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Ladanum und Laudanum.

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Th. Husemann, Ladanum und Laudanum.
1075
Ladanurn nnd Laudanum.
ICin Reitrag zur Geschichte der Arzeneimittel, von Prof. Th. I I n s e m a n n
in Gottingen.
Die Etymologie der zuerst von P a r a c e l s u s und seinen Jungern fur
Opiumpfiparate gebrauchten und fur eine opinrnhaltige zusamrnengesetzte
Tinktur als Laudanum liquidurn bis in die Gegenwart beibehaltenen und
selbst , nalnentlich in England, volkstiimlich gewordenen Bezeichnung
Laudanum ist seit Jalirhunderten streitig. Man hat das IAUdanUm nuf
der einen Seite als Bezeichnung einer Medizin von hervorragender Heilwirkung aufgefafst, indein illan den Ausdrncli von dem lat. laus,
laudare, Lob oder Ruhm, loben oder ruhmen, ableitete, und auf der
anderen Seite bringt man es in Beziehung zu dem unter dem Namen
IJildanum allbekannten , freilich allerdings jetzt aus den Pharmakopijen
verschwundenen wohlriechenden Harze verschiedener Cistusarten , das
insbesondere durch seine eigentumliche, zwei Jahrtausende auf piechischen Inseln unverzndert geiibte Gewinnung teils durch Auf fangen von
dcr OberflLche mittels gewisser aus Itinnen gebildeter Apparate , teils
durch Ausklmmen aus den Biirten und Haaren der die Cistusblltter
abnagenden Ziegen allgemeines Interesse gefunden hat,.
Die beiden verschiedenen Anschauungen uber die IIerleitung des
Wortes, welche sich im 1G. und 17. Jahrhnndert gegeniiberstanden,
bestehen auch heute noch. Der Schimpf, welchen der medizinische
Lesikograph J a c o b P a n c r a t i u s B r u n o 1 1682 den Gegnern seiner
1 J a c o b P a n k r a z B r u n o ( B r a u n ) , geb. 23. Januar 1629 als S o h
des Altorfer Professors der Philosophic J a c o b B r u n o , ein Wunderkind,
das schon im 10. Jnhre die Kollegien der Philosophen horte, studierte
dann in Jena und Padua Medizin, erhielt 1653 in Altorf die Iloktorwurde, wurde 1654 ordentlicher Medicus in Nurnberg, 1655 Physikus in
liof, wo er gleichzeitig am Gymnasium die griechische Sprache und
I’bysik docierte, und 1662 Professor der Medizin in Altorf, wo er am
13. Okt. 1709 stnrb. Er schrieb eine grofse Menge gelehrter medizinischer
.\bhandlungen (u. a. De medicamentis ex homine qua vivo qua mortuo
tlesumptis. 1677). Scin Iiauptwerk ist aber der C a s te11ns r e n o v n t u s ,
11. e. Lexicon medicum amplificatum. Nurnb. 1682 (2. Aufl. Niirnb. 1688
unter dem Titel , , A m a l t h e u m C a s t e l l o - R r u n o n i a n u m “ , 3. Aufl.
llach Bruno’s Tode, aber auf Grundlage seines blanuskripts besorgt 1713),
ein Euch, welches von der grofsen Gelehrsamkeit und Helesenheit des
I’erfassers eklatantes Zeugnis ablegt. K h e r e s iiber Leben und Schrifteu
in Will’s Niirnbergischem
Gelehrten-Lexikou, Niirnb. 1755, Rd. I , p. 145
bis 147; Biogr. Lex. T, p. 599.
68 *
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Th. Husemann, Ladanum und Laudanum.
Meinung anheftete, indem er sie einfach fir Faseler oder TrLumer
erkllrte (,,non m i n u s v e r o i l l i h a l l u c i n a n t u r , q u i c u m L a d a n o
c o n f u n d u n t ) , hat naturlich die Sache selbst nicht entschieden und
keinen der Gegner bekehrt oder auch nur betrilbt, da derartige Anziiglichkeiten j a in der damaligen gelehrten Welt nichts aukergewtihnliches,
sogar etwas allt%.gliches waren. Er hat es auch nicht verhindern
kiinnen, d a h zweihundert Jahre spgter der Kampf um das Wort noch
einmal in England in den Spalten des ,,Pharmaceutical Journal" entbrannte, in welckem R. E a g l e 1 die Ansicht B r u n o ' s von neuem vertrat,
wonach Laudanum eine ,,medicha laudabilis" bedeutet, und in C. B e 112
einen Gegner fand, der die Bezeichnung als fibertrayng des
Wortes Ladanum auf Opiumprlparate verfocht. Die E'rage ist auch
hier nicht zum vollen Austrag oder gar zur Obeneugung der einen
Partei gekommen, aber es war dies auch nicht miiglich, weil beide
Gegner einer unsercs Erachtens unzullssigen Methode sich bedienten.
Sie stiitzen sich auf Lexikographen oder gehen doch von Angaben aus,
die von solchen gemacht worden. B e l l citiert eine Stelle aus , , S k e a t ' s
E t y m o l o g i c a l D i c t i o n n a r y " , in welcher der alk Aussprucb
K e r s e y ' s (1716), dak Laudanum eine ,,vorzugliche Medizin" bedeute,
als ,,absurd" bezeichnet und die Existenz des W o r k s Laudanum in1
Provencalischen vor P a r a c e 1s us hervorgehoben wird. Die Autorit.%t
von S k e a t kann aber nicht in Betracht kommen, da verschiedene andere
Lexikographen die entgegengesetzte Ansicht haben , und noch dazu
medizinische, wie L. A. K r a u s , a der das Wort sogar als Laudgnurn
ausgesprochen wissen mochte , indem er angibt, dafs Laudanum ,,im
Mittelalter" jede ,,schn~erzlindernde", (daher ,,laudabilis") Medizin
bedeute. Es zeigt aber diese Stelle, wic wenig zuverlbsig derartige
Sutoritaten sind, denn von der fraglichen Kraus'schen Angabe ist aicht
die Spur wahr. Wo es sich urn die altcn griechischen und pomischen
Autoren handdt, da sind die Angaben der Lexika, miigen diese von
Philologen oder von philologisch gebildeten Arzten herriihren , meist
1 E a g l e , Pharm. Jourii. and Transact. 1886, Dec. 18, 11. 503. What
is laudanum? 1887, Febr. 5, p. 644.
2 B e l l , W h a t i s l a u d a n u m ? Pharm. Journ. and Transact. 1887,
Jan. 15, p. 584.
3 Kritisch-etymologisches rned. Lexikon. 1844. Dritte Aufl., p. 558.
ober den Autor vergl. Biogr. Leu. IIJ., p. 544.
Th. Husemann, Ladanum und Laudanum.
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sehr zuverlassig, aber wenn es sich uni das Mittelalter haudelt, so sind
sie haufig geradezu falsch, tiberall aber Iufserst unvollstlndig. Die
Angabe von K r a u s gibt einen Releg f i r ersteres. Ein Beleg Air
zweites wird in dein vorztiglichen mittelalterlich - lateinischen Lexikon
von Du C a n g e und zwar in dessen eben vollendeter neuen Auflage
unten gegeben. Medizin und Pharmacie sind stets Stiefkinder der
lexikographischen Philologen, die mehr Tnteresse an Poesie und Philosophie nehmen; die auf erstere beztiglichen Angabeu bedltrfen deshalb
jedesmal einer Revision, und zwar in erster Linie durch Einsichtnahme
der angegebenen Quelleu, in zweiter Linie durch Aufsuchung neuer.
Den ersten W e g ist E a g l e gewandelt, der in L i t t r Q ' s und R o b i n ' s
Dictionnaire dc rukdbciue ,,laudano", also eine dem ,,laudanum" sehr
nahestehende Form, a15 italienisches Synonym fur Ladanuni auffand und
den diese Thatsache dann durcli das grorse italienisch - franziisische
Lexikoii von A l b e r t i auf den bekannten Kommentar des M a t t h i o l u s
zu den Werken des D i o s k o r i d e s hinfuhrte, in welcheni allerdings
bestltigt mird, dafs die Ztaliener das Ladanum ,,laudano" oder ,,odanogL
nennen. und dafs es in den Apotbeken unter diesem Namen feil sei.
