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Naturwissenschaftliche Mittheilungen.

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Vereinszpit ung.
221
oder Bengalen niit 30 Stiick Rindvieh und 2 Pfliigen eine PEanrung
van 1000 Muscatnnssbiiumen oder eben so vie1 Nelkenblumeo beror(Sill. Datra americ. Journ.
C h e m - p h a r m . CenfrbZ.
gen kiinnen.
1852. No. 11.)
B.
-
5) Natur~isseiischaftlicheMittheilungen.
No. t 4 . des Jahrgangs 1850 der botanischen Zeitung enthhlt iii
eiuem kurzen Auszuge das Wichtigste aus Dr. Vo gel’s Reisetagebuche iiber die
Niger-Flor und die PfEanzen des roestlichen tropischen
A frika,
was wir des hochst Interessanten wegen hier folgen lassen.
Die fiir die Niger-Expedition bestimmten Schiffe verliessen Devonport nm 12. Mai 1841. V o g e l war in Wilberforce, litt sehr von
Seekranhheit und beobachtete daher nur die l’emperatur der See. Den
21. M a i gelangte er nach Madeira und machte hier wlhrend seiues viertiigigen Aufenthalts i n der Umgegend von Funchal so vie1 Excursianen
wie miiglich, oft in Begleilung VOII L o w e , durch den die Flora von
Madeira bekannter geworden ist.
A m 25. Mai kam V o g e l nach
Bberstandener Kranhheit nach S t . Vincent, einer der Inseln des griinen Vorgebirges.
Da die Regenzeit i n St. Vincent vom August bis
October dauer!, fmd derselhe natiirlich die Vegetation auf dem niet h e n Theile der Insel vollstlndig verdorrt; auf dem Monte Verte,
etwr 2500 Fuss hoch, fand er jedoch etwa 80- 90 Pflanren. E r
hesuchte such eine andere der Kapverdisrhen Inseln, St. Antonio, wo
ein wohlbewiisscrtes Tlial niit iippiger Vegetation reirhe Ausbeute versprach; nher fiein Aufentltalt war zu kurz, uin die Flora kenneo ZB
larnen. A m 26. Juni gelangte er nach Free Town in der Sierra Leone.
Die Regenzeit hat hegonnen. Vo g e l spricht init grosser Befriedigung
van der anziehenden Lanilschaft und der Bppigen Vegetation um Free
‘Town, er machte mehrere Exrursionen und sah bei einem Herrn
W n i t f i e 1 d eine Sanimlunp von mehr als 30 Species idfindischer
Orchideen, mehr als his auf diesen l a g von dem westlich-lropischen
Afrika hehennt gemacht sincl. Bei Grand Bassa, a n der afrikanischen
Kiiste, wo gelandet ward, fand er eine Bppige Vegetalion und saminelte mehr IS 100 Pflnnzen; Oelpalmen (Elaeis Cnineensis) und Fici
bilden den Haupthestandtheil der \Valdungen. A m 14. Juli landete er
am Cap Palmas. Ueherall, wo V o g e l die afrilcanische Kiiste beriihrte,
hestand der noden BUS wenig antsprechendem Lehrn, der gar keinen
nder nur stellenwaise Humus enthielt. 1)ennoch ist die Vegetation
reich u n d iippig, da die Kegenzeit begonnen hat. Bei Cap Palmas
sind Rubiaceen, Convalvulaceen u n d Leguniinosen varherrschend. Bei
Cap Coast Castle verbietet ain 18. Juli Capitain T r o t t e r , der Fiihrer
der Expedition, dass irgend Jemand iiber Nacht auf dem Lande bleibt,
denn schon fing man an,.gegen die schiidlichcn Einfltisse des Klimas
vorsichtig ZII werden. Be1 Cap Coast Castle ist das Land stellenweise
sehr fruchthar und hat den iippigstcn Pflanzenwuchs. Die Rubiaceen
sind weniger zahlreich, Leguminosen vnrherrschend und itlimosen h6ufig.
Dann landete mnn bei British Accra und V o g e l machte eine
Excursion nnch dem danischen Accra, dem klassischen Boden der trnpisch-westafrilcanischen Florn, \YO I s e r 1 und I h o n n i ng ihre gui-
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Vereinszeitung.
neischen Pflanzen sammelten. Endlich ward am 5. August vor rleni
n6rdlichrten Arine des Niger, dem Nun, Anker geworfen. V o p e l
untersurhte, wahrend die ScbiilFe einige Tsge vor Anker lagcn, das
rechts Ufer dcs Nun. In den Simpfen ani Ufer wachst Rhicophors
Mangle, Oelpalinen, letztere oft niit parasytischen Farrnkriiutern bcdeclit, Drepanocaryus lunalus, Ormocarpus verrucosus, einige straurhartige Rubiaceen und Miniosen. Der Boden besteht nus Sand, Glimmer und vegelabilischen Resten. Hin und wieder befindet sich an
der Kaste ein niedriges Dicliicht, bestehend B U S Chrysohalatrus Icaco,
Ecastophyllurn Brownei, Mclastomaceae, Dsodia maritima Th. Ac. Ferner fanden sich bier : Hibiscus tiliaceus, viele Cyperacean, von
Pannshbhe und verbuoden durch Convolzulnceas, Cassyta und andere
Lianen, Stylosunthes Guineensis, Teleianthera R. Br., eine Euphorbia,
Dotichos, Convoleulus pes capme, Hydrocolyle inlerrupta 4, platyph.
D. C., eine Habaelia 01. a. Am 20. August endlich begann nian stromaut" zu segelo. Bis 13 engl. Peilen von dar Kiiste wichst RhisGphora
am Ufer, weiter vom Ufer entfernt kleine Oelpalmen und darunter
Pandanus Candelabrum. Narh diesen 13 illeilen beginnen Strciucher
und BBume zahlreiclier Arten und im Hintergrunde 60 80 Fuss hohr,
alte Oelpalnien.
Weiter binauf am Ufer Pisang-, hin und wieder
Boinhaxbauine, ealilreiche Leguminosen und Rliiiiosen, auch Hohr- und
Zuckerrohrpflansungen. 40 Neilen yon der See werden Pisang, Zuckerrohr, Cassada, illais uod Yams, Cocus- und Oelpalinen cullivirt. Us
die Cocuspalure our bei Dbrlern vorkain, k i l t V o g e l sie fiir eingefiihrt. Bei einigen Excursionen auf dem Lande snmmelte e r mehrere
interessante, darunter aucli neue Pflanzen; nieistens ist ihm nur vergbnnt, die herrliche Vegetation vom Schiffe aus zu sehen. Den 30sten
August wurden viele Pisfiae auf dem Flusse gefunden. Die Ufer sind
meist, wie auch schon hin und wieder euvor, mil einein hohen Grase,
cinem Sorghum, bedeckt. Den 2. Srptcniler rand V o g e l a m Ufer
Cassia, Absus, Mintosoides (?I, eine Psornlea, einige Gramineen, Rlaleaceeu und Schmiedeliae, einen Sarcoceykalus und Tephrosia fosicuria. Am 3. September Iraf e r einen 70-80 Fuss hohen Baobab
init Friichten, hiingend a n 11 Fuss langen Stielen. Yams u n d Rlais
sind cullivirt. bas Uiilerholz ani Ufer bestand meist 811s Quisqualir
ohovala Silutn., P o h a , Spondins, Sacroccphalus, Lonchocarpus forrnoscc.
Den folgenden 'lag fand er Tnmariiiden und andere Leguininosen, Bombax, Cyperaceen, Griser, Desmodium, Cassia, Malaaceac, Euphorbincecce, (Phyllanfhus) Tragio, eine Lemna, einen Loranthus auf einer Leguniinose u. A. Hiigel von 1000-22000 Fuss schlossen
i s der Ferne den Fluss hier ein; die Laadschaft war oft sehr schon.
Den 10.September war V o g e l unwohl und R o s c h e r , der deutsche
Geologe der Expedition, brachte i h m einige Pflanzen, hin und wieder
ist ein Baobab, eine Cocirs- und Ficherpalnie sichtbar. Am 11. September gelangte die Expedition on den Zusammenfluss des Tscbadda
und Niger, wo eine Mustcrwirthschaft angelegt wird. Der Bodeo ist
varwitterter Granit, bedeckt mil Gramineen, Cyperaceen, Euphorbieen,
hlalvaceeo und besondere Leguminosen, darunter zwei I'ephrosiae.
Aai 14.September bestieg er den Berg I'atteh, 1150 Puss hoch. Auf
dern eisenhalligen Sandstein des Berges werden Yams, Capsicum, Cuinea-Korn, Banauen, eine Bohne oder Dolichos, ferner Baobab, Parhis,
Sarcoccphaltrs und Spondias fast bis zum Gipfel cultivirt. Am
Abend des 14. Septeiiiber, nach der Excursion auf den Berg Patteb,
wurde V o g e l krdnli. Dns gelhe Fieber hntte schon suvor ange-
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Vereinszeitung.
a 23
fangen auf den Schiffen zu wiithen, und viele Opfer sind bereitr gefallen. Dennoch machte V o g e l einige Excursionen. A m 16. September rand e r eiae Artecarpur in Frucht und rnit weiblichea Blumen,
eine Anona, eine neue Leguminose, Pistia, Ceratophyllum, Salwinia
u. s. w. Da V o g e l ’ s Krankheit jedoch zunahm, ward er mit andorn
Kranken stromabwiirts gefiihrt und landete mit R o s c l r e r am 5. October auf Fernando Po. Hier werden V o g e l ’ s Forschungen und Entdecltungen ein Ende gesetzt, denn am 17. October 1841 ereilte ihn
hier der Tod, und noch denselben Abend wurde Dr. V o g e l an der
Seite descapitains B i r d (DVogel.) A l l e n auf Fernando Po begraben.
Ueber die Flora aller der nordwestlich von Afrika liegenden
Inseln, der Azoren, Madeira, der Canaren und der Inseln des griinen
Vorgebirges berichtet L e m a o n , dam Madeira 672 Species von Phaaeragftnien und Farrnkrgutern hat, wovon nur 85 Madeira eigenthiimlich sind und 480 auch in Europa vorkonimen. Yon diesen 480 PflanLen sind etwa 400 den Kiisten des Dliltelmeeres eigen, aber davon
kornmen inerlcwtirdiger Weise nur I70 bei Gibraltar vor, obgleich
dessen Flora etwa 450 Pflanzen enthiilt. Die Azoren haben eine Flora
von etwa 425 Species, 280 davon finden sich auch auf Madeira und
312 Species oder mehr sind Madeira und den Canaren gemeinsam.
Eine grosse Anzahl von Yadeira’sohen Pflanzen irt in dem anliegendea
Theile von Afrika nicht zu Bnden, wohl aber auf den Canaren, Azoren und den Inseln des griinenvorgebirges. Es atellt sich daher die
Flora dieser nord west afrihanischen l n s e h a h eigenthiimlich dar,
und W e b b hat ihr schoo friiher den Ramen der .lakarooerischem
gegeben. Madeira ist der Mittelpunct dieser Flora. Als Genera, die
diesen Inseln eigenthiimlich Rind und auf einer oder xweien derselbea
gefundan werden, sind folgende angegeben : Jfelanoselinum, Aeoniun,
Aichryson, Sinnpidendron, Heberaenia, Phyllis, Campylarlhus, Iaoplcsis, Callinassa, lllusschio und Curarina. Madeira’s Flora hat mehr
I’flanzen mit Westindien gemein, als mit dem anliegenden Continent
von Afrika; 5 Farrn werden zum Beweise dieser Behauptung angefiihrt; das Seekliina voo Madeira macht natiirlich ihre dortige Existenz
mdglich. Auch das Genus Glelhre, sonst rein amerikanisch, ist in
Madeira reprssentirt. Helichrysa von Madeira sind nahe verwandt
mit den siidafrikanischen Pflanzen. Diescs Genus und Myrrine
cana der Azoren ist sonst nur noch am Cap der guten Hoffnung und
in Abyssinien gefunden.
Nach B a r k e r W e b b bestehen allc die bisher auf den Iaseln
des grunen Vorgebirges gefundenon Ptlanzen in 250 Species. Davon sind
204 Dikotyledonen, 31 Monokotyledonen, 12 Farrn und 1ist eineEquisetacee. 60 phanerogame Familien sind repriisentirt, davon aber our
die Leguminosen und Compositen mit 31 Species, die Griser wit 23,
die Euphorbiaceen und Labiaten jede mil 11, die Convolvulaceen und
hlalvaceen jede mil 10, die tibrigen init noch weniger, die meisre0
nur rnit 1 Species. 48 Species, oder beinahe der ftisfte Theil, kommen auch auf den Canaren vor, oder sind dort wenigslens durch
hBchst verwandte Formen repriisentirt, 25 Bnden aicb in den arabischnubischen Gebieten. Etwa 1/12 der 250 Species lroniint am Mittelmeere vor; der Rest ist entweder allgemein tropiscb, oder senegainbisch, oder den westafrikanischen lnseln eigenthiinilich. Die Flora
Nigrjtinna bestelit i n 9i4 Pflanzen, welche 101 Familie reprgsentiren,
Ecwa 200 Species sind neu. Von 974 Species sind 803 Dikotyledonen
und 171 Monokotyledonen. Die Lcgurninosen enthalten Lei weitem
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Vereimzeitung.
die gr6sstc Anzahl der Species, namlich 113; dann folgen die Rubiaceen mit 97, dann die Comporiten mit 40, dann die Acanthaceen und
Euphorhiaceen jede niit 37, die Malvaceen und filelastomaceen jede
mil 23 Species. Uiiler den Monnkotyledonen enthalten die Gramineen
die meisten Species, nBmlich 97, dann die Cyperaceen 39, die Comnielyneae 10. Die iibrigen monokotyledonischen Familien enthalten
nnter 10 Species die meisten nur eine.
B.
Ueber die Pflanzenverhaltnisse des tiordlichen Mexiko.
Dr. E n g e l m a n n in St. Louis verdRentlicht iiber die von Dr.
W is I i c e ii u s in dem n6rdlichen llleriko gesamrnelten Pflaozen folgendes hijchst Interessanle.
Dr. W i s l i c e n u s vcrliess im Frithjahr 1846 St. Louis im Staate
llissouri, urn nus eigenen Mitteln eine nalurhistorische und statirtische Reise durch die udrdlichen Gegenden von Dlexiko und
[loch-Colifornien LU unternehnien. Der ausgebrochene Krieg verinderte aber wesentlich die I’line des Reisenden. Den Arkansas hinauf
halte er yon Independance, dein Bussersten \l’eslpuncte der oivilisirlen
\\’ell, am Missouri gelegen, 120 deutsche Bleilen weit die Prairien
durclischritlen und dann, das Gebirge Cbersteigend, die Hauptsladt voii
Neu hlexiko , Santa-FB, erreicht, von welclier e r sich auf dern
i’lateau gen Siiden lings dein Rio del Norte vorbchreitend nach
den1 Presidio Paso del Norle begab.
Von hier das Hochthnl
Neu filexiko’s verlassend, begab e r sich nach Chihuahua.
Als
Spion betrachtet, wurde e r nach Corihuiriachi, einer Stadt auf d e r
Sierra Madre, ungekhr 20 deutsche Jleilen siidnestlich von Chihuahua,
als Gefangener gebracht, dann durch die nordamerihanischen Truppen
befreit. Er trat in das Medicinal-Departement d e r Armee ein und init
dieser den Riickweg siidOsllich nach Parras, dann ostlich nach Saltillo
iind Alonterey an der Miindung des Rio del Korte an, w o die Trupi n den erslen Tagen des Juni 1837 anlaiigten. Seine Untersuehungen der durchreisten Gegenden liefern einen hdchst wichligen
Aufschluss zur liennlniss derselben, vorziiglich deren I’flanzenverhaltnisse.
Da die Reise des Dr. \V i s l i c e n u s das Thal dea Rio Grande
ganz Texas unit’asst, so nehmen seinc Pflanren an dem Charabler
dcr Floren der sehr verschiedenen Lander Theil, welche von dein
penannten Thale geschieden werden. Die Flora des Thales des Rio
Grande verbindet in der That die Floren der Vereinigten Stasten und
von Californien, Mexiko und von Texas, indem sie Species, Genera oder
grnze Fainilien enthllt, die einem jeden dicser genannten Lgnder
eigenthumlich sind.
1)cr nordostliche Theil der Reise durchschneidet die groseen Prairien des WeRtens, die von i 0 0 0 FUSSfldhe ilber dem Dlerikanischen
Meevbusen, bei Independance, Missouri, allnihlig bis LU 3700 Par. Fuse
westlich vom Cimarron-Fluss emporsleigen. Besonders interessant firr
den Botaniker sind folgende Pflanzen, wed sie in der Reihenfolge, in
der sie gesamnielt waren, der Landschaft ihren Vegetationscharakter
geben : Tradcscanlia oirgindca, Phlox nrislalu, Oenothera missouriensis, serrulata, speciosa elc., Penlstemon Cobaea, Astragalus caryocarpus, Delphinium aoureum, Baplisia ausfralis, Maloa Papaoer,
Schrankia anciiiala und anyuslala, EcAinacea angusfifolia, Aplopappus spinulosus, Gania coccinea, Sidn coccinea, Sophora sericea,
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Vwekszeifung.
Sesleria dnctyloides, lfordeum pusillum, Engelmnnnin pinnntifida,
Pyrrhopaypus grandillorus, Guillardin pulchella, Argetnone Mexicans.
Die zwischen dem Arkansas nnd dem Cimarron-Fluss gesainrnelten
Pflanzen sind seltener und einige davon uns durch Dr. J a m e s heItannt, welcher L o n g ' s Expedition in diese Gegenden im Jahre 18'20
niitmachte. Wir fiuden hier Cosrnidium gracile Tor,.. ef Cr., das auch
urn Santa FB und weiter abwiirts am Rio Grande gesammelt worden
ist, Hofmannseggia Jamesii T . el G., verschiedene Species von Psoralea, Petalosfentum und Astragnlus, auch T o r r e y 's Guurn zillosa
und Kramerin lanceolata, Erysinium asperurn, Polygnln alba, Lygodesmia juncea. Hier treffen wir anch zum ersten Male Rhus trilol a t a , auch ein neues l'alinum, T. cnlycinum von mir beuannt, wnrde
uuf Sand boden am Cimarron gefunden. Psoralaea hypognea Nutr.
wurde i n der Nihe von Coldspring und Yncca angustifolin yon hier
bis Santa F6 gesaii~mell.
