close

Вход

Забыли?

вход по аккаунту

?

Ueber Semina Wrightiae antidysentericae ein neues Narcoticum.

код для вставкиСкачать
108
BI. Naturgeschichte und Pharmahognosie.
Ueber Semina Wrightiae antidysentericae, ein n e w
Niucoticnm 3.
Ein Beitrag zur Pharmakodynamik der Apocyneen, von Privetdocent
Dr. Theodor H u s e m a n n
in Gottingen.
Der Liberalitiit der Herren G e h e und Co. in Dreaden verdanke ich das Material zu. einer toxikologischen
Versuchsreihe~ mit einem aus Ostindien iiber England
eingefiihrten, sla Semina Indageer bezeichneten und von
Wrightia antidysenterica R. Br. (Nerium antidyaentericum
L.) abgeleiteten Samen **). Es ist derselbe identisch mit
dem von Dr. F l i i c k i g e r in Bern mikroskopisch untersuchten und in der Schweizer. Wochenschrift fur Pharmacie (1865, NO.25) ausflihrlich beschriebenen, aus derselben Quelle stammenden Samen und wahrscheinlich
auch mit demjenigen, aus welchem J. Stenhouse (Pham.
Journ. und Tramact. IL Ser. Vo1. V. No. 10. Febr. 1864.
*) Im Separatabdruck vom Herrn Verfasser eingesandt.
**) Die erste Probe des Samens erhielt ich im April d. J. von
den Herren B e n g e n u.Co. in Hannover mit dem Bemerken, dsss
derselbe ein dem Strychnin ahnliches Alkaloid enthalten solle. Meine
dnmit angestellten Versuche belehrten mich bald, dass die Wirkung
der Sarnen dem Strychnin nicht entspreche, wohl aber eine genaue
toxikologisclie Untersuchung nSthig mache. Herr Prof. P h o e b u s
in Giessen hatte die Giite, mich darauf aufmerksam zu machen,
dass die Sarnen durch die Herren G e h e u. Co. in Deutschland
eingefiihrt seien und waren letztere so freundlieh, mir eur toxikologischen Prufung eine ansehnliche Quantitit zur Disposition zu
stellen.
fiber Semina Wrightiae antidysentericae.
109
pug. 493) ein neues Alkaloid, von ihm W r i g h t i n genannt, darstellte.
Da die Verhaltnisse dieses Alkaloidea auch trotz eines spatercn Artikels in dem letztgenannten Jounale (Vol. VI. No. 8. Febr. 18E5, p. 432),
in welchem R. H a i n e s , Prof. der Materia medica, an
Grants College in Bombay, die Prioritiit der Entdeckung
sich vindicirt, noch sehr wenig aufgeklart sind - indem
weder S t e n h o u s e noch H a i n e s ihre Alkaloide in kryetallisirtem Zustande erhielten, auch Hain e s das seinige nicht aus dem Samen, sondern aus der Rinde von
Wrightia untidysenteAca gewann, endlich die Loslichkeitaverhaltnisse in beiden Angaben nicht vollig uberein*men
*) - so miissen wir bedauern, dass unser Mate*) Ueber die Darstellung des Alkaloids, fur welcbes wir im
.Einklange mit Herrn Dr. F 1uck i g e r den Namen C o n e 8 8 i n , welchen H a i n e s vorschliigt, adoptiren mochten, da Wrightin fdr nicht
britische Augen, Ohren und Zuogen in gleicher Weise beleidigend
scheint, bemerkt J. S t e n h o u s k : Die Samen enthalten vie1 Fett
und sind daher schwer zu zerkleinern. (SOU wohl richtiger heissen:
au stossen; ich habe sie immer mittelst einer Kaffeemiihle ohne
Miibe zu sehr feiuem Pulver verarbeitet. H.) Sie wurden gestossen und in einem Verdrangungsapparate mittelst Schwefelkohlenstoff von dem fetten Oele befreit, letzterer verjagt und der Ruckstand mit Weingeist ausgekocht. Das nach dem Verdunsten des
Weingeistea erhaltene Extract gab mit verdiinnter Salzsaure eine
klare Losung, worin bei gehoriger Concentration unter dunkelgruner Farbung durch Ammoniak und kohlensaures Natron ein
flockiger Niederschlag entstand. Mit Natronkalk verbrannt, giebt
dieser alkalische Dampfe und ein kalisches Oel auo, welches beim
Erkalten erstarrt. Der Niederschlag, daa Alkaloid, ist i n A e t h e r
a n d Schwefelkohlenstoff unloslich, in Wasser u n d
k o c h e n d e m W e i n g e i s t liislicb; krystallisirt konnte es nicht
erhalten werden. Die Losungen desselben in Sauren geben uur
harzartige Salze, wclche, wie die Base einen ausserordentlich anhaltenden bittern Geschmack haben. Tannin fillt essigsaures, nicht
aber ealzsaures Coneasin. Starke Salpetenaure oxydirt dss Alkaloid zu Oxalsaure ohne Bildung von Pikrinsiiure. Platincblorid
nnd Goldchlorid erzeugen in salzaaurem Conessin gelbe, unkrystalH a i n es
linische, Sublimat reichliche weisse flockige Fallung.
gebiihrt die Prioritat der Entdeckung eines in Wrightia emthaltenen Alkaloids ohne Zweifel. Er theilte schon im October 1858 in
-
110
Hwemann,
rial zur Darstellung geniigender Mengen des Alkaloids
nicht ausreichend erachtet werden konnte und dass unsere Untersuchung sich auf die toxikologische Untersuchung der Samen selbst und daraus dargestellter Extracte beschrhken musste.
den Verhandlungen der physikalisch-medicinischen Gesellschaft die
Entdeckung eines neuen Alkaloids aus der Inda-Rinde der Bazare
(Rinde von Wrightia antidy8enterica) mit, welches er damals Nere’in nannte, jetzt mit dem Namen Conessin belegt. Er beschreibt
die Base ale unkrystallisirbar, sehr echarf bitter schmeckend, l o s
lich i n Alkohol, A e t h e r u n d Chloroform, nicht i n W a s s er. Es sol1 nur zu etwa 1per Mille in der Rinde vorhanden sein
und v e r m u t h e t H a i n e s , d a s s d i e S a m e n m e h r d a v o n
e n t h a l t e n . Zur Darstellung desselben wurde die Rinde grob gepulvert, mit sehr verdiinnter Salzsaure ausgczogen, das Filtrat mit
Ammoniak gefallt und der Niederschlag rnit Weingeist erschiipft,
naeh Verdampfen des letzteren der syrupartige Riickstsnd aus Bleizucker und etwaa Ammoniak zur Trockne verdampft und rnit Aether
behandelt. Die atherische Losung gab einen braungelben harzartigen, durchsus unkrystallisirbaren Ruckstand von ausserst bitterem und kratzendem Geschmack. E r erweicht bei 710 C., schmilzt
unter lo00 und zersetzt sich in hSherer Temperatur. Die salzsaure
LSsung des Conesains giebt rnit Platinchlorid einen flockig gelben,
nicht krystallisirenden Niederschlag, worin H a i n es 24,06 - 25,M
Platin fand. Die Elementarenalyse fiihrte H a i n e s zu der vorlaufigcn Formel C24H22NO. - Ueber weitere chemische Verhaltnisse
der Sem. Indageer sind die mikrochemischen Mittheilungen YOU
F l i i c k i g e r 8.0.8.0. noch von Belang. Nach F l i i c k i g e r besteht
die Samenhaut aus einer ausseren Schicht sackartiger, radial sehr
lockerer braunlicher Zellen rnit diinnen gestreiften Wlnden und
sparlich kornig wolkigem Inhalt und aus einer inneren, aus kleinzclligem, aartem, tangential gcstrecktem Gewebe ohne Inhalt gebauten Schicht. Der Hauptinhalt dcr ausseren Schichtzellen sind
grosse, ausgezeichnet schon ausgcbildete K a l k o x a l a t-Rrystalle
des monoklinischen Systems, welche in grosser Menge abgelagert
sind und leicht isolirt werden konnen. Ausserdem zeigt die auf
Zusatz von Eisenlosung eintretende Schwarzung das Vorhandensein
VOII G e r b s a u r e an.