E a g l e hat aufserdem durch Vergleichung der von L a g u n a besorgten
spanischen u'lbersetzung des berahmten Kommentars die Existenz der
Forni ,,laudaiioL' im Spanischen iiicht nachweisen konncn und gelangt
dabei zu der Anschauung, dafs die Renennung sich wahrscheinlich nur
in den Apotheken Italien's gefunden habe. Da sie nun also nur lokale
Bedeutung habe und da aufserdem in verschiedenen deutschen Werken,
in B r u n o ' s Lexikon und in den Werken von O s w a l d C r o l l und
Z w e 1f e r, die Ableitung von ,,laudatus" deutlich ausgesprochen sei, so
spricht er sich fur letzteres aus. GewiCs wtirden viele, wenn die Sachlage wirklich so miire, wie sie E a g l e voraussetzt, nXmlich dafs Iaudano
nur ein italienischer Name f i r Ladauuni und blok in den italienischen
Apotheken nllein gebrtiuchlich sei, der Anschauung von E a g l e beitreteu, dafs P a r a c e 1s us den Samen aus eigener Invention habe. Auch
die Auffiiidung in1 Provenpliscben Indert darin nichts, denn wcnn wir
auch wissen, dafs P a r a c e l s u s ein ,,TJandfahrerLL
gcwesen, wie er solches
ja selbst yon einem guten Arzte fordert, so ware doch nicht erwieseii
und selbst schwerlich anzunehmen , dafs er auf seinen Reisen ProvenQaliscli gelernt oder dafs er in provensalischen oder italienischen
Apotheken den Namen ,,laudano4' sich angeeignet habe. Mau gelaugt
indessn, wenn man sich nicht an die eine, allerdings wichtige, Quelle
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'I%. Huaemann, Ladanum und Laudanum.
h2lt und vor der Zeit des P a r n c e l s u s erschienene Schriften zu Rate
zieht, zu einem vollig entgegengesetzkn Resultate in Bezug auf die
,,lokale" Anwendung des Wortev Laudanum. Ich habe bei der grofsen
Wichtigkeit, welche das Laudanum in seiner gegenwtirtigen Bedeutung
besitzt, sowohl die Geschichte desselben als diejenige des Haiszes, mit
dein es eine so uberaus Shnliche Beneniiung hat, von ihren Anfingen
biu zur Gegenwart in allen ihren Einzelheiten verfolgt und glaube, dafs
das Studium mich zu Ergebnissen geleitet h a t , welche eine definitive
Entscheidung der etymologischen Streitfrage ermiiglichen. D e r in erster
Reihe sich dabei ergebende Hauptsatz ist der, dafs L a u d a n u m c i n e
ini M i t t e l a l t e r u n d z u d e r Z e i t d e s P a r a c e l s u s h i i c h s t g e b r i i u c h l i c h e N e b e n f o r n i fiir Ladanuni w a r , d i e in g e w isseii
S c h r i f t s t e 11e r n g a n z a u s s c 11 l i e f's 1i c h nn g e w e n d e t w i r d , a b e r
s i c h k e i n e s w e g s auf I t a l i e n o d e r j e n e G e g e n d e n , i n d e n e i i
! , l a u d a n o L ' f u r , , l a d a n o L Lg e b r i i u c h l i c h w a r , j a n i c h t e i n m a l
a u f d i e S c h r i f t e n in l a t e i n i s c h e r S p r a c h e , d i e j a fiir
ge 1e h r t,e A r b e i t e n d a in a l s f a s t a u s sc h 1i e fsl i c h g e b I'a u c h t
\v u r d e , b e s c h r 5 n k t e. Das Cistusharz tritt in der griechischen
Litteratur gleich von Anbeginn unter zwei durch dialektische
Verschiedenheiten zu erklBrenden Nanien, nzmlich als Ladanon ().;&OV,)
und als Ledanon ( h j h ~ ) ,auf. Die lctztere Form komnit den1 ionischen
Dia1ekt.e zu und erscheint so in deni ddrin geschriebenen grof'sen Gescliichtswerke, welches H e r o d o t in1 .Jahre 444 bei den olympischeii
Spielen in den Panathengen vorlas, als Hauptforin fur ein von Ziegenbarten abgeksmmtes, zu Riucherwerken dienendes H a m Arabiens,
welches, wie H e r o d o t sagt, ,,die Araber Ladanon nennen". 1 Beide
Formen hat auch P 1 i n i u s 2 in seiner Naturgeschichte ; doch ist ladanuin
Hauptform. Die griechische Forni findet sich auch bei R u f u s v o n
E p l i e s o s , einem zur Zeit T r a j a n ' s lcbenden Arzte, in einem voii
G a 1 e n 3 erhaltenen Bruchstiicke seines in Hexanietern verfakten Gedichtes tiber die KrXuter, wo es heikt:
H e r o d o ti Musae, ILi, 312. Auf tliese Stelle bezieht sich auch
E u s t a t h i u s , Scholia Iiomeri (Basil 1559) 438,?, wo beide Forinen angegeben werden.
2 Plinii Bist. nat. XIT, c. 17.
G a l e n i de medicam. comp. rec. loca I, Ed. I< u h n SII, p. 425. Uber
H. v. E. vergl. Biogr. Lex. V, p. 118.
Th. Iluseinano, Ladanum untl Laudanum.
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,,huch ein Ledanon kannst im Land der Eremberl du finden,
Rings urn der Ziegen Kinn, denn inachtig lockt es die Ziege,
Abzunagen die Spitzen des Lauhs voni blilhenden Cistus,
Und dann haftet das Fett der Matter wie Salbe dem Tiere
A m rauhbiirtigen Kinn und sonst am haarigen Fell an.
Wertvoll zwar fiir Kranke ist Ledanon nicht, doch entstromt ihm
Machtiger DUB, und man hraucht's als Busatz treff licher Mittel,
W i e sie so viele erzeuget das ebene Land der Erernber.('
Die giechischen Arzte haben aufser dem mediziniscli michtigen
Ladanurn von den griechischen Inseln, besonders Cypern, noch verschiedene andere Sorten, unter denen das arabische das am !%hesten
bekannte war. Der Name Erember, der von R u f u s gebrnucht ist, bezeichnet nach S t r a b o die Araber im allgemeinen oder die troglodytischen Araber (vergl. Ed. X y l a n d e r , 1571, p. 1, 38). P l i n i u s
(Hist. nat. XII, p. 17) gibt an, dafs sich das arabische Ladanon, dem
aber spatere Autoren einen anderen Namen (die Handschriften geben
, s t r o b o n " , andere auch s t o b o l o n ) gaben, nur bei den Nabataern an
der Grenze von Syrien fande. Von P l i n i u s wird dann w c h noch persisches Ladanon (aus Carmanien) und libysches erwahnt, indem die
Ptoleniiier die Pflanze iiber Agypten hinaus verbreitet hatten. Auch
D i o s k o r i d e s (Mat. med. I, p. 128) erwahnt libysches Ladanon. Alle diese
gelten a19 schlechtere Sorten. P l i n i u s gedenkt auch der Ansicht
einzelner nicht namhaft geniachter Autoren, dafs auch der Weihrauch6aum Ladanuni erzeuge. Wahrscheinlich handelt es sich aber sowohl
beziiglich des lybischen als des arabischen Ladanum um IIarze, welche
nicht mit dem griechischen Ladanum zusammenfallen. Es sind indes
keine Anhaltspunkte fur Vermutungen gegeben, auf welches Harz diese
zu beziehen seien. Jedenfalls sind diese Ladana spater vollig aus dem
Handel verschwundcn. Auffallend ist, dafs in den arabischen medizinisclien Schriften von eiuem Ladanum arabischen Ursprungs nirgendwo
die Iiede ist. Allerdings erwahnt A n t o n i u s M u s a B r a s s a v o l a
(Examen omnium simpl., Lugd. 1546, p. 122), dafs in Venedig ein nicht
griinliches und uicht leicht weich werdendes Ladanum verkauft werde,
ohne indes iiber die Provenienz sich zu aufsern. Wenn im 17. Jahrhundert
J o . S c h r o e d e r in seinem T h e s a u r u s p h a r m a c o l o g i c u s (4. Aufl.,
Ulm 1650, p. 388) sagt, man solle arabisches und libysches vermeiden, so ist
das kein Heweis dafur, ilafs damals noch solche Ladana existierten; denn
diese Angabe riihrt von I'linius und D i o s k o r i d e s her und ist von
dercn Zeit an n i t den dort aufgestellten fiiterien fiir ein gutes Ladanum
durch die Litteratur des Mittelalters hindurch in die pharmakologischen
Schriften der Neuzeit verschleppt worden. D a b das von S t r a b o erwahnte
wohlriechendste Raucherwerk der Sabaer ~ . a p + v v ~ vdem arabischen ladanum
entspricht, ist inindestens nicht erwiesen.
1080
Th. Husemann, Ladanuni und Laudanum.
Alle ubrigen griechischen und romischen A n t e bis in das iMittelalter hinein gebrauchen nur die Form Ladanuni. Man findet diese bei
D i o s k o r i d e s , l C e l s u s , 2 der den1 Ladanon ein besonderes Kapitel
widmet, bei G a l e n und in dem den1 G a1 e 11 zugeschriebenen Buche de
succedaneis, 3 in der 2. Halfte des 4. Jahrhunderts bei 0 r i b a s i u s 4 in1
6. Jahrhundert bei A e t i u s \-on A i n i d a s und A l e x a n d e r v o n
T r a l l e s , G im 7 . Jahrhundert bei P a u l u s v o n A e g i n a , 7 im
13. Jahrhundert bei J o h a n n e s A c t u a r i u s g und N i k o l a u s
M y r e p s o s ,9 dcinjenigen Scliriftsteller, der das Ladanurn als Bestand-
* Mat.
uied. I. c. 128 (Ed. S p r e n g e l I, 1). 120).
De re medica. 1. V. c. 12. (Coll. Stephan. 84 f.)
3 G a l e n widmet den Wirkungen des Ladanum ein besonderes
Kapitel in der Schrift de simplicium medicamentorum facultate, VII, c. 28.
(Ed. K u h n , XTI, p. 28.) Als Bestandteil zusammengesetzter Arzeneicn
findet sich L. in den Werken de compos. sec. loca 1. und de comp. med.
per genera 11, c. 35. IV, c. 6. (Ed. K u h n XII, p. 421. XIII, p. 529. 708.)
Bezuglich des Lib. de succedaneis s. die Kuhn’sche Ausg. des Galen, XIX,
p. 730,741. Daa Buch handelt von den splter als Quidproquo bezeichneten
Vertauschungsmitteln, wonach Ladanum von Sampsychon (Majoranaj
vertreten werden kann und selbst ein Surrogat fur Propolis und Baccae
Cedriae abgibt.
4 Ueber O r i b a s i u s , den Leibarzt des Kaisers Julian, vergl. Biogr.
Lex. VII, p. 112. Die Stellen, aus Galen und Dioskorides excerpiert, teils
in den Collect. med. (Collect. Stephaniana M h ) , teils in Synopsis IT, 2.
26, 56. (Coll. Steph. 19c, 82a, 25a.)
5 Ueber A e t i u s v o n A n i i d n vergl. Biogr. Lex. I, p. 64; Stellen i n
Tetrabibl. Serm. I. Ciathos s. Ladanon; Serm. 11. c. 55, 57; Serm. IV. c. 38.
(Coll. Steph. 38h, 278b, 299k, 707c.)
Lib. I. c. 2. Vergl. uber A l e x a n d e r v o n T r a l l e s Biogr. Lex.
I, p. 100.
COIL Stephan. 629a. Vergl. uber P a u l u s v o u A e g i n a Biogr. Lex.
IV, p. 512.
Jo. A c t u a r i i de nietlicamentorum compositione, Paris 1539.
151a, b, 174b. Die fur die Pharmakologie nicht unwichtige Schrift, bisher
nur in lat. Uebersetzung des J. R u e l l i u s erschienen, wird in dem Biogr,
Lex. I, p. 51 nicht erwahnt.
Ebenfalls nur in lat. ijbersetzung gedruckt, deren beste von
L. F u c h s 1549 zu Basel verofientlicht wurde. Das Ladanurn wird bei
Myrepsos als Bestandteil von 9 Pflastermassen (Vorschr. 8, 13, 27. 93, 94.
95, 96, 100, 179), von 4 Rauchermassen (Vorschr. 1, 3, 7 , 14), in einer
Schmiere gegen Alopecie (Vorschr. 85, p. 501 der F u c hs’schen Ausgabe)
und in der Confectio moschata (Vorschr. Antid. 423, p. 125) angefiihrt.
Tli. Huscuiann, Ladanum und Laudanum
1081
teil zusunuiengesetzter Medizinen am allerhaufigsten erwtihnt, endlich
im 11. Jahrhundert in dem lateinisch peschriebenen W e r k e des C o n s t a n t i n u s Afer.1
Erst nach dem Jahre 1000 treten wieder Nebeiiformen auf, untl
zwar zuerst eine solche mit eingeschobeneni u und eine mit Einschiebung
eines P-Lautes, und zwar anfaiigs p, spLter b. L a p d a n u n i findet sich
in dem Kommentar des Magisters B e r n a r d u s P r o v i n c i a l i s , dessen
Zeitalter nicht bestimmt ist, jedoch bestimmt nicht vor die Mitte des
12. Jahrhunderts fiillt,2 zu den Tafeln des Magister S a l e r n u s . Die
Forni ist nicht etwa ein Druckfehler, denn auch in den T a b u l a e S a l e r n i
steht ,,lapdanum".3 Die Form stammt also aus Salerno, hat sich dort
aber, wie weiter unten gezeigt wkd, nicht gehalten. Dagegen kommt
sie noch vor in dem der letzten Zeit des Mittelalters angehorigen A n t i d o t u m N i c o l a i P r a e p o s i t i (nicht zu verwechseln mit dern Antidotariutn des Nicolaus Salernitanus), das franzosischen Ursprungs ist,
und von B e r g m a n deni N i c o l a s v o n P r e v o s t zugeschrieben wird.
Bemerkenswert ist es, dafq hier in den1 ersten xuf die Drogen beztiglichen Teile sich zweimal Lapdanum 4 findet, wilhrend in den Arzeneiformeln die Form L a u d a n u m wiederholt gebraucht wird. Labdanuni
findet sich in dem bekannten ruittelalterlichen Vokabularium franzosischen
Ursprungs, welches den h'amen A l p h i t a5 trXgt untl den Buchstaben
L beginnt: , , L a b d a n u n i , d i c i t u r n a s c i d e r o r e c e l e s t i e t
manna similiter, sed ex d i v e r s i s arboribus s u p r a quas
c a d i t , r o s r e c i p i t h a n c v e l i l l a m q u a l i t n t e m . U I u Frankreicb
wurde tibrigens auch noch die alte griechische Schreibweise in mittelxlterlicben Schriften gebrxucht. Wahrscheinlich ist dieselbe aus
1 C o n s t a n t i n i A f r i de omni morborum cognit. Lib. u. de gradibus
quos vocant simplicium liber, in der Gesaintausgabe von Petri (Basil.
1539). p. 2, 3, 347. c b e r den Autor und seine sonstigen Schiiften vergl.
D e R e n z i , C o l l e c t i o S a i e r n i t a n a I, p. 165. Hiogr. Lex. 11, p. 68.
2 Der fragliche Komnientar zu den Tafeln des M a g i s t e r S a l e r n u s
tindet sich Coll. Salern. V, p. 269ff. Lapdanum steht p. 298, 32. Uber
B e r n a r d 0 P r o v i n c i a l e vergl. D e R e n z i , a. a. 0. V, p. 329.
3 Coll. Salern. V, p. 238. Magister S a l e r n u s starb 1167.
4 Dispensarium Magistri Nicolai Praepositi.
Idugd. 1 5 3 ,
€31. 10, Col. 4.
