close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Eine Drogensammlung aus Bolivia systematisch anatomisch und chemisch bearbeitet.

код для вставкиСкачать
Eine D r o g e n m l u n g aus Bolivia
343
698. Lothar Koch:
Eine Drogensammlung aus Bolivia,
systematisch, anatornisch und chemisch bearbeitet.
(Aus der Botanisch,en Anstalt und der Anstalt fur Pharmazie und Nahrungsmittelchemie an der Universitat Jena.)
Auf seiner Reise durch das ostliche Bolivia in den Jahren 1926128
hatte Prof. Dr. Carl T r 011, Berlin, auf den Indianermarkten von
Atocha und Sucre Drogen gekauft, die von den Eingeborenen als
Heilkrauter verwendet werden. Die Drogen werden in kleinen
Mengen von Indianer- oder Mischlingsfrauen, den ,,Cholas", feilgehalten oder in groaeren ArzneiIalden, die ebenfalls von Cholas
bedient werden, verkauft. Andere Drogen erwarb Dr. T r o l l von
einem der ,,Callavayas", ,,der Medizinmanner Sudamerikas", in
deren Handen die hohere Heilkunst der Indianer liegt.
Mit uber 150 Nummern bietet die Sammlung ein recht buntes
Bild von Drogen, Beschworungs- und sonstigen Heilmitteln. Krauter
und Stauden aus dem tropischen Regenwald liegen als Drogen neben
den durftigen Strauchern des bolivianischen Hochlandes, des Altiplano, und der Hochkordillere Chiles. Friichte und Samen tropischer
Biiumc sind in einem Tee gemischt mit kleinen Fischchen aus dem
Pooposee oder wer'den, auf Schniiren gereiht, als Abwehrmittel gegen
bose Geister getragen. Wurzeln, Rhizome, Blatter und Bliiten, selbst
Zweige und Blutenstande hoher Baume teilen sich mit holzigen
Lianen in die Mjannigfaltigkeit der Heilanzeigen. Zu ihnen treten in
nicht geringer Zahl mineralische Glesteine und Erden, die auf Grund
irgendwelcher eigenartiger auaerer Gestalt als Beschworungsmittel
bei ganz bestimmten Krankheiten I7erwendung finden. Im Gegensatz
hierzu wird den eigentlichen 'Heilmitteln ein recht spezifisches Anwendungsgebiet zugemessen, was vor allem fur die pflanzlichen
Drogen gilt. Es konnte bei mehreren Objekten dieser Sammlung durch
die Untersuchung festgestellt werden, da8 der Inldianer im nilgemeinen mit seiner Heilanzeige die rechte Wirkungsweise der Droge
erkennt, wenn er sich dabei auch oft ein weites Spielfelld erlaubt.
An dieser Stelle kann nur eine kleine Anzahl dieser Drogen besprochen werden, im ubrigen wird auf die Originalarbeit verwiesen, die sich
im Besitz der Friedrich-Schiller-Universitat zu Jena befindet. Die Sammlung
selbst ist Eigentum des Museums fur Landerkunde in Leipzig und kann dort
eingesehen werden.
Da auf3er der Heilanzeige nur der einheimische Name der einzelnen
Droge bekannt war, galt das Bestraben, die pflanzlichen Drogen - neben
der Beschreibung ihrer Morphologie und Anatomie - einer sytematischen
Bestimmung zuzufiihren. Fur die chemische Untersuchung wurde eine kleine
h z a h l besonders charakteristischer Drogen ausgewahlt, die auf Grund der
voraufgegangenen mikrochemischen und anatomischen Befunde dafiir geeignet
erschienen. Da das zu diesem Zweck in groI3eren Mengen angekaufte Drogenmaterial nicht ausreichte, waren spezielleren Untersuchungen der isolierten
Pflanzenstoffe enge Schranken gezogen.
344
Lothar Koch
S a f i c o n t r a h i e r b a u n d Sapirari.
Dorstenia brasiliensis.
Die eigenartige Gestalt der Rhizome lieB di'e Droge als zur
Moraceengattung Dorstenia gehorig erscheinen. Die Bmtimmung der
Art gelang an Hand einiger weniger Blatter, die dem Rhizom der
Sapirari-Droge auf sai3en. Ihre Wurzeln und Rhizome untersoheiden
sich kaum von denen der ,,Safi-contrahierba"-Droge.Die Form des
sorgsam aufpraparierten Blattes geniigte, um die Spezies Dorstenia
brasiliensis mit Sicherheit zu ermitteln. Auch die ,,Contrahierba"Droge konnte nach Beschaffung neuen und reichhaltigen Materials
aus La Paz dimeser Dorstenia-Art zugeschrieben werdan.
Die Dorstenia brasiliensis bat langgestreckte, walzenformige, bis
4 cm lange und 1 cm dicke Rhizome neben solchen mit kurzer und
gedrungencr, riiben- oder fast kugelformiger Gestalt. Die langgestreckten ,,Sapirari"-Rhizome sind aui3erdem gekennzeichnet durch
eine regelmafiige Querringelung und die etwas hellere Farbe der im
allgemeinen dunkelbaaunen Dorstenia-Rhizome. Die Wurzeln entspringen seitlich und am Crunde der Rhizome und erreichen in ihren
Hauptstrangen eine Lange von 15 bis u) cm.
Die Wurzeln aller Dorstenia-Arten zeigen diarchen Bau ihres
Zentralzylinders. Zwischen den zu einem einzigen zentralen Leit
strang vereinigten beiden GiefaBbiindelanlagen bleibt auch in den
altesten Wurzeln stets eine schmale Trennungszone eines meist mit
Starke gefiillten Markstrahlgewebes belstehen. Dieses ragt als
schmaler Streifen in das Rindengewebe hinaus und ruft, wie bei
D. cayapia var. opifera, eine Einschniirung der Wurzel hervor.
Sklerenchymatisches Gewebe fehlt im Holzkorper. A n alteren
Wurzeln ist weder Endodermis noch Perizykel zu erkennen; nichtleitende Elemente werden zu Fasern und Starkeparenchym ausgebildet. Dile Rinde besbeht fast ausschliefilich aus Fasern und Parenchym, die je nach ihrer Menganverteilung artcharakteristisch sind.
Den AbschluD nach aui3en hin bildet ein normales Kutisgewebe.
Die Fasern der untersuchten Dorstenia-Arten waren nicht alie
einheitlicher Struktur, vielmehr konnten drei vollstandig voneinander
verschiedene Typen unterschieden werden (s. Abb. 1, 2, 3). Mehrere
Dorstenia-Arten besitzen nicht nur Fasern eines dieser drei Typen.
sondern zugleich zwei Fasertypen nebeneinander.
Der Erforschung der stofflichen Zusammensetzung der Fasern gelten die
f olgenden Untersuchungen :
1. Priifungen auf H Q 1 z s t o f f (Lignin) mit Anilinsulfat, PhlorugluzinHCI, Kaliumpermanganat, Antozyan: alle negativ.
2. auf Z e 11 u 1 o s e : samtliche Reaktionen positiv, namlich: a) Chlorzink-Jod: Fasern werden sofort violett gefarbt und nehmen allmahlich purpurrote Farbung an. Die Farbe wascht sich mit W w e r wieder aus; b) JodJodkalium: Fasern verden sofort braunrdt gefarbt und treten neben den
intensiv blauen Stkrkekornern saharf hervor. Nach Zusatz von Schwefelsaure
zunachst tiefe Blaufarbung, dann allmahlich Zerstomng der Fasern,
c) Chromsaurelosung: farbt die Fasern hellbraun bis dunkelrotbraun. Wahrend das iibrige Gewebe ganz langsam (nach einer halben Stunde erst sichtbar) von der Saure angegriffen und schliefilich ganz aufgelost wird. 5 h d die
Eine Drogensammlung aus Bolivia
345
Abb. 1.
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 1. D o r s t e n i a b r a s i i i e n s i s . Fasern quer.
TYP 1.
Abb. 2. D o r s t e n i a c a y a p i a var. opifera.. Fasern quer.
TYP 2.
(Einfache, stark verdickte Zellwande 4 p ; Durchmesser der Faser bis zu 80 ( I . )
Abb. 3. D o r s t e n i a t u r n e r a e f o 1 i a. Fasern quer.
TYP 3.
(In den Anlagerungsschichten sind zwei Zonen ausgebildet. Lumen der Faser
sehr klein.)
Archiv und Berichte 1 9 3
23
346
Lothar Koch
langere Zeit widerstandsfahig; d) Schwefelsaure konzentriert: lost die
auf. Die MilchrGhren der Rhizome scheinen dagegen nicht angezu werden und nehmen allmahlich eine rote Farbe an.
Keaktionen auf P e k t i n : positiv.
4. F a r b reaktionen: Kongorot: Fasern rosa, Kutisgewebe schwarzprun;
Methylenblau: Fasern rot; Safranin: Fasern rot.
Fasern
Fasern
griffen
3.
Von den Artcn, die Rhizome ausbildcn, ist Dorstenia brasiliensis
am reichsten mit Milchrohren ausgestattet. Ihr folgt crst in weitem
Abstand die D. contrayerva, welche von U 1 e in Brasilien gesammelt
worden ist. In dcn Wurzeln sind die Milchrohren nur sehr sparlich
anzutreffen und sind dort nur auf die aufiersten Zellreihen der Rinde
beschrankt. Die Parenchymzellen von Rinde und Mark sind in den
meisten Fallen mit Starke gefullt. D. brasiliensis allein enthalt fettes
Ul (s. chem. Teil), das in Form grofier Tropfchen im Rinden- und
Markparcnchym liegt.
Das Sekrct der Milchrohren zeigt in der Drogc kriimelige Beschaffenheit und graue Farbe. Es wird durch Frohdes und Erdmanns Reagens braunrot und durch Sudan I11 wie die Fettropfchen braunrot gefarbt. In Xther und Chloroform ist es leicht, in
Atkohol schwer loslich.
Der Inhalt der Siebrohren wird mit Jod-Jodkaliumlosung kirschrot gefiirbt und ist im Gegensatz zu dem Miilchrohrensekret schwer
hcrauslosbar. Das Mikrosublimat des Drogcnpulvers liefert kleine
Kristallnadeln, die diesclben Reaktionen wie der Milchrohreninhalt
gcbcn.
Aus den Aufzeichnungen der Literatur geht hervor, da13 die ,,Radix
(hntrayervae", wie die Droge in Europa allgemein bezeichnet wird, vor allem
i n der zweiten Halfte des vorigen Jahrhundlerts grones Interesse gefunde!i
hat. Die lndianer machen sich die Dorsteniawurzeln und Khizome in vercchiedenem Sinne nutzbar: als .,Sapirari" dienen sie der allgemeinen I-ieilirkung bei SchlangenbiB, als ,,Contrahierba" werden sie (zusammen mit
..buelda que Suelda" = Hypseocharisknolle) im AufguB bei Menstruationsbeschwerden getrunken.