Voin Cedar Creek beginnt das Bergland mit einer Erhebung von
nahe an 5000 Fuss iiber dem nieeresbusen und erstreckt sich bis Santa
Fe bei ungefiihr 7000 Fuss. Mit den Bergen treffen wir auch die
Hegion der Fichlen und der Cacti. Dr. W i s l i c e n u s hat liier zwei
Species von Pinus gesammelt, die beide nocli nicht beschrieben zu
sein scheinen. Die interessnnteste, wcgen ihrer essbaren Fruclit sowohl, als wegen ihrer botanischen Associationen ist die Nussficlite von
Neu-Blexiko, (Pinon), Pinus edulis, welche nahe verwandt ist mi&der
Nussfichte des nordiistlichen nlexiko, Pinus osteosperrnn, und mit der
Nusslichte von Californien, P. monophylla Torr. el Fretn. Diese drei
Species sind die westlichen Reprlsentanten von Pinus, f i n e a und
Cembra des iistlichen Pestlandes. Die sweite Species, Pinus Lrachyptera, ist die geineinste Fichte in Neu-Mexiko und die nutzbarste ale
Bauholz. Eine dritte Species, P. /lcxdlis Jahes, hat Dr. W i s I i c e n u s
iibersehen, ist aber von F e n d 1 e r, einem jungen Dentschen, in schiinen Proben uin Santa FB gesaniinclt worden. Ihre Blatter in fiinfen
und pendelf6rmig cylindrisch viereclcigen Zapfen assiniiliren sie tnit
Pinus sfrobus, allein der Stlinen ist gross und essbar und die Blltter
sind nicbt gezihnt und vie1 stlrker. Die Pinnonen, welche in Santr
Fg in so grosser Rlenge verzehrt werden, scheinen hauptsfichlich das
Product von P. edulis zu sein.
Linum perenne tritt hier zum ersten Male auf und erstreckt sich
bis &a;a P6, ehenso der mit Recht S O genannle Lathytus ornntus.
Verschiedene Species von Pofenlilla, Oenoflera, Artemisia und Pentstemor wurden in dieseni Bezirke gesanimelt.
ZU den merkwiirdigsten I'flanzen, welche angetrofen wurden,
gehGreo die Cactaceen. Nachdem er am Arkansas nnd nordiistlich
d a w n nichts als eine Opztntia bemerkt hatte, sah sich Dr. W i s l i c e n us auf einmal, sobald das Bergland mit seinen Fichtenwiilderu
anling, unter verschiedene schiine und merkwurdige Glieder dieser
nierkwiirdigen Familie versetzt.
Am Waggon Mound wurden die
ersten (bluthelosen) Exeiiiplare einer fremdartigen Opuntio gesehen,
init einein geraden, holzigen Sterigel und cylindrischen, sehr dornigen,
wagerechten Zweigen. Die Pflanze war hier nur 5 Fuss hoch, bei
Santa Fd aber wuchs sie in einer Hiihe von 8-10 Fuss, und sie erstreckte sich' bis Chihuahua und Parras.
In dem zuletzt genannten gunstigeren Iiliina wird sie ein Baum
yon 20 oder 30, j a sogar von 40 Puss Hiilie, und bietet einen prachtvolleii Anbliclr dar, wenn sic niit grosscn rothen Blumen b e k c k t ist.
-
Arch. d. Pharm. CXXI. Bds. 2. Hft.
15
2 26
Vereiwzeiiung,
1)a sie aoch unbeschrieben ru sein schciiil, 6 0 kann it11 ihr keinen
tirsscrn Kainen geben, als 0 . urtot*escrns, d r r Baum Cnclus, ndrr
Focotioo/lr, wic die Blexikaner, I)r. G r e g p rufolgr, Fie ncnnen. I)ic
Slengel tler iodlen I’flanze bictrn cin Iibclist sonclerliares Ansclien dar ;
-
rind die safligcn ‘llirilo vcrlrocknel, SO IBleibl ein Nelzwerk \’on holrigen Filiern zuriick, wclclic cine liolile K6lire bildcn, init schr rrgcl~ i l i ~ ~ i graulenfdrinigen
en
hlaschrn, wclclie mil den l’ubcrlicln der lelienden l’llanzo correspondircn.
Die erste I l n n ~ n d l n r i nwurde aiic11 ani Wnggon-Mound gcfunden,
pine Species, welch0 init M, .I;it-ipura dcs nlissoiiri nnlie verwnndi is1
und ebenso mil drr Texanischen AI. rndioscr. 17 e n d I c r liat cliesellie
.Spci’ies hei Sanla PO grfundcn. A m \\‘crlCCrerk wurde die ii~crliwiirdigc und schdne Fulltigin parndsrrr Endl., die !vie cin 1iusc.liigcs
Geum nussielil, i n roller Bliillie und init Frilclilen gerunden; aiicli eine
Species r o o Sfrrpfnnfhus und ein intercssnnles ~irruriium, wrlclirs
ich G; penlagynum genannt habe, wcil seine f a n f Stauhwrpe an d r r
Bssjs tiur schwach verbunden siitd, wiihrend die nirisicn tindtrn Grrrbien sie suf lwei Dritlheilo ihrcr LBngc oder noclr melrr vercinigt
hrben.
In den Prairien urn den Wolf-Creek i n einer Ilahe zwirclien 5100
ljis 6600 Fuss wurde die kleinsle einer Tribos von Cactaceen cnldcclct,
dayon zahlreiche Species im L a d e der lleise nach Silden und Siidorlrn
befunden wurden; mehrere andere sind auch in Texas enltleckt worden, Es sind dies die zwergarligen Cerri, von dcncn einige init dem
siidaiiierilranischen Genus Eclrimpsis beschrielen, oder wcchselaei~ig
auf Cereus oder Echifiocnclus bezogen worden Bind, und die ich, iim
sie yon all’ den genannten zu unlerscheiden, Erhinocereus zu ncnncn
vorsclilnge, ein Name, der die Zwisclienslellung rwiechen Cereus und
Echinocucltrs andculet. Sic niihert Rich niehr dim Cereus, welchem
Genus sic, ebcnso wie das Genus Echinopsir, als Suligenera vielleiclil
anzuschliessen sein werden.
Die erwiihnte Species unterscheidel s i c h yon allen andrrn Arlen
durch ihre gelblich grilnen Bliilhen, dn dic rndern Carmoisin- odrr
I’urpurblumcn hrben. Icli habe sie deshalh Eckinocereus ciridiflortts
bcnannl.
Die Species von Bchinocerews hewohnen Texas und die ndrdlichrn
Gegenden yon nlexiko, wo die eigenilichen Cerei sehr sellen Rind.
Die Species JWntntnillurine sind aon Dr. W i sl i c e n u s a u f drr
ganzen Erstreckung seiner Heise wnhrgcnoiniiien worden, auch dab6
EUIII wrnigslen 4 Species in Texas rorkoinnien.
Echbiocucti npurdeo
nur siidlich yon Sanla FB und von hier nach hlalamoros bernerht, ahrr
iiichl r u f den hochsten Bergen, die mit O p ~ ? i l i n eIlnalmillariae
,
und
Echinocerei beselzl waren ; zwei Echinocacli sind in Texas pefundrn
worden. Nur cwei Species wahrer Cerei wurden gesehen; eine von
eige~itliiimlichemTypus in der Gegend von Chiliuahua und die andere
an der nliindung des Rio Grande, die von dem weit verhreiteten C.
oariubilis Pfeiff. nicht verrchieden CU sein scheint. Opunfine ellipticae sowohl, als 0. cylindricac sah man von Ncu-Mexiko liis llatamnror, und Species von beiden kommen auch in Texas vor. Melocucli,
Phyllocncri und andsre Genera von Caclaceen, die hier nicht benannt
sind, wnrden auch nicht bemerkt.
An demselben Tage wurden zwei andere Species yon Bcliitzocereus ini Fichtenwalde entdeckt, die licide sehr rchone dunkelrothe
Blnmen haben.
-
Vereinszeitung.
Von Snntn P B nnhtti Dr. W i s l i c e n u s seinen Weg siidlich lings
des Rio Grandt?. bas Land war zum Theil bergig und felsig, zum
Tlieil and hauptsichlich lings des Flurses sandig, und die llobe beIrRgt inn Uiirchschnitt 4000-5000 Puss iiber dem Weere. llier wnrden aliermals einige von den Pflanzen der Ebenen und vnn Texas,
11. a. Polnnisia lrachysperrnn 7'. et G . , angetroffen; auch Hoffniannseggia Jnrnesii T. el G. Eine interessante Prosopis mit echraiibenfdriiiigen lliilsen und init der P. odorata Tow. et Frern. yon Californien
vcrwandt, war der erstc Rlimosenstrauch, wclcber auf der Heise beiiierkt und w n n u n an nllniiilig liiiutiger wurde, llfenlaelia Sp., Cosmidiuni grrtrile, Euslomn, IIelioEropiuin currasazicum, Illaurantdia
nnlirr/tiwi/7ora, eine schiine grossbliiniige Datura, Adronia, tlendeUei Olla erschienen die ersten
raetdra lerensia untl vide andere.
Exemplare erner iieuen Species von Lnwen, die ersle und niirdlicliste
Form der strauchigen Zygophyllaceae, die weiter gegen Siiden zahlreicher werden. In derselhen Gegend s n h man zuerst den MesquitoBauin oder -Strauch, wahrscheinlich dlgarobia glandulosa T.et G .
Am folgenden Tage sah m a n bei Srhino einen interessanten BignonienStrauch zuni ersten Male, nhne Zweifel den Chilopsis von D o n , der
weiter gegen Siiden hiiufigcr wurde.
Seine diinnen Zwillingszweige,
die weidenartigen, schmalen, klehrigen BlFtter und die grossen, blnssoder dunkelrothen Blumen inlchen ihn zu einem beinerltcnswcrthen
Strauch.
Bei Albuquerque wurde eine merliwiirdige Opicntia beobacbtet,
wahrscheinlich gehiirt sie zu den Opunliae cylindriacae. Eine SOQderhare Pflanze, mit der Beschaffenheit eines RanuncuEus, aber mit
Saurus nahe verwandt, vvurde ebenfalls in dieser Gegend zwischen
Gras an den Ufern des Rio Grande gefunden. Polygonurn nmphibium
und Cephalnnfhus occidentalis wurden hier aucli angetroffen ; merkwordig, indem erstere Pflanze der alten und der n e w n Welt gerneinschaftlicli ist, u n d die zweite i n den Vereinigten Slaaten einen sehr
grossen Verbreitungrsbezirlt hat.
Die beriihmte Wiiste Jornada del Muerto lieferte ihren Beitrag
interessanter Pflanzen. Eine neue Species von lblinum mit cinfachen
achselfdrniigen Bliithen wurde zuin ersten illale in der Jornada ge-'
selien und weiler gegen Siiden, nnch Chihuahua hin, abermals gesaminclt. Drtlen Znnafn, Centauren aniericana, Sapindus niarginala und
eine Boliixtrin, die wahrscheinlich mit einer neuen texanischen Species
eiiierlei ist, erinnern an die Flora von Arlcanxas und Texas, wihrend
der riesenfiirmige Echiriocaclus Wisliceni das mesilcanische Tafelland
anzeigl. Ilicser iingebeure Cactus erreicht durcliglngig eine Hiihe von
1;
2 PUSS; es wurde nber aucli ein Exemplar gefunden, welches
4 FUSS Hiihe und beinahe 7 Fuss Umfang hatte, iind mit Knospen,
Blumen iind Friichten, in allen Stufen der Enlwickelung, bedeckt war.
An Griisse sletit e r dem Echinosaclus ingens Zucc. am nichsten,
clavon 5 .- 6 Fuss hohe Evcmplare bei Zimapan in Dlexiko gesammelt
wurden. Ein anderer mexikanischer Cactus, E. platycerus Lim., sol1
6 uiicl sognr 10 Fuss hoch oder verhlltnissmiissig diclr sein. E. Wisliceni ist demnach der dritte an Grdsse in diesem Geschlecht. Eine
schfine Jlnmmillnrin wurde in derselben Gegend gcsainmelt. Ebenso
lvurde hier zum ersten Male eine sellsaino merkwiirdige PBanze angetrollen, aber damals ohne Bliithen und Frucht ; einfache dornige
S i ~ r l t cnder Stengel, die ein weichep, schwaches Mark im Innern
IIal)en, einer oder mchr r i i s dersclbcn Wurzel, aber stets ohne Zweige,
IS*
228
Verehszeiluiig.
8 - 10 Fuss hoch, nicht tnelir als $ Zoll dick, hBuAg das Gestriipp
iiberragend, w o r i n dieses Gewiichs gefunden wnrde, nur gegen d i e
Spitze hin m i l einigen Biisclieln schon gelb gewordener Bliilter. I m folgenden Friihjahr wurden die prachtvollen Cartnoisin Bliithen dieser
ptlanze von Ur. W is I i c e n II s zaisclien Chihuahua u n d Yarras gefunden. Die Pflanze i s t eine Forqtiirta, davon tl u ni bo I d t z w e i Speries, b’. [ortnosa und spinosa i n Mexiko gefunden hat.
Gegen El Paso liin w u r d e eine nierkwiirdige rapparideische Pflanze
gesammell, die tnit der californisrlien Oxyslilis T. el Fr. niihe verwandt zu sein scheint und m i l i h r eine abgesonderte Gruppe i n dieser Familie bildet, die den Cruciferen sehr nahe Itomnib. Z u E h r c n
Jes Entdekers ist diese neue Genus IVaslicenia genannt.
A u f den Bergen um El Paso w u r d e Opun/in uaginntn gehnden,
auch ein neuer Echinocereus, d c r wegen seiner dichten Bedeckung
m i l kleinen Dornen E . dasyacantkus benannt w o r d r n isl. l l i e r w u r d e
auch Opunlia Tunn M i l . sum erslen Ma1 geseh‘rn; u n d dies ist vielleicht die nbrdlichsle Grenze sowoltl dieser w e i l verbreiteten Species,
als auch einer andcrera gemeinen niexikanischrn Pllanre, nantlich von
Agaoe americatm. Beide wurden i n grBsserer Vollkotnmenheit bei
Chihuahua gerunden u n d v o n da hestlndig a b w i r t s nach Blonterey uncl
zur Mdndnng des R i o Grandc. M i l diesen zugleich w a r d ein I ) n . y lirion gefunden.
Von El Paso n a r h Clriltnahua liiuft der W r g anfangs durch eine dde,
sandhiigelige Landschaft, \YO eine eigentliiiniliche l n t t y n i a beohachtet
wurde, dann aber durcli ein reizendcs, anmuthiges Land, welchen int
August, nach Ablauf der Regenzeit,. init einer fippigen Vcgetalion bedeckt war.
D i e l l o h e des Landes b e t r l g t hicr zwisrhen 3 i O O
u n d $700 Fuss iiber dent Mexikanischen Ueerbuscn.
I)ie selteoe
Ceoallia sinunta w n r d e in diesem Theile der Heise gefunden. Hier
kommt auch eine perennirende Species v o n Littccnt, rnit gelben l’etalen,
vor, soweit in Anierika das einzige perennirende gelbbliiltende Linam ;
es unterscheidet sich dureh seine langen aufrechten Kelchbliitler, dahrr
sein Name. Vurscliiedene Oenotherae Iraten j e h t auf; einige S p r c i r s
v o n Giliu, eine Menge Nyctagynene, mehrere Asclepiadnceae, I l I d
aaceae, Cucurbilaceae, Composilne u. a. in. wurden hier gesatittnelt,
darunlcr eine Menge neuer Species. Beini See Enrinillas w n r d e einc
anderc lllnrtynia gefunden, welche dein Laube nach der RZ. p r 0 6 0 ~ cidea nahe steht, die an ihren Purpurbliithen aber schnell r u erkennen ist. Ein sch6ner gelbbliihender Bignonicn-Strauch, wahrsrheinlirli
Teroma slans Juss. w u r d e zuerst bei der Quelle Gallejo bemcrkt.
Skaucliige Algarobiae, ebenso einige andere Witnosen, wurden in griisserer
Fiille gesehen. D e r Boden scheint hier zu fruchtbar f i r Cacti zu sein;
daher denn auch, m i t Ausnahme einiger Opuntien, die einrige Species,
welche zwischen Paso und Chihuahua, ungefahr 100 illeilen sfidlicli
von denr ziierst genannten Orle, Cereus Creggii war.
A u f den Porphyr-Gebirgen v o n Cosihuiriachi und Lianos, w e l c h o
zwiscben 5600 und 7500 Fuss hoch sind und in ihren tiefen spaltahnlichen Thiilern w u r d e eine grosso hlenge nnbeschriebener Pflanzen
gefunden. Alles, was hier gesnmmelt worden ist, scheint ncu zu sein.
Unter den B l u m e n sind drei Species v o n Fichten zu erwahnen,
die v o n den weiter nordlich gefundenen durchaus verschieden u n d
vielleicht idenlisch sind m i t einigen Species der Siidseekiiste.
Die
prachtvollsto der drei ist eine Species, die naho verwandt i s t m i l
-
229
I’oreitis;eilu~ig.
Piitus Strobits uud P . /lerilis und deswcgeii Piitus s~robifor91tisgenanut is;.
Gemeiner a l s diese Art is; Piitus mncrciphylla, ein nnderer Bewohner der hoheren Berge von Chihuahua.
Piitus Chihunhuana ist
die gewohiiliche Fichte von Cosiliuiriaclli und des Gebirges von Chihuabua iiberhaupt, durchgangig i n einer llolie von 7000 Fuss iiber
deni Rleere.
