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Zur Kritik der modernen Nhrprparate und ihrer Untersuchungsmethoden.

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362
C. M a s s a t s c h
setzen hingestellt, und der Ather darauf abgetrennt. Man wascht
den Ather nun dreimal mit je 5 ccm Wasser und mischt die Waschs
wasser mit der Seifenlosung, die man mit verdiinnter Schwefelsaure
ansauert und daraus das Gemisch der Zimtsaure mit den Harzsauren
durch viermaliges Schiitteln mit Ather gewinnt. Die atherische
Losung wird nun nach Waschen mit Wasser in einen 200 ccm fassenr
den Kolben gegeben und der Ather daraus abdestilliert. Zum Rucks
stande gibt man 100 ccm Wasser und kocht ihn 15 Minuten lang stark
am RiickfluBkuhler. Die heiBe Flussigkeit wird filtriert, worauf man
sie auf 1 5 O abkuhlen laat und die Zimtsaurekristalle auf einem ges
wogenen Filter sammelt. Mit dem Filtrate wiederholt man die Ex6
traktion dann noch dreimal, oder so lange, bis keine Abscheidung
von Zimtsaure mehr eintritt, worauf man das Filter zwischen Filtrierc
papier ausdriickt und dann iiber Schwefelsaure trocknet und wagt.
Zum Resultate ist 0.03 g hinzuzuaddieren, als Faktor der Loslichkeit
der Zimtsaure in Wasser.
H i 1 1 und C o c k i n g fanden bei 5 Mustern echtem, gereinigtem
Storax Zimtsauregehalte von 21.6 bis 30.7O/0.Hat ein Styrax depuratus
einen Zimtsauregehalt innerhalb der von H i 11 und C o c k i n g an5
gegebenen Grenzwerte, braucht er deshalb noch nicht echt zu sein.
Denn es ist ein leichtes, einem verfalschten Storax die notige Menge
Zimtsaure einzuverleiben, so daB er dann gewissermaflen analysens
fest wird. Kiinstlichem Perubalsam wird ja auch das erforderliche
Cinnamein ohne Schwierigkeit zugesetzt. Besitzt ein gereinigter
Storax nicht den angegebenen Gehalt an Zimtsaure, liegt nach
K. D i e t e r i c h trotzdem noch kein AnlaB vor, ihn ohne weiteres
als gefalscht zu bezeichnen, falls die iibrigen Kennzahlen und Reaks
tionen. stimmen. Nach D i e t e r i c h ist es leicht moglich, dai3 bei
Storaxen, wenn sie sehr alt sind, eine Umlagerung der Zimtsaure statb
findet. O b diese Annahme von D i e t e r i c h Berechtigung hat, mochte
ich nicht entscheiden. Jedenf alls ist ein Styrax depuratus mit
Solo Zimtsaure immer einer Verfalschung verdachtig.
82. C. Massatsch, Charlottenburg:
Zur Kritik der modernen Nahrpraparate und ihrer
Untersuchungsmethoden.
(Vorgetragen in der Sitzung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft,
Berlin, am 18. Marz 1925.)
I.
Nachdem durch die bahnbrechenden Untersuchungen von
L i e b i g , V o i t , P e t t e n k o f e r , R u b n e r u. a. die Wichtigkeit
der vier Nahrstoffklassen: EiweiB, Fett, Kohlenhydrate und Salze fur
die menschliche Ernahrung vollig erwiesen worden war und durch
die grundlegenden Arbeiten insbesondere R u b n e r s und seiner
Schule auch die Gesetze der Energieumsetzung und Isodynamie im
Zur Kritik der modernen Nahrpraparate
363
tierischen Korper ihre wesentliche Aufklarung gefunden hatten,
schien das ganze Gebaude unserer Ernahrungslehre bis Ende des verr
gangenen Jahrhunderts vollig in sich abgeschlossen und so fest gefugt,
daR Anderungen oder Erganzungen an dem monumentalen Gebaude
kaum noch moglich, geschweige denn erforderlich erschienen.
. Dementsprechend hielten sich auch die friiher iiblichen kiinsts
lichen Nahrpaparate bezuglich ihrer Zusammensetzung im wesents
lichen an die erwahnten Nahrstoffe, wobei man teils davon ausging,
einzelne entsprechend ihrer Wichtigkeit - wie beispielsweise die
EiweiRstoffe - in hochkonzentrierter Form herzustellen, oder aber
durch passende Aufbereitung und Mischung Kompositionen zu ers
sinnen, die alle den Zweck haben sollten, in schwierigen Zeiten der
Krankheit oder Rekonvaleszenz den Korper in seiner Ernahrung und
seinem Aufbau nach Moglichkeit zu unterstutzen, wobei aber das
Hauptaugenmerk stets auf die natiirliche Ernahrung gerichtet blieb
und auch bleiben muRte.
Diese etwas untergeordnete Rolle, mit der sich die kiinstlichen
Nahrpraparate abfinden muaten-und daran andert auch dieTatsache
nichts, da8 viele von ihnen durchschlagende finanzielle Erfolge ihren
Herstellern und Erfindern einbrachten - fiihrte dazu, da8 sie in
Arztekreisen entweder vollig abgelehnt wurden oder aber, da8 ihnen
nur da eine gewisse Berechtigung eingeraumt wurde, wo die gewohns
lichen Nahrungsmittel - und sei es auch in der subtilsten Zubereis
tung - wie sich S k u t e t z k i s S t a r k e n s t e i n ausdriicken, vers
sagen und vom Kranken abgelehnt werden. Die Bedingungen, denen
ein solches Nahrpraparat schlieRlich entsprechen sollte, formuliert
H e i m (Die kiinstlichen Nahrmittel und Anregungsmittel, 1901)
wie folgt:
1. es sol1 dem kranken 'Korper nur in geringster Menge zugefiihrt
werden,
2. daR es lange Zeit ohne Schadigung der Verdauung gegeben wer.
den kann,
3. daR es einen angenehmen Geschmack besitzt oder aber ges
schmacklos ist,
4. da8 es nicht zu teuer ist,
und K 1e m p e r e r definiert schlieRlich als ,,ideales Nahrmittel" dass
jenige, welches in angenehmster Form und in kleinster Menge den
Kranken in seinem Korpergewicht erhalt.
Dank den Untersuchungen von Z u n t z und seiner Schule tritt
zu Beginn des neuen Jahrhunderts ein gro8er Wechsel der An<
schauung ein. Die tiefe Wissenschaftlichkeit und kritische Systema:
tik, die unser Altmeister und seine Schule in die Untersuchung und
Beurteilung der kiinstlichen Nahrmittel hineintrug, verhalf vers
schiedenen zu einer Beliebtheit und Anerkennung, die an sich schon
zur Daseinsberechtigung ausreichte.
Im November 1902 hielt Z u n t z in der Deutschen Pharmazeus
tischen Gesellschaft einen Vortrag ,,Uber neuere Nahrpraparate in
464
C. M a s s a t s c h
physiologischer Hinsicht". Was uns da an Wissenschaftlichkeit und
Ausblicken geboten wurde, ist in der Folgezeit nicht uberboten
worden, und ich stehe nicht an zu behaupten, daD jener Vortrag in
seiner Reichhaltigkeit einen Markstein nicht nur fur die hier zu be$
handelnde Frage als solche bietet, sondern daruber hinaus die Wege
zur Losung einer ganzen Reihe spater in Angriff genommener biolos
gischer und physiologischer Probleme von allergrofiter Wichtigkeit
schon damals gewiesen hat.
Bei der Wichtigkeit der von Z u n t z gewiesenen Richtlinien
mochte ich mir erlauben, ganz kurz die Leitsatze seines damaligen
Vortrages herauszuschalen, um an der Hand derselben - die als
Richtlinien fur die Nahrmitteluntersuchung gelten sollten - die
spatere Entwicklung zu verfolgen.
1. Weist Z u n t z am Beispiel der Somatose und anderer kunstlich
verdauter EiweiDstoffe nach, daD durch die kunstliche PeptoniG
sierung solche Praparate eine erheblich schlechtere Ausnutzung
im Verdauungstraktus erfahren, da8 sie in groaeren Dosen zu
lastigen Darmreizungen Veranlassung geben und ihre Verr
abreichung nur in kleinen Dosen, allenfalls als Anregungsmittel
und Stomachicum in Betracht kommt.
2. Gemische verschiedener NrSubstanzen bewirken bei gleichem
NSGehalt einen reichlicheren EiweiDansatz als jeder der EiweiDc
korper fur sich.
3. Casein und Caseinpraparate bewirken einen grofieren Eiwei85
ansatz als andere EiweiBarten, ja sogar als Fleisch. (Bestatigt
von S a l k o w s k y und C a s p a r y . )
4. Z u n t z weist auf die gro8e Schadigung allzu weitgehender Sterir
lisation der Milch hin (B a r 1o w sche Krankheit, skorbutahnlich)
und Abhilfe durch Verabreichung ungekochter Milch im Verein
mit andern nicht sterilisierten Nahrungsmitteln, h a u p t s a c h c
l i c h , O b s t , G e m u s e und dgl., wodurch die KrankheitsG
symptome rasch'und grundlich beseitigt werden. In diesem Zus
sammenhang wird weiter auf die Arbeiten von C r o n h e i m und
M ii 11e r uber den Mineralstoffwechsel des Sauglings verwiesen,
wobei es sich herausgestellt hat, da8 wenn auch bei sterilisierter
Milch die EiweiBausnutzung eine bessere ist und weniger N in
den Kot iibergeht, die CasAusnutzung sich verschlechtert und daD
es bei Verfutterung derartiger Milch sehr bald zu einem Kalki
defizit kommt.
Weiterhin haben die Versuche von C r o n h e i m und
A4 u 11 e r (Ztschr. f. physik. u. diatet. Therapie, Bd. 6, Jahrg. 1902)
die Bedeutung der phosphorhaltigen organischen Verbipdungen,
wie sie in Milch und Eidotter sind, fur den Stoffansatz erwiesen.
Zweifellos iiben diese Pdhaltigen Stoffe einen assimilatorischen
Reiz auf die Gewebe aus, so da8 ein starkes Zellwachstum einc
tritt, was Z u n t z selbst aus eigener Anschauung bestatigt.
M i l c h u n d w e n i g E i d o t t e r bewirkt nicht nur bessere
Phosphorsaureresorption, sondern auch vermehrten Eiweifiansatz.
Zur Kritik der modernen Nahrpraparate
365
5. Fur den praktischen Arzt sind aber all diese Erwagungen sekunr
darer Natur, ihn interessiert hauptsachlich die Frage, w i e
regen solche Praparate Appetit und Sekretion
d e r V e r d a u u n g s s a f t e a n . In dieser wichtigsten Indikas
tion konkurrieren die an Nahrstoffen armen, aber wohlschmeckene
den Fleischsafte und Extrakte vollberechtigt mit den Eiweih
nahrpraparaten.
Ins Moderne ubersetzt heifit das:
Das verwendete EiweiB mu8 vollwertig sein und darf bestimmte
Aminosauren, die der Korper offenbar synthetisch nicht bilden kann,
nicht entbehren. Dahin gehoren das Phenylalanin, das Tryptophan,
das Tyrosin, das schwefelhaltige Cystin und endlich das unentbehrs
liche Lysin. Der Mangel an diesen Bausteinen macht unser Ge.
treideeiweiB insgesamt ungenugend zur Erhaltung des Wachstums,
wenn auch durch die Arbeiten der amerikanischen Schule 1919 es als
erwiesen gelten mu& daiS Gemische verschiedener Getreidearten sich
in bezug auf Insuffizienz den einzelnen Sorten uberlegen gezeigt
haben.
Bleibt somit das pflanzliche EiweiB mit Ausnahme der Sojabohne,
der Niisse und insbesondere der ErdnuB ungenugend, so gelingt es
aber, dasselbe vollwertig zu machen; schon durch einen ganz geringen
Zusatz von Casein, Ei oder Milchprotein. Ersatz eines insuffizienten
Nahrungsproteins durch Milchprotein in Hohe von 10-30°/~ gestattet
normales Wachstum. Dasselbe gilt vom Casein, wenn es auch dem
Lactalbumin nicht uberlegen ist.
Bei dem Hinweis von Z u n t z auf die Mangel zu weit gehender
Sterilisierung der Nahrungsmittel und ihrer raschen Behebung durch
Verabreichung genuiner Stoffe, insbesondere bei gleichzeitigem
Zusatz von Obst, Gemiise und dgl., denkt man unwillkurlich an die
ungeheure Literatur des letzten Jahrzehnts auf dem Gebiete der ErS
ganzungsstoffe und wie wenig im Grunde diese zur Erganzung des
Erkannten und Bekannten beigetragen hat.
Zwei dieser unbekannten Erganzungsstoffe oder Vitamine das fettlosliche A und das wasserlosliche B - genieBen heute schon
offizielle Anerkennung und figurieren in der vom Reichsgesundheitsz
amt im vergangenen Jahr herausgegebenen Broschure uber ,,Die Erz
nahrung des Menschen", Springer, Berlin 1924. Uber den Zusammens
hang des fettloslichen Prinzips mit den Lipoidstoffen unserer Nahc
rung ist man sich aber noch vollig im unklaren. Haben die Arbeiten
von S t e p p aus den Jahren 1911, 1912 und 1916 die Lebenswichtigs
keit der Lipoidstoffe im Komplex ergeben, so stehen andere Forscher
auf dem Standpunkt, dai3 die Funktion nicht diesen, sondern den mit
den Lipoidstoffen vergesellschafteten fettloslichen Erganzungsstoffen
zuzuschreiben ist, und von welchen jene dicht abgetrennt werden
konnten. Wie dem auch sei, die Erfahrung hat gelehrt, daB die
chemisch aus ihren Komplexen abgetrennten einzelnen Lipoide keine
Lebenswichtigkeit mehr besitzen, so beispielsweise das Lecithin. DaB
der Stoff, den wir heute schlechthin als Lecithin bezeichnen, in den
meisten Fallen ein vollig denaturiertes Produkt darstellt, das bereits
wahrend seiner iiblichen Abscheidung tiefgreifende Veranderungen
366
C. M a s s a t s c h
erleidet, lehren die Arbeiten von T h i e r f e 1 d e r und S t e r n , die
bei Ausschaltung von Licht. und Lufteinwirkung wahrend der Extraks
tionsarbeiten Praparate mit vollig verschiedener Loslichkeit und
sonstigen physikalischen Konstanten erhalten haben. (Ztschr. f.
physiol. Chemie 53, 370, 1907.) Hierdurch sol1 der therapeutische
Wert des Lecithins als Phosphortrager und sein gunstiger Einflufi auf
den Stickstoffansatz, wie er durch Z u n t z , C r o n h e i m und
M ii 11e r , G 1i k i n und andere bewiesen wurde, durchaus nicht be$
riihrt werden, wie denn ganz allgemein zwischen therapeutischem
Wert eines Mittels und seiner Lebenswichtigkeit im biologischen
Sinne streng unterschieden werden mu8.
S t e p p.extrahiert bei seinen Versuchen ein an sich suffizientes
Futter mit Ather und verfuttert den trockenen Ruckstand rnit dem
Ergebnis, da8 die Tiere zugrunde gingen. Das gleiche traf ein, wenn
den Tieren der Ruckstand unter Zusatz einzelner der bekannten
Lipoide verabreicht wurde. Wurde hingegen dem Ruckstand das
extrahierte Extrakt oder Bruchteile desselben zugefugt, so blieben
die Tiere am Leben. Man kann also ruhig M u c h zustimmen
(Munchner Med. Wochenschr. 1924, S. loll), wenn er vor kurzem aus
eigener Auffassung schreibt:
,,Bei keinem anderen lebenswichtigen Stoff kommt es so sehr auf
den chemischsphysikalischen Zustand an, wie bei den Lipoiden; man
mu8 sich vergegenwartigen, da8 die Lipoide in der Zelle gelost sind,
wir aber verwendeten bisher fur AuDerdarmaufnahme grobdisperse
Aufschwemmungen, die fur das ZelLLabatorium etwas vollig
Fremdes bedeuten."
B o 1t und H e e r e s , die M u c h zitiert, zeigten im Tierversuch,
da8 die normale Verrichtung der Leber abhangig ist von den
Lipoiden in der Durchstromungsflussigkeit und das Lecithin mit
gallensauren Salzen aufierst bestandige Verbindungen eingeht, die
seine Resorptionsform darstellen konnten. Die gallensauren Salze
wirken demnach als Anziehungss und Beforderungsmittel fur die
Nahrungslipoide.
Die Wichtigkeit der Lipoide fur die Zelle scheint mir auch aus
Beobachtungen hervorzugehen, die ich selbst in letzter Zeit bei
Priifung des Fetts und Lecithingehaltes von Hefen, die unter vers
schiedenen Bedingungen gezuchtet waren, gemacht habe. Tabelle I
zeigt den FettS und Lecithingehalt einer aus 1lD/oiger Getreidewurze
geziichteten Hefe im Vergleich mit demjenigen einer Stell, und
Backereihefe, die nach dem Mineralverfahren hergestellt waren. Man
kann deutlich sehen, wie die Mefezellen unter den weniger gunstigen
Lebensbedingungen des Mineralverfahrens bestrebt sind, den Gehalt
an lebenswichtigen Lipoiden auf Kosten einer Fettreserve ganz
wesentlich zu steigern. (Tabelle I, Anhang.)
11.
Es wiirde zu weit fiihren und uber den Rahmen des heutigen
Vortags hinausgehen, wollte ich ausfuhrlicher auf die Zusammens
hange zwischen Ernahrung und Heilung eingehen. Meine Aufgabe
Zur Kritik der modernen Nahrpraparate
367
erschopft sich darin, zu prufen, inwieweit die einzelnen der neuers
dings auf dem Markte erschienenen Nahrpraparate der im voraufs
gegangenen skizzierten Erkenntnis gefolgt sind und Eigenschaften
aufweisen, die ihnen eine gewisse wissenschaftlich begrundete Origis
nalitat und Spezifitat der Wirkung zusichert. Sollen die Nahrmittel
und Praparate in Zukunft sich von dem bisherigen Zustand wohlc
wollender Duldung freimachen, dann mussen sie - wie dies H a f f :
Munchen von seinem Eatan beansprucht - ganz allgemein anstreben,
Nahrheilmittel zu werden mit dem ausgesprochenen Ziel der nutritis
ven und kurativen Restitution des heilungsbedurftigen Organismus.
(Jahreskurse f. arztliche Fortbildung Nr. 30, 1923, u. Munch. Med.
Wochenschrift 1923, S. 661.)
A n den Analytiker tritt aber alsdann die Notwendigkeit heran,
seine Untersuchungsmethodik entsprechend abzuandern, um nach
Moglichkeit in den Chemismus derart komplizierter Gemische einen
von den Angaben des Fabrikanten unabhangigen Einblick zu gewinnen.
Dies ist schon deswegen erforderlich, als die eine Forderung v o n
N o o r d e n s an derartige Praparate, wonach die Packung den Unters
suchungsbefund fuhren solle und der Inhalt zu beanstanden sei, sofern
er Abweichungen uber ~ O / O von den Angaben aufweise, immer noch
nicht in Erfullung gegangen ist.
Die einfache Ermittlung des athers oder alkoholloslichen Phos:
phors und seine Wiedergabe als Lecithin durch entsprechende Ums
rechnung erschien mir beispielsweise bei der Untersuchung der
PromontasNervennahrung, wo es sich angeblich um ein Gehirns
praparat handelte, ohne gleichzeitige Bcstimmung des Stickstoffs
gehaltes des betreffenden Extraktes und dessen Verhaltnis zum
lipoidischen Phosphor als ungenugend. Da wir besondere Speziab
reaktionen zum Nachweis der Gehirnphosphatide in derart komplis
zierten Gemischen nicht besitzen, so konnte nur aus dem Verhaltnis
von Stickstoff zu Phosphor ein gewisser Aufschlufi uber die Art der
vorhandenen Phosphatide und ihren Ursprung gewonnen werden.
Ich habe nun, um hier zum Ziele zu kommen, auf die bekanntcn
Untersuchungen von S. F r a n k e 1 zuruckgegriffen, und das Verhalt:
nis N : P der Reihe nach im Aceton,, Ather, und Alkoholextrakt be:
stimmt, wobei fur die ersten beiden Losungsmittel das Originals
material, fur die Alkoholextraktion der von der AtBereutraktion
zuruckgebliebene Ruckstand verwendet und der ermittelte Wert auf
Originalsubstanz umgerechnet wurde. So nimmt Aceton das gesamte
Cholesterin und ein durch Chlorcadmium fallbares, aber noch nicht
genauer bekanntes Phosphatid auf, A t h e r o d e r L e i c h t b e n z i n
extrahiert ungesattigte Phosphatide mit niedrigem Stickstoffc
PhosphorsVerhaltnis, h e i 13 e r A 1 k o h o 1 zieht aus dem Ruckstand
den Protagonkomplex und seine Spaltligne, das Sphingomyelin, die
Sphingogalaktoside, Cerebroside, Sulfatide und eine Reihe anderer
noch wenig bekannter Korper mit hohem StickstoffsPhosphorSVers
haltnis (5 : 1 und noch hoher). (Tabelle 11, Anhang.) S. auch,
S c h i t t e n h e 1 m und M a s s a t s c h : Uber die rationelle Zusammenc
setzung von Nahrpraparaten und die Technik ihrer Ermittlung,
Deutsch. Med. Wochenschr., Nr. 17 (1925).
368
C. M a s s a t s c h
Im verseiften Acetonextrakt wurden schliei3lich die N= und
Pifreien Lipoide (Sterine), deren Lebenswichtigkeit von A b d e r
h a 1d e n betont wird, bestimmt. (Arch. d. ges. PhysioI. 197, 105,1922.)
DaB der lipoidische Stickstoff nicht als Eiweif3 in Rechnung gec
setzt werden darf, hegt auf der Hand; das gleiche gilt vom Purinsticks
stoff, der, abgesehen von seiner Bedeutung fur gewisse Indikationsc
gebiete, die seine analytische Bestimmung in einem N-ahrpraparat
wichtig erscbeinen Jassen, ebenfalls nicht ZUT Stickstoffsubstanz
gezahIt werden kann. (Beziigl. Bestimmung der Purinbasen in Nahs
rungsmitteln s. v o n F e 11 e n b e r g , Biochem. Ztschr., Bd. 88, 1918.)
Ich mochte nach einen Schritt weiter gehen und auch den formols
titrierbaren Stickstoff vom Gesamtstickstoff absetzen, insofern eins
zelne Aminosauren nicht ohne weiteres dern EiweiB als gleichwertig
gestellt werden konnen. Da8 es sich hierbei unter Umstanden um
ganz erhebliche Abzuge handeln kann, mochte ich am Beispiel der
,,Matema" erlautern, in der 0.84°1~Purinstickstoff ermittelt wurden.
Bei der u b k h e n Rechnungsweise ergiibe dies ein Mehr von 5.3*1.
EiweiB fur das Praparat, wahrend der Organismus in Wirklichkeit
mit etwa 2.5 g Harnsaure belastet wird, die durch Oxydntion des
Purinstickstoffs im Korper entsteht.
Eine weitere Frage, die, wie mir scheint, zur Beurteilung derartiger
Praparate auch fur den Praktiker von Bedeutung sein muR, ist die
nach der P h o s p h o r b i 1 a n z des betreffenden Praparates. Ich
mochte hierunter verstanden wissen die naheren Bindungsarten, in
denen dieses Element sich im Nahrmittel verteilt vorfindet. Einen
feineren Wertmesser fur die Bedeutung dieser verschiedenen Bins
dungsfotmen besitzen wir heute noch nicht, ja unsere Kenntnis geht
kaum iiber den Minimumbedarf des Qrganismus an diesem Element
hinaus. Der Urnstand aber, dai3 uns die Natur den Phosphor in so
verschiedenartigen Bindungsformen zur Verfugung steIlt, konnte
darauf hindeuten, daf3 diese vielleicht nicht aJs ganz gleichwertig zu
betrachten sind. Aus diesem Grunde mochte ich es auch nicht als
gleichgultig ansehen, ob einem Diatetikum der Phosphor in beliebiger
Form beigegeben wird, oder ob dieses Element in dem Praparat eine
zweckentsprechendere und dem jeweiligen Bediirfnis angepafitere
Bindungsform einnimmt.
Um auch nach dieser Richtung den Forderungen der Indikation
gerecht zu werden, erhalten die Nahrpraparate in vielen Fallen geringe
Zusatze von Glycerophosphaten, meist die Kalksalze. Die Gesamts
phosphorsaure eines soichen Praparates setzt sich alsdann zusammen
aus dem sogenannten prostetischen oder proteidischen Phosphor, dem
Lipoidphosphor, dem Mineralphosphor und der Glycerophosphori
saure. Die Mineralphosphorsaure wieder kann einmal an Alkalien,
dann aber an Erdalkalien gebunden sein.
Um diese verschiedenen Formen getrennt zu fassen, bin ich in
der Weise vorgegangen, da6 dey. nach voraufgehender Extraktion mit
absolutem frisch destilliertem Ather von Fett vollig befreite Rucks
stand 3 Std. bei Zimmertemperatur unter ofterem Umschutteln mit
absolutem salzsaurem Alkohol ausgezogen wurde. Der Ruckstand
wird hierauf auf quantitativem Filter gesammelt, getrocknet, gewogen
369
Zur Kritik der modernen Niihrpriiparate
und fur die Bestimmung des prostetischen oder proteidischen Phoss
phors beiseite gestellt. Das Filtrat, das nunmehr die aus Mineral6
phosphaten und Glycerophosphaten stammenden Sauren enthalt,
wird durch Abdampfen vom Losungsmittel und der uberschussigen
Salzsaure befreit und der Ruckstand hierauf mit wenig Wasser aufs
genommen. Etwaige kohlige Anteile und schmierige Zersetzungss
produkte werden durch kurzes Aufkochen mit phosphorsaurefreier
Tierkohle entfernt, die Losung filtriert und in der Siedehitze die
Mineralphosphorsaure als Kalksalz gef allt. Wird eine besondere Abs
trennung der an Alkalien gebundenen Phosphorsaure nicht beabsichc
tigt, so wird die Fallung der gesamten Mineralphosphorsaure durch
Ammoniak unter Zusatz einiger Tropfen Chlorcalcium ausgefuhrt.
Der entstandene Niederschlag von tertiarem Calciumphosphat wird
abfiltriert, heil3 ausgewaschen, in wenig Salpetersaure gelost und in
ublicher Weise bestimmt. Das in der Platinschale zur Trockne eins
gedampfte Filtrat wird rnit SodasSalpeter verascht, die Schmelze
wieder mit Salpetersaure aufgenommen und in der Losung die an
Glycerin gebundene Phosphorsaure bestimmt.
Etwa vorhanden gewesener alkoholloslicher Lipoidphosphor, der
vorher bereits ermittelt wurde, ware von dem gefundenen Wert abs
zusetzen. Eine Zersetzung der Glycerophosphorsaure tritt bei dieser
Arbeitsweise nicht ein, das gewohnliche Calciumglycerophosphat des
Handels, D. Ap. V. IV, vertragt selbst Siedehitze und grofiere Saurec
konzentrationen bei nicht zu langer Dauer der Behandlung und
F o u r n e a u und P i e t t r e (Bull. SOC. Chim. de France 1912/11,
S. 805) haben Lecithin durch Einwirkung von absoluter methylalkohos
lischer Salzsaure bei einstundiger Einwirkungsdauer und 50° Tempe<
ratur quantitativ in Methylester, Cholin und Glycerophosphorsaure
spalten konnen, ohne letztere zu zerstoren.
Die in den verwendeten Rohstoffen von Natur aus vorhandenen
Mineralphosphate sind zum groBen Teil von begleitenden EiweiBs
stoffen adsorbiert und mit diesen verwachsen. Ich erinnere nur an
die innige Vergesellschaftung des Caseins mit dem Calciumphosphat
der Milch. Eine Lockerung des Gefuges wird nur durch langeres
Kochen mit Alkohol erzielt. So werden denn bei oben beschriebener
Behandlung nur ganz geringe Mengen dieser naturlichen Phosphate
gefunden, in der Mehrzahl der Falle handelt es sich nur um wenige
Zehntel Prozent der Gesamtphosphorsaure, die bei der beschriebenen
Behandlung herausgelost werden. Was nach meinen Beobachtungen
uber 0.5'10 vorgefunden wurde, stammt gewohnlich aus kunstlich
beigemengten Phosphaten, oder aus verfalschtem Glycerophosphat,
wie es auch solches leider noch im Handel gibt. Das Schema fur eine
Phosphorbilanz im Vergleich zu derjenigen einer Troekenmagermilch
des Handels ergibt sich aus Tabelle III.
Dal3 der Wissenschaftlichkeit derartiger Untersuchungen eine
praktische Bedeutung nicht abgesprochen werden kann, beweist die
Gegenuberstellung der Tabelle IV mit der Phosphorbilanz eines Prapac
rates, wie sie a) im Untersuchungsgange ermittelt wurde, b) wie sie
tatsachlich von dem Hersteller beabsichtigt war. Die Verfalschung
des zur Anwendung gelangten Glycerophosphates mit grofien
Archiv und Berichte 1925.
24
370
C. M a s s a t s c h
Mengen tertiaren Phosphates wurde durch den abnorm hohen Wert
an Mineralphosphat im Falle a aufgedeckt und dem Lieferanten die
Ware wieder zur Verfugung gestellt.
Der Aschenuntersuchung, ihrer Zusammensetzung und dem
naheren Verhaltnis der Aschebestandteile untereinander ist besons
dere Aufmerksamkeit zu widmen, nachdem durch die UntersuchLlns
gen Ragnar B e r g s , die in den Ergebnissen der amerikanischen
Forschung ihre Bestatigung gefunden haben, von einem modernen
Mittel grundsatzlich verlangt werden mul3, da8 die Bestandteile der
Asche und ihr gegenseitiges Verhaltnis demjenigen der Menschenr
milch entsprechen soll.
Es wurde zu weit fuhren, an dieser Stelle auf die eingehenderen
Untersuchungsmethoden der Aschen unter Ausdeutung der Analysenc
befunde einzugehen, ich kann diesbezuglich auf die Arbeit von P f y 1
,,Kritische Bemerkungen zu den Mineralstoffwerten der Lebensr
mittel", Ztschr. f. Unters. v. Nahrungsr u. GenuBmitteln, 1924, S. 270,
verweisen.
111.
Um kurz auf einige Nahrpraparate des Handels einzugehen,
mochte ich bemerken, da8 es sich beispielsweise bei der P r o m o n t as
N e r v e n n a h r u n g um ein Organpraparat aus der Substanz des
Zentralnervensystems handelt, kombiniert mit loslichem MilcheiweiB,
Glycerophosphaten, Erganzungsstoffen, Eisen und Kalk, alles nach
besonderen Gesichtspunkten abgestimmt, so da8 Gewahr dafur g e
boten scheint, ein ernstes und zweckentsprechendes Praparat in
Handen zu haben. Besondere Sorgf alt wird der Gehirnaufbereitung
gewidmet, die auf kaltem Wege erfolgt. Durch ein besonderes Verr
teilungsverfahren der frischen Masse wird dafur gesorgt, die Lipoidr
stoffe bei feinster Verteilung in moglichst unveranderter Form zu
erhalten.
Die bisher vorliegenden biologischen Versuche sowie auch die
eingehende Priifung am Krankenbett haben dem Praparat eine gute
Kritik eingebracht.
C a 1 c i b i o s e , ein Praparat der Goda (Genossenschaft ostc
deutscher Apotheker), wird als HamoglobinsLecithinrKalkrPraparat
bezeichnet und im Arzneiverordnungsbuch der Breslauer Krankenr
kassen als Ersatz fur Promonta verordnet. Im Stickstoffr und AscheL
gehalt sowie bezuglich der Zuckerstoffe sind in der Tat keine wesentr
lichen Unterschiede zwischen den beiden Praparaten festzustellen,
auch die Phosphorbilanz ist nicht ungunstig und der Promonta anc
genahert. Der Gesamtlipoidgehalt ist aber noch nicht ein Drittel dess
jenigen der PromontasNervennahrung, das Fehlen des Phosphors im
atherischen Extrakt und der fast verschwindende Gehalt an Sterinen
deutet darauf hin, daB zur Herstellung dieses Praparates die in der
Promonta gerade als wertvoll geschatzten Lipoidgrundstoffe nicht
mitverwendet worden sind.
Ein anderes, speziell als Nervennahrung neuerdings auf dem
Markt erschienenes Praparat ist die ,,K r e s k a'' der Hammonia,
Zur Kritik der modernen Nahrpraparate
371
Fabrik chem.spharm. Praparate in Memel. Es soll ein vitaminhaltiges
Organpraparat sein, das gegen alle moglichen Erschopfungszustande
wirksam sein soll. Welcher Art die Organkomponente ist, wird nicht
angegeben. Die Untersuchung des Praparates ergab ein Gemisch a m
Schokoladenmasse, Milchzucker, Getreidemehl und Starke. Daruber
hinaus wurden im atherischen und alkoholischen Extrakt nur auBerst
geringe, vermutlich aus den zur Herstellung verwendeten Rohstoffen
stammende Mengen Lipoidphosphor sowie etwas Glycerophosphat
vorgefunden, das offenbar in der Absicht zugesetzt war, die Kreskac
Nervennahrung gehaltvoller zu machen, da ihr Gehalt an NsSubstanz
nur 7'/0 betrug.
Von der chemischen Fabrik KahlbaumsAdlershof wurde ihr altes
,,P r o 1 a c t a", aus Trockenmilch und gemalztem Getreide sowie
Gerstens und Haferflocken, die nach eigenemverfahren aufgeschlossen
sein sollen, in neuer Form wieder eingefuhrt. Trotz Betonung der
Mitverwendung einer sehr lecithinreichen Gerste als Lipoidtrager
konnten aber weder im Athers noch im Alkoholextrakt Lipoidstoffe
in nennenswerter Menge erfaOt werden. Auch die Phosphorbilanz
des Praparates besagt wenig, Glycerophosphate fehlen. Das Praparat
enthielt fruher rund 25O/0 EiweiO; es ist nicht einzusehen, weshalb
dieses neuerdings auf 17O/0 herabgesetzt wo.rden ist. Das Praparat wird
dadurch bei einem Gehalt von nur lo/o Atherextrakt zu einem eins
fachen Kohlenhydratpraparat ohne besondere Note gestempelt.
Als Mischnahrpraparat erscheint mir das F e o v i n der Heilc
mittelversorgungssA.sG. Berlin der Prolacta uberlegen zu sein. GemaB
Befund des Staatslaboratoriums Hamburg sind in dem Mittel neben
18.5O10 NsSubstanz noch 14.55'/0 Atherextrakt und in der Asche 6.64O10
Eisen.
Die Fabrik fur Malzpraparate Dr. P f e f f e r m a n n & C o., Berlin,
kundigt ihr Nahra und Kraftigungsmittel H a e m a t i b i n an, das aus
.,edelsten Gerstensorten unter Zusatz von Hamoglobin gewonnen
sein soll" und eine dunkelkirschrote, dickflussige Masse darstellt.
Der Gedanke, Malzextrakt mit Hamoglobin zu kombinieren, ist
alt und meines Wissens im D.R.P. 135351 aus dem Jahre 1902 zum
erstenmal niedergelegt. Es handelte sich damals um das Praparat
H a e m o m a 1t i n der chemischen Fabrik Zwonitz, Zwonitz i.. Sa.,
das aus defibriniertem Blute nach Vorbehandlung desselben mit Ather
und nachtraglichem Zusatz von Malzextrakt hergestellt wurde.
Der Grundgedanke jenes Patentes, das wegen Nichtzahlung der
vierten Jahresgebuhr fruhzeitig erloschen ist, fand kurz darauf eine
weitere Ausgestaltung in dem, seitens der Sudbracker Nahrmittels
werke Dr. A. W o 1f f , Bielefeld, eingefiihrten H a e m a t o p a n , das
neben Hamoglobin und Malzextrakt in trockener Form, als neuartigen
Bestandteil angeblich noch 1.2O/0 Lecithin enthalten soll.
Es bleibt abzuwarten, welche Vorzuge das Haematibin gegenuber
diesem Stande der Technik derartiger Kombinationen nunmehr fur
sich in Anspruch nimmt, um sein Erscheinen zu rechtfertigen, um so
mehr als das vorerwahnte Haemomaltin ebenfalls ein dickflussiges,
mit Essenzen korrigiertes Extrakt war.
24*
372
C. M a s s a t s c h
Ebenso muB fur das P r o t o v i s der ProtovissGesellschaft m.
b. H., Berlin W 10, das ein Fleischextrakt mit 23O/0 naturlichen, noch
gerinnbaren EiweiBstoffen, mit angeblich sehr hohem Gehalt an
Fleischbasen und Vitaminen sein soll, sowie fur das V i s o 1a n der
NahrungsmitteLIndustrie zum Hecht. in Ulm a. d. Donau, das angebs
lich ,,ein, hochwertige Vitamine enthaltendes diatetisches Nahrmittel"
sein soll, Naheres abgewartet werden.
Auf die Spezifizitat wohlschmeckender Fleischsafte und Extrakte
hat friihzeitig schon Z u n t z hingewiesen. Wie ich schon eingangs
erwahnte, schatzte Z u n t z diese Praparate infolge ihrer auss
gesprochenen Reizwirkung auf Appetit und Sekretion der Verr
dauungssafte sehr hoch ein und stellte sie den EiweiDpraparaten als
ebenburtig zur Seite. Die in solchen Extrakten tief abgebauten
EiweiBstoffe, Aminosauren und Aminosaurekomplexe bedingen zurn
groi3en Teil ihre sekretionsfordernden Wirkungen, wie dies in ahns
licher Weise von den verschiedenen durch proteolytische Fermente
zum Teil abgebauten Kasesorten ebenfalls schon langst bekannt ist.
In eigenartiger Weise hat nun H a f f 6 Miinchen versucht, diese
Erfahrungen weiter auszubauen und durch kiinstlich hergestellte
Aminosaurekomplexe aus Organhydrolysaten Praparate zu schaffen,
die anfangs bei den verschiedensten Arten von chirurgischer Tubers
kulose sich gut bewahrt haben. Bei diesen Nahrheilmitteln ging er
urspriinglich in der Weise vor, daB derartige tierische Organe
hydrolysiert und zur Anwendung gebracht wurden, die dem affizierten
menschlichen Organ entsprachen. Spater wurde ein Sammels
praparat geschaffen, das angeblich die spezifischen Stoffe aller wichr
tigen Organe enthalt. Es ist dies das E a t a n der EatinonsGesellr
schaft m. b. H. Munchen. Das Praparat ist irn Handel in Form einer
siruposen klaren Fliissigkeit von tiefbrauner Farbung und angenehmem
Geschmack, letzterer durch Fleischextrakt noch besonders korrigiert.
Der Gesamtgehalt an Stickstoff wurde bei einer Uberprufung zu 4'/0
ermittelt. A1bumose:N war nicht vorhanden, Pepton und Fleischs
basen 0.4'10, AmmoniaksN 0.37O/0, der Rest von 3.33O/0 befindet s-ich
demnach im Praparat in tief abgebauter Form. Der Flascheninhalt
betragt rund 100 ccm mit 48.89 g Trockensubstanz, worin allerdings
18.09 g Kochsalz gefunden wurden. Dieser hohe Kochsalzgehalt eri
scheint mir fur ein Nahrheilmittel als lastige Beigabe, wenn er sich bei
Innehaltung der Cebrauchsanweisung auch nicht unangenehm bes
merkbar macht.
DaB bei dieser Sachlage auch die Hefezellen mit ihren-i groBen
Reichtum an Vitaminen wieder herangeholt wurden, ist nicht weiter
auffallig. S a b a l i t s c h k a hat vor nicht zu langer Zeit die Frage
nach der Verwertbarkeit der Hefe und aus solcher hergestellter
Extrakte in der Deutsch. Med. Wochenschr. Nr. 47, 1922, eingehend
besprochen und diesen Erzeugnissen ein gutes Prognostikum aus:
gestellt (s. auch Pharm. Ztg. 1922, S. 555, und Ber. d. Dputsch. Pharm.
Gesellsch. 1922). Auf Grund eigener Erfahrungen kann ich die Mit:
teilungen S a b a 1 i t s c h k a s in vollem Umfang bestatigen. Im
HefezExtrakt der CenovissWerke, Munchen, und der ZymarGesellb
schaft, Erlangen, besitzen wir Extrakte von ausgezeichneter Bes
schaffenheit, die dem gewohnlichen Fleiochextrakt nicht nur als ebens
Zur Kritik der modernen Nahrpraparate
373
burtig zur Seite gestellt werden konnen, sondern dieses in bezug auf
Wohlgeschmack noch ubertreffen. (Siehe auch S a b a 1 i t s c h k a
und R i e s e n b e r g, Ber. d. Deutsch. Pharm. Gesellsch. 32, 1922, S. 48.)
Vor kurzem ging nun die Nachricht durch die Tageszeitungen,
da8 es den chemischen Werken R u c k f o r t h AcG., Stettin, gelungen
ware, ein Extrakt herzustellen, da8 den Zellinhalt mit all seinem Reichs
tum an Fermenten und Vitaminen enthielte unter Meidung dei
chitinosen Zellhaute. Da mich das Praparat, das als V i t a m I R in
den Handel kommt, im Hinblick auf die Publikation von S a b a:
1i t s c h k a besonders interessierte, habe ich mich eingehender mit
demselben befafit. Nach den Ankundigungen sol1 das Praparat:
,,ein allgemeines Volksnahrungsmittel sein, denn wir konnen
behaupten, dai3 durch regelma8igen GenuB von VitamIR in Er:
mangelung von Fleisch, Eiern, Milch, Butter usw. weite Volkskreise
die Wohltat empfinden werden, die eine vernunftgemafie Zufuhr
der unbedingt notwendigen Erganzungsstoffe bewirkt."
Das Praparat kommt im Handel in Form einer zahen, pastosen
Masse vor, die bei einem Stickstoffgehalt von 4.58O10, 35.04'/0 KochI
salz in der Originalsubstanz bzw. 47.14O/0 in der Trockensubstanz aufa
weist. Laut Aufzeichnung sollte der Tnhalt der Buchsen 550 g be:
tragen, gefunden wurden blofi 421 g, davon 107.18 g Wasser, 147.5 g
Kochsalz, 1B,6 g NSubstanzen und 39.3 g Extraktivstoffe. Dafi dieses
Produkt nach dem Geschilderten den Anfarderungen an ein ,,all<
gemeines Volksnahrungsmittel" nicht entspricht, brauche ich wohl
weiter nicht zu betonen.
Die grofie Wichtigkeit, die fruhzeitig schon Z u n t z allen Stoffen
zuerkannte, die fordernd auf die Magensaftsekretion einwirken
konnen, ergibt sich mit voller Deutlichkeit aus den diesbeziiglichen
experimentellen Untersuchungen von K e s t n e r und seinen Mita
arbeitern, v o n B e s t , W i l b r a n d und anderen. (S. F . B e s t ,
Deutsch. Archiv f. klin. Med., Bd. 104, S. 105 (1911); E. W i 1b r a n d ,
Munch. Med. Wochenschr., S. 1174 (1920); 0. K e s t n e r , Munch.
Med. Wochenschr., S. 1429 (1922); 0. K e s t n e r und B. W a r b u r g ,
Klin. Wochenschr., S. 1791 (1923).
Nach K e s t n e r wird die Magensaftabsonderung hervorgerufen
1. durch Einwirkung der Nahrung auf Geschmacksa und GeruchsG
organe, unter Umstanden schon durch psychische Vorstellungen.
2. durch bestimmte chemisch noch unbekannte Stoffe, wie solche
entweder priiformiert in Nahrungsmitteln enthalten sind oder beispw.
bei der Rostung verschiedener Nahrungsstoffe entstehen. Bei den
diesbezuglichen K e s t n e r schen Versuchen werden abgesondert bei
Verfutterung von Brotkrume nur 74, bei Verfutterung von gerostetem
Brot dagegen 161 ccm Magensaft; in einem andern Falle 42 bzw.
138 ccm. Auch die Ausnutzung und Verdaulichkeit wird durch die
Rostprodukte bedeutend gehoben. Es gingen beispw. mit dem Kot
verloren bei Weizenmehl als Brotlaib 11--15O/0, als Rundstuck nur
7-9O/0 des Stickstoffs. Das gleiche gilt von den verschiedenen Zua
bereitungsformen der Kartoffeln. Bei den Versuchen von B e s t (loc.
cit.) erschienen von 190 g Kartoffelbrei 110 g schon nach ' / 2 Stunde
374
C. M a s s a t s c h
am Ende des Diinndarms, von 250 g und 300 g Bratkartoffeln und von
300 g Kartoffelpuffern iiberhaupt nichts. Eine praktische Nutzanwens
dung aus diesen Erkenntnissen scheint das D.R.P. 405659 der lands
wirtschaftlichen Industriel und Handelsgesellschaft in Schwiebus und
Dr. R. v. d e r H e i d e , Charlottenburg, zur Herstellung eines Kinderc
nahrmittels aus im Vakuum bei niedriger Temperatur abgerosteten
Kartoffeln, ziehen zu wollen.
*
Anhang.
Tabelle I.
In Prozenten der Trockensubstanz der ursprunglichen Hefe wurde
gefunden :
-
................
.......
Fett
Acetonunlosl. Lipoide
1.34 O / o
2.2 010
0.15
2.50
O/o
'10
0.13 O/o
2.97 ol0
Tabelle 11.
Phosphatide in der PromontaGNervennahrung ermittelt aus dem
Verhaltnis von Stickstoff zu Phosphor in den Extrakten, die mit
Aceton, Xther und Alkohol gewonnen wurden.
Muster aus dem Jahre 1925
Nr. 2462
Nr. 2486
Nr. 2535
Im Atherextrakt aus 100 g
Phosphor
Stickstoff
Alkoholextrakt
Stickstoff
Phosphor
Acetonextrakt
Stickstoff
Phosphor
Verhaltnis von N :P
im Atherextrakt.
im Alkoholextrakt
im Acetonextrakt
Aus dem Lipoidphosphor berechnetes
Gesavtlecithin
............
............
............
............
............
............
........
.......
.......
.........
mg
45.40
41.40
mg
34.4
34.78
166.0
43.66
154
45.21
150
40
126.30
25.12
114.90
42.80
113.40
40.34
2.43 : 1
8.4 : 1
11.1 :1
2.2 : 1
7.6: 1
5.6: 1
2.4: 1
8.2: 1
6.2 :1
2.01 010
1.99 o/o
2.12 O i o
mg
40 27
39.9
375
Zur Kritik der modernen Nahrpraparate
Aus der Gegenuberstellung ergibt sich, da8 in der Promonta
die lebenswichtigen Phosphatide vorhanden sind; die Verhalts
niszahlen von N :P fallen im Atherextrakt, wie nicht andcrs zu
erwarten war, wesentlich niedrigcr aus, als im alkoholischen Extrakt;
im letzteren liegen sic hoher, als fur die alkoholloslichen r e i n c n
Phosphatide ublich, was darauf hindeutet, da8 unter den Ns und Paha19
tigen Stoffen (Protagon und seine Spaltlinge) auch Nshaltige, aber
phosphorfreie Cerebroside wahrend dcr Extraktion mit herausgelost
worden sind. Das Vorhandensein von Phosphatiden im Acetonextrakt,
die zum UberfluB durch Uberfiihrung in die Chlorcadmiumverbindung
bestatigt wurden, ist insofern beachtenswcrt, als diese im allgemcinen
von Aceton nicht gelost werden und nur von Fett bzw. Cholesterin,
die leicht in Aceton ubergehen, mitgerissen werden. Auf diese Eigenz
tumlichkeit weist F r a n k e 1 in sciner Monographic uber die Methodik
zum Nachweis und zur Darstcllung der Lipoide im Handbuch der
biolog. Arbeitsmethodcn von A b d e r h a 1 d e n , Abt. I, Teil 6, H. 1,
S. 18, hin und diese Verschiedenheit im Losungsverhaltnis scheint
mir die Ursache zu sein fur die beobachteten Schwankungen im
NsPcVerhaltnis der Acetonextrakte.
Tabelle 111.
Phosphorbilanz der Promonta im Vergleich zu einer Trockens
magermilch des Handels.
~
Gesamtphosphorsaure
__.___
.............
Promonta
1
I
Trockens
magermilch
'2.046 Oio
I
2.218 O/O
~
Davon
Lipoidphosphorsaure . . . . . . . . . . . . . .
Mineralphosphorsaure . . . . . . . . . . . . .
A n Glycerin gebundene Phosphorsaure . . . . .
Fest und proteidisch gebundene Phosphorsaure .
0.1 16 '10
0.350 010
0.663 O i O
0.917 '10
~~
0
0.136 'JiO
Spuren
2.070 '10
Tabelle IV.
I
I
Phosphorbilanz A Phosphorbilanz B
gefunden
vorgesehen
Gesamtphosphorsaure . . . . . . .
Lipoidphosphorsaure
Mineralphosphorsaure . . . . . . .
A n Glycerin gebundcne Phosphors
saure
. . .
........
Fest gebundene Phosphorsaure . . .
........
~
3.02
0.116
1.blB
0.346
0.840
3.02
0.116
0.350
'
1.642
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