5 Coll. Salern. V, 1). 23s. Vergl. in Bezug auf die Alphita b e H e n z i
a. a. 0, p. 271: P l i i c k i g e r , Pharmakogn. (1883), p. 986. I l a e s e r , Gesch.
der Med. T. (1875) p. 648.
l'h. Hiisemann, Ladanum nnd Laudanum.
1082
den1 lateinischen Buche eines E'ranzosen in ein bekanntes deutsches
naturhistorisches W e r k gelangt, dns beruhmte Buch von K o n r a d v o n
M e g e n b e r g l (j- 1374), tler fur das auslindische Produkt einen
deutschen Namen vorschlagt und es als Himmelstau (Himeltrijr) bezeichnet wissen will, gestutzt auf dieselbc Idee van der Natur des
Laclnnum, welche die Alphita enthiilt, und in Analogie zu dem ebenfalls von ihm beschriebenen Honigtau, der aber aus niedrigeren Regionen komme als der Hininielstao oder die noch hohere Abstammung
darbietendc ,Manna. Es ist zu bedauern, dafs das lateinische Original,
nnch welchem das $1 e g en b e r g 'sche W e r k bearbeitet wurde, das
Ruch d e r e r u m n a t u r a von T h o m a s v o n C a n t i m p r e (Ttiomar
C;mtinipratensis, geb. 1201, t 1270), bisher nicht gedruckt ist, da wir
dadurch a u k e r Stande sind, zu ermitteln, ob auch T h o m a s die Form
ladanum verwendet. In Tkutschland ist die Form Labdanum am bekanntesten durch die Augsburger Pharmakopoe geworden, welchc nur
in der ersten Auflage (1564) Ladanum, spater (1574 - 1597) in allen
ladanumhaltigen Vorschriften die N-ebenform labdanum konstant, in
splteren (162'2) vereinzelt (neben laudanum) gebraucht, wahrend sowohl
tlas Dispensariuni des Cortlus (NUrnberger Pharmakopoe) als das Dispensarium Colonicnse von 1565 nur die klassische Form ladanum haben.
Dah Laudanum im Mittelalter als Nebenform von Ladanum erscheint, das kann man w c h aus dem beriihmten .Du C a n g e ' s c h e n
Lesikon des mittelalterlichen und spateren Lateins ersehen. In Bd. V,
1). 406, findet sich ails eineni Pariser veterinirarztlichen Manuskripte des
14. Jahrhanderts ein Rezept bruchstiickweise mitgeteilt, in welcheni
Laudanum ganz unzweifelhaft f u r Tladanuni steht: R e c . p o l i c a r i a e
b e d e l l i i , m i r r a e , l a u d a n i . Das ist die einzige dem Lexikographen
bekannt gewordene Stelle, noch dam nicht aus einer Druckschrift, sondern aus einer Handschrift genommen. Wenn ich mich oben iiber die
stiefniiitterlichc Behandlung der bIedizin nnd Pharmacie in lexikalischen
Werken ausgesprochen habe, wird inan iiieine Klagen vcrstehen, wenn
ich gegenuber diesem eiuen lianrlschriftliclien Laudanum rnich bereit
1
Ausgabe von P f e i f f c r , 1861, p. 88. Die Theorie, dafs das Ladanurn
von aufsen komme, findet sich bercits bei D i o s k o r i d e s , doch ist nicht
dieaer, sondern M a t t h a e u s P l a t e a r i u s Circa instans, wie eine Vergleichung des Inhaltes des gnnzen Kapitels darthut, die Quelle. Vergl.
iiber M e g e n b c r g , P f e i f f e r in der ohcn citierten Ausgabe.
Th. Huseinann, Ladanum und Laudanuni.
1083
erklare, aus der g e d r u c k t e n niedizinischen und pharniaceutischen
Idtteratur von 1000-1850 m e h r a l s 150 S t e l l e n beizubringen, in
denen Laudanum die Form ladanum ersetzt. Icli nehme heute davon
Abstand, indeni icli iiur beilaufig solche Stellen citiere, welche fur die
Geschichte des Wortes oder des Mittels ein besonderes Interesse darbieten und fiir die vorliegende Streitfrage Wichtigkeit besitzen.
Die Einfiihrung der Form laudanum geht von Unteritalien, von
der Schule zu Salerno aus. Das Riteste Werk, in welchem ich demselben begegnct bin, ist das von J o h a n n e s P l a t e a r i u s ( G i o v a n i
a l ' l a t e a ) verfdste inedizinbche Lehrbuch P r a c t i c a b r e v i s , 1 dessen
Abfassung in die Mitte des 1 1 . Jahrhunderts fiillt. Dort findet sich
in dein Abschnitt iiber den Katarrh ein , , f o n i e n t u m e x l a u d a n o
et. c i n e r e p a l e a e h o r d e i " , ein , , s t u e l l u m z e x l a u d a n o L ' zur
Einschicbung in die Nasc und eine Rgucherung, die in folgender Weise
bereitet werden soll: , , l a u d a n u m , o l i b a n u m , s t o r a x i n a q u a
p l u v i a li b u l l i a t."
Dann komnit Laudanuiii vor in deiii berghmten A n t i d o t a r i u i n p a r v u n i tles K i c o l a u s , 3 das ungefiilir auf das .Jahr 1100 zu setzen ist,,
und zwar als Bestandteil einer arifserordentlich geschtitzten und kostbaren Konfektion, der A l i p t a i n u s c a t n s. n i o s c h a t a , 4 in welchc
* Uber G i o v a n u i a P l a t e s vergl. D e R e n z i , Coil. Salern. 11. 520,
wo sich Notizen uber die verschiedenen Platearier, die ,,Asltlepiadenfamilie"
von Salerno, tinden. Diese Practica brevis ist abgedruckt in der Lyoner
Ausgabe ties Serapion vou 1535, wo die citierten Stellen sich f. 116 b.
finden. Ijieselben sincl ausserdem Each einmnl in eineni , , T r a c t 8 t u s
d e s e g r i t u d i n i i m c u r a t i o n e ' vorhanden, welche I>c I t e n z i aus einer
Hreslauer IIandsclirift des letzten Drittels cles 12. Jnhrhnnderts veriifl'entlicht hat und in welchem das ganze Jhpitel nus clem alteren
Platearius init cler Schreibweise .,laudanum" u b e r n o m n i e n ist, vergl.
Call. Salern. III. 109.
2 s t 11 e I I u m mittellat. fur Wieke. 1)as Wort ist noch im Itnlienischeii
gebriiuchlich.
ljber N i c o l a u s v o n S a l e r n o , von manchen auch X i c o l a u s
I ' r a e p o s i t i i s genannt, in der altesten Ausgabe als N i c o l o F a l c i i t i o
bezeichnet, vergl. D e I i e n z i , Coll. Salern. I. 217, Biogr. Lex. IV, p. 368.
iilipta ist seiner Ijedeutung nach nicht ganz klnr. Es heifst bci
N i c o l a u s wijrtlich: C o n f e c t i o a l i p t e m u s c a t e . a l i p t a . i. m i x t u r a
v z p u e r i s p a t i e n t i b u s a s m a . S a l a d i n v o n A s c o l o hat daraus
noch alipte als Asthmamixtur (alipta est mixtura contra asma) definiert,
indem er die Abkiirzung ,,vzi(, welche zweifelsohne .valet" bedeutet (wie
1084
Th. Husemann, Ladanum und Laudanum.
aufser dem Ladanum noch Storax Calaniita, Storax rubea, Moschus,
Ambra, Kamfer und Rosenwasser eingingen und welche nicht allein
das gauze Mittelalter hindurch als RLucherungsniittel und als Ingrediens
fur andere Medizinen in hohem Grade geschltzt w a r , sondern auch in
die drei deutschen Pharmakopoen des 16. Jahrhunderts gelangte. In
den1 Artikel Alipte kommt das W o r t Iaudanuin zweimal , einmal rnit
dem Busatze , , p u r i s s i m u m " , vor.
Noch hLufiger haben wir dasselbe in einem dem Ladanum gewidmeten besonderen Kapitel in dem gewohnlich als C i r c a i n s t a n s
dz debet), ubersieht. Offenbar hat ein Punkt hinter mixtura zu stehen.