Jod scheint da und dort ein A m y l u m k S rn ch e n anzudeuten. Das dickwandige Parenchym de8 Eiweisses strotzt von O e l t r o p f e n . Der Embryo enthalt ziemlich zahlzeiche Krystalldrusen, nicht einzelne Kryshlle, von Ralkoxalat.
Jod farbt den Inhalt des Samengewebes nur braun, Eisenlosung
bewirkt einen sehr schwachen griinlichen Ton.
-
aer Semina
Wrightiae antidysentevicae.
111
Der Name Indageer ist zweifelsohne C Q W p i r t aus
dem Hindostanischen Worte lnderjow oder lndurjuo *),
mit welchen nach Dan. H a n b u r y und O’Shangnessy
die arabisch lbsan a1 asajr (Vogelzunge) genannten
Wrightia-Samen belegt werden (Mittheilungen von H a n b u r y an S t en h o u se a.o.a.0.; O ’S h a n gn es s y im Bengal Dispensatory [Calcutta 18411 p. 446).
Ausser den Samen von Wrightia antidysente&ca werden ubrigens nach 0’sh a n g n e ssy auch noch diejenigen anderer Apocyneen ale Indurjuo bezeichnet und
macht man in Indien einen Unterschied zwischen Indurjuo shereen (sherin) = milde, den Samen der Wrightiu,
und lndurjuo tulkh = bittere, den Samen von Holawhena
pubescens Donavan (Eehites pubescens Bush.) und R. dysenterica (Echites antidysente~kasBoth). Die auffallende
Bitterkeit unserer Samen kiinnte zu der Ansicht leiten,
dass wir es mit den letzteren zu thun hatten; indessen
wird auch von O’Shangnessy selbst hervorgehoben, dass
die Wrightia - Samen einen intensiv bitteren Geschmack
besitzen und die von J. S t e n h o u s e untersuchten, inten;
siv bitteren Samen sind von einem der beaten Kenner
ostashtischer Drogaen, von H a n b u r y , ale von der
Wrightia herriihrend, bestimmt worden. Ee ist daher auf
das Hindostanische Beiwort kein besonderes Gewicht zu
legen. Ich habe im Anfange meiner Untersuchung vor
Allem deshalb an der Identitat meiner Samen mit denen
von Wr. antidysen&ca Zweifel gehabt, weil alle Botaniker der Gattung Wrightia einen schopfigen Samen
beilegen und meine Semina Indurjuo nicht die Spur von
einem Schopfe darbieten. Dieser Mange1 wiirde aber
auch in gleicher Weise die Gattung Echites als Muttcrpflanze ausschliessen. Es ist aber das angefuhrte Moment
*) Iladerjow sol1 nach Prof. S p r e n g e r in Bern, zufolge Fliickiger’s Mittheilung, Gerete dea Gottes Indra bedeuten. Der
Name Vogelzunge kennzeichnet sehr gut die eigenthumliche Farbe
des Samens, wie such F l i i c k i g e r hervorhebt.
112
Huaemann,
wohl nur von sehr untergeordneter Bedeutung, da unsere
Semina Indurjuo au5allend frei von fremden Beimengungen sind, was sich nur dadurch erklaren lasst, dam dieselben wiederholten Reinigungsprocessen durch Sieben
u. 8. w. unterworfen wurden, wobei der leichtere Schopf
natiirlich auf und davon ging. Ich hatte gehofft, die
Frage durch Auasaen zu entscheiden; indessen aind die
An fangs Mai im hiesigen botanischen Garten ausgesiieten
Samen bis heute (Anf. August) nicht aufgegangen. Ich
halte mich indessen aua folgenden Qrunden fiir berechtigt, die von mir experimentell gepriiften Samen ale von
Wrightia antidysentericu abstammend zu bezeichnen :
1) DieSamen") gleichen an F o r m und F a r b e vollstandig denen anderer Angehorigen der Gattung Wrightia,
namentlich der von W i g h t abgebildeten WT. coccinea
Don. und WT.tomentosa Riim. et Schuh (R. W i g h t , Icon.
plantar. Ind. oriental. Vol. II. 443. 444. Madras 1843;
weniger dem nach W i g h t's Abbildungen vie1 kleineren
Samen von Wrightia tinctoria. Ich habe die Farbe namentlich auch an unreifen Samen der Wsigldia tomentosa von einem im Herbarium des Herrn Hofrath G r i e s e b a ch befindlichen Exemplare ganz gleich gefunden **).
*) F l u c k i g e r (a. 0. a.0.) nennt die Form der Samen mit
Recht charakteristisch und die arabische Vergleichu.ng mit einer
Vogelzunge hochst treffend. Ich gebc hier seine auf Form und
Farbe beziiglichen Angaben, denen ich Nichta hinzuzufiigen habe,
wicder : Sie sind langlich - lanzettlich, 10- 15 Millimeter lang, bin
4 Mm. breit, auf der einen Seite gewolbt, auf der andern flach,
odcr rinnenfdrmig, mit abgerundetem, etwaa zugeschiirftem Rande.
Gegen die abgerundete und geschopfte Spitze hin sind sie meisselartig gescharft. Meist sind die Samen etwaa gedreht oder riickwiirtr, gekrummt, am Nabel etwaa dunkler und abgestutzt. Die
Farbe und Beechaffenheit der Oberfliiche erinnert ganz an die
Samenhaut der Mandeln, doch ist sie bisweilen mehr graulich als
braun.
**) F l u c k i g e r hat die Beechaffenheit dee Embryo genau fol.
gendermaasen beschrieben : Der Querschnitt zeigt udter - der dunnen lederigen Samenhaut einen hochst eigenthumlich gefalteten,
von einer schrnalen Eiweisszone umechloseenen geraden Embryo.
Uber Seminu W d g h t k antidysenterkae.
113
2) Die Beechdenheit dee E m b r y o ist dieeelbe, wie
eie Wigb t ale der unter dem Namen Wrig&ii?ae ausammengefasatm Apocynmn - Tribas aukommend beschreibt
und von Wrightia moliasima Walljch abbddet, s n b p k h t
dagegen in keiner Weim der von demelben Gchrifcetelh r fiir die Tribus der Eckiteae, zu welchen Hohwkma
gehbrt, beschriebenen und nach Anadendrm Gdhnarn
abgebildeten. Bei den Wrightiean ist der Embryo eigen.
thiimlich gefaltet; bei den Echiteen ist von einer eobhen
Falfung nicht die Spur vorhaaden (R. W i g h t , IUuetri+
tions of Indian Botany etc. Vol. 11. Plates 154 and 184 b.
p. 163, Madras 1850).
Der von F 1u ck i g e r gegebenen Beschreibung der
Semina Wrightiae antidysentericae habe ich n u folgende
Gewichtsbestimmungen hinzuzufugen: Die grBasten Samen wiegen durchschnittlich 0,03-0,04 arm. Das Qewicht der kleineren, ubrigens vollkommen entwickelten
Samen schwankt zwiechen 0,008-0,OZ Brm. Die groc
seren Samen bilden tibrigens in dem von mir zur Untersuchuog benutzten Material den uberwiegenden Theil.
Ueber die Wirkuag der fraglichen Samen ist so gut
wie gar akhts bshannt. Nach O’Bhangnessy gelten
me in Oatindien ala wurmtreibend. Qemliss den MittheiSeine Bliittchen sind n b l i c h der Lange nach in jeder Blatthalfte
doppelt aiekzackmilesig gefaltet, so dam daa eine Blrttt dae sndere
auf dpe Genancste nmcirlieesd, wodureb &e rinnenfodge Gcrjtaft
des Sanrene -be&.
Nach dem Aufweichen lame eich der Embryo
leicht unvereehrt aus winer Umhtillung herauazieben; in der Rerzf 6 r W n Baeis der Cotyledonen erncbeiat dann h e dicke, gerade,
3 Mm. lsnge Wilnelchen. Von der Ribhtigkeit dies& An@ben
hatie ich mit HWTR Asseam Dr. L s n t a i u s - B e n i n g d mich zu
iiberEeugen Gelegenheit. - Es w&le dies die IdenWiit der von
Fliickiger und mir unternncbeefi Samm e m e w , dellbet wenn
die Bezugequelle b e i h nieht ausdriickiieh a18 d f h l b e bezeichnet
r&n
k8nnte. - Mich durch Durcbschnitte vod frischen Samen
andeter Wrightidrten von der Andogie meiner Semina Idurjuo
zu iiberzeugen, mar ich biaher nicht im Stande, da meine Bemiihungen, mir in specie die 88men von WrigRtk timloria zu oerechaffen, ohne Erfolg geblieben sind.
Arch. d. Pharm. CLXXVII.Bde. 1.n.2.HR.
8
114
Husemann,
lungen von J. S t e n h o u s e sollen die Samen nach Angabe von H a n b u r y in gleicher Weise benutzt werden,
wie die Rinde, welche den Namen Codago pala oder
Conessi-Rinde fuhrt. Diese im verflossenen Jahrhundert
auch in den europkischen Arzneischatz ubergegangene
Rinde *) dient besonders gegen Dysenterie und Diarrhoen
iiberhaupt, weshalb sie auch den Namen Cortex profluvii
fiihrt ; ferner gegen Flatulena, Verdauungsbeschwerden und
bilioua afectim.
Eine Abkochung der Samen in Milch
wird in Indien gegen Hamorrhoidalbeschwerden gebraucht.
H a n b u r y verweist fiir diese Angaben auch auf eine
mir unbekannt gebliebene Arbeit von W a r i n g in Tra*) Auf die C o n e s s i - R i n d e mag ich michhiernichtweitereinlaseen, da sie bereits der Geschichte anheimgefallen ist. Ich habe
dieselbe niemals gesehen und konnte sie auch trotz vieler Bemuhungen nicht erhalten; sie fehlt u.A. auch in der ausgezeichneten
Sammlung des H e m Med.-Raths W i g g e r s . Die wenigen kleinen
Rindenstuckchen, welche als Verunreinigung zwischen den von mir
benumen Sevnina Wrighthticre adidySdeTiCae sich fanden, hatten
einen vie1 weniger energischen bitteren Geechmack, als die zerh u t e n Samen, deren Samenhaut iibrigens, wie auch F l i i c k i g e r
richtig bemerkt, der Bitterkeit ermangelt. Hervorheben muss ich
nur, dass auch die Abetammung der Conessi-Rinde von Wrightia
antidysenterica Zweifeln unterliegt. Was R h e e d e im Hortus Malabaricus 47. als Stammpflanze der Codago P& abbildet, und zwar
unter der Bezeichnung Neriurn antidyndericum L., ist nicht die
Wrightia antidynenterica, sondern die oben schon genannte Habr~henaantidysmten'ca (vollstiindig iibereinstimmend mit einem Exemplare von Hm. Hofk. Grisebach's Herbarium), von der zum Theil
die Indi~rjuotdkh abstsmmen: Einzelne Autoren, wir D i e r b a ch ,
K o s t e l e t z k y , nehmen geradezu an, dass nicht W T . antidyaenterkcu die Conessi-Rinde liefew; dies ist nun nach O ' S h a n g n o S B y '8 und Ha n b u r y 's Angaben ganz gewiss eine irrthiimliche
Annahme und die darauf beziiglichen Angaben H a m i l t o n ' s in
deesen Commentar zum Hmtve malabariau, welche D i e r b a c h in
G e i g e r ' s Magazin fiir Pbarmacie 1829, Bd. 27. p. 36 - 38 mitgetheilt hat, driicken sich in dieaer Richtung nur sehr nnbestimmt
nnd schwankend Bus. Immerhin ist ea aber miiglich, dass friiher
und auch jetzt noch die Rinde verschiedener Apocyneen, beaonders auch von Halorrhena-Arten, a l e Conessi-Rinde verkauft wurde
und wird.
iiber bemina Wrightiae antidysentericde.
115
vancore (Principal indigmoue Tonica of India). W enn
die Samen bei den genannten Affectionen jemals Hiilfe
geleistet haben, so diirfte dies bei den Dysenterien in
Folge ihres (von F1 ii ck i g e r mikrochemisch nachgewiesenen) Gerbstoffgehaltes, bei den Verdauungsbeschwerden
in Folge des in ihnen enthaltenen bitteren Conessin, bei
den Hamorrhoidalbeschwerden vielleicht auch in Folge
ihres Gehaltes an fettem Oele geschehen sein*).
Dess die Samen von Wrightia antidysenterica giftige
Eigenschaften besitzen, ist bisher unbekannt geblieben **).
Meine dies beweisenden Vemuche, haben sich anf Frosche,
Kroten, Tauben und Kaninchen erstreckt. Ich experimentirte sowohl mit den Samen selbst, als mit verschiedenen
*) Von 0' S h a n g n e s s y wird die Rinde ausserdem als Febrifugum bezeichnet. L i n d (Diseasesin hot climatea, p . 308) nennt ale
ein vortreffliches Mittel wider hartnackige Intermittentes den Cortex TeUicherry, welche Bezeichnung nach B r o ck 1e sb y auch fur
die Conessi - Seca oder Coneesi - Rinde gebraucht werden soll. Bei
R o s e n t h a l findet sich noch angegeben, dass die Wurzel von
Wrightiu antidysmterica in Abkochung bei Gichf die Wurzelrinde
bei Angina angewendet werde. Es ist zu bedauern, dass'in der so
iiberaus fleissigen Synopsis plantarum diaphoricarym (Erlangen,
1862) leider die Angabe der Quellen fehlt, aus welchen ihr Verfasser schopfte. Von anderen Wrightien scheint iibrigens ahnlicher
Qebrauch gemacht zu werden, wie von den Theilen der W r . antidyaenterica ; so von Wr. tomentosa und Wr. tinctoria; hinsichtlich
letzterer, die ale Indigopflanze bekannt ist, fehlt bei R o s e n t h a l
die Verwendung der gekauten Bliatter wider Zahnweh, nach R
W i g h t (Ellustract. etc., p. 162) in Mogalore gebrauchlich. Die
beste Form der Darreichung der Conessi-Rinde sol1 iibrigens nach
0 ' S h a n g n e s s y ein Infusum von 5 vjjj (e $jp), davon 3mal tiiglich
Qj, sein.
**) Auch die toxischen Eigenschaften der Conessi -Rinde sind
von den meisten Autoren ubersehcn worden. Von M o n r o u. A. ist
sie als tonisch adstringirendes Mittel geriihmt. Nu r B r o c k l e B b y
(Observations on camp diseases, p. 194), hat, wie sich bei M u r r a J ,
(Appar. medic. VoZ. I., p . 543) findet, i h r n a r k o t i s c h e E i g e n schaften zugeschrieben, weil d i e G a b e v o n 2 Drachmen
i n n e r h a l b 24 S t u n d e n v e r b r a u c h t , b e i e i n e m P a t i e n t e n
S p a e m u e c y n i c u a b e w i r k t e . B r o o c k l e s b y will,beiliiufig bemerkt, POD Cort. Conessi keine wesentlichen Erfolge bei Dysenterie
8*
116
Husemann,
Extracten. Haupbiichlich machte ich von einern a l ko holisohen E x t r a c t e Qebrauch. Dies war von dunkelbrauner Farbe, eigenthiimlich narkotischem Geruche,
und intensiv bitterem Qeschmacke, fast fest, im Wmser
nur zum Theil mit triiber Farbe loslich. Ein Theil der
zerkleinerten Samen lieferte etwa
seines Qeaichtea an alkoholischem Extract. Ferner wurde ein waseer i g e s E x t r a c t benutzt, das mehr hellhraune Farbe hatte
und nicht so intensiv auf Getuchs- und Geschmacksorgane
reagirte; die Samen lieferten etwas geringere Ausbeute
dieses Extracts. Endlich experimentirte ich noch mit
einer Art iitherischem Extract, indem zur Entfemung des
fetten Oeles Aether mehrere T a p auf einer Partie Sentina Wrightiae stehen gelassen wurde, wodurch ein gelbes, kaum bitteres, dem Oleurn Ricini an Geschmack
nahestehendes, Blartiges Liquidum erhalten wurde.
A, Vorsaehe and Versacbsergebnisue *).
Versuche an Froschen.
a. versuche mit alkoholischem &tract.
