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Die spektroskopische Blutuntersuchung.

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L. L ewin: Spektroskopische Blutuntersuchung.
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auagehend, blaue Wolken, die bald die ganze Fliissigkeit tief blauten.
Nach Entfarbung mit Natriumthiosulfat - Losung wiederholte sich der
T'organg imnier wieder von neuem, so dass es unmoglich ist, eine Endreaktion mit Genauigkeit festzustellen. I)ie verbrauchteii 22 ccm
Thiosulfat-Losung als Grenze angenommen, erltsprechen bereits 0,1518 g
Natriumnitrit in 0,11268 g Untersuchungssubstanz. Noch grosser mird
der Fehler, wenn man einige Zeit verstreichen lasst bis zur
'Fitration des Jods. E s wurden nach viertelstiindigem Stehen des Reaktionsgemisches bei Anwendung der gleichen Rlenge Natriumnitrit,
wie bei dem vorhergehenden Versuch (0,11268 g) bereits 26 ccm 'Ilo N.'rhiosulfat - Losung bis zur ersten voriibergehenden Entf arbung gebraucht. E s entspricht dies einem Gehalt von 0,1794 g Natriumnitrit
und 0,11268 g des nach anderer Bestimmung als 96,Yl prozentig gefundenen Prgparates.
Die spektroskopische Blutuntersuchung.')
Ton Prof. Dr. L. L e w i n in Berlin.
(Eingegangen den 2. IV. 1897.)
Fur klinisch - diaqnostische und geriehtlich - chemische Unter.,uchungen tritt oft qenug das Bediirfnis zu Tage, gut gezeiclinete
Vergleichssgektren von Blut zu besitzen. Von nur ganz rereinzelten
cler bisherigen Darstellungen lasst sich sagen, dass sie diesem Bediirfnisse
qerecht werden. Mehrfach murste in Kritiken neuer Werke, denen
t4ne solche Tafel uber Blutspektra beigegeben war, tadelnd bemerkt
werden, dass einzelne Spektra so gezeichnet waren, dass unschwer der
Schluss gezogen werden konnte, der Verfasser habe entweder dieselben
nie selbst gesehen, oder er habe sie stetb falsch gedeutet, wenn er sie
TO gesehen, wie er sie miedergab.
Schwerer noch als die Fehler, die ein sdlcher Autor, z. B. als
Terichtlicher Gutachter, begehen kann, fallt die Irrefuhrung aller derer
ins Gewicht, die sich auf solche Darstellutlgen stiitzen. Und unter
Umstanden kann es sich hierbei uni sehr folgenschwere Ergebnisse
handeln !
1)
Hierzu eine Tafel.
L. L e w in: Spektroskopische Blutuntersuchung.
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Vielleicht ist deswegen die beiliegende Tafel willkommen, die ich
f k mein soeben in neuer Auflage erschienenes Lehrbuch der Toxikologie')
nach der Natur gezeichnet und fiir diese Besprechung noch erweitert
habe, und auf der sich die am hLufigsten zur Beachtung kommenden
Blutspektren finden.
Die folgenden kurzen Bemerkungen sollen als Erlauterung derselben und zugleich als eine allgemeine Anweisung f i i r diejenigen Blutuntersuchungen iiberhaupt dienen, d i e dem P r a k t i k e r v o r k o m m e n .
A. Allgemeine Methodik.
Fig. 86.
1. F u r die meisten Untersuchungen reicht das
Browningsche Taschenspektroskop aus. Bequem
ist es, hinter dem Spalt einen Ring und an diesem
aufragend eine federnde Klemme so befestigen zu
lassen, dass Glaser verschiedener Weite ein- und
vor den Spalt geschoben werden konnen (Fig. 36).
Die Drehung der Spaltplatte wird dadurch nicht behindert.
Fur die esakte Lagebestimmung von Absorptionslinien ist ein Apparat mit Skala erforderlich, im allgemeinen aber entbehrlich.
