close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Gasschutz und Luftschutz der Zivilbevlkerung.

код для вставкиСкачать
232
Neuere Forschungsergebnisse.
34. K. Gemeinhardt:
Gasschutz und Luftschutz der Zivilbevolkerung.
(Vorgetragcn in der Sitzung dcr Deutschen Pharmazeutischen Gesellschilft
zu Berlin am 11. Marz 1932.)
Eingegangen am 11. Marz 1932.
Die Frage des Luftschutzes und Gasschutzes der Zivilbcvolkerung
ist eine fur alle Teile der Bevolkerung so brennende, daR ihre Er:
ortcrung anfangt einen breiten Raum einzunehmen. Sie ist aber
auch eine Frage, die eine groI3e Reihe wissenschaftlicher Probleme
einschliefit, deren Behandlung vielc Vortragsabende zu fiillen imstande
ware. Heute kann meine Aufgabe nur die sein, das Grundsatzliche
uber den Luftschutz der Zivilbevolkerung darzulegen.
Es sol1 meine Aufgabc sein, untcr moglichster Beriicksichtigung
der gegebencn Tatsachen die Fragen der Notwendigkeit und dcr
Moglichkeiten des Schutzes gegen Gas< und Luftangriffe zu erortern
und die einzuschlagenden Wege zu zeigen, die zu einem m 0 g 1 i c h e n
Ziel und Erfolg fuhren konncn.
Wir mussen uns zunachst die Frage vorlegen: 1st die Gefahr
von Luftangriffen iiberhaupt in einem solchen Ma13e vorhanden, da13
an einen weitgehenden Gas: und Luftschutz der Bevolkerung nicht
iiur gedacht, sondern an seine Durchfiihrung auch unverzuglich hers
angetreten werden mu8?
Diese Frage ist durchaus zu bcjahen!
Es ist eine alte Erfahrung, daR jeder Krieg mit seinen Mitteln
der Kricgsfuhrung dort ansctzt, wo der vorhergehende aufgehort
hat. Aus dem Weltkriege wissen wir, daR die Luftangriffe uber die
Kampffront hinaus in das Heimatgebiet von .den Jahren 1914 bis
1918 standig, und zwar in steil ansteigender Kurvc zugenommen
haben. Auch wiihrend des Krieges war jedoch schon zu beobachten,
da13 die Vcrluste an Menschenleben langst nicht in dem MaRe an:
stiegen, wie cs die Kurve fur die Zahl der Luftangriffe und den anr
gerichtcten Sachschaden tat. Zweifcllos eine Folge der getroffenen
Sicherungsmahahmen! Wenn wir uns vor Augen fuhren, in welchem
aufierordentlich grofien MaBe seit dem Kriegsende die Luftwaffe
vervollkommnet wurde, d a8 namentlich die Luftflotten der Lander,
zwischen denen Deutschland liegt, an Umfang und Kapazitat noch
immer standig wciter wachsen und mit ihren Aktionsradien sich in
den uberwiegenden Teilen Deutschlands uberschneiden, so ist es
ohne weitcres klar, d a8 die Gefahr fur Deutschland, das vermoge
seiner Lage als besonders luftempfindlich und luftgcfahrdet anzus
sehen ist, schon jetzt auflerordcntlich groB ist und standig weiter
wachst. Mehr als 8OOO Kriegsflugzeuge stehen Deutschland in den
angrenzenden Landern gegcnuber! Es gibt keinen O r t in Deutschs
land, der schon heute nicht innerhalb von zwei Stunden von feind:
233
Gasschutz und Luftschutz der Zivilbevolkerung
lichen Flugzeugen errcicht werden kann. Dazu kommt, dal3 in
keinem Landc die BevBlkerung so in gronen Wohnzentren massiert
und deshalb mit besondercm Erfolge aus der Luft anzugreifen ist,
wie in Deutschland.
Einc andere Kriegserfahrung ist abcr auch die, d a 8 mit der Ent:
wicklung jeder Waffe die Abwehr dieser Waffe gleichen Schritt zu
halten sucht uiid dalj wirklich durchschlagende Erfolge nur durch
das Moment der Uberraschung erzielt werden konnen. So hat auch
die Luftabwchr wiihrcnd und nach dcm Kriege gro8e Fortschritte
gemacht.
Worin besteht eine aktive Luftabwehr?
1. In dem Aufsuchen und Zerstoren der feindlichen Flughafen und
ihrer Belegschaft durch die eigenen Luftflotten;
2. in der Abwehr der angreifenden Luftstreitkrafte mit eigencn
Flugzeugen im Luftkampf und
3. in artilleristischer Flugabwchr von der Erde aus.
Durch den Ausbau der Luftflotten, die Schaffung von Auf:
klarungsstaff eln, Kampfstaff eln und Bombengeschwadern schafft man
die Vorbedingungen fur die beiden ersten Punkte. Die bedeutend
verbesserte Technik und Treffsicherheit der Flakbatterien burgt fur
eincn besseren Erfolg dieser dritten aktiven AbwehrmaBnahme und
fuhrte zu ihrer Vermehrung und Vervollkommnung! In a 1 1 e n
Landern, mit a 1 1 e i n i g e r Ausnahme von Deutschland!!
Von diesen aktiven Abwehrmahahmen ist durch das Diktat
von Versailles fur Deutschland alles verboten bis auf einigc verr
altete, unbewegliche Flugabwehrgeschutze im Bereich der wenigen
uns geblicbenen Befestigungen, ja selbst die p a s s i v e Luftabwehr,
der ,,Luftschutz" war uns bis zum Jahrc 1926 untersagt, und erst
aus dem Pariser Luftfahrtabkommen vom Mai 1926 leitet sich fur
Deutschland das Recht ab, den passiven und zivilen Luftschutz vorr
zubereiten, zu organisicren und aufzubauen. Nachdem die weitgehen:
den Bemuhungen der internationalen Organisationen des Roten
Kreuzes, im Kricgsfalle ein Hineinziehen der unbeteiligten Bevolker
rung in die Kriegsdrohung ganzlich zu vermeiden, erfolglos gel
blicben waren, hat das Rote Kreuz seinen nationalen Organisationen
im Oktober 1930 empfohlen, nicht nur alle Mathahmen zur passiven
Verteidigung der Zivilbevolkerung zu ergreifen, sondern auch eine
aktive Vcrteidigung der grolkn Bevolkerungszentren als unabweiss
bare Notwendigkeit hingestellt. Daruber sind sich alle Sachverstanr
digen klar, daI3 ein wirksamer Luftschutz niemals durch p a s s i v e
Mafinahmen allein durchfuhrbar ist; diese konnen lediglich einc A b :
s c h w 5 c h u n g der Wirkungen der Luftangriffe erzielcn. Die Or@:
nisation des p a s s i v e n , z i v i l e n L u f t s c h u t z c s hat also das mochte ich besondcrs und mit aller Deutlichkeit hervorheben mit Militarismus, Aufrustung oder gar Kriegsvorbereitung nicht
das geringste zu tun. Sie ist vielmehr eine dringende, aus der Zeit
geborene Notwendigkeit zum Zwecke der Selbsterhaltung, eine MaBr
nahme dcs Katastrophenschutzes im eigensten Sinne des Wortes,
denn die Wirkung eines ungehinderten und unvorhergesehenen Lufti
angriffes wurde cinc Katastrophe von riesigen AusmaBen darstcllen !
