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Ueber die gebruchlichen Arometer und ein neues Normalarometer.

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E.Reichardt, Agar-Agar. -B.Hirsch, Ueb. d. gebriiuchl.Arlomcter etc. 107
-
Agar Agar.
Von Dr. E. R e i c h a r d t in Jena.
In der neuesten Zeit kommt in grossen Mengen aus
China eine Pflanzengallerte in den Handel unter dem Namen
A g a r - A g a r und eignet sich dieselbe in der That sehr gut
als Ersatz fur Gelatine zu den Speisen. Der Geruch, namentlich bei dem Losen in kochendem Wasser, ist derjenige der
Seegewachse, der Fucusarten u. s. w. Diese sog. c h i n e s i s c h e
o d e r j a p a n e s i s c h e G e l a t i n e sol1 nach P a y e n auch
mehr Sauerstoff entlialten , als die Xohlehydrate und daher
den Pectinkorpern zugezahlt werden. Die nahere Untersuchung
fuhrte zu demselben Verhalten, wie Yararabin. Durch langeres
Kochen mit Wasser, leichter bei Zusatz von Sauren, lost sich
Agar- Agar auf, kann durch Alkohol sofort gefillt werden
u. s. w. Langere Digestion mit Alkali giebt die Arabinsaure
S o h e i b 1e r )'a und nunmehr die Einwirkung von verdunnter
Schwefelsaure auch den leicht krystallisirbaren Zucker Brabinose. Dies gessmmte Verhalten beweist also Pararabin.
Die Elementaranalyse ergab endlich auch das Kohlehydrat
und wird dies noch spater ausfuhrlicher besprochen werden.
So weit mir Literatur zuganglich ist, finde ich die
Angaben, dass das A g a r - A g a r aus Seealgen in China
und Japan bereitet wird , so aus Sphaerococcus lichenoides,
spinosus, tenax u. 8. w., und P a y e n nahm darin eine
eigenthumliche Substanz , G e l o 8, an. Nach obigen Resnltaten
ist es zweifellos, dass hier wiederum ein leicht Gallerte gebendes
Kohlehydrat vorliegt und demnach auch ein dem entsprechendes Nahrungsmittel.
Ueber die gebrtuchlichen Artometer nnd ein neues
Normalarlometer.
Von Dr. B. H i r s c h , Apotheker in Frankfurt a/M.
Zu den Instrumenten, welche verhaltnissmassig haufig im
chemischen und im pharmaceutischen Laboratorium gebraucht
108
B. Hirsch, Ueber die gebrauohlichen Araometer etc.
werden, gehort das zur Bestimmung des specifischen Gewichtes von Pliissigkeiten dienende A r 6 o m e t e r .
So haufig
aber auch seine Anwendung und so einfach im Allgemeinen
seine Handhabung ist, so sind doch Abweichungen von den
vorschriftsmassigen specifischen Gewichten officineller Fliissigkeiten nur allzuoft nachweisbar; und es ist fast sls Ausnahme
zu betrachten, wenn im Wege des Handels bezogene Flussigkeiten, besonders solche die mit Wasser oder Alkohol
niischbar sind, genau das von dem Kaufer oder von den
Pharmacopoen verlangte specifische Gewicht besitzen, oder wcnn
bei einer Apotheken - Revision k e i n e irgend erhebliche Abweichung von der Norm constatirt werden kann. Die in dieser Beziehung erhobenen Monita sind um so argerlicher, als
bei der anscheinenden Einfachheit des Priifungsverfahrens und
bei der meistens nur geringen Miihe, welche die Abstellung
h e r ' entdeckten Abweichung erfordert , der Vorwurf der
Fahrlassigkeit, des Mangels an Controlle, vielleicht selbst der
Unredlichkeit nshe liegt und erhoben werden kann.
Gerade die Haufigkeit solcher Abweichungen und ihre
moglichcrweise fur Kiufer und Verkaufer , namentlich aber
fur den Arzneiempfanger nachtheiligen Folgen fordern zu der
Frage nach den G r u n d e n so zahlreicher Differenzen auf.
Abgesehen von dem nicht immer zu llugnenden Mangel
an Sorgfalt und Sachkenntniss bei den Experimentirenden
sind es unseres Erachtens vornemlich zwei, und zwar:
I. der Mangel eines Normalinstrumentes, welches genau
festgestellten Bedingungen entspricht und Seitens der Aufsichtsbehorden a u s s c h 1i e s s 1i c h zur Priifung der specifischen
Gewichte bei Revisionen benutzt wiirde;
11. die Verschiedenartigkeit der Principien , auf welchen
die gebrauchlichen Instrumente bcruhen , und die noch weit
mehr wechselnde Giite und Zuverlassigkeit der Ausfuhrung
bei den einzelnen Exemplaren, auch bei den auf gleichen
Principien beruhenden.
Den Punkt I betreffend, diirfte es vielleicht geniigen, an
maassgebender Stelle darauf hinzuweisen , welche erhebliche
B. Hirscb, Ueber die gebrauchlichen Araometer.
109
Verbesserungen im letzteu Jahrzehnt das Maass - und Gewichtssystem iiberhaupt erfahren hat, - wie ansehnlichdie Forderungen an Genauigkeit und Leistungsfdhigkeit der zum Messen
und Wiegen dienenden Instrumente in dem gleichen Zeitraum
gegen friiher gesteigert worden sind, - dass specie11der Vertrieb
einer bedeutsamen fliissigen Handelswaare, des Spiritus, an
die Ermittelung seines Gehaltes nach dem specifischen Gewicht in sehr engen Grenxen gebunden ist, - dass es aber
im Gegensatz hierzu noch an jeder gesetzlichen Bestimmung
dariiber mangelt , auf welche Weise das specifische Gewicht
der zu arzneilicher Anwendung bestimmten officinellen Flussigkeiten uberhaupt oder wenigstens Seitens der Revisions
Commissionen ermittelt werden 8011, - und ob und welche
Fehlergrenzen bei den zii verwendenden InstrumentGn zulassig seien.
-
Der Spiritushandel erfolgt in Deutschland gesetzlich nach
Alkoholprocenten, welche mit Hiilfe geeichter Alk ohol o me t e r festgestellt werden. Die zum allgemeinen Verkehr bestimmten Alkoholometer diirfen um nicht mehr als I/&, die
Seitens der Eichungsbehorden benutzten Normal- Alkoholometer urn nicht mehr als
Alkohol-Procent von der absoluten Richtigkeit abweichen. 1st nun auch diese Abweichung
ehensowohl im Sinne des z u v i e l als im Sinne des z u w e n i g zulassig, so kann doch die iiusserste gesetzlich statthafte
Differenz zwischen zwei gewiihnlichen geeichten Alkoholometern nicht mehr als 2mal 'I4=
zwischen zwei Normal Alkoholometern nicht mehr als 2mal l/lo = l/b Procent
Alkohol betragen.
X0
X,
Uebersetzen wir diese Grossen in das s p e c i f i s c h e
G e w i c h t , so ergiebt sich i m M i t t e l , dass die Differenz
von 1/4, beziiglich 'Ilo Gewichtsprocent Alkohol fast genau
einer Differenz von 0,0005, beziiglich 0,0002 im specifischen
Gewicht entspricht , dass also zwei moglichst von einander
verschiedene aber eben noch eichungsfahige Alkoholometer
hochstens eine Differenz von 0,001, beziiglich 0,0004, auf apecifisches Gewicht ubertmgen, crgeben diirfen. (Fiir 1 Gewichts-
110
B. Eirscb, Ueber die gebriiuchlichen Araometet etc.
procent Alkohol betrigt die Differenz im specifischen Gewicht
zwischen 0 und l o des Alkoholometers 0,0019, zwischen
10 und 1l0 0,0013, zwischen 20 und 21° 0,0012, und steigt
dann allmalig wieder bis auf das zwischen 97 -looo liegende
Maximum von 0,0030 pro lo.)
Zum Nachweis, dass ein Instrument die gesetzlich zulassige Fehlergrenze nicht iiberschrei te , muss dasselbe nothwendig eine solche E m p f i n d 1i c h k e i t besitzen, dass der
e i n f a c h e Werth dieser Fehlergrenze einen merklichen Einfluss auf die Angaben des Instrumentee ausiibt; in unserm
Fall also muss ein gewohnliches eichungsfihiges Alkoholometer noch eine Differenz von im Mittel 0,0005 im specifischen
Gewicht deutlich erkennen lassen, und pflegen demgemass
diese Instrumente auch in 1/4 Grade getheilt zu sein.
Man sollte meinen, dass derjenige Grad von Genauigkeit
und Empfindlichkeit , welchen man seit geraumer Zeit von
diesem nu r z u H a n d e 1 s z w e c k e n bes timm t e n Instrument
verlangt, zum mindesten auch von den ihrer Natur nach
verwandten Instrumenten gefordert werden miisse , deren
man sich zur Gehaltsbestimmung a r z n e i 1i c h a n g e w a n d t er
Pliissigkeiten bedient. Aber auffalliger Weise hat man in
Deutschland bis jetzt zu diesern Z weck weder Normalinstrumente Ton gesetzlich vorgeschriebener Leistungsfahigkeit, noch
auch bedienen sich die Aufsichtsbehorden bei den Revisionen
solcher Instrumente , deren Richtigkeit und deren Uebereinstimmung unter einander gehgrig gesichert und beglaubigt
ware; auch ist nicht jeder Revisor befahigt, bei Streitfallen
die Richtigkeit des seinerseits angewandten hetrumente alebald zu erweisen, und auch nur wenige der gebrauchlichen
Instrumente gestatten eine hinreichend genaue Priifung innerhalb einer kurzen Zeit und ohne aussergewohnliche Hiilfsmittel.
Zur Abstellung dieses Mangels und im Uebergang zu
den oben sub I1 angefuhrten Thatsachen diirfte zunachst zu
erortern sein , welche Anforderungen nothwendiger und billiger Weise an ein Araometer zum chemischen und pharmaceutisch’en Gebrauch, und beeonders an ein von den Aufeichte-
B. Hirsch,
Ueber die gebrbhlichen Araometer etc.
111
behorden zu benutzendes C o n t r o l l - oder N o r m a l - A r a o m e t e r zu stellen seien. Unseres Erachtens diirften es
folgende sein :
1) das M a t e r i a1 des Instrumentes darf durch die betreffenden Flussigkeiten nicht angegriffen werden (eine Bedingung,
welche im Allgemeinen das Glas, wenn auch nicht jede beliebige Sorte desselben, erfiillt) ;
2) die in der Praxis vorkommenden specifischen Gewichte,
zur Zeit zwischen 0,650- 2,000 oder wenig daruber liegend,
. miissen b i s z u r d r i t t e n D e c i m a l e e i n s c h l i e s s l i c h
genau bestimmbar sein, und zwar nicht bloss bei den leichten
und diinnen, sondern auch bei den schweren und dickeren
Flussigkeiten. Eine Veranderung von 0,001 im specifischen
Gewicht der Flusaigkeit oder eine entsprechende Aenderung
im absoluten Gewicht der etwa benutzten Senkspindel muss
also eine deutliche und unzweifelhaft bemerkbare Aenderung
der Angabe des Instrumentes zur Folge haben ; Senkspindeln
diirfen in der .Fliissigkeit nicht schwanken oder sich schief
darin stellen, und nach erfolgter Einstellung muss ihr Stand
in der Flussigkeit genau abzulesen sein;
3) die Moglichkeit einer verschiedenen Meinung dariiber,
w i e t i e f eine Senkspindel von veriinderlichem absolutem Gewicht in die Fliissigkeit einzusenken sei, muss durch die
Construction ausgeschlossen sein ;
4) die Wiigung muss sich r a s c h , etwa innerhalb 1-2
Minuten ausfiihren lassen, und auch die Prufung verschiedenartiger Flussigkeiten nach einander muss ohne die Gefahr
der Verunreinigung der nachstfolgenden durch die vorhergehende oder durch die Spulfliissigkeit und ohne sonderlichen
Zeitverlust zu bewerkstelligen sein; es muss also :
5 ) die R e i n i g u n g nach erfolgtem Gebrauch und das
vollstandige A b - u nd A u s t r o c k n e n leicht und rasch von
statten gehen, auch Lnach Wagung solcher Fliissigkeiten,
welche durch die gewohnlichen Losungsmittel, wie Wasser,
Alkohol, Aether, nicht ohne Weiteres zu entfernen sind. Ausgeschlossen werden durch diese Forderung solche Hohlgefhee, welche wegen ihrer Form oder engen Oeffnung eine
112
8. Hirech , Ueber die gebrauchlichen Araometer etd.
m e c h a n i s c h e Reinigung und Austrocknung nicht gestatten;
unzweckmassig erweisen sich ihr gegeniiber solche Senkkorper, welche unregelmassige oder rauhe Oberfliichen, starke
Einschniirungen, Oesen und Verschlingungen zeigen, die beim
Gebrauch mit untergetaucht werden. Kurz alle mit der Flussigkeit in Beriihrung komnienden Theile des Instrumentes
miissen sich nicht bloss auf nassem Wege durch Ab- und
Auswaschen, sondern erforderlichenfalls auch auf trocknem
Wege durch Ab- und Auswischen und Reiben vollstiindig
reinigen und mit Leichtigkeit mechanisch ab - und austrocknen lassen;
6 ) die C o n s t r u c t i o n muss eine m o g l i c h s t e i n f a c h e
sein, nicht aber aus vielen einzelnen Theilen bestehen, deren
jeder fur sich eine Quelle von Ungenauigkeiten bilden kann;
7) die R i c h t i g k e i t und E m p f i n d l i c h k e i t des Instrumentes muss sich nach allen seinen Theilen mit geringem
Zeitaufwand und ohne andere Hulfsmittel, als jede Apotheke
und jedes chemische Laboratorium sie jederzeit bietet, l e i c h t
prufen lassen;
8) einzelne Theile, die etwa beschadigt werden oder verloren gehen, miissen leicht zu e r s e t q e n sein; nicht aber
darf Beschadigung oder Verlust eines einzelnen Theiles auch
andere Theile des Instrumentes mehr oder minder entwerthen;
9) die Angaben des Instrumentes miissen sich auf eine
genau bestimmte T e m p e r a t u r und auf die Dichtigkeit einer
N o r m a l f l i i s s i g k e i t beziehen, wozu fiir Deutschland die
Temperatur von 15O C. und die Dichtigkeit des destillirten
Wassers, bei 150 C. = 1,000 gesetzt, am geeignetsten erscheint ;
10) die erforderliche F l u s s i g k e i t s m e n g e muss nicht
sehr erheblich sein, und 100 Cubikcentimeter nicht oder nur
wenig uberschreiten ;
11) die Instrumente mumen d a n e r h a f t , der Abnutzung
wenig ausgesetzt, ohne besondere Muhe und Gefahr in ihrern
gewohiilichen Besteck tr a n s p o r t i r b a r und so beschaffen
Bein, dass Beschiidigungen oder Bruch nicht ohne grobe
B. Hiraoh,
Ueber die gebrauchlichen Arlometer etc.
113
Ungeschicklichkeit oder Gewalt vorkommen , u n d e r f o 1g t e
B e s c h a d i g u n g e n sich der W a h r n e h m u n g n i c h t
l e i c h t en t z i e h en k o n n e n ;
12) ihr P r e i s endlich muss ein miissiger sein.
Wir wollen nun priifen, in wie weit die bisher gebrauchlichen Instrumente den vorstehenden Anforderungen entsprechen. Zur Anwendung kamen bis jetzt fast ausschliesslich:
Hohlgefasse von bekanntem Fassungsvermogen unter
Bestimmung ihres Inhaltes nach absolutem Gewicht ;
Senkspindeln von constantem Gewicht, von denen ein je
nach der Dichtigkeit der Flussigkeit veranderliches Volumen
eintaucht ;
Senkspindeln von constantem Volumen , deren absolutes
Gewicht je nach der Dichtigkeit der Flussigkeit verandert
werden muss;
wahrend Senkspindeln von veranderlichem Gewicht u n d
veranderlichem Volumen (die Veranderungen durch besondere,
auszuwechselnde Anhangekorper ausfuhhrbar) noch nicht allgemeiner eingefuhrt sind.
Nach diesen verschiedenen Principien unterscheidet man
in der Praxis wesentlich folgende Instrumente :
a) G r a m m e n - oder G r a n - F l a s c h e n ,
t)) S c a 1e n - A r a o m e t e r,
c) die sog. Mohr’sche W a a g e ,
d) das sogen. W i t t R t o c k ’ s c h e G e w i c h t s - A r a o meter.
a) Die G r a m m e n - oder G r a n - F l a s c h e n , Piknometer
und ahnliche Hohlgefisse lassen das specifische Gewicht einer
Flussigkeit vermoge einer einfachen hchnung mit grosser
Genauigkeit finden, wenn man ihren Inhalt, der durch Auswagen mit destillirtem Wasser von bestimmter Temperatur
zu ermitteln ist , und das absolute Gewicht-eines genau gleichen Volumens der fraglichen Flussigkeit bei gleicher Temperatur mit Sicherheit kennt. Es gehort dazu aber eine
genaue und ziemlich empfindliche Tarir - oder analytische
Waage und ein Satz Normalgewichte, da die gewohnlichen
sog. Pracieionsgewichte in der Regel zu ungenau, meist m
’
Arch.
a.
pham IX.~ d s . a. H ~ R .
8
114
B. Hirach, Ueber die gebriinchlichen ArHometer etc.
schwer und unter sich nicht in ausreichender Uebereinstimmung sind. Hierdurch wird die Anwendung solcher Instrumente sehr zeitraubend und kostspielig , und der Transport
bei Revisionsreisen schwierig. Da ausserdem diese Hohlgefasse einen verhaltnissmassig engen Hals zu besitzen pflegen,
oft auch bauchig aufgeblasen werden, so lasst sich ihrer Reinigung und Austrocknung auf m ec h a n i s c h e m Wege nur
ausnahmsweise zu Hulfe kommen, sie erfordert also in der
Regel eine erheblich langere Zeit , als bei Revisionen darauf
verwendet werden kann.
b) Die S c a l e n - A r i i o m e t e r , Senlispindeln von constantem Gewicht und veranderlichem Volumen , beruhen auf
dernselben Princip wie die gesetzlichen Alkoholometer ; und
da diese letzteren, wie oben gezeigt wurde, noch Differenzen
von im Yittel 0,0005 und weniger im specifischen Gewicht
angeben miissen, und da diese Empfindlichkeit auch fur alle
officinellen Fliissigkeiten vollstandig ausreichend ist, sollte
man meinen, die SO leicht zu handhabenden und so leicht zu
reinigenden Scalen - Araometer miissten auch fur alle pharmaceutischen Zwecke vollkommcn ausreichen. Die M o g l ichk e i t dazu ist auch keiuesweges ausgeschlossen , aber weit
schwieriger als dort zu erreichen. Zunachst deshalb, weil es
sich bei dem Alkoholometer nur darum handelt, die specifischen
Gewichte zwischen 0,795-1,000
oder die an deren Stellc
gesetzten sog. Grade von 100 -0 anzugeben, wiihrend Araometer fur den pharmaceutischen Gcbrauch die specifischen
Gewichte zwischen etwa 0,650- 2,000, also f k eine nahezu
7 ma1 grossere Latitude ermitteln lassen sollen. Fiir anniihernd gleich grosse Abstande der Zahlen, also fur annahernd
gleich grosse Empfindlichkeit musste daher auch die Scala
nahezu ?ma1 so lang sein als beim Alkoholometer , oder sie
miisste auf 7 einzelne Instrumente von der Scalenlange des
Alkoholometers successiv vertheilt werden. Da sehr lange
Scalen unbequem in der Herstellung und im Gebrauch, leicht
zerbrechlich sind , vie1 Fliissigkeit erfordern und in derselben
leicht schwanken oder sich schief einstellen, so ist man langst
auf die Theilung der Scala gekommen, und iibertragt sie auf
B. Hirsch, Ueber die
gebriiuchlichen Ariiometer etc.
115
2, 3, 4 -8 einzelne Instrumente. Mit der Zahl derselben
steigert sich aber auch der Preis des ganzen Apparates und
die Unbequemlichkeit der Anwendung, weil man bei Flussigkeiten von nicht annahernd bekannter Dichtigkeit oft mehrerc
Spindeln einsenken muss, ehe man die passende findet, auch
bei Revisionen die Benutzung vieler einzelner Spindeln sehr
lastig wird.
Weit schlimmer ist es, dass auch bei Vertheilung auf
viele Scalen wohl die E m p f i n d l i c h k e i t , nicht aber die
G e n a u i g k e i t der Alkoholometer allgemein von dem Araometer zu erreichen ist. Dies liegt darin,
dass die officinellen Flussigkeiten zum grossen Theil
minder diinnfliissig sind, als Alkohol;
dass sie zum grossen Theil starker adhaeriren, wodurch
die Angabeq ungenau werdcn, und zwar um so ungenauer,
Je grosser der Querschnitt des eingetauchten Theiles am
Flussigkeitsspiegel ist ;
dass sie haufig nur in beschrgnkter Menge zur Disposition stehen, und in Riicksicht hierauf die Scalen der Araometer im Allgemeinen weit kiirzer gchalten werden miissen, als
die der Alkoholometer, fur welche grosse Mengen von Pliissigkeit vorhanden sind; und dass niit Verkurzung der Scala
Verringerung der Empfindlichkeit und der Genauigkeit nothwendig verbunden itit ;
und ganz hauptsachlich darin, dass der Fabrikant fur e i n
vielgebrauchtes Instrument Einrichtungen treffen kann, welche
bei grosser Genauigkeit einen billigen Preis gestatten, dass
hingegen fiir eine grossere Anzahl von seltener gebrauchten
Instrumenten solche Einrichtungen zu kostspielig sind, urn gut
und billig zugleich liefern zu konnen. Hierzu kommt, dass die
Theilung nach regelmassig fortlaufendem specifischem G ewicht,
wenn sie auch in der Praxis meist nach einer einfachen geometrischen Construction vollzogen wird , immerhin schwieriger
ist, als eine Theilung in gleiche Langenabschnitte; und dass
die Richtigkeit einer solchen Theilung auf der nur selten
genau zutreffenden Voraussetzung beruht, dass derjenige Theil
8%
116
B. Hirsch, deber die gebriiuchlichen Ariiometer etc.
des Instrumentes , welcher die Scala enthilt, seiner ganzen
Lange nach iiberall einen gleich grossen Querschnitt besitze.
Hiermit hangt die Schwierigkeit der P r u f u n g eines
Scalenaraometers zusammen, denn es geniigt dazu nicht, dass
die beiden Endpunkte experimcntell durch Einsenken in
entsprechehde Fliissigkeiten und die zwischenliegende Theilung geometrisch als richtig erkannt werden, wozu allein
schon mehrere Stunden Zeit erforderlich sind; sondern es muss
auch eine grossere Reihe der Theilstriche auf experimentellem Wege gepriift und richtig befunden werden, und hierzu
ist eine entsprechende Anzahl von Flussigkeiten erforderlich,
d e r e n D i c h t i g k e i t e r s t wieder m i t Hiilfe anderer
I n s t r u m e n t e f e s t g e s t e l l t s e i n m u s s , und letzterer
Umstand a 11e i n schon spricht im hohen Grade zu Ungunsten
der Scalen - Araometer.
c) Die Mohr’sche W a a g e gehort zu den Araometern
von constantem Volumen und veranderlichem Gewicht. Sie
gestattet unter Verwendung eines einzigen Senkkorpers die
Bestimmung des specifischen Gewichtes aller officinellen Fliissigkeiten von den leichtesten bis zu etwa 1,900 oder 2,000,
und zwar bis zur dritten Decimale einschliesslich und bei leicht
beweglichen Fliissigkeiten oft noch etwas weiter , so dass
0,0005 und selbst 0,0003 oder 0,0002 als Grenze der Empfindlichkeit angesehen werdcn kann ; sie erfordert eine verhaltnissmassig geringe Fliissigkeitsmenge, etwa 40- 60 C. C.
und die cylindrische Form des im Mittel etwa 10 Cm. langen und
1 Cm. weiten (bisweilen auch erheblich kleineren oder grosseren)
Senkkorpers, gestattet sogar bisweilen die Priifung der Fliissigkeit innerhalb ihres Standgefasses ; auch lasst sioh der Senkkdrper
leicht gleichzeitig als Thermometer einrichten und gebrauchen,
doch fallen die Grade ziemlich klein aus (kaum 1 Mm. pro
Grad), und die Genauigkeit dieser kleinen Thermometer lasst
nach meiner Erfahrung oft s e h r v i e 1 zu wiinschen iibrig.
I m Uebrigen ist die C o n s t r u c t i o n nicht frei von
mancherlei Uebelstanden und Nachtheilen , die wir im Hinweis auf die oben sub 1 -12 aufgefuhrten Punkte besprechen
wollen.
I). Eirsch, Ueber dic gebriiuchlichcn Araomctcr etc.
117
ad 1. Die Moglichkeit, dass einzelne Theile des Instrumentes durch die zu wigenden Fliissigkeiten oder durch deren
Dampfe angegriffen oder verandert werden , ist nicht vollig
ausgeschlossen ; namentlich konnen freies Chlor, Schwefelwasserstoffverbindungen und einzelne Metallsalze auf den
Platindraht, an welchem der Senkkorper aufgehiingt ist, einwirken, und aufsteigende saure Dampfe die Messing- und
Stahltheile der Waage schadigen ; doch werden solche Falle
im Ganzen nur selten eintreten.
ad 3. Der Punkt, bis zu welchem die Einsenkung stattfinden muss, ist n i c h t m a r k i r t . Demzufolge begegnet es,
dass bald zu wenig, bald zu tief eingesenkt wird. Letzteres
hat bei dem geringen Querschnitt des Platindrahtes im Verhaltniss zum Gesammtvolumen des Untergetauchten keinen
e r h e b 1i c h e n Einflu~s, falls nicht etwa der Senkkorper
den Boden des Gefasses beriihrt. Ein nicht hinreichend tiefes
Einsenken dagegen hat s e h r gr o b e F e h 1e r zur Folge,
wie ich sie z. B. lediglich aus dem gedachten Grunde bei
Anlass von Revisionen bis zu 0,020 beobachtet habe; sie
konnen aber noch weiter gehen. 1st nun auch ein so fehlerhaftes
Verfahren hauptsachlich auf Unkenntniss oder Unachtsamkeit
des Experimentirenden zuriickzufuhren , 60 wiirde doch diese
Fehlerquelle durch eine bestimmte Markirung ausgeschlossen
werden.
Bei dunkeln oder unvollkommen durchsichtigen
Fliissigkeiten ist es aber immer etwas schwierig, die Tiefe
der Einsenkung genau zu beurtheilen, und ist daher bei h e n
besondere Aufmerksamkcit nothig. Riclitige Angaben sind
nur dann zu erwarten, wenn nicht blos der gesammte Glaskorger , sondern auch die Platinosen und - Schlingen, und der
behufs der BefeRtigung zusammengedrehte Theil des Platindrahtes vollstandig untergotaucht sind, und noch ein oder
einige Millimeter des einfachen Platindrahtes in die Flussigkeit
reichen, so dass sich im Niveau derselben niir der einfache
Draht befiudet; und wenu zugleich die Waage vollkommen
horizontal aufgestellt ist.
ad 4 und 5 . Die Reinigung der beim Wiigen untergetauchten Oesen , Haken und des zusammengedrehten Platin-
118
B. Hirech, Ueber die gebruuchlichen Araometer ete.
drahtes von der anhangenden Fliissigkeit ist nur dann leicht
zu bewirken, wenn letztere sich mit Wasscr, Alkohol oder
Aether abwaschen lasst. Eine m e c h a n i s c h e Reinigung
durch Abreiben und Abwischen ist bei der Form, der Kleinheit und der geringen Widerstandsfahigkeit dieser Theile
unthunlich; und selbdt das blosse mechanische A b t r o c k n e n ,
welches am besten durch leichtes Andriicken van weichem
Fliesspapier bewirkt wird , muss mit Vorsicht geschehen,
um Verbiegungen, 13ruch oder lteissen dcs Drahtes zu verhiiten.
ad 6. Die C 0x18 t r u c t i o n ist ziemlich complicirt, daher
auch die Zahl der m6glichen Fehlerquellen verhaltnissmassig
gross; denn es ist zu einer richtigen Wagung erforderlich:
dass die Waage an sich genau und empfindlich, auch
horizontal aufgestellt sei;
dass die Theilung des einen Waagebalkenarmes in 10 Theile
sehr genau ausgefuhrt ist und mit dem Einschnittswinkel genau zusamrnenfallt ;
dass die Reitergewichte scharf in diese Einschnittswinkel
cingreifcn , und darin senkrecht zur Langsachse des Balkens
stehen ;
dass das absolute Gewicht der Reiter sehr genau iibereinstimme mit dem absoluten Gewicht des von dem eintauchcnden Theil des Instrumentes verdrangten destillirten Wassers bei der Normaltemperatur, beziiglich mit '/lo und '/loo
dieses Gewichtes;
dass eine leicht begegnende regelwidrige Verschlingung
der Haken und Oesen bei der Wiigung nicht ubersehen
wird;
dass der Senkkorper von der zu wagenden Flussigkeit
v o 11s t a n d i g b e n e t z t wird. Diese Bedingung versteht
sich allerdings von selbst fur jede Art von Senkkorpern; sie
ist aber bier besonders beachtenswerth wegen der relativen
Kleinheit des Korpers, welche einen solchen Beobachtungsfehler im umgekehrten Verhaltniss des Volumens steigert
Unvollstandige Benetzung der Senkkorper ist aber eine sehr
haufige Erscheinung , die bei waesrigen Fliissigkeiten durch
I). IIirscb, Ueber die gebriiuchlichcn Ariiometer etc.
119
die geringsten , dem Senkkorper anhlngenden Pettmengen,
wie sie oft z. B. schon von Beriihrung mit der blossen
Hand herstammen, erzeugt werden kann. Wenn von einem
Senkkorper die Flussighit in Streifen ablauft , oder einzelne
Tropfen derselben auf seiner Flache stehen bleiben , liegt
immer eine unvollstandige Benetzung vor. Man begeg.net
derselben durch Abwaschen mit Alkohol , Aether, Aetzlauge;
nicht ausreichend durch blosses trocknes Abreiben und Abwischen.
ad 7. Die P r u f u n g des Instrumentes ist bei seiner
complicirten Construction eine s e h r u m s t a n d 1i c h e u n d
z e i t r a u b e n d e A r b e i t , zu welcher die in jeder Apotheke und in jedem chemischen Laboratorium vorhandenen
Hulfsmittel durchaus n i c h t ausreichen ; und bei dem geringen
Volumen des Senkkorpers wirken schon geringe Unrichtigkeiten verhaltnissmassig stark auf die Resultate ein. 1st
aber auoh die Priifung vollstandig und mit befriedigendem
Resultat durchgefuhrt, so konnen doch leicht nachtragliche
Beschadigungen vorkommen , welche n i c h t a u g e n f a 11i g
sind , daher liingere Zeit unbemerkt bleiben konnen. Besonders leicht kann dies w a h r e n d d e s T r a n s p o r t s auf
Revisionsreisen geschehen , indem z. B. der Waagebalken
durch Stoss oder Druck eine Dehnung, Stauchung oder Verbiegung erleidet.
ad 8. Die B e s c h a d i g u n g oder def V e r l u s t irgend
cines Theiles, wie des Waagebalkens, des Senkkorpers, eines
Gewichtes oder auch nur des Platindrahtes macht gleich das
ganze Instrument dauemd oder f i r langere Zeit unbrauchbar,
denn Reparatur oder Ersatz ist nur an wenigen Orten,
immer nur mit erheblicliem Zeitaufwand und nicht ohne ganz
besondure mechanische Hulfsmittel zu bewirken. Schon ein
blosses G e w i c h t ist schwer zu ersetzen, denn seine Grosse
ist keine constante, sondern hlngt von dem schwankenden
Volum des Senkkorpers ab; und eine geringe Unrichtigkeit
des Gewichtes beeinflusst das Resultat schon bedeutend.
Gesetzt das schwerste Gewicht sollte 10 g. betragen (es
zeigt oft nur 6 - 7 g., bisweilen auch mehr), und es differirte
120
B. Hirsch, Ueber die gebrtiuchliahen Araometer etc.
davon um nur 1 Centig., so wiirde es, an der Endschneide
des Balkens aufgehangt, das Resultat um 0,001 unrichtig
machen. Zerbricht der S e n k k or p e r , so sind zugleich die
Gewichte entwerthet, denn bei dem keinesweges genau normirten Volum dieser Korper ware es ein ausser aller Berechnung liegender Zufall , wenn der zerbrochene durch einen
genau gleich grossen ersetzt werden konnte, also auch die
Gcwichte damit in Uebereinstimmung und verwendbar blieben.
Eine Beschadigung des W a a g e b a 1k e n s oder seiner Schneiden macht alle Angaben unrichtig.
Die an und fur sich sehr gut gearbeitete W e s t p h al’ W a a g e unterscheidet sich von der Mohr’schen durcli
einen ungleicharmigen Balken, dessen kiirzerer Arm statt der
Lastschaale in seiner Liingsachse unbeweglich ein Balancirungsgewicht tragt; dieses ist mit einer Spitze versehen , welche
einer anderen, in dem Stativ befestigten Spitze bei richtiger
Einstellung genau gegenuber steht ; der Balken. selbst vertritt in dieser Weise die Stelle der Zunge. I m Uebrigen gilt
alles von der Mohr’schen Waage Gesagte auch hier.
sch e
d) Das W i t t s t o c k’ s c h e G e w i c h t s a r iio m e t e r, am
nachsten mit dem Fahrenheit’schen Arhometer verwandt, verbindet mit constantem Volumen ein veranderliches Gewicht.
Es besteht aus 2 Spindeln niit zugehorigen Messinggewichten. Die leichtere’ Spindel dient zur Bestimmung der specifischen Gewichte von 0,700 -1,200, die schwerere fir die
von 1,200- 1,850 oder hiichstens 1,900. Bei hoherer Belastung des zur Aufnabme der Gewichte dienenden, am oberen Ende befindlichen Tellers tritt , indem der Schwerpunkt
hoher und hoher ruckt, unvermeidlich eine Schiefstellung der
Spindel ein, wodurch ihre Anwendbarkeit begrenzt wird.
Diese Schiefstellung erfolgt noch etwas fruher, wenn die Gewichte nicht gehorig central aufgelegt werden. Innerhalb
d‘er genannten Grenzen lassen sich die specifischen Gewichte
fur alle Fliissigkeiten deutlich und sicher bis zur dritten Decimale einschliesslich bestimmen; bei den diinnflussigeren
lassen sich auch noch’ 0,0005, selbst 0,0003 abschatzen.
B. Hirseh,
Ueber die gebrauchliehen Araometer etc.
121
Die erforderliche Flussigkeitsmenge betragt mindestens
120, im Mittel etwa 150 C. C.,je nach Form der zugehorigen
Cylinder. In den Staudgefassen selbst lasst sich die Wagung
nur ganz ausnahmsweise vornehmen. Die unmittelbare Verbindung der Spindel mit einem Thermometer ist wohl ausfuhrbar , aber bei der ohnehin schwierigen Herstellung nicht
ublich; auch desshalb nicht zu empfehlen, weil dadurch der
Schwerpnnkt der Spindel hoher gelegt wird; besser wird
daher ein besonderes Thermometer beigefugt.
Die Spindeln bestehen ganz aus Glas, sind also indifferent gegen die officinellen Flussigkeiten , gegen freies Chlor,
Schwefelwasserstoffverbindungen und Metallsalze. Der Punkt,
bis zu welchem sie beiin Gebrauch eingesenkt werden miissen, ist auf einem in den dunnen, hohlen Hals eingesenkten
und verkitteten Emailstabchen g e n a u u n d u n v e r l o s c h l i c h m a r k i r t , und dieser Punkt ist auch bei duukeln und
undurchsichtigen Fliissigkeiten leicht wahrzunehmen, da er
bei richtiger Einstellung immer im Niveau des Flussigkeitsspiegels liegt.
Die R e i n i g u n g nnd A b t r o c k n u n g der Spindeln ist
leicht und vollstandig zu bewirken, auch nach Benetzung mit
solchen Flussigkeiten, die durch Wasser, Alkohol oder Aether
nicht abzuwaschen sind. Nur der Ausatz des Korpers an die
Quecksilberkugel bildet haufig einen etwas scharfen Winkel,
der bei der mechanischen Reinigung und Abtrocknung sorgfaltig zu beachten ist, damit nicht kleine Reste von Substanz
oder Feuchtigkeit daselbst zuruckbleiben.
Das V o 1u me n der Spindeln, soweit sie beim Gebrauch
eingesenkt werden mussen, ist, wie ihr a b s o l u t e s G e w i c h t , ein genau begrenztes; sie verdrangen bis zur Marke
genau 1 Unze destillirtes Wasser von 17,5 oder auch von
15O C., und ihr absolutes Gewicht betragt 0,7, bezu$ich
1,2 Unzen des bis zum Jahre 1868 giiltig gewesenen preussischen Medicinalgewichtes. Die zugehorigen Gewichte haben
denselben Ausgangspunkt, so zwar, dass der tausendste Theil
der Unze die Gewichtseinheit bildet, und die leichtere Spindel 700, die schwerere 1200 solcher Gewichtseinheiten wiegt.
122
B. Hirech, Ueber die gebrauchlichen Ariiometer etc.
Eine Gewichtseinheit entspricht also 0,001 im specifischen
Gewich t.
Es ist iibrigens im Grunde genommen gleichgultig, ob
die Gewichtseinheit die genannte oder eine beliebige andere
ist; nur muss unter allen Umstiinden das angegebene Verhiiltniss zwischen dem einzutauchenden Volum der Spindeln,
ihrem absoluten Gewicht und der Gewichtseinheit auf das
Strengste eingehalten werden.
Die P r i i f u n g i s t l e i c h t u n d s i c h e r z u b e w e r k s t e l l i g e n , und es geniigt dazu, ausser den Theilen des
Instrumentes selbst, eine empfindliche Waage, etwas destillirtes
Wasser und eine Flussigkeit von dem specifischen Gewicht 1,200.
Man iiberzeugt sich zuerst , von den kleineren Gewiehten
successiv bis zu den grossten aufsteigend, ob jedes einzelne
Glied des Gewichtssatzes im richtigen VerhaltnisR zu den
ubrigen steht, ob also z. B. die Gewichtssticke zu 1 , zu 2,
zu 5, zu 10 u. s. w. j e unter sich gleich, und ob die Gewiehtsstueke l t l genau dem Stuck 2, 2
2
l genau
dem Stuck 5, 5
5 genau dem Stuck 10 u. s. f. entsprechen.
Hiernach stellt man fest, ob die beiden Spindeln genau 700,
beziiglich 1200 Gewichtseinheiten wiegen (wozu die beigegebenen Gewichte an sich nicht ausreichen). Endlich senkt
man die leichtere Spipdel, ml’t 300 Gewichtseinheiten belastet,
in destillirtes Wasser, die schwerere unbelastet in eine Flussigkeit von 1,200 bei der Normaltemperatur ein ; beide miisgen
dann genau bis zur Marke einsinken. Die Richtigkeit der
schwereren Fliissigkeit ist durch die leichtere, mit 500 Gewiehtscinheiten belastete Spindel zu controlliren.
Der etwaige V e r 1 u s t eines Gewichtes oder einer Spindel
e n t w e r t h e t n i c h t die iibrigen Theile des Instrumentes.
Da aber zuverlassige Bczugsquellen von jeher selten waren
und die noch etwa sich findenden Vorrathe gewiss sehr
gering sind, so durfte der Ersatz bei der ganz aussergewohnlichen Gewichtseinheit schon jetzt schwierig, spater vielleicht nur mit ganz unverhaltnissmiissigen Geldopfern moglich
sein. Denn die Gewichtseinheit von 0,001 Unze = 0,48 Gran =
29,2319569 Millig. passt sich dem heutigen Gewichtssystem
+
+ +
13. Uirsch, Ueber die gebrauchliehen Ariiometer etc.
123
auch in vielfachen Multiplen durchaus niclit an, ist daher
durch dasselbe nicht zu controlliren, und nur mit grosser
Geduld und Miihe nothdiirftig genau herzustellen.
Vergleicht man die erwahnten Instrumente nnter einander und ihr Verhalten zu den oben sub 1- 12 aufgefuhrten
wesentlichsten Anforderungen , so ergiebt sich folgende?:
D i e E m p f i n d l i c h k e i t k a n n bei allen eine ziemlich
gleich grosse sein, i s t aber in der Regel bei den Scalenaraometern geringer und fur den vorliegenden Zweck nicht
ausreichend, und bei den Grammflaschen von dem Besitz
kostspieliger Wagevorrichtungen abhangig;
d i e G e n a u i g k e i t erfordert in allen Fallen eine sehr
sorgfal tige Arbeit ; z u c o n t r o 11i r e n ist dieselbe sehr leicht
bei den Wittstock’schen Ariiometern, schwieriger bei den
Grammflaschen, noch schwieriger bei den Mohr’schen Waagen,
und nur grins ungeniigend bei den Scalenaraometern;
d i e Z e i t zur Ausfuhrung einer Bestimmung ist am
kiirzesten bei den Scalensriiometern, demniichst bei den Wittstockschen , darauf bei den Mohr’schen und Westphal’schen
Waagen (wenigstens nach meiner vieljahrigen vergleichenden
Erfahrung), am langsten bei den Grammflaschen ;
d i e R e i n i g u n g und d a s T r o c k n e n der gebrauchten
Instrumente ist sehr rasch und vollstandig bei den Scalenund den Wittstock’schen Ariiometern , schwieriger bei der
Mohr’schen Waage zu bcwirken ; eine verhaltnissmassig sehr
lange Zeit erfordert das Austrocknen der Grammflaschen,
und ihre Reinigung bietet aussergewohnliche Schwierigkeiten,
falls sie sich nicht durch die gewohnlichen Losungsmittel
herbeifuhren 16sst ;
d i e P r i i f u n g ist nach allen Richtungen sehr leicht,
rasch und zuverliissig bei den Wittstock’schen Araometern
und auch bei den Grammflaschen zu bewirken; sie erfordert
einen grossen Zeitaufwand und zum Theil besondere Vorrichtungen bei der Mohr’schen und Westphal’schen Waage, und
ist bei den Scalenaraometern nur hochst muhsarn durch zahl-
124
B. Hireoh, Ueber die gebrauchlichen Araometer etc.
reicbe Experimente mit Fliissigkeiten herbeizufiihren, d e r e n
s p e c i f i s c h e s G e w i c h t e r s t w i e d e r m i t Hiilfe a n d e r e r
I n s t r u m e n t e b e s t i m m t 13 e i n m u s s ;
Beschadigungen, die sich der Wahrnehmung
l e i c h t e n t z i e h e n , konnen, wenn man von den bei normalem Gebrauch immer nur hochst geringen Aenderungen
der Gewichte absieht, fast nur, aber hier ziemlich leicht, bei
der Mohr’schen Waagc vorkommen ;
E r s a t z v e r l o r e n g e g a n g e n e r T h e i l e ist leicht
bei Scalenaraometern und Grammflaschen, zur Zeit schon
schwierig bei Wittstock’schen, am schwierigsten wohl bei
Mohr’schen Instrumenten ;
B e n u t z b a r sind die Grammflaschen fur Fliissigkeiten
jeder Art, von den leichtesten bis zu den schwersten, die
Mohr’schen Waagen von den leichtesten Flussigkeiten an bis
zu denen von etwa 1,900-2,000 specifischem Gewicht, die
Scalen- und die Wittstock’schen Araometer in der Regel nur
fur Fliissigkeiten von 0,700 bis 1,850 oder 1,900, allenfalls
2,000 specifischem Gewicht ;
d a s M a t e r i a l des Instrumentes oder einzelner Theile
desselben kann am leichtesten angegriffen werden bei der
Mohr’schen Waage , am wenigsten bei dem Scalenariiometer,
und entsprechend verhalt es sich mit der I) a u c r h a f t i g k e i t ; die C o n s t r u c t i o n ist am complicirtesten bei der
Mohr’schen Waage;
d i e e r f o r d e r l i c h e F l i i s s i g k e i t s m e n g e ist am
kleinsten bei den Grammflaschen, demnachst folgen die Mohr’schen Waagen , darauf die Wittstock’schen und die Scalen Araometer ;
d e r P r e i s der Grammflaschen an sich ist unerheblich,
ihre Anwendung erfordert aber den gleichzeitigen Bcsitz
einer genauen Waage nebst Gewichten; der Preis der Scalenaraometer richtet sich nach ihrer Anzahl, ist aber in der Regel ansehnlich niedriger als der der iibrigen genannten Instrumente, welcher keine erheblichen Verschiedenheiten zeigt.
B. Hirseh, Ueber die gebriiuehlichen Ariomcter etc.
125
Nach diesem allen muss ich den W i t t s t o c k ’ s c h e n
G e w i c h t s a r a o m e t e r n vor den anderen genannten Instrumenten den Vorzug geben, besonders hinsichtlich des Gebrauches im pharmaceutischen Laboratorium und bei Apotheken Revisionen. Da aber rruch s i e noch mancher Verbesserung
bediirftig und fahig sind, so bin ich bemiiht gewesen, den
bisherigen Fabrikanten der Wittstock’schen Araometer, Herrn
W. Z o r n in Berlin, zur Anfertigung verbesserter Instrumente
nach meincn Angaben und vielfacher gemeinsamer Berathung
zu verrnogen; und es ist nunmehr die Herstellung cines Instrumentes gelungen, welches ich als
N o r m a l a r a o m e t e r nach allen Richtungen hin empfehlen zu durfen glaube. Dasselbe besteht aus
drei Glasspindeln,
einem Satz Gewichte nebst Pincette,
einem Thermometer,
einem Glascylinder,
eingepasst in einen soliden und eleganten , verschliessbaren,
mit Sammet ausgelegten Mahagonikasten, dessen Deckel auf
der Innenseite elastisch derart gepolstert ist, dass alle Theile
bei jeder Stellung fest und weich liegen, und eine Beschadigung beim Transport oder bei Versendung mit der Post nicht
zu firchten ist.
Die G l a s s p i n de l n gestatten die Bestimmung der specifischen Gewichte von 0,650 - 2,000 und etwas dariiber,
etwa bis 2,200 oder 2,300. Die leichteste Spindel ist
benutzbar fXr Fliissigkeiten von 0,650 -1,000 und etwas
dariiber, etwa bis 1,100; die mittlere Spindel dient fur Flussigkeiten von 1,000-1,400 und etwas dariiber , mindestens
bis 1,500; die schwerste fur solche von 1,400 an aufwarts.
Demgemiiss betragt das absolute Gewicht der leichtesten
Spindel 650, das der mittleren 1000, das der schwersten
1400 Gewichtseinheiten, und es sinkt die mit 350 Gewichtseinheiten belastete leichteste und die unbelastete mittlere
Spindel in destillirtem Wasser von 15O C., die unbelastete
schwerste Spindel in einer Fliussigkeit von 1,400 specifischem
Gewicht bei derselben Temperatur genau bis eur Marke ein.
126
B. Hirsch, Ueber die gebrsuchlichen Ariiometer ete.
Die Fo r m der Spindeln ist etwas minder schlank und nach
unten hiu langsamer und weniger verjiingt als die der WittFig. 1.
stock‘schen (siehe Fig. 1);sie werden dadurch
haltbarer, crfordern verhiiltnissmiissig weniger
Fliissigkeit, und der Uebergnng des Korpers
in die Quecksilberkugel ist ein ganz allmahliger und bildet einen sehr stumpfen Winkel,
der zum Aneetzcn von Unreinigkeit oder
Feuclitigkeit keinen Anlass bietet. Ein in
den Hals eingekittetes E m a i 1 s t a b c h e n
triigt wie bei den Wittstock’schen Spindeli
die Marke, bis zu welcher bei den Bestimmungen, event. unter Auflegen von Gewichten auf den Teller, die Spindel eingesenkt
werden muss.
Da der Tellcr, besonders aber seine obere
Flache mit der zum Wagen oder zum Beinigen bestimmten Pliissigkeit bei normaler
Benutzung niemals in Beriihrung konimt, ist
die Gefahr einer Verletzung des Kittes durch
Fliissigkeiten kaum zu furchten , zumal nur
einige wenige losend darauf zu wirken vermogcn. Auch mechanischc Verletzungen sind
bei der hochst geringen Menge des Kittes
und der Art seiner Anwendung wenig zu
besorgen ; uud ich habe beispielsweise 3 solcher Spindeln iiber 20 Jahre lang sehr haufig,
auch bei Revisionsreisen, benutzt , ehe sich
bei der einen der Xitt gelockert hat, bei
oiner andern durch Ungeschick beschiidigt
wurde, wahrend er bei der dritten noch
unverletzt ist. Eine vorkommende Verletzung
dieser Art ist auch leicht und ohne fremde Hulfe wieder zu
beseitigen; nur muss man dahei das normale absolute Gewicht
der Spindel im Auge behalten. - Um aber auch jede Mog1i c h k e i t einer solchen Verletzung auszuschliessen , wurde
dahin gestrebt das Emailstabchen mit dem Teller vollkom-
,
B. Ifirsch , Ueber die gebrauchliehen Araometer etc.
127
men dicht und unlosbar durch Z u s a m m e n s c h m e l z e n zu
verbinden, und diese Operation ist zur grossten Zufriedenheit
gelungen. Sie erschwert aber die Anfertigung der Spindeln,
besonders das genaue Einblasen derselben auf das richtigc
Volumen so sehr, dass sie deren Preis nothwendig erhoht,
wenn sich auch diese Erhohung nach Ansatz des Fabrikanten in den sehr massigen Grenzen von 8 Nark pro Satz von
3 Spindeln halt. Es werden nun beide Sorten von Spindeln
vorriithig gehalten.
Die G e wi c h t e bestehen au8 Einsatzgewichten von Messing mit den Abstufungen 200, 100, 50 und aus Blechgewichten von Neusilber mit den Abstufungen 20, 10, 5, 2, 1, 0,5
nach Gewichts- Einheiten ; diese Theilung schliesst sich also
ganz dem decadischen System an, und die Summe der Gewichte ist mehr als ausreichend, urn die leichteste Spindel
damit abtariren zu konnen, Umstande, die bei den Wittstock’schen Instrumenten nicht beachtet waren. Die Gewichtseinheit betragt 4 Centig. - Angefertigt werden diese Gewichte
in der durch die Zuverlassigkeit ihrer Leistungen weit iiber
die deutschen Grenren hinaus beriihmten Fabrik von C. Staudinger u. Co. (C. Staudinger und F. W. von Gehren) in Giessen.
Sie besitzen demzufolge einen sehr hohen Grad von Genauigkeit , welcher die der gewohnlichen sog. Praoisionsgewichte
bedeutend iiberragt.
Das T h e r mom e t e r nimmt vermoge des verhaltnissmassig grossen Quecksilbergefatwes sehr rasch die Temperatur seiner Umgebung an; die Theilung ist auf Milchglas bis
zu halben Centesimal - Graden ausgefuhrt ; jeder Grad besitzt
eine Lange von durchschnittlich 2 Millimeter, Die Vergleiohung mehrerer Thermometer mit einem in
Centesimalgrade getheilten Normalthermometer ergab ihre vollstandige
Genauigkeit. - Der i i u s s e r n F o r m nach ist die Liinge
des Thermometers so gewahlt, dass es, in den zugehorigen
Cylinder geutellt, noch etwas dariiber herausfagt ; scin Querschnitt betragt wenig uber 1. Centimeter, und sein Volumen
ist merklich geringer als das der Spindeln, so dass nicht, wie
sonst so haufig, das Gefass iiberlauft, wenn man statt der
128
B. Hirscb, Ueber die gebraiichlichen Araometer etc.
Fig. 2.
Spindel das Thermometer einbringt und bis zum
Boden sinken lasst. - Da bei Bestimmung der
specifischen Gewichte von Fliissigkeiten deren
Temperatur von erheblichem Einfluss ist, und
sehr haufig durch Einsenken des Cylinders in
kaltes oder laues Wasser auf eine feste Normalhohe gebracht werden muss, so macht sich
auch eine M i s c h u n g der Flussigkeit wahrend
dessen fast ausnahmslos nothig. Diese Mischung
muss in der Regel in dem Cylinder selbst vorgenommen werden , und sie erfolgt gewohnlich
durch Umriihren mit dem Thermometer. Aber
die hohe enge Flussigkeitssaule mischt sich in
dieser Weise nur langsam; es bleiben immer
gern schwerere Schichten am Boden, leichtere
nach oben hin 'unvermischt, und die Kugel des
Thermometers kann bei lebhafterer Bewegung
leicht brechen. Es wurde desshalb fur den hier
vorliegenden Zweck eine Form gesucht, welche
durch H e b e n un d S en k e n rasch eine gleichmassige Mischung der Fliissigkeit bewirkt ; es
wurde also das Quecksilbergefass an seinem
unteren Ende mit einem glasernen Ansatz von
der Form einer flachen Dose mit etwa 2,5 Centimeter Querschnitt versehen, und zeigt hiernach
das Instrument die nebenstehende ebenso elegante als zweckmassige Form (Fig. 2), an welcher scharfe Winkel, Einschnurungen und Unebenheiten, welche das Reinigen und Abtrocknen
erschweren konnten, vermiedtm sind.
Zur Aufnahme der zu wagenden Fliissigkeit
dient ein Hohlgefass von Glas, das wir der
Kirze wegen C y l i n d e r nennen wollen. Es
begitzt aber nicht eine cylindrische oder walzenfdrmige Gestalt, sondern die Form eines a b g e 8 t u t z t e n
~
~der sich~nach unten
~ hin verjiingt,
l
in
~ einen h,a l b k n g e l f o r m i g e n B o d e n auslauft, und mit einem soliden
k. Hirseb,
Ueber die gebriiuchlichen Araometer etc.
129
Glasfuss versehen ist. Seine lichte Weite
betragt oben etwa 3g/,, unten etwa 2lI2,
seine lichte Hohe etwa 2 0 Centimeter, die
Form ist also etwa die hierneben (Fig. 3)
verjiingt angegebene. Die Wande haben
gegen 3 Millimeter Glasstarke, der Rand ist
oben sorgfliltig abgeschliffen. Zwei Horizontallinien bezeichnen die Grenzen, bis zu denen
das Gefass m i n d e s t e n s g e f u l l t w e r d e n m u s s oder h o c h s t e n s g e f i i l l t w e r d e n d a r f , damit nach Einsenken der Spindel
es weder an Fliissigkeit fehle, noch ein Theil
derselben iiberlaufe.
Durch dic Form des Cylinders wird die
Menge der zu eincr Wagung erforderlichen
Fliissigkeit auf das geringste Maass, durchschnittlich etwa 100 Cubikcentimeter, beschrankt, und das Reinigen und Austrocknen,
auch auf m e c h a n i s c h e m Wege mittelst
eines passend geformten Wischers , urn so
mehr erleichtert, als der Hohlraum eine ganz
regelmassige Form und keinerlei scharfe
Winkel oder Unebenheiten zeigt.
Die P r u f u n g des Instrumentes ist analog der des Wittstock’schenAraometers (S. 122)
, und mit Riicksicht auf das abweichendeabsolute
Gewicht der Spindeln (S. 121) vorzunehmen.
Der E r 8 a t z einzelner Theile wird vorkommenden Falles durch den Fabrikanten leicht zu ermoglichen sein.
Fig. 3.
Die L e i s t n n g s f a h i g k e i t , beziiglich die E m p f i n d 1i c h k e i t des neuen Instrumentes wurde an Fliissigkeiten
von verschiedener Dichtigkeit und verschiedener Beweglichkeit oder verschiedenem Pliissigkeitsgrade gepruft, wobei sich
beispielsweise Folgendes herausstellte:
Nach verschiedenen Vorversuchen, welche erwiesen, dass
nach richtiger Einstellung der Spindeln w e n i g e r a l s e i n e
Arch. d. Pharm. IX. Bds. 3. HoR.
9
130
8. Hirsch, Ueber die gebriiuchlichen Artometer etc.
G e w i c h t s e i n h e i t geniige, um diese Stellung bei Benutzung
sehr verschiedener Fliissigkeiten augenfallig zu verandern
oder einen merklichen Ausschlag herbeizufuhren ; und dass
dieeer Ausschlag fur ein und dieeelbe Flussigkeit p r o p o r t i o n a l d e r G r o s s e d e s G e w i c h t e s sei, welches den
Ausschlag bewirkt, wurde die Grosse dieses Ausschlages gemessen. Es wurde zu dem Ende auf den Rand des Cylinders
ein rechtwinkliges Kartenblatt so gestellt, dass an seiner aufsteigenden Kante die Stellung des Spindeltellers genau markirt werden konnte (Fig. 4); dann wurde sogleich das Ausschlagsgewicht sehr behutsam aufgelegt , und nach ruhigem
Einspielen wiederum die Stellung des Tellers am Kartenblatt
markirt, und die Differenz gemessen. Man konnte statt des
Xartenblattes auch unmittelbar einen Maassstab anwenFig. 4.
den ; mir schien jedoch beim Vergleich
das erste Verfahren einfacher und sicherer. Da zwischen beiden Markirungen ein
Zeitraum von nur etwa
Minute liegt
(mit Ausnahme schwerbeweglicher Flussigkeiten wie Glycerin), so sind Temperaturveranderungen kaum zu erwarten und
konnten bei meinen Versuchen nicht wahrgenommen werden.
.
- ....-.
-In den nachstehenden Fallen wurde
immer e i n e g a n z e G e w i c h t s e i n h e i t
als Aussohlagsgewicht angewendet, nur bei
Aether musste dieselbe wegen der Groese
des Ausschlages auf die Halfte redncirt
werden. Die Beobachtungstemperatr betrug 1 5 O C. oder wich davon nur wenig ab.
Der durch Anflegen von e i n e r G e w i c h t s e i n h e i t oder
0,O0 1 bewirkte dauernde Ausschlag betrug fur:
Aether von 0,725 bei 16OC. ('lo Gew. Einht.
7 Millimeter)
14 Millimeter.
9
,9
Spiritus von 0,819 bei 15O C.
Essigather von 0,906 bei 16O C.
775 *
II
A
8. Hirsch, Ueber die gebriuchlichen Araometer etc.
131
Spiritus von 0,896 bei 15O C.
4,5 Millimeter.
Wiissriges Ammoniak von 0,964
475
7,
Baumol von 0,914
495
9,
Chloroform von 1,488 bei 16O C.
4
27
Pottaschenlosung von 1,330
4
77
Glycerin von 1,230
375
7,
Kochsalzlosung von 1,100
3
9,
Eisenchloridlosung von 1,450
275
7,
Schwefelsaure von 1,839
275
#,
Gewichtseinheit oder 0,0001 bewirkte bei ,Aether
noch nahezu 1 , bei Spiritus 1 Millimeter Ausschlag , wie
mit Gewichten dieser Grosse direct nachgewiesen wurde.
Aber auch bei den minder empfindlichen Fliissigkeiten , wie
Eiseuchlorid und Schwefelsaure bringt l/& Gewichtseinheit
noch einen merklichen Ausschlag , etwa l/* Millimeter betragend , hervor. Je weniger beweglich eine Fluesigkeit ist,
desto mehr Zeit wird natirlich bie zur richtigen Einstellung
vergehen; f h Glycerin von 1,230 betragt sie z. B. 2-3 Minuten.
Man sieht hieraus, dass die E m p f i n d l i c h k e i t des
Instrumentee so gross ist , als , nur irgend erforderlich und
wiinschenswerth. Die Ge n a u i g k e i t ergiebt sich beilaufig
noch aus der freilich fur ein richtiges Instrument selbstverstandlichen Thatsache, dass eine Fliissigkeit von etwa 1,1
und von etwa 1,5 specihchem Gewicht bei der Wiigung bis
zur vierten Decimale einschliesslich ganz genau dasselbe
Resultat ergiebt wenn man dazu abwechselnd ,&e leichteste
und die mittlere, beziiglich die mittlere und die schwerste
Spindel verwendet.
Die P r e i s v e r h a 1t n i B s e zwischen den einzelnen Instrumenten stellen sich nach den Preiscouranten hervorragender
Randelshiiuser und Fabrikanten etwa folgendermaassen:
S c a1e n a r a o m e t e r mit 5 Spindeln, 1 Therfnometer,
1 Cylinder in Etui
26 A
S c a l e n a r i i o m e t e r mit 6 Spiudeln, 1 Thermometer,
1 Cylinder in Etui
3195 ,9
'9
132
B. Hirsch, Ueber die gebrauchlichen Ariiometer etc.
S c a l e n a r a o m e t e r mit 7 Spindeln, 1 Thermometer,
1 Cylinder in Etui
33 A.
S c a1 e n a r a o m e t e r rnit 7 Spindeln, 1 Thermometer,
1 Cylinder in Mahagonikasten
36
7,
Mohr’sche W a a g e
37,5 7)
W e s t p h a l s c h e W a a g e mit 1 Reservedraht und
1 kleinem Werkzeug zum Drahtbiegen
4495 7,
W i t t s t o c k ’ s c h e s A r a o m e t e r rnit 2 Spindeln,
Gewichten, 1 Thermometer, 1 Cylinder
4095 2,
D a s n e u e c o m p l e t t e B e s t e c k (S. 126) rnit v e r k i t t e t e m Emailstiibchen
42
9,
Das neue complette Besteck
,, mit v e r s c h m o l z e n e m Emailstabchen
50
9)
Unter Beriicksichtigung der s e h r b e d e u t e n d e n V o r t h e i l e , welche das neue Instrument gewahrt, namentlich
in Bezug auf Zuverlassigkeit , Empfindlichkeit, Leichtigkeit
des vollstandig ausreichenden Prufungsrerfahrens, geringen
Zeitaufwand beim Gebrauch und Leichtigkeit der Reinigung
und des Trocknens nach demselben , Ersatzfahigkeit einzelner
Theile ohne unverhdtnissmassige Kosten und Schwierigkeiten,
muss auch der obige Preis, zumal im Hinblick auf die
Correctheit und Eleganz der gesammten Ausfuhrung, als ein
hochst bescheidener gelten.
Vom S t a n d p u n k t d e s A p o t h e k e r s u n d R e v i s o r s aber sollte die Herstellung eines nach allen Richtungen
so musterhaften Instrumentes rnit Freudc und Anerkennung
begriisst, und die gesetzliche Einfuhrung desselben als N o r m a l a r a o m e t e r f u r A p o t h e k e n - R e v i s i o n e n mit allen
Kriiften angestrebt werden. Eine E i c h u n g desselben diirfte
fir diesen Zweck ganz entbehrlich sein, da nach den obigen
Angaben .die Priifung ohne alle Schwierigkeit und rnit geringem
Zeitaufwand in jeder Apotheke, in jedem chemischen Laboratorium auszufaren ist , ohne dam dazu besondere Hiilfsmittel
oder besondere Sachkenntnisse gehoren. Auch darf man niemals vergessen, dass die Eichung hochstens den Beweis dafur
liefern kann, dass z u r Z e i t i h r e r A u s f u h r u n g der
geeichte Gegenstand den gesetzlichen Anforderungen entsprach;
A. v. Losecke, Beitrige zur Kauntuiss essbarer Pilze.
133
ist derselbe aber Veranderungen ausgesetzt , welche nicht
nothwendig augenfallig sind , so hort die etwaige Beweiskraft
der zuvor erfolgten Eichung von selbst auf und die zeitweise
eachgemasse Nachpriifung muss an ihre Stelle treten. Auch
fir die Revisions - Commissarien selbst muss es vie1 warthvoller sein , die Zuverlassigkeit ihrer Instrumente in jedem
Augenblick selbst priifen und beweisen zu konnen, ale sich
auf das Zeugniss eines vielleicht nur ganz empirisch gebildeten
Eichmeisters berufen zu mussen. Sollten aber doch aus
manchen unverwerflichen Griinden die Revisions-Commissionen
zum ausschliesslichen Gebrauch g e e i c h t e r Ariiometer angewiesen werden , so konnte desshalb doch dem Apotheker
die bisherige Freiheit, seine specifischen Gewichte unter Verantwortlichkeit fur ihre Richtigkeit nach jeder beliebigen
Methode zu bestimmen, unverliiimmert gewahrt bleiben.
G i e s s e n , d. 30. Mai 1876.
BeitrtEge mr Kenntniss essbarer Pihe.
Von A. v. L o e e c k e - H i l d b u r g h a u s e n .
Essbare und giftige Pilze sind schon friiher Gegenstand
der Untersuchungen vieler Chemiker gewesen. TTon solahen
sind namentlich zu erwahnen Apoiger , Braconnot, Bolley,
Borntrager , Borscow , Bouillon - Lagrange, Bondier , Gmelin,
Gobley, Kaiser, Knop, Koppe, Lefort, Pay en, Pelouze, Schmiedeberg, Schnedermann , Wolf u. A. Die Thatigkeit dieser Chemiker erstreckte sich besonders darauf, die einzelnen in den
Pilzen vorkommenden Bestandtheile kennen zu lernen und so
fanden sie Bassorin, Dextrin, Fungin, Mycetid, Viscosin,
Sauren u. dergl. allgemeiner verbreitete Stoffe oder auch
giftige , wie Agaricin, Bulbosin, Muscarin.
Weniger Rucksicht wurde dagegen auf den Nahrungswerth der Pilze genornmen. Seitdem jedoch die analytische
Thatigkeit der Chemiker sich eingehender anfanglich mit der
Zusammensetzung der Futtermittel in Bezug auf deren Niihrwerth, und spater mit der der Nahrungsmittel fur Menschen
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