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Vergiftung mit Aconitin.

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P. C. Plugge, Vergiftung mit Aconitin.
Bewohner gebirgiger Gegend wissen recht wohl die wohlthatigen Wirknngen zu schatzen, welche schon ein Ersteigen der
Berge dem Wandernden bietet. J e hoher man gelangt, desto reiner und angenehmer erscheint die Luft, desto weniger sind die
nmgebenden Gelande geeignet, Iirankheitsstoffe zu halten, wenn
nicht zufallig ortlich schadliche Sumpfe vorkommen. Frei und tiefer athmend schliirft man mit Wohlbehagen die balsamische Luft
des Waldes ein, ergiitzt sich an den Blumen, an dem wechselnden
Gestein, an der den Wald und den Boden belebenden Thierwelt.
Hier ist der Natur es noch gestattet, den gebotenen Ausgleich
zwischen Thier und Pflanze entsprechend zu formen, hier reinigt
die Pflanze die Luft im reichsten Maasse und bietet die reinste
Nahrung dem Erholung suchenden Thalbewohner , der vielleicht
aus enger Zelle nunmehr den herrlichen Tausch der gesundheitathmenden Weite entdeckte. Der frische Quell bietet das Wasser;
durch inassige Felsen gereinigt, sprudelnd belebt es das Auge
und die griinende Decke des Bodens. Krankes Gemiith und
erschlaffende Krafte finden hier Balsam und Heilung durch die
Wanderung in der Natur.
Vergiftung mit Aconitin.
Von Professor P. C. P l u g g e , in Groningen.
Anliisslich des bekannten Vergiftnngsfalles zu Winschoten mit
Nitras Aconitini, wurden im April 1880 vom Gerichtscommissar zu
Winschoten den1 Prof. Huisinga und dem Verfasser folgende Fragen
zur Beantwortung vorgelegt :
Erste Frage : Welche ist die verschiedenartige Wirkung der sub
a, b, c, d und e genannten StoRe auf Thiere?
Zweite Welche ist die verschiedenartige Wirkung jener
Stoffe auf den menschlichen Korper?
Welche Dose jener verschiedenen Stoffe hat eine
Dritte
todtliche Wirlrung zur Folge bei Thieren und im
menschlichen Korper, die Dose der sub a genannten
Fliissigkeit in Maass, Gewicht nnd Tropfen?
Die Stoffe, welche uns dabei eingehandigt wurden und worauf
die in den Fragen erwahnten Ruclistaben sich beziehen, waren
Eolgende:
P. C.
l'lupgc,
21
Vergiftung mit i\conitin.
'
a) Ein Arzneiflawhchen, enthaltend vine grYinc Flksigkeit.
b) Ein Flachchen rnit Etiquette: Aconitin nitric. von M a s t e n broek & Gallenkamp2
c) Ein Flaschchen mit Etiquette: Aconitin nitric. von E. M e r c k
in D a r m ~ t a d t . ~
d) Ein Flaschchen mit Etiquette: Aconitin nitric. von F r i e d l a n d e r in Berlin.4
e) Zwei glaserne Schiisselchen, welche nach der Angabc der
zwei schon friiher ernannten Chemiker und Sachverstandigen : des
Prof. T j a d e n M o d d e r m a n und des Apothekers v a n A n k u m , die
Reste enthielten der Benzolausschiittlung aus der allralischen Flussigkeit, die erhaltcn war aus den vomirten Stoffen, dem Magen und
den Gediirmen von Dr. C. M. Und weiter ein Uhrglas, das nach
der Angabe der vorermiihnten Sachkiindigen den Rest der Benzolausschiittlung enthielt ails der alknlischen Fliissigkeit, die erhalten
war aus: B l u t , G e h i r n , H e r z , L u n g e n , L e b e r , Milz, N i e r e n
und H a r n b l a s e aus der Leiche Iron Ur. C , BI":
Wir untersuchten zuerst das Praparat b Nitras Aconitini von
P e t i t in Paris, weil, der Angabe ziifolge, dies benutzt war bei der
Bereitung des Trankchens; sodann das Priiparat c von M e r c k ,
darauf das von Friedlander d. Wir konnten alsdann, durch die
1) Das hicr genieintc Areneimittel war bcreitet nach folgender \'urschrift
von Dr. M.
R. Aconitini nitrici O,%
Tinct. Chenopodii Ambrosiod. 100.
D. S. stiindlich 2 0 - 4 0 - 6 0
Tropfen.
2) Wir wollen dies weiterhin Nitras Aconitini von P e t i t nennen, s e i l ~ '
sich ergab, dass das von M. und G. gelieferte dennoch ursprunglich yon l ' e t i t
in Paris bezogen war. Dieses Praparat wurde voin Apotheker bei Bereitung dcs
Receptes gebraueht statt des Tom Arzte gemeinten (nicht aber besonders erwabnten) Nitras Aconitini von F r i e d 1a n d e r.
3) Dieses Praparat wurde vom Gerichtscommissar zur Untersnchung hinzugefugt, weil es auch beim Apotheker gcfnnden und m i t Rescblag belegt \\-orden war.
4) Hinsichtlich des F r i e d l a n d e r ' s a l i c n PrBparates rnussen wir noch bcmerkrn, dass es nach einer schriftlichcn Mittheilung T r o m m s d o r f s von ihnl
dem F r i e d l a n d e r geliefert wird, sodass wir aus dieseni Grunde F r i e d l a n d e r s
und T r o m m s d o r f s Aconitin-Nitrat fur den naniliehen Stoff halten.
5) Die sub e gemeinten Reste, welche die Chemiker aus den verschiedenen
Leiehentheilen abgesondert hatten, enthielten nach ihrer Angabc nicht Aconit,in
genug, dies durch ehemische Reagentien zu erkennen.
h
22
P . C. Plugge, Vergiftung mit Aconitin.
Untersuchung des Trankchens a rnit Sicherheit darthun, dass dasselbe wirklich mit Nitras Aconit. von P e t i t statt mit dem F r i e d 1a n der’ schen bereitet war.
Auch konnten wir nach der Festsetzung der geringen letalen
Dose von jedem erwiihnten Stoffe rnit Sicherheit angeben, dass in
den sub e gemeinten Resten keine oder doch weniger als jene geringste Quantitat Aconitin anwesend war.