2. Fur gewohnlich konnen als Blutbehaltnisse
Reagierglaser von ca. 2 cm Durchmesser benutzt
werden. Handelt es sich nur um Spuren von Blut
oder HBmoglobinderivaten, z. B. in einem Harn, so
ist die Dicke der Schicht zu vergossern. Jede
Fig. 3i.
Fig. 38.
Flasche mit planparallelen Wanden kann hierfiir dienen (Fig. 37 u. 38).
Hat man nichts anderes, S O erfullen auch kleine Pillengllsser, resp.
1)
Wien, bei Urban & Schwarzenberg, 1897.
L. L e win: Spektroskopische Blutuntersuchung.
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Eau - de - Cologne - Flaschen, die vier, resp. zwei solche Wande besitzen,
den Zweck.
3. Jede Blutuntersuchung hat zuerst in so dicker Schicht zu
geschehen, dass nur Rot und Orange durchgdassen werden. Dadurch
wird die Miiglichkeit gegeben, all@Blutderivate,- welche Absorptionsstreifen in diesem Teile des Spektrums besitzen, zu erkennen. Wiirde
man das Blut alsbald so verdunnen, dass das ganze Spektrum bis zum
Blau sichtbar wird, so konnte selbst von dem Geubten leicht eine
schwache Absorption in jenem Teile ubersehen werden. Erst wenn
die An- oder Abwesenheit einer Absorption im roten Teile des Spektrums
festgestellt ist, kann die Blutprobe so verdiinnt werden, dass die Blutlinien im Gelbgrun erscheinen.
4. Auf die Spaltbreite ist bei jeder Blutuntersuchung, besonders
aber da, wo es sich umAbsorptionslinien im rotenTei1 des Spektrums
handelt, sorgfaltig zu achten. In der Regel soll anfangs bei einer
Spaltbreite untersucht werden, die gerade das Erkennen von einzelnen
Teilen oder des ganzen Spektrums gestattet. E s kann leicht gezeigt
werden, dass eine schwache Absorption, z. B. die des Sulfhamoglobins,
im Rot durch den Eintritt von vie1 Licht bei weitem Spalt uberhaupt
nicht erkannt werden kann, bei sehr engem Spalt dagegen scharf
hervortritt.
5. Die Einstellung der Absorptionsspektra durch das Fernrohr
hat moglichst scharf zu geschehen. Es empfiehlt sich dies ohne Brille
oder Pincenez zu bewerkstelligen.
6. Als Reduktionsmittel fiir Blut benutzt man am zweckmassigsten gelb gewordenes, altes Schwefelammonium. Von dem dadurch entstehenden Absorptionsstreifen des Sulfhamoglobins (7 der
Tafel) kann man leicht abstrahieren. Anstatt Schwefelammonium ist
auch Zinnoxydulsalz mit Weinsaure und Ainmoniak verwendbar.
B. Die Blutspektra.
Wie wertvoll nicht nur die Diagnose von unverandertem Blut,
sondern auch von Blutderivaten fiir gewisse krankhafte Zustande des
menschlichen Organismus ist, bedarf keiner weiteren Begriindung. J e
mehr die Untersuchungsmethode Gemeingut der Kliniker werden wird,
desto mehr werden sich auch noch neue Aufschlusse uber Blutveranderungen, besonders bei Infektions- ubd Stoffwechselkrankheiten
gewinnen lassen, und desto leichter wird es auch dem Chemiker gelingen,
z. B. in Se- und Exkreten Blut nachzuweisen, wenn alle anderen
Methoden versagen. Braucht doch nur daran erinnert zu werden, dass
es Harne giebt, die weder makroskopisch noch mikroskopisch den Ver-
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L. L ewin: Spektroskopische Blutuntersuchung.
dacht aufkommen lassen, dass sie Blut enthalten, und bei denen es
leicht gelingt, einen Hamatingehalt zu erkennen, wenn man zu ihnen
nur Schwefelammonium hinzufiigt , um dadurch das Spekt.rum des
Hamochromogens zu erzBugen !
Die forensische Medizin kann der bisher auf diesem Gebiete gemachten Feststellungen gar nicht entraten, da sie oft eine Diagnose
gestatten, wo auf anderem Wege nur schwer, oder iiberhaupt nicht
eine solche gestellt werden kann.
I. K o hl en o x y d h a m o g 1o b in.
Fiir die Beurteilung der Wertigkeit eines erhaltenen spektroskopischen Resultats ist nicht nur dieses selbst, sondern auch die demselben beizulegende richtige Deutung notwendig. Mag man dariiber
streiten, ob grob sinnlich, oder mit Hilfe physikalischer Apparate erkennbare Blutveranderungen an sich die Ursache von nienschlicher
Erkrankung oder Vergiftung darstellen konnen, niogen diejenigen, die
dies leugnen, immerhin Frosche entbluten und nachweisen, dass solche
,,Salzfrosche" trotzdem noch durch Blutgifte vergiftet werden - das
Blut ist eben ein ,,eigentiimlicher Saft", er ist der Lebenssaft xar' ;Eox;iv,
der, falls er bis zu einer gewissen Grenze verandert wird, alsbald auoh
den lebenswichtigen Organen nicht mehr dasjenige zufiihren kann, was
sie fur Funktion und Bestand brauchen, und so lange keine neuen
biologischen Parallelen zwischen Frosch uiid Mensch beigebracht werden,
wird man den ,,Salzfrosch" eben als ein interessantes Versuchsobjekt
an sich betrachten, ihn aber nicht fur die Pathologie des Blutes heranziehen diirfen.
E s ist von vornherein klar, dass, wenn eine bluthaltige Fliissigkeit spektroskopisch zwei Absorptionsstreifen liefert, die auf Zusatz
von reduzierenden Substanzen im Gegensatz zu Oxyhamoglobin sich
nicht verandern, es sich uin K o h l e n o x y d h a m o g l o b i n (3 und 4 der
Tafel) handelt.') Fast nie liegen die Verhiiltnisse aber derartig, um
in kurzer Entschliessung ein solches Urteil abgeben zu konnen. Ein
durch Kohlendunst zugrunde gegangener Mensch starb bereits, als ein
Teil seiner roten Blutkorperchen ihr Oxyhtimoglobin (1 der Tafel) in
Kohlenoxydhamoglobin umgewandelt hatte. Deshalb ist ein sehr betrachtlicher Teil von normalem Blutfarbstoff noch vorhanden, der bei
dem Reduktionsversuch mit Schwefelammonium unter allen Umstanden
den Streifen des Hamoglobins (2 der Tafel) liefern muss. Dieser legt
sich als ein mehr oder minder starker Schatten mit verwaschenen
1) Es mag hier daran erinnert werden, dam ammoniakalische Lijsungen
von karminsaurem Ammoniak sich ahnlich verhalten.
L. L ewin: Spektroskopische Blutuntersuchung.
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1:'indern zwischen die natiirlicli bestehen bleibenden Bander des Kohlenoxydhamoglobins ( 5 der Tafel) und kann dadurch bei einem nicht GeiLbten, der die schulmassige Vorstellung hat, dass der Zwischenraum
zwisclien den beiden Bandern des Kohlenosydblutes so klar das spektrale
Griin hervortreten lasst wie das Osgh%moglobinspektrum , Verwirrung
e l zeugen.
J a , unter Umsthiden ist es auch fur eineii Geubten nicht leicht,
einen Entscheid zu treffen. H a t ein durch Kohlendunst oder Leuchtgas
Tergifteter noch eine Zeit lang nach seiner Entfernung aus der vergiftenden Atmo5phare gelebt, so hat el. auch wahrend dieser Zeit einen
betrachtlichen Teil des in seineni Blute kreisenden Kohlenosydhanioglobins dissoziiert. Stirbt er trotzdem infolge der einmal eingeleiteten
schweren funktionellen Stiirungen, so wird Oryhamoglobin in reicherem
Make im Leichenblute vorhanden sein als bei dem jahen Kohlenoxgdtode, und das nach dern Hinzufiigen von Schmefelammonium auftretende
wmaschene, breite Rand des Htimoglobins kann die schwachen Reste
des Kohlenoxydblutspektmms fast erdrucken. Hier wird es nur durch
eine vielfach modifizierte, in verschiedener Verdiinnung vorgenommene
Prufung miiglich sein, ein bestimmtes Urteil abzugeben.
Solche Schwierigkeiten konnen auch entstehen, wenn Blut zur
Untersuchung gegeben wird, das erst nach drei Tagen der Leiche entnommen wurde und dann noch eine weitere Reihe von Tagen Gelegenheit gehabt hat, durch Dissoziation sein Kohlenoxyd wieder durch
Sauerstoff partiell zu ersetzen.
Das einfacliste und zuverlassigste Verfahren, ein solches Blut
fiir die Untersuchung zu konservieren, ist, ein Flaschchen von 15 bis
2Occm bis zum Stopfen damit zu fullen. Die Untersuchung muss
bald nach der Entnahme stattfinden.
Das spektrale Verhalten des Kohlenosydblutes gegen reduzierende
Mittel ist das allein zuverlassige Mittel zur Stellung einer Diagnose.
1)ie Lageverschiebung des ersten Blutstreifens zum zweiten hin ist
mit gewohnlichen Apparaten ohne Millimeterskala nicht zu konstatieren
und uberhaupt nur bei ganz gleichen Konzentrationen des Kohlenoxydund Vergleichsblutes feststellbar. Die hellrote Farbe eines solchen
Blutes ist ebenfalls nur als eine Bestatigungsreaktion dienlich, da
z. B. hohe IClltegrade und andere Gifte, wie Blausaure und Oxalslure,
einen lhnlichen Zustand des Blutes erzeugen.
Bei der Oxalsaurevergiftung lage die vermutung nahe, dam sie
in letzter Reihe ebenfalls eine Kohlenoxydvergiftung darstelle, wenn
es sich bescatigte, dass die Oxalsaure innerhalb des Korpers wie ausserkialb desselben durch Wasserentziehung zerfiele :
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L. L ew in: Spektroskopische Blutuntersuchung.
= HzO $- GO2 -/- CO.
COOH
Mannigfaltige Versuche, die ich anstellte, urn Kohlenoxyd in dem
hellroten Blute zu enveisen, schlugen fehl.
D e r N a c h w e i s v o n Koh!enoxyd i m B l u t e l a s s t m i t a b soluter S i c h e r h e i t den Schluss z u , dass das betreffende
Individuum lebend das G a s aufgenommen hat. A l l e Versuchst i e r e , d i e i c h im L a u f e d e r J a h r e t o t e t e , v e r b r a n n t e ich.
Die Untersuchung in den verschiedensten Stadien d e r V e r b r e n n u n g e r g a b u b e r e i n s t i m m e n d im g e r o n n e n e n H e r z b l u t e
das F e h l e n von Kohlenoxgdhamoglobin.
2. S u l f h a m o g l o b i n .
Oxyhamoglobin geht mit Schwefelwasserstoff eine Verbindung
ein. Entweder sind neben dem Absorptionsstreifen des Sulfhtimoglobins im Rot (6 der Tafel) noch die beiden Oxyhamoglobinstreifen,
oder das verwaschene Band des Hamoglobins erkennbar (7 der Tafel).
Das Sulfhamoglobin ist sehr bestgndig. E s erteilt dem Blute in
diinnen Schichten eine griinliche Farbe. Die griinen Bauchdecken der
Leichen haben ihre Farbe hauptsachlich von dem Sulfhtimoglobin, das
sich in den Hautgefassen findet und durch den diffundierenden
Schwefelwasserstoff des Darms entsteht. Faules Fleisch ist an seiner
Oberflache ebenfalls durch Sulf hamoglobin grun.