Y a t t h a e u s Y y l v a t i c u s definiert daher ganz richtig alipta= mixtura.
M y r e p s o s hat dieselbe Mischung als Co n f e c t i o moschata. Iu
V a l e r i u s C o r d u s Dispensarium (Antwerp.Ausg. 1580, p.281) steht Alypta
(viellcicht Ihckfehler). Mit d M p , salben, und den ALiptae, d. h. den
Salbenmeistern bei den Kampfspielen der Griecben und Romer, rnit den
4 k i , , emplastra des C e l s u s (Lib. 1'. c. 19), d. b. Pflaster, welche kein
Fett enthalten, kiinnten Beziehungen vermutet werden, insofern derartige
fur besonders kriiftigend gebaltene teure und stark riechende Mischungen
wie die Alipta muscata wohl nuch einmal gelegentlich als Ingrediens
zu Salben dienten und die Moglichkeit vorliegt, dafs die Bezeichnung dim?,
von den Pflastern auf Mixturen uberhaupt ubertragen ware. Bei der
Korruption dcr griechischen Llenennungen , deren die Salernitmer sich
schuldig machten, ware das ICintreten des t in nlipos nicht z u verwrindern.
Es gibt aber nur e i n e ,,Alipta" in der ganzen Keihe der mittelalterlichen
Arzeneimischungen. A n u t i u s F o s i u s (Pharmacop. Basil. 1561) bringt
das Wort offenbar mit riiiriyw in Zusarnmenhang ( , a l i p t a f o r t e q u o d
in u n g u e n t a e t e m p l a s t r a a d g r a t i a m c o n c i l i a n d a m v e n i a t " ) .
Die Alipta war zur Zeit des h'icolaus das vornehmste Parfum, das den
angenehmstcn Rauch gab ( , f i t i n d e o p t i m u m f u m i g i u m ; e s t
o d o r i f c r u n i (1uo u t u n t u r a p o s t o l i c i e t i m p e r a t o r e s i n
c a p e l l i s s uis"). Es diente als Zusatz zu den kostbarsten Latwergen
und Medizinen, z. €3. der als Rivalin des Theriak gegen Pestilenz Jahrhundcrte hindurch wert gehaltenen, aus 65 bis 68 Ingredienzien komponierten
A u r e a A l e x a n d r i n a , welche in spateren Vorschriften, nicht bei
Nicolaus, noch einen besonderen Zusatz von Laudanum erhielt. Die
Vorschrift zur Alipte moscata ist bis in das 17. Jahrhundert annahernd
dieselbe geblieben. Nach den Angaben im Antidotarium parvum (abgedruckt mit den Glossen des P l a t e a r i u s in der Ausgabe des Mesuii
j u n . von 1531, Fol. 279a) sind die beiden Storax und das Ladanurn in
einer mit feinem Tuche bedecktcn Schale in den Ifundstagen an der
Sonne zu erweichen und in einem ebenfalls an der S o m e ermarmten
kupfernen Miirser mit eineiii warmen eisernen Pistill zusammenzuriihren,
bie die Masse schwrrrz geworden ist, dann das gepulverte Aloeholz ein-
'L'h. IIusemann, Ladanum und Laudanum.
1085
bezeichneten Werke des M a t t h a u s P l a t e a r i u s 1 uber einfache
Arzeneimittel. Die Zeit der Abfassung dieses Buches fiillt zwischen
1130 und 1160. Hier haben wir das Wort siebenmal, einmal ebenfalls
mit dem Zusatze , , p u r u m ' < . Benierkenswert sind: , , C o n t r a r e l a x a tiones d e n t i u m laudanum e t mastix confricentur et i n t e r
d e n t e s e t g i n g i v a s i n t u s e t e x t r a p o n a t u r " und , , C o n t r a
dolorem stomachi ex frigida causa e t ad digestionem
confortandum dentur quinque pilulae ex laudano e t fiat
euverleiben, dann der Camphor und Moschus in Koscnwasser verriebeii
zuzufiigen und die Masse auf einer mit Rosenwasser befeuchteten Marmorplatte zu diinnen Pastil!en auszurollen, die mit Rosenwasser besprengt
werden. Die in der Vorschrift erwiihnte ,,Storax rubea' ist offenbar
nicht als Cortex Thymiamatis, sondern ihrer Behandlung nach als sehmelzbares IIarz aufzufassen. Kach dem ohne Zweifel aua dem 12. Jahrhundert stammenden Commentar des B e r n a r d 0 P r o v e n z a l e
( B e r n a r d u s P r o v i n c i a l i s ) iiber die T a b u l a e S n l c r n i ist Storax
rubea eine schlechtereSorteStorax ( , , t r i a e u i n i s u n t g e n e r a a t o r a c i s ;
e s t s t o r a x c a l a m i t a q u a e m e l i o r e s t , et r u b e a q u a e e s t m i n u s
bona e t e s t s t o r a x l i q u i d a quae a d h u c e s t minus bona", D e
R e n z i , Coll. Salern. V. 303). SpHter nnhm man Benzod an dessen Stelle
( D i s p e n s a r i u m C o l o u i e n s c . 1565). I n F l o s s a n i t a t i s der Salernitaner Schrile ( D c l l e n z i , Coll. Snl. I. 473) heirst cs iibcr A l i p t a :
,,Exstirpans asma fragrans succurrit Alipta
Iiigidis asmaticis, yueris lactique vomendo
Convenit, e t strict0 thoraci fumus aliptae
Ipsius antidota substantia, cara sub intrat."
Der Preis der Alipta moschatn war ein sehr hoher. Nach der Augsburger Arzeneitaxe yon 1722 kostete die Drachme 8 Kreuzer, dagegen die Unze
Theriak nur 8, die Unze Aurea Alexandrina trotA des dazu verwendeteu
Goldes und Silbers 24 Kreuzer. Das Ladanum war unter den teuren
Ingredienzien der Alipta moschata freilich die am wenigsten teure Substanz; es rangierte mit S t y r a x l i q u i d a und L a u d a n u m in derjenigen
-4bteilung der Harze, von denen die lialbe Unze 2 Icreuzer Itostete, walirend
G nl b a n u m undM y r r h a o p t i m a das Dreifache, A a a f o e t i d a, B d e l l i u m,
M a s t i x das Vier-, S t o r a x c a l a r n i t a und C a m p h o r das Fiinf-, B e n z o e
und Drachenblut das Sechs-, A l o e s o c o t o r i n a das Achtfache kostete.
Dagegen war derTaxpreis v o n M o s c h u s 4 und von A m b r a 5-10Kreuzer
fur den Gran. Es gelten beziiglich des Ladanum die Preise wahrscheinlich fur die Handelsware, die im 15. Jahrhundert und wahrscheinlich
auch im Anfange des 17. stets von aufserst unreiner Beschaffenheit war.
Die Stellen finden sich in der Lyoner
1 Vergl. Coll. Salern. I. 228.
Ausg. v. 1538 (hinter Nicol. Praepositus) Fol. 84 col. 2, Fol. 279 C O ~ . 3.
M a t h e o a P l a t e a war der Sobn des erwahnten G i o v a n n i .
1086
Th. Husemann, Ladanurn und Laudanum.
emplastruni e s laudano c e r a a d d i t o pulverc costi e t s t o m a c h o s u p e r p o n a t u r . Auch in den Glossen, welche P l a t e a r i u s
zu dem Antidotum N i co 1a i schrieb , kommt das W o r t laudanum vierma1 vor.
Es sind somit die bedeutendsten Meister der Salernitaner Schule,
welche sich in ihren Schriften der fraglichen Nebenform bedienen.
