close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

PrUfung des kuflichen schwefelsauren Chinins III.

код для вставкиСкачать
ARCHTV DER PHARMACIE,
.
Y
-
25. Band, 17. Heft.
A. Originalmit theilungen.
Priifung des kauflichen schwefelsauren Chinins 111.
Van Dr. 0. K e r n e r und Dr. A. Weller.
Ueber anderweitig vorgeselilagene Priifungsmethoden.
Im vorigen Abschnitte hatten wir unsere Vorschlage betreffs
der Ammoniakprobe mitgetheilt , es eriibrigt uns nun noch einige
andere, namentlich neuerdings etnpfohlene Methoden naher zu betrachten.
1) Kremels Methode a beriiht bekanntlich anf derselben Grundlage wie die officinelle Ammoniakprobe , d. h. sie verfahrt genau wie
diese zur Herstellung des cinchonidinhaltigen wasserigen Auszugs
und ist in Folge dessen keine organische, - die latent gebundenen
Nebenalkalolde beriicksichtigende Modification. Es liegt iiberdies gar
kein Grund vor, durch etwas Anderes d a s A m m o n i a k z u e r s e t z e n ,
das sehr scharfe und sichere Resultate giebt und jedenfalls der von
K r e m e l verwendeten Kalilauge ziir Bestimmung der in den Auszug
ubergegangenen Alkalo'ide weit iiberlegen ist. Wir gehen darum auf
diese Methode nicht naher ein, sondern brauchen lediglich auf die
Kritiken von V u l p i u s , J u n g f l e i s c h und H e s s e zu verweisen, in welchen die zahlreichen Fehlerquellen klar dargelegt sind.
2) Betherprobe. Die H e s s e ' sche Aetherprobe basirt ebenfalls auf demselben Princip wie die Ammoniakprobe , nur wendet sie
statt des Ammoniaks Aether ziim Nachweise des Cinchonidins an.
Von allen sonstwie in Gebrauch gekommenen Aetherproben diirfte
sie in Bezug auf Ausfiihrung und Einfachheit des Verfahrens immer1) Archiv d. Pharm. 1887. Bd. 25. Heft 16.
2) Pharmaceut. Post. 1886, October.
3) Pharm. Centralhalle. 1886, Nr. 45, p. 553.
4) Journ. de Pharm. et de Chim. [5] T. XV. p. 13.
5) Pharm. Zeit. 1887, Nr. 37.
Arch. d. Pharm.XXV. Bas. 17. Heft.
49
750
c).
Kerner u. A. Weller, Priifung d. kaufl. schwefels. Chinins.
hin noch die beste sein. Ihre Empfindlichkeit fiir latent gebundenes
Cinchonidin kann durch Anwendung von heissem Wasser u. s. w.
erhriht werden, ist jedoch auch dann nicht grrisser, als diejenige
der , wie oben angegeben , modificirten Ammoniakprobe ; und namentlich beim Nachweise kleinerer Cinchonidinmengen ist die Zeitdauer,
welche bis zum Erscheinen der Krystalle verstreicht , eine grijssere
und, je nach der Aetherqualitat, zu sehr wechselnde, als es beim
Anstellen von officinellen Proben opportun erscheint. Der Aether
gestattet ferner den Nachweis der verschiedenen Nebenalkalolde nicht
in g l e i c h e m Maasse, da die Lijslichkeit derselben sehr variirt.
Das a m atherischer Lrisung iiberhaupt nicht krystallisirende Hydrochinin ist mittelst der Aethermethode gar nicht aufzufinden ; ein
damit gemengtes Chininsulfat verhalt sich bei der Priifung genau
wie ein reines Sulfat, der einzige Unterschied besteht darin, dass
das durch Ammoniak abgeschiedene Alkalold sich im Aether beim
Umschiitteln wesentlich langsamer 16st und die Fliissigkeit schwieriger klar w i d , als wenn man es mit reinem Chinin zu thun hat.
Der Hauptgrund aber, warum die Probe sich fiir eine officinelle
Anwendung n i c h t eignet, liegt in der wechselnden Beschaffenheit
des im Handel vorkommenden Aethers, * - der Ausfall der Priifungen Bann hierdurch unter Umefanden ganz illnsorisch gemacht werden.
Beziiglich der Beurtheilung der S c h a f e r 'schen Xodification
der Probe von H e s s e mussen wir auf die jiingste Abhandlung des
Letzteren verweisen.
Fiir die anderen Aetherproben, auf die wir nicht naher eingehen gelten die oben angedeuteten Unzutriiglichkeiten i n n o c h
hijherem Grade.
3) Chromatprobe. Sammtlichen seither besprochenen Methoden dient in erster Linie die Lrislichkeitsdifferenz der neutralen
Sulfate von Chinin und Cinchonidin zur Grundlage, man hat indes-
,
1) Der Eine von uns hat bereits friiher dies hervorgehoben, da officineller Aether zulassig ist, wenn er nicht mehr als 10 Proc. an Wasser abgiebt , und diese Procente im Alkoholgehalte sehr verschieden sein k6nnen
und es thatsachlich auch sitid. Eine Anzahl von sonstigen physikalischen
Grunden und Inconvenicnzen machen ausserdem die Aetherbenutzung fur
eine maassgebende Probe ungeeignet und unzuverlLsig ; es gilt das naturlich fur j e de Methode, welche dieses Reagens beansprucht.
2) Archiv der Pharm. (3) 1886, Bd. 24, p. 846.
3) Pharm. Zeitung, 1887, Nr. 37.
6. Herner u. A. Weller, Priifuug d. kaufl. schwefals. Chinins.
751
sen auch die Lbslichkeitsunt'erschiedeanderer neutralen Salze , namenb
lich der Chromate und Oxalate zu demselben Zwecke herangezogen.
Die bekannte, schon 1862 von A n d r e hervorgehobene Schwerliislichkeit des Chininchromats gegeniiher den chromsauren Salzen
der iibrigen Chinaalkalo'ide wurds im vorigen Jahre von d e V r i j
zur qualitativen und quantitativen Bestimmung vornehmlich von
Cinchonidin empfohlen.
Wir betrachten zunLchst die qualitative Probe, wie sie neuerdings von d e V r i j formulirt worden ist.
Danach ltist man 2 g
Chininsulfat in 80 ccm kochendem Wasser, setzt 10 ccm einer Lbsung von neutralem Kaliiimchrmat (1 : 20) zu, llsst 2 Stunden
bei 2 5 0 C. unter afterem Umriihren stehen, filtrirt, fugt zum Filtrate Natronlauge und erhitzt zum Kochen. War das Sulfat rein,
so SOU die alkalische Flussigkeit auch nach dem Erkalten klar bleiben, bei einem Gehalt von m e h r a19 1 Proc. Cinchonidin SOU entweder schon beim Zusatz des Natrons, oder beim Kochen , oder erst
beim Erkalten eine Ausscheidung oder Triibung eintreten.
Nach unseren Versuchen geht die Empfindlichkeit der Probe
nur bis zu etwa 2 Pruc. Cinchonidin, wie folgende Zusammenstellung beweisen mtige :
1. Normalchinin : nach dem Erkalten sehr geringer Niederschlag,
2. Chin. sulf. mit 2 , l Proc. Cinchonidinsulfat: genau wie 1,
3.
3,2 beim Kochen sehr
schwache Triibung, nach dem Erkalten etwas sGrkerer
Niederschlag,
4. Chin. sulf. mit 7,2 Proc. Cinchonidinsulfat : beim Kochen starke
Triibung und Niederschlag,
5. Chin. sulf. mit 8,7 Proc. Cinchonidinsulfat: wie bei 4,
6.
- 3,5 - Hydrochininsulfat : nach dem Erkalten
sehr geringer Niederschlag.
Die Probe leidet namentlich an dem Uebelstand, dass auch bei
r e i n e m C h i n i n s u l f a t meist, wenn nicht irnmer, e i n g e r i n g e r
N i e d e r s c h l a g beim Erkalten des alkalischen Filtrats entsteht, und
-
- -
-
-
I) Journ. de Pharm. 1862, p. 341.
2) Kinolog. Studien, Nr. 53, 54, 55 und 56.
3) Journ. de Pharm. et de Chim. (5) T. XV, p. 360. - Kinolog. Stud.
Nr. 56.
4) Nach He ss e liegt die En~pfindlichkeitsgrenzebei 0,3 Proc., S ch af e r
nimmt sie wie wir bei 2 Proc. an.
49 *
752
G.Kerner u. A. Weller, Priifung d. kaufl. schwefels. Chinins.
dass die Menge des gefdten AlkaloFds, wenn weniger als 2 - 2,5 Proc.
Cinchonidin im Chininsulfat enthalten ist, n i c h t m e r k b a r b e d e u t e n d e r ist, als bei reinem Chinin. Selbst bei 3,2 Proc. liess sich
der Mehrgehalt erst durch directe Vergleichung mit dem im Filtrate
von reinem schwefelsaurem Chinin entstandenen Niederschlag sicher
constatiren. Kleinere Mengen H y d r o c h i n i n lassen sich nach der
Methode g a r n i c h t n a c h w e i s e n , wir fanden dies wenigstes fur
einen Gehalt von 3,5 Proc. , wahrend H e s s e sogar 8 Proc. als
nicht erkennbar bezeichnet , obgleich das Chromat dieses Alkaloids
weit liislicher ist a19 das Chininchromat.
Genannte Missstinde beruhen darauf, dass die C h r o m a t e d e r b e i d e n Alkalo'ide, iihnlich wie bei den schwefelsauren Salzen der Fall, nur nicht ganz in
dem hohen Grade , d i e T e n d e n z h a b e n , mit dem chromsauren
Chinin z i i s a m m e n z u k r y s t a l l i s i r e n und sich dadurch dem
Nachweis zu entziehen. Die Bedingungen hierfiir sind bei den]
ganzlichen Gelbstsein der Salze in kochendem Wasser vollkommen
erfullt.
Verschiedene bei der Methode einzuhaltende Vorsichtsmaassregeln sind theils von d e V r i j selbst , theils von anderen Forschern hervorgehoben worden, auf deren Arbeiten wir verweisen.
Eine Modification der Probe riihrt von S c h l i c k u m 5 her, sie
lautet in ihrer neuesten , in der Real - Encyclopadie der gesammten
Pharmacie, Bd. 111, p. 61 mitgetheilten Passung, wie folgt: 0,4g
Chininsulfat wird in 12 g siedendem Wasser gelBst, mit 0,12 g zerriebenem gelbem Kaliumchromat versetzt und zum Erkalten bei Seite
gestellt; nach 3 bis 4 Stunden wird die Fliissigkeit von dem &usgeschiedenen Chininchromat abfiltrirt und mit 1- 2 Tropfen Natronlauge oder Ammoniak versetzt, wobei weder Triibung noch Quascheidung von Flocken eintreten darf. Opalescenz oder Triibung
verrath Nebenallialoi'de, und zwar Cinchonidin und Chinidin iiber
1 Proc., Cinchonin iiber 'I2 Proc.
Diese Probe giebt die Menge der zuzusetzenden Natronlauge
genau an und beaitzt darin einen Vortheil vor der d e Vrij'schen,
1) Pharm. Journ. and Transact. (3) 1887. Nr. 869, p. 665.
2) Bei 19O C. lost sich 1 Theil in 658,s Theilen Wasser.
3) a. a. 0.
Pharm. Weekblad v. 25. Oct. 1886.
4) Vulpius, Pharm. Centralhalle 1886, Nr. 45 u. 47; 1887, Nr. 4. H e s s e , Pharm. Journ. and Transact. (3) 1887, p. 685 u. 665.
5) Pharm. Zeitung, 1887, Nr. 3.
-
G. Kerner u. A. Weller, Prufung d. kaufl. schwefels. Chinins.
753
welche dies nnbestimmt lasst und dadurch Unsicherheit veranlassen
kann , da im Ueberschusse von Natronlauge die freien Basen , auch
Chinin, weit schwerer liislich sind, als in schwach alkalischer L6sung. De V r i j bat bereits betont, dass das Kaliumchromat w i r k l i c h n e u t r a l auf Phenolphtaleln reagiren SOU; wir machen darauf
nochmals aufmerksam , da die im Handel vorkommenden Chromate,
namentlich die yon schiinem , hellgelben Aussehen , recht oft stark
alkalische Reaction zeigen. Bei Verwendung eines solchen wurden
die Nebenalkalo’ide, deren chromsaure Salze obnehin grosse Neigung
zur Zersetzung zeigen, in freiem Zustande ausgefat und mit dem
Chininchromat zusammen niedergeschlagen werden.
Die Anwendung der Schlickum’schen Probe auf die schon
oben benutzten Doppelsalze ergab die nachstehenden Resultate :
1. Normalchinin : nach zweistiindigem Stehen Abscheidung kleiner Fkkchen,
2. Chininsulf. mit 2,l Proc. Cinchonidinsulf.: wie 1,
3.
- 3,2 nach ‘I2 Stunde schwache
Triibung , nach 1 Stunde deutiicher Niederschlag,
4. Chininsulf. mit 7,2 Proc. Cinchonidinsulf. : sofort Triibung und
Niederschlag,
5. Chininsulf, mit 8,7 Proc. Cinchonidinsulf.: wie 4,
6.
- 3,5 - Hydrochininsulf.: genau wie 1.
Man kann also auch bei dieser Probe einen Gehalt von 2,0
bis 2,5 Proc. Cinchonidinsulfat als Grenze der Empfindlichkeit annehmen. Zu ahnlichen Bahlen gelangten d e V r i j und V u I p i u s 2 ,
welche den Nachweis von 1 Proc. und selbst VOR 2 Proc. als zweifelhaft bezeichnen; - H e s s e erhielt bei 2,7 Proc. erst nach einer
Stunde einige Krystallabscheidnngen.
Obigen Ausfiih r u n g e n g e m a s s ktinnen w i r e i n e n Vorzug d e r C h r o m a t p r o b e v o r d e r m o d i f i c i r t e n A m m o n i a k p r o b e i n B e z u g auf E m p f i n d l i c h k e i t u n d E i n f a c h h e i t d e r
Ausfuhrung durchaus n i c h t e r k e n n e n u n d d a r u m auch
Beinen Grund f i n d e n , die Letztere etwa d u r c h Erstere
a19 o f f i c i n e l l e P r o b e z u e r s e t z e n . Noch weniger kijnnen wir uns mit der Anwendung des Chromatverfahrens als g u a n t i t a t i v e r M e t h o d e einverstanden erkll1) Kinolog. Btudien, Nr. 56.
2) Pharm. Ccntralhalle, 1887, Nr. 4.
754
G. Kerner u. A. Wcller, Prufung d. klufl. schwefels. Chinins.
Fen. Die Art der Ausfiihrung' setzen wir als bekannt voraus und
erinnern zugleich an die Besprechungen der Methode durch V u l p i u s und H e s s e .
Der Haupteinwand, welchen wir der qualitativen Probe machten, dass namlich fast stets Cinchonidin in wechselnder Menge in
das Chininchromat einkrystallisirt , kommt fur die quantitative Bestimmung natiirlich in weit hijherem Grade in Betracht. D e V r i j
gab die Thatsache von Anfang an fiir grijssere Mengen Cinchonidin
zu, doch glaubte er, dass das Cinchonidin nicht als Chromat in dem
Niederschlage enthalten sein kijnne, da dieses Salz sich iiber 40O C.
zersetze; an einem andern Orte erwahnt er indessen, dass bei
Gtegenwart von Chinin das Cinchonidinchromat mijglicherweise bestlndiger sein kijnne, - und das scheint in der That so zu sein.
Wir haben wiederholt aus vijllig klar lijslichem Chininchromat ganz
betrachtliche Mengen Cinchonidin abgeschieden.
Noch leichter und schon bei ganz geringem Procentsatz krystallisirt das Hydrochinin in das Chininchromat ein.
Einige Beispiele mijgen das Gesagte erlautern:
1) 5 g Chininsulfat, 7,2 Proc. C i n c h o n i d i n s u l f a t enthaltend,
wurden genau nach d e V r ij ' s Vorsclirift in Chromat verwandelt
und dieses nacheinander in das freie Alkalo'id und das Bisulfat ubergefuhrt, aus der Mutterlauge des Letzteren wurcle nach der Neutralisation abermals Chromat dargestellt. Die Mutterlauge d i e s e s
Chromats gab nun nach dem Ausschutteln mit Aether und Verdunsten desselben einen fast vijllig krystallinischen , natiirlich noch etwas
Chinin enthaltenden, aber zum grijssten Theile aus Cinchonidin bestehenden Ruckstand, der 0,090 g wog. Es war also ein ganz betrachtlicher Theil des im Sulfat enthaltenen Cinuhonidins in die erste
Chromatfdung ubergegangen.
2) 5 g eines 3,5 Proc. H y d r o c h i n i n s u l f a t enthaltenden Chininsulfats wurden wie oben behandelt, die aus dem Chromate abgeschiedenen Alkalo'ide mittelst Kaliumpermanganat oxydirt und das
vom gebildeten Mangansuperoxyd getrennte Filtrat mit Aether und
-
1) d e V r i j , Kinolog. Studien, Nr. 53.
2) Pharm. Centralhalle, 1886, Nr. 45 u. 47.
3) Pharm. Journ. and Transact. (3) 1887, Nr. 865, p. 585; Nr. 869, p. 665.
Pharm. Zeitung, 1887, Nr. 37.
4) Kinolog. Studien, Nr. 54.
G . Kerner u. A. Weller, Prufung d. klufl. schwefels. Chinins.
755
Ammoniak ausgeschiittelt. Nach dem Verdampfen des Aethers hinterblieben 0,120 g Hydrochinin, entsprechend 3,15 Proc. Sulfat. Hier
war demnach fast die ganze Menge des vorhandenen Hydrochinins
mit dem Chininchromat zusammen ausgefallen.
Eine weitere Unsicherheit der Methode erwachst aus dem Chiningehalte des aus der Chromatmutterlauge gefiillten Cinchonidins.
D e V r i j ' giebt denselben zu 21,2 Proc., H e s s e e zu 13,6 Proc.
an, das Letztere wurde einer Verbindung von 1 Mol. Chinin mit
7 Mol. Cinchonidin entsprechen ; es diirfte indessen doch fraglich
sein , ob eine Constauz der Zusammenseteung dieses Niederschlags
uberhaupt augenommen werden kann.
Wir machen schliesslich noch darauf aufmerksam , dass nach
clem AusFillen des Cinchonidins durch Natronlauge ein kleiner , aber
doch wagbarer Theil dieses Alkalo'ides (nebst etwas Chinin) in der
alkalischen Fliissigkeit geliist bleibt , wovon man sich durch Busschutteln rnit Aether leicht iiberzeugen kann. Uiese Menge wird
itbhangig sein von dem Quantum Alkali, welches zu dem Filtrate
hinzugesetzt wird ; je starker alkalisch man die Flussigkeit macht,
desto kleiner wird der Fehler sein.
De V r i j bestimmt nach seiner Metiiode nicht allein das Cinchonidin, sondern berechnet auch aus der Menge des erhaltenen
Chromats, wieviel reines Chinin in dem untersuchten Sulfat enthalten ist. Man erhalt indessen hierbei fast stets zu hohe Resultate,
was thcilweise von dem oben erwahnten Einlirystallisiren des Cinchonidins, d a m aber aucli davon herriihrt, dass, wie H e s s e zuerst
gezeigt , das Chininchromat nicht wasserfrei , sondern mit 2 Moleciilen Wasser krystallisirt , welclie es erst nahe seiner Zersetzungstetnperatur vcrliert und an der Luft sehr rasch wieder aufnimmt.
Die aus der nicht rijlligen Uiiliislichkeit des Chininchromats entspringende Correctur fur das in die Vutterlauge ubergehende Chinin
berechnete d e V r i j ursprunglich zu 0,05 Q, splter zu 0,0378 g
fur je 100 ccm der Fliissigkeit, iudessen durfte auch diese Zahl
1) Kinolog. Stud. Nr. 54.
2) Pharm. Journ. and Transact. (3) 1887, Nr. 860, p. 665.
3) Vgl. Vulpius, Pharm. Centralhalle, 1886, Nr. 47.
4) Pharm. Journ. and Transact. (3) 1887, Nr. 865, p. 585.
5) Kinol. Studien, Nr. 53.
6) Kinol. Studien, Nr. 55.
756
G. Kerner u. A. Weller, Priifung d. kiufl. schwefels. Chinins.
nicht immer zutreffen.
Nach unseren Versuchen scheint sie namlich je nach dem verschiedenen Gehalt an Cinchonidin zu wechseln.
Die erwahnten Fehlerquellen der Methode lassen sich nun zum
Theil zwar vermeiden oder deren Einfluss sich berechnen , nichtsdestoweniger durfte das Verfahren der wechselnden , in das Chininchromat einkrystallisirenden Cinchonidinmengen halber sich zur
exacten quantitativen Bestimmung nicht eignen ; - namentlich bei
der Untersuchung des auch Hydrochinin enthaltenden Handelschininsulfats kiinnen genaue Resultate kaum damit erzielt werden.
4) Oxalatmethode. Auf der Thatsache, dass Chininoxalat
fast unliislich , das Cinchonidinsalz liislich ist in einer Aufliisung von
oxalsaurem Eali, beruht die neuerdings von S c h a f e r verijffentlichte Oxalatprobe. Die Verwendung der Oxalsaure zur Trennung
von Chinin und Cinchonidin ist keineswegs neu, sie ist ausser von
P e r r e t , L a n g b e c k , D w a r s u. a. namentlich von S h i m o y a m a 4
einer sehr eingehenden und griindlichen Experimentaluntersuchung
unterzogen worden u n d h a t L e t z t e r e r b e r e i t s auf o b i g e s
P r i n c i p ausdriicklich aufmerksam gemacht.
S c h a f e r will die Methode fur qualitative und quantitative
Zwecke benutzen. Nach seiner zweiten Vorschrift sol1 man bei
der Q U a li t a t i v e n Prufung folgendermaassen verfahren : Man last
2 g des Chininsulfats in einem tarirten Eiilbchen in 60 ccm destil1) V u l p i u s fand 0,015.
2) Dass die Mcthode sich zur quantitativen Bestimmung kleiner Cinchonidinmengen nicht eigne, darauf hat ja de V r i j selbst aufmerksam ge-
macht. (Pharm. Weekblad, v. 25. Dez. 1886).
3) Archiv der Pharm. (3) 1887, Bd. 25, p. 68.
4) drchiv der Pharm. (3) 1885, Bd. 23, p. 209.
5) Nach einer Mittheilung de Vrij’s [Pharm. Weekblad 1687, Nr. 53)
hat D wars die Unloslichkeit des Chininoxalats in oxalsaurcm Alkali zuerst
betont.
6) Pharm. Zeitung, 1887, Nr. 14. - Ganz neuerdings, nachdem unsere
Abhandlung schon druckfertig vorlag, hat Schafer cine a b e r m a l i g e Modification dieser Probe gebracht (Pharm. Ztg. 1887, Nr. 46), wonach 1 g
Chininsulfat cryst. (resp. 0,85 g vollig ausgetrocknctes Sulfat) in 35 ccm
Wesser gelost und 0,3 g i n 5 ccrn Wasser gelost , Kaliumoxalat, hinzugefugt
werden sollen. Die Filtration nimnit er am fruher bereits angedeutetem
Grunde durch Glaswolle , statt durch Papior vor. Besagte Abanderung
kann indess unsere obige Bcurtheilung der Methode in keiner Weise modificiren.
G. Kerner u. A. Weller, Piiifung d. kaufl. schwefels. Chinins.
757
lirtem Wasser in der Kochhitze auf, setzt 0,5 g in 5 ccm gelbstes
neutrales Kdiunioxalat unter Umschiitteln hinzu , ersetzt das verdampfte Wasser, d. h. bringt den Kolbeninhalt auf 67,5 g und lLsst
Stunde lang in einem Wasserbade yon 20° C. unter 6fterem Umschiitteln abkiihlen. Xu 10 ccm des Filtrats ffigt man 1 Tropfen
officineller Natronlauge , wobei eine Triibung entstehen wird , falls
1 Proc. oder mehr Cinchonidinsulfat (oder andere Alkaloidsulfate)
zugegen sind. V u l p i u s bestltigte letzteres und H e s s e a fand,
dass schon bei
Proc. Cinchonidingehalt fast sofort Triibung eintrat. Ton unseren in erheblicher Anzahl angestellten Versuchsreihen
m6ge eine hier Plate finden.
1. Normalchinin
. . . . . . . . : keine Triibung,
2. Chininsulfat mit 1,4 Proc. Cinchonid, sulf.: sehr schwache Trubung,
3.
- 2,l do.
4.
- 2,7 do.
5.
- 3,2 - : schwache Triibung,
6.
- 6,s - :=starke Triibung,
7.
- 8,7 - : sehr starke Triibung,
8.
- 3,5 - Hydrochin. sulf: keine Triibung.
Da schon bei Gegenwart von 1- 11/, Proc. Cinchonidin in dem
Filtrate eine Triibung hervorgenifen wird , so ist die Empfindlichkeit
der Oxalatprobe gegeniiber von 1a t en t g e b u n d e n e m Cinchonidinsulfat etwas griisser, als die der Amrnoniakprolve, die Scharfe der
Letzteren bei m e c h a n i s c h e n Gemischen wird aber nicht erreicht.
Ausserdem kommt es manchmal vor, dass selbst bei 2 Proc. Cinchonidingehalt bei der Oxalatprobe eine Trubung nicht eintritt. Die
U r s a c h e hiervon konnten wir bis jetzt noch nicht mit Sicherheit
nachweisen ; doch hangt die Erscheinung jedenfalls damit zusammen,
dass i m m e r e i n T h e i l d e s C i n c h o n i d i n s i n d a s C h i n i n oxalat, und umgekehrt eine gewisse, aber wechselnde
M e n g e d e s C h i n i n s i n d i e N u t t e r l a u g e i i b e r g e h t . Es
ist demnach leicht moglich, dass man mit einem m e h r Cinchonidin
enthaltendem Chininsulfat unter Urnscanden eine g e r i n g e r e Triibung erhalten kann, als mit einem c i n c h o n i d i n a r r n e r e n , und
erscheint die Probe in Folge dessen mit einer gewissen Unsicherheit
behaftet. Hydrochinin kann durch die Oxalatprobe ebensowenig wie
.
,
1) Pharm. Centralhalle , 1887, Nr. 4.
2 ) Pharm. Zeitung, 1887, Nr. 37.
758
G. Kerner u. A. Weller, Priifung d. kaufl. schwefels. Chinins.
durch die Chromatprobe (wenigstens nicht in kleineren Mengen)
nachgewiesen werden , weil dieses Alkaloid noch leichter als das
Cinchonidin mit dem Chininoxalat zusammenkrystallisirt. 1
Auf die Eigenschaft des Cinchonidinsulfats, resp. Oxalats liisend
auf das Chininoxalat zii wirken, wodurch in der Mutterlauge gewisse
Mengen von Chinin zuriickgehalten werden, hat H e s s e in seiner
Besprechnng dieser Methode aufmerksam gemacht ; er fand ebenfalls,
dass die Menge Cinchonidin, welche in das Oxalat iibergeht, lediglich von Zufalligkeiten bedingt ist, so dass die Starke der Triibung,
resp. des Niederschlags, nicht ohne Weiteres einen Schluss auf die
Xenge des vorhandenen Cinchonidins zu ziehen gestattet.
Dass die Oxalat-, wie die Chromatprobe, nicht auf einen bel i e b i g z u n o r m i r e n d e n Cinchonidingehalt des Chininsulfats eingestcllt werden kann, sondern stets nur d a r a u f Antwort giebt, ob
ein gewisser , sehr geringer Gehalt an Cinchonidin in einem fraglichen
Praparat i i b e r s c h r i t t e n ist oder niclit, - darauf haben wir bei
Besprechung der modificirten Ammoniakprobe sclion hingewiesen.
Ein anderer Nachtheil der Methode, welcher sie fiir a l l g e m e i n e , o f f i c i n e l l e Zwecke immerhin b e d e n k l i c h Gachen diirfte,
liegt darin, dass das verwendete Reagens ein G i f t ist, und das
Chininsulfat bei Ausfiihrung der Probe in ein nicht direct wieder
benutabares Sala ubergefiihrt wird. Wenn auch bei der anerkannten
Gewissenhaftigkeit unserer Apotheker eine r e g e 1m a s s,ig e Ge
f a h r nicht EU fiirchten ist, so wird Chinin doch durch so viele,
verschieden qualificirte Personen in den Handel gebracht , dass eine
zufallige oder absichtliche Vermengung mit dem Chininvorrathe durchails nieht ausgeschlossen erscheint. (Beim Chromat schiitzt wenigstens die Farbe gegen eine solche.) Man kijnnte einwenden, dass
die geringe Menge Oxalsiiure, welche in Form von Chininoxalat in
den K6rper gelangen kann , keine Vergiftungserscheinungen h w o r rufen wiirde, indessen diirfte die, auch bei kleinen Quantitiiten
immerhin stattfindende Nebenwirkung i n k e i n e m F a l l e erwunscht
sein; und darum sollte eine Priifungsweise, bei welcher nur entfernt eine Miiglichkeit dieser Art angenommen werden kann, von
einer officinellen Anwendung miiglichst ausgeschlossen bleiben.
,
-
1) 1 Theil Hydrochininoxalat lost sich bei 19" C. in 6M,6 Theilen Wasser; die Loslichkeit ist also auch hier, wie bei dem Chromat, wesentlich
grosser als die des entsprechenden Chininsalzes.
G. Kerner u. A. Weller, Priifung d. liaufl. schwefels. Chinins.
759
Alle derartigen Bedenken fallen bei der Ammoniakprobe und
den auf ihrem Princip beruhenden Methoden natiirlich vollstiindig
weg, da man hier das angewandte, auf dem Filter bleibende Sulfat
nur einfach zu trocknen braucht, um es ohne Weiteres wieder verwenden zu kijnnen.
W i r kijnnen n a c h G e s a g t e m a n c h d e r O x a l a t p r o b e k e i n e r l e i Vorziige z u e r k e n n e n , w e l c h e e s w u n s c h e n s w e r t h
m a c h e n wiirden, s i e fiir o f f i c i n e l l e Z w e c k e d e r Ammon i a h p r o b e z u s u b s t i t u i r e n.
Ganz u n g e e i g n e t ist die Oxalatmethode zur q u a n t i t a t i v e n
Bestimmung des Cinchonidins. Wir fiigen gleich hinzu , daas es
unserer Ansicht nach uberhaupt nicht mijglich sein diirfte , die beiden Alkaloide Chinin und Cinchonidin mit Hiilfe i r g e n d e i n e s
n e u t r a l e n Salzes scharf von einander zu scheiden, da die Neigung
Doppelsalze zu bilden bei a 11e n neutralen Salzen in stiirkerem oder
schwacherem Grade zu Tage tritt.
S c h l f e r verflhrt ganz Ihnlich,' wie bei der qualitativen Priifung, nur wendet er 5 g Sulfat an und nimmt die Verdiinnung stirker, falls der Gehalt an Cinchonidin mehr als 4 Proc. betragt. Das
Gewicht des aus einem aliquoten Theile der Mutterlauge mittelst
Natronlauge abgeschiedenen Cinchonidins wird errnittelt und eine
Correctur dam addirt, welche fur je 100 ccm Filtrat 0,040 g betragen soll, und welche nach S c h a f e r die Menge des in der alkalischen Fliissigkeit gelijst bleibenden und des in das Chininoxalat
einkrystallisirenden Cinchonidins reprasentirt. Ob dabei auch Rucksicht auf den stets vorhandenen Chiningehalt des gefallten Cinchonidins genommen ist, giebt S c h l f e r nicht a n , wie er iiberhaupt bis
jetzt nicht fiir nijthig hielt, Details uber die Ermittelung der Correctur mitzutheilen. Mag dem indessen sein, wie ihm welle, die
Hijhe dieser Correctur gegeniiber der Quantitat des. wirklich zur
Wagung geIangenden Niederschlags illustrirt geniigend den Werth
der Methode. Es ist kaum begreiflich, wie man ein Verfahren
empfehlen und Beleganalysen dazu mittheilen kann , b e i w e 1c h e n
d i e C o r r e c t u r n i e m a l s w e n i g e r a l s 40 P r o c . , a b e r ijfters
100 P r o c . , j a s e l b s t 300 P r o c . ( ! ) d e s d i r e c t e r m i t t e l t e n
G e w i c h t s b e t r a g t ! Dass solche Ungeheuerlichkeiten auf den
1) Archiv der Pharm. (3) 1887, Bd. 25, p. 68.
760
G. Kerner u. A. Weller, Priifung d. kaufl. schwefels. Chinins.
Namen einer a n a 1y t i s c h e n M e t h o d e keinen Anspruch erheben
kijnnen , liegt auf der Hand !
Beilaufig bemerken wir noch , dass S c h ii f e r aiif die Anwesenheit von Hydrochinin im Chininsulfat des Handels keine Riicksicht
genoinmen hat , was natiirlich weiterhin dam beitragen muss, die
- bei etwaigen Untersuchungen letzteren Salzes - nach seinem
Verfahren gewonnenen Resultate als irrig erscheinen zu lassen.
H e s s e hat sich sogar der Miihe unterzogen, einige Bestimmnngen nach dieser ,,Methode " aiiszufuhren und erhielt begeiflichermeise vijllig ungeniigende Ergebnisse. W i r haben uns darauf beschrankt , zu constatiren , dass Cinchonidin und noch mehr Hydrochinin stets in das Chininoxalat einkrystallisirt, iind zwar ergab sich,
dass dies in noch hijherem Grade als bei dem Chromat statthat, und
dass selbst bei einem geringen Gehalt an den beiden Alkalo'iden ein
betriichtlicher Theil derselben in die Chininoxalatkrystalle ubergeht.
Der Nachweis dieser Thatsachen geschah in der oben beim Besprechen der Chromatprobe ausfiihrlich angegebenen Weise.
S c h a f e r hat genannte Uebelstkde wohl selbst empfunden und
daher einen weiteren Untersuchungsgang empfohlen, welchen er die
,,Tetrasulfatmethode" nennt und mittelst welcher er auf bekannte
Weise aus dem stark chininhaltigen , bei der Oxalatprobe resultirenden Niederschlag reines Cinchonidin gewinnt. eanz neuerdings
hat er weitere Mittheilungen dariiber in Aussicht gestellt.
Wir bemerken liier nur, dass die Methode zwar gestattet, das
Cinchonidin in fast chemisch reiner Form abzuscheiden , dass sie
dagegen fiir quantitative Bestimmungen nicht ausreichen diirfte , da
in der von dem auskrystallisirten Tetrasulfat abfiltrirten Mutterlauge immer noch nicht unbedeutende Quantititen von Cinchonidin
geltist bteiben. Eine Anpassung der Methode fur officinelle Priifungszwecke ist natiirlich schon ihrer grossen Umstandlichkeit halber nicht
miiglich.
5 ) Bisulfatmethode. Richtig im Princip ist die Bisulfatmethode, da das Chinin in Form von Bisulfat vom Cinchonidin viillig
getrennt und mit Leichtigkeit ganz rein erhalten werden kann,
1) Pharm. Zeitung, 1887, Nr. 37.
2) Pharm. Zeitung, 1887, Nr. 14.
3) Pharm. Zeitung, 1887, Nr. 46.
G;. Kemer u. A. Weller, Prcifung d. kaufl. schwefels. Cbinins.
761
ebenso wie umgekehrt das vierfach schwefelsaure Salz des Cinchonidins das einfachste und bequemste Mittel ist, um sich chemisch
reines Cinchonidin zu verschaffen. Auch frei von Hydrochinin kiinnen die genannten beiden Alkalo'ide auf diesem,Wege leicht erhalten
werden.
Die Thatsache, dass das Cinchonidinbisulfat sehr leicht lcslich
ist, benutzte d e V r i j schon vor langerer Zeit, um im Handelschininsulfat Cinchonidin nachzuweisen und quantitativ zii bestimmen.l Man verf'khrt nach ihm SO,^ dass man 5 g des Sulfats
mittelst 12 ccm Normalschwefelsiiure unter Erwiirmen in das Bisulfat
verwandelt, die bis zur Krystallhaut eingedsmpfte Lijsung unter Umriihren der Krystallisation iiberllsst , das verdampfte Wasser ersetzt
und auf einem kleinen Filter filtrirt. Filtrat und Waschwasser,
welche nicht mehr als 1 2 ccm betragen diirfen, werden zusammen
mit 12 ccm Aether von 0,728 spec. Clew. und etwas Natronlauge sitsgeschiittelt und 12 Stunden stehen gelassen. Wenn dss Chinin rein
war, diirfen sich hierbei keine Krystalle von Cinchonidin ausscheiden. Zum Zweckc der quantitativen Bestimmung werden etwa erschienene Krystalle unter Beobachtung gewisser Vorsichtsmaassregeln
gesammelt und ,gewogen.
Sc h L f e r hat auch eine Modification d i e s e r Probe vorgeschlagen,
indem er im Anfang wie d e V r i j verfihrt, die Nutterlauge des
Bisulfats jedoch unter Zusatz von 3 ccm Salmiskgeist zweimal mit
j e 20 ccm Aether von 0,728 spcc. Gew. schiittelt iind den gesamniten abgehobenen Aet,her in einem passenden Glas auf 8 - 10 ccm
abdampft. War das Chinin annniihernd rein, so sollen sich in der
1) Als analgtische Methode von grijsserer Empfindlichkeit, als die oben
beschriebene, iibrigens schon seit vielen Jahren i n Amerika bekannt. Dr.
Weightman theilte uns seiner Zeit sein Verfahren mit, das darin besteht,
dass man ein grosseres Quantum des zu nntersuchenden Praparats in mohrere
gleiche Theile theilt und die Mutterlauge des aus der ersten Portion dargestellten Bisulfats, nnter Zusatz der weiter nothigen Menge Schwefelsaure,
zur Auflosung der zweiten Portion Chininsulfat benutzt u. s. w., wodurch
eine bedeutende Anreicherung an Cinchonidin erzielt und dieses dadurch,
selbst wenn es in ganz kleinen Mengen vorhanden ist, schliesslich in wagbarer Form erhalten wird.
2) Moniteur du praticien. 1886, Juillet, p. 157. Archiv der Pharm. (3)
1886, Bd. 24, p. 762.
3) Archiv der Pharm. (3) 1886, Bd. 24, p. 847.
762
cf. Eerner u. A. Weller, Priifung
d. kliufl. schwefels. Chinins.
atherischen Liisung im Verlauf eines Tages keine Erystalle abscheiden.
So gute Dienste nun die Bisulfat-Methode fir fabrikatorische
Zwecke leistet, so eignet sie sich doch nicht fur den Nachweis des
Cinchonidins im Handelschininsulfat , noch weniger fur eine officin e l l e Probe.
Es wird namlich keineswegs alles Cinchonidin aus der atherischen
Lijsung in Erystallen ausgeschieden, sondern es bleibt ein recht
erheblicher Theil auch bei Ilingerem Stehen darin geliist, da die
Gegenwart von Chinin die Liislichkeit des Cinchonidins, das rnit
ersterem eine oder mehrere Verbindungen eingehen kann sehr bedeutend vermehrt. Besonders tritt dies bei Gegenwart von wenig
Cinchonidin neben vie1 Chinin hervor. Diese Methode leidet weit mehr
an dem Fehler, als die mit einem wasserigen Auszuge des neutralen Sulfats angestellten Aetherproben, da bei letzteren in Folge der
Schwerlaslichkeit des neutralen Chininsulfats eine weit geringere Menge
Chinin in die Aetherltisung iibergeht. Die Empfindlichkeit der Probe
ist danach nicht gross; bei der Prufung eines Chininsulfats, welches
etwa 2 Proc. Cinchonidinsulfat enthielt , wurden auch nach Verlauf
von 24 Stunden keine Spur von Krystallen erhaltea8 H e s s e hat
diese Probe dahin abgeandert, davs er 5 g Chininsulfat in 12 ccm
Normalschwefelsaure lost, die Lijsung in einen Trichter bringt , nach
erfolgter Erystallisation die Mutterlauge absaugt und die Krystalle
rnit 3 ccm kaltem Wasser nachwasclit. Das gesammte Filtrat wird
rnit Aether von 0,721 -0,728 spec. Gew. und 3 ccm Salmmkgeist
ausgeschuttelt und die abgeschiedenen Krystalle nach 24 Stunden
gesammelt und gewogen. Diese Letzteren spricht H e s s e als eine
Verbindung von 1 Mol. Chinin mit 2 Mol. Cinchonidin ang, der aber
immer etwas freies Chinin anhafte, so dass e r , gestiitzt auf die
Resultate synthetisclier Versuche , anstatt die gefundene Gewichtsmenge rnit 0,64 zu multipliciren , urn den wirklichen Cinchonidingehalt zu finden, den Factor 0,62 anwendet. Spater hat H e s s e
darauf hingewiesen, dass der officinelle Aether nicht immer z u r
Abscheidung von Cinchonidin geeignet sei , wie wir schon oben bei
Besprechung der Aetherproben betonten, und dieser Umstand mag
,
1) Vgl. Pharm. Journ. and Transact. 1887, p. 555 f.
2) Vgl. S c h a f e r , Archiv d0r Pharm. (3) 1887, Bd. 25, p. 68.
3) Pharm. Journ. and Transact. v. 18. Dez. 1886.
0.Kerner u. A. Weller, Priifung d. laud. schwefels. Chinins.
763
mit die Ursache sein, dass wir bei einigen nach dieser Probe vorgenommenen Versuchen keine befriedigenden Resultate erhielten.
Zur Durchftihrung der Probe ist ferner die Zeit von mindestens 24 Stunden niithig, so class wir die Bisulfatprobe in der von
He s s e gegebenen Form ebensowenig fur eine officinelle Priifungsmethode empfehlen Irtinnen, wie in der von d e V r i j und S c h l f e r
befiirworteten Form.
Zum Nachweis des Hydrochinins ist sie natiirlich noch weniger brauchbar, da dieses Alkalo'id an und fiir sich aus Aether nicht
Brystallisirt , anderseits aber sich bei Gegenwart von Cinchonidin
nach H e s s e zugleich mit diesem als Doppelverbindung abscheiden kann.
Wir wollen schliesslich nicht zu erwlhnen unterhssen , dass
d e V r i j versucht hat, die Bisulfat- und Tetrasulfatmethode zu cornbiniren, a! indem er die vom Chininbisulfat resultirende cinchonidinhaltige Mutterlauge eindampft und mittelst Schwefelslure in alkoholischer Liisung in das vierfaehsaure Salz iiberfuhrt. Das auskrystallisirto
Cinchonidintetrasulfat wird nach einem Tage gesammelt iind gewogen. Man bekommt auf diese Weise allerdings fast reines, keineswegs aber alles in der Lauge enthaltene Cinchonidin; die deshalb
nothwendige Correctur ist nicht constant, sondern abhlngig namentlich von der Temperatur und Concentration der L b u n g , resp. von
dem gegenseitigen Mengenverhaltniss des vorhandenen Chinins und
Cinchonidins.
Fassen wir zum Schlusse die Resultate unserer vorliegenden
Arbeit zusammen, so erhellt daraus z u n a c h s t , dass k e i n e r der
bisher vorgeschlagenen Wege zu einer w i r k l i c h e x a c t e n , gewichtsanalytischen Trennnngsmethode von Cinchonidin iind Chinin gefiihrt
hat, und d i e s e Frage vorlaufig noch als ungeliist zu betrachten ist.
Ein Gleiches gilt von einer genauen quantitativen Bestimmung des
Hydrochinins, da z. B. das von uns benutzte Verfahren etwas zu
niedrige Zahlen geben muss.
Hinsichtlich der speciellen Aufgabe, uns iiber die Ammoniakpr obe , nach sorgfitiger Prufung und gebiihrender Wfirdigung aller
gegen dieselhe neuerdings vorgebrachten Einwiinde , sowie iiber die
1) Vgl. Vulpius, Pharm. Csntralhdle, 1886, Nr. 45.
2) Kinolog. Studien, Nr. 57.
764
G. Kerner u. A. Weller, Priifuug d. kiufl. schwefels. Chinins.
anderweitigen Torschliige zur Chininpriifung zu aussern , resumiren
wir das Ergebniss wie folgt:
1) Die Einwande gegen die s e i t h e r o f f i c i n e l l e V o r s c h r i f t
der Ammoniakprobe sind t h e i l w e i s e b e r e c h t i g t , in Folge der
Verschiebnng der Qualitatsverhaltnisse in dein Rohstoff fiir die Chininerzeugung ; d u r c h a u s 11 n b e g r u n d e t sind aber die mancherlei
Bemangelungen der G r u n d l a g e der Probe und folglich ihrer Berechtigung , auch fernerhin als Maassstab far die Zuverlassigkeit des
Chininsulbts als Heilmittel zu dienen.
2) Nit der auf p. 722 des zweiten Theils gegebenen a b g e a n d e r t en Vorschrift zur Ausfiihrung dcr Ammoniakprobe, welche man
einfach empirisch genaii einzuhalten brancht, i s t d e n v e r a n d e r t e n
V e r h a l t n i s s e n voll e R e c h n u n g g e t r a g e n , sofern man diese
objectiv und nicht von einseitig pedantischen Gesichtspunkten ails
betrachtet , welche den Hauptzweck ganz aiisser Acht lassen.
Die Festsetzung der Maassstabsh ij h e liessen wir vorlDiifig offen,
da weder Chemiker noch Apotheker, sondern Pharmakologen dieselbe
zu bestimmen haben und dies auf Grnnd unserer beziiglichen Angaben leicht kiinnen.
3) Schon in unserer ersten Abhandlung wiesen wir auf die
Inconvenienzen hin , welche das Verlassen einer langjiihrig gewohnten officinellen Probe - die Ammoniakprobe durfte fur den weitaus
grijssten Theil des Consums eingeburgert sein - mit sich bringen
muss , und das nur dann berechtigt erscheint, wenn vom Gesichtspunkte des Beilrnittelwertli - Schutzes t r i f t i g c V e r an1a s s ii n g hierzu
vorliegt, oder wenn es sich urn Ersatz ilurch N e i i e r u n g e n handelt,
die sich als Vereinfachnngen oder w i r k li c h e Verbesserungen offenbaren. Die beschriebenen vergleichenden Priifungen und eine grosse
Zald nicht besonders erwahnter Versuche haben aber bewiesen , dass
k e iner der seit Jahresfrist reichlich producirten , n e u e n V o r s c h l l g e die A r n m o n i a k p r o b e an E i n f a c h h e i t oder S i c h e r h e i t iibertrifft.
4) Glauben wir demnach in Vorstcliendem den Beweis geliefert
zu haben, dass die A m m o n i a k p r o b e i n d e r v e r i i n d e r t e n
1) Der Eine von uns diirfte sich zwar als Pharrnakologe wohl auch zu
einem beziiglichen Vorschlag fiir competent halten, glaubt aber, dass es im
Interesse der Sache liegt, zuoachst die Aeusserungen von Specialfachgenossen
abzuwarten.
F. A. Fliickiger und E. Schtir, Strychnos Ignatii.
765
Form zur gewissenhaften Sicherstellung dieses wichtigen Arzneimittels i n jeder Weise geniigt, u n d somit kein
G r n n d v o r l i e g t , si e d u r c h e i n e a n d e r e s e i t h e r v o r g e schlagene Probe z u ersetzen; und dies um so weniger,
als die anderen Proben lediglich die Probehaltigkeit eines
vorliegenden Chininsulfats erweisen, wahrend die
Ammoniakprobe n e b e n b e i noch e i n e B e u r t h e i l u n g d e r
a n n a h e r n d e n Griis s e d e r V e r n n r e i n i g u n g z u l a s s t .
Strychnos Ignatii.
Von F. A. Fliickiger und Ed. Schar.
Tor einiger Zeit hat der eine von uns, gemeinschaftlich mit
A. M e y e r , in der Abhandlung ,,Notes on t h e f r u i t of S t r y c h n o s I g n a t i i " , a an der Hand frischen, von den Philippinen erhaltenen Xateriales die morphologisch- anatomischen Verhaltnisse der
Frucht und der Samen der genannten Pflanze geschildert, auch die
Einfiihrung der Ignatiusbohne im Abendlande , sowie die Geschichte
unserer beziiglichen Kenntnisse eriirtert. I n letzterer Beziehung wurde
bedauert, dass eine regelrechte , wissenschaftliche Beschreibung der
Stammpflanze noch nicht miiglich sei, vielmehr die liickenhaften Beschreibungen der bisherigen Literatur auf den diirftigen , vor 2 Jahrhunderten von R a y und P e t i v e r veriiffentlichten Mittheilungen
des Paters G e o r g J o s e p h Kame1 beruhten, so auch die von
B e r g i u s (Materia medica, Stockholm 1 7 7 8 , p. 149) gegebene Beschreibung der P h n z e , deren von demselben gewiihlte Benennung
,,S t r y c h n o s I g n a t i i " als historisch berechtigt Geltung behalten
muss. So zweifelhaft blieb in der That die Abstammung der Droge,
dass noch vor 11 Jahren von sehr berufener Seite die Vermutung
1) Vgl. p. 729.
2) Pharm. Journal XII (London 1881) p. 1- 6, deutsch: Archiv d.
Pharm. 219 (1881) 401 -415.
3) Philosophical Transactions 1699, No. 250, p. 69 ff.
4) Fliickiger und Meyer, 1. c. 5.
5) Report on the progress and condition of the Royal Gardens at Kew
during the year 1877 (London 1878) p. 33.
Arch. d. Pharm. XXV. Bds. 17. Heft.
50
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
0
Размер файла
1 150 Кб
Теги
prufung, chinin, des, iii, schwefelsauren, kuflichen
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа