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Untersuchungen Uber Spiritus saponatus und Spiritus Saponis kalini DAB. VI. Ein Beitrag zum Beweismaterial fUr die Notwendigkeit einer Erweiterung verschiedener PrUfungsvorschriften des Arzneibuches VI

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572
Uber 1rOxy. und LAminoalkyldenivate des Theobromins
P i k r a t d e s D i m e t h y 1a m i n o p r o p y 1t h e o b r o m i n s.
0.6 g IsChlorpro yltheobromin wurden mit dcr berechneten Menge einer
wiisserigen Dimethyraminlosung 8 Stunden im Einschmelzrohre auf loo0 err
hitzt. Der braune sirupose Rohinhalt wude alkahch auf dem Wasserbade
zur Vertreibung des Dimethylamins einige Zeit erhitzt und dann mit Ather
ausgezogen. Zu der getrockneten Losung zugefiigte atherische Pikrinsaures
losung erzeugte eine gelbe Fallung des Pikrats, das, aus heii3em Wasser u r n 5
kristallisiert, den Fp. 2500 hatte, wobei bereits bei 2450 Schwarzung eintrat.
4.127 mg Sbst.: 0.79 ccm N (190, 761 mm). - 4.41 mg Sbst.: 0.85 ccm N
( 1 9 0 , 561 mm).
C,,H,,O,N, (494.24). Ber.: N Z2.65.
Gef.: N 22.41. 22.54.
374. Walter Meyer:
Untersuchungen uber Spiritus saponatus und Spiritus
Saponis kalini, DAB. VI.
Ein Beitrag zum Beweismaterial fur die Notwendigkeit einer
Erweiterung verschiedener Prufungsvorschrif ten des Arzneibuches VI.
Eingegangen am 23. September 1930.
Die bei der Untersuchung zahlreicher aus dem 'Handel bezogener
Proben von Seifenspiritussen erhaltenen verschiedenen, oft ganz be.
trachtlich voneinander abweichenden Ergebnisse und besonders die
Tatsache, daR das Arzneibuch fur diese Galenika keine einzelnen
charakteristischen Daten vorsieht, gaben Veranlassung, die Eigeni
schaften der besagten Praparate etwas eingehender zu studieren und
die erhaltenen Zahlen praktisch auszuwerten.
Es handelte sich hierbei urn:
1. Spiritus saponatorcamphoratus, DAB. VI,
2. Spiritus saponatus, DAB. VI,
3. Spiritus Saponis kalini, DAB.VI und
4. Spiritus Saponis kalini ,,'Hebra", DApV. V.
Die beiden zuletzt genannten Zubereitungen konnen in praxi als
gleich behandelt werden, wenigstens im Rahmen der vorliegenden
Betrachtungen.
Das Arzneibuch fordert allein bei Spiritus saponatus eine
Dichte von 0.920 bis 0.930, im ubrigen findet sich bei allen Produkten
lediglich die ganz allgemeine Angabe, da8 die Spiritusse klar, gelb
bzw. gelbbraun, rotes Lackmuspapier blauend und, beim Schutteln
mit Wasser, stark schaumend seien. Nun, diese Voraussetzungen
haben alle von mir bisher untersuchten Erzeugnisse erfullt.
Es mag sein, daB das Arzneibuch von weitergehenden Fordes
rungen Abstand genommen hat in der Annahme, dai3 diese genannten
vier Zubereitungen von den Apothekern in der Apotheke selbst. und
zwar aus gepruften Rohstoff en hergestellt wiirden. Aber diesen Ideals
fall wird man infolge der heutigen Branntweinmonopolgesetzgebung
Untersuchungen uber Spiritus saponatus
5 73
recht vereinzelt finden, aus meiner taglichen Erfahrung kann ich
sagen, daB ein sehr groBer Teil der Apotheker Seifenspiritus, Kalir
seifenspiritus und flussigen Opodeldok regelmaDig beim GroDhandler
bezieht, um dafur einen auf der Stufe des besonderen ermafiigten
Branntweinpreises errechneten Einkaufspreis bezahlen zu konneo.
Die Herstellung all dieser Zubereitungen in der Fabrik oder beim
GroDhandler geschieht unter den heutigen Verhaltnissen stets
wie schon gesagt - aus preisbegunstigtem Weingeist unter Verwenr
dung der amtlicherseits vorgeschriebenen Mengen und Arten von
ebenfalls amtlich untersuchten Zusatzstoffen (01, Kalilauge, 15%ig,
Kaliseife) und unter dauernder amtlicher Oberwachung. Uber die
ganze Herstellung wird von den (mindestens zwei) Beamten ein
amtliches Protokoll aufgenommen. Berucksichtigt man nun noch den
3 121, Absatz 3, der Ausfuhrungsbestimmungen zum Branntweinr
monopolgesetz (Branntweinverwertungsordnung) in der neuen
Fassung vom 26. Juni 1929: ,,Heilmittel, die im Deutschen Arzneir
buch aufgefuhrt sind, durfen aus dem zum besonderen ermaBigten
Verkaufspreise abgegebenen Branntwein nur in der im Arzneibuche
angegebenen Zusammensetzung hergestellt werden", so miifite man
eigentlich auch alle GewiBheit fur den Erhalt einer einwandfreien
Qualitat haben.
Leider lehrt aber die Erfahrung anders.
Nach dem
25, Abschnitt 11, Ziffer 2 der ,,Technischen Be.
stimmungen zu en Ausfuhrungsbestimmungen zum Gesetz uber das
Branntweinmonopol" in der abgeanderten Fassung vom 19. Juli 1929
werden fur Branntwein zur Herstellung von Benzoetinktur. Myrrhenr
tinktur u n d S e i f e n s p i r i t u s sowie diesen in der Zusammenr
setzung und Verwendung gleichartigen Heilmitteln als kusatzstoff e
noch iugelassen auf je 100 Liter Weingeist von etwa 94.8 Gewichtsr
hundertteilen = etwa 83.5 kg:
18 kg Benzoe,
18 kg Myrrha,
30 kg Kaliseife o d e r
18 kg Ul u n d 21 kg Kalilauge, 15%ig.
Bereits hier enthalten die amtlichen Bestimmungen eine Lucke,
zufolge derer die andauernden Differenzen in die Erscheinung treten.
