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Zur Kenntniss der Pflanzenwelt.

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21 1
Veveinsreitzing.
fehlen lassen, urn dicsen das Fortschreiten in wissenschaftlicher wie
praktischer Hinsicht zu erleichtcrn.
Dagegen wird es Sache der Staatsregierungen sein durch geeigncte Vcrordnungen das Maass dcr Vorbilclung der angehenden
Apotheker fcstzustellen, die Einhaltung desselben zu iiberwachen,
so wie die Art des Untcrrichts in der Lehrzeit, was recht gut bei
den Revisionen geschchcn kann, die sorgsame Priifung nach Vollendung derselben, die Wahi-nehmung der von Seiten der Apothekenbesitzer den Gehiilfen dargebotenen Gclegenheit zur praktischen wie wissenschaftlichen Fortbildung, Feststcllung der zu machcnden Studien und Anordnung umsichtiger und unnachsichtlicher
Priifung vor der Erlangung dcs Zeugiiisses zur Reife fur das Provisorat oder eigenem Etablissenient.
Die Staatsregierungen haben aber auch Sorge zu tragen fGr
zweckin&ssige Gelegenheit zur wissenschaftlichen Ausbildung der
Apotheker durch Anstellung tiichtiger Professoren, hervorgegangen
&us dcr dchulc dcr Pharmacie uiid vertraut mit allen Eigenschaften, die ein ausgezeichneter Apotheker besitzen muss, passende Ausriistung dcr vorhandenen Sammlungen, Apparate und Utensilien,
zweckdienliche Einrichtung der chemischen Laboratorien auch fiir
Pharmaceuten, Uebung in chemisch- torikologischcn Arbeiten.
Wenn Herr O h m e den1 Apothekerstande i m Allgemeinen Talentc absprechen will, so mag er das vcrantwoi-ten. Uns scheint es
nicht schwer, auch unter den Pharmaceuten aller Zeiten talentvolle
Kopfe nachwcisen zu kijnnen. Es kommt aber im Allgemeinen
nicht sowohl auf diesen Vorzug an, der nur sclten vertheilt ist,
sondern vorziiglich auf moralischc und wissenschaftliclie Tiichtigkeit, die sich bekundet durch die trcueste Pflichterfiillung. Doch
diirfte jetzt, wo man Milliarden auf das Spiel setzt um traurige
Kiirnpfe des Ehrgeizes anszufechten, wohl keiiie geeignete Zeit sein mit
Erfolg fir die Verbesserung der pharmaceutischen Studicn zu redcn.
Miige ein baldiger Friede eine dafur besser geeignetc Zcit herbeifiihren und dann die Triumphe der Sittlichkeit, der Wissenschaft
und Industrie wieder geschaut werdcn, die allein ein wiirdiges Ziel
sind f~ die Restrebung dcs Menschengeschlechts.
2. Zur Kenntniss der Pflanzenwelt,
-
Die Nutzp$amen des Mosguitolandes.
Der nordostliche Vorsprung von Mittelamerika, welcher sich
von dem 11. bis zum 16. Grade nordlicher Breitc uiid von dem 83.
bis 86. Grade westlicher Lange erstreckt fuhrt den Namen Mosq u i t o l a n d o l e r M o s q u i t o k i i s t e . Es i)st jcner Theil Amerikas,
welcher von C o l u m b u s auf seiner vierten Reise (1502) zuerst betreten wurde. Trotz dieser langen Kenntniss war jener Landstrich
doch bis in die-letzten Jalire eine Terra incognita, wozu ganz besonders der Umstand mit beigetragen haben mag, dass allgemcin
die Ansicht verbreitet war, das Klima sei der Gesundheit des Europlcrs sehr gefiihrlich. Erst in den letzten Jahren zog jener h c h t bare Landstrich die Aufiuerksamkeit der Englander, spatter aber
auch mehrerer deutschen Fiirsten auf sich. Es wurde eine besondere Commission zur Erforschung jenes Landstrich ernannt. Der
Bericht derselben erschien bei Alexander Dunker in Berlin,
14'
212
b'eveiitszeituiig.
und im Nachfolgenden theilen wir uber die wiclitigsten dort wildwachsenden und cultivirten Pflanzen Einiges mit. Der Reichthum
und die F'ruchtbarkeit an solchen Producten setzt i n Erstaunen.
I. Monocotyledoneae Juss.
Der g e m e i n e P i s a n g , Plantain der Englknder Ee Bananiev
eultivi, Musa paradisiaca Linn., Familie der Musaceae (Seitamineae),
Polygamia monoeeia Linn., Hezandria inonogynia Auet. rec., ist dasjenige Gewachs, welches den Bewohnern der Mosquitokhte die
hauptsiichlichste Nahrung liefert '). Er gedeiht in gntem Boden,
wird durch Stecklinge fortgepflanzt, treibt in etwa eilf Monaten
zwischen seinen sechs bis zwolf Fuss langen, palmenartigen Blittern
lingliche, gurkenformige Fruclite in grossen Bundeln, und bringt
i n jedem Monate neue Bluthen hervor und neue Fruchte zur Reife.
Die Fruchte werden entweder unreif (grun) oder reif (gelb) genossen. I n ersterem Zustande siiid sie reich an Mehl uiid werden von
der Schale entblosst, gerostet und anstatt des Brodes gebraucht, fur
welches sie allerdings ein ganz vorzugliches Surrogat gewahren.
Im reifen Zustande enthalten sie, ausser dem Mehl, eincn grossen
Reichthum an Zucker und gemahreii d a m - bald in Wasser gekocht, bald in Butter oder Oel gesotten, bald nur an1 Feuer gerSstet - eines der wohlschmeckeiidsteii und nahrhaftesten Gemuse,
welche es iiberhaupt in der Welt giebt").
D i e B a n a n e , B a n a n e n - P i s a n g , Mzcsa sapientum I;. gehijrt
derselbcn Gattuiig an, wie der gemeine Pisang und ist ilim sehr
iihnlich, nur dass die Fruchte kleiner, von feinereni, gcwiirzreicherem,
sii5seml erdheereuartigem Gcschniacke sind und daher in der Regel
roh als Obst genossen werden. Die Matter der Pisangarten sind
zur Anfertigung von Zeugen, Stricken uiid Flechtwerken sehr
brauchbar nnd werden von den Indianern hgufig dazu verwendet.
Die Plantane und Banane gcdeiht in denen, oon uiis naher erforschten Theilen der Mosquitokuste iiberall auf den huniusreichen Ufeiii
der Fliisse uiid der Carataska - Lagunc in grosster Fulle und Schonheit.
D a s R l i i m e n r o h r , Indian Cane der Englindcr, Canna Indica
Linn., Familie der Cannaceae, MonancIr. wonogyn. L., wlchst fusshoch aus eiiier knolligen, wallnussgrossen Wurzel. Die letztere ist
der Kartoffel ahnlich und ebenso, wie die, ein wohlschmeckendes,
spinatihnliches Gemuse gebeiideii Hatter, geiiicssbar.
D i e P f e i l w u r z el, Arrow root der Englindcr, Maranta avztndinacea Linn., Familie der Cannaceac, MoTAandT. monoyyn. L., hat
dicke, knollige Wurzeln, welche reich an Nahruiigsstoff sind. Das
Mehl dieser Wurzel ist selbst i n Europa bekanut uiid im Gebrauche.
Die Fortpflanzung geschieht durch Stecklinge, welche in Zeit eines
Jahres nutzbare Wurzclkiiollen bringen. Sie finden sich haufig i n
dem Willockschen Gebiete.
*) A l e x a n d e r v. H u m b o l d t hat nachgewiescn, dass der Pisang
auf derselben Grundflaehe 41mal mehr Nahrungsstoff als die
Kartoffel, und 133mal mehr als der Weizen giebt.
**) Wir haben uns wLhrend unseres Aufenthaltes an der Mosquitokiiste der gerosteten, reifen Plantaneii fortdaucrnd an Stelle
der Kartoffcln bedient. Sie durften bei keiiier Mahlzeit fehlen
und bildeten oft den Hauptbestandtheil dcrselben. Es diirftc
auf Erden kaum einc gesiindere, wohlsehmeckendere und mehr
nahrhafte Pflanzenspeise geben.
Vereinsxeitwag.
213
D i e e c h t e V a n i l l e , Epidendron Vanilla Liniz., Familie: 01.chidene, Gynandv. dinndr. L., wachst im Mosquitolande auf den tieferen und schattigen Stellen der Flussufcr und in feuchten Waldthalern uberall wild. Da sie hier wegen der cigenthumlichen Wittfrungs - und Bodenverhaltnisse ganz vortrefflich gedeiht, so wiiide
me, gehorig angepflanzt und cultivirt, unzweifelliaft einen sehr hohen Ertrag gewahren. Die langen, schmalen, schon duftenden Fruchtschoten sind als kostbarer Handelsartikel allgemein bckannt *). Die
Vanille, welche an den Flussufern wild wachst, ist nach Ausweis
einiger von uns mitgebrachter Proben, von ganz vorziiglicher Beschaffenheit"").
Man erhilt sic von den Indianem, wie schon
bemerkt, gewohnlich schlecht getrocknet, so dass man sie nicht ROgleich verpacken kann, sondern vorher noch vorsichtig trocknen
muss. Im Ganzen genommen haben die Handler an der Kuste
bisher auf Vanille nur wenig Gewicht gelegt, weil nach diesem
Gegenstande in Belize, wohin der Hauptabsatz aller Producte von
der illosquitokiiite geht, wenig Nachfrage sein 5011. Wir fanden
bei einem, am Cap Gracias a Dios ansiissigen Handler eine ziemliche Quantitat Vanille, welche in eine alte Cigarrenkiste, ohne die
geringste Sorgfalt , hineingestopft war, und vernachlisigt unter
Thierhluten, Gummis etc. i n einem Winkel der Vorrathskammer
stand, wo sie sich lediglich durch den herrlichen Geruch bemerkbar machte. Der Besitzer legte nicht den geringstcn Werth darauf,
schien mit den europaischeu Preisen dieses kostbaren Artikels vollig unbekannt zu sein, und versicherte, dass er die Schoten eben
nur darum eingetauscht habe, weil sie ihm gelegentlich mit anderen
Sachen von den Indianern seien gebracht worden. An Versendung
dieses Gegenstandes hatte er noch nie gedacht, und erkundigte sich
bei uns, ob dieser Artikel in Deutschland gangbar sei. Die Indianer
beschaftigen sich mit dem Einsammeln der Vanille daher auch nur
gelegentlich, und meistens nur, wenn sie dazu specie11 veranlasst werden. Fur einige Tassenkopfe voll Pulver oder Schrot kann man
ansehnliche Quaiititaten eintauschen. Es unterliegt keinem Zweifel,
dass die Indianer, wenn man ihnen einige geeignete Aufmunterung
und Belohnung gewahrte, die Vanille ebeuso fleissig sammeln wiirden als die Sarsaparille. Denn zur Verrichtung solcher Dienstleistungen, welche sich ohne besondere Anstrengung,. im Umherschlendern und Spazierengehen verrichten lassen, sind sie noch am leichtesten zu bewegen.
