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Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide.

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114
Neuere Forschungsergebnisse.
43. H.
W.Bersch:
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide.
Eingegangen am 20. Dezember 1933.
In dieser Zeitschrift ist vor 3 Jahren ein Referat') uber ,,Neuere
Untersuchungen auf dem Gebiet der organischen Chemie" erschienen.
Dort sind auch ziemlich eingehend die Alkaloide besprochen, so daD
ich im wesentlichen an diese Arbeit anschliefien kann und nur ges
legentlich auf altere Veroffentlichungen zuriickgreifen werde, soweit
dies zur leichteren Verstandlichkeit notwendig erscheint.
In den letzten Jahren ist die Frage nach der Bedeutung der Alkas
loide fur das Pflanzenleben in Vortragen und im Schrifttum so haufig
erortert worden, daR man von einem mehr als gewohnlichen Interesse
weiterer Kreise an diesem Problem sprechen darf. Trotzdem ist in
den Berichtsjahren kein neuer Gesichtspunkt in dieser Frage aufs
getaucht, der es rechtfertigen konnte, die bis jetzt aufgestellten
Theorien gegeneinander abzuwagen. Ich mochte nur auf eine Arbeit
von L o n g o und P a d e r i ' ) hinweisen, die durch Behandlung von
Samen mit arteigenen Alkaloiden eine Beschleunigung der Keims
fahigkeit und des Wachstums festgestellt haben wollen. Diese T a b
sache wurde der Meinung einiger Pflanzenbiologen Rechnung tragen,
nach denen die Alkaloide die Rolle der tierischen Hormone fur die
Pflanze ubernehmen. Die Arbeit von L o n g o und P a d e r i steht
aber in krassem Widerspruch zu den Versuchsergebnissen von
S a b a 1 i t s c h k a a), der bei ahnlichen Experimenten eine allgemeine
Schadigung des Keimlings und der Pflanze beobachten konnte. DaB
die Pflanze Hormone zur Verfugung hat, geht aus den epoches
machenden Arbeiten von K ti g 1 und S m i t ') uber den Wuchsstoff
Auxin hervor. AuDerdem sei in diesem Zusammenhang auf eine
Arbeit von S c h o 1 1 e r 6, hingewiesen, der als erster durch Behands
lung von Pflanzen mit menschlichem Sexualhormon ein schnelleres
Wachstum und eine beschleunigte Blutenbildung hervorrufen konnte.
Diese Stoffe sind aber stickstofffrei und treten auch nur in auI3ers
ordentlich kleinen Konzentrationen auf. wahrend die Alkaloide haufig
in nicht unbetrachtlicher Menge aufgefunden werden konnen. Allen
dings scheint auch in einigen Fallen ein spurenweises Vorkommen
alkaloidischer Stoffe im Pflanzenleben moglich zu sein. Vor zwei
Jahren uberraschte R y g h ") die wissenschaftliche Welt mit der Mits
teilung, daD das antiskorbutische Prinzip der Zitronen ein Narkotins
I) T h. B o e h m , Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz. Gee. 268,
381 (1930).
9 ) Atti R. Accad. Lincei (Roma), Rend. [a] 10, 322 (1930).
s) Festschrift fur Alex. T s c h i r c h , Leipzig 1926, 185.
4)
Koninkl. Akad. Wetensch. Amsterdam, Proceedings 34, 1411; Naturs
wiss. 21, 17 (1933); Ztschr. physiol. Chem. 214, 241 (1933).
6 ) Biochem. Ztschr. 240, 28 (1931).
6)
Chem.gZtg. 1931, S. 965; Ztschr. angew. Chem. 211, 275 (1932).
I15
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
abkommling und das Narkotin selbst als Provitamin aufzufassen sei.
Diese Angaben haben sich nicht bewahrheitet. Weder aktiviertes
Narkotin noch entmethyliertes Narkotin, noch auch die duroh An5
reicherungsverfahren dieser Stoffe aus der Zitrone hergestellten Auss
zuge zeigten bei Nachuntersuchungen durch zahlreiche Forscher
Vitaminwirkung. Dahingegen scheint man vorlaufig nicht berechtigt
zu sein, das Auftreten von Narkotin oder ahnlichen Basen in der
Zitrone und Apfelsine anzuzweifeln, da in dieser Hinsicht eine Be.
statigung der Ryghschen Versuchsergebnisse von 0 t t und P a c k e n s
d o r f f vorliegt. Diese konnten aus 600 Zitronen etwa 600 mg
Narkotin isolieren. Sollte das Vorkommen solcher Alkaloidspuren
sich in einer groDeren Anzahl Pflanzen, die man bis jetzt fur alkaloids
frei gehalten hat, nachweisen lassen, so konnte man eher an eine
hormonale Bedeutung dieser Substanzen glauben. Dann bliebe jedoch
immer noch unerklarlich, warum einzelne Pflanzen eine so unzwecks
maBige Anhaufung von diesen biologischen Wirkstoffen vornehmen.
Befriedigender sind die Vorstellungen, die man sich iiber die
Entstehung der Alkaloide in den Pflanzen macht. Es ist naheliegend.
die Alkaloide mit anderen in der Pflanze vorkommenden stickstoff5
haltigen Produkten in Beziehung zu bringen. Als solche finden wir
auDer den komplizierten und noch nicht genugend erforschten EiweiBs
verbindungen die Aminosauren. die aber ihrerseits in einem engeren
Zusammenhang zu den EiweiDstoffen stehen, da deren Hydrolyse
zu den verschiedenen Aminosauren fiihrt. Diese Aminosiiuren werden
nun von den meisten Forschern als Bausteine fur die pflanzliche
Alkaloidsynthese angesehen, da ihre Konstitution haufig eine aufs
fallende chemische Verwandtschaft zu den Pflanzenbasen aufweist.
Ein besonders schones Beispiel scheint mir die auch in vitro mogliche
Umwandlung von Tryptophan in Harman zu sein. Die Aminosaure
Tryptophan (I) geht durch die Einwirkung der pflanzlichen Des
carboxylase in Tryptamin (11) iiber, das durch Kondensation mit
Acetaldehyd unter Wasserabspaltung Tetrahydroharman (111) liefert.
Eine Oxydation fuhrt dann zu Harman (IV). Die anderen Harmalas
alkaloide wurden sich entsprechend von einem Oxytryptophan abs
(JJ
NH
7)
CH-COOH
CH,
NHz
NH2
I
Ztschr. physiol. Chem. 210, 94 (1932).
I
NH
0
116
H. W. B e r a c h
leiten lassen. Auch das Physostigmin ist dem Tryptophan nahe
verwandt. Die Entstehung einer anderen Alkaloidgruppe, der Benzyb
isochinolinabkommlinge, laBt sich zwanglos aus dem Zusammentritt
zweier leicht verstandlicher Umwandlungsprodukte der Aminosaure
Tyrosin bzw. Oxytyrosin erklaren. Interessante, aber nicht so durchr
sichtige biogenetische Uberlegungen lassen T r i e r die moglichen Be.
ziehungen von Tryptophana) zu den einfacheren Chinolinalkaloiden
aufdecken. SchlieBlich sei auf die phylogenetischen Betrachtungen von
R o b i n s o n verwiesen, der die Entstehungsmoglichkeit der Atropinr
alkaloide aus Ornithin klargelegt hat, eine Theorie, die auch zu einer
technisch brauchbaren Synthese dieser Basen gefuhrt hat. In weir
terem Verfolg solcher Ideen hat in neuerer Zeit S c h o p f 9, eine
Synthese von einfacheren Chinolinbasen unter ,,physiologischen B e
dingungen" durchgefiihrt. Wie S p a t h gezeigt hat, kommen in der
Angosturarinde neben den Hauptalkaloiden Galipin, Cusparin und
Galipolin auch noch einfachere Chinolinbasen u. a. Chinaldin und
am~Amylchinolinvor. Als Bausteine fur die Synthese des Chinaldins
konnten nach S c h ti p f Orthoaminobenzaldehyd und Azetessigsaurc
in Betracht kommen. Diese beiden Korper kondensieren sich bei einer
prrsStuie von 5 bis 11 glatt und uberraschenderweise unter spontaner
Kohlensaureabspaltung zu Chinaldin. Verwendet man statt Azetr
essigsaure Ca ronylessigsaure, so erhalt man in analoger Weise
asmAmylchinofin. Die Reaktion laBt sich aber nur in der Nahe des
Neutralpunktes durchfuhren. Andernfalls versagt diese Synthese
oder fuhrt zu anderen Produkten. Das Wesentliche dieser Arbeit ber
ruht auf der Tatsache, daB hier eine Synthese von Pflanzenbasen
durchgefuhrt wird unter Verhaltnissen, wie sie in der lebenden Zelle
vorliegen konnen. Eine Erweiterung solcher Synthesen wir,d sichers
lich unsere phylogenetischen Kenntnisse vertiefen konnen.
Ich habe diese zum Teil schon langer bekannten biogenetischen
Vorstellungen etwas eingehender erwahnt, weil in den letzten Jahren
durch Arbeiten von E m d e lo) ganz neuartige phylogenetische Be5
trachtungen aufgestellt worden sind. E m d e kommt durch Unters
suchungen uber die stereochemischen Probleme der Morphinalkaloide
zu der Auffassung, dai) die 5 optisch aktiven Kohlenstoffatome des
Morphins dieselbe sterische Anordnung wie in der Glykose besitzen.
Dementsprechend ist nach seiner Meinung das Glykosemolekul der
Baustein fur das Morphin. DaB die Zucker als erstes Assimilations$
produkt der Pflanze in weiterem Zusammenhang zu den anderen
8 ) W i n t e r a t e i n s T r i e r ,Die Alkaloide. 2. Aufl.. S. 1023.
0 ) LIEBIGSAnn. 497, 1 und 7 (1932).
10)
Naturwiss. 17, 699 (1929); 18, 539 (1930); Helv. chim. Acta 13, 1035
(1930); Apoth.iZtg. 47, 1015 (1932).
Neuere Untereuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
117
Inhaltsstoffen der Organismen stehen, ist sicherlich anzunehmen. da
Umwandlungen von Zucker in Fett oder EiweiR sawohl bei der Pflanze
wie beim Tier nachweisbar sind. Aber diese Stoffwechsel entziehen
sich noch weitgehend unserer Kenntnis, und wir besitzen noch so
unklare Vorstellungen uber die bei diesen Umwandlungen auftretens
den Zwischenprodukte, daR es gewagt erscheint, die fur das Morphin
von E m d e in den Vordergrund gestellte phylogenetische Betrachs
tungsweise auf andere Alkaloide iibertragen zu wollen, zumal da die
alten Vorstellungen haufig die Konstitutionsaufklarung der Pflanzens
basen wesentlich erleichtert haben.
Die endgultige Losung der Fragen, welche Bedeutung die Alkas
loide fur die Pflanze besitzen und wie sie entstehen. wird in weits
gehendem MaRe von der Verfeinerung der analytischen Methoden
und von der vermehrten Erkenntnis der strukturellen Beschaffenheit
dieser Naturkorper abhangig sein. Der mikrochemische Nachweis
von Alkaloiden ist in dem letzten Jahrzehnt wesentlich gefordert
worden. AulJer der Trennungsmethode, die auf der verschiedenen
Basizitat der Alkaloide beruht, kommen fur den definitiven Nachs
weis hauptsachlich zwei Prinzipien in Anwendung, namlich die Identi.
fizierung durch Farbs oder Fallungsreaktion. Die Farbreaktionen
werden haufig nur dann eindeutig sein konnen, wenn durch ein vors
her ausgefuhrtes Isolierungsverfahren das Alkaloid ohne Beimischung
fremder Basen rein vorliegt. Die Reindarstellung wird aber in vielen
Fallen fur den qualitativen Nachweis eine zu miihsame Arbeit bes
deuten. Bei den Fallungsreaktionen besteht dahingegen die Mogs
lichkeit. da8 man durch geschickte Auswahl des Reagens nur ein
Alkaloid fiillt und dadurch seinen Nachweis fiihrt, oder man kann
durch Beobachtung der Kristallform des erhaltenen Niederschlages
die Anwesenheit mehrerer zugleich ausgefallener Basen feststellen.
Diese Methodik ist besonders durch K 1 e i n fur die Diagnostizierung
biogener Amine verwandt worden. Er konnte so Putreszin. Cadas
verin, Phenylathylamin, Thyramin und Histamin nebeneinander nachs
weisen. Das Verfahren wurde von K 1 e i n l')auch zur Untersuchung
des Mutterkornes herangezogen und er konnte in diesem Putreszin,
Cadaverin, Histamin und Thyramin ohne vorangegangene Trennung
nachweisen. Als Fallungsmittel bewahrten sich in diesem Fall be.
sonders einige Nitrokorper, namlich Pikrinsaure, Pikrolonsaure und
Trinitroresorzin. Mit der Anwendung und Auffindung empfindlicher
und moglichst charakteristischer Fallungsmittel beschaf tigen sich
weiterhin R o s e n t h a 1 e r I*),C h a t t a w a y I*) und A m e l i n k 9.
I n systematischen Arbeiten werden die spezifischen Kristallformen
der einzehen Alkaloide mit dem betreff enden Fallungsmittel und die
Schmelzpunkte festgestellt. Von K 1 a t s c h k i n a In) wird die Fallungss
reaktion mit Silikowolframsaure naher untersucht, urn dieses Res
agens zur quantitativen Bestimmung der Alkaloide zu verwenden.
)'1
12)
18)
14)
16)
Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz. Gee. 270, 374 (1932).
Pharmaz. Ztg. 76, 524 und 653 (1931).
Journ. cbem. SOC. London 1930, S. 1003.
Pharmac. Weekbl. 68, 159 und 221 (1931).
Chem. Ztrbl. 1932, I, 1376.
H. W. B e r s c h
118
Er ermittelt von einer Anzahl Basen die Zusammensetzung des
Niederschlages und stellt fest, da8 die Silikowolframsaure den
Alkaloiden gegenuber als vierbasische Saure fungiert. Die eins
saurigen Basen verbinden sich daher mit diesem Fallungsmittel im
Verhaltnis 4 : 1. einige zweisaurige im Verhaltnis 2 : 1. Die Reaktion
laBt sich zu einem titrimetrischen Verfahren ausbauen, das eine bess
sere Erfassungsgrenze und eine groI3ere Genauigkeit als die azidis
metrischen Methoden aufweisen soll. Ein anderes Bestimmungss
verfahren kleiner Alkaloidmengen ist von R o j a h n la) fur einige
Basen ausgearbeitet worden. Das Prinzip dieser Methode beruht auf
der Verwendung eines moglichst empfindlichen Fallungsreagens
(z. B. Silikowolframsaure), das eine kolorimetrische Bestimmung
ermoglicht (im angefuhrten Beispiel, Reduktion zu Wolframblau).
Eine besonders schwierige Aufgabe ist die quantitative Bestims
mung eines Alkaloides in einem Gemisch chemisch ahnlicher Basen.
Ein solcher Fall liegt bei der Morphinbestimmung des Opiums vor.
Die bis jetzt angewandten Methoden geben nicht immer befriedigende
Werte. Von R u s t i n g 17) lie t ein Verbesserungsvorschlag der Kalks
methode vor. Das Prinzip fieser Bestimmungsart beruht auf der
Tatsache, da8 durch Kalkmilch die Nebenalkaloide gefallt werden,
Morphin dahingegen als Kalziummorphinat in Losung bleibt. Da aber
bei diesem Trennungsverfahren, wie schon J e r m s t a d hervorhebt,
die Werte fur Morphin durch beigemischtes Kalziummekonat zu hoch
ausfallen, versucht R u s t i n g , diese MiDstande durch ein allerdings
ziemlich kompliziertes Verfahren zu beseitigen. Wie wenig befries
digend alle bis jetzt vorgeschlagenen Methoden sind, geht wohl klar
aus der Tatsache hervor, daR die Zahl der bis jetzt erschienenen
MorphinsBestimmungsverfahren nach S e k a la)
uber 125 betragt. Eine
kritische Durchsicht der hauptsachlichsten Methoden ist in einer
schonen Arbeit von R e i m e r s lo) vorgenommen worden.
Eine eingehende und teilweise recht erfolgreiche Bearbcitung
haben auch in den letzten Jahren die Konstitutionsprobleme der
Alkaloide gefunden. Ich mochte im wesentlichen die Veroffents
lichungen heraus reifen, die zu einem AbschluB des Problems gefuhrt
oder eine verme rte strukturchemische Vorstellung pharmazeutisch
wichtiger Alkaloide erbracht haben. Der Begriff Alkaloide ist nicht
scharf umrissen. Die chemisch einfach gebauten Basen der Orgas
nismen werden zumeist unter dem Namen biogene Amine aus dem
groRen Verband der Alkaloide herausgenommen. Da aber die
biogenen Amine in manchen Fallen den Alkaloiden in ihrem
chemischen Bau nahe verwandt sind und deshalb als Ausgangsstoffe
fur die Synthesen von einfacheren Alkaloiden herangezogen werden,
mochte ich ein paar wesentliche neuere Forschungsergebnisse auch
dieser Korperklasse wiedergeben.
K o g 1 *O) konnte die Konstitution des Muscarins, des giftigen
Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 268, 499 (1930).
Pharmac. Weekbl. 68, 762 (1931); Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch.
Pharmaz. Ges. 269, 609 (1931).
18) G. K 1 e i n , Handb. d. Pflanzenanalyse W/l,
S. 626.
)'1
Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 269, 506 (1931).
' 0 ) LIEBIGSAnn. 489, 156 (1931).
a
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
119
Bestandteils des Fliegenpilzes, so weit klaren, da8 nur noch zwei
Formeln (I und 11) in Betracht kommen konnen, von denen I den
I
11
CHa-CHrCH-CH-CHO
CHS-CH2-CH-CH-CHO
bH
I
1
dH
N-OH
('C H 3 h
N-OIi
'(CH,),
I11
CH,-CH,-CHOH--CHOH-
COOH
Vorzug verdient, da sie die groBe Alkalibestandigkeit des Muscarins
besser erklart. Die Arbeit darf als ein Meisterwerk der Experis
mentierkunst gewertet werden. In miihevoller Kleinarbeit wurde aus
etwa 1200 kg Fliegenpilz etwa 5 g noch unreine, aber schon stark
wirksame Substanz gewonnen, deren Isolierung nur durch standige
Kontrolle der Anreicherungsverfahren mit pharmakologischen Test.
versuchen moglich war. Uber das Reineckat konnte K o g 1 aus diesen
5 g dann 0,5 g einer chemisch einheitlichen, auflerordentlich wirk5
samen Verbindun erhalten. Die Konstitutionsaufklarung dieser Base
erbrachte der Ho mannsche Abbau, der eine Saure I11 entstehen lie8.
Die Struktur dieser Saure konnte durch Synthese sichergestellt werr
den. Muscarin besitzt ein hohes pharmakologisches Interesse. Es
bewirkt schon in kleinsten Mengen systolischen Herzstillstand. Die
Giftwirkung kann durch ebenso kleine Mengen Atropin wieder aufr
gehoben werden. Es besteht demnach ein vollkommener Ants
agonismus. Eine ahnliche pharmakologische Wirkung wie Muscarin
zeigt auch das Azetylcholin. dessen Vorkommen in Viscum album
M u 11 e r'Oa) wahrscheinlich machen konnte.
Auf dem Gebiet der natiirlichen Arylathylamine, Verbindungen,
die den Ubergang von biogenen Aminen zu den Alkaloiden vors
stellen, liegen verbesserte und neuartige Synthesen von K i n d 1 e r ")
vor. Der Aufbau der primaren Amine, z. B. des Thyramins und des.
Mezcalins wird in der Hauptsache auf zwei Wegen nach folgendem
Schema vorgenommen:
I. Ar. CHO + Ar. CH(O0C. CH,). CN Ar. CHI. CH,.NH,
11. Ar . CHO + Ar . CH; . CH; .CONH,
P
>
Besonders interessant ist die Synthese der sekundaren und terr
tiaren Amine dieser Korperklasse. K i n d 1 e r hydriert die entg
sprechenden Zyanide unter leichzeitiger Anwesenheit von primaren
oder sekundiiren Aminen.
ie Umsetzung, deren Reaktionsmechag
nismus von K i n d 1 e r geklart wird, erfolgt nach den angefuhrten
summarischen Gleichungen.
I. Ar. CH,. CN NH,. CHI 4H 3 Ar. CH,. CHI. NH. CH, NH,
11. Ar .CH, . CN NH(CH& 4H 3 Ar .CH, .CH, .N(CH,), NHS
'oa) Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 270, 449 (1932).
31) Ebenda 269, 70 und 581 (1931); 270, 340, 353 und 410 (1932); 271,
439 (1933).
%
++
++
++
120
H. W. B e r s c h
Durch dieses Verfahren konnten die naturlichen Basen Hordenin.
Oxyhordenin und Epinin mit guten Ausbeuten erhalten werden.
Ferner benutzt K i n d 1 e r diese Methoden, um die fur die Synthese des
Hydrastins und Kotarnins benotigten Arylathylamine darzustellen.
Eine Reihe von biogenen Aminen und Alkaloiden weist das
Mutterkorn auf. Von den biogenen Aminen sind besonders die
wirksamen Basen Thyramin, Histamin und Azetylcholin zu nennen.
Die Gesamtwirkung der Secale hangt aber wesentlich von dem Vors
handensein der physiologisch wirksamen Alkaloide ab. Bis jetzt
konnten 5 Alkaloide isoliert werden, das stark wirksame Ergotamin,
die wirksamen Ergotaminin und Ergotoxin und die weniger oder gar
nicht wirksamen Ergotinin und Pseudoergotinin. Nach T i m m i s
scheint Pseudoergotinin ein Isomeres des Ergotoxins zu sein. Die
Konstitutionsermittlungen sind bis jetzt bei den 5 Basen noch nicht
allzuwcit vorgeschritten, was bei ihrer Unbestandigkeit nicht vers
wunderlich ist. Wesentliche Erfolge konnten nur in der Auffindung
von Beziehungen der einzelnen Basen untereinander erzielt werden.
Schon vor liingerer Zeit konnte durch Arbeiten von K r a f t ,B a r g e r
und S t 0 1 1 gezeigt werden, daD sich Ergotamin und Ergotaminin
gegenseitig ineinander umlagern lassen. Die gleiche umkehrbare
Umwandlung ist auch bei dem Paar Ergotoxin und Ergotinin vora
handen. Das von T i m m i s *,) neuentdeckte Pseudoergotinin konnte
dieser in Ergotoxin verwandeln. Diesem Forscher gelang auch die
Isolierung eines basischen Spaltstuckes Ergin, das den 4 Hauptr
alkaloiden gemeinsam ist. Die groBe chemische Verwandtschaft der
Mutterkornalkaloide untereinander wird weiterhin durch Versuche
von S o 1 t y s '") bestatigt. Dieser konnte feststellen. daO die von
B a r g e r beobachteten Loslichkeitsunterschiede der 4 Basen Laugen
gegenuber nicht vorhanden sind. Alle 4 Basen konnen in Natrons
lauge gelost und durch Kohlensaure aus dieser Losung unverandert
abgeschieden werden. Ferner schlieBt S o 1 t y s aus der leichten
Abspaltbarkeit von Ammoniak auf das Vorhandensein einer Nitrill
oder Saureamidgruppe. - Zahlreiche Arbeiten befassen sich mit der
Wertbestimmung des Mutterkorns und seiner Praparate. Von Inters
esse durfte eine Publikation von S m i t h und T i m m i s 9 sein, die
bei einer systematischen Untersuchung der verschiedenen Mutters
kornsorten Ergotamin und Ergotaminin. also die wirksamsten Secales
alkaloide, nur im Mutterkorn einer neuseelandischen Festucaart aufo
finden konnten, wahrend auf Roggen gewachsenes Mutterkorn aus
Spanien, RuBland, Ungarn usw. diese Stoffe in nachweisbarer Menge
nicht enthielt. Diese Tatsachen sind auch schon friiher beobachtet,
aber bis jetzt noch nicht an so umfangreichem Material klargestellt
worden. Fur die Wertbestimmung kommen chemische und biolos
gische Methoden in Betracht, die sich um den Vorrang streiten.
Beide ergeben im allgemeinen brauchbare Ubereinstimmung. Die
chemischen Verfahren bestimmen den Gesamtgehalt der Alkaloide.
Die biologischen Methoden haben den Vorteil, daB sie zwischen
**) Journ. chem. SOC.London 1931, S. 1888; 1932, S. 763 und 1532.
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 65, 553 (1932).
Journ. chem. SOC.London 1930, S. 1390.
]:
121
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
wirksamen und unwirksamen Alkaloiden unterscheiden. Da abet.
wie erwahnt, die unwirksamen Alkaloide sich in wirksame zuriicki
verwandeln konnen, scheint auch die biologische Methode allein nicht
ausschlaggebend zu sein. Diese prinzipiellen Bedenken erschweren
eine Beurteilung der einzelnen Bestimmungsmethoden aul3erordents
lich, so dai3 ich auf ihre Wiedergabe verzichten mochte.
Einen schonen Uberblick iiber die Ephedraalkaloide bringt
E m d e '3, der auch die pharmakologische Seite eingehend beriicki
sichtigt. ,Von Interesse auf diesem Gebiet sind ferner zwei Arbeiten
von W o I f e s 'O).
Dieser konnte im Catstrauch (Catha edulis), der
bei den Eingeborenen des Orients als GenuBmittel verwandt wird,
dcNorsisoephedrin (I) isolieren, dessen Konstitution durch eine friihere
Synthese von N a g a i und K a n a o feststeht.
I
(PH-yH-cHs
OH NHf
Weiterhin wurde von W o 1 f e s in europaischer Ephedra a u k
lsEphedrin noch IrNorsEphedrin und 1sNrMethylephedrin aufges
funden.
Von P r e o b r a s h e n s k i ") ist eine Synthese des Isopilocarpins
durchgefuhrt worden. Als Ausgangskorper dient Homoisopilopsiiurec
chlorid (I), das mit Diazomethan in Chlormethylhomoisopilopylketon
(11) ubergefiihrt wurde. Dieses wurde durch Phthalimidkalium und
anschliehnde Verseifung in das Aminometh lketon (111) verwandelt,
das nach der bekannten Glyoxalinringschlu methode durch Kaliums
rhodanid zu dem Mercaptoisopilocarpidin (IV) umgebildet wird.
Dieses wird durch Oxydation mit Eisenchlorid in Isopilocarpidin (V)
ubergefiihrt.
I1
I
il
C+CH-CH--CHZ-COCl
CH-CHe-CO
&H&I
I11
Iv
CH-CHz-CO
CH-CHz-C-------NH
I
V
'6)
{:
I
VI
Arch. Pharmaz. u. Bet. Dtech. Pharmaz. Ges. 268, 83 (1930).
Ebenda 268, 81 und 327 (1930).
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 66, 1187 und 1536 (1933).
Archiv und Berichle 19%
0
H. W. B e r s c h
122
Eine Methylierung am Stickstoff ergibt schlieDlich Isopilos
caTpin (VI). Auf demselben Wege wurde auch das Pilocarpin, das
ein Stereoisomeres des Isopilocarpins ist, dargestellt. Da diese
Synthese uber Pilocarpidin, dem noch nicht am Stickstoff methy.
lierten Pilocarpin, als Zwischenprodukt verlauft, sind die Hauptr
alkaloide der Jaborandiblatter, Pilocarpin, Pilocarpidin und Isopilos
carpin der Synthese zuganglich geworden.
Auf dem Gebiet der Chinaalkaloide ist durch die von R a b e 9
und Mitarbeitern durchgefuhrte Totalsynthese des Hydrochinins und
Hydrochinidins ein neues Arbeitsfeld geschaffen worden. Zu dieser
Synthese dienten als Ausgangskorper Chininsaureathylester (11) und
NsBenzoylhomocincholoipon (I), die ihrerseits aus einfacheren Vers
bindungen aufgebaut wurden. Durch Esterkondensation vereinigen
sich beide zu dem PKetosaureester (111), dessen Verseifung das
Hydrochinotoxin (IV) ergibt. Dieses kann durch Bromierung (V)
und anschliefiende Bromwasserstoffabspaltung in das Hydrochininon
(VI) ubergefuhrt werden, das durch Reduktion seiner Ketogruppe in
I.
11.
/CH,-CHp
N
k!/V\
H6C-HCfJCHz
CH
k00C2H5
0 .CH3
H ~ C ~ C H ~
N
I
I
I
H&-N
I
HbC2OOC
I
CH - A0
I
I
V.
N
CO-CBH5COOGH,
I
-NBr
CHz-CO
VII.
HbCp. HC-CH-CH2
1
1
({Hz’,
H2 -N--CH--CH*OH
’8)
VJO.
I
Bet. Dtsch. Chem. Ges. 64, 2487 (1931).
CHS
123
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
Hydrochinin und H drochinidin (VII) verwandelt werden kann. Eine
systematische Durc forschung durfte die stereochemischen Probleme
der Chininbasenag) und die Zusammenhange der einzelnen Nebens
alkaloide aufklaren. Es ist zu wiinschen, daB durch den Aufbau der
optisch verschiedenen Hydrochinine und hoffentlich bald auch
Chinine neue pharmazeutisch wertvolle Produkte isoliert werden
konnen.
Mit der Suche nach Nebenalkaloiden des Tabaks beschaftigt
sich E h r e n s t e i n ”). Es gelingt ihm. das von P i c t e t als einheit
lichen Korper diagnostizierte Nikotein in zwei jetzt reine Basen zu
zerlegen, deren Konstitution er aufklaren konnte. Die eine Komz
ponente ist Norsnikotin (I), d. h. eine Base, die sich vom Nikotin (11)
nur durch das Fehlen einer Methylgruppe am Stickstoff unterscheidet.
Die Jodmethylate von Nikotin und Normikotin sind identisch. Die
zweite isolierte Base, die den Namen Nikotimin erhalt. hat die
Formel (111). Sie konnte einerseits durch Dehydrierung in das be.
kannte W ,DsDipyridyl (IV),andererseits durch Oxydation in Nikotins
K
I
I1
IV
111
saure ubergefuhrt werden. Interessant ist, daf3 das Nikotimin nicht
nur im Tabak, sondern auch in einer Chenopodiacee (Anabasis
aphylla) vorkommt. 0 r e c h o w
konnte aus dieser Pflanze
Nikotimin, von ihm Anabasin genannt, und als zweites Alkaloid
Lupinin isolieren, das bis jetzt nur in Papillionazeen aufgefunden
worden ist.
Die Konstitutionsformel des Lupinins (I) ist von K a r r e r s2)
aufgestellt worden. W i n t e r f e 1 d
ist es gelungen, das Nor.
lupinan (11) auf eindeutigen Wegen darzustellen. In allerletzter Zeit
hat dieser Forscher auch die Synthese des Lupinans (111) durchgefuhrt,
so daB sowohl das Ringskelett als auch die Haftstelle der Seitenkette
I.
GM.
CHzOH
I
n.
111.
CH3
I
R a b e , LIEBIGSAnn. 492, 242; 4%, 151 (1932); Ber, Dtsch. Chem.
120 (1933).
Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 269, 627 (1931).
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 64, 266 (1931).
Helv. chim. Acta 11, 1062 (1928); 13, 1073 (1928 und 1930).
LIEBIGSAnn. 499, 109 (1932); Ber. Dtsch. Chem. Ges. 66, 1751 (1933).
8.
124
H. W. B e r s c h
durch Synthese erhartet werden konnte. Damit darf die Konstitution
des Lupinins als vollkommen gesichert gelten.
AuBer dem Lupinin kommen in Lupinus luteus und anderen
Lupinenarten noch Spartein, Lupanin und Oxylupanin vor. Auch
diese durften bald in ihrer Konstitution aufgeklart sein, da die Be.
arbeitung anderer Leguminosenalkaloide recht interessante Be.
ziehungen aufgedeckt hat. S p a t h 9 und Mitarbeiter haben in
scharfsinnigen Arbeiten die Erforschung des Cytisins, des Haupts
alkaloids von Laburnum vulgare durchgefiihrt und konnten eine
recht gesicherte Formel (I) aufstellen. Nun konnte I n g 56) zeigen,
da8 das Ana yrin ein Alkaloid von Anagyris foetida. eine nahe
Verwandtscha t zu Cytisin, aufweist. Nach den Versuchsergebnissen
dieses Forschers kommen fur Anagyrin nur noch 2 Formeln (I1 u. 111)
in Frage, von denen I n g aus verschiedenen Griinden (11) fur wahrr
scheinlicher halt. Besonders interessant ist es, dal3 durch Reduktion
von Anagyrin Lupanin und bei vollkommener Hydrierung Spartein
erhalten werden kann. Damit sind mit der Beweisfuhrung fiir An.
f
CH
L
11.
HQyI 7I
H C 5 C - F - CH--CH2
(/H2
-CjH.CH,
CHZ-CH-CH
H,C()CH-CH-CH,
I
H,C-CH-CH
\d9
He
i
C H ~
agyrin auch die Konstitutionsformeln fur Lupanin (IV) und Spartein (V) festgelegt. Vermutlich werden sich jetzt auch die noch
unbekannten Leguminosenalkaloide Sarothamnin, Retamin, Matrin,
'I'hermopsin und Sophoramin aufklaren lassen.
'4)
s6)
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 65, 1526 (1932); 66, 1338 (1933).
Journ. chem. SOC. London 1933, 504.
Neuere Untersuchungen auf dem Gehiet der Alkaloide
125
Obwohl sich zahlreiche Arbeitcn, insbesondere von L e u c h s ,
R o b i n s o n und W i e 1a n d mit der Aufklarung der Strychnoss
alkaloide befassen, ist eine endgultige Formel noch nicht aufzustellen.
Als Arbeitshypothesen sind von R o b i n s o n 36) und L e u c h s 9
neue unter sich ahnliche Strukturbilder entworfen worden, von denen
ich die Formulierung von L e u c h s (I) hier bringen mochte.
err
Eine Teilbestatigung dieser Formel konnte von W i e 1 a n d
bracht werden, der in einer klaren Arbeit die Verknupfung des
Laktamrings mit dem oxydischen Ring nachweisen konnte. Das
zweite un efiihr in gleicher Menge in Semen Strychni vorkommende
Alkaloid rucin unterscheidet sich bekanntlich vom Strychnin nur
durch den Mehrgehalt zweier Methoxylgrup en, die an den mit 1
und 2 bezeichneten Kohlenstoffatomen der !! trychninformel haften.
AuBer Strychnin und Brucin, die den weitaus gronten Teil der AL
kaloide der Strychnossamen ausmachen, konnte W a r n a t
drei
weitere Basen isolieren, von denen zwei aIs Monomethoxystrychnine
erkannt werden konnten. Der Sitz der Methoxygruppe ist bei dern
einen am CrAtom I, bei dem andern an 2. Ferner konnte von
W i e 1 a n dag) noch eine weitere Base gefunden werden, die er
Vomicin nannte und deren Konstitutionszusammenhange zum Strychc
nin weitgehend von ihm aufgeklart wurden.
W a h r e d bei den Strychnosalkaloiden die chemische Strukturc
forschung noch vie1 Arbeit zu leisten haben wird, darf man die
Konstitution der Morphiumalkaloide als gesichert betrachten. Eine
klare Zusammenstellung der Beweisfuhrung der Morphinformel ist
von B o h m ,O) in der Standeszeitung Deutscher Apotheker erschienen.
Dort sind auch samtliche wichtigen Veredelungsprodukte in ihrem
konstitutionellen Zusammenhang zu den naturlichen Morphinalke
loiden besprochen. - Ich gebe hier die von R o b i n s o n 4 ' ) durch
theoretische Uberlegungen aufgestellte und von S c h o p f 4a) experir
mentell belegte Morphins (I) und Thebainformel (11) wieder. Zu
diesen zwei Haupttypen kommt noch das Sinomenin (III) hinzu.
B
Journ. chem. SOC.London 1932, 780.
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 65, 1230 (1932).
38) Helv. chim. Acta 14, 997 (1931).
LIEBIGS Ann. 506, 60 (1933).
so) Ebenda 469. 193 (1929);
.
, . 491,- 107, 117, 129, 133 u. 149 (1931); 507, 69
und 82 (1933).
40) Apoth.sZtg. 48, 844. 861 U. 875 (1933).
Journ. chem. SOC. London 1926, 903 u. 908.
LIEBIGSAnn. 452, 211 (1927).
36)
87)
H. W. B e r s c h
126
das zwar nicht im Opium, soadern nur in Mennispermazeenarten
vorkommt, seiner Konstitution nach aber zu den Morphinalkaloiden
gezahlt werden mu8. Die Beziehungen des Sinomenins zum Thebain
werden klar, wenn man die Formel eines Umwandlungsproduktes
des Thebains, das Thebainon (IV). betrachtet. Danach ist das
Sinomenin ein 7~Methoxydhebainon. Obgleich diese Formeln
HO/\
!/ I
I-
gesichert sind, sind noch in der letzten Zeit strukturaufklarende
Arbeiten uber Umwandlungsprodukte dcr Morphinalkaloide ers
schienen, was nicht verwunderlich ist, da die Wanderung des An.
griffspunktes des stickstoffhaltigen Ringes an Ring 3, die Sprengung
der Sauerstoffbriicke, die Verschiebung der Doppelbindung im Ring 3
und anderes mehr zu einer Unzahl von Morphins und Thebsins
abkommlingen fuhrt. Auf diese Arbeiten kann ich. wenn sie auch
von Bedeutung sind, wegen Raummangels nicht eingehen. Dahins
gegen mochte ich auf einige synthetische Versuche hinweisen.
Eine Teilsynthese liegt von S ~ h o p f ' ~vor.
)
Das Dihydro.
thebainon (V), ein Abkommling des Thebains, laBt sich durch Bros
mierung in einen Dibromkorper uberfuhren, der sich bei einer an5
schlieBenden Hydrierung unter zweimaliger Bromwasserstoffabspal:
tung in Dihydrokodeinon (VI verwandeln lal3t. Die katalytische
Hydrierung bewirkt also hier ie Synthese der Sauerstoffringbriicke,
was uberraschend ist, da haufig dieselbe Reaktion bei den Morphin:
alkaloiden eine Spren ung des Sauerstoffrings herbeifuhrt. Die Ein:
fuhrun der Sauersto fringbrucke hat auch K o n d o " ) auf anderem
Wege ewerkstelligen konnen. Wenn auch die Hoffnung einer Totals
synthese bei dem komplizierten Bau des Molekuls vorlaufig gering
u) LIEBIGSAnn. 483, 157 (1930).
d
%
B
a) Ber. Dtsch. Chem Ges. 65, 1214 (1932).
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
127
erscheint, so sind doch Versuche in dieser Richtung yon S c h o p f ")
und R o b i n s o n ") unternommen worden. Bis jetzt fiihrten allers
dings die Experimente nicht zu dem ewiinschten Ergebnis.
Von anderen Phenanthrenisochinofinringalkaloiden ist das Boldin
in seiner Konstitution erkannt worden. Durch die Untersuchungen
von W a r n a t '9 waren das Ringsystem und auch die Haftstellen der
Seitenketten festgelegt, da er die Diphenolbase Boldin durch Me.
thylierung in das bekannte Glaucin uberfuhren konnte. Dahingegen
war noch nicht bewiesen, wie die Verteilung der beiden Methoxyr
ruppen und der beiden Phenol ruppen an den vier Haftstellen war.
p a t h m ) konnte nach dem thylieren das Boldin zu einem Dis
methoxydiathoxyphenanthren(11) abbaven, dessen Synthese er durchr
fuhrte. Damit muD dem Boldin Formel (I) zukommen.
k!
!
ist~ derselbe
Beweis durch die Syntheae
Von S ~ h l i t t l e r ~
)
des Diatho boldins erbracht worden.
Die Ha tstelle der freien Phenolgruppe ist ferner im Lauros
tetanin, das in verschiedenen Laurazeen vorkommt, festgelegt worden.
Dieses war schon friiheP) durch erschopfende Methylierung ia
Glaucinjodmethylat ubergefuhrt worden, enthiilt also die Seitenketten
an derselben Stelle wie das Boldin. In neuerer Zeit konnte
7
I.
4')
LIEBIGBAnn. 497, 47 und 59 (1932).
Journ. chem. Soc. London 1931, 3163; 1932, 785 u. 789; 1933, 280.
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 58, 2768 (1925); 59, 85 (1926).
a) Ebenda 66, 904 (1933
{:
CHY
.
Ebenda 66, 988 (19331
S a t h . ebenda 61, b
5 (1928); B a r g e r , Journ. chem. SOC. Lonr
don 1928,
8. 2919.
128
H. W. B e r s c h
B a r g e r "I) das Xthyllaurotetanin in ein Trimethoxyathosyvinylc
phenanthren (11) verwandeln, dessen Synthese diesem Forscher ge:
lang. Damit ist die Konstitution des Laurotetanins (I) restlos geklart.
Eine ahnliche Beweisfiihrung erbringt auch S p a t h 9, der neben
Laurotetanin das Vorkommen von NsMethyllaurotetanin in der
Pflanze feststellen konnte.
Durch G a d a m e r Is),der die Corydalisalkaloide eingehend
untersucht hat, wstren fur Corytuberin, Corydin und Isocorydin das
Ringsystem und die Haftstellen der Seitenketten erwiesen worden.
Jetzt konnte S p a t h "') durch Oxydationsergebnisse und durch
Uberfuhrung des Bulbokapninmethylathers in Corydin die Verteic
lung der Substituenten festlegen, so da8 sich fur Corytuberin (I),
Corydin (11) und Isocorydin (111) folgende Formeln ergeben:
11.
I.
111
N.CH3
H3C.0
N * CH,
Aus Corydalis semper virens und Adlumia fungosa konnte
M a n sk e
auRer anderen Corydalisalkaloiden zwei neue, niimlich
Bicucullin (I) und Aldumin (11) isolieren. Die IConstitutionsformeln
fur beide konnten durch Abbaureaktionen, wie sie bei Hydrastin
durchgefuhrt worden sind, bewiesen werden.
\/\
I.
1
CH-0
I
11.
I
c; H
I
CH
Ein gesicherte Konstitutia sformel haben die in Chelidonium
maius vorkommenden Alkaloide erhalten. AuDer Protopin und
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 66, 450 (1933).
Ebenda 66, 584 und 1344 (1933).
m) Arch. Pharmaz. 249, 641 und 669 (1911).
64)
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 64, 2038 (1931).
5 5 ) Chern. Ztrbl. 1933, I. 2698; 1933, 11, 551.
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
129
Allokryptopin, die schon fruher von G a d a m e r , P e r k i n und
D a n c k w o r t t aufgeklart worden waren, finden sich in der Haupts
sache noch vier weitere Basen im Schollkraut vor: Chelidonin. Homos
chelidonin, Sanguinarin und Chelerythrin. Die beiden letzten sind
quartare Basen und lassen sich nach G a d a m e r ,) aus den beiden
erstgenannten tertiiiren Basen durch Dehydrierung darstellen, und
zwar so, da8 aus Chelidonin, Sanguinarin und aus Homochelidonin
Chelerythrin gebildet wird. Chelidonin und Homochelidonin unters
scheiden sich nach G a d a m e r nur durch den Ersatz einer Dioxv.
methylengruppe im Chelidonin durch zwei Methoxygruppen im
Homochelidonin. Die Resultate des Hofmannschen und besonders
die des Emdeschen Abbaus lieBen v. B r u c h h a u s e n") zur Auf.
stellung einer neuen Chelidoninformel (I) kornmen, die durch
Synthese einer Abbausaure gesichert werden konnte. In dieser
Arbeit werden auch einleuchtende biogenetische Betrachtungen uber
den Zusammenhang der Isochinolinalkaloide Protopin und Chelidonin
angestellt. Mit der Konstitutionsaufklarung des Chelidonins ist auch
die Formel des Sanguinarins (11) festgelegt.
I
QL
H
CH2
HO>'L
I
0,
HzC
LO
11.
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/&D:+H~
H,$-y\//yy;
CH2
H>
cw>:>cH2
H3C.O \/\
[ v C CH:,
: 8
H3C.O
& p H E
H 8 y & p / N *CH3
\OH
Ferner sind die Bilder fur Homochelidonin (111) und Chelerys
thrin (IV) auDerordentlich wahrscheinlich gemacht. Einen endguls
tigen Beweis fur die Forrneln der beiden letztgenannten Basen konnte
Sp a t h
erbringen durch Oxydationsergebnisse des Chelewthrins
und durch Uberfiihrung von Dihydrosanguinarin und Dihydrochelery.
thrin in dieselbe Verbindung. AuDerdem wurde von diesem Forscher
die Synthese des Ringskeletts durchgefuhrt und damit ein weiterer
Releg fur die Formeln der Chelidoniumalkaloide geliefert.
Eine eingehende Durchforschung haben in den letzten Jahren die
Alkaloide mit Diphenylathergruppen erfahren. In dieser Reihe
5 9
57)
68)
Arch. Pharmaz. 257, 298 (1919); 262, 249 (1924).
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 63, 2520 (1930).
Ebenda 64, 370. 1123, 2034 (1931).
130
H. W. B e r s c h
konnte das Oxyacanthin und Berbamin, zwei Alkaloi,de, die neben
Berberin in Berberis vulgaris vorkommen, in ihrer Konstitution fast
ganz erkannt werden. Die Bearbeitung des Problems wurde von
S p a t h 9 und von v. B r u c h h a u s e n 60) gleichzeitig in Angriff
genomrnen. Beide konnten bei der Oxydation der Methylather:
methinbase des Oxyacanthins eine Saure der Formel I11 gewinnen.
Obwohl bei der Oxydation noch keine faRbaren Produkte des sticks
stoffhaltigen Anteils isoliert waren, konnten beide Forscher eine
Formel aufstellen, die der unten wiedergegebenen im Prinzip gleicht.
Durch zwei weitere Arbeiten von v. B r u c h h a u s e n
konnte
dieser die jetzt noch moglichen zwei Formeln fur das Oxyacanthin
69)
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 62, 2251 (1929).
Arch. Pharmaz. u. Ber. Dtsch. Pharmaz. Ges. 267, 617 (1929).
Ebenda 269, 115 (1931); LIEBIGS Ann. 507, 144 (1933).
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
131
beweisen. Es gelang ihm, die Methylathermethinbase IV durch
Oxydation mit Ozon in zwei Halften im Sinne der punktierten Linie
zu spalten. Die beiden Spaltkorper, die durch Synthese exakt be:
wiesen sind, lassen sich aber in zwei Richtungen aneinandersetzen,
so dat3 zwei Formeln fiir das Oxyacanthm (I u. 11) moglich sind.
Dieselben Spaltkorper entstehen auch bei der Ozonisation der Me<
thylathermethinbase des Berbamins. Da Berbamin und Oxyacanthin
serschiedene Methylathermethinbasen liefern, mu8, wenn wir die
Annahme machen, da8 Formel I der Ausdruck fur Oxyacanthin ist,
Formel I1 das Berbamin darstellen, allerdings mit der Einschrankung.
daB die Lage der freien Phenolgruppe beim Berbamin noch nicht
untersucht ist. Gleichzeitig ist auch die Konstitution von Tetrandrin.
einer Base, die K o n d o O') in der Mennispermazee (Stephania
tetrandra) isolieren konnte, geklart. Die Methinbase des Tetrandrins
ist namlich identisch mit der Methylathermethinbase des Berbamins.
Demnach ist Tetrandrin ein optisches Isomeres des Methylather:
berbamins. K o n d o "*) hat weiterhin in der Mennispermazee
Cocculus trilobus zwei Alkaloide, Trilobin und Isotrilobin, aufges
funden, die sich voraussichtlich nur dadurch vom Tetrandrin unter:
scheiden, dal3 zwischen den beiden Isochinolinkernen statt einer zwei
Diphenylatherbriicken stehen. Auch das von S a n t o s 04) in einer
Anonazee Phaeanthus ebracteolus nufgefundene Phiianthin gehort
vermutlich zu dieser Gruppe.
Von Wichtigkeit in der Reihe der Diphenylatheralkaloide sind
die Arbeiten von F a I t i s "9. Dieser konnte in seiner letzten Verr
offentlichung fur das von ihm untersuchte Isochondodendrin eine ein:
leuchtende Konstitutionsformel (I) aufstellen. Besonderes Interesse
verdienen die phylogenetischen Erwagungen dieses Forschers. Er
denkt sich die Entstehung der Diphenylather nach folgendem Schema:
Demnach reagiert bei einer Dehydrierung eine Phenolgruppe mit
dem orthostandigen Wasserstoffatom eines zweiten Phenols unter
Bildung eines Diphenylathers. Fur die Biogenese der Diphenylathers
alkaloide kommt als geeignete Muttersubstanz nach F a 1 t i s das von
K o n d o O") isolierte und aufgeklarte Coclaurin in Frage, eine Base
der Formel IT.
02)
a*)
"4)
06)
60)
Chem. Ztrbl. 1928, I. 2407; LIERICEAnn. 497, 90 (1932).
Ebenda 497, 104 (1932).
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 65, 472 (1932).
Ebenda 63, 807 (1930); LIEBIGSAnn. 4W, 69 (1932).
Chem. Ztrbl. 1929, I, 1112.
Neuere Untersuchungen auf dem Gebiet der Alkaloide
132
CHI
11
I
AH
CH2
I
HN&y:H8
CH2 0
HsC*N,
W
I
il
O
\/\/
H
10.CHs
F a 1 t i s lafit nun zwei Molekule Coclaurin, wie obenstehend
skizziert, so zusammentreten, daB jedesmal die Phenolgruppe des
Benzolkerns mit dem HSAtom der Stellung 8 des zweiten Molekiils
unter Dehydrierung einen Diphenylather bilden kann, und SO
resultiert bei nachtraglicher Methylierung am Stickstoff Isochondos
dendrin (I). Es konnen aber auch zwei Molckule Coclaurin nach
demselben Reaktionsmechanismus so verknupft werden, daD die
Konstitutionsbilder von Oxyacanthin, Berbamin und Tetrandrin ents
stehen. AuBerdem konnte F a I t i s durch diese Oberlegung fur das
von K o n d o aufgefundene Dauricin eine Formel aufstellen, die allen
Anforderungen gerecht wird. Vermutlich werden die anderen Pareirw
basen und die Curarealkaloide, von denen das Curin"') mit lrar
Chondodendrin identisch ist, bald Konstitutionsformeln erhalten
konnen, die den Bildern der bekannten Diphenylatheralkaloide
ahneln.
Die Bearbeitung der Alkaloide von Holarrhena antidysenterica
ist in den letzten Jahren von verschiedenen Forschern in Angriff
genommen worden. Die Zahl der vorhandenen Alkaloide scheint
ziemlich umfangreich zu sein, doch macht das Conessin den Haupts
bestandteil der Basen aus. Die antibakterizide Wirkung der Conessins,
die teilweise die des Emetins noch ubertreffen solids), IaRt eine eins
gehende bakteriologische und pharmakologische Untersuchung
wunschenswert erscheinen. Die chemische ForschungeB) konnte bis
jetzt zu keiner abgerundeten Vorstellung kommen.
Ber. Dtsch. Chem. Ges. 61, 1698 (1928). Wahrend der Drucklegung
87)
erschien eine weitere Arbeit von S p a t h , der dem Curin eine dem Isochons
dodendrin ahnliche Formel zu erteilt. Ebenda 67, 55 (1934).
OR)
R. N. C h o p r a und Mitarbeiter, Indian med. Gaz. 62, 132 (1927);
Ber. ges. Physiol. 41, 618 (1927).
R e ) S p a t h . Ber. Dtsch. Chem. Ges. 63, 127 (1930).
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