Erstens hat man nicht vorgeschrieben, was fur ein 431 zur Verwenr
dung zu kommen hat. Es unterliegt doch gar keinem Zweifel, daB
fur Seifenspiritus, der nach dem angefuhrten 3 121 (3) der Ausfiihr
rungsbestimmungen zurn Branntweinmonopolgesetz unbedingt bei
Verwendung dieses preisbegunstigten Branntweines nur in der im
Arzneibuch angegebenen Zusammensetzung hergestellt werden darf,
lediglich Olivenol zur Genuhnbrauchbarmachung des Weingeistes
in Frage kommen kann. Es ist unerfindlich, aus welchem Grunde
man hier auf eine genaue Angabe verzichtet hat, man hingegen bei
Bezeichnung der zu verwendenden Lauge aufierordentlich genau vors
ging. Zum zweiten stellen die Monopolbestimmungen trotz des
mehrfach erwahnten
121 (3) fur die Herstellung v o n S e if e n 5
s p i r i t u s zur Wahl: 30 kg Kaliseife o d e r 18 kg 01 und 21 kg
-
d
574
Walter Meyer
15%ige Kalilauge. Dies ist ebenfalls eine nicht vertretbare Inkonses
quenz. Seifenspiritus hat aus Olivenol und Kalilauge hergestellt zu
werden und nicht unter Zuhilfenahme von Kaliseife, auch wenn diese
aus Olivenol hergestellt ware. Die Kaliseife, fabriziert aus Leinol,
kommt nur in Frage bei der 'Herstellung von Kaliseifenspiritus.
Des ferneren beachte man die angegebenen Mengen. Das Ul
und die Lauge sind derart berechnet, da8 sich nach Zusatz von etwa
58 kg destilliertem Wasser tatsachlich 180 kg einer Pharmakopoeware
ergeben, welche auch die richtige geforderte Dichte von 0.920 bis
0.930 aufweisen. Aber 30 kg Kaliseife ergeben weder einen richtigen
Kaliseifenspiritus, noch, wie aus den Bestimmungen hervorgehen
konnte, einen Seifenspiritus, DAB. VI. Setzt man hier noch etwa
67 kg destilliertes Wasser zu, so bekommt man auch in diesem
Falle 180 kg eines Liquidums, welches allen Anforderungen, die das
Arzneibuch an einen Seifenspiritus stellt - einschlieBlich der
Dichte - vollig entspricht, und welches dennoch kaum eine Arzneis
buchware ist.
Wird nun ein derartig ,,unter amtlicher Aufsicht und nach amts
lichen Angaben" hergestellter Seifenspiritus weiterverarbeitet zu beis
spielsweise Spiritus saponatoscamphoratus, so erhellt ohne weiteres,
da8 auch hier kein vorschriftsmaBiges Produkt resultieren kann. Und
trotzdem wird auch diescs neue Gemisch dcn im Arzneibuche ges
gebenen Anforderungen vollig genugen, denn, da8 es klar und gelb
sein durfte, bedarf wohl keines weiteren Beleges.
Es ist aber auch anzunehmen und -auf Grund der ausgefuhrten
Analysen von verschiedenen Handelsproben - als bewiesen an5
zusehen, daB jener mit 30 kg Kaliseife hergestellte Seifenspiritus
nach entsprechender Verstarkung mit Kaliseife plotzlich als Kalis
seifenspiritus, DAB. VI, oder. mit l0/oo Lavendelol versetzt, als
Hebrascher Kaliseifenspiritus, DApV. V, wieder auftritt. Auch in
diesen Fallen werden die von den Vorschriften gestellten Anfordes
rungen voll erfullt werden, trotzdem keine richtigen Produkte vors
liegen.
Im ersten Falle - Verarbeitung eines mit 30 kg Kaliseife auf
100 1 Monopolweingeist, entsprechend nach Zusatz von etwa 6.5 kg
destilliertem Wasser ungefahr 90 kg Spiritus von Arzneibuchstarke.
etwa 86 Gewichtshundertteile enthaltend, zu GenuBzwecken uns
brauchbar gemachten Branntweines durch errechneten weiteren
Wasserzusatz zu Seifenspiritus ,,DAB. VI" - liegende folgende
Abweichungen vor:
Statt der Olivenolfettsauren resp. der Olivenolseife enthalt das
Erzeugnis Leinolfettsiiuren resp. Leinolseife, wenn nicht die aus dem
Handel bezogene und zur Vergallung verwendete Seife noch andere
Ule oder Ulgemische enthielt. Oft sind auch noch teilweise in vers
dunntem Alkohol losliche organische oder anorganische Fullstoffe in
den ,,handelsublichen" Kaliiseifen vorhanden.
Aber nicht nur die Q u a l i t a t der vorhandenen Fettsauren ist
betrachtlich abweichend. sondern auch ihre Q u a n t i t a t. Ein
strenger Pharmakopoe Seifenspiritus mu8 mindestens 9.5 % Fett;
Untersuchungen iiber Spiritus saponatus
575
sauren, aus Olivenol stammend, aufweisen. Der mit 30 kg Kaliseife
amtlich hergestellte und mit destilliertem Wasser auf den vors
geschriebenen Weingeistgehalt und die verlangte Dichte gebrachte
Seif enspiritus wiirde aber unter Zugrundelegung eines Fettsaures
gehaltes der angewandten Kaliseife von etwa 40% nur ungefahr 6.6%
Fettsauren, aus Leinol oder anderen Ulen oder Ulgemischen stamr
mend, haben.
Des ferneren ergibt sich aus der Arbeitsvorschrift des Arzneis
buches - 7 Teile Kalilauge von 15% = 1.05 Teile Xtzkali lOO%ig
gegen 6 Teile Olivenol mit einer Durchschnittsverseifungszahl von 190,
also notwendig mindestens 1.14 Teile Atzkali lOO%ig, das sind etwa
7.5 Teile Kalilauge, 15%ig -, dal3 knapp 8l/2% des angewandten
Olivenoles unverseift bleiben mussen. Es handelt sich also beim
Seifenspiritus um ein iiberfettetes Seifenpraparat, welches frei von
iiberschiissigem Alkali ist. Demzufolge blaut es wohl rotes Lackmusr
papier, rotet aber nicht Phenolphthalein. Es ist bestimmt eine be.
sondere Absicht verfolgt worden, wenn man neben einem freies
Alkali enthaltenden Kaliseifenspiritus noch einen iiberfetteten, teilr
weise unverseiftes Ul enthaltenden Seifenspiritus in das Arzneibuch
aufgenommen hat. Wird nun der Seifenspiritus aus 30 kg Kaliseife
hergestellt, so erhalten wir eine alkalihaltige, weingeistige Seifenr
losung, die rotes Lackmuspapier blaut und auBerdem infolge ihres
Gehaltes an freiem Alkali durch Phenolphthalein gerotet wird. Es
liegt also kein uberfettetes Sdfenpraparat mehr vor.
Man sieht also, da8 trotz aufierer Erfiillung der Arzneibuchfordes
rungen dieses Produkt drei wesentliche innere Mange1 zeigt.