Wiewohl durch diese Untersuchung einzelne Resultate erzielt
wurden, die namentlich fur die Therapie nicht ganz ohne Interesse
sind, haben wir dieselbe damals nicht publicirt, weil wir auch Resultate erzielten, die nicht iibereinstimmen mit dem, was man in
der Literatur iiber die physiologische Wirkung des Aconitins aufgezeichnet findet. Ich beabsichtigte dies spater genauer zu erortern
und zugleich mit einzelnen Theilen vom eingereichten Visum repertum
zu publiciren. Durch andere Beschaftigungen und besonders dadurch,
dass ich auf die Vollendung des im Aubau begriffenen pharmaceutisch- toxicologischen Laboratorium warten musste , wurde ich
lange Zeit daran verhindert. W-ir geben hier nun einiges aus
unserm Berichte, indem wir in einem folgenden Aufsatze die nahere
Untersuchung uber die Wirkung des Aconitins auf Muskeln und
Nerven besprechen wollen.
b. N i t r a s A c o n i t i n i v o n P e t i t besteht aus weissen, harten
Krystallen, die sich schwer auflosen in kaltem Wasser. Wir bereiteten eine Auflosung von 1/5 o/o fur unsere Experimente auf
F r o s c h e , K a n i n c h e n , H u n d e und T a u b e n .
Das Gift wurde stets in subcutaner Injection beigebracht, urn
dadurch genau die gegebene Dose zu wissen und nicht Gefahr zu
laufen, einen Theil des Giftes durch Brechen zu verlieren, wie dies,
bei Hunden wenigstens, unumganglich der Fall gcwesen sein wiirde,
wenn es in den Magen gebracht ware. Die Vergiftungserscheinungen,
welche wir wahrgenommen haben, sind folgende :
1) Bei F r o s c h e n , nach abwechselnden Gaben 0,l bis 1,5 Mg.,
doch in bei weitem den meisten Fallen von 0,4 Mg., nahmen wir
stets unmittelbar nach der Injection des Giftes Erscheinungen von
heftigem Schmerze wahr j meistens zog das Thier die Vorderbeine
iiber den Kopf und die Hinterbeine in einer sonderbar verzogenen
Haltung iiber den Hinterleib, so dass es mit dem Bauche auf der
Unterlage ruhte. Nachdem e8 einige Sekunden in dieser seltsamen
Stellung verblieben war, begann das Thier mehrere fremdartige
P. C. Plugge, Vcrgiftung mit Aconitin.
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Bewegungen zu machen, wie Purzeln uber den Kopf, krampfhaftes
Ausstrecken der Hinterbeine nach vorn langs dem Korper, unruhiges
Hin- und Herspringen rnit kraftigen Satzen u. s. w. 2 und 3 Minuten
nach der Injection trat eine starke Schleimabsonderung der Haut
ein, die zuweilen so stark ward, dass das Thier ganz durch eine
weisse, schaumformige Masse umhullt war. Die Athemholung, die
schon bald nach der Injection langsamer und schwerer ward, horte
bestandig nach 4 bis 5 Minuten ganz auf. Oft bemerkten wir heftigem Brechen ahnliche Bewegungen , mit weitem Oeffnen des
Maules. Erweiterung der Pupille wurde oft wahrgenommen. Die
unruhigen Bewegungen des Frosches verminderten sich alsdann allmahlich, z u e h wurde dabei der Zustand der Ruhe dann und wann
durch eiuen einzelnen, kraftigen Satz abgewechselt, aber bald folgten
allgemeine Lahmungserscheinungen, die wir den Angaben B o e hms
und W o r t m a n n s l zuwider meistens friiher an den Vorder- als
an den Hinterextremitaten eintreten sahen.
Das Thier liegt dabei platt auf dem Teller, kann auf den
Rucken gelegt werden und zuckt nur noch von Zeit zu Zeit krampfhaft mit den Hinterbeinen ; hat auch diese letzte Bewegung aufgehort,
so bemerkt man, dass die Reflexerregbarkeit wohl abgenommen hat,
dass aber auf starke mechanische Reize doch noch geraume Zeit
mit mehr oder weniger krkftigen Bewegungen reagirt wird. Am
besten controllirten wir das totale Verschwinden der Reflexerregbarkeit durch Reizung der Cornea. Sobald die Refleserregbarkeit
ganz verschwunden war, untersuchten wir den innern Zustand des
Thieres. Die unmittelbar unter der Haut liegenden Muskeln fanden
wir besonders blutarm und demzufolge auffallend weiss. Das Herz
wurde meistens in Diastole stillestehend gefunden und ebenso wie
die Venen stark gefullt rnit dunkel violettroth gefarbtem Blute.
Indem die Herzkammer stets ganz stillestehend gefunden wurde,
sahen wir die Vorhofe meistens noch schwach und langsam klopfen.
Das stillestehende Herz konnte weder durch mechanische, noch durch
starke electrische Reize wieder zur Pulsation gebracht werden.
Die Muskeln (uber die Nerven sprechen wir spater eingehendcr)
wurden selbst durch schwache electrische Reize, wie normale Muskeln,
stark contrahirt.
1) Untersuohungen ii. d. physiol. Wirkungen d. deutschen Aconitins. Arbeiten
a. d. Physiol. Laborat. z. Wiirsburg 1873 p. 95.
24
P. C . Plugge, Bergiftung mit Aconitin.
Zu einer einigermaassen naheren Untersnchung von der Wirkung
des Aconitius anf das Herz benutzten wir wohl oder nicht cnrarisirte Frosehe, wobei auf die bekannte Weise durch cine fensterformige Oeffnung in der Brusthohle das Herz blosgelegt war, zuderu
stellten wir einige Experimente an auf ausgeschnittene Froschherzen.
