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Medicinalwesen und Mngel in demselben.

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Vereimzeitung.
349
gesetzgebenden Beh6rde sein m6chten: denn es wiirde zu bedauern
sein, wenn sie auf einem so einseitigen Standpuncte stehen wollte, a h
Herr G. M. R. F i s c h e r ihn behauptet und zu behaupten sich zuin
Verdienst zu rechnen scheint! Den Brief, welchen Herr G. R. F i s c h e r
von jenem Herrn Apotheker erhielt, Itijnnee wir nicbt vertheidigen
und nur bedauern, dass sein Herr Verfasser alle Regeln der Artigkeit
vergessen hat.
Wir kijnnen nur bedauern sagen zu massen, dass es in der Wahrheit begriindet sei, dam, wenn man an manchein Orte gehijrt sein
wolle, dieses nicht anders geschehen kiinne, als wenn man derb werde!
'
Wenn wir nun auch nicht anders konnten, als die Ansichten des
Herrn G. R. F i s c h e r abermals zu bestreiten, so halt uns das doch
nicht ab, seine Verdienste anzuerkennen und zu glauben, dass er redlich habe niitzen wollen, dass wir aber nicht einsehen, wie der Pharmacie mit seinen Aufstellungen gedient sein konne, wir es also nicht
unterlassen konnten, die Stellung der Pharmacie zu vertheidigen, wo
Herr F i s c h e r sie angegriffen hat, und so scheiden wir von ihm mit
dem Zurufe: suum cuique!
2) MedicinaIwesen und Maagel in demselben.
Die Erlasse des Ministeriums der Medicinal-Angelegenheiten
in Preussen in Bezug auf das Selbstdispensirm der
Hovnoopnthen; von Dr. G . W. S c h a r l a u in Stettin.
Im Jahre 1832 erliess das Ministerium der Medicinal- Angelegenheiten in Preussen folgende Verfiigung :
Da die horntiopatbischen Aerzte denselben Gesetzen wie die
anderen unterworfen sind, 80 kann ihnen nicht gestattet werden,
Medicamente selbst zu bereiten und zu verkaufen, sie sollen vialmehr gehalten sein, die erforderlichen Arzneien fur ihre Kranken
aus den Apotheken zu verschreiben. Es bleibt ihnen jedoch unbenommen, die aus den Apotheken verschriebenen Arzneien selbst
zu verdiinnen und in andere, ihren Ansichten entsprerhende Formen zu bringen, oder nach ihrer Anweisnng yon den Angehdrigen
der Kranken mischen und verdiinnen zu lassen: eie diirfen jedoch
fiir dergleiclien Zubereitnngen weder Bezahlung fnrdern oder annehmen, oder solche in ihren eigenen Wohnungen vornehmen
und daselbst besondere Einrichtungen zu jenem Zweclre treffen,
widrigenfalls sie die auf das Selbstdispensiren der Aerzte gesetzte
Strafe treffen wurde.
Wenn es durch diesen Erlass den hom6opathischen Aerzten verboten wurde, ihre Arzoeien selbst zu bereiten, es ihnen dagegen
erlaubt wurde, diese Arzneien selbst zu verdiinnen und in andere
Formen zu bringen, oder dies von den Angehijrigen der Kranken thun
zu lassen, so ist wohl nicht zu verkennen, dass hierin manuigfache
Inconsequenzen liegen.
1) Es wird den Homijopathen verboten, die Arzneien selbst zu
bereiten und zu dispensiren. Die Griinde fur das Verbot ktinnen nur
folgende sein:
a) der Staat befiirchtet, dass die homtiopathischen Aerzte nicht die
geniigenden Kenntnisse in der Bereitung der Arzneien haben ;
350
Vereinszeitung.
b) der Staat Piirchtet Nachlassigkeiten und Unrechtlichkeiten von
Soiten der homdopathischen Aerzte ;
C ) e p flirchtel, sich die Controle iiber dbs xirztliche Handeln zu
entziehen.
EJ wird also den HomBopnthea nicht gestattet, die Arzneien selbst
LU bereiten, snndern nur diese zu verdtinnen und umzuformen, oder
dies von den Angehdrigen der Kranken thun zu lassen. Es ist kein
hinreichebder Grund zu dieeer Erlaubniss vorhanden, denn wenn man
dem Apotheker das Vertrruen schenkt, die Arzneien selbst anzufertigen, so lrann man mit demselben Rechte von ihm erwaiten, dass er
die Verdiinnungen oder die vorgeschriebened Arzneiformeo mit derrelben Gewissenhaftigkeit bereitet. Was nun seine Kunstfertiglccit in
diesem Fache der Arzneibereitung betrim, so lisst sich wohl erwarten,
dass diese eine ausgebildetere sei, als die der homdopathischen Aerzte
oder der Angehorigea der Kranken. Es ist also in diesen beiden
Beziehungen kein hinreichender Grund vorhanden, die vollstindige
Arzneibereitung den tlinden der Apotheker zu entziehen und in die
der Homdopathen und Laien zu geben.
Es wird aber fctrner den Homdopathen nicht gestattet, die aus
der Apotheke verschriebenen Arzneien mit nach Hause zu nehmen,
u m sic dort umzuformen oder zu verddnnen. Abgesehen davon, dass
zu genauen Verdtinnungen Cerithschaften gehdren, die man doch nicht
in die Behausung der Kraulcen unihertragen kann, dass aber ohne
diese die Genauigkeit, welche die Horndopathen fordern, unmoglicb
ist, so kann diese Bestiinmung n u darin ihren Grund haben, dam der
dtaat die Verwechselung der aus der Apothalre verschriebenen Arzneien init anderen beftirchtet biese anderen Arziieien ltdnnten aber
Bur .eintig und allein n ich t h o m 6 o p a t i s ch e sein. Der Staat will
also diese Verwechselung, also dae Begehen einer Unrechtlichlteit verhiiten. Wenn es nun ein allgemeiner Rechtsgrundsatz ist: quisque
praesumitur lonus, donec prolntur contrurium, so kann der Staat ein
solches Verbot nur auf Grund vorhandener r e ch t 1 i che r B e vvei s e ,
nicht aber auf Grund m o r a l i s c h e r U e b e r z e u g u n g e r l a s s e n . Wenn
nun der Staat die Erfahrung gemacht hat, dass homdopathische Aerzte
ihren Kranken, unter der Form und unter dem Nainen homdopathischer
Arsneien, genugende oder wohl gar zu starlre Gaben wirksamer Arzmien gereicht haben, dsss dieselben also eine Unrechtlichkeit begangen
haben, so darf derselbe, da er die Sorge fiir das Wohl der Staatsbiirger
fibernommen hat, das Selbstdispensiren so wenig, wie das Umfornien
oder Verdunnen der Arzneien in der Wohnung des Kranken erlauben,
da gewisa nur ein geringer Grad von Fingerfertigkeit dazu gehdrt, die
aus der Apotheke eatnonimenen tiom6opathischen Arzneien mit wirksainen Giibcn sogenannter alldopathischer Arzneien zu vertauschen.
Vorausgesetet, dass das Miuisterium diesen Erlass, der die hom6opathiscben Aerzte unler die Conttole der Laien bringt und sic in die
Reihe der Betrtiger stellt, nur nach rechtlichen Beweisen gegeben hat,
dil er sonst eine schreiende Ungereltigkeit enthielte, so ergiebt sich
als nothwendige Folge, dass der Staat die Ausiibunp der Homdopathie
nicht dulden darf, da er folgerechter Weise zu der Ueberzeugung gekommen sein mu=, dass die homdopathischen Aerzte von der Nichtigheit hombpathischer Arzneien uberzeagt sein miissen, da es diesen
sonst nie einfdlen kdnnte, Vertauschungen der aus den Apothehen
verschriebenen Arzneien init andercn vorcuathmen. Hat aber der
Staat auf diese Weirre den positiven Beweis yon der Betriiglichkeit und
Vereinsaeitung.
351
Nichtigheit der hom6opathischen Lehre erhalten, SO hat er die Verpflichtung, die Ausiibung derselben zu verbicten, da das Leben und
die Gesundheit der Staatahiirger dadurch, und zwar durch Unterlassungmanden, in Gefahr gebracht werden.
Anderntheils aber darf der Staat die Ausiibung der Heilkunde
nicht in die Hinde von Leuten geben, die er vornherein f i r unrechtlich xu halten sich gedrungen fiihlt.
Abgeeehen von allen diesen Einwiirfen, so ist nicht einzusehen,
wesahalb den HomBopathen erlauht sein 8011, Umforinungen oder Verddnnungen selbst voreunehmen oder vornehmen zu lassen, da diese
Verrichtungen vie1 sorgfiltiger und besser von den sacliverskindigen
Apothekern vorgenommen werdeu kdnnen. Die hoinijopathischen Aerzte
hahen als Grund ihres Verlrngens, das Selbstdispensiren der Arzneien
treiben zu kihnen, angegeben, dass von den Apothekern nicht die
n6thige Sorgfalt angewandt werde; indessen einrnal ist diese Behauptung unbegriindet, anderntheils aber bcstitntnt der Slant, dass die concentrirten Arcneiformen von den von ihm gepriiften und vercideteu
Apothekern angefertigt iind dispensirt werden sollen. Es wsre dcninach unfolgerecht, wenn man ihnen das weniger schwicrige Verdiinnen
nicht erlauben wollte.
