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Zur Kenntniss einzelner chemischer Bestandtheile der Weiden und deren pathologischen Gebilde und Uber einige Reactionen mit Gerbstoffen und denen verwandten Krpern.

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E.Johanson, Einzelnc chcn~ischcBcataudtl~eileder Wcidrn
etc.
103
die Constatirung der Abwesenheit von freicr I’hosphorsiiurc
als auf einen etwaigen Gehalt an fixen Uasen rcsp. Salzen,
die bcim Erhitzen auf Platinblceh dcr Beobachtnng nicht
cntgangen waren.
Zur Kcnntniss cinzelncr chemischer Bcstsndtlieile dcr
Weiden iind deren pathologischcn Gebildc urid tibcr
einigc Reactionen mit Gerbstoflen und denen rerwandtcn KKi-pern.
Yon Mag. E d w i n J o h a n s o n , Asslstenten a m pharm. Instit. EU Dorpat.
Die eigenthumlichen Ansarnmlungen von Gerbstoff, Gallussaure, Quercitrin u. a. Korpern in den Eichengallen, Knoppern etc. lassen voraussetzen, dass auch in sonstigen pathologischen Gebilden , deren Entstehung auf Insecteneingriffe
xuriickgefilhrt wird, ahnlicbe Substamen entstehen.
Als ich mit der Untcrsnchung des Weidengerbbtoffes
beschiiftigt war, sammelte ich mir von einigen Weidenspecies
solche pathologische G ebilde, die sich als rothliche, brLunliche
oder auch nur griine kapselige oder blapige Anftreibnngen
auf den Bliittern finden und ferner Gebilde von jnngen grunen Zweigen eincr nicht bestimmten Weidenart.
Die Xenge dieser pathologischen Gebilde, welche inir zu
Gebote stand, war aber immer eine so geringe (nnr wenige
Grammc) , dass von eingehendercn und quantitativen Studien
nicht die Rede sein konnte und dass ich mich nur mit eixiigen qualitativcn Versuchen begniigen musste.
Bei den Untersuchungen kam es mir zugleich darauf an,
den Unterschied in dcr Zuiammensetzung dieser pathologischen Gebilde und der norrnalen Pflanzentheile , auf welchen
sie enbstandeii waren, kennen zii lernen. Es wurden deshalb
die Blattspreiten, die sorgfaitig ausgelesenen pathologischen
Gebilde und die Stengel fur sich gesondert untersucht und
zwar so, dass ebensoviel, als den1 Gewichte nach von den
pathologischen Gebilden vorhanden war, auch von den Blattspreiten und Stengeln in Arbeit genommen wurde.
104 E.Johnnson, Einzelne chemische nestmdtheile der Weiden etc.
Die Untersuchungsobjecte wurden frisch zerkleinert , rnit
dcstillirtem Wasser im Dampfbade estrahirt, etwas eingeengt,
filtrirt und die Filtrate mit Aether ausgeschuttelt, urn Gallussaure etc. zu isoliren. Die abcolirten Pflanzentheile wurden weiter im Dampfbade mit Alkohol extrahirt.
Nach der Trennung des Aethers von der wassrigcn
Flussigkeit und dem Vcrjagen der letzten Antheile desselben
durch Erwlrmen, wurde die Fliissigkeit, um GerbsAure zu
fallen, mit Bleizuckerlosung vcrsetzt, vom Fiederschlage abfiltrirt und letzterer nach dem Auswaschen durch Schwefelwasserstoffgas zerlegt. Nach der Filtration wurde das Hydrothion durch Kohlensaure verdrangt und das Filtrat auf
Gerbstoff gepriift (A,)'
Die Fliissigkeit vom Rleiniederschlage wurde gleichfalls
durch Hydrothiongas entbleit, eingedampft, der Riickstand in
Wasser gelost, filtrirt und (B.) auf Zucker untersucht.
Von den Aetherausschuttlungen wurde der Acther abdestillirt, der Riickstand in Alkohol aufgenommen, durch Leim
etwa vorhandener Gerbstoff gefiillt, filtrirt, verdunstet, in
Wasser gelost iind abermals mit Aether ausgeschuttelt.
Die alkoholischen Ausziige aus dem bereits mit Wasser
cxtrahirten Material wurden eingedickt, die Ruckstande durch
Aether von Hare, Chlorophyll u. s. w. moglichst befreit, wieder nach Entfernung des Aethers in Alkohol gelost iind die
Reactionen theils mit dieser alkoholischen , theils mit der
wassrigen Losung des Verdunstungsruckstandes derselben
angestellt.
R e a cti onen.
I. Salix alba.
A. G e r h s t o f f h a l t i g e F l i i s s i g k e i t a u s d c m B l e i n i e d e r s c h l a g e d e s B1 a t t s p r e i t e n a u s z u g e s.
Wasserhell , fast geschmacklos, Lackmus wird schwach
gerothet, Eisenchlorid giebt griinen Niederschlag, Leim keine
Fallung, Brechwcinstein farbt gelb , Cinchonin wird nicht
gefallt, Kalihydrat farbt gelb und bildct beim Kochen braune
Flocken, Kalkwasser farbt gleichfalls gelb und liisst beim
E.Johsnson, Einzelnc chernisrhc Bi&mdtlieile der Wcidcn etc. 105
Kochen griinliche Flocken fallen, Bleiacetat bildct dnnkclbraungrauen Niederschlag, Silbernitrat wird schon kalt redncirt. Der letzte Rest der Fliissigkeit verdunstct , giebt
hellbraunen Ruckstand.
A. G e r b s t o f f h a l t i g e F l u s s i g k e i t a u s d e m B l e i n i e d e r s c hl a g e d e r p a t h o 1o g i s c h e n B1 a t t s p r e i t e ng e b i l d c.
Fast farb -, geruch - nnd geschmacklos, Lackmus wird
Icbhaft gerothet, Eisenchlorid schon grun gefzrbt, Leim, Brechweinstein und Cinchonin geben keinc Reaction, Xalihydrat
farbt gelb nncl beini Kocben braunlich, Xalkwasser fiirbt gclb
und bildet beim Kochen braune Flocken, Bleiacetat giebt
einen gelblichen Xiederschlag, Silbernitrat wird reducirt und
die eingedampfte Fliissigkeit zeigt braunliche li'iirbung.
Ails dem verschiedenen Verhalten der nach Aetherausschiittelung resultirenden wassrigen Flussigkeit zu Lackmus,
Eisenchlorid, Brechweinstein, Kallrwasser und Bleiacetat wird
cin verschiedener Gehalt an Gerbstoff oder verschiedene Eigenachaften desselben in den Blattern und Gebilden oder weiter
das klar gclegt , dass mit den Bleiniederschlagen der Gerbhtoffe aus den urspriinglichen Auszugen im ersten oder zweiten Falle andere Substanzen, die modificirend mitwirkten,
niedergcrissen wurden.
Zu solchen Substanzen mag auch der an Quercitrin erinnernde Korper, den ich spater besprechen will, gehoren.
B. Vom B l e i n i e d e r s c h l a g e a b g e t r e n n t e , e n t bleite Fliissigkeit aus d e n Blattspreiten.
Die wissrige Fliissigkeit, vom Bleiniederschlage abfiltrirt,
(lurch Hydrothion entbleit, eingcdampft und in Wasscr gelost,
war schwnch gelblich getiirbt, sie rcdncirte alkalische Xupferoxydlosung nicht nnd liess beini Eindampfen einen geringen
hellbraunen Ruckstand.
B. D i e a n s d e n p a t h o l o g i s c h e n G e b i l d e n in derselbcn Weisc gewonncnc Flissigkei t war gelblich gefarbt,
sic reducirte alkalische Kupferoxydlosung und hinterliess
eingedampft einen geringen hellbraunen Ruckstand.
106 E.Jobonson, Einzi.lilc chcmisuhe Bestatidlheilc der Weidon elc.
Es scheint hier die Wahrscheinliclikeit nicht ferne zu
liegen, dass der Gerbstoff durch Entstehiing der pathologischen Gebilde, wenigstens theilweise , eine Spaltung unter
Bildung von Zncker eri'ahren hat.
Zur Bestatignng dafir hiitte noch ein anderes Spaltungsproduct, der phlobaphenartige Korper relativ bestimmt werden mussen. Belranntlich ist, aber die Trennung desselben
vom Gerbstoffe schwer quantitativ und in diesem Falle, bei
den geringen Nengen Materials , kaum auszufuhren. Fehlte
das Phlobaphen den Bliittern ganz, fgndc es sich dagegcn in
dcn piithologischen Gebilden, so w l r c damit in diesen dic
Spaltung in Zucker und Phlobaphen auch aiisser Fragc
ges tellt gewcsen.
Hieriiber sollte folgender Versuch entscheiden.
Es wurden die Bltitter der Salix alba so lange mit
Wasser ausgekocht, 91s die Flussigkeit auf Eisensalze noch
reagirte, d a m wurde mit schwach ammoniakalischeni Wasscr
weiter extrahirt. Die Flussigkeit war schmntzig grsn gefarbt
und wurde bald roth. Salzzaure verwandelte die Farbe unter
Triibung in Gelb um und Alkalien, wie auch Alkalicarbonate
reficirten dss Roth.
Dei- ammonialralische Auszug wurde verdunstet. Dcr
Ruckstand, in weiiig aiiiiiioniakalischem Wasser aufgenommen,
fiirbte dieses dunkelbraunrolh nnd Salzsiiure fallte daraus
reichlichen Niederschlag.
Ein anderer Theil der aminoniakalischen Fliissigkeit liess,
mit Alkohol versetzt, gleichfalls reichlichen, flockigen Niederschlag fallen.
Dieselben licactionen wiederholten sich vollstandig bei
gleicher Behandlung der patllologischen Gebildc auf den Blattern derselben Weidenart.
Wie also in den pnthologischen Gebilden, so fand sich
auch in den Blattern das Phlobaphen vor und mir blieb als
Stutze fur meine Vermuthung, dass in den ersteren der Gerbstoff eine Spaltnng erlitten liabe, nur die Kachweisbarkeit
des Zuckers.
JC.
Jolicni,oii, Einseliio chcmiaclie Bcstaiidthcile dei JVeitlLii etc.
107
Wenn das verarbeitete Alaterial zu dicscn letzten Versnchen auch ausrcichend eu yuantitativen Bestinimungen
gewesen wllre , so liltten diese lreineswegs irgcnd welche
werthvolle Zahlen fiir sichcre Schlusse geben konnen, da
nach meinen Erfahrungen dcr WeidcngerbstoE selbst vie1 en
leicht und schon wihrend der Bearbeitung , Phlobaphen bildend, zersctzt wird.
D i e A e t h e r a u s s c h ii t t e 111n g a u s d e m w a s s r ig e n
A u s z u g c d e r B l a t t s p r e i t e n , die nach Entfernung etwaigen Gerbstoffes durch nochmnliges Ausschutteln mit Acther
gereinigt wurde, gab schliesslich cine Losung, gegen welchc
sich Laclrnius, Eisenchlorid, lialihydrat, Silbernitrat, Kalltwasser und Schwefelsaure indifferent veihieltan und soxnit die
Abwesenlieit von Gallussaure etc. darthaten.
D i e i n d e r s c l b e n W c i s e aus d e n p a t h o l o g i s c h e n G c b i l d e n d u r c h h c t h c r e r h a l t e n e n Stoffe
rotheten in der wiissrigen Lbsung Lackmuspapicr schwach,
farbtcn Zisenchlorid schwach griinlich , k'alihydrat gclblich
und Kalkwasser schwach gelblich , walircnd Schwefelsaure,
wie Silbernitrdt kainc Reactionen gaben.
Es stimmt dieses Veriialten aber aut' keincn der bclrannten , in ahnlichen pathologischen Gebilden vorlrommenden
Stoffe, sondern cs scheint mir vielmehr ein Gemisch gcM'm s e r
Korper, vielleicht Quercitrin odcr einc dein iihnliche Substanz
in hochst minimen Nengen in den Aether ubergegangcn zu
sein. Es liess sich aber weder in diesen, noch in allen folgenden Vcrdunstungsruelrstiiliden der Aetherausschuttdungen
ctwas Krystallinisches diirch das Nilrroskop nachweisen.
D i e P r o d u c t e ails d c r u A l k o h o l a u s z u g e , w e l cher nach der E x t r a c t i o n mit Wasser aus den
B1a t t s p r e i t e n e r h a1 t c n w i i r d e , verhieltcn sich gegen
Lackmus neutral, mit Eisenchlorid entstand gelbgrune Farbung, niit Rilbcrnitrat und Eleiacclat schwache Triibungen,
mit Schwefelsaure oder Bahiiiire gekoclit trat kaum mcrkbare Triibiing ein und Xupferoxydkali gab keine Reaction.
Die ebenso gewonnenen P r o d u c t e a u s d e n p a t h o 1o g i s c h e n G e b i 1d e n verhielten sich gegen Lackmus neu-
108 I.: J o h n s o n , Einzelnc r.homische Destairdthtilo der Weidcn otc.
tral, firbten Eisenchlorid schmutzig gelbgriin , reducirten Silbernitrat, wobei die Fliissigkeit riithlichbraun wurde , fiillten
am heisser alkoholischer Losung mit Bleiacetat gelbe Flocken
und gaben auch rnit Salzsiiure und Schwefelsaure geringa
gelbe Flocken. Kupferoxydkali wurde reducirt.
Diese Reactionen weisen direct auf einen qnercitrinartigen Korper in den pathologischen Gebilden hint wahrend
derselbe i n den Blattspreiten nicht, oder nur in kleinsten
Spuren vorhanden sein diirfte.
11. Salix viridis var. fragilis
- nlba.
A. P r o d u c t e a u s d e n i B l e i n i c d e r s c h l a g e d e s
w a s s r i g e n B 1a t t s p r e i t e n a n s z u g c s. Die Fliissigkeit
ist schwach gelblich gefarbt, sie hat eincn gelinden adstringirenden Geschmack, rothet Lacknuspapier, giebt rnit Eisenchlorid griinen Niedcrschlag , mit Leim nnd Cinchonin keine
Reactionen, mit Brechweinstein wohl gelbliche Fdrbung, aber
keine Fallung, wird mit Kalihydrat wie auch mit Xalkwasser
gelb und bildet beini Kochen niit diesen gelbe Flocken, Bleiacetat giebt griingelben Niederschlag, Silbernitrat wird schon
lralt reducirt und dcr Rest der waswigen Losung verdunstet,
liisst briiunlichen Ruckstand.
D i e P r o d u c t e A. a i l s d e m B l e i n i e d e r s c h l a g c
d e s wassrigen Auszuges der pathologischcn Geb i l d e farbten die Losung nicht. Lackmuspapier wurde gerothet, Eisenchlorid schon dunkelgriin gefarbt, Leim, Brechweinstein und Cinchonin gaben keine Beaction, Kalihpdrat wurde
goldgelb und beim Kochen schon kirschroth gefarbt , Kalkwasser wurde citronengelb, Silbernitrnt reducirt und Bleiacetat gab gelblichgrauen Niederschlag.
In Bezug auf den hier anwestxnden Gerbstoff wird wohl
dasselbe, wie bei der Salix alba, gesagt werden diirfen.
B. T o n d e n i R l c i n i e d e r s c h l a g e a b f i l t r i r t e u n d
d 11 r c h S c h w e f e l w a s s c r s t o f f e n t b 1e i t e Flu s s ig k e i t
a 11 s d e n B 1 a t t s p r e i t en. Die Farbe der Losung ifit orangebraiin, sie hat einen bittercn Geschmack, reducirt alkalische
E. Johanson, Einzelne chemische Bestandtheile der Weiden etc.
109
Ihpferoxydlosung nicht und lasst braunen Verdunstungsriickstand.
B. A u f d i e s e l b e W e i s e g e w o n n e n e F l i i s s i g k e i t
nus den pathologischen Gebilden a u f den Blattern.
Die braunliche Losung schmeckt schwach bitterlich , sie reducirt alkalische Ihpferoxydlosung und lbst braunen Verdunstungsriickstand.
Auch in diesen pathologischen Gebilden scheint ein
Zuckergehalt vorhanden zu sein , wahrend er den Bllttern
mangelt.
Es ist allerdings gewagt, aus der Reaction mit alkalischer
Xupt'eroxydlosung dlein auf G egenwart von Zacker zu
schliessen und es hatten zur Bestiitigung dieser Annahnie
Giihrungsversuche gemacht werden miissen. Dazu reichte das
Naterial nkht aus. Wenn ich aber dennoch nur nach der
Keductionserscheinung des Kupfers auf Zucker schliesse , so
geschieht es nach Analogie der VorgBnge in anderen gallennrtigen Gebilden, in denen die belrannte Spaltung des Gerbstoffes durch fermentative Einwirltung stattfindet.
Die Producte d e r Act herausschiittelung d e s
w a s s r i g e n B l a t ts p r e it e n a u s zu g e s rotheten Lackmus
schwach, fiirbten Eisenchlorid bliiulichgriin, reducirten Silbernitrat schwach und farbten Kalihydrat gelblich , spiiter
braunlich.
Die S t o f f e , w e l c h e A e t h e r d e m w a s s r i g e n
A u s z u g e ails d e n p a t h o l o g i s c h e n G e b i l d e n e n t x o g e n h a t t e , rotheten gleichfdls Lackmus schwach, farbten Eisenchlorid griin , reducirten Silbernitrat schon in der
1Glte und farbten Xalihydrat goldgelb.
Es unterscheiden sich diese Aetherausschuttelungen nicht
unwescntlich von denen nus der Salix alba. Wahrend dort
diejenige aus den Bliittern keine Reactionen gegen die angewandten Chemikalien aufwies , treten solche in diesem Falle
oin. Ich glaube aber diese Erscheinungen auf einen geringen Gerbstoffgehalt, vielleicht aber auch auf spurenweise vorhandene Gallussaure zuriickfihren zu diirfen, namentlich wegen
der ins Blaue neigenden Eisenchloridreaction.
110 E. Johanson, Einzelne chetnische Bestandtbeile der Weiden etc.
Aber auch die Moglichkeit , dass die Aetherausschuttelungen etwas Catechin enthielten, war nicht ausgeschlossen.
Um midi der Abwesenheit desselbcn zu vergewissern ? verschaffte ich mir neiies Material derselben Weidenart und
stellte mit den orhaltenen Producten einerseits verglaichcnde
Versuche mit denen aus frischen Eichenbliittern gewonnenen,
mit Catechin und mit einer bis fast zur Farblosigkeit verdiinnten Losnng eines gereinigten Weidengerbstoffes, in einer
hochstens solchen Menge ? als man sie als Verunreinigung
voraussetzen durfte, andererseits an.
Die WeidenblGtter und deren pathologische Gebilde iind
die Eichenblatter wurden rnit Wasser warm erschopft und
die eingeengten Auszuge mit Aethor wiederholt ausgeschiittelt. In allen drei Fallen blieben nach dem Verdunsten des
Aethers und W iederaufnehmcn des Riickstandes in Wasser
fett - und wachsartige Materien zuriick. Es wurde abermals
rnit Aether ausgeschiittelt und diescr verdunstet. Die wassrigen Losungen, die nun erhalten wurden, liessen keine krystallinischen Bestandtheile nach dem Verdunsten crkennen
und verhielten sich gegen Lacltmus kaum merklich rothend.
Der Uebersicht halber will ich die folgenden Beactionen
in einer Tabelle (Seite 111) neben einander stellen:
W enn einzelne dieser Reactionen auch lebhaft an diejenigen des Quereetins und Quercitrins erinnern, so sprechen
andere, auch die Leichtldslichkcit des eingedampften Ruckstandes der Ausziige gegen die Annahme der Gegenwart
dieser Korper, wie auch gegen die, dass Catechin anwesend
sei, obgleich immerhin nicht geleugnet werden darf, dass die
Loslichkeit dieser Korper duroh die begleitenden Stoffe modificirt sein konnte. Ferner weisen auch die Reactionen in der
vorliegenden Tabelle wenig Uebereinstimmung zwischen den
beiden Weidenpraparaten einerseits und dem Catechin oder
den beliannten der Gallussiiure anderemeits auf, wahrend
sich das Eichenblatterpraparat in denselben schon etwas
mehr denen des Catechins nahert. Dagegen lassen die Versuche mit der verdunnten Weidengerbstoff losung die vorhin
ausgesprochenc Annahme , dass dieser , vereint mit anderen
I
Pathol. .Weidengebildc
I
Eichenblatter
griin
Catechin
keine Reaction
keine Reaction
keine Reaction
Triibung
keine Reaction, nach keine Reaction' nach keine Reaction, spater
Zeit schmutzig langerer Zeit schmu- schmutzig griinlich, intensiv orangegelb
klar
graubraun, abcr klar tzig graubrauu 9 aber
klar
Weidcnbllt.ter
H g N2 0 6
HgCl
Hg2 Na 0 6
+
+
-
+
:riinlichblau , warm
.othbraune Plockcn
Ammoniak lost
wcisscr, flockiger
Niederschlag
keine Rewtion
schmutzig griinlich
grunblau
Weidengerbstoff
roth,
Eupfersulf.
iehmutzig blaugrau,
Zekocht griinweiss gcfallt
keine Reaction
keine Reaction
keine Reaction
keine Reaction
keine React., r a m
gelbbraun , triibe
gelbwcisser Niederschlag, in Essigaaure loslich und durch Salzsaurc aus dieser Losung wie :r fallbar
+
~~$~r.!~,~~~i~~~~~
getrubtj Tropfen
gelb, ohne Fallung, gelb, ohne Fallung, mit
kcine Reaction, 1Tromit einem Tropfen Am- 1 Tropfen Ammoniak Ammouiak 'Iaeht
pfen Ammoniak geBlciacetat moniak entsteht gelber
latinos, meiss, gekochl
entsteht gclber NieNicderschlag
derschlag
fallt weisses Pulver
schlag
von Blau in Grun, er- von Blau in Griin,
hellblau , klar , heise
wiirmtgelindeTriibung, auch warm klar, mit von Blau in Griin,
Eupfermit Ammoniak braun- Ammoniak braunlicber warm braune Plockcn, griin, trubc, dann
acetat
braunc Flocken, Am.
lichcr Niederschlag, Niederscblag , CcberAmmoniak liist
moniak lost
Uebcrschuss v. Ak. lijst
schuss lost
gelb
Eupfersulfat gelb, + Eupfersulfat braungelb
Kupfer.
Eupfer- farblos,
Kalilauge
p u n , gelatinos, gegelatinos, ge- sulfat griin gelatinos, sulfnt griiu flockig,
uud Kupfer. kocht weissgriin gegriin' neissgriin gefallt gekocht 'veissgriin gem gekocht graubraunc
kocht
sulfat
fallt
Flocken
ftillt
Kaliumbichr om at
Pcrrocyankalium
Eisenvitriol
Reagenticn
Reagentien
ach einiger Zeit Rothirbung und schwache
.eduction, warm oder
lit Ammoniak sofort
‘allung und Reduction
Weidenblatter
Silbernitrat
lost griinlichgelb
-__
Cone.
Schwefelsaure
Pathol. Weidengebildc
Fekocht gelbe Flocken
warm gelber Nieder- rarm gelber Nieder%lag, beim Stehen chlag , beim Steheu
rothlich
rothlich
I
I
Eiehenblatter
lost griinlichgelb
wie bei den Blattern wie beiblattern
den Weiden-
‘ast orangebrannJ spater griin
Aikoholische Blei.
zuckerlosung
ekocht gelbe Flocken
griin, warm braune
Flocken
1
schon kalt reducirt
Catechin
vie bei den Weidenhlattern
Weidengerbstoff
lost kirschroth, sp& ost rothlich, d a m
ter violettroth, ver- riolettl. braun, warm
dunnt Ausscheidung
dunkelviolettbraun
gelber h’iederschlag,
meim Stehen griinlich,
m durchfallend. Lichte
rothlich
keine Ausscheidung
%thlichweiss , warm
leicht absitzend
warm weiss gefalit
yekocht kaum gelbFekocht gelbe Flocken ich ohne Ausscheidung
gelb, warm wenig
brgunliche Floeken.
gelblicbgriin
griin, warm braunc
Flocken
wird schou kalt von allen reducirt
Verdinnte
Schwefelsaure
run, warm keine Fallung
Goldchlorid
Eisenchlorid
E. Johanson, Einzelne cheiiiische Bestandtheile der Weiden etc. 113
Stoffen, bei den Versuchen mit den Producten der Aetherausschiittelung der Salix viridis mitwirkte , nicht ganz ungerechtfertigt erscheinen.
Schien mir auch der Versuch den quercetin- oder quercitrinartigen Korper zu isoliren und zu untersuchen von
grossem Interesse, so gab ich doch bald diesen Gedanken
auf, denn einige Vorversuche wiesen mir zu deutlich nicht
leicht z n iiberwindende Schwierigkeiten auf , die sich der
Reindarstellnng entgegenzustellen drohten.
Vermuthlich ist mir derselbe Stoff in einer anderen
Weidenart, der Salix acutifolia, deren gelbgefarbte lnnenrinde
reiche Ausbeute erhoffen liess , begegnet. Aus dieser habe
ich ihn zu isoliren mich berniiht, urn ihn rnit dem Quercetin
oder Quercitrin oder einem dem ahnlichen Xorper zn vergleichen und von hieraus auf das Vorhandensein in den
nachsten Verwandten , den anderen Weidenarten , zuruckzuschliessen.
Auf die Untersuchung jenes farbenden Stoffes der Rinde
letztgenannter Weidenart will ich spiiter zuriickkommen, hier
aber weiter fortfahren in der Untersnchung der Ausziige aus
den Blattern und pathologischen Gebilden der Salix viridis
und da ist es zunachst der R u c k f i t a n d d e s A l k o h o l a u s z u g e s , w e l c h e s a u s d e n rnit W a s s e r e x t r a h i r t e n B l a t t s p r e i t e n g e w o n n e n w u r d e . Gegen Lackmuspapier verhalt sich die Losung desselben neutral , mit
Eisenchlorid wird sie schmutzig gelbgriin, rnit Silbernitrat
grunlichgrau getrdbt , mit Bleiacetat entstehen beim Kochen
starke gelbe Flocken, rnit Salzsaure gekocht bilden sich griingelbe und mit Schwefelsaure, ebenso behandelt, gelbe Flocken.
Kupferoxydkali giebt Andeutungen einer Reduction.
In gleicher Weise d u r c h A l k o h o l a u s d e n p a t h o l o g i s c h e n G e b i l d e n g e w o n n e n , erwies sich das Product
gegen Lackmns neutral. Es farbte Eisenchlorid schon griin,
triibte Silbernitrat , gab rnit Bleiacetat , wie rnit Salzsaure
beim Kochen gelbe Flocken, welche Reaction auch mit verdiinnter Schwefelsaure in schwacherem Maassstabe eintrat,
und reducirte Kupferoxydkali.
.-\l’ch. d.
~hal’lll
x111.
IidN.
8. IIott.
8
114 E. Johallson, Einaelne chetniache keatitudtheite der Weidon etc.
Wie in den friiheren, lasst sic11 auch in diesen pathologischen Gebilden ein wie Quercitrin reagirender Korper nachweisen. Selbst die Reactionen init der Flussigkeit aus den
Blattspreiten weisen auf einen Gehalt des quercitrinartigeil
Korpers hin. Hierdurch waren also die Bldtter der Salix
viridis var. fragilis-alba von denen der Salix alba unterschieden.
111. Salix fragilis albi var. fragilior.
A. D i e g e r b s t o f f h a l t i g e F l i i s s i g k e i t au s den1
B l e i n i e d e r s c h l a g e d e s B 1a t t s p r ei t en a u s z up" e s war
schwach gelblich gerarbt, hatte eincn adstringirenden Geschmack und rothete Lackmuspapier. Eisenchlorid wurdc
griin gefcirbt, Leim, Brechweinstein nnd Cinchonin gaben keine
K.eactionen, Kalihydrat farbte gelblich und bildete beim Kochen
gelbe Flocken. Bleiacetat gab einen gelbgriinen Niederschlag
und Silbernitrat wurde beim Kochen rcducirt. Der Trockenruckstand war hellbraun gefarbt.
A. D i e e b e n s o a u s d e n p a t h o l o g i s c h e n G e b i l d e n g e w o n n e n e F l i i s s i g k e i t war gelblich, von schwacli
adstringireridem Geschmacke und lackmusrothend. Mit Eisenchlorid wurde die Fliissigkeit schon griin, Leimlosung gab
schwache Fallung , wiihrend Brechweinstein und Cinchonin
keine Reactionen lieferten.
Kalihydrat farbt schon gelb
und beim Kochen hellbraun unter langsamer Fallung von
Flocken. lialliwasser f'arbt hellgelb und bildet beim I<ochen
braune Flocken. Bleiacetat giebt griinlichgelben Niederschlag
und Silbernitrat wird beim Erhitzen rothbraun.
Nach den angedeuteten Reactionen unterscheiden sich
diese husziige nicht wesentlich.von den friiher unter A. ango
fuhrten.
B. D i e F l i i s s i g k e i t v o n d e r B l e i f i i l l u n g d e s
B l a t t s p r e i t e n a u s z u g e s , d i e e t w a v o r 11 a n d e n e n
Z uc k e r f ii h r e n mu s s t e, war gelb gefarbt , sie reducirte
alkalische Kupferoxydlosung nicht und liess verdunstet einen
hellbraunen Xiickstand. Dagegen wirkte die sich sonst ganz
wie diesc verhaltende Fliissigkeit B. a u s d e n p a t h o l o g i sc h e n G e b i 1d e n auf alkalisclie Xnpferoxydlosung reducirend.
-
E,Johanson, Binzelne chemiscbe Bestandtheile der Weiden etc. 115
Es liefert dieser Versuch einen dritten Bcleg fbr dcn
Zuckergehalt der pathologischen Gebilde.
Aetherausschiittelung vom w a s s r i g e n A u s z u g e
d e r B l a t t s p r e i t e n . Lachnus wird gerothet, Eisenchlorid
schwach griinlich, Xalihydrat und Kalkwasser schwach gelblich gefarbt, Silbernitrat wird uicht reducirt und Schwefelsiiure giebt keine Reaction. Ebenso verhalt sich die wassrige
Losung des Ruckstandes von der A e t h e r a u s s c h u t t e l u n g ails d e m w a s s r i g e n A u s z u g e d e r p a t h o l o g i schen Gebilde.
Der A l k o h o l a u s x u g a u s d e n e r s c h o p f t e n B l i i t t e r n war neutral, farbte Eisenchlorid gelbgriin, reducirtc
Silbernitrat unter Braunfarbung der Fliissigkeit, gab mit Bleiacetat erhitzt gelbe Flocken, mit Schwefelsiiure und Salzsiiure beim Erhitzen schwache Triibung und reducirte Xupferoxydkali nicht.
Der alkoholische A u s z u g d e r erschtipften pat h o l o g i s c h e n G e b i l d e war neutral, gab mit Eisenchlorid
dunkelgriine Farbung und reducirte Silbernitrat unter Braunlarbung der Fliissigkeit. Bleiacetat gab aus heisser Lijsung
gelbe Flocken , Salzsiiure , in fichwacherern 3faasse Schwefelsaure, triibten flockig und Kupferoxydalkali wurde reducirt.
Ausser in den pathol. Gebilden scheint hier such in den
Blattern derselhe yuercitrinartige Korper vorzukommen , wie
ich ihn in der Salix virid. var. fragilis-alba glaube gefunden
zu haben , jedenfalis aber naeh den Versiichserscheinungen
in den ersteren in ausgesprochen grosserer BIenge, als in
diesen letzteren.
IV. Salix fragilis var. vitellina.
Durch einen Unfall ging mir das ganze Material der
Blattsyreiten dieser Weide bei der ersten Extraction verloren und da spater diese Varietat nicht mehr aufzufinden war,
musste ich von der Untersuchung dieses Theiles des Materials
abstehen. Die pathol. Gebilde habe ich in derselben Weise
wie die friiheren untersucht. Da aber durch das Fehlen der
ersten Versuchsreihe der Verglcich in den Reactionen genom8 x-
116 E. Johanson, Einzelne chemische Bestandtheile der Weiden etc.
men ist, der allein dazu veranlassen konnte, das Verhalten
zu den angewandten Reagentien detaillirt wiederzugeben, so
fuhre ich hier nur kurz an, dass ich bei den einzelnen Ausziigen zu denselben Schliissen gelangte, wie bei den vorhergehenden pathologischen Gebilden.
V. Mcht bestimmte Weidenart.
Auf den jungen Zweigen einer Weidenart waren in
grosser Anzahl haselnuss - bis wallnussgrosse urid selbst
noch grossere pathologische Gebilde dureh Insectenstiche entstanden. Die Stiche waren auf noch grune oder eben braunwerdende Zweige ausgeubt worden iind bildeten ziemlich
harte, feste Massen von unregelmiissigen Pormen und fast
glanzender Oberflache. Die Durchschnitte liessen einen grossen
Feuchtigkeitsgehalt erkennen und das Holz war durch diese
Gebilde in viele Strange gespalten worden, zwischcn denen
die Masse der. Gebilde lag, ohne die Vegetationsfahigkeit der
Zweige sichtlich zu benachtheiligen. Aeltere Gebilde aus
friiheren Jahren hatten je nach dem Alter eine dunkelgraue
oder graubraune oder griinbraune Farbe, wiesen nicht mehr
den adstringirenden und intensiv bitteren Geschmack der
frischen Gebilde auf, waren voluminos und scheinbar humificirt, wahrend die meist an den Wandungen der Gebilde
durchlaufenden Holzstrange ihre Vegetationsfahigkeit beibehalten hatten. Hin und wieder nur fand es sich, dass bei
einigen die Zweige oberhalb der Gebilde im Dickenwachsthume zuriickgeblieben waren.
Von dieser Weidenart habe ich die Blatter, Stengel und
Gebilde untersucht; leider war es nur nicht gilt ausfuhrbar,
-die letzteren von den sie durchdringenden Holztheilen yollig
frei zu prapariren.
Die Art des Insectes, durch welche diese Auswuchse
entstehen , habe ich weder aus einschliigigen Werken, noch
durch Nachfragen bei Insectenkennern ermitteln konnen und
muss die Antwort hierauf auf die Zeit glucklicher Ausbriitungsversuche (diese sind in Angriff genommen) verschieben.
E. Johnnson, Einzelne chemische 13estandtheile der Weiden etc.
11 7
A. D i e L o s u n g d e r S t o f f e a u s d e m B l e i n i c d e r schlagc des wassrigen Auszuges aus den Blattern
war gelb gefarbt, von bitterem Geschmack und rothete Lackmuspapier. Eisenchlorid wurde sehr dunkel griin und wiihrend
Leim gefallt wurde , entstand durch Brechweinstein und Cinchonin keine Fallung. Kalihydrat f&rbte die Fliissigkeit
braunlichgelb , beim Erhitzen braun werdend. Kalkwasser
gab gelbe Pallung und Bleiacetat einen gelben Niederschlag.
Silbernitrat gab beim Erhitzen braune Flocken nnd der Verdunstungsryickstnnd der Losung war braun.
A. Dic w i e e r s t e r e a i l s d e n S t e n g e l n e r h a l t e n e
Lo s 11n g war fast wasserhell, hatte einen schwach adstringirenden Geschmack und wurde von Eisenchlorid schon grun
gefirbt. Leirn , Brechweinstein und Cinchonin gaben keine
Reaction. Kalihpdrat firbte schon gelb und beim Kochen
hell rothlichbrann. Auch Kalkwasser farbte gelb, gab abcr
beim Kocben gelbe Flocken. Bleiacetat liess einen gelblichgriinen Niederschlag fallen nnd Silbernitrat wurde beim Kochen
redncirt. Der Verdnnstungsruclistand war hell braungelb.
D i e F l i i s s i g k e i t A. a u s d e n pnthol. G e b i l d e n
dieser Weide war fast farblos, schmeckte schwach adstringirend, ro thete Lackmuspapier nnd wurde durch Eisenchlorid
grun gefirbt. Lcim, Brechweinstein und Cinchonin gaben
kcine Reaction, Kalihydrat firbte gelb und beim Kochen
briiunlich, Kalkwasser verhielt sich negativ. Durch Bleiacetat
entstand ein grauweisser Miederschlag , Silbernitrat gab beim
Kochen Braunfiirbung und dcr Trockenriickstand der urspriinglichen Losung war rothlichgelb.
Anffallender Wcise scheint der Gerbstoffgehalt der Bliitter dieser Weide nach dem Verhalten zu Eisenchlorid, Leim,
Kalkwasser und Silbernitrat, wie nach der Farbung des Verdnnstungsruckstandes ein grosserer zu sein, als der der jungen griinen Zwcige; am schwiichsten scheint er in den pathologischen Gebilden vorzuliegen.
D i e d e n Z u c k e r f i i h r e n d e F l i i s s i g k e i t B. v o m
B l e i n i e d e r s c h l a g e a u s d e m B l a t t e r a u s z u g e zeigte
eine gelbe Farbe und stark bitteren Geschmack. Zu Kupfer-
118 E. Johanson, Einzelrie cheniische Bestandtheile der W e i d m ctc.
oxydkali verhielt sie sich intact nnd gab einen brannen Trockenrucks tand.
L o s n n g R. a n s d e m S t e n g e l a u s z u g e . Die Farbc
war gelb, der Geschmack stark bitter und kratzend. Knpf'eroxydkali wnrde schwach reducirt und dcr Verdunstungsriickstand war braun.
D i e L o s u n g B. a u s d e n p a t h o l o g i s c h e n Q e b i l d e n hattc eine rothe Farbe , schrneckte kratzend bitter,
reducirte Kupfcroxydkali und gab braunen Trockenriickstand.
Der Zucker steht hier der Vertheilung nach ini umgelcchrtcn Verhaltnisse ziim Gerbstoffgehalte. Er findet sich
am reichlichsten in den Gebilden, ist in den Stengeln wenig
vorhanden und fehlt den Blattern ganz.
Eisenchlorid wurde durch die P r o d u c t c d e r A c t h e r
a 11s s c hii t t e lu n g a 11 s d e n B 1St t e r n grunlich , Kalihydrat
gelb und dann brann gef&rbt, Kalkwasser wurde gelb und
ilann gmugrun, Schwefelsaure und Silbernitrat verhielten sicli
inactiv.
E b e n s o a u s d e n S t c n g e l n e r h a l t e n , gRbcn die
Producte mit Eisenchlorid grunliche, niit Kalihydrat schmutzig
gelbe, dann graubraune und mit X a l k n ~ s e rgclbe Farbung.
Schwefelsaure und aach Silbernitrat waren ohne Einwirkung.
Die Yroducte der A e t h e r a u s s c h i i t t e l u n 6 . v o n d e n
11a t h o 1 o g i s c h e n G e b i 1 d e n fiirbten Eisenchlorid grunlichblau, Iialihydrat gelh , spSter braun 7ind Kalkwasser gelb.
Schwcfelsiiure zeigte keine Reaction, Silbernitrat wurde schon
icalt in schwachom Maasse , rciclilich aber beim Erwarmen
reducirt.
Wie bei der Aetheransschuttelung aus der Salix viridis
konntc auch hier nicht ganz unberechtigt spurenhafte Anwescnheit von Gallussaure oder einer ihr iihnlichcn Substanz,
wie ich sie friiher in den Weidenrinden gef'unden habe,
mgenommen wcrdcn. IYenn ich anch fur diesen Nachweis
die Eisenchloridreaction fur die ansschlaggebende halte , s o
inochte ich immerhin das Verhaltcn gcgen Silbersalz iind
~
1) Arch. d. Phann.
Bd.
209.
pag. 210. 1876.
E. Johnson, Binzcfne cheniische Bestantltheile der Weidcit cle.
119
day Uunkelwerdcn mit iiberschiissigem Alkali als Bcstatignngen n i r h t unberiiclisichtigt gelassen wisscn.
Die gelosten Substanzen im a l k o h o l i s c h e n A u s z u g c
ails d e n e x t r s h i r t e n B l a t t e r n verhielten sich gogen
Lackmus neutral, firbten Eisenchlorid dunkelgrun , triibtcn
Silbernitrat Irxnm nnd gaben mit Kupferoxydkali keine Reaction. Blciacetat fiillte aus alkoholischer Losung gelbe Flocken,
SchwefelsGore wurde stark getriibt und Salzsiiure gab schwache
Flocken.
Lackmus und Eisenchlorid rerhielten sich zn dem aub
den S t e n g e l n g e w o n n e n e n P r o d u c t e n d e s a l k o h o l i s c h e n A u s z u g e s ebcnso, wie zu tlem der Blatter, Silbernitrat wurde getriibt , Xnpferoxydkali , Bleiacetat, Schwefelsaure und Salzsiiure zcigten dasselbe Verhalten, wie eben bei
den Blattern angefuhrt wurdc.
Die Losung aus den pathologischen Gebilden
gewonnen war ncntral, wurde dnrch Eisenchlorid schmutzig
griin gclirbt nnd reducirte Silbernitrat schon in der XLlte.
Kupferoxpdkali wurde reducirt , Bleiacetat g a b aus heisser
alkoholischer Losnng gclhc Floclten und auch Schwcfelsaure
und Salzsaore fallten beim Kochen gelb flockig
Obgleich einige Reactionen mit den Fliissigkeiten a u
den Blattern iind Stengeln auch auf einen quercitrinartigen
liorper hinwcisen, fiihle ich mich doch nicht berechtigt densclhcn hier anznnehnien, denn z. B. das Verhalten gegen
Iiupferoxydkali, dns ich fur sehr wichtig halte, ferner die
nicht deutlich ausgcsprochene reducirende Wirkung auf Silhernitrat bprtichen dagegen. Entscheidend hatten hier die
durch rerdunnte SBuren entstandenen Spaltungsproducte
geantwortet, wozn aber das Material nicht ausreichte.
Im G egensatze hierzn finden sich die Quercitrinreactionen im Verhalten des Anszuges a m den pathologischen Gebilden deutlich ansgesprochen und zwar bei dieser letzten Weidenart deut licher, als in den friiheren Untersuchungsobjccten
Aus dem Vorhergehenden erhellt, dass in den pathologischen Weidengebilden chemische Korper vorkommen , welche
den gebildetragenden Pflanzentheilen mangeln. Wie z. B.
120 E. Johanaon, Einzelne chemische Bestsndtheile der Weidcn etc.
angenornmen werden kann, dass die Gallussaure aus dem
Gerbstoffe entstanden sei, so durfen auch hier diese Xorper
ale Producte der Uniwandlung gewisser Bestandtheile der
normalen Pflanzenthcilc angesehen werden. Welcher Art aber
diese Umwandlungsproducte hier sind , konnte mit Sicherheit
nicht festgestellt werden; am meisten darf man sich deni
ziineigen , dass es vorherrschend ein quercitrinartiger Korper
sei. Jedoch bewegen sich die angefiihrten Versuche in zu
engen Grenzen, a19 dass gleich geschlossen werden diirfte,
alle pathologischen Gebilde snf den Weidenblattern odcr Zweigen fihrten diesen quercitrinartigen Stoff. Es lasst sich dieyes um so wahrscheinlicher nnssprechen, als ich bei einem
anderen Stoffe, namlich dcm von mir in der Weidenrinde, die
zum Zwecke des Gerbens gcsammelt war, gefiindenen Benzohelicin schon Aehnliches erfalircn habe. Hieriiber hoffe ich
bald Naheres bericliten zu lronnen. Es kommt das Benzohelicin, wie sich bis jetzt hersusgestellt hat, nicht in der Rinde
,jeder Weidenart vor und sollte die Vornussetzung, dass der
qucrcitrinartige Xorpcr nicht in allen pathologischen Weidengebilden , die ihren Ursprung diirch Insectenstiche erhnlten,
vorkomme, zutreffen, so hatte man zwei chemische Handhaben zur Unterscheidung der so ausserst schwierig zu diagnosticirenden Weidenspecies zur Verfiigung.
Der Stoff, von dem vorhin linter Salix viridis var. fragilis-alba die Rede war, der sich in gewissen Beziehungen
wie Quercetin und Quercitrin verhielt, in anderen sich von
diesen aber wesentlich unterschied, musste einer naheren
Beachtung unterzogen werden. Ich stellte mir denselben aus
der Rinde junger Zweige der Salix acutifolia, deren Innenrinde im frischen Zustande schon leiichtend gelb gefiirbt war,
in folgeiider Weise dar.
Nach vollstandiger Erschopfung der zerkleinerten Rinde
mit Alkohol von 95O in der Warnie wurde der grosste Theil
1) 1.
0.
33. Johanson, Einzeloe chemische Bestandthcile der Weidon etc.
12 I
dcs Alkohols abde.stillirt, die vollstandig gallertig gewordene,
riickstiindige Pliissigkeit filtrirt , mit Alkohol nachgewaschen,
leteterer entfernt und der Verdunstungsruckstand des alkoholischen Auszuges in Wasser aufgenommen, wobei betriichtliehe Mengen fettiger harziger etc. Substanzen ungelost
zuriickblieben. Der briiunlichgelbe , wassrige Auszug gab
alsdann an Amylalkohol beim Ausschutteln eine intensiv
gclbe, farbende Substanz ab, wahrend das Wasser, braunrothlich gefarbt , sich triibe absonderte. Der Amylalkohol
wurde entfernt und der braungelbe Ztiickstand abermals in
Wasser aufgcnommcn, wobei wieder etwas eines braungelbcn
Ruckstandes znriickblieb. Mit Amylalkohol geschuttelt, nahm
dieser wieder jene vorerwihnte gelbe Farbung an, das Wasser schmutzig rothlich tingirt nnd triibe absondernd. Aus
dieser letzten Amylalkoholaussehuttelung wurde dann das
Material fiir die Reactionen durch Verdunsten erhalten.
Dassellre lost sich nach dem Trocknen leicht in gliinzenden, orangegelben , durchscheinenden Lamellen von der Porceilanschaale. Weder bei rascher , noch bei langsamer Verdunshing der wassrigen ocler alkoholischen Losung liess sich
Krystallisation der Masse beobachten. Die wassrige Losung
rbthet blaues Lackmuspapier und hat den Geruch blihender
Weiden oder den der frischen Weidenrinde. Der Geschmack
ist intensiv bitter. Erhitzt man die trockne Substanz, SO
tritt der Geruch der Weidenkatzchen lebhaft hervor , weiter
erhitzt bildet sich Holzessig , dann entstehen erstickende
Dimpfe und zuletzt thecriges Product. Ein krystallinisehes
Sublimat hatte sich nicht gebildet. Jm Spectrum zeigte die
alkoholischc Losung im Roth ein intensiv schwarzes Band
und wihrend im Gelb keine Absorption stattfand, licssen sich
in1 Griin zwei oder drei kauni angedeutete Linien beobachten.
)
.___I
1) Vom Quercitrin ausgehend, das sich nach einem Versuche in
Amylalkohol reichlieh loste , wandte ich dieses Mittel zum Ausschutteln
an. Dieselbe Quercitrinprobe, von Gehe et Comp. bezogen, loste sich
schwer in Aether und war unlaslich in Benzin, Petroleumather, Chloroform und Schwefelkohlenstoff. Die alkoholische Losung wurde durch
alkoholische Bleiacetatsolution orangeroth gefallt.
122 E. Johanson, Einzclne cliemischo Bestandtheile der Wciden
ctc.
Beim Stehen an der Luft fSirbte sich die wassrige Losung
nicht dunkler, dagegen wnrde die Losung mit Ammonialc
intensiv orange nnd diese beim Stehen an der Luft rothbraun.
Aus kalter Salpcterscture von 1,4 spec. Gew. wird salpetrige
Saure entwiclrelt und cs entst,eht eine klare rothbraune Losung, die init AmmoniiLk und Chlorcalcium keine Oxalsanrcreaction aufweist ; ein Wollenfaden wird abcr dauernd gelb
gefiirbt (Pikrinsaure). Aus sehr concentrirter Losung schied
concentrirte SchwefelsBure kerrnesfarhenen Niederschlag am,
mehr Schwefelsaure bildete klare rothbraune Liisung , verdunnt man diese mit Wasscr, so scheidcn sich branne Plocken
ab. Wenige Tropfen verdunnter Schwefelsaore ziir concentrirten wassrigen Losung fiillten gelben Niederschlag, beim
Erwgrmen in der uberstehenden Flussigkeit sich auflosend
und bei weiterem Xochen sich wieder abscheidend. Nit concentrirler Salzsiiiire bildet die concentrirte wassrige Losnng
orangefarbcncn Niedcrschlag. Xaliumbichromat mit Schwefelsaure wird sofort griin, wobei Gcrnch nach salicyliger Saure,
aber liein Ameisc:nsiiiiregeructi aiif'tdt. Fehling'sche Liisung
wird schon bei gelindem ErwLmen sehr stark reducirt; dasselbe geschieht sclion in der Kalte mit Goldchlorid sofort.
Mit Barytwasser wird die Farhe der L6sung noch intcnsiver
gelb. Kaliumcarbonnt und Kalkwasser fiirben orangegelb untl
Saurcn stellen dic nrsiriinglichc gelbc der wassrigen Losung
wieder her, ohno Fiillung z u beairken. Aus rothem Bliitlaugennalze vird lteine Blausaure freigemac.ht. Durch Eisenchloriir wird die Liisung griinbraun, ebenso durch Eisenchlorid; in sehr starker Verdiinniing farbt letzteres Reagens grun
iind beim liochen mit demselben entsteht ein dunkelbrauner
Niederschlag. Silbernit,rat wird nach einigem Stehen , beim
Erwarmen aber sofort rcducirt, ohne die Flkssigkeit voriibergehend roth zii fiirben. Rleizucker fallt theilwcise, Bleiessig
fast vollstiindig und die Niederschlage sind in Essigsaure
loslich. Die alkoholische (98O) Losung firbt sich mit einem
Tropfen alkoholischer Nleiaceta'tlosung hoch orange.
Dieseg sind die bisher von niir angestellten Beactionen
des intensiv gelb gefarbten Korpers in der Rinde yon Salix
E.Jolinnson , Einzelnc chernische U e s t d t h e i l c der Wyci,lcn ctc. 1'23
acutifolia und e s 16sst sich verrnuthcn, dass derselbe eine
weite Verbreitung tinter den Weidcn findet. Er mag cs
hauptsiichlich anch sein, der i n die Losungsmittel bci der
Untcrsuchung der Weidenbliitter und Zweige und deren pathologischen Gebilde niit iiberging und die Reactionen modificirte. Zwischen ihm und dem Quercitrin liisst sich in niehrfacher Beziehung einc grosse Aehnlichlreit erkennen und er
wird wahrschcinlich zu diesem, wie Zuni Rhamnin etc. in naher
Beziehung stehen.
EY ware hochst interessant, diesem Stoffe ein eingehenclcs Studium zu widmcn, wozu es mir aber jetzt an Zeit
gebrich t.
~
Rei dieser Gelegenheit will ich noch einer Erscheinung
crwahnen, die ich friiher allerdings schon beobachtet , aber
nicht fur wescntlich erachtet hatte. Es war niir nenilich hin
und wieder beim Weidengerbstoti'c, dor doch entschieden ein
cisenbliiuender ist, begegnet, dass im Momente des Zusetzens
von Eisensalzen ein grunschwarxer Niederschlag entstand,
tler im niichsten Momente sich als rein blau prasentirte.
Jetzt, wo niir unter Y, der nicht bestimmten Weidenart, wieder die Reactionen niit den jungen, noch griinen Weidenzweigen vorliegen, erweist es sich, dass ihr Gerbstoff Eisenclilorid z. IB. nar griin fiirbt, ohne zu fallen. Demnach wird
die friiher beobachtete Griinfiirbung wohl auf eine Beimengung
der Rinden junger Zweige zii verweisen sein, die ails dem
Grunde leicht moglich war, als ich zu meinen Untersuchungen
kiiufliches Gerbematerial und nicht selbstgesammelte und sortirte Rinden benutzt hatte. Urn rnir nun uber die Vertheilung der beiden Gcrbstoffe in den Pflanzen einiges Licht zu
verschaffen, nahm ich mir das Material von der Salix fragilis
var. viridis alba und reagirte mit den Bbkochungen: I. der
Bliitter, 11. der jungen, noch vollstandig griinen Stengel und
Zweige, 111. der Rinde noch griinlichgrau ausschender Zweige
nnd IV. zum Vergleiche, mit der Losung eines Weidengerbstoffes, den ich friiher aus einer alten Rindc dargestellt
hatte.
-
I. Blatter
111. Junge, griingraue
Zweigrinde
~~
gerothet
11. Griine Stengel und
Zweige
~~
gerothet
dunkelgrun , klar
Reagentien
--
Lackmus
dunkelgriin, klar
keine Reaction
gerothet
grunschwarzer Niederschlag, Fliissigkeit griin
Eisenvitriol
keine Reaction
,_
IV. Weidengerbstoff
-~-
gerothet
~~~
_.__
~~~
sofort blauschwarz
keine Reaction
rothlichbraune Fallung
keine Reaction
rothbraune Falung
dunkelgriin, klar
rothlichbraune Fallung
sofort Fallung
gefallt
gefallt
gefallt
dunkelgrun, klar
braunlichschwarz gefiillt
kalt klar, heiss rothbraun, beim StehenTriibung und Reduction
,rothbraune Fallung
braune Flocken
Slkalische Kupferoxydlosung
Eisencblorid
Silbernitrat
sofort Fallung
gefallt
gemt
stark getriibt
schmutzig grau gefallt
griinliche Fallung
graubraune Flocken
braunroth
kalt getriibt, heiss
rothbraun gefarbt unter
Reduction
griiuliche Fallung
schmutzig graubraune
Pallung
keine Fallung
gefallt
gefallt
schwach getriibt
griingelb getriibt
braunroth
dunkelbraune Flocken.
griingelbe Flocken
schmutzig gruubraune
Fillung
keine F a h n g
gefallt
gefallt
klar
griingelb getriibt
griinlichbraun
dunkelbraune Flocken
dunkel braunlichgriin,
klar
schon kalt gefallt, heiss
schwarzeFlocken, Flussigkeit klar
griinlichbraun
dunkelgriine F h b u n g
mit wenigen griinen
Flocken
griiugelbe Flocken
Gleiacetet
dunkelgriine Barbung
ohne Fallung
kalt getriibt, heiss rothbraun gefarbt unter
Reduction
deischfarben gelber Niederschlag
Mit verdiinnt. Salzsaure
erhitzt beim Erkalten
Mit verd. Schwefelsaure
erhitzt beim ErkaIten
Leimlosung
Eupfersulfat
Ciuchonin
Brechweinstein
Kalkwasser im Ueberschuss
Nit verdiinntem Kalihydrat gekocht
Die Losung mit Ealihydrat mit Salzsaure
neutrnlisirt und mit
Eisenchlorid versetzt
E.Johsnson , Einnelne chemische Eestnndtheile der Weiden ete.
186
Man ersielit aus diesen Reactionen , wie der Gtengelausxug in seinem Verhalten stark an die Eigenschaften des
Bliitterauszuges anklingt, andererseits aber zum Auszuge aus
den Rinden hinneigt. Dieser letzte Auszug ahnelt wiederum
vielfach der Losung des Gerbstoffes aim den alten Rinden.
Ueberblickt man das verschiedene Verhalten der Gerbstoffe in den eiiizelnen Pflanzentheilen, so drangen sich unwillkiirlich die Fragen auf, welche Bedeutiing dieselben fur den
Lebeusprocess der Pflanzeii haben mogen , wo der Herd
ihrer Entstehung Rei, wo und wie ihre Umwandlungen geschehen.
Dass die Beantwortung uller dieser Fragen ausserst
schwierig, ja nach dem jetzigen Stande unscrer Kenntnisse
iiber die Gerbstoffe, wie uber so viele in den Yflanzen vorlrommenden Stoffe, fast unmoglich ist, liegt klar auf der Hand.
Dennoch will ich es, gestiitzt auf gewisse Reactionen, wagen,
cinige hierauf beziigliche Hypothesen aufzustellen.
Eine Eichenblatterabkochung farbte Eisensulfat blau,
wurde mit Eisenchlorid dunkelgriin , gab mit Bleiacetat einen
griinlichgelben Niederschlag , rnit Leim keine Fiillung, mit
Drechweinstein Triibung iind mit Cinchonin Fallung. Kalihydrat fiirbte intensiv gelb und liess beim Xochen braune
Flocken fallen. Kalkwaeser gab kalt hellbraune Flocken, die
Fliissigkeit war gelb und wurde beim Erwarrnen Iieller.
Alkalische Kupferoxydlosung wurde reducirt und gleichzeitig
fielen rothbraune Flocken. ,
Dieselbe Eichenblatterabkochung wurde rnit einigen Tropfen
rauchender Salpetersaure geschiittelt, bis zur schwach ~ a u r e n
Reaction rnit Kaliumcarbonat versetzt, so lange mit Wasser
verdiinnt, bis die grunliehe Farbung der Fliissigkeit fast
geschwunden war und nun gepriift. Mit Eisensulfat trat eine
lebhafte Griinfarbung ein, die mit Eisenchlorid ins Gelbliche
spielend erhalten wurde. Bleiacetat gab grunlichgrauen Niederschlag, Leim - keine Fallung, Brechweinstein - keinen
Niederschlag , Cinchonin - braune Flocken, Kalihydrat beim
Stehen oder Erwarmen - braune Flocken , Xalkwasser
- kalt schwach geflockt , erwarmt reichlicheren Absatz,
126 E. Johaneon, Einrelfie chernischc Bestandtheile der Weiden ete.
alkalische Xupferoxydlijsung wurde in reichlicher Nenge
reducirt.
Erwiirmt man die mit ranchender Salpetersaure behandelte Abkochung oder dampft sie bis auf dic Iialfte oder ein
Drittel ein , entsiiuert Zuni grossten Theil durch Kaliunicarbonat und pruft dann , so firben Ferrosulfat und Ferrichlorid
intensiv dunkelgriin, ohne zu fiillen. Bleiacctat giebt einen
braunlichgrauen Niederschlag.
Behandelt man die Eichenblatterabkochung mit Chlorwasser und erwarmt so lange, bis der Chlorgeruch verschwunden ist, so treten genan diesclben Reactionen ein.
Yan sieht in diesem Verhalten eine auffallende Uebercinstimmung mit dem der Weidenbliitterabkochung.
Auf Grundlage dieser Thatsachen glaube ich annehmcri
zu diirfen, der eisengriinende Gerbstoff der griinen Pflanzentheile sei ein Oxydationsproduct des eisenblauenden und es
lasst sich dann voraussetzen, dass der eisenblauende Gerbstoff mit dem Safte der Pflanzcn den griinenden Theilen
zugefuhrt werde, durch den Athmungsprocess eine Oxydation
erfithre und in den eisengriinendcn und Zucker zerlegt wcrde,
welcher letztere beim weiteren Aufbau dcr Pflanzcn verwerthet wird. Nit dem eisengriinenden Gerbstoffe muss alsdann
weitere Umsetziing stattfinden, urn Anhiiuf'ung zu verliindern.
Bestiitigt worden ware die Voraussetzung, dass der cisengriinende ein Oxyd des eisenblauenden Gerbstoffes sci, wcnn
umgekehrt sich dcr eisengriinende Gerbstofl' der Weidenblatter oder der durch Behandlung mit Oxydationsmitteln eisengriinend gewordene der Eichenblatter wieder in eisenblauenden hatte zuriickverwandeln lassen.
Es wurden hierauf beziiglich die Gerbstofilosungen mit
Nntriumamalgam, mit Schwefelwasserstoff und auch mit Zinnchlorur behandelt, ohne Erfolg zu erzielen. Der zur Constitution gehorende, einmal abgespaltene Zucker tritt nicht niehr
in die Verbindung ein , deren Eigenschaften jetzt modificirt
sind; sammtliche so behandelten Losungen reducirten alkalische Kupferoxydlosung lebhaft , wahrend sie es vor Eingriff
der Reagentien nicht thaten, oder wenigstens nicht in der
E.J o h n s o n ,
Einzelne chcmiiiche uestandtheile der Weiden c k .
181
eclatanten Weise, wie es zuckerhaltige Losungen zu thun
pflegen.
Warum nun aber unter anderen in den Eichenblattern
noch eisenblauender Gerbstoff vorzufinden ist , er den U’eidenblattern aber abgeht, scheint aus der grosseren Vegetationsthatiglreit und soniit rascher eintretenden Osydation der
letzteren erklarlich.
Die Beobachtung, 1 dass irgend ein eisengrunender Gerbstoff, darch Eisenovydsalz griin gefiirbt, nut schwach alkalischem Wasser violettwhwarz wird, eine lieaction, die eisenblauendem Gerbstoffe zuhommt, und dass dann die grunt:
Farbe durch Saurezusatz wieder hergestellt werden kann,
15sst sich nur rnit grosseni Torbehalt bestitigen.
Die Abkochung einer j ungen , noch graugriinen Weidenrinde wurde rnit oxydhaltigeni Eisensulfat schmutzig griinschwarz, mit verdiinnter Sodalnsung dnranf Rchmntzig blaulichschwarz nnd Sdxsaurezusatz tErbte gelbbraun, der Auszug
aus den griinen Stengeln wurde dnnkelgriin, mit Soda schmutzig bliiulich und init Salzsdure gelblich, fast farblos; der
Auszug aus den Blattern wirde init Eisensulfat dunkelgriin,
rnit Soda schinutzig blaulich und init Salzsaure grunlichgelb.
I n keinern dieser Falle hatte die in Blau iibergehende
Parbe aber das Aussehen jenes schonen Blaues , welches dic:
eisenblarienden Gerbstoffe zu geben pflegen. Diese Beobachtung ist schon friiher2 gemacht worden und ich muss sie
durchaus bestatigen.
Bei Wiederholung des Versuches mit der Weidenblatterabkochung , wobei ich statt der verdiinnten Sodalosung
stark verdiinnte Natronlauge anwandte , farbte sich die Fliissigkeit nur braungriin und liess bald braune Flocken fallen.
I n einer Eichenblatterabkochung wurde die durch Eisensulfat
blan gefarbtc Plussigkeit durch Salzsaure hellgriin und das
Natronhydrat enthaltende Wasser restaurirte wieder die blaue
1 ) Geiger, Mag. Pharm. 15, 1. 9 9 - 2 5
877. (1862).
2) G m e h , 7. 1. p. 877. (1862).
3. 91.
Gnielin, 7. 1.
128 E. Johnnson, Einzelne chemische Bestandtheile der Weiden
etc.
Farbe. In gleicher Weise behandelt, entstand im Gerbstoffe
aus den chinesischen Gallen eine violettblaue, im Valonengerbstoffe eine schmutzig griinlichblaue Farbe, die auf Zusatz
von etwas mehr der Gcrbstofflosung in rein Griin iiberging.
Im Myrobalanengerbstoffe wurde schliesslich die Farbe vollstandig hergestellt, im Gerbstoffe aus iilteren Weidenrinden
wurde Eisensulfat und Sslzsiinre braun und triibe nnd mit
alkalischem Wasser griin, spater schmutzig dunkelblangrau
geflockt. Der Tannengerbstoff wurde durch Eisensulfat dunkelgriin, durch Salzsaure dann braun und durch alkalischea
Wasser bekam die graue Farbe nur einen Stich ins Griine.
Auch die Wahrnehmung , dass eiscngriinende Gerbstoffe
mit essigsaurem Eisenoxgd blaue Parbung geben, fand ich
z. B. am Tannengerbstoffe nicht bestatigt. Derselbe wurdc
braungriin und Amnionialr fuhrte die Fiirbung in Violettschwarz iiber ; die Weidenbliitterabkochung gab mit essigsaurem Eisenoxyd dieseibe Fiirbung, wie sie Eisensulfat hervorrief. Perner so11 die griine Farbe der Eisenoxydverbindungen durch neutrales und basisches Bleiacetat in Blau
verwandelt werden ; die Wcidenbliitterabkochung wurde hierbei aber nur schmutzig griingrau, der Tannengerbstoff schmulzig blangrau.
Nir scheint jedenfalls hieraus hervorzuleuclrten, dass ein
Ueberfuhren des eisengrunenden GerbstofYes in den eisenblauenden nicht thunlich ist und dass jeder einzelne Gerbstoff
seine abweichenden Eigenschaften besitzt, die eben fur jeden
besonders genau studirt werden miissen, ehe eine engere
systematische Gruppirnng anzubahnen geboten erscheint.
Nach den vorhergehenden Betrachtungen musste der
Entstehungsort der Gerbstoffe in den tiefcrliegenden Organen
der Pflanzen, etwa in der IVurzel, dem Stamm oder Stengel
und den Zweigen zu suchen sein, oder sie konnen localisirt
in den Zellen, ohne an das eine oder andere Achsenorgan
gebunden zu sein, entstehen, von dort aus durch den stromenden Saft den Blattern zugefuhrt werden, woselbst sie
dann jene oben angedeutete Umwandlung erfahren und sich
fur den Vegetationsprocess geltend machen.
E.Johnnson , Eiuzelne chemische Bestandtheile der Weiden etc. 129
Scheint diese Theoric auch eine gewisse Berechtigung
zu fordern, so sind doch andere wesentliche Nomente zu
berucksichtigen , die durchaus gegen dieselbe zu sprechcn
scheinen und einer anderen Geltung zu verschaffen suchen.
Es ist auffallend, dass bei der zweiten, der Herbstsaftstromung sich der Gerbstoffgehalt der Rinden grosser zeigte,
&Is wiihrend der Fruhlingsstroinung und es musste doch,
gelte die erste Theorie, gerade mit dem Strome zu den Blattern ein hoherer Gerbstoffgehalt gefunden werden.
Hiernach wird man von vornherein zu der Annahme
gefuhrt, es finde die Entstehung dcs Gerbstoffes selbst oder
der sie bildenden Substanzen in den Blattern statt und es
werden diese von dort aus ini Herbste abwarts gefuhrt. I n
Riicksicht aber auf das so schwere Diffundiren der Gerbstoffe
muss man sich mehr zu der Annahme hinneigen, dass nur
das Material zum Aufbaue desselben mit dem Saftstrome den
Zellen zugefiihrt werde und dass dort local die Gerbstoffbildung stattfindet.
Die Bedeutung des Gerbstoffes fur den Lebensprocess
der Pflanzen ist entschieden eine vielseitige. Der schwankende Gehalt der Rinden an denselben zu verschiedenen
Jahreszeiten weist deutlich eine Entfuhrung und Uinwandlung
desselben auf, seine Ablagerung in den Zellen hat vermuthlich neben der Aufgabe, die Resistenz der Rinden zu erhohen,
auch den Zweck, die Albuminate in gewisse widerstandsfahige
Forrnen zu bringen und sie hauptsiichlich i n den Zweigen
(deren Gerbstoffgehdt hoher gefunden wurde, als der der
Stiimme) festzuhalten, um sie bei der nachsten erwachenden
Vegetationsperiode den an mineralischen Bestandtheilen reicheren Saften aus der Wurzel abzugeben und so den griinenden vegetativen Theilen zuzusenden , in denen sie dann
wahrscheinlich den oben angedeuteten Zweck erfullen.
1) Muspratt. Technische Chem. 1876. p. 119. Untersuchangen van
Yraas i n ,,Ergebnisse der Miinchner Versuchsstation. 3. Hft. p. 45. Alte Eichenastlohe yon schwlrchen Aesten im 1. Saft 3,6% Gerbetoff, im
2 . Saft 13,3
Arch. d. €'harm.
XIII. B<ls. 2. Heft.
'3
130
E. Reichartlt, Minernlannlysen.
Die alten Stammrinden stehen ausserhalb der Functionen
primiirer Rinden und bediirfen der Gerbstoffe weniger.
Sie
sind durch eine bedeutende Korkschicht geschiitxt und enthalten in ihren Zellen grossere Mengen modificirter Gerb
stoffe oder Spaltnngsproducle derselben (Farbstoffe, Eichenroth, Tannenroth etc.), die nicht mehr, schon ihrer Schwerliislichkeit wegen, zu wandeln scheinen. Auch fuhren sie die
albuminosen Stoffe nur in kleiner Menge, deren Erhaltung ja
nuch wohl Aufgabe der Gerbstoffe ist.
Dass den Gerbstoffen im Allgenieinen keine untergeordnete Stellnng im Haushalte dcr PAanzcn zugeschrieben werden darf, beweist schon das reichliche Vorkommen derselben
im Pflanzenreiche.
Mincralanalysen.
(Aus dem Labnratorium vnn E. R e i c h a r d t in Jena.)
U r a n p e c h e r z aus Joachimst hal.
Dieses Mineral zeichnet sich bekanntlich durch die Mannigfaltigkeit der Mischung aus iind dient desshalb sehr gut
zu Uebungsaufgaben fur spiitere Zeit.
Das specifische Gewicht des Ider in Untersuchung gezogenen Pecherzes betrug 5,328, die Farbe war brauiischwarz
mit ockerigem Ueberzuge , welcher dic griingelb schillernde
Fiirbung des Uranoxydhydrates gleichzeitig wiedergab. Herr
stud. cheni. Kdiscr fand folgende Gemengtheile :
4,831 g. Mineral wurden zur Bestimmung von Kieselsaure und Schwefel verbraucht und ergaben , nach Behandlung mit concentrirter Sdpetersiiure 0,193 g. SiOs und
0,278 g. BaSo4.
1) Peser (Ztschrft. d. landw. Ver. in Baiern. 1862. p. 403) fand in
der Fichtenrinde bei gesehlosaenem Bestande den Gerbstoffgehalt bia znm
35. Jahre bis auf 15"/" wachsend und dann bis zum 55. Jahre bia auf
5 a/a fallend.
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