Archiv und Berichle 1932
16
234
K. G e m e i n h a r d t
Bevor ich auf die in Deutschland eingeleiteten Schutzmafhahmen
eingehe, deren Durchfuhrung nicht nur unser R e c h t , sondern
unsere P f 1 i c h t ist, mochte ich darlegen, welche Gefahren Lufts
angriffe bringen konnen.
Vom Flugzeug konnen Kampfmittel in dreifacher Weise zur
Wirkung gebracht werden.
1. Durch ihre Brisanzwirkung, also hauptsachlich eine zerstorende
auf Gebaude und andere Einrichtungen aller A r t durch Spreng:
wirkung der abgeworfenen Bomben und durch V e r 1 u s t e an
Menschenleben;
2. durch Erzeugung vieler schwer loschbarer Brande durch AbS
werfen von Brandbomben;
3. endlich durch Vergiftung der Luft durch Abwerfen von Gifts
stoff enthaltenden Bomben oder durch sonstige Beimengung von
Giftstoffen zur Luft.
Mit der Entwicklung des Flugwesens seit dem Kriege ist die
Tragfahigkeit der Flugzeuge so gesteigert worden, dai3 von jedem
Flugzeug groDere Mengen von Bomben mitgenommen und abges
worfen werden konnen. Auch das Gewicht der einzelnen Abwurf:
bomben ist entsprechend grol3er geworden.
Die zur Zeit wohl grotlte Bombe ist eine amerikanische von etwa
1800 kg Gewicht, die nahezu lo00 kg Sprengstoff enthalt. Es ist
ohnc weiteres klar, daB eine einzige solcher Bomben am Orte des
Einschlages und seiner nachsten Umgebung eine vollkommene Zers
storungswirkung ausiiben mu& Die Grof3e der Bomben geht herab
bis zur 5:kg:Bombe. die noch groDere Beschadigungen an Gebauden
hervorrufen und viele Menschenleben vcrnichten kann! Aber \vie
viele Flugzcugo gehoren dam, um eine nur einigermanen in Betracht
kommende Menge grijfierer Sprengbomben mitzufuhren! Die
m e i s t e n modernen Bombcnflugzeuge konnen nur etwa 1000 kg
GeschoDladung mitnehmen!
Vie1 gefahrlicher jedoch sind die modernen Brandbombcn, die
an sich leicht und klein
0.5 bis 1.5 kg - in groiler Anzahl mits
enommen und ausgestreut werden konnen. Die neuzeitlichen Brands
omben bestehen aus ElektronSMetall und sind mit Thermit gefullt.
Elektron [Aluminium Magnesium] brennt durch die vom Thermit
L luminium + Eisenoxyd] erzeugten hohen Temperaturen s e 1 b s t !)
Sie entwickeln Temperaturen von 2000 his 3000° und sind mit gewohn:
lichen Loschmitteln nicht zu loschen. Ihre Branddauer bctragt etwa
10 bis 15 Minuten. Ihre Wirkung wird hauptsachlich nicht eine un:
mittelbar zerstorende, sondern zerstorende Brande hervorrufende
sein, da sie nur imstande sein werden, die Dacher zu durchschlagen.
Die dritte Form des Luftangriffes ist die des Gasangriffs. Auch
hier wird in ubcrwicgendem Mafie, wenn nicht ubcrhaupt, nur mit
einem Abwurf von giftigen Stoffen in bombenartigen, geschlossenen
Behaltern gcrcchnet werden miissen. Die Giftstoffe, die zur wirks
samen Verwendung gebracht werden konnen, sind jedoch verhaltnis:
ma8ig wenige, oder, richtiger gesagt, es ist nicht damit zu rechnen,
dan neue Kampfstoffe zur Verwendung kommen, die sich so wesent.
lich von den bekannten unterscheiden, daf3 sie nicht auf dieselbe
-
E
+
235
Gasschutz und Luftschutz der Zivilbevijlkerung
Weisc wic diese unschadlich gcmacht werden konnten. Die Zahl
der im Kriege zur Verwendung v o r g e s c h 1 a g e n e n Giftstoffe
war sehr gro13 (gegen lOOO!); in erheblichem Umfange verwendet
wurden nur etwa 50. Nicht zu den chemisohen Kampfstoffen zu
rechnen sind Sprengs und Brandgase, wie Kohlenoxyd, Kohlendioxyd,
nitrose Gase und dergleichen, da sie bei jeder GeschoDexplosion
entstehen bzw. entstehen konnen, ebenso sind die gewohnlichen
Nebelstoffe nicht zu ihnen zu rechnen.
Von den vielen Giftkampfstoffen haben sich letzten Endes nur
eine geringe Anzahl als die wirksamsten erwiesen, mit deren kunftiger
Verwendung gerechnet werden mu& Es sind dies Chlor (Cl), Chlor.
pikrin (Nitrochloroform: CClo . Not), Phosgen (COCL), Senfgas (Di,
chlorathylsulfid : S(CHKHnC1)s) und Blaukreuz (aromatische Arsine:
1. Diphenylchlorarsin (CaHa)tAsCl, 2. Phenyldichlorarsin: CoHnAsC12,
3. Diphenylcyanarsin: (CsHa)AsCN).
Von den nach dem Kriege neu hinzugekommenen sind zu er:
wahnen das Chloracetophenon (GHa. CO . CHC1) und ein der Blaw
kreuzgruppe nahestehender, leicht herzustellender Gaskampfstoff, das
Adamsit (Diphenylaminchlorarsin : (CsHa), . N H . AsCl). Eine Reihe
anderer, wie das Kakodylcyanid, das Tetraathylblei und andere,
werden von geringcrer Bedcutung sein, da entweder ihre Giftigkeit
eine geringere ist oder sie leicht mit den bekannten Mitteln unschad:
lich gemacht werden konnen.
Am Ende des Krieges setzten die Amerikaner groDe Erwartungen
auf die Verwendung eines aliphatischen Arsins, das Lewisit (mehrere
aliphatische Arsine, z. B. Lewisit A: B:Chlorvinyldichlorarsin:
C1. CH : CH .AsClz), welches sie auch wegen seiner beabsichtigtcn
Verwendung durch Abregnen in geloster Form vom Flugzeug aus
,,Tau des Todes" nannten. Diese Erwartungen sind jedoch nicht
erfullt worden, und die Amerikaner sollen die vorhandenen 150 t
dieses Stoffs im Meere auf 90oO m Tiefe versenkt haben.
Hiermit komme ich auf die Verwendung von chemischen Kampfs
stoffen vom Flugzeug aus auf andere Weise als durch Bombenabwurf.