Stets wurde das Resultat verglichen mit dem, was man bei normalen, doeh auf gleiche Weise priiparirten Froschen sieht. Die
Erscheinungen, die wir dabei wahrgenommen haben, sind sehr
eharakteristisch f i r Aconitin und schon friiher von A c h s c h a r u m o w
und von Boehm sehr richtig unischrieben. W ir gebrauchten bei
diesen Experimenten meistens Gaben von 0,4 Mg., wobei wir die
von B o e h m wahrgenommene anfangliehe Beschleunigung nicht gewahr werden konnten.3 Die Freqnenz fanden wir zuweilen hoher
und niedriger. Bald (5-10 Minnten) nach der Injection des Giftes
machte Rich der Einfluss auf das Herz geltend nntl zwar so, dass
stets die Bewegung der Tiammer sich fruher und bedeutender Bnderte
als die der Vorhofe. Indem die Bewegung der Rusen sich oft nocli
wenig oder gar nicht geandert hatte, sah man die Bewegung der Kammer in dem Sinne modificirt, dass zwei odcr mehr der VorhGfecontractionen gegen eine Pulsation der Kammer stattfanden. Weiter saheri
wir, dass die Systole bald nicht kriiftig genug mehr war, das Bh11
aus der Kammer zu pressen, wobei wir bemerkten, dass jene Contractilitat am langstcn fortbeetand vor der Spitze des Herzens, so
dass oft die Basis der Kanimer in fortwiihrend ausgedehntem ZuRtande verblieb, indem im mchr der Spitee zugewandten Theile noch
ziemlich gute Contractionen wahrgenommen wurden. Die Herzlahmung setzte sich alsdann von der Basis der Kammer nach der
Spitze fort, um schliesslich die ganzo Kammer in Diastole zum
Stillstande zu bringen. I n hei weitom den meisten Fallen gewahrten
wir aber besonders anregelmiissige , wurmfbrmige Hewegungen des
Herzens, die sehr richtig von Rochni (Herzgifte p. 18) auf die
folgende Weise beschrieben werden. ,,Nach einiger Zeit steigerten
1) A c h s c h a r u m o w , D., Untersuchungen u. d. toxirolog. Eigenschaften
d. Aeonitins Arrh. f. Anat. Physiol. 1 8 6 6 p. 255.
2) B o e h m , R., Studien iiber Hcrzgifte. Wiirzhurg 1871.
3) Ob diese anfangliehe Beschleunigung wohl oder nicht bestehe, dariibei
wollen wir uns spater aussprechen, fur den Augenblick wurden wir durch dic
Art der Untersucbung verhindert , unsere Expcrimente mit periiigerer Dose und
in gr6ssere.r Anzahl zii wiederholen.
P. C. Plugge, Vorgiftung mit Aconitin.
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sich die Erscheinungen (unregelmassige Contractionen) zu wirklichen Herzkrampfen. Das Herz , in all seinen Theilen stroteend
gefullt, machte eigenthumliche, wurinformige, peristaltische Bewegungen und zwar in solcher Raschheit, dass man den naheren VerFerner (1. c. p. 21.) ,,Das Hauptlauf nicht beachten konnte."
moment der Rhytmia des Herzschlags, das Abwechseln von Systole
uud Diastole in regelmassigen Intervallen, hat aufgehort, und es ist
unmoglich, das sich darbietende Phanomen zu beschreiben. Der
Herzmaskel bemuht sich vergebens seinen Inhalt auszutreiben, er
schleodert ihn gleichsam von einer Ecke des Herzens in die andere
und so walzt sich eine auf kleine Strecken beschrankte Diastole in
wurmformigen Bewegungen iiber das ganze Herz hin."
Nachdem die Kammer in Diastole stillestand, sahen wir, wie
schon oben bemerkt worden ist, noch einige Zeit Pulsationen von
den Vorhofen ausfuhren. Schliesslic h stand das ganze Here stille,
stark gefdlt mit dunkol violettrothem Blute. Hinsichtlich der Herzwirkung miissen wir zum Schlusse noch bemerken, dass sowohl
Vagus- wie Sinus-Reizung ohne Wirknng blieb und dass das
stillestehende Herz weder durch mechanische, noch durch starke
electrische Reize z u r Pulsation genothigt werden konnte.
2) Den K a n i n c b e n haben wir Gaben von 0,8 Mg. (oder 0,5
bis 0,6 Mg. per Kilo) Nitras Aconitini gereioht. Unmittelbar nach
der Injection geht das Thier unruhig hin und her und reibt mit
den Hinterbeinen uber den Fleck, wo das Gift unter die Haut gebracht ist. Nach etwa 10-15 Minuten gewahrt man sehr charakteristische Kaubewegungen , bald folgt darauf ein reichlicher Fluss
des Ppeichels, der oft mit schnell auf einander folgenden Tropfen
aim dem M a d e fliesst. Die anfangs rothgefarbten und warmen
Ohren werden dann auffallend bliisser und kalt. Die Bewegung
des Thiers wird nun auch in Folge der Lihmung - namentlich
dt:r Hinterbeine - sehr miihsam. Wenn das Thier zur Bewegung
gezwungen wird, schleppt es den Hintertheil geliihmt mit sich fort,
indem die Vorderbeine zur Fortbewegung noch geschickt sind.
Bisweilen bemerkten wir fibrillare Bewegungen und schwache Krampfe
der Bauchmuskeln. Die Athemholung wird allmahlich schwerer und
cs bietrn sich Erscheinungen von heftiger Dyspnoe dar.
Die Bewegungen des Herzens sind alsdann schon dermaassen
geschwacht, dass sie nicht mehr durch die Brusthohle hindurch
beobachtet werden konnen. Die Pupillen erweitern sich sehr stark
2G
P. C. Plugge, Vergiftung mit Aconitin.
und es tritt erhohte Secretion der Conjuctiva ein, 25 Minuten nach
der Injection liegt das Thier auf der Seite, dann und wann einen
winselnden Laut von sich gebend, die Nasenfliigel offnen sich weit
und sind in starker Bewegung, auch das Maul offuet sich zeitweilen. Nach beziehungsweise langeu Pausen haben noch starke
Athemholungsbewegungen statt, wobei das Diaphragma hoch und
stark in die Brusthohle getrieben wird, es folgen dann meistens
noch ein paar schwache Convulsionen und darauf sterben die Thiere
etwa eine halbe Stunde nach der Injection.
3) Bei unsern Experimenten auf H u n d e haben wir Gaben von
0,45-1,6 Mg. Nitras Aconitini gereicht, oder berechnet auf ein
Xilogramm Hund Gaben von 0,054-0,075-0,l
und 0,21 Mg.
Die Hunde mit 0,5 und 0,66 mgr. (oder per Kilo resp. 0,54
und 0,075 Ng.) erholten sich nach sehr heftiger und charakteristischer Aconitinvergiftung. Die anderen Hunde sind gestorben
und es ergiebt sich dabei, dass mit grosserer Dose auch das Eintreten der Erscheinungen und des Todes beschleunigt wird. Die
beobachteten Erscheinungen Rind : direct nach der Injection Symptome lokaler Reizung, das Thier leckt den Platz, wo die Injection
geschah. 7 -1 5 Minuten, nachdem das Gift eingespritzt war, wird
das Thier unruhig, lauft von einem Orte des Zimmers nach dem
andern, um sich allemal wieder vorzugsweise in einem dunkeln
Winkel niederzulegen.
Immermehr folgen dann Erscheinungen
von Unpasslichkeit, die Bewegung wird schwer und unsicher, die
Beine und zwar namentlich die Hinterbeine - sind steif und werden beim schwankenden Gange weit von einander gesetzt.
Nur wenn man dem Thiere eine beziehungsweise grosse Dose
reichte, sodass der Tod innerhalb
20 Minuten eintrat, sahen wir
keinen Speichelfluss, in allen anderen Fallen aber war dies eine
standige Erscheinung, die 15 -20 Minuten nach der Injection anfing. Zugleich stellten sich dann auch Kaubewegungen und trat
bald auch heftiges Brechen ein. Die vom Thiere vomirte Masse
bestand am Ende aus einem sehr zahen, schaumformigen weissen
Schleim; besonders in den Fallen, wobei nicht todtliche Doses gegeben worden waren, dauerte dieses Brechen sehr lange und machte
dann eine der Haupterscheinungen der Vergiftung aus.
Ee zeigen sich weiter auch Athemholungsstorungen und demzufolge Erscheinungen von Dyspnoe, die stets zunehmen, sodass
das Thier mit geoffnetem und schaumbedecktem M a d e darniederliegt,
+
P. C. Plugge, Vergiftung mit Aconitin.
27
noch einige krampfhafte Athemholungsbewegungen macht und dann
- ohne dass sich bestimmte Convulsionen einstellen -, stirbt.
4) Als vierte Thiergattung, die wir bei unserer Untersuchung
benutzten, haben wir hier noch zu erwahnen, die Tauben. Bei
einer Taube spritzten wir die sehr geringe Quantitat von 0,07mgr.
(oder 0,22 Mg. per Kilo) Nitras Aconitini ein. Etwa 15 Minuten
danach boten sich die ersten Erscheinungen dar, die in Lahmung
bestanden. Das Thier sitzt mit schlaff am Korper herabhangenden
Fliigeln; zwingt man es sich zu bewegen, so stellt sich heraus,
dass es dazu mit blosser Hilfe der Beine nicht fahig mehr ist, die
Taube gebraucht dann als dritte Stutze den Schnabel und kriecht
in dieser seltsamen Stellung noch eine Weile fort, fYlt herum und
richtet sich miihsam wieder auf. Die Anfangs schnellere Athemholung wird schwieriger; das Thier fallt von neuem, bleibt dann
auf der Seite liegen und verendet unter Erscheinungen von Dyspnoe
21 Minuten nach der Injection.
Bei den Xaninchen, Hunden und Tauben fanden wir bei der
Section die Herzkammer stets stillestehend in sehr stark ausgedehntem Zustand und namentlich die rechte Seite stark gefullt mit
dunkelrothem Blute. Die Vorhofe machten zuweilen gleich nach
der Oeffnung der Brusthohle noch sehr schwache Pulsationen oder
fibrillare Zuckungen. Das Diaphragma fandeu wir bei Kaninchen
und Hunden sehr stark emporgerichtet, kugelformig in die Brusthohle getrieben. Das Herz fanden wir stets unempfindlich gegen
starke , mechanische und elektrischc Reize, indem die Muskeln der
geoffneten Brusthohle und des Diaphragmas durch elektrische Reize
noch sehr stark contrahirt wurden.
c. N i t r a s A c o n i t i n i v o n Merck. Dies ist ein gelbliches
braunes Pulver, das sich in kaltem Wasser leicht auflost. Indem
wir von diesem Praparat eine geringere Wirkung vermutheten,
bereiteten wir eine Aoflosung von 1 Ole. Als Probethiere wurden
auch hierbei Frosche, Kaninchen, Hunde und Tauben gebraucht.
1) Bei Froschen spritzten wir 0,4- 4,O Mg. ein; dann wurden
die namlicheu Vergiftungserscheinungen sichtbar wie bei dem sub b
beschriebenen Stoffe, doch bei Gaben von 0,4-2
Mg. war die
Intensitat der Wirkung nicht s o heftig und schnell wie bei denen
von 0,l-0,4 Mg. des Nitras Aconitini von P e t i t , auch war der
ortliche Reiz nach der Injection anscheinlich vie1 weniger heftig.
Die Erscheinungen bestehen auch hier in gesteigerter Schleimab-
28
P. C. Plugge, Vergiftung rnit Aconitin
sonderung der Haut, die aber nicht bestandig und weniger reichlich
als bei b sich einstellte. Die Athemholung hort meistens nach
4-5 Minuten auf, die charakteristischen brechactahnlichen Bewegungen und das Oeffnen des Maules traten auch hier ziemlich
bestandig ein. Fibrillare Zuckungen wurden nur etliche Male beobachtet nnd bilden keine charakteristische Vergiftungserscheinung
des Aconitin bei Froschen. Die Pupille erweitert sich meistens
stark. Von b ist es hierin durchaus unterwhieden, dass hier die
sonderbar verschrobene Stellung des Thieres gleich nach der Injection fehlt, sehr wahrscheinlich als eine Folge der geringeren
lokalen Wirkung von c. Hier machte das Thier meistens direct
nach der Einspritzung einige Satze, sass dann 1 oder 2 Minuten
stille und machte dann durch regelmbssige Pausen abgewechselte
Spriinge, bis sich nach einiger Zeit die Lahmungserscheinungen zu
zeigen anfingen, in der Folge, dass erst die willkiirliche Rewegung
und darauf die Reflexerregbarkeit verschwanden.
Durch das Blosslegen des Herzens, sobald das Thier ganz
unbeweglich geworden war, so wie durch besondere Experimente
mit gefensterten Froschen und ausgeschnittenen Froschherzen wurde
dargethan, dass die Wirkung auf das Herz qualitativ derjenigen
gleichkommt, welche wir bei b beschrieben haben, dass aber zu
einer gleich intensiven Wirkung des Stoffes c eine vie1 grossere
Quantitat erforderlich war.
2) Bei K a n i n c h e n wurden Gaben von 10 und 3,5 Mg. (oder
von 6,25 und 2 Mg. per Kilo) eingespritzt, wobei im ersten Falle
der Tod nach 15 Minuten, im zweiten Falle nach 75 Minuten erfolgte.
Die Erscheinungen sind wie die beim Stoffe b schon nach
5 -6 Minuten Kaubewegungen, Speichelfluss, fibrillare Muskelzucknngen und dem Brechact ahnliche Krampfe der Bauchmuskeln,
unruhiges Umherlaufen, erweiterte Pupillen, Erscheinungen von
Dyspnoe und Tod.
3) Bei einem H u n d e haben wir experimentirt mit 10 Mg. (oder
per Kilo 1,65 Mg.) Nitras Aconitini. Nach 10 Minuten entstand
starker Speichelfluss, Brechen, nach 15 Minuten war das Thier
todt. Die Erscheinungen waren die namlichen, doch weniger heftig
als bei den Hunden mit Stoff b.
4) Bei einer T a u b e wurde 0,4 Mg. (oder per Kilo 1,65 Mg.)
injicirt, es boten sich hier keine wahrnehmbare Vergiftungssymptome
dar. Vergleichen wir dieses Experiment mit dem sub b ange-
P. C.
Plugge, Vergiftung mit Aeonitin.
29
gebenen, so sehen wir, dass im letztern die geringe Dose von
0,07 Mg. (oder 0,22 Mg. per Kilo) schon in 21 Minuten den Tod
herbeifuhrte, dass also nach diesem Experimcnte das Me rck’sche
Praparat wenigstens 7 -8 Ma1 schwacher wirkt als das von P e t i t .
Die Untersuchung von Herz und Muskeln dieser warmbliitigen
Thiere ergab fur die Organe cin ghnliches Verhaltniss wie beim
Stoffe b.
d. N i t r a s A c o n i t i n i v o n F r i e d l a n d e r . Dieser Stoff ist
eine zusammengeflossene, harte gummiartige Masse von granlich
weisser Farbe, die in kaltem Wasser sich sehr leicht auflosen lasst.
Wir bereiteten fur unsere Experimente eine Auflosung von 1:100.
Die Experimente ergaben einen erheblichen Unterschied riicksicbtlich der beiden vorigen Stoffe, einen Unterschied, woraus erhellt,
dass das Friedl a n d e r ’ s c h e Praparat ungeheuer viel schwacher
und weniger giftig wirkt als das von P e t i t und auch viel schwacher
als das Merck’sche.
1) Wir haben eine grosse Anzahl Experimente angestellt mit
F r o s c h e n , wobei 4 - 10-20 und 40 Mg. Nitras Aconitini eingespritzt wurden. In all diesen Fallen gewahrten wir niemals Erscheinungen, die als eine Folge yon lokaler Reizung zu betrachten
waren; Schleimabsonderung der Haut wurde dabei nicht oder nur
sehr wenig wahrgenommen und liess sich wenigstens nicbt vergleichen mit dieser durch die beiden vorigen Praparate verursachten
Erscheinung. Ueberhaupt bieten sich nach der Injection dieses
Aconitin-Nitrats wenig oder gar keine charakteristische Vergiftungssymptome dar. Anfangs macht das Thier bisweilen einige Spriinge,
bleibt aber bald ruhig sitzen, bis sich allmahlich auch Erscheinungen
angehender Paralysis einstellen ; die Athemholung wird alsdann
schwerer und hort schliesslich vollends auf; das Thier senkt den
Kopf und scheint friiher im Vorder- als im Hintertheile paralysirt
zu sein. Wenn das Thier keine willkiirliche Bewegungen mehr
macht, gewahrt man dennoch auf mechanische Reize noch geraume
Zeit Reaction, schliesslich wird auch die Reflexerregbarkeit = 0
und liegt das Thier gleichsam todt darnieder. Wurde nun bei
derartigen Froschen, entweder gleich nach dem Verschwinden der
Reflexerregbarkeit , oder einige Stunden spater das Herz blossgelegt, dann ergab sich, dass durch eine Gabe von 4 Mg. kein Stillstand des Herzens herbeigefiihrt war, wohl waren die Bewegungen
schwiicher und in einzelnen Fallen sogar arytmisch, in dem Sinne,
30
P. C. Plugge, Vergiftung rnit Aconitin.
dass die Vorhofe mehr Pulsationen machten als die Kammer, doch
vollkommener Stillstand wurde in gleicher Zeitdauer sogar durch
vie1 grossere Doses nicht erreicht. Einmal blieb die K a m m e r
nach einer Gabe von 20 Mg. in 67 Minuten stillstehen, indem die
Vorhofe noch gut pulsirten, bei einem andern Frosche mit 20 Mg.
hatten sowohl die Kammer wie die Vorhofe nach 140 Minuten noch
nicht zu klopfen anfgehort. Bei einer Vergiftiing mit 4 0 Mg. sahen
wir nach 62 Minuten die Kammer noch schwach und langsam pulsiren, indem die Vorhofe noch 10 Ma1 per Minute pulsirten.
Die Farbe des Blutes und demzufolge auch des blossgelegten
Herzens waren sehr verschieden von denen bei den Stoffen b und c ;
anstatt des dunkel violetten Roth, wie bei den zuletzt erwahnten
Stoffen ist nach einer Vergiftung rnit Nitras Aconitini von F r i e d l a n d e r die Farbe des Bluts nicht sichtlich verandert.
2) Bei K a n i n c h e u haben wir 6 und 2 4 M g . (oder per Kilo
4,11 und 18 Mg.) eingespritzt, ohne irgend eine Vergiftungserscheinung zu erzielen. Darauf haben wir einem jungen Kaninchen
mit einem korperlichen Gewichte von 505 g. 50 Mg. (oder per
Kilo 85,5 Mg.) eingespritzt, wodurch freilich starke Vergiftungserscheinungen : Kauen, Speichelfluss, Lahmung, namentlich der Hinterextremitaten, Dyspnoe u. s. w. eintrateu, allein diese fuhrten keinen
todtlichen Ausgang herbei. Nach ungefihr 4 Stunden hatte das
Thier die schlimmsten Erscheinungen iiberstanden und am nachsten
Morgen hatte es sich vollstandig erholt.
3) Ein H u n d , dem wir 2 8 Mg. (oder 6 Mg. per Kilo) gereioht hatten, wurde gar nicht beschadigt und
4) eine T a u b e , bei der 10 Mg. (i. e. per Kilo 33,4 Mg.)
injicirt worden war, bot ebensowenig irgend eine Spur von Vergiftung dar. Diese Taube wurde also nicht beschadigt durch eine
Dose, die 150 Ma1 grosser war als die von 71, an der eine Taube in
21 Minuten starb.
Da man uns nur eine geringe Quantitat der Friedlander’schen
Nitras Aconitini zur Verfugung gestellt hatte, konnten wir unsere
Proben nicht weiter mit grosseren Quantitiiten fortsetzen. Daher
ist es uns nicht gelungen, ein warmbliitiges Thier rnit diesem
Priiparat zu todten, was aber auch bei dem schon erwiesenen ungeheuren Unterschied der Wirkung nicht eben nothwendig war fir
unsern Zweck.
P. C. Plugge, Vergiftiing mit Aconitin.
31
a. Da wir die Wirkung der drei genannten Stoffe b, c und d
durch die beschriebenen Proben erkannt hatten, untersuchten wir
nun noch das T r a n k c h e n a. Auch zii dieser Untersuchung bedienten wir uns der Frosche, Kaninche, Hunde und Tauben.
Das Resultat der Experimente, das wir hier nicht eingehender umschreiben wollen, war derartig, dass wir mit vollkommener Sicherkeit constatiren konnten, dass bei der Bereitung des erwahnten
Trankchens zu dem vorgeschriebenen Nitras Aconitini das Praparat
von P e t i t benutzt worden war, aluo ein franzosisches Aconitinnitrat.
e. Nachdem wir also dargethan hatten, dass der Stoff, mit dem
die todtliche Vergiftung stattgefunden, Nitras Aconitini von P e t i t
war, kamen nun noch die sub e bezeichneten und von den Chemikern
aus der Leiche von Dr. N. ansgesonderten Stoffe zur Untersuchung
an die Reihe. E s war jenen Sachkundigen nicht gelungen, vermittelst chemischer Reagentien die Anwesenheit Aconitins in jenen
Resten zu beweisen; man wiinschte daher zu erfahren, ob durch
physiologische Experimente Sicherheit dariiber zu gewinnen ware.
Da die erwahnten Reste die Glaser nur mit einer ausserst dinnen
Fettschicht bedeckten, meinten wir am sichersten ein gutes Resultat zu erzielen, wenn wir die ganze Quantitat des Stoffes von
den beiden Schiisselchen, sowie auch die Tom Uhrglase jede fur
sich in Auflosung zu einem einzigen Experimente rerwendeten.
Indem wir weiter bei unserer Untersuchung mit dem Stoff b ausfindig gemacht hatten, dass eine Taube schon durch eine Gabe
von 0,07 Mg. innerhalb 21 Minuten starb, wahlten wir zu jenen
Proben Tauben.
Bei der Auflosung in sehr verdiinnter Salpetersaure ergab es
sich, dass die Reste zum bei weitem grossten Theile unauflosbar
waren, sodass wir beschlossen ein wenig Weingeist hinzuzuf~gen,um
die Ausziehung und Auflosung des etwa anwesenden Aconitins zu
fordern. Die also erhaltenen Fliissigkeiten wurden jede besonders
(d. h. die aus den beiden Schiisselchen und die aus dem Uhrghse)
durch subcutane Injection einer Tanbe eingespritzt, fihrten aber bei
keiner Taube irgend eine Spur von Vergiftung herbei, wodurch
wir uns fur berechtigt hielten zu dem Urtheil, dass in den erwahnten Resten kein oder wenigstens vie1 weniger als 0,07 Mg.
Aconitin vorhanden sein konnten.
Da die Vergiftung von Dr. M. die Folge einer Irrung war,
und folglich feststand, dass sie durch Nitras Aconitini von P e t i t
32
P. C. Plugge, Vergiftunj mit Aconitin.
verursacht war, da weiter die von ihm genommene Dose 3-4 Mg.
betrug, wurde das nicht Wiederfinden des A c o n i h s veranlasst entweder durch das Ungenugende von der Methode der Aussonderung
oder, was wir Wr nicht unwahrscheinlich halten, dnrch vollstandige
oder theilweise Zersetzung des Alkalo'ids im Korper.
Hinsichtlich der Dosis letalis leiten wir aus unseren Experimenten, die ich nach der Einsendung nnseres Visum repertum noch
mit vielen vermehrt habe, Folgendes ab. I n den Tabellen bedeutet
das Zeichen cx?, die endliche Wiederherstellung des Thiers.
b. N i t r a s A c o n i t i n i v o n P e t i t i n P a r i s .
sterb. durch Gabenv. 0,4Mg., od. p. Kilo 16 Mg., durchseh. i. 6 0 Min.
Frosche
- - 0,s - - - - 0,5-0,6 - 30 Kaninchen Hunde
- - - 1,6 - - - - 0,21 - 20 do.
- - 0,45 - - - - 0,lO -140 do.
- - 0,50 - - 0,054 - CX) do.
0,66 - - - 0,075 -00 Tauben
- - 0,07 - - - - 0,22 - 21 -
-
-
c. N i t r a s A c o n i t i n i v o n
E. M e r c k i n D a r m s t a d t .
F r o sohe
sterb. durchGaben v. 0,4Mg., od. p. Kilo 16 Mg., durchsch.i. (m Min
- - 1,o - - - - 40 120-360
do.
do.
- -2,o. - 80
- 75-130
- - 4,O - - - - 160 do.
- -52 Kaninchen - 3,5 - - - - 2 - -75 - - 10,0 - - - - 6 , 5 2 do.
- - 15 1,65- - 10,0 - - - Hunde
- - 15 - 0,4 1,65Tauben
- - 03 -
-
-
-
-
_I
d. N i t r a s A c o n i t i n i v o n F r i e d l a n d e r i n B e r l i n
(-Trommsdorf in Erfurt).
F r o s c h e sterb.durchGabenv. 4Mg., od.p.EilolGOMg., durchschi. 00 Min.
do.
- - 1 0 - - - - 400 do.
- - - 2 0 - - - - 800 --Imehra1s60do.
- - 4 0 - - - - 1600 6 Kaninchen - - - 4,11 - c m do.
- - 24
- - - - 10,O - -0c'50 - - - - 85,5
do.
- - 0 0 Hunde
- -28 - - 6,0 Tauben
- 10 - - - -33,4 - - - 0 0 -
-
-
-
-\
- -
-
-
- = -
Wie wir schon bemerkten, war unsere verfiigliche Quantitat
Nitras Aconitini von F r i e d l S n d e r zu gering, die Dosis letalis bei
warmblutigen Thieren zu bestinimen , nur beini Kaninchen mit
P. 0. Plugge, Vergiftung
mit Aoonitfn.
33
85,5 Mg. per Kilo gewahrten wir ziemlich starke Vergifiungserscheinungen.
Aus diesen Ziffern und Experimenten kann man auf folgende
Schlusse ziehen :
1) Nitras Aconitini von P e t i t wirkt wenigstens 8 Ma1 starker
giftig als das von Merck.
2) Nitras Aconitini von P e t i t wirkt wenigstens 170 oder mehr
Ma1 starker giftig als das von F r i e d l a n d e r .
3) Nitras Aconitini von M e r c k wirkt wenigstens 20-30 Ma1
starker giftig als das von F r i e d l a n d e r .
4) Als ein nicht unwichtiges Resultat betrachten wir das von
uns erwiesene Factum, dass nicht alles, was unter dem Namen
deutsches Aconitin im Handel vorkommt , auf eine Linie geetell’
werden darf, dass im Gegentheil im Grade der Giftigkeit der zwei
deutschen Sorten ( M e r c k und F r i e d l a n d e r ) ein grosserer Unterschied besteht als zwischen dem sub b bezeichneten franzosischen
Praparat und dem wirksamsten deutschen Praparat, namentlich
zwischen dem von P e t i t und von Merck. Denn nach vorstehenden Zahlen bekommt man als Giftigkeitsverhaltniss jener Praparate
Friedlander :Merck = 1: 20- 30 und Merck : Petit = 1 :8.
5) Wie sich aus der Beschreibung der Vergiftungssymptome
ergab, besteht zwischen der Wirkung des Nitras Aconitini von P e t i t
und der des Merck’schen nur ein quantitativer Unterschied.
Qualitative Unterschiede konnten wir nicht ausfindig machen. Beide
Handelssorten sind h e f t i g e H e r z g i f t e , Stillstand des Herzens ist
hier Ursache des Todes und bei diesen Praparaten ist also die
Wirkung auf das Herz von grosserem toxicologischen Interesse
als die allgemeine Paralysis.
6) Das Nitras Aconitini von F r i e d l a n d e r ist wenigstens anscheiulich qualitativ in der Wirkung verschieden, denn bei einer
Dosis von 2- 4 Mg. pulsirt bei Froschen das Herz - wenig oder
auch wobl gar nicht modificirt - immer weiter, und hat sich
selbst herausgestellt, dass durch vie1 grossere Gaben das Herz wenig
afficirt wird. Dadurch treten hier die Lahmungserscheinungen
mehr hervor, das aussere Vergiftungsbild der Frosche gleicht dem
von Curare. Bei sehr grossen Dosen von 20- 40 Mg. bei Froschen
sieht man aber auch die fur Aconitin so charakteristischen, wurmformigen Bewegungen des Herzens bisweilen eintreten und bei
grossen, den Kaninchen eingespritzten Gaben erblickten wir auch
Arch. d. Pharm. XX Bds. 1. Heft.
3
94
P. 0.Plugge, Vergiftung mit Aconitin,
die bei den beiden nnderen Prhparaten beobach teten Vergiftungserscheinungen wie: Kauen, Speichelfluss, erschwerte Athemholung,
Dyspnoe etc.
..____
Aus dern Grunde, dass die Giftigkeit der Stoffe, die unter dem
namlichen Namen in den Handel komnien, so ungeheuer verschieden
i s t, muss also die grosste Vorsicht bei dem Verschreiben des
Aconitins und seiner Salze empfohlen werden. Denn wenn der
Medicus die Wirkungsweise, die Maxima,dosis eines bestimniten
Praparates durch Erfahrung erkannt hat, so besteht die gefahrliche
Moglichkeit, dass bei einem neuen Einkauf des Praparates durch
den Apotheker eine Handelssorte von ganz verschiedener Starke
empfangen wird, und dass der Arzt bei der Verordnung der namlichen Quantitat, seinen Patienten statt einer medicinalen eine letale
Dosis eingiebt. Also verhielt sich die Sache zu Winschoten, wo
statt des vom Medicus gemeinten (aber nicht auf dem Recept bezeichneten) Nitras Aconitini Friedlanders, vom Apotheker geliefert
wurde eine Solutio des wenigstens 170 ma1 starker wirkenden
Nitras Aconitini von P e t i t .
Durch diese Facta veranlasst , halten wir es fir nothwendig,
dass das Aconitin mit seiner jedesmaligen Maximaldosis von 4 Mg.
(im erwahnten Vergiftungsfalle dosis letalis) und von 32 Mg. taglich aus der Pharmacopoea gestrichen werde.
Durch den erheblichen Unterschied in der Wirkung der verschiedenen Handelssorten des Aconitins , erklart es sich auch, davs
man in der Literatur uber die toxicologische Wirkung dieses Alkalonds so viele sich widersprechende Angaben fiudet. Die altePereira8, Fleming,
ren Mittheilungen von T u r n b u l l ,
C h r i s t i s o n 4 , H a d l a n d 5 u. a., beziehen sich auf englisches
Aconitin, datl theils bereitet ist aus Aconitum Napellus, theils aus
Aconitum ferox. C:. D. S c h r o f f 6 wandte ein Aconitin von Merck
1) On the preparation and med. empl. of Aconit. by the enderm. method.
and the treatment of tic doulour. and other painfull aEections. London 1834.
2) Elements of mat. medica 1842. 11. p. 1811.
3) Prize thesis, on the physiological and med. propert of the Acon. Napellus. Edinburg 1844.
4) A Treatise on Poisons. 4. Ed. Edinburg 1845. p. 870.
5) An Essay on the Action of medicines. London 1852. p. 341.
6) Einiges iiber Aconitum in pharmacogn., toxicologisch. und pharmacol.
Hinsicht. Prag, Vierteljahrschr. 2. 1854.
P. C. Plugge, Vergiftung mit Aconitin.
35
in Darmstadt an, LBonides v a n P r a a g ' einpraparatvon T r o m m s dorf in Erfurt. A c h s c h a r u m o w 2 giebt an, dass das von ihm
benutzte d e u t s c h e A c o n i t i n beeogen war von M e r c k in Darmstadt, von T r o m m s d o r f in Erfurt und von S c h e r i n g in Berlin.
Nirgends aber finde ich erwahnt , dass er eine verschiedenartige
Wirkung bei diesen drei Praparaten beobachtet hat, was mich um
80 mehr verwundert , als das von uns untersuchte Aconitinnitrat
von F r i e d l a n d e r eigentlich als Aconitin von T r o m m s d o r f betrachtet werden kann. B o h m und H a r t m a n n bedienten sich bei
ihren Untersuchungen nur des M e r c k'schen Prliparates.
Meistens wurde also untersucht mit einem ,,d e u t s c h e n " Prgparat und dabei das Factum ubersehen, dass die blosse Unterscheidung in d e u t s c h e s , f r a n z o s i s c h e s und e n g l i s c h e s Aconitin von wenig oder gar keiner Bedeutung ist.
Ein in E n g l a n d bereitetes Aconitin aus Aconitum Napellus
wird namlich verschieden sein von dem dort ebenfalls unter dem
Namen Aconitin in den Handel gebrachten Praparat aus Aconitum
ferox - dem Pseudoaconitin.
Das franzosische Aconitin von D u q u e s n e l kommt wie von
W r i g h t and L u f f 4 dargethan ist, am meisten dem reinen Acotin gleich und ist also auch verschieden von und wirksamer als
das sogenannte franzosische Aconitin von Hot t o t und Lit5 g o i s.
Endlich kann das deutsche Aconitin von M e r c k und von
F r i e d l a n d e r , wie wir dargethan haben, nicht ohne Gefahr unter
demselben Namen ,,deutsches Aconitin " in den Handel gebracht
werden. Der Name deutsches Aconitin verhiirgt also die Gleichformigkeit der Wirkung nicht, wie man meint und wie sich u. a.
ergiebt a m einem Handelsbericht dieses Jahres von G e h e in
Dresden.
Dass man im Aconitin von T r o m m s d o r f (Friedlander) auch
fruher ein ziemlich unwirksames Praparat besass, leiten wir daraus
ab, dass L. v a n Y r a a g bei seinen 1854 publicirten Untersuchungen (1. c. p. 445) den Kaninchen Gaben von 100 und 400 Mg.
1) Aconitin.
chip.
-
Toxicologisch pharmacodynamische Studien.
Bd. VII. 1854. p. 438.
2) 1. c.
3) 1. c.
4) Journal of the Chemical Society 1878.
Virchow's Ar-
Ytr
P. C. Plugge, Vergiftung mit Aconith.
Aconitin beibringen konnte, ohne mehr als leichte und schnell voriibergehende Vergiftungssymptome zu erregen. Bei Hunden wurde
er bisweilen nach Gaben von 200 Mg. nur Brechen gewahr. Von
einem aus den Aconitinblattern von T r o m m s d o r f bereiteten Aconitin reichte er Hunden Gaben von 260 und 325 Ng. ohne dadurch
den Tod zu verursachen.
A c h s c h a r u m o w (a. a. 0. p. 264) sah Heilung bei Kaninchen
nach 15 und 30 Mg. Er sagt: ,,Die Dosen 0,015-0,030 unter
die Haut werden von Xaninchen ertragen. Die Dosis 0,060 ist
todtlich." Eine Taube erholte sich nach einer Gabe von 15 Mg.
p. o s , starb durch 10 Mg. subcutan in 30 Ninuten. Am Schlusse
seiner Abhandlung (p. 282) sagt A.: ,,Das kleine Thier, das Kaninchen, bleibt unbeschadigt von 0,010 unter die Haut und 0,100
in den Magen, also konnten wohl diese Dosen einem erwachsenen
Xenschen gereicht werden", u. s. w.
Leider erwahnt A. dabei
nicht, auf welches der drei von ihm gebrauchten Praparate dies sich
bezieht. Sein Stillschweigen iiber die Verschiedenheit der Wirkung
und die Bemerkung: ,,Alles hier Geschriebene bezieht sich nur
auf das deutsche Aconitin", ist wohl ein Beweis, dass er die drei
Praparate nicht als verschieden betrachtet. Gestiitzt auf unsere
Experimente nun diirften wir die hier erwahnte Conclusion von
A. hochstens zugeben fiir das Praparat von T r o m m s d o r f ( F r i e d l a n d e r ) , nicht aber fiir das von Mer ck. Die Moglichkeit besteht
aber, dass auch die zu verschiedenen Zeiten von demselben Fabrikanten gelieferten Praparate eine verschiedenartige Wirkung haben und also das von friihern Untersuchern gebrauchte M e r c k ' sche Priiparat weniger wirksam war, als das von u n s unter seinem
Namen benutzte.
Sehr wichtig wurdc es zur Erklarung jener grossen Unstetigkeit der Wirkung kein, dem Unterschied der chemischen Zusammensetzung fur alle jene Handelssorten nachzugehn.
Durch die Untersuchungen von W r i g h t and L uff hat Kich
erwiesen, dass in den Xnollen des Aconitum Napellus ausser Aconitin noch xwei andere Stoffe enthalten sind, das unwirksame
bittere Picraconitin (C31H45N0'0) und einen dritten noch nicht
naher untersuchten Stoff. In Folge der mehr oder weniger sorgfaltigen Bereitung , des verschiedenartigen Wachsbodens der Knollen ti. s. w. konnen also die im Handel unter demselben Namen
vorltommenden Priiparate Xischungen sein die des giftigen Aconi'
0. Helm, Beitrag zur Eenntniss der Zmammensetzung der Steinkohle.
37
tins mehr oder weniger enthalten. Bekanntlich schmecken etliche
Handelspraparate sehr bitter , wahrend bei andern Praparaten der
bittere Geschmack gegen einen sehr scharfen zuriicksteht.
Weiter ist von W r i g h t and Luff dargethan, dass Aconitin
unter bestimmten Urnstanden Wasser abgeben kann und dabei in
Apoaconitin ubergeht.
C33H43N012 __H 2 0 = C33H41N011.
A poaconit in
Aconitin
dass es sich unter andern Umstanden in Benzoesaure und eine
neue Basis Aconin zersetzt.
HZ0 = C6H5COOH C26H39N0'1.
C33H"N012
Aconitin
Benzoesaure
Aconin.
Die Moglichkeit besteht also auch, dass in Folge der Bereitung
im Handelspraparate mehr oder weniger von diesen Zersetzunguproducten (Apoaconitin und Aconin) vorkommen, die sofern mir
bekannt ist, noch nicht physiologisch untersucht sind. Der Zweck
unserer Untersuchung und die Zeit , welche darauf verwendet werden konnte, schlossen selbstverstandlich diese Richtung aus ; es war
uns - vorlaufig wenigstens - nur zu thun um die Beantwortung
der Frage , wie sich die verschiedeuen Handelssorten hinsichtlich
ihrer Wirkung verhalten.
+
+
Beitrag zur Kenntniss der Zusammensetzung
der Steinkohle.
Von O t t o H e l m , Danzig.
Band 2 1 3 , S. 507 dieser Zeitschrift machte ich bereits bei
Belegenheit meiner Untersnchungen iiber den Schwefelgehalt des
Asphalts und anderer Retinalithe daranf aufmerksam , dass auch
in der Steinkohle neben dem an Eisen gebundenen Schwefel
Schwefel vorhanden sein musse, welcher mit der organischen Substanz der Xohle selbst in Verbindung getreten ist. Ich folgerte
solches aus dem Umstande, dass Steinkohle , in einem geschlossenen Gefasse mit eingesenktem Thermometer erhitzt, schwefelhaltige
sowohl gasformige, wie auch fliissige Producte abgiebt und zwar
bei einer Temperatur, welche weit unter der liegt, bei welcher
regulinischer Schwefel verdampft, resp. zweifach Schwefeleisen sich
zersetzt.
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