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Ueber Corydalisalkaloide.

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J. G adam e r : Ueber Corydalisaikaloide.
19
-
Etteilungen am dem pharmazeutisch chemischen Inetitnt
der Universitiit Parburg.
147. Ueber Corydalisalkaloide.
T o n J. Gadamer.
(Eingegangen den 18. XI. 1901.)
Die knollig verdickten Wurzelstlicke von Corydulis cuwa haben
schon friihzeitig durch ihren Alkaloidgehalt die Aufmerksamkeit der
Chemiker erregt. Von W a c k e n r o d e r im Jahre 1826 anfangend ist
die Zahl der Bearbeiter dieses Materials eine recht ansehnliche. Es
seien nur die Namen P e s c h i e r , W i n k l e r , D o e b e r e i n e r , R u i k holdt , MUller, L e u b e , W i c k e , A d e r m a n n und Birsmann genannt.
Die Resultate dieser Arbeiten waren jedoch sehr unbedentend und einander
widersprechend. Sie lassen sich etwa dahin zusammenfassen, dass die
Gegenwart mehrerer Alkaloide in Corydalis cava nachgewiesen war
and dass gewisse Beziehungen zum Berberin vermutet wurden. Wirklich
greifbare Erfolge wurden erst durch Dobbie und L a u d e r , F r e u n d
nnd J o s e p h i und vor allem durch E. S c h mi d t nnd seine Schtiler
Noelle, Ziegenbein und M a r t i n d a l e erzielt.’)
Duroh die Arbeiten dieser Autoren sind als chemische Individnen
fiinf Alkaloide ermittelt worden :
Corydalin Cs9 Hz7NO4,
Schmp. 134,5O
Corybulbin Csl HaaNO4, Schmp. 238-239O
Corycavin CaeHzaNO,,,
Schmp. 216-217O
Bnlbocapnin CleHlQN04, Schmp. 199O
Corytnberin C1Q H96NO4, Schmp. fiber 200°.
Ausserdem hat noch E. M e r c ka) auf ein sechstes amorphes Alkaloid,
das C o r y d i n , aufmerksam gemacht. Dasselbe sol1 von starker physiologischer Wirkung sein. Jedoch dtirfte dieses Corydin kein einheitlicher Korper gewesen eein, wie aus dem Schmelzpunkt 65-75O ohne
weiteres geschlossen werden kann.
Die genannten sechs Alkaloide sind jedoch nicht immer vollzlhlig
von allen Bearbeitern aufgefunden worden.
E. M e r c k fand (1. c.) das Corydalin, Corycavin (?), welches
aber wahrscheinlich mit Corybulbin verwechselt wurde , Bulbocapnin
nnd Corydin.
1)
Litteratnrznaammsnstellangen hden sich in diesem Archir 1896,
492 ff. und 1898, 212 ff.
9)
Arch. d. Pharm. 1893, 133.
2*
20
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
F r e u n d und J o s ep h i hatten Corydalin, Bulbocapnin, Corycavin
und Corybulbin in den Handen.
D o b b i e und L a n d e r beschrieben ausserdem noch das Corytuberin.
Hingegen konnte H. Z i e g e n b e i n nur die vier von F r e u n d und
J o s e p h i bearbeiteten Alkaloide isolieren, wlhrend M a r t i n d a l e sogar
im wesentlichen nur Corydalin erhielt. Auch beztiglich des Verhaltnisses, in dem die einzelnen Alkaloide zu einander vorkommen,
bestehen noch Widersprtiche. Wghrend E. M e r c k das Bulbocapnin
fur das Hauptalkaloid erkllrte, wonach das Corydin klme und dann
erst das Corydalin, ist nach Z i e g e n b e i n und M a r t i n d a l e das
Corydalin das in den grijssten Mengen vorkommende Alkaloid.
Es erregt' also den Anschein, als ob die absolute und relative
Menge, sowie die Zahl der Alkaloide je nach dem Ausgangsmaterial
wechselnd waren.
Ich habe daher, als vor nunmehr 3% Jahren Herr Geheimrat
Prof. Dr. E. S c h m i d t mir das interessante Arbeitsgebiet in dankenswertester Weise uberliess, auf die Darstellung der Alkaloide die
grosste Sorgfalt und Aufmerksamkeit verwendet, um die noch zweifelhaften Punkte aufkllren zu konnen. Die Erfahrungen, die ich dabei
zu sammeln Gelegenheit hatte, sind durchaus derart, dass man einesteils wohl a priori bestehende Verschiedenheiten annehmen darf, andernteils aber auch die Darstellungsmethode for dieselben verantwortlich
machen muss.
Folgende Zahlen sprechen fiir sich selbst:
Wlihrend H. Z i e g e n b e i n 1894 bei der Verarbeitung von 10 k g
Corydalisknollen im ganzen 108 g Alkaloid erhielt und zwar 57 g
Corydalin, 41 g Bulbocapnin, 6 g Corycavin und 4 g Corybulbin,
gewann M a r t i n d a l e 1897 nur etwa 90 g, die im wesentlichen einzig
aus Corydalin bestanden. H. W a g n e r , der sich irn Jahre 1898 auf
meine Veranlaasung mit den Corydalisalkaloiden beschZlftigte , konnte
ca. 118 g krystallisierte Basen, unter denen das Corydalin bei weitem
iiberwog, und noch etwa 50 g amorphe Basen isolieren, und zwar
im wesentlichen nach derselben Methode, die H. Z i e g e n b e i n angewandt hatte.
Im Frtihjahr 1900 nahm ich dann selbst die Darstellung in die
Hand und erhielt nach einem wesentlich modifizierten Verfahren aus
10 k g Knollen rund 400 g Alkaloide, von denen 288 g krystallisiert
waren. Dabei ist das Corytuberin, welches auf andere Weise als die
ilbrigen Alkaloide abgetrennt wird, noch nicht einmal inbegriffen.
Bei einer zweiten noch rationeller durchgefiihrten Darstellung
aus demselben Material betrug die Gesamtmenge der Alkaloide sogar
noch etwas mehr, darunter etwa 200 g amorpher Basen, von denen
J. Gad am e r : Ueber Corydalisalkaloide.
21
aber die Hauptmenge durch ein geeignetes Verfahren ebenfalls noch als
krystallisierte, zum Teil bisher noch nicht bekannte Alkaloide gewonnen
werden konnte. Der Alkaloidgehalt des letzten Ausgangsmaterials
betrug demnach etwa 5 Prozent.
Es liegt mir nun zwar fern, behaupten zu wollen, dass die frtiher
von H. Z i e g e n b e i n , M a r t i n d a l e und H. W a g n e r verarbeiteten
Rohmaterialien den gleichen hohen Alkaloidgehalt besessen htitten.
Dass er aber grosser war, als man nach den respektiven Ausbeuten
erwarten konnte, ist mir zum Teil aus eigner Anschauung bei den
friiheren Arbeiten klar geworden, zum Teil auch von H. Z i e g e n b e i n ,
der mir in den letzten 1%Jahren als Mitarbeiter bei der Darstellung
der Alkaloide und ihrer Untersuchung die wertvollste Untersttitzung
hat zuteil werden lassen, vollkommen bestxtigt wurden.
Wenn ich es nun versuche, das eingeschlagene Darstellungsverfahren wiederzugeben, so kann es doch nicht meine Aufgabe sein,
bis ins kleinste alle angewandten Mittel und Mittelchen, mit Hilfe
deren ich zum Ziele gekommen bin, zu beschreiben. E s wiirde mir
das sogar beim besten Willen nicht mtiglich sein, da naturgemHss ein
Experimentieren , welches sich iiber einen Zeitraum von Jahren erstreckt, abwechselnd in Erfolg und Misserfolg in seinen Einzelheiten,
selbst wenn sie wichtigerer Natur sind, nicht festgelegt werden kann.
Sodann ist auch manches frilhere in eigenen Arbeiten durch spPteres
uberholt oder unnotig geworden, so dass dessen Mitteilung iibergdngen
werden darf. Ich will mich daher damit begniigen, im nachstehenden
die Methode anzugeben, wie sie nach meinen jetzigen Erfahrungen die
beste sein diirfte, ohne auf ihre Entwickelung Rticksicht zu nehmen.
Sie beruht hauptslchlich auf zwei bekannten Prinzipien, dem der
fraktionierten Krystallisation und dem der partiellen Stittigung.
Dsrstellang der Alkaloide.
Das zerkleinerte Ausgangsmaterial wird in einem L e n s 1schen
Extraktionsapparate mit Alkohol von 94 % vollstiindig erschopft. Dazu Bind
bei Verarbeitung von 10 kg 3-4 Wochen erforderlich. Nach dem Abdestillieren des Alkohols wird das dicke Extrakt unter Zusatz von Essigsaure
bis zur stark sauren Reaktion mit Wasser allmiihlich bis etwa auf das
doppelte Gewicht der angewandten Corydalisknollen verdunnt. Die s e s t a r k e
Verdunnung i s t ein f u r d i e A u s b e u t e s e h r wesentlicheshfoment.
Fett und harzige Bestandteile scheiden sich aus und die Rohalkaloide werden
daher von Anfang an in vie1 grasserer Reinheit erhalten, als nach dem bisher iiblichen Verfahren moglich war.
Die filtrierten Lasungen werden mit etwa dem halben Volumen Aether
durchgeschiittelt, mit Ammoniak alkalisiert und so f o r t von neuem bis zur
Lasung durchgeschiittelt. Die Losung erfolgt sehr rasch, da auch die an
J. G a d am e r : Ueber Corydalisalkaloide.
sich in Aether sehr achwer lbslichen Alkaloide im amorphen Zustande bei
Gegenwart der leicht lbslichen glatt vom Aether anfgenommen werden. Nnr
verhlltniamiissig unbedeutende Mengen schwarzer, harziger Massen, die meines
Erachtens aus Oxydationsprodukten, namentlich des Bulbocapnins bestehen,
bleiben dabei ungelast. Eine zweite Ausschiittelung nimmt nnr noch wenig
auf. Wir haben also eine ammoniakalische wilsserige L6sung A, welche an
Aether alle Alkaloide ausser dem darin unlbslichen Corytuberin abgegeben
hat, die hareigen Massen B und eine iltherische Alkaloidlosung C.
Um aus der Lbsung A das C o r y t u b e r i n eu gewinnen, dampft man
dieselbe zum dicken Sirup ein, setzt noch etwas Ammoniak nnd dann einige
Kubikzentimeter Chloroform hinzu. Beim Umschiitteln ballt sich das Corytuberin harzig zusammen, wird allmlhlich krystallinisch und kann dann durch
Umkrystallisieren gereinigt werden.
Die harzigen Massen B halten Bulbocapnin mechanisch eingeschlossen.
Um dieses nutzbar zu machen, last man B in Chloroform auf und schiittelt
diese Lbsung rnit salzeiiurehaltigem Wasser mehrfach Bus. Beim Ausschiitteln
der wieder ammoniakalisch gemachten wasserigen Fliissigkeit mit Aether
oder Chloroform wird fast reines Bulbocapnin erhalten.
Die iltherische Alkaloidltisung C muss so rasch wie mbglich von der
Fliissigkeit A getrennt werden, da nach einiger Zeit, bisweilen schon nach
wenigen Minuten, die am schwersten 16slichen Alkaloide auszukrystallisieren
beginnen.
Nachdem deren Abscheidung beendet , wird der Aether wiederholt
teilweise abdestilliert und dabei ein Alkaloidgemisch vom Schmelzpunkt
160-1800 erhalten, welches wir rnit a bezeichnen wollen. Die allmlhlich
sirupdick gewordenen Mutterlaugen von a scheiden beim freiwilligen Verdunsten noch mehrere reichliche Krystallisationen Bus, die bei etwa 130-1340
schmelzen, also aus fast reinem Corydalin bestehen - b. Die verbleibenden
amorphen Alkaloide sind in Alkohol sehr leicht loslich. Sie nerden daher in
nur wenig Alkohol aufgelost und mit Bromwasserstoffsiinre von bekanntem
Gehalt bis zur achwachsauren Reaktion versetzt und in einer flachen Schale
dnrch Verdunsten vom Alkohol moglichst befreit. Der nicht unbetrachtliche
Niederschlag besteht in der Hauptsache aus bromwasserstoffsaurem Bulbocapnin, welches in der iiblichen Weise daraus gewonnen werden kann - c.
Es verbleibt eine sirnpbse Lasung, welche weder beim Verdiinnen rnit Wasser,
d.
noch bei starker Abkiihlung eine Abscheidung von Krystallen erfihrt
Aus der Menge der angewendeten Bromwasserstoffsilure and dem gewonnenen
bromwasserstoffsauren Bulbocapnin liisst sich alsdann berechnen, wieviel
Ammoniak zur Abscheidung der Basen notwendig ware. Von der durch
Rechnung gefundenen Ammoniakmenge setzt man zu der auf einige Liter
auf einmal hinzu nnd erschbpft dann
verdiinnten Salslbsung j e 1/&/10
jedesmal mit Aether. Man erhillt so 8-10 Fraktionen, die mit der laufenden
Nummer an Basizit&t zunehmen. Die meisten derselben liefern jetzt wieder
Krystallisationen. In den schwachsten, also den ersten, finden wir Corydalin,
Corybulbin, I s o c o r y b u l b i n , aun den letzten krystallisiert C o r y d i n und
Bulbocapnin aus, bisweilen wohl auch Corycavin. Die nicht krystallisierteu
Anteile werden mit Salzsaure g e n a u neutralisiert. Ea finden wiederum
-
J. G a d a m e r : Ueber Corydaliaalkaloide.
23
Krystallabscheidungen statt , die zerlegt und nach den Schmelzpunkten der
Basen gesondert werden. Die nicht krystallisierenden Mutterlaugen werden
darauf jade fiir sich wieder in freie Basen umgewandelt und die iltherischen
Losungen derselben mit Salzsaure fraktioniert ausgeschiittelt, sodass man
also im ganzen etwa 40--60 Fraktionen erhalt. Neue Krystallabscheidungen
lohnen auch diese Miihe reichlich.
Die nunmehr verbleibenden Mutterlaugen , welche also aus salzsauren
Alkaloiden bestehen, werden nach Stellung und Farbe, manche sind rot,
manche gelb, manche griin gefhbt, die roten sind schwache, die gelben
mittelstarke, die giinen starke Basen, zu drei bis vier Fliissigkeiten vereinigt
and mit Rhodankaliumlosung im Ueberschuss versetzt, wodurch die Basen
nahezu quantitativ ale Rhodanide ausgefallt werden. Beim Uebergiessen
mit Alkohol losen sich die Rhodanide zum Teil auf, zum Teil bleiben sie
als ein weisses krystallinisches Pulver ungelijst. Aus letzterem wird das
C o r y c a v a m i n erhalten. Aus den alkoholl6slichen Anteilen der Rhodanide
werden wiederum die freien Basen abgeschieden und deren atherische
Losungen nochmals fraktioniert mit Salzslure ausgeschiittelt. Die aus diesen
Fraktionen endlich dargestellten freien Basen liefern zum Teil nochmals
Krystallisationen.
ZPT Trennung des bei 160-1800 schmelzenden Basengemisches a wird
zunlchst fraktionierte Krystallisation aus Alkohol angewendet, indem man
wiederholt mit ungeniigenden Mengen Alkohol auskocht. Die am leichtesten
loslichen Alkaloide gehen dabei natiirlich zuerst in L6sung. Die auf diese
Weise nicht trennbaren Mischfraktionen werden aber ebenfalls nach dem
Prinzip der fraktionierten Slttigung mit Saure (HC1) geschieden.
Andere Trennungsmittel, wie Natronlauge, in dessen Ueberschuss die
einen Alkaloide unloslich, die anderen l6slich sind, habe ich nicht angewendet,
wail dadurch die Ausbeute sehr verschlechtert wird.
Man wird zugeben miissen, dass sich die beschriebene Darstellungsmethode nicht durch grosse Einfachheit auszeichnet; aber sie hat ihre
Schuldigkeit im vollsten Make gethan. Hat sie doch zur Erkennung dreier
neuer, gut charakterisierter und schon krystallisierender Basen gefiihrt, ohne
dass jedoch damit die Zahl derselben erschbpft ware. Denn die drei Basen
Isocorybulbin, Corycavamin und Corydin sind nur diejenigen, welche in
gr6sserer Menge auftreten. Ausserdem erhielt ich noch eine krystallisierte
Base vom Schmelzpunkt 1360, die mit Corydalin nicht identisch ist und ein
schwer losliches salzsauxes Salz liefert, leider jedoch in so kleiner Menge,
dass sie noch nicht analysiert werden konnte, ferner eine amorphe Base, die
ein prachtvoll krystallisierendes, schwerlosliches salzsaures Salz bildet und
endlich noch amorphe Basen, deren Salze ebenfalls amorph sind. Die Menge
der letzteren ist nicht mehr allzu bedeutend, kaum noch 25% vom urspriinglichen Bestand. Auch diese halte ich noch nicht fiir einheitliche Korper,
da beim Fraktionieren derselben kleine Verschiedenheiten beobachtet werden
konnen. Vielleicht h d e t sich auch fiir diese Basen noch das richtige
Losungsmittel, aus dem sie im krystallisierten Zustande zur Abscheidung
gelangen. E s bedarf wohl keiner Erwahnung, dass ich samtliche liblichen
24
J. G a d a m e r : Ueber Corydalisalkaloide.
Solventien probiert uhd wohl shmtliche Methoden herangezogen habe, welche
zum Ziele eu fuhren versprechen, so z. B. Fiillnng der iitherischen Losung
mit iitherischer Oxalsiiurelbaung u. 8. f., ohne dass der Erfolg den Bemiihungen
entsprochen hiitte.
Zur Verarbeitung der amorphen Basen (a) mbchte ich sodann noch
hinzufugen, dass mit dem gleichen Erfolge an Stelle des oben angegebenen
Verfahrens auch das umgekehrte Anwendung finden kann, wobei man mit
Vorteil die Neutralisation mit Bromwasserstoffsiinre umgehen kann.
Das gesamte amorphe Basengemisch, wie es nach Ahscheidung von b
verbleibt, wird in Benzol und Aether aufgelast und fraktioniert mit salzsibrehaltigem Waseer ausgeschuttelt. Das weitere erfolgt dann entsprechend,
wie oben angegeben.
Wie sich nun die Ausbeute anf die einzelnen Alkaloide verteilt, vermag
ich jetzt noch nicht anzugeben, nnr iiber die neuen Basen aei mit Vorbehalt
mitgeteilt, dass taus j e 10 kg Corydalisknollen etwa 6 g Isocorybulbin,
25-30 g Corycavadn und etwa 3Og Corydin im krystallisierten, aber noch
rohem Zustande gewinnen lassen. Die weitere Reinigung wird bei den Einzelbesprechnngen der Alkaloide beschrieben werden.
Sahematisohe Uebersioht iiber die Darstellnng der Alkaloide.
I. Beim Ausschutteln des ammoniakalischen Extraktes gehen in
den A e t h e r hinein:
A. krystallisierte Basen. Sie werden durch Auskochen mit
ungentigenden Mengen Alkohol getrennt und dabei der
Reihe nach erhalten :
1. Corydalin.
2. Bulbocapnin.
3. Corycavin.
4. Corybulbin.
B. amorphee Basengemisch (Corydin M e r c k ? ) . Sie werden
getrennt durch fraktionierte Salzbildung. Man erhalt dabei
der Reihe nach von den schwgchsten Basen anfangend:
a) krystallisierte Basen.
1. Corydalin
2. Corybulbin
schrvache Basen.
8. Isocorybulbin
I
4'
6.
6.
7.
8.
Corycavamin 1 mittelstarke Basen.
Corycavin
j
Corydin
starke Basen.
Bulbocapnin
Base vom Schmp. 135O, nicht identisch mit Corydalin, von noch unbekannter Starke.
}
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
26
b) amorphe Basen.
1. eine amorphe Base, deren Hydrochlorid gut
krystallisiert, von mittelstarkem Basencharakter.
2. amorphe Base, deren Salze ebenfalls amorph sind,
nicht einheitlicher Natur.
II. Von Aether nicht aufgenommen, aus dem sirupdicken Extrakt
durch wenig Chloroformzusatz abgeschieden wird - das Corytuberin.
Danach haben wir es in den Wurzelknollen von C q d d i s cava
mit mindestens 11 verschiedenen Alkaloiden zu thun , wahrscheinlich
aber ist die Zahl derselben noch grasser, so dass wir in Corydalis cava
ein wnrdiges Seitensttick zu Papauer smniferum resp. dem daraus
gewonnenen Opium zu erblicken haben. Sehr auffallend ist, dass
nnter der grossen Anzahl von Alkaloiden das P r o t o p i n , welches a18
das Leitalkaloid der Papaveraceen und Fumariaceen angesehen werden
darf, bisher noch nicht aufgefnnden werden konnte. Ob es wirklich
in CorydalG cavn fehlt oder von der Masse der ubrigen Alkaloide nur
verdeckt wird, muss noch unentschieden bleiben. Es ist wohl maglich,
dass die Stelle des Protopins durch ein anderes nahestehendes Alkaloid
in Cmydalis cava vertreten wird; ich denke dabei namentlich an das
Corycavamin, welches nach seiner Zusammensetzung wohl ein Homologes
des Protopins sein kiinnte, wie aus den Formeln:
C20HlsNOj = Protopin
C*l HalNOI, = Corycavamin,
hervorgeht. Bei neuen Darstellungen von Corydalisalkaloiden sou auf
Protopin rnit noch grasserer Aufmerksamkeit als bisher gefahndet
werden. Fur das kommende Friihjahr ist zuntichst die Durchforschnng
des Krautes von C0i.ydali-s cava in Aussicht genommen, da darin nach
einer Angabe von B a t t andier') Protopin enthalten sein soll.
In Nachstehendem sollen nunmehr die im krystallisierten Zustande
erhutlichen, also sicher einheitlichen Basen einer Beaprechung nnterzogen werden, wobei es sich empfehlen wird, dieselben nach ihrem
Charakter in Gruppen zusammenzufassen. Es ergeben sich dann unschwer drei, mit wohl charakterisierten Eigenschaften, ntimlich:
1. Die Gruppe des C o r y d a l i n s , schwache Basen, die bei der
Oxydation rnit alkoholischer Jodlosung in berberinartige Verbindungen
iibergehen. Hierher geharen, ausser dem Corydalin selbst, das Corybulbin und Isocorybnlbin.
2. Die Gruppe des C o r y c a v i n s , mittelstarke Basen, gegen
Jodltisungen nicht beetandig; sie nmfasst das Corycavin und Corycavamin.
1)
Compt. rend. 114, 1122 (1892).
J. Ga damer: Ueber Corydaliealkaloide.
26
3. Die Gruppe des Bnlbocapnins, die relativ stlrksten Basen,
welche von Jodlasung zwar oxydiert werden, aber , wahrscheinlich
wegen der freien Hydroxylgrappen, gut charakterisierte Oxydationsprodukte bisher nicht isolieren liessen. Es sind zu nennen Bnlbocapnin,
Corydin un3 Corytuberin.
Bei allen spielt, wie man sieht, das Verhalten gegen Jod eine
hervorragende Rolle; es wird sich daher empfehlen auf die Natur
und den Wert dieser Reaktion etwas nlher einzugehen.
Das Verhalten der Corydalisalkaloide gegen alkoholische JodlBsung.
J. G o d a m e r und H. Ziegenbein.
Die alkoholische Jodlllsung, welche a18 mildes Oxydationsmittel
wirkt, ist von E. S c h m i d t und seinen Schtilern bei der Untersuchung
einiger dem Berberin nahestehender Alkaloide mit grossem Erfolge
angewendet worden. E. S c h m i d t fand niimlich, dass die gedachten
Alkaloide unter der Einwirkung der alkoholischen Jodlllsung in urn
4 Wasserstoffatome lrmere ,Dehydroderivate" iibergingen, die mit
dem naturlichen Berberin zum Teil identisch, zum Teil demselben
sehr iihnlich waren. Auf diese Weise wurde von E. S c h m i d t das
Hydroberberin' ) in Berberin zuriickgefiihrt, das Canadin*) in
Berberin verwandelt, wahrend aus Corydalin*) eine dem Berberin
in Farbe und Verhalten sehr nahestehende Verbindong, das Dehydrocorydalin, gewonnen wurde. Die Einwirkung des Jods auf die genannten Alkaloide verlief in allen diesen Fiillen so glatt, dass a m dem
Verbranche an Jod direkt die Anzahl der Wasserstoffatome berechnet
werden konnte, welche dem Alkaloid entzogen waren. Speziell beim
Berberin (1. c.) diente diese Methode zur Ermittelung der empirischen
Formel des freien Berberins, welche noch keineswegs zweifellos sicher
gestellt gewesen war. Denn da das Hydroberberin, ein leicht rein zu erhaltender Kllrper, die Formel CaoHalNO4 beeass und beim Behandeln
mit alkoholischer Jodlasung naoh der Gleichnng
C,H a NO, 4J =CmH17NO4 4HJ
in Berberin iiberging nnd da dabei 4 Jodatome in Jodwasserstoff
iibergefiihrt worden waren, musste dem Berberin die Formel C20B1,N04
zukommen*).
+
+
Archiv d. Pharm. 226, 155 (1837).
Archiv d. Pharm. 232, 149 (1894).
8 ) Archiv d. Pharm. 234, 490 (1896).
*) Anm. Vgl. meine Arbsit: Die Beziehungen des Canadius zum Berberin,
d. Arch. 1901, Heft 9, S. 618-663.
1)
9)
J. Gadamer: Uebar Corydalisalkaloide.
27
Mit dem gleichen Erfolge hat auch H. Ziegenbein') das Coryb u l b i n in eine um 4 H-Atome ZIrmere Dehydroverbindung tiberfilhren
kinnen, wie such neuerdings von mir mit D. Bruns') besttitigt
werden konnte. Die Menge des verbrauchten Jodes entsprach in allen
Faillen 4 Atomen Wasserstoff mit so dnrchaus geniigender Ueber.einstimmung, dass wir die Methode flir allgemein anwendbar hielten
and wir derselben ganz besonderen diagnostischen Wert zuschrieben.
Dass wir dazu berechtigt waren, geht aus dem nachstehenden
Zahlenmaterial hervor.
1. Hydroberberin (E.Schmidt 1. c.).
0,235 g banden 0,33346 g Jod; berechnet 0,3521 g Jod
0,3231 ,
0,46214
n
0,4841 n n
0,5214 n n
4348 77
n
0,5156 n n
0,470
n
0,7042 n n
,, 0,7036
2. Canadin (E.Schmidt 1. c.)
0,2866 g Canadin brauchten 0,3782g; berechnet 0,4294 g Jod
n
,
0,2747,,
n
0,2859 n n
41908.
(1
n
n
0,3849 n
n
0,4345 n n
3. Corydalin (H.Ziegenbein 1. c.).
0,2109 g Corydalin brauchten 0,2528 g; berechnet 0,2904 g Jod
0,7201
0,9212
n
0,9910n n
4. Corybulbin.
0,2026 g (Ziegenbein 1. c.) 0,3068 g; berechnet 0,2898 g Jod
0,2234 ,, (Brnns)
0,3.534
n
0,320 n n
Die Abweichungen der gefundenen Werte von den berechneten
nach oben und unten sind zwar nicht unbetrtichtlich, aber doch nicht
derart gross, dass eine andere Zahl als 4 sich daraus berechnen liesse.
Sie wurden daher geringftigigen Nebenreaktionen zugeschrieben.
Von dem Gesichtspunkte ansgehend, dass die in einer Pflanze
vorkommenden Alkaloide meistens in gemisser Beziehnng zu einander
stehen, wurden daher von H. Z i e g e n b e i n a ) auch das Bulbocapnin
und Corycavin der Behandlung mit alkoholischer Jodlbsung unterworfen.
Es stellte sich dabei heraus, dass Bulbocapnin mit Jodl6sung
zwar reagierte, das8 dabei ein berberinartiger Kbrper aber nicht entstand, sondern ein sehr dunkelgeftlrbter ,,kohleartiger", dessen eingehende Untersuchung nicht angtingig war, da er im krystallierten
Zustande nicht erhalten werden konnte. Auch die Menge des verbrauchten Jods liess sich wegen der dunklen Farbe nicht quantitativ
0,290
1)
'9)
8)
n
Archiv d. Pharm. 234, 534 (1896).
Archiv d. Pharm. 239, 41 (1901).
Arch. d. Pharm. 234, 523 und 531 (1896).
28
J. Gadamer: Ueber Corydaliealkaloide.
bestimmen. Anders lagen die Verhaltnisse beim C o r y c a v i n . Kack
Beseitigung des tiberschlissigen Jods mit titriertes Natriumthiosulfat
bei Gegenwart von etwas Natriumbikarbonat, war die Losung g e l b
gefiirbt ; ausserdem befand sich aber am Boden ein grauer Niederschlag,
der nach dem Umkrystalliseren sich als unverandertes Corycavin erwies. Irrtiimlicher Weise nahm H. Z i e g e n b e i n damals an, dass Jod
uberhaupt nicht oder doch in zu geringer Menge verbraucht worden sei,
als dass es irgend welcher Gleichung entsprechen konnte. Eine Berechnung fiihrt jedoch zu dem Resultat, dass auf 0,3419 g Corycavin
scheinbar 1,631 g J o d reagiert hatten. Es wurde dies 15,4 Atome
Jod auf 1 Mol. Corycavin entsprochen haben und doch war Corycavin
noch in grosser Menge unzersetzt geblieben! Anfinglich von der Ansicht geleitet, dass hier nur ein Irrtum vorliegen konne, habe ich
daher die Eihwirkung von Jod auf Corycavin von H. W a g n e r ebenfalls untersuchen lassen. Die Resultate waren Bhnliche, aber unter
sich sehr verschiedene. Auf j e ein Mol. Corycavin waren etwa 11-7
und 6 Atome Jod verbraucht worden und doch in allen Fallen eine
grosse Menge Corycavin unvergndert geblieben. Eine Erkliirung far
diese aufftillige Erscheinung vermochten wir urn so weniger zu finden,
als wir unter stets gleichen Bedingungen gearbeitet hatten. A m allerwenigsten aber dachten wir an die Moglichkeit, dass der Grund f u r
diese Erscheinung in der Unzulanglichkeit der Methode selbst liegen
konnte. Erst dann, a19 bei der Prtifung des Corycavamins, einer der
neuen Basen, und eines Reduktionsproduktes des Dehydrocorydalins,
des bei 158-159O schmelzenden r - Corydalins (siehe dort), ebenfalls
ungunstige Erfahrungen gemacht wurden, sahen wir uns veranlasst,
die Ursachen fur die auftretenden Anomalien aufzusuchen.
Der nachstliegende Gedanke war wohl, dass der Verbrauch freien
Jods der Einwirkung des Alkohols zugeschrieben werden musste, wenn
freilich andererseits aus den Befunden bei der Einwirkung von J o d
auf Hydroberberin, Canadin, Corydalin und Corybulbin auch darauf
geschlossen werden durfte, dass diese Nebenwirkung nur von geringer
Bedeutung sein konnte. Wlhrend nun die erstere Annahme durch das
Experiment eine baldige Besatigung gefunden hat, hat die Richtigkeit
des zweiten Schlusses nur in einzelnen FUlen bewiesen werden kiinnen,
wahrend in anderen, welche die Mehrzahl ausmachen, die Nebenwirkung
einen sehr bemerkenswerten Umfang angenommen hat, so dass die
quantitative Bestimmung der Oxydationswirkung des Jods in alkoholischer Losung in der bisher von uns gebrauchten Ausdehnung
a19 durchaus unsicher bezeichnet werden muss. Die bezuglichen Verhaltnisse werden sich am besten an der Hand der experimentellen
Ergebnisse klarlegen lassen.
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
29
1. Einwirkung von Jod auf Alkohol allein.
Die Reaktion wurde in der Weise geleitet, dass liber Aetzkalk
getrocknetes Jod mit gerressenen Mengen 94 % igem Alkohol in Druckflaschen mit gutschliessendem Stiipsel drei Stnnden im siedenden
Wasserbade erhitzt wurden. Die Menge des noch vorhandenen Jods
wurde nach Zusatz Yon etwas Natriumbikarbonat, zur Abstnmpfung
eventuell gebildeter Jodwasserstoffslure und Jodkalium mit iiberschuesiger n/10 Natriumthiosulf atlSsung versetzt und deren Ueberschuss
mahanalytisch ermittelt.
Die Resultate Bind in nachstehender Tabelle wiedergegeben:
Angewendete Menge Jod
und Alkohol
___-
1,6229 g Jod+76 ccm Alkohol von 94%
1,6332 g Jod+76 ccm Alkohol von 94%
1,6021 g Jod+SO ccm absol. Alkohol
Mithin
Wiedergefund.
verbraucht Jod
Mengen Jod
1,1848 g
1,1787 ,,
1,1355
,
0,4381 g
0,4535
0,3666
Vergleicht man diese Zahlen mit denjenigen, welche bei der
Einwirkung von alkoholischer Jodl6sung auf Hydroberberin etc. erhalten
werden, so muss man zugeben, dass es sich um etwa gleichwertige
handelt. Gleiche und grtlssere Mengen von Jod, welche nach der friiher
mitgeteilten Gleichung auf die Hydroberberingruppe dehydrierend
wirken, sind hier vom Alkohol allein verbraucht worden. Und doch
muss dort eine Oxydation in dem bekannten Sinne stattfinden, da unverfndertes hydroberberinartiges Alkaloid in keinem Falle mehr nachweisbar ist. Dnrch diese Erwlgung gefiihrt, kommt man notwendig
zu dem Schlusse, daas die Gegenwart hydroberberinartiger Alkaloide
oder der sich daraus bildenden Reaktionsprodukte den Verbrauch von
Jod durch den Alkohol verhindert. Als Reaktionsprodukte kommen
in Frage das Jodid der Dehydroverbindung einerseits, andererseits die
Jodwasserstoff saure.
Binwirknng yon Jod mi Alkohol bei Glegenwart yon Dehydrocorydalinhydrojodid, yon Jodweesrrstoffstinre oder yon Dehydrocorydalinhydrojodid und Jodwasserstoffsfsiinre.
a) Bei der Einwirkung von Jod auf Alkohol in Gegenwart von
Dehydrocorydalinhydrojodid wurde ebenfalls Jod in nicht unbetrtichtlicher Menge gebunden. Als 1,2079 g Jod mit 0,5 g Dehgdrocorydalinhydrojodid nnd 75ccm 94%igem Alkohol drei Stunden in siedendem
Wasserbade erhitzt wurden, waren nur noch 0,9271 g Jod unverlndert,
30
J. Gadam e r : Ueber Corydalisalkaloide.
so dass also 0,2808 g in Reaktion getreten waren. Demnach ist die
Gegenwart des Alkaloidsalzes ohne wesentlichen Einfluss.
b) Da nach der Gleichung
CglH~NO~+4J=CgpH~8NO~-HJ+3HJ
auf ein Molekiil Corydalin 4 Atome Jod einwirken und hierbei 3 Molekiile Jodwasserstoff entstehen, wurde in dem ngchstfolgenden Versuch
soviel JodwasserstoffsHure zugesetzt, als bei Anwendung von 0,4 bis
0,5 g Corydalin etwa entstehen muss, also etwa 0,5 g Jodwasserstoff.
Zu dem Zwecke wurden 4 g J o d (auf der Handwage gewogen)
rnit 10 ccm zwanzigprozentiger Jodwasserstoffsaure und absolutem
Alkohol zu 200 ccm aufgelost.
10 ccm dieser Losung brauchten zur Entfarbung 16,15 ccm "/lo
NatriumthiosulfatlSsung.
50 ccm dieser Losung wurden nach dreistiindigem Erhitzen in
einer Druckflasche mit Natriumbikarbonat und Jodkalium versetzt und
mit Wasser zu 500 ccm aufgefiilt. 100 ccm dieser Ltisung = 10 ccm
der urspriinglichon Jodlosung .verbrauchten nun 16,55 ccm n/10 Natriumthiosulfatlasung, also 0,4 ccm mehr. Die Menge des freien Jods hatte
sich also um 0,0258i g bei Anwendung von 1,0243 g Jod vermehrt,
offenbar durch Abspaltung von Jod aus der angewendeten Jodwasserstofslure. Diese Menge ist so gering, dass sie vernachllssigt
werden kann.
c) Um endlich zu sehen, ob bei Gegenwart des anderen Reaktionsproduktes, des Dehydrocorydalinhydrojodids,der Reaktionsverlauf der
gleiche sei, wurden in einem weiteren Versuch etwa 2 g Jod rnit B ccm
2Oprozentiger Jodwasserstoffsbwe mit absolutem hlkohol zu 100 ccm
aufgeflillt. 100 ccm dieser L6sung brauchten 18,l ccm
Natriumthiosulfatlosung. 50 ccm wurden mit 0,2 g Dehydrocorydalinhydrojodid in der beschriebenen Weise zusammengebracht. Nach dreistiindiger Einwirkung hatte die angewandte Jodmenge (= 1,148 g)
eine Vermehrung um 0,0127 g erfahren, mithin noch etwas weniger
als im Versuch b.
Damit schienen die beziiglich des Reaktionsverlaufs aufgetretenen
Zweifel geltist zu sein. Die im Verlauf der Reaktion sich bildende
Jodwasserstoffskre verhindert die Einwirkung des J o d s anf den Alkohol, infolgedessen wird nur der Verbrauch desjenigen Jodes ermittelt,
welches zur Oxydation des Corydalins oder einer Hhnlichen Base gedient
hat. Es erklart sich dadurch auch, dass eine Base, welche durch alkoholische Jodlosung nicht angegriffen wird, scheinbar grosse Mengen
von Jod zu binden vermag, da Jodwasserstoff nicht gebildet wird. SO
liegen z. B. die VerhHltnisse beim Corycavin, wie auch nachstehender
Versuch aufa deutlichste beweist.
3. G adam e r : Ueber Corydalisalkaloide.
31
Corycavin mit alkoholischer, Jodwasserstoff enthaltender
Jodldsung erhitzt.
0,2028 g Corycavin wurden mit 50 ccm einer alkoholischen Losung
von ca. 2% Jod und 1%Jodwasserstoff drei Stunden erhitzt und dann
in der tiblichen Weise die Menge des verbrauchten Jods mafsanalytisch
ermittelt. 10 ccrn der angewendeten Jodlosung entsprachen 17,8 ccm
Il0 Natriumthiosulfat, 50 ccm also 89 ccm n/10 Natriumthiosulfat.
Nach Zusatz von 100 ccm Natriumthiosulfatltisung wurde das Reaktionsprodukt vollkommen f a r b l o s , nicht g e l b wie bei Bildung einer dem
Dehydrocorydalin analogen Dehydrobase zu erwarten gewesen wBre.
Z u r Riicktritation des tiberschtissigen Natriumthiosulfats waren 12,6 ccm
"/lo Jodl6snng erforderlich. Demnach when 1,6 ccm
Jod oder
0,0203 g J o d verbraucht worden, eine Menge, die innerhalb der Fehlergrenzen liegt. Dass in der That eine Reaktion des Corycavins mit
Jod nicht stattgefunden hatte, bewies ausser der Farblosigkeit der mit
Natriumthiosulfat versetzten L8sung der Umstand, dass unverBndertes
Corycavin vom Schmp. 216- 217O in ungefghr theoretischer Menge
wiedergewonnen werden konnte. Beim Eindampfen der L6sung t r a t
Gelbftirbung ein.
Es blieb nun noch zu untersuchen, ob die Gegenwart der Jodwasserstoffsiiure auf den Reaktionsverlauf bei der Einwirkung von J o d
auf Corydalin nnd Bhnliche Alkaloide von Einfluss sei oder nicht.
War das letztere der Fall, so konnte die Reaktion bei Gegenwart von
Jodwasserstoff nach wie vor nicht nur ale Orientierungsprobe, sondern
auch zur Erkennung des Oxydationsverlaufes in quantitativer Hinsicht
Verwendung finden, w a r e n d im anderen Falle die Untersuchung des
basischen Reaktionsproduktes einzig und allein die Entscheidung tiber
die Anzahl der aboxydierten Wasserstoff atome bringen konnte. Die
Resultate der in dieser Richtnng angestellten Versuche sprechen f i i
die letztere Annahme. Die Gegenwart der Jodwasserstoffs%ure von
vornherein verlangYamt die oxydierende Wirkung der Jodlosung ungemein und zwar um so mehr, je grtisser die Menge der freien Saure
ist (Versuch a). Andererseits verhindert eine nur kleine Menge freier
Jodwasserstoffstiure den Verbrauch yon Jod durch den Alkohol nicht
(Versuch b).
a) 0,2119g Corydalin wurden mit60ccm alkoholiecher ca. 2%igerJodlosung,
die etwa 1%Jodwasseretoff enthielt, 3 Stunden auf lo00 erhitzt. 10 ccm der
Jodliieuug waren 17,8 ccm Natriumthiosnlfatl6sang (10,2 ccm = ,lO,O ccm
n,'*o NQ Qs 4)Bquivalent , nach dem Erhitzen mit Corydalin hingegen
16,29 ccm. Auf die Gesamtmenge nnd normalen Titer berechnet, ergiebt diee
einen Verbrauch von 7,4 ccm nll0 Jod oder 0,0939 g Jod, wibrend fiir 4 Jodatome 0,2311 g berechnet wliren.
33
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
Von der Ansicht ausgehend, dass der geringe Jodverbrauch zum
grossten Teil durch die Abspaltung von Jod aus der vorhandenen und
sich bildenden Jodwasserstoffsaure zu erkllren sein mochte, wurde
unter sonst gleichen Bedingungen der Versuch bei Zimmertemperatur
wLhrend 7 Wochen geleitet. I n diesem Falle war aber eine nennenswerte Einwirkung tlberhaupt nicht zu verzeichnen. Es kann diese
Thatsache wohl nur dahin gedentet werden, dass die freie Jodwasserstoffslure reaktionswidrig ist, da E. S c h m i d t (1. c.) bei dem so iihnlichen Hydroberberin und Canadin, bei Abwesenheit von f reier Jodwasserstoffslure, eine momentane Oxydationewirkung beobachten konnte.
Umgekehrt konnte auch durch lLngeres Erhitzen - 8 Stunden - ein
besseres Resultat nicht erzielt werden. In diesem Falle hatten, wiederum
unter sonst gleichen Bedingungen, auf 0,1972 g Corydalin nur 0,0698 g
Jod eingewirkt, wLhrend zum quantitativen Verlauf 0,2709 g erforderlich gewesen wken. Etwas giinstiger gestalteten sich die Verhlltnisse,
ale der SPuregehalt der Jodlosung auf die H a f t e - 0,5% HJ herabgesetzt wurde; aber immer noch betrug nach achtstiindigem Erhitzen die Menge des auf 0,2338 g Corydalin gebundenen Jods nur
0,1841 g gegen 0,3213 g der Theorie.
b) Als endlich der Gehalt der Jodlosung an Jodwasserstoff shure auf
0,2 % erniedrigt wurde, stieg zwar der Jodverbrauch nicht unerheblich, aber,
ganz abgesehen davon, dass immer noch nicht die Theorie erreicht wurde,
erwies sich bei diesem Gehalt an freier Shnre die Wirkung von Jod auf
Alkohol als so betrhchtlich, dass der Jodverbranch nur wenig hinter dem
enruckstand, welcher bei Gegenwart von Corydalin ermittelt wurde. Denn
wilhrend 0,3144 g Corydalin mit 50 ccm einer ca. 2%igen, mit 0,2% Jodaasserstoff versetzten Jod-LBsnng 6 Stnnden erhitzt, 0,3279 g Jod verbrancht
hatten, zeigte dieselbe Lasung ohne Corydalin in der gleichen Weise behandelt eine Verminderung des Jodgehaltes um 0,2950 g, bei nnr dreistiindigem
Erhitzen eine solche nm 0,1912 g.
Die Ergebniase lassen den W e r t der YOU uns bisher filr beweiskriftig angesehenen Reaktion sehr gering erscheinen. Im entschiedenen
Widerspruch dazu stehen aber die praktischen Resultate. Die Zahlen,
welche stets bei der Einwirkung von Jod auf Hydroberberin, Canadin,
Corydalin, Corybulbin erhalten wurden, beweisen, dass es sich hierbei
unmaglich um einen Zufall handeln kann. LLge nicht ein verhlltnismlssig glatter Reaktionsverlauf vor, so miissten doch wenigotens in
einzelnen Fallen Zlhnliche Resultate erzielt worden sein wie beim
Corycavin, mit dem anscheinend bald 15, bald 11, bald 7, bald nur 6
Jodatome. in Reaktion getreten waren, w a r e n d unverlndertea Corycavin in allen F U e n wiedergewonnen werden konnte. Da dies iiicllt
der Fall, muss man die Erkliirung in den Eigenschaften des Corydalins
etc. snchen. Die hierher gehorigen Basen sind in freiem Zuetande so
J. Gadamer : Ueber Corydalisalkaloide.
33
leicht oxydierbar, dass sie schon beim Liegen an der Luft, beim
Kochen mit Alkohol etc. unter Gelbfarbung dehydriert werden, wahrend
ihre Salze bei weitem besttindiger sind. Infolgedessen wird beim Erhitzen mit alkoholischer Jodltisung anf anglich, solange noch freie Base
vorliegt, ausserordentlich rasch die Dehydrierung erfolgen, in dem
Make aber, in welchem freie SIure auftritt, wird sich dieselbe verlangsamen; andererseits wird aber auch die Einwirkung von Jod auf
Alkohol mit steigendem Gehalt an freiem Jodwasserstoff aufgehoben,
j a bei gentigender Konzentration iindet sogar eine Abspaltung von
Jod aus der gebildeten Jodwasserstoffsiiure statt. Die Fehler werden
sich daher zum Teil kompensieren. Immerhin ware uns eine Methode,
welche von diesen Mhgeln frei gewesen wiire, sehr erwtinscht gewesen, da sie far die Charakterisierung der einzelnen Alkaloide von
der grtissten Bedeutung ist und bei wirklich quantitativem Verlauf die
Arbeit sehr erleichtern wiirde. W i r haben daher rersucht, ob durch
Ersatz des Alkohole durch ein indifferentea Ltiaungsmittel das Ziel
erreicht werden ktinnte. Besonders geeignet erschien uns Benzol,
welches Jod auch beim Erhitzen in nennenswerter Menge nicht absorbiert. Von 1,1781 g Jod wurden nach dreistiindigem Erhitzen mit
50 ccm Benzol 1,i557 g oder 98,1% wiedergefunden. Doch stellt
sich der Verwendung des Benzols als Ltisungsmittel der Nachteil
entgegen, dass das jodwasserstoffsaure Corydalin, welches nach
derGleichung liC~Ha7NO4 4 5 CipHa~NOe-ECJ 3C~Ha7N04-H J
sich zu 75% von der angewandten Menge bilden muss, in Benzol sehr
echwer lijslich ist und infolgedessen mit Jod nur schwierig reagiert.
0,8009 g Corydalin hatten nach dreistiiudigem Erhitzen mit
1,0187 g J o d und 50 ccm Benzol 0,2136 g Jod verbraucht, wghrend
zm vollsthdigen Reaktion sich 0,4142 g berechneten, also nm etwa 50%.
Ale ganz unbrauchbar erwies sich Aceton, bei dessen Verwendung
eine graubraune Flilasigkeit entstand, auf der braune tllige Tropfen
echwammen. Weitere Versuche aind in Aussicht genommen. -
+
-
+
I. Cory dalingmppe.
In die Gruppe des Corydalins gehijren, wie bereits in der Einleitung mitgeteilt wurde, ausser dem Corydalin selbst das Corybulbin
und wohl sicher auch das Isocorybulbin, welch letzteres bieher noch
nicht bekannt war. Die hierher gehdrigen Alkaloide zeichnen sich
dadurch aus, dass sie beim Erhitzen mit alkoholischer Jodltisung
(vergl. das vorstehende Kapitel) unter Abgabe von vier Wasserstoffatomen in gelbgefgrbte Verbindungen Iibergehen, die nicht nur in der
Farbe, eondern auch in ihrem aonetigen Verhdten sich durchaus dem
Arch. d. phum. coxxxx. B&. 1. Heft.
3
.
34
J. G a d a m e r : Ueber Corydalisalkaloide.
Berberin zur Seite stellen. Man wird daher kaum fehlgehen, wenn
man in diesen Dehydroverbindungen wie im Berberin quaterniire
Basen erblickt *). D e r experimentelle Nachweis steht zwar j e t z t noch
aus, doch hoffe ich binnen kurzem denselben erbringen zu konnen.
Im nachstehenden soll firs erste nur uber eine Anzahl ron Yersuchen berichtet werden, die YOU Herrn H. W a g n e r unter meiner Leitung
ausgefiihrt wurden und das Ziel hatten, das inaktive Corydalin in
seine optisch aktiven Komponenten zu zerlegen. Ausserdem soll auch
in diesem Kapitel das Wenige mitgeteilt werden, was ich im Verein
mit meinem Mitarbeiter Herrn Dr. H. Z i e g e n b e i n iiber das n u r
in kleinen Mengen zur Verfiigung stehende Isocorybulbin ermitteln
konnte.
1. Corydalin.
Von H. W a g n e r * * ) .
Schon H. Z i e g e n b e i n l ) batte gefunden, dass das unter der
Einwirkunq von alkoholischer JodMsung aus Corydalin entstehende,
nm vier Wasserstoffatome lrmere Dehydrocorydalin bei der Behandlung mit Zink und Schwefelslure wieder vier Wasserstoffatome aufnimmt und dabei in eine mit dem Corydalin nicht identische demselben
aber sehr Lhnliche Base iibergeht. Von H. J I a r t i n d a l e 3 ) ist Gie
bestehende Isomerie a13 physikalische erkannt worden : Das naturelle
Corydalin ist rechtsdrehend “Jl~=+a00,1 in Chloroform, wahrend
das Reduktionsprodukt inaktiv ist. Schon H. M a r t i n d a l e (1. c.) hat,
dem deispiele von D a v i s ’) folgend , versucht, diese moglicherweise
racemische Base in die entsprechende d- und 1-Komponente mit Hilfe
des Rhodanids z v zerlegen, allerdings ohne Erfolg. Ich habe daher
die Fortsetzung seiner Versuche ubernommen und ausserdem auch auf
anderem W e g e r o m Corydalin zum inaktiven Corydalin zu gelangen
mich bemuht, namlich
1. durch Erhitzen desselben mit Pyridin 4,
2. durch Eochen mit 50 %iger Schwefelslure ’) und endlich
3. durch Einwirkung von konz. Schwefelsaure in der Kilte6).
*) Anm. Vgl. meiiie AJbeit ,,Die Beziehungen des Canadins zum
Berberin.“ Dieses hrchiv 1901, Heft 9.
**) Anm. Frsgmentarischer Auszug aus der von der philoaophischen
Fakultat der Universitiit Marburg am 17. Nov. 1900 als Dissertation angenommenen Arbeit.
1) Arch. d. Pharm. 234, 517 ( L W , .
9) ibidem 236, 223 (1898).
8 ) ihidem 235, 212 (1897).
4) E. F i s c h e r , Ber. 24, 3625 (1891).
8 ) J u n g f l e i s c h & L e g e r , Compt. rend. 105, 1255-68 (1887).
0 ) 0. H e s s e , Annal. d. Cheni. 276, 97 (1893).
J. Gsdanier: Ueber Corydalisalkaloide.
35
Keiner dieser Versuche hat eine Inaktivierung des Corydalins
erreichen lassen. Nach dem Erhitzen mit Pyridin wurde unverandertes
Corydalin zuriickgewonnen, durch Kochen mit 50 I i g e r Schwefelsaure
wurde es so tiefgreifend verlndert, dass ein krystallisierbarer KSrper
ilberhaupt nicht isoliert werden konnte. Nur konz. Schwefelalure
fiihrte zu einem neuen Klirper, der C o r y d a l i n s u l f o s K u r e .
C o r y d a1i n s u 1f o s l u r e CnHea(SOeH) NO,. 0,5 g naturellen
Corydalins wurden in 5 ccm kooz. Schwefelsliure geliist und 24 Stunden
bei gewohnlicher Temperatur stehen gelassen. Irgend welche auff Bllige
Veranderungen waren dabei nicht zu bemerken. Als nach 24 Stunden
die Losung unter Umrifhren in 100 ccm Wasser eingegossen wurde,
schied sich ein weisser, krystallinischer KGrper aus, dessen Schmelzpunkt tiber 260" C. lag und dessen alkoholische Losung den polarisierten
Lichtstrahl nach rechts ablenkte. Derselbe war i n kaltem Wasser
fast unloslich, in heissem Wasser schwer liislich, leichter lSslich in
heissem Alkohol, aus dem er beim Erkalten in schuppenformigen
Krystallen anschoss.
l3a sich die neue Verbindung leicht in verdiinnten Alkalien aufloste, die wlsserige oder alkoholische Lirsung stark sauer reagierte,
Schwefelsaure nicht, wohl aber Schwefel nach der Oxydation mit
rauchender Salpetershre nachweisbar war, wurde in dem vorliegenden
Korper eine Sulfoslure erblickt. Wie Elementaranalyse, Schwefelbestimmung und Molekulargrosse zeigten, handelte es sich in der That
nm eine Corydalinmonosulfoslure von der Formel Can Hla (SO8 H) Nod.
1. 0,300g Substanz gaben nach C a r i u s 0,1596 g BaS04, cntaprechend
0,021919 g S.
2. 42362 g Substanz gaben, im Knpferoxydrobr rnit vorgelegter
reduzierter Kupferspirale verbrannt, 0,5089 g COa und 0,1275 g HsO.
Gefunden:
Berechnet fur & H ~ N O , S O ~ H :
s 7,3 t
7,15$
58,79
C 58,76
H 599,
6,01 n
Um den Charakter der Sulfosilure festzustellen, titrierte ich die wasserige
Losung derselben mit 9/10 KOH. Ich loste zu dem Behufe 0,25 g der Siiure
in Wasser auf und titrierte unter Anwendung von Rosolsaure als Indikator
mit nl10 KOH. Berechnet waren fur CzaHzs NO4. SOsH zur Sattigung
455 ccm n/lo KOH. Verbraucht wurden:
1. 5,54 ccm n/lo KOH.
2. 5,54 ccm "/lo KOH.
Der neugebildete Korper war demnach Corydalinmonosulfos"aure.
Der TJersuch , das Silbersalz dieser Sulfosaure mittelst A g S 0 3
darzustellen, misslang, da nach kurzer Zeit eine Reduktion des Silbernitrates eintrat. Ebenso blieb auch der Versuch, das Kupfersalz zu
gewinnen, oline Ergebni..
.'*
36
J. Gadam er: C'eber Corydalisalkaloide.
C o r y d a l i n s u l f o s a u r c s K a l i u m . CmHs&O(. SOsK. Uie
beim Titrieren der Sulfosaure init "/lo KOH erhaltenen Losungen liess
ich iiber Schwefelslure verdunsten ; doch erhielt ich keine Krystalle,
sondern einen firnisartigen Riickstand.
0,1175g des trockenen amorphen Salzes wurden im Platintiegel verkohlt, einige Tropfen Schwefelsaure zagefiigt, gegliiht und nach weitereni
Zusatze von etwas Schwefelsaure nochmals unter Zusatz von Ammoniunlkstbonat gegltiht. Es ergaben sich 0,0208g K8S04, entsprechend 0,009375g K,
Gefunden:
Berechnet fiir C2a H2aN04SO~Ii:
8,01'&
K 7,97X
Darstellung des i-Corydalins.
Da die vorgenannten Versuche auf anderem Wege das naturelle
Corydalin zu inaktivieren ohne Resultat geblieben waren, blieb als
Darstellungsmethode fiir das inaktive Corydalin nnr die bereits von
H. Z i e g e n b e i n und W. H. M a r t i n d a l e (1. c.) ausgearbeitete Vorschrift iibrig, der mit kleinen Modifikationen gefolgt wurde.
Ich erhitzte also j e 5 g Corydalin mit 10 g Jod und 200 ccm
Alkohol in einer Druckflasche zwei Stunden lang im Wasserbade; nach
dem Erkalten fiigte ich etwas Natriumbikarbonat nnd soviel Natriumthiosulfatlosung*) hinzu, dass die gebildeten Perjodide sich zersetzten
und die dunkelbraune Farbe des Reaktionsproduktes einer hellgelben
wich. Durch Umkrystallisieren des beim Erkalten ausgeschiedenen
Kdrpers aus Alkohol erhielt ich citronengelbe Krystalle von Dehydrocorydalinhydrojodid. Ich lWe dieselben durch Erwfrmen in Wasser
auf und setzte ange?itztes, granoliertes Zink und verdiinnte Schwefels h r e zu, so dass eine gleichmtsige Wasserstoffentwickelung stattfand.
Sobald die L6sung farblos geworden war, filtrierte ich sie von dem
uberschiissigen Zink ab und goss sie in gut gekiihlte, starke Ammoniakfliissigkeit**), wodurch sich die freie Base in weissen Flocken abschied.
Nach dem Absaugen und Umkrystallisieren derselben aus Alkohol
erhielt ich farblose Krystalle vom Schmp. 134- 135O. Die Ansbeute,
welche M a r t i n d a l e und ebenso auch ich nach dem von ihm angegebenen Verfahren erhielt, war eine verhlUtnismleig geringe. Es
musste also in den Mutterlaugen von dem ausgeschiedenen Alkaloid
*) Anm. 1. Zweckmassig lilsst sich das Natriumthiosulfat durch
wlsserige schweflige Saure ersetzen. Dadurch wird der liistigen Abscheidung
von Schwefel vorgebeugt.
J. Gadamer.
w) Anm. 2. Die Ausbeute an inaktivem Corydalin wird noch erhaht,
wenn man die mit Ammoniak iibersattigte Reaktiondiissigkeit direkt mit
Aether ausschiittelt and den nach dem Abdestillieren desselben verbleibenden
Riickstand aus Alkohol nmkrystallisiert.
J. Gadamer.
J. Cr a d 2 m e r : U e l m CoryJaiisalkaloide.
37
noch eine nicht unbetriichtliche Menge gelost sein. Als dieselben
direkt eingednmpit wurden, trat namentlich gegen Ende ein so intensiver Geruuh nach Pyridin*) auf, dass an einer tiefergehenden
Zersetzung nicht zu zweifeln war. Bei Wiederholung des Versuches
wurden daher die Mutterlaugen vor dem Eindampfen erst durch
Schwefelstiure neutrali5iert. In der T h a t gelang es so, noch eine nicht
unerhebliche Menge der Base durch Ausziehen mit Alkohol, Verdunsten desselben, FLllPn der miisserigen Liisung des Riickstandes mit
Ammoniak und Ausschiitteln mit Aether zu gcwinnen.
Die Reduktion wurde im allgemeinen stets bis zur volligen
EntfLrbunr fortgefiihrt. In einigen Flllen wurde alsdann beobachtet,
dass ein Teil des gewonnenen Alkaloids in seinem Schmelzpunktr, der
bei 150-157
lag, nicht mit dem i-Corydalin iibereinstimmte.**) Die
wegen Mange1 an Material nicht abgeschlossenen Versuche lassen auf
die Natur dieses Kijrpers noch keinen sicheren Schluss zu.
Die Elementaranalyse der Krystalle vom Schmp. 134-1360, im Kupferoxydrohr mit vorgelegter reduzierter Kupferspirale ausgefiihrt, ergab bei
0,2470 g Substsnz 0,6514g CUs and 0,1715 g HaO.
Gefucdw :
R:rechnet fur CizHmNO,:
C 71,520-,
71,54I
H 7,32 ,,
7,R2,,
GIegen den polarisierten Lichtstrahl ermies sich heiue L8snng in
Chloroform als optisch inaktiv.
-
Versuche, das i Corydalin vom Schmp. 134-135O in seine optischaktiren Komponcnten en spalten.
Die Miiglichkeit einer Spaltung inaktiver Substanzen, welche in
optiech aktiven Modifikationen vorkommen, hat als erster P a s t e u r ')
an der optisch inakt,iven Trauben3Hure bemiesen, und nach ihm v a n
t ' H o f f , L e B e l , B r e m e r , L e w k o w i t s c h , L a d e n b u r g , E. B'ischer
u. a. m. dieselbe an zahlreichen Vertretern verschiedener Karperklassen
durch erfolgreiche Versuche bestltigt. P a s t e u r ging bei seinen Untersuchungen von folgenden Betrachtungen aus :
Wenn von einer und derselben Substanz zwei verschiedene
Modifikationen bekannt sind, die sich sonst in allen ihren chemischen
*) Anm. 3. Nach neueren Verouchen entstammt das Ppridin der
Ammoniakfliissigkeit.
J. Gadamer.
**) Anm. Auf diesehfoditikation des i-Corydalins komme ich am Ende
dieses Abschnittes noch einmal zurtick.
J. Gadamer.
1) Vergl. Naturwiasenschaftlicbe Rundschau XV., 14, pag. 169-171:
P. Walden, Stereochemische Forschungen.
3s
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
Eigenschaften gleichen und sich im wesentlichen nur dadurch unterscheiden , dass die eine Modifikation den polarisierten Lichtstrahl ablenkt, wZihrend die andere ohne Einfluss auf ihn ist, so kijnnen zwei
Mgglichkeiten vorliegen :
Entweder die optisch inaktive Modifikation ist that sachlich ein
auderer, der optisch aktiven Form isomerer Kiirper, oder aber er
besteht aus einer Mischung dieser bekannten optisch aktiven Form mit
einer bis dahin vielleicht noch unbekannten, ebenfalls optisch aktiven
Form, deren Drehungsvermijgen natiirlich das gegenteilige Vorzeichen
als die andere besitzen muss.
W a r diese Annahme richtig, so muvsten sich die beiden in dieser
inaktiven Form vorhandenen optischen Antipoden aus derselben isolieren
lassen, oder der eine derselben musste sich zerstgren lassec, wobei der
andere unangegriffen zuriickblieb. Bei den in dieser Richtung unternommenen Vervuchen mit der inaktiven Traubensiiure fiihrten beide
Wege zum Ziele. Wiir ersteren Zweck erwiesen sich
1. die Krystallisation der Doppelsalze,
2. die Krystallisation ihrer Salze mit optisch aktiven Alkaloidbasen als brauchbar.
Bei der ICrystallisation der Doppelsalze optisch aktiver Kijrper
treten nimlich stets Krystalle auf, die sich wie Bild zum Spiegelbild
rerhalten und es gelingt durch Auslesen dieser Krystalle, die beiden
optisch wirksamen Bestandteile des inaktiven Ktirpers zu isolieren,
wihrend die Salze der Rechfs- und Linksform einer optisch aktiven
Saure mit einer optisch aktiven Base sich im allgemeinen durch verschiedene Lijslichkeit auszeichnen und so trenncn lassen.
Die Vernichtung der einen optisch aktiven Komponente, wobei
die andere v8llig oder mijglichst unangegriffen bleibt, bewerkstelligte
P a s t e u r mit Hilfe von Schimmelpilzen, und zwar besonders vermittelst
des omnivoren Penicillium glaucum.
Liegt nun eine zu spaltende inaktive Saure oder Base vor, so
wird im allgemeinen die zweite P a s t eur'sche Arbeitsweise am
bequemsten sein und thatsachlich ist j a auch die erste Spaltung eines
synthetisch dargestellten optisch inaktiven Alkaloids, des r-Coniin von
L a d e n b n r g vermittelst des weinsauren Salzes erfolgt, wahrend fur
indifferente Kijrper besonders die dritte Methode, d. i. Zerstorung der
einen Form durch Pilze, den Vorzug rerdient.
Die Mijglichkeit der Spaltung des i-Corydalins in seine beiden
aktiven Komponenten nach einer der genannten Methoden war nach
folgender Ueberlegung sehr wahrscheinlich. Obgleich die Konstitution
des Corydalins noch nicht soweit erforscht ist, dass man fiber die
Anzahl der vorhandenen asyrnmetrischen Kohlenstoffatome etwas genaues
J. Gada m e r : Ueber Corydalisalkaloide.
39
sagen konnte, so wird es doch durch die Oxydation und darauf folgende
Reduktion hocht wahrscheinlich gemacht, dass an die asymmetrischen
Kohlenstoffatome j e ein Wasserstoffatom gebunden sein muss, welches
bei der Oxydation unter Einfuhrung von Doppelbindungen eliminiert
wird; hierdurch wird selbstredend die Asymmetrie aufgehoben. Durch
die dann folgende Reduktion wird sie zwar wieder hergestellt, aber
es bilden sich, wie bei allen Sgnthesen, gleiche Mengen rechts- und
linksdrehender Systeme, die neue Verbindung ist daher inaktiv. Die
Frage war nun die:
1st die InaktiviW durch Racemisierung wie bei der Traubens!iure oder durch echte InaktivitHt wie bei der inaktiven Weinstiure
bedingt?
Das letztere wlire nur dann mtiglich, wenn in dem Corydalin
zwei (oder 2 n) asymmetrische Kohlenstoffatome vorhanden wiiren, die
hinsichtlich ihrer Konstitution vollig gleichwertig, aber entgegengesetzt
gerichtet waren. Dies ist jedoch htichst unwahrscheinlich. Daa
inaktive Corydalin kann daher entweder nur eine echte racemische
Verbindung oder ein inaktives Gemisch einer Rechts- und Linkeform
sein. In beiden Fallen, namentlich aber in letzterem, stand zu erwarten, dass eine Spaltung oder Trennung der beiden Komponenten
erreicht werden konnte, dass a180 fur den gegebenen Fall eine mit
dem naturellen d - Corydalin identische oder isomere rechtsdrehende
Base und ein ebensoweit nach links drehendes 1- Corydalin gewonnen
werden konnte.
Da in dem Corydalin eine Base vorliegt, so war zu vermuten,
dass die zweite P a s t e u r ’ s c h e Methode fiir die Spaltung derselben
am ersten zum Ziele fiihren wurde. Ich machte daher folgende
Versuche :
Versush, das i-Corydalin dnrch Weinslnre in die aktiven Komponenten
zu spalten.
Ich muss von vornherein bemerken, dass dieser Versuch vollig
erfolglos geblieben ist, da es nicht gelang, eine Verbindung des Corydalios mit Weinsliure zu erhalten. Es schied sich unverandertes
i-Corydalin aus, trotzdem die zur Bildung des Bitartrates n6tige Menge
Weinstiure auf die berechnete Menge i- Corydalin genommen wurde.
Dcr Versuch erfolgte in der Weise, dass ich 0,3 g Weinstiure und
0,7 g i - Corydalin getrennt aufloste und die konzentrierten heissen
LSsungen zusammengoss; es schieden sich dabei kleine Trtipfchen aus,
die nach dem Erkalten krystallinisch wurden. Ich aaugte dieselben
ab, trocknete sie und bestimmte den Schmelzpunkt; derselbe lag bei
134-135 O. Es hatte sich also unverlindertes i-Corydalin ausgeschieden,
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
40
was no& durch die Loslichkeit der Krystalle in Chloroform und die
optische Inaktivitgt dieser L5mg besttitigt wurde.
Da also dieser Versuch einer Spaltung des i-Corydalins durch
Weinsiiuire ohne Ergebnis verlaufen war, versuchte ich es mit einer
stltrlreren, ebenfalls rechtsdrehenden Siiure, der o-Bromkampfersnlfoneiiure.. W.J. P o p e und St. J. P e a c h e y l ) hatten mit ihrer Hilfe
die Spaltung des Tetrahydropapaverins bewerkstelligt und ihre
Anwendmng zur Spaltung des i-Corydalins lag um so nilher, als dasaelbe jedenfalls in seiner Konstitution dem Tetrahydropapaverin nahe steht.
Versnch, das i-Corydalln dnrch o-BromkampfersalfonaHlrszn spalten.
Ich stellte mir die o-Bromkampfersulfons5ure nach dem von
K i p p i n g und Pope') angegebenen Verfahren dar and erhitzte 50 g
Mono-Bmmkampfer, in 100 g Chloroform geltist, mit 90 g Chlorsulfonsllnre zwtilf Stunden am RUckflusekiihler. Das Reaktionsprodukt
goss ich in kaltes Wasser und sgttigte nach der Trennung die
wtleserige Schicht mit Calciumkarbonat. Das gebildete Calciumsalz
zeigte keine Neigung zu krystallieieren; ich setzte es mittelst
Ammoniumkarbonat um and erhielt hierbei das sehr kryatallisationsf%hige Amonaalz, das durch wiederholtes Umkrystallisieren gereinigt
wurde. Bs bildet fast weisse, luftbesttindige Nadeln. Urn daraus die
neie o-Bromkampfersulfons%urezu gewinnen, e r w h t e ich das Ammonsalz mit Barytwasser im Uebersohuss, bis das Ammoniak vollig verflikhtigt war nnd zerlegte das Baryumsalz durch eine berechnete
Menge Schwefels!lure. Ich filtrierte von dem entstandenen Niederschlage Sb, dampfte auf ein kleines Volnmen ein und stellte zur
Krystallieation beiseite. Es zeigte sich hierbei, daes die o-Brom-'
kampfersulfonuiiure, wenigstens im unreinen Zustande, ziemlich hygroskoyisch ist, denn die eingedampfte LBsung blieb sirupartig, ohne
Krystalle abzuscheiden und erstarrte erst beim Stehen Uber Schwefelakure m einem Krgstallkuchen.
Um siaher zu sein, dam daa erhaltene Produkt thatallohlich
o-Bromkampfersulfonsiiure, bezw. ihr Ammonsalz war, bestimmte ich
den Brom- und Schwefelgehdt sowie das DrehungevermSgen dee
Ammonshes.
0,4896g Subatanz gaben 0,2766 g AgBr = 0,1177 g Br and 0 9 6 9 g
Ba SO,
0,04888 g 8.
Berechnet ftir GoHi4Br0 . SO8 NH4:
Gefunden:
Br 24,04%
243246
s
1)
8)
9,99.
9972 n
Chem. Zentrdblatt 1898, II., 116.
Journal of chem. Soc. 63, 677 und Beilrtein III., 498.
J. Gadamer: Uebcr Corydalisdiialoide.
11
Zur Bestimmung dea Drehungsvermogens des Sahes liiste ich
0,7201 g desselben in 24,4941 g Waseer und polarisierte im 2 dmRohre ; als Mittel ergab sich a D = 4 O 51. Daraus berechnet sich
+
[a]n nach der Formel
[.ID
100.~
==
d. I. p.
+ 84O 29'
und das molekulare
P.lal
Drehungsvermijqen [MID nach der Formel LM]D =10()= -k 278'.
-
Dieser ftir [MID 278O gqfundene Wert, stimmt gut mit der von
P. Wald e n I) ftir das o-bromkampfersulfonsaure Kalinm ermittelten
Zahl [MID= 273O tiberein. Beracksichtigt man nun noch, dass die
Bestimmung des DrehungsvermGgens beim Ammonsalz in konzentrierterer Lknng erfolgte, ale beim Kaliumsalz, nnd das bei zunehmender
Konrentration das molekulare Drehungsvermtlgen der o-Bromkampfersnlfonstiure und ihrer Salze w'dchst, -- bei der Bestimmung von [MID
fur die freie S&me fand P. Walden') in 1,0366Xiger, 0,5183Ziger
nnd 0,2592%iger L6snng Werte, welche zwischen 273O und 2tj!I0
schwankten, w%hrend in 14,952Xiger Ltlsung sich der Wert -!- 387O
ergab - so ist die geringe DiEerenz erkl'drlich und kann unberiicksichtigt gelassen werden.
Es war also mit Sicherheit anznnehmen, dass in dem untersnohten Prt-iparate daa Ammoniumvalz der o-Bromkampfersulfons'dure
vorlag.
Ich venmchte nun, die o-Bromkampfersdfonstiure selbst zur
Spaltung des i-Corydalins zu benuteen.
Ich erhitzte hierzu 0,5 g i-Corydalin mit Wasser nnd aetzte vorsichtig o-Bromlrampf ersdfons!iure bis zur vtllligen Llisung der Base
m; dann filtrierte ich noch heiss und liess erkalten. Dabei schieden
sich am Boden 6lige Tropfen ans, von denen ich die Mutterlaunge
vorsichtig abgoss. Ich ltlste dieselben in Alkohol, Bgte etwas Wasser
hinzu und liess die Losupg Uber Schwefels&nre stehen. Es schieden
sich knopff6rmig angeordnete weisse lGystalldmsen ans, die ich nach
dem Absangen in Wasser ltlste. Die mit Ammoniak alkabch gemachte Fliissigkeit schtittelte ich mit Chloroform aus und polarisierte
die Chloroforml6snng; sie erwies sich ale optisch inaktiv.
Da dieser Weg nicht zu dem gewUnschten Ziele gef'iihrt hatte,
folgte ich dem Vorgange von W. J. P o p e und E. M.Richs), welche
durch Umsetznng mit o-bromkampfersnlfonsanrem Ammonium die
Spaltmg des racemischen Tetrahydro-p-toluchinaldina verwirklicht
hatten.
+
1)
Ztschr. f. pbysik. Chem. 15, 199.
1899, II., 266.
3 Chem. Zentralblatt
42
J Gadam cr: Ueber Corydalisalkaloidc.
Versnch, durch Umsctzung des salzsauren i-Corydalius mit 0-bromkampfersulfonsanrem Ammoninm eine Spaltung der iualitiren Base
zn erzielen.
Das VerhBltnis beider Korper wlhlte ich so, dass auf zwei
Molekiile des i-Corydalins ein Molekul des o-bromkampfersulfonsauren
Ammoniums kam, urn bei der Salzbildung nur die eine Komponente
als schwerer losliches o-bromkampfersulfonsaures Salz zu erhalten.
Ich 18ste also 0,5 g snlzsaures i-Corydalin und 0,18 g o-bromkampfersulfonsaures Ammonium getrennt auf, und zwar in m6glichst wenig
heissem Wasser, und goss die heissen Liisungen zusammen. Hierbei
schieden sich Trtipfchen ab, die beim Erkalten weisse Krystalldrusen
lieferten. Ich saugte dieselben ab und wusch sie mit Wasser nach.
Dann suspendierte ich die zerriebenen Krystalle i n Wasser, fiigte
Ammoniak i m Ueberschuss zu und schiittelte die alkalische Fliissigkeit mit Chloroform aus. Die Chloroformschicht filtrierte ich in ein
10 cm-Rohr und priifte das Verhalten derselben gepen den polarisierten Lichtstrahl; sie erwies sich als optisch inaktiv ; die Chloroformlosung enthielt demnach wiederum die inaktive Base.
Durch diese Versuche ist also bewiesen, dass mit, Elilfe der angewandten optisch aktiven SKuren, bezw. eines ihrer optisch aktiven
Salze eine Spaltung des i-Corydalins in seine Komponenten nicht
moglich ist.
Ein einfaches Gemircch von d- und 1-Corydalin liegt daher in
dem inaktiven Corydaliu jedenfallv n i c h t vor. Vielmehr diirfte danach
dae inaktive Corydalin als r-Corydaliu anzusprechen sein , dessen
Spaltung auf anderem Wege doch noch realisierbar erscheint.
Das inaktivo Corydalin vom Sohmp. 158459O.
(J. G a d a m e r und H. Z i e g e n b e i n ) .
Die i n Vorstehendem mitgeteilten Beobachtnngen sind inzwischen
durch Untersuchungen, bei denen ich von 13. Z i e g e n b e i n unterstlitzt
wurde, zum Teil iiberholt. Ich habe aber ihre Veroffentlichung fiir
'wlinschenswert gehalten, da durch dieselben der W e g bereitet worden
ist, der voraussichtlich zum Ziele ftihren wird. Wie H. W a g n e r im
vorigen auseinandersetzte, existieren fiir die ErklKrung der Inaktiviat des
i-Corydalins zwei Moglichkeiten: Entweder handelt es sich dabei um einen
echten Racemkorper oder um ein inaktives Gemisoh der optischen Antipoden. Die Bfoglichkeit einer intramolekularen Kompensation von zwei
oder 2 n asymmetrischen Systemen, wie in der inaktiven WeinsBure
hielt H. W a g n e r nnd ich fur ausgeschlossen. Denn wenn auch die
Konstitution des Corydalins bis heute noch keinesfalls sicher bekannt
J. Gadsme r: l - ~ b e Corydalisalkaloide.
r
43
ist, die MUglichkeit, dass es sich darin urn 2 oder 2 n (n hiichstens = 2;
vergl. H. Wagner) asymmet,rische Systeme von vollstandiger Gleichwertigkeit handeln konnte, ist unbedingt ausgeschlossen.
Nach allem, was wir bisher vom Corydalin wissen, miissen wir
in demselben ein Alkaloid erblicken, das dem Hydroberberin oder
Canadin ausserordentlich nahe steht. Die gelbe Farbe des Dehydrocorydalins, seine Verbindungen mit Chloroform und Aceton, Wasserstoffpolysulfid etc. deuten unabweisbar darauf hin. Bei der Oxydation
mit Kaliumpermanganat entsteht aus dem Corydalin Hemipinshre und
und nach Do b b i e und L a u d e r ') Corydaldin, dessen Konstitution sich
der des Anhydrids der w-AminogthylpiperonylkarbonsLure, welche
H. P e rkin8) aus Berberin unter iihnlichen Bedingungen isolierte,
eng anschliesst.
Ha CO
,CHs-CHs
HaCO/\c n"CO-NH I
Corydaldin.
Zieht man ferner die Formeln des Canadins, Hydroberberins und
Corydalins in Vergleich unter Berlicksichtigung der Hydroxylgruppen,
so wird deren Analogie unschwer erkannt.
w -9mino~thglpiperonyl~arbon~ureanhgdrid.
Corydalin,
Canadin
namentlich wenn man die Formel des letzteren in C1,H18(CH~)N(OCH~)~
auflost. Die Existenz dieser Methylgruppe ist zwar bisher direkt
noch nicht nachgewiesen, aber betrachtet man die wohl zweifellos
richtige Konstitutionsformel des Canadins (vgl. meine Arbeit: Die
Beziehungen des Canadins zum Herberin),
CHp OC
C p bCr)CH
C H CHSCHS
Canadin.
so wird man an der Existenz einer Methylgruppe i m Corydalin nicht
zweifeln kijnnen. Ja, wir werden ohne weiteres sogar nngefiihr feststellen konnen, wo diem Methylgruppe im MolekIll des Corydalins
1) Chem. Zentralblatt 1899, II., 391.
2) Jonm. chem. SOC. 67, 1013 (1890).
41
J. Gadani a r : Ueber Corydklisalkaloide.
untergebracht werden muss. Priifen wir die Konstitutionsforniel des
Corydalins, wie sie nach Abzug der fraglichen Methylgruppe sich
voraussichtlich gestalten muss, so erhnlten wir ein dem Canadin gauz
-0
Bhnliches Formelbild; nur die Dioaymethylengruppe -O>CH~ ist durch
-0 CH3.
CEI3
zwei Methoxylgruppen zu ersetzen : --o
Zur Erleichterung des Verstlndnisses sei diese hypotheti. che
Verbindung als Norcorydalin bezeichnet .
OCIIJ
c:
Norcorydalin.
Die Formel des Norcorydalins giebt die Rl6giichlieit, dasa in
einem der 4 carbocyklischen oder het erocyklischen Xno: dnungen die
frdgliche Methylgruppe ein Tasserstoffntom ersetzen kann urcl so
das Corydalin entsteht. Fande nun die Substitution In einem der
carbocyklischen Systeroe I oder IV statt, so miisste i n jedem Falle bei
der Oxjdstion des Corydalins mit Kaliurupermanganat ausser Hemipineanre noch eine Methylhemipinsaure oder wahrscheinlicher eine Diniethoxylbenzoltrikarbonsaure entstchen. n a dies nioht der Pall ist, koxnmen
nur noch die tetrahydrierten heteroi yklischen Systenie I1 oder J I I in
Frage. Nehmen wir zunachst an, die Methylsnbbtitution hiLtte in
dem System I11 in einer der beiden J I e t h y l e n g ~ p p e n>tattgefunden. Es
wiiide dann diese Gruppe asymmetrisch sein und an der optisohen
Aktivitat des Corydalins teilhaben miissen. Die Folge davon ware
aber, dass das bei der Oxydation m i t alkohn1i;cher Jodlasung entstehende Dehydrocorydalin und naturlich auch das daraus durch Reduktion gebildete ,,Iso"-corydalin noch optisch aktiv, wenn auch vielleicht schwiicher, sein miisste, da. das Systcm 111 weder bei der
Oxydation noch bei der Reduktion angegriffen wird. Es bleibt also
nnr das System I1 ubrig und in diesem drei M6glichkeiten filr die Stellung
des Methyls, nBmlich die mit 1, 2 und 3 bezeichneten Kohlenstoffatome.
Von diesen ist aber 3 wieder ohne weiteres auszuscheiden, da bei
dieser Stellung
J. Gadam e r : Ueber Corydalisalkaloide.
45
1. die Bildiing einer Dehydroverbindung, die dem Berberin
iihnlich sein konnte, unmiSglich ist und
2. selbst diese MBglichkeit angenommen, die Dehydroverbindung
und die daraus durch Reduktion entstehende Isorerbindung optisch
aktiv sein miisste und zwar letztere in der gleichen StBrke, wie das
Ausgangsmaterial, das naturelle Corydalin.
Es bleiben daher thatsiichlich nur die beiden m i t 1 und 2 bezeichneten Stellen fIlr die Methylgruppe iibrig; welche von beiden die
richtige ist, kann nur durch vorsichtige Oxydationsversuche, mit denen
ich zur Zeit begonnen habe, entschieden werden.
Nan wird vielleicht einwerfen, dass die ganze Methylgruppe rein
hypothetischer Natur sei und infolgedessen meine obigen Auseinander
setzungen vollstandig in der Luft schwebten. Dem kann ich einen
direkten Beweis entgegenstellen, der auch einige Lucken im vorstehenden indirekten auszufilllen geeignet ist.
Liegt im Corydalin ,an einem der beiden mit 1 resp. 2 bezeichneten Kohlenstoffatome die angenommene Methylgruppe, so sind dadurch zwei asymmetrische Kohlenstoffatome bedingt, ngmlich das Kohlenstoffatom 1 und eines der beiden Kohlenstoffatome 2 oder 3. Bei der
Oxydation mit alkoholischer JodlBsung geht alsdann die Asymmetrie
der beiden Systeme verloren, wie au8 den nachstehenden Formeln er-
Deb ydrocor y dalinhydrojodid.
OCHS
C
Corydalin (11).
Dehydrocorydalinhydrojodid.
46
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
Bei der darauffolgenden Reduktion werden durch Aufnahme von
4 Wasserstoffatomen die urspriinglichen asymmetrischen Systeme zwar
wieder hergestellt, aber naturgemiiss entstehen hierbei, wie bei allen
Synthesen, gleiche Mengen rechts- und linksdrehender Natur, sodass
das Reaktionsprodukt inaktiv sein muss. Sind aber, wie wir hier angenommen haben, 2 asymmetrische Systeme im Molekiile enthalten, so
existieren fur das Zustandekommen der Inaktivitlt zwei Moglichkeiten.
Wenn wir von zwei Molekiilen der Verbindung ausgehen und die
beiden asymmetrischen Systeme mit a und b bezeichnen, so wird in
dem einen Molektil a rechtsdrehend, b linksdrehend, in dem andern
a linksdrehend und b rechtsdrehend sein konnen. Wir erhalten also
das Schema I.
1.
+- I + ' -
= 0
Es wird aber auch in einem Molekul a und b rechtsdreheod, in
dem andern a und b linksdrehend sein konnen, wodurch sich das
Schema I1
1 I.
+j-
=
+ I -
ergiebt.
Beide moglicheu Verbindungen sind racemischer Natur, sind also
wohl spaltbar. Bei 11 ist das ohne weiteres verstlndlich, wBhrend bei
I i n Retracht gezogen werden muss, dass die beiden Systeme a und I),
wie aus den Formeln ersichtlich, in keinem Falle einander gleichwertig
sein konnen. Bei Spaltung des Schema. I1 werden wir eine f und
eine - Komponente zu erwarten haben, von der die erstere mit dem
naturellen Corydalin identisch sein muss. Bei Spaltung des Schema I,
n-elches dem kombinierten Typus Traubenslure - i -WeinsIure
entspricht, werden nur sehr schwach drehende Basen entstehen konnen
und es wird die Aufspaltung des Schema I uberhaupt grosse Schwierigkeiten machen, wenn nicht undurchfiihrbar sein, da bei der Salzbildung
mit optisch aktiven Sluren die beiden Systeme a uud b einander
entgepenarbeiten werden. Ich kiinnte noch hinzufiigen, dass dieser
Kampf der beiden Systeme ein sehr hartnackiger sein durfte, da wie eine Betrachtung der wahrscheinlichen Formel ergiebt - die
Asymmetrie beider Systeme eine sehr ahnlicbe ist.
Und so ist es wohl auch in der That. Bei der Reduktion des
Dehydrocorydalinhydrojodids konnen zwei verschiedene inaktive Corydaline entstehen, eines von Schmp. 134- 135 O, das i-Corydalin von
Z i e g e n b e i n und M a r t i n d a l e und eines Tom Schmp. 158-15Q0, das
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
47
zuerst H. W a g n e r in kleiner Menge erhalten hat. Meistenteils bildet
sich nur die erstere Modifikation, bisweilen aber auch in wechselnden
Mengen die zweite. Die Bedingungen, unter denen die Bildung der
zweiten Modifikation vor sich geht, haben wir bisher noch nicht ermitteln kiinnen. Wir haben schnell, wir haben langsam, in der Warme
und in der Kiilte, in verdilnnter und in konzentrierter Lijsung gearbeitet und doch stets nur i-Corydalin vom Schmp. 134-135O erhalten.
Trotzdem erregt es den Anschein, als ob langsame Reduktion der
Bildung der zweiten Modifikation giinstig ware, da einzelne Yroben,
die viele Monate nach der Reduktion nnverarbeitet etehen geblieben
und durch Oxydation, vermittelt durch das Tageslicht, wieder gelb
geworden waren, bei der erneuten Reduktion recht gute Auebeute an
inaktivem Corydalin vom Schmp. 158-159O gegeben haben. Vielleicht
ist auch anzunehmen, dass bei der Oxydation am Licht nicht 4 sondern
nur 2 Wasserstoffatome aboxydiert werden, dass infolgedessen die dadurch entstehenden Verbindungen nur e i n asymmetrisches System
enthalten yon dem Schema
I -. Wird diese Verbindung dann wieder
reduziert, so muss nach der bekannten Gesetzmiissigkeit an zwei
Molektilen dieser racemischen Verbindung die Bildung des zwsiten
aqymmetrischen Systems nach den1 Schema
+
+- I +I
--
+I+I-
vor sich gehen und es wiirde so das Auftreten beider Modifikationen
zu gleichen Teilen zu erwarten sein. Ein Versuch, der unter Beriicksichtigung dieser M6glichkeiten ausgefiihrt wurde - die Reduktion
des Dehydrocorydalinhydrojodids wurde im Sonnenlicht w a r e n d etwa
8 Wochen durchgefuhrt -, hat zwar die gehegten Erwartungen nicht
erftillt, doch ist mtiglich, dass das grelle Sonnenlicht zu stark oxydierend
wirkte und dabei nicht nur znei, sondern vier Wasserstoffatome abgesyalten wurden. Die Versuche mIissen daher noch fortgesetzt werden.
Eine Aufkliirung dieser Verhiiltnisse erscheint urn so wichtiger, als
eventuell auch auf diesem Wege die Stellung der Methylgruppe
entschieden werden kann. Denn bestitigen sich meine Annshmen, so
ntirde nur noch die erste Corydalinformel in Frage kommen, da nur
sie bei Austritt von zwei Wasserstoffatomen ein asymmetrisches Kohlenstoffatom behllt, wahrend die zweite FOIme1 entweder beide asymmetrischen Systeme behalten oder verlieren muss.
Wenn wir nun die Frape zu beantworten suchen, u-elches der
beiden inaktiven Corydaline dem Typus Traubensiiure-i-WeinsLure nnd
welches dem Typus Traubenslure allein angehkt, so werden mir schon
auf Grund theoretischer Erwiigungen dem inaktiven Corydalin vow.
Schmp. 134-135O den ersteren , dem inaktiven Corydalin vom
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloido.
44
Schmp. l.iU-lS9°
den letzteren Charakter zuerkennen miissen. Denn
+
erstens ist die Entstehung eines Schemas -
1I +- bei
einfacher Reduktion
wahrscheinlicher als die eines Schemas -k ' - welch letzteres nur nach
+I
-9
der oben ausgefiihrten Bildungsmeise leicht entstehen kann und zweitens
spricht der hohere Schmelzpunkt fir die Existenz des Schemas
+j-
+ I -.
Wir diirfen daher das inaktive Corydalin 134-135O mit grosser Wahrscheinlichkeit a h i-Corydalin, das andere als r-Corydalin ansprechen.
Die experimentellen Untersuchungen haben in demselben Sinne
entschieden. Denn wie ich mich ad hoc nochmals uberzeugt habe, ist
das i-Corydalin weder durch Weinsiiure noch durch Bromkampfersulfossure spaltbar, wahrend das r-Corydalin mit Hilfe letzterer SLure
in eine Rechts- und Links-Komponente zerlegt werden kann. Die
dabei auftretenden VerhLltnisse sind sehr Lhnliche, wie ich aie bei der
Spaltung des Hydroberberins I) in d- und 1-Canadin zu beobachten
G elegenheit hatte. Auch hier ist die Spaltung keine quantitative,
sondern betrligt - weniger noch als beim Hydroberberin - nur etwa
lIn der angewandten Menge. Bus diesem Grunde habe ich auch bisher
noch keine der beiden Komponenten in reinem Zustande in den HInden
gehabt. Die Analogie des Hydroberberins und r-Corydalins erstrecltt
sich such auf den Schmelzpunkt und die Liislichkeit:
Hydroberberin Schmp. lf36-16io. Canadin Schmp. 182--1Xio.
r-Corydalin
,, 158-169O. d-Corydalin ,, 134-135O.
Die racemischen Verbindungen sind in Alkohol schwerer lblich als
die aktiren.
Experimenteller Teil.
Wie bereits im theoretischen Teil mitgeteilt wurde, konnten bisher die Bedingungen, unter denen man sicher zu r-Corydalin gelangen
kann, noch nicht ermittelt werden. Dann abgesehen von den genannten
FLllen, in denen nach erfolgter Reduktion, durch darauf folgendeOxydation
durch den Luftsauerstoff und nochmalige Reduktion die Entstehung des
r-Corydalins in reichlicheren Mengen beobachtet werden konnte, wurde
bisweilen auch bei Leitung der Reduktion von einem Tage zum andern
das gleiche Resultat erhalten, wshrend in den weitaua meisten F U e n
unter diesen Bedingnngen nur i-Corydalin gewonnen wurde. Die Isolierung dea r-Corydalins geschah in der Weise, dam die Reaktionsfliissigkeit mit starkem Ammoniak bis zur Lbsung des zunLchst gefgllten Zinkhydroxyds versetzt und dann mit Aether mehrmah aus1)
Vergl. meine Arbeit in Heft 9 diesee Archivs der Pharmaeie 1901.
J. Gadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
49
geschiittelt wurde. Beim Abdestillieren des Aethers scheidet sich
das r Corydalin gegen Ende meist pulverig oder in undurchsichtigen
Krusten aus, wahrend i-Corydalin sich Uberhaupt nicht ausscheidet,
sondern erst nach dem L6sen in Alkohol in d n r c h s i c h t i g e n , ansehnlichen Krystallen anschiesst. Die weitere Reinigung des durch
Nebenprodukte rotlich gefarbten r-Corydalins geschieht durch wiederholte Krystallisation am Alkohol, wodurch es in undurchsichtigen, zu
Krusten vereinten Krgstallen, die leicht zerreiblich sind, erhalten
wird. Der Schmelzpunkt steigt beim Umkrystallisieren von 155O auf
-
158-159'.
Anfhglich waren wir der Ansicht, es mochte in dieser Base
ein Zwischenprodukt vorliegen, das sich vom Dehydrocorydalin durch
2 Wasserstoffatome mehr, vom Corydalin durch 2 Wasserstoffatome
weniger unterschiede. Die Elementaranalyse konnte dariiber wohl
einige Anskunft geben, aber wenn man bedenkt, welche Schwierigkeiten grade die genaue Bestimmung des Wasseratoffs in so hochmolekularen Alkaloiden macht, wird man begreifen, weshalb wir zunschst auf anderem Wege die Frage zur Entscheidung zu bringen
suchten. Das Verhalten gegen alkoholische Jodlssung hielten wir fUr
den Zweck fiir geeignet, da eine Verbindung von der vermuteten Zusammensetzung nur 2 Jodatome in Jodwasserstoff verwandeln konnte.
Es zeigte sich jedoch auch in diesern Falle bereits die Unsicherheit
der Methode. Zwar liess sie uns keinen Augenblick dartiber im
Zweifel, dass ein Didehydrocorydalin von der Formel CS Hat, NO,
nicht vorliegen konnte, dafttr aber liess sie ausser CaHa,WOc auch
CgsHasNO,, also ein Dthydrocorydalin muglich erscheinen. Letztere
Formal ist allerdings, wenn man die obige Konstitutionsformel des
Coryddins anerkennen will, von vornherein ausgeschlossen, so dase
am dem Verhalten gegen Jod in der That nur die Formel CasHs,NO,
fUr die neue Base abgeleitet werden kann.
1. 0,2344g verbranchten 0,4627 g Jod; berechnet fiir 4 J 0,3221 g
,
,,
0,3453n
Die dehydrierte Bane, reap. deren Hydrojodid, war mit dem am
Corydalin bei analogex Behandlung entetehendm Dehydrocorydalinhydrojodid
durchaus identisch. Dan nach dem Umsetzen mit Chlorsilber daraus bereitete
Goldealz stimmte in Farbe und Schmelzpnnkt mit dem Dehydrocorydalinchloroaurat tiberein. Letzterer lag bei 9180 C., wiihrend Ziegenbein (1. c.)
friiher ftir letzteree 2190 ermittelt hatte.
Auch die Elementaranalysen lassen keine andere FormQ, ah
(&HmN04 EU, wenn audh der Kohlenstoff bei allen etwas xu niedrig 88funden wurde. Der in diesem Falle wichtigere Waaseretoff neigte durehw
gemiigende Uebereinrtimmnng mit der Theorie.
0. 0,2508
W
0,3427
Arch. d. Phsrrn. CCXXXX. Bds. 1. Heft
ll
n
4
n
4
50
J. Qadamer: Ueber Corydalisalkaloide.
1. 0,2087g Substanz: 0,6409g C o p und 0,1426 g H a 0
2. oYa2oi
0,6734
0,1434
3. 0,1993 ,,
,
0,5169
0,1325
,
Gefnnden :
Berechnet fur
I.
LI.
HI.
Css Hm NO, :
C 70,7 71,l 70,7
71,49
7,37.
H 7,6
7,2
7,4
Salze konnten wegen Mange1 an Material nicht dargestellt werden.
Nur daa Goldsalz wurde in kleiner Menge gewonnen. Dasselbe ist
fleischfarben.
Spaltung des rGorydalinr mit Bromkampfersulfos6ure.
Der Rest des zur Verfilgung stehenden Materials 0,5 g (2 Mol.)
wurde in der berechneten Menge "/lo Salzsiiure aufgelast und heiss
mit 0,22 g bromkampfersulfonslen Ammon (1 Mol.) i n Losung versetzt.
Es fand zunachst keine Ausscheidung statt; beim Verdunsten resultierten gut ausgebildete Krystalle, die gesamrnelt wurden, d s eine
Zunahme nicht mehr beobachtet wurde. Dieses Verhalten war wesentlich verschieden von dem, welches i-Corydalin unter ganz gleichen
Bedingungen zeigte. Hier entstand sofort., wie auch H. W a g n e r mitteilt ein tiliger Niederschlag, der nachher krystallinisch wird. Das
Bromkampfersulfonat des i-Corydalin ist also erheblich schwerer loslich
als das des r-Corydalin.
Als obige Krystalle mit Ammoniak zerlegt und Chloroform ausgeschilttelt warden, drehte die Chloroformltjsung nach rechts, wtihrend
die Mutterlaugen in der gleichen Weise behandelt, eine ebenso weit
nach links drehende Chloroformlasung lieferten. Aus der Ablenkung
konnte man auf eine Spaltung yon rund '/e des angewandten r-Corydalins
schliessen.
Hoffentlich wird es gelingen, bald etwas grossere Mengen des
r-Corydalins zu erhalten, damit die noch offenstehenden Fragen eine
einwandsfreie Antwort bekommen kannen.
2. lsooorybulbin Cpl HabNOI.
(J. G a d a m e r und H. Biegenbein.)
Bei der fraktionierten Ausschiittelung der amorphen Corydalisbasen wurde das Isocorybulbin in den am schwLchsten basischeu Anteilen aufgefunden. Es erregte unsere Aufmerkeamkeit durch das in
kleinen gltinzenden, in Wasser ausserordentlich schwer loslichen
Krystallen resultierende salzsanre Salz, das mit keinem der anderen
Basen irgendwelche Aehnlichkeit hatte. Aus dem salzsauren Salz
wurde die freie Base durch Ammoniak in Freiheit gesetzt und mit
J. Gadamer: Uebt?r Corydaliszlkaloide.
51
Aether ausgefichuttelt. Beini Verdunsten des letzteren schossen nadelfsrmige Krystalle aus, die gelblich gefwbt und sehr lichtempfindlich
waren. I h r Schmeizpunkt lag bei 175O bis 159O, wobei ebenso wie
beim Corybulbin das geschmolzene Alkaloid intensiv bfiunlich-rot
geftirbt war. In Alkohol ist das neue Alkaloid ziemlich schwer liislich,
aber bei weitem leichter als das Corybulbin, welches fast unlLlich in
Alkohol ist. Das Isocorybulbin kann daher mit Erfolg durch wiederholtes Umkrystallisieren aus Alkohol gereinigt werden. Man erhiilt
es aus diesem 1~osungsmittelin rein weissen, glitnzenden, ousserordentlich voluminosen Bliittchen, deren Schmelzpunkt scharf bei 179-180°
liegt. Auch im reinen Zustande ist es sehr lichtempfindlich.
Die schwach basischen Eigenschaften des neuen Alkaloids, mit
anderen Worten die Stellung desselben bei der fraktionierten AUBschiittelung und die grosse Lichtempfindlichkeit liessen von vornherein
in ihm ein Mitglied der Corydalingruppe vermuten. Elementarzusammensetzung, die Anzahl der Methoxylgruppen und das optische
Verhalten weisen auf eine Isomerie mit Corybulbin, von dem es sich aber
durch den Schmelzpunkt, die Loslichkeit in Alkohol und die Form
des salzsauren Salzes unterscheidet, hin.
0,2048 g Substsnz: 0,1332g HpO nnd 0,5298 g CO,.
Gefnnden:
Berechnet fur CglHs5NO4:
C 70,6
H
7,2
70,94
7,m.
M e t h o x y l b e st immung.
Die Methoxylbestimmung nach Z e i s e l erqab wie im Corybulhin
die Bnwesenheit von 8 Methoxylgruppen.
0,207 g Substanz: 0,4153g AgJ.
Gefunden:
Berechnet fur 3 Methoryl:
OCH3 26,5
26,2%.
Das unter dem Einfluvs der starken Jodwasserstoffsgure gebildete
Reaktionsprodukt scheint ein gut krystallisierender KZirper zu sein,
H19NO, - H J zukommen musste. Es wird iuteressant
dem die Formel
sein, diesen Korper mit dem unter den gleichen Bedingungen au8
Corydalin und Corybulbin entstehenden zu vergleichen. Voraussichtlich
wird er damit identisch sein. Trifft diece Vermutung zu, so wiirde
dadnrch bewiesen sein, dass die Isomerie des Isocorybulbins und
Corybulbins nur auf eine Verschiedenheit der St ellung der einen
Hydroxylgruppe zu den drei Methoxylgruppen beruht. Der Beweis
kann auch durch Einwirkung von Jodmethyl auf Isocorybulbin bei
Qegenwart von Alkali erbracht werden. Es miisste dann gerade wie
das Corybulbin I) auch das Isocorybulbin in Corydalin iibergehen.
-____
1) Bobbie, L a u d e r u. P a l i a t s e a s , Proc. chem.Soc. 16, 206/6 (1900).
4*
J. Gadam er: Ueber Corydalisalkaloide.
62
Bur Zeit sind die darauf hinzielenden Versnche hauptalichlich w e e n
Mangel an Material nicht ausftihrbar. Ebenso konnten wir die Einwirkung von alkoholischer Jodlasnng auf Isocorybulbin noch nicht mit
der wnnschenswerten Griindlichkeit stndieren. Ein qualitativer Versuch
zeigte jedoch bereits, dass auch das Isocorybulbin unter diesen Bedingungen eine gelbgef k b t e , berberiniihnliche Verbindung liefert , die
in linaseret feinen, stark glwzenden Nadeln oder BlHttchen krystsllisiert.
Sind somit die Thatsachen, welche fW unsere Annahme der
nahen Beziehung des Isocorybulbins zum Corybulbin sprechen, noch
ziemlich diirItig, so stehen uns doch noch einige Wahrscheinlichkeitsbeweise zur Seita, die wir in dem Verhalten gegen Alkaloidreagentien
und in &em spezifischen DrehungsvermZigen erblicken. Hierbei zei&
sich so weitgehende Aehnlichkeit, dass man nicht gut eine andere
Isomerie ah die angegebene annehmen kann.
kona.
Corybnlbin
kone.
FrBhde’s
Reagens
farblos gelb, allmllh- erst farblos, rotviolett,
lich dunkler spiiter ganz brann, dann
werdend
echwach
vom Rande
gelblich her gelbgriin
Isocorybulbin farblos gelb, allmllh- schwach
lich dnnkler meergriin
werdend
rotviolett,
brann, dsnn
vom Rande
her gelbgrtin
Mandelin’s
Reagens
grth
grim
Also nur im Verhalten gegen E r d m a n n s Reagens zeigt sich eine
unbedentende Verschiedenheit.
Daa spezifische DrahnngsvermBgen des Isocorybulbine ist fast das
gleiche wie dar des Corybdbins: [a]: = 299,80 gegen 303,3O*):
0,26 g mit Chloroform ZP 24,9446 ccm anfgeltht, lenkten im 2 dm-Rohr
bei 2 0 0 den polarinerten Lichtatrahl nm
6 0 16’ ab. [ag also = +2!39,80-
+
+
Die weitere Bearbeitung des Isocorybulbins hat Herr D. B r u n s ,
d e r anch das Corybulbin (1. c.) in Angriff genommen hat, Uhrnommen
(Fortsetzung folgt.)
1)
Vergl. ( t s d s m e r nnd Brnns, Arch. d. Pharm. 239, 41 (1901).
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