Namcntlich das Dichlorathylsulfid, der auch Gelbkreuz, Lost, Senfs
gas oder Yperit genannte Giftstoff, der ,,Konig der Gase", erscheint
besonders geeignet, durch Abregnen oder Verspruhen vom Flugzeug
aus die Luft weitgehend zu vergiften. Die vorgenommenen Versuche
haben jedoch bishcr keinen Erfol gehabt. Es stehen einer Wirksam:
machung der Giftkampfstoffe au diese Weise zu vie1 nicht berechens
bare Faktoren gegenuber. Wenn schon beim Bombenabwurf die
Treffsicherheit trotz aller auch auf diesem Gebiete geschaffenen Vers
besserungen immer noch im Vergleich z. B. der artilleristischen ges
ringer anzusprechen ist, so ist bei einem direkten Verregnen flussiger
Stoffc die Wahrscheinlichkeit, die so geschaffene Giftwolke, wenn
uberhaupt bis zur Erde, an den beabsichtigten Ort zu bringen, sehr
gering. Aus den Erfahrungen beim Verstreuen von Schadlingss
bekampfungsmitteln vom Flugzeug aus wissen wir, daD durch die
unterschiedlichen atmospharischen Verhaltnisse in verschiedenen
Luftschichten dic Wolken der Stoffe meist in hiiheren Luftschichten
hiingcnblcibcn und unwirksam abgetrieben oder auch durch Boden:
P
16*
236
K. G e m e i n h a r d t
winde so zerstreut und vcrdiinnt werden, da13 ihre Wirkung verpufft
Die Verstreuung oder Verregnung miiI3te also in geringer Hiihe aus;
gefiihrt werden, wie cs praktisch wohl selten miiglich sein wird. Dcr
wirksamste Bundesgenosse gegen alle Gas: oder Giftwolken ist abcr
der Feuchtigkeitsgehalt der Luft und besonders der Regen. Es ist
also zunachst bei dieser A r t der Giftgasverbreitung ein Erfolg Zuni
mindesten zweifelhaft. Aber auch eine Vergasung groRer Geliindcs
flachen in wirksamcr Weisc durch Abwurf von Gasbomben ist auacr;
ordcntlich schwer, und es ist nicht damit zu rechnen, daf3 es gelingcii
wird, uber groRen Stadten, wie z. B. Berlin, in kurzer Zeit und in
solcher Menge Giftkampfstoffe abzuwerfen, daD der ganzc Raum
vergiftet wird!
Fur jeden Giftkampfstoff gibt es Abwehrmittel, durch die cs
nicht nur gelingt, die Giftstoffe aus der Atemluft restlos zu entr
ferncn, sondern sic auch sonst, so z. B. bei fliissigen auf der Erdc.
in kurzerer Zeit unwirksam zu machen bzw. zu vernichtcn.
Ich mochte a n diescr Stelle besonders hervorheben, daB bei den)
ganzen Luftschutzproblem an Gefiihrlichkeit die Gasgefahr hinter
den andcren, namlich dcr ZerstorungsG und Brandwirkung sowohl als
auch besondcrs der Bedrohung des Lebens durch die Sprengwirkung
der Bomben, zuriicksteht.
DaR man nicht nur bci uns, sondern bereits seit Lingerer Zeit
bei anderen Volkcrn mit aller Energie und mit aller Zuvcrsicht an
das Problem des Gas: und Luftschutzes der Bevolkerung heran:
gegangen und auf dem Gebiet schon vie1 weitcr vorgeschritten ist als
wir, dafur mochte ich folgendes anfiihren.
Fast zu der gleichen Zeit, als in Deutschland, im Februar 1931,
der erste offizielle Antrag auf Einrichtung des zivilen Luftschutzes
im Rcichstag eingebracht wurde, wurdc in Frankreich Marschall
PCtain zum Generalinspektor der Luftverteidigung des franzosischen
Staatsgebietes ernannt. In Deutschland der erste bescheidene An:
fang, in Frankreich gewissermaaen der AbschluB der Organisation.
Ebcnso wie Frankreich haben auch andere Lander (RuBland, Italicn,
England und Amerika) schon lange umfangreiche MaBnahmen zur
Abwendung der Luftgefahr getroffen. Auch in Holland, den skandi:
navischen Staaten. nicht zuletzt in Polen und Finnland wird eifrig an
dem Problem des Luftschutzes fur die Zivilbevolkerung gearbeitet.
und uberall ist ein pewisser Ausbau der Organisation durchgefuhrt,
indem weite Teile der Bevolkerung in den Schutzmafinahmen gegen
Gasangriffe griindlich ausgebildet wurden.
W a s ist bei uns nun bisher auf dem Gebiete des Gasschutzes
erreicht. was ist im Werden und fur die Zukunft beabsichtigt?
Ich erwahne kurz, da13 man in den letzten Jahrcn auch die Polizci
zunachst von dem Gesichtspunkt des Katastrophenschutzes auf
Grund des Phosgengasunglucks in Hamburg, das Ihnen allen gewil3
noch in Erinnerung sein wird, mit Gasschutzgerat ausriistcte und
bei ihr fur eine Ausbildung im Gasschutz Sorge getragen hat.
Das Gasschutz: und Luftschutzproblem als wirksamer Schutz dcr
Zivilbevolkerung fur kunftige Luftkriege erfordert aber selbstvers
standlich vie1 weitergehcnde MaBnahmen. Tch erwahnte bereits. dafl
Gnsschutz und Luftschutz der Zivilbevolkerung
237
der wichtigste Faktor fur die Anwendung jeder Kricgswaffe der dcr
Uberraschung ist. Es ist also die erste wichtige Aufgabe die, diescs
Moment der Ilberraschung nach Moglichkeit auszuschliefien. Dazu
gehort in allererster Linie der Ausbau eines uber das ganzc Land
verzwcigten Netzes fur den Flugmeldcdienst und Luftwarndicnst.
DaB schon diese MaRnahmcn nur mit wirksamer Unterstutzung und
Inanspruchnahmc dcr Behorden durchgefuhrt werden konnen, liegt
auf der Hand, da dic Einrichtungen zur Nachrichtenubermittlung be.
hiirdliche sind. Auf die bis ins kleinste vorgesehcne Organisation
cliescs Flugmelde: und Warndienstes einzugehcn, wurde zu weit
fuhren. Es ist uber seine Organisation nur so vie1 zu sagen, daR sie
nach aller Voraussicht in cinwandfreier Weise funktionieren wird,
d. h. dafi die betreffenden Stellen an den gefiihrdcten Orten rechts
zeitig davon Nachricht erhalten werden, wenn cinc Luftgcfahr vor:
handen ist. Die wcitere EntschlieRung daruber. wenn dic Luftgefahr
derartig dringend und unvermeidlich geworden ist, da8 eine Warnung
an die Zivilbevolkerung ergehen muR, kann nur ortlich gctroffen
werden. Diesc Entscheidung ist sehr schwerwiegend, dcnn jeder
Alarm, so auch jeder falsche, jeder zu zeitige und noch mehr jeder
verspiitete Alarm bringt nicht nur Unruhe und Schiidigung des Wirt:
schaftslebens, sondern kann auch die schwcrsten Folgcn fur das Leben
der Bevolkerung in sich tragcn.
Die Bevolkerung selbst wird nun in verschiedenartiger Weise vor:
bereitet wcrden mussen.
Die wichtigste Vorbcreitung wird in p s y c h o 1 o g i s c h e II
Mafinahmen liegen, also vor allen Dingen in einer zweckmafiigcn Auf5
klarung uber Art und GroRe der Luftgefahr ubcrhaupt, uber die
Mittel einer Verminderung der Gefahr, sowie vor allen Dingen
dcr E r z i e h u n g zum r i c h t i g e n V e r h a l t e n b e i L u f t :
ii 11 g r i f f e n.
Das Zicl diescr Aufklarungstatigkeit mufi das scin,
die Bevolkerung von der Tatsaehe zu uberzeugen, daR ein hundert:
prozcntiger Schutz zwar unmoglich, jedoch durch Selbstdisziplin des
cinzclncn eine erhebliche Verminderung der Wirkung der LuftS
angriffe durchaus erreichbar ist. Dadurch werden Paniken, die eine
dcr grofitcn Gcfahren fur die bedrohte Bevolkerung darstellen, am
besten vermiedcn werden ! Die vorbeugenden Einrichtungen zur Auf;
rechterhaltung von Sicherheit und Ordnung, die Vcrhinderung und
die Beseitigung der eingetretencn Schaden an Leib und Leben der
Burger oder Sachschaden aller Art ist das zweite Ziel fur die Vors
bereitung.