Auf den hochstcn Gipfeln dieser Gegend wurde ein Arbufur gefunden, den die Landes-Einwohner Matronia nennen; es is; ein kleiner Baurii, mit einer weichen, rotlien Hinde, der im November und
1)eceiiihcr rothe essbare Beeren triigt, so auch eine niedrige, straucbiirtige Eiche, eine Juniperuo-Art mit rothen Beeren und eine Thuja.
Zwischeii Chihuahua und Cosihuiriachi erzeugt der Porphyrhoden eine
Rlenge Cacteen, einige seltsaine Echinocacteen, verschiedene Rlaiiimillarien, ein Paar Opuntien und hauptsichliclr eine grosse Rlannighlligkeit von Echinoceren. Einige .IaJnittillaricte zeichnen sich durch ihro
compacte Gestalt Bus.
Unter den andern ausgezeichnclcn Pflanzen von Cosihuiriachi und
Lianos sind besonders noch beiiierlceriswerth : eine Silene, eine neue
Houuardia, eine Echccerka, ein Bryiigium und eine Zinain, welche
aus dem Sanien dieser Exemplare bei S t Louis sehr schon gewachsen
sintl. Viele andere Compositen sind his jelzt noch niclit untersucht
worden; eine Centauren wird sehr wahrscheinlich von C. americann
vcrscliieden sein, die bisher Tiir die. einzige ainerikanisclie A r t diescs
i n der alten Welt so weit verbreiteten Geschlechts gegolten hat..
Ferncr sind noch zu erwiihnen: verschiedene Daleae, ’ Lupini,
Ciliae, eine Getitiana, Buchneria, Castillcia, eine Rlenge Labiaten und
Grlser; besondcre Aufmerksarnkeit verdienen aber noch nachstehende
Pflanzan. Die ersle von allen is1 die schiine und zarte Heuchera sanguinea, wahrscheinlicb die siidlicliste und gewiss die geschmiickteste
Species dieses Genus. An SchBnhcit zunCchst kommt dann der glanrend bliiheode Pentestemon coccineus, Lobelia mucronata mi; schdn
Ein Erigonum und
rothen iind L. pecfinata mit blaucn Bliithen.
Phareolus Lilobatur sind sehr interessante Pflanzen.
Ur. W i s l i c e n u s wurde nun gezwungen, den urspriinglicheii
Plan seiner Reise abzulndern, und ging von Chibualiua nach I’arras,
Saltillo, Monterey und Rlatamoros.
Dr. G r e g g war sein Begleiter,
beide machten ’ reiche Sammlungen in jeiier h s t unbekannlen Region,
welche als die siidwestliche Begrenzung des Thlrles voni Rio Grande
angesehen werden kann.
Das Land zwischen Chihuahua und Parras erliebt sioh 3700 bis
4700 Fuss, und zwisclien Parras uiid Sallillo 4700 5600 Puss iiber
das Rleer, von da fill; es sclincll gegcu den Unterlauf des l i i o Grsndc
hioab.
Siidlicb von Chihuahua wurde cine seltsame blattlose Ettphorbin
m i l riihrenfiirmigen Wurzeln und blabtlosen Steiigelo gesanimelt, die
Auch
eine nahc Verwnndte voo E . cyathophora zu sein scheint.
wurde hier zurn crslen 3lalc Berbcris lrifoliata mgelroffen.
Echinocerei und Echitiocncti erschicncn in griisserer Mengc. Die
Wicdercntdeckung des scliiincn Echinoceretts yecfinafas liefertc den
Beweis, dass eine texanischc Species, die niit dicscr Art verwcchselt
worden, ganz verschiedcn i s l . A g m e a ~ ~ ~ r i c awurde
itn
init mchrercir
Verwaudten auf diesein ‘L’heilcder Rcisc i n grosser Rlcngc gefundcii ;
Argentorre mwuiceiia, wciss, gelL odcr rosahrbig, trar in;tn hhufig an ;
-
230
Vereinszeitting.
Fa'ntnolirs elractealus, Malvaceae, Oenolherae, Asclepiadaceae, G'iliac,
Solnneae, Justiline, strauchartige Lnbiaten wurden in verschiedenen
Species gesanimelt ; allein die eigentliche Chnraktarpflnnre des Lnndes
waren die Striiucher, welche die oft undurchdringlichen 1)ickichte bilden, die unter dem Nainen *CAnpparals<c belcahnt sind. Einer der
offensiveten dieser Striiucher is1 Koelerlitria Z., hier Junea [ Gregg)
genannt, ein kleiner Baum eher, als ein Strauch, ungefiihr 10 Fuss
hocb, der Stamm 4 6 2011 iin Durchmesser.
Abermals wurde hier die interessante Chilopsis, auch Larrea glrrtirosa und ein anderer zygophyllaceischer Strauch, ein wahres Guajncum, gefunden, welches eine noch unbeschriehene Art zu sein
scheint. Tecorna stuns erscheint hier wieder m i l kleineren weichhaarigen BlQttern und mehr gefliigeltem Blattstiel. Die sehBne Fouguiern
spleridens niit ihren Kispen von langen rfihrenfdriiiigen CarmoisinBliithen, erhebt sich hier iiber alle andern Striiucher und erreicht in
oinigeo Fiillen eine Hdhe von 20 30 Fuss, und vielleicht noch mehr,
iinmer in einbchen Stiimmen.
&in Paar Species von Yucca, zugleich mit Opttnfiu urloresce,~s,
bildeten fast die einrigcn BBunie auf den diirreii Pelsen. Allein ini
Thale des Name komnien stattlicbc Riuiiie einer Species V O I I d l g u sobia, die von A. glatrdulosa des Nordens verschieden ist.
Urn Saltillo wurde Echinocuctus lesetisis ffpfr. gefunden. Die
liiibsche Marnmilluria slrobi~iro,mis wiichst auf Felsen in den Uingebungcn von Rinconada. Hutotiemattnia ftcniarinefolin Staeet. wurde
h i SaltiUo gesammelt, zugleich i n i t griisseren Blunien (3 Zoll i i n Uurchmesser), eine interessante Pflanze, der Bstliche Repriiseutant der californischen Escholtzia, aber perennirend.
Auf deli Pelsen uni Aqua Nueva unrl Buenavista enlileckte Dr.
G r e g g einen 8chdnen Strauch, und da diese Pflanze als Typus eines
neuen Genus angesehen werden muss, so ist dieselbe nach ihrein Enidecker Greggin w p e s t r i s genannt worden. Es ist ein lieblicher Strauch
mit Blunien, welche den Rosen in Gestalt and Farbe Ahnlich Rind.
NOrdlich und nordiistlich von Rlonterey fingt das tieferc Land
und damit eine verscliiederie Vegetation an j hier ist die Heimrth tler
slrauchartigen Cassiae (Parkinsoria, Casparea e l e . ) , Mimoseae, Sophoreae, Uiospyros, verschiedene Arten von Rhtrs und Rhumnus sind
hier gemein, ebenso eine ranlrende gelbbliihendc Hirrtca. Einer der
sch6nsten Striiucher dieses Bezirlts ist Letrcophylluttb fezatiitn Benfh.,
rnit seinen weisslichen, wolligen Uktterii u n d siiss riechenden, blauen
Bliithen. Er ist gemein von Sin Antonio in Texas his Blonclovn, und
yon Ceoralbo his Camargo, wird aber nicht auf den Tafelllndern
gesehen.
Vilis lipinnala i i i d V. incisa, nucli in den siiilwcstlichen Gegenden der Vereinigten Stmten und in Texas wohl bekannt, werden auch
hier angetrolren. Bemerkenswerlhe hrrutartigc YOnnzen wnren eine
Nicufianu, eine Orohandie, eine Eitsfotna, verschiedene Asclepliadeen,
lalvaceen, -Cucurliitaccen, Lahiaten untl anderc, auch Lolelia phyllostachia. (BoC. Ztg. 2850. 37-40. St.)
U.
-
-
LLJ1
Vereinszeilung.
Ueber die PfEtcnzenvegelatiola
210th
Texas;
von Dr. F e r d i n a n d R d m e r .
Texas liegt am mexikanischen leerbusen, zwischen den FIUSSgcbieten des Mississippi iin Nordostrn uod denen des Rio Bravo del
Norte oder Rio Grande im Siidwesten, sich hier vom I 28O N. Br.
erstreckend. Es zerfiillt narh Bescliaffenheit der Oberfliche in drri
Gebiete; das niedrige flache Land an dcr gnnzen Kliste yon Sabine
Ibis Zuni Hio Grande, von verschiedener Breite (30-100 engl. bl.) uad
lldhe (ein Paar his zn 60 und 70 Fuss 8. d. hl.), meist offene, yon
scliinalen Waldstreifen langa den Fliissrn und Biichen durchzogene
I'rairien, Zuni Theil sehr fruchtbar, aher ini Priibjahr sehr nass. Es
gebdrt dazu auch das zuin Zuckerrohrbau sehr geeignete, nber znm
'I'heil tioch iiiit undurchdringlicheni Rohrdickicht bedeckte BottomLand ain Caucy- und Brazos-Flusse, so wie die an der Kiiste sich
Iiinrielienden langgezogenen Inseln, welche jedoch diirr und sandig
und fa51 unangebaut sind. An diescs Hiistenland schliessl sich hnulg
durch allmiiligen Uebergang das sanftwellige Hiigelland, der gr6sste
iind schdnste Theil des angebauten Landes. Ini dstlichen Theile vem
Hed -River bis Zuni Trinity- River ist dieses Land vorriigsweisc mit
dichten Waldungen bedeckt.
Im mittleren lheile bis zum Guadeloupe wechseln offene Prairien m i l M'aldiingen, namentlich Eichenwiildern ab. Weiter nach Westen werden die Prairien vorherrschend
u n d Wald zeigt sich nur in schmalen Streifen lings den Waoserliufen
oder fehlt fast ganz. Zwischen deiu Nuertes und Colorado ist eine
wasserarme, unfruelitbare Wiiste, niit eigenthiiinliclier Vegetation diirrer und stacbeliger Gewdchse. Hinter dem welligen H&gellande erliebt sich 3) d a s Zuni Theil relsige flochland, Tom Presidio Rio Grande
beginnend und sich mehr oder weniger scharf gegen das unlere Land
rbsetzend, uberschreitet es die Ylhsse San Antonio, Guadaloupe, Colorado, Brazos und den Trinity-River, welche Fliisse fast alle in ihin
ihren Ursprung haben , ohne dass hiihere Cebirgslcetten vorhanden
wiiren, die erst am oberen Rin Grande auflreten. Es ist eigentlich
cin diirree, felsiges und steriles Tafelland, dessen Unebenheilen nur
durcli die tiefen und zum Theil felsigen und steilen Einsclinitte bedingt
wird. In] Nordwesten am obern Red-River sind ausgedehnte Prairien, fast eben, grasreicli, nber holz- uiid was6ernrn1, niit loseni, cum
'Iheil sandigeni Boden. Hier belindet sich auch eine eigenthiimliche,
iiiehrere Meilen breitc, von Siidcn iincli Norden zieliende, zusamineiilidngende waldige Zone mit hiigeligem Boden, die sich srliarf gegen
die Prairie absetzt, Cros Timbers genannt. Meist aus verschiedenen
Eiclienarten, zum Theil von kriippelhaftem verkiiinniertein Wuchse zusamniengeselzt, zieht sie sich vom oberen Colorado bis zum rothen
Zutlusse des Arkansas. Als llaupt -Culturpflanzen sind Zuclter und
Baumwolle und als Getreideart der nlais zii nennen, welcher den reichsten Ertrag giebt; Hafer und Weizen werden nur hier und da gebaut.
Die meisten bei uns cultivirten Gemilse-Arlen gedeihen gut, besonders
nohnen und Erbsen; die Kartoffel bleibt dagegen wiisserig und fade,
wie i n dem shdlichen Tlieile der Vereiniglen Staalen lhre Slelle vertreten Bataten ; Melonea, Wassermelonen und Kiirbisse gedeilien sehr
gut, auch die Pfirsiche und Feigen, aber nicht Aepfel und Birnen.
Orangen scheinen i m Freien nicht gut auszudauern. \Vildwachsende
essbare Frtichte hat Texas wenige. Erdbeeren sind unbekannt, wilde
Neben verschiedener Art sind hiiufig, a m meisten VifisLabtwsca, deren
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232
Vereinszeitu ng.
hlauer Bceren dicltc Schale stark adstringirend ist, weshalb sie niir
Essig liefern. V o n den hiufig in den Niederungen wachsenden Pekanbiiumen (Carya olioae[ormis N.) werden die Fruchle w i e Wallniissc
gegesscn.
A l l e Friichte des niederen Texas habrn eine brcite, v 6 l l i g
ebene und meistens dicht bewaldete Thalsnhle, welche, durch die Ueberschwernrnuiigen der Fliisse selbst gebildct, aus einem tiefen und fruchtbaren Alluviallande besteht und meistens auch i m Friihjahre den Ueberschweminungen ausgesetrt ist. E i n e solche bewaldete Thalsohlc nennen
die Amerilraner Bottoms.
Zuin Rlais-, Bauinwolle - u n d Zuckerbau
sind diese Bottoms am besten gecignct, fordern aber die nliihe d e r
Entwaldung and sind d e r Sitz der Wechselfieber. Ueppigerer Baumwuchs und grdssere Mannigfaltigkeit der Bauiiiarten zeichnet diesc
Waldung aus. Die hdchsten und miichtigsten B i u i n e sind: Platanus
oceidentalis L., Populus angulata A t . , Arten v o n Juglnns u n d Cnrya,
Quercus und Ulmus, dana noch hnufig und bedeutend gross ein v o n
den Arnerikanern Hackberry genanntrr Bauin ; Srhlingpflanren spielen
hier eine vie1 bedeutenderc Kolle, als in den ndrdlichen Staaten. Vitis
Labrusco, v o n der Dicke eines Slannesschenkels, erhebt sich bis zu
den htichsten Spitzen der Biutne ; Khus Tozicodendron steigt, sich
mit seinen Wurzeltasern anhenend, hinan, ebenso S i p o n i n mdicarrs,
und Tillandsia urneoides bildet lange GeliBnge, erscbeint auch ausserhalb der Bottornwaldung nur an feuchten Stellen. Dncwischen findet
sich in dem echlarninigen Boden llliegia macrospernia P e w , ein bis
i5 Fuss hohes Rohr, tiiehr oder minder dicht. Uer Prairie-Wald besteht aus ein Paar Eichen-Arten, Uliiien u n d einigen andcrn BuchenArten, sie erreiclien aher keine sehr bedeutende Stgrke und Grdssc
und kommen in dieser Beziehung den Biurnen der deutschen Walder
nicht gleich. Quereur oircns L. steht einzeln oder i n kleinen Grupp e n yon fiinf bis sechs; sie hiilt keinen Vergleich m i t den deutscben
Eichen, ist aber wegen ihres dunkelgriinen glanzenden Laubes und
i n i t ilireni knorrigen Stainm c i n schdncr und fiir den Schiffbau wichtiger Bautn.
Von imincrpriinen Giinnien koinrnen ausser Nadelhiilzern noch
Magnolien, abcr fast n u r an Bustcngegenden vor. Walder von Quercus obttrsiloba, welclie a u f einern rnittelnilssigen oder slerilen iind sehr
unfruchibrren Boden zuwcilen in grosser Ausdehnung vorkornrnen,
haben im entlaubten Zustande grosse Aehnlichkeit m i l ltiiristlich angeptlanzten 60 - 8ojiihrigen deutschen Eirhenwiildern. Die Stimme
sind gleichgross, nieist gcrade, $ - 1 Zoll dick, sclilicssen andere
Baumarten, mit Ausnahme einiger Nusshiuine, aus, 8uc.h fehlt nieist
das Unterholz. Sie liefers das l l o l z zum Bau der Blockhiuser, und
da sie sich gut in Scheite spalten lasscn, die Einziunungen.
B e i Neu-Braiinfels fand R o i i i e r an einer Quelle des Coma1 die
niedrigc Gebiische bildende Salal mittor, aiisser welchcr noch i n i
untern Tlreile clcs Landcs nncli der Seeltiiste eiiie hochstimtnige Palnie
waclisen soll. I l i e Bergabhinge bcdecltte Zuni Tlieil ein dichter \Vald
v u n Jitnkperas rirginiarta,, mit selten mehr als 20 - 25 Puss langem
und Fuss dickeiii Stamin u n d gleic*lifiiriiiig sirh nusbreilender Krone.
A n felsigen Ortcii des Kalkgcsteins bildeten vcrscliiedcne Cactus zahlreiche Gruppen : Opunlia culgaris 2 3 Fuss hoch, 0. frutereens
Engelm. mit diintien, vielfacli iiatigeii Zweigeii, Erhinocerens cacspitoms E., n u r 4 6 Fuss I~trcli. A n solclirti Felsigen Bergabhingen
steht auch hiufig Dermulophyllvm spcclosuirr Scheelr, cine Leguniinosc
m i t gliinrcndcn H a t t e r n urid \iolcltcn wolilrierlicudcn BliithcnlrauLcn,
t
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-
233
Vereiiiszeiturt,g.
die sich acllon i m Rliirz cntfalten, Ligtiutn r i l a c dcr Ansicdler. 1111
Anfang Februar hliihte einreln zwischen dem Geslcin Anemone Caroliatra Walt. m i t Iilnnen, rollicn und weissen Blnnien, so w i c cine
hlaue l'rodesrantia und Biisrhe einer Cornus- u n d einer Prunns- Art,
s p l t e r i m M i r z die noch blaltlose Cercis vctriforniis L;ngebr. Unier
den Biiumen langs den Fliissen zeichnet sich Tazodiutn distichurn durch
Zerstreut slehcnd
hohe und dicke, oft 10 Puss starke SLLmme aus.
lindct man die nordlichste lliinosenart Algavobia glandulosa T. et G.,
ein knorriper, hin und her gebogener, I-It Fuss dicker u n d 20 bis
30 Fuss hoher Baum mit feiner Belaubung, i m Vl'iichs der Robinin
Pseudoacacia ihnlich. D e r Echinocactas Tezensis H p f r . w l c h s t auch
I m A p r i l sind die B l i i l h c n d c r Zwiebelhier, wie die Opuntien.
gewiichse der Prairie verschwundcn a n d an ihre Stclle l r i l t einc
nlannigfaltigkeit andcrer GewArhsc. Iin mittleren Texas niinmt sclir
ausgedehnte Strecken ein sterilcr Hies- u n d Sftndhoden ein, dcr aus
rothgefiirhtcin Kieselgeriille und verstcinertem Holze i n klcincreii untl
grcsseren Sliicken besteht.