Die Giftwirkung des Schwefelwasserstoffs ist zum iiberwiegenden
Teil auf dieses, im kreisenden Blute entstehende Derivat zuriickzufuhren. C h e m i k e r , d i e l e i c h t f e r t i g m i t d i e s e m G a s e u m gehen, erfahren die chronische Blutvergiftung, a n d e r sich
d e r B l u t f a r b s t o f f u n d d i e r o t e n B l u t z e l l e n b e t e i l i g e n , rnit
c h e m i s c h e r S i c h e r h e i t a n sich.
Praktische Bedeutung kann forensisch-medizinisch das Sulf hamoglobin in allen Fallen von Vergiftung mit Kloakengas, Sielgasen, den
Emanationen von Lohgerbereien , Darmsaitenfabriken etc. erlangen.
Vergiftung mit Sulfiden der Alkalien schafft den Sulfhamoglobinstreifen. Sein Erkennen ist, wenn sich nur wenig Sulfhamoglobin im
Blute findet, nicht leicht und erfordert : dicke Blutschicht, Einstellen
auf Rot und engen Spalt. Selbst dann erscheint er oft nur als eine
feine Helligkeitsunterbrechung des Orange nahe dem Gelb.
Zusatz von Schwefelammonium lasst natiirlich den Streifen bestehen und macht ihn eventuell starker.
L. L e win: Spektroskopische Blutuntersuchung.
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3. M e t h a m o g l o b i n .
Methamoglobin ist das erste Zersetzungsprodukt des Oxyhamoglobins. Man findet es z. B. in der bhtigen Bauch- und Brustflussigkeit einer jeden Leiche, die zwei bis drei Tage gelegen hat. Besonders
reichlich enthat es die Milz der Leiche. Ganz vereinzelt kommt es
auch in blutigen Ausschwitzungen des lebenden Menschen und im
blutigen Ham, der lange in der Blase gestanden hat, vor, niemals in
schnell aus der Blase entleertem Harn, vorausgesetzt, dass keine allgemeine Blutvergiftung vorliegt.
1st dieses Produkt in grosseren Mengen vorhanden, so macht es
das Blut dick braun, fast kaffeesatzartig, und lasst es nur schwer,
z. B. aus einer Aderlasswunde, austreten. A l s M i s c h f a r b e e r z e u g t
das Methamoglobin des kreisenden Blutes in Vergiftungsfallen, i n denen es sich reichlich gebildet h a t , a n d e r H a u t
e i n e g r a u v i o l e t t e F a r b e , d i e o f t m i t C y a n o s e (Blausucht) a u s
respiratorischen oder zirkulatorischen Ursachen verw e clis e l t w i r d.
Spektroskopisch giebt sioh dieses Produkt im Blute zu erkeiinen:
Bei geringen Mengen: durch einen wenig starken Absorptionsstreifen
im Rot des Spektrums, neben dem die Oxyhamoglobinlinien von noch
unverandertem Blute hervortreten, und durch eine nicht Ieicht erkennbare, und deswegen oft ubersehene Absorption mit venischten Randern
in der Nahe der F r a u e n h o f e r s c h e n Linie F. (8 der Tafel). Bisweilen ruckt die Absorptionslinie im Rot nahe an die erste Blutlinie
heran und beschattet noch deren linken Rand (9 der Tafel). Dies ist
z. B. bei der Vergiftung durchNitrobenzo1 der Fall. Man bezeichnet
diese spektrale Modifikation, vielleicht mit Unrecht, als dem alkalischen
MethAmoglobin zugehorig.
Die Untersuchung auf Methamoglobin hat anfangs in dicker, nur
Rot durchlassender Schicht zu geschehen. 1st der Streifen im Rot
konstatiert, dann kann man auch weiter verdunnen, um eventuell die
OxyhBmoglobinstreifen und den Streifen im Blau sichtbar zu machen.
Fugt man zu einem rnethamoglobinhaltigen Blute Schwefelammonium hinzu, so verschwindet der Streifen im Rot sofort, die
beiden Blutlinien scheinen einen Augenblick starker zu werden, gehen
aber alsbald in die verwaschene Linie des Hamoglobins uber (10 der
Ttfel).