D i e Y a m s w u r z e l , Dioscoren data Linn., Familie: Dioscoreae, Dioecia hexandr. L., i n den Monaten December, Januar oder
Februar gepflanzt, bringt in Zeit von eilf Monaten sehr grosse
*) Die von den Indiancrn gesammelte Vanille ist meistcns schlecht
getrocknet. Ueberhaupt legen die Eingeborenen auf diesen
Gegenstand - so wie auf die, ebenfalls uberall wild wachsende
Sarsaparille - einen sehr gerin en Werth. Fir einen kleinen
Theetassenkopf voll gemeinen %chiesspulvers und fir einige
Angelhaken kann man 100 und mehr Vanilleschoten eintauschen, wenn sich namlich die Indianer uberhaupt mum Einsammeln bequemen. Die in den Waldern wachsende Vanille hat
den schonsten Geruch und das meiste Aroma. Wir haben
einige Proben mitgebracht und hochsten Orts vorgelegt, und
dieselben sind von Kennern fiir ganz vorzuglich erklart worden.
**) Der Preis pro Pfund wurde auf circa 30 bis 35 Thlr. bestimmt.
211
.
Vereinszeitung
Wurzelknollen, welche, gekocht oder gerostet, eiue kriiftige, der
Kartoffel sehr iilinliche Nahrung geben.
D i e S a r s a p a r i l l e , Smilax Sarsaparilla Linn. Faniilie: Smilaceae (Asparagineae) Dioec. hexanclr. L., wachst h sehr grosser
Meiige und in mehreren Variefiten wild an den Flusuufern uiid
in den Savaiinen. Ilire Bliithe iJt gelblich init Roth gemischt, die
Fruclit whwarz und euthiilt mehrcre braune Samenkorner. Die
Wurzelfascrn sind i n den Apotheken in so haufigcm Gebrauche,
dass diese Pflanze einen sehr bedeutenden Handelsartikel ausmacht.
Die Sarsaparille a u s den Savaiineii wird fiir die beste gchalten.
Sarsaparille kommt im Mosqnitolaiide selw hgufig 1 or, wird von den
Indiancrn fleissig gesammelt, weil sie dabei wenig 11iihc haben,
und ist ein Hauptgegenstand der Ausfuhr*). Gut getrocknete Sarsaparille wird in der Regel fiir je 25 Pfnnd mit 21/2, 3 bis 4 Dollar
in Waaren bezrthlt. Drei Dollar ist der gutr, gewoiinliche, niittlere
Preis. In Dcntschlaiid kostet gegeiiwjirtig das Pfund (HondurasSarsaparille) 20 Sgr. bis 1 Thlr. 5 Sgr.
D i e A n a n a s , Bromelia Ammas, Ananarsa sntiua Linn., Faniilie: Bromeliaceae, Hexandr. nionogyn. L., wiichst in der grossten
Meiige uud in ausgezeichiieter Qualitit wild. Sie komnit in mehrereu Varietiten vor. Die schonste k i c h t ist im reifen Bustande
von griiner Farbe, mit einein schwachcn gclben Anfluge am untern
Ende, von cinein nngemeinen Saftreichthum iind Aroma und einem
schmelzendeii, hellweissen Flcische. Die gemeine gelbe Anauas
dient als Viehfuttcr und wird meistens den Schweineii iiberlasscn.
D i e C o co s p a l in e, COCOSnucifera Linn., Familie : Pnlmne
pennatifoliae, itlowoeria hexanclr. L., ist nicht nur eirie der schonsten, sondern auch cine der nutzbarstcn Biiume, dessen Anpflarizung
in viclfacher Beziehung ausserordentlich belohncnd ist. Seine Fortpflanznng geschieht durch die rcifen Nussc, welche man, wcnii sie
vom Raume gcfallcn sind, im Frcien so lange liegen llisst, bis sie
Sprosslinge treiben. TTaben cliese Sprosslinge eine Ljinge von anderthalb Fuss crreicht, so pflaiizt man die Nuss sammt den Sprosslirigen in die Erde. Der Baum wiichst rasch, bcginnt im sechsten
Jahre zu tragen uiid briiigt Jahr ails, Jahr eiii, in jedem Monate ein Biindel von funfzehn bis fiiiif und zwanzig Njissen.
Wenn er ein h6heres Alter als dreissig Jshre crreicht hat, trligt er
klcinere Niissc. lIei den jungeu Niissen bestcht der gaaze Kern
aus dem bekannten, wohl~ch~ncclrenden,
crfrischenden und nahrhaften Fruchtwasser der Cocosniilch **) - welcher sich allmlilig a15
_____
*) O r l a n d o R o b e r t s brachtc selbst in nicht vollen sechs Wochcn mehr als 5000 Pfund Sarsaparille zuqanimen (a. a. 0. p.51)).
Bcsetzt nun, er zahlte fur jede 25Pfd. wirclilich den vollen Werth
von 3 Dollar in Waaren, so bctrug der Eirikaufspreis 600 Dollar odcr circa 800 Thlr., der Verkaufspreis dagegcn, auch wenn
man das Pfund nur zu 20 Sgr. reclinct, 3333 Thlr. 10 Sgr.
Hierbei ist zwar nichts fiir den Transport, fur Zolle, Unkosten etc. aiigesetzt, aber auch der Einkaufbpreis zuin vollen
Werthe von 3 Dollar angenommen, wihrerid 3 Dollar in Waaren kaum deli Wertli von 1 Dollar in Geld liabcii.
**) Die Milch der Cocosniisse, welche iiarli Europa - wenigstens
nach dem nijrdliclieii Europa - koninirn, bcfindet sicli bereits
in eiriem verdorbenen Zustaiide uiid scllmeckt dalier widcrlich.
Nach unscrn Erfahrungen halt sicli das Fruchtwasser in den
Niisscii kaum 4 bis 5 Tage ziemlich frisch.
T7ereiiiszeitzt ng.
215
eine weisse, gallertartige, iiusserst nahrliafte Masse im ganzen Umfange der Schale absetzt und endlich den harten, ebcnfalls tiusserst
nahrhaften Kern dcr Nuss bildet, aus welchem das bekannte Cocosnussol theils durch Auskochcn, tlieils durch Auspressen gewonnen wird. Die Blatter werden zu Flechtwerken yon mancherlei
Art und zum Dachdecken gebraucht. Sechs bis zehn Cocospalmen
sind fiir eine Indianerfamilie dasselbe, was das Getreide- und Kartoffelfeld fiir unsere Ackerbauer ist, sie ernlhren sie. Man findet
daher auch die Cocospalme auf allen Indianerniederlassungen angepflanzt. Der unsinnige indianische Gebrauch inzwischen, bei dem
Tode eincs Familienvaters sammtliche, von demselben gepflanzte
Cocospalmen niedergehauen, beschrlnkt ausserordentlich die Verrnehrung dieses so iiusserst nutzbaren Baumes. Der Werth des
Oeles, welches aus einem Cocosnussbaum jlihrlich gewonnen werden
kann, berechnet sich bei dern jetzigen Prcise des Cocosols von
¶21/2 Thlr. pro Centner auf circa 6 bis 8 Thlr., indern 8 bis 9 Cocosniisse ein Quart Oel geben.
D i e w a h r e O e l p a l m e , Palm. oiltree der Englander, Elaeis
oleracea Jaeq., Familie: Palmae pennntifol., in Guinea einheimisch,
findet sich angebaut auch auf der Mosquitokiiste. Die Frucht h a t
zwischen dcr lusseren Haut und dem Steine eine gelbe, breiige
siisse Substanz, welche ein rothlich-gclbes Oel enthilt. Letzteres wird
auch aus der Nuss gewonnen, indem man sie mit Wasser abkocht
und darauf das Oel von der Obcrflache abschopft. Aus Stamm
und Aesten gewinnt man ebenso, wie aus mehreren andern Palmarten, eine Fliissigkeit, welche untcr dem Namen Palmwein bekannt ist.
D i e K o h l p a l m e , Cabbage tree der Engllindcr, Arecn oleracea
Linn., Ezcterpe Caribaea Spr., Familie: P a h a e ennatifoliae, ist
einer der priichtigstcn Baume, erreicht oft eine &he von hundert
Fuss uud hat einen viillig geraden Stamm, dessen Zweige und Bystitter erst wcuigc Fuss unter dem Gipfel beginnen. Nahe dem letzteren findet sich in eincr diinnen, griinen, schwammartigen Borke
eine eigcnthiimliche Substanz, welche die Engllndcr Cabbage (Kohl)
nenncn und von welchem dcr 13aum scinen Namen hat. Diem
Substanz ist sehr umfangeich, von dcr Form eines Elephautenzahnes, YOU weisser Farbe und besteht aus langcn, diirmen, dicht an
einandcr liegenden Lamellen. Sie wird sowohl roh als gekocht i n
Gestalt eines Gemiises gcnosscn und hat cinen ausserordentlich angenehmen, der Artiscliocke 5hnlichcn Geschmack. Eine andere Species der Areca, wclche sich ebenfalls sehr hlufig wildwachsend
findet, trlgt rothe Friichte, die besonders reich an Oel sind. Von
den Indiancrn werden diese Friichte als Nahrung benutxt.
D i e F l c h e r p a l m e , Afuuritia jlexuosa Linn., Familie: PaLnae
$abellifoliae, Dioec. hexan&., wlchst in grossen Mengen auf dem
Meercsstrande, am tiefstcrl Saumc dcr Savnuneu und an niedrigen
Stellen der Flussufer. Die 13liittcr wcrdcn von den Indianern
hauptsachlich zum Decken der Hiitten beuutzt.
D i e Cococs Caladircrn escitlentum Vert., Colocnsia eseulenta
Schott., Familie: &aicllaeene (Avoidcae Juss.), Molaoecia polyandr. L.,
bekannt wegen der knolligen, cincr grossen Iiartoffel iihnlichen
Wurzel. Diese gekocht, giebt eine vortrefliche Nahrung und wird
als solche in Westindien den Kartoffeln allgemein vorgezogen.
hian pflanzt sie durch die reifcn Wurzeln selbst oder durch Stecklinge fort. Ungefihr neun Monate nach der Anpflanzuug reifcn
216
Vweinszeitung.
die Wurzelknollen2 und wiihrend eines Zeitraums von drei bis vier
Jahren erzeugen sie alle vier bis d n f Monate neue Knollen.
D a s Z u c k e r r o h r , ~Vaccl~arurn
ofjcinarum Linn., Familie:
Gramineae (Andropo oneae) Triaadr. di yn. L., ist eine rohrartige
Pflanze, deren Aehrcien an vieliistigen Ifispen wachsen. Sie findet
sich im Mosquitolande hlufig angebaut, besonders in den IndianerNiederlassungen an den Flussufern. Die Indianer geiiiessen das
Mark entweder roh, oder pressen den Saft a w und bedienen sich
desselben als Getriink oder zur Versussung ihrer Speiscn. Dns
Zuckerrohr gedeiht im Mosquitolande ganz vortrefflich, obgleich der
Anbau mit der grossten Nachlisigkeit und vollig als eine gleichgultige Nebensache betrieben wird. Der Anbau geschieht durch
Stecklinge, und zwar so, dass durch jiihrliches Abschneiden des
Rohres aus derselbcn Plantage zwanzig bis dreissig Jahre lang ergiebige Ernten gehalten werden. Es bedsrf dazn ubrigcns nicbt
gerade eines niedrigen, feuchten Bodens, sondern es gedeihen selbst
ziemlich hoch auf den Bergen die schansten Plantagen, wie man
dies auf den westindischen Inseln (Grenada, Cuba, Jamaica u. a.)
anz gewohnlich sieht *). Das cigentlichc Rohr, unterhalb der
halme, enthiilt den Zuckersaft (Rohrzucker), wclchcr, nnchdem das Rohr
in Biiihlen zcrquetscht ist, aus dem Safte durch Abkochen init Iialk
nnd Holzasche gewonnen wird. Uei dem Ahkiihlen des Zuckersaftes scheidet sich der fliissigc Thcil (Melassc) und eine duukle, kSrnige Masse (Rohrzucker) von einander. Dic letxtere wird durch
Keinigung i n Hutzucker verwandclt, wie dies Alles genugsam bekannt ist. Der Anban des Zuckcrrohrs liefert auf demsclben Areal
eiiie grosscrc Ausbcute, als jedei. andere Gegenstand des Ackerbaues. Das Verhiiltniss zwischen dem Ertragc des Zuckers und
dem des Weizens ist ivie 8 : I , wobci freilicli die grosseren Kosten
einer Zuckerplantage nicht zu iibcrsehen siiid **). Der danische
Naturforschcr S h o u w bemerkt iibrigens sehr richtig, dass die Behauptung, dcr Zuckerbau k6iine nur mit Sclaven betrieben werden,
sich in Mexico urid in Ostindicn hinlanglich widerlegt finde. Unsere,
aus eigener Aiisicht gewonnene Ueberzeugnng iiber die Nothwendigkeit der Sclaven zum Ackerbau ist die, dass auf den englischwestindischcn Colonien, wo die Sclaverei aufgehoben ist, der Zuckerbau nicht darum gelitten hat, weil er nicht mehr durch Sclaven
betrieben wird, sondern dadurch, dass es den Zuckerplantagen iiberhanpt an Arbeiterii fehlt. Mit der Sclavcrci stcht dies nur indirect
im Zusammenhangc. Wir werden dies weiter unten, wo von der
Cultur des Bodens gehanclelt wird, niiher auszuKihren versuchcn.
D e r l l e i s , Oryza satica Linn.,Familie: Grnntineae (Oryzene),
Hercan&. t ~ i y y n .I,., gewiihrt eiii Hauptnahrungsmittel Fir die Bewohner tropischer Liinder, ist bisher aber im Mosquitolande, wo er
vortrefflich gedeiht, nur von einzelnen europiiischcn Ansiedlein angebaut worden. E r erfordert nicht uberall einen tief belegenen,
feuchten Boden, sondern kann, wenigstens in einzelnen Varietiten,
auch auf hohcm, bergigeni Lande cultivirt werden. Sein Mehlgehalt ist bedeutcnder, als der des Weizens, der Kartoffel und des
Mais. Ausser der bekannten Nahrung liefert der Reis den durch
Destillation gewonnenen Arrak.
*) Nach A l e x a n d e r v. H u m b o l d t kann diese Pflanze uberal1
mit gutem Erfolge angebaut werden, wo die Jahres-Durchschnitts-Temperatur nicht unter 190 oder 200 steht.
**) S h o u w: Naturschilderungen. Kiel 1840.
Vereinszeitung.
'217
D e r illais, i n d i a n i s c l i e s K o r n , tiirkischer Weizen, Zea
iMays Linn., Familie: Gmmiiieae (OZyreae), Nonoecia triandv. L.,
ist ein, auch bei uns bekanntes Getreide, dessen Friichtc von weisser, rother, blauer oder buntcr Farbe auf einem kolbenformigen
Fruchtboden wachsen. Wie dcr Mais iiberhaupt in ganz Bmerika
eines der vorziiglichsten Nahrungsmittel sowohl f~ den Menschen,
als fiir die Hausthiere ist, der a n Ertrag alle unsere Getreidearten
bedeutend iibersteigt, so sieht man ihn auch von den MosquitoIndianern bcreits vielfach angebant. Ausscr dem grossen Ertrage
gewalirt er hicr zugleich den Vortheil, dass eine Missernte fast
niemals zu befiirchten ist. Die Indiarier siien ihn kurz vor Eintritt der Regenzeit entweder breitwiirfig auf neuem Waldlandc in
das niedergeschlagene Gebiisch hinein, welches auf dem Boden liegen bleibt, oder auf ihrem cultivirten Ackcr, indem in kleinen, je
2 Fuss von einander entfernten Vertiefungen zwei bis drei KGrner
eingelegt werden. Er gedeiht ganz vorziiglich. Bei gutem Boden
darf man in meniger als 4 illonaten Fruchte erwarten und kann
alljiihrlich zweirnd siien und eniten.
11. nicolyledoneae Jim.
D e r P f e f f e r s t r a i t c l i , Piper nigrum Linn., Familie: Piperaceae, Diandria nionog. L., findet sich stellenweise in verwildertem
Zustandc, namentlich bci Krata, an der Caratarka -Lagune, wo ep
von friihern Ansiedlern wahrscheinlich angepflanzt ist. Die rothbraunen Beeren bediirfen mehrerc Monate, bevor sie ihre vollige
Reife erlangen. Man nimmt sie indessen vor der Reife ab, weil
sie dann schkifer sind, und trocknet sie, wodurch sie eine kugclfdrmige Gestalt und eine schwarze Farbe bekommen (schwarzer
Pfeffer). Ein anderes Verfahren besteht darin, dass man durch
Eingraben oder durch Einweichen in Wasser die Beeren ihrer Hiillen beraubt, so dass die weissen Samen zuriickbleiben, welche letztere unter dem "amen des weisseii Pfeffers bekannt und gebrauchlich sind.
D i e F i c h t e , Pitch pine der Engliinder, Pinils taeda Linn.,
Pinits occidentalisZ Fainilie: dbietineae, Monoeeia MonadelpAia L.,
erreicht eine sehr bedeutende Hohe und ist zu Schiffsmasten voreugsweise brauchbar. Sie findet sich hlufig und von ausserordcntlicher Hohe und Schonheit auf hoch belegenen, sandigen Stellen
an den Ufern der Eliisse und der Caratarka-Lagune.
D e r B r o d f r u c h t b a u m , Artocarpw incisa L i n x , Familie:
Aitocarpeae verne, Monoecin Uoiucndria L., sol1 a n einzelncn Stellen im Innern vorkommcn, wic UIIS von den, im Lande ansassigen
Europaern und von den Eingeborenen versichert worden id. Wir
selbst haben keinen Brodfruchtbaum angetroffen. Die Frucht wird
vor ihrer volligen Reife gepfliickt, gerostet und von ihrer Rinde
befreit, worauf das weisse, reiclre Fleisch, das dcr Gassavc am iihnlichsten sein SOU, sich dem Genusse darbietet.
D e r F e d e r h a r z - F e i g e n b a u m , Ficus elastica Roxb., Familie : drtocarpeae (Moreae), I'olygamia pol oecia L. Dioecia t&
andr. Pers., liefert ein, dem echten Kautac[uk ahnliches Gummiharz. Der Baum (ostindischen Uraprungs!) findet sich i n den Waldungen ziemlich hiufig.
D e r Avocado Pear der Engllnder, L a u i w Persea Linn., Persea gratissima Gaert.. Enneandria rnonogyn. I . , eigentlich Dioecia
polyawdt-ia, tragt eine beerenartige Frucht von hochst aromatischem
218
T'beinszeitung.
Geschmack, welche itn August und September zu reifen beginnt.
Man geniesst sie i n Form eines Salates.
D e r e n g l i s c h e G e w u r z b a u m -- Nclkenpfeffer, Jamaicapfeffer, pimento dcr Eugliinder - Myrtus piiiienta Linn., Eugen8a
p.inenta Decand., Faniilie : Myrtaceae, Icosalulria monogyn. L., ist
em Bauin vou 20 bis 30 Fuss Hohe, dessen kngelfiirmige Beere
von dcr Grosse eines Pfeffcrkorns uud von brauner Farbc tinter
dcm Namen l'inient, Nelkenpfeffcr, Jamaicapfeffer oder englisches
Gewiirz in den Haushaltungen gcnugsam bckannt ist. Er wiichst
im hlosqiiitolande wild.
D i e L e b e n s e i c h e , Life Oak dcr Engllnitcr, Bignonia ( p e r cus? Tussac.), Familie : Biynoniaceae, Didyimm ia angiospermia L.,
wachst hiinfig an den Handern der Savannen, ei-rcicht eine Hohe
yon 40 bis 50 Fuss und giebt ein sehr schoiics Bauholz.
D c r S a p o t i l l b a n m , Ac7~1.mSapota Linn., Familie: Sapoteae,
Hcznnrlr. monoy n. L., crreicht eine Hohe von 30 Fuss und cine
bedeutende Starlc, so dass cr sich wegen dcr H"artc seines Holzes
zum Sc high - und IIlnscrbau bcsondcrs eignet. Die grossen Kpfelartigen Fruchtc sincl gcniessbar. Man nntersrhcidct zwei VarietLten dersclbcn, siisse nncl ~ a u r e(szceet Sop nnd s o w S o p der Engliinder). Er Itomnit Illinfig vor.
D e r T a b a c k , Bicotiana Il'ubucum Linn., Familie: Solnnene
(Datureai) Pe,itniadr. wionoyyn. L., ist zwar bis jetzt wenig angeh u t , uberall aber, wo wir Stauden dcsselbeu angebaut, oder in
verwildcrtem Zustande antrafcn, war er von so vortrefflichem Ansehen, dass cin gcregelter Anbau unzweifelhaft den griissten Nutzen
vcrspricht. Die getrocklieten Bliitter, welchc wir mehrmals von den
Indianern cintauschten, warcn von vorziiglichem Geschmack und
Geruch. Die Eingeboriien sind f~ den Tabacksbau zu triige, und
man fiiidet daher nur bei wcnigcw grijssere Anpflanzungen. Auch
bind den Indiancrn die selbst gehauten Blatter vie1 zu milde, und
sie ziehen die genieinen nordamerikanischen, stark gesaucten, herbe
schmeckcndcn und iibelricchcuden Bliitter vor, weil sie ihnen einen
grossercn Bciz gewahren iuitl betiubcndcr sind. Wir glauben uns
nach bestcr ptlichtmiissiger Lieberzcugung und Rcstinimthcit dafiir
verbiirgen zu konncn, dass der Anbau dcs Tabacks im Mosquitolande zu ungemcin giinstigcn Erfolgen fiiliren wiirde. I m Ganzen
genoninien, wird wcnig Taback t o n dcn Indianern auf der Mosqnitokuste gebaut, ohglcich dersclbe rortreflich gedciht und cin
mildes, sehr aromatisclies Glatt licfcrt. Die Indianer rerwenden
auf die Anpflnnzungen nioht die geringste Miihe, verstelien dcn Taback iiicht zu behandcln und trockiieii ihnen sehr schlccht. Man
kauft circa 4 Pfund fiir I bis
Real in Waaren. Die Indianer
aus den Grcnzgebirgen bringen haufig Taback aus den spanischen
Republikcn (Honduras. xurh wohl Guatemala) a n die Kiiste herunter. Dicser Taback kann sich in Bezug auf Qualitiit mid Grosse
mit dcm Taback dcr Ilavanna sehr wold mcsscn, steht demselben
abcr in Bezug auf das Aroma nach, weil cr schlecht iind unvorsichtig getrocknet und bchandelt ist. Von der besteri Sorte zahlt
man fur circa 1 bis 1'12 l'fund gilt getrocknete, auserlcscne ISliitter
5 Pence currency oder 3 Pence Stcrl. in Waaren. Von diesein Taback, welchvr schr hiiufig auf den Markt von Truxillo und Belize
kornnit, sol1 in iirnercr Zeit, seitdrm die Errichtung der belgischen
Coloiiie in Yt. l'homas einigen directen Vcrkchr zwisclien jenen
Gegenden nnd 13clgicu herbeigefiihtt hat, manche Quantitat als
Havaiinatabncli nach Europa gekomnien sein. Und allcrdings kann
Vereinszeitnng.
219
dieser Taback den dcr Havanna jedenfalls unglcich bcsser rep&
sentiren, als die iiordaiiierikanischen Fabrikate (besonders Cigarren),
welche Schiffsladungswcise lediglich zu dern Zweck nach der Havanna gehen, urn dort gegen eine m l s i g c Vergiituiig als I-IavannaTaback gestempelt zu werden, und wclche man dann als solchen
nach Norclamerika zuriickbringt und verzollt, und endlich gegen
Riickerstattung des Zolles als echtes Havaniiafabrikat nach Europa
sendet. Auf der Mosquitokiiste wiirde, nach Maassgabe der vorliegenden Erfahrungen iiber das schon jetzt dort vortremich gedeihende Gewlchs, ein geregclter Tabacksbau sehr bedeutende Vortheile gewlhren, und wir glauben unsere Ueberzeugung als sehr
wohlbegrundet dahin aussprechen zu diirfen, dass der Tabaok der
Mosquitokiiste, bei zweckmassigcr Behaiidlnng, sehr bald mit dem
Taback von Cuba in nicht ungiinstige Concurrenz wiirde treten
kBnnen.
Dcr K a f f c e b a u m , Cofea A ~ n b i e nT i m . , Familie: Cinchot~nceae (Cofeinne) ItMinceae, I’entandr. monoyyi. L., ist an dcr MOSquitokiiste mchrfach von europlischen Ansicdlcrn nlit grossern
Nutzen angeyflanzt wurden. Auch im Willockschcn Gebiete obcrhalb Oroata sind niehrcre Kaffceblume voii Indiaucrn aiigepflanzt,
jedoch sehr vern@chl&sigt. Die Indiaiier lieben den Kaffee nicht
uiid zielien den Cacao vor, welclier sehr hiiufig wZchst und keiner
Pflege bedarf. Zum Anbau des Kaffee’s eigtien sich besondcrs die
hohcr belegenen und gcgen den Nordwiud vollig gcschiitzten Landcstheile, vorzugsweise felsiges Land, wo selbst sich zwischen den
Fclsen guter Boden findet; wogegen a n solchcii Stellen, welehe Ansammlungen von Wasser zulassen, die BlPttcr leicht cin fleckigcs
Ansehen erhalten, der Bauin vicl Holz, aher wenig Friichte treibt,
und binncn Kurzern ahstirbt. Es unterliegt m c h den vorhandenen
Erfalwungen keincm Zwcifel, dass a n der Mosquitokiiste, und namentlich auf den Hiigeln der Carataska-Lagune uiid auf den hoch
belegenen Ufern des Carthago- ]I’lusscs, Iiaffceplantagen ebeubo gut
gedeihen wiirden a19 in Jamaica, desscn Kaffee - nlclist dern
Arabischen
fur den bcsten gchalten wird. W’ir erlauben iins
dahcr, dasjenige hicr anzufuhrcn, was wir auf deli wcstindischen
Iiiseln, namentlich in Grenada und Janinira, iibcr den Anbau des
Kaffces erfahrcn haben. Man kaiin zwnr zu jedcr Jalirszeit den
Kaffeebaum anpflanzen, doch ist die geeignetstc Zcit der Friihling.
Man nelime wo moglich Land, welches bisher unbebaut gewesen
ist, siiubere es sorgsam und lege Wege an, bevor man den Kaffee
pflanzt. Das Letztere geschieht am zwcckmlssigsten in eigenen
Pflanzscliulcn, in welchen die Pflanzen rascli ails dem Sainen cmporwachsen, und aus welchcn sie versetzt werden, wenii sie nicht
iiltcr als sechs bis hochstcns zwolf Monate geworden sind. Man
pflanzt dann eiue jede Reihe von Blumen in Entfcrnung yon sechs
bis acht Fuss ails eiuander (jc nach der Giite des I3odens) und
hZlt den Boden stets und iiberall vollkonimen rein. Schon im Alter
von zwei bis drci Jahren beginnt der 13aum zu tragen, aber erst
iiii vierten Jahre triigt er am vollsten, und treibt und triigt d a m
in gutem Boden dreissig bis vierzig Jalire lang. Urn krlftigere
Acste und zugleich cine bequcmere Erntc zu gewinncn, llsst man
den Baum nicht iiber sechs Fuss hoch werden. boiidcrn sclincidet
die Spitze i n dcr Hegel noch vie1 tiefer ab. Die Bliithenzeit ist
verscliieden, gewiihnlich findet sie zwischen den Monaten Februar
und Juni so statt, dass immer in Zwischenrlumen weniger Wochen
zwei his drei Bliithen auf einander folgen. Die Frucht ist ungefiihr
-
220
Vereinszeitung.
7 Monate nach dem Erscheinen der Bliithe zur Benutzung reif.
Den besten und kleinsten Kaffee gewinnt man von alten Baumen.
Urn iibrigens vorziiglichen Kaffee zu erhalten, llsst man die Friichte
so lange auf den Blumen, bis ihre Haut zusammentrocknet und
leicht zu offnen ist.
D e r P a p a y a - oder e i g e n t l i c h e M e l o n e n - B a u m , Papaw
der Englander, Carica Papaya Linn., Familie: Papayaceae, Dioeceae d e c a d r . I,.,triigt melonenahnliche Friichte, welche besonders
im unrcifen Zustande gekocht und gcgessen werden.
D i e K a l e b a s s e , Flaschenkiirbis, Lagerania vulgaris Ser., Cucurbita lagenaria I,.,Familie: Cucurbitaceae, Monoecia syngenesia
L., tragt grosse EPiichte, deren holzige Schalen zu Geschirren benutzt wcrden. Sie kommt sehr hiufig vor. Eine andere Pflanze
derselben Familie, Pumplcins von den Englindern genannt, tragt
eine grosse Mcnge kiirbisartiger Friichte, welche gekocht eiuen rubenahnlichen Geschmack haben und hochst nahrhaft sind.
D e r M a m m e i b a u m , Maminen Anzericana Linn., Familie:
Carcineae, PoEyandr. mono 2/12. L., ist cin 60 bis SO Fuss hoher
Baum, der ein gutes Nutztolz liefert, und dessen Beeren einen
sehr gewiirzrcichen, wol~lsclimecke~idei~
Fruchtbrei enthalten.
D i e I3 a ta t e , Sweet potatae der Englander, Convolvulus Bafata
Linn., Familie : Convolvulaceae, Penbndr. nzonogyn. L., ist eine
Schlingpflanze, welche durch Stecklinge gezogcn, ihre essbare, kartoffellhnliche, jedoch susser schmcckende Wurzel in etwa 12 Monaten zur Reife bringt. Sic wird von den Indianern ziemlich hlufig
angebaut.
D e r G u a j a v e n b a u m , Psiclium pym'ferunz Linn. und P . poniferzim Linn., Familie : hfyrtaceae, Icosandria mono. ynin L., tragt
Friichte, wclche mit Zuckcr eingekocht, cine in den !&-openbelicbte
Speise geben. E r findct sich hlufig.
D i e M a n g r o v i e , Manglebaum, Rhisopliora Mangle Linn., Familie: Rhizophoreae, Uodccandr. nzonogyn. L., Octandr. monogyn.
Spreng., ein Baum, wclcher mit scinen cigenthiimlichen, grosstentheils iiber dem Erdboden befindlichen Wurzelasten in grosser
Menge an den Ufern der Fliisbe und Lagunen wlchst, ein dichtes,
hartes, doch selten dickes EIolz, das sich hesonders zu Kiel und
Rippen kleinerer Fahrzeuge eignet und eine sehr gerbstofieiche
Rinde hat, welche nicht nur zum Gerben und Schwarzfiirben, sondern auch als adstringirendes Heilmittel benutzt wird.
D e r C a c a o b a u m , Theobroma Cacao Linn., Cacaosativa Lamb.,
Familie: Ruttneriaceae, Polyadelphia pentandr. L., Polyadelph. decatdr., duct. reu, gedciht in einem guten Boden, am besten an
Flussufern, oder iiberhaupt an solchen Ortcn, welche gelegentlich
iiberschwemmt werden. Zum Anbau crzieht man in Pflanzschulen
an trockenen,. geschiitztcn Orten die Saatpflanzen, indem man die
Samen in kleine Erhohungen von rcgelmassigen Zwischenraumen,
j e zwei in eine Erhohung einlegt, leicht rnit Dammerde bedeckt
und vor der Sonne durch eine Decke yon Pisangblattern oder eine
andere kiihle und schattige Bedeckung schutzt. Bei trockener
Jahrszeit begiesst man sie. Wenn beide Samenkorner aufgehen,
so zerstirt man die schwacbern Pflanze. Die stiirkeren verpflanzt
man, wenn sie eine Hohe von 15 bis 18 Zoll erreicht haben, was
gewohnlich in Zeit von 10 bis 12 Wochen der Fall ist. Dm Verpflanzen geschieht i n geraden Reihen und rnit bedeutenden Zwischenraumen zwischen den einzelnen Pflanzen, und muss bei trockenem Wetter vorgenommen werden. Die Pflanzen werden rnit der
.
Vereinszeitting
221
Erde ausgehoben und die zapfcnfdrmigcn Wurzcln tief eingesetzt.
Der Cacaobaum licbt den Schatten und wird durch scnkrecht darauf fallende Sonnenstrahlen zerstort. Deshalb pflanzt man zwischen
die einzelnen Reihcn entwcder Pisang- oder Korallenbohnen-Biiume
Erythrina corallodendrc-n Linn.). In dem Alter von ungefahr 2
ahren treibt die Pflanze gewohnlich fiinf bib sieben Aeste a n ihrer
Spitze. Von diesen schneidet man alle iiber fiinf ab. I n etwa
6 Monaten erschienen dann gewohnlich mehrere Bliithen, me werden ebenfalls abgeschnitten, und dies Abschneiden wird um dadurch die Productionskraft zu erhohen, alljiihrlich bis zum fiunften
Jahre wiederholt. Von den Bliithen fallen viele a b ohne Frucht
zu treiben. Die nussahnliche Frucht ist anfangs griin, wenn sie
reift wird ihre Hiilse blaulichroth, fast purpurfarben, an der Spitze
geadcrt ; - bei einzelnen Varictatcn erhalt die Hiilse eine schone,
gelbe Farbe. Werden die Hiilscn iibcrreif, so platzen sie bisweilen,
und die Samen fallen aus dem gallertartigen Brei, in welchcm sie
sich befinden von selbst heraus. Die E m t e wahrt das ganze Jahr
hindurch, jcdoch sammelt man die meisten Friichte von Juni bis
Ende December. Wenn man die reifen Friichte abgeschnitten hat,
zerklopft man sie mit einem holzernen Hammer und trennt die Samcn
von dem Brei mittclst eincs holzernen Spatels. UmLetzteres vollstiindig
zu bewerkstelligen, legt man die Niisse in eine Grube, worin sich einiger trockener Sand befindet. Der Sand absorbirt die Feuchtigkeit
der Nii~scund wird dcshalb oft umgeriihrt und aufgefullt. Nach
3 oder 4 Tagen bringt man dann die Cacaobohncn auf Binsenmatten oder auf eine Plattform, um sie in der Sonne trocknen zu
lasscn, und bewahrt sie dabci sorgfaltig vor aller Nasse. Erst
nachdem die Cacaobohncn vollig hart und trocken geworden sind,
werden sie leicht i n Iiasten vcrpackt und an trocknen, luftigcn
Orten fiir den Gebrauch auftrewahrt. Der Cacaobaum findet sich
auf der Mosquitokiiste hiufig, und die Indianer genicssen seine
Friichtc, welche sie rosten, schr gern. Cacao und Piment kommen
hlufig vor und werden eben deshalb zu selir wohlfeilen, meistens
von der Grosse des Angebots abhangigen Preisen eingetanscht,
wcil es dem westindischen Handler auf diese, von den Inseln ebenso
haufig vcrscndeten Artikcl cbcn nicht besondcrs ankommt, iiberdies auch der Hauptmarkt 13clizc mit Cacao aus Honduras und
Guatemala mehr als zur Geniige vcrschen und Pimcnt von Jamaica in betrachtlichcr Menge verscndct wird. Es mag hicr aber
wcnigstcns angedeutet scin, welch’ ein Gewicht dicsc bcidcn Artikel
bci eincr dircctcn Handelsverbindung zwischen derMosquitokiiste und
Europa gewinncn kannten. Auch dcr cchte schwarzePfeffcr ist in den
friiheren englischcn Niederlassungcn angcbaut worden. Der Strauch
findet sich jetzt a n einzelnen Ortcn verwildcrt und die Friichte
sieht man nicht haufig. Der sogcnanntc spanische Pfeffer wird
haufig aus dcm Innern gcbracht, ist aber kcin besondcrs gangbarer
Handclsartikcl.
D cr R a u m w 011e n s t r a u ch , Gossypitm barbadense Linn.,
Familie: Mdvaceae, Monadel A. Poly. L., wachst aus dem Samen
und crfordcrt kcine andere Arbcrcitung als sorgfaltigc Reinigung
dcs Bodens. E r ist auf der Kiiste mchrfach angcpflanxt und gcdciht vortremich. Die Aussnat geschieht zwischen dem Anfange
des Monats Mai und dem Ende des Septembers in Vcrticfungcn,
welche 4 bis 5 Fuss weit von einander entfernt sind, und zwar SO,
dass 8 bis 10 Samcnkdmer in eine jede Vertiefung gestreut wcrden.
Nacli 14 bis 16 Tagen erschcinen die jringen Pflanzcn, welche
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222
.
Vereinszeitung
wiilircnd der crsten 6 Wochcn nur langsam fortwechsen. Diese
Zcit hindurch saubert man sorgfiltig den Bodcn und entfernt bis
anf die 2 oder 3 stiirksten Pflanzen eincr jedcn Verticfung alle
iibcrzahligen. Haben die Pflanzen eiri Alter von 4 Monaten erreicht, so rcinigt man sic voii Ncurm nrid bricht die Stlmmc u n d
die Acste einen Zoll ldng an ihrer Spitzc ah. Am Ende dcs fiinften Monats crschcincn gelbe Blunien, und 2 Monatc spatcr bilden
sich Fruchtkapscln, wclchc in den nacbsten 3 Monaten reifen nnd
dann in 3 Thcile zerplatzen und schone wcissc Flocken sichtbar
wcrden lasscn. Jctzt sammelt man die Kapscln und lost die flockige
Baumivolle von den Samen. Die Pflanze wlichst nnd tragt das
ganze Jahr hindurch. Der Ertrag der Bauinwollc ist hekanntlich
cin schr bedeutender.
D c r S c i d e n b a u m w o l l c n b a u m , Sith cotton tree dcr Engliinder, R o m b m eeiba Linn., Familie: AIalvaeeae (Bombaceae), Mo~zadelpkiapolyandr. I,., ist ein Hauni, dessen Fruchtkapscln ebenfalls Uaumwolle enthdten, zur volligcn Rcifc gelangt, von selbst
aufplatzcn nnd dann .die Yamen, von eirier Mengc wollcnartiger
Fleckcn umgebcn, zclgen. Es ist diesc Baumivollc nicht minder
nutzbar, als die der Bmmwollcnstaude. Der Raum kommt im
Mosquitolande haufig und von ungcmciner Grossc vor.
D c r M a h a g o n i b a u m , Sioietenia Mdtagoni Linn., Familie:
Cedreleae, Uecczndv. monogyn. L., Alonaclelyh. decandr. Awct., ist
ein sch6ncr7 viellistigcr Kaum mit kleincn, dunkelgriincn, hcllgliinzcndcn Elattern, welcher einc Hohc von mehr als 40 bis 60 Fnss
und cinc cntsprechcndc Stirkc crrcicht. Man firidct ilin hanfig in
den hoher belcgcncn Landcsthcilcn von ungemciner Starke und
Hohe. Dcr Gcbrauch scines Holzcs ist allgemein bckannt. Die
indianischcn Banmschllger - bcsonders die Baraibcn - fdlcn die
Bjiumc in der Regcl in cinw IIiihe von 3 bis 5 Fuss vom Bodcn,
wcil ihnen die harterc nnd stbkcrc Massc in der Nihe dcr Wurzel zu vide Miiho vcrursacht. Geradc der untcre Theil dcs Stammcs crithalt aber das sclionste Holz, welchcs als cin unniitzer Stubben stehcn bleibt. Die atis Mahagonistimmcn gehaucnen Fahrzeuge
(Canoes), dcrcn sich bebonders die Indianer am Patonk- Flussc bediencn, sind, als zu mhwcr, nicht hesoriders beliebt.
D i e C e d r e l e , Cedrcla odorata Linn., Familie: Cdreleae, Pentand?.. Monogyn. L., ist ein, dcm vorigcn schr nahe vcrwandtcr
Baum, dessen Holz bei uiis untcr dem Namen dcs Zuckcrlristenholzes bekannt ist. Er errricht cine Hohe von 7 0 bis 80 Fuss und
cincri Durchmcsser von 5 bis 6 FUSS,und wird von den Indianern
zur Anfcrtigung ilircr Fahrzeugc (Canoes) benutzt, wclche, aus
einem Stamme geschnitteri, oft 40 Fuss Linge und 6 Fuss Brcite
haben. Er findet sich am Carthago-Flusse uiid an den Ufern der
Carataska-Lagune hiufig.
D c r E i s e n h o l z b a u m , Ivon wood der Englgnder, Eiythroxylon (Species?), Familie: Eryfhroxyleae: Decandr. tri ynia L., ist
ein Baum von 16 bis 20 Fuss Hohe uiid B bis 8 Zoll fiurchrnesscr,
welcher ein schoncs Nutzholz licfert.
D e r G c l b h o l z b a u m , Xantliozylon (Species?), Familie: Xanthoxyleae (Pteleiac), Monoecia monandr. L., ist einer dcr hochsten
Baume, dessen Holz zu Bauholz bcnutzt wird. Ebenso geben der
M a n wood dcr Engllndcr, dcr Santa Maria dcr Englander der
Same wood der Englander, der Zebra wood dcr E n g l i d e r festes,
schones Nutzholz; das dcs lctzteren Baumcs ist besondera hart,
Vereiimeitung.
233
sehr schSn gestrcift, und eignet sich vorzugsweise eur Anfertigung
von Meubeln *).
D e r D o g too o d der Engliinder, Piscidia Erytltrinn Linn.,
Familie: Robineae, Diade&hia tdrandr. L., hat ein hellbraunes,
sehr festes Holz, das sich besonders zum Schifl'bau empfiehlt.
Lo c u s t b a u m (Locust tpee der Engllndcr), Hymenen Cowbaril Liim., Familie : Caesalpineae, Decandr. monogyn. L., ei-rcicht
einc Hohe von 70 Fuss und einen Durchmesser von 8 bis 9 Fuss,
und hat ein schones, hartcs Hole von brauner Farbc, das die fcinste
Poiitur aunimmt. Dieser im Willoclischen Gebiete hlufig vorkommendc Baum liefert einen, von hicsigcn Kennern untersuchten
und fiir ausgezeichnet erkliirten Copal. Bssonders haufig ist das,
a n d e n W u r z e l n sich absondernde Harz des grossen, schiinwiichsigen Locustbaumes, welches von hiesigen Kennern fiir eincn ausgezeichnet feinen Copal erklgrt worden **).
D e r E b o t r e e dcr Engliinder, Baul~iniapovrecta Szutz. Familie: Caesdpiiieae, Decandria monogyn. I,., wircl so hoch wic der
vorhergehende Baum, und hat ein so hartes Holz, dass er ohne
Anwendung von Feucr nicht gefallt werden kaiin. In dem Snmen
ist ein Oel euthalten, das den1 Iianzigmerden nirht unterworfen und
bei den Indianern als Haarol gebriiuchlich ist.
D e r T u b e r o s e t r e e der Engl%nder liefcrt die stiirkstcn Baustimme, deren die Indianer sich zur Anfertigung ihrcr grossten
Wasscrfahrzeuge bedienen.
D e r M a h o e b a u m , Hibiscirs (Species) Familie: fifalunceae,
Monadelphia poIynndr. I,.,ist besonders seincs Bastes wegen beliebt. Dieser Bast ist von eigenthumlicher, fcster Textur und wird
von den Indianern zur Anfertigung von Hangtwmtten, Stricken
und andern Flechtwerken bcnutzt.
D e r Casli e zo dcr Engliinder, diancardiunz occidentde Linn.,
Familie: Cassziviene (Aizacnrrlieae), Polygam in monoecia L., liefert
em weisses, durchsichtiges Guuimi. Der Mangabaiim, Mccngifera
Indica, derselben Familie angehiirig mie vorhergehcnde, tragt scbr
woblschmcckende Steinfriichtc von der GrSsse eines Apfels, welche
bei den Indianern und bei den dortigen Ansiedlcrn ausserst beliebt sind.
D e r e c h t e F e d e r h a r z b a u m , Tassa der Engliinder, Siphoitin elastica Pers. Jatropha elastica L., SQIhonia Cahuchu Rich.,
Familie : Euphorb&ae
(Ricineue), ilfanoec. monaddph. L., wird 25
bis 30 Fuss hoch und enthllt in scinem nlarke eine klebrige Flussigkeit, welche, an der Sonne getrocknet, schwarz wird und nnter
dem Namen des Gummi dasticunt odcr Kautschuk bekannt und
vielfach im technischen Gebraiich ist. Er kommt hiinfig vor. Die
*) In allen Flllen, in welchen wir die Bliithen der Bliume und
Pflanzen nicht gesehen haben und die Namen der Familie und
Species nicht mit volliger Bestimmtheit ermitteln konnten, haben wir es vorgezogen, die englischen Namen anzugeben, unter
welchen diese Gewachse dort bekannt sind.
**) Wir haben an mehreren Orten, besonders bei dem oftmals erwahnten Capitain H a 1y , ausserst betrachtliche Quantitaten
dieses Copals vorgefunden,' welche in den Waarenschuppen in
grossen Haufen aufgeschuttet waren.
224
Vereinszeitung.
Indianer verwenden den innern Bast des Baumes zur Anfertigung
von Kleidungsstiicken. Es kommen davon besonders zwei Arten
a n der Mosquitokiiste vor. Die eine liefert der, in den Waldungen
haufig wachsende Federharzfeigenbauin (Ficus elmtica), die andern
der nieht minder hlufige, cclite Federharzbaum (Jatvopha etmtica L.).
Auf das Auffangen des Harzes wenden die Indianer sehr geringe
Sorgfalt, woher dasselbe - besonders die erste Art - nicht selten
unrein ist. Es hat keinen so bestimmten Preis, nls die Sarsaparille,
soiidern bei den Eintauschen hlngt Alles von der Qualitlt, von der
Griisse der einzelnen Stucke und von den zum Vcrkaufe gebrachten
Mengen ab. Wir haben an einzelnen Stellen bcdeutende Vorriithe
vorgefunden, und f ~ circa
r
15 Pfund, die wir als Probe mitnahmen, 6 d. Strlg. bezahlt.
D e r G u a j a k b a u m , Pock wood der Engliinder, Giiajaczirn
offieinale Linn., Familie : Zyqophylleae, Uecandr. monogyn. L., findet sieh hiiufig i n den Walduiigen, hat ein sehr schweres, bunt
marmorirtes Holz, das eine sehSne I'olitur aunimmt, uiid liefert
ansserdem das, in der Medicin hlufig gebrauchte Guajakharz. Das
specifische Gewicht dieses Holzes betriigt 1,335. - Eineu noetr beliebtercn Gegenstand der Ausfuhr bildet das, von dem hkufig vorkommenden Guajak- oder Fraiieosenliolzbsnme gewonnene Guajakham, dessen niedicinischer Gebrauch bekaiint ist. Das Guinmi
wird iiiclit nach dem Gewichtc eingetauscht, sondern nach der,
dmeh das Augenmaass abgeschiitzten Jlenge. Fiir eiiie Quaiititit,
welchc etwa einem gehluftcn nerliner Schcffel entsprrchcn diirfte,
zahlt man, je nach dcr Keinheit der Waarc, Grijsse der einzelneu
Stiicke ctc. - ohne Unterscheidung der einzelnen Artcii - 1 his
Dollar in Waarcn, oft auch mciiiger, weil das Guniini nicht
getrocknet werden darf, also noch lcichter zu sammeln ist als die
Pflanzen, und dahcr yon dcli Indiaiierii in bctriichtliclicii QuantitLten herbeigebracht wird.
D c r Rose ii h o 1z b a urn, S alb e n b a 11 in , -4iyp-i~I'ltcnzieri de
Candolle. Familie: A ~ n w i d e n e .Octanclr. vionouun. L.. hat cin wohlricchendbs Holz iind <nthjilt 'ciiicn dicken, I~~1sami;chenSaft, der
unter dem Namen EIemi iin mcdicinischen Gcbrauch ist. Das Holz
wird von den Indianern als Licht gebrannt.
Der W u n d e r b a n m , Castov oil tvee dcr Englander, Christuspalme, Ricinus comnzuwis Ihf?..
Familie: Eqltorbincene (Rieineae),
Monoecia monadelph. L., ist (.in grossbllttriger Straucli von etwa
6 uiid mehr Fuss Hiihe, ails dcssen Miithe sich in einer dreieckigen Hiilse eine Nuss cntwickclt, welclic durch Auspressen das bekannte, in deli Officiiien selir gebrRiichliehe Riciiiusol giebt. Wegen des hohen Preises dieses Oeles ist der Aiihau des Wundcrbaumes Ton bedeutendem Ertrage. Wir haben ihn im Willoekseheii
Gebiete inehrnials angetroffen iind cine Probe ron den Niissen mitgebracht, welche hicr von I<ciiiien~fiir vorzuglich erkllrt worden
sind. Am besten scheint er in niclit zii schwerem, etn-as trocknem
Hoden zu gedeilien. Die Friiclite des Wnnderbaumcs, oder wie
die E n g l h d e r ihn ncnncn, Captor6lstrauches, ans welclien das bekannte Ricinusijl gepresst wird, konimen uicht selten in dem dortigen Handel vor. Der Strmcli findet sieli fast bei jcdcni Sambodorfe aiigepflnnzt. IXc Indiancr wenden jedoch nur schr geringe
Sorgfalt darauf, geben sich niit deni Ausprcssen des Ocles nicht
ab, sondern briiigen nur die Friichte in den Tauschhandel, welche
sie iibrigeus als eiiie nicht besonders werthvolle Waare betraehten
und vrolilfeil ablassen. Fiii eiiie Menge, welchr etwa einer Berliner
V eyeinszeituag
.
225
Metzc entspriclit, zahlt mnn j c nach den Umstlnden 1 his 3 Realen
i n Vl'aarcn. Uebrigens liabeii die Indianer nichts dagegen, wenn
man die trockenen reifen) I~+iichtenach Belieben von den Striuchern abpfliickt un durch cinigc Cigarren oder dcrgleichen, Entschadigung gewiihi-t.
D c r O r a n g e n b a u m , C'itrua Aurantizrrn Linn. (amnra et clulcis), Familie : Aurantiaceae, Polyadelph. icosandria L., findet sich
hlufig wildwachsend, ebenso wie
D e r C i t r o n e n b a u m , Citrzts nzedica Linn., welcher demselben
Geschlechte angehiii-t und sich als Strauch und Baum sehr hiiufig
findet.
D c r I n d i g o , Indigofera Anil Limp., Familie : Papilionaceae
Loteae, Clitoricae), Diadelph. decandr. L., wird, obgleich auf der
osquitokiisfc heimisch, gegenwhtig nicht cultivirt, sondern findet
sich nnr hiiufig wildwachsend in den waldlosen Landestheilen.
Seine Verwendung als Farbestoff ist bekannt. Indigo findet sich
ebenfalls hiiufig im Mosquitolade uncl wird unter iihnlichen Verhiiltnissen, aber meistens vie1 wolilfeiler erstanden, als die Sarsaparille.
D i e C a s s a v e , Maniok, Jatropha Manilkot Linn., Janipha
Ilfanihot Kunth Familie : EupAorBiaceae (Ricineae) Morwecia decandr. L., ist c h e strauchartige Pflanze, dercn Wurzel mit starken,
knolligen, kegelfdrmigen Auswiichsen versehen ist. Sie gedciht am
besten in cinein guten Roden, und trcibt hier Knollen von der
Dicke eines Mannsschenkels. Die Fortpflanzung geschieht durch
Knospen. Man griibt zu diesem 13ehufc, nach Siiuherung des Bodens, Verticfungen yon dem Umfange eines Quadratzollcs und von
3 his 4 Zoll Tiefe, schneidet cine Anzahl ausgewaehsener Pflanzen
in Stiicke ron 6 his 7 Zoll Llngc, welche mit vollen, sehwellenden
Knospcn wohl vcrsehen sind, legt von diesen Stucken eins oder
zivei in jede Vertiefung, bedeckt sie rnit guter Dammerde, halt
such in der nlchstcn Zeit den Bodcn rein, und bchlufelt die PflanZen wenn sie hoch emporgeschosscn sind. Die Zeit des Pflanzens
ist vom Monst Januar bis MLrz. Die Knolle gelangt in 8 bis 10
Monaten zur Reife. Uebrigens ksnn die Wurzel mit ihren Knollen
unbeschadet llngere Zeit in der Erde liegen, wenn Mange1 an frischen Pflanzen es n6thig niacht die Stiele abzuschneidcn. Die
Knollen werdcii wegen ihres Mehlgchaltes anstatt des Brodes benutzt und der Ertrag dieser Pflmze, welche zu den wiehtigsten
fiir die Bewohner der Tropen gehiirt, ist so ausserordentlich, dass
A. v. H u m b o l d t den Ertrag Eines Morgens Cassave gleich dem
von 6 Morgcn Weizen vcranschlagt. Die Brodbereitung geschicht,
nachdem aus den Bnollen der Saft, wclcher ein scharfes Gift enthiilt, durch Auspressen eritfernt und die Bnollen an der Sonne
gctrocknet, geklopft und gesicbt worden sind. Eiue Varietit, die
siisse Cassave gennnnt, ist dcr vorigen ganz ahnlich und wird auf
gleichc Weise ausgepflanzt, ihre Wurzelknollen aber sind viillig
frei von der giftigen Beschaffenheit, wodurch der Saft dcr gemeineii Casssve eich rharakterisirt. Um beidc Pflanzen von einander
nnterscheiden zu kiinnen, pflanzt man sie stcts gesondert an. Die
Knollen der siissen Csssave geniesst man gekocht oder gerostet.
Die Cultur der Cassave ist untcr den Indianern am weitesten verbreitet, und man findet fast bei jcder Hiitte einen kleinen Cassavengarten. Ails dieser Wurzel berciten sich die Eingeborencn vermittelst der Qahrung ein berauschcndes Getrank, Mischla gcnannt.
d
6
Arck.d.Phmrn. CXXXIJlBds. 2. Eft.
15
226
Vereiweitung.
Von FarbehSlzern kommen ausser den vorstehend schon genannten ferner vor:
Das sogenannte B r a s i l i e n h o l z , Cnesalpinia ecAinatu Lam.,
auch Cues. brasiletto, Familie : Leguminosae, cin Straueh, dessen
Holz eine rothe Farbe giebt, in Westindien Brasiletto, und bei uns
gewohnlich Fernambukholz genannt wird; und
D as G e 1b h o 1z , Bmssonetiu tinctorin, Familie : Urticeae, ein
Maulbeerbaum, dessen Holz eine schone gelbe Farbc giebt. Der
Baum erreicht eine bedeutende Hohc.
Nach der Verskherung der, an der Kuste ansiissigen Handler
sollcn wahrcnd der trocknen Jahrszeiten mehrere Arten balsamiseher Pflanzensiifte von den Indianern haufig gesammelt werden,
welche man wohlfeil eintauschen und sehr vortheilhaft nach Belize
absetzen kiinne, von wo diese, in medicinischer Beziehung werthvollen Artikel nach England versendct wiirdcn. Uns ist jedoch
nur der, ails dem Rosenholzbaum gewonncnc, unter dem Namen
Elmi im medicinischen Gebrauche bekannte Balsam vorgekommen,
und wir konnten uns aus der Beschreibung der iibrigen Balsame
und dcren englischcn Namen*) um so weniger vernehmen, als keine
Proben zur naheren Untersuchung vorhandcn waren und wiihrcnd
der nassen Jahrszeit, in welche unser Aufenthalt fiel, von den Indianern nicht herbeigeschafft werden konnten.
Th. M.
Der Urwald in Java.
R e i n w a r d t entwirft folgende interessante Schilderung in seinen Reiseberichten iiber den Urwald i n Java. Bereits von Weitem,
wenn man aus dem grosscn indischen Meere ankommt, sich der
Sunda-Strasse nahert und weiter die Inscl Java vorbei flhrt, wird
die Empfindung der Freude iiber eine nun beinahe gliicklich vollbrachte sehr lange Seereise erhoht durch die Aussichten auf ein
iiberall bewachsenes Land, welches sieh von allen Seiten, doch vor
Allem von Java her den Augen darbietct. Hinter den hohen Kronen der Palmenstamme, die um und nahe am Strande verbreitet
stehen, zeigt sich eine weite ausgedchnte Fllche, die sich allmiilig
vom Strande erhebt, und auf der dunkelgriine Gruppen von Fruchtbiiumen, die die Wohnung des Landnianns verstecken, iiber den
hellgriinen Teppich der Eeisfclder vcrbreitet sind; weiter wird der
Horizont begrenzt durch die dichten, dunkeln Wilder, die das hohe
Gebirge bedccken. Die Aussicht iiberrascht desto mehr, weil man
noch die sparsam bewachsenen Hohen der kanarischen und kapverdischen lnseln und die kahlen Platten der afrikanischen Tafelberge im frischen Gedichtniss hat. Immer steigt das Verlangen,
die reizende Scene bald betreten zu konnen. Ans Land gestiegen;
vor schldlichen Diinsten sich furchtend, verlisst man schnell das
schlammige und dumpfige Gestade, wie wohl auch schon da sonderbare, fremde Gestalten die Aufmerksamkeit fesseln. Furchtsam
*) Es ist eine bekannte Thatsache, dass die Englinder in Westindien die technischen Namen der Medicamentc arg corrumpiren, und auf der Mosquitokiiste sind diese Namen haufig
noch mit den indianischen Ausdriicken verschmolzen, so dase
jeder Versuch einer Entrathselung scheitert, wenn man nicht
den Gegenstand selbst vor Augen hat und untersuchen kann.
Vereinszeitmg.
‘227
und eilend, doch zugleich staunend drIngt man sich durch die verwoi-renen, pallisadeniihnlichen Stacheln der Rhizophoren, durch die
gefiederten Wedel der Ripa - Palmen, die ihre Stiinme im Schlamme
verstecken; nur mit einem Blicke kann man die prachtvollen Wiesenblumen dcr Barringtonien wid Samcratien, die dicken, hangenden Fruchtkugeln der langblittrigen Pandanen anstaunen. Von d a
geht der Weg lange ubcr die bewohnte, iiberall angebauete Fliche.
Auch ferner, wo diese sich allmiilig hebt, zeugt um uns her der
Boden noch lange von dem Fleisse des Landmanns; noch lange
wlhren, doch immer schmiilern sich die regelmlssigen, umdammten
Quadrate der Reisfelder, die gleich den Stufen einer Treppe uber
einander gestellt, und, das unterc vom oberii getrhikt, in unziihlbareu Cascaden den ansteigenden Fuss des Gebirgcs umgeben.
Dann folgt das dunkel glaiizende Griin der arabischcn Staude, die
sich an den hoheim Wald anschliesst und einen leisen Uebergaiig
macht von dcm Grundc, durch Menschenhinde umgestaltet, zu
demjenigen, wo eine freie Natur iioch ganz in ihrem lteichc ist. Doch ehe wir diese Urwiilder betreten, werfcn wir einen Blich zuruck uber die hinter uns liegeiide, ausgedelinte, sich neigende
Fliiche, um uns zu uberzeugen, dass nirgeiids kahler llodcn erscheint, dass von unscrm hohcn Standpnncte his ans Gestade kaum
ein Fleck sich zeigt, der nicht bewachseii ist, ansser den graucn
ode+ rothen Streifen der Wege und Pfade und dem schiiumenden
Gewlsser der von uns abstromeiiden Fliisse. Nur hie und da zeigen sich einige Stellen, die ehedcni bewohnt und beackert, nachher wieder verlassen und sich selbst iiberlasscn sind. Auch diese
sind bewachsen. Doch sie erhaltcii einen ganz eigenthumlichen
Charakter von Gewiichsen, dic wcder dcm aiigebauten, noch clem
natiirlich von selbst bewachsciien Bodcn anzugehoren scheinen. Nur
zum Theil hat die Natur sich dieser Stellen wieder angenommen,
gleichsam als ob sie sich strlubte, den Boden wieder zuruckzunchmen, der ihr und Clem Znsammchangc dcs Ganzeii entrissen und
seiner fruchtbaren Qucllcn beraubt ist. Holies, dichtes, einfiirniiges Schilfgewlchs, alles zur Gattnng des Zuckerrohrs gchiirig, anf
dcssen schlanken Halmen, scliiieeweisbc, wollige Hispen flattern,
hat die Stelle des andern iiaturlichen Waldes, so \vie des Getreides eingenommen und bczeichnet den verwaistcn Boden. Dicse
Stellen sind Monumente der Geschichte des Landes uncl Genossen
der Schicksale, die die Hcv6lkcrung daselbst erlitten hat.
Ganz anders zeigt sich Alleb, wenn man in die hohern Urwglder gelangt oder zu dem mehr abgelegenen, von den Wohiiungen
der Menschen entferntrn Gebirge, das nie oder selten von Rienschen betreten wird und von ihnen noch keine Vcr3inderuiig ci litten hat. Das Pflanzeiireich zeigt sich da in seiner urspriinglichen
ganz reinen Gestalt, und wenn irgcndwo, so ist es gewiss da, wo
man einsieht, was ungestorte l h f t des Pflanzenwuchses, in eincr
tropischcn Gcgcnd, durch die Yereiniguiig der giinstigsten Bediiigungcn unterstutzt, zu bewirlreri vermag. Es ist inir nicht inoglich,
den Eindruck wiederzugeben, den cler hnblick von dem Allen
erweckt; denn um von dem, was den Eindruck verursacht, Iiechenschaft zu geben, miisste ich vorlier das Einzclne schildern. Doch
da nicht dieses Einzelne fiir sich, sondern bloss in seinem Zusanimenhange, in seiner Verhindung zu einem Ganzen, i n der Natur
und auf der Stelle den Eindruck schafft, so muss ja wohl jede
Zergliedcrung selbst des Ganzrn dem I3ilde schaden und den Findruck schwachen, den es hervorbringen 6011. Ich niuss mich also
15 *
228
Ve7el-eimze itting.
wohl auf eine zerstiickte Darstellung bcschr&nken, um einen
scliwachen Bcgriff von dem Fremden, Eigenthiimlichen, der Grosse
und Kraft cler indischen Vegetation zu geben.
Frageii wir also, was ist dasjenigc, wodurch ein krlftiger Pflanzenwuchs angezeigt wird? Ibt es Mcngc und Ausbreitung, grosse
Masse des l'flanzcnstoffcs? - Die Inscl Java, bloss als Fldche genommen, hat cine Ausdehnung von mchr als 2300 &r.-M.: diese
wird betrlclitlich vcrgrossert durch das hohe, oft 10 - 12000 Fuss,
ja noch mehr aufstcigcndc Gebirgc. Diescs Gebirge nun ist fast
iiberall mit hohen, dichten WIildern bedcckt; dcnn hoch d a d man
doch wohl den Wald nennen, wo man kaum einen l3aum antrifft,
der sich nicht bis zu 100 Schuhen erliebt: Dichtigkeit, Menge der
Masse in einem bcstinimten Raumc findet doch gewiss da statt,
wo man kaum clcn Fuss vorwlrts setzen kann, ohne sich vorlier mit
dem Hackmesser eincn \Vcg zu bahnen durch die windenden Gewachse und die Graswiesen, die iiberall clcn Iiaum zwischen den
hohern Stdmmen fullen: wo der Boden nicht ausrcicht, die iippig
hervorsprossenden Gewachse zu tragen : wo Gewlchse sich auf- und
iibcrcinander drlngcn, dic eincn auf den andern wachsen; wo tauscnd Parasiten in immcrw~lircndem Kampfe sich dic, bercits verarbeiteten Safte des gcdulcligen Haunistamnie6 streitig machen und
sich nach allen Seiten zii ncnen Forrnen cntfalten: wo windendes
und schlangelndes Gewlchs die Zwcige und Kronen dcr Blume zu
einem dichten Flechtwerk durchschiesst und zusammenwebt; kein
Sonneiistralil kann dieses Dickicht durchdringcn. Verlangt man
starke dusdehnung im Einzclnen'? Auch in dieser Hiicksicht fehlt
cs nicht an Gcgenstdiidcn clcs Erstauiicns da, wo die Grsshalme,
so wie die llambusen, zu hohlen Raumstilrnmcii werdcn. die man
zu Fassern, Eimern, Wasserleitungen und als Bauholz beiiutzt ; wo
die hohen, geraden Stiimme dcr Parrnkrluter, die Cyatheen, sich
wie die Masten unscrcr Fichtcuwllder zeigcn; wo die windenden
Gewachse, die Rolirc odcr Calami, dic Uranien und Nauclecn zu
arm- und beindickcii Scitcn anschwcllcn und wic Riesenschlangen
die Stlmme der Rjlume driicken und zwlngen uud ihnen, wie zum
Scherze tiefe Furclien cindriicken; wo, weil nichts den immerwlhrendcn Pflanzcnwnchs hcmint Formen, die wir hier bloss 81s Sommergewachse kennen, deren bamcnkcim nach langem Schlummern
jedesmal von Neuem die vorige Entfaltung bis zur beschrlnkten
Greuze aufangen muss, hier in Jalirhunderte alten Stiimmen fortleben. Da ist es nicht eine einzelne Uaumart, von der man, wie
Afrika von seiner Adansonia, einzelne Stdimme vorzeigen kann,
die durch Grosse, Ausdehnung und Alter ausgexeichnet sind; d a
liefern nicht allein uiigeheure Wollenbaunie (Bombax) oft ahnlichc
Beispielc, sondeim noch cine grosse Menge anderer Haumarten erregen Erstaunen durch den Umfang ihrer Holzmasse, Dicke, Hijhe
und weit ausgebrcitete Vcrzweigung. Vcrgebens suclit man in den
Gipfeln der Blumc das lussere Ende der sich hinanwindenden
Gewachse; dicse stcigcii yon da auf andere Haume hiniiber oder
kehrcn, die Stiitec entbehrend, zuriick, urn aufs Neue von unten
nach oben den Gang zu miederholen ; so werden oft mehrere Baumstimme durch cincn cinzigcn, dicken, mchrere 100 Fuss langen
Calamusranlrcn wic durch ein Schaukelseil verbnnden. Verborgene
unbekaunte IZrafte mirkcn mit, urn dnrch entgegengcsetzten Wuchs
die Pflanzenmasse auszudehnen, das Individuum zu vergrossern und
zu vervielfaltigen. Die Safte, in den Stdinmen gehoben, fortgetrieben, gedrangt, folgen, wallrend sie sich zur Bildung neuer Theile
Vere insxeitu ng.
2.29
verdicken, nur ziim Theile dcm geradc aufsteigendcn oder sich
verzweigenden Laufe; ein nnilerer Theil driingt sich in die aufschwellende Rinde der Stdmme und Zweigc, durclibolirt dieselbe
und erstmrt zu laiigen ltanken und Stiickcn, die entwedcr, dcr
ganzen Llnge des Hauptstarnmes entsprossen, deusclben wie Stiitzen
in scharfen Winkeln umgeben. oder sich aus hohen Zweigen schnurgeradc, mit schnellem Wuchs zur Erde seuken, da Wnrzeln und
aus diesen neue Stimme in die Hijhe trciben. So wird oft durch
ein Dickicht yon BIumen, alle einem cinzigen Blutterstamme entsprossen, alle unter einander verbunden, der Raum der Walder
immer niehr und melir angefiillt. So sah ich auf der Insel Semao
einen grossen Wald dessen Biume alle aus dcm einzigen Stammc
einer Feige, der Ficus benjnmina, hcrvorgcgangen warcn und fast
alle noch unter einander in Verbiudung standen.
Doch nicht allein grosse Masse und Ausdeliuung, soiideru auch
hohe Entwickelung, Verschiedenheit der Gestalten und Mannigfaltigkeit der Bildung bezeichnen einen iippigen Pflanzenwnchs. Kein
Gewachs in Indien erregt die abschrcckeiide Erinnerung an das
unveranderliche Eiuerlei der Heidcfelder des iiordliclien Europa
oder der struppigen Gebiische i n den salzigcn Steppen Sibiriens
und der Tartarei, wo die Einf6rmigkeit dcr Gestalt auf eine unabanderliche, triige fortschreitende .nie von ciner ltichtung abweichende Ursache des Pflanzenwuckses hindeutet. Wic viele sind
nicht unter den zahlreichen Pflanzenfaxnilien oder Formen, zu
denen unsere einheimischen Gewachse keiu Beispiel hergeben! I n
Indien besitzt oft eine einzige Insel sie fast allc; die wenigen, die
auf Javas fruchtbarem Boden fchlcn, sind cben diejcnigcn, die
einen diirren, fast unfruchtbaren 13odcn andeuten, so wic die saftigen und stachligen Gebilde Afrikas, die sich bloss von Luft und
Thau ernahren uiid darum in diirrem Sande lcben kiinnen. I n Indien zeigt oft ein einziger Baum eine sehr grosse Verschiedenheit
von Arten und Bildung in den Pflanzen, die er tragt und niihrt.
Ein einziger Baum ist oft eiii mahrer Blumengarten, reich an
Mannigfaltigkeit der Blumen und Gestalten - ein Garten, auf
einem einzigen Stamm in die Luft gehoben. Doch es ist vorziiglich die vcrschiedene HGhe, zu dcr sich auf indischen Inseln der
Boden erhcbt, und der damit vcrbundene Weclisel in der Beschaffenheit und Temperatur der Luft, dann auch die Gestalt und die
Natur der Berge selbst, die die grijsste Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit der Pflanzenformcn bedingen. Es giebt wohl kein
anderes Land in derWelt, wo auf einem so sehr begrenztenTheile
der Erdoberfllche die Flora oder doch die Pflanzenformcn der
entlegensten Begenden so nahc vcreinigt mid ncbcn eiiiander gestellt sind. Wenige Stundcn sind so hinreichend, sic allc in ihrem
naturlichen Stsndorte zu uberbehen oder den Wechscl des lilimas
von dcr bfittagslinie bis zu den Polen i n ebenJo kurzcr Zeit zu erfahren. Schon bald, wenn man den Meeresstraucl verlkst, wo die
ganz eigcnthumlichen, aber nlehr allgcmein verbreitetcn tropischen
Straudgewachse, in sonderbarer Mischung clurch einandcr, das dickstimmige, hoch- iind breitbelaubte Calophylluni zwischcn dcm weit
verzweigten Aegiceum, die gcradcn Stimmc der holicn Palmen
zwischcn undurchdringlichcu Zdmicn der sich durchlcreuzcndcn
PAhlc der Rhizophoren, die grauc Touniefortien uiid Avicennien,
zwischcn denen wie firnissglanzenden Dodoneen und Yonncratien
die langen Trommelstocke der Brugnieren neben den diclrcn Bugeln der Pandancn vereinigt sind; bcreits wenn man von d a gegen
230
.
Vereinszeitung
die sich allmiilig hebende Fliiche fortgeht, erfiihrt man bald an den
immer sparsamcrcn Stimmen der COCOS-und der Facher-, der
]<orypha- und Borassuspalmen, wie ungcrn diese das nahe ufer
verlassen. Durch das uncndlich inannigfaltigc Gestriiuch des niedrigern, hiigeligen Vordergrundcs gelangt man bald in die untern
dichten l3ergwllder, die wir nach der hier allgemcin rerbreitcten
und vorherrschcnden Pflanzenform die Feigenwiilder nennen diirfen.
Nach allem, was niein Freund B l u m e nnd ich beobachtet haben,
~noclitedie Zahl der Arten diescr, jenc Wilder bczeichncndcn Gattung wcnigstcns wohl hundcrt betragcii. Die meisten Arten sind
auf jenc nicdrigercn Wilder IxschrSnkt. Den gemeinschaftlichen
Charaktcr, wozu mcist, a110 jene Artcii ctwas hcrgebcn, bilden das
Geschlossene und Dunkle, die Dichtizlteit und Hohe dcr Waldung,
die fcuchte, duuipfige Luft, die sic einschlicsst, die ungeheure Dicke,
unregelmassige Gestalt und weite Verzwcigung : d a m der offcnbar
ul;gc>mein schnellc Wuchs und die weiche, oft schwammige Holzsubstanz der Stammc, die grosse Verschiedenheit der Parasiten und
windcnden Pflanzen, die sich aus jcncn Sthimen nlhreii, der hohe,
lockere fcuchte IrIoderboden, dic Mcngc der Quadrumanen, die
schreicnd iiber dic hohcn Zweige springen, und das zahlrciche,
bunte Chor dcr VSgcl, die das Dickicht beleben. Nur wenige
Feigcnartcn, namcntlich die verschieden - und gelbbliittrigen niedrigcn, erhebcn sich mit immer verkleinerter Gestalt zu einer grossern
Holie dcr Bcrge. Unendlich viele audcre Gestalten mischen sich
zu jcner herrschcnden Hauptforni der Feigcnwiilder. Viclc Meliacecn, Ebenacecn, Stcrkulien, Sapiden, Karyoten und Artoliarpen
zcigcn fast gleich iippigeri Wuchs, Hohc und Dickc der Stamme,
deren ZwischcnFiiumc diclit durch die Staudcn und Strgucher der
Ardisien, Grevicn, Cliiokarpcn, Phyllantlien, Sondredrieii, dann
auch durch dichte Kriiutcr der Rucllieu, Justicien, Dimokarpen,
Solanen, Scitainincen, Aroidccn und Orchideen angefullt wird, wiihrend nuch dic grossern, parasitischcn Arten der Araldsccen, Cissen,
Uromicn, Pfefferartcn, Cyathandrien, Pothos nnd Boranthus das
Ganze mehr und mchr zusamnicnweben.
Eine folgcnde, uber jeiie sich erhcbcnde Z W X ~ nicht so allgemcin verbreitete und also den grossern Hohenformen mchr untcrgcordnetc, aber nicht wenigcr sclione mid auffa.llende Pflmzcnform
ist dic des Rasnmala - Waldcs, die bcsoliders ini westlichen, bergigen Java ausgczeichnet ist.. Jener Name ist der cinhcimische cines
Uaumcs, dcr wolil zur Gattung Liquidambar gehort, mich wirklich
Storax liefert, dcn aber S t o r o n h a dennoch untcr dem Namen
AZtin,gis eir.celsn bcschricl~cii hat. Sein schoncr, fester, sehr hoher,
schnurgeradcr, wcisslicher, wcniger als die Feigen bcwachsener
Stamm, eine mehr rcgelmlssigc, dichte Krone hellen Laubes bezeichncn die hohcre Waldgegend, die von diesem schoncn als niitzlichen Raumc den Charukter bclrommt. Diclites, haumdorniges
Gcbiisch von Calamusxrten, danii eiur. grosse Verschicdenhcit von
Rubiaceen, deren vorziigliche Kraft, gauz eigenthiiniliche Siifte auszuarbcitcn, sich oft schon von weitem durch starke Ausdunstungen
ausscrt, fullen hLufig den untcren Zwischcnrnum des aromatischen
Geholzes. - Rereits hxbcn wir cine Hohe von 3000 Schuhen erreiclit, wenn wir, aufsteigend den Rasamala - Wald verlassen. Nun
erst zcigt sich die Ficliten - odcr Cypressenform in roller Pracht,
im Kimaral, dcm schonst~n Podoca.rpus iiicht allein, sondern auch
wohl einem der schonsten Hiiume, die die siidliche Halbkugel hervorbringt. Wundcrvoll wcgcn der bctrlchtlichen Hohe, majestltisch
'
.
Vereinszeitung
231
uber alle nebenstehende, schon in kleinerer Gestalt erscheinenden
Waldbaumc crhebt sich sein schnurgerader, langer Stamm in die
Hohe. Sein ihr begleitender Vemandter, Pinus Dammara, zeigt
die Uebereinstimmung der Bildung sowohl, als der iibrigen physischen Verhaltnisse, wodurch jene hervorgebracht wird. Doch sie
stehen da nicht kahl und iide, ohne, wie unsere F'ichten, anderes
Gewilchs neben sich zu dulden. Prachtvoll bliihendes Rhododendron, die vielfach gestalteten Farm, erfiillen den Zwischenraum.
Die sonderbaren Becher der kletternden Nepenthes hangen a n den
hohen Stammen. Die hreiten, zierlich geschlitzten ZwiIIingswedel
eines vorziiglieh schonen Farms, Dipteris, erheben sich auf langen
Stocken hoch iiber die Erde. Doch hauptsachlieh wird die angrenzende hShere Gegend, die wir nun erreicht haben, und lange noch
hinauf charakterisirt durch die vielcn Arten der Lorbeerbaume, die
nun uberall vorherrschend erscheinen. Die meisten gehSren ausscliliesslich den hohern Gegenden an. Java ist besonders, so wie
an Feigen, so auch reich an Lorbeerarten. Diese vereinigen sich
mit einigen Eugenien und andern Myrtaceen, dann auch mit
einer immer bliihenden, grossbliithigen Gardenia, um uberall die
grossten Hohen der indischen Berge zu bewalden. Zu ihnen gesellen sich hochstimmige Melastomen und Rhododendron, Magnolien, die die Waldluft mit wohlriechenden Duften elfillen, auch
viele Eichen, deren verschiedene Arten und Gestalten Herr H l u m e
bereits bekannt gemacht hat. Mit und zwischen dem Allen herrscht
besfandig die grosste Mannigfaltiekeit der Orchideen fort. Nur
zuletzt, wenn auch die Lorbeeiwalder aufhijren, die Gipfel der
Rerge sich immer mehr schmiilern, diese die Humusdecke nicht
mehr festhalten konnen, wenn die Luft immer dunner und kalter
wird, auf einer Hohe von 7000 und mehreren Schuhen, da andert
sich endlich die Gestalt des Waldgeholzes, es schrumpft ein, wird
krumm und krupplig, die Rlitter werden kleiner, steif und h
langblittrige Usneen hLngen von den dick bemoosten Zweigen un
Alles bringt die Erinnerung an die kiilteren Alpenhohcn zuriick.
Da sind es vorziiglich Ericeen, so wie Andromeda, Vaccinien und
Klethra, dann auch eine Myrica, niedrige Arten Rhododendron,
die jene noch bewachsenen hochsten Gipfel iiberdecken; noch andere Formen, die man nie im niederen Indien fand, die man nur
bei uns oder ausser den Tropen einheimisch wiihnt, iiberrasehen
uns auf jenen Hohen und bringen uns in Gedanken dem Vaterlande naher : Valeriana, Ranunculus, HeMis, Hypericum, Lonicera,
Gnaphalium, Swertia und eine kleine, niedliche Uentiana, die noch
i n der diirren Lava-Asche lebt - dicse alle wachsen hoch, aber
noch unter oder nahe der Mittagslinie. Gleiche Ueberraschung gewahren die hohen, feuchten Thller oder die eingeschlossenen Felder zwischen dem hohen Gi fel des vulkaniselien Gebirges. Hier
zeigen sich Doldengewilchse, beilchen, Fliedcr, Miinzen, Potentillen,
Ampfer, Centslureen, Spireen, Isopyrea, selbst Carices fehlen diesen
Orten nicht. Doch bei aller dieser Uebereinstimmung der Form
uud der Gattungen zeigt sich immer noch Verschiedenheit ; keine
jener Pflanxen lasst sich mit den bei uns bekannten Arten vereinigen ; nur einige Iiryptoganien eeigen eine vollige Uebereinstimmung. (Reiseberichte won Reintuardt. 1855).
B.
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