Ihnen folgen dann spltere Salernitaner, in deren Schriften, soweit sie
von D e R e n z i herausgegebcn wurden , laudanum haufig genug nachzuweisen ist. So crscheint . das W o r t in dem obenl erwahnten
, , T r a c t a t u s d e a e g r i t u d i n e m c u r a t i o n e d d , \vo das Mittel a15
haarwuchsbefordernd crwghnt wird ( , , u t p i l i n a s c e n t u r e t m u l t o
longiores fiant, accipe apes, laudanum e t muscas e t bulle
i n o l e o f a c t o d e v i t e l l i s o v o r o m d L )und in den T a b u l a e M a g i s t r i
P e t r i M a r a n c h i , 2 die dem Ende des 13. Jahrhunderts anzugehijren
scheinen. Jedenfalls ist bei der Salernitaner Schule das laudanum uberwiegend. N u r in einem einzigen Buche, das aber vielleicht in sehr
fruhe Zeiten filillt und die Form der Trotula entlehnt hat oder wo, da
es in Hexametern qeschriebcn i s t , die Riicksicht auf das Metrum die
Form laudanum bezw. laudaninum verbot, ist liidinum vorhanden , in
dem von D e R e n z i nach einem Pariser Codex herausgegebenen Gedichte
d e s e c r e t i s mulierum.:i
Es sind aber nicht niir Salernitnncr Arztc, bei dcnen Laudanum gcbrauchlich ist. Man findet dieses in den lateinischen tfbersetzungen aller
hervorragenden arabischen iiiedizinischen Schriftsteller. Bei deinjenigen
Autor, der insofcrn vorzugsweise in Betracht kommt, als e r nicht blofs,
u i c die meisten Amber, den D i o s k o r i d o s und G a1 e n abschreibt, bei
den1 Verfasser des G r a b a d i n m e d i c a m i n u m c o m p o s i t o r u r n , des
* Vergl. tiemerkung zii J o a n n e s P l a t e a r i t i s . Die Stelle s. Coll.
Salern. 11. 129.
2 Coll. Salern. IV. 560.
3 Coll. Salern. V. 31. Lib. I. c. 16. v. 201. ,,Oleo roseove resolvas
A u t viole ladanurn, facit i n s p i s s a r e capillos
Ac tritum nasci.
Oleum q u o q u e sic ladaninum,
Q u o d s i c o n t e r i t u r , oleo n i m i u m y u e c o q u a t u r ,
Dicitur hoc oleum ladaninum pluribus aptum.
Comburantur a p e s cum cortice castanearum,
Avellanarurn, gallarum p o n d u s a d e q u u m ;
I t e r u m pulvis oleo l a d a n i societur".
't'h. Husemann, Ladanuin und Laudanum.
1087
L i b e r d e c o n s o l a t i o n e s i m p l i c i u m und des Liber de appropriatis,
ist es freilich zweifelhaft, ob e r wirklich zu den A r a b e n gehort oder
ob das Buch nicht im 11. oder 12. Jahrhundert von abendlandischen
Arzten auf seine; ru'amen zusammengeschrieben ist. Es ist dies M e s u ?i
der Jungere, 1 von dessen Schriften in arabischem Texte iiberliaupt
nichts existiert, in dessen lateiniseher Bearbeitung wir aber wiederholt
auf ,,laudanumLLstofsen. I m Grabadin findet es sich in zwei Vorschriften fur koloquintenhaltige Pillen, P i 1 u l a e a1a n d a h a1 H e r m e t i s ,
die e r als bewahrt ( e x p e r t e ) und hervorragend ( s u b l i m e s ) bei altem
Kopfschmerz ( s o d a a n t i q u a ) , schwerer MigrKne und Gelenkleiden
bezeichnet, und P i l u l a e a l a h a n d a l e x p e r t e a d e g r i t u d i n e s
c e r e b r i e t n e r v o r u m p h l e g m a t i c a s e t j u n c t u r a r u m , z und in
Rezepten zu Magenpflastern, und zwar zu den beriihmten E m p 1a s t r a
d i a p h o e n i c u m s oder, wie sie bei M e s u e heifsen, , , d i a f i n i c o n " ,
welche mehrere Jahrhunderte vie1 in Gebrauch waren und im 15. Jahrhundert sowohl in die Augsburger als in die Kolner Pharmakopije Ubergingen. I n Liber de appropriatis finden wir es in dem Abschnitt iiber
Haarkrankheiten nicht weniger als flinfmal.4 Hier bezieht sich M e s u F
verschiedentlich auf lltcre arabische Autoren , in deren lateinischen
ubersetzungen das Arzeneimittel uberall als laudanum vorkommt. So
in denen des I t h a z e s (Mahoniet filius Zachariae), der es in Salben znr
Befcirderung des Haarwuchses und zum Schwlrzen der Haare benutzt,,
in denen des A v i c e n n n , tler in dem konfusen Kapitel de cusu Cistus,
Ladanuni und Cissus (Hedera) zusammenwirft, und in denen d w
S e r a p i o j u n., der die naturhistorischen Angaben des Dioskorides und
Vergl. in Bezug auf M e s u 2 j ti n. Hiogr. Lex. I, p. 179.
Diese Pillen waren nach dem Kommentar des M o n d i n o d e
L i u c c i i ( M o n d i n u s d e L e u t i i s ) , des beruhmten Bologneser Anatomen
(f 1327), gegen 1300 vollig ungebrauchlich. Sie finden sich dagegen bei
N i c o l a u s P r a e p o s i t u s wieder. Der Name alandahal bedarf keiner Erklarung, d a die Trochisci Alhandal, die darin vorkommen, bis in die
ueueste Zeit offizinell blieben. (a1 Artikel, handal, Koloquinte.) Vergl.
husg. v. 1538, Pol. 84a col. 2, 85b col. I.
3 6th yzvixwv, aus Datteln bereitet, neben denen iibngens auch uoch
Zwiebacke in dem fraglichen Pflaster waren. Das eine Pflaster heifst
bei M e s u e E m p l a s t r u r n d i a p h o e n i c u m A l e x a n d r i n i . Noch in
der Pharm. Augsb. von 1622 finden sich beide als I3 m p 1. d i a p h o e n i cu m
c a l i d u m e t frigidum.
4 M e s u e opp. (1538) Fol. 99a col. 1, 56, 70, col. 2, 40, 69, b col. 1 B. 5.
1
2
1088
Th. Husemann, Ladanuni und Laudanum.
die medizinischen des G a l e n einfach ubersetzt. 1 Diese Gbersetzungen
sind diejenigen, welche G e r a r d u s v o n C r e m o n a (1114-1187) auf
Befehl des Kaisers Friedrich Barbarossa anfertigte, und beweisen, da
G e r a r d u s 2 nicht der Salernitaner Schule angehsrte, d a k auch aufserhalb Salerno's im Mittelalter die Form laudanum gebrauchlich war.
In der That haben wir dieselbe auch bei den vomtiglichsten medizinischen
und pharmaceutischen Schriftstellern Ttaliens, z. B. in dem Compendium
pro aromatariis des S a l a d i n von Ascolo,3 in dem Tractatus quid pro
quo des als Begrunder der scholastischen Medizin beknnnten Professors
der Hochschulen von Bologna und Padua G e n t i l e d e F u l i g n o 4 u. a.
M a t t h a e u s S y l v a t i c u s (+ 13-12) erkliirt sogar Ladanuni durch die
Vulgiirform laudanum,5 welche e r im Kapitel Cissus in seinen Mitteilungen aus Arabien uncl Griechenland konstant anwendet. Koch bis ins
16. Jahrhundert hinein fintlet sicli das Laudanum in den lateinischen
Schriften italienisccher Arztc; B r a s s n v o l a hat es z . U. noch in der
Vorschrift Zuni Emplastrum diaphocnicum. 6
Die grofse Verbreitung, welche die Schriften der Salernitaner
Xrzte in ganz Europa hatten, inacht es erklxrlich, d a k ihre Be-
Uber R h a z e s vergl. Biogr. Lex. I, p. 168. I>as fragliche Kapitel
des Avicenna, I)e Cusu (Can. lib. IIn, c. 172) war schon im 14. und 15. Jahrh.
den Gelehrten ein Stein des Anstokes, obschon die Verwechslung von
Cisthus (Cistus) und Cissus (Hedera) schon PI i n i u s verschuldete.
Vcrgl. A n t o n i u s M u s a B r a s s a v o l a (Exam. omnium simpl. 1546, p. 623),
der die Ausstellungen seines gelehrten Lehrers N i c o l a u s L e o n i c e n u s
(1428 bis 1524) bestiitigt. S e r a p i o n ' s Kapitel iiber Ladanum beginnt
in der lateinischen fibersetzung (Fol. 1286 der Lyoner Ausgabe von 1525)
mit .Jeden (leden?) id est laudanumu.
Biogr. Lex. I, p. 527. Es war offenbar ein Exemplar einer der vielen
Busgaben dieser Ubersetzung, C h o u l a n t nennt 15 bis 1500 erschienene
Ausgaben, welches P a r a c e l s u s vernichtete, als er den Avicenna offentlich verbrannte.
3 M e s u t opp. 1538, Fol. 5683. col. 1, 13. Vergl. Biogr. Lex. V, p. 151.
4 ,,Pro l a u d a n o p o l e g i u l n v e l p o p u l e u m . " M e s u e opp. 1538,
Pol. 342. Uber G e n t i l i s F u l i g i n e u s vergl. Biogr. Lex. IT, p. 523.
, , L a d a n u r n , i. e. l a u d a n u m ara. scrobo. ab herbs unde colhgitur ladam dicta'. Opus Pandectarum. Turin 1526, Pol. 133. S. auch
Pol. 57a col. 2. Uber den Autor, den man iibrigens der Schola Salernitann
zuzahlen ksnn, vergl. 1> e R e n z i, Coil. Salern. I, 343. Biogr. Lex. IV, 166.
Eramen omnium .trochiscorum. L u g d . 1555, p. 653. Vergl. uber
h n t o n i u s M u s a B r a s s a v o l a Biogr. Lex. I, p. 561.
Th. Husemann, Ladanurn und Laudanum.
1089
nennung auch in anderen LYndern angenonimen wurde. W i r kiinnen
sie in Prankreich, England und Deutschland nachweisen.
Von franzosischen Autoren hat sie im 13. Jahrhundert der bekannte
Arzt und Alchimist A r n a u d d e V i l l e n e u v e ( A r n o l d u s V i l l a n o v a n u s ) sowohl in einem Artikel iiber Alipte miiscata1 als in verschiedenenvorschriften uber die in dieser Zeit der Pest als Prophylakticuin
derselben aufkonimenden und noch im 17. Jahrhundert gebrluchlichen
R i e c h L p f e l ( P o m a o d o r a t a ) , die man abwechselnd bald in die
rechte, bald in die linke Hand nahm und welche iihnlich wie die Alipte
muscata Moschus, Ambra und Kampfer neben Ladannm enthielten. 2
Diese Vorschriften finden sich aucli, allerdings modifiziert, als A m b r a
a p f e l , P o m a Am b r a e , in dem oben erwYhnten, ebenfalls Frankreich
ailgehijrigen Antidotarium des N i c o l a 11 s P r a e p o s i t u s wieder und
sind von dieseni in die Augsburger Pharmakopoe und in das Dispensarium
Coloniense iibergegangen. A r n o 1d u s Vil I a n o v a n u s gebraucht aber
nuch die Form Lapdanum,3 und zwar in einem Artikel iiber Riucherkerzen ( S u f f u m i g i u m ) , fur welche die Augsburger Pharmakopoe (1622)
nnter der Ueberschrift ,,C a n d e l a e p r o s u f f i t u “ ebenfalls besondere
Vorschriften gibt.
N i c o l a u s P r a e p o s i t u s hat ,,Ladanurn“ in
9 Arzeneivorschriften ( A l i p h muscata, 2 Ernpl. diafinicon, Oleuni de
Inudano, 2 Pilulae alhandai, 3 Poma Ambrae).
-
--
Opp. Venet. 1514, Fol. 291a col. 1. Vergl. Biogr. Lex. I, p. 195.
Ebenda Fol. 237n col. 1, 2.
3 Reide Formen finden sich auch in dem spater noch zu erwahnenden deutschen 0 r t u s s a n i t a t i s : ,,laudanum hat von natur ein
gut geroch und daruinb nutzet man den zu den wollriechenden Dingen
als die pomum amhre und die candelas oder truciscos pro fumigis.”
V i l l a n o v a n u s empfiehlt das Itiechen an dem Pomum Ambrae sowohl
den ICranken als den Gesunden und namentlich dem Arzte, wenn er die
Kranken besucht. Dem Apfel schreibt er aber auch noch verschiedene
gunstige Effekte zu: er helfe den ,,epilepticis e t cardiacis” gegen schlechten
Geruch aus Nasen, Ohren und Mund, gegen cariose Zahne, e r reize zum
Bckchlaf und st;irke den Magen. V i l l a n o v a n u s erwahnt sowohl durchbohrte als nicht durchbohrte Poma odorata und deutet damit auf andere
ubliche Verwendungen, indem man dieselben als Schmuckgegenstand um
den Hals oder als Armband trug. Vergl. C. B a u h i n , de remed. formulis
(1619), p. 984. Die I’oma Ambrae des V i l l a n o v a n u s nurden mit
Gummi arabicum oder Gummi arabicum und Tragant und Rosenwasser
bereitet, wahrend N i c o l a u s P r a e p o s i t u s teiiweise Wachs 31s Excipiens
benutzt, dem die Species in einem erwarmten Morser inkorporiert wurden.
Arch. d. Phnrm. XXVII. Bds. 22. HeR.
69
1
2
1090
Th. Hnsemann, Ladanum und Laudanum.
Von englischen Schrifhtellern nennen wir nur Johannes von G a d d e s d e n , l in dessen als R o s a a n g l i c a bekannteni Werke laudanum
und oleum laudaninum wiederholt vorkommen.
Was endlich Deutschland angeht, so finden wir laudanum in zwei
der ersten gedruckten mcdizinischen Biicher in deutscher Sprache,
namlich bei T o l l a t v o n V o c h e n b e r g , und in dem Ortus Sanitatis.
In der 1508 in Strafsburg gcdruckten M a r g a r i t a m e d i c i n e des
ersterenz heifst es R1. 30 b. 26; , , L a u d a n u m . I t e m w e m d i e
z e n wee t u n d , d e r h a l t l a u d a n u m , ein g u m m i a l s o g e n a n n t ,
i n den1 mund. e s b e n y m p t jm d e n s c h m e r t z e n u n d h e y l e t d a s
bijs zanfleysch. I t e m d e r b e s t l a u d a n u m i s t d e r s c h w e r
u n d s c h w a r t z i s t d i c u n t p h y s i c i . I t e m d i e p b l l u l a e yon
l a n d a n o (sic) d e s a b e n d s s o e i n e r s c h l a f f e n w i l l g a n g e n o s s e n
e r w e r m e n t d e n m a g e n u n d m a c l i e n t w o l deiien:'
Spater wurden aus den Poma Ambrae (oder, wie sie abgekiirzt genannt
wurden, ,,Pomambrae") aber vielfach die teure Arnbra und der ebenso
teure Moschus fortgelassen und die Riechiipfel vorwaltend nus Ladanum,
Storax, Nelken und billigeren Gewiirzen gemacht. Zu Pestzeiten dienten
ja auch die Citronen, deren V i l l a n o v a n u s ausdrucklich gedenkt und
die sich, friiher als Riechmittel bei ansteckenden Krankheiten benutzt,
allmiihlich als Insignien der Leichentrager bei Sterbefiillen ausbildeteu
und dies noch heute in eiozelnen Gegenden geblieben sind.
Paduaner Ausg. yon 1492 Fol. 60b, wo neben laudanum auch
o l e u m l a u d a n i n u r n steht, ,,o. 1. quocl s i c f i t : o l e i l a u r i n i lib. 1,
l a u d a n i 3 1 e t b u l l i a n t s i m u l " sich findet; ferner Pol. 64b (in der
V o r s c M z u P o m a odorata), Fol. 172a(,et o l e u m d e l a u d a n o s i m p l e x
q u o d v a l e t in c o n f o r t a t i o n e s t o m a c h i mollificati e t capillos
c a d e n t e s d e t i n e t " . Das Oleum laudaninum des G a d d e s d e n ist
schwacher als die Formel des N i c o I a u s (1 : 4), der, wie friiher die Italiener
und G e r a r d u s d e S o l o , G a d d e s d e n ' s Zeitgenosse in Montpellier
(vergl. Biogr. Lex. 11, p. 528), Oleurn Olivarum vorschrieb. Zur Zeit
Mattioli's war ein IIawoI, das durch 11/2stiindiges Kochen von
Ladanum mit Rosenwasser und Mmdelol gewonnen murde, bei den
,,Profumieri" sehr beliebt.