Am 32. Mirz 1832 erfolgle nachstehende Verordnung :
=Die ferner getnachten Erfahrungen haben die Mothwendigkeit
ergeben, den honidopathischen Aerzten jede Befugniss zu nehmen,
welche zum Selbstdispeusiren fiihren oder als solche angesehen
werden limn, wohin nimlich das Selbstpripariren von ledicainenten, um solche aus der Apothelce nachher verkaufen zu lassen,
so wie das Selbstverdunnen und Umformen aus den Apotheken
verschriebener Arzneien gehdrt. Es kann mithin zwischen den
homdopathischen und den ilbrigen Aerzten, i n llinsiclit der far
die Verabreichung und Zubereitung der Medicamente bestellenden
Cesetze, ferner kein Unterschied mehr statt finden, und sollen jene
wie diese gehalten sein, die Arzncien fiir ihre I’atienten aus der
Apothelte zu verschreiben. Dabei steht es den liomiiopathischen
Aerzten frei, bei der Bereitung der Arzneien, wenn sic Bedenken
tragen sollten, dieselben dem Apotheker allein zu iiberlassen,
selbst gegenwirtig zu sein, dieselbe unter ihren Augen vollziehen
zu lassen und auf Anwendung der niithigen Vorsicht Acht zu
haben.r
Nachdeni also das erste Rescript kaurn ein Jahr erlassen war,
wurde die gegebene Erlaubniss des Selbstverdiinnens und Uniformens
vdllig wieder aufgehoben. Es heisst aber ausdriicklich: die ferner
gemachten Erfahrungeu ; daraus folgt nothwendig, dass die Erfahrungen, welche dies Verbot herheifiihrten, schon friiher vor Erlass des
ersten Rescripts ebenfalls gemacht worden sein inussten. Wenn also
dies der Fall war, so war es durchaus nicht gerechtfertigt, die Erlaubniss zum Umformen und Selbstverdiinnen an Leute zu ertheilen,
die diese schon friiher benutzt hatten, urn Tiuschungen auseuiiben.
Ein anderer Grund, als der so eben aufgestellte, konnte dberdies Rr
dies Verbot nicht vorhanden sein, und der Staat tnusste durch die
getnnchten Erfahrungen zii der Ueberreugung gelangen :
1) dass zur Heilung von den Krankheiten, welche einen Arzneigebrauch wirklich erforderii, die homaopathischen Gaben der
Areneimittel ungeniigend seien, da sonst kein Grund vorhanden
352
Vereinszeil ung.
gewesen sein Itonnte, die homoopathischen Arzneien mit a n d e r e 4
unter dem Vorwande des Umformens, zn vortauschen ;
2) dass die lioindopathischen Aerzte sich dieses Tiuschungsmittels
nur aus dem Grunde bedient haben konnten, urn ihrer Lehre
Anerkennung zu verschaffen.
W e n n nun niclrt gut einznsehen war, wesshalb die Homoopathen
eine besondere Uinforniung der Arzneien nothig halten, da die Form,
in der der Million- oder Decilliontheil eines Tropfens des Arzneimittels
gereicht wird, gewiss ganz gleichgiiltig fur seine Wirltungen ist, so
musste nicht allein den genrachten Erfahrungen gemass, sondern aus
der Nichtiglteit der angefuhrten Griinde fur den Wunsch des Selbstverdiinnens und Umformens, dem Staate die Ueberzeugung a priori
werden, die ihrn spiiter aus der Erfahrung vollstindig wurde, dass
namlich die Beweggrunde dazn nicht die lautersten waren. Ausserdern musste dein Staate die Ueberzeignng geworden sein, dass die
theoretisch wie pralitisch von vielen Seiten bewiesene Nichtigkeit der
homqopathischen Lehre ihre Begriindung habe, da ihre Belrenner selbst
diese in vollem Sinne gewonnen hatten und wieder znr Anwendung
erfahrungsmassig wirksamer Arzneigaben iibergingen, ohne jedoc! ein
offenes Bekenntniss dariiber abzulegen. Da nun die Homoopathen
z w a r geniigende Gaben wirltsanrer Arzneien unter dem Deckmantel
d e r homdopathischen Mittel reichen, jedoch die Anwendung der Blutentziehungen, aer Hautreize, Brechmittel nicht unter dem Namen einer
homoopathischen Behandlung vorltommen Itiinnen, so miissen diese so
IrrRftigen Heilmittel ausser Gebrauch bleihen, und die Erfahrung hat
leider traurige Beispiele von unter Behandlung von Homoopathen vernachllssigten Apoplexionen, Pneunoniien und andcren Entziindungen,
yon verschleppten galligen Fiebern, Kheuniatisnien u. s. w. geniigend
dargethan. Andererseits hat man Beweise, dass selbstdispensirencle
Homdopathen grosse Gaben narkotischer nnd heftig wirkender Mittel
mit Gefahr fiir Leben und Gesundheit der Kranlten dargereicht habcn.
Da nun der Staat sich einestheils die Coutrole iiber die Arzneidarreichuiig entzogen hatte, anderntheils von der Nichtigkeit der 110meopathie die geniigendsten Beweise durch die eigenen Zugestiindnisse
ihrer Beltenner erhalten hatte, so lag ihm die unvermeidliche Verpflichtung ob, niclrt allein das Selbstdisyensiren in jeder Art, sondern
die Ausubung der Homdopathie selbst zu verbieten, und er that das
erstere auch.
Nach diesem Verhote des Selbstdispensirens versucliten es die
Honidopathen anf alle nur rniigliche Weise, die Erlaubniss zur unumsckrlnkten Arzneibereituug wieder zu erlangen. Die Griinde fiir die
Bittstellungen waren lieinc anderen als die bisherigen ; die Nichtiglreit
dieser musste aber den Bchiirtlen pin so nielrr einleuchten, als die
gernachten Erfahrungen die unrechtliche IIandlungsweise der selbstdispensirenden Homuopathen diirgethan hatlen. Die besten Beweise
fur die Nichtigkeit dieser Griindc geben iibrigens die homdopathischen
Journale; denn wenn wirklich die lleilltraft ihrer Mittel durch die
Art der Zubereitung in den Ayotheken verloren gelien sollte, so ware
es ja vollig unnioglich, dass die Homdopathen so viele und schnelle
Wunderkuren damit ausgefiihrt haben Itiinnten, wie in jenen angefuhrt sind.
Unter dem 3. Rlirz 1833 wurde ein Rescript erlassen, welches
feslstellte, dass die yon den honidopathischcn Aerzten gewiinschte Erlaubniss euni Selbstdispensiren ihrcr Arzneien in i t d e n b c s t e h e n d e n
Vereikaeitung.
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g e s e t z l i ch e n B e s t i m m u n g e n d ur ch a u s u u v e r t r g g l i ch s e i.
Es heisst ferner in diesem Erlasse, dass dieser Erlaubniss eine vtillige
Unisnderung der Organisation des Apothelcenwesens, so wie der ganZen Medicinalverfassung vorangehen miisse ; dass indessen zu einer
solcheo Naassregel Nachweisungen und Beobachtungen ntithig seien,
welcbe zu vie1 zuverllssigeren uud siclicreren Schlussresultaten, als die
bisher vorliegenden fiihren mfissten, um sowohl iiber den p o s i t i v e n
W e r t h d e s homtiopathiscben H e i l v e r f a h r e n s , a l s auch
u b e r d i e N o t h w e n b i g l r e i t zu e n t s c h e i d e n , d a s s d i e H e i l r e s u l t a t e d e r I l o m d o p a t h e n vom S e l b s t d i s p e n s i r e n a b h l n g i g w B r e n . Bis dahin sollten die bestehenden gesetzlichen Bestirnmungen ikre Kraft behalten. Das Minrsteriurn behielt es sich jedoch
vor, die sachdienlichen Ausmittelungen und Einleitungen zu treffen,
Innerhalb zweier Jahre waren also drei versrhiedene Verfiigungen
erlassen, und zwar erlaubte die erste das Selbstverdinnen und Umformen ini Hause der Kranken, also unter Controle der Angehdrigen
derselben; die zweite verbot dies Verfahren durchaus, da die gemachten Erfahrungen diese Nothwendiglreit geboten ; die dritte endlich
stellte die Erlaubniss zum Selbstdispensiren mit einer Umanderuug der
Medicinalverfassung und dee ganzen Apothelrenweseus in Aussicht,
macht diese jedoch von einer entscbiedenen Beweisfuhrung der Wirksamkeit des homdopathischen Heilverfahrens, seines positiven Werthes
als Heilverfahren und des Bedingtseins der Heilwirlrungen der Arzneien
durch das Selbstdispensiren der Aerzte abhangig.
Alle diese geforderten Beweise und Nachweise sind his jetzt nicht
gefihrt worden und kdnnen nie gefihrt werden; wolil aber Irdnnen
die entschiedenen Beweise fir die Nichtigkeit der homtiopathischen
Lehren, sowohl aus ibren Erfolgen bei der Rranlrheitshehandlung, als
auch aus dem geschichtlichen Verlaufe der Horncopathie selbst, geliefert werden. H a h n e m a n n war anflnglich das Orakel der Homtiopathen; seine Lehren wurden von ihm und seinen Jingern als die
einzig wahren ausgeschrieen, und heute schon denkt lrein Ilomtiopath
daran, sich auf H a h n e m a n n zu berufeu und seine Angaben a h
niaassgebend fiir sich zu achten.
Trotzdem, dass nun diese Bedingungen nicbt erfiillt sind, SO wurde
uuter dem 11. Juli 1843 ein Erlass vertiffentlicht, der den Homtiopathen das Selbstdispensiren erlauht, obne dass das Apothekenwesen
oder dic ganze Medicinalverfassung eine Umiinderung erlitten hltten.
Man hat also entweder zehn Jahre hindurch eine Ungerechtiglreit hegangen, indem man die Erlaubniss Z u n i Selbstdispensiren irn Jahre 1833
an eine BFdingung kuiipfte, die 1843 durchaus nicht mehr ntithig erschien, und so die Kranken, welche uach homtiopathischen Grundsiitzen
behandelt wurden, der Gewissenlosiglceit dcr Apotheker (denn diese
war der Hauptgrund der Bittstellung der Homdopathen) uberliess, oder
man beging 1813 eine Rechtsverletzung gegen Aerztc und Apotheker
zu Gunsten der Homtiopathen ruf Grund eincr durch nichts gerechtfertigten Angabe. Gleichzeitig mit dieser Erlaubniss wurde ein pharmaceutivches Prfifungsreglement fur die Homtiopathen erlasscn. Dieses
lautet in folgender Weise:
rDa in Bezug auf das Heilverfahren nach hom6oprthischen Grundsiitzen eine Modification der Vorschrift, nach welcher Aerzte die von
ihnen verordneten Arzneien in der Regel nicht dispensiren diirfen,
angemessen hefunden worden ist, so werden iiber die Befugniss der
hlcdicinalpersonen zuin Selbstdispcnsiren der nach homtiopathischer
-
354
Vereinszeitung.
Weise bereiteten Arrneien fiir den ganzen Umfang der Monarchie nachstehende Vorschriften gegeben.a
J. 1. DEiner jeden Dfedicinalperson soll, eoweit sie nach Inhalt
ihrer Approbation cur Civilpraxis berechtigt ist, kiinftig nach Iilaassgabe der nachfolgenden ntiheren Bestimmungen gestattet sein, nach
homijopathischen Grundsatzen bereitele Areneien selbst cu dispensiren.r
Q. 2. rpWer von dieser Befugniss Gebrauch machen will, muss
hierzu die Erlaubniss des Ministers der Medicinal-Angelegenheiten einholen..
$. 3. sDa die durch das Priifungsreglement vom .I.
December
1825 verordneten Staatspriifungen f i r Aerzte und Wundiirzte auf Erforschung der pharmakologischen Kenntnisse und der pharniaceutischtechnischen Ansbildung der Candidaten nicht mit gerichtet sind, bei
dem Heilverfahren nach 'hemijopatbischen Grundsiitren auch mehrere
in der Landespharmakopije nicht aufgenommene Arzneistoffe angewendct
werden, so kann die Erlaubniss cum Selbstdispensiren der erwtihnten
Mittel nur den Medicinalpersonen gestattet werden, welche in einer
besonderen Priifung nachgewiesen baben, dass sie die erforderlichen
Kenntnisse und Fertigkeiten besitzen, um die verschiedenen Armeimittel von einander cu unterscheiden, die verschisdenen Quantititen
derselben geniigend bestimmen und die Arzneimittel geh6rig bereiten
zu Irdnnen. Diese Priifung sol1 vor einer Commission erfolgen, welche
der Minister aus dazu qualificirten und insbesondere rnit der Botanili,
Chemie nnd Pharmakologie, so wie mit den Grundstitzen des homoopathischen Heilverfahrens praktisch vertrauten Miinnern bestimmen wird.
Dieser Abschnitt macht es ndthig, einige Fragen zu stellen.
I)Besteht ein vom Staate bestiitigtes bomOopathisches Dispensatorium oder nicht, und wenn nicht, wie es gewiss ist, nach welcher Maaaegrbe sollen die Kenntnisse des Candidaten gemessen
werden?
2) 1st die Hom6opathie in ihrer jetigen Gestaltung 'vom Staate als
Heilverfahren anerkannt, und sind die friiher verlangten sicheren
Beweise fiir ihren p o si t i v e n Werth beigebracht worden, oder
nicbt?
3) Sind ferner allgemein giiltige, durch die Erfahrung gerechtfertigte
und durch den Stand der Hiilfswissenschiiften gebilligte Grundsiltre der Homdopatbie vorhanden, und sind diese voin Staate
anerkannt oder nicht?
1st dies, wie gewiss ist, nicht der Fall, und hat fast jeder der
Hombopathen sein eigenes System, huldigt bald dieser, bald jener
Annahme, ist bald reiner Hahnemannianer, bald Specifiker, bald Isopath,
behandelt er seine Kranken, j e nach ihrem Wunsche, bald homdopathisch, bald nach den Erfahrungssltzen der wirklichen ledicin, bald
nach eigenen Ideen, so g e h t d a r a u s u n w i d e r l e g l i c h h e r v o r ,
dass d e r Staat e s A e r z t e n nicbt gestutten kann, Kranke
nach d i e s e m o d e r j e n e n i H i r n g e s p i n n s t e zu b e b a n d e l n
und d a s Leben und dieGesundheit der Staatsbiirger auf's
S p i e l z u s e t z e n , da derselbe durch die Staatspriifung ewar die
Gewissheit von den medicinischen Henntnissen des Candidaten, j e nacb
dem jedesmaligen Standpuncte der Wissenschaft gewonnen, aber noch
nicht die Gewissheit von der Tauglichkeit der Horndopathie oder der
verschiedenen, bei jedem Homdopathen sich aiiders gestalteten Hailideen erlangt hat. Der Staat lraiin dies iim so waniger dulden, als
er die Gewtihrleistang fiir die tiichtige Ausbildung der Aerzie durch
Vereinszeitcny.
355
die Staatsprdfung dbernommen hat, als die Staatsbiirger sich demgemiss vertrauungsvoll den geprilften Aerzten iiberlasscn. l i t demselben Rechte, mit dem n u t gepruften Leuten die Leitung von Lommotiven und Dampfschiffen iiberlassen wird, init demselben Rechte kann
uur Aerzten, die in der Erfahruegsivissenschaft gcpriift sind, die Behandlung von Krdnken im Sinne dieser Erfahrungswissenschaft gestattet werden.
Es besteht demnacb in keiner Beziehung eine Norm, nach welcher
die Kenntnisse des Candidaten gemessen wcrden, und der Willkiir ist
m6glichst freier Spielrauin gelassen, da das h'ein des Candidaten in
den meisten Gegensttinden seiner Priifung eben so vie1 gilt, als das
J a seiner Examinatoren.
4. 4. #Die Eintichtungen, welche zur Bereitung und Dispensation det Arzneien von den dazu berechtigten Medicinalpersonen getroffen worden sind, unterlie en in gleicher Art, wie dies in den HausApotheken stattfindet, w e che ausnahmswcise einzelnen Aerzten gestattet sind, zeitweisen Visitationen durch die Medicinal-PolizeibehBrden.
Bei diesen Visitationen miissen die betreffenden Medicinalpersonen sich
datiiber ausweisen:
a ) dass sie ein zut Bereitung und Dispensation der Arzneien nach
Grundsitzen des hom6opathischen Heilverfahrens zweckmtissig
eingerichtetes besonderes Local besitzen ;
b) dasr die vorhendenen Drnguen und Arzneistoffe von untadelhafter Beschaffenheit sind;
c) dass die wichtigsten Arzneistoffe, dcren iianientliche Bezeichnung erfolgen wird, in der ersten Verdiinnung angetroffen werden, damit die erfordcrliche chelnische Prufung derselben in
Bezug auf ihre Reinheit angestellt werden Lonne;
rl) dass ein Tagebuch gefiihrt werde, in welcbes die ausgegebelien Arzneien nach ihrer Beschaffenheit und Dosis, unter genauer
Bezeichnung des betreffenden Patienten und des Datums, eingetragen werden. 6
Zu diesem Abschnitte sind manche Bemerkungen zu machen, welche
die vdllige Unanwendbarkeit der Verordnung in der Praxis darthun
werden.
Das ganze technische Verfahren der homaopathischen Arzneibereitung besteht in der Anfertigung yon Pflanzentincturen, dem Verreiben
von Arzneistoffen mit Milchzucker, in dem Verdhnen und dein Uebertrsgen der Verdiinnungen auf Streukugelchen. Als besondere Caulelen des Verdiinnens betrachtet man das Sch~lttelndes Glases mit der
verdhnten Fliissiglreit in einem bestimniten Tempo und mit einer
gewissen Anzahl von Handbewegungen ; beim Verreiben des Milchzuclters mit dem Arzneistoffe muss die Bewegung der Heibkeule stets
in derselben Richtung nnd in einer bestimmten Anzahl von Umgingen
in der Reibschale geschehen, da nach Atlnahine der Hoiiidopathen mit
jeder Bewegung die Kraft des littels erhoht und mit jeder riickgiingigen Bewegung der Reiblteule dieselbe verringert oder ganz vernichtet wird. Nach homaopathischen Ideen wachst die Kraft des l i t tels init der Verdiinnung in arithmetrischer Progression ; daher sind
die concentrirten l'incturen an1 schwlchsten. Verdunnungen im zwanzigsten oder dreissigsten Grade wirlren detnnach so stark, dass sie
nur zum Riechen dienen und dann noch oft eine niehrwochentliche
Ua nun durch die hom6opathischa Zubereitung
Wirkung susiihcn.
Hittel, welche sich durch die Chemic als vdllig unl6slich in Wasser
f
356
Vereinszeitung.
und Weingeist, den einzigen L6sungsmitteln der HomLlopathen, erweisen, nach Ansicht der Homdopathen in den hiichsten Potenzirungen
sich als heftig wirkende Arzneien knnd geben sollen, wie z. B. dec
Schwefel und die kieselerde, so folgt aus Allem, dass, soll anders
nicht eine Uebertragung der Wirksamkeit des einen Mittels auf das
andere, sei es durch Verstiiubung oder durch Verdunstung, stattfinden,
es nothwendig ist, dass jedes Arzneimittel in einem besonderen Zimmer zubereitet, diepensirt und aufbewahrt werde. Bei dieser erforderten Sorgfalt, denn es ist Vorschrift, dass das Verreiben des Milcheuckers oft stundenlang fortgesetzt werde, ist es unmiiglich, dass ein
homiiopathischer Arzt derselhen Geniige leiaten kiinne, da einmal die
Ermittelung der Krankheitssymptome behufs des zu suchenden Heilniittels einen so bedeutenden Zeitaufwand erfnrdert, anderntheils aber
die fernere Erforschung im Gehiete der Homtiopathie ebenfalls vie1
Zeit in Anspruch nimnit. Rechnet man nur, dass die Homiiopathen
z. B. von der Wirkung des Salmiaks allein schon iiber 229 Sympionie der Arzneiwirlrung aufgefunden haben, vnn der China aber mehr
denn 1000; bedepkt man ferner, dass die Mehrzahl der Symptome,
welche ein Arzneimittel an Gesunden hervorruft, denen entsprechen
muss, welche eine Krankhcit darbietet, wider welche das Mittel angewendet werden soll, so leuchtet es wohl ein, dass die Zeit und
Miihe, welche ein hom6opathischer Arzt gebraucht, um nur einen
Krankheitsfall richtig homiiopalhisch EU ermitteln und zu behandeln,
SO bedentend sind, dass es unmiiglich ist, auch noch so grossen Zeitaufwand fiir die Arzneibereitung und diis Dispensiren zu verwenden.
Die Erfuhrung hat denn nun anch gezeigt, dass die selbstdispensirenden HomBopathen entweder die Vorscliriften ihrer Dispensatorien fiir
iibertrieben halten, oder dass sie diese gewissenloser Weise nicht befolgen, denn man fiudet den von ihnen dispensirten Milchzucker hBufig noch SO grob gepulvert, wie sie ihn aus den Droguerie-Handlungen beziehen, woraus denn wohl hervorgeht, dass sie es mit dem
stundenlangen Reiben nicht so genau nehnien. Es ftillt demnach der
Vorwurf der Gewissenlosigkeit, den die Homdopathen den Apothekern
unhewiesen machen, auf sie selbst bewiesenermaassen euriick.
Es ist Gesetz, dass bei der Apotheken-Revision die wichtigsten
Arzneistoffe, deren namentliche Bezeichnung erfolgen soll , seit den
drei Jahren aber noch nicht erfolgt ist, in der erstenverdiinnungvorrtithig sein sollen, um auf ihre Reinheit gepriift werden zu kdnnen.
Dies Gesetz ist nicht auszufiihren, da die Chemie fiir die wichtigsten
Stoffe der homiiopathischen Maferia medica keine oder nur sehr unvollstindige Reagentien besitzt ; da ferner in der ersten Verdiinnung,
w o ein Tropfen der Arznei mit 100 Theilen Wasser oder Weingeist
verdiinnt ist, lraum noch eine Priifung derselben miiglich sein miichte,
selbst wenn wir wirklich Reagentien dafiir beslssen. Eben so diirne
es unmdglich sein, die metallischen oder mineralischen Mittel iiberhaupt in der ersten V'erdiinnung auf ihre Reinheit zu priifen, da man
dazu wohl griisserer Mengen bedarf, als die homdopathische Apotheke
iiberhaupt darbietet. Es folgt daraus, dam dieser Bestimmung durchaus nicht Geniige geleistet werden Iriinne.
Es sol1 endlich ein Tagehuch gefiihrt werden, worin die ansgegebenen Arzneien und die genaue Bezeichnung der betreffenden Kranken eiiigetragen werden sollen. Wenn dies Buch eine Controle fiir
den Staat darbieten SOH, so leucbtet wohl ein, dass diese Bestimmung
ihren Zweck durcbaas verfehlt; denn einmal ist das Papier geduldig,
Vereinsseitung.
357
und der Arzt, fiir den derStaat einecontrole n8thig zu haben glaubt,
wird kein Bedenken tragen, denselben zu hintergehen, wenn es ihrn
so leicht gemacht wird. Und selbst wenn der Arzt gewissenhaft Arzneimittel und Krankheitssyinptome verzeichnete, eine Handlung, die
nicht einmal vom Staate gefordert wird, was lcdnnte diese Controle
in Bezug auf die Hom6opathie selbst niitzen, da diese durchaus nicht
bestimmte Gesetze, oder selbst nicht einmal eine bewiesene Thatsacha
zur Stiitze hat. Wer Ii8nnte also einen Nunstfehler eines Hom8opapathen richten wollen? Gewiss Niemand, da die Norm zum Urtheile
fehlt. Eine Lehre, welche folgende Stolfe als in ihren Wirkungen
verwandte und fiir einander zu subatituirende ansiebt, wie z. B. Ammonium mit seinen Verbindungen, Arnica, Arsenilc, Belladonna,
Brechnuss, Bryonia, Chinin, Conium, Eisen, Graphit, Kali, Kieselerde,
Lycopodium, Mangan, Phosphor, Pulsatilla, Queclcsilber, Rhus, Sarparilla, Schwefel, Schwefelleber, Senega und Zink, in der ist es voHstiindig unmBglicb, einen Kunstfehler festzustellen oder irgendwie eine
Controle ausxuiiben.
Das Gesetz fordert aber nicht einmal das nothwendigste Erforderniss zur Controle, nfimlich die Aufzeichnung der Krankbeitssymptome iind des gereichten Arzneimittels, sondern nur die des letzteren
ond die genaue Bezeichnung des betreffenden Kranlten, also seiner
Person Es ist demnacb nnr ein Personal-Verzeichniss, ungcfihr wie
auf einern Passe, nathig, da die Verorduung durchaus nichts von der
Aufzeichnung der Krankheitssymptome sagt. Diese Controle ist nun
aber durchaus iiberfliissig, da es dem Staate gtanz gleich sein Icann,
wie die behandelten Kranlien heisscn odcr aussehen, kurz, welche
Personalien an ihnen vorkommen.
Bedenkt man nun, dass sin homdpathischer Arzt
I) viele Tausende von Symptonien taglich beobachten,
2) die Wahl des Mittels diesen Symptonien gemiiss vornehmen
sol1 - denn darin beruht ja allein die hom8opathische BehandInng, 3) die Arzneien selbst bereiten und dispensiren, diese stundenlang
reiben und schiitteln,
4) ein Control-. und Personalbuch fiihren, und
5 ) noch neue Versiiche fiir die nene Lehre erstatten ~ 0 1 1 ,
so folgt daraus wohl, dass dazu weder die Kraft eines lenschen, noch
die 24 Stunden des Tages hinreichen litinnen.
5. -Es ist allen Medicinalpersonen untersagt, zubereitete hom0opathische Arzneien zum Behufe des Selbstdispensirens, sei es in grbsseren oder lileineren Mengen, direct oder indirect, aus anskindischen
Apothelcen und Fabrilqen zu entnehmen.a
Wenn der vorige Abschnitt feststellt, dass die homoopathischen
Arzneien bei der Visitation auf ihre Reinheit geprtift wcrden sollen,
so muss nothwendig vom Gesetzgeber vorausgesetzt sein, dass dies
m6glich ist. 1st dies aber m6glich, so kann es dem Staate ganz gleichgiiltig sein, wober die Arzneien bezogen werden, da die Prhfung
nothwendig ihre Giite ergeben muss. In dieser Bestimmung liegt aber
das Zugestandniss, dase der Gesetzgeber selbst nicht an die M8glichlteit der Priifung geglaubt hat. Nun aber giebt es eine lllenge von
Pflanzen, die nur frisch und wild gewachsen zur Bereitung hom8oprthischer Tincturen verwendet werden diirfen, jedoch in dem ltleinsten
Theile der preussischen Staaten gefunden werden; es ist daher eine
nothwendige Folge, dass die Mehrzahl der Horn6opathen diese Tinctur
s.
388
Vereimzeitting.
kiiuflich an sich bringen muss. Findet dies aber einmal statt, so k6nnen die hom6opathischen Aerzte nie die Gewissheit erlangen, ob ihre
kluflich bezogenen Arzocien im Inlande bereitet sind oder nicht. Also
anch diem Bestimmung ist nicht ausfiihrbar.
8. 6. SWer homaopathische Arzneien selbst dispensirt, ist nur
befugt, dieselben an die Kranken zu verabreichen, welche e r selbst
behande1t.r
8. 7. $Den Medicinalpersonen, welche die Genehmigung zum
Selbtdispensiren homdopathischer Arzneien erhalteu haben, bleibt es
untersagt, unter dem Vorwande homdopatliischer Behandlung Arzneimittel zu dispensiren, welche nach den Grundsitzen der sogenannten
alldopathischen Rlethnde bereitet sind B
Es giebt keine all6opathische Rlethode der Arzneihereitung, sondern nur eine v o n H a h n e m e n n s o b e n a n n t e K r a n k h e i t s b e h a n d 1u n g. Die Arzneibereitung geschieht in Preunsen der Landes-Pharmakopde gemitss, und bis heute ist weder eine hom6opathische
noch eine alldopathische sanctionirt gewesen. Jedenfalls ist diese VerTiigung nur aus Unkunde des Verhfdtnisses der Homdopathie zur alten
rationellen Medicin hervorgegangen. Sollen aber homdopathische Aerzte
keine nach der Pharmakopee bereitetcn llittel anwenden. so ist dies
nicht ausfiihrbar, da sie viele dieser Rlittel gebrauchen, wie z. B. die
Quecksilber-, Spiessglanz- und Ammonium-PrBparate, die Verbindungen des Phosphors und Arseniks, des Knlis, des Chinins, die Iiieselerde u. s. w. Aiich kann wohl niemals ein Gesetz verbieten, dass
die homaopathischen Aerzte sich dieses oder jenes anerkannten Heilmittels bedienen sollen, da sie den andern Aerzten erlaubt, tberhaupt
als Arzneimittel sanctionirt sind.
Sol1 der Sinn dieser Verriignng nber der sein, dass es den Aomiiopathen untersagt sei, gewdhnliche Arzneimittel in sogennnnten
allbopathischen, d. h. in wirksainen Gnben zii verabreichen, und zwar
nach den Grundsitzen der sogrnannten Alldopathie, d. h. der ratinnellen und erfahrongsmiissigen illedicin, so ist es unmOglich, diesen Sinn
aus den Worlen der Gesetzesstelle herauszufinden.
Wenn der Staat in der Erlanbniss zum Selbstdispensiren der Homdopathen keine Rechtsverletzung gegen die Apotheker gefunden hat,
wiewohl ihnen der zu ihrem Bestehen nothwendige Erwerb entzogen
wird, da nicht allein der Preis der Apotheken, sondern auch der grosse
Arzneivorrath einen bedeutenden jihrlichen Knstenaufwand erfordert:
wenn man den Hornbopathen ferner ohne Bewcisaufnahme, nnf Grund
ihrer Behauptung hin, dass die Apotheker ihre homoopathisclien Arzneien nicht genau genug bereiteten, das Selbstdispensiren erlaubt hat,
so ist nicht einznsehen, wesshalb diese, denen es j a erlaubt ist, ihre
Kranken vernunftig oder aoch hom6opathisch zii behandeln, nicht auch
die Arzneien verordnen und verabreichen sollten, welche die LandesPharmakop6e vorschreibt.
Da nun aber alle Staatsbiirger vor dein Gesctze gleich sein sollen, so ist es wohl nicht zn bezmeifeln, dass auch alldopathische Aerzte
die Erlaubniss i u m Selhstdispensiren erhalten miissten, wenn es ihnen
einfiele, eine gleiche Behauptung von den Apothekern aufzustellen, wie
die Hornbopathen, nnd wenn sie es fiir nothwendig erachteteu, zur
Erzielung yon Heilresultaten die Arzneien selbst zu bereiten.
Ich habe oben schon der llechtsverletzung erwiihnt, welche in
dieser Erlaubniss zum Selhstdispensiren gegen die Apotheker begangen wird. Einmal ist der Apotheker verpflirhtet, die grossc Anzahl
Vereinssellung.
359
yon rohen Arzneistoffen und PrSiparaten vorrathig zu halten, welche
das Gesetz vorschreibt, trotzdem dass nicht der zehnte Theil davon
wirklich in Gebrauch kommt ; er ist ferner verpflichtet, diese stets gut
zu halten und naoh bestimmter Frist zu erneuern. Das Gesetz stcllt
fest, dass auf j e 8000 Seelen nur eiae Apotheke vorbanden sein SOU;
cs nimmt also an, dass eine solche Seelenzahl nothwendig sei, urn die
Kosten der Apotheken-Verwaltung zu tragen und den Apotheker zu
erniihren. Wenn nun bei einer solchen Seelenzahl eine zweite, dritte
und vierte, ja vielleicht eine filnfte und sechste Apotheke ihre Arzneien spendet, so ist wohl die nothwendige Folge, dass der Apotheker nicht bestehen kann. Der Staat erlaubt die Anlegung einer solchen Anzahl wirklicher Apotheken nicht ; allein dennoch bestehen sie
factisch durch das Selbstdispensiren der Homdopathen. Gesetzt nlso,
in einer Sladt von 8000 Einwohnern liessen sich 2, 3, 4, 5 oder 6
homdopathische Aerzte nieder, welche ihre Arzneien selbst dispensirten, so ware der Apotheker des Ortes, unter dem Schutze der Gesetze
lebend, durch Einfilhrung neuer Gesetze ein ruinirter l a n n . Allein das
Ungllick triife nicht ihn allein; die Apotheke, deren Ihufpreis sich nach
dem in derselben gemachten Geschiifte gerichtet hat, ist mit hypotheknrischen Schulden behaftet. Die natiirliche Folge der Einfiihrung des
Selbstdispensirens ist also eine Verminderung des Apotheken-Geschifts,
also auch des Werlbes. Mithin entsteht ein nothwendig eintretender
Verlust fiir die hypothekarischen und andern Gliiubiger. Der Urheber
dieses Verlustes ist aber allein der Staat, mithin fur dessen. Ausgleichung verpflichtet.
Indem also der Staat den Apothekern von ihren Pflichten nichtr
erlassen, sie aber in ihren Rechten, und zwar gesetzlich festgestellten Rechten, so beeiotriichtigt hat, dass sie ihr Vermijgen und ihre
Existenz verlieren miissen, wenn anders die homijopathische Lchre sich
mehr ausbreitet, so hat derselhe eine Rechtsverletzung begangen ZII
Gunstcn einer Classe vou Aerzten, deren Lehre ein Phantom ist nnd
deren Handeln in Bezug auf das Selbstdispenbiren der Staat fruher
selbst als ein betriigliches erkannte und desshrlh verschiedene Verordnungen dawidcr erlassen hat.
Wiihrend also der Staat im Jabre 1832 durch gemachte Erhhrungen sich hewogen firhlte, zum Wohle seiner Staatsbiirger unter
jeder Bedingung das Selbstdispensiren zu verbieten, wahrend derselbe
Stnat 1933 die Erlaubniss des Selbstdispensirens an bestimmte Thatsacben, welche ,sowoh1 iiber den positiven Werth der Homdopathie,
als auch iiber die Nothwendigkeit des Selbstdispensirens zur Erlangung der Ileilresultate entscheiden kdnnen, kniipfte ; M h r e n d er anerkannte, drss dieser Erlaubniss eine viillige lhgestaltung des Apothekenwesens sowohl, .Is such der qanzen Medicinalverfassung vorangehen miisse, giebt derselbe Staat zehn Jahre spiiter diese Erlaubnisr,
ohne dass aoch nur eine dieser Bedingungen erfullt worden wiire, und
hegeht einmal eine Rechtsverletzung gegen die rationell gebildeten
Aerzte, anderntheils gegen die Apothelrer.
Dass dergleichen Eingriffe in die Recbte der Staatsbiirger nicht
ohne Entschidignng geschehen kdnnen, leuchtet wohl ein, und habeu
wir in Preussen viele Fiille, mo dergleichen Abiinderungen bestehender Gerechtsame vom Fiscus mit grossen Sunimen gesiihnt worden
sind. Xch erinncre nur an die Aufhebnng des Yahlzwanges.
Wie wiire cs nun, wenn die Apotheker der Stiidte, w o Homtiopathen selbst dispensiren einen solchen Schadenersatz vom Starte
,
Vereimzeitung.
360
beantragten? KBnnte ihnen dieser wohl vorenthalten werden? Gewiss
nicht; denn der Staat hat sie ohne rechtlichen Grund in ihrem Broderwerbe beeintrlcbtigt, in welchem er sie durch ein bestimmtes Gesetz
zu schiitzen Bbernomnien hat. Es besteht also ein contractliches Verhaltniss zwischen den Apotheltern und dem Staate, welches durch die
Erlaubniss zum Selbstdispensiren gebrochen ist.
Jeder, der im preussischen Staate ein Gewerbe ,treibt, und wiire
es der den Leierkasten drehende Bettler, muss eine Gewerbesteuer
cahlen. Der dispensirende HornBopath treibt ein Gewerbe, welches
nicht zur Ausiibung der arztlichen Kunst nothwendig ist; er ist desshalb auch verpflichtet, Gewerbesteuer zu zahlen, und zwar vie1 mehr
als die Apotheker, da der ganze Werth einer homaopathischen Apotheke 5 bis 10 Thaler nicht iiberschreitet, da der in derselhen enthaltene Arzneivorrath vide Jahre vorhiilt., dem Arzte also weder Zinsen
noch andere Geldopfer kostel und, wie die Erfahrung gelehrt hat, dew
Besitzer, der sich in der Regel 15 bis 20 Silhergroschen fur ein Medicament reichen Iiisst, eine unversiegbare Quelle der Einnahme ist.
Die Gesetze bestimmen, dass kein Arzt gleichzeitig der Besitzer
einer Apotheke sein darf, wiewohl derselhe, wenn er. ein approbirter
Pharmaceut ist, nicht a k i n sehr wohl den Gang des Geschdfts leiten,
sondern anch durch vereidete und approbirte Pharmaceuten eben so
gut verwalten lassen Itbnnte, wie dies Lei Wittwen yon Apotheltern
geschieht, die einen Sohn haben und fiir diesen die Apothelte erhalten wollen. Wenn nun Honidopathen im Besitze einer Apotheke sein
diirfen, wiihrend man Landirzten nur sehr bedingungsweise diese Erlaubniss ertheilt, w a r m diirfen nicht alle Aerzte gleiche Anspriiche
an diese Erlaubniss hahen? - Man hat festgestellt, dass ein Arzt als
Apotheken-Besitzer nothwendiger Weise entweder das eine oder d a s
andere Fach vernachldssigen miisse, wahrend es nicht einmal ndthig
ist, dass er alle Arbeiten selbst niacht, und den Homdopathcn, die
noch dazu die Arzneibereitung keinem Gehiilfen iiberlassen zu kbnnen
behaupten, wird 'diese Erlaubniss ertheilt. Ha6en alle Aerste gleiche
Pflichten, so mussen sie auch gleiehe Reehte haben.
8. 9. 10. li. enthalten die Strafbestimmungen der gegen die
angdiihrten Paragrayhen handelnden Homoopathen.
12. rAuf die sogenannten isopathischen Arzneien findet gegenwiirtiges Reglement lteine Anwendung.a
Wenn die Homoopathie das Grundprincip aufstellt, simiPa simili6us zu heilen, so muss es einleuchten, dass das Princip: aequnlia
aequaZi6us der Wahrheit noch vie1 niiher kommen miisste, wenn iiherhaupt in diesen Ansichten Wahrheit mdglich wire, wie dies sicher
nicht der Fall ist. Wenn der HomBopath behauptet, er heile dann
eine Krankheit, wenn er dem Krankcn ein Arzneimittel reiche, welches beim Gesunden dieselben Erscheinungen hervorrufe, welche
das kranke Leben mit sich .fiihre; wenn er diese Heilyng auf die
Weise geschehen lisst, dass nimlich die Arzneikrankheit die wirkliche besiege, d a m aber von selhst schwinde und einen gesunden
KBrper zuriicklasse, so liegt ausser der Unwahrheit, welcbe in' dieser
ganzen Theorie durch jcden Versuch aufs Bestimmteste nachzuweisen
ist, eben so vie1 Ahentheuerlichkeit, wenn nicht noch mehr a h in der
Lehre der Isopathen, der homdopathischen Apostaten, dass man nlmlich Gleiches mit Gleichem heilen miisse. 1st es, wie mehrfach ausgesprochen, Wille des Staats, die freie Entwickelung der Medicin nicht
zu hemmen, und duldet derselbe die Anwendung der Triiumereien und
ss.
s.
Verednszeitung.
361
Hirngespinnste der Honidopathen auf die Praxis, mit Benachtheilignng
der wichtigsteii Interessen der Staatsbiirger, 80 darf der Staat auch
nicht die Ausiibung der Ansichten der Isopathen verbieten. 1st es
vielleicht weniger phantastisch, eine Lungenentziindung mit einem l i l lion-, Billion- oder Decilliontbeile eines Tropfens der Aconit-Tinctur
bewiiltigen zu wollen, als wenn es dem Isopathen gefdlt, die Kriitze
mit derh Jnhalte der Hriitzpustel, den Hrebs mit Hrebsjauche u. s. w.
heilen zu wollen? - Wenn beide Theorien nicht allein mit der menschlichen Vernunft nicht in Einklang zu bringen sind, sondern sich auch
dnrch die einfache Erfahrung als Triiumereien erweisen, warum also
die eine auf Kosten der andern bevorzugen?
Wenn ich nun gezeigt babe, dass die Verordnung vnm Jahre 1843
nicht allein in den meisten Ahschnitten unausfiihrbar ist, snndern auch
eine Menge von Rechtsverletzungen enthiilt, so mdchte ich noch die
Frage anfwerfen, woher anf einmal das Vertrauen des Staats zu der
Hom6opathie herkomme. I m Jahre 1831 stellt der Staat die Hom6opathen unter die Controle der Laien in Bezug auf das Verdiinnen und
Umformen ; 1833 verbietet derselbe dies Verdiinnen giinzlich, auf Grund
gemachter Erfahrungen ; 1833 stellt derselbe das Selbstdispensiren in
Aussicht, wenn genugende Beweise fiir den positiven Werth der Hom6opathie und des Selhstdispensirens dargebracht worden wiiren, und
1843 erlaubt derselbe Staat das Dispensiren unbedingt.
Die geforderten Beweise sind nicht geliefert; die Resultate der
homdopathischen klinischen Behandlung in Berlin, unter BeaufsichtiBung, waren sehr hliigliche; die Hoin6opathie entbehrt bis jetzt jeder
erfahrnngsinbssigen und wissenschaftlichen Bepriindung, IclGdet sich
rlle Angenblicke in ein anderes Gewand, und dennoch erlaubt der
Staat den Homboprtthen, fur deren Kenntnisse als solche e r sich weder
die gendgende Ueberzeugung zu verschaffen versucht hat, noch sich
EU verschaffen vermag, nirht nur die iirztliche Behandlung von Kranken, sondern auch mit Rechtsverletzung der Apotheker und Aerzte das
Bereiten und Verlraufen von Arzneien ! (Medicinische Zektung. 2846.
No. 46 und 47.)
Ueber die Folyen des Sethstdispensirens der Homoopathen;
oom Apotheker S ch 1 o 8 f e 1 d t.
Seit einer Reihe von Jahren, zugleich im Besitz einer horncopathischen Apothelre, hatte ich Gelegenheit, die Folgen und Wirlrungen des
Selbstdispensirens in meiner Nihe zu beobachten ; daher erschien es
mir zu meinem Beruf nbthig, die hieriiber beltannt gewordenen Schriften zu lesen. Zwar Irdnnte man das in Rede stehende Thema als erledigt ansehen, da dasselbe in der letzten Zeit oft von unpartheiischen
Mbnnern umfassend beantwortet ist, docli mag es nicht iiberflussig
erscheinen, wcnn ich durch nleine Lage Iiiezu veranlasst, noch ein
Scherflein beizutragen beabsichtige.
Schon vor liinger als 10 Jahren hat Herr Dr. S i m o n jun. in
Hamburg in seinem ,,Antihomoopn!h Archid' uber die Erfindung
Ha h n e m a n n ' s , iiber die gessmmeltenErfahrungen rind iiber d i e U r s a che der beifiilligen Aufnahme der homiiopatischen Heilmethode bei
manchen Aerzten so evident beantwortet, dass man diese Schriften
als die vorziiglichsten anerltennen niuss. Herr Leibarzt Dr. S t i e g
l i t z in Hannover und Herr Dr. B a l t z inBerlin haben in iliren SchrifArch. d. Pharm. XCIX. Bds. 3. Hft.
25
-
-
369
Vereimzeitung.
ten nicht allein die Gehaltlosigkeit der hom6opatischen Verdfinnungen,
sondern auch vorzugsweise die Gefahren, die fir das erkrankte Publicum durch das Selbstdirpensiren entstehen miissen, durch Aufziihlung
von Beispielen hervorgehoben.
Herr Professor Dr. 0. €1. S c h u l z in Berlin (s. Archiv) hat das
Gefihrliche dieser Heilmethode, die Miingel der gegenwjrtigen Jledicinalgesetze, daa aufs Neue erwacbtc alcheniistische Treiben und die
Entwickelungsgeachichte der Medicin, die, wie es hei den jetzigen
medicinischen Historikern der Fall ist, nicht Moss iius Biichern gescbrieben werden kann, sondern dass dazu der ganze Heichthuni von Sachkenntniss und eigene Nalurstudien gehciren , niher beleuchtet, und
dass die Notbwendigkeit einer l'rennung der Medicin von der Pharmacie schon in den friihesten Zeiten erkannt worden ist. ' Der Herr
Verfasser liefert den geschichtlichen Nachweis, dass seit dem Jahre 754,
wo der Khalif Almansur eu Bagdad die ersten Apotheken geselzlich einrichtete, also seit mehr als 1091 Jabren, in allen civilisirten Staaten
die Arzneien nur von den Apothelrern bereitet, und von Aerzten verordnet, n i c h t a b e r s e l b s t dispensirt werden durften. Der Zweck
Jag ohne Zweifel darin, dass die Kranlcen in deni Recept, worin der
Arzt die Arznei vorschrieb, eine Rhrgschaft fiir die Natur der Arznei
hatten, und die vielen Fblle von Vergiftungen in Arzneien, die in der
griechischen und rimischen Zeit SO unendlich viele Gegengifte ( A n tidorct) ncithig niachten, mit der Einriclitung der Apotheken verschwinden mussten. Auch wurde schon iin 15. Jahrhunderte von allen Regierungen Deutschlands die Nothwendigkeit erlcannt, die Medicin von
der Pharmacie zu trennen, da es ein besonderes Studium erforderte,
um die grosse Anzahl von hjedicamenten im guten Zustande zu erhalten, damit vom Staate eine Controle iiber die lrztlirhen Verordnungen
mciglich sei, mithin wurden Yrivilegien ertheilt, mehr zur Sicherstellung des Publiciims als dcs Besitzers.
Herr Dr. S c h a r l a u in Stetlin hat in der neuesten Zeit (Medicis i d e Zeitung 1846 in No. 46. und 47.) ,,die Erlasse des Illinisteriums der Medicinal-Angelegenheiten in Preussen, in Bezng auf das
Selbstdispensirens der Homciopathen" lediglicb bei der Beurtheilung
vom Rechtspunctc ausgehend, die gegenwirtige Sachlage einer Kritik
untcrworfen, und den Beweis geliefert, dass nicht allein fiir die Yharmacie, sondern f i r die ganze Medicinalversammlung, die nachtheiligsten Folgen hieraus erwachsen mussten.
Als die hodopathischen Aerzte hiesiger Gegend sich die homdopsthischen Apotheken ziim Selbstdispensiren angescham und diese zu
den hestindigen Begleitern auf den Reisen, (in der Stadt in den Taschen) bestimtnt hatten, erschien es fiir den Laien ein sehr bequemes
und billiges Object, welches bald in keiner grossen Wirtbschaft fehlen
durfte. Auf allcn Giilern der Umgegend, bei den Predigern und Caiitoren und vielrn Andern, die sieh ZII den Notabilitiiten des Landes
rechnen, sind diese €laus-Apoiheken jetzt vorhanden, und die Leute,
in dcr Meinung, sic hiitten den Stein der Weisen gefunden, curiren
damit dae ganze Dorf, ohne Unterschied der Krankheit. Aerztliche
Kenntnisse sind hierzii nicht erforderlich : ein Symptomenregister der
Krankheiten ; ein Namenverzeichniss der Arzneien ist hinreichend, und
cler neue Curirer ist ferlig. Aber der hiiikende Bote kommt leider
zii oft hinterher und verkiindet freilich f i r die armen Kranken zu spiit,
dass den1 nicht so geschehen, dic Arznei ohne Wirkung gewescn ist;
mithin werdcri nllciopnthisdie Aerztc gcrufen. Aber die Z e i t , der
363
Vereaasseilung
giinstigste Augenbliclt zur Anwendung zweclrdienlicher Mittel ist inzwischen vergangen, unrettbar und verloren muss sich der Kranke eur
Abreise bereit halten !
Aber das Selbstdispensiren der Homdopathen hat durch das den
Laien und andern Aerzten gegebene B e i s p i e l noch andere und eben
so schlimine Folgen! - Ein Wundarzt erster Classe sagte mir kiirzlich, er sei in einer Versammlung von Chirurgen gewesen, woselbst
ein College ron ihm folgende Mittheilung gemacht habe. nDurch das
Selbstdispensiren der Homdopathen dazu veranlasst, hitte er sich siimmtliche der gangbarsten Arzneien angeschafft, die er selbst dispensire.
Von den nahe wohnenden Apothekern dieserbalb angeklagi, hitte e r
in seiner Vertheidigung sich lediglich auf die den Homdopathen ertheilte Befugniss berufen, in der Ueberzeugung , dass die Letzteren
keine triftigeren Griinde und Anspriiche hierzu hitten, als andere
Aer2te.r
Ee diirfte nun zunichst die Frage zu beantworten sein, was RUS
den Apothelren wird, die das Ungliick haben, einen oder mehrere
Homdopathen im Orte oder in der Umgegend zu haben, worauf dieselben bisher zur Erhaltung ihrer Existenz angewiesen waren? - Herr
Dr. S c h a r l a u hat diese Frage bereits in No. 47. der medicinischen
Zeitung beispielsweise beantwortet, Bdass eine Seelenzahl voo 8000
Einwohnern n6thig ist, um eioe Apothelre zu ernihren. Wenn nun
aber in einer solchen Stadt 2, 3, 4, 5 biu 6 homoopathische Aerzie
selbst dispensiren, so w i r e der Apothelrer u n t e r d e m S ch u t z e d e s
Gesetzes l e b e n d , durch Einfilhrung dieser homdopathis c h e n A p o t h e l r e n e i n r u i n i r t e r Mann. Aber das Ungliick,(c
f t g t der geehrte Herr Verfasser hinzu, ,,betrife ihii nicht allein; die
Apotheke, deren Kaufpreis sich bis dahin stets nach dem jihrlichen
Geschlftsumsatz gerichtet hat, ist mit hypothekarischen Schulden belastet, mithin entsteht durch das Selbstdispensircn eine Entwerthung
des Geschifts, folglich Verluste fiir simmtliche G1iiubigcr.u
In meiner N l h e hat einen sehr achtungswerthen und seinem Fache
mit Liebe ergebenen Collegen das Schicksal betroffeo, zwei Aerzte
im Orte zu haben, die als Honidopathen selbst dispensiren, und da er
auf diese allein angewiesen ist, so gelangt fast lrein einziges Recept
i n seine Apothelce, wenn nicht durch Zufall von ausserhalb einzelne
eingehen. A'uf den Handverkauf allein angewiesen, muss der Mann
ein kiimmerliches Leben- fiihren.
Ein Reisender erzihlte mir Iriirzlich, er sei durch ein lrleines
Stiidtchen (ausserhalb Preussen) gekommen, wo er von dem dortigen
Apothelrer den Verfall seines Geschifts ohne dessen Verschulden mit
inniger Tlieilnahme angeh6rt hahe. Der friihere sehr geachtete Arzt
seines Ortes sei gestorben, an dessen Stelle aber ein Aomdopnth gekommen, der selbst dispensire, wodurch ihm die Aussicht geworden,
zu verarmen. Drr Mann, aufs tiefste betriibt iiber sein unverschuldetes Loos, hat erlilart, er htitte seine Apotheke zum Verlcauf ausgeboten,
aber fur ein geschiftsloses Grundstiick wolle Riemand sein Verrnogen
anwenden.
Die Laufbahn eines solchen Apothekers, der a m Abend seines
Lebens unverschuldet mit der Familie darben muss, bietet ein wahrhaft betriibendes Bild dar. Die Eltern, oder vielleicht eigene Neigung
bestimmen den jungen Mann, die Pharniacie zu erlernen. Mit Fleiss
und Fiihigkeit ausgeriistet, macht er gute Fortschritte, dient und niitzt
seinem Principal durch seine Kenntnisse und BrauchLarBeit ; er studirt,
25"
Vereinszeilung.
364
macht sein Stants-Examen und gelangt, um selbststlndig zu werden,
theils mit eigenen Mitteln, theils durch dargeliehene Ckpitalien wohlwollender GBnner, zur Existenz erwartet nun endlich , ausgeriistet
mit allen Eigenschaften. um als ein gewissenhafter Mann in seinein
Berufe zu wirken, das, was jeder Handwerker erwartet, seinen Lebensunterhalt und seine E x i s t e n z . Aber dns Ungliick verfolgt ihn. Der
Arzt, der einzige des Ortes, stirbt oder wechselt den Wohnort, an
dessen Stelle kommen Homijopathen, die selbst dispensiren, und der
Apotheker, von allen zu seiner Existenz nothwendigen Erwerbsmitteln
entbldsst, innss V e r a r m e n . Dessen ungeachtet aber sol1 er gesetzlich als ein accurater und gewissenhafter Apotheker sein Waarenlager und siimmtliche Vorriithe, die g a r k e i n e A n w e n d u n g f i n d e n , irn besten Zustande erhalten, um dieselben endlich als verdorben wegzuwerfen und wieder durch neue zu ersetzen.
Aber das bis jetzt nur itber einzel-ne hereingebrochene Ungliick
w a ch s t! - die jungen angehenden Aerzte wissen nach vollendeten
Studien oft bei vielen Kenntnissen nicht, wohin sie sich wenden sollen,
um Praxis zn bekonirnen. Sagte ntir doch kiirzlich ein judger Arzt,
dass er dievorlesungen fiber die Homoopathie desswegen frequentirt habe,
weil er aIs ,ein junger Mann d i n e Vernidgen als HomSopath am ersten
hoffen diirfte, vermittelst des S e l b s t d i s p e n s i r e n s sich das liebe
tiigliche Brod zn verschaffen.
Die Folgen der mit dem Apothekerfach vorgegangenen Veriinderungen sind fur das Publicum so augenfiillig, dass Lehrlinge fiir die
kleineren und mittleren Stiidte gar nicht mehr zu haben sind; j a selbst
aus der Residenz werden dieselben in den entferntesten Theilen der
Provinz gesucht, wo friilier angehende Zoglinge sich stets in Mengc
meldeten. Mit dein A'nleihen der Capitalien auf unsere Grundstiicke
geht es nicht besser. Die Antworten sind in der Regel vun der Art:
neure Apotlieken bieten jetzt Niemandem Garantie und Sicherheit genug
dar ; wenn Honioopathen und Thieriirzte siitqtntliche Arzneien selbst
geben, wie dies in manchen kleinen Stiidten schon der Fall ist, so
muss der Apotheker ohne diese xu seiner Existenz angewiesenen Erwerbszweige verarmen.r - Diese logische Ansicht kann nicht widerlegt werden.
Dr. V o g e t ' s, Notizen. *Die meisten sbnst bliihenden Geschiifte
sind anf ein Drittel ihrer friihcren Einnahme beschriinkt. Die oft geriigten Ursachen sind zu bekannt, nnd nur eine kriiftige Vertretung unseres
Standes, eine durchdringende Reform aller Apothekerverhiiltnisse konnen Rettung voni glnzlichen Untergange gewiihren a
Die Wrhrheit diescr, fiir den Laien aus den gegenwsrtigen Verhgltnissen hervorgehcnden Anschauungsweise lasst sich nicht widerlegen.
Dureh eigrne Erfahrungen in meineni Geschaftskreise dazn veranlrsst,
wagte ich es, bei Gelegenheit einer Petition Se. li6nigl. Maj. auf den durch
das Selbstdispensiren der lloindopathen und l'hieriirzte fiir unsere Fachgenossen entslehenden D R 11 i n n , wenn auch gegenwiirlig nur fiir
Einzelne, alleruntertliinigst aufnierksatn zu machen, um Abhiilfe bittend.
Wir durfen diher such vertrauensvoll bei der bevorstehenden Reform der Medicinalnngelegenheiten unsere Blicke auf die Lenker unserer kiinftigen Schicksale richten, dass Hochdieselben die sicherten Mittel zur Befriedigung aller Betheiligten Bnden werden.
Wenn aus den obigen litlheilungen die Nothwendigkeit einer
Reform zum Bestcn der ferneren Existenz fur die gegenwiirtigen Apo-
,
-
Vereinszeitung.
365
theker hervorgeht, SO ist andererseits die Gefahr fur das erkraukte
und hiilfesuchende Publicum nicht 'hinder gross, die durch die den
Hom6opatben ertheilte Befugniss zum Selbstdispensiren, wo jede Controle unmsglich ist, entsteht. Beispiele der Art siiid oft genug mitgetheilt; daher beschriinke ich mich darauf, ein von dem Herrn
Dr. B a l t z vor niehreren Jahren in seiner Schrif't mitgetheiltes Factum bier folgen zu lassen.
sDer Urheber dieses schauervollen Factums, welches in der bezeichneten Schrift (C. der swiefache Giftmischer, nach franzosischen
Actenstucken bearbeitet won L. H o f f m u n n , Doc&.find flltag.-Secrefair bei dem Kdniglichen Polioei-Prasidio su Berlin. 1825) treu und
ausfiihrlich dargestellt worden iet, war beltanntlich der Doctor E.S . C.,
ein junger, gebildeter, practisirender Arzt in Paris. Grosse Verlegenheit in seinen 6konomischen Verhbltnissen, der mit der Zunahme derselben auch gesteigerte Wunsch, aus dieser peinlichen Lage und den
iminer dringlicher werdenden Urnstinden zu ltoinmen, brachten ihn,
um sich in den Besitz eines ansehnlichen Verniiigens zu bringen, auf
den teuflischen Gedanken, seine innigen Freunde, Namens H y p ol i t
und A u g u s t B a l l e t , Advoeaten in Paris, zu vergiften, meuchelmbrderisch urnrubringen. a
rZuerst wurde diese schwarze That und tinter mancherlei abscheulichen Nebenverbrechen, als Entwendung eines Testaments und dergl.,
an dem H y p o l i t , welcher mit Lungenleiden behaftet war und sich
desshalb dem Dr. C.;. gleichmlssig als seinem Freunde und Arzte ohne
Argwohn ganz anvertraut und hingegeben hatte, dadurch vollbrachb,
daes er den Ungliicltlichen allmalig durch Morphium, ein Opiumpriiparat, vergiftete, was auf d e m u n s e l i g e n W e g e d e s S e l b s t d i s p e sirens der Arzneien durch jcnen Ileilkiinstler sehr leicht zu bewerlrstelligen war. H y p o l i t B a l l e t starb am 5. October 1822 in
den Armen seines, ohne alleFassung jammernden marderischen Freundes.r
nDie durch die Untersehlagung des Testaments iiberhaupt bei der
ganzen Erbschaftsangelegenheit immer mehr sich verwiclcelnden Umstiinde, b-esonders aber dte Sncht, in den alleinigen Besitz des ganzen
Vermijgens beider Briider zu gelangen, driingten den Dr. C..., der
zwar durch den ersteren Meuchelmord, durch Giftmischerei schon
100,000 Francs erlangt hatte, auch den andern Freund und Bruder
auf dieselbe Weise zu t6dten a
lrNachdem der Dr, C... zu jenem verruchten Zwecke seinen zweiten Preund, den A u g u s t B a l l e t , welcher ebenfalls noeh in dcr
Bliithe der Jahre und. bei voller Gesundheit war, dahin vermocht hatte,
ihm sein ganaes Vermijgen testanientarisch zu versich e r n , erkrankte dieser auf einer Spazierfahrt, die beide allein unternommen hatten, im Gasthofe eu St. Cloud am 30. Marz 1823 Abends,
n a c h d e m 5 ; e n u s s e v o n G l i i h w e i n , in welchen Dr. C... s e l b s t
d e n Z u c k e r g e i n i s c h t h a t t e . E r bekam die heftigsten Schinerzen im Unlerleibe, welche die Nacht hindurch zunahmen und wogegen
der Giftmischer am Morgen kalte Milch, die den Zustand natiirlich
noch verschlimmern musste, anwandte..
r Auf dringendes Verlangen des ungliicklichen Opfers der Giftmischerei und des Selbstdispensirens der Arznei wurde ein rationel\er
Arzt des Ortes zugerufen, welclicr, da der Zustand des Kranlcen immer bedenhlicher und verdachtiger wurde, znr Consultation nach einem
drittcn Arztc aus Paris verlangtc. Bcide Collegen fanden den B a l l e t
u n r c t t b a r ; diescr starb dcn 1. Juni Mittags. Dr. C, war wiedcr
..
...
366
Vereinszeitung.
im Wehklagen und Jammern ausser Frssung und hatte selbst wfihrend
des Abendmahls, das dem Geopferten noch gereicht worden war, mit
dcn scheinheiligsten Geberden auf den Knien gelegen, dass selbst
der Kiister des Predigers voller Verwunderung auf die grosso
Frijmmiglreit des jungcn Mannes aufmerlisain mrchte. - Wer sieht
hier nicht die treue Zeichnung des wahren Bildes manches neuen
Quacksalbers ?cc
nDie beiden moraliscben, rationellen und vor Erstanoen ergrifenen Aerzte fanden es indessen bei so verdiichtigen Umstinden doch
nathig, das Gericht zu requiriren.a
nDas Ergebniss der gerichtlichen Untersuchung Var, dass der Dr.