D i e c h L' m i s c h e U n t c r s u c h u n g.
Verarbeitet wurde das Rhizom mitsamt den in groRen Mengen
anhangenden Wurzeln.
Aus dem Wasserdampfdestillat, das einen kraftigen und fur die
Droge ganz eigenartigen, sufilichen Geruch besitzt, schied sich beim
Erkalten eine in weifien, glanzenden Schuppen kristallisierende Masse
ab. Die Kristallschuppen sind aufierordentlich leicht und geruchlos.
Sie sind gut Ioslich in Chloroform, Benzol und Azeton, schwer loslich
in kaltem un'd nur teilweise in heii3em Alkohol. In chemischer Hinsicht
verhalten sie sich sehr indifferent. Charakteristische Gruppenreaktionen, wie auf Phenole, Sauren, Aldehyde u. a., blielben ergebnis10s. Stickstoff und Schwefel konnten nach der Methode von
L a s s e i g n e nicht nachgewiesen werden. Der Schmelzpunkt der
Kristalle liegt bei 1 5 1 O .
E !ementaranalyse' 3.434 mg Sbst.: 8.802 mg CO,, 3.937 mg H,O.
C1,Mj,Olo. Ber.: C 69.61. H 3.09.
Cef.: C 69.90. H 3 05.
Eine Drogensammlung aus BoEvia
347
Im Wasserdampfdestillat konnten basische Stoffe, Sauren,
Phenole, Aldehyde und Methylketone nicht nachgewiesen werden.
Dagegen wurde durch Verseifung mit
alkoholischer Kalilauge
rine kristalline Substanz von Saurecharakter gewonnen, die sich
durch einen a u h o r d e n t l i c h kraftigen Geruch auszeichnete. Dieser
durch mehrmaliges Umkristallisieren verhaltnismiiflig rein erhaitene
Korper verlor im Laufe weniger Wochen seinen Geruch, ohne jadoch
irgendwelche Veranderungen in bezug auf seine auflere BeschaffenEtwa eingetretene
heit (Kristallform usw.) erkennen zu lassen.
chemische Veranderungen nachzuweisen. war wegen der geringen
Substanzmenge nicht moglich. Es kann deshalb nicht mit Sicherheit
'ingegeben werden, ob wir in dieser Saure den Trager des fur die
Dorstenia-Rhizome charakteristischen Geruches anzunehmen haben,
oder ob ihr ein in gleicher Kristallform kristallisierender f lii c h t i g e r
Geruchsstoff anhaftet. Seinen Eigenschaften nach diirfte der Kdrper
als esterartige Verbindung in den Rhizomen vorhanden sein.
Aus dem Petrolather-Extrakt des Rhizoms wurde ein braunes,
aromatisches 0 1 gewonnen, aus dem sich allmahlich - auch schon
wahrend des Verdunstens des Petrolathers - braune kristalline
Massen nbschieden. Dieser Stoff war leicht loslich in Chloroform,
Benzol, Ather und Azeton. In absolutem Alkohol war er beim Erhitzen, aber auch dann nur schwer loslich, ebenso in Petrolather.
Der Stoff wurde rnehrmals aus seiner Benzol- oder Chloroformlosung
durch Fallung mit Petrolather oder absolutem Alkohol umkristallisiert.
Die auf diesem Wege von fettartigcn Verunreinigungen befreitc
Kristallmasse wurde mit 1 ~ / 2 weingeistiger Kalilaugc verseift.
1. Die Halfte der alkalisch-alkoholischen Losung' wurde mit
Ather ausgeschuttelt. Nach dem Verdunsten desselben hinterblieb
ein geringcr, fettiger, weiiSer Riickstand VOR Alkoholcharakter.
2. Es wurde der Rest der alkalisch-alkoholischen Losung- mit
Salzsaure schwnch angesauert und ebenfalls mit Ather ausgeschiittelt.
Hierbei wurde reichlich ein hellbrauner Ruckstand erhalten, der sich
in siedendem Wasser bis auf geringe Mengen eines dunkelbraunen
Anteiles loste und sich beim Erkalten in seiner Hauptmenge mit fast
rein weif3er Farbe wieder ausschied. Der auch im kalten Wasser
gelast gebliebene Anteil wurde nach dem Verdunsten des Wassers
wiedergewonnen. Er besal3 den oben erwahnten eigenartigen Geruch
der aus deni Wasserdampf destillat gewonnenen Saure.
Die aus dem fetten Ul sich abscheidcnde Kristallmasse wurde
dadurch in vier verschiedene Siubstanzen zcrlcgt, deren Untersuchung
tolgendes ergab:
1. Die Prufung der hochmolekularen Alkohole von fcstem
L4ggregatzustand a u s der alkalischen Ausschiittelung auf Sterine nach
L i e b e r m a n n und S a l k o w s k i vcrlief negativ.
2. Fur die fast weif3en Kristallschuppen tius der sauren Atker~usschiittelung(in heil3em Wasser loslich) wurde ein Schmp. von 139"
bestirnmt. Die Prtifung auf Stickstoff und Schwefel nach L a s s e i g n c
verlief wie schoi: in t k r I'rsubstanz 'tuch hei diesem Kiirpcr negatii.
8'
348
Lothar Koch
Die Substanz verfliichtigte sich vollkommcn beirn Erhitzen auf ciem
Platinblech.
Elenientnranalysc: 3.310 mg Sbst.: 8.531 iiig CO,, 1.510 mg H,O.
C,,H,,O,,.
Ber.: C 70.32. H 4.47.
Gef.: C 70.29. H 4.49.
Priifungen auf .d,ieeinfacheren, haufig vorkonimendcn Saurcn, \vie
Apfelsaure, Weinsaure, Zitronensaure, Benzoesaure usw., waren ergebnislos. Es diirfte anzunehmen sein, daO es sich bei diesem K6rper
um eine ungesattigte hohere organische Saure handelt.
3. Der dunkelbraune, in heifiem Wass'er nicht losliche Anteil der
saurcn Atherauschuttelung konnte wegen sciner geringen Menge nicht
!laher untersucht werden, wurde aber ebenfalls kristallin erbalten.
4. Die auch in kaltem Wasscr loslichen, den intensiven Geruch
tragen,den Kristallblattchen gaben beim Vergleich mit den aus den1
Wa.sserdampf~d,estillatdurch V,erseifung erh'altenen stark riechenden
Kristal8en ein volliges Ubereinstimmen beider Korper; dieser Stoff
zeigte die eigentiimliche Eigenschaft, seinen Geruch allmahlich zu
verfieren, ohne eine aufiere Veranderung dabei erkennen zu Iassen.
Bmeide Korper wurden auf dem gleichen Wege iiber die Vcrseifung
und Saureaufspaltung als Saureanteile erhalten. Daraus kann gefolgert
werden, da13 der Geruchsstoff sowohl mit Wasserdampfen fluchtig
ist als auch durch Petrolather aus der Wurzel extrahiert werden
kann. Im latzteren Fsall,e bemdingt er den aromatischen G'eruch des
fetten Ulcs, das nach Abscheidung d,ieses Korpers geruchlos geworden war.
Interessant ist noch die Festst'ellung, dal3 dieser Geruchsstoff
auch bei der Mikrosubiimation des Rhizompulvers gewonnen werdcn
konnte, und zwar in sehr reiner Form als ein glanzend weifies,
kristallines, nadelformiges Sublim'at. Dadurch war es mogiich, den
Sitz dieses Stoffes in dem Dorstenia-Rhizom genau festzustellen. Es
gelang, durch getrennte Sublimations'versuche der einzelnen Rhizomgewebe, die Milchrohren des Rhizoms als Trager dieses Stoffes verantwortlich zu machen. Dal3 wir in die,ser Substanz den einzigen
charakterisierbaren Inhaltsstoff der Milchrohren anmnehmen haben,
ist sehr unwahrscheinlich; denn. wie noch zu zeigen sein wird, haben
auch die Alkaloide in den Milchrohren ihren Sitz.
Fur das aus Bdem Rhizom durch Petrolatherextraktion gewonnerrc
fette Ul sind folgende Konstanten ermittclt worden:
Verseifungszahl: 171.3, Sauregrad: 38.66.
Jodzahl: 87.28 (nach K a u f m a n n ) , 90.9 (nach DAB 6).
Refraktion n $: 1.4855 = 90.9 Skalenteile.
Refraktion n $: 1.47'75 = 78.6 Skalenteile.
Das 01 ist optisch inaktiv.
Das Drogenpulver wurde weiter mit sehwach weinsaurem 96%igem
Weingeist hei13 ausgezogen und nach dem bekannten Verfahren von
S t a s - 0 t t o weiter bearbeitet. Die schlieDlich erhaltene, sorgfaltig gereinigte, wasscrig-weinsnure Losung wurde zunachst dreimal
Eine Drogensammlung aus Bolivia
349
rnit Ather ausgeschuttelt, die Atherauszuge vereinigt, mit entwassertem Natriumsulfat getrocknet und der Ather langsam abgedunstet.
Es hinterblieb ein geringer, schwach gefarbter Riickstand, dessen
alkoholische Losung mit a-Naphthol-Schwefelsaure eine fur Kohlenhydrate charakteristische schwach positive Violettfarbung ergab. Der
Nnchweis von CN-Glukosiden nach der Spaltung mit Salzsaure durch
die Berlinerblau-Reaktion verlief negativ. Da auch beim Erhitzen mit
Salzsaure keinerlei Ausscheidungen auftraten (Aglykon), wird es sich
hier wohl nur um das Vorhandensein einfacher Kohlenhydrate
handeln.
Der mit schwacher Salzsaure aufgenommene Atherruckstand gab
mit Phosphormolybdansaure einen griin gefarbten Niederschlag.
Andere Reaktionen auf Alkaloide mit Goldchlorid, Phosphorwolframs h e , Jod-Jodkalium, Kialiumquecksilberjodid, Kaliumkadmiumjodid,
Quecksilberchlorid und Rkrinsaure blieben negativ.
Die vom Ather getrennte wasserig-weinsaure Losung wurde bis
zur stark alkalischen Reaktion mit Natronlauge versetzt und dreimal
mit der gleichen Menge Ather ausgeschiittelt. Die vereinigten Atherausschiittelungen wurden nach d9.m Trocknen mit Natriumsulf at
durch langsames Abdunsten vom Ather befreit. Der hinterbliebene
geringe, jedoch kristalline Ruckstand gab mit I'hosphormolybdansaure, Phosphorwolframsaure und ILaliumquecksilberjodid schone
Fallungen, wahrend die anderen Alkaloidreagenzien keine Niederschlage hervorriefen.
Bei der Untersuchung der nach der Neutralisation wieder alkalisch (ammoniakalisch) gemaohten wasserigen Losung konnte nach
Verdunsten des hier zur Ausschuttelung verwendeten Chloroforms
keine positive Alkaloidreaktion erhalten werden. Jedoch wies die
wieder schwach salzsauer gemachte wasserige L&ung mit allen
Alkaloidreagenzien auf das Vorhandensein nicht ausschuttelbarer
quartarer Ammoniumbasen hin.
Es gelang nicht, die durch vorgenannte Reaktionen angedeuteten
Alkaloide in greifbarer Menge zu gewinnen. Ich kann deshalb bei
Dorstenia brasiliensis nicht bestatigen, was im Jahre 1893 M u s s i l)
iiber das aktive Prinzip von D. contrayerva mitgeteilt hat. Naoh
seinen Angaben enthalt der alkoholische Drogenauszug der letztgenannten Droge zwei Substanzen, die M u s s i ,,Cajapin" und
,,Contrayerbin" nennt.
,,Cajapin" wird beschrieben als gelbrot, amorph, ioslich in Wasser, Alkohol
und Xther. Es hinterlafit beim Erhitzen keinen Riickstand. Die Dampfe zeigen
saure Reaktion. Die Losung des Cajapins reduziert Fehlingsches Reagens
nicht; durch Zusatz von Alkali entsteht eine gelblich-blaue Fluoreszenz. Es
gibt Niederschlage mit Bleiazetat, Silbernitrat, Eisenchlorid, Gold- und Platinchlorid, Bromwasser, Gerbsaure und Phosphormolybdansaure. Pikrinsaure und
Mineralsauren sind ohne Einwirkung.
Das ,,Contrayerbin" ist we%, amorph, verbrennt ohne Ruckstand, ist Ioslich in Alkohol und Xther, aber nicht in Wasser. Es bildet in alkoholischer
1)
Brit. med. J Nr. 1709.
350
Lothar Koch
Losung ein 1x1 Wasser losliches Tartrat. Aus Ltisungen wird es gefallt inif
Gold- und Platinchlorid, mit Bouchardts Reagens, Bromwasser, Pikrinsiure
und Phosphormolybdansaure, Gerbsaure gibt keinen Niederschlag.
Es handelt sich bei diesen Stoffen zweifellos um Alkaloide,
jsdoch ist leider weder der Weg der Gewiiinung noch die Art des
Ausgangsmaterials - Rhizom oder Kraut - angegebcn. Wenn sich
die Untcrsuchungen M u s s i s auf die Wurzeln beziehen, muf3 wohl
fur die D. contrayerva ein grofierer Gehalt an Alkaloiden angenommen werdcn als fur unsere Drogenspezies D. brasiliensis.
Ein weiterer Unterschied zwischen den beidcn Drogenspezies
besteht darin, dai3 der wasserige Contrayerva-Auszug beim Schutteln
stark schaumt (Saponine), was bei dem dcr D. brasiliensis nicht der
Fall ist. In der starkeii Reduktionseigenschaft geger,iiber der
Fehlingschen Losung gleichen sich beide Drogenausziige.
Die Untersuchungen der Inhaltsstoffe der Dorstenia-Rhizome
haben also zu folgendem Ergebnis gefuhrt:
1. Kristalliner KZirper der wahrscheinlichcn
Zusammensetzung : C3PHi8010
aus dem Wasserdanipf destillat.
2. Saure, kristallin, mit charakteristisch<m
Geruch
3. Fettes Ul
durch Aufspaltung
4. Hochmolekulare Alkohole
einer sich aus dem
5. Kristalle C37H280iO (unges. Saurc)
fetten Ul ausscheidenden
esterarti6. Kristalliner Korper wie Nr. 1
gen Verbindung.
7. Kohlenhydrate.
8. Alkaloide.
I
I
Altea.
Nototriche spec.
,,Altea" nennen die Indianer die Pfahlwurzel einer hochandinen
Malvacee, die im gleichen Sinne wie unsere Althaea officinalis Verwendung findet. An Hand des von Prof. H e r z o g freundlichst Z U
Verfugung gestellten Materials konnte auf dem Vergleichswege die
Gattung Nototriche ermittelt werden. Fur die Erkennung der A r t
vermochte der anatomische Bau der Wurzel keine Anhaltspunkte
zu geben, vielmehr ergab sich aus den vergleichenden Untersuchungen,
daB charakteristische Unterschiede in der Wurzelan,atomie der vcrschiedenen Spezies nicht vorhanden sind.
Nach den Mitteilungen von H e r z o g2) und W e b e r b a u e r ist Nototriche eine ausgesprochene hochandine Gattung. Wohl am weitesten verbreitet
ist N. flabellata, die als eine der Stammpflanzen angesehen werden kann.
Es mag noch darauf hingewiesen werden, daD die Indianer nur die
Wurzeln i n ihren Arzneischatz aufgenommen haben, obgleich sich auch die
Blatter der Nototriche-Artena) durch h o h m Schleimgehalt auszeichnen.
z, Th. H e r z o g , Pflanzenwelt der bolivian. h n d e n und ihres iistl. V u r landes (in ,,Die Veget. der Erde"), Leipzig 1923.
3) R. E s p i n o s a , Ukolog. Stud. an einigan Kordillerenpflanzen (Engl.
Bot Jahrb. 65, 1933).
~
Eine Drogeiisammlung aus Bolivia
35 1
Die schlanken, rubenformigen Wurzeln erreichen eine Lange
von 15 cm und lasscn bisweilen eine schwache Drehung um ihre
Langsachse crkennen. Durch Kontraktion der inneren Gewebe ist
vor allem im oberen Teil eine deutlich erkennbare Querringelung
entstanden. Die Wurzeldroge ist von nahezu weiBer Farbe, obwohl
Kork und Rinde nicht abgeschalt sind.
Das Grundgewebe der Wurzel besteht ausschliefilich aus schleimfuhrenden Parenchymzellen, die in der R'inde von schmalen, mit
Starke gefiillten Markstrahlen unterbrochen werden. Auch dias
Phloemparenchym enthalt Starke (Gr. 4 bis 2 2 , ~ ) Die
.
Gefane sind
in schmalen radialen Reihen angeordnet, bestehen aus Tracheen mit
spangenformiger Wandverdickung und kurzen, breiten Tracheiden
und werden von wenigen prosenchymatischen Zellen begleitet.
Sklerenchymatische Elemente fehlen im Gegensatz zu Radix Althaeae
vollstandig, so daB die mechanische Festigkeit fast ausschliefilich
durch das dichte Schlleimparenchym hervorgerufen wird. Deshalb
fehlen auch nach dem Abschaben des Korkmantels die fur Althaea
officinalis so charakteristischen Faserharchen der Oberflache.
Dem Indianer dient die Wurzel nicht ausschliefilich als SchieimJroge in der Behandlung von Dysenterie und aul3eren Entziindungen,
sondern auch als Tee gegen Neuralgie und Kopfschmerz.
S u e l d a q u e S u e l d a (1).
Hypseocharis spec.
Die Bezeichnung ,,SueIda que Suelda" geben die Indianer einer
Rhizomknolle, die ihnen im AufguB zusammen mit ,,Safi contrahierba"
als wirksames 'Heilmittel bei Menstruationsbeschwerden dient.
Es handelt sich um das Rhizom einer Hypseocharis-Art aus der
Familie der Oxalidaceen. Bei der Bestimmung der Spezies konnte
Iediglich vermutet werden, daB das mit der Droge iibereinstimmende,
mit Blattern versehene Exemplar der H e r z o g schen Sammlung zu
Hypseocharis Fiebrigii R. Knuth gehort und diese Spezies als Stammpflanze der ,,SueIda que Suelda" zu gelten hat.
Die Knolle hat eine Gesamtlange von 10 cm. Ihr Kopf
wird gebildet von einem etwa fingerstarken, etwa 3 cm langen
Rhizomstuck, dem unmittelbar Blatt- und Blutenorgane aufsitzen.
Nur der oberste Teil des Rhizoms ragt aus dem Erdreich heraus.
Nach unten erweitert sich das Rhizom plotzlioh zu einem knollenformigen Gebilde, das an seiner breitestcn Stelle 5 cm im Durchmesser erreicht.
Der Querschnitt la& zwei vollstandig voneinander getrennte
Teile erkennen: Einen Zentralstrang von 0.8 cm Durchmesser und
ein diesen rings umgebendes lockeres Speichergewebe, das nach
auDen hin von den grofien Borkenplatten begrenzt wird (Abb. 4).
Ein kraftiger Korkmantel dient als Trennungsring zwischen Speichergewebe und Zentralstrang, wodurch dieser leicht herauslosbar wird.
352
Lothar Koch
- Eorkenplatten
-
--
7-
Kcrkringe d e s
Zen t r a 1c t rznge s
.
- _Zectralstrang
-
-
Speicbrr-
Cambium
6ewe t e
A4bb.4. Hypseocharis-Rhizom: Quer- und LCngsschnitt (halbschematisch).
Der Zentralstrang selbst zeigt eine devtliche Zonenbildung, hervorgerufen durch zueinander konzentrisch verlaufende, dunkelrote
Korkzylinder (Abb. 5). Die GefaBe sind in schmalen radialen Reihen
angeordnet und in einem machtigen Holzparenchym eingebettet.
Fasern und Kalkoxalatkristalle der verschiedensten Form durchsetzen in groBer Menge unregelmafiig das Parenchym, treten jedoch
besonders zahlreich jeweils unmittelbar neben einer Korkzone, und
zwar a n deren AuBenseite auf. In der innersten, mittleren Holzzonc
1113t sich keine bestimmte Anordnung der GefaBe erkennen; sie sind
Eine Drogenhsammlung aus Bolivia
353
Pasern
GefaBe ’
Rri st a l l e
Korkring
-
- Gefi5e
-
-
Abb. 5. Querschnitt durch den Zentralstrang der Hypseocharis-Knolle.
regellos im Parenchym tcils einzeln, teils in Gruppen zu mehreren
v erst r eut .
Wahrend das Gewebe des Zentralstranges ein ziemlich festes
Gefiige aufweist, ist das Gewebe der es umgebenden machtigen
Speicherschicht weich und leicht zerstorbar. In ihm gelangen H o b
und Siebkorper durch das Karnbjum ganz normal zur Ausbildung
354
Lothar Koch
(Abb. 6). Die Tracheiden cies Xylems sind als lockere, schmale
Reihen in einem Parenchyrn sichtbar, dessen Zellcn zum grol3ten Teil
b)
Fasern -
Abb. 6.
Hypseocharis-Rhizoni ;
Querschnitt durch das
Speichergewebe:
a) Bast,
b) Holz,
c ) Starke.
GroAe 4-33 p.
Ge
Abb. 7.
Phoradendron densum.
Abb. 8 .
Diplostephium spec.