Bei der Durchfiihrung dieser Mafinahmen gebietct schon die
allgemeine Finanzlage, bereits vorhandene Einrichtungcn fur den Luft,
schutz nutzbar zu machen und bei Neueinrichtungcn dem Luftschutz
nach Moglichkeit Rechnung zu tragen.
Der Luftschutz ist also seincm ganzen Wesen nach eine M7ohl5
fahrtseinrichtung fur die Zivilbevolkerung und deshalb cine An:
gelegenheit der Zivilbehorden.
Es ist ohne weiteres klar, dafi zur Durchfuhrung dcr MaDnahmcn
bestimmte schon vorhandene und der offentlichen Sicherheit diencndc
Organisationen weitestgehend herangezogen werden mussen. Aus
238
K. G e r n e i n h a r d t
diesem Grunde unterscheidet man grundsatzlich zwischen cincnl
a k t i v e n und einem p a s s i v e n Teil der Bevolkerung.
Zu dcm aktiven Teil rechnen alle die Personen, die beim Ein:
treten von Luftgefahr fur die Durchfuhrung der Schutzmannahmcn
benotigt werden und auch wahrend der Luftangriffe tatig bleiben
mussen, wahrend zum passivcn Tcil die iibrigen Bevolkerungskreisc
zu rechnen sind. Da die Durchfuhrung der M a h a h m c n die starke
Hand ciner durch das Gesetz befugten Organisation erfordert. ist
es selbstverstandlich, daB die Wirksammachung des Luftschutzes als
eine polizeiliche Tiitigkeit aufzufassen ist, da der Polizei sowieso als
oberste Aufgabe die der Katastrophcnabwehr zusteht. Die Organi;
sation des zivilen Luftschutzcs sowohl als auch seine Durchfuhrung
liegt aus diesem Grunde bei den staatlichen Polizeiverwaltungen oder
bei d e n kommunalen Bchorden odcr Personen, denen die staatliche
Polizcigewalt ubertragen ist. Zur Durchfuhrung sind iiberall orts
liche Luftschutzbeirate als das Bindeglied zwischen Bevolkcrung uitd
Leitung errichtet worden. Aber auch sonst werdcn kommunale Ein:
richtungen in weitgehendem MafJe die Durchfuhrung dcr MaBnahmen
ubernehmen, so z. B. die Feuerwehr. das Rettungswcsen, die Bau;
behorden, die Stranenreinigung. Wohlfahrtseinrichtungen und manchc
andere. Sic sind in den Luftschutzbciraten vertreten.
Alle diese Einrichtungen bcdurfen fur die Durchfuhrung der Luft:
schutzaufgaben, denen sic in ihrer normalen Starke und Ausrustung
nicht gewachsen sind, der Unterstutzung durch Hilfskrafte. Hierfur
ist besonders in der Technischen Nothilfe, in den Sanitats; und
charitativen Verbanden aller A r t ein g r o k s Reservoir vorhanden,
das zur Nutzbarmachung voll ausgeschopft werden kann. Die Aus:
bildung aller dieser Teile der aktiven Bevolkerung in tcchnischer Him
sicht als auch in organisatorischer ist schon heute ziemlich weit fort:
geschritten, so da8 mit ihrer wirksamen Einsetzung schon heute gc:
rechnet werden kann. Die Qronen der Offcntlichkeit dienenden Be:
horden, wie Reichsbahn und Reichspost, und die groBen industriellen
Werke fuhren ihre Luftschutzmahahmen innerhalb ihrer Organi:
sation in enger Verbindung mit den Behorden selbst durch.
Als weitere Mittel des zivilen Luftschutzes sind nachst dem Hug;
mcldes und Warndienst noch dic folgcnden MaDnahmen zu nennen:
1. D i e T a r n u n g. Sie hat den Zweck. besonders wichtige
Objekte einem gezielten Angriff zu entziehen. Diescs Ziel zu er:
reichen, konnen verschiedcnc Wcge eingcschlagen werden :
a) durch Anpassung der Bauform an die Umgegend
ent:
sprechende Schutzform und Bepflanzung,
b) durch Vernebelung und Verdunkelung und
c) durch sogen. Scheinanlagen.
Es ist selbstverstiindlich, daB ein Erfolg einer Tarnung nur dann
zu erwarten ist, wenn sie sehr sorgfaltig vorbereitet, von Fall zu Fall
uberle t und ausgefuhrt wird. Durch alle die gcnannten Tarnungs:
mafina men lafit sich in geeigneten Fallen cine vollkommene Tau:
schung durchfuhren.
Am schwierigsten wird die Durchfuhrung der Anpassung der
Bauform, soweit es sich nicht urn Neubauten handelt, sein. Bei allcn
1
Gasschutz und Luftschutz der Zivilbevdkerung
239
neuen Anlagen sollte aber unbedingt darauf Rucksicht genommen
werden. Dieses ist also eine Mafinahme auf lange Sicht, die von
manchem noch als Utopie bezeichnet wird. Mit der Vernebelung
sind viele Versuche mit Erfolg durchgefuhrt worden, auch lie n hier-.
fur Kriegserfahrungen vor. Durch Erzeugung farbiger, dem elande:
untergrund angepafiter Nebel sind in letzter Zeit Fortschritte ge:
macht, so daR es gelingt, wichtige Anla en (Kraftwerke, Industries
werke u. a.) unauffallig abzudecken oder rientierungspunkte fur den
Flieger zu verdccken und ihn so irrezufuhren.
Als Nebel: odcr Rauchstoffe dienen solche, die einmal einen
echten Nebel hervorrufen, indem sie die Luftfeuchtigkeit anziehen
tind so einen echten Nebel darstellen, dessen einzelne Tropfchen
einen Kern des nebelerzeugenden Stoffes haben. Hierzu dient haupt:
sachlich das Schwefelsaurcanhydrit bzw. Schwefelsauretrioxyd. AuRer:
dem werden f u r den gkichen Zweck verwandt Chlorsulfonsaure,
Siliciumtetrachlorid, Titantetrachlorid, Antimonpentachlorid, Zinn:
tetrachlorid u. a. Diese Stoffe bilden Nebel oder auch Kauch, d. h.
es wird eine undurchsichtige Schicht erzeugt, in der feste Bestandteilc
aufierordentlich fein verteilt sind.
Der beste Nebel, bzw. Rauchbildner ist der Phosphor, der in der
Luft zu dicken weiBen Nebeln von Phosphorpentoxyd verbrennt. Der
rote Phosphor, der dieselbe Eigenschaft erst bei 2600 zeigt, eignet sich
weniger, da bei niedrigerer Temperatur eine vollstandige Verbrennung
der ausgelegten oder ausgestreuten Masse in Frage gestellt ist. Diese
Nebel, oder Rauchstoffe konnen in verschiedenartiger Weise aus cnt.
sprechenden Geraten von der Erde aus verstaubt, wie z. B. die
Schwcfelsaure, oder durch Verbrennen, wie z. B. der Phosphor, zur
Anwendung gebracht werden oder aber auch durch verschiedene Art
der .Ausstreuung vom Flugzcug aus zur Bildung von Nebelwanden
oder Vorhiingen oder wolkenartigen Nebelschichten.
Die wirksamste Tarnung besteht fur die Nacht in der Verdunke:
lung. Es ist ohne weitcres klar, wie schwierig eine solche namentlich
in einer Millionenstadt restlos durchzufuhren sein wird. Immerhin
ist aus dem Kriege bekannt, daR die Verdunkelung von sehr groRen.
Stadten mit bestem Erfolg durchgefuhrt werden kann. Die Schwierig:
keiten, die sich allein bezuglich des Verkehrs ergeben, liegen auf der
Hand! Bezuglich der Scheinanlagen durften die wenigsten Erfahs
rungen vorliegen, denn die groBe Scheinanlage, die gegen Ende des
Krieges von den Franzosen zur Vortauschung ihrer Hauptstadt an.
gelegt wurde, ist nicht mehr in Wirksamkeit getreten.
Allc diese Mafinahmen, die der Tarnung dienen, sind ebenfalls
Aufgabe der aktiven Bevolkerung. Die passive Bevolkerung mu8
iiber diese abwehrenden oder verhindernden MaBnahmen hinaus
w i t e r geschutzt werden.
Was ist nun hierfur die Hauptaufgabe?
Es mu13 durch vorhergegangene Aufklarung eine Erziehung der
ganzen Bevolkerung erreicht sein, so da8 .durch ruhige und besonnene
Ausfuhrung der gegebenen Vorschriften ein weitgehender Schutz
gegen Luftangriffe erzielt wird.
Wenn also ein Luftangriff unvermeidbar erscheint, wird durch
8
240
K. G e m e i n h a r d t
die Warnzentralen die Alarmmcldung an alle Glieder der aktiven
Bevolkerung gegcbcn und die Bevolkerung aufgefordert wcrden, s i c h
v o n d e r S t r a f i e z u e n t f e r n e n und i n d i e v o ; :
gr ue h
s ei f ie n e n S c h u t z r a u r n e zu begeben. Die Warnung wird
erfolgen durch akustische Zeichen, Glockenliuten, Sirenen, Patrouillen
mit Pfeifens oder Hupensignalen u. a. Der Rundfunk wird durch
Lautsprccher auch auf den Strafien die kommende Gefahr in geeig:
neter Weise anzeigen.
Zur Aufnahme der Zivilbcvolkerung sind also Schutzraumc vor:
zubcreiten, und zwar nach Moglichkeit in jedem Hause fur die Be.
wohner des betreffenden I-Iauses ein solcher Raum, aufierdem fur
die unterwegs oder in offentlichen Gebauden befindlichen Personcii
moglichst viele und nicht zu grol3e Kollektivschutzraume, in die diese
durch die Organe der aktiven Bevolkcrung gewiesen werden.
Ein Schutzraum, wie er in jedcm Hause vorbereitet werden soil.
ist mit verhaltnismiiaig einfachcn Mittcln hcrzustellen. D a s Haupt:
erfordernis, das an ihn zu stellen ist, ist die Sicherheit gegen Splitter:
wirkung, in zweiter Linie die Gasdichtheit. Es kommen also niir
Kellerraume in Frage, und zwar Kellcrraume, die moglichst tief ge:
legen sind, dal3 sic auch in ihrem obercn Teil einer Luftdruckwirkung
moglichst nicht ausgcsetzt sind. Vor den Fenstern miissen Siche:
rungen angebracht werdcn, am einfachsten durch Vorstellen von
Kisten, die mit Sand gefullt sind oder durch wirksamcn Bohlenbelag
der Fcnster, der durch durchgchendc Bolzen von auficn und innen
an das Mauerwerk fest angeprcRt wird. Auch zwischcn diescm
Bohlenbelag kann eine Schutzschicht von Sand, Torf oder ahnlichem
eingebracht werden. Auf diese Weise ist ein splittersicherer Raum
mit verhaltnismafiig einfachen Mitteln zu crziclen. Wollte man diese
Raume gegen die Durchschlagskraft aller Bomben von der Decke her
schiitzen, so mufitcn schr grol3e Anforderungen gestellt werden. Bei
den groBten Bomben wiirden hierfiir mehrere Meter dicke Beton.
deckcn erforderlich sein. Da aber mit der Verwendung dieser grijRten
Bomben nur mit grofiter Sparsamkeit und mit moglichster Treffs
sicherheit zu rechnen ist, kann bei der grofien Zahl der Schutzraume
fur die Zivilbevolkerung von diesen weitgehenden Anforderungcn
Abstand genommen werden. DaD die Kellcrraume moglichst so be:
schaffen sein mussen, dafi sie einem groficren Druck durch ein:
stiirzende Wande usw. standhalten, ist eine wiinschenswertc Voraus:
setzung. Auch hier wird man wirksamc Unterstutzung der vors
handenen Decken durch eingezogene Balken und Stiitzpfeiler vcrr
haltnismaBig lcicht durchfuhren konnen.
Dieser Schutz gegen Brisanzbomben ist also in der Hauptsache auf
eine Splitterwirkung eingerichtet, in der Annahme, daD Volltreffer,
wie immer, auch bei einem Luftangriff verhaltnismafiig selten sein
werden. Auch bei dichtester Bauweise in den Stadten sind 50% der
Flachen nicht bebaut !
Der Schutz gegen Gasc ist an und fur sich zweifellos besser zu
erzielen, da in den zur Verfiigung stchenden Gasschutzgeraten aller
A r t Mittel vorhanden sind, um sich gegen alle Gase und Giftkampf:
stoffc wirksam zu schiitzen.
Gasschutz und Luftschutz dcr Zivilbcviilkerung
24 I
Es wirci nun viclleicht die Frage erhobcn werden: Warum gibt
man nicht vor allen Dingen jedem Einwohner eine gute Gasmaskc?
Diese Frage mull aus verschiedenen Grunden zunichst verneinend
beantwortct werden. Eine Ausstattung der Zivilbevolkerung mit
hochwertigem Gasschutzgerat wurde derartige Summen erfordern,
daO diese von keincm Staat, am wenigsten von unserem verarmten
Deutschland jetzt aufgebracht werden konnen. Der zweite ents
scheidende Punkt ist aber auch der, dal3 es falsch ware, jcdem cine
Gasmaske zu gebcn und ihn dadurch in ein falsches Gefuhl dcr Sichcr:
hcit zu versctzcn, das ihn vielleicht veranlaijt, sich den Angriff auf
dcr Stral3e anzusehen! Ehe weiter nicht auf diescm Gcbiet eine
wcitgchende Bclchrung der Bevolkcrung auch daruber vorangegangen
ist, dal3 alle Gasschutzgerate, und so auch die Gasmaskcn, Instru:
mente sind, die einer sorgfaltigen Behandlung bedurfen, die einen
Schutz nur gewiihrleisten, wenn dic betreffcnden Personen mit der
Handhabung des Geratcs vertraut sind, und sich durch dic Schwierigs
keitcn, die sich beim Tragen solcher Geriite fur den Ungeubten
crgcbcn, nicht bcirren lasscn, ware es falsch, die Parole auszugeben :
Jeder Mann seine Gasmaske! Es ist dabei auch noch zu beachten,
daB bei nicht crwachsenen Personen, abcr auch bei Erwachsenen in
kurzcsten Zeitraumen so wcitgchende Veranderungen der KopfS und
Gcsichtsform auftreten kijnnen, dal3 die einmal verpal3te Gasmaske
nicht mehr zu gebrauchen ist, weil sie keinen vollkommenen SchutL
bietet. Endlich ist ausschlaggebend hierfur folgendes:
An allcn Orten, bei denen eine rcchtzeitige Warnung cinsetzcn
kann, d. h. also die weit genug von den Grenzen entfernt sind,
dal3 Fliegermeldungcn und Angriffe zeitlich nicht fast zusammen:
fallen, so da8 die Bevolkerung geniigend Zeit hat, die Schutzraumc
aufzusuchcn, wird der i n e r s t e r 1, i n i e wegen der B r i s a n z :
g e f a h r notwendige Kollektivschutz auch fur den Gasschutz der
groi3en Bevolkerungsmasse ausreichcnd gcstaltet werden kiinnen. In
unscren Grcnzgebieten und in den dichtbevolkcrtcn Industriezentren,
namentlich a n der Westgrenze, wird freilich der Unterschied zwischen
aktiver und passiver Bevolkerung sich sehr verwischen, und hier wird
man auch, soweit es irgend moglich ist, an einen individuellen Schutz
gegen Gase fur jeden herangehen mussen.