C..., welchcr vorher in einer driickenden Lage sich befand und nun,
nach dem Tode seiner beiden geopferten Freunde, wenn aurh uur f i r
den Augenblick, im Besitze des ganzen nnd bedeutenden Vermagens
derselben war, aiarer der rtrafbaren Untrrschlagung eines Tcstaments, besonders wegen der owei~achenSchandthaten des Illeuchelmordes durch Vergiftung, sum Tode aerurtheilt wurde. Er erlitt seine
Strafe bekanntlich im November 1823 auf dein Schaff0t.n
Der Referent dieses Factnms schliesst diese littheilung niit
dem Nachsrtze : Das sind die vielfachen gef5hrlichen Folgen der
unselige Geldgier und Habsucht. Diese furchtharen Laster zu befriedigen, dam ist das S e I b s t di s p e n s i r e n der Arzneien far den
geldgierigen IIeilkiinstler der beste W'eg, und also die Hom6othie das ausgesuchteste filittel. Die angefiihrte Thatsache ni6ge daher
fiir alle Zeiten a l l e n V o l k e r n d e r E r d e zur Warnung dienen, jemals das Selbstdispensiren der Areneien durch die Heilkiinstler (ich
wiederhole es: von den rationellcn moralischen Aerzten ist solche
Entwiirdigung niemals zu befiirchten) eingefiihrt zu sehen oder nur
entfernt zu wiinschen. Eine Griuelthat, die einmal gescheheu ist, kann
Und dass jene Laster der Geldgierund
sich alle Tage wiedrrholen.
Habsucht unter der grwsen Zahl von l-leilliiinstlern, wie in allen andern Classeii der Menschen und Erwerbsfiichern, eben nicht selten sind,
das ist im Verfolge dieser kurzen Abhandlung schon dargetlran und
hat sich im Leben oft genug erwiesen !
Wichtig ist in dieser Beziehung die vom franzosischen Minister
des Innern der Academie royale nred. in Paris gestellte polizeilichmedicinische Frage : PKann man die Stiftung eines homijopathischeii
Dispensatoriums und Hospitals e r l a u b e n ? ~und die verneinende Antwort A d e l o n ' s , des Berichterstatters des ComitB. Die Academie
fand, dass diese zu bescheiden und zururkhaltend gewesen sei und
fiigte dern Bericht an den Minister noch hinzu: dass die hom6opathische Heilart eine gefahrliche therapeutische l e t h o d e sei und als
ein W e r k d e r C h a r 1 a t a n e r i e zuriickgcwiesen werden miisse.
-
Es ist sehr zu wanschen, dass von Seiten der hohen Behorden
dem Unwesen des Selbstdispensirens der Homijopathen ein Ende gemacht werde, nicht allein um der Apothelrer willen, die allein ein
Recht auf die Dispensation der Arzneien habeu dfirften, sondern vorziiglich auch der Aufrechthaltung und Wiederherstellung der Ordnung
im Medicinalwesen wegen, welche durch jene Erlaubniss zum Selbstdispensiren untcrgraben ist und untergraben wird.
Bley.
Vereinszeitung.
367
Medicinische Nachrichten aus Wien vom 22. Jaanuar.
In der medicinischen Welt erregt einc zum Schluss des vorigen
Jahres erlassene Verordnung Sr. Majestit dcs Kaisers lebhafte Theilnahme und Resprechung : Portan diirfen, uni gcgcn unbefugte Ausiibung der Arzngi- und Wundarzneikunde und Curpfuschcrei zu sichern,
die fur die hombopathische Helmethode crforderlicben Skinnitinctnren
nur aus den Apotheken verschricben werden. Diese Arzneien kbnnen aber sodann von den Aerzten verdiinnt und ihren Patienten unentgeltlicli verabreicht werden ; doch muss bei den letzteren imnior
ein Arzneizettel, auf welchem die verabreiclite Arznei genau mit dem
Grade ihrer Verdiinnung oder Verreibung angegcben, und d.iese Angabe
mit der Untcrschrift des Arztes hinterlegt werden.
Die Bemiihung
der Facultit, die mit zeitgemlsser Reorganisatiou der yon Alters her
iiberkommenen Statuten beschiiftigt ist, sich von den Ukbcrgriffen der
Wundlrzte bei Behandlung von innern Hranltheitsfiillen zu schiitzen,
scheint an einer Eingabe der Chirurgen, worin sic urn Freigebung der
innern Praxis bitten, scheitern zu wollen, wiewohl das Gcsuch im
Widerspruch mit der schon seit einigen Jahren sich auch hier geltend
machenden Ansicht steht, dass der Stand dcr Wundlrzte aufhbren und
jeder Wundarzt zugleich Arzt sein miisse. Narh den genauesten Erhebungen rihlte die k. k. Munrrchie im Jahre 1846 6395 Doctorcn
der Medicin, 3985 Wundlrzte, 2784 Apothelrer, wohei die heiin Mililair angestellten nicht mitgerechnet sind. Die mcdicinische Facultat
in Wien zahlt 423 Mitglieder. Graduirt wurden im genannten Jalire
in Wien, die an der Josephinischen Academic nicht mitgerechnet, ZII
Doctoren 86, zu Wundlrzten 45, zu Geburtshelfern 46, zu Angeniirzten 15, zu Zahniirzten 9, zu Thierarzten 12, zu Pharinaceuten 16,
zu Hebamnien 137. (Aagsb. Ally. Zeitiing. Beilage vom 1 . Felrunr
2847.) B .
Benehmen eines homoopathischen Arztes bei eaner
Niederkunft.
Die Frau cines umherrcisenden Piinstlers befand sich in der Lage,
ihre Niederkunft nahe hevorstehend zu sehen, als sich Blutungen einstellten, wulche ihr lrztliche Hiilfe wtinschenswerth machten. Es wurde
des Morgens ein nirgeiids gtinstig examinirter Iiomiiopathischcr Arzt,
deni die Gnnst der Verhiltnisse die Erlaubniss zur iirztlichcn Praxis
und zum Selbstdispensiren verschafft hatte, hinzugerufen. Er fasst,
nachdcrn die Frau ihre Lage geschildert, sie Moss oberflachlich an den
Leib, sagt dann, die Sache sei noch nicht so weit, nicht bedcnklich,
und- e r werdc ihr Pulver zum Einnehmen schicken.
n e r Zustand verschlimmert sich, die Frau und ihre Unigebung
werden bedenklich und rufen leider erst Abends einen als Geburtshelfer und Arzt anerlrtmnt geschicltten Ilann, der dann leider bald
genugfindet, dass man ihn zu s p i t gerufen habe, da der Tod schon
nahe ist. Er entbindet die Frau, der Hahnemannsjiinger Itoinmt hinzu,
wird natiirlich mit Vorwiirfen iiberhfiuft, seiner Unkenntniss und seiner Nachllssigkeit halber, die er geduldig hinninirnt und den rationellen Arzt aufs dringendste bittet, diesen Fall, dcr zwei Menschen
das Leben gekustet hat, zu verschweigen.
Inzwischen war derselbe durch die Umgebungen bekannt gewor-
368
Vereinszeitung.
den, und lisst sich die Wahrheit dieses Vorlrommnisses unzweifelhaft
nnchweisen.
Dr. B I e y.
Gesetae uber Verkauf der giftigen Substanzen in Frankreich.
Eine Ordonnanz dieser Art erschien am 29. Oct. 1846 von Seiten des
Hiinigs, worin derselbe eine niihere Bezeichnung aller hierher gehdrigen
Substanzen gab, und namentlich rillen bekannten giftig wirkenden vegetabilischen SubstanZen (Alkaloide an der Spitze) nur den Pharmaceuten zum Verkacif - und bei jeder miiglichen Vorsicht, anempfiehlt.
Die metallischen Cine, hiiufig wichtig fur l’echnologie 11. s. w., sind
zwar den H a u f l e u t e n zur Dispensation mil erlaubt, jedocli einer hesonderen Cuntrole unterworfen.
(Journal de Phnra. eb de Chim.
Dec. 1846. pag. 430 etc.)
W i t t i ng.
__-_
Notiz uber Mange1 in der Medicinalpolizei.
Leider &be ich bei Gelegenheit mehrerer Reisen die Bemerkung
machen miissen, dass in Betreff der Coutrole iiber den Verkauf der
Arzneimittel, deren Debit nur dem Apothelrer zusteht, welcheu sich
jedoch die Kuuflcute zueiqneten , mancher nlissbrauch vorherrschte.
Unsere fur jedes Wohl bellissene Regicrung ist bemuht, diesem Uebel
zu begegnen.
__
Neues Werk iiber Priifung der Apotheken.
l e i n Freund E. P. A s c h o f f in Ilerford ist damit beschgftigt,
eine dritte Auflage seines Werlrcs : nUeber Untersuchung der Arzneimitiel etc.14 der neuesten Pharmakopdc gcnriss, auszuarbeiten.
Witting.
3) Vereins - Angelegenheiten.
Allergnadigste Erlasse auf Befehl Sr. Majestat des Konip
von Hannover.
I) Seine Majestit der Konig haben auf das Ansuchen des Medicinalratlis I h . B l e y vom 28. Novemhcr v. J., in Anerkcnnung der nutzlichen Wirksainlreit des Apotheltervereins und des wissenschaftlichen
Werthes der von demselbeii herausgegcbenen Zeitscbrift, gntidigst gern
zu gestalten geruht, dass AllerhBchst Ihnen der gegenwartige Jahrgang des Archivs der Pharmacie dedicirt werde.
Es gereicht mir zum Vergniigen, solches dem Medicinalrath Dr.
B l e y zu erdffnen.
H a n n n v e r , den 7. Januar 1847.
Cabinet Seiner Majestiit des Konigs.
Vermoge besondern Auftrages
v. F a l c k e .
2) Es gereicht rnir zum bcsondern Vcrgniigen, den ledicinalrath Dr. B I e y dnvon in Henntniss zu setzen, dass des Kiinigs Majestfit
den AllerhBchstdcmselben dedicirtcn Jnhrgnng 1846 des Archivs der
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