Linc Ilrogensdmmlung aus Bolivia
355
mit Starke angefullt sind. Im Bast belierrschen Ling. hreite l'.sern
jnit groI3ern Lumen das Bild. Kalziumoxalat findet sich in groFer
>\lenge. Die Seitenwurzeln nehinen im Speichergewebe ihren L4usS[an&.
Eingehcnde Untersuchungen uber die Anatomie der Droge, besonders
uber die Entstehung der eigenartigen Zonenbildung im Rhizoni, htjnnen wegen
Raummangels hier nicht wiedergegeben werden.
Leidcr war es nicht miiglich, die Droge in groBeren Mengen in Bolivien
ankaufen zu lassen.
S
,I
Das Verhalten dcs kalten wasserigen Auszuges gegenuber einigun
enigen Agenzien sei hier kurz angegeben.
Mit konz. Salzsaure: Niederschlag, der beim Erwarmen wieder in
Losung geht.
Mit Natronlauge: flockiger Nicderschlag, der such beim l<rwarmen bestandig ist.
Ammoniaklosung: ohne Einwirkung.
Fehling: wird stark reduziert.
Essigsaure: ohne Einwirkung.
Eisenchlorid: verursacht starken, schwarzen Kiederschlag, wodurch der
braune wasserige Auszug vollstandig entfarbt wird
Reaktion nuf Oxalsaure: positiv.
S u e l d a q u e S u e l d a (2).
Phorodendron Meliae Trel.
Im Bau ihwr Vegetationsorgane wie ihrer Bluten stimmt die
Drogenpflanze mit der von P f l a n z urn Villamontes in Bolivia gc5ammelten Phoradendron Meliac Trel. ( P f 1 a n z Nr. 699) voI1komm;n
uberein und kann auf Grund der anatomisch vergleichenden Uiitcrsuchung mil dieser identifiziert werden. Die geographisch benaehharte Lage des Handelsplatzes Atocha und des Fundortes Villamontes kann aul3erdem die Bestimmung der Stammpflanze in diesem
Sinne unterstiitzen.
Die Droge besteht aus braunen SproBstucken, an denen deutlich
die Knoten der Blattinsertionen zu erkennen sind. unld den stark
geschrumpften, grubig runzeligen Blattern. Einen nicht unerheblichen
Teil bilden die mehr oder weniger gut erhaltenen Blutenstandsachsen
mit ihren in Langsreihen angeordneten Vertiefungen, in denen die
Bliiten eingesenkt waren. Die Droge besitzt einen kraftigen Ceruch,
der an den von getrocknctem Obst erinnert.
Bei den Indianern scheint sich die ,,SueIda que Suelda" gewisser
Beliebtheit zu erfreuen und vielseitig angewendet zu werden, da sie
nicht nur fur sich allein, sondern auch in Drogenmischungen feilgehalten wird. Zusammen mit ,,Khuru" und ,,'Huarancila" dient sie
zur Heilung von Beinverrenkungen. Schulterschmerzen usw.
Abb. 7 7eigt Phoradendron densum, dessen Habitus vollkommen dem der
Drogenpflanze gleicht. N u r im Bau der Bliiten sind beide Arten verschieden.
Die Epidermis des Sprosses ist sehr stark ausgebildet. Ihre verdickte
AuBenwand stiilpt sich oft zu einem papillenformigen Haarfortsatz aus. der
- wie die Zellwande selbst - olivgriin gefarbt ist. Auf die Epidermis folgt
nach innen parenchymatisches Kindengewebe, das in seinen auBeren Teilen
der Assimilation dient. Bci den jungen Sprossen ist das Phloem vom Rindenparenchyin durch eine sthln.de Hartbastzone getrennt, die infolge des sekun-
356
Lothar Koch
daren Dickenwachstums bei den alteren Sprossen gesprengt wird und sich in
ihren Resten als Bastfasergruppen in der Rinde wiederfindet.
Der Holzkorper setzt sich zusammen aus radial verlaufenden, ein bis
funf Zellen breiten Gefagreihen, die von reichlich eingestreuten Sklerenchymfasern unterbrochen werden und gegen das Mark mit einer groBeren Holzfasergruppe abschlie8en. Die GefaBe selbst bestehen aus kurzen Tracheiden
mit schmalen, spaltformigen Tiipfeln. Die eine bis zwei Zellreihen breiten
Markstrahlen und das groBe Mark sind dicht mit Starkekornern gefiillt und
stehen durch groae, einfache Tiipfel miteinander in Verbindung.
A n den Blattern ist die Epidermis-AuBenwand weniger stark verdickt,
jedoch finden sich auch hier in reichen Mengen die papillenartigen Ausstulpungen. Driisenharchen sind auf der Blattoberseite sparlich vorhanden. Die
parallele Streifung der Kutikula ist in samtlichen Zellen iiber das ganze Blatt
hin gleichgerichtet. Eine Differenzierung in Pallisaden- und Schwammparenchymgewebe fehlt. Das Mesophyll besteht aus Parenchymzellen mit
groBen Oxalatdrusen. Im Verhaltnis zu seiner geringen GroBe wird das Blatt
von sehr vielen Nerven durchzogen. So wurden bis zu acht allein in der
Langsrichtung verlaufende Leitbahnen gezahlt. Wahrend Oxalatkristalle in
Blattern und Stengel nur vereinzelt vorkommen, ist die fleischige Bliitenstandsachse dicht mit solchen angefiillt.
C i s s a m p e 1 o s P e r e i r a e.
Zu den Drogen, deren sich die Medizinmanner der Quechua-Indianer
bedienen, gehiirt eine holzige Liane, von der Name und Anwendungsgebiet
nicht bekannt sind. Die Erkennung dieser Droge als SproBorgane einer in
Siidamerika und England schon lange gebrauchlichen Wurzeldrogenpflnnze
IaBt jedoch mit ziemlicher Sicherheit die Verwendung vermuten, die diese
geheimnisvolle Indianerdroge durch ihre Medizinmanner erfahrt.
bis 1 m langen SproDstucke mehrmals
In dieser Droge sind die
zusammengeknickt. Sie zeichnen sich durch Langsriefung und wenig
erhabene, sehr dicht uber die ganze Oberflache verteilte, stecknndelkopfgroBe Lentizellen vor allen den Lianen aus, die mir in groiSer
%ah1 aus der Familie der Menispermaceen zum Vergleich zur Verfiigung standen. Die Anatomie des Sprosses ist so spezifisch fiir
diese Art, da13 Lianen der gleichen Gattung Cissampelos und andere
der gleichen Heimat bei auBerlich ahnlichem Bau zu einer Verwechslung keinesfalls AnlaB geben konnen. Wenn es auch gelang, auf
Grund einiger anatomischer Merkmale die Familie herauszufinden,
so war es nach den Beschreibiungen in der einschlagigen Literatur')
doch unmoglich, auch nur die Gattung mit einiger Sicherheit zu ermitteln. Die Drogenliane besitzt kein anormales Dickenwachstum,
und das machte, so eigenartig e s auch klingen mag, die Artbestimmung noch schwieriger. Denn es konnte nicht von vornherein angenommen werden, daD ein solches uberhaupt fehlte, vieImehr lag die
Wahrscheinlichkeit naher. daB hier ein junger, noch nicht in die
Dicke gewachsener Sprofi vorlag. Bei der Fiille ahnlicher Formen
war die Bestimmung der Stammpflanze als Cissampelos Pereirac iiur
einem Zufall zz1 verdanken. Im Warmhaus fur tropische Nutzpflanzen des Botanischen Gartens in Munchen war diese Menispermacee vor einiger Zeit angepflanzt worden. Mit ihr konnte ich die
Drogenstiicke leicht in Gbereinstimrnung bringen.
4)
S c h e n k , Die Lianen.
Eine Drogeiisamrnlung aus Bolivia
357
Cissampelos Pereirae ist die Stammpflanze der in Sudamerika langst bekannten Droge ,,Radix Pereirae (bravae)", oder, wenn wir es genauer ausdriicken wollen, sie gehort zu den Pflanzen, die die falsche Radix Pereirae
bravae liefern. Lange Zeit hindurch hat die Cissampelos Pereirae als die
wirkliche Stammpflanze gegolten, bis F 1 ii c k i g e r zeigen konnte, daB eine
andere Menispermacee, die Botryopsis platyphylla St. Hil., als die echte
Drogenpflanze anzusehen sei. F l i i c k i g e r war es auch, der im Jahre 1869
den Nachweis erbrachte, daR alle (noch weiter unten zu nennenden) Pflanzen,
die Radix Pereirae liefern, und n i c h t nur diese echte Stammpflanze das
r o n W i g g e r s aufgefundene und mit dem Namen ,,Pelosin" belegte wirksame Alkaloid in ihren Wurzeln enthalten. Der Droge wird ein aromatischsufilicher, dann bitterer Geschmack zugeschrieben. Ihr Anwendungsgebiet ist
sehr mannigfaltig. Die Literatur5) nennt: Tonikum, Diuretikum, ein Spezifikuni bei Schleimfliissen der Harnorgane sowie bei Harnbeschwerden, in
groBeren Gaben offnende Wirkung, auDerdem bei Verdauungsschwache, Gelbund Wassersucht im Gebrauch. Auf den Antillen und auch in Sudamerika
werden die Wurzeln von Cissampelos Caapeba als Radix Caapiae im gleichen
Sinne verwendet. Den Wurzeln von C. glaberrima, C. ebracteata und C. ovalifolia werden schweiB- und urintreibende und hochste Wirkung bei Wechselfieber und SchlangenbiB zugeschrieben. Die Wurzel von C. Capensis wirkt
emetisch und abfuhrend. Als Ersatz der Radix Pereirae a e r d e n noch die
Wurzeln von Chondrodendron tomentosum genannt.
Die chemische Untersuchung.
Es ist bekannt, dafS die falschen Pcreira-Wurzeln von Cissampelos
fereira L. als wirksames Prinzip Alkaloide fuhren, die friiher aIs
Cissampelin, Pelosin und Sepeerin bezeichnet wurden. Diese Alkaloide sind heute a h a- und ,%Chondrodendrin (a- und B-Bebeerin) als
Vertreter aus dem Isochinolin-Ringsystem mit der summarischen
Formel CleHlaOsN bekannt und genauestens untersucht. Es lag die
Vermutung nahe, dai3 auch in den Sprossen der vorliegendcn Lianenpflanze Alkaloide vorhanden seicn. Die Untersuchungen haben die
Annahme bestatigt, und zwar konnten nachgewiesen werdcn (im
S t a s - 0 t t o schen Untersuchungsgang) :
1. Freie Basen in der natronalkalischen Xtherausschuttelung in
reichen Mengen.
2. Alkaloide mit freier Hydroxylgruppe (Phenolbasen) aus der
ammoniakalischen Chloroformausschuttelung durch sehr schwache,
aber fur alle Reagenzien positive Fallungen.