Wiirde man unter Zuhilfenahme dieses Liquors einen fliissigen
Opodeldok herstellen, so ubertriigen sich die Fehler auf diesen. Statt
eines Mindestgehaltes von 6.7 % aus Oltivenol stammenden Fettsauren
wiirde er etwa 4.7% aus Leinol oder anderen Ulen stammende Fettr
sauren aufweisen, er enthielte des weiteren uberschiissiges Xtzs (fixes)
Alkali, wohingegen beim ordentlichen Produkt das zuerst unverseifte
Olivenol (etwa 8.5%) im Laufe der Zeit durch die vorhandenen 4.8%
Ammoniakfliissigkeit teilweise zu Ammoniakseife verseift wird. Der
gesamte Alkaliendgehalt -feststellbar durch geeignete Titration-wird
also bei diesem unvorschriftsmafiigen Produkte merklich hoher sein
als bei dem lege artis hergestellten. Wird ferner durch langeres Err
hitzen der Ammoniak restlos beseitigt, so tritt beim strengen Arzneir
buchpraparat keine Rotung von Phenolphthalein ein, weil kein iiberr
schiissiges Alkali, besonders kein Xtzalkali vorhanden ist. Der vom
Ammoniak befreite aus Kaliseife bemitete Opodeldok hingegen zeigt
das aus der Seife stammende freie Atzkali durch Rotung von
Phenolphthalein deutlich an.
Weiterhin ist aber zu beriicksichtigen, dal3 - wie die Unters
suchungen ebenfalls bewiesen haben - aus diesem sogenannten
Spiritus saponatus, hergestellt aus 80 kg Kaliseife, durch Verstarken
mit Kaliseife auch Spiritus Saponis kalini und Spiritus Saponis kalini
,,Hebra" hergestellt werden kann. Geht man davon aus, da8 das
Fertigprodukt den richtigen Gehalt an Seife und an Fettsauren aufr
weisen soll, so wiirde sich errechnen, daR man zu 3 kg Spiritus
576
Walter Meyer
saponatus, enthaltend 500 g Sap0 kalinus, 1.5 kg Weingeist, etwa
86%ig, und 1 kg Wasser, noch 2 kg Kaliseife fugen mul3te. Das Ends
produkt, 5 kg, enthielte dann zwar die richtige Menge, 50% Kaliseife,
aber zugleich etwa 20% Wasser, die nicht hineingehoren und die die
Sache fur den Erzeuger auf3erdem noch wesentlich verbilligen.
DaB die Wirkung beispielsweise bei einer Anwendung zur Handes
desinfektion auch noch beachtlich sinken kann, sei nur nebenbei
erwahnt.
Ich gebe nachstehend zunachst die Resultate einiger Unterr
suchungen, welche die oben angefuhrten Moglichkeiten zu ges
schehenen Tatsachen erhiirten, zugleich beschreibe ich die an5
gewandten Arbeitsmethoden, welche fur die Praxis ausreichende
Werte ergeben, da die geringen bisweilen mit zur Wagung gelangten
ungespaltenen Fettsaureglyzeride die Moglichkeit der Entscheidung
der Frage, ob eine boswillige, gewinnsiichtige Verfalschung resp.
eine ganz falsche Herstellungsweise vorliegt, keinesfalls irgendwie
beeinflussen. Die Erzielung auch streng wissenschaftlich genauer
Zahlen, die nur in den Zehntelprozenten von den erhaltenen praks
tischen abweichen. wurde eine wesentliche Komplizierung des Vers
fahrens nach sich ziehen und ware daher fur die Laboratoriumss
praxis der Apotheken oftmals zu zeitraubend und unpraktisch. Ich
werde die Moglichkeit des Erhaltes w i s s e n s c h a f t 1 i c h g e r
n a u e r Resultate aber an geeigneter Stelle mit erwahnen.
Die Untersuchungen wurden wie folgt ausgefuhrt:
Spiritus saponatoscamphoratus:
30 g Spiritus saponatorcamphoratus wurden mit 30 ccm Wasser
und 15 ccm verdunntex Schwefelsaure versetzt und vorsichtig unter
Vermeidung des leicht eintretenden StoBens oder Uberschaumens auf
dem Dampfbade bis zum Verschwinden des Weingeistes ers
warmt, mindestens jedoch so lange, bis die ausgeschiedenen Fetts
sauren klar auf der wasserigen Flussigkeit schwammen. Auf die
anwesenden atherischen Ule und den Kampfer, die ubrigens Zuni
groRen Teile sich bereits jetzt mit den Weingeistdampfen verfluchtigt
haben, wurde keine Rucksicht genommen. Nach der Abkuhlung
wurden 15 ccm Petrolather zugesetzt, die Fettsauren durch vorsichs
tiges Umschwenken gelost und die gesamte Flussigkeit in einen
Scheidetrichter gegeben. Dann wurde das Glas zweimal mit Petrol5
ather nachgespult und dieser ebenfalls in den Scheidetrichter gegossen.
Es wurde kraftig durchgeschuttelt, nach dem Absetzen die untcre
wasserige Schicht moglichst vollstandig ablaufen gelassen und zweis
ma1 mit je 50 ccm destilliertem Wasser nachgewaschen. Nach ebens
falls moglichst vollstandigem Auslaufen des letzten Waschwassers
wurden etwa 2 g getrocknetes Natriumsulfat zugegeben, kraftig
durchgeschuttelt, ungefahr 30 Minuten stehen gelassen und dann
durch etwas Watte in ein gewogenes Kolbchen filtriert. Der Scheides
trichter mit dem Natriumsulfat, die Watte und der kleine Trichter
wurden noch zweimal mit etwas Petrolather nachgespult und die
Spulflussigkeiten mit der Fettsaurelosung vereint. Nunmehr wurde
vorsichtig der Petrolather abdestilliert, dann noch eine halbe Stunde
577
Untersuchungen iiber Spiritus saponatus
offen auf dem Dampfbade und zuletzt etwa 5 Minuten bei 105O im
Trockenschrank erhitzt.
Es empfiehlt sich, einen Petrolather zu verwenden, der vorher
selbst aus dem Wasserbade frisch destilliert wurde und der frei von
schwerer fliichtigen Ruckstanden ist.
Unter den gegebenen Bedingungen sind atherische Ule und
Kampfer in quantitativ maBgeblichen Mengen nicht mehr vorhanden,
die IFettsauren haben aber auch noch keine storende Zersetzung
erlitten, etwa eine merkliche Gewichtszunahme durch Oxydation
oder eine wesentliche M5nderung durch Verlust an fliichtigen Fetts
sauren aus dem fetten Ole. Es mag bei dieser Arbeitsweise sein, da8
sich beide Fehler, soweit sie eintreten, praktisch gegenseitig auf:
heben. Das erhaltene Resultat weicht von dem theoretischen, ers
rechneten Fettsauregehalt um k0.295 ab, eine Differenz, welche bei
der Beurteilung der Frage, ob ein mit Kaliseife hergestellter Seifens
spiritus Verwendung gefunden hat, nicht den geringsten Zweifel
hervorrufen kann.
Untersuchungsergebnisse:
I.
11.
Aussehen in allen Fallen
Dichte bai 200 . . . . .
Fettsauregehdt . . . .
Aussehen der Fettsauren
Jodzahl der Fettsauren .
.
.
.
.
.
.
.
.
. .
111.
hellgelb, klar
0.9178
6.9%
0.9143
4.6%
0.9195
4.9%
gelb
%.2
braun
braungelb
198
162
Urteil:
Das Produkt I stellt eine vorschriftsmafiige Ware dar, der vers
arbeitete Seifenspiritus war aus Olivenol hergestellt, der Seifens
spiritus enthielt den richtigen Prozentsatz an Olivenol (1095, entr
sprechend etwa 9.5 % Fettsauren), der Opodeldok wiederum enthielt
die vorgeschriebene Menge an Seifenspinitus (70%).
Das Produkt I1 entspricht ebenfalls auBerlich den Anforderungen
der Pharmakopoe. Das Aussehen der Fettsauren und ihr Geruch
d e u t e n aber auf Leinol, die Jodzahl der Fettsauren b e w e i s t eins
wandfrei Leinol. Falls 70% des Opodeldoks sogenannter Seifens
spiritus gewesen sind, ist klar, da13 der verwandte Seifenspiritus
etwa 6.5 % Leinolfettsauren enthielt. Unter der Annahme, da8 die
zur Verwendung gekommene Kaliseife 40% davon enthielt, errechnet
sich, daD dieser Spiritus 16.7% Kaliseife aufwies, also aller Wahr:
scheinlichkeit nach mit 30 kg Kaliseife zollamtlich genuhnbrauchbar
gemacht worden war, vgl. Berechnungen am Anfang der Arbeit.
Das Produkt I11 ist gleichfalls auBerlich in Ordnung. Im all5
gemeinen gilt das bei I1 Ausgefuhrte, nur mit der Einschrankung,
da8 die zur Verwendung gekommene Kaliseife anscheinend nicht
aus reinem Leinol hergestellt worden ist. Darauf d e u t e n Fettsaurer
gehalt und AuDeres dar Fettsauren, es wird durch die Jodzahl b e :
w i e s e n.
578
Walter Meyer
Spiritus saponatus:
20 g Spiritus saponatus wurden im Wasserbade bis zum Vers
schwinden des Weingeistes erhitzt und sodann mit 40 ccm heiBem
Wasser und 10 ccm verdunnter Schwefelsiure versetzt und so lange
vorsichtig weiter erwarmt, bis die ausgeschiedenen Fettsauren klar
auf der wasserigen Fliissigkeit schwammen. Nach der Abkuhlung
wurden 15 ccm frisch aus dem Wasserbade destillierter Petrolather
zugefugt, bis zur Losung der Fettsauren umgeschwenkt und die ganze
Fliissigkeit in einen Scheidetrichter ubergefuhrt. Das Glas wurde
noch zwcimal mit Petrolather nachgespult, der ebenfalls in den
Scheidetrichter gebracht wurde. Die vereinigtcn IFlussigkeiten
wurden kraftig durchgeschuttelt. Nach dem Absetzen und moglichst
vollstandigen Ablassen der wasserigen Schicht wurden noch 50 ccm
kaltes Wasser zugegeben, wieder kraftig geschuttelt und nach den1
Absetzen die wasserige Schicht wiederum moglichst vollstandig abs
gelassen. Nun wurden etwa 2 g getrocknetes Natriumsulfat zus
gegeben, umgeschuttelt und nach ctwa 30 Minuten durch ein Wattes
filter in ein gewogenes Kolbchen filtriert. Der Scheidetrichter mit
dem Natriumsulfat, die Watte und der kleine Trichter wurden zweis
ma1 mit etwas Petrolather nachgespult und die Spulflussigkeiten
mit der Petrolatherlosung vereint. Der Petrolather wurde abdestilliert
und die Fettsauren noch eine halbe Stunde auf dem Danipfbade
getrocknet, wobei darauf geachtet wurde, daR die Fettsauren selbst
keine schadigende Uberhitzung erlitten. Die bei Sap0 kalinus im Arm
neibuch vorgesehene obere Grenze von 7 5 O erscheint mir etwas zu vors
sichtig bemessen worden zu sein, denn eine bei 75O getrocknete Fetts
saure zeigte nach einer einstundigen Erhitzung auf 95O und einer halbs
stundigen auf looo weder eine Gewichtsminderung durch Verlust a n
fluchtiger Fettsaure noch eine Gewichtszunahme durch Oxydation.
Ich gebe aber ohne weiteres zu, dai3 das, was ich hier fur die Fetts
sauren aus Olivenol und Leinol experimentell ermittelt habe, keiness
falls uneingeschrankt fur die IFettsauren aus anderen Olen oder 01s
gemischen Geltung zu haben braucht ; die Veranderungen konnen sich
aber auch gegenseitig ausgeglichen haben').
Untersuchungsergebnisse:
I.
11.
111.
. . . . . . .
. . . . . . .
Dichte bei 200 .
. . .
Phenolphthaleinprobe . . .
Fettsauregehalt .
. . .
Aussehen der Fettsauren .
Jodzahl der Fettsiiuren . .
Aussehen
Geruch .
goldgelb
gelb
Spiritusgeruchmit
deutl. Seifengeruch
0.9268
0.9246
rot
rot
6.7%
6.5%
hraungelb
193
187
IV.
hellgelb strohgelb
vorherrschendreiner
Spiritusgeruch
0.9292
0.9227
farblos
farblos
9.9%
9.6%
goldgelb
94.8
94.2
*) Im ubrigen konnte in allen Fallen, besonders bei Opodeldok, die
Trocknung am SchluB auch in1 Kohlendioxydstrom oder in der Vakuums
trockenvorrichtun nach Dr. G e r b e r erfolgen, besonders bei Gegenwart
sehr leicht oxyda%ler Fettsauren. Vornusgesetzt ist nstiirlich stets die Abs
wesenheit besonders leicht fliichtiger Fettsauren, wie Cocosfettsaure, Palm.
kernolfettsaure u. a.
Untersuchungen iiber Spiritus saponatus
579
Urteil:
Die Praparate I11 und IV stellen einwandfreie Arzneibuchwaren
dar. Sie sind unter Zuhilfenahme von Olivenol hergestellt worden,
das Ul ist in der richtigen Menge von ungefahr 10% verarbeitet
worden. Fmreies Alkali ist nicht vorhanden.
Die Praparate I und I1 entsprechen auRerlich den Anforderungen
des Arzneibuches. Wie die Reaktion gegen Phenolphthalein beweist,
enthalten sie jedoch freies Alkali. Der Gehalt an Fettsaure ist zu
niedrig, es liegt ferner keine Olivenolfettsaure vor, sondern die Jods
zahl b e w e i s t die Anwesenheit der durch das Aussehen und den
Geruch von Seifenspiritus und Fettsaure bereits v e r m u t e t e n
LdnolsKaliseife. Bei Produkt I1 ist vielldcht sogar ein verschmutztes
Leinol zur Anwendung gelangt, was in dermatologischer Beziehung
bedenklich scheinen konnte. Die Berechnungen ergeben auch hier
als fast einzig mogliche Wahrschdnlichkeit die Verwendung eines
mit 30 kg Kaliseife zollamtlich genuhnbrauchbar gemachten Weins
geistes zum besonderen ermiiRigten Verkaufspreise.
Spiritus Saponis kalini und Spiritus Saponis kalini
,,H e b r a".
10 g Spiritus Saponis kalini wurden mit 45 ccm heinem Wasser
versetzt und bis zum Verschwinden des Weingeistes auf dem Wassero
bade erwarmt. Sodann wurden 10 ccm verdunnte Schwefelsaure zus
gefugt und so lange weiter erhitzt. bis die ausgeschiedenen Fettsauren
klar auf der wasserigen Fliissigkeit schwammen. Der erkalteten
Fliissigkeit wurden 15 ccm frisch aus dem Wasserbade destillierter
Petrolather zugesetzt und vorsichtig umgeschwenkt, bis die Fettr
sauren in dem Petrolather gelost waren. Dann wurde die gesamte
Fliissigkeit in einen Scheidetrichter gegeben, das Glas zweimal mit
Petrolather nachgespult und die im Scheidetrichter vereinigten
Flussigkeiten nochmals kraftig durchgeschuttelt. Nach dem Absetzen
der wasserigen Schicht wurde diese moglichst vollstandig abgelassen,
zur Petrolatherlosung noch einmal 50 ccm kaltes Wasser zugesetzt,
gut durchgeschuttelt und nach dem Absetzen der wjisserigen Flussigs
k d t diese abermals moglichst vollstandig abgelassen. Nun wurden
zur Petrolatherlosung etwa 2 g getrocknetes Natriumsulfat zugefugt,
kraftig durchgeschuttelt und nach etwa 30 Minuten durch ein Watter
filter in ein gewogenes Kolbchen filtriert. Der Scheidetrichter mit
dem Natriumsulfat, die Watte und der kleine Trichter wurden zweis
ma1 mit etwas Petrolather nachgespult und sodann die vereinigten
Petrolatherlosungen auf dem Wasserbade abdestilliert und die vers
bliebenen Fettsauren noch etwa eine halbe Stunde auf dem Dampfs
bade getrocknet, wobei wiederum besonders darauf geachtet wurde,
dal3 die Fettsaurcn selbst keine schadigende Uberhitzung erlitten.
Spiritus Saponis kalini ,,Hebra" wurde ohne Rucksicht auf das
in der Menge von nur 0.1% anwesende atherische (Lavende1s)Ul
ebenso behandelt.
580
Walter Meyer
Untersuchungsergebnisse:
Aussehen in allen Fallen
Geruch in allen Fallen .
.
. .
. .
1.
11.
111.
gelbbraun, klar
vorherrschend typischer Seifenr
geruch mit spaterem Spiritus$
geruch
0.9838
0.9388
0.9324
rot
rot
rot
Dichte bei 200
. . . .
Phenolphthaleinprobe . . .
Dieselbe nach Zusatz von
1 ccm nlio Salzsaure zu 4 g
Kaliseifenspiritus . . . . farblos
. . . . . 23.2%
Fettsauregehalt
Aussehen der Fettsauren . . braungelb
194
Jodzahl der Fettsauren . . .
Weingeistgehalt . . . . . .
25.7%
. . . . . . 3.45
Alkoholzahl
.
.
farblos
21.6%
braungelb
196
43.1%
5.8
farblos
19.9%
braungelb
193
43.3%
5.8
Die Weingeistbestimmung geschah folgendermafien:
25 g Kaliseifenspiritus wurden mit 25 ccm verdunnter Schwefels
saure und 50 g Wasser vermischt und vorsichtig - wenigstens im
Anfange, bis die Zersetzung der Seife stattgefunden hat - etwa
70 ccm abdestilliert. Das Destillat wurde mit Wasser auf 100 g ges
bracht, und nach guter Durchmischung und Temperierung auf 15O C
wurde mit 'Hilfe des Pyknometers .das spezifische Gewicht bestimmt.
Die aus der W i n d i s c h schen Tabelle entnommenen zugehorigen
Gewichtsprozente Alkohol ergaben nach Multiplikation mit vier die
Gewichtsprozente Alkohol des untersuchten Kaliseifenspiritus. Das
Verfahren gab zwar lediglich fur die Praxis gut verwertbare Zahlen,
war jedoch von hervorragender Einfachheit und Schnelligkeit.
Die Bestimmung der Alkoholzahl wurde wie folgt ausgefuhrt:
Eine Mischung von 10 g Kaliseifenspiritus, Spiritus Saponis
kalini, 8 g verdunnter Schwefelsaure und 2 g Wasser wurden nach
der in den ,,Allgemeinen Bestimmungen" des Deutschen Arzneis
buches sub 33 beschriebenen Weise vorsichtig der Destillation unterr
worfen. Es wurden etwa 10 ccm abdestilliert und das im graduierten
Glaszylinder aufgefangene Destillat mit etwa 8 bis 9 g Kaliumkarbonat
kraftig durchgeschuttelt. Die weitere Behandlung und die Ablesung
geschah wie im Arzneibuche bei den Tinkturen vorgesehen.
Theoretisch enthalt ein strenger S iritus Saponis kalini, DAB.VI,
42.9 bis 43.67 Gewichtshundertteile Geingeist. wobei Weingeistfreis
heit der angewandten Seife vorausgesetzt ist. Unter Berucksichtigung
des immerhin unvermeidlichen Verdunstungsverlustes im Laufe der
Zeit auch bei gewissenhaftester Aufbewahrung wird man unbedenks
lich einen M i n d e s t weingeistgehalt von 42.4% verlangen konnen.
Dies entsprache einer Alkoholzahl von 5.7 bei obiger Arbeitsweise,
die allerdings in allen Einzelheiten genau innezuhalten ist.
Der Phenolphthaleinprobe nach Zusatz der nllo Salzsaure als
Prufung auf eine unzulassige Menge von freiem Alkali wurde die vom
Arzneibuch bei Sap0 kalinus zugelassene Hochstmenge an solchem
zugrunde gelegt. Es wurde dabei vernachlassigt, da8 eine geringe
Menge von Alkali durch den zur Verarbeitung gelangten Weingeist
581
Untersuchungen uber Spiritus saponatus
gebunden worden sein kann. Diese Vernachlassigung des eventuellen
Sauregehaltes des Weingeistes erschien um so leichter vertretbar, weil
es sich hier nur um sehr geringe und ferner bei jedem Spiritus um
sehr schwankende Sauremengen handelt, deren Berucksichtigung in
einem Fertigprodukt nur auf Grund von Durchschnittsannahmen
moglich ware. B e s e immerhin sehr erschwerende Korrektur hatte
aber auf die Entacheidung der Frage, ob die verwandte Seife uns
zulassiges freies Alkali infolge schlechter Arbeitsweise oder infolge
zu geringer zugesetzter Ulmenge in beachtlicher Menge enthielt, gar
keinen merklichen EinfluB. Zudem laBt ja auch das Arzneibuch bei
Feststellung der freien, also eventuell schadigenden Alkalitat von
Sap0 kalinus den zur Verwendung kommenden Weingeist nicht vorr
her gegen Phenolphthalein als Indikator mit Lauge neutralisieren,
obwohl dies sehr leicht moglich ware; es vernachlassigt also die Saure
des Weingeistes sogar bei den Prufungen selbst als unerheblich.
Urteil:
Es handelt sich in allen drei Fallen um Praparate, zu deren Herr
stellung Kaliseife aus Leinol Verwendung gefunden hat. Die Seife ist
stets in der richtigen Menge angewandt worden. Die Dichte des
Produktes I deutete auf einen Wassergehalt von etwa 20%. welche
V e r m u t u n g durch den bewiesenen Mindergehalt an Weingeist
und die ermittelte Alkoholzahl b e s t a t i g t wurde. Anscheinend
handelte es sich hier um ein Erzeugnis, welches durch Zusatz von
etwa 2 kg Kaliseife zu 3 kg Seifenspiritus, letzterer hergestellt aus
30 kg Kaliseife auf 100 Liter Weingeist (also 50% Weingeist. etwa
86%ig, 17% Kaliseife und 33 % Wasser enthaltend), gewonnen wurde.
Zur Bestimmung der Fettsauren bei einem ordnungsmafiigen
Spiritus saponatorcamphoratus und Spiritus saponatus nach den von
mir angegebenen, fur die Praxis bestimmten Methoden ist erlauternd
zu bemerken, daf3 die erhaltene Fettsauremenge stets eine Kleinigr
keit zu hoch sein wird. Beide Produkte enthalten geringe Mengen
(Sdfenspiritus etwa 8.5% der Olmenge, flussiger Opodeldok bedeutend
weniger) unverseiftes Olivenol, also die Glyzerinester der Fettsauren.
Diese werden durch die Einwirkung der Schwefelsaure nicht quantir
tativ zerlegt. Daher befinden sich im abgeschiedenen Fettsaurer
genisch einige Prozent unverseiftes und ungespaltenes 01, welches
aber der Einfachheit halber mit als ,,Fettsaure" zur Wagung und Be$
rechnung gelangt ist. Will man ganz genaue Resultate erhalten, so
neutralisiert man den Opodeldok zunachst mit Schwefelsaure, verr
seift ihn dann in der Warme am RuckfluBkuhler mit Atzkali. sauert
wieder mit Schwefelsaure an und scheidet nunmehr die Fettsauren
wie angegeben ab. Durch Behandeln mit gesattigter Kaliumbikarr
bonatlosung und Ausschutteln mit Petrolather lassen sich auch die
atherischen Ule und der Kampfer besonders abscheiden. Die abr
getrennte Seifenlosung, die frei von atherischen 0len und Kampfer
ist, muB nunmehr erneut mit Schwefelsaure (Vorsicht, Aufbrausen
durch CO,!) zerlegt werden. Bei dieser Arbeitsweise fallt die Trockr
nung uber looo C weg. Beim Seifenspiritus fallt die Bindung des Ammos
niaks fort, man verseift sofort am RuckfluBkuhler rnit Atzkali und
Archiv und Berichte 1930
38
5 82
Walter Meyer
scheidet dann mit Schwefelsiiure, deren Menge nunmehr entsprechend
zu erhohen ist, die Fettsauren wieder ab. flbrigens ist auch bei
Spiritus saponatorcamphoratus eine vorherige Ammoniakverbindung
n i c h t u n b e d i n g t erforderlich, beim Verseifen wird er durch das
unvermeidlicherweise im Uberschu8 befindliche Atzkali doch wieder
in Freiheit gesetzt. Bei den alkalisch reagierenden, Phenolphthalein
rotenden Seifenpraparaten, also dem vorschriftsmafigen Kaliseifenr
spiritus und dem Hebraschen Kaliseifenspiritus sowie dem unvors
schriftsmafiigen Seifenspiritus und flussigen Opodeldok (Phenols
phthaleinreaktion festgestellt nach dem Wegkochen des fliichtigen
Ammoniaks) ist diese Manipulation nicht notwendig; die nach meiner
Arbeitsweise hier erhaltenen praktischen Resultate sind bei gewissenr
haftem Arbeiten auch streng wisscnschaftlich genau.
Aus den einzelnen Befunden ist auch ersichtlich, da8 im Laufe
der Zeit der Seifengehalt der Spiritusse etwas steigt bei gleichzeitigem
Sinken des Alkoholgehaltes. Dies durfte lediglich auf unvermeidliche
Veranderung durch Verdunstung zuriickzufuhren sein und ware, so5
lange es in ma8igen Grenzen bleibt (denn Seife ist billiger als Weins
geist, daher Gefahr der vorsatzlichen Mehrzugabe von Seife auf
Kmtcn des Alkohols!), nicht zu beanstanden.
Theoretisch waren zu fordern bei einem Gehalt der Kaliseife
an mindestens 40% Pcttsauren und des Olivenoles an etwa 95% Fettr
sauren fur:
Spiritus saponatorcamphoratus: mindestens 6.7% Olivenolfetts
sauren mit einer Jodzahl zwischen 92.8 und 104.2 (aul3erste Grenzen).
Spiritus saponatus: mindestens 9.5 % Olivenolfettsauren mit einer
Jodzahl zwischen 92.8 und 104.2 (aul3erste Grenzen), auBerdem darf
eine Rotung von Phenolphthalein nicht eintreten. In beiden Fallen
werden die Jodzahlen infolge der Gegenwart geringer Mengen unr
verseiften und ungespaltenen Ules eine Kleinigkeit niedriger als
normal sein. Dies erscheint aber unwesentlich.
Spiritus Saponis kalini: mindestens 20% Leinolfettsauren mit
einer Jodzahl zwischen 190 und 210 (au8erste Grenzen).
Fettsauregehalte von etwa 6.6% bei Spiritus saponatus und von
etwa 4.7% bei Spiritus saponatorcamphoratus deuten unbedingt auf
unvorschriftsmaflige Herstellung und lassen es angezeigt erscheincn,
die abgeschiedenen Fettsauren durch Ermittlung der Jodzahl auf
ihren Ursprung zu prufen. Der quantitative Mange1 an Fettsaurcn
ware nicht ersichtlich, wenn entweder auf 100 Liter Weingeist an
Stelle von 30 kg Kaliseife (40% Fettsauren) 43 kg verwendet wiirden
und dementsprechend nur 53 bis 54 kg Wasser ad 180 kg, oder aber,
wenn die zum Zusatz kommende Kaliseife (30 kg unverandert) etwa
57% Fettsauren aufweisen wiirde. Zwar haben die vorgelegten Unterg
suchungen derartige Falle noch nicht gezeigt, sollte aber damit zu
rechnen sein, so hatte man trotz der quantitativen Richtigkeit der
Zusammensetzung doch noch die Jodzahl der Fettsauren, deren Auss
sehen ubrigens bereits einen gewissen Anhalt zu geben vermag, zu
ermitteln. Auch die Verarbeitung einer zu Vergallungszwecken a u s
O l i v e n o l gewonnenen Kaliseife i s t a b z u l e h n e n , weil so hers
583
Untersuchungen uber Spiritus saponatus
gestellter Spiritus saponatus sicher im allgemeinen k e i n f r e i e s ,
u n v e r s e if t e s 0 l i v e n o 1 enthielte.
DaB die ganze Sachlage bei diesen Produkten soweit gekommen
ist, mu8 leider zum grofSen Teile - wie schon eingangs hervors
gehoben - der Monopolgesetzgebung zur Last gelegt werden. DaB
die entsprechenden Verordnungen hochst unklar sind, war schop dars
gelegt. Aber auch die Untersuchungsanweisungen fur die Vergallungss
mittel und Zusatzstoffe sind nicht zweckentsprechend. So heiBt es
in den Erlaubnisscheinen zur GenuBunbrauchbarmachung von Branntr
wein zum besonderen ermaBigten Verkaufspreise entweder: ,,Das
Vergallungsmittel oder der Zusatzstoff ist vor drier Verwendung
von einem a u f d a s M o n o p o l i n t e r e s s e v e r p f l i c h t e t e n
C h e m i k e r auf seine T a u g 1 i c h k e i t zu untersuchen" oder ,,Die
Zusatzstoffe sind von einem a u f d a s Z o l l i n t e r e s s e v e r s
e i d i g t e n C h e m i k e r auf die , h a n d e l s u b l i c h e E i g e n s
s c h a f t' zu prufen". Diese Forderungen sind nicht geeignet, dem
eingangs zitierten 3 121 (3) der Ausfuhrungsbestimmungen zum Ges
setze uber das Branntweinmonopol geniigend Geltung zu verschaffen.
Hiernach miinten auch die Zusatzstoffe selbst dem Arzneibuch entr
sprechen, soweit sie darin aufgefuhrt sind, und sie sind auch in dem
im Arzneibuche angegebenen Gewichte zuzufugen, denn in jedem
anderen Falle - besonders bei ,,handelsublichen" Waren - werden
nie Praparate resultieren, welche den Vorschriften des Arzneibuches
voll entsprechen. Der untersuchende Chemiker miiDte also ausfiihren,
dai3 beispielsweise Kaliseif e zwar eine handelsiibliche, resp. eine
DABsWare darstellt, daB aber daraus nur nach dem Arzneibuch Kalis
seifenspiritus mit 90 kg Kaliseife auf 100 Liter Weingeist unter gleichs
zeitigem Zusatz von 7 kg destilliertem Wasser hergestellt werden
darf. Oder aber er hat hervorzuheben, da8 Kaliseife nicht zu Seifens
spiritus (Spiritus saponatus) des Arzneibuches verwendet werden
darf. Ferner ware es empfehlenswert, im Untersuchungsbefund jedess
ma1 festzulegen, wieviel Hundertteile Fettsaure die Kaliseife enthalt
und aus welchem Ole diese Fettsaure stammt. Die Untersuchungen
des Olivenoles durch die Herren Zollchemiker sind im allgemeinen
bedeutend genauer. Auf keinen Fall genugt nach meiner Auffassung
ein Befund wie beispielsweise: ,,Gelbbraune, weiche, durchsichtige,
schlupfrige Masse, die in zwei Teilen Wasser und in Weingeist klar
loslich ist," oder ,,gelbdurchschainende Masse mit den Eigenschaften
einer hellgelben Schmierseife, Kalium positiv, Fettsaure positiv" oder
,,gelbgelatinose, durchscheinende Masse von dem fur Sdfe charaktes
ristischen Geruch, in Weingeist klar loslSch, beim Erwarmen der
wasserigen Losung mit Sauren Fettsauren abscheidend." Solche Guts
achten bieten m. E. den Fabrikanten direkt an, sagen wir ,,vorteilhaft"
zu arbeiten.
Andererseits mui3te aber auch die Reichsmonopolverwaltung
Wege finden, um bei der amtlichen Abfertigung die Arbeitsbedins
gungen, welche das Deutsche Arzneibuch vorschrdbt, innehalten zu
konnen. Wenn z. B. auf 100 Liter hochprozentigen Weingeist 18 kg
Olivenol und 21 kg Kalilauge von 15% zugefugt werden, wie es jetzt
geschieht, so ist tatsachlich zuzugeben, dai3 die Verseifung bedeutend
38.
581
Untersuchungen iiber Spiritus saponatus
schwerer erfolgt, als wenn man 01 und Lauge zu 25 Liter Weingeist
gabe und erst nach ordentlicher Verseifung (bestandener Loslichkeitss
probe) die restlichen 75 Liter Alkohol neben den erforderlichen 58 kg
Wasser zufiigte.
Die den Zollamtern unterstehenden Aufsichtsbeamten sind ja
fast nie Fachleute, und aus einem Testat, wie vorhin zitiert, vermogen
sie nicht zu entnehmen, ob das unter ,ihren Augen damit hergestellte
Produkt dem 121,3, a. a. 0. wirklich entspricht. Und der kaufende
Apothcker? Nun, dem ist der wahre Sachverhalt in den seltensten
Fallen bekannt. Er kauft in der tfberzeugung, daR die gewahrleistete
amtliche Aufsicht und der Wortlaut des Gesetzes fur die Richtigkeit
von Zusammensetzung und Ausfuhrung der Herstellung burgen und
er ist der Auffassung, daB der billigere Preis IedigHch auf die monos
polseitige Abgabenbegiinstigung zuruckzufuhren ist.
Auf Grund der erhaltenen Untersuchungsergebnisse und der ents
wickelten Zusammenhange schlage ich zusammenfassend vor. zu ers
wagen, im nachsten Arzneibuche zu fordern beil):
Spiritus saponatoscamphoratus:
Dichte bei 200: 0.912 bis 0.920 ( a d e r s t beobachtete Zahlen, die sich auch
mit den errechneten decken).
Mindestgehalt an Fettsnuren: 6.5% (unrichtige Herstellung).
Jodzahl der Fettsauren: 93 bis 104 (fremde Ole und Fette, besonders
Leinol).
Spiritus saponatus:
Mindestgehalt an Fettsauren: 9.3% (unrichtige Herstellung).
Jodzahl der Fettsauren: 93 bis 104 (fremde Ole und Fette, besonders
Leinol).
Seifenspiritus mul3 rotes Lackmuspapier blau farben, darf aber Phenol:
phthalein nicht roten (freies Alkali).
Spiritus Saponis kalini:
Dichte bei 200: 0.930 bis 0.940 (unzulassiger Wassergehalt).
Mindestgehalt an Fettsauren: 19.5% (unrichtige Herstellung).
Jodzahl der Fettsauren: 190 bis 210 (fremde Ole und Fette).
Weingeistgehalt: mindestens 42.4%. ersatzweise
Alkoholzahl: nicht unter 5.7.
Werden 4 $Kaliseifenspiritus mit 1 ccm nliO Salzsaure versetzt, so darf
sioh die ischung nach Zusatz von 1 Tropfen Phenolphthaleinlosung
nicht mehr rot farben (unzulassige Menge freies Alkali).
Hinsichtlich der Arbeitsweisen bei Abtrennung und Bestimmung
der Fettsauren und der Ermittlung der Alkoholzahl resp. des Weins
geistes sei auf die Versuche verwiesen. DaB diese Methoden biss
weilen noch verbesserungsfahig, besonders vereinfachungsfahig sein
werden, gebe ich von vornherein zu.
Den Herren Zollchemikern sei empfohlen, ihre Gutachten und
Befunde derart ausfuhrlich abzufassen, da8 im Hinblick auf den
I) Vergleiche auch meine ganz allgemein gehaltene Forderung bei allen
sonstigen seifenhalti en Praparaten des Arzneis und Erganzungsbuches in
,.Arch. IPharmaz. u. 8er. Dtsch. Pharmaz. Ges." 1930, Heft 6,Nr. 361, S. 369
bis 370.
Untersuchung und Bewertung von Chlorophyll
585
0. jeder Verwaltungsbeamte klar und zweifelsfrei
erkennen kann, welches Produkt aus dem betreffenden Zusatzstoff
allein hergestellt werden darf und gegebenenfalls, welche Produkte
an sich hergestellt werden konnten und vielfach werden, es aber nicht
durfen, weil sich keine Arzneibuchwaren ergeben wiirden.
Die Reichsmono olverwaltung aber wolle durch geeignete Ma&
nahmen die Aufmer samkeit der Abfertigungsbeamten auf die darr
gelegten Umstande lenken und im Interesse der Apotheker und der
heilmittelbedurftigen Bevolkerung fur die wirklich praktische D u r c b
fuhrung der bisher oft nur auf dem Papier stehenden tfbereinstimr
mung zwischen Monopolgesetzgebung und Deutschem Arzneibuche
dringend Sorge tragen.
fj 121 (3) a. a.
kp
375. Ursula Drehmann :
Welche Hilfsmittel stehen uns zur Untersuchung und Bewertung
von Chlorophyll und Chlorophyllpraparaten zur Verfugung ?
(Aus dem Laboratorium der Dr. Eduard Blell Fabrik pharmazeutischer
Praparate A.#G., MagdeburgsN. Leiter: Apotheker R. E n g e 1 k e.)
Eingegangen am 27. September 1930.
VeranlaDt durch die vielen therapeutischen Erfolge des Chlorosan
,,Burg?" sind in den letzten Jahren viele als chlorophyllhaltig be.
zeichnete Praparate in den Handel gekommen. B u r g i s Unte.rr
suchungen uber den EinfluB des Chloroph 11s auf den menschlichen
Korper reichen bis in das Jahr 1914 zuruc . Schon in seinen ersten
Arbeiten weist B u r g i darauf h'in, daI3 die von altersher als Heilr
mittel gegen Blutarmut verwendeten grunen Salate, Spinat und Ger
musen von Brennesselblattern gegenuber dem in sehr kleinen Menr
gen zur Anwendung kommenden reinen Chlorophyll an Wirksamkeit
bedeutend zuruckstehen. Der menschliche Korper ist nicht imstande,
die Zellwande zu zerstoren. Die in den grunen Pflanzen vorhandenen
Chlorophyllmengen konnen also nicht resorbiert werden und infolger
dessen auch nicht dem Korper nutzbar gemacht wesden. Der Mensch
nimmt mit mehreren Pfunden gruner Gemuse bei weitem nicht soviel
Chlorophyll auf, als wenn ihm dieses in sehr geringen Mengen in
freier Form zugefuhrt wird. Die herbivoren Tiere dagegen konnen
mit gruner pflanzlicher Nahrung auskommen. Die Wiederkauer mit
sehr langem Dunndarm und sicherlich mit besonders ausgestatteten
Darmfermenten zerstoren die Zellwande und nehmen das freie
Chlorophyll auf.
Das beim Einnehmen von reinem Chlorophyll im Urin aufr
tretende Hamatoporphyrin fa& B u r g i als ein Abbauprodukt des
Chlorophylls auf. Die von B ii r g i zu Beginn seiner Untersuchungen
gemachte Annahme, daI3 das dem Korper zu efuhrte Chlorophyll
Hamoglobin bildet, stutzt sich auf die grol3e hnlichkeit der cher
mischen Konstitution dieser beiden Farbstoffe. Sie ist jedoch schon
vor mehreren Jahren von ihm fallen gelassen worden. Heute wird
f
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