C h a r a k t e r i s t i s c h fiir M e t h a m o g l o b i n i s t s o m i t d e r
S t r e i f e n im Rot, noch m e h r a b e r dasVerschwinden desselben
durch R e d u k t i o n s m i t t e l u n d das Erscheinen des Hsmoglobinb a n d e s.
252
L. Lewin: Spektroskopische Blutuntersuchung.
Fur die Vergleichung und die Uebung im Erkennen dieses Produktes ist das rote Blutlaugensalz zu benutzen, das schon als kleiner
Krystall grijssere Mengen einer Blutliisung in Methamoglobin umM andelt.
Der grossere Teil der Blutgifte erzeugt ineistens mit, selten
ohne Veranderungen der roten Blutliorperchen Methamoglobin. M e
Stellung einer Diagnose auf stattgehabte Einwirkung eines solchen
Giftes ist nur am Lebenden moglich, da, wie bereits angegeben wurde,
iich in dem Leichenblute spontan und leicht Meth5moglobin aus Oxyhamoglobin bildet.
Von Giften, d i e in] l e b e n d e n H l u t e M e t h a m o g l o b i n e r z e u g e n , seien erwahnt: Natrium- und Kaliunichlorat, Arsenwasserstoff. die anorganischen Nitrate und Nitrite, wohl auch alle Nitroverbindungen der Fett- und aromatischen Reihe, z. B. Aethylnitrit,
Amylnitrit, Nitroglyzerin, Nitrobenzol, ferner viele Amidoverbindungen,
wie Anilin, die Amidotoluole , Paramidophenol, die Nitroaniline,
Hydroxylamin, die meisten Hydrazine, manche Chinoline, die Lorchel
(Helrella esculenta) und andere mehr.
4. H a m a t i n .
Wahrend der menschliche Organismus kleiner Mengen von
Methamoglobin, die sich in seinem Blute gebildet, haben, auf verschiedene Weise , teils durch Ruckbildung in Oxyhamoglobin , teils
durch Ausscheidung durch die Nieren Herr wird und nur grosse
Mengen nicht bewaltigen kann, die dann durch ihr Hineinstriimen in
die Organe akute Ernahrungsstorungen hervorrufen, ist das Hamatin,
das Produkt einer weitergehenden Zersetzung des Blutfarbstoffs, auch
da, w o es sich in kleinen Mengen ini Blute gebildet hat, fur den Tierkorper eine Gefahr. Eine Riickbildung zu Oxyhamoglobin findet von
ihm aus nicht mehr statt.
E s ist nachgewiesen worden, dass Methamoglobin durch Temperaturen, wie sie auch an manchen Stellen des Korperinnern bestehen,
in Hamatin ubergehen kann, so dass auch ohne eine primare Bildung
von Hamatin dieses vorkommen und schaden kann. Eine betrachtliche
Zahl von Giften, wie z. B. Hydroxylamin, schafft Methamoglobin neben
Hamatin.
Wo immer im Kijrper eine Saure auf ergossenes oder von aussen,
z. B. auf Nahrungsmittel, eingefiihrtes Blut einzuwirken vermag, entsteht Hgmatin und ist als solches nachweisbar z. B. bei Magen- und
Darmblutungen. Ein Harn, der Hamatin enthalt, kann dieses entweder
direkt als solches aus dein Blute oder durch Umwandlung von in die
L. L ewin: Spektroskopische Blutuntersuchung
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Niere gelangtem Methamoglobin bei hoherer Warme, oder durch die
Einwirkung des von der Niere sezernierten sauren Saftes auf Blut
erlangt haben.
Die spektralen Eigenschaften des Hamatins konnen sich in verschiedenen Untersuchungsmaterialien sehr verschiedenartig darstellen,
vorerst schon dadurch, ob es sich in saurer (11 der Tafel) oder
al1;alischer (12 der Tafel) Losung findet.
Ich betrachte zuerst d a s s a u r e HBmatin. Hier kominen folgende
Moglichkeiten in Frage:
a) Es wird eine im ganzen schwache Absorption ini Rot, etwa
an der F r a u e n h o f e r s c h e n Linie c gesehen. Dabei bestehen noch
die Oxyhaologlobinlinien als Reste des nicht in Hamatin umgewandelten
Blutfarbstoffes (11 der Tafel). 1st die Konzentration der Blutlosung
s t u k , so geht der Hamatinstreifen diffus uber den gussersten Teil von
Rot hinweg und wird infolge dessen nicht kenntlich. Niemals ist dieses
Spektrum bisher bei Vergiftungen yon Menschen gesehen worden.
b) Man nimmt nur den Absorptionsstreifen im Rot wahr. Die
Blutlinien lassen sich auch nicht einmal in schwachen Resten mehr
erkennen, so dass van R a t an das ganze normale Spektralbild klar is:.
Auch dieses HZimatinspektrum wurde bisher nicht im Blute des
lebenden Menschen mahrgenommen.
c) Man erkennt nur das kontinuierliche Farbenspektrum. Keinerlei
Absorption maclit auf das Vorhandensein von Blut oder Blutderivaten
aufnierksam. Ein solohes Verhalten trifft man gar nicht so selten in
Hdrnen, die auch nicht makroskopisch oder mikroskopisch einen Gehalt an verkndertem oder unverandertem Blutfarbstoff verraten. Individuen, die einen solchen Harn entleeren, haben rneistens vorher a11
eioer erkennbaren Hamaturie gelitten und wandeln nunmehr in ihren
Nieren oder sonstwo die kleinen Mengen von altem oder vielleicht
auch noch frisch ausstromendem Blut in Hamatin um.
Dass der Hamatinstreifen in einem solchen Ham nicht hervortritt, liegt an der geringen Menge des Blutderivates; denn nur be1
einein gewissen Quantum erscheint er.
So kann es auch kommen, dass ein Blut nur das Methamoglobinspektrum erkennen lasst und trotzdem Hamatin in Spuren enthalt,
die sich nicht durch den ihm eigenen Absorptionsstreifen bemerkbar
machten.
Es g i e b t j e d o c h e i n z u v e r l a s s i g e s u n d a u s s e r o r d e n t l i c h
empfindliches Reagens auf HHmatin, namlich d a s gelb gew o r d e n e , a l t e S c h w e f e l a m m o n i u m . Ob der Hamatinstreifen irn
R o t sichtbar ist oder nicht, welche der oben erwahnten spektralen Modifikationen auch immer vorhanden sein mogen, selbst wenn nur das konti-
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L. Lew in: Spektroskopische Blutuntersuchung.
nuierliche Spektrum erscheint - auf Zusatz von Schwefelammonium
tritt stets das charakteristische Spektrum d e s r e d u z i e r t e n H a m a t i n s
o d e r d e s H a m o c h r o m o g e n s hervor (13 der Tafel). Da, wo etwa
die erste Oxyhamoglobinlinie auf hort , erkennt man eine tiefdunkle,
je nach der vorhandenen Hamatinmenge verschieden breite Absortionsh i e mit scharfen Randern, und rechts davon eine leicht schattige
Absorption, die in sehr verdiinntem Untersuchungsmaterial schwer zu
erkennen ist.
Auch da, wo neben Hamatin noch Oxyhamoglobin oder Methamoglobin vorhanden sind, wird sich nach Zusatz von Schwefelammonium
innerhalb des breiten Bandes des Hamoglobins der erste Streifen des
Hamochromogens immer noch bemerkbar machen. Dies ist bei manchen
Vergiftungen durch Blut,gifte, z. B. durch Hydroxylamin , Phenylhydrazin etc. nachweisbar (14 der Tafel).
Auf den hohen diagnostischen Wert dieser Reaktion braucht
nicht besonders hingewiesen zu werden. Sie lasst eben unter Umstanden
Blut erkennen, wo es auf andere Weise nicht moglich ist.
D a s a l k a l i s c h e H a m a t i n lasst den Hamatinstreifen an die
erste Oxyhamoglobinlinie als Schatten heranrucken. Dieses Spektrum
wird selten gefunden (12 der Tafel). Von dem Methlimoglobin ist es
durch die Bildung von Hamochromogen nach Zusatz von Schwefelammonium zu unterscheiden.