Ausscr Qaerrus obtusil06a komint auf
delnrelben Pinus taeda L. vor, heide Baumarlcn fiir sic-h allein WiiIder bildend. Eine Rhus-Art, 4-6 Fuss hoch, niii gcfiederten immergrunen Blitlern, wird, rasch getrocknet, v o n den l i i t l ~ a n e r nRISl'ahack
geraucht u n d noch z w e i andere A r l e n dieser Gallling sollen ebenso
n.
gebraucht werden. (Bot. Ztg. 1850. No. 52.)
Der Urwald.
(Aus den1 Tagebuche des Prinzen A d a Ib e r t v o n Preussen.)
Friiher batten wir immer auf u n s e r n l i i t l e n gcfragl, o h dies oder
-
dcnn wir wussten
jenee U r w a l d sei; nun fragten wir nicht rnehr
es jetzt!
Jener feierliche Srhauer, jcnes heilige Gefiilil sagte es
uns, das einen Jeden befiillt, d c r zum erslen Rlal in eincn U r w a l d
einlritt.
Anfangs starrten wir hinein in jenes Lahyrinth von hohen,
schlanken Stammen, die w i e Riescn nehcn uns aufstiegen, und i n das
nns umgebende G e w i r r y o n Sclilingpflanzen ; wir hliclitrn liinauf zu
jenem leiehten Laubdach, das den Himmel iiher uns nur w i e durcli
einen F l o r erkennen liess, ohne dass wir uns a l w r irgend Hcchenscheft gehcn konnten v o n dew, was wir siihen. R l m inalc sich einen
U r w a l d niit der glnhcndsten l'hantasie zu Ilnusc nus - ninn w i r t l
dennoch seine kiihnsten Erwartungcn iihertroflen finden, sobald inan
w i r k l i c h den Fuss i n einen solchen Wald hineiiirelzt. Alles ist liier
kolossal, Alles scheint hier der U r w c l t anzngehiiren ; wir sclhst m i t
unsern lloseen u n d Thieren koinmen uns ausser Proportion v o r u o d
fihlcn, dass wir einer ganz andcrn Zeit angchdren. Zuersl ist cs d e r
ungeheure Rlaassstah, der uns in Slaiinen verselzt; bald aber erregt
die glnzliche Verscliiedenheit der Pflanzcnwcll tlieser W i l d e r v o n der
unsers Welttheils unsere Vcrwunderung in n o r l i hiihcreiii Grade. W e n n
wir in der lleimath einen Strauch odcr hier o n d (la einen Obstbaum
in aninutliiger Pracht bliihen sehen, so finden wir h i e r Baurnkolosse
i n Bliitlie, deren l l u h c die dcr inisern uin das Doppelte, Dreifache
iibcririlll, w i l l r e n d i h r c Bliithcn den grdsstcn Bliiinen unscrer (;irteil
an die Scite gestellt werden Itbnnen, und dazn in solcher I'iille hervorsprosscnd, dass (IHSganze Laiibdach dcs Biiunies sich oft in i h r c
FarLen zu hlcidcn sclieinl, w i c d i e der rothen Scpucajos, a11 dcncn
io dicscr Jahreszeit m i s t j c d e Spur vcrschwindct. llcute w a r c n cs
-
Vereinsteitung.
vor Allem jene Bauine, niit prachtvollen, .grossen Lila- und jene m i l
weissen Bliilhen, die besonders vie1 zur Zierde der Wilder beitrugen,
i d e m sie init den so verschiedenen Nfiancen des umgebenden G u n s
auf das lebhafteste und anmuthigite contrastirten. Hotte sich der unstat uinlierschweifende Bliclr an all' der Farbenpracht sattsam gelabt,
SO suchte e r wieder die tiefen Schatten auf, die ernst und inelancholisch zwischen den Riesensliimmen zur Seite des Weges sich uns
erschlossen. Da leuchtet pldtzlich mitten i n dem dunlceln Laube die
fussholie feuerfarbene Bliithe einer Il'illandsia gleich einer RiesenAnanas oder einer kolossalen Erdbeere auf. Dann ziehen uns wieder
die reizendslen Orchideen ab, die theils a n den kerzengerade nufgeschossenen Stammen hinanklettern, theils die Zweige wild und malerisch umwuchern, welche selteii tiefer 81s 60- 80 Puss von der
Erde ihre Ausbreitung beginnen.
Die grosse Fruchtliarkeit des Bodens Iisst, wie es scheint, zu
vie! BBume auf 'einmal neben einnnder aufschiessen, so dass infangs
die Aeste heinen Raum Bnden sich auszubreiten, und daher ein Stamm
den andern zu iiberragen strebt, um sich nach uben Luft zu machen.
Da, wo lrleinere Aeste von jenen gr6sseren sich ahzweigen, oder da,
wo letztere einen Auswuchs haben, pflegen die Tillandsien sich gern
einzunisten und schauen oft Itolossal, gleich einer mannshohen Aloe,
von dieser schwindeliiden Ilohe, sich voll Grazie niederbeugend, r u f
den Wanderer herab. Zwischen all' diesen mannigfaltigen Yflanzttii,
die den Aesten zu entspriessen oder sicli a u l denselben au balanciren
scheinen, erblicken wir jene Moose, die ills Allongeperrilclten oder
liosssrhweife an den Zweigen der Orchideen- oiler Tillandsientriger
herabhaugeu, oder i n Gestalt yon Uiirten den Riesen der Urwiilder
das Ansehen von Greisen geben, welcho cin Jahrtausend nicht zu
beugen verniochte. Hierzu noch die Tausende von Lianen, die von
oben berab dem Boden custreben, oder in den Liiften hiingen, ohne
denselben zu erreichen, inehrere Zoll stark, ja hiiufig so dick wie ein
Mann im Leibe, dabei, gleich den Aesten der Biuine, mit Borhe iiberzogen. Vergeblich lassen sich alle die unzahligen biearren, ans Fabelliafte streifenden Verschlingungen bildlich ausinalen, i u denen sie sich
nns zeigen. Oft komnien sie wie gerade Slangen herah uod sind in
die Erde gewachsen, so dass man sie bei ilirer Stiirke selhst fiir
Biume halten kbnnte; oft bildeii sie grosse Schleifcn und Ringe yon
10 20 Puss im Durchmesser, oder schlingen sich so um einander
und legen sich dabei so in einander, dass sie mit Ankertauen wirlrlich zu verwechseln waren. Zuweilen scliniiren sie den Baum ordentlirh ein von Distanz zu Distrnz, oft ersticlcen sie i h n ganz, so dass er
alles Laub verliert und seine abgestorbenen Riesenarme gleich ungeheuren weisseu Korallencweigen starr in das frische Griin des Waldes
hineinstreckt, gleich wie der Tod oft schauerlich mitten ins bliihende
Leben hineinragt; oft auch geben sie dein alten Stamme statt des geraubten Schmuckes ein neues Laubdach, daher es znweilen scbeint,
als besitze ein und derselbe Baum drei his vier verschiedene Gattungen yon Blattern. Ueberhaupt ist das Laub unendlich niannigfaltig ;
doch sind die Blatter meist sehr fein und klein, und das Dach, das
sie bildeo, nicht von grossem Umfang, dabei aber sehr oft pinienrrtig gewdlbt.
Nie habe ich Radelliolz in den Urvvildern gefunden; clagegen sieht
ihrii ltiiufig das Laubholz wegen seiner dunlceln Farben tiuschend ahnlich. Selir eigenthiimlich nahm sich eine Gruppe Iinbaibas aus, deren
-
Vereiliszeitung.
?35
dtlnne, glotte, weisse Stiimuie, auf einer Anhalie ziir Seite deu Weges
wurzelnd, hoch nus dem Dickiclit aufschossen, und deren kleine, nus
grossen ausgezackten Bliittern gebildelc 1)iichIein sich iiialerisch aneinander schlnssen oder gegenaeilig iiberragten. Nicht weniger zog
ein anderer der Imbaiba in mrncher Hinsicht iihnlicher k i u m mif silbergraoen, an ihrer untern Seite weissen Bliittern meine ganre Aufmerksamkeit auf sich, dem ebenfalls die regelmiissige Weise, wie seine
Aeste gleich Candelaber-Armen anueteen und sich nach oben Gberbiegen, ein so eigenthiimliches Ansehen giebt. Den hbchsten Reir
aber im Urwalde gewtihren fine leichten grazibsen Palngn, die der
leiseste Wind hin und her beugt. Ihre diinnen geschineidigen Stiinime
sind fast mit der Hand LU umnpannen, und doch reichen sie bis cur
halben Hbhe der hohen Laubholzsttimme hinauf und haben daher oft
eine Lsnge von mehr als 60-70 Fuss. Gleich eineni Biischel, auch
einein Biischel herabhangender Federn nichr unihnlich, wdlbt sich
hoch oben die aus den Busserst zart gefisderten Wedeln gebildete,
p n z kleine Krone, iiberragt von einer scharfen hellgriinen Spitze, die
dieser reizenden Pulme o h das Ansehen einer diiangeschifteten Lanre,
oft nuch das eincs schwankenden Rohres giebt.
Nie habe ich etwas
(;raribseres gesehen ! Kommcn sie einmal vor, so beugen aich stela
eine Penge dieser Palmen, gnnze Buschel, aus dem Laube hervor,
lassen sich von jedem Liiftchen schaukeln, oder schiitteln sanft das
liebliche llaupt und griissen voll Huld und Anmuth hernieder. Die
Palinen scheinen die Geselligkeit zu lieben - nicht die hoch uufschiessenden schlanken allein, sondern auch jene mit den Dornen und
den grossen Kronen, so wie auch noch viele andere hohe Palmen mi;
stirkeren Stimmen, und die aua dem Boden sprossenden staminlosen
Palmstriucher pflegen sich strichweise ini Urwalde zusammenzuhsltcn.
Oft reitet man eine lange Strecke weit, ohne etwas Palmartiges zu
sehea, rind dann begleiten die Palmen den Reisenden wieder stondenlang. Anfangs rogen wir stumm unsers Weges, bald aber folgte Awruf auf Ausruf, denn mit jedem Schritt nahm unser Erstaunen cu.
Hier ist Alles wiinderbar und ganz anders, als wir es uns in nnserm
knlten Norden vorstellen. Wo sieht man wohl drs 8rosse und Erhabene mit dem Sonderbaren, das Schdne mit dem Lieblichen mehr
EU einem harmonischen Ganzen vereinigt, aIs gerade in den tropischen
Urwiildern der neuen Welt!
Bauinartige Farrnkriiuter wetteifern
an Grazie mit den schlanken biegsamen Palmen. Sie sind wirklich
mit kleinen Palmen zu vergleichen, n u r erscheint ihr leichtes elnstiscbes
Bliitterdacb flacher und weniger buschig, als die Pnlmkrone, dabei
lassen sie die Bliitter mehr hiingeo, ohne dieselben, gleich den Palmenwedeln, zu w(i1bea. Gar lieblich sieht es nus, wenn diese enormen,
10-15 Fuss langen und gewiss tuehr als 5 Fuas breiten Farrnkrautbliitter,
von dem Ieichtesten Liihchen angehaucht, bei ihrer an’s Aetherische
grenzenden Leiohtigkeit sich sufs Grazi6seste wiegen und diese aniiiutbigen sanften Schwiogungen ins Unendliche fortaetren. (BI. f. H .
G. n. soc. L. 2850. No.39.)
B.
236
Vereimzeiluag.
Ueber einige Beziehungeii des sphiivoidale,b Zustandcs
der Kovper, Fetcerprobe etc.
bat B o u t i g n y (d’Evreux) in der Acadehie des Sciences zu I’arir
am 13. Rlai 1549 nachstehende hiicht interessanle Vorlesung gehalten :
Als im Verlaufe des dritten Jnhrhunderls unseres Zeitalters von
der Religion Z o r o a s t e r ’ s ztlhlrciche Abfalle stattfanden, wurde ein
Concil der l a g i e r berufen, welches iiber die l i t t e l berathen solltc,
urn den wankendeo Glauben der Anhanger wieder zu beleben. Indessen 80,000 Abtriinnige blieben ausserhalb und hehmrten bei ihrer
Ungliubigk~it. Itn Jahre 231 befahl S a p o r oder C h a p o u r den
Blagiern, Alles, was in ihren Kriiften stehe, z u thun, uni diese zu bekehren und zu dem Glauben ihrer Vlter zuriiclizufiihren. Es war zit
dieser Zeit als eio Priester des herrschenden Glaubens, Namens Ad u
r a b a d R l a b r a s p h a n d sicli erbot, die Feuerprobe zu erleiden. uEr
schlug vor, man solle aiif seinen nackten Kiirper 18 Pfd. geschinolLeues Kupfer, so wie es aus dew Ofen kornnie und ganz gliihend giessen, wobei er zur Bedingung machtc, dass im Falle er nieht verlelzt
werde, die Ungliubigen durch ein so grosses M’under bekehrt wiirden.
Dlon sagt, dass die Peuerprobe niit so vie1 Erfolg ausgefiihrt wiirde,
dass Alle wieder rechtgliiubig wurden.14 Der Geschicbtschreiber setrt
mit einer in derartigen Fallen gewiss erlaubten Rliene dea Zweifela
hinzu: !tillan sieht, dass die Religion Z o r o a s t e r’s auch ihro Wunder und Legenden hatte.* Diese Feuerprobe nun, welcher A d 11 r a h a d R1 a b r a s p h a n d mit so grossein Erfolg sicli ausgesetzt hatte, is1
bloss ein leichter und einfacher Versuch, welcher niclits weniger als
wunderbar ist. Ich halte hier einen Augenblick inne, denn ich glaube
auf den Lippen der Personen, welche mir die Ehre schenkeu, inich
anzubdren, ein ungllubiges Lacheln entsteheii ZII sehen ; dieses I U I
einen der Offenheit baaren Dlensclien so entmuthigende Liicheln beleht
nur den nluth desjenigeo, welcher Nieinand tiusehen will und der sich
nach Krliften anstrcngt, uni sich niclit selbst zu tauschen. Bliigen diese
Personcu iitir nur erlaulwn sie zii versichern, das Wenige, was ich
noch vorzuhringen habe, ist unwahrscheinlich, aber wahr und diescs
geniigt. Irh fahrc nun fort. Man weiss, dnss die Anhiinger Z o r o
a s t e r ’ s Feueranbeter waren, welches sic aIs die Gruridlage aller Dinge
belrachteten. Diesem b e r h n t e n Philosophen schreibt nian das heilsame Gebot ZU: ,tIm Zweifel enthdte dich!u
Z o r o a s t e r ist oach der Ansiclit vieler Gelehrten einer der gr6ssten
Moralisten des Alterlhums. Nach Vol t a i r e ist er nur ein Blarktschreier, der in Gegenwarl von sclbst den nm wenigsten gelehrteii
philosophen der Jelzlzeit eine traurige Holle spielen wiirde. Der franz6sische Philosoph erwiilint indessen einc Thatsache in Bezug auf
Z o r o a s t e r , welche zu meinein Gegeustande in zu naher Beziehung
sieht, um sic unerwihnr zu lassen. uDer Fiirst der illagier liess sich
das Kind ( Z o r o a s t e r ) vorfiihren und wollle es mit dem Scbwertc
t(idten, aber die Iland verdorrle ihin soglcich. hian warf es in das
Feuer, welches sich liir i h n i n ein Bail von Ilosenwasser verwandelte.~
Es verstcht sicli von sclbst, dass tler beriihinte Zweifler diese Thatsache
01s cine Erzraabel betrnchtct. Was iiiicli betrirt, so betrachte ich dieselbe.
wcnn nicht ills wahr, doc11 als walirscheinlich und iniiglich. Ich sprechc
lrier nur von d e u ~licucr, welcltes nicht vcrbrcnncnd wirkt. In Frankreich, i n Ilalicn, in England, iibernll wo ich Gclegenlieit hatte, von
den1 sphiroidalcn Zuslandc dcr Kiirpcr zu sprcclrcn, habc ich I’ersuncu
-
-
237
Vurebiszeitung.
angetroflen, welche die Fragc mir adwarren: Solltc nicht eine Beziehung beslelien zwischeii diesen Erscheinungen und derjenigen, welche
lenschen darbieten, die baarfuss iiber noch gliihendes, gegossenes
Eisen laufen, welche die lland i n geschmolzeiies Blei tauchen u. 8. w. 9
Ich habe Jedem geantwortet: Ja, ich glaube, dass eine nahe Beziehung
zwischen allen diesen Thatsachen iind dein sphiiroidalen Zustande besteht. I c h meinerseits habe hierauf gefragl: Haben Sie die Thatsache,
welche Sie erriihlen, selbst gesehen? Und die Anlwort war jedesinal
verneinend. Ich gestehe, dass alle diese Gerfiehte nod wunderbaren
Erriihlungeo tiber die Feuerprobe und unverhrennlichen lllensclien,
welche ich in verschiedenen Biicliern gelescn hatte und die von den
Einen ohne Rtickhalt angenommen, von den Anderen niit llartnitckigkeit
gellugnet werden, lebhaft nieine Neugierde erragt hatten und bei mir
eine grosse Neigung entstehen liessen, alle diese Thatsachen zii hestiitigen und dieselbe in das Gediichtniss ineiuer Zeitgenossen rurirckzuNil sub sole
rufen, denn Allen dieses i s t acli! ah, w i e die Welt.
(IODUO~.
Ich schrieh zuerst an meiiien Freund Dr. Rochi:, welrher
mitten in den Hoelidfen des Departement de I'Eure lebt und Arzt bei
einem l h e i l jener cyklopisclien Bevijlkerung ist. Ich verlongte von
ibie genaue Auskunft.
Alles, was rr i n Erfaliriing bringen Itonntr,
war, ndass ein gewisser L a f o r g e 35-36 Jahre all, von corpulenter
Statur, i m Schritt und barfuss iiber die frisch gegossenen Ginge ging."
Er hat es aher nicht selbst gesehen. Dies reich1.e nicht hin, ineine
Ich wandte mich nun a n eine Giesserei i n
Zweifel zu beseitigen.
Paris, w o mail iiber niich spottetc und inir die Thiire wies. Ich lieps
mich nicht weiter hierzu bitten und zog inich niedergeschlagen ziiriick,
indem ich an die Scliwierigkeiten daclite, cine einzige, selbsi sehr einfnche
Thatsache cu bewahrheiten.
Spitcr war ich gliicltlich genug, die
Bekanntschaft von llerrn lll iche I zii niachen, welcher mitten i n den
llammerwerken der Franche- Cointi: wohnt. Ilerr 81 ic h e l verspracli
mit grossor Gefilligkeit, diesen Thatsnchen nachzuforschen und sie nach
Bediirfniss zu constatiren. E'olgeiides i s t eiii Bruchstiiclt des Briefes,
welchen er niir unter dein Datuiii dea 26. l i i r z sclirieb: #). .Wieder curiickgekehrt, eriiiangelte ich nicht, mich bei den Arbeitern
zu erkundigen, was daran sei (Eintauchen des Fingers i n gliihenden
Eisengues) und gew6hnlich lachten sic niir gerade ins Gesicht, ~ 8
iiiich indessen nicht abschreckte; endlich auf der Htitte yon niagny
hei Lure wiederholte ich incine Frage an einen Arbeiter, der itiir ernriederte, dass Nichts einfacher sei und um ed zu beweisen, slrich er niit
dem Finger durch den gltihendeu Strahl i n dem Augenblick, i n welchem das Gusseisen aus deni Ofen floss; ein Angestellter des llauses
wiederholte deaselben Versuch ungeslrafl und ich selbst, durch das
Gesehene ermuthigt, that dasselbe..
Ich beiiierke Ihnen, dass hei
dieseni Versuch keiner von uns den Finger nass inachte. rich beeile
mich, lhneii diesc Thatsache initzutheilen, welche niir Ihre Ansichien
iiber sphlroidalen Zustaiid der Fliissigkeit zu unterstiitzen sclieint; denn
da die Finger natIirlich mehr oder weniger feucht waren, so wird man
dieser in spharoidalen Zustand iihergchenden Pruchtigkeit die molnentan8 Unverbrennlichkeit zusclireiben iiiiisscn.rr Ich nelime die Ansicht
des Hrn. l l l i c b e l vollkommen an und werde spiiter die Theorie derselben geben. F i r inich war die frngliche Thatsaclie nicht IPnger
zweifelhaft, abcr ich konnte dieselbe noch nicht der Akademie miltheilen, da i c h unabhderlich die Regel befolge, nur solche Thatsachell
ihrein Urtheil cu unterbreiten, yon denen ich melirmals Augenzeiige
.
..
s
238
Vereiiiszeitzotg.
war. lch wandle inich von R'eucni an verschicdenc Gicssereien, welclie
indessen Ieider seit liingercr Zeit slille standeo.
Ich verzweif'elte schon diese sclieinbar so sonderbare u n d in der
Wirhlichkcit so einfaclie l'hulsache Iicwahrheiten zu Itiiiinen, als ein
eigcnthiimlicher Uinsland, der mich tiiglich init Ilainmerwcrkrn unil
Giessereien in Beziehung briiigl, niir gestaltctc, gnnz n a d i Beliebeii
iiiit gliihendein Gusseisen zu expcriinenlircn.
Ich habe folpende Versuche angcstelll: lch verthailte oder durchschnilt rnit der Hand einen
5 G Ccntiiiieter iin Durchiiiesser enlhnllentlcn Strahl yon Gussrisen,
der BUS dein Stiche kain; uninittelhnr darauf' li~licirli die andere Hand
in eineni init gliihendern Eisen gefiilltcn Srhiipflfilrel getoucht, W R R in
der Thnt erschrecklieh anrusehen wnr. Ich s h u d e r t e unwillkiihrlicli,
aber eine wia die anderc lland gingen sicgreicli aus der Probe hervor.
Und wenn ich heute iiber irgend elwas errlaune, so ist es, dass derartipe Versuche niclit p n z allgeinein Lekannt sind. Man wird gewiss
inich fragen, welche Vorsichlsniossregalii m a n anruwenden habe, urn
sich vor der zerstiircnden Wirkiing des glilhendrn Stoves zu bewnhren.
Ich antworte: Keine. Ohne h r c h t sein, inil Zulrauen den Versiich
anzustellen und die llantl schnell, doah nichl zu sehr in das gcsrhmolzene Eisen zu tauclien.
Wenn man andererseits den Versuch niit
Furcht anslellte und mil zu grosser Schnellipkeil operirle, so kiinnte
man die riickstossende Kraft uberwinden, welclie die gliihenden Itfirper
besitren und so eiue Reriihrirng mil der Haut erzeugeii, welclie dndurcli
in einen leicht begreilliclien Zustand iibergingc. Um die Gefahr einzusehen, welcher man durch ein zu rasches Einlanchen der Hand in
geschmolcenesEisen sicli auasetzt, braucht man sich nur zu erinnern, dass
der Widerstand dein Quadrate dcr Ceschwindigkeit proportional ist
und in einer coinpacten Fliissigkeit wie dns geschinolzene Eisen, witchst
der Widerstand gewiss in einem noch grfisseren Verhlltnisse. Der
versuch gelingt besonders bei etwas fencliter Haul und der unwilllctihrliclie Schrecken, deiii man llei Cegenwart dieser Feuerprobe unterworfen ist, vcrsctzt fast immer den panzen Hdrper in jencn zum Gelingen SO notliwendigcn Zusland von Feuchtiplteit. Wenn man indessen einige Vorsichlsiiiissrrgeln anwendet, wird man wnhrhaft unverwundbar. Folgendcs ist inir a m hesten gelunpeii. Icli reibe mir die
Hinde niit Seife, so dass rliese cine glalle Oberfliiclie erhalten und
tauche hicrauf, in den Moment des Versuchs die Hand in eine kalte,
init schwefliger Sdure gedttigte Lijsung von S;iliniak, oder auch bloss
in salmiakhaltiges Wasscr oder, wenn dieses niclit da ist, in Italtes
Wasser.
R e g n a u I 1, welcher sicli m i l dieser Prage bescbihigt hat, sag1 :
,,Die Leute, welche sich cin Gcsrli~tldaraus michen, m i l Feuer zu
operiren und dasselbe in den Blond zu nehmen, wenden manchmal ein
Geinenge nns gleichen Theilen von Schwefelpeist, Salmiak, Kosmarind
und Zwiebelsuft an.)) Lauler fliichtige Suhrtanzen, wie man sieht,
welche durch Verdarnpren eine gewisse Wiirmemenge latent mnchen.
Eiii auf den Glashiitten pewfihnlicher Versuch, welchen mir Hr. D u m a 8
niittheille, findet hier seine nat0rliche Stclle. Er besteht darin, in einen
mit \\'asser gef'iillkn Eimer eine geschmolzene Glasinasse au giesaen
i i n d dieselbe, obwohl plfihend, mit beiden HBnden zu Itneten.
Bci
diesem Versurh lassen sich zwei Zeilpuiicle gill unlerscheiden : in dem
ersten ist clie Glasiiiasse mitten in dem Wnsaer isolirt; in dem zweilen
is1 dieselbe iiiit einer leslen, durchsichligen Glasschichte bedeclrl, durch
welclie ninn clie gliihendo hlrsse sehcn kniin. I)er erstc Zeitpunct
-
v c r ~ ~ ~ w1,g.
.wif
2.39
dauert nur sdir lcirrz uiid nur wiilirend dea zwcitcn lcnnn mnn iingcstrnft dns gesclimolzene M a s knetcn. nicscr Versudi, setzle Ilr. D i i i n n s
Iiiiizii, ist scit undeiikbnrer Zeit lieknniit; cs wiirde zuerst vnn Be1
l a n i erwiihnl, dnss' die Glnsmasse Irein Zisrlien oder Zeicben von
Kochen hewirht, la q u d e acijwa ~ i t n , i r n t t e ' f ~ n ~ t ~ uconic
i l l a ponetidoxi
un p z z o di ghiaccin. Suclien wir nuri die rntionelle Erkliiriing dieser
Thaisadien
Die Formel mrf g i r h die i n irpeiid einetn Ii6rper entIiallene Wariiieumeiige nn. Es sei m ilia hlassr, niisgedrfickt in Wilogrntiitiicn, E dic specifisclie Wiirme des Kiirpers, I seine Teiiipernt.ur.
Alier liicr iiiuss iiinn vnn deni Factor tn nbstrrhiren, weil zwisciien
der Ilaiid uiid dciti perchinolzenen hletall lceine neriihrung stall findel.
iind wail dcr Versudi keiiien Unterschied reigt, mag er nun iiiit 10
liilngr. Giissciseii odcr init I 0 0 0 Kilogr. nngestellt werden. DNS Gefiihl, weiclics ninn eiitpfindet, ist i n dcm einen wie in deni andrren
I'nllc d;isrellie uod iiian Iwgreift dies leiclit, wcnn man die nepirlaivltrart cler gliihenden Oberflhchen kennl, welche aich der Bcriibrung
irgriid eines Kdrpers widersetzt. Der Finger der Hand findet sich
driiiniicli niitlen in der peschninlzenen nlnsse isolirt und wird hieriiurcli
vor tler zerstihenden Wirlrung des gliihenden Ktirpers geschlitzt. lclr
wiedcrbole es, mnn muss von der nlrsse nbatrnhiren. Es hleiben die
Factoren e f. Ich werde onnehmen u n d die Anniihrung ist Iiinrcirhcnd,
dass der Werth von c = 0,15 iind der yon I = 1500O ist, die Tctnyernliir des geschtnolzenen Gusseisens; n u n ist das Product 1500° X
0,15 = 225. Die Epidermis befindet sich demnach nur i n Gepenwart
von 225 Cnlorien. Gewiss ist dies eine ansehnliche WFrmcmenge, sie
ist aber EU gross, wie man sehen wird. Zwischen der Hand und dem
Aletall h d e t Iceine Bertihrunp elntt; diesc Thatsache ist fiir mich hrstinittit erwiesen, wean keine Berlihrung stntt fiddet, so kann die Erhitrung nur diircb Strahliing stntt finden u n d dice0 ist, wie man nnerkeiinen muss, eiioriii. Wenn abrr die Strnlilung durch Reflexion nufgehoben wird und dies ist der Yiill, sn ist sie wie nicht vorhanden
Hod somit findrt sicli der Ansteller cles Versuchs, so cu sngen, linter
noriiinlen Vcrhiiltnissen. Ich glnube schon vor [lingerer Zeit nnchpwiesen EU hnken, dase dos Wnsser iin sphiiroidalen Zuatande die sonderbnre Eigenschaft besitzt, die stralilende Wiirme zu reflectiren, iind
dass die Temperntar desselhen nietiials die des Iiochpunctes erreichf,
wornus aich ergiebt, dass der feuchie Finger oder die Hand nicht niif
die Teniperatur von looo erwiirmt werden kbnnen, da der Vercuch
nirht lange genng dauert, iiin die vollstiindige Verdnmpfiing der Feuclitigbeit zuziilassen. .Urn diese Puncte znsammenzufassen, sage icli :
Uurch Eintauchen der llnnd in ein peachmnlzenrs Netall wird sic ianlirt,
die sic bedeckende Feuclitigkeit geht in spliiiroitlnlen Siede-Zuetand iilier,
rrflertirt die strnhleode Wiirme und erwfirmt sirh nicht auf den Siedepuncl. Dies ist Aller! Ich bntte demnach Rerht, menn ich im Anrange
sagte, dass dieser scheinbar SO gelihrliche Versiich in der Wirklichkeit
fnst unbedeutend ist. Ich habe densclben hiiulig mit Blei, Bronze elc.
stets niit deinselben Erl'olg wiederholt.
Wer aich des Versurlis erinnert, in welclieni eine pliihende n l m e vnn Silher nder Ylatin in Wasser getnucht wird, wird denselhen n u n leicht verstelien. In dein ersten
entfernt sich das Wnwer yon derselben, rn dnss dirse wie in eine
krystalleoe Hlille eingeschlossen erscheinl: in dem zweiten ist es dns
fliissiga nletall, welches sich von der feueliten Hnnd entfernt. I m
errten ist ferner das hlelall thtitig und dnrr n'nsser passiv, in dem
eweilrn ist dagrgen die Fcirrhie lland thfitig iind dits geschniolzcne
-
~
.
240
Vereiwzeitung
Metdl passiv. Es ist dergelbe Versuch, nar umgeltehr!, und beide
macben nur einen einzigen aus; es ist endlich die einfachste der Gleichungen aL = ba. Ich spreche nicht von der Einfiihrung einer
brennenden lierze in den Mpnd und yon vielen anderen Versuchen ihnlicher Art; es sind dies der Beachtung der Akadeniie unwiirdige Spielereien. Nach Verlauf von 10 Jaliren war es rnir daher vergdnnt, Eis
i n einenn weissgliihenden Ofen zu erzeugen und mich ungestraft in
gltihendem Gusseisen zii baden, und Alles dieses d e n Gesetzen gemiss,
welche die Kdrper im sphiroidalen Zustande befolgen. Liugne man
nun, wenn man will, die grosse Wichtigkeit, welche ein griiiidliches Studiuin des sphiroidalen Zustandes der Kdrper besitzt, liiugne nian nun, wenn
man will, die Holle, welche dieser hlolecul8rzustand friiher oder spiter
in der Wissenschaft zu spielen berufen ist, ich werde mich wenig
darum belriimmern. Ich habe friiher erwahnt, dass man Spuren des
sphsroidalen Zustandes in der Bibel finde. Die von A d u r a b a d
11a b r a s p ha n d angefiihrte Thatsache (und ich hiitte viele andere hinzuftigen kdnnen) scheint zu aeigen, dass das Altertlium ausgedehntere
Kennlnisse iiber die Wiirrne hatte, als wir dies vermnthen. Es wuasle
vielleirht Nichls von den kleinen Dingen, wie z. B. die tausendstel
Grade, aber es lrannte gewiss die grosven Wirlrungen. Es ergiebt sich
noch aus dieser littheilung, dass eine gewisse Anzahl historischer
Angaben, welche als fabellialZ belrarhtet werden, wahr sein kdnne,
und dass die allen Philosophen wahrscheinlich viele Dinge wussten,
von welchen wir keine Kenntniss haben. Ein wenig inehr Achlung
vor ihnen, etwas weniger Bewunderung fiir uns, w i r e nicht iibel.
Ich schliesse diese hlittheilung, fiir welche ich die wohlwollende Nachsicht der Akademie wiederliolt in Anspruch nehme, indent ich an die
auffallende und unerwartele Analogiu erinnere, welche zwischen dem
lebenden und dein in sphhroidalen Zustande befindlichen nloleciil besteht; es ist die BestBndigkeit der 'leniperatur, wie sehr diese auch
in dein unigcbenden Rlitiel wechseln mag. So ltann der Mensch in
Umgebungen leben, welche zwischen - 300 und f 40° schwanlrt,
ohne dass seine eigene 'l'enilieratur dadurch verindert wird. blan
weiss, dass der Rlensc,h wiihrcnd einer knrzen Zeit selbst die ertremen
Temperaturen von
GOn und
130" aushallen kann, wobei seine
eigene sich nicht iindert.
Man weiss, dass der Polarbewohner, wie
der Mensch i n deiii breenendcn lilirna unler der Linie oder in den
glkkliehen tropischen Liiiitlcrn dieselbe Teniperatur besitzt, oder dass,
wenn ein Unterschied stiitt lintlct, derselbe nur innerhalb sehr enger
Grenzen eingeschlusscn ist. Piininit nian nun einen Tropfen Wasser
und wirft ihn i n einc auf 1?ao erhitzte Schale, so wird derselbe sogleich eine Teniperatur von 98" annehinen und dieselbe hehalten, wenn
man auch iinnier die 'I'eiiiperatur der Schale auf beliebige, iiber dein
angegebenen Puncte liegende Temperaturen erhitzen mag. Dieser stabile Gleichgewichtszustand der Kdrper in sphiroidalem Zustande wird
eines Tages, wie ich glaube, was die Warme betrilft, zur ErklPrung der
gr6asten Geheimnisse der Schdpfung, der Sch6pfung selbst, bcitragen.
Man sieht von vornherein ein, dass eine Fliissigkeit, deren Temperatur unverinderlich ist, welches auch die Schwankungen in der
Teinperatur der uingebenden Kdrper seien, zur Entwichelung Pusserst
geeignet ist. Das letzte driickt meinen ganzen Gedanken aus, ohne
ihn auszuftihren. [Annal. det* Chem. u. Pliartn. L X X I . 11. 295-3306.)
-
+
G.
244
17ereinszeitung.
Ueber die Farbe des Tl’assew.
Nirgends ist die schdn blau-grilnliche Farbe des Wassers reiner,
als in Island. Die Betrachtung jener ruhigan, klaren, von einem leichten Dunst umhiillter Gewfisser war es daher auch hauptsiichlich, was
Hrn. Professor B u n s e n zu folgenden Bernerkungen angeregt hat.
Das in chemischer Beziehung reine Wasser ist durchaus nicht, wie
man allgemein glaubt, farblos. Vielinehr hat es eine rein blauliche
Farbe, die aber erst sichtbar wird, nachdem das Licht durch eine ziemlich tiefe Wasserschicht hindurchgedrungcn ist. Die Richtigkeit dieser
Thatsache kann man leicht beweisen und zwar durch folgendes Experiment. Jlan ninimt eine Glasriihre von 2 Zoll Breite und 6 Fuss
Lange, macht sie ganz kohlschwarz bis ungeffihr
Zoll vom Ende
entferot, wo man sie mit einem Stopsel verschliesst, fullt sie mit chemisch reinein Wasser, stellt sie in verticaler Richtung iiber einen wrissen Teller und Ifisst einige Stuckchen weissen Yorcellans hineinfallen.
Sieht man nun hierhei von oben i n die Wassereiiule hinein, so iiberzeugt man sich bald, dass die Porcellanstiickchen, die nur durch ein
von uuten kommendes weisses Licht beschienen werden ItBnnen, die
Farhe eines reinen Blaus angenommen haben, dessen Intensitat in dcm
Rlrasso abnimmt, als die Wassersiiule kleiner wird, his endlich die
Schattirung so blase wird, dass man sie nicht mehr benierken kann.
Auch kann man die blaue Piirbung sehen, wenn man einen weissen
Gegenstand auf den Boden jener Wasserseule legt, in welche das Sonnenlicht nur von oben eindringen kann und i h n vermittelst einer klcinen, in der schwarzen ’liinche angebrachten Seiteodffnung betrachtct.
Wir schliessen also daraus, dass die blaue Farbe jetzt, nachdem sie
so o h im \Vasser beobachtet worden, nicht mehr als anorinal erscheinen kann. Aber es driingt sich uns naturlich dieFrage o u f : aWaruni
sieht man diese blaue Farbe nicht iiberall? Waruni findet sie sich
nicht in mehreren Seen? \Varuiii zeigen z, B. die Seen der Schweiz,
die Geyser i n Island und die siidlichen Seen daselbst alle Abstufungen
des Griins, wfihrend die Gewisser des Rlittelliindischen und Adriatischeii
llleeres oft von so dunkelblauem Blau sind, dass es mit Indigo vcrglichen werden kann?,t Auf olle diese Pragen kann m a n leicht wit
dem Verfasser antworten, dass die Reinheit u n d . Tiefe des Wassers
wesentliche, ja nothwendige Bedingungen fur seine natiirliche Farhe
sind. Fehlen sie, so fehlt zugleich auch die blaue Farbung. Die
kIein.de Quantitiit von Elementen, die das Wasser ous Sand oder Hoth
an sich zieht, die kleinate Quantitiit ahgelbster I)ainmerdt., der Reflex
von einem dunkeln und stark gefhrbten Boden
elle diesc Utnstande
sind hinreicbend, um die Farbe des Wassers zu verhndern oder zu
Bekannt ist z. B., dass das Wasser eine gelblich-rothe
verderben.
Farbe annimmt, wenn es durch Niederungcn fliesst, in deren Bodeii
sich i n Folge des Kothes, der sich an versrhiedene Steine ansetzt,
oxydirte Eisenstoffe befinden. So h a t jede noch so geringflgig schcinende Beschaffenheit der Uingegend einen bedeutenden Einfluss auf die
bcstiinmte Schattirung der Parbe des Wassers. Wahrscheinlich sind
die ungeheuren Bhche der Eisberge Islands, welche der Reisende
in jenen verlassenen, weg- und briickenlosen Gegenden zu seinem
grossen Verdruss findet und die er auf einer Furih passiren muss, so
undurchsichtig und von einer so milchweissen Farbe in Folge der gewaltigen, vulkanischen Felsstiicke, welche, nachdem sie von den ungeheuren Passen der niederfahrenden Gletscher in einen weissen Staub
-
-
Arch. d. Pharm.
CXXI. Bds. 2. Hft.
46
242
Vweinszeiiung.
zcrricben sind, als Koth iind wcisscr Sand nach dcrn Meerc gefuhrt
und dort so niedergelegt wcrden, dass sic grosse Deltas bilden. Auf
dieselhe Weise entstelit in den sunipfigen Gcgcnden des ndrdlichen
Deiitschlands die Farbe dcr ltleineii Seen, welchc ihnen die losgcldste,
yon Tuffstein kominendc srliwarze 1)aninierde giebt. Jene Gswiisser
rrscheinrn oft brsunlicli odcr srhwarr, wie die Gewisscr der nicisten
Hiihlen dcr tiifel uiid dcr Aiivcrgne, \YO die finstercn, vulkanischcn
Felsen den Reflex des einfallcnden Lichtes einschrankcn. Man wird
also leicht einsehen, dass eben nur da, wo jene zerstdrenden Einflusse
nicht bestehen, die Farbe der Wassers in ihrer ganzen Schdnheit sich
zeigen muss. Zu den Gcgendcn, wo das Minimum jener unvermeidlichen Urnslandc a m volllto~ii~iiens~cn
erreicht ist, zihlen wir besonders
die blaue Grotle v o i i Capri i n deni Busen von Neapel. Dort bat niimlich das l e e r his a i i f eino sehr grossc l‘iefe eine so inerkwiirdige
Klarheit, dass inan selbst die kleinslen Grgcnsthnde ganz genau auf
jencm so klaren Boden bciiierkcn kann, u n d zwar in einer Tide von
niehr als 100 Fuss. Ihs giinze Licht, welches in die Grottc fallt, muss,
da ihr Eingang in eiiiciii steilen Felsen inelircre Fuss tiher dern Niveau
dcs Rleeres liegt und erst an der Oherflache desselben sich SBnet, die
g a n z c Tiefe des lllceres durchtlringen, wahrscheinlich mehrere 100 Fuss,
bevor cs ron dein lrlarcn Grunde her i n der Grotte rcflectirt werden
kann. Daher bckomnit das Licht durch dic Einwirkung der ungcheuren Wasserschicht, durch welchc es geht, eine so dunkelblaile F8rbung, dass die finstcren Winds dcr lldhle von dein Scheine des reinsten Blaus erhellL wcrdcn, und dass die Gegenstiinde, voo welcher
natiirlichcn Farbe sic auch iiiinier Yein mdgen, wie wit einem IrlHren
Blau gefirbt zu sein scheinen, als ob sic auf der OberEiiche dcs
V’assers Iagen.
Ein ii hnliches rnerkwirdiges Beispiel zeigt sich bei den Glelschern
Islands ebenso wie dcnen der Seliweiz, und beweist, dass d a s Warser
selbst in scinem dichtcn Aggregatzustandc seiuc ursprunglichc Farbe
niclit verliert. - In einer Enikrnung von nichreren Mcilen kann das
Auge auf den plaltcn H6hen des Polrull dic Grenzen unierscheidcn,
welche das bliuliche Eis der Gletsther v o n den unerreichharen wetssen Schnecflachcn trennen, die sich Lis zuiii Gipfcl jener Berge crtiePriift man jene Gletschcr nlher, so wird nian Iherrasc*l~lVOII
lien.
der Heinheit und Durchsichligkeil des EiseP, welches oft in ungclieuren hlassen ganz frei von Luflansatzen nnd helerogenen Beirnischungen
zu sein scheint und dcssen wcite Spalten und Hdblungeo von allen
nur indglichen Schattirungen colorirt sind, von dem bellslcn bis z u n ~
dunkelsten Blau, j e nach der Ilicke der Schicht, durch welche das
Licht gegangen is[. Die blaue Parhung der wolken- und dunstfreien
Atmosphare ist wahrscheinlich die Folge einer 5hnlichen Ursache, wenn
cs nkinlich richtig ist, von der Parbe dcs festen und tliissigen \Yassers
a u l eine ahnliche des Dunstes derselbcn zu schliessen. Betrachten wir
n u n alle diese ‘lhatsachen, so zweifeln wir lreinen Augenblick, dass
die . ! h u e Farbe des Wassers keine besondere und bloss zufhllige
Eigcnschaft desselben sei. Diese naliirlichc Farbe des Wassers l8sst
uns auch jene hellgriine Firbung erklaren, welche sich in den Steiacichenquellen Islands sogar noch stirker zeigt, als in den Seen der
Schweiz; denn durch dic Verniischung niib der gelben Farbe deli Eisenoxyds, das sich in den Winden jenes Wasserbeckens befindet, entsteht
liier daaselbe Griin, wie in den Seen dcr Schweic durch den Reflex
des Lichts auf einen gelben Boden.
-
I'freiriszrilutig.
243
Man hegreift demnach, dass das natiirliche Hlau, welches iniiiier
inehr an Intensitiiit munitntnt, je tiefer die Wasserscliiclit ist, die Wirkung
jenes Heflexes auf gelben Boden storen und endlich die grtlnliclie Farbe
so gut wie glnzlich verdringen muss.
Die griine Grotte, welche niaii
auch an den Ufern von Capri findet, liefert einen frappanten Beweis
von d e r Genauigkeit dieser Auseinandersetzung. llier wird nlrnlicli
die griine F a r b e durch den Keflex des Btisseren Lichtes hervorpehracht,
das, durcb eine s e h r geringe T i d e gelierid, auf den gelhlichen Krtlltstein
des Bodens und d e r Wlntle dicser Grotte h l l t , wiihrend dieselbe Farbc
sofort verschwimht durch deli Einfluss der lledeutenden Tiefe, durch
welche das Licht, das die blaue Grolle erleuchtet,, gehen muss. Hier
ersetzt, wie gesagt, die Farhe eines reinen Blaus jenes Gruu, welches
nian i n d e r am wenigsten tiel'cii Iliihle henierltt, obgleieh das Wasser
und die Felsen in beiden von einer und derselben Beschalfenheit sind.
[Mag. der Lit. des Ausl. 1850.)
G.
U t t e r das Vorkoninien der Bernsteinsaure i m nienschlichen
Korper.
H e i n t z hat sich Itirzlich von neuem durch die Analyse iiberzeugt, dass die S u r e , die e r nus dern lnhalte von Hyadidenfliissigkeit
darrtellle, in der That Bernsteinsiiure ist. (Pogg. nnnal. f l d . L X X X . Chem.-pharm. Cenlrbl. 1850. No. 42.)
B.
Mineralien in Kleinasien.
Das Journal dcs DLbats enthalt i n eioein Schreiben an8 Constantinapel die wichtige Nachricht, dass man in der N l h e von Erzeruiii
ein ausgedehntes Kohlenlager gefunden habe. Die Provinz Erzerunt
wnr bisher obne Brennmaterial, und das einzige Feuerungsmittel d e r
Armen w n r gelrockneler Viehniist. Uas Land, wenn auch sehr huchtbar, ist bedeulend lralt und das Therinometer sinkt haufig auf 25O unter
Null. Die Wichtigkeit diescr Entdecltung ist destialb augenscheinlich,
und wabrscheinlich is1 sie nur der VorlPufer anderer und noch werthvollerer, denn man hat gefiinden, dam der. Boden eine grosse Analogie mit dem des Altai zeigt und wahrscheinlich Gold- und Silbertninen enthiilt. (Ausland.)
Ueber das Trocknen der Pfianzen fur d a s Herbarium.
Man hell zum Pflanzentrocknen cine Anzahl von Slcltcn aus Catiun, etwaa gr6sser als e i n Bogen Fliesspapier, feinen Sand, cine eiserne
Plknne und das erforderliche Flieespapicr vorrlthig.
Die Yflanzen
wertlen zwischen dern Papier wie gewchnlich aufgelegt, dann aher
auf dasselhe ein Sack gelegt, welclirn man his zu ein nrittel mit dern
in d e r Pflanze erhitzten Sande nnfiillt. Dcr Sand wird nun in deni
Beutel, dessen Miindung uingelegl wird, t i i i t der Hand ausgebreitet,
bis der Beutel eine ebene FIBclie bildet, ivorouf inan auf denselben
wieder Papier und I'flnnzen, einen zweiten Sandbeutel U. s. w. lor1
aiillegt. (Coleman iti Plrnrtn. Journ. n m l Transact. - Martti. Centrbl.)
B.
244
Vereinszeitung.
Ueber mehrew abyssinische Bandwurmnitlel.
Ur. T. W. C. BIarti u s hat in Folgendem die in Abyssinien
gebriuchlichen Bnndwurmmittel zusammengestellt :
1) Rad. Adandasch, Atantnsch, Adandasch-Wurcel, C1.2i. Sect. i.
oder CI. 2. Old. 3., von einer Euphorbiacee abstammcnd. Die Pflanze
a l c h s t auf Hdheii von 7000
10,000 Fuss i b e r dem Weere. Die
H‘urzel ist apindelfcirmig, in der Mitte von der Dicke eines kleinen
Fingers, oben gegen die einfachen Blattstengel zu verschmilert, unten
in eine etwa 5 Zoll lange, Rabenfederkiel-dicke Spitre endend; Nebenwurzeln fehlen. Die Wurzel selbst ist mit starken Lingsrunreln
versehen, scbmutzig-briunlich, leicht und locker. Von der etwa 4 Linie
dicken Wurzelrinde wird auf das Centrum zu die weiss-gelbliche Wurzel briunlich. Man findet in derselben Richtung nach dem Centrum,
wo sich eine Holzfaser befindet, zulaufende Lamellen. Der Adandasch
ist eiii sehr kriftiges Laxans und sol1 in zu grossen Gaben lebensfahrlich, j a todtlich wirken.
2) Rad. lokmoko, Mokmoko-Wurzel von Ruttier Abyssinicus abstammend, CI. 6. Ord. 3. Fam. der Polygoneen. Die Probe, die M a r
t i u r erhalten hat, scheint die Wurzelrinde der Pflanze zu sein, ihr
Aussehen gleicht ganz der in sehr kleine Sticke rerbrochenen China
Maracaibo. Die Wurzel ist holzig, die Rindensticke, 4-5 Linien lang,
sind lcicht und von halb-rutider Form. Die Originaldose stellt ein
grobes zimmtbraunes Pulver dar, 21 Gran wiegend. Nach 11a r t i u s
sol1 die Wurzel starke Wirkung haben.
3) Rad. Ogkert, Rud. Snr-Sari, Silctie mncrosolen Koch CI. 10.
Ord. 5 . Pam. der Caryophylleen. Eine auf der HBhe von 7000-9000
I;uss iiber dem Meere wachsende Pflanze. Die Farbe der Wurzel, die
der Seifenwurzel sehr ihnelt, is1 gelbbraanlich, mil LBngsrunzeln und
hreit verlaufenden Warzen. Auf dem Durchschnitte erkennt man die
Linie dicke Rinde, der ein hornartig aussehender Ring nach dem
schcin citrongelben Wurzellrerne hin folgt.
4) Rad. Schebti, Schebti-Wurzel, Pylholacca dodecandra d’Herit,
CI. 6. Ord 6. Fain. der Rivinaceen. Kleine tingerdicke, auch etwas stirItere, an 5 Zoll lange Wurzelstiicke, aussen mil LBngsrunreln versehen ;
bei den stirkeren hie und da kleine, wulstige Erhabenheiten. Die
stirkeren, bis 5 Zoll dicken Wurzeln sind der Quere nach in 4 bis
8 Linien lange Stucke zerschnitten. Sie hat Aehnlichkeit mil der Bryo,>in und man erkennt sehr viele Oeffnungen, welcbe die fiinf bis acht
concentrischen Lagen ziemlich regelniissig durchziehen. Die Wurzel
wird als ein gelindes Brech- und Abfuhrmittel gebrilucht. Im Mutterlande wird sie im frischen Zestande angewendet; sie bliiht im October.
5) Rad. Ternacha, Tevnuchn, Ternacha-Wurzel, Verbarcurn Ternachn Hochst, CI. 5. Ord. I.,
Fam. der Scrophulrtrineen. Die Wurrel
wirkt abfihrend, die zerstossenen Friicbte todten die Fische uad dienen deshalb zum Fischfang. Pfeifenstiel- bis kleinfingerdicke Wurzeln,
die kartenblattdicke Wurzelrinde lisst sich von einzelnen Stellen sehr
leicht trennen. Das Wurzelholz beinahe immer gewunden, beeteht aua
zarten Fasern und ist iusserst leicbt.
6) Rad. Tschokko, Rad. Habbe Tshokko, von Oxalis anfhclminticn Al. Braun, CI. 10. Old. 5. Fam. der Oxelideen.
Kleine, 9 bis
10 Linien lange Zwiebelchen, aus mehreren diinnen, iibereinander lie-
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Vereinszeiiung.
245
genden Tegumenten bestehend. Entfernt man dieselben, so findet sicli
eine Hnospe, in der man gewbhnlich drei Lappen, die sich leicht trennen lassen, findet. Dieses Mittel sol1 eins der besten gegen den Bandwurm sein, es fiihrt ewar nicbt ab, t6dtet aber den Wurm in rwei bis
drei Tagen. Die Wirkung sol1 noch crhbhet werden, wenn man es
niit Bier giihren liisst.
7) Cort. Musenna, Cort. dfussenna, Corf. Rusenna, Cort. ALussenna, Musen-Rinde. Veber die Abstammung dieser Rinde hat von
M a r t i u s keine Yittheilung gemacht werden Icdnnen. Rnch P r u n e c
B e y bat die junge Rinde eine gans suverllssige Wirkung gegen den
Bandwurm. Die junge Rinde, mit der B r u n e r - B e y Versuche anstellte, bestand BUS 5-10 Zoll langen cylindrischen Stiiclcen mil griiner,
platter Oberhaut von 4 Linien Dicke und 14 Zoll Breite, Rinde dagegen von alten Stammen rebmt derselbe nicht, es geht darnus hervor,
dam die jiinge und alte Rinde in der Wirkung verschieden sind.
C a s t i n e 1 in Kairo hat in der Musenna ein eigenthiirnliches Alkaloid
gefunden.
8) Cort. Tambuch, Tambuch Rinde, Rottiera Schitnperi Hoclrsl
e l Stcudel, CI. 21. Ord. 6. E'ani. der Euphorbiaceen. Der Baoni findrt
sich in einer Hdhe von 5000-7000 Fuss iiber dem Meere. Die Rinde
wird nur yon den weiblichen Exemplaren geschalt. S c h i m p e r hat
auf der iibersandten Probe selbst angemerkt, dnss man von der Rinde
die inneren, dem Stamme am aacbsten liegenden Schicbten abschabr,
um sie als Heilmittel L U benuken. Die Bussere Seite i s t mit einer
scbwach gliinzenden , geIb-r6thlichbraunen Epidermis bedeckt, an
welcher man unter den Bruchstiicken eine griinlirhe Unterlage erkennen kann. Auseen ist die Rinde sehr uneben, schmutzig-yrraulicb, m i t
riemlich tier eingebenden Rissen. Das Dermn, eine schwecbc Linie
stark, ist dunkel-briiunlich, die daraef Folgende Corticallage ist k6rnig
rchwammig, von schmntsig-gelber Farbe, iiber 3 Linien nick; die
Bastscbichb auf dem Bruche ist etwes heller, da, wo sie an dem Splint
fertsass, dunkel-gelbbr8unlich.
9) Folia Auk, Aule-Bliitter, Oleo chrysophylla Lam., CI.2. Ord. 1.
Fam. der Oleaccae. S c h i m p e r nennt diese Pflanze in Abyssinien
rwilden Olivenhruma. Sie findet sicli ani htiufigsten in einer Hbhe von
9000 Fuss bis 6000 Fuss hinab. Die Friichie werden nicht henutzt,
der Bauni bleht im October; das H O ~ Eist sehr hart. Die lederartigen,
mattgriinen, unlen braiinlich griinen, init einem starken Liingsnerven
versehenen Bltitter werden euweilen als selbstrthdiges abfiihrendes
Wurmmittel gegeben, aber weil sie leicht Erbrechen hervorbringen,
werden dem Kosso nur einige Blfttter zugesetzt.
10) Herba Habbe Zellim, Herba Zellim, Zellim-Kraut, Jasminum
floribundum Rob. Br. C1.2. Ord. I. Pam. der Jesminene. 1st in ganz
Abyssinien einbeimisch. Bllbet gewdlinlich in1 October und findet sich
in einer Hbbe von 6000-8000 Fuss iiber dem Dleere. Die Blatter
rind ein geriibrlicbes abftihrendes Nlittel. Man giebt sie zerrieben mit
Kosso gegen den Bandwnrm. Dem Biere rogesetzt sollen dieselben
auch eine berauschende und scbmerrstillende Wirkung besitzen.
11) Herba Happapalu, von Bryonia scrubiculata Hochst, CI. 21.
Ord. i . Fam. der Cucurbiluceae. Hankt in Gebiischen, besontlers i n
denen, welclie an Biicbeii stehen. Bliiht zu allen Zeiten, und wlchst
an allen Orten 6000-9000 Fuss iiber dem Meere. Man gieht die
rerriebenen Bliitter init Malven und Leinsarnen, aucb wohl mit etwas
Hocbsalr ; sie sollen besiinftigend wirken.
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"256
Vereiiuzeiluttg.
12) IIerla Handukduk, eine Euphorbia, CI. 21. Sect. I.oder C1.2.
Ord. 3. Es ist ein Unkraut, welches zu allen Zeiten vegetirt. Daa
Jlittel wirkt sehr kriiftig, es wird daher nur i n geringen l e n g e n qegeben.
Uie unten a n dem Stamme befindlichen BlStter sind bis 1; Zoll Iang,
linienbreit, lanzettlich; die oberen, an den Blumenstielen sitzenden, fast
dreieckigen, hahen jedoch nur die L8nge v n n 4 -5 Linien.
13) Herla Maddere, Herba Iallerei, Buddleia polystachya Frcs.,
CI. 4. Ord. 1. Fain. der Scrophularineen. Kleiner Bauin, 5800-8000
Puss iiber den1 Meere. Bliiht ini October, auch wohl fast zu allen
Zeiten. Die jungen Bliitter ftihren ab und werden auch dem Koeso
zugesetzt. Die grnzrandigen, auf der Rtickseite :nit vielen hervortretenden Nerven versehenen, netzfdrniig geaderten Blitter sind auf dersclben Seite init einem rehr schihen rostfarbenen Filz iiberzogen.
13) Flores Cosso, Flores Brayerae anfkelminficae, Coso, Cuso,
Cousso, Cosso, Kosso, Kuxo, Koso, Kiooso, Cosso, C o h oder Cabofo,
von Brayern anthelmintica Kunfh, Brayern oermifuga Dec., Hagenia Abyssinirn CYilld, Uankesia Alyssinicn Lamark (Bruce), CI. 11.
Ord. 2. Fain. dar Rosaceen. 1a r t i u s giebt iiber diese PEanze eine
zweckmiissige Zusainnienstellung des iiber sie beknnnt Gewordenen.
Kine Abhandlung fiber diese wiclitige Pflanze ist scbon in den friihereii Heften des Archivs mitgetheilt worden.
15) Irlores et llerbn Belbilda, Bulhilda, Belbida, Bolbida, von
Cdoria Adoensis Hochst et Sfeudel. Dieses auf den Feldern gemeine
Unkraut komint auch gern in der Niihe von Hiiusern vor, in einer
Hdhe von 5000-8000 Fuss tiber dem bleere, bliiht von September
bir December. Alle oberen Theile der Pllanze sind ein atark wirkeades, abfiihrendes Wurmmittel. Bliitter, Bliithen uad Friichte werdeo
zerstossen mit Bier eingenommen,
16) Capsrlac Saoria, Frucfus Paoria reu Moera yicta Hochd.
CI 5. Ord. I.Fam. der Myrsineen. Die StammpOanze ist Morca picfa.
Die grosre Staude findet sich in einer Hahe von 8900-10,000 FUIS
dbcr dein Meere. Ste bliiht im September bis October und reift ihre
Frilchtd im lllni iind Juni. Die Snoriakapseln sind sin unsch8dliches,
abfiihrendes Wurmmittel. Nach S ch n i t z I e in ist die Frucht kugelig,
von 1) per Linie Durchmesser, halh unterstsndig, etwns beerenartig,
oberhnlb der Mitte ntit den Zipfelchen des stehenbleibenden'Kelches
besetzt, im trockenen Zustande runzlig, mit zerbrecblicher, Schale,
vom G r i k l gekrdnt. Das Samenpolster ist kugelig, mittelstiodig, frei.
Samen mehrere, tileistens gegen 12, fast tetrrEdrisch, i n das Samenpolater eingesenkt, hleiu, 1 Linie breit, ntit rothbrauner Schale.
17) Capsulae Sehelli, Schebti-Yriichte, von Phyfolacca dodacandra l'Herit, Phytolaccn Abyrsinica Hoff. CI. 6. Ord. 6. Fam. der Rivinaccen. Eine didcische Staude, welche am hiiufigsten auf der H6be
von 7000 Fuss iiber dein Blcere, auch in der Region des gemissigten
Klimas von 5500 8000 Fuss vorkotnmt. Die Bliitheuzeit is1 der
October, aber auch zu jeder Zeit finden sich hie und da bliihende
Exemplare. Angewendet werdcn nur die Friichte in zerriebener Form
iind zwar als Seife und Abftihrmittel. Die Frucht is1 beerenartig mit
einer im trockenen Zustantle ronzligcw, dtinnen &hale, die Fruchtthetle
sind balb vcwwachscn, von den Rcstrn des GrifFcls a m Gipfel tnit einem
Spitzchen versehen, i n der nlitte ctwas eingedrtickt ; der Durchmcsser
der ganzen Bindefruclit betriigt 2; Linicn. Die einzelnen Yriichtchen
sind einfficherig, einsamig. Die Sanien kugelnierenfdrniig mil riodeaertiger, diinner, plrtter, scbwarr-rothbrnuner Sohale. Die Origiaal-
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247
PwPitaszcilriitg.
dosis der Schebti- Friirlite 01s hlittel gegen den Bandwurm bestimmt
M a r t i u s auf 9 Gran. Die Anwendung der Samenkapseln stalt der
&ire macht die Mutterpflanze derselbrn z u eiuem wirhtigen Artikel
liir Ayhssinien.
Ausser den nngefiihrten Mitleln erwiihnt S ch i ni p e r noch die
stark abfiihrende Wurzel der Pflanze B o t h , welclie auch grgen die
Lustseuche angewendet wird, dann die Frurhte der Unlcraiitpflanze Schimpafa, und die (Jngoko-Samen, denen noch die G'r:iiint\verrelrinde Roman riigesellt werden diirrte. (Jahrb. / u r p i n l i t . Pliartn. Rd.22. H. 6.)
B.
Zabuecajo, eine neue essbare nitss.
P u r d i A sandle vor Kiirzani nus lrinidad eine essbare
an
das Konigliche Museum in London. lhre Sanien liahen Aehnlichkeit
niit denen von der Berfholefin ezcrlsa, Sic halien eine harte Srliale,
die unregelmassiger ist, als die der vorigen Frurht und der LRnge
naeh gerurrht i s t . Durch Vergleichungen ist ausser Zweifel gestelll,
dnss diese Frucht yon Lrcylhis Zabuccrjo stamint. Die Snmenlcerne
werden in FranzBsisch Guiana den Nandeln htrini Drsrrt rorgezogrn.
Sie wurden von der franzcsischen Regierung schon l i e 1 auf Rlauriliiis
angcpllanzt. Die Frucht ist iiber 6 Zoll lang, etwa 3 Zoll breit, von riner
dirken holzigen Structur, 6ffnet Rich a n dem einen Ende wie eine Bilrhsa
mil einem Quergelenk. Von den oberen Seiten dirses Gelenkes sleigl
eine holzige Columne in den Grund der Frucht hinab, woran die
Semen befeetigt sind. Diem Frucht und die snderen Species derselben
Gnttung werden Marmila de Singa in Franzdsisch-Guiana genannt, wed
die Kerne von ellen Affen gern gerressen werdrn. (Phnrna. Journ. atrd
B.
Transact. 1'01. X.
Chrm -pharm Cerirrbl. 1851. N o . 2 9 )
-
-
Ueber die Bliithenknospen vou Calysaccion iongifoliuni.
Dieeen seit einiger Zeit vnn Indien n a r h England unter dem Nnmen Nag-Kasanr eingefiihrten, i r n Baue den Guttifrrrn iihnliche, den
Rosen und Veilrhen iihnlich rierhrnde Bliithrnknospen Rind nicht die
von Mrsua [erren, wie P e r e i r a anfangs glaubtr, sondern sie stammen n;wh H o olre r , der gute hltihende Exeniplare der Mutterpflanze
erhielt, von einer Art Wighf's Culysncrion. Kach 11 o o k e r sind die
Bliillien unisexual, die mannlichen haben zwei dicht vereinigte, sackf6rmig.e Kelchnhschnilte, vier darhziegrlfiirniig sich clerltrntle Blunienbliitter, zahlreiche Stauhgefiisse, die a n der Basis fast monadelphisch sind,
die StauhfGden sind kurz, die Antheren ahlong, zweizellig, die Zellen
geniihert parallel. der Liinge nach aiikpringend, dns Connectivum vrrIlngert, a n der Spilze abgestulzt. Pislille frhlen den nignnlichen Bliithen vijllig. Die Pflaiize ist baumartig, junge Schdsalinpe sind stielrund
oder schwnch virrkanlig. Die Bliitter glatt gcgendherstehend, kurz
gestielt, linear-lanzettlich, abgertiitzt, dick, hart, lederartig, mit vorspringender Millclriypc und qiier parallrlrn Adern. Bliithen zahlreich, 011s
den Blattwinkeln nhgefallener Rliittrr entsprinpnrl rind litterale Kijpfchen bildend. Bliithenslirle Iturz u n d eiuhliimig. Eine andere R'otiz
be r i 4 - h t r t : Cal y sn rr i o PL l o figi / o 1iir nr 11' i gb I ' .v n(f I*I' C,i loll 6y lhtm Sti rig a
Iior6 grliBrl ziir Dioecia Puliaridrin, bliiht i u i hliirz uiid April. Der
mannlicha Baum heisst IVoooondy, der \veibliche Poonay, beide fiihren
Verehszeitung.
ZC8
auch die Namen Suringee oder Gordeoondy. In der Umgegend von
Bombay haufig, die liltithen werden grsammelt und nach Bombay zum
Seidenfiirben geliefert. In dieser Notiz ltornmt der N a m e Nag-Kassat
nicht vor. 11 o x b u r g fiihrt aber an, dass sein Calophyllum Suriga
niit 1Vallirb’s Calysaccion l o n g i f o h m idcntisch sei. Die Gattung ist
der filesun nahe verwandt, und so mag dieser Unistand, so wie der
ihnliche Gerurh beider Pflanzen die Vrranlassung geweeen sein, dam
man den Ramen K a g - K n s s a r ILir heide vrrwendet hnt. (Yharm. Journ.
and 7 r a n s n r f . V o l . S.
Chem.-pknrnr. Cenfrbl. 1851. KO.24.) B.
-
AllgemeinPs iiber Cannabis satiun, inclica et arabica ;
von Dr. wed. B e r t r a n d .
Cannabis s n t i c a : Foliis digilatis, ex India advecta, nunc ubique in ctgris ciilla, /lor. J u l i o el Augusta.
Der in Indien wachsende und von dort zu uns gekommene und
bier gehrute Hanf ist in botanisclier Beziehnng mit der bei uns heimischen Pflanze sowohl, als auch in seiner pharmakodynamischen Wirltung ganz identiscli und in Nichts verschieden. Die hei uns gebaltle
und gezopene Hanfpflanze ist an Gehalt von wirksamen Bestandtheilen
nllen ausliindisrhen bezogenen Artilteln vorzuziehen. Die qunlitativen
und quantitativen Bestandtheile fiind in weit gleichmiissigerem VerhBItnisse in der bei uns heirnischen Pflanze enthalten, indem nicht reine,
sondern durch alle mcigliclie Subst.anzen zusammengeselzle Prsyarate
von indischem H a n k i n den Handel kommen, daher in jeder Apothelte
ein ganz verschieden wirlrendes Prsparat angetroffen wird, weshalb
die darauf hasirtcn Beohachtungen dcr Aerzte auch unsichere nnd ungleichmassige Resultate lierern niiissen.
Ini Handel kommt vor : Gunjult, die gelrocknete, bliihende Hanfpflanze ; Bangh, Subjee, Sadhee, die grosseren Bliitter und Samen ohne
die Stengel ; Chsrrus, die ausgezogene, harzige Substanz derrelben.
Auch der im Orient, Arnbien und Persien wachsende Hntif erweist
sich von gleicher Wirkungseigenthiimlichkeit wie der indische. Haschisch oder Chaschisch heisst das aus jenen gewnnnene hnrzige
Extrnct.
Die Irlebrige, harzige Substanz findet sich sehr reichlich bei d e r
bei uns heimischen und gebnuten llanfpflanze zu der Zeit, w o die
Samen sich im Anfange d e r Entwickelung des Reifens befinden, und
e w a r in der Zwischenzeit, wo von den Landleuten niit Ende August
oder Anfangs September der sogenannte Phoemel, die miinnlichen Bluihen, nach der Refruchtung ausgezogen worden sind. Die Arbeilsleute,
welche die ihre Aufgabe erfiilllen miinnlichen, verbliihten Stengel auaraufen, um ltrhftigcre weibliche Exemplare zu ihrer Nutzbarkeit zu
erzielen, bekonimen oft l a g e lang narltotisirte Erscheinungen, welche
bei erregbaren lndividnen Ileliriuni, Itataleplische Zustiinde, Convuleionen, Wnhnsinnsparoxismen herbeifuhren, wie ich hiulig an Ort und
Stelle die Gelegenheit zu beobachten hatte. Weniger reizbare Individuen und nicht lange Zeit hintereinander init dieser Arbeit Beschiftigte
beliommen kindisch - heitcre Laune, selige und gliickliche Illusionen.
Die orientnlischen Rla~ilicrherciteten ihre Zaubertriinke aus Opilini,
Stechapfel, Bilsenkraut, H a n f u. s. w., so wie sich noch heule die
nlorgenlinder deren als Bernuschungsrnitlel bedienen.
V e r e h s x ~ utig.
if
244
Im Archiv der Pharmacie, 1850, Bd. 62. Heft 1. p. 44, babe ich
nach genauen Untersuchuiigen die Beohachtungen und Forschungen
des Dr. X L a n d e r e r vollstandig bestitigt gefunden und bei meincn
damit angestellten chemischen wie pharmaltodynaniischen Priifungen
in] Allgenieinen gleiche Resultate erhalten.
Ein wirkliches Allraloid
habe auch ich nicht, weder nus der indischen, arabischen, getrockneten Hanfpflanze, norh aus den anderweitig erhallenen, im Handel
vorltomiiicnden Produrten erhalten kdnnen.
Die griindlichen Forscliungcn in einer Gegend niit schr geeigneleni
Boden, w o auch sehr vie1 llanf gebaut wird, hale ich an Ort und
Stelle zwei Jahre lang ununterbrochen fortgesetzt, welche mich ZII
dem hestiinmten Resultate gefdllrt hahen, dass die bei uns heimisclie
niit der in Indien, Arabien u. s. w. gezogene Hanfpflanze eine in jeder
Beziehung idenlische is1 und dass wir an Ort und Stelle mithin die
bei uns heimische Pflanze i n ihrer wirksamsten und ltrlftigsten Entwickelungsstufe erhalten Icdnnen, urn ein zuverlassiges, gleichnliissig
wirkendes Arzneirnittel zu erhalten und a I I o unzuverllssigen ausllndischen Hanfsubstanzen nicht allein entlehren kannen, sondern zu
verwerfen sind.
nlerkwtirdiger Weise wird im ganzen Gebirge des Taunus mit
wenigen Ausnahmen der Hanf gebaut (die Gegend, w o Ariovist drm
stolzen Ciisar trozte), und es ist die Bodenart eine sehr ghnstige, wodurch die daselbst wachsenden Pflanzen eine grosse Vorziigliclikeit
i n jeder Beziehung besitzcn. Wenngleich eine halhe Stunde von Wiesbaden der Ort Snnneberg die Ilanfpflanze in vorziiglicher Qualitiit und
Quantitat besitzt, so sind die Apotheker im Herzogthum Nassau taut
Verordnungsblatt vom 22. April 1851 gehalten, die indischen Prlparate
ale Arzneiinittel zu halten.
Das Einsammeln der Pflanzen und R U S denselben bereiteten Priiparate hat nclion seine Nachtheile, indem die mechanischen Kriiutereammler zu verechiedenen oft hachat unzweckinassigen Zeiten Vegetabilien einsnmmeln, die Pflmten dfter mhneiden und beschneiden oder
raufen (wie man nun will noch Provinzialiamen) und swRr 80, dass
zu mrnchen Zeiten eehr wenig oder g a r kein wesentliches Princip
darin enthalten ist, wclches die Pflanzen in ihrer Eigenthiimlichkeit
scharf charakterisirte und dieses ein wesentlicher Grund der so ungleichmassigen Wirltung SO vieler ArzneikGrper ist. Obgleich im
Aeusseren lreine so verschiedenen Blerkmale sich sogleicli darhieten,
80 entgehen diem Hauptmotive von Unvollltommenheiten so manchcr
Art dem scharfen Beobachter bei genauer Prdfung nicht.
Die narkotische und fliichtige Stoffe enthaltenden Pflanzen verlie.
ren zuerst beimTrocknen und dann, wenn auch umsichtigen, oft aber
sehr kiinstlichen, zusainmengesetzten Bereitungsweisen an Wirltsanilceit,
indem die darin entholtenen Stoffe nur so vie1 aufgeldst halten lti.innen,
als die Pflanze selbst aufnahm um das zu sein, was diese in ihrcr
Eigenthiimlichkeil ist. Norh ausserdem, dass die fliiclitigen Stoffe glnzlich verloren gelien, treten Verbindungen an deren Stelle, welche nicht
priiformirte, prhexistirte : nicht Educte, sondern Kunstproducte sind.
Solche Kunstproducte bieten niemals die Berhhrungspuncte dnr,
wie sie i n dein ldslich aufgeiiommenen Zustande der Pflanzen sind,
ohgleich dcren Namen die daraus erhallenen Priiparate tragen. So sehr verschieden nun das Reeultat der 80 hiiufig vorkommenden
hiichst unvollkoinmenen und unsweckmhseigen Einsammlung und Berei-
250
Vereinszcilu ng .
tung solcher Priparate isl, eine solche kana aucli nur die d x d
bnsirte Beobachtnnp drs Aretes sein.
Von meinem Vorrathe von Priiparalen einheimisrhen Hanres bin
ich gern bcreit, diesrni u n d jcnem Forscher zu wohlverstandenen
lnteressen zu eigener Priifung abzugehen.
Eine grirndliche nlonopraphie uber alle erhaltenen, wirkrnmen
Stoffe d r r bei uns heiniischeii I’flanre als Arzneimittel werde ich i n
Kiirze Iierausgeben.
Tinctura Secal. coinuti.
Rec. Secal. cornuli sollissdm. pulver. part. unam, Spir. Vini
TecliFcati p . s p . 0,900 part. sepfem, Aquae deslillatae part. unam.
Mcrcera et Fltra; Sit color. e rubto-fusci.
Ein gutes, unverdorbenes, rehlerfreies Rlntterkorn wiril, nachdem es erst dann pulverisirt wurde, wenn rs znr ‘I’inclur angewendet werden soll, niit drr
Fliissiglieit iibergossen, von Zeil zu Zeit uingeschtittell, bis ein saturirter Auszug yon sehr dirnkeler Farhe erlialten ist. Sodann Bltrirt.
Uiese Tinctur, welche niclit leicht verdirbl, habe ich wiihrend zwei
Jahren im nnveriintlerten Zustande aufbewahrt und niit einer gleichmissigen, sickhern untl zoverliissigen Wirkung nngewendet, wodurch
mir zum Wohle so vieler Leidenden alle Ergotinpripnrate ersetzt worden sind. Diese l’inclur n k fldssige Substanz, welche i n pletia ef
refracta dosi niit grosser Leichtigkeit gegeben werden kann, enthdlt
nlle wirksamen Arzneibestandtheile des Illutterkorns.
Meine aurfiihrliche Albeit iiber dns Rlutterkorn werde ich in grower
Kilrze folgen Irssen.
Bertrand.
-
Ueber die Respiration der Pjlanzcn,
G n r r e a U’B , BUS aeinen Untersuchungen iiber Pflanrenrespiration
gewonnenen Resultate sind folgende :
1) Die Bltitter und griinen Theile der Pflanzen athmen Sauerstor
ein, des Tages i m Schntten und wiihrend trlben Welters.
2) Der eingeathmete Sauersloff verwandelt sich unter den vorgennnnten Verhiltnissen dcr \l’itterung in Kohlensiiure, welche theilweisr
nusgeathmel wird.
3) Von den Pflanzen getrennle Blitter geben dieselben Resultate,
wie die a n den I’flnnzen i n natiirlicher Lnge verbliebenen.
4) Die Iiohlens5ure trill iim so weniger a d , je mehr das Licht
intensiv ist. Die Erniedrigung der lcmperatur, indem sie mehr odrr
weniger sehnell die Bewegung der Lebensfliissigkeit Iihmt, vermindert
oder vernichtet das Ausathnien dieses Gases.
5 ) Die griinen Pflanzentlieile untergetauchlcr Ptlanzen alhmen innerhalb gewisser Grenzen der ‘I’emperatur wie Luflpflanzen, indessrn
mit dem Unterschiede, dass weniger Kolilensiiure dn erscheint, wril
das Medium, worin sie leben, weniger reich is1 a n Sauerstoff.
6) Alle Pflanzentheila athmen und der Athmungsstoff bedingt als
Endresultat wie bei den ‘I’hieren, ein Hinwegnehnien des Kohlenstors
und eine TemperaturerhOhang i m Inuern der Pflanze.
7) Die Quantital liohlensiiurr, die sie nusathmen, ist in dem Illaasse
grdsser, als die Pflnnzen reicher n n lebendigen Proleinstoffen sind und
sis ihrs Oberfliicben mehr auebreiten.
25 1
Vcreinszcihig.
8) Die Ilohlensiure, welche durch das Athmen griiner Pflansentheile, die iirmer !n lebendigen, stit.kkloffliiiltigen Rlaterien sind, entw i c k e l t wird, w i r d iin Scliatten unit l e i lrtibem Wetter rusgeathmet
i i n d verschwindet d i e Kolilensiiiire n u r zuni llieil, welche Lichtverhiltnisse auch iibrigens gelten rniigen (griine Friichte).
9) Der cheniiscl~-vitalel’rocezs der Hespiration lindet in der lebendigen stickstoffhalligen Rlatrrie stall, w e i l e r niit tlein Absterben derselben aiifliiirf. Diese lllaterie ftihrt auch I’hosyhorverbindungen, deren
Q u a n t i t i t niit der der slickstolThnltigen lllaterie i n e i n r m Organe zunimrnl ; diese Verbindungen stehen m i l der Organisation jener zum Tlieil
i m engsten Ziisniiimenhiinge.
( A n n . d. Scienc. ant. 2. Ed. 7‘. 15.
Chem.-yltariii. Cenlrbl. 1851. No. 48.1
B.
-
Kurze Zeit v o r seinem Ableben h a l t e der verslorhene Kiinig der
Niederlaniie lilr jede der sechs preussischen Univcrsitiiten auf ein
E r e n i p l r r von U I u ni e’s Ritmphin, so w i e a u f ein Exemplar v o n dessen Flora Jerne rnIisc.rihirt, uni diese wcrtlivollen Biicher den Bibliutlieken der yreossischen Univrrsiliiten nls ein Geschenk zu iiberweisen.
Dieses kiinigliche Ges(*tienlt ist den genannlen Bibliotheken j e l r t iibergeben und vcrdient um so mehr die dankbarste Anerkennung, j e seltener solche Geschenke sind, and j e weniger die Bibliotheken der
IJniversitiien oder wenigsleiis die nieisten derselben i m Siande sind,
fiir die Naturwissenschahen u n d nniiientlich fiir die Botariik Iiedeutende Suminen zu verwenden. ( B o f . Zfg.)
8.
-
Sitoung der Lofan. Gesellscha/t in E d i n b u r g a m 14. Febr.
Lieut. R o b . 1a c I e g 8 n legte die Stengel indiecher Colchicum-Arten
vor, welche nls Sorinjantalk i i n d Sorinjanacheeren gepen Rheumatirmen i m Cebrriich sind, ehenso eine eigenthiiniliche Wurzel, KalseXootkee, die hei N r r v e n l r i d e n heiiutzt wird. Mr. M’Nttb zeigte die
bliihende Traube der rolhfriichtigen Varietiit der Mum sapienturn, welche 1812 y o n Trinidad gekommen w a r und schon mehrmsls in EdinburK gebldhl halla. D i e Spindel w a r 6 FUJI lang u n d I m c h t e 5 reire
u n d 2 unreife Fruclithiiaclirl, jeder nus 15 Friichten bestehend, zusamnien im G e w i r h t v o n ungefiihr 7 5 - 60 Yfund. Die Hirhn der Pflanze
w n r 14 Fuss 6 Zoll ohne die Bliitter, welche 10 Fiiss l a n g und 2 Fuer
6 2011 breit sind; d r r Stninin hnI unlen 35 Zoll Umranc. Die Frueht
reill alliniilig innerhalb zweier Rlonale. (Bat. Z f g . 1850. No. 39.)
B.
Ur. B a I f o II r liefert eine Beschreibung v o n Sa6al rmbrarulifera,
welche i m bot. Cnrten zu Edinburg i n Frucht steht. Diese Palme
hnt einen 9-10
Fuss holien Stamni, 30 Bliitter niit 12 Fuss lrngen
Blattslielen u n d 7 - 8 Fuss lanpen Platten, d i e ungefiihr 100 Lappen
otlrr Fallen ceiien. D i e iistige Hippe ist 6 Fuss Iang, von vielen besondrren Scheiden uingelien, u n d zeirt j e l z t ungeheure Biischel, die
einiqe 1000 Friichte enthalten. Die P r i i r h t hat ein fleischiges Mesocarp, u n d einen vollkominenen Sainen init breiter Snmenhaut. ein cartilaginibxs weisses Perisperm und kleinen dorsalen Enibryo. ( S i f z . d.
601. Ccs. i n Edinb. - Bot. Zfg. 1850. NO.41.)
B.
Als der verstorbene Geistliche J o h n W i I I i a m 5, ein Missionair,
im Jahre 1838 n r c h Otalieiti zuriirltkehrle, brachte e r m a dein Garten
252
Verpinszeilung.
des Herzogs von Devonshire in zwei Kisten verschiedene, ihm nach
Anordnung des Herzogs iibergebene Gewiichse mit, unter denen sich
auch eine Anzahl Exeiuplare der rhinesischen Banane [Muss Caoendishii) behnd. Es blieb jedoch von diesen Pflanzen nur ein Exemplar am Leben, welches nach Verlauf von 12 Monalen eine Fruchttraube hervorbrachte, die nahe a n 100 Pfd. wog. Dies eine Exemplar
wnrde die Stammpflanze der Tausende, welche sich jetzt ilberall in
Samoa finden. Dn jede Pflanze durchsrhnittlich 6 Spriisslinge im Jahrr
treibt, so k a n n man daraus leicht berechnen, wie unglaublich die Vermehrung innerlialb zehn Jahren sein kiinne. Unter allen dort eingefiihrten Pflanzen hat auch keine eine so grosse Verbreitung gefunden,
als diese Banane, welche i n tler Siidsee vorher unbekannt war, wiihrend in Samoa allein pepen 50 versrhiedene Sorten von Musa gefundcn
wurden. Die Vortremichkeit ihrer Frucbt, deren bedeotendes Gewicht,
80 wie die geringe Hiihe, zu der sie emporwichst, und wodurch sie
den heftigen Sliirmen widerstehen Itann, hahen ihr ein Uebergewicht
iiber alle gewbhnlich cultivirten Sorten gegeben. Ein Raum von I 0 7 6
Quadratfuss kaiin 30 40 Pflanzen trsgen, welche, nach sehr massiger Berechnung, i n Jahresfrist mehr als 4410 Pfd. nahrhafter Substanz liefern. Das Product der Banane verhilt sich zu dein des WeiZen wie 133 : 1, und zu dem der Hartoffel wie 44 : 1. (Bat. Z/g. 1851.
-
No. 32.)
B.
Ueber dus felte Oel der Garcinia purpurea.
Die Proben der sogenannten Koknni-Butter (Oil of Mangosfeen),
welche P e r e i r a klirzlich durch Ur. T r a rn p t o n erhielt, sind cylindrische Massen von 3 Zoll Durchmesser und 3 4 Zoll lang. Das
Kokum6l ist eine fesle, zerreibliche lasse. Zwischen den Fingern
fiihlt er sich fettig an wie Sperniacefi; seine Farbe ist gelb, es hat
einen schwachen, nicht unangenehinen Geruch. I m Aeusseren hat ee
vie1 Aehnlichkei mit einem Petle, das vor wenigen Jahren R I B Minia
Bolls oder Stone Oil von Indien kam, iuit der Angabe, dass es von
Borneo kame. Es hat aber einen anderen Geruch als dieses. Nach
einer Untersuchung, die R e d W O O d rnit P e r e i r a's Material anstellte,
schmilzt es bei 36", bleibt dann beim Abkiihlen bis 230 fliissig und
im Erstarrungsmomente steigt dnnn die l'emperatur auf 330. Es lbst
sich sehr wenig i n rectificirtern Spiritus, 1,7 Grm. in IUnze Spiritus.
In Aether ist es Ibslicli. ITh. des Fettes ldst sich in 2 Th. Aether.
Beim Erhitzen mil Schwefelsaure nimnit es cine karminrothe Farbe an.
L e Dl e s s u r i e r , der d i e m Oel aus Indien mitgebracht hat, giebt
folgende Notiz: Der indische Name fur dieses Oel ist Kokum. Es
wird in allen Fillen aufgesprungener Haul der Hinde, des Gesichtes
u. s. w. sehr wirksam gefunden. Rlan wendet es an, indem man es
entweder aIs Pulver auf die H a u l einreibt, oder etwas davon erst
auf heisses Wasser schabt. Rlan gewinnt es YOU der Frnoht, die sich
reichlich an den Abhangen der Berge der Westseite von Indien, 100
l e i l e n von Bombay bis etwa Cap Cormorin findet.
Die Pflanze, von der es starnuit, ist Garcinia Rozb., Kokum oder
Brindar der Portngiesen. Ee ist ein schiiner Baum init ineist kegelfbrrniger Kronc u n d herallhiingenden Zweigen, die Bliitter dunkelgriin,
Frucht glatt und r u n d , ohne Furchen, reif durchaus purpurfarbig, hat
einen angenehmen, siiuerlichen Geschmack und wird von den Eingeborenen gegesren.
-
Vereinszeitung.
253
Das Oel wird durcli Auslrochen der Samen gewonnen. Erst trocknet man dieselben einige l a g e in der Sonne, dann zerstosst man sie
nnd Irocht sic init Wasser aus. Das Oel tritt an die Oberflarhe und
bildet beim E r k a l k n einen festen Kuchen. Cereinigt hildet das Oel
eine zerreibliche, blassgelblicbu, ins Cr~jnlichegeffirbte Masse, ist ausuehniend sanft und glatt anzuftihlen, sehinilzt im Rlunde wie Butter und
erregt ein Geflhl der Kiihle, ahnlich, wie es durch ein Stiickchen Salpeter gescbieht. In Folge dieses Geflbls der Kuhle mag es auf Wunden sehr gut thun und wurde sich deshalb gewiss sehr fiir den pharniaceutischen Gebrauch eignen. (Pharm. Journ. and Transact. Vol. XI.
Chem.-pharm. Centtbl. 1851. N o . 46 )
B.
-
Ueber Konigsnelken ( Caryophylli regii).
Th. M a r t i u s erhielt vom Prof. R e i n w a r d t in Leyden eine
kleine Menge d i e m Nelken, wclche von diesern auf der Insel Saparoea gepfliickt worden waren. Aus ill a r t i us' Miltheilung ergiebt
sich, dass man drei durchaus verschiedene Arten von Kijnigsnellren
kennt, wie schon R u m p h im Jahre 1664 erltlart hat, der in eincin
Briefe a n Herbert d e Jager anfiihrt:
.Die drei Sorlen Konigs-Nlgelein riihren von gewissen BCiiirien
her, so an Wachsthum und Gestalt dein gemeinen Wallholz
gleichen, tragen aber anders nichts als solclie Friich1e.u
L e s s o n der altere hat angeftihrt, dass die Kndpfe des berlhmten
Ktinigshaurnes weit gerurhvoller als anderc Nellten und sehr theuer
im Preise seien; sic sullen nach ihrii einen doppelten Kelch hesitzen
und ein eigenthiimliches, von deni Cavyopkyllas arotnaticus abweichendes Genus ausniaclien. 111e r a t und d e L e u s habeu angegeben,
dass die I(Bnigsnellteii, welclie sie gesehen hatten, vie1 hleiner als die
pewihnlichen und niit einciu doppclten, sellisk init einem dreifachen
Kelch versehen waren. Miin fiiidc sic i i u Handel nicht.
P a r b i u s hat einige Abbildungen gegeben im Jahrbuche fiir pralrtische Pharinacie, Bd. XXIII. Hft. 111. S. 193.
Ma r t i u s niaclil Lei dieser Gelegenheit auf~nerksaai auf die drei
Sorten der Gewiirsnalltcn, welche i m deutschen Handel sich finden.
I. Ostindische.
a) Englische Compagnie-Neken, wahrscheinlich yon Sunialra koinmend, w o der Bauin seit dem Jahre 1803 angepflanzt ist.
h) Atuboina Nelken, die trocken und feuclit vorkunimen.
c ) Labuan-Nellten.
11. Afrikanische.
a) Bourbon-Nelken.
Von dcr Insel Bourbon, wo der Bauin seit
1772 eingefiihrt sein soll. Sie ltommen hiufig und zu billigem
Preise vor.
b) Zanguebar-Nelken. Wahrsclieinlich ist der Rellrenbaum erst seit
1824 eingefiihrt.
111. Amerikanische Gewiirznelken.
Cayenne -Nelken; auf Cayenne seil 1773 angepflanzt.
-
B.
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