2 Der Titel des kleinen Buches, das danach ein Kollegienheft
zu sein scheint, ist: , , M a r g a r i t e m e d i c i n e . Ein meisterlichs ufserlesenes Biechlin der Artzeny fur mancherley krankheit und siechtagen der
menschen, gemacht durch J o h a n n e m l ' o l l a t v o n V o c h e n b e r g bey
dem allererfarnisten man der Artzeny doctor S c h r i c k." Es wird meist
d s .aberglaubisches Machwerk" des 14. oder 15. Jahrhun derts bezeichnet,
ist aber nicht aberglaubischer als irgend ein Arzeneibuch dieser Zeit.
1091
Th. Husemann, Ladanurn und Laudanurn.
Tn den O r t u s s a n i t a t i s l ist das 239. Kapitel den1 Ladanum
gewidmet, wo es heifst: , , L a u d a n u m l a t i n e . D i e m e i s t e n
sprechen, das laudanum sei drucken und feucht an dem
e r s t e n g r a d e . - - - D i s s w t i r t gar d i c k g e f e l s c h e t . In
dem b u c h c i r c a instans beschreiben u n s die meister, d a z
u n t e r zehn Pfund laudanum kum zwei pfunt recht laudan u m sy. - - l a u d a n u m h a t v o n n a t u r e i n g u t e n g e r o c h u n d
d a r u m n u t z e t nian den z u d e n w o l l r i e c h e n d e n D i n g e n - w e r d e n schnopffcn h e t t e d e r nenie d e n r a u c h i n sich: e r
q e n y s e t . Wen1 d i e z e n w e t u n d e r h a l t l a u d a n u m i n d e m
i i i u n d e : es b e n y m p t d e n s c h m e r t z e n , u n d h e y l e t d a z b o s z
zanfleysch. W e l c h e r ein k a l t e n magen h e t t d e r nem pilule
von laudano dcs obents, die e r w e r m e n t den magen u n d
m a c h e n t w o 1 d eiie n.ii
Weiter findet sich Laudanum an verschiedenen Stellen in Schriften
Walther R y f f ' s , 2 und zwar sowohl in seinem ,,Konfektbilchlein" als
in seinein Destillierbuche. Im zweiten Teile des KonfektblLchleins (p. 58)
bemerkt e r bei der Confectio Galliae muscatae ,3 dafs ,,solliches Confect
wol besigletu doch verfilscht aus Venedig geliefert werde, ,,obgleich kein
tropff Rysams dazu kommt, und allein v o n s c h o n e m g u m m i L a u d a n o hereit wirdt, als man aiigenscheinlich sehen und durch den unlieblichen Geruch innen werden magu. Im dritten Teil (p. 140) erwiihnt
1 Aus derselben Werkstatt wie die Margarita medicine (Strafsburg
150s). Bemerkenswert ist die wortliche Ubereinstimmung des letzten
Satzes in beiden Biichern. Die Quelle ist P l a t e a r i u 8 , dieselbe wie auch im
Buche der Katiir von Kunrad v o n M e q e n b e r g ; doch ist nicht letzteres,
sondern das Original benutzt, da der komische Lapsus calami, der
M e g e n b e r g begegnet ist, das ,,in sero" bei P l a t e a r i u s statt mit
,abends" mit ,,in Molke oder Kaswasser" wiederzugeben und die JLaudanumpillen in Molke nehmen zu lassen, sich hier nicht fiudet.
2 Gber Walther Hermann Ryff vergl. Biogr. Lex. V, p. 133. Unerwahnt
ist dort, d a h R y f f eine Zeit lang Apotheker in Gustrow war, wie er sich
in dem dritten Teil der ,,kleinen deutschen Apothek" von 1552 gerade
als >,etwan Fiirstlicher Gnaden von Mecklenburg Apothekcr zu Gustrow"
unterzeichnet. Das wiederholt aufgelegte Buch erschien zuerst 1542. Das
mir vorliegende mGrors Destillirbuch" (Frankfurt 1567) ist nach einer
iilteren, inir unbekannten Auflage ,,durch einen deren Kiinsten Liebhaber"
herausgegeben.
3 Einc zuerst bei M e s u e beschriebene wohlriechende, der Alipta
moschata ahnliche Konfektion.
69 :3
1092 Priifung des Glycerins. - Priifung des Natrium bicarbonicum.
er Laudanum als Bestandteil der M e s u S'schen Pilule Alahandel, wobei
er den Ausdruck dreimal gebraucht und des Harzes als ,,des schwanen
wohlriechenden gummi Laudani, der nit gefllscht sei", gedenkt. 1111
Destillierbuch (p. 179) beschreibt er das ,,Oly von dem schwarzen
Gummi laudano bereitet", ein per descensum destilliertcs 01, den1 er
grorse Heilkrlfte zuschreibt, welche im wesentlichen denen, welche den1
Ladanum entsprechen, beigelegt werden. Der Ausdruck Laudanum
(Schlurs folgt.)
kehrt hier vierlnal in aLlen Casus wieder.
B. Monatsbericht.
Pharmacentische Chemie.
Zar Priifnng des Glycerins.
Gelegentlich der Uesprechung der verschiedenen Verfahren zur Priifung des Glycerins war die Frage aufgetaucht, was wohl die Pharmakopoe unter einer ,,amrnoniakalischen
Losung von Silbernitrat" verstanden wissen wolle. E. Ri t s e r t fiihrt
aus, dafs die Pharmakopiie jedenfalls die von E. S c h m i d t angegebene
Mischung (eine Silberlosung von 1: 100, der 1 oder 2 Tropfen Salmiakgeist zugesetzt sind, wird auf ein gleiches Volumen Glycerin einwirken gelassen) meine, dafi es andererseits abcr nicht sowohl auf das
Mischungsverhatnis des Rcagens ankomme, als vielmehr darauf, dafs die
Behandlung des Glycerins mit ammoniakalischer Silberlosung in der
W a r m e geschehe. Die Verwendung des Hcagens in der Kalte gibt, wie
Verfasscr schon friiher (vergl. Archiv, p. 32) gezeigt hat, gar keinen
Beweis fur die Reinheit des Glycerins; als vollkommen rein kann ein
solches nur bezeichnet werden, wenn es beim Erhitzen mit dem Reagens
keine Fallung oder Braunung gibt und zugleich vollstandig fluchtig ist.
Es ist dabei glcichgiltig, ob die Losung etwas mehr oder weniger Silber
enthalt, nur mufs so vie1 Ammoniak verwendet werden, d a h auch nach
dem,I(ochen der Probe noch cin Uberschufs davon vorhanden ist.
Uber den Grund des Arsengehaltes des Glycerins iiuhert sich Verfasser dahin, dars das Arsen wahrschcinlich durch den Reinigungsprozel's,
dem das Glycerin unterworfen wird, in dieses gelange. Das Rohglycerin
ist eine braune bis schwarze, triibe, stinkende, alles mogliche enthaltende
Fliissigkeit, die behufs Reinigung mit Bleiessig behnndelt wird; das iiberschiissige Blei wird mit Schwefelwasserstoff ausgefallt und das soweit
gereinigte Produkt mit Tierkohle vollstandig entfarbt. In jedem dieser
drei zum Raffinieren verwendeten Stoffe ist eine Quelle fir Arsen gegeben,
hau tslichlich aber wird es der Schwefelwasserstoff sein, den man techniscg nicht gut arsenfrei herstellen kann. 1st aber erst einmal Arsen
im Glycerin, dann l a h t es sich schwer wieder hcrausbringen. (Pharm.
Zeit. 34, p . 625.)
Zur Prufnng des Natrium bicarbonicum. Seitdem von E. Mylius
vor ein paar Jahren auf die Verunreinigung des Natriumbicarbonats mit
Thiosulfat aufmerksam gemacht worden war (Archiv, Bd. 224, p. 498 und
7C1), scheinen die Fabrikanten ernstlich bemiiht gewesen zu sein, ein
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