Preusscn beginnt die Staatsprufung mit einem Tentamcn, um die notliige Vorbildung zu crforschen, es bestehet in ciner Prufung der lateinischen Sprachkenntniss,
dcr Losung eincr Aufgabe in gerichtlich chemischer Beziehung. 1st dicsc Vorprhfung gcnugend ausgefallen, so
erhalt der Candidat zwei Tlicmata aus der anal ytischen
Chemie zur sowohl praktischen, als schriftliclicn Bearbeitung, ~vclchc untcr Aufsicht anzufcrtigcn sind ; ferncr in
einem Cursus praklischer, chemischer und pharmaceutischer Arbeiten und endlich in cincr mundlichen Schlussprufung vor der Oberexaminations - Commission zur weiteren Erforschung der pharmakologischen, physikalischen,
chemischen und naturhistorischcn Kenntnisse
In Baiern findet dic Approbationsprufung an den drci
Landes -6niversitaten statt, durch 6 bis 7 Professoren ubcr
Mathematik, Physik, Chcmie, Stochiometrie, Botanik, Zoologic, Mineralogie, Pharmacic, Pharmakognosie und Toxicologic. und is1 sowohl thcorctisch, alq prahtisch. Die praktische Prhfung ist zugleich mit scliriftliclien Ausarhcitungen
uber die gemaclite chemische Analyse und uber die chcmisch - pharmaccutischcn Praparate, welche von den Examinantlen dargcstcllt wurden, velbuiidcn. In Wurteniberg
findet die Prhfung in Stuttgart h i m ~Icdicinalcollc~ium
und in Tubingen statt, in IIannover vor der arztlichcn
Prufungsbehorde. Im Holsteinischen findet sie in Kicl
statt und ist sowohl thcoretisch, als praktiscli. In Sachsen
werden die Prufungcn sowohl in Leipzig, als auch in
Dresden, doch ohne Zuziehung von praktischen Apothckern, von eincm Professor dcr Chemic und cinem der
Naturgeschichte unter Vorsitz des jedesmaligen Decans
vorgcnommen.
Diesc Examina sind wohl nur in Landcrn, wo nur Acrzten
diesclben ubertragen werdcn, Moss mundlichc und schrift-
24
liche, in den ubrigen [aber zugleich mil der Prufung praktischer Fertigkeit verbunden. Doch oft besteht diese letzterc
Prufung bloss in der Fertigung eines pharmaceutischen Praparates, aber nicht zuglcich in einer analytischen Untersuchung, welche so sehr nothig ist und nicht bloss eine qualitative sein muss. Hat denn nun der Candidat sein ihm
nufgegcbcnes Priiparat dargestellt, die Analyse durchgefuhrt,
seine schriftliche Ausarbeitung abgegeben und endlich das
mundliche Examen uberstanden, so crhalt er, zuweilcn
erst auf Verlangen, eine Censur, wclche nach Urnstandcn
die erste, zweitc oder dritte sein kann. Mit dcr dritten
verliert der Apotheker in e i n i g c n L a n d c r n das Reclit,
Lelirlingc zu haltcn, wclche Berechtigung ihrn aucli dann
verloren gchen kann, wcnn er Veranlassung giebt, dass
die von ihm gebildcten Gchiilfen nicht den Anforderungen
entsprechcn, wclche die Behorden an diese machen, und
die Schuld davon erwcislich an dcm Lchrherrn liegt. Zuweilen fuhren die verschiedcncn Censurgrade noch andere
Vortheile und Nachtheilc mit sich, indem z. I). nur der
ersten Classe die Uebernahrne von Staatsamtern zugesprochen wird, fur welche allerdings nur die vorzuglichc
wisscnscliaftliclic Qualification befiihigen sollte. In Preusscn
unterschcidet man hpothekcr crster und zweiter Classe,
wclchc UntetwAicidung abcr liunfiig daselbst, wie es heisst,
wcgfalicn wird. Die crste Classe muss ihr Examen bei
der Priifungsbchiirdc dcr IIauptstadt abhalten, die andcrcn
halten cs bci den Provinzial - Medicinalbehiirclen ab. Es
wird hicr ein Unterschied hcrbeigcfulirt, wclchcr oft nur
von Umstiinden bedingt ist, und gcwiss seine grossen
Nachtheile hat. In Baiern unterscheidet man drci Notengrade, niimlich 4 ) mit ausgczcichneter, 2) schr Suter,
3) genugcndcr Befshiguns , worauf bei Ertheilung von
Apotheken-Concessionen und bei liebertragung von Lehrgrmtern an den Gcwcrbeschulcn und hei polizeilichen
und gcrichtlichcn Untersuchungen Riicksicht genomrnen
wird.
In den K. I<. Staatcn Oestcrrcichs darf Iteiner cine
Apothcke annehrnen, wclchcr nicht das auf einer Univcr-
22
sitat des Staates erlangte Diplom cines Doctors der Chemie oder Magisters der Pharmacie aufweisen kann.
Die christliche Religion wird in Oesterreich und Sachsen und wurde bis vor Kurzem auch noch in Preussen
gefordert, wo man jetzt auch Juden die Erlaubniss, Apotheken zu erwerben, zugestanden hat. Man hatte in Preussen friiher Bedenkcn getragen, den Judcn Apothekengeschafte zu ubcrlassen, weil dieselben so viel polizeilichc
Aufsicht erfordern und durch eigennutzigen Betrieb dem
Publicurn sehr gefahrlich werdcn kiinncn *).
So viel ist aber gewiss, dass licin Gcschiift leichter
Umgehungen zulasst, als das des Apothekcrs, weil es
namlich nicht allein sehr Wenige giebt, dic ihn controliren
kijnnen, sondern auch, weil selbst der Sachverstandige bei
zusarnmengesetzten Mitteln es nicht immer im Stande ist.
Derjenige, welcher sein Examen als Vorsteher einer
Apothekc uberstanden, hat nun ausscr dem Rechte, pine
Apotheke zu verwaltcn, wohl fast iibcrall die Verpflichlung, auf Verlangen der Polizei - und Gerichtsbehorden
chemische Untersuchungen vorzunehmcn oder iiberhaupt
naturwissenschaftliche Gu tachten abzugehen. Selten crgehen abcr diese Anforderungen direct an ihn, sondern
durch den Physicus oder Gerichtsarzt.
Die gerichtlichen Untersuchungen bei Vergiftungen
sind schon Iangst in den Handen dcr hpolhekcr, dcnn
diese konnten doch die Aerzte nicht iibcrnehmen, da sie
oft mit sehr grossen Schwieriglteiten vcrbundcn sind, oft
langere Zeit, vielc Geriithschafien und Appnratc erfordcrn
und anch nicht bloss so nebenbei angestellt wwden konnten, denn zu Unlersuchungen diescr Art ist cin vollkommenes Herrsein der Wissenschaft und die jiriisstc p a l < tische Fertigkcit nothig.
In Mecklenburg - Schwerin sollen demungeachtet die
Physiker sich noch den gerichtlich - clieniischen Untersuchungen unterziehen **).
-*) RIiiller’s Darstell. S. 82.
)
S. Medicinalordnung des Grossherzogtbnnls ilIecltleiibiirg-ScIlwel.in.
23
Bei Gutachten uber polizeiliche Fragen, werden
die Apotheker hiiufig in Anspruch genommen, doch am
haufigsten nur unter der Hand, das Gutachten fast immer
vom Arzte allein abgegeben, woher es auch wohl kommen mag, dass von Behorden es nicht eingesehen wird,
dass die Aerzte nicht Alles wissen und wissen kijnnen.
Zu den Priifungen der Arzneimittel, der Einrichtungen und
dcs Gesclii~ftsbetriebs in Apotheken, d. h. zu den Revisionen derselben, sind nur praktische Apotheker befahigt,
aber bis jetzt ist diess noch nicht allgemein anerkannt, und
selbst in mehreren grosseren Staaten wurden die Revisionen bis vor Kurzem nur von Aerzten vorgenommen. In
Mecklenburg z. B. sollen, nach der neuesten Medicinalordnung, die Physici bis auf Weiteres die Apotheken visitiren. Daselbst haben die Apotheker dem Physicus so
wie dem Notar, welcher das Protocol1 fuhrt, Meilengebuhren und Honorar zu bezahlen.
In einigen Staaten sind besondere Apothekenrevisoren
angestellt, wie in Sachscn, Hannover, Braunschweig, Weimar, Lippe, in anderen, wie in Preussen, veranstaltet der
Regierungs-Medicinalrath oder in dessen Auhrag ein Physicus unter Zuziehung cinzelner, ihm hierzu befahigt geltender Apotheker die Revisionen. Auch wo besondere
Revisoren angestellt sind, mussen die Gerichtsarzte der
Revision beiwohncn.
Nach unserem Dafiirhnllen ist es das wohlfeilste und
auch das beste Verfahren, wenn Apotheker selbst zu den
Revisionen verwendet werden, versteht sich im Beisein
des Physicus oder des Gerichtsarztes, denn nur wer eine
Apotheke verwaltet, kann den Geschaftsbetrieb vollkommen beurthcilen. Alle Nachtheile, welche daraus hervorgehen konnen, sind auch denkbar, wenn nicht mehr praktisch thatige Apotheker, die doch nicht so besoldet werden, dass sie davon leben konnen, damit beauftragt werden.
Es kann aber leicht ein aus dem Fache Herausgetretener
mit diesem oder jenem Arzneikorper unbekannt sein ; noch
mehr aber, als dieser Grund gilt, verdient es wohl Beachtung, dass man dadurch, dass man noch praktisch tha-
26
tigen Apothekern selbst die Revision ubertriigt, Gelegenheit
erhalt, tuchtige Apotheker auszuzeichnen, gleichsam zu
belohnen und zu neuer Thatigkeit anzufeuern. Als das
Revisionsgeschaft erleicht.ernd und eine gute Uebersicht
Sewahrend, stcllt sich die Anwendung der Wackenroderschen Protokollnetze") heraus. Endlich' werdcn auch noch
beim Entwerfen der Pharrnakopoen die Apotheker zuweilen um Rath gefragt, zuweilen wird ihnen dicse Arbeit
auch wohl ganz allein ubertragen. Die Ausarbeitung einer
Pharmakopoe gehort vorzugsweise in die Hknde der Apotheker, doch ist eben SO nothig der Beisitz und die Mithiilfe von Aerzten, denn diese haben vorzuglich zu bestimmen, was in dieselhe aufzunehmen ist, jenc, auf welche
Art ?as Aufzunehmende zweckmiissig und gut herbeigeschaft, dargestellt und gepriift werden soll. Die Annahme
einer einzigen Pharmakopoe fiir ganz Deutschland wurde
cin grosser Fortschritt in der Ausbildung des Medicinalwesens sein ! und es scheint uns dicss kcin unausfuhrbarer
Schritt, wenn man nicht zu sehr in das Specielle eingeht.
Die Medicinaltaxe kann wohl von niemand Anderm,
als vom Apotheker ausgearbeitet werden, denn niemand
Anders ist im Stande, die hierbci zu bcobachtenden und
spater angegebenen Umstande genau zu kennen ; dass
diess aber nicht immer und uberall geschehen mag, beweisen wohl die vor etwa zehn Jahren in mehreren Staaten
gemachten Remonstrationen, welche auch allgcmein von
den Behorden anerltannt wurden. In viclcn Staaten benutzt man die wisscnsenschaftlichen Kenntnissc dcs Apothekers kaum weiter, als zu dem hier Angcfiihrten, und
hierbei haufig nur auf sehr eingeschrankte Weise. In
Baiern sind bei den ProvinzialreSierungcn, in Preussen hei
den Medicinalcollegien, und in Baiern auch wohl im
Ministerium chemische Bcisitzer angestellt, die nicht immer
Pharmaceuten sind , was fur die Pharmacie selbst ein
%)
Protocollnetzc zum Gebrauch bci Apothckcnvisitationcn fiir Ncdicinalbehdrden, Apothelrenrcvisoren, Physilrer niid Apothclier.
Jena 1839.
26
Nachtheil sein durfte, da wohl oft der Pharmaceut chemische Fragen, nicht aber der Chemiker pharmaceutische
heantwortcn kann. Auch in Kurhessen ist ein Beisitzer
bei dcr obersten Medicinalbehiirde, doch konnte der zweite,
welcher nothig erachtet wurde, nicht angestellt werden,
weil die Stande das Gehalt dafur nicht bewilligten. In
Sachsen ist zwar auf dcm letzten Landtage beschlossen
worden, einen pharmaceutischen Beisitzer beim Ministerium
zu erncnnen"), doch hat man cs bis jetzt unterlassen. In
sehr wenigen kleincren Staaten ist es in dieser Beziehuns
wohl etwas besser, in allen aber hleibt viel in dieserHinsicht zu wiinschen iibrig. Selten hat der pharmaceutische
Beisitzer mehr als eine b e r a t 11e n d e Stirnme.
Am besten ist es wohl i n dieser Ueziehung in Hamburg, wo der Gesundheitsrath, welcher aus herzten und
Apothekern und wohl auch BUS einigen Juristen besteht,
uber Medicinal- Angelegenliciten fiirmlich zu entscheiden
hat.
Gewiss muss nach dem, was wir bis jetzt auseinander
gesetzt haben, anerkannt werden, dass in pharmaceutischen
Angelegenheiten Niemand anders, als praktische Apotheker
cntscheiden kiinnen, ja man kann wohl sagen, dass nicht
allein hierbei, sondern auch htG vielen mcdicinischen, gcrichtlichen und technischcn Ii'ragen der Apotlieker weit
besser rathen kann, als dcr jetzt dabei bctheiligte Azt.
Hiermit ist aber keineswcgs gcsagt, dass der Rath des
Arztes nicht niithig ware, sondern nur, dass a u s s e r d e m
d e r R a t h e i n c s A p o t h e b e r s n i i t z e n k a n n , und oft
erst d e r A r z t s e i n U r t h e i l a u f d a s G u t a c h t e n d e s
A p o t h e k e r s b a s i r e n m u s s . Gcwiss ist es dcshalb
nicht zu viel gesast, dass bci allen Bchorden, wo Aerztc
als begutachtend oder als stimmf~higeBcisitzer fiir nothig
crachtet werden, Apotheker ellen so nbthig sind und also
angestcllt werden sollten, was jedenfalls cin wescntlicher
Vorschritt im Mcdicinalwescn sein wurdc.
ti:;.
") Landtagsactcn
Abtbl. 2. Protocoll der ersten Knmmcr
p. 399, Alschn. 111. Protocol1 dcr zweitcn Iiammer p. 617.
26
Der Apotheker ist praktischer Naturkundiger, insbesondere praktischer Chemiker. Es ist der Stand der Pharmaceuten fast der einzige tuchtige Stand im Staate, den
die aufstrebende Industrie bedarf"), weil er in allen fraglichen Fallen Rath geben kann. Ausser dem Apothekerstande gicbt es keinen gleichen in dcn deutschen Staatcn,
in welchem die sammtlichen Naturwisscnschaften praktisch
ausgcubt und vervollkommnet werden, dcnn alle iibrigen
praktischen Ausiibungen der Naturwissenschaften in der
Societat sind auf etwas Einscitiges gericlitet und somit ist
er unbedingt im Verwaltungswesen nothwendig. Er erledigt am Geniigendsten polizeiliche und gerichtliche
Untersuchungen, insofern diese nur vom Standpuncte der
praktischen Naturwissenschaften, mit Ausschluss der Medicin im engcren Sinne, ausgefuhrt werden konnen. Wer
kann und soll uber die Eingaben der uiitern Behiirden,
z. B. uber die Revisionsprotocolle urthcilen, wer die Pharmakopoe, die Tase u. s. w. bearhciten? Dieses ist dcr
Ausdruck eines der ausgezeichnetsten der Professoren dcr
Pharmacie auf einer alten und beriihmten Hochschule, wo
stets die Naturwisscnschaften mit Lehrern vorzugsweise
gunstig besetzt gewesen sind.
Formlichc und viillig constituirtc. Medicinalbehorden
gehoren zu einer vollkommcncn Prledic:inalpolizei. Dass
in solcher Bchiirdc jede Branche des Medicinalwescns
vertreten werde, ist eben so wiinschenswcrth, als vernunftgemass, die innere, die aussere Medicin, (dic Geburtshiilfe),
die Pharmacie, die Thierheilkunst etc. Jeder Vcrtreter
dieser Facher soll als primus inter pares stimmen, der
Prases miisstc ein Jurist sein, weil die Sanitatspolizei nur
cine Unterabtheiluns der Wohlfahrtspolizei ist **).
*)
Dieses sind die Ausspriiche zweier an verschiedenen IIochschnlen segensreich wirlienden Professoren der Chcmie und Pharmacie.
"*) In Oesterreich hahen die Apotheker chcn so wcnig, als anderwirts, directe Besoldungsanspruche an den Staat, doch sind
dieselben in der Hinsicht, dags sie fiir die Betreibung ihrrs
2’7
Ohne die Vortheile eines Beamten zu geniessen, ist
der Apothekcr mit den Strafen der Beamten hedrohet,
ohne als wissenschaftlicher Kunstler anerkannt zu werden,
Geschiifts in Eid und Pflicht stchen, auch solches nicht nach dem
Gesichtspuncte ihrcs Privatvortheils, sondern nach den Normen,
welche der allgemeine Staatsvortheil dictirt, versehcn diirfen,
als wirlrliclie Staatsdiener anzusehen, so auch frei v a n biirgerlichen Lasten und Frolinen, wodurcli dieselben in ihrcr Dienstfchrung gehindert wiirden. (Mill ler’s D a r s t e l l . S. 148.)
In den K. K. Staaten tritt d e r Apothelter such mit d e r Polizci- und Criminalbeliijrde in eigcntliiimlichc Verhiiltnisse, da die
chemischen Untersuchungen beigcbrachter Gifte mit Beiziehung
cines Apothelters in cincr iilfcntliclren Apothekc vorgenommen
werden mussen. Im Kiistcnlairde sintl hicrzu die Vorstcher des
pliarmaceutischen Gremiums vorziigsweise requil-irt. (31 ii I 1 e r’s
U a r s t e l l . S. 152.)
In Bnicrn ist der Vorstantl ciner Apothelte befugt, auf Requisition d e r Gerichts - a d e r Polizcibehijrdcn chcrnische Untcrsuchungcn mit ijflcntliclicni Clauben anzustcllcn. ($1 ii 1 1 o r’s
D a r s t e l l . S. 162, u n d K. B a i c r s c h c A p o t h c k e r - O r d n .
v o m 27. J a n u a r 1842. 9. 35.)
I n Wurtemberg miissen die Oberamtsarztc gegenwiirtig sein,
wcnn die ncn angeltommcnen Blatcrinlwaarcn in den Officinen
ausgepaclrt werden, um ihre Bcschaffenhcit zu priifen und die
uniichten oder unbrauchbarcn nlittcl sogleich enlfernen zu lassen.
(Einc Anordnung, wclclre dcni Oberaintsarzle eine Pflicht aufbiirdet, wclclie auszufiiliren derselbc scllen i i n Stande sein wird,
denn die Kcnntnisse in d c r Pharmaliognosic Itiinnen ltaum i n
dieser Ausdelinung van ilinen gefordcrt wcrden.
Wolltc man aber nicht dcni hpotliclter ein solches Vcrtrauen schenlten, dass er die Gute seiner Waarcn richtig beorthcilcn wcrde, so wAre das sehr zu bcdaucrn und wir ltiinnen
nicht glauben, dass ein solclrcs Misstrauen gerechtfertigt werden
Itonuc). (K. W u r t c m b . I n s t r . v o m 14. M i i r e 1814. 8. 11.
Miiller’s D a r s t . S. 163.)
In Baden sind die Apotlielter als wirltliche Shatsdicncr crItlirt, und stehcn in Branclie dcr WnndBrztc crstcr Iilasse, in
grosscrcn Stiidten dcii Landchirurgcn gleich. (Gr 0 s s 11. B a d .
ill c d. - O r d n. 1517. 9. 15.)
Die Apothcltcr in Mccltlenburg unterskhen der specicllcn
hufsicht dcr compclcntcn Krcispliysiker, welchc dic Acchtheit
28
stellt der Staat an ilin die griissten wisscnscliaftlichen hnforderungcn, ohne den wcitercri Wirliungsbreir dcs Kaufmanncs wird er wie diescr betrachtet, und muss als unfreier Slaatsdiencr sich dcn Namen eincs frcien Gewerbetrcibenden aufdrangen lassen, urn als solcher von seinem
Einkommcn, welchcs ihm auf IIellcr und Pfennig von Bchorden berechnet w i d , Gewerbesteucr wic z B. in Preussen und Sachsen zu zahlen, eine Maassrcgcl, ubcr wclchc
schon oft ausgezeichnctc hpothckcr gcklagt haben. Schon
der verewigtc P r a d e n t I l u s t hat sic fur die Pharmaceuten als entehrend bezcichnct.
Wie dic wisscnschaftlichcn hnfordcrungcn des Staats
an den Apothekcr im Laui'c dcr Zcil sich gcmclcrl und
vermehrt haben, eben so ist dicss auch in technischer Bczichung dcr Fall, wozu aber noch kommt, clasi, ausser
den gesetzlichen Forderungcn, dieselben aucli noch durch
das Publicum odcr durch den so allgcmcin urn sich greifcnden LUXUS,
ja sclbst oft durch das Rivalisircn der hpothcker unter einander gesteigcrt werden.
Was nun die Locale, welche der Apotheker zur Betreibung seines Geschaftcs bcdarf und habcn muss, anbctriffi, so sind dicsc im Vcrlialtniss zum Gcschaft schr gross;
er muss wenigstens cin trochcncs und gcraumiges Local
fur die Officin, cin feuerfestcs als Laboratorium, trocline,
luftigc Rciumc zur Auf1)cwahrung dci- vc~gctd~ilischcn
StoiTe,
hulile, trocknc ILiumc fur Salzc, Extractc clc , fcrncr cincn
grossen froslfreicn Kcllcr untl grossc trochnc lufiigc Boden zum Trocknen dcr Pflanzcn bcsitzen; cr bcdarf fcrner
Kammern zur Aufbemahrung der Utcnsilicn, zum Verrichund Gutc der Arznciwaaren Z U :~rzneilichcn und tcchnisrlicn
Zwecken en priifen vcrbundcn sind. ( G r o s s h . M ~ c k l S. c h w c r i n s c h e V c r o r d n . v o m 13. F c b r . 1535.)
Dic nassaoischen Apoihclier figuriren 01s wirlrliche Staatsbeamte und sind mitl den Amtssccrctarirn i n gleiclicn Dienstrang gestellt. Sic habcn als Staatsdicncr 1Iitaufsictit auf Gesetzcsubertrelongen und Vcrbrccllen zu fuhrcn. (11 e r z . N a s s.
M c d . - O r d n . v o n 1818 u n d I n s t r . f u r d i c N a s s . A p o t h
s. s.1
29
ten dcr mechanischen Operalionen u. s. w. Diese Raumlichkeiten muss selbst die klcinste Apothcke aufweisen.
Sie mussen in ilir ebcn so rcinlich und ordentlich gehalten
sein, als in der grossten.
Die hier aufbcw ahrten Gegcnstiinde mussen nach ihrer
Abstammung und Wirkung sorgfaltig geordnet und deutlich bezeichnct ; giftigc oder starkwirkende wieder in besondercn Schranben, alle in passenden Gefassen aus Holz,
Steinzeug, Porccllan und Glas aufbewahrt werden. Die
Anordnung ist so zu treffen, dass jedcr sofort das Gesuchte
findet, wclchcs dcshalb auch schwierig wird, weil die
Substanzcn oft ihrer Kostbarkeit, oft ilires grosseren oder
geringcrcn Uedarfcs, oft ihrer hcroischcn Wirkung wegen,
in Gcfassen von sehr verschiedencn Grossen und Stoffen
aufbewahrt werden musen.
Was die besprochene Einrichtung anlangt, so sind die
Kosten, wclche der Apotheker jetzt d a m verwenden muss,
vie1 grcisser als sonst; docli glauben wir kaum, dass es
anders sein kann, menn wir niclit die Anforderung, welcho
in Baiern von der Regierung gestellt wird, dass jeder
Apotheker einen Eislieller") halten soll, davon ausnehmen.
Der LUKUSaber, der bcsonders h i neuen Einrichtungen
der Ofhinen gcniacht wild, licgt nicht in den Anforderungcn der Uchorden, sondern i n den von der Zeit Sebotenen Urnstanden und Vcrlialtni~scn, welchen aher auch
der ruhig Denkcndstc sich nicht ganz entziehen kann.
Dcr Aufwand abcr, den ein gut eingerichtetes Laboratorium iintl uberhaupt die Anscliaffung der Geriithschaften nach den gesetzlichen Iiestimmungen fur eine Apotheke verursacht , liegt in den tvi s s e n s ch a f tl i ch e n
F o r t s c h r i t t e n d e r P h a r m a c i e und ubersteigt den
in fruhercn Zeiten nothigcn uni ein Vielfaches. AnfanSs
dieses Jahrhunderts fand man an Gerathschaften ausser
") Es ist jedoch in Errnnngelung eincs Eishellers nachgelassen, die-
sen durch eincn Eisbildungs -Apparat zu ersetzen, was namentlich in dcn lrleincn Ortcn, wo Eislccller gewiilinlich fehlen, yon
Nutzen scin I ~ n n n .
30
kupfernen, kaum verzinnten Kesseln und Pfannen, einer
Destillirblase, einigen Glasflaschen, Trichtern, ein Paar
glasernen Retorten und Kolbcn, nichts in dcn Laboratorien.
Die Waagen der Apothekc, welche man besass, waren alle
von Messing, und zufrieden war man, wenn sie nur einen
Cran genau angaben. Man hbcrschaue jetzt den Apparat
einer gut eingerichteten Apothckc, wclcher gefordert wird
und werden muss. Es kostet jetzt oft cine einzigc Waage
mit ihren Gewichtcn (die Gewichtc fur die Receptur gehen
und 4 Gran und sind alle justirt und gestempelt)
bis
mehr, als sonst alle Waagcn und Gewichte der Apotheke.
Kupferne Cerhthschaften werdcn kaum mehr geduldet,
Alles muss schon fur den gewohnlichen Gebrauch vom
feinsten Zinn, von Porcellan, Glas, oder sonst passendem
Material sein. Mit Sieben von Rosshaar kommt man nicht
mehr aus, um fcine Pulver zu liefern, man bedarf der
Sicbc von Scide und der Pul\~erisirmasc21inen; zu den
feinen chemischen Untersuchungen muss man abcr noch
Gerathschaften von Silber, Platin, Achat und viele feinc
und kostbare Apparate haben. so wie manche grossere Apothcken z. U . Luftpumpcn besitzen. Doch wollen wir nicht
durch eine zu ausfulirlichc Schildcrung dessen, wovon
jeder sich durch Anschauung ubcrzcugcn kann, was jeder,
der dcn Gang dcr Wissenschaften beobachtet, selhst findct,
den Raum fullen, sondern nur no& des, wenn auch nicht
clurch die Anfordcrung der Ilchordcn veranlassten, Aufwandes gedcnlien, der jetzt h i m Dispcn4rcn dcr Medicamente erfordert wird. Man sehc nur die Medicinflaschen
mit ihrcn Signaturen, die Pulverschachteln und Kastchen,
oft mit Goldrand, Buchsen von Porccllan mit Deckeln aus
derselben Ma55c, an, und dcnke an die fruherc Zeit. Uei
diesem oft ganz unniitzcn Luxus darf man nicht sagen,
wer heisst Eucli Apotheltcr so vie], oft reinen Luxus
treiben? Die Antwort liegt in dem Trciben der Zeit, und
hierin liegt es auch, dass es durch einzclnc Apotheker
immer hoher getrieben und die anderen frciwillig ocler
gczwungen mit fortgerissen werdcn
+
34
Die grossen Anforderungen in technischer Beziehung, auf
wissenschaftliche Fortschritte sich griindend, erstrecken
sich wohl auf allc Lander und treffen alle Apotheker, doch
das, was der Luxus verlangt, belastigt wohl Apotheker
grosserer Orte mehr, als die der Provinz, wclche letztere
es aber auch noch wenigcr aushalten kiinnten. Beachtung
verdient diess n i c h t A b z u a n d e r n d e g e w i s s b e i d e r
I1 e u r t h ei 1 u n g d e s A.po t h e k e r s t a n d e s. Wir sind
indess weit entfernt, dcn Apothekern dafur hohere Taxansatze zu vindiciren, sondcrn mochten eine gesetzliche
Besclirankung dcs iibertriebenen Luxus nicht fur am unrechtcn Orte ansehen.
Dic Anforderungen, welche der Staat an den Apobheker als Kaufmann stcllt, wclchcn Namen derselbe, wie
wir friiher gezeigt haben, nur in sofcrn verdient, als er
den Umtausch von Geld und Medicamenten besorgt, sind
ungemein und auch wiederum gleichzeitig durch die Verhaltnisse gcwachsen. Dcnn das Anlagecapital eines Apothekers stcht in gar kcinem richtigen Vcrhaltnisse zum
Umsatze mehr. Die Zahl dcr Medicamente vermehrt sich
taglich, ohne, dass der Apothelier andere dafiir ganz entfernen konnte, wcil er niimlich verpflichtet ist, Alles, was
irgend ein h z t zur Heilung txdarf, herbeizuschaffen. Keine
Sichtung des Arzncischatzes durch die Pharmakopoe kann
dem Apotheker ctwas nutzcn, er muss Alles, was nur
irgend moglich, wenn es vom Arzte gewunscht wird, hcrzustellen oder zu bckommen snchen, mag es Thaler oder
Groschen Iiostcn, und hat a n Nicmand Anspruch, wcnn
auch von dem so kostbaren Stoffe n u r E i n m a l e i n o
s e h r g e r i n g e K1 e i n i g k e i t verordnet und also wieder
verkauft wird. \Venn wir den Arzneischatz der friiheren
Zeit, wo die Arzneimittcl grosstentheils nur aus Vegetabilien
und daraus gcfertigtcn, leicht darzustellenden pharmaceutischen Praparaten, als Tincturen, Extracten, destillirten
Wassern bestanden, welche meistens wohlfeil waren, mit
dem der jetzigcn Zeit, der sehr vicle chemische Praparatc
in vollkomnienster Reiriheit verlangt, welche darzustellen nicht.
dlein grosse Sorgfalt, Sachkenntniss und Umsicht crfordern,
32
&yen mancho aber, wie z. B. die Chlor- Brorn- und Jodverbindungcn etc. auch leicht der Gesundheit der Arbeiter
nachtheilig werden, vergleicht, so wird man nicht umhin
konnen, zu gestehen : dass der jetzige Arzneischatz bei
weitem kostbarer als der ehcmalige ist, dass die Anforderungen an dcn Apotheker auch in dicser Kucksicht ungemein gestiegen sind und die geforderten Leistungcn durch
die Gewahrungen der neuen Gesetzc, welche in neuester
Zeit in Beziehung auf den Schutz der Apothelier haufig
lockerer geworden sind, kcineswcgs aufgewogen werden.
Schwer driickt die grosse M e n p von Stoffen, welche
der Apothcker vorrathig haltcn muss, hesonders den Gewissenhaften deshalb noch, wcil er alle Medicamente nur
in bcstcr Beschaffenheit verabrcichen darf, etwas, wodurch
e r sich wesentlich von dcm Kaufmann unterscheidct, dem
es Niemand verargt, wenn er verschiedene Qualitaten zu
verschiedenen Preisen an das Publicum ausbietet und
verabreicht.
So findet man in der Hannoverschen Mcdicaniententa,ue
allein 1098, in der preussischen 4407, in der neuen Wiirtembergischen942 Substanzcn aufgcfuhrt und ohne zu iibertreiben,
kann man annehmcn, dass in jedem frequcntcn Ceschiifte
mindestens noch um die IIalftc mclir Stoffe, als in dcr
Taxe verzeichnet sind, vorriithig gehaltcn werden miissen.
Eine oft mit grossem Vcrluste verbundcne Last des
Apothckers ist auch dcr IIanclel mit Blutcgeln, und jeder
Apotheker liann sicli glucLlich preisen, wenn er nach einem
mehrjiihrigen Durchschnitt sagen kann, dass er denselhen
ohne Verluste getrieben hat. Es kommen unter diesen
Thieren oft plotzlich Krankheiten vor, ungeachtet der sorgsamsten Pflege, und in kurzer Zeit ist der Gewinn von
mehrcrcn Jahren dahin. Auch hier gcschchen hiiufig Eingriffe von Andern, aber diese sind immer im Vorthcil, da
sie nicht gezwnngcn sind, BluteScl vorriithig zu halten,
der Apothekcr aber immcr damit versorgt sein muss. Es
vcrkaufen daher Handler und Chirurgen Blutegel nur zu
solchen Zeiten, wo sic lciclit zu habcn und wohlfeil sind,
oline sicli fur unvorhergesehenc Fiillc mit Vorrathen zu
33
versorgen. In einzelnen Landern hat man den Blutegelhandel freigegeben, doch hilft diess dem Apotheker auch
nichts, der Apotheker muss doch s t e t s V o r r a t h h a l t e n Die Sorgfalt, welche der Detailverkauf der Gifte
nothwendig macht, hat es ebenfalls bewirkt, dass man
dieses Geschaft den Apothekern aufgeburdet hat: ein Geschaft, welchcs dem Vorstande der Apotheke viele Pflichten
auflegt und oft grosse Verantwortlichkeit zuzieht, ohne ihn
nur im Geringsten zu entschadigen. Man kann aus diesem
Grunde wohl annehmen, dass das Recht, Gifte irn Detail zu
verkaufen, das Einzige ist, worin keine Eingiffe von Andcrn gemacht werden. Dass Niemand anders da ist, dern
es aufgetragen werden kann, gebcn wir zu, wir wiinschen
nur, dass man es als Last bei der gegenseitigen Aufwiegung mit in die Wagschale lege.