3. Nicht ausschiittelbare quartare Ammoniumbasen durch au6erordentlioh reichliche Fallungen durch samtliche Alkaloidreagenzien.
Die gepulverte Droge war mit schwaoh weinsaurem Alkohol
extrahiert worden. Kohlenhydrate und Glukoside konnten in diesem
Alkoholextrakt nicht nachgewiesen werden.
Eine Isolierung der Rohalkaloide vorzunehmen, war nicht miiglich. Es
stand mir zur Untersuchung nur eine ganz geringe Menge Drogensubstanz aus
der T r o 1 I schen Sammlung zur Verfugung, die gerade zur Durchfuhrun des
S t a s - 0 t t o schen Untersuchungsganges ausreichte. Die Droge in groderen
5 ) Ber. uber pharmakogn. Lit. aller Lander der Dtsch. Pharmaz. Ges.
1898 ff. - G. D r a g e n d o r € f , Die Heilpflanzen der verschiedenen Viilker
und Zeiten.
358
Lothar Koch
Mengen nnkaufen zu lassen, 1st so gut \\ie unmiiglich, da sie nicht auf den
Markten gehandelt wird, sondern zu den von den ,,Callavayas" verwendeten
HeiIkrautern gehijrt, die diese sich selbst aus den tropischen Urwaldern verschaffen. Der SproDdroge ein gleiches Anwendungsgebiet zuzuschreiben wie
der Wurzeldroge, liegt zwar nahe, ist aber keineswegs zwingend.
Hierba d e la Orcado.
Turnera diffusa.
Aus der Familie der Turneraceen konnten Turnera diffusa Willd.
und ihre var. aphrodisiaca (nach U r b a n) als Stammpflanzen dieser
Droga angesehen werden. Eine sichere Entschseidung zwischmen den
beiden zu treffen, gelang nur unter Heranziehung reichlichen Herbarmaterials. Weder die typische Art , noch die Varietat war mit der
Droge vollstandig in Ubereinstimmung zu bringen. Die Stammpflanze
liei3e sich hochstens angeben als Turnera diffusa Willd. unter Beriicksichtigun,g einiger fur die Varietat aphrodisiaca charakteristischer
Merkmalc.
D a Art und Varietat in der Literatur eingehend beschrieben worden sind,
seien hier nur die Punkte gcnannt, in denen die Drogenpflanze von ihnen
nbweicht. Die von L u t z e 1 b u r g In Brasilien gesammelte Turnera diffusa
1,ommt d!er Droge in ihrem Habitus noch am nachsten.
Der Hauptunterschied liegt in den Blattern, die bei Turnera
tiiffusa und deren Varietat entweder vollstandig kahl oder nur ganz
sparlich behaart sind. Die Drogenpflanze zeichnet sich dagegen nicht
nur an ihren Blattern, sondern an allen Vegetationsorganen durch
ein dichtes Haarkleid aus. Es sind einzelligc Deckhaare init stark
verdickter Membran und deutlich sichtbarem Lumen, das in der
Mitte des Haares die gleiche Breite besitzt wi'e die WandverdicBung.
Die Haare sind 0.22 mm lang und mit ihrer keulenformig verdickten
Basis in die Epidermis eingesenkt. Na c h oben laufen sic. allmahlich
spitz zu. Ober- u n d Unterseite dcs Blattes sind gleichmaRig stark
behaart.
Bei der Varietat aphrodisiaca wird das Vorhandensein von Driisenhaaren
an der Blattunters$eite besonders hervorgehoben. Diese bestehen aus mehrzelligen Kopfohen, die einem breiten, mehrzelligen Stiel aufsitzen. Die Bliitter
unserer Droge besitzen diese Drusenhaare nicht, auch konnten sie an keinem
snderen Pflanzenorgan nachgewiesen werden.
Obwohl dem Kraut ein kraftiger aromatischer Geruch eigen ist,
konnten nirgends Olzell'en gefunden werden. In der ,,Flora brasiJiensis" wird bei dcn Blattern die stark hervortretende Ncrvatur betont, die bei der In,dianerdroge keineswegs so auffallend ist. Der
iiquifaziale Bau ist auch hier gewahrt, jedoch sind im Unterschied
zur Varietat aphrodisiaca die Palisadenschichten der Ober- und Unterseite ungleich ausgebikdet. Die Epidermis beider Blattseiten ist bei
der Droge ungefahr gleich gestaltet, wahrend bei der Varietat die
Zellen der oberen Epidermis grijfier und ihre AuBenwande stark verdickt sind. Oxalatdrusen im Mesophyll und Parenchym der Blattncrven sind fur dic Droge charaktcristisch, ebenso der Kristallrcichtum in dcm hautigen Arillus der Samen.
Eine Drogenjaininlung
atis
Bolivia
359
I h Habitus der Pflmze 1st aus dern Drogenmateriaf gut zu ersehen. Die
bis zu 30 cm groD werdende Staude ist sehr stark verzweigt und in ihrem
unteren Teil verholzt. Die Blatter sind wechselstandig und an den SproDenden haufig zu kleinen Blattbuscheln vereinigt. In ihren Achseln befinden
sich iiber die Pflanze gleichmaBig verteilt die kurz gestielten I%nelbliiten.
Der Blattrand ist stark fiederschnittig gespalten. Kleinere Nebenblatter sind
bisweilen vorhanden.
Das Anwendungsgcbiet der ,,Hierba de la Orcado" eiitspricht
ganz dem von Turnera diffusa var. aphrodisiaca bei Erkrankungen
des Urogenitaltraktus. Nicht bekannt zu sein schcint den lndianern
ihre Verwendung als Aphrodisiakum, als das es in der Literatur teilweise geriihmt wird. Der stark harntreibenden Wirkung des Krautes
ist wohl seine Verwendung als Heilmitte! gegen Gonorrhoe und HarnIciden zuzuschreiben.
Q u i s h u a r ti.
Buddleia ignea K r a n z 1.
Familie und Gattung der Drogenpflanze waren an den reichlich
vorhandenen Bliiten ieicht zu erkennen; jcdoch befanden sich diese
in einem noch zu jugendlichen Zustande, als daij sie mit Sicherheit
auch zur Bestimmung der A r t hatten fiihren konncn. Durch Heranziehung von Herbarexemplaren lieij sich dann die Buddleia ignea
K r a n z 1. (Loganiaceen) als Stammpflanze der ,,Quishuara" ermitteln.
Da die Droge in Bolivia allgemein bekannt und bei Harnleiden
als Heilmittel geschatzt ist, glaubte ich in ihr ein geeignetes Objekt
fur die chemische Untersuchung sehen zu diirfen. Die hierfiir in
La Paz angekauften groijeren Drogenmengen waren jedoch nicht mit
dem Material aus der T r o 11 schen Sammlung identisch.
Die Bestimmung dieser Buddleia-Art gelang durch Vergleich
ihrer vegetativen Organe mit reichlich vorhandenem Herbarmaterial.
Nervatur und Behaarung sind bei den Rlattern der untersuchten
Droge so charakteristisch, dai3 aus der groI3en Zahl der BuddleiaArten nur Buddleia coriacea K r a n z 1. und Buddleia ledifolia
K r a n z 1. in den engeren Vergleichsbereich einbezogen werden
konnten. Die anatomische Untersuchung hat ergeben, dai3 einmal
diese beiden Arten unter sich gleich sind, daR aber auch das Drogenmaterial mit ihnen restlos iibereinstimmt. In morphologischer Hinsicht waren keine Unterschie'de festzustellen. Beide Arten konnen
danach als Stammpflanzen dieser Quishuara-Droge gelten.
Wahrend die Buddleia coriacea allgemein im Hochland Bolivias verbreitet
ist, wurde die B. ledifolia von Th. H e r z o g nur an den Bergen um den
Titicaca-See gefunden. Es fallen also beide Arten sehr wohl in das Gebiet,
in der die ,,Quishuara" Verwendung findet. Es ddrfte auch einer genaueren
Artbezeichnung kein allzu groaer Wert beizumessen sein, da sich die Indianer
nicht auf eine einzige, ganz bestimmte Buddleia-Art in der arzneilichen Verwendung beschranken, sondern sich, \vie die Verschiedenheit der beiden
Ihogensorten aus Bolivia 7eigt, mehrere einander ahnliche Vertreter der
Gattung nutzbar machen.
Das Blatt der B. ignea ist bifazial gebaut. Die Oberseite wird
begrenzt durch cine Epidermis, deren Zellen sich durch eine auf3ertrrdcnt!ich kraftige Aufknwand auszeichnen. Die Blattuntcrseite ist
360
Lothar Koch
mit eineni dichten 'Haarkleid versehen. Die einzelnen Haare sind
sehr groi5e, reich verzweigte Etagenhaare und erreichen eine Lange
von 0.5 mm. Sowohl auf der Unterseite als auch der sonst vollstandig
kahlen Hlattoberseite steben kleine kopfige Driisenhlrchen in g r o k r
Menge.
Das Blatt von B. coriacea (resp. ledifolia) ist in seinem anatomischen Aufbau von dem der Buddleia ignea sehr verschieden. Das
Zellgefiige ist viel dichter und gibt dem Blatt schon dadurch ein
viel derberes Aussehen. Die Epidermis der Osberseite ist ebenfalls
sehr kraftig ausgebildet. Das Haarklcid der Blattunterseite ist sehr
viel dichter als das von B. ignea; die einzelnen Etagenhaare sind
jedoch bcdeutend kiirzer. Der Hauptunterschied zwischen beiden
Blattarten liegt darin, daB B. coriacea (resp. ledifolia) keine Driisenharchen besitzt. Auch die Stengelorgane sind frei von diesen.
D i e c h e m i s c h e U n t e r s u c h u n g.
Untersucht wurden SproDstiicke und Blltter der Buddleia coriacea
(resp. ledifolia). Das Wasserdampfdestillat besaB den iiberaus
scharfen, die Schleimhaute stark reizenden Geruch der Droge. Nach
der Verseifung des Destillates mit "1% alkoholischer Kalilauge wurde
angesauert und mit Ather ausgesohiittelt. Nach dem Abdunstenlassen der atherischen Ausschiittelungen hinterblieb ein amorpher
Riickstand, der diesen scharfen Geruch in sehr reiner und konzentrierter Form aufwies. Aus dem Wasserdampfdestillat konnte der
Stoff (Ester) mit Petrolather leicht ausgeschuttelt werden.
Die Prufung des sauer reagierenden Wasserdampfdestillates auf
basische Stoffe, Sauren, Phenole, Ketone, Aldehyde usw. verlief
negativ.
Aus dem Petrolatherextrakt wurde ein der Konsistenz nach
wachsartiges Fett isoliert, dem die Chlorophyllbestandteile mit einfachen Mitteln nicht zu entziehen waren. Es besan braungriine Farbe
und lieD sich zu Faden ausziehen. Leicht lodich war es nur in
Chloroform.
Verseifungszahl: 154.05. Sauregrad: 5051, Jodzahl: 37.52 (nach K a u f
-
m a n n).
D a s Unverseifbare wurde zur qualitativen Untersuchung mit
Essigsaureanhydrid zwei Stunden lang erhitzt und von ungelost gebliebenen, schmierigen Massen abfiltriert. B'eim Erkalten des Filtrates
schieden sich Kohlenwasserstoffe und Sterinazetate aus. Beide wurden von heii3em Alkohol vollstandig gelost. Die Sterinazetate fielen
beim Erkalten aus und konnten nach L i e b e r m a n n und S a l k o w s k i identifiziert werden. Durch Zusatz von kaltem Wasser zu
dem klaren alkoholischen Filtrat wurden aui3erdem weiI3e Flocken zur
Abscheidung gebracht, die sich als feine Kristallchen am Gefanboden
sammelten. Nach wiederholtem Umkristallisieren und Auswaschen
Init Wasser lienen sie sich als Wachsalkohole erkennen.
Der Nachweis von Glukosiden und Alkaloiden verlief im Petrolatherauszug negativ.
Der schwach weinsaure, weingeistige Auszug wurde nach dem
S t a s - 0 t t o schen Verfahren untersucht. Alkaloide konnten in der
Eine Drogensammlung aus Bolivia
36 1
ammoniakalischen Chloroformausschiittelung nacbgewiesen werden
(mit Phosphormolybdansaure, Phosphorwoiframsaure, Goldchlorid,
Jod-J'odkalium, Kaliumquecksilberjodid usw.). & war bei dem wenigen
zur Verfiigung stehenden Material nicht moglich, das Rohalkaloid in
griifieren Mengen zu erhalten.
Fur die ,,Quishuara" sind also folgende Inhaltsstoffe ermittelt
worden:
1. Ester mit dem fur Buddleia charakteristischen Geruch (aus dem
Wasser damp€destilla t).
2. Fett, in Chloroform loslich.
3. Sterine
4. W a c h s a h h o l e
Unverseif
aus dern
bar en.
5. Alkaloide.
1
M a r t i n - M u ii 0.
Micromeria boliviana B e n t h.
Die Bestimmung der Stammpflanze als Micromeria boliviana
konnte rasch und sicher erfolgen. D a jedoch die Drogenpflanze eine
ganz geringe Abweichung in Bau und GroBe der Blatter vom Typus
der Micromeria boliviana Benth. aufweist, sei eine Bemerkung
W e d d e 1s *) aus der ,,Chloris andina" wiedergegeben:
,,Micromeria boliviana B e n t h. scheint mir eine der interessantesten
Pflanzen der andinen Flora des Hochlandes von Peru zu sein. Ich kenne keine,
die fur die Vegetation der hoheren alpinen Region, zu welcher sie ausschlieI3lich gehort, charakteristischer ware. Ich habe im Siiden Boliviens, an dem
Gebirgszug, der Tarija vom Gran Chaco trennt, eine ihr verwandte Art gefunden, vielleicht eine Varietat, die jedoch nicht wie jene in die alpine Region
hinavfzusteigen scheint. Sie unterscheidet sich durch die im allgemeinen
grofieren und langer gestielten Blatter, deren grofiter Teil deutlich, wenn auch
unregeLnaBig gezahnt ist. Der Habitus dieser Pflame ist genau der von
Micromeria boliviana, allein ihre Zweige sind ganzlich unbehaart, auBer in
der Hohe der Blattinsertion, wo das Stuck zwischen den beiden (gegenstandigen) Blattern stark borstig behaart ist."
Die Droge gleicht fast vollstandig dieser hier beschriebenen
Varietat, nur ihre Stengelinternodien sind nicht ,,ganzlich kahl",
sondern mit einem kaum sichtbaren weiBen Haarflaum bedeckt. Die
Blattgrofie schwankt zwischen 0.6 und 1.2 mm Lange.
Der Typus von Micromeria bolivinna B e n t h. ist beschrieben mit ,,foliis
(vulgo 5 bis 8 mm longis) oblongis vel obovato-oblongis, obtusis, basi angustatis, subsessilibus, integris vel ob:olete denticulatis, planis, margine praesertim scabriusculis, concoloribus . . . Diesem Typus gegeniiber besitzt die
Drogenpflanze deutlich gastielte Blatter, worauf in der Aufstellung einer
Varietat ,,angustifolia" Riicksicht genommen worden ist. Dort lautet die
Bewhreibung der Blatter: ,,foliis (paullo majoribus quam in typo) oblongolanceolatis, obtusis, acutiusculisve breviter petiolatis."
Als Stammpflanze unserer Droge hatte demnach zu gelten:
Micromeria boliviana B e n t h. v a r. angustifolia W e d d., unter Berucksichtigung d er oben angefuhrten Bemerkung W e d d e 1 s.
6)
H. A. W e d d e 1 , Chloris andina, Paris 1855.
Arehir und Berichte 1936
SI
362
Loth.ar Koch
Auch in anatomischer Hinsicht besteht ein Unterschied zwisohen
dem Typus M. boliviana und der Droge. Das von Otto B u c h t i e n
in 3900 m Hohe in Bolivia gesammelte Material der M. boliviana
B e n t h. (im Herbarium Miinchen unter Nr. 438) ist viel reicher an
athcrischem 01. Geruch und Geschmack desselben erinnern sehr
an den von Menthol, wahrend das atherische 0 1 der Droge viel
milder riecht. Die Schusseldriisen, die sich auf3er am Blatt auch noch
am Stengel und den Bliiten finden, sind viel zahlreicher als bei der
Droge.
Den Hauptbestandteil der Droge bilden die von den dunnen Astchen
abgestreiften Blatter, einige Bluten und Bruchstucke der Stengelorgane. Die Pflanze gehort zu den von den ,,Callavayas" benutzten
Heilkrautern.
Der anatomische Bau des Sprosses entspricht dem eines normalen
Labiatenstengels. Neben wenigen einzelligen, stiftformilgen Deckhaaren finden sich reichlich Schiisseldriisen.
Am Blatt sind 'die Schusseldriisen tief in das Gewebe eingesenkt.
Neben ihnen stehen, besonders auf der Unterseite, einfache Kopfchendrusen. Kleine Stiftharchen bedecken beide BIattseiten in
gleichem MaDe. Im ubrigen ist das Blatt bifazial gebaut, wobei sich
Schwammparenchym und Palisaden genau in die Blattdicke teilen.
Die Palisaden bestehen aus einer einzigen Schicht, allerdings sehr
Ianger Zellen. Auffallend ist die groi3e Menge ausgeschiedenen oxalsauren Kalkes, der sich in jeder Epidermiszelle sowohl der Blattoberwie -unterseite befindet.
H o j a s de F a r c o .
Jacaranda brasiliana P e r s.
Der aus dem Drogenmaterial deutlich erkennbare baumartige
Wuchs der Drogenpflanze und die grofien, doppelt gefiederten Blatter
fiihrten, wie auch die Analyse der groi3en glockenformigen Bliiten,
zur Familie der Bignoniaceen. Fur die Ermittelung der Art kamen
Jacaranda acutifolia H. B. und Jacaranda brasiliana Lam., Pers. in
Frage. Beide Arten unterscheiden sich in ihren vegetativen Teilen
durch die Behaarung der Blatter, und zwar sol1 J. acutifolia voillkommen kahle Fiederblattohen besitzan, wahrend die von J. brasiliana
behaart sind. Da die Fiederblattchen des Drogenmaterials einen
schwachen Haarflaum aufwiesen, konnte wohl J. brasiliana Pers. fur
die Stammpflanze angesehen werden. Jedoch schaltete erst der exakte
Vergleich des Drogenmaterials mit den beiden genannten Arten im
Munchener Staatsherbarium die J. acutifolia aus. Jacaranda brasiliana ist ein Baum des tropischen Siidamerika, dessen Verbreitungsgebiet von den1 Tiefland Westbrasiliens bis an die Kordillerenkctte
heranreicht.
lnteressant sind einige Bemerkungen in der Literatur uber die medizinische
Anwendung beider Jacaranda-Arten. Die J. acutifolia ist in Peru unter dem
N a m m ,,Paravisco" als geschatztes Mittel geg,en Syphilis und Erkrankungen
der Harnwege bekannt. Die Indikation der vorliegenden Indianerdroge lautet auf
BIasenleiden, so daR an die Identitat beider Pflanzen gedacht werden konnte.
J. brasiliana gilt nach R o s e n t h a 1 e r mit ihren Friichten als schleimlosend
363
Eine Drogenaammlung aus Bolivia
bei Brustkrankheiten und zu Mus gekocht als magenstarkendes Mittel. Das
Mark der unreifen Friichte sol1 obendrein als Seife dienen. Das Nolz des
Baumes wirkt kraftig schweistreibend.
Ein gutes Charakteristikum der Droge bildet die Form ihrer
Zweige. Die dekussierte Blattstellung bringt es rnit sich, daf3 die
Flachen der an den Blattinsertionen breitgedriickten Internodien jeweils senkrecht zueinander stehen. Die Zweige zweiter und dritter
Ordnung entspringen stets an der Schmalseite des Mutterzweiges.
Die Sprofistucke stehen noch im Zusammenhang mit dem Gerippe
der Blatter und sind dicht bedeckt mit den Narben der in den
Vorjahren abgeworfenen Blatter. Die Fiederblattchen fallen im
trockenen Zustande leicht von ihren Blattspindeln ab und finden sich
ebenso wie die zarten Bliiten im Drogenmaterial verstreut. Sie sind
kaum behaart, sitzen der Blattspindel unmittelbar auf und haben
cine breitelliptische Form: 0.5 cm zu 0.3 cm. Ihr Mittelnerv tritt mit
seiner braunroten Farbe deutlich hervor. Neben stiftformigen Deckhaaren sind ganz vereinzelt Drusenharchen in der Epidermis der
Blattoberseite inseriert. Im iibrigen zeigt das Blatt einen normalen
bifazialen Bau. Einschliisse irgendwelcher A r t sind nicht vorhanden.
Der anatomische Aufbau des Internodiums bietet ainige interessante
Einzelheiten. Als AbschluB nach auBen hin dient eine Epidermis mit kurzen
Stiftharchen, der sich ein kollenehymatisches Rindznparenchym anschliest.
Dieses verliert nach dem Zentralzylinder zu allmahlich seine Eckenverdickung
und schlieDt ab mit einem unterbrochenen Band von Sklerenchymfasergruppen, die von einem Mantel von Kristallkammerfasern umgeben werden.
Die einzelne Sklerenchymfaser besitzt sehr knorrige Struktur. Durch eine
schmale Zone parenchymatischen Gewebes ist von diesem Hartbast eine
zweite Sklerenchymfasergruppe getrennt, deren Zellen jedoch kleiner sind
und dichter aneinander liegen. Auch dieser Hartbast ist an manchen Stellen
von Kristallkammerfasern bcgleitet.
Poposa.
Werneria Lorentziana H i e r.
Polsterwuchs der Drogenpflanze, verbunden mit ausgepriigter
Mikrophyllie, dichte Behaarung und der groi3e Reichtum an atherischem 01 fuhrten zu der Kompositengattung Werneria. Da Bliitenorgane dem Drogenmaterial fehlten, war die Bestimmung der A rt
als Werneria Lorentzana H i e r . nur auf anatomischem Wege moglich. Diese Werneria-Art bewohnt, wie viele andere dieser Gattung,
die Ziige der Anden ,in einer Hohe von 4000 bis 4500 m in Peru,
Bolivia und Argentinien.
Die dicht gedrangt stehenden, nadelformigen Blatter sind ungefahr
7 mm lang und von eincm dicken'Haarfilz bedeckt, der besonders an der
Innenseite der Blattscheide stark hervortritt. Die Haare bestehen aus
p!asmareichcnFuf3zellen, denen eine fadenformigeEndzelle ohne Lumen
aufsitzt. Die AuDenwand der Epidermis ist sehr verdickt und er~ ~ innere Epidermiswand eine solche von
reicht eine Breite von 1 2 , die
3 , ~ .Das Mesophyll des iiquifazial gebauten Blattes besteht aus
mehreren Palisadenschichten. die bis zu dem grofien Ulbehalter hinreichen. Auch noch beim trockenen Drogenmaterial ergiefit sich aus
ihm das in groPer Plcngc. vorhnndene Exkrct, \Venn dem Blatt eine
24.
364
Lothar Koch
Verwundung beigebracht wird. Im frischen Zustand uberzieht sich
nach den Angaben E s p i n o s a s ') das ganze Btatt mit harzigem 01.
Das Exkret findet sich aui3erdem in zahlreichen, sehr weiten Gangzn,
die im Rindengewebe des Stengels der Endodermis unmittelbar anliegen. Die Leitbundel sind nicht zu einem einheitlichen Zentralstrang
verwachsen, sondern werden durch breite Markstrahlen und parenchymatisches Gewebe voneinander getrennt. An manchen Stellen
kann man die Neubildung kleiner Leitbundel durch das Interfaszikularkambium erkennen. Die GefaBe bestehen aus schmalen
Tracheiden, dte von reichlichem Prosenchym begleitet werden. Nach
aufien hin wird der SproB abgeschlossen durch ein korkartiges Gewebe. Im Gegensatz zu den Blattern ist die SproBachse nicht behaart.
Ihre Verwendung aIs Heilmittel ,be$ Leibweh und Durchfall verdankt die Pflanze zweifellos dem Exkretgehalt.
Die chemische Untersuchung.
Das Wasserdampfdestillat lieferte ein schon goldgelbes, atherisches 01. In ihm haben wir den Trager des aui3erordentlich
kriiftigen Geruches, der die ,,Poposa" kennzeichnet.
Die Ausbeute an reinem 01, das sich mit Petrolather leicht a m dem
Wasserdampfdestillat ausschutteln lie& war sehr klein, so da13 die Ermittelung chemischer oder physikalischer Konstanten nicht vorgenommen werden
konnte.
Der Fetrolatherauszug der Droge ergab ein stark duftendes fettes
01, das sich beim Stehen an der Luft sofort mit einem dunnen Hautchen uberzog und allmlihlich zu einer ganz weichen, schmalzigcn
Masse erstarrte. Beim Versetzen mit kaltem Petrolather wurde voriibergehend eine feine, gelbgrune Ausscheidung hervorgerufen. Das
braungrune Fett ist in kaltem Alkohol fast nicht, in siedendern
Alkohol vollstandig loslich. Kalter Petrolather lost es nur zum Teil.
Von seinem aroniatischen Geruch laBt sich das Fett durch Wasserdampfdestillation vollstandig befreien.
Die Konstnnten fiir das reine geruchlose Fett sind:
Verseifungszahl: 72.95 (D.A.B. 6),
Jodzahl: 95.89 (nach K a u f m a n n),
Sauregrad: 89.50 (D.A.B. 6).
Zur Charakterisierung der Bestandteile des Unverseifbaren wurdc
zwei Stunden lang mit Essigsaureanhydrid erhitzt, um die Alkohole
zu vepestern. Wahrend der Erhitzung trat vollig Mare Losung ein,
wonach sich beim Erkalten die Ester wieder ausschieden. Die Sterine
konnten aus ihrer heiBen alkoholischen Losung beim Erkalten in
reichen Mengen kristallin zur Ausscheidung gebracht und nach
L i e b e r m a n n und S a l k o w s k i nachgewiesen werden. Bei
Wasserzusatz zur kalten alkoholischen Losung fielen w e i h kristalline
Massen (Wachsalkohole?) aus.
Der alkoholische Drogenauszug wurde nach der S t a s - 0 t t o schen Methode gepruft auf Alkaloide, Ghkoside sowie Kohlenhydrate
7)
Engl. Bot. Jahrb. Bd. 65.
Eine Drogenlsammlung aus Bolivia
365
und Bitterstofie, jedoch konnten diese Stoffe nicht nachgewiesen
werden.
Es wurde somit erhalten:
1. Atherisches U1,
2. ein Fett von weicher Konsistenz,
3. Sterine und Wachsalkohole aus dem Unrerseifbaren.
Huricoa u n d Coba.
Diplostephium spec.
Die Drogenpflanze stimmt vollkommen uberein mit ciner von
E. W e r d e r m a n n in der nordchilenischen Provinz Tarapaca, Dep.
Tarapaca, Cord. Co. Japu, in einer Hohe von 4400 m gefundenen
Diplostephium-Art, Compos. (E. W e r d e r m a n n Nr. 1087). Nach
Prof. M a t t f e 1 d , Berlin, ahnelt diese A r t dem aus Nordchile angegebenen Diplostephium lavandulaefolium RBK. D a jedoch weder das
Berliner noch das Miinchener Staatsherbarium sicheres Material
aus Chile besitzen, kann die Frage zur Zeit noch nicht entschieden
werden. Mit dem Material des Diplostephium lavandulaefolium aus
Ecuador stimmt W e r d e r m a n n 1087 nicht ganz uberein.
Soviel man aus dem Material des Munchener Staatsherbariuins
crsehen kann, bildet die Pflanze einen mindestens ‘12 m hohen
Strauch, dessen samtliche Vegetationsorgane - auch die unteren bis
zu 0.5 cm breiten, holzigen Sprosse - mit einem dichten weifien Filz
besetzt sind. Der Strauch hat im allgemeinen aufrechten Wuchs
und ist in seinen unteren Teilen sparlich, oben dagegen sehr dicht
verzweigt. Die Seitensprosse entspringen unregelmafiiig rings am
Hauptstamm. Die Blatter sind von fast nadelformiger Gesalt, 1 cm
Iang und 0.1 cm breit und ahnlich wie die Folia Rosmarini eingerollt. Ihre ganz unregelmafiige und aufierordentlich dichte Insertion
bewirkt, dafi sich die Blatter gegenseitig vollstandig oder zu einem
gewissen Teil decken. Sie sind vor allem auf der Unterseite mit einem
dichten Haarfilz iiberzogen. Der Hauptsprofi geht nicht bis zur
Spitze durch, sondern teilt sich in kleinere Sekundarsprosse auf.
Die Blutenkorbchen sitzen jeweils einzeln am Ende eines solchen
Nebensprosses (s. Abb. 8). Leider ist sowohl das Drogen- wie das
Herbarmaterial in einem schon vorgeruckten Entwicklungsstadium
gesammelt worden, so dal3 die einzelnen Bliiten nicht mehr vollkommen erhalten sind. Der Bliitenboden des Korbchens ist etwas
gewolbt. Das Korbchen selbst wird umgeben von mehreren (bis
vier) Reihen Hullblattern, deren innere sehr lang (0.8 cm), die aufieren
bedeutend kiirzer (0.3 cm) sind. Im trockenen Zustand sind sie sehr
bruchig. W e aus einigen Bruchstiicken zu ersehen ist, sind neben
rohrenformigen Scheibenbliiten auch randstandige Zungenbluten vorhanden. Soweit das getrocknete Material die Beurteilung der Farbe
erlaubt, sind die Bliitenrohren gelb, die Pappusborsten blafiviolett.
Die Droge gelangt in Bolivia unter verschiedener Bezeichnung
auf den Markt. Das in Sucre erworbene Material fuhrt d e n Namen
366
Lothar Koch
,,Huricoa", das auf dem Markt von Atocha feilgebotene den Namen
,,Coba". Die Verwendung der als ,,Coba" bezeichneten Droge ist cine
auijerliche. Wegen ihres eigenartigen aromatischen Geruchcs (charakteristisch fur v id e PfIanzen aus der ,,Tola" 'Heide) benutzt man
sic zur Einriiucherung von Hausern und Fcldern. Die Pflanze gelangt
in stark zerkiiicktem Zustand. in Form fest zusammengepackter
Biindel zum Verkauf. Auf!cr den Wurzeln enthalt die Droge samtliche
Organe der Pflanze.
A m Stengel lauft fast jede Epidermiszelle aus in ein etwa 1 cni
langcs Peitschenhaar, das sich aus ein oder zwei Basalzellen und der
langen, spitzen Endzelle zusammensetzt. Im Rindenparenchym, meist
unrnittelbar an der Endodermis, befinden sich groBe schizogene 01gange, in die atherisches Ul in reicher Menge ausgeschieden ist.
Kalziumoxalat wird, wenn auch sehr sparlich, in Form von Drusen
im Perizykel und Rindenparenchym abgelagert.
A m Blatt sind oberc und untcre Epidermis verschiedenartig
ausgebildet. Durch die Einrollung des Blattes ist die untere Epidermis ihrer Funktion als Schutzgewebe enthoben; such ist der
Haarfilz hier vie1 dichter als auf der Oberseite. Dic obcre Epidermis
besitzt auaerordentlich stark verdickte Zellwande, von denen
die a d e r e n im Durchschnitt 0.013 mm erreichen und auRerdem noch
von einer sehr kraftigen Kutikula bedeckt werden. Die Palisaden sind
in drei parallelen Reihen angeordnet. Die Lange der einzelnen Zellen
nimmt von der aul3eren nach der inneren Zellreihe hin ab. Im Rlattnerv verlauft ein schizogener Eskretgang an der AuDenseite des
Phloems. Driisenharchen sind auf der Ober- und Unterseite des
Blattes gleichmaaig verteilt und zeigen den fur Kompositen eigentiimlichen Bau. Auf der Oberseite sind sie in die Epidermis eingesenkt.
E s c o z o n e r a.
Perezia bidentata M e y.
Durch morphologischen und anatomischen Vergleich der Vegetationsorgane gelang es, die Ubereinstimmung der Drogenpflanze mit
Perezia bidcntata M e y. nachzuweisen. Nur durch ihren schlankeren
Wuchs unterscheidet sich von dieser A r t die Perezia multiflora
L e s s., die im Herbarmaterial eine Hohc von 40 cm aufweist.
Die Perezia-Arten gehoren der Region des andinen Hochlandes an und
zeigen ihrem Standorte entsprechend mehr oder weniger gedrungenen Wuchs
Bei unserer Drogcnpflanze sitzen die Blatter dem Wurzelstock
unmittelbar auf und fiigen sich zu einer dichten Rosette zusammcn.
Sie sind 5 bis 7 cm lang und 1 bis 1,5 cm breit. Die Spreite ist bis
zum Mittelnerv tief eingeschnitten und lauft an ihrem Rande zu
vielen scharfen dornchenartigen Spitzen aus. Dem xerophytischen
Charakter der Pflanzc entsprechend, ist die Epidermis beider Blattseiten sehr stark ausgebildet. Die AuBenwand der einzelnen Zellen
erreicht eine Breite von 16p, die Kutikula eine solche von 2 bis 3 p .
Das Blatt ist bifazial gebaut, das Patisadengewebe ein bis zwei ZelIschichten dick. Vor allem an der Blattunterseite fallen die riesigen
Eine Drogensammlung aus Bolivia
367
Interzellularen des Schwammgcwebes auf. Deckhaare fehlen vollstandig, dagegen sind Drusenhaare in groDer Mange vorhanden.
Die Verwendung der Droge ist recht eigenartig. Durch Trinken
ihres Teeaufgusses sol1 bei Geburten ,,das bose Blut besser abgefiihrt" werden konnen.
Dic chemische Untersuchung.
Die Perezia-Arten sind als Arzneidrogen nicht unbekannt. Im Bull. de la
SOC. royale de Pharm. Brux, 1899 ist von einer mexikanischen Perezia, der
Perezia adnata, die Rede, deren Wurzel als Purgativum Verwendung findet.
Dem gleichen Anwendungsgebiet fallen die Wurzeln von P. rigida, P. nana,
P. Dougetti, P. Wrightii und P. hebeclada anheim, die als Drogen den
Namen ,,Pipitzahoak' fiihren. Das wirksame Prinzip dieser Droge ist die von
R i o d e 1 a L o z a im Wvrzelstock aufgefundene Pipitjahoinsaure. Sie verhalt sich nach den Untersuchungen von M y 1 i u s wie ein Chinon, weshalb
er ihr den Namen ,,Perigon" gibt. Die Saure bildet rosafarbene, scharf
schmeckende, fast geruchlose Nadeln, welche bei 700 schmelzen. Die Pipitjahoinsaure wird durch trockene Destillation der Wurzeln oder besser durch
Ausziehen derselben mit Alkohol erhalten. Ihr wird die Summenformel
CsoHzoOBgegeben. Die kristalline Saure ist in ihrem chemischen Verhalten
genauestens untersuchts). Das Pulver von P. adnata wird in Dosen von 4 g
als Purgans bei Hamorrhoidalleiden gegeban. Es erhoht die Peristaltik. Die
,,Radix Pereziae" wird als ,,Remedio di purga" oder mit dem anderen einheimischen Namen als ,,Raiz del Pipitzahoak" bezeichnet.
Im Wasserdampf destillat der Perezia-Droge waren basische Stoffe
nicht nachweisbar. Esterartige Verbindungen wurden durch Verseifung mit "/2 weingeistiger Kalilauge festgestellt.
Der neutrale wasserige Auszug gab stark positive Reaktionen mit
Eisenchlorid, Bleiazetat, Bleiessig und Fehlingscher Losung; der
saure wasserige Auszug mit Mayers Reagens einen grauen Niederschlag.
Der schwach weinsaure Alkoholauszug ergab bei der Aufarbeitung nach S t a s - 0 t t o : Kohlenhydrate in der sauren Atherausschuttelung; ferner Alkaloide in der natronalkalischen Xtherausschuttelung und als nicht ausschuttelbare quartare Ammoniumbasen. In beiden Fallen waren die Alkaloide wegen der geringen
Menge nicht kristallin zu erhalten.
Fur die Durchfuhrung der Bleifallungsmethode wurde das Blattpulver durch Extraktion mit Petrolather vorerst von Fetten und ahnlichen Stoffen befreit. Aus der klaren Abkochung wurde mit Bleiazetatlosung ein feiner, grungrauer Niederschlag, aus dessen Filtrat
mit Bleiessig ein leuchtend orangegelber Niederschlag erhalten. Das
Filtrat vom Bleiessigniederschlag ergab weiter rnit Ammoniak einen
sehr reichen weii3en Niederschlag, der wegen seiner Feinheit nur
durch allmahliches Absetzenlassan gewonnen werden konnte.
A u s dem Bleiazetatniederschlag wurde durch langeres Erwarmen
mit 20%igem Weingeist eine Substanz erhalten, die sich nach der
Entfernung des Bleis aus essigsaurer Losung in Form feiner, griiner
Kristalle ausschied.
8)
Liebigs Ann. Chem. 95, 188.
368
Lothar Koch
Der in gleicher Weise behandelte Bkiessigniederschlag lieferte
ebenfalls eine Substanz, die in kleinen, glanzenden, kristallinen
Schuppen von hellbrauner Farbe zuriickblieb.
Der mit Alkohol ausgezogene Bleiazetatniederschlag war fast
vollstandig in 10%iger EssigsPure loslich, hinterliel3 jedoch nach der
Entfernung des Bleis nur eine braune, amorphe und hygroskopische
Masse.
Weiter wurde der mit Alkohol ausgezogene BIeiessigniederschlag
in Wasser suspendiert und mit Kohlendioxyd behandelt, um die
wasserloslichen Kohlenhydrate abzuspalten. Das klare Filtrat wurde
entbleit und zum Abdunsten beiseite gestellt. Die allmahlich sich
ausscheidende braune Kristallmasse wurde mit Alkohol angerieben
und die alkoholische Suspension schwach erwarmt. Von d'em ungelost
Gebliebenen wurde abfiltriert und die klare Losung langsam abgedunstet. Es schieden sich groae, hellgelbe Schuppen kristallin aus.
Die durch das Behandeln mit Alkohol ungelost gebliebenen Anteile wurden nunmehr mit Wasser angerieben und in dieser wasserigen Suspension stark erhitzt. Es blieb auch hier ein kristallincr
unloslicher Ruckstand. Die wasserige Losung ergab nach sehr vorsichtigem Eindunsten eine Masse sehr feiner, hellbrauner K,ristalle.
Eine Aufarbeitung weiterer fiinf, im Laufe der Bleifallungsmethode erhaltener Bleisulfidniederschlage wurde nicht vorgenommen, da ihre geringen
Mengen von vornherein jeglichen Nutzen ausschlossen. Die auf dem Wege
der Bleifallung gewonnenen kristallinen Substanzen konnten keiner naheren
Untersuchung zugefuhrt werden, da sie sich aus dem nur in sehr bescheidenen
Mengen (300.0) zur Verfiigung stehenden Droganmaterial nur in ganz kleinen
Mengen rein erhalten lieBen.
Schleim, reduzierende Stoffe wie Kohlenhydrate (keine Glukoside), Ester, Laktone, freie Sauren sowie Alkaloide in Spuren und
Bitterstoffe haben als Rohbestandteile der Perezia-Blatter zu gelten.
AuBer den hier besprochenen Drogen wurden noch folgende
untersucht und beschrieben:
Sami-Sami
Raiz d e Frutilla
Hojas d e Llave
Lluta-Lluta
Huallu
Reloj-Reloj
Huiru-Huiru
Choqueganglia
Quimzacuchu
Llullucha
Liquen
Hojas de Arayaa
Cabello de Choclo
Flor de Naranja
Chinchilcoma
Ephedra americana
Fragaria s ec.
Phrygilantius eugenioides
Alternanthera pungens
Psoralea glandulosa
Erodium moschatum
Achyrocline satureoides
Strongyloma axillare
Cyperus vegetus
Nostoc-Algen
Ramalina Eckloni
Eugenia spec.
Zea Mays
Citrus spec.
Mutisia viciaefolia
Eine DrogensammIung aus Bolivia
369
Friichte und Samen von
Jessenia spec.
Margarita
Guillelma speciosa
Calamargarita
Prosopis strombulifera
Yungachunchu
Sapindus saponaria
Y ungacabeza
Ormosia spec.
Ayrampu
Chunchu Mostaza
Bocconia arborea
Bixa orellana
Achiote
Ormosia spec.
Huairuru
Bauhinia spec.
Chipi
Mucuma spec.
Avilla
Myroxylon peruiferura
Quina-Quina
Caesalpinia tinctoria
Tara
Siliquihua
Bidens exigua.
Es sei noch erwahnt, da8 die Indianer auBer diesen einheimischen
Pflanzen auch Drogen fremder Lander in ihren Arzneischatz aufgenommen haben und auf den Markten unter einheimischer Bezeichnung verkaufen. So unter anderen: Cort. Chinae, Rhiz. Iridis und
Curcumae, Flor, Lavandulae, Fol. Rosmarini, Sem. Amygdali, Sinapis,
Cacao, Lycopodium, Tamarinden USW.
Ein vollstandiges Verzeichnis der Drogen mit hngabe ihrer Stammpflanzen und Heilanzeigen Iiegt der T r o 1 1 schen Sammlung im Museum
fur Landerkunde in Leipzig bei.
699. Benno Reichert:
tfber die katalytische Reduktion der asMethyrather von
a.Arylap.nitroPathanolen.
(Aus dem Pharmazeutischen Jnstitut der Universitat Berlin.)
Eingegangen am 21. April 1936.
Fur die Synthese des gegenwirtig in der Therapie vielfach verwendeten Opiumalkaloids Papaverin und seiner Abkommlinge werden,
wenn man den von C. M a n n i c h und 0. W a 1 t h e r I) angegebenen
Weg einschlagt, Atherbasen vom Typus I benotigt.
OCH,
I
Ar. CH-CHa. NH2
Zur Darstellung solcher Aminoather geht man zweckmakig von
w-Nitrostyrolen aus, welche nach Befunden von R o s e n m u n d 2,
1) Arch. Pharmaz. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 26J, 1 (19.27); vgl. aucb
C. M a n n i c h und M. F a 1 b e r , ebenda 267, 601 (1929).
2) Ber. Dtsch. Chem. Ges. 46, 1034 (1913).
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
3
Размер файла
1 825 Кб
Теги
systematischen, aus, drogensammlung, anatomists, eine, chemische, bearbeitet, bolivian, und
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа