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Pharmakognostische Untersuchungen Uber Matricaria discoidea DC.

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P. N. S c h u r h o f f und I(. H a r t w i c h
747. P. N. Schiirhoff und K. Hartwich:
Pharmakognostische Untersuchungen uber Matricaria discoidea DC.
Eingegangen am 15. Dezember 1936.
Unsere entwicklungsgeschichtlichen Untersuchungen an Matricaria (discoidea sollten, abgesehen von einer Festlegung auf einen zytologisohen Typus, die Frage klaren, o b vielleicht Apogamie vorliege.
Die schnelle und weite Verbreitung dieser Kamillenart, die, wo sie
einmal Wurzeln geschlagen hat, kaum wieder auszurotten ist, legt eine
solche Vermutung nahe. Mag auch Anspruchslosigkeit an Bodenverhdtnisse und Klima ihren dauernden Bestand auf einmal erobertem
Gebiet sichern, so ist damit noch nicht ihre rasche Ausbreitung im
Gegensatz zu Matricaria chamomilla erkllrt.
Da ider M. discoidea die weif3en Randbluten fehlen, die gerade
die Bliite der M. chamomilla SO ansehnlich mschen und als Schauapparat fur den Insektenbesuch anzusehen sind, andererseits aber die
Pruchte der M. discoidea sich bis zu 100% keimfahig erwiesen, lag
der Verdacht nahe, dai3 im AnschluD an das Fehlen des Schauapparates
und den ldadurch hervorgeruienen Mange1 an Insektenbesuch an
Stelle der normalen Befruchtung A p o g a m i e , also Ausbleiben der
Reduktionsteilung und Entwicklung der diploiden Eizelk, zur Bilidung
des Embryois fiihre, zumal solche Apogamie bei einer groDeren Anzahl
von Kompositen bereits nachgewiesen ist.
Die Untersuchung der beiden Maplonten zeigte kurz folgende
Ergebnisse: Die Pollenentwicklung erfolgte in ganz normaler Weise
mit gleichmaf3ilg Id’urchgefuhrter Reduktionsteilung, die Pollendifferenzierung findet nach dmem Furchungstypus statt, die Teilung der
Antheridiummutterzelle erfolgt bereits im Pollenkorn, das dadurch
schon bei der Bestaubung dreikernig ist. Die Tapetenzellen sind einbis achtkernig und bilden ein echtes Periplasmodium von kurzer
Lebensdauer aus. Die Entwicklung des Embryosackes erfolgt nach
dem Normaltypus.
Das Auffinden der Haploidzahl im einkernigen Embryosack
spricht von vornherein gegen eine somatische Apogamie. Der Embryosack ist eindeutig sporischen Ursprungs. Der definitive Embryosack
zeigt eine straf fe Fixierung und Spezialisierung der Embryosackelemente. Wir haben einen Pollenschlauch bis zur Synergide herab
verfolgen konnen. Das Endosperm entwickelt sich auis dem befruchteten, triploiden Endospermkern. Der aus der Eizelle hervorgehende
Embryo ist absolut keimfahig. Ausfalle oder StGrungen in der Mikrosporogenese, abgesprengte Chromosomen oder Zwergpollen, die im
Zusammenhang mit einer ungeschlechtlichen Entwicklung stehen
konnten, sind nicht beobaclhtet worden.
Die entwicklungsmafiigen Vlerhaltnisse liegen somit ahnlich denen
von M. chamomilla, die zum Vergleich mit in die Untersuchung hineinbezogen wurden. Ein gewisser Untersohied zwischen den beiden
Kamillen scheint nur im Rhythmw der Entwicklung zu Iiegen und
Matricaria discoidea
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in der Tatsache, da8 bei M. chamomilla haufiger sterile Samenanlagen
vorkommen als bei M. discoidea.
,,Das Neuzeitliche Krauterbuch" von Kroeber (1934) berichtet von Matricaria dicoidea D. C., die sich an Ackern, Schutt, Wegrandern m d an wusten
Platzen in fast ganz Europa eingeburgert hat, wobei sie sandigen Boden bevorzugt. Sie gehort heute zu den verbreitetsten ,,Unkrautpflanzen, in Norddeutschland noch vor 80 Jahren, in Siiddeutschland vor 50 Jahren lediglich
in vereinzelten Exemplaren beobachtet". In den alten Krauterbiichern findet
sich keinerlei Hinweis azlf die strahlenlose Kamille. Dr. W u I t h , Braunschweig (1934)1), freiIich erblickt bereits im ,,Chamaemelum luteum" des
Tabernaemontanus (1664) Matricaria discoidea. Daselbst heiI3t es in der
5. Gruppe des XIII. Kapitels, das ,,Von der Chamillen und ihren Geschlechten"
handelt: ,,aber die Blume seynd allein geele / runde / erhabene Knopfflein /
haben keine Blattlein herumbwachsen wie die andern." Dieser Text und die
dazugehorende Abbildung beziehen sich W u r t h s Meinung nach auf Matricaria discoidea. Diese Ansicht ist irrig. Wie wir auf Grund eingehender
Quellenstudien nachweisen konnten, ist Chamaemelum luteum des Tabernaemontanus gleichzusetzen mit Cotula aurea L. = Anacyclus aureus L.
Nach A s c h e r s o n (Flora des norddeutschen Flachlandes) ist Matricaria discoidea ein Fliichtling aus den Heilpflanzenbestanden des Botanischen
Gartens Berlin-Schoneberg, der 1852 in den StraDen Schonebergs und schnell
daruber hineus weite Verbreitung fand.
E. W a 1 t e r 2 ) weist a h erster auf das Interesse hin, das die Pflanze von
pharmazeutischer Seite verdient. An Hand nur weniger Exemplare, die ihm
zur Verfiigung stehen, gibt er eine knappe Charakteristik uber den Habitus
der Pflanze, und glaubt, uberzeugt sein zu durfen, daD man sie vorteilhaft
fur die Destillation des Kamillenols verwenden konnte. Niemals jedoch verspricht er sich eine Verwendungsmoglichkeit innerhalb der Apotheken, ,,weil
die weisen Strahlbliiten fehlen und die Droge deshalb zu unansehnlich ware".
Dieser Meinung widerspricht A. K o n i g 9, der nicht einsehen kann, ,,warum
sich die diurch ihr vorzugliches Aroma auszeichnende Blute nur deswegen
nicht als Spezies in die materia medica einfuhren kann, weil ihr die Strahlenbluten fehlen und sie deswegen etwa unansehnlicher erscheint." Prof. L a k o w i t z , Danzigg), bezeichnet Matricaria discoidea als empfehlenswerten Neuling fur das deutsche Arzneibuch VII. Er weist darauf hin, daf3 deutsche
Soldaten, die jahrelang in Sibirien in russischer Gefangenschaft leiden mufiten,
behaupten, dai3 gerade diese strahlenlose Kamille ihnen bei schweren Kolikanfallen das Leben gerettet habe. Tatsachlich ist sie in Sibirien a1s Heilmittel
vie1 mehr geschatzt als die echte Kamille. Fur eine arzneiliche Verwendung
spricht sich auch K. F e i s t 6 ) auf Grund von vergleichenden Daten der 01bestimmungen aus, auf die weiter unten noch eingegangen werden soll.
h Matricaria discoidea sehen wir ein einjahriges, etwa 25 bis
30 cm hohes Kraut vor un6, das sich aus einer dunnen, senkrecht
wachsenden Wurzel entwickelt. In Erdhlihe geht die Hauptwurzei
in einen einzigen oder auch von unten an doldentraubig verzweigten
Stengel iiber, Ndcer aufrecht, fast stielrunld bis kantig gestreift ist. Er
ist kaum befasert und behaart und tragt zerstreut sitzende, stark zer1) W ii r t h , Die Bedeutung der Kamille in der Medizin und im Volksglauben. Pharmaz. Ber. 1934, 5.
2) E. W a 1 t e I , J. Pharmac. Chim., S. 225 (1910).
3) K o n i g , Suddtsoh. Apoth.-Ztg. 1910, 562.
4) L a k o w i t z , Matricaria discoidea, 'die strahlenlose ICamille. Apoth.Ztg. Nr. 16 (1932).
5) K. F e i s t , Matricaria discoidea DC., Apoth.-Ztg. 1934, 72.
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schlitzte Blatter, die unten dreifach - in der Mitte zweifach - oben
einfach fiederteilig - mit linealfeinstachebpitzigen Endlappen versehen sind.
Die Blutenkorbchen stehen endstandig, aufrecht an Haupt- und
Nebenachsen. Kleine, einzelne Blattchen stehen dicht unterhalb der
Infloreszenzen und lassen sie kurz gestielt erscheinen. Das endstandige Aggregat der Hauptachse und jeder Hauptverzweigung bliiht
zuerst auf. Die Einzelblutchen dagegen entwickeln sich von aui3en
nach innen in basipetaler Reihenfolge, so da8 man an der Spitze meist
noch Blutenknospen findet. Der gemeinschaftliche Blutenboden ist
im jungen Stadium gewolbt und von losem, weitmaschigen Markgewebe erfullt; bei der Reifung streckt er sich, das Gewebe
zerreiflt, und er nimmt eine kegelformige Gestalt an. Die
Einzelbliitchen fallen - besonders beim Trocknen oder bei leichtem
Gegenstreifen - ab. Der Boden erscheint dann nackt, ohne Spreublattchen, feingrubig und nur 'umsaumt von einem Hiillkelch. Die
Blattchen dieses Hiillkelches sind Ianglich stumpf, grun, am Rande
und an lder Spitze jedoch trockenhautig weifilich. Sie liegen dachziegelformig gedeckt meist in drei Reihen ubereinander. Sie sind
etwa 6 bis 7 mm lang, ganzrandig und deutlich von einem dunkel
gefarbten Fibrovasalstrang in der Langsrichtung durchzogen.
Matricaria discoidea besitzt nur zwittrige gelbe Scheibenbliiten.
Ihre Corolla ist rohrig, strahlig und etwa 2 mm lang. Der untere
Teil ist bauchig, so daO sie in der Mitte wie durch eine Einschmiirung
verjungt erscheint. Besoniders am Grunde ist sie mit kleinen Uldrusen besetzt. Der glockenformige Saum wird von vier zuruckgebogenen Zipfeln gebildet. Die fiinf vorhandenen Staubgefai3e sind
im Grunde der Glocke epipetal ibefestigt. Die Staubfaden sind der
Lange nach mit der Blutenrohre verwachsen. Die zweifacherigen
Staubbeutel sind zu einer Rohre zusammengefaflt; durch (die nach
unten gezogenen Facber erscheinen sie am Gjrunde keilformig. A n
der Spitze sind die Konnektive durch eine dreieckige, stumpfe
Schuppe verlangert. Die Staubbeutel springen nach innen der Lange
nach auf. Der Fruchtknoten ist unterstandig, einfacherig mit einer einzigen anatropen Samenanlage. Der fadenformige Griffel ragt rnit
seinen beiden gekriimmten, stumpfen Narbenschenkeln ein wenig
uber die Blumenkrone hinaus. Am Grunde besitzt er einen honigabsondernden Wulst und durchzieht, gleichsam einen Fegeapparat bildenld, die Antherenrohre. Die fast rundlichen Pollenkorner sind rnit
spitzstachliger, von drei Keimporen unterbrochener Exine versehen,
durch die mehr oder minder weit die Intine hindurchgestulpt ist. Die
Frucht ist langlich, im Querschnitt fast rund; sie ist leicht einwarts
gekrummt, oben schief gestutzt und an der Basis stumpf zulaufend.
Gekront wird sie von einem Scheibchen, ist auDen kahl, feuchtschleimig und leicht langsgerieft. Wie bei allen Kompositen ist diese
Frucht alls eine Achane zu bezeichnen.
Die Bliitenkopfchen werden von einem gefurchten Stiel, der ohne
Absatz allmahlich in di'e verbreiterte Infloreszenzbasis ubergeht, getragen. Die Epidermiszellen der Biutenstide besitzen an ihrer inneren Partie kollenchymatische, U-formige Wandverdickungen. Neben
Matricaria discoidea
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zahlreichen Spaltoffnungen finden wir nur sparlich lange Haare auf
der Epidermis. Diese Deckhaare sind einzelreihige Trichome, die
aus mehreren kurzen Basalzellen und ceiner langen Endzelle bestehen. Diese gejstreckte Endzelle besitzt ein engas Lumen und lauft
stumpf aus.
Die GefaBbiindel innerhalb der Bliitenstide stehen untereinander
durch verholzte Zellen in Verbindung. Gegen das Rind'enparenchym
werden sie durch die schwach verkorkte, atherisches 01 enthaltende
Endodermie abgegrenzt. Die parenchymatischen Markzellen sterben
im Entwicklungsverlaufe ab, so daB die Infloreszenzstengel hohl
werden. Aus den Blutenstielen treten 10 GefaDbundel in den Blutenboden ein. Dort verteilen sie sich zu einem anastomosierenden Netz
feiner Biindel. Die zu den unteren Bliitchen verlaufenlden SpiralgefaBe sind kleiner, die zu den oberen groBer und von zarten schizogenen Sekretgangen begleitet.
Die den Bliitenboden umhullenden Kelchblatter haben eine runidliche Spitze, beinahe parabellihnlich gestaltet, mit einem hellen,
dunnen Rand, 3der dadurch zustande kommt, 'daB das Blatt gegen den
Rand hin zweischichtig, aui3ien lsogar nur einschichtig wird. In der
Flachenansicht verlaufen idie LuReren Zellen facherformig-strahlig
gegen den Rand hin. Dime Epidermiszellen sind schwach wellig gebogen und zeigen unterseits wenige Spaltoffnungen. Die Hullkelchblatter werden von einem zentral gelegenen GefaBbundel durchzogen,
das sich aus mehreren, zahlenmai3ig nicht fixierten, leicht verholzten
SpiralgefaBen zusammensetzt. Begleitet wind Idas GefaBbund~elvon
einem olfuhrenden, schizogenen Sekretgang.
'Die zahlreichen Scheibenbliitchen besitzen eine vierzipflige Corolla, deren gelbe Chromatophoren (Plastiden) der Blute die charakteristische gelbe Farbe verleihen. Die Oberflache der Blumenblattrohre ist besoniders am unteren Teil mit Oldrusen bedeckt, die den
fur K,ompositen typischen Bau aufweisen. Die Epidermiszellen sind
oberseits wellig verzahnt. In der Flachenansicht hebt sich deutlich
eine hellere Fartei am Rande von der durch eine verdoppelte Chromatophorenschicht starker getonten Zentralpartie ab, die im Zuge des
Fibrovasalstranges liegt. Im Mesophyll verlaufen vier zarte, a m
Spirdgefaaen bestehende Nerven. In den kleinen parenchymatischen
Zellen lassen sich stark lichtbrechende Oxalatdrusen erkennen.
Bei Matricaria discoidea offnen sich (die Antherenfacher bereits
in der Knospe, um die rundlich-ovalen Pollenkomer zu entlassen. Die
spitzstachlige Exine lder Pollen wird von drei Keimporen unterbrochen, durch die mehr oder minlder weit die Intine hindurchtritt.
Unterhalb der Exine liegt e h e im Querschnitt deutlich sichtbare
Stabchenschicht.
'Am Fruchtknoten sieht man bei 20facher VergroBerung unter
dem Prapariermikroskop an der konvex gekriimmten Seite dunkler
gefarbte, gelbliche Erhebungen sich hinziehen. Im allgemeinen ziihlt
man 4 bis 5 solcher Rippen. In Talchen zwischen den Rippen sitzen
sekrethaltige Drusenhaare, )die in Form unld Gestalt den oben b e
schriebenen Oldrusen entsprechen. Die ubrige Epidermis hat schwach
verbogene Membranen. In den parenchymatischen Zellen der Frucht-
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P. N. S c h u r h o f f und K. H a r t w i c h
knotenwandung liegen Oxalat,drusen. Am Grunde wird lder Fruchtknoten von einem einseitigen King umgeben, #denT s c h i r c h im entsprechenden Falle bei Matricaria Chamomilla als ,,Trennungsleista"
bazeichnet hat. Der Fruchtknotenwandung liegt immer der endospermf reie Same direkt an. Die beiden Ianglichen, plankonvexen
Keimblatter fiillen das Fruchtgehause ganz aus. Die kurz gehaltene
Radicula ist nach unten gerichtet.
Die Droge la& sich nur schwer pulvern, weil die spitzen Bliitenboden stark verholzt sind. Das Drogenpulver von Matricaria discoildea
ist gelblioh-griin. An charakteristischen Merkmalen beobachtet man
spitzstachlige Pollen, die PuBerst zahlreich in jedem mikroskopischen
Praparat vertreten sind, ferner groi3ere oder kleinere Fetzen der
Blumenkrone, des Blutenbodens, Bruchstucke der Anthere, der Fruchtknotenwandlung, der Bliitenstiele und Oltropfchen von intensiv gelblicher Farbung. Oxalatdrusen findet man selten. Fur eine pharmakognostische Pulveranalyse siad bemerkenswert: Die kleinzelligen
Teile der Fruchtknotenwand mit ihren schmalen Reihen der
leiterformigen Schleimzellen und den typischen Kompositendriisenschuppen; die verhodzten SpiralgefaBe aller Bliitenteile, die meist
noch von Sekretgangen begleitet sind, und das eblenfalls verholzte,
zartwandige, farblose Parenchym sder Staubfaden.
Als Unterscheidungsmerkmale gegen ldas sehr ahnlich erscheinende Bild bei ider echten Kamille moge das Fehlen der zahlreichen
Fetzen der weifin - bei Matricaria Chamomilla vorhandenen Randbliiten und die starkere Verholzung der Bliitenbodent'eile dienen.
Unterschieden sinld auch die Pollenkorner. Wahrend sie bei Matricaria discoidea spitzstachlig, fast eckig und oberseits nur gering
punktiert erscheinen, besitzen die Pollenkorner von Matricaria Chamomilla eine groBere Anzahl weniger hervorstechendler Spitzen und
eine mehr abgerundete aufiere Form.
G e w i n n u n g d e r Droge.
D m Beschaffen einer geniigenden Drogenmenge von Matricaria discoidea
ist sehr zeitraubend gewesen, obgleich die Pflanze in ausreichendem Mal3e
in und um den Botanischen Garten zu Berlin-Dahlem gedeiht. Zunachst
wurden an Ort und Stelle die Bliitenkopfchen abgeschnitten und gesammelt.
Sehr bald hat sich aber ein Abschneiden der ganzen Pflanze kurz uber dem
Erdboden als praktisch erwiesen; erst daheim wvrden dann die Kopfchm
kurzgwtielt abgetrennt. Um eine saubere Droge zu erhalten, sol1 noch einma1 handverlesen und die dicht vnter dem Hiillkelch sitzenden Blattchen
entfernt werden. Diese an den Infloreszenzachsen relativ hoch angeordneten
Laubblattchen sowie der ganze, gedrangt astige Wuchs erschweren das Sammeln der Kopfchen von Matricaria discoidea gegenuber dem von Matricaria
Chamomilla in betrachtlichem MaBe. Der Mange1 solcher Blattchen und der
getrecktere Wuchs der echten Kamille gestattet ein Abkammen dieser Droge
an Ort und Stelle. Bei grofieren Ernten werden Apparate verwendet, die
sechs Kopfchen auf einmal pflucken. Das Sammeln und Aufarbeiten wahrt
etwa 14 Tage, wenn man sich ungefahr 250 bis 500 g Trockendroge beschaffen
will. Man benotigt dazu beinahe 2% kg Frischdroge. Das bedeutet einen
Feuchtigkeitsgehalt von 80%.
Dss Trocknen ist versuchsweise an der Sonne und auf luftigen, hellen
Bodenriiumen vorgenommen worden. Das letztere Verfahren hat sich als be-
Matricaria discoidea
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deutend geeigneter erwiesen: Das Aussehen der Droge ist heller und ansehnlicher; der Zerfall der Aggregate ist weniger stark und der OlgAalt - wie
wir weiter unten sehen werden - gro8er als bei gleichem Ausgangsmaterid,
das in wenigen Stunden unter dem EinfluD der Sonnenstrahlen getrocknet
wird. Das Aufbewahren der Droge geschieht am besten in BlechgefaBen oder
in mit Blecheinsatzen versehenen Holzkasten, wie sie das Arzneibuch Z. B.
fur Fol. Menth. pip. vorschreibt. Ein allzu haufigas Umschiitten und
ein Transport in Sacken ist tunlichst zu vermeiden, um das leichte Abfallen der Einzelbliiten vom Blutenboden zu vermdden.
Die Droge, die in Anlsehnung an die echte Kamille als ,,F 1o r e s
C h a m o m i l l a e d i s c o i d e a e " zu bezeichnen ware, besitzt eine
griinlichgelbbraune Farbe; ihr Geruch ist kraftig aromatisch, an Apfel
und Lavendel erinnernid, iedoch mit einem leicht muffigen Einschlag.
Das angenehm honigartige Aroma, das guter deutscher Apothekerkamille anhaftet, gcht ihr im Geruch ab. Eine gute Droge sol1 aus
ganzen Bliitenaggregaten bestehen, in denen nur vereinzelt - etwa
5 bis 10% - kahle, spitzige Blutenbiiden enthalten sind. Nach der
angefuhrten und empfohlenen Gewinnungsart und bei sachgemaaer
Aufbewahrung ist dies durchaus moglich. Unaler Vorrat entspricht
noch nach zweijahriger Lagerung dieser Forderung.
Der Unterschied zwischen der an der Sonne getrockneten und
der auf sonnengeschiitzten Hurden bereiteten Droge ist so groi3, da8
dcer wirtschaftliche Vorzug der unter schonenden Bedingungen gewonnenen Ware klar zutage tritt. Die Wertee) fur die Gesamtdroge
von Matricaria discoidea liegen zwischen idenen der besten deutschen
Kamille und der beiden ungarischen Sorten. Die Tatsache, da8 die
Blutenbiiden trotz ihres hoheren spezifischen Gewichtes mehr atherisches U1 enthalten, ist uberraschend, la& aber darauf schliefien, daD
auBer in den Kompositendriisenschuppen isehr vie1 Ul in den schizogenen SekretgLngen abgelagert wird. Der Unterschied bei den
Ilundertzahilen des in iden Einzelbliiten gefundenen Uls und des in
dem Bliitenboden vorhandenen Uls ist weit groBer als bei Matricaria
Chamomilla.
Das durch Destillation gewonnene atherische 01 von Matricaria discoidea sieht dunklbraungriin aus und ist b d unserer gewohnlichm Durchschnittstemperatur yon fester Konsistenz, die von Paraffinkristallen herriihrt.
Der Geruch des Ules ist weniger aromatisch als 'der der echten Kamille, aber
durchaus nicht unangenehm, wie A y e (Frankfurt a. d. 0.) bei Apothekenrevisionen des ofteren au8erte. Die Loslichkeit des Uls in 70 und 90%oigem
Alkohol ist wegen des recht hohen Paraffingehaltes nur beschriinkt. Eine
anniihernd klare Mischung konnte mit absolutem Alkohol erzielt werden.
Die braungriine Farbe des 01s steht in krassem Gegensatz zu dem frisch
destillierten 01 der echten Kamille. das bekanntlich blau aussieht. Dime Blautonung wird durch Azulen bedingt, das der strahlenlosen Kamille augenscheinlich fehlt. Ob die Azulenkomponente aber vollig fehlt, ware unter
chemischen Gesichtlspunkten naher zu prufen, d a es sich beim Azulen um
einen nicht luftbestandigen Korper handelt. Setzt man namlich echtes Kamillenol dem Luftsauerstoff und dem Sonnenlicht aus, so geht die blaue Farbe
verloren und das 01 wird braun. Es ahnelt dann ganz dem atherischen 01
von Matricaria discoidea. Wahrscheinlich wird das Amlen church Sauerstoff
6)
Veql. Dissertation H a r t w i c h , Berlin 1936.
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P. N. S c h u r h o f f und K. H a r t w i c h
oxydiert oder irgendwie anders verandert. An Ahnliches ware auch bei
Matricaria discoidea zu denken, wo bereits friiher Veranderungen eingetreten
sein mogen, bevor das Ul isoliert ist.
Fur die Bestimmung der chemisch-physikalischen Eigenschaften
wurden 5- bis lO%ige Aufguase unld Auszuge verwandt, wobei sich die
Auszuge als reaktionsfahiger erwiesen haben.
Fur die Beurteilung der physikdischen Daten wurden Farbe,
Durchsichtigkeit, Geruch, Geschmack und pH-Wert herangezogen; zu
den meisten Untersuchungen dienten uns neben den allgemeinen
Reagenzien, wie Liq. Ferri sessuichlor., Liq. Plumbi subacet., Plumb.
acet., die Zuckerreagenzien nach F e h 1i n g, N y 1a n d e r, F 1u c k i ng e r, S e 1 i v a n o f f, ferner Phenylhydrazin und Methylphenylhydrazin. Alkaloidreaktionen wurden ausgefuhrt mit M a y e r s Reagens,
Jodlosung, Sikowolf ramsaure, Gerbsaure, Esbach- und Pikrinsaure.
Die angewandten Proben und Reagenzien rufen bei Matricaria discoidea stets geringere Reaktionen hervor als bei Matricaria Chamomilla und mit Ausnahme des atherischen 01s finden sich in beiden
Kamillen wahrscheinlich die gleichen Stoffe, freilich nicht in gleichem
Verhaltnis.
W e h m e r 7) und T s c h i r c h 8 ) geben ein Glykosid als Inhaltsbestandteil der echten Kamille an. In jiingster Zeit hat Ch. B B g u i n 9) biochemische
Untersuchung uber die Art des Glykosides in den Bluten von Matricaria
Chamomilla vorgenommen. Seine Resultate sind sehr interessant, sind aber
in der Darstellung und den Untersuchungen nicht genugend fundiert. Chemitiche Beweise fehlen ganz und auch seine physikalisch-biochemischen Versuche halten einer scharferen Kritik nioht stand.
Wir verdanken dieser Arbeit die Anregung, eigene Untersuchungen
uber den Zuckergehalt in beiden Kamillen - da es uns auf praktische
Vergleiche beider Drogen ankommt - angestellt zu haben. Bei unseren Versuchen hat uns der Gedanke geleitet: wenn tatsachlich
Fruktose vorhaniden ist, so mu8 lsie sich durch chemische Methoden
ebenscrgut nachweisen lassen wie durch biochemisch-physikalische.
Die einschlagigen Nachweise fur Zucker beruhen meist auf Reduktionsverfahren. Diese konnen niemals spezifisch sein, da die angewandten alkalischen Kupferlosungen durch eine grol3e Anzahl von organischen Stoffen, z. B.
Gerbstoffen, ebenfalls veriindert werden. Den - rein chemisch gut brauchbaren - Reagenzien ist deshalb bei Arbdten in pharmakognostischer Hinsicht
scharfste Kritik entgegenzubringen. Hinzu kommt aufierst geringe Konzentration des avfzufindenden Stoffes und die Uberlyerung der Farbreakbion
durch die Eigentonung des Pflanzenauszuges. Ein weiterer Nachteil
der zur Reduktion verwiandten hgenzien liegt darin, daO sie sowohl
auf Glukose wie auf Fruktme ansprechen und nur unter bestimmten Umstanden - genauwter Temperaturgrenze und Zeiteinwirkung, verbunden mit
Kontrollversuchen - eine Trennung maglich ist. Nach N e u b e r g 10) und
G r a f e l l ) ist das sekundare asymmetrische Methylphenylhydrazin ein spezi-
C. W e h m e r . Die Pflanzenstoffe Bd. 2 (1911, 1931).
A. T s c h i r c h , Handbuch ,der Pharmakognosie (1917, 1923).
9) Ch. B e g n i n , Recherches biochimiques sur les glucosides de la fleus
de Chamomille. Pharmaz. Acta Helvetiae 7, 11-12 (1932).
‘ 0 ) C. N e u b e r .g , Hoppe-Se ler’s 2. physiol. Chem. 36, 228 (1902).
11) V. G r a f e , Studien uber &n mikrochemlischen Nachweis verschiedener Zuckerarten in den Pflanzengeweben mittels der Phenylhydrazinprobe. S.-B.
Akad. Wiss. Wim, CXIV, Abt, 1, 15 ~(1905).
7)
8)
Matricaria discoidea
263
fisches Reagens auf Fruktase, das unter bestimmten Bedingungen nur mit
Ketosen, nicht mit Aldasen ein Methylphenylosazon bildet. In kalt behandelten Praparaten entstehen gewohnlich erst nach zwei bis vier Tagen Ausscheidungen von Fruktosemethylphenylosazon in der Form von gelben bis
braunen Garben, Sphariten oder Schollen, die a m heiRem Alkohol umkristallisiert werden konnen. Die Kristallbildung erfolgt schneller bei mehrstundigem Erhitzen auf 400 oder bei bis 10 Min. langem Erhitzen auf dem Wasserbad. Die untere Konzentrationsstufe liegt bei 0.08%. Beim Einhalten dieser
Bedingungen wird Rohrzucker nicht invertiert. Nach 0 f n e r 12) hat sich
,,die Anwendung von asymmetrischem Methylphenylhydnazin zur Erkennung
von Ketosen nicht bewahrt, da damit auch Aldosen reagieren." Dieser Ansicht schlieRt 6ich auch C z a p e k 1s) an und auch die von G r a f e bmutzte
mikrochemische Reaktion mit Methylphenylhydrazin schlie8t seiner Meinung
nach Aldosen nicht aus.
Unsere eigenen Untersuchungen mit Methylphenylhydrazin haben nicht
das Ergebnis gezeitigt, das nach den Ausfiihrungen B 6 g u i n s zu erwarten
war. Die Versuchsanordnung lehnt sich an die Weisungen C. N e u b e r g s
an. Zu etwa 5 ccm des Extrakts fiigt man 10 bis 15 Tropfen Methylphenylhydrazin hinzu und tropfenweise Alkohol bis m r Klarung der Mischung.
Ohne Erhitzen lafit man am besten die Losung vim Tage stehen und priift,
ob sich Kristalle gebildet haben, die der Abbildung bei R o s e n t h a 1e r 14)
entsprechen. Nur in sehr konzentrierten und reichlichen Losungen findet
man vereinzelt Nadelkristalle, die aber in so geringer Menge auftreten, da8 sie
keine Umkristallisation und Schmelzpunktbestimmung gestatten. Ein Erhitzen der Mischung liefert keine anderen Resultate. Offemichtlich ist die
Zuckerkonzentration unter 0.08% (T u n m a n n - R o s e n t h a 1 e r) und deshalb nicht fa8bar.
Nach C z a p e k 1s) ist die am meisten benutzte Probe die Rotfarbung von
Fruktose und ihren Verbindungen beim Erwarmen der Losung mit Resorzin
und Salzsaure (nach Tb. S e 1i v a n o f f 18). N e u b e r g sieht in dieser Probe
ein allgemeines Beweismittel fur die Gegenwart von Ketosen und ihren
Derivaten, wenn auch gewichtige Bedenken entstehen, da8 etwas Fruktase
aus Glukose durch Umlagerung unter dem EinfluB der Saure entstehen kann.
P i e r a e r t s 16) schreibt zur ,,Kritik der Selivanoffschen Probe". da8 immerhin eine Rotfarbung nach kurzem Erhitzen, falls nicht zuviel Salzsaure angewendet und nicht zuviel Glukose anwesend ist, die Gegenwart von Fruktose beweist. R o s e n t h a 1e r verlangt Beriicksichtigung bestimmter Temperaturen und vergleichende Versuche mit Glukose.
Nach unseren Feststellungen ist die S e 1 i v a n o f f sche Probe scharfer
als die Probe nach N e u b e r g mit dem erwahnten Methylphenylhydrazin.
Setzt man zu etwa 5 ccm Drogenextrakt die gleiche Menge eines frisch bereiteten Gemisches aus rauchender Salzsaure und Wasser zu, tragt 0.5 bis
0.8 g Resorzin ein und erhitzt gemeinsam mit einem Glukose haltenden Testobjekt, so tritt nach kurzem Aufkochen in der Kamillenlosung ein Farbuaschlag von gsiinlichgelb nach rotlichgelb ein. Gut abzulesen sind die
Farbtone am Meniskus. Erst geraume Zeit spater erfolgt der Umschlag in
der Vergleichslosung. Die Bildung des Oxymethylfurfurols als rotfiirbende
Komponente erfolgt sowohl mit Ausziigen von Matricaria discoidea als auch
mit solchen von Matpicaria Chamomilla.
12)
1s)
14)
16)
16)
R. 0 f n e r , Hoppe-Seyl'er's 2. physiol. Chem. 45, 359 (1905).
F. C z a p e k , Biochemie der Pflanzen, Bd. 1 (1930).
L. R o s e n t h a 1 e r , Qualitative pharmazeutische Analyse (1922).
Th. S e l i v a n o f f , Ber. Dtsch. Chem. Ges. 20, 181 (1887).
Bull. SOC.a i m . (4) 5, 248 (1909).
264
P. N. S c h i i r h o f f und K. H a r t w i c h
T u n m a n n - R o s e n t h a 1 e r 17) weisen auf eine bereits 1885 von
F 1 ii c k i g e r 1 7 ) vorgeschlagene Methode mit festem Kupfertartrat hin, ,,die
sich sonderbarenveise in botanischen Kreisen keinen Eingang vemchafft hat."
Diese Methode ist seinerzeit fur Untersuchungen von Zuckerarten innerhalb
von Pflanzenteilen benutzt worden. Sie gibt aber auch in Pflanzenausziigen
makroskopisch im Reagenzglas ebenso gute Resultate wie mikroskopisch auf
auf dem Objekttrager. Lost man einige der kleinen Kristalle (oder eine kleine
Menge des Kristallmehls) in Liquor Natrii caustici auf und aetzt die fragliche
Losung im Reagenzglas zu, so scheiden lsich bei Gegenwart von Fruktose bereits ohne Erwarmen gelbbraunrote Zonen von Kupferoxydul an der Wandung ab. Ein bei nachfolgendem gelindem Erwarmen neu entstehender Niederschlag zeigt Glukose an. Ein entsprechender Versuch mit einem Tropfen
Reagens und einem der Untersuchungsflussigkeit auf einem Ob jekttrager zeigt
ebenfalls. sogar deutlicher, den Farbumschlag und nachfolgenden Cu,O-Niederschlag. Diese Probe ist die schiirfste und damit die eindeutigste, die wir im
Verlauf unserer zahlreichen Untersuchungen gefunden haben. Andere sind
entweder zu unempfindlich oder lassen keine scharfe Trennung von Fruktose
und Glukose zu.
Nach den positiven Ergebnissen der Reaktionen von S e 1i v a n o f f u n d F l i i c k i g e r schliefienwiruns der Auffassung B C g u i n s ,
als reduzierender Zucker tritt Fruktose in Kamillenbluten auf, gern an.
Offen bleibt zunachst noch die Frage, ob ,,a prior?' diese Fruktose
elementar in der Pflanze und Droge vorliegt oder in einer Bindung,
die bei der Gewinnung des Auszuges zerstort und bei der unter Urnstanden die eine Komponente durch anderweitige Bindung dem N a c h weis entzogen wird. Deshalb iet es notig, in der frischen Pflanze
oder in der Droge zu untersuchen. Am geeignetsten durfte wiederum
die Probe nach F l u c k i g e r sein, weil bei ihr die Gefahr einer
Spaltung durch Saureeinflufi irn Versuchsgang fortfallt.
Die Proben nimmt man auf einem Objekttrager vor. Man tragt in das
Reaktionsgemisch (Kupfertartrat in 15% NaOH) Einzelbliiten und Blutenbodenteile ein und verfolgt die Reaktion unter dem Mikroskop. Bereits bei
200- bis 3OOfacher VergroBerung sieht man gut lokalisierte Zentren in den
Narbenlappen, StmbgefaBen, Blumenblatterzipfeln und allen Sekretghgen,
die auf das Reagens anspreohen. Die an sich gelb gefarbten Blutenteile ascheinen in der blauen Reagenzlosung grim; dadurch heben sich die rotbraunen Kupferoxydul-Fallungszonen gut sichtbar von dem umliegenden Gewebe ab. Am besten eignen sich zur Untersuchung frilsche Pflanzen. Der
Fruktosebefund ist im frischen und getrockneten Material sowohl bei Matricaria discoidea als auch bei Matricaria Chamomilla positiv. Damit ist bewiesen, d& sich die Fruktose in den Kamillenbliiten in freiem, unverestertem
Zuzand befindet.
Die hier gefuhrten chemischen Untersuchungen uber die Zuckerverhaltnisse in den beiden Matricariaarten haben zu den gleichen Ergebnissen gefiihrt wie [die biochemischen Versuche B e g u i n s an
Matricaria Charnornilla.
C. G. S a n t e s s o n , Stockholm, veroffentlicht 1925 in der Pharmazeutischen Zentralhalle ( S . 829) ,,Vergleichende Versuche uber die Wirkungen
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Matricaria discoidea
265
Die phpsiologischen Versuche beweisen, daS3 zwischen den beiden
Drogen keine bedeutenden Unterschiede hinsichtlich ihrer Wirkungen
bestehen. Kaum erwahnt zu werden braucht, daB die schadlichen Erscheinungen der intravenosen In jektion bei einer Verabreichung per
0 s naturlich fortfallen.
Zusammenfassung und Auswertung.
Eassen wir die Ergebnisse der pharmakognostischen Untersuchung
noch einmal kurz zusammen und vergldchen sie mit den entsprechenden Verhaltni6sen bei Matricaria Chamomilla, so ergeben sich gro8ere
Ubereinstimmungen, als auf Grund des aui3eren Eindrucks angenommen werden kann, Im Habitus unterscheidet sich Matricaria
discoidea durch ilhren gedrungenen Bau und ihre geringere Hohe,
ferner durch ihre starkere Verastelung und Belaubung, die bis an die
Blutenkopfchen heranreicht und diese kurzgestielt erscheinen lafit,
wahrend die BlGtenkopfchlen bei der echten Kamille langgestielt uber
das Laubniveau hinausragen. Den augemscheinlichsten Unterschied
bildet der Ausfall der weii3en Strahlenbliiten, wodurch sich ein ganz
andersartiger Farbenleindruck beilder Kamillen ergibt. Die grunlichgelben Kopfchen von Matricaria discoidea sinld weniger auffallend
als die intensiv gelb-wei8en Bliitenkopfe von Matricaria Chamomilla.
Anatomisch verschieden sind die Blumlenkronen. die bei Matricaria
discoidea vierzipflig sind, wahrend Matricaria Chamomilla fiinfzipflige
Corollen besitzt. Als weitere anatomische Besonderheit ware die
voneinanhder abweichende Anzahl der Gefafibundel (10 statt 8 bei
Matricaria Chamomilla), 'die aus den Bliitenstielen in die verbreiiterte
Basis des Rezeptaculums eintreten, zu nennen.
Mit Ausnahme des atherischen a l e s finden sich in beiden Kamillen
wahrscheinlich die gleichen Bestandteile, frdlich nicht im gleichen
Verhaltnis. Die angewandten Proben und Reagenzien rufen in Matricaria discoidea stets geringere Reaktionen hervor als in Matricaria
Chamomilla, und wo sie etwa ausbleiben (Salizylsaure), durfte hochstwahrscheinlich nur der Konzentrationsgrad nicht ausreichen. Anlders
verhalt es sich beziiglich des atherischen Ules. Das Fehlen der
Azulenkomponente im Destillat bedeutet einen grundsatzlichen Unterschied gegen iiber dem offizinellen Kamillenol.
Der von L a k o w i t z und K. F e i s t vorgeschlagenen Einfuhrung
von Matricaria discoildea als Neuling ins Arzneibuch mochten wir
nur bedingt zustimmen. Mag Matricaria discoidea auch qualitativ als
Ersatz fur Matricaria Chamomilla geeignet sein, so stehen dem Herbeischaffen groD-erer Drogenmengen, die zur Entlastung der Einfuhr
an ungarischer Badekamille notiig waren, unseres Erachtens doch
erhebliche Schwierigkeiten entgegen, die besonders m der Gewinnung
der Droge bestehen. Von einem leichten Einsammeln infolge ihres
massenhaften Auftretens - wie L a k o w i t z schreibt - diirfte keine
Rade Isein. Die kurzgestielten Bliitenkopfchen und die Belaubung bis
an die Aggregate heran verbieten ein Abkammen, wie es beim Einsammeln der echten Ramillendroge gebrauchlich ist. Ein einzelnes
Abzupfen lder Kopfchen an Ort und Stelle ware sehr langwierig, zeitraubend und teuer. Es kame nur ein Abschneiden der ganzen Pflanzen
hrchiv und Berichte 1937
18
266
P. N. S c h u r h o f f und K. H a r t w i c h
kurz uber Idem Boden in Frage, ein zusatzlicher Arbeitsgang, bei
dem auch darauf geachtet werdm miiBte, daB, um ein Garen des
Materials zu verhindern, nur jeweils solche Mengen geschnitten
werden, die unmittelbar weiterverarbeitet werden konnten.
Kleinere Mengen liei3en sich in Deutschland mit Leichtigkeit
allerorts gewinnen. Als krampfstillendes MitteI bei KolikanfaIIen
konnte Matricaria discoidea vielleicht eine beachtliche Bedeutung erlangen. Somit wiirde sie als Neuling im Arzneibuch nicht einen Ersatz fur Matricaria Chamomilla ld,arstellen, sondern ein selbstandiges
Pharmazeutikum bilden.
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748. E. Schulek und L. Szlatinay:
Uber die Bestimmung des Arsens und des gesamten
und des abdestillierbaren (Sulfoxylat-) Schwefels zwecks Kontrolle
der Arsenobenzolpraparate vom Neosalvarsantypus.
(Mitteilung aus der Chem. Abteilung des Konigl. Ung. Staatl. Hygienischen
Institutes.)
Eingegangen am 9. Dezember 1936.
Die bei der Arsenobenzolbehandiung oft beobachteten toxischen
Erscheinungen auf chemischem Wege - d. h. durch chemische Kontrolle der verwendeten Praparate - zu erfassen, ist und bleibt das
Ziel emsiger Forschung.
Anfangs giaubte man, ausschliei3lich in dem Vorhandensein des nicht in
dcr Bindung -As=Asvorliegenden Arsenverhindungenl) als auRerordentlich giftigen Beimengungen die Ursache der Toxizitat gefunden zu
haben. Man versuchte vergebens, diese angeblich primaren Oxydationsprodukte (Phenylarsinoxyde) der Arsenobenzolpraparate auf rein chemischemz), neuerdings auf polarographi<schems) Wege quantitativ zu bestimmen.
Aber auch die Erforschung der kolloidena) Eigenschaften deT genannten
Praparate, durch welche man ihre haufige toxische Wirkung bedingt glaubte,
fuhrte nicht zur Losung der Frage. Die biologische Prufung der Arsenobenzolpraparate konnte nicht durch eine rein chemische ersetzt werden. Beide
Methoden ergiinzen sich gegenseitig und dienen nur zur Charakterisierung der
fraglichen Praparate.
Wir glauben, dai3 die wichtigsten Charakteristika eines zur
Untersuchung gelangenden Praparates seine physikalischen Eigen1) F. d e M y t t e n a e r e , J. pharmac. Belgique 5, 357 bis 359 durch Chem.
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3) R. B r d i E k a , Casopis Ceskoslov. LCkarn. XIII, 51 durch Chem.
Zkbl. I, 2148 (1933).
4) H. F r e u n d l i c h , R. S t e r n und H. Z o c h e r , Biochem. 2. 138,
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