Wie kann man nun die Kollektivschutzraume in den Hausern
auch wirksam gegen Gase und Giftkampfstoffe schutzend gestalten?
Das erste Erfordernis wird das sein, dal3 die Wande der Schutz:
raume a n sich gasdicht sind. Zicgelwande z. B. sind vcrhaltnismafiig
leicht fur Gase durchlassig; cin Bewurf mit Zement bringt schon eine
wesentliche Besserung. Nach angestellten Versuchen kann eine
sehr gute Gasdichtheit von Mauerwerk durch einen Anstrich mit
Wasserglas erreicht werden. Alle Rissc, Kitzen dcr Fensteroffnungen
und sonstiger Auswege mussen durch Verstopfcn mit Textilfascrn,
Verkleben mit Papierstrcifcn u. a. gasdicht verschlosscn werden. Das:
selbe gilt von der Eingangstur, die man zweckmal3ig in ihrer ganzen
Flache mit Tischlerleim und Papier ausklebt und mit Filz: oder Tuch:
streifen abdichtet. Nachtrlglich im Holz auftretende Risse zeigcn
sich dann durch Risse im Papier an. so (la8 man sie leicht uberklcbcn
242
K. G e m e i n h a r d t
kann. Die Tur des Kaumes darf nicht unmittelbar ins Freie gehcn,
sondern in einen Gang, in welchem sich in ents rechender Ent:
fernung cine zweite Tu r befindet, die ebenso durch ilz; oder Tuch:
streifen gedichtet und gcgebenenfalls ausgeklebt ist. A n Stelle der
zweiten Tiir genugt im Notfalle eine dicke Decke, bei der naturlich
Sorge zu tragen ist, daR sie den Gang vollstandig abschlient. Der Kaum
zwischen den beiden Turen dient aIs Gasschleuse, d. h. beide Tiirexi
diirfen niemals gleichzeitig geoffnet werden. Durch diese MaRnahmc
allein ist schon ein Eindringcn dcr Gase von drauBen her ziemlich
weit ehend verhindert. Einen weiteren Schutz kann man erzielcn
durct Befeuchten der Schutzvorrichtungen vor den Fenstern, am
besten unter Beifiigung von Alkalien, wie Soda, Pottasche oder auch
Natriumthiosulfat, wodurch man eine chemische Bindung etwa ein:
dringender Gase und Giftkampfstoffe in den meisten Fallen erreicht.
Fur den Apotheker besonders wird es eine Kleinigkeit sein, diesen
Mitteln auch noch als besonders wirksam gegen Phosgen, wohl eincs
der am meisten zu furchtenden Gifte, eine Losung von Hexamethylen;
tetramin beizugeben. Zur Verhinderung der Einschleppung von Gelb,
kreuz (Dichlorathylsulfid) steht in der Gasschleuse eine flache Kistc
mit Chlorkalk, in die man vor Betreten des Gasschutzraumes hinein:
tritt, um an dem Schuhwerk haftende Mengen von Gelbkreuz zu ver:
nichten.
So etwa wird ein behelfsmaaiger Luft, und Gasschutzraum auss
zusehen haben !
Wenn man mehr fur einen solchen Raum aufwenden kann, so
wiirde er auszustntten sein mit einer Vorrichtung zur Lufterneuerung,
also mit einem Motor, fur den Notfall mit einem von Hand zu be:
treibenden Geblase, mit dem man Luft aus entweder nicht vcr ifteten
hoheren Luftschichten ansaugt oder aber AuBenluft hereinfu rt, dic
man dann freilich cntgiften muB, indem man sie durch einen Filter
mit aktiver Kohle und Baumwolle hindurchsaugt. Ebenso kann man
aber die vorhandene Luft durch Umwalzung in derselben Weise
reinigen, wie es auch bei den Unterseebooten geschieht, d. h. dic
Luft wird in einem standigen Strom durch ein Gerat geschickt, in
dem sowohl die Kohlensaure gebunden als auch gleichzeitig eine
entsprechende Menge Sauerstoff 'entbunden wird. Dicse Geratc,
deren es heute schon verschiedenartige Konstruktionen gibt, arbeiten
mit hochwertigen Metallsuperoxyden. Zur einfachen Schaffung der
notwendigen Sauerstoffmengen genugt schliealich auch eine Stahl:
flasche mit Sauerstoff, aus der man denselben dem Bedurfnis ent:
sprechend ausstromen 1ZBt. Dadurch erreicht man gleichzeitig einen
wenn auch nur geringen Oberdruck in dem Schutzraum, durch den
wiederum das Eindringen der AuBenluft und somit der Giftstoffc
verhindert wird.
Um das Auftreten von Zugluft in dem Schutzraum nach Mvglich:
keit auszuschlieBen, halt man es fur das beste, daB Eingang und
Fenster in dem betreffenden Kellerraum an derselben Seite liegen.
Diese Forderung wird sicher sehr selten zu erfullen sein; man wird
um so groBere Sorgfalt auf die Dichtung der Fenster und Tiircn
verwenden mussen. DaR man die Raume mit verschiedenen Geraten
ausrustet, ist selbstverstandlich, also vor allen Dingen mit Not:
i
R
Gasschutz und Luftschutz der Zivilbeviilkerung
243
beleuchtung (Laterne, elektrische Taschenlampen u. a.), Axt, Sagc,
Schaufeln und anderen Geraten, die man benotigt, um gegebenenfalls
verschuttete Eingange frei zu machen. Auch Lebensmittel, vor allen
Dingen Trinkwasser, wird man nach Moglichkeit mit in die Schutzr
raume nehmen. Fur die Lebensmittel einschliefilich des Trinkwassers
sei allgemein gleich erwiihnt, daB auch diese durch die Giftstoffe
gegebenenfalls vcrgiftet werden konnen, man sie also, soweit an.
gangig, in geschlossenen GefaBen aufbewahren mu8 oder wenigstens
in Behaltnissen, die einigermaBen von der AuBenluft abzuschliefien
sind, sei es auch nur durch Ubcrwerfen von Decken oder Tuchern.
In jcdem Haus wird ein Obmann vorhanden sein mussen, der fur
den Schutzraum selbst zu sorgen hat, der die Unterbringung dcr
Hausbewohner in dem Schutzraum uberwacht und fur die notigc
Ordnung sorgt. Dieser wird - als Teil der aktiven Bevolkerung -such mit Gasschutzgerat, d. h. einer Maske, auszustatten sein. Er
hat wahrend des Angriffs selbst eine aktive Tatigkeit noch insofern,
als er als Brandwache und Verbindung zu den Hilfs: und Schutz=
organisationen dient.