Vergleicht man nun die in j e d e r Beziehung
a n d e n A p o t h e k e r g e s t e l l t e n g r o s s e r e n Anford e r u n g e n und h i e r i n s b e s o n d e r e von d e r kaufmannischen Seite die grossen Ausgaben fur
Anschaffung u n d fur I n s t a n d h a l t u n g d e r Raumlichkeiten, Gerathschaften, die so enorm grosse
A n z a h l v o n M e d i c a m e n t e n mit d e m so g e r i n g
g e w o r d e n e n Umsatze d e r Apotheken, s o mochte
man erschrecken, u n d Niemand wird dann mehr
von zu h o h e n P r o c e n t e n , welche d i e Taxe bewilligt, sprechen.
Ausser dem eben Angefuhrten, was wir gleich noch
weitcr ausfuhren wollcn, ist noch zu beachten, dass der
sonst an keine Taxe gebundene Apotheker an Nebendingen,
an welchen jetzt selten noch ein Apotheker viel gewinnt,
welche er an einigen, namentlich grossen Orten wohl
gar nicht mehr fuhrt, viel gewann. Es gehoren hierher: Chocoladc, Rauchcrmittel, Parfums, Pomaden und andere
Cosmetica; und doch kann er diese Dinge an kleinen
Orten und bei starker Concurrenz nicht Anderen uberlassen,
eben weil sie ihm, auch wenn der Gewinn daran nur
gering ist, dennoch nothig sind, weil ihm ihr Absatz sofort
baares Geld bringt, was er fur Medicamente zum grossten
3
:3b
Theile erst nach viertel, halbcn oder ganzen Jahren erhiilt.
Er kann diesc Ncbcndinge in seineni Geschaftsabsatze
nicht cntbchrcn, auch wenn sie ihii nicht mehr sattsam
fur andcre Verluste, die SO vielfiiltig jedes ApothckengeSchiift trcffcn, entschSdigcn.
Doc11 wollcn wir durcliaus nicht uber Veranderungen,
welclie in der Zeit bedingt sind und sich nicht, andern
lassen, lilagcn, wir fuhren sie nur, als zur Beuriheilung
des Ganzen gehiiris, an. Wie dcr Umsatz der Medicamente
im Gegensatz zur Vcrmchrung dcs Arzncischatzes gcringer
geworden ist, geht am hcstcn daraus h(:rvor, wenn wir
den Durchschnittspreis cines Receptcs von sonst und jctzt
vergleichcn. Aus dcr fruhesten Zcit fehlen uns allerdings
die Belcge hierzu, doch weiss jedcr altcre Apothe,ker,
dass sonst, vor etwa 20 Jahren, seltcn cin Rccept untcr
8 Gr. oder 10 Sgr. kostete, in der Regel war abcr der
Preis hiiher. Jctzt kostet nach sorgfdtigcr Berechnung
in eincr stiidtisclien hpothclte durchsclinit~lich,dic theuersten Rccepte mit cingcrechnct, ein Reccpt 5; Sgr. Man
darf diesen Durchschnittspreis wohl als den richtigen
annchmcn, wcnn uns auch oinzelnc Orte hekannt sind, wo
er sich elwas besscr stcllt, aher auch wieder cinige, namentlicli Universitiitsstiicllc, wo er nocli etwas geringer
ausfiillt. Lctztcres liefert aber den Bcleg, dass dieser
Durchschnittspreis nacli und nacli tlcr allgcrncine w c r d e ~ ~
muss, (la von den I'iiivcrsitats.~liitltenaus dic theoretische
und pralitisclie Wissrnschaft sich auf das Land vcrbreitct,.
Iieineswegs wird ahcr dic kleincrc Ccsarnrntcinnalime,
welche der geringc Durchschnittspreis der einzelnen Recepte veranlasst, durch eine grossere Anzahl dcrselbcn
ersetzt, wodurch, wcnn auch niclit ganz, doch theilweise,
das Deficit dcr Einnahme des Al~otlicltcr.; sich wieder
ausgleichcn wiirde.
Dass im Allgeineinen und auch in jedcr speciellcn
Verordnung, gewiss zum Vorthcil der Kranken, weit weniger Rledicamentc gcbraucht werden, liegt in dcn Fortschrittcn und der Ausbildung der rationrllcn und in der
Entsteliung tlcr verschicdenen Systemc dcr Medicin, der
‘Js
Homoopathie, dcs Magnetismus, der Wasserkuren, welchc
h i d e lctzlerc ganz ohne Medicin zu heilen suchen.
Hierdurch ist ein Misstrauen in die Wirksamkeit
und die richtige Anwcndung der Medicamente uberhaupt
niclit allein hei viclcn Aerzten, sondern auch bei den
Laicn, hervorgcrufen, so dass nun beide Theile der Heilliraft dcrNatur melir vertrauen und nur in den dringendstcn FBllen IIiilfe bei Aerzten und in den Mcdicamenten
suchen. Auch die Stellung dcr Aerztc sclbst ist dadurch
cine vie1 schwierigere gcworden, eben weil ihnen nicht
mchr das grosse Vcrtraucn von Seiten der Kranken entgegenkommt, wclches ehcdcm dcn Arzt schon oft in1
Vornus zum Besieger leichter Ucbel machte. Der Zwiespalt in den verschiedcnen Systcmen der IIeilkunde hat
diescs Vertrauen immer mchr geschwacht, und 50 sieht
inan haufig das Publicum die Junger verschiedencr Heilsysteme, wie die Kleidcr wccliscln, wodurch naturlich die
IIarmonie unter ihnen sclbsl noch mchr gcstort wird, was
einc ungunsligc Ruckwirkung auch auf das Apothekerwesen hat.
Als Anforderungcn dcr Behorden an die kaufmannische
Scite des Apothekcrs ist hier noch zu crwahnen, dass
cinigc Regicrungcn den Verkauf untcr der gcsctzlichen
Taxe gestattcn, fur milde Stiftungen Rabatt fordern und
ihn in hohcm Maese annehmen : ferner, dass man von dem
Apotheker in dringenden Fallen cin Verabreichen der
Medicamente ohnc Zahlung, und ohne dass die Localbehordc dafur zu haftcn hat, an cinzclncn Orten verlangt.
Bei diesen Bestimmungen hat man durchaus ansser Acht
gelassen, zu bedenken, wie man hierdurch dem Betruge
Thor und Thur iiffnet, dcn armen Kranken der grossten
Gefahr aussctzt, oder ihm wonigstens die schnelle und
sichere Hulfe entzieht. Denn dass man bcim Entwurfe
dcr gesetzlichen Taxprcise auf alle dicse Umstande Rucksicht genommen, ist nicht wahrscheinlich, und sicher steht
fest, dass es wenigstens nicht iiberall geschehen ist, es
wiire anch ein Unrecht gegen das grossere Publicum;
wenn man abcr dieses nicht gethan, wie kann man dem
3G
Apotheker so Etwas erlauben, zumuthen und von ihm
fordern? Es schcint uns dieses aber noch deshalb bedenklich, weil, wie schon friiher erwahnt, der strengsten
Revisionen ungeachtet, Kiemand im Stande ist, den hpotheler ganz zu controliren. Stets muss man auf die
Rechtlichkeit und Pfliclittreue desselben sich verlassen.
Wie gefahrlich ist es daher, schwachc Mcnschen, welc,he
es doch auch unter den Apothekcrn giebt, bei den oft
sehr gedriickten Vcrhiiltnissen, hei dem jetzigen IIange
zum Luxus, dadurch inversuchung zu fihren, und dass sich
Einzelnc verfuhren lassen, ist gcwiss. Diesc Bind cs dann
gerade, welche eine falsche Beurtheilung des ganzen
Standes herbeifuhren.
Bei grosserem Absatze von Medicamcnten, bei Vermeidung manches unniitzen Luxus, bei piinctlicher Bezahl
lung und Vermeidung von Verlusten, welche bei offentlichen milden Stiftungcn doch nicht stalt finden, kann der
Apothclier wohl einen Rabatt geben, abcr kcinen Rabatt
von 20, 28 und 30 Proc., wie es zuwcilen vorkommt, ja
an einzelnen Orten, selbst im aufgeklarten preussischen
Stante, z. B. in Coln am Rhein, ist es vorgekommen, dass
man den Debit der Medicamente fur die Strafanstalten an
den Mindestforderndcn abgegehcn hat ") -rechtfertige dicss
ii)
Die Arzneilieferungen fiir iiffentliche Anstalten niussen im (isterreicliischcn Staatc versteigert iind die dicsfallsigen Licitationen
der Geiiehtnigung der Behiirdcn nnterzogeu, 81s Basis des I'rocentabzugs ein 25procentiger Betrag, bei sporadisch crltranlcten Arnien
ein 30procentiger angenonimen werden. (ti. I1 o f d e c r e t v om
1 6 . O c t o b e r 1 8 3 4 u n d Rluller's D a r s t e l l . S. 233.)
In IInnnover sind bei den Arzneirechnungen fur (iflentliehe
Ilraiikenli3user nnd fur die hrincn, welche ans der Arinencnsse
oder dcr Coiuninne bezalilt werden, Abziige von 25 8 zu gewshrcn und zwar, w i e d u i V & n i l bcrichtet hat, nach einer freiwilligen Erlilirung der Apotlielter ; freilich wohl in fruherer Zeit.
Aber die Zeiten hahcn sich gehndert zum Nachtlieile der Apotlrelier. (K. H a n n i i v . A p o t h . O r d n . von 1820.)
Iin Crossherzogthuin Baden findet bei Arzneiliefcrung fur
Menschen in den Ilospithlern, oder wo die Zahlungen aus iiffentlichen Cassen geschchen, ein Rabattabzug von 10 8, lei Arzneicn
37
wer es kann, wir wissen nicht, wie ein solches Verfahren
zu rechtfcrtigen sei. Sehr nachahmungswurdig erscheillt
die in Baiern durch die Arznei- Taxordnung vom 24. Januar
1842 5. 6. ausdrucklich festgcsctzte Bestimmung, dass bei
Apotheker-Rechnungcn fur sammtliche Wohlthatigkeits-Stiftungen, Gef~ngniss-Anstalten ctc. nur im Wege gegenseitiger freiwilliger Uebcreinkunft eine Ermassigung dcs Taxpreises statt finden dart welche jedoch den Betrag von
zehn Procent in keinem Falle uberschreiten sol].
Bei
den Rabattbestimmungen solltc immer auf den jahrlichen
Bctrag Rucksicht genommen wertlcn, und derselbe stets
mit der Hohe der Rcchnung im gcradcn Verhaltnisse
stehen.
Das Rabattiren erscheint , von rein kaufmannischer
Seite betrachtet, als eine Ungerechtigkeit. Allein alle Personen und Institute, welche es mit dem leidenden Theile
der Menschheit zu thun haben, unterziehen sich der Barmherzigkeit, und sicher sind die Apotheker nicht die letzten, wo es gilt, wirksam und hulfreich dem Durftigen zu
werden, aus solchen Rucksichten mag das Rabattiren der
Apotheker entstanden sein. Man wurde sich irren, wenn
man annehmcn ~volltc, wie es sehr oft gcschieht, dass
derselbe seinen Gruncl in dem enormen Vortheile habe,
welchen das Apothckergeschitft jctzt noch abwerfe. Einen
mkssigcn Rabatt, bci punctlicher Bezahlung, von 5 bis 10
Proc. kann der Apotheker eben da gewhhren, wo er auf
einen sehr ansehnlichen Umsatz rcchnen kann. Aber das
Rabattircn zu cincm Wuchcr zu erheben, miisste keinem
Apotheker, geschweige denn einer Behbrde zustehen. Sollte
dieses mit iichter Moralitst vereinbar sein?
Dass Medicamente im Nothfalle an Jeden, auch an den,
-
fur Thiereein Rabatt von 5: statt. ( G r o s s h . B a d i s c h e Minist.
V e r o r d n . v o m 20. J a n . 1842.)
In Mecltlenburg- Schwerin sind die Apotheker verpflichtet,
dcn Armenlrrankenanstalten einen Rabatt von 20-30 $ z n bewilligen. ( E r l a s s G r o s s h . Meclrlenb. S c h w e r i n . n l e d .
Corn. v o m 25. N l r z 1835.)
38
der keine Bezahlung leisten kann, sul'ort verabfolgt werden miissen, ist gewiss, aher recht und billis ware c b ,
wenn die Ortshrhordcn oder die Armcncassen fur die Zahlung zu stehen Iidtten, da der Apothekcr ohne clas schon
m a n c h e n i c h t u n b e d c u t e n d e V e r 1u s t e d u r c h
N i c h t b e z a h 1 u n g c r e d i t i r t c r 81c d i c a m e n t e e r I B i d e t In Baiern besteht eine Verordnung (hpoth Ord
5 34 Ziffer b), wodurch dem Apotheker die Pflicht a d erlegt ist, jede Arznei, wclche von einem berechtigtcn
Arzte verordnet ist, jederzeit unweigerlich zu bereiten und
abzugeben und in den voni Arzte als diingend hezeichneten Fallen nicht zu heanstanden, wenn auch der Abnehmer mit Bezahlung fruherer Conten nocli in1 Ruckstand
sich befinden solite. Dem Apotheker ist aber in diesem
Falle die richterliche Hulfe oder, bei Bezahlungsunftihigkeit, die Bezahlung aus der Armenpflege zugesicliert. Gcwiss eine auf billige Kucksicht gegrundete Bcstimmung.
Dritter Abschnitt.
Gewihrungen, welclie dem Apotlielcer von Seiten des Staates fur
das yon diesem Geforderte geleistet werden, ncbst der Schilderung
der Eingriffe, welchc in diese Lewilligten Reclite vielfallig gernaclit
wcrden.
Nach diesen kurzen Schilderungen dcr Forderungen
des Staates an den Apothckcr, wollcn wir versuchen, auseinander zu setzcn, welche Entschadigung derselbe dem
Pharmaceuten dafur bietet.
&lit kurzen Worten kann man die Entschadigung,
welche gewiihrt wird, wolil so ausdrucbcn : d e r S t a a t
giebt dem Apotheker d a s Reoht, cinzig und
a l l e i n M e d i c a m e n t e zu f c s t g c s e t z t e n P r e i s c n
zu verkaufen.
4 ) Dieses Recht wird dem hpotlicker durcli Ertliciluiis
von Privilegien und Conccssionen, d. 11. durch Verhindcrung eincr freien Concurrcnz untcr dcn Apothekern selbst,
39
gesichert. \Vie nolhwendig die Binrichtung ist, dass im
Apothekerstande cine freie Concurrenz nicht Anwendung
Elndet, hat man in den fruhesten Zeiten gefuhlt, und deshalb den Apothckcrn schon im 45.Jahrhunderte Privilegien, und sogar ausschliessendc und mit anderen besonderen Begunstigiiii~cnvcrschcne, crlheilt. Man hat ferner
uberall, wo man dic Concurrenz der Gewerbe frei gab,
die Apothckcr ausgcnommen iind in den Fallen, wo diess
niclit geschah, leidet man jetzl nocli an dcrn dadurch entstandenen Nachtheilen, wic z. B. in Hamburg, wo sich die
Zahl dcr Apothchen his auf kO vcrmehrt hatte und jetzt
durch alle nur Sesetzlich zu Cebote stchende Mittcl his
auf 32 hcrabgcbracht worden is1 und noch mehr herabgebracht werden soll; inan sicht es in dem ehemaligen
Konigreiche Westphalen, den Nicderlanden, Bdgien und
Frankreich, wo in den meisten Orten einc grosse Ueberzahl Apothcken vorhanden sind, aber in dem letztern Staate
Zuni Theil in eincm sclilimmcn Zustande").
Hicraus gcht denn dvch wohl hervor, dass man den
Nachtheil einer freien Concurrenz erkannt und dass man
furchtete, dem Puhlicum selhst Schaden zu bringen, denn
wenn dcr Schaden blosi den Uritcrnchmer Setroffen hhtte,
so wurde man, \vie in allcn antlern Fallcn, cs dem GeSchick unrl G1nc.h des l3inzclnr.n hberlassen haben. Ohgleich cs hicrtlurch factisch bcwiesen wiid, dass eine freie
Concurrenz im Apothcherwesen von den Bchorden als
nachtheilig fur das Allgemeine an yesellen werden muss,
so wollen wir docli die Crhiide aufiahlen, welche dies
Verfahren rcc1itfertigc.n. Wir linden dicsc in der Unmoglichlteit hci zu geringem Umsatzc dcn Anforderungen des
Staatcs, dcr Acrztc und des Publicums in wissenschaftlicher, technischcr und kaufmannischer Bezichung zu genugen. Wie kann z. 13. eine Apothelie alle Blcdicamentc,
wclche vcrlangt wcrden, stets in guter Qualitat vorrathig
haben, wenn es ihr an Umsatz khlt
*)
In1 Kiinigreiche dcr Niederlantlc ist drwdi cin ganz nenes Gesetz
Vicles trefflicli abgclndert (sichc im Archiv der Plinrinacic Blaiheft 1545, nlitthcilung von I h , Miiller.)
CO
Ein zweiter Gruncl liegt wohl darin, dass man recht
gut die Unmoglichkeit fuhlt, den Apotheker stets controliren zn konnen, dass man sich also auf sein moralisches
und Rechts-Gefuhl verlassen muss, dass man sich in Aclit
nehmcn muss, dasselbe dadurch zu erschuttern, dass man
ihn in Nahrungssorgen bringt.
Mochten doch alle Behorden, ausser dem hier Angefuhrten, bei der Ertheilung neuer Concessionen noch bedenken, dass die Apotheker von jeher die Beforderer der
Naturwissenschaften waren und dass Niemand, welcher
Noth leidet, etwas fur Fiirderung dcr Wissenschaft thun
kann und dass namentlich durch die Art, wie dcr Apotheker die Wisscnschaft treibt, namlich mit stetcm IIinblick auf die Anwendung im Leben, den einzelnen Staatsburgern, so wie dem Ganzen, mancher Nutzen erwachst.
Die so ungleiche Grosse in] Umsatz der Apotheken
eines und desselhen Landes ist ein grosses Hinderniss in
der gleichformigen und billigen Bestimmung mancher
Puncte des Apothekergeschiifts. Gerade diese Unsleichheit, im Laufe der Zeit entstanden, auszugleichen in ihrer
Riickwirkung, musste vorzugsweise ein Gegenstaiid der
Beachtung pharmaceutischer Mitglieder bei den Medicinalbehorden sein.
Im Allgemeinen wird immer angenommen, dass auf
6 -8000 Einwohner eine Apothelte gerechnet werden
musse.
Aus den uns von den hohen Regierungen in den
Staaten, wo der norddeutsche Apotheker-Verein verbreitet
ist, meist direct zugegangenen Mittheilungen ergiebt sich
aber, dass in Preussen auf 40,000 - 9 4,000, in Sachsen
auf 40,500, in Hannover auf 8000, in Kurhessen auf 7000,
in Mecklenburg-Schwerin auf 8000, in Mecklenburg-Strelitz
auf 7325, in Oldenburg auf 8700, in Sachsen-Weimar auf
6000, in Braunschweig auf 6666, in Anhalt auf 5250, in
Sachsen - Coburg - Cotha auf 7600, in Sachsen - Meiningcn
auf 6200, in Sachsen- Altenburg auf 40,000, in Schwarzhurg auf 6700, in Lippe-Detmold auf 5500 Einwohner
cine Apotheke kommt. Aus diesen so verschiedenen Ver-
if.4
hlltnissen gcht hcrvor, dass rricht bloss die Einwohnerzahl, sondern aucti nianche andcre Nebenunistande berucksichtigt werden miissen, z. B. die Wohlhabenheit der
Bevijlkerung, das Bcdurfniss an Medicamenton fur Menschen und Thiere, der grossere odcr geringcre Unfug, welcher mit Selbstdispensiren, Medicamentenhandel von Unhefugten, in Armcnapothekcn, Dispensiranstalten und durch
Verkauf von Gcheimmitteln getriellen wird.
In Oesterreich ist die Apothekerbeschiiftigung fur ein
Polizeigewerbc erklart und wird in Personal-, radicirtc
und vcrkaufliche untcrschieden, bei ersteren darf die
Wittwe nicht, wohl aher die Kinder das Geschaft fortfuhren. Die verkiwflichen diirfen nicht iiber einen bestimmten
Normalpreis verkauft werden, als welcher der lelztvorige
Verlusserungswerth gilt, nach einem Abschltzuiigsansc~ilagc,
wohei die Utensiiien, Cerathschaften, Waaren und der Umsatz mit in Betracht kommen *). In Baiern unterscheidet
man, wie in den meislen andern Staatcn a) die alten Realrechte, woriiber der Verklufer frei verfugen ltann, und 6)
personelle Concessionen, welche die Regierung nach Bedurfniss und Umstanden verleiht, aber nothigen Palls wieder
einziehen kann.
Personelle Apotheken - Concessionen konnen nur von
der Regierung oder vom Ministerium des Innern, aher nicht
von den Magistralen, wie andere Gcwerbs - Concessionen
verliehen werden. Nach $. 8. des Gewerbs-Gesetzcs darf
die Ertheilung der nachgesuchlen Concession nicht verweigert werden, wenn der Bewerber die gesetzlichen Erfordcmisse, also Indigenat, moralisclie Wurdigkeit und
hinreichendes Vcrmiigen nachzuweisen vcrmag, wenn cr
ferner die personlichen Fahigkeiten, also bei einem Apotheker das pharmaceutische Approbations-Zeugniss, besitzt,
und, was sicli von sclbst verstcht, wcnn die drtlichcn Verliallnisse z. B. Mange1 an hinrcichendcr Bcvolkerung odcr
*)
M i i l l o r ’ s DarsteH. S. 63.
bereits genugsam vorhandene Apotheken nicht entgegen
sind. Be? einer schon hestehenden Concession unterliegt
die Uebertragung auf einen hndern gar keiner Schwierigkeit, wenn der Besitzer auf seine personelle Concession
Verzicht leistet und der Rewerber nachweist, dnss cr a p probirter Apotheker ist, dic zur Ansassigrnachung vorgeschricbenc Befahigung besitzt, und demjenigcn, der auf
seine Concession Verzicht leisten will, die Realititt abgekauft hat oder abzukaufen bereit ist. Die Regierung kann
unter diesen Voraussctzungen die Ertheilung der personlichen Concession nicht verweigern. Zwischcn alten Realrechten und Personal - Concessionen findet also nur der
Unterschied statt, dass die Bewerber urn die letztcre ihre
personliche Befahigung nachweisen und die Uebertragung
der Concession bei der Regierung nachsuchen miissen.
Nach 8.3. des Gewerbsgesetzes darf auch einer Wittwe
oder deren Kindern die Concession nicht entzogen werden,
wenn durch Stellung eincs geeigneten Provisors fur die
ungestorte Fortfuhrung des Geschafts gesorgt ist. Nur,
wenn die Concession funf Jahre lang nicht ausgeiibt ist,
so erlischt sie nach $j 6. Ebenso in Folge von Missbrauch,
Widersetzlichkeit oder IJniehorsam gcgen die Gesetze.
Diese Gesetzbestimmungen gelten fur die Baierschen Provinzen diesseits des Rheins. In der Rheinpfalz bestehen
noch die franzosischen Einrichtungen und Gesetze.
In Wurtemberg wird die Conccssion cincr Apotheke
nur als eine personlichc Befugniss erthcilt. Die Wittwc
kann das Geschaft fortsetzen, den Kinderii ist ein Zeitraum
von drei Jahren zur Fortsetzung und andern Erben \ion
G Monaten gestattet. Der neuc Concessioniir ist gehalten,
die Gefassc, Gerathe, Arzneivorrathe, so weit sic untadelhaft sind. kauflich zu iibernelimen.
In Sachsen sind die Apotheken mcistens vcrkiiuflich,
doch muss bei den concessionirten die Concession von Neuem
nachgesucht werden, wclche nher immer gcwkhrt wird,
43
wean der Kaufer die concessionirte Apotheke gekauft hat
und den Anforderungen, welche man an einen ApothekenVorstand macht, genugt. In Kurhessen giebt es meist
privilegirte Apotheken, die ncu angelegten aber sind concessionirte. Bei Erledigung der letztwen sind vom neuen
Concessionstrsger die Arzneivorrathe und Gerathschaften,
soweit sie noch irgend brauchbar sind, gegen Erlegung
des abgcschatzten oder durch giitliches Uebereinkommen
bestimmien Werthes zu ubernehmen *).
In Nassau kijnnen die Wittwen und die minorennen
Kinder die Apotheken verwalten lassen**).
Dieser, auch den Besitzern concessonirter Apothekcn
durch die eigenthiimliche Stellung des Apothekers uberhaupt bedingte Schutz, der fast iiberall anerkannt und
gewahrt wird, wurde auf einmal in Preussen aufgehoben
und nicht ubergangen darf deshalb von uns die Beurtheilung der in Preussen vom Hohen Ministerio unter
dem 13. August 1842 bekannt gemachten Allerhochsten
Cabinetsordre werden. Diese bestimmt, dass beim Ableben
nur mit Concession versehener Apotheker, die neue Concession vom Staate vergcben werden sol1 und dass der
neue Concessionar nur gebunden ist, das von den vorhandenen Utensilien und Droguen kauflich zu ubernehmen
was cr fur brauchbar anerliennt, wahrend er nicht verpflichtet ist, das Haus, welches fiir die Apotheke eingerichtet ist, zu kaufen.
Durch dicse Vcrordnung leiden alle Besitzer concessionirter Apothekcn, aber auch ihrc Wittwen und Waisen,
so wie ihre Glaubiger und doppelt die Apotheker der
Provinzen , welche dcr Frcmdherrschaft unterworfen zu
werden das Ungluck hattcn. Diese warcn friiher im Besitz von Privilegien, welche aber durch die franzosische
Zwingherrschaft, in, jetzt nicht verkauflich sein sollende,
Concessionen umgewandelt wurden.
*) M i i l I e r’s Darstell. S. 98.
ni:)
Daselbst S. 100.
4B
Die Beurtheilung dieses Gesetzes muss von zwei Seiten aus erfolgen, zuerst vom Standpuncte d e s S t a a t s r e c h t s und zweitens von dem b e s o n d e r n S t a n d p u n c t e
d e r p h a r m a c e u t i s ch e n V c r h a1 t n i ss e.
Was nun den ersten Punct betrifft, so verweisen wir
auf das, was der Fiirstenthumsgerichts-Director Dr. C. F.
Koch in Neisse"), und der Justizrath Dr. Sommer**)
und Apotheker K r a u s e in Lipke *a*), dariiber sagen,
und erwahnen hier bloss, dass nach diesen Auseinandersetzungen eigentlich kein anderer Unterscliied zwischen
einem Privilegium und einer Concession statt findct, als dass
die Behorde die Concession ganz zurucknehmen kann,
wenn es die Umstande fordern, diess aber beim Privilegio
nicht geschehen darf. In bciden Fallen hat die Behordc
aber darauf zu sehen, dass nur vom Staatc anerkannte
Sachverstandige die Apotheke ubernehmen. Zugleich erkennen auch Erstere noch an, was wir als Apotheker jetzt
noch anfuhren wollen.
Wer einigermassen den pharmaceutischen Stand und
seine Verhaltnisse kennt, wer das, was wir hier zur Erkennung seiner eigcnthumlichen Stellung mitgetheilt haben,
mit Aufrnerksamkeit durchgelesen hat, wird gewiss zugeben,
dass der pharmaceutische Stand ein eigenthumlicher ist.
Schon bei seiner Erlernung, wobci cr von Staatswegcn
auch nicht dic geringste Unterstutzung geniesst, verlangt
er vide Opfer von Zeit und Geld. Die Einrichtung einer
Apotheke, um den Anforderungcn des Staaes .und des
Publicums zu entsprechen, ist eine sehr kostspielige, aus
welcher das angelegtc Capital nur dann, mcnn cs seine
*) S. Berl. l e d . Ztg. a 16.
1844, und Arcliiv dcr l'licirmacic, Juni
1844. S. 342.
.%*)
:+it*)
-
Collcctiv Ileccnsion mchrer Schriltcn iibcr dic Apoth. Fragc, mil
rcchtlichen Bedeutungcn, Arnsbcrg 1844.
Nalionnl-iiltonomischc untl lcgislativc Bcdcnlten von F.W.K r a us c
Landzbcrg an dcr Warthc 1848.
~
45
'Interessen cinen langeren Zeitraum hindurch abwirft, wieder zum Theil herausgezogen werdcn kann, ein Capital,
welches aber zum grossen Theilc verlorcn geht, wenn der
Unternehmer fruhzeitig stirbt, weil es der Willkur seines
Nachfolgers iiberlassen ist, die vorhandenen pharmaceutischen Utensilien, Gcrathschaften, PrEparate und Droguen
zu ubernchmen oder sic fur untauglich zu erklaren. Hierdurcli zerfdlt das ganze noch nicht lierausgenommene
Capital, da durchaus Niemand anderes, als ein Apothekenhesitzer davon Cebrauch maclien liann, in Nichts, und die
Erben, oft cinc IVittwc und Waisen, kommen urn ihr vielleicht niit unendlichcn Sorgcn, Dluhen und Entbehrungen
crrungenes einziges Eesitzthum.
Der ganze Credit dcr concessionirtcn Apothcken ist
durch das Gesetz ebcnfalls mil aufgehoben, dcnn wer
kann ilinen etwas borgen, da man nicht wciss, wann der
Tod kommt und den reellcn Wcrth des Besitzes in einen
eingebildetcn verwandclt.
Das hier Gesagte wird uns gewiss Jeder zugeben und
somit es anerkennen, dass hier cin ganz anderes Verhaltniss statt findet, als bci andcrcn Conccssionarcn, da der
Apothekcr bci scinem Etablissemcnt und ehe er dieses
crlauht bckommt, a n s o V i c l c s v o n S t a a t s - u n d
It e c h t s w c g e n S c h u n d e n i s t u n d g e b u n d e n
s e i n muss.
Thcilweise hat die prcussische hohc Rcgierung dieses
aucli schon gefulilt und anorkannt, indem sie schon einige
Modificalioncii cintreten licss und untcrm 10. Januar 1844
bekannt machte, class der Hr. Minister E i ch h o r n , wenn
Sijhnc oder Enkcl vorhandcn, wclche die Apotheke iibernommcn habcn, odcr ubcrnehmcn wollen, unter gewissen
Umstiinden diese bevorzugen liann und soll, dass ferner
auch solclie concessionirte Apothcken, welchc Wittwen
Schorcn, dic sich an qualificirte Apotheker wieder verIieirat,hcn, das Geschiift fortsotzen diirfen. Auch hat der
I+-. blinistcr zur Prufung diescr Angelegenheit eine Anzahl
tiichtiger Apotlielier berufen, was gewiss von erspriesslichstem Nutzen scin wird.
4.G
Zum .vorzuglichsten Gedeihcn der Apotheken halten
wir, innigster Uebcrzeugung gcmass und in Uebcreinstimmung mit ausgczeichnetcn Mannern unsers Fachs und unserer Wissenschaft, welche nicht im Besitze von Apotheken
sind, erforclerlich : die Realprivilegien oder doch crbliche
Concessionen, was in praxi die glcichcn Resultate haben
miichte. Nur dabei kann die Unahhiingigkeit des Apothckerstandcs erhalten werdcn, welche dcm Staatc untl dcr
Menschheit die hcstcn Fruclite tragt. Der wirkliche Besitz
niitzt nicht nur der Familie, sondcrn auch dem Staate.
Um durch ein Beispiel zu hclegcn, mic notliwcndig
es ist, den Apothclicr nicht in cine Classc mit dcn Concessioniiren im hllgcmcinen zu bringen, mag iiocli folgcndcs hies stchen.
Es ist die Berechnung cines Apothckergcschafts, welches vor 20 Jahren um den Preis von 45000 Thlr. erkauft wurde, damals einen jtihrlichen Geschaftsumsatz von
3000 -3200 Thlr. hattc. Dicscr ist durcli tlic ncucre, um
etwa 113 - 46 Procent hcrabgesetzte Taxc, durch vcrminderten Arznciverhrauch, vorzuglich aber durch den Einfluss
des honioopalhischen Sclbsdispcnsirens auf 2500 -2800
Thlr. Umsatz herabgesnnlicn. Bci 3000 Tlilr. Einnahmc,
als dcm Mittel, stelltc sich dic husgabe also:
Zinscn cles Anlagecapitals von 4 5000 Tlialer
h 4 Procent. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . GOO Thlr.
Waarenbcdarf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3050
Lohn und Unterhalt des Dicnstpcrsonals dcr
Apothcke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3k0
An Fracht und Specsen . . . . . . . . . . . . . . 65 ))
An Glas und sonstigem Geriilh . . . . . . . . . . 50 )I
An Papier, Fcuerung und Porto . . . . . . . . . 80
An Abzug, Rabatt und Allmosen . . . . . . . . . 35
An Feuerassecuranz . . . . . . . . . . . . . . . . .
20
An Hausreparatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
35
An Biichern und Vereinsbeitrag . . . . . . . . . . 33
An Haushaltskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . 700 1)
3000 ThIr.
))
))
))
))
))
))
))
47
IIierbei wurden nur die Zinsen gewonnen, wie sic
jedcr von seincm Capitale gcwinnen will, und der Eigentliumcr konnte bci seinem sparsamen Haushalte noch zufricden scin.
Durch die spiiteren gcringcren Einnahmen bei vermehrter Familie fallen an den Zinsen jahrlich 2-300 Thlr.
aus, also cin Gliick, dass der Besitzer sie niclit Anderen
schuldig war. Uic? IIaushaltsunkosten sind aber um ein
Paar hundert Thaler gestiegen, das Capital ist also nicht
mehr sicher angelcgt, a n Erubrigcn niclit zu denken. Es
muss gcspart wcrclcn, zuniiclist voni Haushalte, aber auch
an Biichern, Gcriithschalien kann nicht melir so vie1 furs
Gcscliiifb und die Fortschrittc in der Wissenschaft gethan
werden. Wenn dicses nun ilbcr bei den1 noch ziemlich
gunstigen Etablissemcnt der Fall ist, w-ie stcllt sich die
Rechnung h i einem Kaufer in jetziger Zeit, wo das Capital sicher statt 4 5000 Thlr. 20000-22000 Thlr. bctragen
wurdc. Das Resultat ist: dcr hpotliekcr hat cin ungiiiistiges Loos, muss darhen, kann wcnig oder iiichts fur
seine wissenschaftlichen Bediirfnisse anwcnden, und er ist
noch gliicklich damn; denn sein Eigentlium ist ihm gesichcrt durch cin Privilcginm. Bcsiisse cr unglucklicher
Weisc eine bloss concessionirtc hpotheke, was sollte aus
seincr Familie nacli seincm Tode wcrdcn ? Dcr Apothckcr,
wenn cr alt wird, hat heine Aussiclit auf Pension, musstc
also so gestellt sein, dass er fur sein Alter ctwas eriibriSen kiinntc, was jctzl selten und bei kleinen Gcschiiften,
ohnc n'ebencrwerb, nie tler Fall ist. 1st das etwa beneidens - oder nicht vielmclir bcltlagcnswcrth ? !
Es dient das Angefuhrte auch als ein Hclcg, dass dic
Taxen, wie sie jctzt stehen, nicht als zu lioch angesehcn
werden Eonncn.
Die zu liohcn Prcise dor Apotheken, wclchc zu den
oben besprochcnen Vcrordnungen des hohen I<Oniglich
Preussischen Ministeriums der Medicinal - hngelegenheitcn
die Vcranlassung gaben, licgcn Z u n i g r i i s s t e n T h e i l i n
d e m S t e i g e n d e s G r u n d w e r t h e s iiberhaupt, denn
sind nicht Landsiiter, Gasthofe, Muhlen und alle Besilzun-
c8
gen, welche etwas abwerfen und oft nur abzuwerfen scheinen, in gleichem Maasse im Werthe gestiegen? ferner in
der Schwierigkeit, bei der grossen Ueberfullung in allen
Standen, ein Eigenthum zu acquiriren, und endlich darin,
dass eine Zeitlang sich mehr wohlhabende junge Leute
der Pharmacie zuwandten, in der Meinung, hier cine guto
Verzinsung ihres Vcrmogens und einen sichern Erwerb
zu finden. Um aber einen Anhalt bei drr Werthbcstimmung der Apotheken zu haben, der vielen jungen Apothekern ganz fehlt, so glauben wir nach den sorgfaltigsten
Prufungen annehmen zu konnen, dass der Werth einer
Apotheke am sicherstcn gefunden werde, wcnn man den
Durchschnittsumsatz von mehreren Jahrcn zu Grundc legt
und diesen mit 6 multiplicirt, was jedenfalls der hochste
Preis sein diirfte, welchen ein Apotheker, der vom Geschaft leben und allen Anforderungen geniigen will, dafiir
zahlen kann, und zwar einschliesslich des Hauses, wenn
dicses nicht einen besondern Werth durch zu tragenden
filiethzins erhalt. An kleineren Orten, wo der Umsatz ein
geringerer ist, mochte, wie das spater anzufuhrende Beispiel beweist, die Zahl 6 noch urn $ verringert werden
miissen.
2) Der S c h u t z im a l l g e m e i n e n V e r l i a u f d e r
N e d i c a m e n t c s o l 1 d e m A p o t h e k e r nach d e n
S t a a t s Se s e t z e n n o ch d a d u r ch g e w a h r t w e r d e n ,
d a s s n u r p r i v i l e g i r t e u n d c o n c e s s i o n i r t e Apot h e k e r d i e s e 1b e n v e r k a u f c n d u r f e n.
Die fruheren Gesetze, wclche von den obersten Bchorden erlassen sind, um den Apotheker in dem Alleinhandel mit Medicamenten zu schiitzen, beweisen hinlanglich, wie von ihnen die Nothwendigkeit dieses Schutzes
anerkannt wurde. Dic Ansichten hicruber haben sich in
neuester Zeit zwar etwas geandcrt, und wie wir glaubcn
beweisen zu konnen, nicht zum Vortheil des Publicums,
jedoch wiirden alle Apotheker noch zufrieden sein, wenn
nur von den Unterbehorden darauf gesehen wiirde, dass
die Gesetze, wie sie jetzt noch bestehen, aufrecht erhalten
wiirden. Wie gross aber der Unfug ist, welcher durch
49
Ueberschreitcn dieser Gesetze getrieben w i d , geht aus
den allgemeincn in allen Staaten gleich begrundeten KlaSen hieruber hervor, wie sic sich fast in allen 137 Eingaben an das Directorium des Apothekervereins in Norddeutschland ausgesprochen haben.
In den verschiedenen Staaten sind die Gesetze iiber
den Verkauf mit Medicinalwaaren verschieden. In Oesterreich, Baiern, Hannover und Nassau ist der Verkauf der
Medicamente Allen, ausser Apothekern, streng untersagt,
im ersten Lande werden die Uebertretungen mit Gefangniss und Confiscation gestraf't; in Braunschweig erschien
im Jahre 1843 eine sehr strenge Verordnung zum Schutze
der Apotheker. In Preussen ist durch die Cabinetsordre
vom 47. October 1836 dcr Ilandverkauf der Apotheker
sehr verringert worden, iihnlich ist das Verhaltniss in Sachscn; mehr aber noch, als durch diesen Nachlass im Gesetze leiden die Apotheker durch die laue Handhabung
der Gesetze.
Doppclte Griindc sind cs, welche die Behorden veranlassten, den Schutz, welchen man friiher den Apothekern allgemein beim Verkauf der Medicarnente gewahrte,
zu beschrank2n; dcr erste ist. der, dass man, um den
Kranken schneller Hulfe angedcihen zu lassen, das Selbstdispensiren den Aerzten in dringenden Fallen und bei
grosserer Entfernung von Apotheken gestattete und dass
man, um grosseren Krankenanstalten und milden Stiftungen die Ausgaben zu erleichtern, Dispensiranstalten einrichtete, und zweitens, dass man, um die Handelsfreiheit
nicht zu beschranken und um den Verkehr zu befordern,
den Handel mit verschiedenen Medicinalwaaren und Geheimmitteln gestattete.
Ehe wir nun zur naheren Beurthcilung des oben Gesagten iibergehen, miisscn wir noch des neuen Gesetzes
in Preussen *), nach dem allen homiiopathischen Aerzten, wenn sie sich einer besondern Prufung unterworfen
haben, das unbeschrankte Selbstdispensiren gestattet sein
*)
Diese Cabinetsordre ist vom 11. Juli 1843.
a
soll, gedenken, da diese gcgebene Erlaubniss weder eine
besondere Erleichterung fur die Ieidende Menschheit mit
sich ftihrt, noch auf Vermehrung des Verkehrs sich be&hen kunn ”) - Aus dem in dem ersten Ahschnitte Mitgetheilten geht wohl dcutlich hervor, dass die zur Darstellung dcr Mcdicamenle nothigen Hulfswissenschaften einen
grossen L’mfang haben, dass der Arzt ausserdem so vie1
zu erlernen hat, dass er dieselben nicht bloss nebenbci
erlernen kann. Wenn man nun auch sagen wollte, dass
der homoopathische Arzt dieses am ersten thun konne,
da sein ganzes medicinisches Studium und Wissen vorzugsm eisc nur anf Symptomensammeln beruhl, wie dieselben namlich iin kranken Organirmus Iorkorninen und
durch Medicamcnte im gesunden erzeugt werden, so wird
doch auch durch diese Erlaubniss die ganze Controle,
welche man uber daq Verordnen der homoopathischen
Aerzte hatte, aufgehoben, einc Controle, welche hier doppelt nothig ist ES konnrn dieselhen nun immer von ihren
Verdunnungen sprechen und starkc Dosen unbesrhr,~nht
geben E i n Verdacht, der nicht aus der Luft gegriffen ist
und den viclhltige Untermchun~enbcweisen, wovon wir
nur eiricn 111 Dresden voi.gclconiinencn Fall, wo cin 3ogcnanntes h o n ~ o o p u ~ h i s ~Pulcei-,
l ~ c ~ von rincin Arztc ;iuigegehen, 2 Gran Dlngzsteriun~Bzs?nuthr cnthlelt, nnd die vom
Apothchcr D C r a q c r in lllthlhauscn untcrbuchtcn Tropfen
cines l ~ o n r o o ~ ~ ~ l l i i sArzlcs,
c l i ~ ~ n in wclchcm 2 hi5 4 Grun
Qurcbsrlbcr - Actzsublininl taglich gcrercht wurdcn, 11 i c r
anfuhr.cn wollcn*’)
Die Erlnuhniss tlcs Sclbstdispensirens der homoopa”) D;is
nenc Gerctz i i l m das Sellistdispensireri r!er 1Ioindopathen
von Dr. l’c r d. S cli 11 1 z in Berlin Lcnrthcilt. Bcrlincr Zeitnng
yon TI a n d e 11. S p c n c r Fcbr. i t . BIiirz 1895 ; nnch Arcliiv der
,
’+4c)
Pliartn. Nai 1845. IJcher die Zweclcm~issiglceit drs Sellistdispensirens der Aerzte, von dein entgcgensteliendcn Rechte dcr
Apotlielcer abstrabirt; von eincni pralitischen Rechtsgelehrtcn.
Archiv der Phnrni. Rlaiheft 1845.
n! n r t i l l s’ Jahresbericht iiber die Fortscliritte dcr I’harmacie.
1S39. S. 250.
!i1
thischen Aerztc ist untcr Allen Umstanden cin Widersprucli
gegen da4 jctzt allgcmein ancrkanntc Princip dcr Theilung
dcr Mcdicin in Arznei-Anordnung uiid Vcrfcrtigung, dorch
gar keinc Grundc lasst sich cin solches Vcrfahren reclitferligen. Unserc Sanitatspolizci gcrath dadurch mit sich
selbst in Widcrspruch, und bcgcht mit der Ertheilung dieser Erlaubniss cine Ungcrcchtigkeit gegcn dcn Apothckcr&nd, iiidem sie ihre Verpflichtungcn gegcn dcnselbcn niclit
crfullt, nach dcm Ausspruche cines dcr angcschenstcn LehI-er der Staatswisscnscliaft und Rcchtskunde auf eirier beruhniten dcutschen Hoclischulc, dessen Rathes wir uns
mehrfach zu erfrcuen hattcn.
Uns ist cs nicht crkliirlich, wic dicser, von den in der
rationellen Mcdicin am liochsten stehenden Mannern durch-.
aus als nicht auf der Basis iichter Wissenschaft bcruhend
anerkannten Heilmethode einc solche Ausnahmc vom Gcsctz gestattet wcrden konntc. Ilir Vcrdiiriniing:isysteiii
crschcint, aus dem chemisch - physikalischen Standpuncte
htrachtet (nach dcm Ausspruchc eines Professors der Naturwisscnschaftcn, dcr niclit praktischer Apothekcr, also
viillig unpartheiiscli isl), vollkommen vernunftwidrig. Dicsc
Ausnahmc ist chcr d a m geeignct, dicses Bcilverfahren in
noch tieferes Dunkel zu liiillcn, als Aukliirung ubcr dasscllic zu vcrschaffen. Man hat dcr Homijopathic dic Erlaubniss zum Selbstdispcnsiren auch hicr und da noch
zugestandcn, iiritcr der Bedinsung, dass fur die Arznei
nichts durfe nngercclinet w-orclcn, z. D. in Hcssen - Darmsladt, Anhalt-Cothen und Bernburg. Uns sind aher specielle Fiille hekannt, wo an also verpflichtetc Aerzte fur
v i d e Pulver fast cbcn so v i d e Thaler bczahlt werden
mussten. W'ie spricht das fiir die Gc~vissenhaftigkeit
dersclben? In Baiern ist gegcnwartig die Bcreitung und
das Dispensiren dcr liomiiopathisclien Arzneimittel, so wie
allcr iibrigen, nur dcm Apothcker gestattet, da die von den
homoopathischen Acrzten friiher einnial beanspruchte und
erhaltene Erlauhniss des Selbstdispcnsirens spaterhin wieder zuriickgenommen wurde. In Oesterreich, so wie in
4. *
ria
den meisten cleutschen Staaten, i h t das Sclbstdispensiren
der Homoopalhen verboten.
Was nun die wohlmeincndc Absicht betrifft, welche
Behorden dahin Icitcte, das Sclhstdispensiren den Aerzten
im Allgcmeinen oder in gewissen Fallen zu gestalten, so
muss diese gewiss absolut als gultig ancrkannt werden,
sie gestattct aher doch eine Ausnahme vom Gesetz und
jetle Ausnahme fuhrt ITnfug herbei, welcher hier auch im
hochsten Grade statt findet, und wir glauben kaum zu vie1
zu sagen, wenn wir behaupten, days durch das Selbstdispcnsiren der herztc weit mchr Schaden als Nutzen herheigefiihrt wird : die Kranken crlialten namlich die Medicamente in den mchrsten Fallen nicht schnellcr, oft aher
in geringerer Qualitkt, zu hbheren Preisen. Urn diesen
Ausspruch zu rechtfertigm, ist es nur nothig, die Hausapotheke cines Landarztes und die Art, wie das Selbsttlispeniiren yon ihm in dcrsclbcn bctriebcn wird, etwaq
ndhcr zii bctrnchtcn. So w(xiig wir hicr i n Dctails cingehen konncn, so miissen wir do& etwas dawn crwahnen, da wohl Aerzten, aber nicht Privaten und Juristcn
dicscs naher hclcannt scin kann.
Dcr Landarzt gcht otlcr rcilet tlcs Morgcnr, oder in
dringenden Fallen nacli Ahrufcn, zu dcm Kranken, kann
aber naturlich nicht allc Mcdicin mit sich nchmen und
also niclit immer dicsclhe gleich vcrahreichcn. In den
gewohnliclicn Fallen kommt cr erst, nachrlem cr den Rrciz
urn scincn hufcnthaltsort hcrum dnrchwandcrt, am Mittas
oder Abend zuruck. Nun erst Lann \ o n tlcniselben die
Bcreitung der Metlicamente beginnen, wenn nicht dieselbc
vorher durch die Frau oder Mast1 nach vorgcschricbencn
und eingcgangcnen Verordnungcn clcs hcrumreitenden Arztes vcrabrcicht mortlcn ist. Kann cr abcr wohl den Seinigen diess anvertrauen? kann also nicht Icichtcr und
schncller ailn cincr Apotliekc Mcdicin crlangt wcrdcn?
Die Hausapotheken der Landarztc hind in der Kcgcl wahre
Pasquillc auf die Apotheken und eine wolilgcordnctc Medicinal - Gesctzgebung. UnreinlichLcit , Cnkcnntniss untl
Unordnung leuchtet oft aus Gerathschaftcn und Stoffen
53
hcrvor. Wie abcr dcr Landarzt die Medicamente xu billiycrcn Preisen abgchcn kann, d. 1.1. bci gleich yuter Qualitat, als der Apothekcr, ist nicht wohl zu hcgreifen, wenn
auch dcr lctzterc dcm erslcn eincn anscthnlichen Rahati
gicbt : denn man muss 11111' Iiicrbci den Iileinhandcl, welcher beim Dispensiren der Medicamentc statt lindct und
den man bei Beurtlicilurig- des Apothekers immer ins Auge
fasscn muss, nicht iibersehen. Ausscrdcm gelit die Cont r o l ~ , die ein Recept iiber Qualitst, Quantitiit und E'reis
der verabreichtcn Medicamente gcwahrt , ganz verloreii.
Einc Conlrolc. wclchc h i bloss enipirischen Landarztcn,
wie sic es griisstenlheils noch jetzt sind, iiijthigcr ist, als
bei den wisscnschaftlich Scbildetcn.
Nach unserm Dafurhalten ist das Sclbstdispcnsircn i 11
c i n z e l n e n F a l l e n d u r c h a u s n i i t h i g , aber es kanii,
wcnn es dem Kranken wirklich nutzen soll, nor in dem
Verabreichen einiger Simplicia und einiger cinzelncn Brechund CaIomcIpulver, welchc tlcr Landarzt zur Noth i n den
Tasclicn niit sich fiihren kann, und wclclie er aus einer
Apotheke bezicht, bestehen. Ausnahmen kiinnen allerdings
in Gegenden vorkommen, wo die Bcviilkcrung sehr diinn
ist nnd zcrstrcut von einandcr wohnt, so in Gebirgsthiilern. la dem Unifange und auf die Art, in welcher das
Selbstdispensiren jctzt crlaubt ocler mchr noch gcduldet
w i d , schadet es ahcr nicht bloss dcm Kranlien, sondern
es schadet der Verbreitung dcr rationell gcbildctcn hcrztc
auf dem platten Lande, da diose nicht, wie jene, sich zu
cincm so ungcsctzlichcn Trciben hcrablasscn*). Was hier
im Allgemeinen iiber das Selbstdispcnsircn gesast wurde,
") In1 Oesterrcicliisclien ist dcru Sanit$tspcrsoniilc im Allgcnieine~~
das Selbstdispensircn der Arzneicn, so auch das Selbstdispensircn
der horniiopathischen Areneien untcrsagt, da dcren Zubcreitung
und Ilinausgabc nusscliliesslich den Apotlielicrn vorbelialten ist.
Far die Hausapollrclten, wclchc die Aerzto und Wundiirzte da
zu halten bercclitigt sind, wo in dciu Umltrcise cincr Stande sicli
bcine Apotliclic befindct, diirfen dicsclbcn lieiue Arzneiiuittcl von
Droguistcn crlcaul'en, sondern nnr aus A ~ ) o I I ~ c I ~ c I I . Doc11 is1 den
Wundiretcn gestattct, ihncn wohlbckannk Arzncimillcl, als Wur-
E i 4.
finclet niit wenigen Ausnahmen auch auf die Homoopathen
Anwendung ; doch kiinnen diese allerdirigs illre ganze Apothelie liei sich fiihren.
Dass man Thierarzten das Dispensiren ihrer Medicamente an vielen Orten ganz frei gegeben, ist doch wohl
at& nicht zu rechtfertigen, dcnn auch uber diese verliert
luan die Controle iind lasst es ihneri Sanz h i , die Medicamente zu beliebigen Preisen zu verahreichen. Dass aber
zeln, Blumen, Krauter und Sanien zu samnieln. (Mull er’s D a r s t e l l u n g . S. 13. 214-16.)
In Preussen d a r l Niemand Arzneien oder Illntcrialien, deren
Bearbeitung, Aufbewahrurig und rechter Gebrauch besondere
Kenntnissc voraussetzt, vcrltanfcn oder iiberlassen, bei Strafe von
30-100 Tlilr. ( M u l l e r ’ s D a r s t e l l u n g . S.226.)!
I n Wurteniberg ist der Ilaosirhandel mit einfichcn und ZUsaiiiniengesetzten Arzneien fiir Blensclien und Tliiere verboten,
Ebcn SO sind Geheimniittel nur gegen Ninisterial-Erlaubniss dem
Verliaufe in den Apotliclten preisgegeben. \YO lieine Apotheltcn
sind, diirfen Aerztc nnd WnndPrztc cinfachc lheespecies, Brustthee, Wollblumen, Pfeffermunze, Chamillen, Flieder, gereinigten
Weinstein, Senfmehl, Miillenstein, Bleiextract, Bleipflaster, Gummipflasicr und Leinsaiiien fiihrcn.
Ini Kiinigreich Sachscrr ist das Ausgeben von Arzneimitteln
allen R’icht-Apotheltcrn geincssenst uutersagt. Illit allen iibrigen
Arzueiltihpern, woliin ausscr den rolicn Arxneiwaaren auch zutc gehiiren, welche fil)riltniiissig gefertigt wertlen,
steht tler Ilnndel i n i Grossen, (1. 11. iiber ein I’l’und, den Apothclicrn, Producenlen oiler Iiabriltaiiten derscll)eii und Ihnflcnten
gc niei II scha ftlicli zn . Ueb e r L rci i i r r ge i i s i i i d 111 i t Cold b us sen von
5 - 5 0 Thlr. bedrolit. ( 3 l i i l i c r ’ s D n r s t c l l u n g . s . 5 3 . )
Ini Kiinigreich IIannover ist es nnr tien Apotheliern erlatbt,
init Arzneiwaaren iind Giften, sowohl cn tlbtail, als en gros zii
handeln, dagegen Fabrikanten und 1)rognislen niclit unter eineiii
I’funde, von tnehrercn Artikeln nicht nntcr z w c i bis vier I’funden. Verltauf gcheitncr Arziieimittel ist verbotcn, Aerxte und
Wundiirztc diirfen ihrcn Bedarf nur aus den Apotheltcn entnehmen nncl das Dispensiren aiiiiger Rlittel ist nur iin Motlifalle nntl
bei Entlegenheit der Apolliclten gestattet. l’hicrirzte diirfeii
selbst dispensiren, iniissen aber his auf einheiinischc Vegetabilien
ihren Bedarf ans Apothelren entnehmen.
Ini Grossherzogthnni Baden ist der Vcrliauf der Arzneiwaarcn
55
dlcse Arzneien oft selir geringer Art sincl, die Preise aber
dennoch hoch, ja weit Iiohcr, als in den Apotheken, dafiir
sprechen Mi ttheilungen zuverldssiger A potheker. Was aber
hierbei gewiss noch mehr sagen will, ist, class hierdurch,
nanientlich an kleinen Ortcn, der Umsatz der Apotheker
ungemein geschmalert wird, und doch mir eine Apotheke,
welche raschcn Umsatz hat, in gutcm Standc zu erhalten
1st. Ferner wird durch dieseri nicht unbedeutenden Umlediglich den Apotliekern uberwiesen, tler Ilandel mit IleilstolTen
aber den Rlntcrialliindlern, so wie das eigenmichtige Dispensiren
den Sanitlts - Individuen streng verboten. (11 iil 1e r’s D a r s t e I
l u n g . 4.76.)
I m Grosshcrzogtlium €lessen ist das Kecht, Heilmittel zu vcrfertigen und abzugeben, bloss den Apotheliern vorbehalten. Materialisten, welche mit Arznciwaaren im Grossen handeln, miissen
sich eincr Priifung unterwerfen. IIomiiopathische Aerzte dirfen
unentgcltlich Arzneien selhst dispensiren. (81 ul I e r’s D a r s t e I 1u n g. 9.278 - 279.)
In J1eclrlenl)urg diirfcn die liaulleutc volt Arzneistoffcn n i c h t
unter ein Viertelpfund verliaufen. Das Selbstdispensiren d e r hontiiopathischen Aerzte ist in jcder Form und unter allen Verlidltnissen verboten.
In Nassau iat der Handcl rnit Arzneien Andcrn, als Apothekern, bci Strafe von 50 - 150 Gulden odcr Gefingniss verboten.
Die 1Iausapotbeken der Aerzte sind auf wenige Heilstofre besclirlnkt.
In Uraunsctiweig ist die Ucreitung der Iroiiiiiopatliisclicn, wic
aller andcren Ileilmittel, nur den Apothelicrn gestnttet. (31 i i l I cr’s 1) a r s t e l l u II g. 8.285.)
In AnliaIt - Bernlmrg sol1 Nic:nianrl ansser dcn Apotlieltern
Handel trciben mit ausschliesslich oder docli fast ausschliesslicli
Bum Arzncigehraiich dienenden Stoffen. Gehcimmittel sind verboten, w i e auch das Selbstdispensiren der Arzneinlittel durch
Aerrte. ( R I e d. - 0 r d n. 4. 40. 91. 119. ,175.) Docli ist seit einigen Jahren das unentgeltliclie Dispensiren der homiiopathischen
Arzneien eincin Arztc gestattet wordcn.
Im Hiinigreich Preussen felilt cs, was den Vcrlianf der Gelieirnmittel betrifft, nicht an guten iind zweclunlssigen Verordnungen, so ist z. 6. die Kisow’sche Essenz unter d e m 13. J u n i
18 2 ‘3 vom Rlinisterio verboten. ( A t i g u s t i n , die prcuss. RI e d.V e r f. V. 223.) Ebenso Altensuer Wutider - Esscnz, Langc’schc
-
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satz die Einnahme des Apothekers beschrankt , und es
mussen deshalb griissere Procentzuschlage bei den einzelnen hrtikcln und bei den Arbeitspreisen statt finden,
urn das Deficit, welches durch das Fuhren vieler, wenig
gangbarer, aher doch solcher Medicamente, welche vorrathig gchalten werden mussen, entstcht , nur eiiiigermaassen zu decken. Die Arzncien fur Thiere sind auch
Arzneicn und gehoren deshalb in die Apotheken. Die
Pillen, BIiiller'schc Fiebertropfen , Schfinheitsmittel sollen nur
dann in den Handel gcbracht werden diirfen, wcnn sie n a c l ~
vorausgegangener Untersuchung sich 81s unschidlich erwiescn
habcn. ( V e r f i i g u n g d c r Iriin. H e g i e r . z u D i i s s c l d o r f
v o m 19. J u I i 1 8 3 2.) Das Oberprisidiunl von Westphalen unsagtc sehr zwccltmlssig die Ankiindigung von Gehciinrnitteln
( A u g u s t i n , VI. 39G.), auch das Censur-Collegium fand die
Anltilndigung yon nngepriiften Arzneirnitteln nicht zuliissig, unterm April 1839. ( A u g u s t i n , M e & - G e s c t z e . VI.93.)
Die llegierung zu Merseliurg vcrbot dcn Verltauf der Lcwenpomade unterm 3. Fcbr. 1823. ( A n g u s t i n , VI. 396.) Dic
Regierung zu Marienwerder untersagte bei 100 Thlr. Strafe den
Apotheliern und bei 20 bis 100 Tlilr. Strafe anderen Handeltreibenden den Verlrauf der Illorison'schen Pillen unterm 3. April
1839. ( A u g u s t i n , VII. 132.) Ein hliltcl gcgcn Sommersprossen vcrbot das Minisleriurn unteroi 11. Riai J 839. (A u g 11s t i t i ,
VII. i09.) Arornatische Wiisser sollen als Arzneirnittc.1 nicht angepricsen mertlen , h u t Verl'iigung dcr Itiinigl. Ilegierung zii
Blagdcburg voin 18. Febr. 1823 und der Itiinigl. Regierung zii
Ciiln vom 12. Scpt. 1825. ( A u g u s t i n , IV. 11.) Unter Arzncirnittel sollen nicht Waschniittd und blosse Scliiinlicitsiliittcl
gerechnct werdcn, laiit n~inisterialuerl'iifiiiig voin 11.April 1823.
( A u g i t s t i n , I. 365.) Es ist den Apothekern bei 100 'lhlr.
Strafe und im Wiederholungsfalle bcim Vertuste dcs Privilegii
verboten, ungepriifte Arcana zu fiihren, h u t Edict von 1725.
( A u g u s t i n , I. 363.) Warurn d s o nicht den Kaufleiiten untl
antlcrcn Hiindlern? W e r eiii Gelieiinniittcl bcsitzt, sol1 es, nacli
den Bcstandthcilcn, angeben.
Iin liiinigrcich Wiirtemberg diirfcn Celieimmittel nur nacli cingcholtrr Regierungs-Erlaubniss durcli dic Apothclter, sonst nicht,
vcrlcauft werden. (11 c d. 0 r d n. !$.259, 2G3.) Dicse Vcrfiigilngen yon
259 - 265. enthaltcn vie1 Zcvccltmissigcs.
Itn Grosslicrzogthurn Hcsscn ist dcr 1Iiiiidcl mit IIalleschcn und
s.
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57
Behorden wiirden wohl thun, fiir die Medicamente in der
Thierheilhunde den Apothekern ermassigte Taxen zu geben, womit die Apothekcr, selbst wenn man sie um 20
his 25 Proc. verminderte, wohl zufrieden sein mochten,
einmal, weil fur Thiere griisserc Mengen vcrabreicht, anderntheils, weil weniger theurc und fast nur gangbare
Mihtel verordnct werden*).
Warum ZahnBrzten das Ausgeben ihrcr Mittel gestattet wird, ist ebenfalls durchaus nicht zu erklriren; auch
hierbei sollten die Behorden bedenken, dass durch den
dabei zu erlangenden Gewinn manches dem Apotlieker
nicht abzunehmende Opfer gedeckt werden kiinnte. Bedachten die Behorden, wic in jeder Beziehung die Opfer
sich vermehrt haben, welchc der Apotheker gegen fruhere
Zeiten bringen muss, und wie umgckehrt sich sein Umsatz
und seine Revenuen in jeder Beziehung verrinsern, sie
wiirden gewiss darauf bedacht sein, seine Stellung zu verbessern , wodurch gleiclizeitis direct und indirect dcm
grosscn Publicurn mil genutzt werden wurdc. Das Dispensiren der Medicamente in milden Stiftungen und Militair-Lazarethen ist zwar, wenn die zu dispcnsirenden Arzneien aus den Apotheken entnommen und von Apothekergehulfen bereitet wcrden und das Ganze unter Aufsicht
anderen Arzneien unbefugten Personcn verboten. ( R i t t g c n ,
d a s bled.-Wesen d e s G r o s s h . I I e s s e n . 11. 107.) DicApotheker diirfen lreine Arzneien ohne Rccepte und lccinc Gclicininrittel verlcaufen. ( R i t t g c n , d a s Bled.-Wesen d e s G r o s s l i .
I l c s s e n . 11. 109.)
N a c h d e r M e d . - 0 r d n . v o n 1 8 2 0 . s.119. u n d 1 7 5 . i s t
i n An h a1 t B e r n b ur g der Vertrieb allcr Arzneien und Geheirnniittel Andercn, als Apothelcern, bci 20 - 50 Ttilr. Gcldoder Gefingnisstrafe verboten. Spiiter ist, zu Ungunstcn dcr
Apothclter, die Strafe von 20 aul 5 Thlr. tierabgesetzt.
',) In1 Ifanniiverschen miissen die 'Jhierirztc ihre Arzneien aus der
niichsten Apotheltc cntnchmen. Sie haben cin Unch zu Piihrerr
iibcr den An - u n d Verlrauf der Arzncicn. Leider gescliiclit nbcr
diescs alles niclit. Fur die ausgcgelrenen Arzneicn nehnicn sic
was sic wollen, so berichtct eincr dcr ausgczeichnetstcn Apothclier in1 IiGnigrcichc Hannovcr.
-
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des Apothekers steht, der die Lieferung zu besorgen hat,
Zuni grossten Tlieil von den Vorwurfcn frci, welche dem
Landarzt mit Ilecht und ohne alle Uebertreibung gemacht
wurden, aber als Eingriffe in die Rechte der Apotheker
uncl als etwas, was den Erwcrb derselben beschrankt,
sind sie auch anzusehen, und in manchen Fallen durfte
diesen Anstalten doch die nothige Ordnung und Reinlichkeit fehlen.
Indem wir hier noch dcr Pfuscher erwahnen mussen,
als unbefugter Medicamenten - Verkaufer, mussen wir furs
Erst0 bemerken, dass wir hicrunter sogenanntc medicinische Pfuscher verstehen, welche also auf doppeltc Weise
strafbar sind und der Aufsicht der Medicinalpolizei nicht
genug empfohlen werden konnen. Ihre Medicamente entnehmen sie entweder von Droguisten odcr sammeln sie
selbst, und geben sie oft in absurden Formen und mit
abergl6ubischen und mystischen Sentrnzen gespickt an
das leichtglaubige und leichtsinnise Publicum. Alle Zeitungen, medicinische und pharmaccutische Journale, so wie
alle Untersuchungsbehorden konnen vielfache Belege hierzu
liefern.
Eben 50 naclitheilig auf dn.; Apothekergcschaft, als das
erwahntc Selbstdispcnsiren, wirken die, um den Handelsverkehr nicht zu bcschrmkcn, genomniencn Hucksichten
ein, weil auch liier, wic dort, dicjcnigen, denen man Etwas
erlaubt, die ihnen gcstattcten Grenzcn wcit uberschreiten.
Nacli unsern Ansiclilen ist abrr dcr Kaufmnnn durchauq
nicht qualifcirt zurn D e t a i 1 v c rli nu f von Mcdicinalwaaren, denn er ist nicht rnit den nothigen Kenntnissen ausgcrustet, das Aeclitc von dem Falschen, das Gute von dem
Schlcchten zu untcrschciden, ihm ist dic Wirliung der Substanzen nicht behannt, er kann dcshalh nicht controlircn,
nicht rathen, und wenn er Alles dicss auch vcrniochte, so
ist doch sein ganzcr Gcschaftsbctrieb ein anderer, er hat
cine ganz andere Richtung, er hat kcinc Pflichtcn, heine
Vcrantwortlichkeit ubernommen, wie diess beirn Apothehcr
der Fall ist Was gewinnt abcr das Puhlicum dabei, wenn
w fur sein Geld gywmxe Quantitaten von den Arznei-
89
stoffen erhalt, die aber von geringerer Qualitkt sind? Wenn
die Vegctabilicn schlecht getrocknct, inehrere Jahre alt,
mit anderen unwirksamen oder gar scliadlichen vermengt,
nur groh gestossen hind, odcr wenn die rathende Hulfe
beim Verkauf schadlich wirkender Stoffe fehlt?
Ja der Unfug odcr Uehergriff, welchcn die Kaufleute
treiben, erstrecht sich wciter, als auf den Verkauf roher
und hloss mechanisch geiinderter Rledicinalstoffe, sie verkaufen auch pharmaceutischc. und chemischc Praparatc zu
Heilzwecken, als Pulver, Tiucturen, Pflaster, Salben, Salzc,
Oele, etwas, was ihncn auf keine Weisc gestattet ist und
ordnungsmassig gestattet wcrdcn hann. Auch Landarzte
versorgen sicli BUS dicsen Quellen, rind da auch diescn
die Befahiguns, die rolien Drogucn und Praparate beurtheilen zu honnen, abgclit, so cr'hdlt man zugleicli hierdurch eine Einsiclit in die Ilausapotlieken der sclbstdispensirenden Aerztc, und man siclit, wic ein Ucbel das andere bcfordcrt. Wohin abcr cin sol(,hcr freigcgebener,
haufig uubcaufsichligtcr Vcrhauf von lllcclicamenten und
Waaren zu medicinisclien Zwcchen fuhrt, liefert England
cben so zahlreiche als traurif;c Bclege. Zuni Theil schutzt
das Cesetz den Apotlicker gcgcn dicse Cchergriffe dcr
Knuflcute, abcr die ubcr die Bcfolgung der Vcrordnungen
wachenden Unterbchordcn linl ten dicscllwn liaufig nicht
aufreclit. 13s giebt wolil wcnigc, viellciclit gar heine Falle,
wo ohne besondere Denunciation clcr Apotlicbcr, die Baufh t e liicrubcr zur \'eranlworlung p z o p warcn ; wie un
angcnehui ist cs al)cr Cur cincii g;cl)ildctcnMann, den Dcnuncianten maclicn zu mushcn ! Oft a h (Valle sind hicrfur genug vorhantlcn) werdcn die Anltlasen der bctlieiligten Apotliekcr kaum t o n dcn Gerichts- odcr Polizcibehbrden beaclitel, sondcrn zuruckgelegt, his endlich wiederholtc Aufforderungcn, oder wenn sich die hpotheker
an hohere Behorden gewcndct habcn, zii cinmaliger Bestrnfung veranlassen Dluss n u n arrch dcr Kaufmann, wclcher unge~etzlichciiDetailhandel n i t Mcdicamentcn treibt,
eiiinial cinige Tlialer Strafc bczahlcn, so liomint dicss bei
ilim sclir I ~ i l t l wiedcr eiii, wcil cr durch seincn hlisatz
60
nur gewinnt, da er n u r s o l c h e M e d i c a m c n t c z u m
V e r k a u f e hiilt, b e i welchcn c t w a s zu verdicrien
ist, u n d nicht, w i e d i e h p o t h c k c r , d c n g a n z e n
A r z n c i s c h a t z in g u t e r S c s c h a f f e n h c i t h a l t c n
m u s s . So geniesst dcr Kaufrnann zum Theil die Vortheile, wclchc dcni Apothebcr wcgcn seiner wissenschaftlichen Ausbildung und wegen dcmgeinasser Bctroibung
seincs Gcschiifts zugestanden sind, ohne irgend etwas vori
den Miihen und Lastcn desselben zu iibernehmen.
Mochlen doch die Behijrden bedenken und ljeachten,
dass ausser den pecuniiiren Naclitheilen, wclcho dcr Apotheker durch den Verkauf der Medicinalwaarcn von den
Kaufleuten erleidet, auch oft das Publicurn hcnachtheiligt
und dessen Gesundheit gefahrdet wird.
Nach unserm Dafurhalten kann Niemand andcrs, als
dcr Apotheker den Detailverkauf der Medicinalwaarcn zum
Vortheil des Publicurns besorgen, und es sollten die Oberhehiirden theils deshalb, theils wcil der Apothckcr so viele
Opfer zu bringen hat, streng darauf sehen, dass wenigstens die Gesctzc aufrecht erhalten wiirden. Ganz gewiss
liesse sich dadurcli einc hesscrc Glcichstellung bewirken,
dass nur in dcu IIauptstadten Droguistcn *), wclchc abcr
unter Controle dcr Apotheltcn-Revisoren stclicn mussten,
cxistirten, und dass an kleincn Ortcn, wo dic Apothekcngcschiiftc untcr 3000 Thlr. Umsatz hattcn, clcn Apothckcrn
dcr Vcrkauf allur giftigcn Parbcwaarcn, welche ohncdics,
wie wir schon obcn gezeigt habcn, cine grossc Sorgfalt
wfordern, wclche von dcn Kaufleutcn, die olinc ICcnntniss
ihrer Wirkung sind, niemals zu erwarten ist, nllein iibcrtmgcn wiirdc.
Eincr der ausgczeiclinetstcn Lehrcr ctcr Pharmacic,
tvelcher zuglcich Mitglicd cincr libhcr.cn Mcdicina1l)ehbrdc
ist, s a g : cs Iiisst sich lcicht hewcisen, (lass Droguistcn
oder sogcnannte Matcrialistcn in Provinzialstiidtcn unct
-
") Untcr Droguisten verstelion wir Medicinal und Fiirbcwaarcnhtindlcr, wclche docli nur lctzlerc in1 Detail an das Yublicuiii ab-
gcbcn sollcn.
61
Markten dcr Sanithts - und Mcdicinalpolizci stcts unubersteiglichc Schtvicrigkcitcn gemacht haben und noch fortwahrcnd machcn , indcm sic medicinisclie Pfuschereien
auf allc moglichc Weisc unterstutzen, und das Fortkommen dcr Apotlieker erschweren. Es lasst sich beweisen,
(lass man in solchcn Ortcn Concessionen fur Arznciwaarcnhandcl nip Ii,ille crtlieilcn Pollen, meil cigentliche Arznciw aarcnliandler, ausser den IIandels - und Hauptstadtcn,
nirgcnds ein wahres Bdurfniss sind und dass man die
I<r,rrner- Concessionen in I'rovinzial - und Landstadtcn, so
\vie in 1InrLttlcckcn nur auf die nothwcntligstcn Lcbensbedurfnissc, auf clic Arlihcl dcs TAXUS, dcr IIandwcrkc
iind Kunstc , also auch auf Farhcwaarcn bcschranken
sollte ; damit w'irc ungcmcin vie1 geu onncn und nianchcni
Apotlickcr auf tlcrn Lantle das Fortbommcn crlcichtert.
Eiii t orzuglicti wachsames Augc sollten die Polizeihehordcn auf dcm Land(. aiif die II~indelsrciscntIen richten,
\veil dicsc dcn medit~inischenund plini~rnnccutisch~r~
Pfuschcrn rlcn mcistcn Vorscllub Icistcn, indem sic auch an
Landarzte, Landchirurgcn und Thicrarztc u. s. w. ihrc
Waarcn untl Mcdicamcnte a1)znsetzen suchcn.
Dcr Detail\ crkauf tlcr Giftc, wclchcn der Apothckcr
uhcrnchmen muss u n d wclclwr niclit gut jcmand anderm
ubcrtragcn wcrtlcn kann, gchort, mic fruhcr angefnhrt, zu
den Lusten dcssclbcn, tloch konnen wir cs nicht folgercclit finden, wcnn dcr Apotlicker, wclclicr fur wcnigc
Pfmnigc Blcizucker, unter Mittheilung dcr notliigcn Vorsichtsmanssrcgcln, 1 crkauft, vernntwortlich ist, dcr Kaufmann a h dicsclbcn Stoffc und viele andcre noch starker
wirl>cndc z 13. Ciftfarbcn in Pfunden abgeben darf.
Wir mochtcn bcineswcgs fur unseren Stand durchaus
und ubcrall den Vwbauf dcr Siftigen Farbcn reclamiren,
condern wollcn nur clarauf aufnierbsam mnchcn, tvclchcr
Wiclcrywch hicr .tntt findct
Wic tlicscm ticf cingewurzclten Uclwl, dcm unbeaufsiclitigtcn iind \on Unbebhigten au.geubtcn Dctailhandcl
mit Medicamcntc.n, w~lclicr von dem Publicum aus Unwissenlicit bcgunstigt, von den Beliorden aus allzugrosser
02
Nachsiclit geduldet wird, ohnc sehr grosw Skcngc abgeholfen werden kann, wissen wir nicht, doch glaubcn wir,
dass diess mit Hulfe der Polizcibeliorden von den %UP
Apothekenrevision bestimmten Personcn, welclie da\ Uebcl
an Ort und Stelle zu erkennen im Stande sind, einzig und
allein durcli Aufrechthalten der Gesetze gcschehen konnte,
Schr gute Vorschriften sind, wie sclion oben gcdacht,
in dieser Hinsicht im Herzogthum Braunschweig seit wcnigen Jahren gegeben")
Um Schaden zu verhindcrn, solltc man aher nicmals
verabsaumen, die Kaufladcn, namcdicbh solclie , wclche
mit Lebcnsbcdurfnisen und Farbenm aaren 7ugIcich handeln, durcli die Mcdicinalpolizei auf das Gcnaueste controliren zu lassen, da wir fest uberzeugt sind, dass durch
die hier BUS Unkenntniss vorkommende Nachlassigkcit in
Hinsicht der ordnungsmassigcn Einrichtung und Reinlichkeit viclfaltigc Qucllcn zii Krankheilsfallen liesen, die oft
fliernand ahnet und wclchcn schwer arif die Spur zu
kommen ist. Selbst Beweise hierfur liegen vielfach I or,
einen recht deutlichcn licfcrt das vor nicht langer Zeit im
Bittersalz vorgckommcne Strpchnin
Von den chemisclicn Fabrilten, in SO fcrn sic Detailvcrkauf mit Medicinalprapnratcn treibcn, g i l t g a n z d a s s e l b e , w a s w i r o b e n v o n I ~ a u f l e u t c ng c s n g t
haben.
Sic sind des grossen Uinscliwungs tler Gewerbc wcgcn gar nicht zu entbclircn, cla3s d w r durch clic h i
ihnen statt findcnde Concnrrenz und clurcli da5 Arbeitcn
im Grossen die Prcisc dcr dcm Apothelter nothigen chcmisclien Praparatc so hcruntcrgcrlruckt sind, ~ c l i a d e ~
dem ganzcc" Standc sehr: denii c5 \cranlasst kiele Apotlieker illre cheniisclic~nPrdparate zu kaufen, anstatt sic
zu bereiten, cin Ucbclstantl , d m der wisscn~chnftliche
und seinen Stand liehcnde Mann wohl bcscitigt wunschcn
mochte, da es der Auslddung desselbcn so sehr im W ~ g c
steht. Es ist deshalb hochst dringend zu wunschcn, (lass
") Archiv der Phsrmacic, Jahrg. 1814 Xailieft S 209.
63
(lit Medicinal - Ordnungcn deli Apothekern vorschreiben
niochtcn, dass sic allc diejcriigen Praparate sclbst darzuslcllen liattcn, wclche cben in hleinerm Maassstabe bereitct werdcn konnen, was bci tlcn meisten der Fall ist.
AusnaEimen hiervon waren nus die starkcn rohen Sauren,
(lie Pottasche, Soda, Alaun, Clauber - und Bittersalz, kohlcnsaure Magnesia, Weinstein und Wcinstcinwure, kohlenl111d salzsaurcs Ammonium, Borax, Salpeter, Milchzuckcr,
cssi~saures und kohlensaures nleioxyd, Silberglattc und
Mennige.
Gelieinimittcl oder hrcana solltcn in cincr Zeit, wic
dic unserige, gar nicht mclir geduldet werden, es streiten
dic stcten Ausbictungcn und Anpreisungen gegen alles
wissen~cliaftlichcStrcben, grgcn alle Forlschrittc unserer
Zeit, und cloch werdcn dicselben vom Publicurn eifrigst
bcnutzt, von den Bchorden dcr Verkauf erlaubt und getlnldet, ja von oft 1iochstc.hentlcn Acrzten mit lockenden
Zcngnissen versclicn, wie diescs nocli vor Kurzeni der
Fall war niit den Elektricitatsableitcrn. Diesc Amulets
wurden in einem Lantle, in welchem unser Verein sich
verbrcitet hat, von tier untcrcn Ibledicinall~cliordcverboten,
von der liolicren abcr zum VcrLaufc zugelasscn Mit diekern ganz offenbarcn Betruge wurdcn n u n Lon Kauflcuten
untl Inclustrieriltcrn die l3orsiw tlcs Publicums rnit obrigkcitlichcr Erlaubniss gc~brantlichntzt. Ein solchcs Amulet
hat tiur den Wertli einiger Pfennig! und murde mit 10
und 13 S g . ScLnuft Ilicsc Lcutc liabcn ohne alles Risico
c\iucii Gcminn \ o n mdir ali I000 I’roccnl, und wic schreiet
,illes, wcnn dcm Apotlieker 100 Proccnt gcw~lirlwcrdcn ,
rnan hedenlit a h dabei niclit, was dcr Apotheker fur
cin 1~leinigkeitsh;intllcrist, wdchc Vcrluste cr durch diese
Procentc mil z i i dechcn hat, uncl wie langc es dauert,
chc Bruchpfennip zu Thalern wcrdcn.
Jedoch sinrl wir weit cntfernt zu wunschen, dass der
Gc-vvissensfreiheit oder der Meinungsfrciheit irgend cin
Zwang angethan wcrde. Wir wollen damit nur sagen,
(lass, wic die Polizei fur die Sicherheit und Wohlfahrt
G4
des Ganzen zu wachen hat, sic auch das Publicum vor
Prellereien schiitzen sollte.
So wie hier bei diesen Amulets etwas ausfuhrlich
angegcbcn, ist cs bcim Verkauf aller Geheimmittel und
Arcana, das Publicum wird dadurch betrogen, oft wird
ihm auch direct oder indirect dadurch an Leben und Gcsundheit geschadet*), wenigstens aber wird cs uberthcuert.
Wodurch aber ist dieser Verkauf gerechtfertigt? cinzig
und allein in dem Sprichworte: Mundus vult decaji, ergo
decipiatur, welchcs abcr freilich nicht untcr der Autoritat
der Behiirden geschehcn solltc.
Unter den vielen Klagen, welche iiber dcn IIandcl
mit Geheimmittcln von allen Orten eingingcn, heben wir
nur noch besonders hervor die Klagen aus dem Altenburgischen uber die Waisenhausapotheken-Arcana zu Halle, die aus
Sachsen, Sachsen-Weimar, Anhalt, Oldenburg und Schwarzburg uber das Willer’schc und Bhnlichc Kriiuterolc, Lijwcnpomadc, Malzsyrup, Schonheits - und Gichtmit~elu. s. w.,
welche alle mit pomphaften Anpreisungen ausgeboten und
zu hohen Preisen verkauft wcrden, womit im Weimarischen
sogar ein Geistlichcr EIandcl treibt. In Dresdcn besteht
auch cinc iihnliche hnstalt, wie die Waisenh~us-Apothekc
in Halle, unter dem Namen der Oehmi’schcn Officin. Aus
Westphalen wird gcmeldet, dass, trotz allcr Verbote, der
Verkauf von Gcheimmitteln offcntlich ohne Schcu getrieben werde, und dass ein Fall bekannt, wo Jcmand binnen
2 Jahren fur 400 Thlr. Morison’schcPillen gcbrauchte, die
cr, wenn sie einmal nothig, um & dicscs Prcises aus
ciner Apotheke hatte bekommen konnen. Aus den Rheinprovinzen sind die Klagen allgcmein und zwar nicht sowohl gegen die Gesetze als gegen Nichtaufrechthalten
derselben.
-
__.__
+) Belege zu solchen ubertriebenen Anpreisungen und damit verbnndenen Prellereien, liefert die pharmaceutischo Zeitung yon
B r a n d e d Jahrg. 1828 S. 312. 1829 S. 37, 55, 132. 1830
S. 291. 1831 S. 188, 387. 1832. S. 323. 1834 S. 81. 1835
S. 133, 317. 1839 S. 11 und an vielen andern Stellen mehr.
65
Ausscr tlem Schutze, den der Apothcker im Kleinhandel mit Arzneistoffen genicist, otlcr w c n i p; s t e n s g e n i e s s c n s o l l t e , wird cr vom Staatc
3) n o c h d u r c h e i n e f e s t g e s e t z t e T a x e e n t s c h a d i gt.
Dass vom Staate aui in allcn deulschen Provinzen
festgesetztc Taxcn fur ipothcker ausgcgcbcn wcrdcn, ist
wolil zuerst datlurch bedingt, d a s s tler A p o t h c k e r e i n
R c c h t h a t , vom S t a a t c c i n c E n t s c h & t l i g u n g f u r
d a s z u e r l a n g c n , wai; c r n a c h A n f o r t l c r u n g e n
d e s G c s c l z c s d c n i . ; c l h c n I c i s t c n m u s s , und wiirden so vorn Puhlicnm tlic ‘Caxen bcnrtheilt, cs wiirden
dic falschcn CrLhcilc , welchc darbbcr Iicrrschen , bald
schwindcn, und man wurtlc einschen, (lass cs nur cin
Nebenzweck der Taxc ist, daq Publicurn vor Uebertheuerung gegen Apolhckcr zu schutzen.
Sehr scliwcr ist es, dic GrundsLitze zu crmitteln, nach
welchen die Prcise dcr cirizoliicn Medicamente feslgesetzt
werdcn sollen : viele drbciten und Vorschlage sind hicrzu
gcmacht worden, von K r i c g e 1 s t e i n I ) , W e s t r u m b a),
J u g l e r 3 ) , F l a c h s l a n d 4 ) , H a h n l e j ) , GeigerG), R a tze n’ ) , S t e i n m e t z S ) , B l e y y ) , P r o b s t ’”), Ma r tiu s ” ) .
1)
Ii r i c g e 1 s t e i n , U l ~ rdie Vcrindernngen der Arzncipreise 1795.
Beiiierliungen fiber Arzneipreisc und deren Veranderung 1797.
3, J i i g l e r , Nachtrag inBczug auf W c s t r u m b ’ s Bemerkungen
iiber Arzneitaxen u. s. w. Ilannover 1798. *) F l a c h s l a n d ,
Apothelcentaxen zur neu eingeftihrten preussischen Pharmalcopije.
Karlsruhe 1809. j ) I1 iih n I e , Entwiirf zu einer allgemeinen
und bestandigen Arzneitaxe. Pranlrfnrt 1815. G, G e i g e r , Ideen
uher eine Apothelrertaxe. Heidelberg 1819. ’) R a t z e n , Entwnrf einer allgemeinen Arzneitaxe. Heidelberg 1821. 8) S t e i n m e t z , Ansichten uher eine allgeineine Apothelrertaxe. Heidelberg 1822. 9, B l e y , die ncnen preussischen und slchsischen
Arzneitaxen , gewurdigt aus dem Standpuncte der rationellen
Pharmacie, nebst eineni Vorschlage zn einer Arzneitaxe. Leipzig
1833. O) P r o b s t , das Apothekertaxwesen durch eine auf
statistischc Rlittheilungen gegriindete Kritilr des deutschen Apothelterinstituts init Vcrhesserungsvorschl;igen. Heidelberg 1838.
I 1 111 a r t i u s , Apoihelceriaxe.
2)
5
66
Ohne hier in die specielle Auseinandcrsetzung der
hnsichten eincs jeden Einzelnen cinzugehcn, von dcnen
jeder wohl dicsclhc vcrdicnte, wollen wir nur zwci cigcnthumliche Bestrebungen, welche , wenn sic ausgefiihrt
wurden, von grossem Erfolge sein miissten, anfiihren.
illohrere derselben bemuhen sich, Grundsiitzc aufzustellen, nach welchen der Gewinn, welcher tlcm Apotheker gewahrt werden muss, zwar, wie gewiihnlich. nach
Procenten festgesctzt wird, ahcr so, dass diess bloss in
allgemeinen Siitzen gcschicht, und liierclurch cs mijglich
wird, Tabellen zu entwcrfen, auf wclchen tlas Steigen
und Fallen der Rohstoffe gar kcincn ISinfluss ausiibt, oder
die, wed sie von langen Zeitraumcn cntnornmen, aiicli fiir
lange Zeitraume Geltung hattcn, und wonach also nicht
immer neuc Nachtrage, welche oft halbjiihrig von dcn
Behorden ausgcgcben, dennoch zu selten kommen, niitliig
werden, wic diescs namentlich nadi der unter 9 angcfiihrten Abhandlung wegfallen wurdc, wenn man auch
zugeben muss, dass dic dabei ausgcfuhrte Taxe hicr und
da noch etwas geringere Ansatze haben konnte. Dcr
Verfasser hat bei Entwerfung dcrsel1)cn freilich alle die
vielen Ausfiille und Vcrluste, wclchc den Apothekcr so
haufig treffen, herucksichtiget.~~
Wiiren diesc VorschlBge cinmal angenommen uncl die
dabei obwaltenden Schwicrigkeitcn iibcrwuntlcn, so wiirc
es allerdings ein grosser Vortheil fiir Behiirdcn und Apotheker, nicht allein dcs oben angcfuhrten Grundes wegcn,
sondern auch, weil jedes neuc Medicament sofort gleich
einen Taxpreis erhalten konnte und musste. Wir haltcn
uns herechtiget, auf diesen Vorschlag der Taxbestimmung
auf eine lange Reihe von Jahren aufmerksam zu machen.
Ganz eigenthumlich ist dcr Vorschlag des leider zu
friih verstorbenen P r o b s t , Docenten der Pharmacie und
Chemie auf der Universitat zu Heidelberg, dcr von Kranken bloss die gehabten Auslagen fiir Waarcn erstattet,
tlas iibrige, was dcm Apotheker zu vergiitigcn ist, abcr
durch cine allgemeine Landcsabgabe gedeckt wisscn will.
In ganz Deutschland beruht his jetzt die GcwBhrung des
67
Gewinnes, welchen man dem Apotheker zugesteht, in ProcentzuschlBgen bei den Medicamentenpreisen und in Bestirrimung gewisser Arbeitsvergutungen, welches letitere
man in neuester Zeit mehr beachtet hat, als es fruher
nothig war, weil namlich der Medicamentenverbrauch sowohl in jedem einzelnen Recepte, als auch im Allgemeinen
sich verhiiltnissmiissig sehr verringert hat.
Die heste Art, wie man die Zahl dcr Procente aufzusuchen, welche dem Apothckcr gewahrt werden mussen,
hat wohl die klinigl. preussische Regierung in der Verordnung der im Jahre 4 8 1 5 erschienencn Arzneitaxe mitgetheilt, wozu unter dem 28. Miirz 4832 cin Nachtrag
erschien, der einige sich fruher cingeschlichenen Fehler
bcrichtigte. Die dort aufgcstellten allgcmeinen Grundsitze
werden in allcn deutschen Staaten so ziemlich gleichmiissig benutzt, da cs rein unmiiglicli ist, die unzahligen
Einflusse, welche auf die Preisbcstimrnung influiren, einzeln
zusammenfassen zu kiinncn: urn ahcr diess doch einigermaassen zu thun, hat man immer noch aus den allgemein
sich ergebenden Ansatzen einzelne Classen gebildet.
Dass die hrbeitsvcrgiitung schon in einzelnen Staaten
mehr heachtet w o r t h ist, findet sich durch den an einem
anderen Orte angcfuhrtcn Durchschnittspreis rler Recepte
von sonst uud jctzt nichl nur vollkommen gerechtfertigt,
s0nclcr.n cs w i d deshalh nlithig, diescs noch mehr ins
Auge zu fassen, da bei der so grossen Einfachlieit in der
Keccptur dcr Apotlieker sonst ganz ausser Stand kommt,
den SO schr vcrmchrtcn hnfordcrungen in wissenschafilicher, technischer und kauliniinnischer Spliiire zu geniigen.
Als Bclege hicrfur fuhren wir an, duss jetzt oft die Stoffe
zu ciner Medicin, wclchc nocli gekocht werden muss, nur
6-42 Pf. im Taspreise betragen, tlic Bcrcituns derselhen
&er &en so vie1 Zeit und Sorgfalt crfordert, als einer
&ledicin, wozu die lngredicnzcn 5 -8 Groschen betragen ;
hieraus ergiebt sich gewiss, dass diess den Gewinn des
Apothekers, dcr auf die Procente, welchc ihm der Absatz
der Waaren vcrschafft, gewiesen ist, ungemein verringern
muss, und dass der Staat, welcher seine Forderungen,
68
und zwar niit Hecht, irnmer hiihcr stellt, darauf bedacht
sein solltc, diescs Deficit zu decltcn. Dimes hier angef'ilhrte Beispiel ist nicht gesucht, sondern gehijrt zu den
jeden Tag mehrfach vorliommendcn, und wird aus den
fruher angefiihrten Grunden irnmer haufiger.
1)a nun der Apolhcker jetzl zum grossen Theil auf
den Gewinn, den ihm die S6tze fur Arbeitstcrgiitung gewahren, verwicson ist, so darf man sich wohl wundern,
wenn dem Gastwirth und Conditor z. B. fur Bereitung
eines Aufgusses von Thce odcr Kaffee, weit mehr gewahrt
wird, als dem Apotheker, wclrher mit sanz andcrer Sorgfalt, Umsicht uiid Kcnntniss arbcitcn muss. 1st wohl der
Maler zufrieden, wcnn man ilim fiir scin Gcmaldc bloss
Leinwand, Farbe und Pinsel bezahlt? Der Apotheker
aollte billigerweise wohl eben so gut verlangcn konnen,
dass ihm bei seinen Arbeiten auch scine Wissenschaft
und Kunst in Anrechnung gebracht und also auch bezahlt
werde. Wcnn wir friiher sagten, class im Allgemeinen
gleiche Grundsatze bei den Procentbestimmungen fur die
Medicamente in dcn verschiedcnen Staatcn befolgt wiirden, so schcint das damit in Widcrspruch zu stchen, was
Dr. G. C. W i t t s t e i n bei einer verglcichenden Bcrechnung
der Taxen von 8 verschicdenen deutschen Landern gcfunden hat *), wonach namlich der Untcrschied der Procentgewahrung sich vcdiiilt, wie 40 : 43;;.
Dieser Unterschied kann durch Fchler dercr entstandcn scin, welche.
die Taxen ausgearbeitet und namentlich die Classen falsch
bestimmt haben, wohin die cinzelnen Mittel gehiiren, oder
es kann die Veranlassung hierzu in iirtlichen Verschiedenheiten bei Consumtion dcr Medicamcnte licgen. Um zu
bestimmen, in welche Classe dcr angenommencn Procentsatze einc Substanz kommen soll, ist es nicht ausreichcnd,
die Anschafhng und Darstellung derselbcn zu kennen,
sondern man muss dabei auch auf die Haltbarkeit und
+')
Arzneitaxc der deutschen Staaten oder vergleichende Uelrersicl~t
der ueuesten Arzncitaxen von Oestcreich u . s. w. Ileraosgegehen
von L)r. G . c'. W i t t s t e i n . N i i r n l ~ r g1843.
69
den schnelleren oder geringeren Verkauf Riicksicht nehmen, und zwar nicht bloss an einem Orte, sondern wie
dieser in verschiedenen Provinzen des Landes sich gestaltet. Es konnen daher nicht Professoren und Aerzte
oder ein oder auch mehrere Apotheker der Hauptstadt,
sondern nur die Apotheker der verschiedenen Provinzen
eines Landes entscheiden, da die Taxe fur alle diese gelten muss.
Die Schwierigkeit, eine Taxe zu schaffen, welche fur
den Apotheker mit grossem Geschaftsumsatze, wie fur
den Apotheker mit geringerem, so wie fur die Apotheker
der verschiedenen Provinzen gleich gerecht ware, ist wohl
nie ganz zu uberwinden. Es muss aber die Taxe dahin
streben, dass sie, ohne das Publicum zu belastigen, jedem
Apotheker sein ordentliches Auskommen und Entschadigungen fur seine Leistungen und Verluste aller Art gewahrt.
Es erfordert diess eine grosse Umsicht und es hat
hierauf die ganze Verwaltung des Apothekenwesens den
grossten Einfluss; und es kann deshalb ebensowenig die
Taxe, wie uberhaupt die ganze Verwaltung der pharmaceutischen Angelegenheiten von jemand Anderm als v o n
p r a k t i s c h e n A p o t h e k e r n , zum Nutzen des Publicums
und der Apotheker besorgt werden.
Schlussbemerkungen.
Durch die Schilderung im ersten Abschnitte dieser
Abhancllung glauben wir dargethan zu haben:
‘I) Dass d i e P h a r m a c i e als e t w a s S e l b s t s t a n d i g e s a n g e s e h e n w e r d e n muss, d a sie wegen
d e s Umfangs von Wissen, den sie s e l b s t verl a n g t , e i n e r s e i t s n i c h t m e h r a l s T h e i l d e r Medicin betrachtet und so nebenbei getrieben
werden, a n d e r c r s e i t s a b e r auch i h r e r eigenthumlichcn S t e l l u n g wcgen nicht d e n Hand-
70
w e r k s - u n d kaufrniinnischcn C c w c r h c n zugcz a h l t w c r d e n krtnn.
1st cs uns gelungen, in den gegebenen Umrissen das
eben Behauptete zu beweisen, so muss man abcr auch
zugebcn,
2) d a s s n u r d u r c h A p o t h e k e r d i c V e r w a l t u n g
d e r pharmaccutischen Angelegcnheiten von
Oben aus zu ihrem eigencn und dcs Ganzen
Besten g c l c i t c t w e r d e n kann.
Es versteht sich, dass hicrbei die M e d i c i n d u r c h
A e r z t c , d e r S t a a t d u r c h J u r i s t e n , wic diess schon
fruher erwiihnt ist, vcrtreten sein muss. Dass, wenn es
in eincm Landc mil der Pharmacie gut stcht, dieses nicht
bloss fur die Apotheker, sondern fur das g a n z e , und
nicht bloss fiir das durch Krankheit leidende, Bublicum
gut ist, werden wir wohl nicht noch weitcr beweisen
diirfen, da es ja bekannt ist, dass dcr Apotheker, als praktischcr Chemiker und Naturforschcr iiberhaupt, an kleincn
Orten meistens der cinzige Rathgeber dcs Volltes ist.
1st man uns mit Aufmerksamkeit gefolgt, und hat
man mit uns in den bciden erst gezogenen Schliissen
ubercingestimmt, so wird man auch fcrncr mit uns ubereinstimmen, wenn wir behaupten,
3) d a s s u b c r a l l , w o b c i d e n B c h i i r d c n A e r z t e
a l s b c r a t h e n d e Mitglieder angcstcllt sind,
a u ch m i s s e n s ch a f t 1i ch u n d 11r a k t i s ch e b i l d e t e
h p o t h e k e r a l s solchc angestcllt werden solltcn.
Denn Acrztc konncn nicht iibcrall, wo es sich um
Begutachtung von Natur - und Kunstgegenstanden hand&,
wo chemische Untersuchungen niithig sind, Auskunft Sehen, sic bcdurfen zu ihrem Gutachtcn iiber Schiidlichkeit
oder Nichtschadlichkcit immer erst der Auskunft dcs sachverstandigen, praktischen Chcmikers oder Naturforschers.
Wenn wir nun aus dcm crstgenannten hbsclinitte dic
drei ersten Schlussiilzc zu zichen uns fur herechtigt hielten, so geht BUS dcm in den zwci letzten Abschnilten
Aufgezahlten hervor,
79
4) d a s s d e r A p o t h e k e r d e n h e s o n d e r e n
Schutz d e s S t a a t e s i n A n s p r u c h z u n e h m e n b e r ech t i g t i s t , und zwar deshalb, weil der Staat vie1 von
ihm fordert, nicht allein in Betreff seiner wissenschaftlichen Ausbildung, sondern auch in Bezug seines ganzen
Geschafisbetriebes.
Wenn alle die, welche sich fur die pharmaceutischen
Angelegcnheiten interessiren, und welche die Verwaltung
derselben zu berathen und zu ordnen haben, sich die
Muhe geben wollen, das von uns hier nur Angedeutete
meiter zu untersuchen, so werden sie gewiss die Wahrheit der oben gezogenen Schlusse vollkommen anerkennen,
und das Nothigo anordnen, damit endlich der Stand der
Pharmaceuten dahin gelange, dass er sich zum Besten
des Ganzen frei entwickeln konne.
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