5. H a r n a t o p o r p h y r i n .
Das dem Gallenfarbstoff Bilirubin isomere, aus Hamatin ableitbare,
iind bei manchen niederen Tieren angeblich normal vorkommende
Hamatoporphyrin hat in saurer und alkalischer LBsung eine schone
rote Farbe. Dieses Produkt hat in der Neuzeit eine erhohte Bedeutung
gewonnen, nicht nur dadurch, daw es angeblich in Spuren im normalen
Harn vorkommt, dass es bei manchen Krankheiten und Vergiftungen
wie durch Sulfonal, irn Harn erscheint, sondern d a s s e s f u r d e n
vielleicht empfindlichsten Nachweis r o n B l u t zu gebrauchen
i s t , vorausgesetzt dass man mit dem Spektroskop umzugehen versteht.
Wenn ein auch altes, fauliges, oder sonst wie verandertes Blut,.
aus dem die Haminkrystalle nicht mehr darstellbar sind, mit konzentrierter Schwefelsaure verrieben wird, so erhalt man eine Losung,
die Hamatoporphyrin besitzt und welche die gleichen spektralen Absorptionslinien aufweist , wie irgend eine andere dem menschlichen
KSrper entstammende Fliissigkeit mit saurem Hamatoporphyrin.
L. L ewin: Spektroskopische Blutuntersuchung.
265
a) D a s s a u r e H a m a t o p o r p h y r i n weist, wenn seine Losung
nicht zu verdunnt ist, drei Absorptionslinien auf (15 der Tafel). Die
erste, mit keiner anderen zu verwechselnde, liegt im Orange, nahe der
F r a u e n h o f e r s c h e n Linie D. Von ihr fiihrt eine schattige Absorption
zu einer im .Griin liegenden dunklen Absorptionslinie, die breiter und
markierter als die erste ist. In verdilnnten Losungen des Hamatoporphyrins ist der Schatten zwischen den beiden Absorptionslinien
kaum sichtbar. 1st eine blutverdlchtige Substanz mit Schwefelsaure in
H!imatoporphyrin umgewanddt worden und tritt wegen zu hoher Iconzentration das Spektrum nicht sehr deutlich hervor, so darf die Verdunnung selbstverstlndlich nur mit konzentrierter Schwefelsaure vorgbnommen werden. 1st das Spektrum wegen Flockchen in der Fliissigkeit
unklar, so muss durch Glaswolle filtriert werden.
b) D a s H a m a t o p o r p h y r i n i n a l k a l i s c h e r L o s u n g besitzt
vier Absorptionsstreifen, die im Rot, Griin und Blau liegen und die,
bis auf den ersten schwachen, auch in verdiinnten Losungen leicht zu
erkennen sind. (Fig. 16). Wenngleich Spuren von Hamatoporphyrin
im normalen Harn vorkommen sollen, so ist doch bis auf weiteres
daran festzuhalten, dass das haufigere Erscheinen gr6sserer Mengen
dieses Produktes im Harn eine unheilvolle Bedeutung hat.
Schon die vorstehende Skizzierung dessen, was bei der praktischen
spektroskopischen Blutuntersuchung in Frage kommt, llsst die Wertgrenzen derselben erkennen. Sieht man selbst davon ab, wieviel
dadurch noch auf klinischem und patologisch-anatomischem Gebiete an
Erkenntnis erhofft werden kann, so ist die volle Beherrschung derselben
fiir jeden Untersucher, ob Arzt oder Chemiker, fur forensische Zwecke
geradezu unentbehrlich. Wo die chemische Reaktion und das Mikroshop im Stiche lassen, da giebt das Spektroskop noch eindeutige
Aufschliisse.
Ich werde erfreut sein, wenn diese Hinweise Veranlassung geben,
dass man sich mehr, als dies bisher geschehen ist, dieser Untersuchungsmethode zuwendet.
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