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Ueber den Milchsaft einiger Euphorbiaceen.

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ARCHIV DER PHARMACIE,
24. Band, 17. Heft.
A. Origiualmittheilungen.
Mittheilungen aus dem Pharmaceutischen Institute der
Universitst Strassburg.
Ueber den Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
Voii G. H e n k o &us Schrimm.
Cap. I. Historisches.
Das Euphorbiiim , cler eingetrocknete Milchsaft von Eiiphorbis
resinifera Berg ist schon seit Anfang unseres Jahrhunderts verschiedenen Untersuchurigen unterworfen worden.
Unsere bisherigen Kenntnisse iiber diesen Mdchsaft leiden jedoch
so sehr an Widerspriichen, dass sie nicht geeignet sind, ein Hares
Bild iiber die Zusammensetzung dieses medicinisch noch haufig
angcwendeten Produktes zu geben.
Den cheinisch interessantesten G r p e r , ilas Euphorbon, hatten schon
1864 Dragendorff und A l b e r t i (1, p. '215; 3, p. 103) bei der
Untersuchung von Warzen , welche sich aus liundertjahriger Euphorbium - Tinctur abgeschieden hatten , unter der Hand. Ihr Produkt,
welchem sie iibrigens keinen weiteren Namen beigelegt , war , wie
wir spater noch naher sehen werden, nicht ganz reines Euphorbon.
Vier Jahre spater wurde dieses Praparat von Fliickiger (4, p, 8 2 ;
5, p. €!US), welcher es ebenfalls noch nicht ganz rein erhalten hatte,
dargestellt und ihm zuerst der Name ,,Euphorbon" beigelegt. Die
von dem reinen Euphorbon abweichenden Reactionen und Eigenschaften sollen weiter unten naher besprochen werden.
1872 stellte auch B u c h h e i m (6, p. 1 ; 7, p. 559; 8, p. 146;
9, p. 801) das Euphorbon in nicht ganz reinem Zustande uncl ohne
seine Eigenschaften eingehender zu besprechen , dar.
Die letzte Bearbeitung des Euphorbons endlich haben wir von
H e s s e (10, p. 193) aus dem Jahre 1878. Auch diesem Chemiker
Arch. d. Pharm. X X I V . Bds. 17.Heft.
48
730
G. Honke, Milchsaft einigor Enphorbinccon.
war, wie wir sehen werden , die absolute Reindarstellung dieses
Kijrpers nicht gelungen.
Von den ubrigen , das officinelle Euphorbium zusammensetzenden
Stoflen nehmen iinsere Aiifnierksainkeit die Harze wie Gummiarten,
das Kautschuk und die Aepfelsaure - Salze ebenfalls in Ansprucli.
B r a c o n n o t (17, p. 48) fand im Jahrc 1808 37 Procent Harz,
walrencl 1840 J o h n s t o n (12, p. 364) und 1834 H. Rose (13, p. 5 2 ;
14, p. 369) die Harze ebenfalls naher untersiichten. Ilire Resultate
miissen jedocli als werthlos angeselien werden, da alle drei niclit
die reinen Produlite, sondern Gemeiige von Eupliorboii mit Harz der
Untersuchung unterzogen hatten.
Bus diesem Grunde wird auch die Erklarung der Rose’schen
Formeln, welche H e l d t (15, p. 60; 16, p. 114) im Jahre 1847 aufgestellt hatte, hinfallig.
F l f i c k i g e r (4, p. 8 2 ; 5, p. 809) war der erste, welcher das
IIarz vom Euphorbon und den fibrigen Stoffen getrennt hatte, ebcnso
B u c h h e i m (6, p. 1; 7, p. 559; 8, p. 146; 9, p. 801). - Auf eine
Vergleichung ihrer Praparate mit den meinigen so11 spiiter naher
eingegangen werden.
Im Jalire 1800 fand zuerst L s i i d e t (11, p. 333; 17, p. 45)
im Euphorbium 23,3 Procent Gumini, welche Behauptang 1809 von
B r a c o n n o t bestritten, von P e l l e t i e r (18, p. 502) aber, welcher
ebenfdls, wenn auch nur 2 Procent Gummi gefunden hatte, bestiitigt wurde.
Fliickiger (4, p. 8 2 ; 5, p. 809) konnte nur eine Gummiart,
welche bei der Oxydation mit Salpetersaure Oxal- und Schleimsaure
lieferte uiid mit verdiinnter Schwefelsaure gekocht, sehr leicht alkalische Kupfertartratlijsung reducirte, darsteuen. Die Gegenwart einer
zweiten konnte er nicht conststiren.
Die apfelsauren Salze hatte B r a c o n n o t (17, p. 48) im kauflichen Euphorbium zuerst im Jahre 1808 nachgewiesen, ihre Eigenschaften aber nicht naher gepruft; erst F l u c k i g e r ( 4 , p. 86)
bespricht diese Saure ausfuhrlich und giebt ihre Reactionen sowie
Zersetzungsprodukte genau an.
Mit dem bis hierher Aufgefulirten sind die wichtigsten Daten
lnitgetheitt, die uns bis jetzt fiber die Bestandtheile des officinellen
Eupliorbiums bekannt waren.
F l u c k i g e r (4,p. 101) untersuchte im Jahre 1868 den frischen
Milchsaft einer aus dem Sudan stammenden Euphorbie, welcher in
G. Hsnke, Milchsaft einiger Euphorbiacecu.
731
der agyptischen Abtheilung der Ausstellung zu Paris gezeigt wnrde,
auf Euphorbon , hnd erhielt einen in langen Prismen krystallisirenden Stoff, welcher sich durch einige Reactionen von dem durch
F l u c k i g e r dargestellten Euphorbon unterschied, und, wie wir splter
sehen werden, ein reineres Produkt gewesen sein muss.
Der frische Milchsaft von Euphorbia Cyparissias wurde ohne
nahere Angabe der Bereitungsweise von J o h n (21, p. 14) untersocht
und darin 13,8 Procent scharfes Harz, 2 Procent Kautschuk und
2,75 Procent Gummi gefunden.
W e i s s und W i e s n e r hatten ebenfalls im Jahre 1861 den
frischen Milchsaft dieser Wolfsmilchart untersiicht und neben
15,72 Procent Harz, 2,73 Procent Kautschuk noch 3,64 Procent
cines Gemenges von zwei Gummiarten gefunden, von denen die
eine Sthkeguinmi, die andere ein Clem Arabin ahnliches Gummi sein
soll. Ueber die Resultate kann man sich a priori kein Urtheil bilden,
weil sie ihre Untersuchungsmethode nicht angaben.
D e s s a i g n e s (22, p. 2 5 ) wies 1854 die Aepfelsgure in Euphorbia
Cyparissias ebenfalls nach.
Der Untersuchung P e t z ol t ’s uber die in Nordamerika einheimische Euphorbia. Ipecacuanha L., ebenso der Arbeit Z ollick off e r ’ s (24, p. 125) iiber die in Florida und Canada vorkommende
Euphorbia maculata L. ist fur vorliegendeii Zweck nichts zu entnehmen.
1862 hatten W e i s s und W i e s n e r (25, p. 125) auch den frischen Milchsaft von Euphorbia platyphylla L. untersucht und, ohne
die Methode der Darstellung dieser Kijrper anzugeben, 8,12 Procent
Ham, 2,15 Procent Gummi und 0,73 Procent Kautschuk gefunden.
Auch O e h l e n s c h l a g e r ( 2 6 , p. 237; 27, p. 286) fand in
Euphorbia helioscopia L. Gummi wie Aepfelsaure und zwei Harze,
doch ohne dieselben genauer zu analysiren , noch eingehender zu
besprechen.
Cap. XI. Milchsaft von Buphorbia resinifera Berg.
A. Des Euphorbon.
1) Darstellung und Eigensehaften.
Da man sich aus der vorhin angefiihrten Literatur noch kein
Urtheil iiber die Eigenschaften des reinen Euphorbons bilden kann,
so wurde versucht , hesen interessantesten Bestandtheil des officinellen
Euphorbiums rein darzustellen uncl genauer zu studieren.
48 *
732
G . Henke , Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
Vier Kilo fein gepulvertes Euphorbium welches von dem Hause
Gehe & Comp. in Dresden bezogen war, wurdeii in der Kalte mit
Petrolcumbenzin, dessen Siedepunkt zwischcn 60 und 70° lag, einige
gale durchgeschiittelt , die Fliissigkeit darauf abgegossen und dieses
Verfahren so lange wiederholt , bis eine Probe des verdunsteten
Petroleumbenzins keinen Ruckstand inehr hinterliess. Der Milchsaft
wird nix zum Theil gelijst. Die von dem Ruckstande abgegossenen
Lijsungen werden vereinigt , filtrirt und der freien Verduiistung iiberlassen. Nacli Verfluchtigung des Lijsuiigsmittels hatten sich am
Rande der Schale schijne , durchsichtige Krystallnadeln von Euphorbon angesetzt, wahrend der iibrige Theil der Substaiiz aus gelb
gefarbten , lirystallinischen Warzen bestand. Wurden die Krystalle
von den waraigeii Massen getrennt und letztere wiederholt mit kaltein
Petroleumbenzin behandelt , so konnte das Euphorbon allerdings rein
crhalten werden. Da jedoch bei diesem Verfahren stets Veduste an
Substanz eintraten , so musste ein anderes Reinigungsverfahreu angewendet werden.
Zuerst wurde von den gelben Warzen das daran hingende Benzin
durch langeres Digeriren auf den1 Wasserbade entfernt und d a m
dles in Aether gel8st. Der atherkchen Lijsuiig wurde so lange verdunnter Weingeist hiiizugesetzt , bis eine geringe Triibung eintrat,
hieraiif filtrirt und bei Seite gesetzt. Es schied sich nach kurzer
Zeit eine gelbe und harzwtige Masse in geringer Menge ab, welche
rnit deln in Benzin unlijslichen Ruckstande des Euphorbiums vert h i g t wurde.
Die abgeschiedene Lijsung hinterliess nach dem Verdansten
eineii schneeweissen , butterartigen Riickstand , welcher uber concentrirtcr Scliwefelsaure getrocknet und kalt in Petroleumbenain
geliist , nach der Verfluchtigung des letzteren vollstandig aus glanzenden Krystalliiadeln bestand.
Diese wurden jetzt da noch
einige , besonders am oberen Rande der Schale , etwas gelb erschienen, nochnials in heissem Benzin gel8st und zum Krystallisiren
in den Keller gesetzt. Nachdem sich das Lijsungsmittel verfluchtigt hatte, konnte man in der Krystallisationsschale zwei Theile
unterscheiden :
1) am h n d e und an den Wandungen des Gefasses
-- 1 cm
bnge Nadel - Gruppen ;
2) am Boden der Schale eine schneeweisse, glasige und undurchsichtige Mause.
G. Hsnke, Milchsaft eioiger Eupliorbiacoon.
733
Von beiden Proben wurden nun wiederholt die Schmelzpunktc
bestimmt und zwischen 67 bis 68O C. liegend befunden.
Obgleich dieses Resultat wohl berechtigte , beide Kbrper fiir
identisch zu halten, so wurde die glasige Masse doch noch einmal
der Krystallisation unterworfen.
Abermals wurden am Rande und an den Wandungen des Gefasses Krystallnadeln erhalten , wlhrend sich auf dem Boden wiederum dieselbe Masse abgeschieden hatte. Bei dritter Krystallisation
wurde endlich auch der letzte Rest der Masse in Erystallen erhalten.
Die gesammte Substanz wurde in der Kate in einem grossen
Ueberschusse von Benzin ge16st und lnngsam verdunsten gelassen.
Nach einigen Tagen war die Schale voll der schbnsten Krystallnadeln.
Der Grund des Ausscheidens der glasigen Masse lag demnach in
der zu starken Concentration der Lijsung und der zu schnellen
Verdampfung des Petroleumbenzins.
Eine abermalige Bestinmung des Schmelzpunktes , sowohl der
Kiystalle aus Benzin , wie auch einer aus Aether umkrystallisirten
Probe derselben, ergab das friihere Resultat niimlich Sclimelpunkt
67 bis 68 C. Eine Lijsung dieses Euphorbons in vie1 iiberschussigem Petroleumbenzin , welche im Keller unter einer geraumigen
Glasglocke langsam verdunstete , ergab einzelne klare und durchsichtige Krystallnadeln bis zu 4 cm Lange. Die ganze Ausbeute an
reinem Euphorbon betrug von 4 Kilo angewandter Substanz 4 6 2 g.
Die Elementar - Analyse ergab :
I. 0,3101 mit Kupferoxyd verbrannt lieferten 0,3411 Wasser und
0,9350 Kohlensaure.
11. 0,2540 gaben 0,2794 Wasser und 0,7658 KohlensLure, was
der Formel C H 0 entspricht.
Gefunden :
Berechnet :
I.
11.
C Z o 2 4 0 82,192
82,230
82,204
H3'j 36 12,319
12,232
12,620
0
16
5,479
5,638
5,576.
Die Lbsungen des Euphorbons lenken die Ebene des polarisirteii
Lichtes nach rechts ab. Es war hierbei:
Aeussere Temperatur
=
18",
Drehungswink-el
=
4',51,
Lange des Rohres
= 1 Decimeter,
L6sung in Chloroform
= 20 Procent,
Spec. Gew. der Lijsung bei 1 8 C. = 1,42,
)
+
+
734
(3. Benke, Milchsaft oiniger Euphorbiaceen.
45 1
1.p.d
1.20.1,42'
demnach :
(u) D =
15",88.
Das specif. Gewicht der Liisung wurde vermittelst des Piknometers bestimmt.
Das Eiiphorbon schmilzt zwischen 67 bis 68 O C., bildet weisse,
glanzende, luftbestandige Krystalle ohne Geschmack und ist in seincn
Liisungen neutral. Es 16st sich sehr leicht in Petroleumather, Sieclepunkt 30 bis 100 O, Chloroform, Aether , Alkoliol, Benzol, Aceton
und 90 Vol. -proc. Weingeist, weniger leicht in verdtinntem.
Von verdiinnten Sauren , kohlensanrem Natron, Ammoniak , Kalisowie Natronlauge, alkoholischer Chlorzinkliisung wird es nicht verBndert.
Von heissem Wasser sind 10000 Theile zur vollstandigen L6sung erforderlich.
Essigshre - Anhydrid liist es in der K5lte nicht , unter Anwendung von Warme aber bildet es eine hellgelbe Flussigkeit, aus der
auf Zusatz von Wasser ein gelber K6rper abgeschieden wird.
Last man Euphorbon in einer Aufliisung von ChrornsLure in
Eisessig und erwarmt , so tritt unter sehr heftiger Kohlensaure -Entwickelung vollstandige Oxydation des Euphorbons ein.
Salpetersaure von 1,20 specifischem Gewicht farbt das Euphorbon in der Kalte gelb, liist es aber beim Kochen und unter Anwendung eines grossen Ueberschusses an Saure zii einer gelben Fliissigkeit , ails der Wasser einen stickstoff haltigen Kiirper abscheidet.
Von raucliender Salpetersaure wird es sofort unter heftiger Einwirkung zu einer rothen Fliissigkeit gelijst, aus der mit Wasser ebenfalls ein stickstoffhaltiger, hellgelber Niederschlag abgeschieden wird.
Concentrirte Schwefelsanre farbt das Euphorbon in der Kaltc
ziegelroth und liist es beim gelinden Erwarmen mit rather Farbe;
durch Zusatz von Wasser wird alsdann ein grauer, schmieriger K6rper
abgeschieden.
Concentrirte Salzsaure ist ohne Einwirkung auf das Euphorbon ;
ebenso trocknes Salzsauregas , wenn man es auch ununterbrochen in
eine alkoholische Aufliisung leitet.
Brom wirkt sehr heftig auf das Euphorbon ein und bildet
damit eine dunkelrothe Fliissigkeit.
Durch schmelzendes Kali erleidet das Euphorbon zunlchst keine
tiefer gehenden Veranderungen.
also
100 . ff
-
+
G. Henke , Milchsaft einigcr Enphorbiaccen.
735
Erhitzt man Euphorbon vorsichtig , so sublimirt es ; wird clas
nicht krystallinische Sublimat in Benzin geliist , so krystallisirt es
wieder und schmilzt zwischen 67 bis 68O C.
Der trocknen Destillation unterworfen , giebt das Euphorhon eine
hellgelbe dicke Fliissigkeit, welche alsbald harzartig erstarrt.
Wird das Euphorbon in concentrirter Schwefelsaure geliist , so
tritt auf Zusatz von etwas Salpetersaure oder Salpeter keine violette,
sondern eine schmutzigbraune Farbung ein.
Verhalten des Euphorbons gegen Essigsaureanhydrid.
Wurde ein Theil Euphorbon rnit 20 Theilen EssigsLureanhydrid
sechs Stunden lang im zugeschmolzenen Rohre bei 150 bis 200" C.
erhitzt und die Liisung dann rnit vie1 Wasser versetxt, so schied
sich ein gelblicher Niedcrschlag aus, der nach langerem Auswaschen
die Eigenschaften des nnverlnderten Euphorbons zeigte.
V e r h a l t e n zu Brom.
Ein Theil des Euphorbons wurde in Chloroform gelijst und so
lange mit einer Lijsung von Brom in Chloroform versetzt, bis sich
die Farbe des Gemisches bei l o o o nicht mehr anderte. Die so
crlialtene gelbrothe, helle und Mare Fliissigkeit wurde im Wasserbade zur Trockne verdunstet und hinterliess eine gelbe harzige Masse,
in welcher auch nach sorgfaltigem Auswaschen Brom nachgewiesen
werden konnte.
I n Petroleumbenzin lijste sich diese Masse nicht vollstindig.
Das in Benzin Unliisliche ging theilweise mit Alkohol, der Rest rnit
Aether in Liisung.
Es liegt hier also ein Gemisch verschiedener K6rper vor , welche
nicht krystallinisch erhnlten werden konnten , sondern alle harzartigc
und gelbliche Produkte lieferten. Von einer naheren Untersuchung
wurde deshalb abgesehen.
V e r h a 1t e n g e g e n
Sa1 p e t e r s a u r e.
Uebergiesst man Euphorbon rnit rauchender Salpetersiiure , so
geht die ganze Substanz unter heftigem Aufschiumen und starker
Entwickelung von rothen DSimpfen in Liisung.
Versetzt man diese klare hellrothe Liisung mit Wasser, so entsteht ein starker Niederschlag. Derselbe stellt nach dem Auswascheri
und Trocknen ein hellgelbes, leichtes Pulver dar.
736
G . Henke, Milohsaft oiniger Euphorbiaceon
Auf ein gliihendes Platinblech gebraclit , verpnfft eine Probe
desselben unter starker Peuererscheinung. - Es lasst sich Stickstoff
in demselben nachweisen. Behandelt man diesen stickstoff haltigen
Rijrper in der Kalte oder Wirme mit Petroleumbenzin, so gelit
niclits davon in Lijsung, ebenso verhalt er sich gegen Wasser und
Scliwefelhohlenstoff.
Chloroform, Methylalkohol, Essigather , absoluter Alkohol , Mischungen von Alkohol und Aether, von Alkohol, Aether uncl Chloroform liisen diesen Kijrper sehr leicht, hinterlassen aher alle nacli
dein Verdunsten nur gelbe, sprijde, nicht krystallinische Riickstande.
In Benxol ist der Kijrper nur theilweise lbslich. Wciler der
Ruckstand noch die Lbsung lieferte ein krystallinisches Produkt.
Ebenso verhglt sich dieser Kiirper zu Aether.
Von einer wbserigen Natroncarbonatliisung wird das Nitroprodukt schon in der Ealte unter Hintcrlassung eines geringen, aus
Chloroform und Alkohol nicht krystallisirenden Riickstandes mit schiin
rother Farbe, beim Erwarmen aber, unter Entwicklung eines angenehmen Geruches nach Nitrobenzol zu einer rothen Fliissigkeit gelijst.
Lasst man dieselbe erkalten und fiigt tropfenweise Salzsaure hinxu,
so entsteht ein gelber Niederschlag , welcher ausgewaschen und getrocknet sich vollstandig in Aether, aber nur zum Theil in Chloroform lijst.
Alle Krystallisationsversuche ergaben ein negatives Resultat.
Auch in dem so behandelten Produkt konnte noch Stickstoff
nachgewiesen werden.
Durch liingeres Behandeln rnit concentrirter kochender Salpetersaure von l,20 specifischem Gewicht wird aus Euphorbon eine ahnliclie
amorphe Substanz erhalten, welche auch die Eigenschaften des oben
beschriebenen Kijrpers zeigt.
Verhalten z u Chromsanre.
30 g Euphorbon wurden mit einem Gemisch aus 120 g Ealiumbichromat, 165 g concentrirter SchwefelsHure und 330 g Wasser in
einem Eolben ubergossen iind das Gemenge einen Tag lang, nnter
Anwendung eines Riickflusskiihlers, im Eochen erhalten. Es trat
Reduction der Chromsaure ein. Die griine Fliissigkeit wurde von
dem kijrnigen Oxydationsprodulite abfiltrirt und rnit Aether einige Male
ausgeschiittelt. Verdunstet hinterliess der Aether keinen Ruckstand.
Ton der rnit Aether ausgeschuttelten Fliissigkeit wurden ungefahr drei Viertel abdestillirt, das farblose, saure Filtrat rnit Kalk-
G. Henke, Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
737
wasser vcrsetzt und im Wasserbade zur Trockne verdunstet. Dor
Ruckstand rnit Wasser ausgezogen gab eine starke Reaction auf
Essigsaure.
Das nach dem Abdestilliren zuriickgebliebene letzte Viertel der
griinen Flussigkeit wurde auf dem Dampf bade zur Trockne verdunstet
und mit heissem absoluten Alkohol ausgezogen. Verdunstet hinterliess der Alkohol nichts.
Das kijrnige Oxydationsprodukt des Euphorbons wurde ausgewaschen und in der Warme in Natronlauge gel6st. Die rothbraune
Fliissigkeit giebt, init uberschussiger Chlorwasserstoffsaure versetzt,
einen gelLen flockigen Niederschlag , welcher nach vollstandigern Auswaschen mit einer Lbsung von Bohlensaurem Natron in der Warme
oinc gelbe triibe Lijsung bildete. Mit etwas Bolus versetzt, liess
sich die Lijsung klar filtrircn und gab auf Zusatz von Salzs2.iirc
einen flockigen , hellgelben Niederschlag, welclier nach Clem Bustrocknen uber Schwefelsaure ein gelbes, bitter sclimeckendes Pulver
darstellt nnd in seinen Lijsungen Lackmuspapier nicht verandert.
Dieses Oxydationsprodukt lijst sicli sehr leicht und rnit gelber
Parbe in Aetlier, Chloroform, absolutem Alkohol, Weingeist, Benzol
und gewijhnlicher Essigszure. Ebenso leicht, wenn auch etwas trube,
in Ammoniak und den Alkalien
Sammtliche Lijsungen hinterlassen beim Eindampfen nur amorphc
Ruckstande.
Nit weingeistiger Lijsung von essigsaurern Calcium, - Blei und
- Kupfer , bildet die alkoholische Auflijsung dieses Kijrpcrs unkrystallinische Niederschlage.
V e r h a1 t e n g e g e n P h o s p ho r s a u r e a n h y d r id.
Je 5 g Euphorbon wurden rnit 15 g Phosphorsaureanhydrid in
einem Fractionskolben ganz allmahlich erhitzt. Das Gemisch schmolz
sehr bald zu einem schwarzbraunen Liqnidum. Bei starkerem Erhitzen ging eine nach Petroleum riechende, braune schmierige Flussigkeit iiber.
Diese wurde zur vollstindigen Entwasserung mit trockenem
Chlorcalcium geschiittelt und zur Entfernung der rnit uberdestillirten
geringen Mengen von Phosphor anfangs so lange rnit Kupfer und
nachher rnit metallischein Natrium destillirt , bis beide Metalle von
der Fliissigkeit nicht mehr verandert wurden.
738
G. Henke, Milchsaft einiger Euphorbiaceen
Die so erhaltenen und von Wasser und Phosphor befreiten Kohlenwasserstoffe gingen zwischen 80 und 350O iiber und wurclen
jetzt dnrch wiederholt fractionirte Destillation von einander getrennt.
180 g Euphorbon gaben gegen 60 g rohe und 30 g von Wasser
und Phosphor befreite Kohlenwasserstoffe.
Die zwischen 80 bis 135 iibergegangenen Destillate wurden
weder von rauchender Salpeter - noch rauchender Schwefelsaure gelijst ;
tlieselben mussten also der Fettreihe angehijren.
Die Destillate von 135 bis 350 O waren gelb gefirbt und wurclen dagegen zum Theil sowohl von rauchender Salpeter- wie Schwefelsaure geldst, was dafiir spricht, dass wir es hier mit einem Gemenge von Kolilenwasserstoffen der Fett - iind der aromatischen Reilie
zu tliun haben.
Urn erstere von einander zu trennen, wurde clns gesainmte von
135 bis 350 iibergegangeiie Destillat mit rauchender Schwefelsaure
tiichtig geschiittelt und der Ruhe iiberlassen. Nachdem sich die fetten
Kohlenwasserstoffe auf der SIurel6sung als Hare Schicht gesammelt
hatten, wurden sie mit den iibrigen von 80 bis 135 iibergegangcnen Antheilen vereinigt und wiederholt mit Natrium der fractionirten Destillation unterworfen. Das ganze Destillat liess sich nun
leiclit in zwei Hauptfrnctionen, von denen (lie erste zwischen 95 bis
100 und die zweite zwischen 122 bis 126 sieilete, trennen.
I. D e s t i l l a t z w i s c h e n 95 b i s 100". Durch wiederholtes
Fractioniren dieses Destillates erhielt ich gegen 5 g eines Kohlenwasserstoffs, der constant zwischen 97 bis 98 sieclete und dessen
specif. Gewicht bei 22 = 0,6758 und bei l G o = 0,7121 betrug.
I. 0,2394 mit Kupferoxyd verbrannt ergaben 0,736 Kohlemlure
und 0,3474 Wasser.
11. 0,2038 gaben 0,6265 Kohlensaure und 0,2962 Wasser, wofiir
als einfachster Ausdruclr clie Formel C 7H1G gesetzt werden kann,
denn es ist:
Gefunden :
I.
11.
Berechnet :
83,834
83,837
C' = 8 1 - 84
Hi' = 1 6 - 16
16,123
16,148.
Die Dampfdichte wurde nach der Methode von H o f m a n n
bestimmt und bei 1600 = 3,62 gefunden; dies entspricht der Formel
C 7 H I Gannahernd.
Wegen des geringen Materials konnten keine Derivate dieses
Kohlenwasserstoffs dargestellt werden , doch beweisen wohl der Siede-
G. Eenko, Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
739
punkt sowie das specifische Gewicht, dass wir es hier mit dem
normalen Heptan
CB3-CE12--CH2-CH2-CH3CHe-CH3
zu thun haben.
II. D e s t i l l a t z w i s c h e n 122 u n d 126O. Durcb wiederholte
Destillation dieses Kohlenwasserstoffs gingen 3,5 g eines constant
bei 124 O siedenden Destillates iiber.
Das spec. Gew. desselben betrug bei 170° = 0,7033 und bei
21' = 0,6998.
Die Elementarannlyse ergnb folgendes Resdtat :
I. 0,I 156 liefcrten 0,3566 Kohlensaure und 0,1650 Wasser.
11. 0,1132 gaben 0,3491 Kohlensiure und 0,1618 Wasser.
Diese Zahlen fiihren zu der Formel des Octylwasserstofis C8H'*,
Gefunden :
denn es ergiebt sich :
I.
11.
Berechnet :
C3 = 96 - 84,207
84,083
84,107
15,830
15,883.
H19 = 18 - 15,793
Die Dampfdichte wurde bei 130 O = 3,89 gefunden und entspricht annaliernd der Formel C H I 8 , welche 3,94 verlangt. Aucli
hier konnten wegen des unxulanglichen Materials keine den Kohlenwasserstoff naher charakterisirendcn Derivate dargestellt werden,
doch sprechen auch hier sowohl der Siedepunkt wie das specifische
Gewicht fiir das normale Octan
CH' -- CH2- CH2- CHZ- CHZ- CH2 - CHa - CH3.
Die Quantitaten der iibrigen Autheile, welche bei der Destillation der Kohlenwasserstoffe der Fettreihe erhalten wurden, waren
auch so unbedeutend , dass eine genaue Charakterisirung derselben
zur Unmijglichkeit wurde.
Die Auflijsung der aroinatischen Kohlenwasserstoffe in rauchender Schwefelsaure wurde mit vie1 Wasser gemischt und das Gemenge
bis zu drei Viertel seines Volumens abdestillirt. Es ging mit den
Wasserdampfen eine betrbhtliche Menge an Kohlenwasserstoffen iiber ;
diese wurden aus der wasserigen Mischung durch ijfteres Ausschiitteln mit Aether geschieden, der letztere abgedunstet und die zuriickgebliebenen Kohlenwasserstoffe wiederholt iiber metallischem Natrium
der fractionirten Destillation unterworfen.
Der Haupttheil des Produktes ging awischen 130 und 140O
iiber ; bei weiterem Fractioniren siedete die Hauptmasse constant
zwischen 136 und 137O und lieferte 11 g Ausbeute.
740
G. Henko, Milchsaft oinigcr Euphorbiaceon.
I. 0,1952 Substanz mit Kupferoxyd verbrannt gaaben 0,6460 Kohleiisaurc und 0,1809 Wasser.
11. 0,205 ergaben 0,6787 Eohlensaure und 0,189 Wasser.
Hieraus resultirt die Formel C8H1O, denn es ist:
Gefunden :
Berechnet :
I.
11.
Cs - 96-90,57
90,266
90,300
€1'0 - 10 - 9,43.
10,297
10,244.
Die Dampfdichtc bei 160° ausgefiihrt, ergab 3,88, wahrend die
Formel CY€I1"= 3,67 vcrlangt.
Da dieser Kohlenwasserstoff nur Xylol sein konnte, so versuchtc ich einige charakteristische Derivate daraus darzustellen,
uin sicher zu sein, welches der Xylole ich hier vor mir hatte.
Nach Angabe P i t t i g ' s ( 2 , p. 309) schiittelte icli einen Theil
dcs Kohlenwasserstoffs mit einem Gemisch von 2 Volumen concentrirter Schwefelslnro iincl 1 Volumen rnuchender Salpeterslure
und erhiclt darauf auf Wasser - Znsatz eine feste Nitro -Verbindnng,
die in siedendem Allrohol schr schwer lijslich war, daraus in g1ii.nzenden Nadeln krystallisirte und bei 137O schmolz. I m Lichte
wurden diese Erystalle , welchc nur Trinitropstraxylol C YH (NO 3)y
scin konnten, sehr bald gelb gefiirbt.
Die Elementaranalyse ergab :
I. 0,262 Substanz
0,382 Kohlensiiure und 0,07 I!) Wasser.
11. 0,245 Substanz = 0,356 Kohlensaure und 0,0694 Wasser.
Gefunden :
Bereclinet :
I.
11.
C y - 39.77
39,63
96 -- 39,83
H7- 3,05
3,14
7 - 2,90
N3
42 - 17,43
0 6
96 - 39,84.
Eine andere Probe dieses Xylols (28, p. 135) wurde von einem
Gemisch von 2 Theilen saurem chromsaurem Kalium und 3 Theilen
concentrirter Schwefelsaure , welche rnit der gleichen Menge Wasser
verdunnt war, sehr schnell in eine weisse Saure verwandelt , welche
sich in der Flussigkeit kijrnig abscliied. Dieselbe wurde abfltrirt,
rnit heissem Wasser gut ausgewaschen, in einer Auflijsung von
Bohlensaurem Natrium gelijst und mit SalzsSiure abgeschieden.
Diese Saure besass die Eigenschaften der Terephtalsaure
C 6H4(CO OH) a, sublimirte ohne zu schmelzen und lieferte nach
dem Verbrennen :
7
G . Henke Milchsaft einigor Eupliorbiaceen.
741
I. 0,1865 Substanz = 0,3957 KohlensLure und 0,0659 Wasser.
11. 0,220 Ol4C45 Kohlensaure und 0,0783 Wasser.
C-
Gofunden :
11.
C 8 = 96 - 67,83
58,112
57,583
H'=
6 - 3,62
3,851
3,955
0 4 = 64 - ~ , x i
38,037
38,463.
Die ubrigen Nebenfractionen der aromatischen Kohlenwasserstoffe, welche bis 350" iibergingen, konnten ihrer geringon QuantiY&t halber niclit niiher untersucht werden.
Berechnet :
I.
2) Euphorbonprlparate der Wilieren Autoren.
Nachdem die Eigenschaften des reinen Euphorbons festgestellt
sind, fragt es sicli, was die alteren Autoren in ihren Priiparaten
vor sich gehabt haben.
Vergleicht man die Eigenschaften des reinen Euphorbons mit
den von D r a g e n d o r f f und A l b e r t i (1, p. 215; 3 , p. 103) aus
hundertjiihriger Euphorbium - Tinctur untersuchten Warzen, so findet
man, dass dieselben aus Euphorbon , verunreinigt mit dem in Aether
unlijslichen Harze, welches unter B. in Cap. 11. besprocherl werden
soll, bestanden haben mussen. Die saure Reaction der in Alkohol
geliisten Substanz , der hiihere Schmelzpunkt , sowie die Thatsache,
dass die Lijsung der Massen in Bsnzin sowie Chloroform keine Krystalle lieferte, sind nur den Beimengungen dieses Harzes zuzuschreiben.
Die fibrigen Eigenschaften ihres Praparats stilnmen mit denen
Lies Euphorbons sonst ziemlich uberein.
Das von k ' l u c k i g e r (4,p. 98) zuerst mit Euporbon bezeichnete Produkt war, wie icli mich aus eigener Anschauung uberzeugen
konnte, ebenfalls mit Harz, und zwar den beiden (Cap. 11. B unter 1)
im Euphorbium vorkommenden verunreinigt.
Das mir von F l u c k i g e r gutigst uberlassene Praparat bildetc
ein feines gelblich- weisses Pulver, schmolz zwischen 1 0 6 bis 116" C.
wid besass alle vom Autor (4,p. 9 1 etc.) angefulirten Eigenschaften.
Mit Petroleumbenzin behandelt , liiste es sich iiicht vollkoininen
auf, sondern hinterliess einen fast die Halfte der angewandten Substanz betragenden Ruckstand. Nach dem Reinigen und ijfteren UmBrystallisiren wurde ein dem reinen Euphorbon in allen seinen Eigenschaften gleichcs Praparat erhalten.
742
G. Henke, Milchsnft eiiiigor Euphorbiaoec~o
0,4005 lieferten 0,4448 Wnsscr mid 1,2063 Kohlensiiiirc.
Verlangt :
Gefunden :
C 2 0 = 240 - 82,192
82,14
H 3 “ = 36 - 12,329
12,34
0 = 1 6 - 5,479.
5,52.
Der in Petroleumbenzin unliislichc Tlicil des F lii c k i g e r ’ schen
Eiiphorbons ging mit Acther nur theilweise, der Rest rnit Alkohol
in Libung und bestand ails beiden unter B. Cap. 11. bescliriebenen
Harzen. Der brennende Gesclimack , die Schwefelsaurc - Reaction
( 4 , p. 9 3 ) , besonclers der hohe Schmelzpunlit sind Eigenschaften
clcr beigeinengten HarLc , nieht dcs Eupliorbons. Auch kann die
Oxydation durch Salpetcrsaure zu Osnl - und cine unkrystnllinische
S&ure nur iliesen Beimengungen zugeschrieben werden , denn reincs
Enphorbon liefert beim Behandeln init SalpetersBure keine OxnlsLure.
Das in langen Prismen krystnllisirende , aus einer Sudanischen
Wolfsmilchart ( 4 , p. 10 1) licrgestellte PrHparat scheint reines Euphorboil gewesen zii sein, denn F1 iic k i ge r erhielt die Schwefelsaure Reaction damit nicht.
Das Buchheim’sclie Eiiphorbon (7, p. 5 5 9 ; 8, p. 146; 9, p. 801)
muss, trotzdem er es zur Entfernung der bcigemengten Stoffe mit
Kalilauge gekoclit hat, doch mit etwas Kadschuk, der unter B. in
Cap. 11. beschrieben ist und den Kalilnuge gleichfalls nicht angreift,
verunreinigt gewesen sein.
Obgleich B II c h h e i m nichts weiter fiber sein Euphorbon mittheilt , so durfte obige Behauptung ilire Bestatigung darin finden, dass
er nur selten aus der Liisung in Benzin Krystalle erhalten konnte.
Eine reine Euphorbon-Ltisung in Benzin giebt bei dem Verdunsten selir leicht Krystalle.
Das abweichende Resultat der Drehung sowie der hohe
Schmelzpunkt des H e s se’ when Praparats (10, p. 193) endlich
beweisen ziir Genuge , dass auch dieses Euphorbon mit dem
in Aether iinliislichen Harze (B. Cap. I1 ) verunreinigt gewesen
sein muss.
Nlher charakterisirende Reactionen fehlen der Arbeit He s s e ’ s.
B. Die Harze und das Hautsohuk.
1) Darstellung und Eigensclirtfteu.
Der nach dem Erschiipfen mit Petroleumbenzin hinterbliebene
Riickstand von 4 Kilo Euphorbium (Cap. 11. p. 732) wurde im
G. Henlie, Milchsaft einiger Euphorbiaceeu.
743
Dampfbade zur Entfernung des etwa noch daran hangenden Liisungsmittels langere Zeit digerirt und dann mit heissem absolutem Alkohol mehrmals ausgezogen. Es lijste sich ein grosser Theil zu einer
goldgelben Flussigkeit unter Hinterlnssung eines grauen Riickstandes.
Die klare Fliissigkeit wurde filtrirt , der Alkohol abdestillirt uncl
der Rest zuerst im Dampfbade und dann uber Schwefelsiiure getrocknet; es liinterblieben 555 g eines braunen, sehr sprijden IIarzes,
welches sich leicht in ein helles Pulver verwandeln liess. Behandelt man dieses Harz wiederholt mit heissem Aether, so geht es
zum piissten Theil in Lijsung, wlhrend hliclistens ein Drittel der
Siibstanz zuriickbleibt, so dass es keinem Zweifel unterliegt , dass
man es mit einem Gemisch von zwei Harzen zii thun hat.
a. I n A e t h e r lijsliches Harz.
Die neutrale Lijsung dieses Harzes, welches auch von Alkohol
leiclit gelijst wird, schmeckt anfangs schwach , nachher aber scharf
brennend , im Schlunde stark kratzend und erzeugt gepulvert heftiges Niesen und Augenentziindung.
Krystallinisch konnte es nicht erhalten werden. Der Schmelzpunkt liegt zwischen 42 his 43O C.
Die alkoholische Losung dieses Harzes giebt init concentrirter
Schwefelsaure eine dunkelrothe, klare Lijsung, wahrend verdunnte
Schwefelsaure nur eine schwache Triibung bewirkt.
Eisenchlorid bringt einen gelben Niederschlag hervor ; Salpetersaure, Ammoniak und Salzsaure einen weissen, wie Wasser.
Kocht man etwas Harz rnit Natronlauge, SO bleibt es unveraiidert und das Filtrat reduzirt Fehling’sche Kupferliisung nicht ;
ebenso tritt keine Reduction ein, wenn man das Harz zuvor eine
Stunde lang mit verdunnter Salzsaure kocht , den Ruckstand trennt,
das Filtrat mit Natronlauge neutralisirt und mit+ Fehling’scher
Lijsung versetzt. Wird zu einer Auflijsung des Harzes im Weingeist alkoholischc Natronlauge hinzugefiigt , so lost sich nach vollscandigem Verdampfen der Flussigkeit die zuriickgebliebene Masse
zu drei Viertheilen in Wasser. Bus dieser Liisung wird das Harz
durch Same unverandert wieder ausgefdlt und betrug die Ausbeute
360 g.
Der nach dem Behandeln mit alkoholischer Kalilauge von Wasser
niclit gelijste Tlicil des Harzes bildet eine weiche brsune, elastische
741
G. Henke, Miluhsaft einigri’ hphorbiaccen.
Masse, wclche in wnrincn Wasser geknetet, dem Kautschnk sehr
ahnlich ist.
Trocknet man diese Masse aber crst bci 100° und dann langere
Zeit uber concentrirter Schwefelsaure , so bildet sie eine spriide,
Colophoniiim iihnliche Substanz , dercn Schinelzpunlrt bei 33 O C. liegt.
Ihre Ausbeute betrug 15 g ; der Kiirper ist in Aether, Chloroform und abvolutem Alkohol leicht lijslich.
Auf einem Platinblech erhitzt , entwickelt derselbe den intensioen und eigeiithumlichen Gcruch nach Ktutschuk.
Die allioholische Liidiing giebt weder niit Gerbsanre , noch weingeistiger Blciziic:licrliisii~~g
eiiieu Nieclerschlag. Lijst nian die Siibst;inz, welche iiiclit krystallinisch crhalten werclen konnte , in Chlorofoim unil lcitct cinigc Stiintlcn lang trocknes Salzsaiircgas ein , so
wird die anfangs golbe Liisnng ziiletzt schwarz gefiirbt. Nach clein
Verdunsten lijst Rich der trockne , schwarze Ruckstand in Alkohol,
Aether uncl Chloroform sehr lciclit auf, giebt aber obenfalls keine
krystallinischen Produkte.
b. I n A e t h e r u n l i j s l i e h e s Hnrz.
Diescs wird von absolutein Alkohol wie von verdiinntein Weingeist sehr lcicht gelost, reagirt sauer und schniilzt zwischcn 119
bis 120° C.
Kocht man etwas Hnrz niit Natronlauge und filtrirt die Liisung
ab, so reducirt dieselbe alkalisches Kupfertartrat nicht ; kocht man
aber eine Probe langere Zeit mit stark vercliinnter Salzsaure, neutralisirt nach Entfernung cles Riickstandes mit Natronlauge und fugt
dann Pehling’sche Lijsung hinzu , so tritt sofort Reduction ein.
Von Eisossig wird der hinterbliebene Ruckstand zu einer rothen
Fliissigkeit gelijst , welche aher nur ein amorphes Pulver hinterlasst.
Kocht man das trockne nnd zerriebene Harz mehrere Stunden
lang mit starker wasseriger Kalilituge, so wird es vollstandig geliist
und auf Zumtz von Salzsaure unverandert wieder abgeschieden.
Dcr Geschmack dieses Harzes ist nur sehr wenig bitter, nicht
kratzend , aber etwas znsammenziehend. Beim Verbrennen auf dem
Plntinblech etisst es scharfe Dampfe aus und hinterlasst nur sehr
wenig Asche.
Die nlkoholische Liisung wird von Eisenchlorid und Tannin
nicht verandert , war e n d alkoholische Bleizuckerlijsung wie verdiinnte Sauren iind Aminoniak uur eine Triibung hervorbringen.
745
G . Etenke, Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
Das mit Kaliumhydroxyd geschmolzene Harz entwickelt kein
Ammoniak. Rehandelt man eine weingeistige Losung rnit starker
Schwefelsaure , so wird das Gemisch dunkelroth gefarbt.
Die Ausbeute an diesem ebenfalls amorphen Harze betrug
gegen 180 g. - Elementaranalysen wurilen unterlassen, d s die
Substanzen nur amorpli auftraten.
2) Harze uud Kautsehuk der friiheren Autoren.
Wie Cap. I. schon gesagt, sind die Arbeiten J Oh n s t o n s
( 1 2 , p. 364) und H. Roses (13, p. 53; 14, 11. 369) fiiv vorliegenden
Zweck werthlos und der Arbeit H e s s e s (10, p. 193) nichts weiter
zii entnehmen, da er die Harze nicht naher beschrieben, sondern
nur kurz erwshnt hat.
Das Harz E ' l u c k i g e r s (4, p. 91) musste m t e r allen Umstanden von etwas Eupliorbon verunreinigt gewesen sein , denn
dieses wird von kaltem Weingeist ebenfalls in nicht unbecleutender
Menge gelbst.
Die neutrale Reaction giebt der Annahme Raum, dass F l i i c k i g e r es hier hauptsachlich mit dem in Aether loslichen Harze zu
thun gehabt hat und dass der hohe Schmelzpunkt von einer geringen Beimenguug des in Aether unlijslichen Harzes bedingt war.
Das von B u c h h e i m (7, p. 559; 8 , p. 146; 9 , p. 801) hergestellte und in Aether leicht losliche Haw ist clem hier erhaltenen
ziemlich ahnlich, doch scheint es auch nicht die nbthige Reiuheit
besessen zu haben, denn B u c h h e i m giebt a n , dass es in Petroleumather etwas loslich sei , wau wohl einer Spur noch beigemengten
Euphorbons zuzuschreiben ist. Ebenso befremdet es, dam das mit
Kali in Liisung gebrachte und rnit Saure wieder ausgefute Hare
Bucliheims jetzt in Aether zum grossten Theil unloslich sein
sollte. Meine Versuche ergaben, dass das mit Sauren ausgefi-dlte
Produkt nach langerem Trocknen iiber Schwefelsaure eben 80 leicht
als das urspriingliche in Losung geht. - B u c h h e i m nennt dies
jetzt in Aether nicht mehr lijsliche Praparat , welches die Eigenschaften einer Saure haben sollte , Euphorbinsaureanhydrid. Mir
war es trotz wiederholter Versuche nicht gelungen , weder die
Euphorbinsaure, noch ihr Bleisalz (7, p. 559 etc.) darzustellen.
In anderen Euphorbia - Arten wurden, wie schon im historischen
Theile erwahnt , ebenfalls Harze gefunden.
Arch. d. Pharm. XXIV. Bds. 17. Heft.
49
746
G . Honke, Milchsaft einiger Eupliorbiaceen.
Das von W e i s s und W i e s n e r (20, p. 41) von Euphorbia
Cyparissias L. dargestellte Harz scheint nach den nur sparlich
angefiihrten Reactioiien unserem in Aether lijsliclien Harze ahnlich
zu sein.
Aucli rlas in Euphorbia platyphylla L. von W e i s s und W i e s n e r ( 2 5 , p. 125) gefundene Harz war in Aether liislich, wahrend
O e h l e n s c h l a e g e r (27, p. 286) aus Euphorbia helioscopia L. ein
in Aether liisliches und ein unlijsliches Harz dargestellt hat; ebenso
P e t z olt (23, p. 255) aus Eupliorbia Ipecacuanha L., doch ohne nahere
Un tersuchung.
Des Eautschuks in den Euphorbien erwahnen sowohl H e ssc,
W e i s s und W i e s n e r , J o h n wie Z o l l i c k o f f e r , doch ohne Angabe seiner Eigenschaften wie der Bereitungsweise. F1 iic k ig e r
war es 1868 nicht gelungen, das Kautschuk ails dem Euphorbiuin
abzuscheiden, wohl aber giebt er in der neuesten Auflage seiner
Pharmacognosie (46 , p. 178) die Darstellungsweise ausdriicklich an.
C. Aepfelsaure, Gummi und sndere Stoffe.
Der nach dem Erschiipfen mit Petroleumbenzin und Alkohol
hinterbliebcne Ruckstand (Cap. 11. B. 1) wurde niit saurem Wasser
nochmals ausgekocht , vom Unl6sliclien getrennt und die dunkelbraune Flussigkeit mit verdunnter Schwefelsaure versetzt. Es
eiitstand ein weisser Niederschlag, der schnell zu Boden fie1 und
ails schwefelsaiirem Kalk bestehend gefunden wurde. Ausserdem
liess sich in der Flussigkeit schwefelsaures Natron nachweisen. Die
von diesem Niederschlage getrennte Lijsung wmde wiederholt mit
Aether ausgescliuttelt , die verschiedenen Ausziige vereinigt und auf
d e n Wasserbade verdunstet; es liinterblieb eine stark saure , syrupahnliche Flussigkeit , welche langere Zeit uber Schwefelsaure getrocknet eine kbrnige, gelbe Gubstanz darstellte. Dieselbe war in Wasser
leicht loslich und wurde durch wiederholtes Behandeln mit Kohle
gereinigt. Sie bildete jetzt eine weisse, kornige Masse, die sich
auch leicht in Weingeist 16ste und deren Ausbeute ca. 20 g betrug.
Der Schmelzpunkt dieser Substanz lag bei looo C.
Ihre Lijsung rnit Ammoniak gesattigt, gab auf Zusatz von
Chlorcalcium keinen Niedersclilag ; ein solcher trat aber in Form
von Flocken auf, wenn man Alkohol hinzufiigte.
Eisenchlorid gab in der rnit Ammoniak neutralisirten Lasung
ebenfalls keinen Niederschlag.
G. Eenke, Nilchsaft einiger Euphorbiacecu.
747
In der wassrigen Lijsung kann mit Gypswasser keine Spur von
Oxalsaure nacligewiesen werden.
Erhitzt man den Kiirper, so entstand ein weisses Sublimat
ohne Bilclung von Kohle und eines Geraches nach Caramel; das
Praparat war also von Wein- wie Citronensaure frei.
Ans diesen Reactionen geht niit Bestimmtheit liervor , dass die
fragliche Masse ails reiner Aepfelsiiure besteht, welche theils an
Calcium, theils an Natrium gebunden war. Dns Kalksalz gab folgendes Resultat:
0,552C4H405Ca = 0,4164CaS04, berechnet: 13,16, gefunden: 13,Ol Proc. Cn.
In der nach dem Anssuern rnit verdiinnter Schwefelsaure und
Ausschiitteln mit Aether zuriickgebliebenen Flussigkeit wurde die
iiberschiissige SBure mit Barytwasser neutralisirt , das entstandene
schwefelsaure Baryum abfiltrirt uhd die Lirsung rnit abbsolutem Alko1101 so lange versetzt, als noch ein gelber, grossflockiger Niederschlag entstaucl. Dieser wurde auf einem Filter gesammelt mit
Alkohol gut ansgewaschen und uber Schwefelsaure getrocknet.
Er betrug ungefihr 108 g iind bildete eine graue, kirrnige,
leicht pulverisirbare , in Wasser mit gelber Farbe lirsliche Masse.
Im Platintiegel verbrannt , hinterlasst diese Substanz eine geringe
Menge Asche, welche Chlor, Schwefel- , Salpeter-, Phosphorsaure,
Kalk, Magnesia, Natron, Kali und Eisen enthalt. Kocht man die
wasserige Liisiiiig dieser Masse langere Zeit mit verdiinnter Salzsaure, neutralisirt mit Natronlauge uncl versetzt mit einer alkdischen Kupfertartratlijsung , so tritt sehr bald Reduction der letzteren
ein; die nicht rnit Salzsaure behandelte Lijsung wirkt weder in der
Kate, noch beim Kochen reduzirend.
Das allgemeine Verhalten dieser Substanz lasst annehmen, dass
sie ein dem Dextrin sehr ahnlicher Kijrper ist, welcher leicht durch
Kochen niit verdiinnter Ssure in Zucker iibergefiihrt werden kann.
Ein derartiger Kiirper kann sehr wohl aus der Starke des
Euphorbiums durch das Kochen mit dem angesauerten Wasser entstanden und braucht kein in dem Euphorbium natiirlich vorkommendes Produkt zu sein.
Nach dem Abfiltriren des durch Alkohol hervorgerufenen Niederschlages war eine dunkelbraune Fliissigkeit zuriickgebliehen.
Diese wird zur Trockne verdiinstet und hinterlasst einen blatterigen,
glZinzenden Riickstand, dessen Gewicht 164 g betr2igt.
,
49 *
748
G. Henke, Milohsaft einiger Euphorbiaccen.
Im Platintiegel verbrannt, hinterrisst er nur wenig Asche, welche
Chlor , Schwefel -, Salpeter - , Phosphorsaure, Kali , Natron, Kalk,
MagnesPa und Eisen enthalt.
Alkalisches Kupfertartrat wird weder durch die reine Liisung,
noch clurch die mit verdiinnter Salzsaure gekochte reduzirt.
Verschiedene Reactionen sprechen dafiir , dass hier ebenfalls
eine Gummiart vorliegt. Es war jedoch nicht miiglich, dieselbe in
reiner Form zii erhalten und sicher zu charakterisiren.
Nach dem Erschopfen des Eupliorbiums mit Petroleumbenxin,
Alkohol und angesauertem Wasser war ein Riickstand hinterblieben.
Diescr wurde mit heissem Animoniak wiederholt ausgezogen , verdunstet und iiber Schwefelsaure vollstiindig ausgetrockuet.
Es liessen sich keine charakteristischen Bestandtheile in diesem
Auszuge nachweisen.
Er betrug %6g und enthielt Schwefelwasserstoff, Chlor, Schwefel- , Salpeter - , Phosphorsaure, Kali, Natron , Kalk, Magnesia, Eisen
nnd organische Substanzen.
Der nach dem Ausziehen mit Ammoniak hinterbliebene Riickstand betrug nach dem Trocknen gegen 2 Kilo und bestand nur
aus Pflanzenfasern und Sand, wie inan leicht mit dein Milrrosltopc
constatiren konnte. Auch die anorganischcn Stoffe , die in den verschiedenen Produkten nachgewiesen worden sind , werdeii wohl theilw&se ihren Ursprung in den Verunreinigungen des officinellen
Euphorbiums haben.
Einen Vergleich mit den vou den alteren Autoren im Euphorbium gefundenen Gummiarten mit den eben erwLlinteu gummi - und
dextrinartigeii Stoffen unterlasse ich , da diese Korper den altereri
Butoren ebensowenig wie mir im reinen Zustande vorgelegen haben.
Aepfelsaure Salze hatte zuerst B r aco n n o t (17, p. 48) im
Euphorbium nachgewiesen , doch ohne nahere Beschreibung. Erst
P l u c k i g e r (4, p. 86) hat dieselbell genau untersucht. D e s s a i g n e v ( 2 % ,p. 25), O e h l e n s c h l a e g e r (27, p. 286; 26, p. 237),
W e i s s und W i e s n e r (.LO, p. 4 1 ; 25, p. 125) bestiitigen nur kurz
die Gegenwart dieser Sanre.
Von dem Vorhandensein aiiderer Bestandtheile im Euphorbium,
wie sie von den aufgefuhrten Autoren c23, p. 255; 25, p 125;
20, p. 4 1 ; 24, p. 125; 2 3 , p. 25) angegeben, als da sind: Wachs,
fettes und atherisches Oel, Wein- und Citronenlure, vermochte ich
mich nicht zu iiberzeugen.
G. Henke, Milchsaft einigor Euphorbiaceen.
7-19
D. Zusammenfassung der Resultate.
Der (pag. 7 L8) erwahnte , fast 50 Proc. betragende Riickstand
kann nur beim Einsammeln beigemengte Verunreinigungcn sein und
muss daher in Abzug kommen.
Die Berechnung aus den oben angegebenen Daten ergiebt dann,
dass in 100 Theilen des reinen Euphorbiums enthalten sind :
Euphorbon
= 34,60 '/"
In Aether lijsliches Harz
=26,!)5 In Aether unlijsliclies Harz
= 14,25 Kautschuk
1,lO Aepfelsaure
==
1150 Mit Alkohol fSillbares Gumini und Salze
= 8,111 Nit Alkohol nicht fiillbares Gummi und Salze
=- 12,30 In Ammoniak lijsliche Sahe imd organische Substahze~i = 1,20 3
Cap. 111. Milchsiifte aiiderer Eiiyhorbia-8rten.
Oleichzeitig mit der Untersuchung des Milchsaftes von Euphorbia resinifera Berg beschiiftigte ich mich mit dem in Europa bisher noch fast iinbekannten Milchsafte von Euphorbia Cattimandoo
W. EUiot.
Da es mir gelang, ails demselben das Euphorbon ebenfalls zu
erhalten , hielt ich es fiir interessant, auch die Milchsafte anderer
Euphorbia - Arten darauf zii untersuchen und gebe nun im Nachstehenden dic Beobachtungen, welche icli in dieser Richtung angestellt habe.
a. E u p h o r b i a C a t t i m a n d o o W. E l l i o t .
Im Jahre 1880 erhielt Herr Professor F 1.iic k i g e r in Strassburg bei Aufhebung des India- Museums in London unter andcren
indischen Proclukten auch den eingetrocknetcii Milelisaft von Euphorbia Cattimandoo W. Elliot (29, t. 1993), welchen er mir giitigst
zur n i e r e n Untersuchung iiberliess.
Ueber die Einsammlung dieses Milchsaftes sagt Elliot (29, t. 1993),
dass die sehr saftreichen Baume im Fcbruar von den Hindus angeschnitten , der nusfliesscnde Milchsaft gesammelt l gekoclit , in Stangen
geformt und so in den Handel gebracht wiirde.
R. W i g h t (30, 1 8 5 5 ; 2 9 , t. 1993), welcher die Siusserlichen
Eigenschafteii dieses Milchsaftes etwas naher beschreibt , sagt auch,
dass die Produkte dieses Snftes sowohl in der Industrie, mie in
750
G. Henke , Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
China und Indien als iiusserliches Mittel gegen Rheumatismus vielfach gebraucht wiirde.
Der getrocknete Milchsaft dieser Euphorbie bildete schmutzig graue , seilartig gewundene Stiiclie, ungef&hr von der Liinge eines
halben Fingers und fast 2 Centimeter Dicke.
Er liess sich ziemlich leicht zii einem grau-weissen Pulver
zerstossen , welches beim Kauen eine stark breniiencle und langc
anhaltende Scliiirfe entwickelte.
Kochte man dieses Puher ILngere Zeit mit Wasser, so gins
ein geringer Theil in LGsung, welche smer reagirte und wenjg
bitter schmeckte. Der Riickstand war sehr weich, elastisch und
gut knetbar.
Auf dein Platinblech erhitzt , schmilzt der Milchsaft erst zu
einer braunen Fliissigkeit und verbreitet sehr stark riechende Diimpfe,
welche die Augen x u Thranen reizen nnd im Schlunde sehr stark
kratzen.
Erhitzt man weiter , so verbrennt die Fliissigkeit mit hell leuchtender Flamme und hinterliisst eine rein Tveisse Asclie , welche Chlor,
Schwefelsaure , Kali, Natron, Kalk, Magnesia und Eisen enthiilt.
Um die einzelnen Bestandtlieile cles Cattimandoo- Saftes von
einander zu trennen, verfuhr ich auf die bereits oben (Cap. 11.
A bis C) angegebene Weise.
Ton 300 g angewandter Substanz wurden 92 g reines Euphorbon erhalten.
I. Mit Kupferoxyd verbrannt, ergaben 0,2362 Substanz = 0,7132
Kohlensaurc und 0,258 Wasser.
11. 0,3016 gaben = 0,9108 Kohlensaure und 0,3318 Wasser.
Berechnet :
Prefunden :
II.
I.
Cao = 240 - 82,192
HS6= 36 - 12,329
0 = 16 - 5,479
82,392
82,360
12,140
12,218
5,468
5,422.
Die Ablenkung des polarisirten Lichtes wurde ebenfalls bestimmt:
Temperatur = 18O, Drehungswinkel = 4O,51, Lkninge des
Rohrs = 1 Decimeter, Specifisches Gewicht der Liisung bei l B o C.
= 1,4193, Liisung in Chloroform = 20 Procent,
100.a
458
also ~1 . p . d - 1 . 2 0 . 1,4193
demnach (a)D = 16O,13.
+
+
+
G. Henke , Milchsaft eiiiiger Euphorbiaceon.
751
Der geringe Unterschied in der Drehung des Euphorbons aus
Euphorbia resinifera und diesern Euphorbon findet seine Erkliirung
darin, dass im letzteren Falle clas specifische Gewicht der Chloroform- Lijsung bei etwas niedrigerer Temperatur bestimmt wurde.
Alle iibrigen mit diesem Euphorbon angestellten Reactionen
ergaben das genau gleiche Resultat wie bei Euphorbia resinifera
bereits beschrieben.
Auf dieselbe Weise v i e beim officinellen Euphorbium wurden
72 g des in Aether liislichen, 36 g des unlijslichen Harzes und 4 g
Kautschuk erhalten, ebenso 3 g Aepfelsaure 20 g mit Alkohol fLubares und 32 g nicht fdlbares Gummi.
Diese Produhte hatten dieselben Eigenschaften wie die analogen
von Euphorbia resinifera.
Der Rest gab an Ammoniak 4 g ab und liinterliess einen RIickstand von 37 g.
Die procentische Zusammensetzung dieses Milclisaftes stimmt
daher fast mit dem officinellen Euphorbium iiberein.
In 100 Theilen dieses reinen Euphorbiums sind enthalten:
Euphorbon
= 35,OO "Io
In Aether 18sliches Harz
= 27,40 In Aether unlijsliches Ham
= 75,70 Kautschuk
= 1,50 Aepfelsaure
= 1,15 Mit Alkohol fdlbares Gummi und Salze
= 7,60 Mit Alkohol nicht fallbares Gummi und Salze
= 12,15
In Ammoniak lijsliche Salze und organische Substanzen = 1,50 -
-
Im Museum der franzijsischen Kolonien zu Paris hatte L k p i n e
aus Pondichkry (4,p. 101) einige trockene Milchsafte thcils in
Ostindien einheimischer , theils daselbst cultivirter Euphorbiaceen
ausgestellt.
Herr Professor F 1ii c k i g e r in Strassburg , welcher im Mire
1869 bei einem Besuclie dieses Museums die unter b, c und d
beschriebenen drei Proben zum Geschenk erhdten, hatte mir dieselben ebenfalls zur Untersuchung uberlassen.
b. E u p h o r b i a T i r u c a l l i L.
Dieselbe (31, p. 470; 32, p. 44) ist in Ost- Africa, hauptsachlich in Zanzibar einheimisch, wird aber in Indien, den Molukken
752
G. Henke, Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
und Philippinen sehr haufig angehaut und ihr Milchsaft mit Terpentindl gemischt als Firniss angewendet. Sehr bestimmt bemerkt
B o n t o n (19, p. l 2 l ) , dass der getrocknete Saft dieser Pflanzc eine
bedeutende Schkfe hcslsse iind in den Augen sehr heftigo Entziindungen hervorbrHchte.
Dieser getrocknete Milchsaft bildete braune, etwas grijssere Stucke
als das officinelle Eiiphorbinm und war sehr spriicle.
Nit den unter Cap. 11, A. 1 angefiihrten Ldsiingsmitteln erhielt
ich das Eupliorbon in schiinen glanzenden Nadeln , welche die Eigenschaften des fruher beschriebenen Enphorbons besassen.
Der Gehdt an Kautschuk war hier ein gr6sserer und betriig
gegen 4 Procent.
Die fibrigen, den im Euphorhiuni dcs Handels ganz analogen
Stoffe wnrden nicht cliiantitativ bestimmt.
c. Eiip h o r b i a t e t r a g o n a H a w o r t h .
Ihre Heiinath ist das Capland (33, p. 275), doch ist sie in OstIndien tiberall niigebaut , hauptsiichlich aber uiii die Tcmpcl cler
Hindus , wo sie unclurchdiingliche, stattliche Zannc bildet.
Der Milchsaft dieser Pflnnze war weisser als dejenige der
Euphorbia Tirucalli und cntwickeltc beim Kauen ein sehr lange
anhaltendes Brennen uncl eine hedeutende Schiirfe.
Die Bestandtheile dieses Milclisaftes sind clencn cler fruher besprochenen ganz gleich, doch ist der Gehalt an Kautschuk auch hier
griisser.
(1. Eiip h o r b i a a n t i q u o r u m L i n n 6 .
Diese in Ost - Indien einlieimische Enphorhiacee (34, p. 1SS),
welche dort zur Kautschuk - Gewinming und als iiusserliches Medikament haufig angewendet w i d , und deren Milchsaft sprdde, gelbliche Thrlnen von der Gr6sse einer Haselniiss bildete, entliiilt die
gleichen Bestandtheile uncl die griisste Menge Ihntschuk von allen
Euphorbia- Milchsaften, die icli zii untersuchen Gclegenheit hattc.
Die Ausbeute betrug 5 'I, Procent.
Die folgenden zwdlf Eiiphorbien, welche unter e bis q beschrieben sind, verdanke ich iler Giite des Berm Professor d e B a r y in
Strassbiirg. Die crsten seclis hrten werden im dortigen botanischen
0 Henkn, iVilclisaft einigpr Euphorhiaceon.
753
Garten im Freicn cultivirt, wlhrend die letzteren in den GemHchsltiiiisern dcs botmiischen Institiits gczogen wcrtlen.
Bei der Untersuchung diescr frischen Milchs5ifte miisste ich mich
wogen des geringen Materials auf einige wenige Versuche beschriinken.
Die Untersuchung anf Euphorbon iind iip€elsaure Salze ist im
Allgemeincn anf folgende Weise nngestellt worden. Ein Tropfen
des Milchsaftes wurde auf einem Ohjektglas der freiwilligen Verdunstung iiberhssen. Es schierlen sich in allen Fiillen Krystalle
aim, welche ziim Theil in Pctrolenmiitlicr lijslich waren , deren
Schmelzpunlrt bestimmt werden konntc wid cleren Eigenschaften mit
denen cies Euphorbons iibereinstimmten. Die in Petroleumiither unliislichen Krystalle waren in Wasser liislich und durch i h e charakteristische Form als Calcitunsalze der Aepfelsaurc z u erkennen. Ausserden1 liess sich mikroskopisch stcts die eigcnthiidiche Stiirke der
Euphorbiaarten nachweisen.
e. E u p h o r b i a L a t h y r i s LinnB.
Diese siideuropaiaclie Art findct sich nuch in Mexico nnd Peru ;
in den beiden letzten Liindeni vermuthlich aber nur eingeschleppt.
Lasst inan den frischen, sailer reagircnilcn Milohsaft einige Tage
an der atmosphiirischen Luft stollen, so bcdeckt er sich mit einer
xnsaininenhiiiigeri~len
, schwnrzcn Bnut , w l c h e wedw von Acther noch
Alkohol , noch den Aetzdkalicn angegrifferi w i d . Sondert man diese
Haut und schiittelt sie mit viel Wasser, so setzt sie sich als schwarzes
Pulver zu Boden. Beim Verbrennen hinterllsst dieses eine rein
weisse Asche , welche Chlor, Schwefel-, Salpcter-, PhosphorsZlure,
Kali , Natron , Kalk, Magnesia nnd Eisen cnth&lt.
Mischt man den frischen Milchsaft mit viel Wasser und unterwirft ihn der Dialysc, so erhalt man die meisten im Safte enthaltenen Salze. Ein solcher Auszug zir Trockne verdunstet und verbranrit, enthiilt die genau gleichen Substanzen, als die Asche cler
eben besproclienen schwnrzen Haut.
Unter dem Mikroskope fillt neben dem sternfijrmig krystallisirten Euphorbon die eharakteristische, sYabchenfijrmige St%.rkeform,
sowie die sehr grosse Menge von apfelsauren Calcium - Erystallen
hauptsachlich in die Augen. Der im Herbste gesammelte Milchsaft
ist sehr reich (36, p. 192) an solchen Krystallen, wahrend nach
einer miindlichen Mittheilung des Herrn Professor d e B a r g der im
754
G. Henke, Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
Winter untersuchte gar keine Krystalle von apfelsaurem Kalk auffinden liess.
Das von mir BUS dieser Wolfsmilchart dargestellte Euphorbon,
sowie Harz , Gummi und AepfelsSiure waren den fruher beschriebenen
Praparaten in allen Stiicken ganz ahnlich
Die Aepfelsaure betrug hier gegen 5 Procent und das specifische
Gewicht des Milchsaftes bei 20 O C. = 1,1004.
f. E u p h o r b i a M y r s i n i t e s Linn6.
Der Milchsaft dieser in Griechenland, Cypern und Italien einheimischen (35, p. 173) Pflanze, sowie der von
g. E u p h o r b i a o r i e n t a l i s L i n n 6 ,
deren Heimath Armenien und Persien (37, p. 123) ist, liessen linter
dem Mikrosliop das Euphorbon, sowie ihre Stirke und ihren grossen
Reichthum an apfelsauren Salzen ebenfalls sehr schiin erkennen.
Bus Euphorbia Nyrsinites wurde auch etwas Kautschuk erhalten.
h. E u p h o r b i a v i r g a t a W a l d s t e i n e t Kitaibel.
Diese ist im tistlichen Europa, hauptsachlich aber in Ungarn
(38, p. 176, t. 162) zu Hause unci zeiclinet sich hauptsachlich durch
ihren grossen Gehalt an Euphorbon - Krystallen aus. Die Sipfelsauren
Salze sind auch hier sehr reichlich vorhanden. Das Amylum stellt
stibchenfijrmige Kijrper vor, welche in der Mitte etwas ausgebuchtet sind.
i. E u p h o r b i a L a g a s c a e S p r e n g e l
ist in Spanien und Sardinien (39, p. 796) einheimisch. Das spec.
Gew. ihres Milchsaftes betragt bei 2 0 ° = 1,0753; er schwarat sich
ebenfalls an der Luft sehr schnell. Neben dem Euphorbon und den
apfelsauren Salzen ist besonders das Amylum sehr schijn ausgebildet
und in sehr grosser Menge vorhanden.
I m durchfallenden Lichte sieht dieser Milchsaft rotbraun aus
und wird von stark verdiinnter Jodlijsung citronengelb gefirbt.
k. E u p h o r b i a h u m i f u s a W i l l d e n o w .
Ton dem Milchsafte dieser in Sibirien, der Mongolei und China
(40, spl. 13) wild wachsenden Wolfsmilchart stand mir nur sehr
wenig Material zu Gebote. Ich musste mich daher begniigen, das
Euphorbon, die lpfelsniiren Salze und die Starke m r mikroskopisch
zu constatiren.
G . Henke , Milchsaft ciuiger Euphorbiacoen.
755
1. E u p h o r b i a s p l e n d e n s Bory.
Diese I'flanze ist in Madagaskar und Marolrko ( 4 1 , t. 2902) einheimisch. Das spec. Gew. ihres Milchsaftes bei 2 3 betragt 1,0997.
Unter dem Mikroskop sah man die eigenthumlichen, den afrikanischen Euphorbien eigenen , schenkelknochenf6rmigen Starkekiirner,
welche aber nur sehr vereinzelt vorkamen.
Der stark saure Milchsaft coagulirte an der Luft, fdrbte sich
dabei brlunlich und bildete auf seiner Oberfllche eine schwaxze,
hier und dort geborstene Haut. An Euphorbon und apfelsauren
Salzen ist diese Pflanze sehr reich, ebenso an Gummi, welches ich,
wenn auch nur in kleiner Menge, isoliren konnte. Es ist in seinem
Verhalten dem aus Euphorbia resinifera ahnlich.
m. E u p h o r b i a c n n a r i e n s i s L i n n 6 .
Die Heiinath dieser Eupliorbie sind die canarischen Inseln
(35, p. G46). Ihr Milchsaft reagirt stark sauer, coagulirt an der
Liift und bildet ebenfalls an seiner Oberflkhe ein schwarzes Hautchen. Betupft man das Coagulum mit verdunnter Jodliisung, so wird
es braun gefarbt. Dieser Milchsaft zeigt nur sehr wenig Stdrke und
apfelsaure Salze, ist aber an Euphorbon sehr reich.
n. E u p h o r b i a t r i g o n a H a w o r t h
ist in ganz Indien (29, t. 1863; 4 2 , p. 127) allgemein verbreitet.
Im durchfallenden Lichte erscheint der Milchsaft braun , wiihrend
seine Dichte bei 23 O = 1,0997 betragt, also mit dem von Euphorbia
splendens genau iibereinkommt.
Versetzt man diesen sauren Milchsaft mit etwas Wasser, so
scheidet sich ein starkes Coagulum ab, welches eine zwischen den
Fingern Faden ziehende, zahe und klebrige Masse bildet.
Calcium Krystalle der Aepfelsaure sincl hier sehr reichlich vorhanden. Stirkemehl konnte mikroskopisch nicht anfgefunden werden ;
wahrscheinlich ist es hier nur sehr spiirlich vorhanden. Das Euphorbon krystallisirte in schijnen sternfarmigen Gruppen.
-
Euphorbia neriifolia Linn6.
Dieselbe kommt wild in den Waldern und angepflanzt um die
Tempe1 ganz Indiens vor (34, p. l96), wo sie wegen ihres stacheligen Habitus vielfach zu Hecken angewendet wird. Ihr saurer
Milchsaft ist weniger reichlich als bei Euphorbia trigona vorhanden,
doch kann man hier die charakteristische Starke sehr leicht unter
0.
756
cf. Henke,
Milchsaft einiger Euphorhiaceen.
clcm Mikroskope in griisserer Menge erkennen. Die apfelsauren
Salze krystallisiren hier hiiufig in charakteristiwher Kreuzform. Die
Erystalle des Eiiphorbons sind gleiclifalls schijn ausgebildet nnd es
tritt neben der Sternform auch vielfnch die einzelne Nadelforin cler
Krystdlchen auf.
p. E u p h o r b i a v i r o s a Willdenow.
Sie ist in Siid-Afrika, hauptsachlich am Oranjefluss und im
Namaqnalancl (43, p. 837) sehr verbreitet. Dieser Milchsaft lasst
weniger Stiirbe, nber viel Calcium-Malat- Xrystitlle und eine grosse
Menge Enphorbon erkennen. Trotzdem der Milchsaft sauer reagii t,
so schmeckt clas Coagulnm docli etwas siisslich.
Q.
E u p h o r b i a r e s i n i f e r a Berg.
Auch den frischen Milchsaft clieser officinellen Wolfsmilchart,
von welcher im Strassburger Gewiichshause sehr kraftige Exemplare
vorhanden sind , Lonnnte ich nnter dem Mikroskope bctrachten. Nach
vielen vergebliclien Versnchen fmd ich erst einzelne weniger deutlich ausgehildete Mnlat - Krystalle uiicl Amylum. An Euphorbon war
diese Species besonders reich. IIriischt man den Milchsaft , welcher
auch viel dickfliissiger als be1 den iibrigen afrikanischen Arten ist,
auf einem Filter wiederholt mit Petroleuinhenzin , Aether und Allrohol
aus, dann gelingt es schr schnell , sowohl Sthkekijrner wie apfelsaure Salze zu finden.
Nachstehende fiinf Species sincl von mir im Elsass, in der Umgebung Strassburgs gesammelt worden.
r. E u p h o r b i a p a l u s t r i s L i n n 6 .
Diese stattliche, in sumpfigen Gegenden fast ganz Europas verbreitete Wolfsmilchart lieferte eine sehr reiche Ausbeute an Milchsaft. Das spec. Gew. desselben betrug bei 23O = 1,0543.
Das sbbfarmige, sehr reichlich vorhandene Amylum war an
seinen Endeu etwas verdickt.
Besonders reich ist die Milch an apfelsauren Salzen und an
Euphorbon, welch letzteres unter dem Mikroskope beobachtet fast
alle anderen Bestandtheile iiberdeckt.
s. E u p h o r b i a G e r a r d i a n a J a c q u i n .
Sie wiichst in Russland, im Ural, in Spanien und Oesterreich
(44, p. 17, t. 436) wild. Sie liefert verhiiltnissmassig wenig Milch-
G. Heuko , Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
757
saft und ihr Amylum ist sehr klein, auch nur sparlich vorhanden.
Euphorbon , welches vielfach in einzelnen feinen Nadeln auftritt,
und Calcium-Malat ist in grosser Menge vorhanden. Versetzt man
den sauren Nilchsaft mit etwas Alkohol und triiufelt wenig Ammoniak hinzu , so wird das entstandene Coagiilum schiin gelbgriin
gefkrbt.
DaB spec. Gew. betragt bei 22O = 1,0498.
t. E u p h o r b i a v e r r u c o s a L a m a r c k ,
Der mure Milchsaft dieser Euphorbic, welche in Illyrien, Spanien, der Schweiz uncl Prankreich (45, 1). 431) einheimisch ist, liefertc neben vie1 Euijhorhon auch rcicliliche Mengen von Amylnm
und Calcium - blalat.
Sonst ist der Saft in seiuen Eigenschaften dem von Euphorbia
palustris sehr iihnlich.
u. E u p h o r b i a e x i g u a L i n n 6
ist in ganz Europa (37, p. l l s ) , auch im niirdlichen Afrika allgemein
anziitreffen, doch stand mir nur wenig davon zu Gebote. Sie ist
sehr stiirke - und euphorbonreich ; ihre sehr lileirien iipfclsauren KalkKrystalle treten in Gruppen zu Kreuzen geordnet nur sehr spiirlich auF.
v. E u p h o r b i a C y p a r i s s i a s L i n n 6 .
Das gemeinste aller mitteleuropHischen Wolfsmilchgew achse zeichnete sich gleichfalls durcli seinen Reichthum an Stirke wie Malat Krystallen aus ; das Enphorbon konnte weniger schiin nnd nicht so
reichlich beobachtet werden.
Der Milchsdft hatte bei 20° C. eine Dichte von 1,0449.
Cap. IV.
Schluss.
Aus der mitgetheilten Untersuchung uber die angefuhrten
21 Arten der Gattung Euphorbia lasst sich, obgleich die Zahl der
untersuchten Arten gegeniiber dem Species-Reichthum der Gattung
(692 Arten nach der Boissier’schen Bearbeitung in De C a n d o l l e ’ s
Prodromus) eine relativ kleine ist, docli der Schluss ziehen, dass
allen Milchsiiften der Euphorbia - Arten das Euphorbon , die AepfelsLure hauptsachlich , wenn nicht aiisschliesslich in Form von Calciumsdz und die Stiirke gemeinsam ist. Auch kautschukahnliche
Kijrper, sowie scharfe Harze wurden ebenfalls da, wo hierauf Riick-
758
G. Henke, Milchsaft einiger Euphorbiaceen.
sicht genommcn werden konntc , gefunden. - Bemerkenswerth
erscheint es, wie schon angedeutet, dsss Euphorbia resinifera und
Euphorbia Cattimandoo in der procentischen Zusammensetzung ihres
Milchsaftes eine nahe Uehereinstimmung zeigen , was vielleicht eine
Aiisnahme ist. Denn im Uebrigen kommen, wie mir schon ails der
oherfliehlichen Untersuchung der frischen Milchsiifte hervorzugehen
scheint, (loch bedeutende Abweichungen in dem Verhiiltniss zwischen
den Mcngcn der apfelsnuren Salze, der S t b k e und des Euphorbons vor.
Welche physiologische Rolle den1 Euphorbon in den Milchsaften
der Euphorbia- Arten zuzuschreiben ist , lasst sich ohne Weiteres nicht
entscheiden. Sein indifferentee cheinisclies Verhalten lasst es jedoch
wahrscheinlich erscheinen , dass cs als cin Secret aiifznfassen ist
und keine weitere Verwendung als Niihrmaterial in der Pflanze
finden kann.
Anders kiinnte cs sich mit der Acpfelsaure verhalten, da die
Salze im Milchsaftc geliist vorkommen und die Aepfelsaure eine leicht
zersetzbare und uillwandluiigY~dliigeSubstanz vorstellt. Aiifmerksam
mag noch clarauf geniacht werden , dass sie clie einzige organische
Same ist, die sich iin Milchsafte nachweisen Iasst. Es wurden trote
aller hierauf gerichteter Bestrebungen nicht die geringsten Spuren
von Oxal- oder Weinsaure aufgefunden.
Von medicinischer Wiclitigkeit ist unter den Bestandtheilen dcr
Euphorbia- Milchsafte niir clas in Aether lasliche, scharfe Harz , welches ebenfalls in allen Milchsiften der Species vorzukommen scheint,
und dessen biologische Bedeutung fur die Pflanze vielleicht darin zu
srichen ist, dass es derselben als Schutzmittel client.
Eine eingehendere Untersnchung des Harzes ware deshalb iiauptsiichlich von pharmakognostischem Interesse.
Das in so schijnen Krystallen und leiclit in vollkommener Reinheit und grosser Menge zii erhaltende Enphorbon , dessen chemisches
Verhalten bis jetzt noch keine geniigenden Anhaltspnnkte beziiglich
seiner Constitution gegeben hat , ernpfiehlt sich zu einer eingehenderen cheinischen Bearbeitung.
Cap. V. Verzeichniss der benutaten Literatur.
1. Pharmacsutische Zeitschrift fur Busslaud 111, 215.
2. Liebig’s Anualen der Chemio und Pharmacie 1865, Ed. 136, 309.
3. Canstatt’s Jahresberichte uber die Foitschrittc der Pharmacie 1864, 103.
4. Vierteljahresschrift fur praktische Pharmacie 1868, XVII, 82.
0.Henke , Milchsaft eiuiger Euphorbiaceen.
5.
G.
7.
8.
0.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
29.
30.
31.
32.
33.
34.
35.
36.
37.
38.
39.
40.
41.
42.
43.
44.
46.
46.
759
Jahresberichte iiber die Fortschritte der Chemie 1868, 809.
Archiv der Pathologie 1872, H. I. 1.
C a n s t a t t ’ s Jahresberichte iiber die Fortschritte der Pharmacic 1873, 559.
13 u c h h e i m, Lehrbuch der Arzneimittellehre 1856, 146.
Jahresberichte iiber die Fortschritte der Chemie 1872, 801.
L i e b i g ’ s Annalen der Chemie und Pharmacie 1878, Bd. 192, 193.
Journal de Pharmacie 1800, 333.
Philosophical Transactions for 1840, 3G4.
P o g g e n d o r f f ’ s Annalen der Physik und Chemio 1834, Bd. 33, 52.
- 1841, Bd. 53, 369.
L i e b i g ’ s Annalen der Cheinie und Pharmacic 1847, Bd. 63, 60.
C a n s t a t t ’ s Jahresberichte iiber die Fortschritte der Pharmacie 1847, 114.
Annales do chimis et de physique 68, 45.
Bulletin de Pharniacie 1812, IT, 502.
B o u t o n , Plantes medieinales do Maurice. Ed. 11, Port- Louis 1864.
Botanische Zeitung 1861, 41.
J. %. J o h n ’ s Chemische Schriften 1810, II. Band, 14.
Journal de Pharmacie et do Chimie 25, 25.
American Journal of Pharmacy 4. s8r. 111, 255.
American Journal of the medical sciences. Jan. 1842, 125.
Botanische Zeitung 1862, 125.
K a s t n e r ’ s Archiv fur Chemie und Meteorologie 1831, XXII, 237.
Annalen der Pharmacie 1832, IV, 286.
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