Aus den Experimenten mit alkoholischem Extracte
der Semina Wrightiae antidys. ergiebt sich, dass 0,3 bis
0,5 Grm. bei subcutaner Application Frosche todten, wahrend 0,25 Grm. und weniger zwar stark vergiftend, aber
bei geeigneter Behandlung der Thiere nicht lethal wirken und Dosen von 0,04 G m . nur geringe Tragheit des
Thieres bewirken. Bei innerlicher Application iiberotehen
die Thiere auch 0,3 Grm. alkoholisohen Extraots bei passender Behandlung, wahrend bei unzeitigem Hineinsetzen
bemerkt haben und trotz der Empfehlung Monro’s u.A. konnte
die Rinde sich nur sehr kurze Zeit als Medicament in Enpilpd
halten, ist aber auf dem Europaiechen Continent wohl kaum jemals
angewandt worden.
*) Die epecielle Mittheilung aller angeetellten, eehr rahlreichen
Vereuche iet unterlassen worden, weil unsere Leser lnehr das ReD. R.
sultat intereseiren diirfte.
iiber Semina Wrightiae antidgeentericae.
117
ins Waeeer Thiere auch nach innerlich applicirten 0,2Grm.
achliewlich zu' &unde gehen konnen.
Bei beiderlei Art der Application eind die Vergiftungeeracheinungen eteta die namlichen. Es giebt aich
niemale Unruhe, sondern etete, meiet nach Verlauf von
10 Minuten Trlrgheit der Bewegungen kund. Nach 25
bie 30 Minuten kommt ee, manchmal ganz plotzlich nach
einem dhrch Reizung hervorgerufenen Sprunge, zur vollsundigen Bewegungeloeigkeit dee Thieres j bei kleineren
Doeen nimmt man manchmal zueref eine zur Psralyee
sich eteigernde Pereee der hinteren fitremitilten wahr
und echreitet die h h m u n g dann nach vorn fort. Die
Reflexerregbarkeit bleibt dann noch einige Zeit (3- 10
Minuten und eelbet Iknger) beetehen; meiet werden eueret
von den hinteren Extremitaten aue keine Reflexzuckungen mehr erregt. Am langeten scheint die Cornea eenaibel zu bleiben. Die Respiration bleibt manchmal anfsnge regelmkeeig, wird aber meist bald irregultilr, erst
langaam, eelbet intermittirend, dann wieder beecbleunigt.
Das H e n puleirt etete weiter und uberdauern seine Contractionen den Tod des Thieree, durch Steifigkeit der
Muekeln charakterieirt, noch rnehrere Stunden. Vom
Schwacherwerden der Respiration abgeeehen, gehen beeondere Erscheinungen dem Tode nicht mehr voran. I n
Erholungefallen beobachtet man zunachst Wiederkebr der
Reflexe; ein allmaliges Fortachreiten der Oeneeung findet
nicht etatt, vielmehr zeigen sich eigenthumliche Ruckfalle
zu vollstiindiger Lethargie.
Wiederholte Application nicht lethaler Gaben vermindern weder, noch ateigern eie die Empfdnglichkeit
fur dae Gift.
In den oben erwlhnteo Versuchen ist von Sectionen
deahalb keine Rede, weil die Ergebnisae dereelben ganz
ohde Bcdcutung sind. Remerken will ich nur, daes das
Blut in der Rcgel eine mehr dunkle Farbe zeigte; doch
kornmen auch hellere Nuancen vor.
118
Husemann,
b. Versuche mit wherigem libtract.
Die ausfiihrliche Mittheilung meiner Experimente mit
dem whserigen Extracte der Semina Wrightiae erscheint
mir ale nicht zu rechtfertigende Vergeudung von Zeit und
Papier, da die Symptomat?logie der Vergiftung in keinem
einzigen Puncte von derjenigen mit dem alkoholischen
Extracte abweicht. Ich bemerke daher nur) dass meine
Versuche in ganz gleicher Weise, wie die oben mitgetheilten behufs genauer Feststellung der Dosis toxica und lethalis, ausgefiihrt worden sind, und constatirte ich in Hinsicht der Dosenverhaltnisse, dass das &tracturn aquosum
dem Extractum ulcoholicum an toxischer Wirksamkeit bei
Es iiberstehen die Frosche Vergifweitem nachsteht.
tungen, welche durch subcutane Application von 0,4 Grm.
herbeigefiihrt wurden, und subcutane Application von 0,1
bis 0,15Grm. bewirkte nur bei einzeluen ausgesprochene
Intoxicationsph#nomene, blieb in den meistcn Fallen ohne
Wirkung.
Das Ergebniss dieser Versuche scheint fiir die Angabe von S t e n h o u s e , dass das wirksame Princip der
Semina Wvighticae in Wasser loslich sei, zu sprechen,
insofern wenigstens ein Theil derselben durch Wasser
ausgezogen werden kann; indessen geht nur ein sehr kleiner Theil in das wasserige Extract uber und scheint die
Loslichkeit derjenigen in Alkohol gegenuber eine geringe
zu scin.
c. Vermche mit litherhchem &&act.
Mit dem olartigen Liquidum, das durch mehr%giges
Stehenlassen von Aether uber Semina WrighCiae erhalteu
war, habe ich nur die beiden folgenden Forschversuche
angestellt, welche beweisen, dass aucb der Aether im
Stande ist, den Wrightia-Samen einen Theil ihres wirksamen Princips zu extrahiren und dass die vijllige Unloslichkeit desselben in Aether, wie sie S t e n h o u s e im Gegensatze zu H a i n e s , der sein Conessin geradezu loslich
in Aether fand, behauptet, eine illusorische ist. Aus der
fiber Semina. Wdghtiae antidysentericae.
119
im Vergleiche zum atherischen Extracte viel bedeutenderen Wirkmmkeit des alkoholischen ergiebt sich iib
gens, was wohl kaum hervorzuheben nothig sein dur
dass nicht das Oel selbst als TrLger der Wirk=mke=.it
angesehen werden kann. Ware dies der Fall, so musste
das Oel doch mindestens dieselbe Starke besitzen wie
das alkoholische Extract, wahrend nach den Versuchen
nur etwa 20 Tropfen einem halben Oramm’ alkoholischen
Extracts entsprechen.
&,
V e r s u c h e a n K r o t e n (Bufo varriabiliu).
Die Versuche an Kroten beweisen, daas dasGift bai
Kroten die namliche Wirkung aussert wie bei Froschen.
Das Hauptresultat war das Erloschen der apontanen Bewegung, welches in dem ersten Fallc bei sehr hoher Dosis
schon nach 14 Minuten erfolgte und selbst im dritten
Falle bei einer fiir Frosche kaum lethalen Dosis nach
21 Minnten auftrat. Ein Stadium prodromorum w v auch
bei den Kroten nicht vorhanden; in den beiden ersten
Experimenten trat die Bewegungslosigkeit acut auf und
nur bei der dritten, mit sehr kleiner Gabe vergifteten,
zeigte sich dieselbe ala eine allmalige, von den hinteren
Extremitaten nach vorn vorriickende. Die Reflexerregbarkeit iiberdauerte auch bei den Kroten die spontane
Bewegung mehrere Minuten lang. Die Respiration war
im Stadium paralyseos unregelmassig; der Herzschlag persietirte noch mehrere Studden, jedoch nicht so lange wie
bei den Froschen) nach und nach an Frequenz und Intensitat abnehmend.
Die Krote vom 17.Versuch starb nach einer Gabe,
welche Frosche zu iiberstehen pflegen. Bemerken muss
ich noch, dass ich die innerliche Application bei Kroten
ebenfalls, jedoch vergeblich, da das ingerirte Quantum
stets wieder ausgespieen wurde, versucht habe, so wie ferner, dass in keinem der Experimente die Gesammtquantitiit des applicirten Extractes resorbirt worden war, vielmehr an der Applicationsstelle noch ansehnliche Reste
120
HtUt39TlCMzn,
bauner, schmieriger Maasen eich vorfanden, wie ich das
h?iden Froschversuchen ja auch fast jedesmal constatirte.
Versuche a n Tauben.