So kommen wir zu den SchutzmaBnahmen gegen die Wirkung
der Brandbomben, von denen ich schon sagte, da8 sie nachst der
Brisanzgefahr die groBte Gefahr darstellen, da sie, klein und leicht, in
groneren Mengen von jedem Flugzeug mitgenommen werden konnen.
Fur ihre Wirkung ein theoretisch errechnetes Beispiel: Ein Flugzeug
geschwader von 36 Einheiten greift eine Stadt etwa von den Aus;
ma8en dcr Stadt Dusseldorf an. Nehmen wir an, da8 nur die Halftc
der Flugzeuge, also 18, das Ziel erreichcn und da8 jedes von diesen
18 Flugzeugen nur 500 Brandbomben zu 1 kg mitfuhrt und abwirft,
so sind das 9000 Brandbomben. In einer fur die Bevolkerung bc;
sonders giinstigen Stadt wie Dusseldorf, von deren Gesamtflache
nur ein Funftel bebaut ist und die ubrigen vier Funftel Freiplatze sind,
konnte man - sehr optimistisch! - von den 9000 Brandbomben nirr
ein Funftel als Treffer, also 1800 annehmen. Wenn man weiter wicder sehr optimistisch! - annimmt, daB nur 10% dieser Brands
bomben zunden, so ergeben sich innerhalb weniger Minuten
180 Brande in einer einzigen Stadt! Der Feuerwehr einschlie8lich
ihrer Hilfsorganisationen und Reserven durfte es ohne andere Vor;
bereitungen nicht moglich sein, dieser Brande so schnell Herr zu
werden, da8 sie sich nicht weit ausdehnen.
Es mu8 also dieser Brandgefahr vorgebeugt werden! Diesc Brand:
bomben werden, vermoge ihres geringen Gewichtes, nur imstande sein,
die Dacher der Hauser zu durchschlagen und in den Bodengeschossen
sich zu entzunden. Wenn man sich vor Augen fuhrt, wie die Dach:
stuhle und Bodenraume in unseren GroBstadten meistens aussehen
und wie die Bodenkammern in sehr vielen Fallen mit altem, durch
die Warme ausgetrocknetem, leicht brennbarem Gerumpel angefullt
sind, so kann man sich vorstellen, mit welcher rasenden Geschwindigs
keit ein solches Feuer urn sich greift! Wir wissen das von den
beruchtigten Dachstuhlbrandcn ja ganz gcnau! Das erste Erfordernis
ist also, da8 'eder von sich aus seine Bodenkammern von unnutzem und
leicht brennl!larem Gerumpel befreit. Eine Dachhaut aus Eisenbeton
von 10 cm Starke wird in den meisten Fallen das Durchschlagen dcr
244
K. G e r n e i n h a r d t
Brandbomben schon verhindern konnen. \Venn auch diese Dachhaut
nicht allgemein sich wird durchfuhrcn lassen auf Grund der Konstruk:
tion der bcstehendcn I-Iiiuscr und der Kosten, so wird es doch in
vielcn Fallen moglich sein, die Dccken zwischen Boden und oberstcm
WohngeschoB mit eincr nicht brcnnbaren, am besten BetonSDeckc zu
versehen oder wenigstens ganz behelfsmaaig cine Sand: odcr Aschen:
schicht aufzubringen, auf der das durch das Dach geschlagene
GeschoB licgen bleibt und ausbrennt. Einen gewisscn Schutz kann
man auch schon crreichen durch Impragnierung, durch Schutzanstriche
odcr bcsscr Umkleidung dcr Ilolzteilc z. B. mit Asbest u n t e r Eisens
blech. Durch diese MaBnahmen wird die Entflammbarkeit des Holzes
crheblich herabgcsetzt und das Weiterbrennen und Ubergreifen der
Flammcn crschwert. Wcnn dann noch auf den Bodenraumen Behalter
mit Sand und auch Wasser aufgestcllt werden, die den Loschmann:
schaftcn es crmoglichen, die Brande einzudammen, so wird schon viel
zu erreichen scin. Die Brandwachen mussen natiirlich nach Moglich:
keit den Einschlag der Bombcn vcrfolgen, wie uberhaupt die aktive
Bevolkerung wahrend dcr ganzen Daucr dcs Angriffs standig in Tiit&
keit und in Bereitschaft zum Eingriff sein muB.
Jcder solcher Angriff wird nicht sehr lange dauern, und die Tatig,
keit der aktiven Bevulkerung wird schon nach wenigen Minuten nach
erfolgtem Angriff sich auswirken konnen. Ihre Hauptaufgaben
werdcn folgcnde sein:
Rettung eingcschlossencr oder verungluckter Personcn, Liischung
der entstandenen Brande, Aufrlumungsarbeiten auf den StraBen, uin
den notwendigen Verkehr in Gang zu bringen und nicht zulctzt,
wenn Gas zur Vcrwendung gekommen ist, die Luft und gegebencns
falls auch die von den Giftspritzcrn gctroffenen Gebaude und
anderen Gegenstande und den Erdboden zu entgiften. Gaswolken
wird man versuchen aus Schlauchleitungen mit Spruhdiiscn niedcr:
zuschlagen. Durch die von Gelbkreuz vcrseuchtcn StraBen wcrden
die Sprengwagcn der StraDenreinigung fahren und unter reichlicher
Verstreuung von Chlorkalk den Giftstoff vernichten. Die Kleinarbeit
der Entgiftung iibcrnchmcn dic vorgesehcnen Entgiftungstrupps.
Die Polizei wird dic Raumung gefahrdctcr Gebiiudc vornehmcn
mussen, die sanitaren Organisationen, wie das Kote Krcuz. dcr
Arbeitersamariterbund und andere, werdcn mit dcr ersten Hilfcs
leistung an verletzten und vcrgifteten Personen und ihrem Abtrans:
port in die bereitgestellten Krankcnhauser bcschaftigt sein.
Erst wcnn festgcstellt ist, daB die Gefahr eines neuen Angriffs
nicht mehr besteht, daB die Giftschaden so weit bcseitigt sind, daI3
dem Ungeschutzten keine Gefahr mehr droht, wird auf ahnlichc
Weisc, wie bei der Warnung, auch dic Entwarnung durchgefuhrt
werdcn und dic Bevolkerung aus den Schutzraumen hcrausgelassen
werdcn konnen.
Sie wcrdcn fragen. ob diese Dinge, bcsonders bezuglich der Hilfes
leistung der aktiven Bevolkerung, noch Theorie sind, oder ob in dieser
Bcziehung schon ciniges geschehen ist. Es ist so viel geschehen, wie
sich in der kurzen Zcit scit Inangriffnahme dieses Problems des Lufts
schutzes dcr Zivilbevolkerung erreichen lie13!
Gasschutz untl Luftschutz der Zivilbevolkerung
245
Polizei, Feuerwehr, technische Nothilfe, dic sanitiircn Organi;
sationcn, die Kommunalbehorden und andere .haben ihre Ausbildung
mit grollem Eifer bereits betrieben. Fur Arzte des iiffcntlichen
Rettungsdienstes sind ebenso wie fur die technische Nothilfe und
dic andercn Organisationen Luftschutzkurse nicht nur in Berliw
sondcrn in sehr vielen Stadten Deutschlands durchgefuhrt worden.
Auch praktische Ubungen, die lediglich dazu dienen, alle Teile der
Bevolkerung in die bei Luftangriffen notwendigen MaBnahmen cinzu<
fuhren, haben stattgefundcn. Die sanitaren Organisationen sind zum
grofien Teil auch schon mit arztlichen Hilfsmitteln zur Behebung dcr
Gasvergiftungen ausgerustet und in ihrer Handhabung unterwiescn.
Die Bildung der ortlichen Luftschutzbeirate, die gewissermaficn
das Bindeglied zwischen den Behorden bzw. der aktiven Bevolkerung
und der passiven darstellen sollen, ist in vielen Orten bereits durchs
gefuhrt. Die Tatigkeit dicser Beirate wird sich, so nehme ich bestimint
an, in allernachster Zeit uberall bemerkbar machen. Ihre Aufgabc ist
es auch, mit den privaten Organisationen der Bevdkcrung, die bei der
Durchfuhrung des Luftschutzes von Wichtigkeit sein kiinnen. in Vcr:
bindung zu treten und auf sie in beratendem und wegweisendem Sinnc
einzuwirken. Ich denkc hierbei z. B. an die Organisationen der Haus;
besitzer, Ingenieurvereine usw.
In allen den Gebauden, wo standig vie1 Personen sich aufhalten
oder beschaftigt sind, wird man Ubungen fur die Raumung dieser
Gebaude und die Unterbringung in den vorzusehenden Schutzraumen
abhalten mussen, nicht zuletzt in den Schulen, wenn man auch damit
wird rechnen musscn, daf3 die meisten Luftangriffe nicht bei Tage.
sondern bei Nacht erfolgen werden.
Ich bin auch der Ansicht, da8 geradc dic Apotheker in der Lage
sein werden, nicht nur mit Rat zu helfcn, sondern auch berufen sein
werden, tatig beim Luftschutz cingreifen zu konnen. Das gleich:
maBige und verhaltnisrniifiig dichte Netz von Apotheken, das in allen
grollen Stadten vorhanden ist, scheint mir gute Stutzpunkte namentr
lich fu r die HilfsmaBnahmen abzugeben. Ich denke dabei nicht nur an
die vorhandenen Bestande an Verbandstoffen, sondern auch a n die
Moglichkeit, die im LuftS und Gasschutz gebrauchten Arzneimittel
und Chemikalien in einem fur den umliegenden Bezirk vorbeugenden
Umfangc vorratig zu halten. Es sind keine groBen Anforderungen.
die hiermit an die Apotheken gestellt werdcn wurden, denn Mittel
wie Lobelin, Cardiazol, Mcnthol, Alkohol, Chlorkalk. Chloramin,
Natriumthiosulfat u. a. sind ja sowicso in jeder Apotheke in ge:
wissem Umfange vorhanden.
Aber nicht nur deswegen glaube ich, dai3 unser Stand dem Luft:
schutzgedanken nutzlich sein und ihn fordern kann. Manner unseres
Berufes sind von Anfang an im Gasschutz in weitgehendem M a k
tatig gewesen.
Wo sind die ersten Atemschutzer, die Vorlaufer der Gasmasken,
konstruiert und hergestellt worden? In den von Militarapothekern
eleiteten Etappen:Sanitatsdepots und in den Sanitatsdcpots der
eimat in eincm Umfange. daB bis zum Endc des Jahres 1915 die
ganze Front mit diesem, zum mindesten im Anfang wirksamen Ge rlt
ausgerustet werden konnte.
a
246
Gasschutz und Luftschutz der Zivilbeviilkerung
Die Bestiinde an Gasschutzgerat wurden an der Front zuerst aus:
schliefllich, aber auch bis zum Ende in weitem Umfange von Militar:
apothekern verwaltet, ihr Zustand und ihre Anwendung in vielen
Fallen an der Front von ihnen kontrolliert. Als Gasschutzsach;
verstandige waren zuerst nur die Militarapotheker a n der Front vor-'
handen und erst spater, als andere militiirische Sachverstandige - ich
mochte sagcn - geboren wurden, ging der Gasschutz im Heere zum
grof3en Teil auf andere Stellen uber. Es gab aber auch Korpsstabs:
apotheker, die bis zum SchluB des Krieges die Gasschutzoffiziere
ihres Generalkommandos waren und diesen Posten durchaus aus:
gefullt haben. Im Heimatgebiet waren im Gasschutz bis zum Schlul3
des Krieges Militiirapotheker aller Dienstgrade bei der Herstellung,
Prufung und Abnahme der von der Industrie hergestellten GasschutzS
gerate tatig, und auch im Vorstand des Hauptgasschutzlagers, von
dem nicht nur die deutsche Armee, sondern auch die unserer Vers
bundeten ausschlief3lich mit Gasschutzgerat bcliefert wurden, sai3 als
technischer Leiter ein Korpsstabsapotheker. Daruber hinaus abcr
nicht nur in der Praxis der Anwendun sondern auch, wenn ich so
sagen darf, in der Theorie des Gassc utzes und Gaskampfes und
somit des Luftschutzcs, haben gerade Angehorige unseres Standes
FIcrvorragcndes geleistet.
Ich verweise Sie hier auf das Buch von Dr. Hanslian, ,,Dcr
chemische Krieg", das sich von Anfang an Geltung in der ganzen
Welt verschafft hat und bereits vor einigcn Jahren in dcr 2. Auflagc
erscheinen muate. Kurzlich erst ist das vorzuglichc und umfangreichc
Werk ,,Schadliche Gase" von Flury & Zernik, die wir ja ebenfalls
beide zu den unserigen rcchnen diirfen, erschienen, das nicht nur auf
chemischdechnischem, sondern auch auf medizinischcm Gebiet,
namlich beziiglich Pathologie und Toxikologie der Gaserkrankungen,
grundlegend sein durfte.
Die Behandlung des Thcmas ,,Luftschutz und Gasschutz der
Zivilbevolkerung" in dem Kreis unsercr Gesellschaft halte ich darum
nicht nur deshalb fur notwendig, um das Problem auf diese Weise in
weitere Kreise der Bevolkerung zu tragen, es diesen naherzubringen,
und zu zeigen, da13 es Mittel und Wege gibt, den Gefahren des Luftc
krieges zu begegnen, sondern die Fachkenntnisse unseres Standes
befahigen u n s b c s o n d e r s dam, sie auf den Luft, und Gasschutz
L U ubertragen, um im Ernstfalle die Wirkungen eines Luftkrieges
nach Moglichkeit zu verringern und die entstandencn Schadcn zu
lindcrn.
,,Luftschutz tut not!"
k
0
Literatur
1: I u r y & Z e r n i k , Schiidliche Gase, Berlin 1931.
H n m p e , E., l h Mensch und die Gase, Berlin 1932.
I I a n s l i a n , K., Der chemische Krieg, 2. Aufl., Berlin 1927.
A1 u I 1 e r , L;., Die chemische Waffe im Weltkrieg und jetzt, Berlin 1932.
K u m p f , Brandbomben, Berlin 1932.
Gasschutz und Luftschutz, Zeitschrift fur das gesamte Gebiet des Gas5
und Luftschutzea der zivilcn Bevolkerung, MunchensBerlin 1931/32.
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
0
Размер файла
1 040 Кб
Теги
der, gasschutz, und, luftschutz, zivilbevlkerung
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа