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Ueber Apothekenwesen.

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Zmeite AbtheiZung.
Verefns - Zeitung,
redigirt vom Directorio des Vereins.
1) Ueber Apothekenwesen.
Priwilegium oder Gewerbefreiheit 7 Eine Verglcichung deutscher und englascher Apothekenzustande; won Car 1
v o n d e r Ilm.
Wenn auf den folgenden Blftttern versucht wird, in dieser hochst
wichtigen Angelegenheit etwas mehr Licht zu erlangen, so leitet uns
dahei lcein Einzelinteresse, sondern einzig nur das Wohl des ganzen
Staates, d.h. d e s g e s a m m t e n d e u t s c h e n V a t e r l a n d e s ; dieses
war das gesteckte Ziel, ohne den Nutzen oder Schaden eines E i n z e l n e n zu beriicksichtigen. Wir sprechen damit unsere Ansicht und
Ueberzeugung aus, ohne sie Andern anfdringen zu wollen: denn es
ist dringende Pflicht und von jedem Gebildeten, e r sei nun Apothelrer
oder nicht, doppelt danltbar anzuerlcennen, wenn er seine Rfeinung,
die indessen anf mehr als oberfliichlicher Bekanntschaft mit der pralctischen Seite der Pharmacie fussen muss, in einer so offentlichen und
wichtigen Angelegenheit, wie die des wohlthatigen und unentbehrlichen
Instituts der Apothelten, frei und ohne alle Nebenansichten aussert,
um d a s herauszulinden, was dern Nranlcen und dem Staate uberhanpt
am meisten niitzen Icann.
In nenerer Zeit sind hiiufig Stimmen laut geworden, die das Privilegium oder die Concessionen der Apothelten angreifen. Aerzte,
Chemiker und Botanilter reden das Wort der pharrnaceutischen Gewerbediese
freiheit, welche alle Apolhelter stets zu beksmpfen suchen
vielleicht auo Interesse, da sie ihre Existenz bedroht sehen, jene gewohnlich aus Unbelcanntschaft mit dein eigentlichen Wesen der Apothelten, uber welches sich nur von den damit innig Vertrauten ein
richtiges Urtheil fallen 18sst. Aber man wiirde selbst dem Worte des
redlichsten nnd offensten Pharmaceuten wenig Gehiir schenken, d a
man inn in dieser Sache mehr oder weniger betheiligt sieht und immer
an diejenige Rlenschlichlteit denken wiirde, die den Einzelnen seinen
Vortheil dem des Allgemeinen nicht nachsetzen lassen IcBnnte. Und
doch ist es fur jeden Staat hochst wichtig, hier das rechte Rlittel herauszufinden, um nicht moglicherweise in grossere Irrthiimer zu verfallen,
um nicht dem Ganzen mehr zu schaden als zu niitzen, und um nicht
vielleicht hinterher das Biise zu erkennen, wihrend nur das Beste zu
bieten beabsichtigt ward. Es mag schwer, sehr schwer sein, mitZuverllssiglieit zu entscheiden: ob P r i v i l e g i u m oder G c w e r b e f r e i h e i t fur des Publicum absolut besser sei ! W'ir kennen bei e r s t e r e m
die Vortheile und Kachtheile fur das Publicum; bei l e t z t e r e r ken-
-
Arch. d. Pharm. CV. Bds. 1. Hft.
6
83
Vereinsieilung.
nen wir sie aber nicht genau, oder wir denlren bei den zum Theil
rosigen Vorziigen nicht zugleich an den im Gefolge ziehenden mdglichen Schaden. Die Einrichtungen eines fremden Landes lassen sich
nicht immer in derselben Weise einem andern Staate anpassen, und
f i r D e u t s ch 1a n d wollen und kbnnen wir nicht die durch eine mehrmonatliche Anschauung uns belrannte Gewerbefreiheit der e n g l i s ch e n
Apothelrer wiinschen, worauf wir spater ausfiihrlicher zurtckkonimen
werden ; denn u n u m s c h r 1nlr t e Gewerbefreiheit der Apothelcen
scheint fur lreinen wohlorganisirten Staat zu passen und schiidlich zu
sein, wahrend eine b e s c h r l n k t e aufhBrt Freiheit zu sein, denen
vielleicht nichts anderes als das viillige Zerfallen der Pharmacie, namentlich des wissenschaftlichen Theils derselben, auf dem Fusse folgen wird.
Die Sache ist wichtig genug, wenn man sich an den Z w e c k der
Apothelren erinnern will. E s ist lrein anderer, als dem Kranlcen die
Erlangung wirksanier und unverfalschter Arzneimittel nach gemissen Vorschriften des Arztes mit thunlichster Schnelliglceit zu ermoglichen, und
zwar zu jeder Stunde bei Tag oder Racht. Damit der Kranke stets
guter l i t t e l versichert ist, lasst der Staat die Apotheken beaufsichtigen
und in gewissen Zeitrlurnen durch Visitationen priifen, die allerdings
in vielen Staaten Deutschlands noch Blanches zu wiinschen iibrig lassen!
Damit der Kranke nicht willkiirlich iibertheuert werde, giebt der Staat
eine Arzneitaxe, an welche sich streng gehalten werden muss; und
damit der Kranke wie der Arzt eine Garantie fur die richtige Anfertigung und Anschaffung der verlangten Ileilmittel habe, ist der Apotheker geniithigt, in einem gewissen Grade sich Kenntnisse anzueignen,
die ibn zur Ausiibung seiner Kunst und Wissenschaft fiihig machen.
Um allen dem heutigen Standpuncte der Wissenschaft entsprechenden
Anforderungen volllrommen zu geniigen, muss der Apotheker dem Studium der Naturmissenschaften obliegen, namentlich der Chemie, Botanilr nnd Waarenkunde, zu deren g r ii n d I i ch e r Erkenntniss allein
unser menschliches Leben vie1 zu lrurz ist; betrachten wir nun die
von der praktischen Ausiibung am meisten i n Anspruch genommene
Zeit des Apothelrers, so muss einleuchten, dass e r lraum die erforderliche Musse gewinnen kann, um allen an ihn gestellten Forderungen
zu geniigcn. Wirft man dem ungleich weitern Felde des Arztes (wie
er sein soll!) einen Blick zu, so finden wir, dass, da ihrn lreine grdssere Spanne Zeit von der Vorsehnng v e r g h n t ist, zur Erforschung und
Kenntniss aller Krankheitserscheinungen ihm nicht einmal dieselbe Alusse
zum Studium zu Gebote steht, wie dem Apotheker. Und doch taucben hin und wieder Stimmen anf, die die Vereinigung der Pharmacie
rnit d e r Bledicin verlangen - ein Verlangen, das von wenig beschlftigten Aerzten auazugehen scheint und dessen Zugestandniss ein offenbarer Kiiclrschritt, aber lrein Fortschritt genannt werden miisste, denn
Medicin und Pharmacie erfordern jede zu ihrer i nil i g e n Belranntschaft mehr als ein lenschenalter, nnd Niemaud kann zwei Herren
dienen.
Um allen Kranlren die Wohlthat der Bratlichen und pharrnacentiwhen Hdlfe miiglichst zu erleichtern, haben sich in Stadten und Ddrfern Aerzte und Apothelrer niedergelassen, auf dern Lande freilich nur
da, wo beide ihr Auslrommen zu finden hoffen ; der Grund, dass manche
Landbewohner stundenweit nach Hiilfe eilen miissen, was sich indessen
nicht wohl abindern liisst, da Arzt und Apothelrer nicht im vBlligen
Sinne des Wortes Staatsdiener sind, die der Staat nach bestimmten
Entfernungen vertheilt und besoldet.
83
Vereinsacitung.
Daniit der Apotheker einen sichern Lebensunterhalt habe und
durch die Noth nicht gezwungen werde, seinen Erwerb durch unredliche Mittel zum Schaden des Hranken zu erweiteru, gab man ihm in
friihern Zeiten ein Privilegium, das jetzt mehr und mehr den sogenannten Concessionen Platz macht, was das Gerechteste genannt werden muss. Durch diesen Schutz ist die Zahl der Apothelren beschrankt,
jhre Eristenz gesichert und einer jedenfalls nur nachtheilig wirkenden
Ueberzahl vorgebeugt
Der Kampf gegen die bestehende Gewohnheit der Privilegien und
Concessionen ist vielleicht aus dem edeln Streben nach wohlfeiler
Arznei hervorgegangen Aber, miissen wir frsgen, wird denn auch
wirlclich dnrch die Aufhebung der Privilegien und Concessionen ein
niedrigerer Arzneipreis erreicht, und wenn dieses der Fall ist, sind
daniit zugleich dieselben Garantien wie friiher geboten? Es mag keine
allzu grosse Wahrscheinlichlceit fur Beides vorhanden sein, denn hei
einer Ueberzahl von Apothelien werden diese, fiir die Existenz besorgt,
nicht immer anf dem rechtlichen Pfade wandeln lionnen Dafiir reden
Beispiele"")!
Man denke sich nur die Zahl der Apotheken, nicht d o p p e l t , sondern um die 11 $1 f t e vermehrt, und niache eine Rechnung
iiber die Brutto-Einnahme, um zu sehen, dass die Sachen gar nicht so
brillant ausfallen. Im L)u r ch s chn i t t e ltann man die Brutto-Einnahme
einer Apothelre hochstens zu 3000 Thlr. veranschlagen, bei einer halbfachen Verinehrung also zu 2000 Thlr.'t**), da ein nlehrverbrauch der
Arznei nicht leicht'eintreten wird, selbst nicht bei Verniinderung der
Taxe, denn es wird wohl Iceinem Meuschen einfallen, lllixturen oder
Pillen zu schlucken, bloss aus dem Grunde, weil sie vielleicht kaum
25 Proc. hilliger gewordeu sind; so vie1 miisste aber wenigstens die
Ermassigung betragen, wenn sie gefiihlt werden soll. Man hltte demnach durcbschnittlich f i r ein Geschaft noch 1500Thlr. Brutto-Einnahme
iibrig; davon sollen nun die Ausgaben fiir ein Haus, gleichviel ob
als hliethe, oder als Zinsen fur das dafiir angelegte Capital, fur Wnaren und Geriithschaften, fiir einen Gehiilfen und Arbeitsmann, fur die
Familie des Apothekers, fur Stenern u. s. w. bestritten werden. Man
hraucht mit keiner eben grossen Einsicht begabt zu sein, urn sogleich
zu erliennen, dass das nicht recht gehen will! Wollte man dann auch,
mie in England, die Taxe aufheben und den Apothekern eine beliebige freistellen, so ist als sehr walirscheinlich anzunehmen, dass die
hrzneiinittel bei allzu grosser Concurrenz hbchstens um ein Unbedeutendes wohlfeiler, hingegen um ein Bedeutendes schlechter werden
miissten! Derselhe Fall tritt auch in allen den Liiudern ein, wo entweder viillige Freiheit des Apothehergewerbes, oder ohne dieselbe
dennoch grosse Concurrenz herrscht; deun wenn auch Eine Apotbelre
durch billige Preise rnehr Geschlfte macht uud dabei die besten Waa*en fuhrt, so sind ein Paar andere gezwungen, um nebeu jener beste-
*).
*:) Wir lciinnen nach unpartheiischer Priifiing sagen, dieses ist nicht
ganz der Fall; denn die Vertbeilung ist lreine Gbereinstimmende,
wofur die Denkschrift des norddentschen Apothelrer -Vereins,
Hannover 1815, die unwiderleglichsten Beweise liefert. B I e y.
J a ! in Holland, Belgien und Frankreich!
B.
;*{*{+)
Es giebt gegenwiirtig viele Apothelten, welche lcaum 1000 Thlr.
Umsatz haben. 2000 -2500 Thlr. diirfte die durchschnittlicbe
Zahl sein.
B,
6*
Vereinszeitung.
84:
hen zu lconnen, geringerer Sorten von Waaren sich zu bedienen. Das
Publicum hat denn im Allgenieinen hiichstens den Gewinn, gegen einige
Pfennige weniger sich geringere Waare einzutauschen !
Man tausche sich nicht uber das Vielen siisser klingende Wort:
Gewerbefreiheit! Betrachten wir es niiher, so werden wir einen
grossen Theil unserer schonen Triiuine wie Seifenblasen zerfliessen
sehen. Der Verfasser gesteht selbst, dass er im ersten Augenblicke
begeistert wurde zu sehen, wie es Jedein in England bei der eingefiihrten Gewerbefreiheit miiglich gemacht ist, leichter zu selbslstlndigem Schaffen und Wirlcen LU gelangen; dass er aber anfangs nur einseitig, nnr die Licht- und nicht auch die Schattenseiten sah, und bei
naherer Kenntniss sich der erste Enthusiasmus um sehr Vieles vermindern mnsste.
Eine Gewerbefreit der Apothelcer, wie sie in England besteht, ist
in unserm dentschen Vaterlande schwerlich von dem Nutzen, den man
erwartet, und ltein aufrichtiger, mit der Sache vertrauter Patriot wird
eine solche seinen armen lrranlcen Landsleuten auch nnr im Eatferntesten wiinschen. Wir sind der festen Ueberzeugung, dass, wenn
heute die Apothelten Concessionen zu Grabe getragen wurden, men
sie morgen wieder auferstehen liesse, als der Ordnung und Sicherheit
weit mehr gemiiss. Konnte oder wollte man das Experiment machen,
i n einem gewissen Bezirlce versuchsweise Gewerbefreiheit einzufuhren,
nnd den Gang der Dinge genau zu controliren, man wiirde sicher sehr
bald davon zuruclilcommen und zu der mil Unrecht angetasteten Beschriinlcung in der Zahl der Apothelcen zuruckkehren. Damit sol1
indessen lceineswegs eine Erltlarung gegen a l l e neue Concessionen
abgegeben werden, die an gar nianchcn Orten eben nicht iiberfliissig
erscheinen ; a u c h sollen damit alte privilegirte Apothelcen Deutschlands
durchaus nicht in Schutz genommen werden, deren manche sechs, acht
und mehr Gehiilfen beschiiftigt ,*) rind aus der sich sehr wohl zwei
rind drei neue Geschafte machen liessen ; denn es ist nnbillig, Ja hochst
ungerecht, dass BUS alter lieber Gewohnheit eine Apothelte e m Einnahmc habe, von welcher zwei oder drei weitere sehr gut existiren
ltiinnen - mag man auch dabei Communismus wittern wollen.
Man hat noch nicht lange die Gewerbefreiheit der Apothelten
in England uber die Privilegien und Concessionen der deutschen Apothelcen stellen wollen. Wihrend man h i e r die d o r t i g e Einrichtung
ruhmt, w i r d d i e u n s r i g e i n d e n i s e l h e n L a n d e g e p r i e s e n !
Wir wollen ganz und gar davon absehen, welclie Dienste der Pharinaceut in friihern Jahreu nnd auch jetzt noch den Naturwissenschaften uberhaupt und der Medicin insbesondere geleistet hat, wie nicht
ininder durch seine praktischen Kenntnisse dern Gewerbestand; wir
wollen einzig und allein seine Stellnng als A r z n e i h ii n d I e r ins Auge
fassen.
Als solcher voni Staate in mancher Bezieliung geschiitzt, wird er
in seiner Officin nur gute Arzneiwaaren zu fiihren streben, wenigstens
zwingt ihn keine Concurrenz anders zu handeln, wiihrend er bei grosser Concurrenz n u r zu hiiufig in Versuchung gerathen wird, geringere
Pllittel anzuschaffen und, wo es angeht, auch die theuren zn verfal-
-
") Solcher Geschafte diirften sehr wenige gefunden werden nnd
daher nur zu den Ausnahmen zthlen; viele Apothelcen hahen
nur einen, j a manche gar lceinen Gehiilfen.
B.
Vereinsaeitung.
85
schen. Dass dieser Fall in den englischen Apothelcen nicht selten
eintreten mag, davon lcann man sich bald uberzeugen; und es ist sogar wahrscheinlich, dass die Apothelcer Englands, wenn sie einst mehr
wissenschahliche Bildung, die ihnen im Allgemeinen durchaus abgeht,
erlangt haben werden, durch die grosse Concurrenr gezwungen sich auch
mehr in Verfalschong der Arzndmittel versuchen mdchten.
Englands Apothelcer lciinnen ihr Gewerbe ohne den geringsten
Zwang der Regierung frei und ungehindert hetreiben; sie lcdnnen
thun, was sie wollen, sie k6nnen ohne Priifung oder specielle Erlaubniss eine Apotheke einrichten, kdnnen curiren, Gifte und Heilmittel
verlcaufen, denn die englische Regierung lcummert sich so wenig um
die Dledicinalverfassung, wie um das Schulwesen ! Nun entsteht aber
die Frage: wiirde ein gut organisirter Staat, dem d i e Wohlfahrt seiner Biirger nicht ganz gleichgiiltig ist, die Beaufsichtigung der Apothclren ganz aufheben? Die Gesundheit ist das hdchste G u t des Menschen, und ein weiser Staat wird sich nie entschliessen Itiinnen, dieselhe Pfuschern, Charlatanen und Hrkmern Preis zu geben. Indessen
ktinnte man einwenden, der Staat gewahrt Gewerbefreiheit und behalt
sich die Controlirung der Apnthelcen vor; er wurde also eine b e d i n g t e Freiheit geben, wiirde wie bisher den Apothekern das CuriFen untersagen, den Giftverlrauf controliren, vielleicht auch eine Taxe
geben u. s. w. Dieses ist dann keine viillige Gewerbefreiheit mehr
und der Apothelcer als Handelsmann ist in seinen Bewegungen beschriinkt; er wiirde bei der Concurrenz, um das Leben zu fristen, die
Gesetze, w o es sich mit einiger Sicherheit nur thun Iasst, ubertreten;
wurde mit dem A n t e in bestandigern Hader liegen, wenn dieser nicht
auch, wie in England, den Apothelrer nach Belieben gewahren liesse.
Es musste sehr bald eine solche Unordnung und Verwirrung einreissen, wie sie in England statt finden und die der deutschen Nation zu
bescheercn von g r o s s e r G l e i c h g u l t i g k e i t gegen die armenKranlccn Zeugniss ablegen wiirde ! Man gehe nur hin in jenes gliiclrliche
Land und uberzeuge sich von der Art und Weise, wie Dledicin und
Pharmacie dort ausgeubt wird. Man mache eine Promenade durch
irgend eine griissere Stadt Grossbritanniens, und man wird Arzneimittel mit und ohne Patent in allen Kramladen und yon herumziehenden Leuten ausgeboten sehen; von MBnnern, die auf allen Strassen
umherstehen, werden den Vorubergehenden gedruckte Anzeigen aufgedrungen, die diesen oder jenen Arzt anpreisen, wfihrend nns andere
mit Geschrei einladen, ihnen Hustenmittel etc. abzukaufen.
‘Wir wollen einige solcher Anzeigcn zur Hand nehmen und unsern
geehrten Lesern zur eigenen Beurtheilung im Auszuge mittheilen:
I.
Von W h e 1 p t o n’s vegetahilischen Reinigungs- und Dlagenpillen
vrerden in Schachteln zu I Schilling
Penny (= 111 Sgr.) und
2 Sch. 9 P. wiichentlich verlcauft - 60,000 Stuck!
Das allgemeine Zutrauen ist jetzt bei den Bekanntmachungen von
Arzneimitteln in sehr ausgedehntem l a a s s e geloclcert - kein Wunder,
wenn man den grossen unverschiimten Betrug yon gewissen Leuten
sieht, die sich populire Namen anmaassen, durch welche d e r Einfiiltige betrogen, der Kluge bctrubt wird; indessen werden Zeugnisse
von Geistlichen, welche ltein Interesse beim Verlrauf von Arzneien
haben, alles Misstrauen uber die Wirlrsamlreit dieser Pillen beseitigen,
ebenso Zeugnisse von Hunderten von Privatpersonen, so dass alle
diese Curen einen ganzen Band fullen warden.
la
86
Vereinszeilung.
Ausserdeni werden folgende Curen bezeugt:
100 Curen von eiternden Gesehwilren, oline irgend eine Salbe!!!
Man wiischt nur zur Entfernung der unreinen Materie, welche dureh
diese Pillen aus dem Blute ausgetrieben wird, die Wunde Morgens
und Abends mil warmer Jlilch aus.
9 Fdle von Scorbut, deren einer 20 Jahre gedauert hatte.
4 Fiille von Geschwiiren, die als unheilbar von den vorziiglichsten
Aerzten aufgcgeben waren.
20 Fiille von Entziindung und Verstopfung in den Urinwerkzeugen.
225 Curen in Husten, Versclileimung der Brust., schwerem Athmen,
Magenbeschwerden, Unverdaulichlteit und Kopfschmerz.
6 Curen des Brustltratnpfes, davon zwei 20 Jalire, einer 24 Jahre
gewiihrt hatte.
Tausende von WCrmern sind bei Kindern und Erwachsenen durch
diese reinigenden Pillen entfernt worden; yon einem Erwachsenen
beinahe 300 ltleine Eingewcidewurnier ! Eine grosse Blenge I’ersonen
fandeu diirch sie Erleichterung i n Leber- und Gallenltratiltheiten.
Alehrere I’ersonen, die den Reweis vor Augen hatten, fragten
denaoch: \Vie is1 es, dass diese rillen so versrhiedene Curen bewirk e n ? Icli antworte: Ails folgenden einfachen Griinden.
1) Weil sie den nlagcn und andere Verdauungsorgane (von deren
normalem Zustande vorziiglich die Gesundheit abhangig ist) reinigrn und stsrltcn, und aussergeuuhnliche hbsonderungen d e r
Galle entfernen, welche grosse Unordnung ini System veranlassen,
wenn sie durch die Alilcligcfiisse aufgcnoninien und dem Blute
zugefiihrt werden.
2) Sie suchen die verdorbenen SQrte irn Blute auf und entfernen
sie, reinigen iti ihreni Forlsclireiten die ganze Jlasse der SSlte
und erneuern durch ihre \Virltung die verschiedenen Verrichtungen des ganzen Systetns.
W It e I p t o 11’s Pillen enthaltcn auf eidliihe Yersicherung nicht die
geringste Spur von Quecltsilber oiler einer andern Mineralsubstanz,
sondern allein nur heilsame vi*getabilisclie Stoffe ; daher werden sie
vom Alagen leicht verdaut, durch die SauggeEisse aufgenommen und in
das Blut gefiihrt, und bringen so das ganzc Syslem unter ihren reinigenden und erfrischenden Einfluss! Ohne Zweifel ist es dem zuzusehreiben, dass so viele iiussere Gesehwiire durch sic geheilt und Entziindungen in jedem Theile des Knrpers grhoben werden; tlenn, wohlgenierkt, dieses ist nicht der Pall niit Arzneien, die a u f die Eingeweide
a I k i n w i rlie n.
lierstellung der Gesundheit !!!
Durch den Gebrauch von \Y h e I p t o n ’9 vegetabilischen Reinigungspillen.
SDas Leben des Fleiscbes ist in deni B1ute.n
Lecitirns XVZI. 11.
Jlerltwiirdige n’urmkiir.
Ein Herr von Castle Uonington srhreibt, dass einer seiner Freunde
a m Magenschmerz Iitt, ohne dessen Ursache zu Itennen; e r nahm eine
Dosis von W h el p ton’s l’illen, welche die ausserordeniliche Zahl yon
200-300 ltleinen hlagenwiirmern abtrieben!
11. ’
Blr. 0 ’ h a r a Wundarzt.
103. Grosse Karlsstrasse. Birtningham.
Mitglied des Royal College der Wundiirzte in London etc.
Mr. O ’ h a r a ist der iilteste etablirte praktische Arzt in Biruiing-
-
,
Vereiruzeilung.
87
ham und beschiftigt sich mit Behandlung dcr Syphilis, des Scorbut,
Rheumatism, Ausschlag, Nervenltranltheiten und aller andern, cntstanden
aus Selbsthefleckung, unreinem Blut, Anstecltung oder Ausschweifung.
Durch seine tiigliche und ausgedehnte pralttische Erfahrung ist er irn
Stande, eine schnelle und vollitommene Cur auch in den hartnlckigslen
Fallen zu bewirlten, ohne alle Anwendung des giftigen Jlerkurs, der
jetet so hiufig von den Druggists (Apothekern) gegehen wird.
Mr. O ’ h a r a behauptet nicht, .in einer Woche zu heilen,~ da
viclc FBlle einen etwas liingern Gehrauch von Arznei erfordern, ehe
die Krauliheit aus dem Blute rein entfernt werden kann; w o aher
zeitigc lliilfe gesucht wird, ist die Cur in wenigen Tagen gemacht
(ohne Diiitzwang oder Abhaltung in den Berufsgeschiiften) oder e s
w i r d I t e i n e B e z a h l u n g f u r A r z n e i g e l c i s t e t . In allen Fillen
wird dem Patienten beim ersten Besuche dcr Betrag fur eine vollstindige Cur mitgetheilt, welcbe Herr 0 ’ h a r a selbst zu bewerltstelligen,
oder das Geld zuriiclrzugeben verspricht. N u r e i n B e s u c h ist nothwendig, oder ein B r i e f , welcher das Nixhere gcnau bestimmt. Arznei
mit Gebrauchsanweisung und gesichert vor Aeugicrde wird nach jedern
Theil des Landes oder der Stndt geschickt.
Man mcrlte den Ramen oder die Nummer, ausserdem lrann Irrthum
entstehen.
Mr. O ’ h a r a . 103. Grosse Karlsstrasse. -
111.
nrr. H u n t e r , Wundarzt.
135. Great Charles-Street. Birmingham.
Milglied des Koyal College der Wundiirzte etc. und Verfasser des
geheinien medicinischen Kathgebers.
N r . H u n t e r ist der alteste etablirte pralttische Arzt in Birmingham und ausschliesslich beschiftigt rnit der Behandlung von venerischen
und R’ervenltranlthciten etc. Seine ausgedehnte Praxis niacht es .ihm
mijglii4i, alle schlimmen und langwierigen Fille vollstiindig zu heilen ;
er lcistetc Hunderten von tiranken lliilfe, welche als unheilbar von
vielcn Hospitalern etitlassen und t o n den ausgezeiclinetsten Aerzten
aufgegchen worden waren.
Er hcilt alle gewiihnlichen FBllc in E i n e r W o c h e und geringere
in e w e i T a g e n , oder verzichtet nach diesem Zeitraurne auf Bezahlung.
Der Kranke hat bei der ersten Rucksprache den Betrag zu zahlcn, f i r wclchen eine vollstiindige Cur geleistet, odcr das Geld zurfickgegeben wird.
Von einem auswsrtigen tiranlien ist nur ein persiinlicher Besuch,
oder ein Brief mit dem niithigen Geldbetrag erforderlich. Arznei, wird
sorgkiltig verpackt abgescndet und die grbsste Verschwiegenheit zugesichcrk.
Zu beachten sind Name und Nummer, wenn nicht grosser Irrthum
entslehen soll, da Mr. 11 u n t e r, 135, Great Charles-Street, Iteine Verbindung mit einem aridern Etablisscment unterhllt.
IV.
F i r llusten, Erltiiltung, Engbriistigkeit u. s. w.
P o w e l l ’ s H u s t e n l a t w e r g e , oder G r o s s e r W i e d e r h e r s t e l l e r d e r r i c h t i g e n E l a s t i e i t a t d e r L u n g e n , gewalirt in
trocknem quilendem Winterhiisten so schnelle und augenhlicliliche
88
Vereinszeitung.
Hulfe, dass man staunen muss; sie ist so bewunderungswiirdig f i r
Oelfnung, Reinignng, Heilung und Starkung der Brust und zur Linderung der Lungen bei schmerzlichem Husten und Verschleimung berechnet, und aus balsamischen und der Brust heilsamen Kriiften zusammengesetzt, dass viele bejahrte enghrustige Personen,die bei hartniickigem
Husten und schwerem Athmen weder Geschiifte verricbten, noch im
Bette liegen konnten und bereits dcr Verzweiflung nehe waren, vdllig
geheilt wurden, wenn sie einen Topf dieser Brustlatwerge gebraucht
hatten.
Tiipfe zu 9 P. (= 7; Sgr.) und 1 Sch. It P.
V.
Die grfissten Curen irgend ciner Arznei in der Welt!!!
It o l l n w a y ’s Salbe.
Ausserordentliche Cur eines sehr schlimmen Beines eines achtzigjihrigen Herrn.
(Folgt Auszug des Briefes.)
Die Almahnie zweier Beine verhindert.
(Auszug dcs Bricfes.)
Cur eines gefiihrlichen scorbutischen Ausschlags von langer Dauer.
Cur eines schrecklichen und gefiihrlichen Rothlaufs.
I n allen Kranltheiten der IIaut, ltranlter Bcine, alter Wunden und
Geschwiire, biiser Bruste, schmerzhafter Brustwarzen, steinharter und
eiternder Krebse, bei Geschwulsten, Beulcn, Gicbt, Kheumatismus und
in alleu diesen Fallen
Rucltenschmcrz, wie bei der goldenen Ader
niiissen II 0 1 lo way’s Pillen niit der Salbe gcbraucht werden, denn
durch diese Mittel werden Curen mit der grdssten Gewissheit gemacht
und in der halben Zeit, als beini Gebrauch der Salbe allein. Die Salbe
ist ein sicheres Mittel fur den Piicltenstich, den Stich der Sandfliegen,
fur Venusseuche etc., uiid allen in Ost- und Wcstindien und in andern
tropischen Himmelsstriclren gewiihnlichen Ilautltranltheiten.
Brandschiden, Schorfe, Frostbeulen, aufgesprungene Hinde und
Lippcn, Huhneraugen etc. werden sogleich bei Anwendung der Salbe
geheilt.
Verltauf bei dem Eigenthiimcr 243, Strand (nahe bei Temple Bar)
London, und bei allen respectabeln Verkiiufern privilegirter Arzneien
in der ganzen civilisirten Welt, in Tdpfen zu 1 Sch. 1; Sch., 2 Sch.
9 P., 4 Sch. G P., 11 Sch., 22 Sch. und 33 Sch. (= 2 1 Thlr.).
Es ist eine sehr wichtige Ersparniss, die griissern Tdpfe zu kaufen, deren jedem eine Gebrauchsauweisung beigegebcn ist.
-
Keine wohlorganisirtc Regierung, kein Arzt und Apotheker, und
R’iemand aus den1 Volke, der es r e d l i c h m i t d e m V a t e r l a n d e
meint , wird einer solchen Cliarlatanerie und Jiarktschreierei beistimmen, die unvermeidlich i m Gefolge von Gewerbefreiheit sind,
wenn auch, bei Bcaufsichtigung der Behiirden, nicht in demselben Grade. Will aber ein Staat Gewerbefreiheit niit E i n s c b r i i n k u n g e n geben, so hiirt sic auf Gewerbefreiheit zu sein, denn diese
kann niir da niit einigem materiellem Erfolg sich bewegen, wo durchaus lteine Grenzen gestecltt, sondern freie Bewegungen nach allen
Seiten hin gestattet sind. Holfentlich wird in unserm in sanitatspolizeilicher Hinsicht besser organisirten Deutschland ein solcbes Wesen
nie Eingang finden und daher eine u n b e s c h r i i n k t e Gewerbefreiheit
Vereinszeitung.
89
dcr Apothelrer vom Vaterlande fern bleiben, wihrend jedoch eine
b e s ch r ti n k t e weit mehr uiid gegriindetere Unzul'riedenheit erregen
wiirde, als die jetzt ilblichen Concessionen. Bei aller Controlirung von
Seite des Starts wiirde nichts weniger als vermieden werden kiinnen,
dass nicht hiufig Ffille rorlronimen sollten, wo der Apothelcer durch
die Concurrenz gezwungen wire, nicht immer die besten Waaren in
den Biichsen zu haben und den Aerzten bei nidglichster Gelegenheit ins
Handwerlr zu pfuschen. Die meisten Apothelrer wiirden, wie in England, lreinen Gehiilfen bezahlen kdnnen, sich nur mit einem Lehrling
beh,elfen miissen und daher von dieser Seite aller Controle enthoben
sein.
Es ist durchaus nicht anzunehmen, dass der Apotheker, wie jeder
andere Geschiftsmann, viele Lust und Liebe zu seinem Pache haben
Ironnte, bei dessen gewissenhafier Erfiillung er an dem llungertuche
nagen sollle, denn in der Regel macht der ruhige ehrliche Dlann bcim
ungebildeten Puhlicum noch Iange nicht den Effect als der, welcher
ihm bei wohllilingenden Phrasen Sand in die Augen zu streuen weiss!
Ebeoso wenig ist es denkbrr, dass der Apotheker bei kiimmerlicher
Existenz mehr an die Wissenschaften denlren und sich mit diesen a k i n
sfittigen sollte. Es wird schwerlich der Fall eintreten, dass durch
Gewerbefreibeit das wissenschaftliche Streben des Apothekers gehoben
werden kiinnte; im Cegentheil muss es mehr und mehr abnehmen,
und von der Zeit an, w o man das gefahrliche Wort iiber die Apothen aussprechcn wiirde, w i r e zugleich der crste Schritt zur allmiligen
Untergrabung dcr Pharmacie gethan, die dann vielleicht nur noch in
der Geschichtc ihr Fortbestehen haben wiirde. Sobald aber die Fharmacie als Wissenschaft in Verfall gerathen wird, muss sie nothwendigerwcise auch denselhcn Schritt als Kunst thun, da beide unzertrennlich
Hand in Hand gehen
und Niemand wird leugnen wollen, dass gerade die wisscnschaftliche Pharmacie ein sehr wichtfges l i t t e l ist, um
den Zweck dcr Medicin erreiclien zu helfen!
In England, d. h. in L o n d o n , geht allerdings von einigen Pharmacenten das Streben aus nach Verbesserung der Apothelren in theowir sagen in London, denn in andern Stidten
retischer Ueziehung
hat man das noch nicht erreichen Itiinnen, was uns die Metropolis in
diescm Puncte sehen liisst, namlich einen Apotheker-Verein, der in
einem passenden Locale ein gutes Laboratoriuin, eine gute Droguenund Priparatensammlung nnd eine Bibliothelt der besten englischen
und franziisischen Werlte und Journale besitzt. Allein es ist sehr
wahrscheinlich, dass wenn iiberhaupt die englischen Apothelrer erst
die Stufe der Ausbildung der deutschen Pharmaccuten eingenommen
haben werden, dass sie gerade selbst dann darauf dringen diirften,
die Gewerbefreiheit gegen Concessionen ftir eine bestiinmte Zahl Apothelren umzutauscheo. Denn es kann nicht wohl gedacht werden, dass
wissenschaftlicher Sinn, Lust und Liebe zu einer Sache niit driicltender
Noth sich paaren Itiinnen. Es ist leicht gesagt: die Apntheker werden bei Concurrenz wissenschaftlicher sein
sie lrdnnen und werden
das aber nicht sein, sondern nur im uner~niidlichen Trachten nach
gegenseitiger Brodentziehung wetteifern, und allinilig stufenweise niedriger herabsteigen zur Charlatanerie, und zwar qu demjenigen Grade,
wie er fast in allen Apothelren Englands zu sehen ist. In der l'hnt,
man kann sich eines mitleidigen Lichelns nicht erwehren, weun man,
a n die gemeinhin vortrefflichen Apothelren Deutschlands gewdhnt, pldtzlich die Ollicin eines Chemist and Druggist in Augenschein ninirnt, die
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90
Vereinszeitung.
den franzasischen und belgischen Apotheken sehr ahnlich sind. Zuniichst zeigen sich uns in einem grossen Fenster mehrere umfangreiche
Glasflaschen mit verschieden gcfiirbten Wiissern, woran die Officin des
Chemist and Druggist zu erlrennen ist ; zwischen diesen, namentlich
bei Gaslicht mit grellen Farben spielenden Flaschen stehen gewohnlich
ein Pferd und eine Kuh aus Holz oder Gyps gefertigt, als Zeichen,
dass hier auch Vieharznei zu haben sei. Wer (zahlendes) Mitglied der
pharmaceutischen Gesellschaft in London ist, hlngt das Diplom zu
Jedermanns Kunde ebenfalls ans Fenster; ebenso ist auf sehr grossen
mit Wappen verzierten Glas- oder Porcellangefassen, die Cremor tartari, Magnesia, Schwefelblumen u . dergl. enthalten, mit grossen Buchstaben bemerkt, dass der Besitzer der pharmaceutischen Gesellschaft
angehore. Ausserdeni werden in den Fenstern zur Schau ausgestellt :
versilberte Pillen, Copaivalrapseln, Parfiimerien (wohlriechende Wiisser
und Seifen, I-Iaariile u. s. w.), allerlei Droguen, a h Sennesbliitter, Rhabarber, Sassaparillwurzel, Mohnlropfe etc., auf Leder gestrichene Pechpflaster, Zahnbursten und anderc Bursten, Pinsel, Nachtlichte, Wachsund Stearinkerzen, zuweilen auch Cigarren, Materialwaaren u. s. w.
Andere haben im Fenster gedruckte Anzeigen, z. B. mit Bildniss und
Handschrift der Jenny Lind, die hier die empfehlungswerthesten Hustenltiigelchen gelcauft haben soll. Vor einer andern, iibrigens sehr reinlichen Aputhelre versammelte sich allabendlich eine Anzahl Rlenschen,
die mit staunendem Vergnugen sahen, wie in einer hohen Glasgloclre
eine Fontaine eine Kugel auf- und niedersteigen liess. Bei allen diesen in deutschen Apothelcen ungewdhnlichen Schaustiiclcen herrscht
iridessen mit wenigen Ausnahmen in diesen Geschgften v i d e Eleganz
und die Busserste Reinlichkeit, was dem Auge uugemein wohlthut,
und namentlich letztere wire manchem deutschen Pharmaceuten nicht
ohne Nachdruck anzuempfehleu. Herr wie Diener erscheinen gewohnlich in reinlicher Kleidung und blendendweisser Schiirze.
Uehrigens tritt auch der Fall ein, dass mauche Apotheke sich im
traurigsten Zustande befindet, denn die ganze Einrichtung und Geschaftsfiihrung bleibt einem Jeden selbst iiberlassen; eine Controle, die der
Staat fiihrt, lcennt man nicht. In einem solche Geschiifte war die
grosstmoglichste Unreinlichlicit und Unordnung zu seheu ; nur wenige
gleichformige Standgefiisse waren vorhandeu, dagegen alle maglichen
Grossen und Formen derselben bis zu den einfachsten Medicinglasern
reprasentirt., viele ohne Stepsel oder Deckel, alle mit dichtem Staub
und Schmutz iiberladen, andere ganz leer oder mit W a s s e r gefallt;
die Extracte grosstentheils schimmelig, Tincturen meistens vollig triibe,
von unansehnlicher gebleichter Farbe uiid mit starltem Bodensatz. So
zeigte die Safrantinctur eine durchaus hellgelbe Farbe, einen die Hiilfte
betragenden schleiinigen Bodensatz und nicht den entferntesten Geruch
des Safrans. Die Wiisser fast durchgiingig schleimig, flockig und ge-'
farbt. Drei alte scbmutzige RIBrserchen von Steingut, deren nur einer
mil einem Pistill versehen war, zierten den ebenso unreinlichen Tisch.
Die ganze Bibliothelc dieses Chemist and Druggist (der das erstere
Wort. mit vieler Selbstgefalliglceit fiir seine Person gebrauchte) bestand
in drei in ihrem Aeussern und Innern dem Ganzen entsprechenden
Biichern : der Londoner Pharmakopoe, einem aRechenmeister fur Haufleutea und einem alten chemischen Handbuchc ohne Anfang und Ende.
Eine Taxe fehlte natiirlich, da keine existirt. Die Frau besorgte ganz
allein die Apotbelre, wiihrend der Chemist in einem andern Stadttheile
einem der Pharmacie ganz freinden Geschafte oblag.
Vereinszeilung.
91
In Birmingham z. B., einer Stadt yon circa 240,000 Einwohncrn,
sind nach dem Post Office Directory von 1886 nichl weniger ala 26
Chemists Manufecturing und I T 5 Chemists and Druggists, die sich seit
jsner Zeit noch vermehrt haben. Erstere bereiten pharinaceutischchemisrhe Priiparate, verlcaufen aber auch en detail ; letztere stellen
nur die Verkiufer dar und Icommen, abgesehen von ihrer mangelhaften Bildung, etwa unsern Apothekern gleich. Ausserdem haben aber
die Apothecaries (praktische Aerzte und .Wundirzte) ihre eigenen
Apotheken. Der Physician (Dr. med ) und Surgeon (hbherer Wundarzt) hat lieine Apothelce und schicht seine Verordnungen zur Anfertigung einem Chemist and Druggist, deren nur die wenigsten verstehen
Recepte anzufertigen, wiihrend die Pehrzahl sirh einzig mit dem Handverkauf abgiebt, und von aller Wissenschaft ctwa nur so vie1 Icennt,
dass Bittersalz und Jalappe abfiihrt, Brechweinstein Brechen erregt
und Opium einschlifert, welche Kenntnisse sie an der armern Classe
praktisch anwendet, die zu arm ist, einen Arzt zu bezahlen und daher
ihre Znflucht zuniichst beim Chemist and Druggist sucht, der um der
Concurrenz willen natiirlich alles hingiebt, was die Bude enthalt.
Manche sollen die Opiumtinctur, die wie alle Arzneimittel begreiEicherweise in ihrer Gute sehr variirt, gallonenweiee verkaufen, in Folge
der sehr iiblichen Sitte, dass Arbeiter vor ihrer Entfernung rom Hause
den Kiudern Opiumtinctur eingeben, damit sie wahrend der Zeit ikrer
Abwesenheit schlafen sollen.
Bei einem auf das Eleganteste eingerichteten Chemist and Druggist, dessen Name noch nicht lange in deutschen Zeitungen als Unterschrift eines gleichsam eminenten Chemikers, der ein neues Arzneimittel
gepruft habe, genannt' wurde, aherzeiigte sich der Verfasser yon der
Art und Weise, wie hier Arzneien nicht selten zubereitet werden
mdgen, indem bei der Anfertigung einer Salmiakmixtur Lakritzensaft
und Salmialc in rohen Stiicken ins Glas geworfen wurden, mit der
Bemerlcung, dass er nie geh6rt habe, dass Salmialc zum innerlichen
Gebraurh verwendet werden Icdnne.
Manche bezeichnen bei der Abgabe von Mineralsluren und andern
schadlirh wirkenden Substanzen das Gefiss mit Anpabe des Inhalts,
mit der Erinnerung ~Giftaund auch wohl mit einem Todtenkopfe, andere wiederum unterlassen diese Vorsicht. Trotzdem scheinen doch
weniger Ungllclrsfille vorzulcommen, als man erwarten sollte, da eben
die grosse Concurrenz die Leute zur Vorsicht mahnt; indessen werden
Unffille eben auch nicht sehr selten sein. So erwiihnt Dr. W r i g h t
in seiner Rede bei Erbffnung der pharmaceutischen Gesellschaft i n
Birmingham, dass einem l a n n e , der aus Versehen Oxalsiure getrunken
und bei einem Chemist and Druggist Hillfe gesucht hatte, zur Abstumpfung der Sdure Kali statt Kalkgereicht und in Folge der neugebildeten
leichtldslichen Verbindung derselbe bald ein Opfer des Todes wurde.
Ungeachtet der grossen Concurrenz der Apotheken in England
scheint doch der Preis der Arzneimittel im Verhdltniss zu dem geringern Werthe des Geldes und zu dem Kostenpreise rller Lebensinittel etc.
(im Monat Februar 1848 kostete z. B. IJ'fd. Fleisch 8 Sgr., IPfd.
Brod 14 Sgr , 1 Pfund Kartoffeln beinahe. 1 Sgr. u s. w ) im Allgemeinen nicht vie1 niedriger zu sein als in Deutschland, wenn man
dazu bedenlit, dass die dortigen Apotheken die meisten Droguen aus
niihern und billigern Quellen beziehen als unsere deutschen Apotheken.
Man kann daher nicht glauhen, dass es angemessen ware, bloss
urn billigere Preise fiir das Publicum cu erzielen, das gegenwiirtig in
92
Vereanszeitung.
England bestehende Verhaltniss der Apothelten in einem deutschen
Staate nachzuahmea. Der Vortheil, den man sich vielleicht yon einem
solchen veriinderten Zustande ausmalt, kann unmaglich die Garantie
der Sicherheit und Gewissenhaftiglceit der privilegirten oder concessionirten Apothelren iibertreffen. So vie1 ist gewiss, dass jede Regierung zur Beruhigung und Sicherheit ihrer Burger die Aufsicht iiber
das Sanitatswesen fiihren muss; aber ebenso wahr ist es auch, dass
der G e w e r b e f r e i h e i t jede Einmischung des Staates liistig sein
muss, obwohl letztere fur das allgemeine Wohl dringend nothwendig ist.
Die jetzigen Einrichtungen der Apothelren Deutschlands in ihrem
ganzen Umfange sind durchaus nicht immer in Schutz zu nehrnen, da
manche Blossen sich bei ihnen herausstellen; indessen ist doch kaum
damit iibereinzustimmen, dass die Preise der Arzneimittel eine so bedeutende Hohe erreicht haben sollen, wie manche sie darzustellen sich
angelegen sein lassen. Man vergleiche nach einer Hranltheit die Rechnungen des Arztes und Apothekers, und urtheile dann; inan wird finden, dass die Rechuung des erstern stets dasVier-, Sechs- und Mehrfache des letztern betragt, und dass die i i r z t l i c h e Taxe weit eher
zum Ruin einer unbemittelten Pamilie beizutragen im Stande ist, als
die des armen Biichsenrnannes, der von einer gewissen Seite her nicht
selten angefeindet wurde und es vielleicht stets bleiben wird, selbst
bei der unbeschranlctesten Gewerbefreiheit. Man lasse ihm seinen meist
geringen, aber gewohnlich durchs Vergrosserungsglas gesehenen Gewinn,
denn e r will ja zum Leben in der Regel nicht mehr und nicht weniger, als jeder andere gebildete Mensch. Und wen driiclrt am Ende
des Arztes und Apothelters Rechnung mehr, als den kleinern Biirger
und Handwerlrer, niedern Beainten und deren Wittwen! Der wirlclich
h r m e erhalt medicinische Hiilfe auf Hosten der Gemeinde, welcher der
Apothelrer gewohnlich einen Rabatt von 25 Proc. und mehr geben
muss; er ist daher durch die hpothelren so wenig bedrficlrt, wie der
Wohlhabende oder Reiche, die zuweilen wohl bei dem Preise einiger
Arzneien an den PNeonundneunziger. denlren mogen, wahrend der
zehnfache Betrag fur Luxusartilrel oder ein leeres, nichtssagendes, vermeintliches Vergniigen nicht im lindesten in Anschlag gebracbt wird.
So loblich es is!, dem Publicum billige Heilrnittel zu verschaffen,
so muss dieses n u r nicht zum offenbaren Schaden eines ganzen Standcs geschehen sollen. Statt der geriihmten Gewerbefreiheit befordere
man A s s o c i a t i o n e n , die dem Mittelstande in dieser Hinsicht das
liefern werden, was a u f andere Weise nie in demselben Maasse erlangt
werden wird. Ve r e i n i g u n g ist das einfachste Mittel z u r Erlangung
wohlfeiler Heilmittel, ohne zugleich gewaltsame Aenderungen zutn Nachtheile und zur hdchsten Unzufriedenheit vieler achtbaren uod den
Wissenschaften nitzlicher Manner herbeizufuhren. Wenn die Aerzte,
welche gewissermaassen lrein Privilegiuiu besitzen, vom Staate nicht
diejenige Beriicltsichtigiing erhalten, die ihnen in ihrer Stellung als
erste Hiilfspersonen der menschlichen Gesellschaft mit vdlligem Rechte
zukommt, SO ist dieses gleichfslls zu tadeln; wir meinen, der Staat
m u s e dem ltleinen N a s s a u nachahmen und im Interesse der Kranken
eine bestimmte Anzahl von Aerzten fixiren, bei deren Abgang von der
Praxis jiingere Aerzte nachriicken miissten.
Wenn sich manche Stimmen fur Verwandlung der Apothelien in
wirlrliche Staatsanstalten vernehmen lassen, so mochte eine solche
Aenderung den Apatheltern nur angenehm ersoheinen, dem Publicum
Vereanszeiltmy.
93
aber, gleich wie mit freier Concurrenz, vielleicht weniger geniitzt und
deni Staate eine Last niehr aufgeladen werden, abgesehen von maglichen UnterschleiEen und wahrscheinlich bedeutenden Verwaltungskosten
Am zweckmissigsten und naturgemassesten von allen Vorschl~gen,
wenn nun einmal absolut reformirt werden 6011, mag noch der der
Umwandlung des Apothekenbesitces in Gemeindeeigenthum sein, vvozu
nicht einninl ein sehr grosser baarer Fonds ndthig ist, da bei der Uebernahme jeder Apotheke von der Gemeinde diese ja selbst die sicherste
Gewiilirleistung verspricht und ihr nach nicht nllzu langer Zeit der
Vortheil erwachsen wiirde, die Arzneimittel um ein Bedeutendes billiger erlangen eu kdnnen. Beim Abschluss jedes Kaufes zwischen
Commune und Apotheke miisste natiirlich der Vcrltaul von vereidcten
Sachverstandiqen geleitet werden, der Apotheker Irsnn, wenn er Lust
hat, in Function bleiben und erhali. einen fixen Gehalt. Uebrigens hitten dann alle Apotheken ausser der Controle der Gemeinde auch unter
der Benufsichtigung einer obcrn Beharde zu stehen, welcher die Exaiuina, Visitationen u. s. w. zu unterwerfen wiren *+).
Als wahrer Freund der gesainmten deutschen Bevollternng und
frci von Vorurtheil und allen eigenniitzigen Interessen, bemerlien
wir hiermit nochmals, dass mis der G e w e r b e f r e i h e i t der ApotheIten fiir Deutschlands \l'ohl nirht der Rutzen hervorgehen knnn, den
man zu erwnrten yon mancher Seite sich den siissesten aber triigerisehesten Jlofnungen nur EU leicht hinzugeben geneigt zeigt. nlan
mache den Versuch und man wird finden, sich srhr grossen Tiuschungen hingegeben zii haben. Englands Apothelrenwesen steht noch auf
der S t u l e d e r K i n d h e i t , Frankreich versucht die ZahlseinerApotliclien zu vermindern - und Deutschland wird nicht, gewiss nicht
nach einem Zustande streben, den jene Lsnder erst noch z u verbessern bcmiiht sind ! Wer mit dem Apotheltenwesen hinlinglich vertraut ist und unparteiisch urtheilen will, wird eine u n b e s c h r a n k t e
Gc w e r b e f r e i h ei t der Apothelren, wie in England, unwiirdig cines
Landes Iialteu, dns suf derjenigen Bildungsstufe steht, wie Deutschland, wclches deshalb von allen Nationen die hdchsle Achtung genicsst.
Ausserdeni lAge aber auch eine onenbare Ungerechtigkeit gegen die
Apotheltenhesitzer in der wenigstens p I d t z l ich e n Aufhebung aller
Concessionen, welche ein empfindlicher Schlag fiir den Pamilienvater
wiire, indessen kaum yon eiqem deutschen Staate ausgehen Itann.
Wir verlangen nicht u n d kdnnen nicht verlangen, dass die Interessen des Apothelters als E i n z e l n c n gewahrt werden sollen, wenn
dabei das G a n z e hecintrichtigt wird; aber wir hegen die f e s t e
U e b e r z e u g u n g , d a s s d a s L e t z t e r e n i c h t d e r F a l l i s t , und
dass ein f r e i e r p h a r m a c c u t i s c h e r V e r k e h r fiir d a s G a n z e
n i c h t h e i l b r i n g e n d sein kiinn - s o leid es uns aurh ist, mit diesem Ausspruche den nach Selbststlndiglreit ringenden Pharmaceuten
lreinen bessern Trost bietcn zu kdnnen. Aber eben SO schr muss
anerltannt werden, dass diese Classc von nicht weniger chrbaren Leuten, in denen sich in neuerer Zeit wieder ein grdsseres Slreben nacli
*).
):4
**)
Volllrommen niit rneiner schon 6fters ausgesprochenen Ansiclit
iibereinstimmend.
B.
Die ehemaligcn Rathsapotheken diirften hierfiir nicht gerade
sprechen.
B.
94
I’ereinszezlung.
sittlicher und wissenschafilicher Bildung kundgiebt, auf irgend eine
Weise e n t s c h i d i g t w e r d e n m u s s , denn sie sind es gerade, die,
wenn ohne materielle Mittel, die grossen Opfer eines Dieners der
Apothehe oder der Kranhen i n ilirer ginzen Scliwere zu tragen haben.
Und wclche Zulcunft steht ihnen bevor, nachdem sie ihre kriiftigsten
Jahre dem Dienste der kranken Menschheit geweiht und verloren hatien?
Alt und gebrechlich, oder arbeitsitnfiihig, werden rie nicht nach ilirem
Stande unterstiitzt; der Staat betrachtet sie dann nicht hbher, als jeden
beliebigen allen Bettler, und die geringe Unterstiitzung, die ihnen vnn
einzclnen Apotheker-Vereinen mit wenigen Thalern gereicht wird, ist
zum Leben zu wenig und Zuni Sterben zu viel. Es ist offenbar, dass
hier mehr geschehen muss, als bislier der Fall war, dass den gedienten Gehiilfen in alten Tagen eine Existenz bereitet werden niuss, die
sie vor der driickendsten Noth schiitzt, denn sie verdienen es um der
Penschheit willen! Es darf bei der Erleichterung ihrer alten Tage
lceine Kede von Gnade, sondern von w n h I v e r d i e n t e r P e n s i o n
sein, auf wclche Anspruch zu iiiachkn sie vdllig berechtigt sind, s o
l a n g e w e n i g s t e n s , als noch heine Gewerbefreiheit eingefiihrt ist!
Wir wollen voni Staate lceine directe Unterstiitzung fur gediente
tiichtige, aber besitzlose Apothelter verlangen, ausser etwa inehr Beriicltsichtigung der Tiichtigsten l e i Beselzung yon Lehrerstellen a n
Gewerbeschulen u. dergl. ”) Aber yon den besitzcnden Apothekern
kann man fordern, dass sie nielir thun, als bisher gethan worden ist.
I)er Apotheker selbst wegen is1 zu wiinschcn, dass eine gerechtc I’ension der ausgedienkn Gehtllfen yon jeneu ausgehe, dass sie sich nicht
gleichsam dazu zwingen lassen! Alan entschuldigt sich sehr houfig bei
genieinniitzigen Planen niit der Erhultung der eigenen Familie ; sehr
wohl
nur darf diesc nicht stets als uniibersteiglicher Schutzwall
gebraucht und bis ins Extreme gezogen werden. J)ie Sorge far die
Faniilie muss auch neben sich diejenige fiir das Alter der gcclienien
Gehiilfen dulden, welche yon der l’flicli t geboten wird. Sollte diese
aber neben der bcliebten Fainiliensorge niclit aufltommen Icbnnen, so
wire es vielleicht cut. iiber alle Aaotheltenbesitzer das
Cijl i b a t
iuszuspreclien !??
’
Da indessen Gewerbefreiheit der \f’ohhhrt des Publicums nicht
fdrderlich zu sein scheint, der Staat daher die Apothelcen durrh Beschrlnliung in der Zahl sowie durch Taxen schiitzt, so haben die Apothelienbesitzer als der begunstigle Theil auch die unabweisbare Verpfliclitung fur die alten Tage ihrer oft sehr in Anspruch genommenen
Gehiilfen die sckuldige Sorge zu tragen. Und das kann gescheben
ohne grosse Anstrengung von Seite der erstern und der noch riistigen
Cehiilfen, wobei von O p f e r n zu reden h c i n G e d a n l c e sein kann.
Im Jahre 1846 unterstiitzte der nordtleutsche Apotheker -Verein
28 diirfiigc Phnrmaccutcn niit 554 Thlr., also E i n e n durchschnittlich
niit niclrt ganz 20Thlr. So 1ol)enswerth nun auch diese als zum Theil
freiwilligen Gaben sind, SO gering ist einc solche Sunime und kanm
hinreichend, dafiir das liebe trocltene Brod kaufen zu leiinnen! Ein
ausgedienter Gehiilfe muss, da ihm durch die beschrankte Zahl d e r
Apothelien nicht immer Gelegenheit zur Selbstetindiglteit gegeben ward,
a l I e r n i i n d c s t e n s auf 100 Thlr. Anspruch niachen ltiinnen, die ohne
-
-
<>) 1st schon von Dr. d u M 6 n i l vorgeschlagen und empfohlen. B.
wiirde iibel mit der in Anspruch genommenen unbedingten
B.
Freiheit stimmen.
”*) Das
Vereinszeilung.
95
grosse Piihe und mit Leichtigkeit beizuschaffen sind. Unser Vorschlag
geht dahin, dass zu diesem Zwecke jcder Apothelrenbesitzer von je
1000 Thlr. Brutto-Einnahme 1 Thlr. ”) und jeder Gehiilfe jtihrlich
I Thlr. beitragen miisste, eine Kleinigkeit, die nicht in Betracht gezogen werden lcann, wenn man nicht von der engherzigsten Selbstsucht
und Philisterei befangen sein will, die, so hoffen wir, dem erwachenden Kationalgefiihl immer mehr Platz greifen lassen werden.
Rechnet man z. B. fiir die preussische Monrrchie 1400 Apotheken, und die Brutto-Einnahme einer jeden im Durchschnitt a n ch n u r
zu 2000 Thlr., dann mindestens eben so viele (1400) Gehiilfen, so
haben wir 3 y 1400 z 4200 Thlr., womit also 42 Gehiilfen mit
100 Thlr. wknigstens ein ziemlich sorgenfreies Alter in Aussicht gestellt
werden kann. Diese beantragte Pension darf indessen keine Gnadc,
soudern muss eine V e r p f I i ch t u n g sein, die dem ganzen Apothekerstande, wenn nicht damit einverstanden, vom StaRte auferlegt werden
solltej sie miisste nicht nur in einem einzelnen Vereine oder Staate,
si miisste in ganz Deutschland Galtiglceit haben. Das kdnnen die im
Dienste der krankeu lenschheit ergrauten Apothekergehiilfen mit vollem Rechte verlangeu, und es ist zur Ehre des ganzen Standes nicht
zu glauben, dass sich dagegen nuch nur Eine Stirnrne erheben kdnnte!
Man kdnnte 30-40 Dienstjahre als Regel gelten lassen und dabei noch
manche nshere Bestimmung aubringen, was in einem besondern Entwurfe andern Orts niiher besprochen werden soll.
Unsere Zeit ist so reich an Reformen, durch die Deutschland,
wenn auch erst nach harten KBmpfen, einer gliiclrlichen Zulcunft entgegen geht und diejenige Stellung in der Welt einnehmen wird, die
jhm zukommt und die ihm das Ausland zuerkennen w i r d und muss
- mlige also auch der ganze Apothelcerstand dahin wirken, wenn
erst die politische Einheit Deutschlands gesichert nnd die Kluft der
Zollschranken, der verschiedenen Miinzen, Maasse und Gewichte iiberschritten ist, dass es in Deutschland ferner keine preussische, dsterreichische oder baiersche Medicinalverfassung, Pharmakopde u. s. w.
mehr gebe, sondern ein Einiges deutschev Medicinalwesen, durch das
zur gliicklichen Einheit und Achtung einfldssenden Stiirke Deutschlands
Vieles beigetragen wird. Das ist unser gliihendster Wunsch ! E s 1e b e
d a s Einige s t a r k e Deutschland!!
Der vorstehende Aufsatz eines wiirdigen jungen Pharmaceuten ist
aller Beracksichtigung werth. Man priife also und beherzige!
Bley.
2) Vereins - Angelegenheiten.
Bericht uber die Kreisversammlung in Oels am 1 . Juni 1848.
Durch Circulare an die Vereinsmitglieder, so wie wiederholt
durch die Schlesische und Breslauer Zeitung hatte der Unterzeichnete
zu einer Hreisversammlung in Oels am 1. Juni aufgefordert, und auch
Blitglieder aus andern Kreisen ersucht, daran Theil zu nehmen. Leider
*) In dem Vorschlage des Verfassers steht 2’I’hlr., was
zu vie1 ist,
denn viele Ayotheker lrdnnen das nicht leisten beim besteu
Willen.
B.
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