An! Tauben hbe ich mit den Semina Wrightiat antidye&&as
selbat, mit dem alkoholischen Extractte und
mit dem atbemisohen Exhaute Versuche mngeetelit. Daa
ablroholiadw, Extxact wwde inryeclich und subcutan, das
atherische (nur in einem Experimente), die %en innerlich applicirt. Mit den beiden letztgenannten Praparaten
habe ich t6dtlicl endende Vergiftungen nicht erzielt ; bei
dem a k a h s l h h e n Exback vermochte ich die todtlicbe
Dosie bei innener n d mnbcubaner Application festmmte-llen. Fur die eubimbne~Application geniigen 5 5 Qrm.,
fuw die innere sind 3-4 arm. erforderlich. 3 Gubikcentimeter dea iitheriachen Extractes, dem Qewichte nach
ungefahr 2,5 Qrm., f u h e n bei snbcubner Injection Verg3tungserschAungm von mehreren Stunden Dstuer, jedoch mit v611iger Genesung endend, herbei. Es bewabrte
sich &o hier auch: die schwachere Wirkung dieses Extracks. Die innerliche -A_pplication von 5 Grm. Samen
brachte in 2 Versuchen nur eine gewisse Tragheit hervor, die a i d nach 11/4-11/2 Stunde wieder verlor.
Aus den Versuchen an Tauben ergiebt sich, dass bei
innerliaher Darreichung des,Extracts bisweilen, aber nicht
constant, Erbaechen erfolgt, welches wir in keinem Falle
bei subcutaner Application wahrgenommen haben. Dieses Erbrechen, welches ubrigens nicht mit sehr starken
Wiirganstrengungen verbunden war, wie sie nach anderen
Qiften, Belbst bei s u b c u h e r Application, z. B. Extr. Simarubae von uns beobachtet wurden, tritt erst nach einem
langeren Intervalle von mindestens 3i4 Stunden ein, wie
derholt sich einige Nale und fiihrt zur Genesung des
Thieres, selbst nach Gaben von 2,5 a r m .
Die Hauptsymptome der Intoxication bei den Tauben
sind: Tragheit der Bewegung, die immer zunimmt, sp&
ter erschwerte, verlangsamte, anfangs tiefe, spater sehr
aber Semiria Wrightiae antidysentericae.
121
obediichliche Respiration, wobei der zu Boden silikende
Schnabel verschieden weit geofiet wird; Zittern dee
Kopfes, der Fliigel und des Schwanaes, so wie Hinfsl€en
auf die Seite im Momente dee Todes, welcher schon nach
1 1 1 ~Stunde eintreten kann. Hervowuheben ist noch, daae
die Mnskeln eich bia mm kkhhsee der Vefgiftung gebpaudsBhig erweisen und dast, die Reflt?xttction nicht
erlie&.
hweitemng der Pupille und Vermehrung der Secretionen in au&4l$get Weiee haben wir in keifiea Fdlle
bemerkd.
Did Sedan bot in manchen FhHelr riichte Beachtuqswerthee; die stwke Lmgenhyperamie im Fall' XXI.
fand kain Pendant in eifiem anderen Versuche. Von Interase iat das hhlsgea des Herzeas post mortena, welches in sehr anffilliger Weise in Versuch XXI. beobachte t wurde.
Versuche a n Kaninchen.
Die Mittheilung der Versuche an Kaninchen scheint
rnir geniigend, um die Sympthmatologie der WrightiiiInjection bei diesen Thieren zu zeigen. Hinsichtlich der
Sectionsbafunde muss ich bedauern, dam ich es verabsiiumt habe, in den drei Todeefallen (ich besitze' noch
einen h t wortlich rnit dem von Versuch XXVI. iibereindmmenden Sectionsbefund von einem rnit 6 Qrm. inn s r h h vergifteten, erst nach 4 Stunden 37 Minuten gestorbenen Kaninchen) sofort post mortem die Section zu.
machen, urn den Zustand dee Heraene zu constatiren;
leider gestattet mir die geringe Quantitat Extract, welche
ich noch besitze, nicht, ein Kaninchen damit zu todten
und dae Versgumte nachsuholen.
Ich habe bei Kaninchen mit den Senzina Wrighthze
antidysent&cae selbet, mit dem alkoholischen und mit
dem wlisaerigen Extracte (mit diesem nur ein Ma1 subcutan), dagegen aus Mange1 an Stoff nicht mit dem atheriechen Extxacte Versuche angestellt; die von mir zer-
122
Huamann,
kleinerten und in einen Brei verwandelten Samen reichten zu
Unze nicht Bus, p e ~
0s applicirt, Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Daa wasserige Extract erwies sich auch hier schwacher als das alkoholische, indem
eine der lethalen Dosis des letzteren entsprechende gleiche
Gabe des ersteren bei subcutaner Application nur unbedeutende Intoxicationaphanomene hervorrief. Als niedrigste
letbale Dosis des alkoholischen Extractes bei subcutaner
Application kiinnen 4 Grm. bezeichnet werden; innerlich
genugen 6 Grm. zur Todtung eines Kaninchens. 3 a r m .
alkoholisches Extract bewirkten zwar Intoxication bei
subcutaner Application, aber rasch voriibergehende. Dtts
zu diesem Versuche benutzte Albino Kaninchen kann
zwar nicht als ganz massgebend betrachtet werden, indem es vielleicht eine besondere Immunitat wider unser
Gift besass; ich habe aber noch einen zweiten Versuch
an einem grauen Kaninchen angestellt, wo sich ebenfalls
3 Grm. als unzureichend zur Todtung vom subcutanen
Bindegewebe aus zeigten. 2 a r m . schienen ganz wirkungs10s zu bleiben. Der Tod erfolgt bei geniigender Dosis
in 2 bis 3 bis 41/2Stunden; Genesung documentirt sich
in noch kurzerer Zeit.
Als Intoxicationssymptome geben sich, in nicht genau
zu pracisirenden Fristen, meist
- Stunde, Tragheit
der Bcwegungen kund, allmalig in einen Zustand der
Regungsloeigkeit und des Sopors iibergehend ; von einer
eigentlichen Lahmung der Motilitat ist keine Rede, indem
die Thiere, aus dem Zustande der Passivist durch Reize
herausgebracht, von ihren Gliedmassen sans fagon Gebrauch machen. Sensibilitiitslahmuug ist ebenfalls nicht
vorhanden ; Reflexaction persistirt bis kurz vor dem Eintritt des Todes; eine Steigerung derselben wurde nicht
constatirt.
Mit der Triigheit der Bewegungen combinirt sich
Abnahme der Respirations - und Herzbewegungen an Zahl
und Intensitk. Die Athmung scheint dabei starker in
Mitleidenschaft gezogen zu sein, als der Herzschlag, der
-
Uber Semina
Wrightiae antidysente&cae.
123
im Stadium der Agonie wiedenun vie1 frequenter wird.
Auf der durch die Minderung und Schwachung der Athemaiige bewirkten Hemmung der Oxydation scheinen sowohl
der Tod selbst, als namentlich die kurzeZeit vor dessen
Eintritt sich zeigenden kuradauernden convulsivischen
Bewegungen zu beruhen, welche wir nicht als directe
Wirkung des Giftes auffassen konnen.
Ein constanter Einfiuss auf die Pupille kommt unserem Gifte nicht EU, wenn sich auch Dilatation derselben
zeigte, deren auffallend spates Eintreten auffallig war.
Auch eine besondere Einwirkung auf die Secretionen
kann ich unserem Gifte nicht zuschreiben; nur in den
Fallen, wo kleinere Dosen unerhebliche Intoxicationsphanomene bewirkten, war das Zusammentreffen des Eintrittes der Genesung mit einem reichlichen Urinabgange
auffallend.
Was die Sectionsergebnisse anlangt, so waren nicht
sehr betriichtliche Gehirnhyperamie und etwas Lungenodem
ohne sonderliche Hyperamie des Lungengewebes die einzigen nennensaerthen Befunde.
B. Die Stellmag der Wrightia antidysenterica anter
den Giften.
Als Haupterscheinung der Intoxication mit den Wrightia-Extracten ergeben sich M o t i Ii t ti t s s t o r ungen, welche
bei den boheren Thierclassen niemals denselben hohen
Grad erreichen wie bei den Batrachiern, auch bei leteteren mit weit griisserer Rapiditiit in intensivster Weise
auftreten. Hohere Thiere sind im Stande, bis kurz vor
dem Tode von ihren Muskeln geeigneten Gebrauch zu
machen, wenn man sie dazu ewingt, und es kann demnach fur diese die Wrightia nicht als eigentliches Paralysans
erscheinen. Die Tragheit, der Stupor, in welchen Tauben
und Kaninchen verfallen, deutet auf ein Ergriffensein des
Qehirns, und es wird nach den oben mitgetheilten Versuchen wohl Niemand unsere Berechtigung in Abrede
124
H w mann,
stellen, die Wi-ightia ale Narcoticum (Cerebralgift) fdr
diese Thierclassen zu bezeichnen.
Aber auch fiir die F’roeche miissen wir dieselbe
Auffassung aufrecht erhalten. Der eigentlichen Paralyse
geht auch bei diesen regelmgssig ein Zustand der Triigheit, der Unluat zu Bewegungen voraus, welche ubrigenu
e r z w u n g e n werden Irijrheh. Ferner habe ich’ atch
durch dtiderweite Vermikhe iiberzengt, dase die Muskeln
edlljst bei der Llhmung dnbetheiligt sind, indem sie nwh
mehrere Stunden nach dem Tode der mit Extract vergifteten Fr’6sche elektrisch reizbar bleiben.
Die nach Verlust der willkiirlichen Bewegung noch
Mifiuten lang andauernde Reflexaction spricht dafiir, dass
das Ruckenmapk wenigstens nicht als primilr afficirt alizusehen ist. Ferner iiberzeugte ich mich, dass auch vom
Nervus ischiadicus aus noch 22 Minuten nach vollstiindigem Cessiren der willkurlichen Bewegung Contractionen
der Extremitift erzielt wurden. Durchschneidet’ man tor
der V e r g i b g den Nertcus ischiadicus einer Seite, so labsen sich von diesem aus langere Zeit Contractioden der
Muskeln erzielen, als von dern nicht vorher durchschnittenen der anderen Sejte. Hieraue hake ich mioh bereohtigt, zu schliessen, dass auch bei Froschen dss Gehirn
a l s primar afficirt angesehen werden muss, nicht etwa
die peripherischen Nerven, und dass man die Wrightia
nicht mit den SpinalgifteIi, noch mit dem Urari, sondern
mit den wirldichen Narcoticis zusammenzustellen hat.
Ein weikres fur die Wirkungsweise der Wrightiu
wichtiges Moment ist der Einfluss auf die Respiration,
welche bei Froschen, Kroten und Tauben unregelmmig
und behindert wird, wiihrend bei Kaninchen constant
Verlangsamung, aber keine eigentliche Dyspnoi! resultirt.
Diese Beeintrachtigung der Respirationsfunction, zweifelsohae von Betheiligung der Innervationscentpa abhangercd,
ist am deutlichsten im spateren Stadium der Vergiftung
und muss als Ursache des Todes bezeichnet werden.
Vie1 weniger alterirt ist die Function des Herzens, und
Qber Semina Wriqhtiae antidysentericae.
125
aus den Versuchen an Froschen und Tauben ist mit
Sicherheit zu schliessen, dass der Tod nicht durch Her5
llihmung erfolgt
Fiir die Stellung innerhalb der Classe der Narcotica
ist ferner die Abweaenheit von Convulsionen und dsr mangelnde Einfluss auf die Pupille masagebend.
C. Die Wkk~igder Wrightia antidyseeteriea ia Velc
gleiche nit de@dgen anderer Apocgnecn,
Wrightia antidysenterica R. Br., die Mutterpflanze
der von uns untersuchten Samen, ist ein an der Kiiste
Malabar, auf Ceylon und Isle de France einheimischer
nnd in vielen Theilen Ostindiens haufiger kleiner Strauch
ails der Familie der - q p oc y ne e ti, Unterfamilie der
E u a p o c y n e e n , Qruppe der W r i g h t i e e n . Sie ist
wahmcheinlich Li n n 6 ’8 N&m
antidysmtericum (jedocb
picht die in Rheede’s Hortus malabarieua ale solche abgebildate Pflanze = Hoktrrhena ant$ysenterica).
Die Familie der Apocyneen ist fiir die Toxikologie
von verhiiltnissmaaaig grosser Bedeutung; .selbat in ihrem
ja%en durch d e Cand.olle festgestellten Umfange, wo
die Familie der A s k l e p i a d e e n und die der toxikolo@ch so iiberaus wichtigen Familie der L o g a n i a c e e n
(Strychneen) von ihr getrennt sind, liefert sie noch eine
g c w e Reihe giftiger Repriisenfanten.
Es lassen sich diese in folgende Kategorien bringen:
8. D r a s t i s c h e , s c h a r f w i r k e n d e A p o c y n e e n .
Hieaher gehort die Mehrzahl der giftigen Apocyneen, und
such die einzige bis jetzt bekannte Giftpflanze aus der
Qruppe der Wrightieen, die auf Java einheimische Hasseltia arborea Bl. (Kixia arborea), ein zum Abtreiben des
Bandwurms benutztes poweful drastic and daageroua
remedy, wie 0 ’ 6 h a n g n e s s y sioh auadriickt. Weiter
eind zu nennen:
aus d e r U n t e r f a m i l i e d e r C a r i s s e e n : die ungeechiilten Beeren von Ambelania acida Aubl. uod die
126
Huaemann,
unreifen Beeren von Couma guianenais AubZ., beide in
Guyana ;
a u s d e r U n t e r f a m i l i e d e r A l l a m a n d e a e : Allamanda cathartica L. und Allamunda Aubletii Pohl,
wahrscheinlich in allen ihren Theilen emetokathartisch
wirkend, in Westindien und Siidamerika;
a u s d e r U n t e r f a m i l i e d e r E u a p o c i n e a e : Apocynum cannabinurn L. (Indian hemp) und Apoynum androsaemijolium (Dog8 bme), deren Wurzeln in die Pharmakopoe ihres Vaterlandes (Vereinigte Staaten) als Emetics aufgenommen sind, und welchen sich dae Siideuropaische A py n u m venetum (Herba Tithymali maritimi)
anschliesst ; Echites ZongijZwa, E. ulezicaca Mart. in Brasilien, auch E. grandgora Meyen in grosseren Qaben;
Alstonb venenata R. Br. in Ostindien (bei R o s e n t h a l
aufgefiihrt, bei O ’ S h a n g n e s s y fehlend); diverse Arten
von P l u m i e r i a, namentlich viele Weatindische Species
mit atzendem Milchsafte, auch P. acuminatu in Java und
Ostindien ( Roy l e ) ;Tabernaemontanapersicariaefolia Jacq.
auf Mauritius ( R o s e n t h a l ) ;
a u s d e r U n t e r f a m i l i e d e r O p h i o x y l e a e : Cerbera Manghas Gaertn., namentlich Rinde und Blatter
( L i n d l e y , Waiz), auf den Molukken und in Ostindien,
deren Eigenschaften nach 0’sh a n g n easy Cerberu Ahovai und Cwbera Theveticr, sich anschliessen; C. Ahovai
nennt R o s e n t h a1 scharf narkotisch ; verschiedene Arten
von Rauwolfia in westindien und Siidamerika, so €2. nitiida, R. vomitoria, R. canesms; endlich Alyxia daphmides ( C u n n i n g h . ) auf denNorfolke-Inseln (Rosenthal).
Dass Whghtia untidysenterica vollstiindig der scharfen, purgirenden Eigenschaften entbehrt, braucht kaum
noch hervorgehoben zu werden.
b. Als H e r z g i f t w i r k e n d e Apocyneen. Es gehort bekanntlich zur Familie der Apocyneen der Qiftbaum
von Madagascar, Tanghinia venenifera Petit Thouart (CerberaTanghin Hooker), dessen direct auf das Herz gerichtete llhmende Wirkung durch die Experimente von Kolli-
iiber Semina Wn'ghtiae antidysenten'cae.
127
k e r und P e l i k a n erwiesen ist, wodurch die alteren Angaben von H e n r y und O l l i v i e r , es handle sich um
einen scharf narkotischen Stoff, und die Ansicht van
H a s s e 1t 's , die Tanghinia wirke dem Stry chnin analog
auf daa Ruckenmark, beseitigt sind (Vergl. mein Handbuck der Toxikologie, s. 503). Zu den Herzgiften gehart ferner das wahrscheinlich aus einer Afrikanischen
E chi t e e bereitete Pfeilgift L'In6, iiber welches in ganz
neuester Zeit P e l i k a n der Akad. des Sciences Mittheilungen gemacht hat (Comptes rend. v. 5. Juni 1865).
Dass unsere Wrightia mit den Herzgiften nichts zu
thun hat, lehren die Versuche an Froschen und Tauben
evident.
c. Auf d a s R i i c k e n m a r k w i r k e n d e A p o c y neen. Hierher wurde nach v. H a s s e l t auch die von
uns zu den drastischen Apocyneen gestellte Cerbera Thevetia L. (Thevetia nereifolia), zu stellen sein; dieser Autor
citirt D u m o n t i e r , . ale Qewahrsmann fiir eine unter der
Form des Tetanus sich darstellende und binnen 2 Stunden todtlich verlaufene Intoxication eines 2jahrigen Kindes mit einem F r u c h t k e r n (Tijdshr. West. India 1854).
Hierrnit steht jedoch in Widerspruch eine Beobachtung
von Dr. J. B a l f o u r und Dr. D o u g l a s M a c l a g a n
(Edinb. med. Joum. 1857. June), welche bei zwei Knaben
nach dem Qenusse solcher Kerne Erbrechen, Durchfall,
Schlundreiz und Somnolenz beobachteten, und es durfte
sich fragen, ob nicht die mir im Urtexte Du mo n t i er' s
unbekannt gebliebene Vergiftung mit Gastroenteritis einherging, welche, vorausgesetzt, dass keine Section stattfand und dass bei Lebzeiten Erbrechen u. s. w. nicht vorhanden waren, leicht bei einem zweijahrigen Kinde ubersehen sein konnte.
d. P r i m a r d i e p e ri p h e ri sc h e n N e r v e n l a b m en d e Apoc yneen. Als solche wurde Echites sube!recta Sw. zu bezeichnen sein, wenn die Annahme von
Nee s v. E s e n b e ck richtig ware, dass das Urari -Pfeilgift von einigen S.-Amerikanischen Indianerstiimmen aus
128
Husemann,
dieserpflanze bereitet wiirde, waa ubrigerrs wohl ale irrig
anzusehen ist. Ueber $chites ouberecta selbrt liagen keine
Beobachtungen und Versuohe vor.
e. A p o c g n e e n von m e b r g e m i s c h t e r W i r k u n g
a q f N e r v e n u n d N e r v e p c e n t r a . Bierher stellen wir
Gelsemiurn sempemirens Pers. (G. nitidum Mkh.), die in
Nordamerika, namentlich in den siidlichen Staaten, einheimische gelbe Waldxvinde (gelb. Jasmin, Jasmin -Bignonie), und Neriwfi OJwnderL., den bekannten, in Siideuropa und Asien einheimischen 0 l e a n d 4r - S t r a u ch
oder R o s e n lo r b e er, ynd gusser diesen durften noch wohl
einige andere, welche von jiltsren Autoren sle betiiiuknd
bezeichnet werden, hier zu rechnen sein, a. B. Echites dk$ormis Wall., Ech. bilflora &., Nerium odorum W., die Friichte
von Cerbera Manghas (nicht deren Blatter und Rinde,
welche W a i 2; geradezu sls Substitute der Sennesblatter
empfiehlt. (Pruct. Waarnemingen over anise Javaawche
geneesmiddelen, Amsterd. 1829. p . 6.) .
Gelsemium und Olqander eind nacbst der Tanghinia
venenifera diejenigen Apocpeen, welche in pharmakadynamischer und toxikologischer Hinsicht am genauesten
untersucht sind, und geI.o.de sie fordern zu einem Vergleiche ihrer Wirkung mit derjenigw der Wrighita antidysentem’cq auf. Es gilt dies voqugsweise vom O l e a n d e r , der von Prof. K u r a a $ in Wien mu einer langeren
Vermchsreihe an Froschen, Vogeln und Kaninchen (Zfschr.
der k. k. Ge.ge&chaft der Aer& zu Wien. XV. Jahrg., N. F.
II. Jahrgang, 1859, pug. 630, z85,801) benutzt iet; weniger von Gelsemiurn, dessen Wirkung von Amerikanbchen
Aerzten, so weit wir die darauf beziiglichen Arbeiten
kennen, nur aw Versychen 4m Krankenbette erschlosssn
ist. Es findet besonders die Wurzel, wdche auch in die
Seconday list der Amerikanischen Pharmskopoe ubergegangen ist, Avwendung und ausserdem hat dss Chemical Institute zu New-York ein Resinoid, G e l s e m i n
genannt, daraus dargestellt, iiber welches in den Positive
medical agents (New -York 1855) p. 110 Mittheilungen
ilber Semim Wrightiae antidysentes<cae.
'
129
gemacht werden. Nach J. A. M a y e s (Charkst. Joumt.
March, 1857. cf. Canstutt's Jahresbericht f. 1857, Bd. K
S. 122) sol1 es ein Narcoticum sedativum sein, das seine
Hauptwirkung auf das Ruckenmark, die willkurlichen
Muskeln und das Gangliensystem ausubt, die intellectuellen Functionen nicht afficirt, die Circulation herabsetzt,
die Perspiration fordert, keinen Eke], Erbrechen oder Abfuhren erregt. In grossen Dosen entsteht nach M a y e s
Umnebelung der Augen, Doppeltaehen, Uafdhigkeit die
Augenlider zu offnen, Steifheit in den Kinnbacken, allgemeine Muskelschwache. Diese Wirkungen sollen nicht
lange anhalten, das Mittel viclmehr sicherer und leichter
an wendbar sein, als das bekannte Lieblingsmittel der
Atuerikanischen Aerzte, das Veratrum wim'de. Das Geisemin, das ale angenehrn riechend und aromatisch schmeckend
bezeichnet wird, bezeichnen die Verfasaer der Positive
medical izgents ebenfalls als Aarcoticum sedativum, das
einen besonderen lahmenden Einfluss auf das Nervensy stem
und in specie die motorischen Nerven ausiibe, in grossen
Gaben Verminderung der Circulation bewirke, die Perspiration und die Secretionen vermehre, Gesichtsverdunkelung und Abstumpfung der Sehnerven bedinge.
Wenn wir auch mit den Beobachtungen der Amerikanischen Collegen die Wirkung des Qelsemins nicht als
vollkommen erschlossen betrachten konnen und namentlich die Rezeichnung als Narcoticum sedativum missbilligen miissen, den Ausdruck Narcoticum auf diejenigen
Gifte beschriinkend, ,,welche primar und vorzugsweise
das Gehirn afficiren," so glauben wir doch eine Differenz
der Wirkung von Gelsemium und Wrightia in folgenden
Puncten erblicken zu konnen: Zunachst in der Herabseteung der Circulation durch Gelsemium, welche in beiden Berichten hervorgehoben, die therapeutische Bedeutuug des Mittels bedingt; ferner in der durch dasselbe
bedingten Vermchrung der Secretionen ; endlich im spMen
Eintritt der eigentlich cephalischen Erscheinungen beim
Gelsemin.
9
Arch. d. Pbnrm. CLXXVII.Brb. 1.u. 2. Hft.
130
Husemann,
Die oben erwahnte Arbeit von K u r z a k uber Oleander oignet sich vorzugsweise gut zur Vergleichung, weil
sie eine mit Extracten des Oleanders an den niimlichen
Thierclassen, welche wir zu uneeren Experimenten benutzten, ausgefuhrte Versuchsreihe enthalt.
K u r z a k experimentirte mit Extracten der Bliithen,
der Blatter, der Rinde und des Holzes von Nerizirn Oleander und fand die Bluthenextracte weniger wirksam, als
die aus den ubrigen Pflanzentheilen dargestellten ; es erwiesen sich ihm ale todtliche Gaben bei Kaninchen 2 Grm.
des spirituosen wie des wasserigen Extractes der Blatter,
des Holzes und der Rinde, bei Froschen 2 Decigrm. (die
Dosis lethalis fur die Vogel ubergehen wir, cia K u r z a k
nicht mit Tauben, aondern mit Zeisigen und anderen
kleinen Thieren experimentirte) ; dagegen brachten 2 oder
3 Qrm. des Bluthenextractes den Tod bei Kaninchen nicht
zu Wege. Eiii Extract der Semiiua Nerki Oleand& hat
K u r z a k nicht gehabt.
Diese Data, vergliehen mit den Ergebnissen unserer
Untersuchung, zeigen, dass Nerium Oleander die Whghtin untidysenterica an Wirksamkeit ubertrifft und die a m
den wirksameren Theilen des Rosenlorbeers dsrgestellten
Extracte fast doppelt so stark auf den thierischen Organismus influiren, als das stiirkste Extract der Seniina
Wrightiae antid?/sentericae. Ferner liegt ein Unterschied
der Nerium- und Wrightia-Extracte darin, dass bei ersteren der wasserige und alkoholische Auszug quantitativ
gleich giftig sind, wahrend bei letzterer die Giftigkeit
des &r. aquosum eine bei weitem geringere ist.
Qnrrlitativ bieten insbesondere K ur,za k’s Experimente an Froschen besondere Abweichungen. Es wurde
znnachst ein ungefahr nach 30 Minuten auftretendes Stadium der Regungslosigkeit, dann ein nach Ablauf einer
Stnnde sich einstellendes Stadium erhohter Reflexerregbarkeit, in welchem bci Anklopfen auf den Rucken heftige Strcckltrampfe erfolgten, constatirt. Solche ,,langsam
vor sich gehende Zuckungen aller Mnskeln mit Streckung
*
iiber Seminn Wrightiae antidysentericae.
131
der Hinterglieder', wie sie K u r z a k in allen iibrigen
Forschversuchen beobachtete, kommeu nach Application
der Wrightia-Extracte niemals vor.
Dasselbe gilt fur die Wirkung an Kaninchen; auch
hier hat K u r z a k ein sogenanntes zweites Stadium der Vergiftung, in welchem bei stetem Fortschritte des Schwachezustandes ganz kurz andauernde, nach lhgeren Pausen
auf einander folgende Anfalle klonischer und tonischer
Krampfe der meisten willkiirlichen Muskeln, insbesondere
bei den schwachen Versuchen der Thiere zu einer Bewegung oder nach einer ausseren Reizung durch Anblasen,
Anstosseo, Anklopfen u. dergl. statt h d e n . Solcher Eretbismus der Reflexbewegungen, durch Kriimpfe charakterisirt, hat sich in keinem unserer Versuche zu erkennen gegeben; es wurden Heflexzuckungen bis kurz vor
dem Tode ausgelost, auch braohte Anklopfen auf den
Boden U.S. w. solche zu Stande, aber durch leises Anblasen haben wir weder bei den Kaninchen (noch bei
den Froschen) jemals Reflexe oder Reflexkrampfe ' hervorrufen konnen. Hierin liegt gewiss die Hauptdifferenz in
der Wirkung des Oleanders und der Wrightia bei Kaninchen.
Eiue weitere liegt in dem Verhalten des Herzens
und der Respiration. Verminderung und Schwachung
der Hem- und Athmungsbewegungen sind Erscheinungen,
welche der Vergiftung mit Nerium und Wrightia gemeinschaftlich angehoren. Indessen treten sie bei der Vergiftung mit Nerium, K u r z a k's Angaben gembs, bei
Kanincben vie1 auffallender hervor. Schon nach
Stunde
sank in einem Falle die Zahl der Athemzuge von 60 auf
32, der Herzschlag von 160 auf 140, nach 50 Minuten
auf 28 resp. 108. Solche auffallende Abnahmen in SO
kurzen Zeitraumen waren wir niemals im Stande bei
Wrightia - Intoxication zu beobachten.
Auch das Verhalten der Vogel- und Froschherzen
differirt. K u r z a k hat bei Vogeln niemals spontane, bei
Froschen niemals so lang andauernde spontane Contrac9*
132
Huaemann, Ubei. Semina Wrightiae antidysentericae.
tionen beobachtet, in Versuch 5 sogar schon nach einer
Stunde Ruhe des Froschherzens. Es muss also das Nerium Oleander als vie1 intensiver die Herzthiitigkeit’afficirend bezeichnet werden.
Am meisten stimmen bei beiden Intoxicationen die
bei Vogeln beobachteten Symptome. Die Wrightia - Samen fiihren nur nicht so constant Wiirgen und Erbrechen
herbei, und bei subcutaner Application der Extracte haben wir niemals Erbrechen beobachtet.
Hinsichtlich der Sectionsresultate ist hervorgehoben,
dass die Blutiiberfiillung des sehr voluminasen Herzens
und grosse Blutanhaufung in StBmmen, Aesten und kleinsten Zweigen des venosen Systems, welche K u r z a k bei
der Oleandervergiftung stets sah, nicht so sehr bei Wrightia - Intoxication hervortritt. In einzelnen Fallen sahen
wir Lungenhypertimie, in anderen sehr deutlich ausgesprochene Hyperamie des Gehirnes.
Es kann nach Allem keinem Zweifel unterliegen,
dass sehr erhebliche Differenzen in der Wirkung von
Neriuni Oleander L. und Wrightia antidyseltterica R. Br.
existiren, welche darauf zuriickzufiihren sind, dass ersterer mehr die Medulla spinulis, letztere primar das Cembrum afficirt.
D. Tberayeutische Verwendung der Semina Wrightiae
antidysentericae.
Wenn auch nach den obigen Versuchen die Giftigkeit der Seniina Wrightiae antidysentericae nicht als eine
sehr grosse bezeichnet werden kann, so glauben wir doch
zu dem Ausspruche berechtigt zu sein, dass man wohl
t h e , sie ihrer toxischen Eigenschaften wegen nicht bei
denjenigen Krankheiten in Anwendung zu ziehen, gegen
welche die Ostindischen Aerzte sie benutzen.
Es wiirde sich dagegen die Frage aufwerfen, ob es
nicht zweckmassig sei, die narkotischen Eigenschaften
derselben sich in praxi zu Nutze zu machen. Die bei
Untel-irdischerGletscher auj'der Dornburg bei Nassau. 133
Thieren beobachteten Erscheinungen lassen vermuthen,
dass sie bei Hyperkinesen, welche von Qehirnaffectionen
herriibren, von einigem Einflusse sein konnen. Indessen
glauben wir, da unsere Versuchsthiere nur dann ausgesprocbene Schwachung der Bewegungen zeigten, wenn
sehr grosse Dosen applicirt wurden, die Einfiihrung in
den Arzneischatz nicht befurworten zu konnen, bis etwa
das die Wirkung der Semina Wrightiae antidysentericae
bedingende Alkaloid in einem ganz genaue Dosirung zulassenden reinen Zustande dargestellt ist. Auch dann
wiirde es noch zweifelhaft sein, ob dieees irgend welche
Vorziige vor anderen auf die MotilitXt besonders wirkenden Stoffen haben wurde. Es ist uberhaupt Pflicht des
Pharmakologen, den Arzneischatz vor Ueberfliissigem zu
sichern, und seine Bestrebungen mussen eher dahin gerichtet sein, auf Vorurtheil und Tradition beruhende Superflua aus dem Arzneivorrath zu diminuiren, als Neues
darin einzufuhren.
Deber den unterirdischen Gletscher anf der Dornburg bei Nassau.
Ueber diese merkwurdige Naturerscheinung schreibt
die Mittelrheinische Ztg. Folgendes : Gegenwartig, Mitte
Februar, liegt trotz der abnormen Witterung des vergangenen Winters noch Schnee am Eingange der Stollen,
und zwar bis fast an das Mundloch derselben, trotzdem
die Some doch in letzter Zeit mit auffallender Kraft
gerade dorthin trifft. Die Klufte des Gerolles sind trotz
der vielen warmen Regengusse, welche unmittelbar in
die Kliifte einstromen, mit Eis ausgefullt. Eben SO liegt
vor dom Mundloche der Stollen Eis und ist der Boden
und die Klufte der Qeitenwande derselben mit Eis ausgefullt. Dieses Eis halt sich nun bis zur heissen Jahreszeit, von wo an es zuzunehrnen beginnt, sobald der Ver-
Документ
Категория
Без категории
Просмотров
0
Размер файла
1 195 Кб
Теги
ueber, seminar, antidysentericae, wrightiae, ein, neues, narcotics
1/--страниц
Пожаловаться на содержимое документа