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Zur Pflanzenkunde und zur pharmaceutischen Waarenkunde.

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17e~i?inszeitung.
7. Zur Manzenkunde nnd nu pharmaceutisehea
Waarenknnde.
-
D i e Flora der australischen Provinz Victoria und ihre
Anwendung in der Medicin.
Unter den officiellen Berichten, die iiber die h v i n z Victoria,
welche die siidastlichste Spitze von Australien bildet, an die englische Regierhng im vergangenen Jahre abgestattet worden, befindet
sich auch ein sehr lehrreicher des Botanikers Dr. Miiller iiber die
dortige Pflanzenwelt, der die Botanik und auch die Pharmakologie
mit neuen, werthvollen Thatsachen bereichert.
Auf den vielen Reisen, die der Berichterstatter in der Kreuz
und Quere durch die Provinz gemacbt und die sich auf mehr ah
1500 Langenmeilen beliefen, fand er bi6her 715 Species Dicotyledonen, die zu 286 Geschlechtern und 83 natiirlichen Ordnungen
ehoren und 47 Farrnkrauter, die 27 Geschlechter enthalten. 50
gpecies sind noch nicht genau untersucht, so dam ihnen ihre wirkliche systematische Stelle hatte angewiesen werden konnen. Die
Species der Acotylodonen (Mohn, Lichenastra, Flechten, Algen und
Fungi) belaufen sich auf wenigstens 200. - Zusammengenommen
kommen mit Ausschluss der Acotyledonen mithin hier mehr als
1100 Geschlechter vor, die zu 430 Geschlechtern und 108 natiirlichen
Ordnungen gehoren, ein Verhiltniss, welches das von Westaustralien weit iibertrifft, da hier mehr als die doppelte Zahl von Species
nur in 4-30 Geschlechter, also dieselbe Zahl, die hier schon entdeckt
ist und nur in 91 Familien zerfiillt.
Das Verhiltniss der Dicotyledonen zu den Monocotyledonen
stellt sich in diesem Landstriche wie 7 : 2 heraus und entspricht
daher genau demjenigen, welches diese beiden Abhandlungen des
Pflanzenreichs in Sudaustralien bis zum 340 siidlicher Breite zu
einander einnehmen. In Westnustralien dagegen, so wie in Siidaustralien mit Einschluss des Landes bis eum 310 siidlicher Breite
iibersteigt die Zahl der Dicotyledonen die der Monocotyledonen im
Verhaltniss von 9 :2.
Die kryptogamischen Pflanzen sind jedoch unter dem ihnen
giinstigen Einflusse einer feuchteren Atmosphire in der hier in
Rede stehenden Provinz doppelt so zahlreich wie in den Colonien
Tasmania iind New - Sud-*Wales, indem sie ungefihr ein Drittheil
der Dicotyledonen ausmachen.
Mit Ausschluss der kry togamischen Pflanzen sind nicht weniger
als 200 Species noch nicht geschrieben.
Dass die Vegetation der sudlichen Gegenden der Provinz Victoria
mit der Tssmanischen Flora in viclen Puncten iibereinstimmt, lasst
sich aus der Thatsache erweisen, dass mehr als die Halfte aller
aufgeziihlten Species auch auf Van Diemens Land vorkommen und
zwar sind viele unter diesen von um so grosserem Interesse,. als
man bisher angenommen hatte, dass sie sich ausschliesslich auf dieser
Insel fanden, wahrend Andere der Flora Neu-HollanLnds sogar neue
Geschlechter hinzufrigen (Fagus Cunninghami, Bauera Bdhrdierii,
Tasmania aromatica, Weinmannia biglandudosa, Pleurandra momddphia, Ranunrmlus Gbnniamua, CapseUa australis, Pittosporum bicolor, Rhytidos orum proeumbem, Rhytidosponcm Stuartianum, Boronia
okntigera, diostepnon venucom, Correa Uackhouisiana, Meion,ectea
Brotonii, Bonsiaea hon'zontalie, Brachycome decipiens, Cdmieia
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Vereinszeitttng.
nstdifolia, Scaevola Hookeri Monotoca Zineata, Liasanthe montana,
Lissanthe cih'ata, Prostantiera rotundifolia, Myosotia suaveolens,
Wileonia Backhoui~i,Gentiana Diemensis, Sebaea albidijora, Hakea
macrocarpa, Podocarpua montana, P h y / l a n t b Gumii, M i c r a d e a
h n d r e a , Dipharrhena Moraea, Uncinia tenella, Triodontiurn Tasmanicurn und eine grosse Anzahl von Farm.)
Noch bleibt eine betrachtliche Anzahl von Pflanzen zu erwiihnen,
welche der Vegetation von Victoria einen eigenthiimlichen Charakter
aufpriigen. Dahin gehoren eine merkwiirdige Panm-Species, die i n
der Haupbache denen der Molukken Hhnelt, ferner Trigonella mauiusima, der einzigc australische Klee, die Species dcr Psoralea und
Cranaea als Verbindungsglieder rnit der amerikanischen Flora ;
Pseudomoms Australm'ca, der einheimische Maulbeerbaum : Myrsine
Howiftiana, die rnit der neuhollandischen Species naher verwandt
ist, als rnit denen von New-Siid-Wales und die Alpenpflanze Anisotome glacialis.
Mit Bezug auf die Pflanzengcographie dicses Landes durfte als
bemerkenswerth anzufiuhren sein, dass die Vegetation in den diirren
Steppen jenseits des Flusses Glenelg einc auffallende Verandcrung
erleidet, in so fern namlich eine Menge der i n Victoria, New-SiidWales und auf Van Diemens Land ganz gewohnlichen Pflanzen
dmt nicht mehr vorkommt und auch nicht einmal weiter gegen
Westen, wo der physische Charakter des Landes wieder gleiche
Beschaffenheit oder doch Aehnlichkeit mit den ostlichen Provinzen
gewinnt, wieder erscheint. Andercrseits wiedcrum dehncn sich die
geographischen Grenzen gcwisser Geschlechter oder Species, von
denen geglaubt wurde, dass sie ausschliesslich Westaustralien angehoren, weiter aus. So erstrecken sich e. B. Tlionasia petalocalyx
und Coleostylis Preisii bis an den 148. Meridian.
Ferner diirfte erwiihnungswerth sein, dass die Ordnung der
Leguminosen hier, wie in Westaustralien, vor allcn anderen entschieden vorherrecht und dass die Compositae, die in Siidaustralien
und beinahe i n der ganzen Welt alle anderen Gruppen weit an
Zahl ubertreffen, hier erst als zweite Ordnung zlhlen. Reide zusammengenommen, 'haben eined so ungeheuren Reichthum aufzuweisen, dass sie beinahe ein Viertheil aller Dicotyledonen ausmachen. Die vorherrschendsten natiirlichen Ordnungen zeigen hier,
mit Beziehung auf ihre Anzahl von Species, die folgende Reihenfolge : Leguminosae, Cmpositae, Myrtaceae, Algae, E'ilicei?, Cy eroi
deae, Gramineae, Musci, Proteaceae, Orckideae, Epaerideae, &ng<
Umbelliferae, Diomneap, Liliaceae, Lichen,, Labiatae, Goodeniaceae,
Scro hularineae, Salsolaceae.
6 r . Miiller fand,hier abermals bestatigt, dass man aus den
naturlichen Verwandtschaften der Pflanzen rnit Sicherheit auf die
gcnaueste Uebereinstimmung in ihren medicinischen Eigenschaften
schliessen konne. So fand er, dass die Pimeleen dieselbe Schdrfe
besitzen, negen wclcher die Rinde von Baphnc Mezereum angewandt wird, und dass die dortige Polygala veronica, die einzige
bcschriebcne australische Species dieseb Gcschlechts und zugleich
nahe verwandt mit einer biirzlich im chinesischen Reiche entdeckten
nicht nur, wie einige Arten Comesperma, mit der osterreichischen
Polygala amara in den Eigenrchaften iibcreinstimmt, deretaegen jene
Pflanzc in der Phthisis gegeben worden ist, sodann auch der Polyala Senega aus Nordamerika in ihrer Wii h u g gleicht. - Gatiola
fatijblia und pubemens, Convolviilris erubescc ns und die vcrscfiiedenen
Arten der Mentha stehen den entsprechenden europ'Gschen Species
7*
100
.
Vereinszeitung
nicht nach. Die Rinde der Tasmania aromalica scheint die medicinischen Eigenschaften der W i t e r a -Rinde zu besitzen, die vou
einem iihnlichen Baume in Tierra del Fuego stammt; ihre Frucht
ist mit der der Nordaustralischen Magnolia, die bei Rheumatismen
und Wechselfiebcr angewandt wird, verwandt. Die ganze natirliche Ordnung der Goodeniaccae, vielleicht ein paar Species ausgenommen, enthalt einen toiiisirenden bittern Stoff, der bis dahin
unbekannt war, aber bei vielen Pflanzen in so hohem Grade bcmerkbar ist, dass M u l l e r sich veranlasst sah, ein ncues Geschlecht
mit dem Namen Pierophyta zu bilden. Diese Eigenschaft, die auf
eine gewisse Verwandtschaft mit den Gentianen hindeutet, verdient
um so grossere Beachtung da die Hchten Gentianen in Australien
sehr spiirlich vertheilt sind, wahrend die Goodeniaceen einen hervorstechenden Charaktcrzug i n der Vcgetation bilden. Auf den
Alpen wachst jedoch eine dickwurzelige Gentians (G. Diemensis),
die gewiss ebenso schltzbar ist, wie die officinelle G. Zzctea und im
Friihling konnten auch Sabaea ovata, Sabaea afiidijora und ETYthraea australis wegen ihrer Eitterkeit gesamrnelt werden. Die
Rinde des australisehen Sassafrasbaumes (Aetheropemum moschatum)
hat schon einigen Ruf als Surrogat fiir Thee erlangt; wird sie in
sarkerer Concentration gereicht, so ist sie wohl schweiss- und urhtreibend und daher sehon praktiscli in die Medicin eingefihrt worden.
L o t m a milaris iibertrifft alle auderen einheimischen Lobeliaceen
an intensiver Schirfe und kann daher nur mit Vorsicht statt der
Lobdia inJava angewandt werden. Dic Rurzel der IlIalva Beliviana
unterscheidet sich kaum von der der Althaea ofjcinalis und dic
Salepwurzel konnte von verschiedenen Orchisarten gewonnen werden.
Es durfte nur wenig bekannt scin, dass dab CajeputSl Indieus
von Riiumen gewonnen wird, die unseren gcwiihnlichci, hIelaleuccen
sehr iihnlich sind, und dass sclbst aus den Illittern der Eucalypti
ein Oel von glcichcr 13rauchbarkcit gewoniien mcrden kann. Das
Sandarak, dns am der Callitris oder dcr Fichte ausschwitzt, das
balsamische Harx der Graabiiumc nnd ausserdem das EucalyptusGummi, welches ill unbeschrlnkter Menge gcsammelt nerclen kiinnte,
und wegen seinen adstringirenden Eigenschaften hicr wenigsteiis
die Anwendung des Kino - Gummis oder des Katechu iiberflussig
machcn konnte, werden voraussichtlich in spaterer Zeit Ausfuhrartikel werdcn.
Mehrere Acacieu sind von verschiedcncm Nutzen, sowohl wegen
ihres dauerhaftcn IIolzes und dcs Rcichthums an Gerbsiiure in ihrcr
Rinde, als auch wegen ihres Gumniis: doch wird das letztere von
d e n aus Pittosporum ncncioides gewonnenen noch an Klarheit und
Aufloslichkeit iibertroffcu. Diesc Species so wie mehrerc andere
Pflanzen derselben Orduung, ist durch eine uberraschend starkc
und dabei doch pffenbar unschiidliche Hitterkeit ausgezeichnet, welche
eine bedeutende Heilkraft vcrbiirgt, was um so mehr Aufmerksamkeit verdicnt, weil bis jetzt dns weit verbreitete Gcschlecht der
Pittosporeen noch nicht zu nicdicinischcn Zwecken angewandt wird.
Das australischc Manna besteht in einer zuckerartigen Ausschcidung, die hauptsichlich durch die Cicadeen aus ein paar Species
der Eucalypti condeusii-t wird, chemisch aber von der omu~Manna
sehr verschieden zusamrnengcsetzt und vicl weniger abfuhrend ist.
Die priichtigen Diosmecn, eine wahre Zierde des Landes, niihern
sich in ihrer mcdicinischcn Wirkung mehr oder wenigcr den sudafrikanischen Buccobiischen.
Baeelrea Zltilis vom Aberdeen Berg kiinnte Reisenden in diesen
‘v~~~z~itu?Zg.
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oden Gegenden als Thee dienen, denn das fliichtige Oel der Blltter
kommt an Geschmack und Geruch dem der Citronen sehr nahe und
besitzt ein angenehmes eigenthiimliches Aroma. TrigcnrelEa SUUV~S&ma e k e s sich auf Thomas Mitchell’s Expedition als ein sehr
schatzbarer antiscorbutischer Spinat und die TetragoneUa implexiconia, die verschiedenen Cardamineen, Nasturtium terreatre oder
Lawrentine s icata kSnnen zu gleichen Zwecken angewandt werden.
Die Wurzel f e r Scormeru Laiurentii, eine Lieblingsspeise der Eingeboreneu, wurde, wenn sie durch Cultur vergrossert wiirde, ein
angenehmcs Surrogat f i r die Scorzonera hispanical oder Spargel
abgebeii und Anistme glacialis, eine grosswurzelige Doldenpflanze
von der sehneebedsckten Spitze des Butterberges, wird vielleicht
spiiter einst unter die Kuchengewiichse der kilteren Klimate aufgenommen werden.
Als Zierpflanzen, die ohne Zweifcl in Zukunft auch die europiiischen Giirten schmiicken werden, sind zu erwahnen: die majestiitische GrPviZlea Victoriae, die prlchtige Schmarotzerpflanze des
Farmbaums, die Basileophyta Friderici A u p t i , nach dem Konig
von Sachsen benannt, und die grossartigc Correa Latrobeana.
Unter den Eucalyptiden oder Gumniibiiumen hat Miiller fiinf
verschiedene und sehr bestimmt markirte Geschlechter entdeckt,
die bis jetzt als solche noch unbekannt waren und der Provinz
Victoria augenscheinlich eigenthiimlich bind, ausserdem noch zwei
andere Geschlechter, die auch i n der angrenzenden Provinz vorkommen.
Der blaue Schotendorn von Vnn 1)icmens Land (Eucdypttls
Globulus) findet sich in einigen der Walddistricte, besonders dcs
Sudeus, im Ueberflubs und mit nngeheuren Dimensionen. Die angestellteu Versuche habei ergeben, class seine Elabticitit und Stikke
im Allgemeinen die aller anderen &her untcrsuchten Holzarten
iibertrifft, er steht a n Dauerhaftigkeit der Eiche ganz gleich und
iibertrifft sie an Grosse, weahalb er auch zum Schiffbau sehr gesucht ist. Eine Art der Eucalypten a n der sudwestlichen Grenze
der Provinz erhielt wegen ihrer Schonheit und Dauerhaftigkeit den
Namen Magahonibaum. - Das Holz des CaUistemon salignua steht
hier, obgleich der Raum selten bedeutend gross wird, wegen seiner
Harte einzig da. Das duftige Myallholz, welches sich zu feiner
Schmuckarbeit so treflich eignet, wird von Acacia hmalophylla
und einigen verwandten Species in der Malliwiiste gewonnen. Dee
wohlbekannte S c h w a r z h o l z (AcaciaIl.ielanoxyZon), welches an einigen Orten D i i n n h o l z genannt wird, erreicht in den FarrnbaumGrundeii eine ungeheure Grosse und liefert cin herrlichcs Material
zu Mobeln, welches zugleich sehr kernhaft untl hoher Politur fAhig
kt, weshalb man es auch fir den inncrn Ausbau von Schiffen
empfiehlt. Der Myrthenbaum von Sealer’s Cove und vom Schneefluss xeichnet sich auch durcli seinen geraden Wuchs und sein
vortreflidles Holz aus. Die australische iinmergrunc Uuche (Fa us
Cunninghami) giebt einen priichtigen Raum, der zuweilen iiEcr
100 Fuss hoch wird und dessen Holz eine schSnc Politur erbiilt.
Ferner hat M u l l e r gefunden, dass die australkchen Fichten
mehr xu ciner sehr weit zuriickliegenden Urflors gehoren, als 211 d r r
gegenwiirtigen, und dass sie langsam, abcr siclier von der Ohcrfliiche
der ErdP verschwinden und der vergleichsweise jungercn Pflanzenordnung, die an ihrer Stelle entsteht, Platz machen. Mehr als 200
Species war er zu beetimmen im Stande.
Als Pflanzen von phktischem Werthe hebt M i i l l e r noch hervor
Vmeinszeitung.
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eine Art Neu- Seeland-Spinat (Tedragonia inewnis), einen noch unbeschriebenen Holunderbaum (Sambucus xanthocarpa) und eine Art
Hottentottenfeige MesembT~anthmumpraecox), die aus der Murraywiiete stammt un wegen ihrer angenehmen Frucht angebaut zu
werden verdient. IJnter dem Namen a u s t r a l i s c h e S a s s a p a r i l l a
gebraucht man entweder den Stengel der Bardenbergia PnonophyUa
oder der Muelilenbeckia ap Tessa uiid complexa.
Die Ergiebigkeit deu fandes ist nicht hoch genug zu schitzen,
man befindet sich hier in jenen gliicklichen Breiten einer warmen
gemassigten Zone, in welcher die Natur mit verschwenderischer Hand
unter so vielen anderen Gaben vor allem die Cerealien, die Olive
und den Wein wachsen lisst, denen aus dem fernen Osten die
Orange und der Thee, aus Indien der Reis, aus der neuen Welt
dcr Mais, daa Maniokbrod (Cassaue), die Pfeilwurzel (drrozo-Toot),
der Taback und noch viele andere Schatze des Pflanzenreichs hinz u g e f ~ g tworden, die sich hier alle mit Erfolg ziehen lassen, so
dass dieses Land vereinigt mit den rnachtigen Hiilfsquellen des
Metallreichthums, zu einem der kijstlichsten und gliicklichsten unseres Planeten werden kann.
Helfft.
6
Die Culturpjanzen Podugals.
Mitgetheilt von Dr. H e l f f t .
Die Verschiedenheit des Klimas auf der iberischen Halbinsel
von der kiihlen Temperatur der Hahen bis zur gliihendcn Hitze der
siidlichen Ebencn von Alemtejo und Algarve bildef ermoglicht es,
dass in diesem westlichen Ausliiufer des europaischen Festlandes,
Raume aller Zonen gedeihen und namentlich die F'ruchtbiiume i n
uppiger Pracht sich entfalten. Die Hoi-ticultur, wie iiberall so auch
hier, von der Beschaffenheit des Bodens und der Feuchtigkeit und
Trockenheit der Luft abhangig, wird in grosserer Ausdehnung nur
in der Nihe grosserer Stidte oder in diesen selbst getrieben.
Vorzugsweise gedeiht der Orangenbaum in Portugal, nicht allein
die sauerliche Frucht, welche hier die urspriingliche war, sondern
auch die ciisse von China eingefuhrte. Man trifft Orangen in allen
Provinzen, die vorziiglichsten wachsen in Setubal, Lissabon und
Coimbra. Der durchschnittliche Ertrag jedes Baumes wird auf ein
Pfund Sterling berechnet. Die beste Lage ist die gen Siiden gerichtete, gegen Nord- und Nordostwinde geschuizte. Bei Anlage
yon Orangenpflanzungen muss besonders Bedacht genommen werden,
dass ein dichtes Gehage von Lorbeeren, Granaten und anderen Laubholzern die jungen Biiumchen rings umgiebt, um sie gegen Winde
zu sichern. Man pflanzt entweder den Kern oder ein Reis. Beim
ersteren Processe, der in Setubal gebriiuchlich ist, dauert a ranger,
elie das Baumchen F'riichte trigt, jedoch sind die Baume gerader,
kriiftiger und widerstehen der Witterung besser; die zweite Art ist
die gewohnlichere. Der Boden rings um die junge Anflanzung wird
ofters mit Asche bestreut; zwischen den Biumen werden Mais, Melonen oder Gemiise gepflanzt. Die Ernte muss schnell hintereinander
beendet werden, damit der Baum alsbald wieder in Bliithe treten
kann. Die verschifften Orangen werden im October und November
gepfliikt.
Der Cocczls auTandium ist eine Art Cochenille, welche in kurzer
Zeit ganze Plantagen von Orangenbaumen zerstort; so wurden auf
S. Miguel und im vergangenen Jahre in Minho auf diese Weise
grosse Verheerungen angerichtet, da man bis jetzt noch kein wirk-
.
Verdmzeitung
103
samea Mittel egen dimes Ungeziefer aufgefunden hat. Eben 80
nachtheili a u f diese Biiume wirkt eine Krankheit, Gomm a genannt.
Die #ungerim oder maroccanische Orange ist in Portu al a m
heimisch geworden. Der Baum wird nur 8 bis 10 Fuss hoc%; &litter, Bliithen und Friichte sind kleiner und feiner als die derchineeischen; auch die Schale der Frucht, welche erst gegen den Febrnar
reift, feiner.
Eben so allgemein sind die Limociros, Cidreiras und iihnliche
verwandte, dem Geschmacke nach etwas sauerlichc Friichte.
Die Alfaroben (Ceratonia siliqua) eigentlich in Afrika heimisch,
findet sich in Algarve in ausserordentlicher Menge. Sie bliihen im
October und ihre fiiichte reifen eum nachfolgenden Herbst. Dieae
miissen, bis sic vollstiindig getrocknet sind, auf Boden ausgebreitet
werden, weil sie aufgehauft oder bei Beriihrung untereinander leicht
in Gahrung iibergehen.
Die indische Feige ( C a c b opuntia) als Zaunpflanze und zur
Nahrung eben so geeignet, wie zur Cochenillensucht, ist besonders
in Algarve und Alemtejo heimjsch. In diesen beiden Provinzen giebt
es auch viele B a n a n e n (Mwu supientium), ein schoner, schattiger
und niitzlicher Uaum, dessen einzige Fruchtkoken oft 40 Pfund
wiegt und eine nrrhrhafte, mehlige, sauerlich wohlschmeckende
Frucht liefert. Der Baum stirbt, nachdem die Frucht abgelost ist,
lhnlich wie die Agave ab, wahrend aus seincr Wurzel sich liusserst
schnell neue Stamme entwickeln. Die Blitter und selbst der Baumstamm, der aus einer vielfach zusammengerollten, saftigen, griinen,
diirren Rinde besteht, werden zerschnitten als gutes Viehfutter
verwerthet.
Von den maunigfwhen Gattungen des O l i v c n b a u m e s ( O h
europaeu) sind in Portugal 8 bekannt, nlmlich:
1) Oliveiras negvus, YOU mittlerer Grosse, die Friichte auch
mittelgross, oval, mit ganz kurzen Stielen und nach eintretender
Reife ganz schwarz.
2) Bowaceivas, starke Baume rnit grossen aber schlechten
Friichten, deren Saft birnartig ist.
3) Lentiscua, grosse Biiume rnit kleineu Hlattern und splitkommenden Friichten, die wenig Oel enthalten.
4) V$rdues, deren Biiume wenige runde oder glattrunde dunkelgriine Fruchte tragen, welche viel Oel geben. Diese Gattung wird
in Estremadura, Traz 0s Montes und Beira fast ausschliesslich cultivirt.
5 ) Cordovisr grosse Baume, mit grossen fleischigen Friichten,
hauptsauchlich in Alemtejo und AIgarve gezogen.
6 ) Bicam den vorigen ahnlich, doch mit spitzeren Friichten,
die weniger d e l enthalten und eine festere Schale haben; sie eignen
sich besonders zum Essen und Aufbewahren.
7) SeviZlmnes, sehr geschatzt, werden eingemacht, sind aber selten.
8 ) Redondiz, sind klein und rund, werden in Alemtejo gezogen
und geben gutes Oel.
Die Biume lieben nicht zu viel Name, aber eine hiiglige n i c h e
nach Osten oder Siiden zugekehrt. Der Boden kann von verschiedener Beschaffenheit sein, Die Cultur des Baumes, bis er sich an
Boden und K l i i a gewohnt, ist schwicrig und erfordert viel Sorgfalt. Man pflamt selten den Kern sondern setzt Senker ein, die
man in Baumschulen vor der Umpdanzung bis zu einer entsprechenden Stiirke zieht. Dies geschieht vom October bis April und miissen
die Stecklinge fast vollstandig oben mit Erde bedeckt sein. Im
Allgemeinen wird a d die Behandlung der Olivenbaume ein zu
104
.
Vweimzeitung
geringes W c h t gelegt, weshalb die Ertrage such nicht den Erw a r t u g e n entaprechen. Die zum &sen bestimmten Friichte werden
vor der vollstiindigen Reife abgenommen und zwar, sobald sie die
Farbe wechseln. Es ist dem Baum nachtheilig, die Friichte mit
Stiicken herabzuschlagen, mindestens muss dies SO schnell als m6glich geschehen. Leider besteht diese fiir die Gesundheit des
Baumes und der Friichte gleich schadliche Weise der Ernte irn
grosseren Theile des Landes. Die iiberreifen Friiehte werden beiru
Fallen oder durch das Schlagen beschidigt, beginnen eu gahruu
und zu faulen, briugen Staub und Sand in die Presse und verderben das Oel, wahrend der verwundete Baum ein volles J a b zu
seiner Erholung bedarf, bevor er wieder neue Bliithen ansetzt.
Rein Baum ist so vielen Krankheiten ausgesetzt, als der Olivenbaum. Die Olivenraupe, Olivenfliege, der Kermes, eine Art wollenartigen Schimmels, der Coccus, Gafa und Arejo gehoren zu diesen
sehr gefurchteten und hauiig eintretenden Uebeln.
Der F e i g e n b a u m (FicusCuricu) ist in Portugal sehr verbreitct.
Die Provinz Algarve producirt die meisten und siissesten, griine urid
trockene, zur Ausfuhr bestimmten Feigen. Man sagt zwar, dass
diejenigen Biiume am besten gedeihen, welchc mit dem Fusse im
Wasser stehen und ihr Haupt der S o m e zuneigen, allein in Algarve
gedeihen alle Feigenbiiume, sowohl die auf nassem, wie trocknern,
auf gutem, wie schlechtem Boden stehenden. Die mit hohen Kronen
vemehenen Baume tragen, weil sie aus der eigentlichen Form hinaustreten, weniger Friichte. Im dritteii Jahre tragen die jungen
Baumchen Friiehte. Ausgewachsene Biiume wachsen bis zu 45 Fuss
im Umfange uiid gebeu bis 600 Pfund trockne Feigen. Auch sie
haben ihre eigenthiimlichen feindlichen Insekten und Krankheitcu.
Der A c u f e i f a (Bhmnw ziziplius) und die R o m e i r a (Punica
runaturn) sind in Algarve, Alemtejo und Siid-Estremadura sehr verreitet; ebenso der M a n d e l b a u m (Amygdalus comrnunis) der in
der Wein- und Olivenregion treflich gedeiht. Der Baum erhebt
sicb nicbt iiber die mittlere Hohe und hat sehr tiefe Wurzeln. Die
Bliithen, melche schon im Januar treiben, gehen den Blattern voran
und erseheinen nur alle zwei Jahre an dcnselben Aesteu. Man
pflegt die Pfirsiche auf Mandelbriuine zu pfropfen. Es werden drei
Arten gezogen. Die eine trigt siisseMandeln mit harter oder such
weicher Schale, die deshalb pll0Eare.s genannt werden; die zweite
bittere Frucht deren Schale bald weich, bald hart ist; die dritte
ist die pfirsichkernartige seltene, welche keinen Handelsartikel bildet. 81gaire zieht und verkauft die meisten Mandeln.
Der M a r m e l l e i r o oder Q u i t t e n b a u m und A m o r e i r o oder
M a u l b e e r b s u m werden ebenfalls in grosser Anzahl gezogen. Zur
Seidenzucht verwendet man am liebsten die Blatter des scbwarzen
Maulbeerbaumes. Die N u s s b a u m e erheben bich zu bedeutender
Hohe, noch kriiftiger breiten sich die K a s t a n i e n b a u m e in die
Hohe und nach allen Sciten hin nus, von denen es hier zwei Arten
ebt, die Ftebordois und Longaeli, die Friichte der letzteren sind
%eeonders sehr geschatzt. Auf den Serras Monchique, Cintra, Mm-vao,
Portalegre und Aljudrinhr fiudet man diese Biiume in der uppigeten
Pracht. Sie werden aus dem Kerne gezogen und die jungen Baurnchen im vierten Jahre verpflanzt; erst im zehnten tragen sie Friichte.
Um das sehr geschitzte Holz zu benutzen, fallt man die Biume
zwischen den 20. und 50. Jahre. In der Regel werden sie oberhalb
des gepfropften Reises abgeschnitten. Die Friichte werden frisch
oder trocken verkauft.
5
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Vereinszeitung
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Der W e i n b a u ist i n Portugal ganz eigentlich zu Hause. Die
Mannigfaltigkeit und Trefflichkeit der Trauben, die Giite der Weine
von Porto, Lissabon nnd Setubal ist spruchwtirtlich geworden, aber
der Reiehthum a n Weinsorten, den ohne Ausnahme alle Provinzen
dea Landes aufweinen, ist noeh vie1 zu wenig bekannf beachtet,
eschgtzt und verwerthet und dieser Reiehtbum allein konnte unter
orawsetzung besserer Pflege und unbehindcrter Ausfuhr eine
Quelle ausserordentlichen Wohlstandes, nicht Llovs einzclner Provinzen, sonderu des gcsammten Landes werden. Man moge n u
damit beginnen, die ganz unbenutzt bleibenden Serras, die Abhinge von Gyps-, Kalk- und Thonschieferboden mit Rehen zu bepflanzen und man wurde daraus unberechenbare Vortheile zu ziehen
im Stande sein. - Im Allgemeinen bewlhren sich Zuni Weinbau
am besteu die warmen, dem Winde wenig ausgesetzten siidlichen
Senkungen, nahe dem Meere, an Flussen und I3lchel1. J e mehr
Sonne, desto mehr reift die E h c h t , einc fcuchte WBrme wirkt am
gunstigsten auf die Entwickelung, den die I’fianze niihrt sich mchr
von der Luft als aus dem Boden. Dieser muss den Wurzeln einen
festen Halt gewihren konnen, deshalb ist dcr Untergrund nuch
mit zu beriicksiehtigen. Die Rcbeu wcrden auf vierfache Weise
behandelt.
In Minho, Estremadura, Beira haixa zieht man die romische
vor, wo sich die Reben an Baurnstimme lehnen, deren Rliitterdach
umstricken und xu den benachbarten Biiumen hinuberziehen. Man
nennt dies anforado. Im obcren Douro wird der Wein auf Terrassen gezogen, die j e 4 bis 6 Palmen, nie iiber 3 Fuss hintereinander aufsteigen diirfen. Wenu bie reifen, werden sie an untergelegte Stiicke befestigt, so dass die Trauben etwa 2/3 Fuss iiber der
Erde hiingen. Drei Ma1 muss der Boden im Laufe des Jahres durch
Galegos umgegaben werden, im Herbat, Alhz und wenn die Traube
sich eu farben beginnt. I n Traz 08 Montes werden die Trauben
stachelbeerbuschartig gebunden. Eiii jeder Strauch ist auf einen
Raum von 8 Quadratfuss beschrlnkt. Wenn die Trauben reifen,
liegen sie auf dem Boden. In Minho wird der Wein zu Veranden
in die Hohe gezogen, welche mit ihrem schattigen Blatterdache
Viertelstundeu lang die Wege bedecken.
Die Weinlese findet im September und October statt. Die
schlechten Trauben werden von den guten, die reifen von den unreifen, die griinen von den rothen gesondert und in grosse KGrbe
gepackt; diese werden in die Weintonnen getragen und in machtige
Weintroge geschiittet. Die gewohnlichcn Weine werden unter die
Prqsse gebracht und seltener getreten; bei den edleren des Douro
werden die Ueeren hingegen btets getreten. In den gefullten Trog
springen xehn Manner, die einer hinter dern anderen, die Hinde
anf des Vordermanns Riicken gelegt, mit gleichem Fuss vor- ulld
riickwarts, zum Tact der Trommel und Pfeife, treten. Steibcn cliese
zehn hinaus, um zu ruhen und zu essen, so tritt eine andereReihe
an ihre Stelle: dies dauert 36 Stunden. Die Trauben sind dann
vobtindig zertreten und die GHhrung beginnt. Der Most wird
sich selbst uberlassen ; ist er grun, so ist der Wein in 36 bis 48 Stunden gut. Auf der Oberfliche bilden die Trebern eine dicke Kruste,
die nicht zu lange liegen bleiben darf. Die zweite Giihrung geechieht in grossen Gefhsen.
In den Girten wird am meisten K o h l (Brassiea oleracea) gebaut. In Reira, Estremadura und Minho bildet er die Hauptnahrung
dea Tages. Vom L a t t i c h sol1 es 440 Arten geben; die Haupt-
k
106
gattungen (Lactuca sativa, capitata cr ' a und kmgifolia) findet man
i n allen Provinzen. Cichorien, Spinat,?urken,
Zwiebeln aller A
insbesondere Knoblauch, Pfeffer, Carotten, Rettige und Spa,rge
werden besonders rings um Lissabon nnd Porto gebaut. Erdbeeren
giebt es in grosser Menge; rothe Gartenerdbeeren zieht Porto in
seltener Grosse; im Friihsommer gehen sie Schiffsladungsweise, in
irdene Kruge verpackt, den Duero hinab und dann nach Lissabon.
Melonen und Kiirbis werden als Feldfriichte behandelt, besonders
i n Alemtejo und Aveiro.
Von Pflanzen, welche zu industriellen Zwecken verwendet werden, wird vorzugsweise L e i n und zwar besonders in Minho gebaut. Es giebt drei Arten von Linum usitatissimum. Der Rigaer
Samen wird allen anderen vorgezogen. H a n f wird in Traz 0s
Montes und Estremadura gebaut. Die Agaee americana, Spartiurn
randi$orurn und Sti a tenacissima ( arto) wachsen in den siidachen Provinzen wilt sie werden zu lechtwerk, Matten, Korben,
Huten und Mobeln venvendet und Stiele, Gespinnste und Papier
daraus gefertigt.
Honig F e r d i n a n d hat sich um die botanischen Glrten ein
grosses Verdienst erworben, indem er mit erheblichen Kostcn i n
Lissabon und Cintra in wenigen Jabren aus China, lhasilien, Peru,
Californien, Australien, Sibirien und dem Kaukasus 700 Species
von 350 verschiedenen Gattungen von Baumen und Strluchern eingefuhrt hat. Alle Versuche sind mit dem gliicklichsten Erfolge
gekront worden, besonders seitdem es aueh gelungen, ein Surrogat
fur Heidecrde zu finden, um die Heidepflanzen in reicher Auswahl
zu produciren. Wie vortheilhaft Klima und Cultur wirken, dafiir
sprechen wohl folgende Beispiele. Die Yh tolacca dioica von funf
Jahren hatte im verflossenen Jahre einen 8mfang von 4 Fuss und
ihr Laubdach war 25 Fuss hoch, von machtiger Ausbreitung. Der
Eucalyptus und die Mimosa sind in einem Jahre 20 Fuss in die
Hohe geschossen: der Ficus elastica erscheint wie die Magnolia
grandijeora; die Bananen und Bambus schiessen 20 bis 24 Fuss in
einem Jahre. Die Drachenbiume, Araucaria und die Erythrina
haben sich formlich acclimatisirt, so wie sich die Camelien, Euphorbien und andere Blumen i n seltenster Pracht entfalten.
7
!i?
Ueber einige Nutzpjlanzen der Insel Cuba.
Unter den Nutzpflanzen der Insel Cuba sind besonders die
indische Kartoffel oder Patate und die Yuca oder Stikewurzel hervorzuheben.
Die i n d i s c h e K a r t o f f e l (Convolvdus Batatus) peruanisch
Bpi&, ist nach dem Platano und der Brodfrucht die niitzlichste
und naturgemiisseste Pflanze zur Ernahrung der Menschen und
Thiere in tropischen Landern. Diese von den herrlichsten Pflanzen
so reichen Gegenden sind aber besonders mit vielen Knollen- m d
Wurzelgewachsen der feinsten Art reichlich gesegnet, unter welchen
der Patate als der nothwendigsten und nutzlichsten Gattung der
Rang gebuhrt. Sie ist nicht allein auf den Antillen, sondern im
ganzen tropischen Amerika einheimisch.
Man nennt sie auf St. Doming0 mit dem Geschlechtsnamen
P a t a t e , i n Peru mit dem ursprunglichen Namen der dortige Gattung A p i e hh (Convolvulusplatanifolks), wegen seiner wie Platsnosbiischel oder Hande gestalteten Blatter, i n Mexico (tierra caliente)
C a r n o l c (Coni*olvitlus edulis).
107
Unter den weniger gezogenen Arten kommt auf Cuba auch die
O c s - P a t a t e (0di-stuberom) vor welche in Mexico und dem centralen Amerika bloss in betrachtlicher Hohe iiber dem Meeresspiegel
fortkommt, auch in Cuba nur im Innern der Insel und auf Bergen
gedeiht, wo sie, obwohl etwas langsamer als andere Sorten, erst in
31/2 bis 4 Monaten nach ihrer Saat eine sehone gesunde und iiberaus reichliche Frucht hervorbringt, die ausser der Erde besser und
langer ohne zu verderben, aufbewahrt werden kann als andere
Pataten irgend einer Art.
Die Patatc hat den Vortheil, dass, wenn sie einmal geaiiet ist,
der Ertrag iLres Products lange Zeit fortdauert. Auf Cuba sind
viele Gattungen bekannt, die sich in der Farbe und Form der
Hliiher und des Stengels, 80 wie auch in den verschiedenen Friichten selbst wesentlich unterscheiden. Sie haben vcrschiedene Namen,
und da man die einen friiher als die andern einerntet, so werden
sie am zweckmisigsten nach ihren lteifeperioden eingetheilt.
Die M o r a d o s oder blauen Pataten haben Knollen, deren Oberfliiche braun oder violett, das Innere aber weiss ist; die Blatter und
Stiele sind braun wie die Rinde der Knollen und g l i z e n d .
Die A n t o n i o - D i a z - P a t a t e hat eine rosenrothe Schale, ist
im Innern weiss und wiichst sehr iippig.
Die C a m e r e t o s haben braune Knollen und geadertes Fleisch
im Innern, auch die Hlitter und Stiele sind griin und braun
schattirt, manclie auch griin und weiss oder hell- und dunkelgriin
gesprengelt.
Die Knollen der g e l b e n P a t a t e n sind an der Oberfllche und
im Innern gelb, werden sehr gross und halten sich lange im Felde
und Speicher.
Die B a t a t a s oder Bataten haben eine weisse Scliale und Frueht,
grasgriine Blitter und weissliche Ranken. Sie liefern den reichsten
Ertrag, sind aber nicht die feinsten von Geschmack.
Die beste Zeit zur Aussaat sind die Monatc August und September, wohl auch in gewissem frischen Erdreich der Monat October; obwohl der vorsichtige Pflanzer auch diese so niitzliche Frucht
das ganze Jahr hindurch siien und eher die kleine Gefahr laufen
kann, dass ihm bei lang anhaltender Diirre ein Theil seiner Satit
ausbleibe, als sich durch eine neunmonatliclie Unthatigkeit oder
Vernachliissigung seiner Patatenfelder einem Mange1 an dieser nothwendigen Frucht auszusetzen.
Die Patate gehSrt zu den allgemein verbreitetsten Nahrungsrnitteln auf Cubs, sowohl ale Gemiise, wie eingemacht als treffliches
Confect, als Futter fir alle Arten von Hausthieren, als auch f~
den Export nach Nordamerika und den Verbrauch am Bord von
allen in den Hafen liegenden und in See gehenden Schiffen. Ihre Rliitter sammt den Stengeln sind treffliches, erfrischendes F'utter
fur alle Hausthiere. Mittelst der safiigen Hanken kann man neue
Pflanzen auf die leichteste und einfachste Weise reproduciren.
. Gleich jeder andern Pflanze, deren Erzeugniss a n der Wurzel
besteht, erfordert sie eine tiefe Pflugprbeit und lockeres Erdreich.
Deshalb wird dasselbe wenigstens zweimal mit dem Pflu e bearbeitet, die Ranken werden in etwa eine halbe Elle lange Btiicke zerschnitten und diese i n die Erde gesteckt, die vom Unkraut rein
erhalten werden muss.
Alle Arten eignen sich trefflich zur Brodbereitung; die mehlige
Frucht kann zu jeder Art von Backwaaren benutzt werden, besondere
108
VW&WZzeiCuny.
aber ist daa Mehl wegen seines feinen, eigenthiirnlichen Gcschmacks
zu Pasteten-, Zucker - und Confectbiickereien beliebt.
Nur beim Beginn grosser Diirre oder der eigentlichen heissen
Jahreszeit muss die Saat eingestellt werdcn, weil die Pflanze fur
ihre erste Entwicklung ein frischcs, feuchtes und lockeres Erdreich
bedarf.
In neuer Erde (tierru v i l p e a ) erscheinen diefiiichte in solcher
GrSsse und Fiille, dass es unaeren europliischen Oeconomen wolil
kaum glaublich scheinen mochte, dass cine solche kuchtbarkeit
und massenhafte Production auf einem verhaltnissmiissig kleinen
Flachenraum statt findet.
Die Y u c a (Jutropha ,lIanilrot) ist niclit nllein ein nahrhaftes,
gesundes Gemiisc, sonderii liefert auch den Grundstoff des vie1
gebrauchten indischen Brodes, Casabe, welches seinen Crsprung
den Ureinwohnern Westindiens verdankt.
Urn Casabe zu bereiten, wird die Wurzel zerrieben und in
runde, fluche Kuchcn von etwa 15 bis 18 Zoll irn Durchmesscr und
2 bis 3 Liriicn Hohc geformt und diesc im Ofen leicht gebacken,
wodurch cin sehr wohlschmeckendcr. ecsunder. leicht verdaulicher
Brodstoff erzeugt wird.
Die Pflanze liefert auch das feinste und beste Stiirkemehl,
woher ihr dcutschcr Name. Um den Alchlstoff zu gewinnen. wird
die Wurzcl auf eineni Reibrade zu fcincm Hrei gerieben, welchcr
in grossen Bottichen durch sehr feines Leinen- oder Wollenzeug
gewaachen wird. Der Niederschlag d i e m niilchigen Wassers wird
am nlchsten Tage in dcr Sonne getrocknet uiid zum Gebrauche
oder zur Versendung in rnit Papicr ausgeklebten FLsern aufbewnhrt. Die ausgewaschenen Fasen] bilden noch ein vortreffliches Nahrungs- und Mastmittel fur die Hausthiere.
Ausser zu vielen technischen Zwecken wird das feine Mehl zu
den aubgesuchtesten Confecten benutzt und als Heilrnittel gcgen
die Cholera und blotigc Diarrhoeii angcwenclet.
Auf Cuba kennt man drei Hauptartcii der Ynca: die yon
C a r t h a g c n a , die w e i s s e nnd die s a u r e . Die beiden erstcn
werdcii als Speise benuzt, dic letztere ist giftig und obwohl man
aus ihr das Casabebrod bereitet, so verliert sie erst ihre schidliche
Eigenschaft durch die Bearbeitung, indem die Tcmperatur von 8001t.
das Gift zersort und verfiiichtigt. Dic Negcr bedienen sich ihrer
zurn Selbstmorde, auch sollen zur Zeit der Eroberung des Landes
durch die Spanier ganze Stiirnrne der eingebornen Caraiben sich
auf diese Weise getodtet hahen.
Man siiet die Pflanzen, indem kleinc Stuckchen des Pflanzenstengels mit zwei oder drei Fruchtknoten oder Triebaugen in die
frisch aufgefurchte Erde gelegt und etwa rnit 8bis bis 4Zoll hohem
Erdreiche bedeckt werden. Die Hauptaussaat geschieht von Mitte
November his Mitte Januar.
Die Yuca von Carthagena ist der Himcarnote der Mexikaner
uud stammt wie die weisse Yuca (Jahophu foliis palmatis lobis
incertis) aus dcm tropischen Arnerika und alle drei Gattungen erzeugen das schone Stirke- oder Afaniokmehl und dienen zur Bereitung des Casabe. Das Mehl sowohl wie das Rrod sind dem V e r
derbeu nicht unterworfen ; gut dargcstellt und troclcen aufbewahrt
wird daa erstere weder von Insekten noch Wiirmern beriihrt und
erhllt sich vide Jahre hindurch frisch.
Die Yuca ist auch ilirer Natur nach als Wurzel, die in mehr
oder minder harten, um den Stengel fest geschlossenen Erdscholles
I
-
.
Vereinszeitung
109
gut bewahrt und eingegraben i d , weniger den Beschadigun en
durch Sturmwinde ausgesetzt, wie viele andcre Pflanzen. Sie wifersteht ohne Schaden sehr lange der Diirre, so dass sie selbst bei
Hungersnoth, Theurung und Mangel an Lebensmitteln einen Ersatz
f~ andere Nahrungsmittel abgcben kann.
Helft.
Ueber den Anbau des Thees i n dem Districte Kangra.
J a m e s o n , Director der botsnischen Garten dcr nordwestlichen
Provinzen von Indien, macht folgendv Mittheilungcn iiber die Theepflanzungeu der Engllnder in Iudien. Man hatte im Kangrathale
zucrst zwei kleiue Theeplantagcn angelegt, wozu man Pflanzen von
Kumaon eingefuhrt hatte. Die Pflanzungen gedeihen sehr gut,
und J a m e s o n erhielt vom General-Qouverneur den Auftrag, eine
Thee lantage in grosscm Maassstabe anzulegen.
f a m e s o u wahlte dazu die grosse Ebeue von Holta, die am
Fusse der Chumbakette liegt, unter etwa 320 nordlicher Breite und
764 W Liinge, ein Landstrich, der von zwei Seiten von ansehnlichen Fliissen eingefasst ist, an der einen (ostlichcn) vom Awa und
a n der auderen Seite (westlich) vom Nigal, die beide nordlich im
Schnee der Chumbakette ihren Ursprung nehmen.
Die Plantage liegt 3500 bis 4OOO Fuse iiber dem Meere. Der
Boden deeselben ist eine fruchtbare schwarze Dammerde, die 6 Zoll
bis 2 Fuss hoch auf eiuem rothen Thonunterboden licgt. I n diesem
Thone liegen in Rehr grosser Zahl granitische Gerolle, die dieses
"ha1 iiberhaupt charakterisiren und i n allen Grosscn , von der
Grosse einer Erbse bis zu den von 16 Fuss hohen und 300 Fuss
Uinfang habenden Blocken. Dcr Feldspath dicscs Granits begiinstigt die Fruchtbarkeit dieses Rodens sehr, die Drainage ist gunstig,
das ganze Land sclbst im hohen Grade hugelig und unter einem
Winkel von 4-25' abhangcnd. Dicse Ebene neigt sich von dcr
Chumbakette nsch Siiden hin und ist ode und hat bis jetzt zur
Wcide gedicnt. Man trifft hier nur wenig Biiume, am hiiufigsten
sind diese, Piniis longifolia, Querciis incana, Andromeda oualifolia.
Im Monat December und Januar Etllt hier Schnee, der einigc
Zeit liegen bleibt. Im nordlichen China, in den Districten, wo
der Thee am meisten Aroma bekommt, f&llt zur kalten Jahreszcit
such steL9 Schnee: demiiach scheincn dic klimatischen Vcrhaltnisse
hier sahr giinstig zu scin. In der That haben die Rlatter, die
bisher in Nagrota und Bo-war-nah-Plantagen gebaut wurden, cinen
vortrefflichen Geruch, iind dn die Ilohe dieser Platze weit unter
der von Holta liegt, so llsst sich erwai%cn, dass hier noch besserer
Thee erbaut werden wird.
J a m e s o n ist der Meinung, dass vom Theebau hier i n Zuknnft
vie1 zu erwarten ist.
Rei Holta sind nluilich bereits 100,000 junge Pflanzen umgepflanzt und anderthalb Tonnen Samen ,ousgcsHet. 25 Maunds
davon waren ein Product jenes Thales, & iibrige wurde von
Kaolageer und Kumaon irnportirt und somit liofft qatne sou binnen
Kurzem das ganze Land, g,egen 500 Acres, in eine Theeplantage
umgewandelt zu haben. (hdinb. new Phil. Joum. V.57. - C1iem.B.
pharm. Centrbl. 1854.p . 41.)
110
Vereiraszeitwng.
Ueber den Jardin dee plantes i n Paris.
M. W i l l k o m m entwirft nach einem kurzlich ausgefuhrtcn
Hesuche des Jardin des plantes in Paris folgende interessante Schilderung von demselben.
Zu den iiltesten, grossten und bcsteingcrichteten botanischen
G i e n gehBrt der weltberiihmte Pflanzcngarten zu Paris (Jardin
dea lantea, friiher Jardin du roi). Der Pariser Pflanzengarten lie$
am Enken Ufer der Seine und im siidlichsten Theile der Stadt,
dicht neben dem Bahnhofe der Eisenbahn nach Orleans, zwischen
den &assen Bur de Seine, Rue de Jardin und Rue de Buflon und
bildet ein grosses 1lngliches, ungleichseitiges Viereck von 33 Hcctaren oder 825,660 Wiener Quadratellen Flachenraum. Er zerfiillt
naturgemiiss in drei Abtheilungen, welche der untere Garten (Le
jardin bae), der obere Garten (Le jardin haut) und das Schweizerthal (Lav d d e mime) genannt werden. Letzteres enthalt die grosse
kaiserliche Menagerie, und bildet daher keinen wesentlichen Theil
des botanischen Gartens. Auch der obere Garten ist nur theilweise
zu botanischen Zwcckcn verwendet und der Hauptoache nach eine
offentliche, aber reizmde Promenade. Der unterc Garten dagegen,
welcher die siidliche Hiilfte des gesammten Gartenareals einnimmt
und sich yon dem Seine-Ufer langs der Rue de Bufon bis zu der
an der Rue du Jardin gelegenen Gallerie der Naturgeschichte erstreckt, ist ganzlich den verschiedenen dufgaben, welche die botanischen Garten zu erfiillen haben, gewidmet. Wir treten durch
das der Briicke von Austerlitz schief gegeniiber liegende Hauptthor in den Gartcn, welcher auf dieser Seite von einem eleganten
eisernen, mit zwei Pavillons verzierten Gitter geschlossen ist, und
wahlen die rechte der bciden Haupt- Alleen, welche, parallel laufend, den untcrcn oder eigentlichen botanischen Gartcn schnurgerade der Lange naeh durchschneiden und ihn in drei breite
Streifen theilen. Vier Quer - Alleen theilen diese drei Lingsstreifen
i n 13 Hauptfelder von verschiedener Grosse. Die drei ersten an
das Gitter grenzenden Fclder sind mit Arznei- und Giftpflauzcn
bedeckt, die niichsten beiden Felder der linken an die Rue de
Buffon grenzenden Seiten enthalten krautartige Culturgewlchse,
niimlich die Getreidearten, Gemiisepflanzen, Gartenfriichte, Futterkrauter, Fbbepflanzen und andere fur den Haushalt des Menschen
wichtige Gewachse. Es folgt nun auf derselben Seite ein grosses
langes, rnit Blumen bepflanztes Hauptfeld, welches die ganze hintere Hilfte des linken Streifens einnimmt und durch die QuerAlleen in vier Quartiere getheilt irt. Am Anfidnge diesee schonen
kiinstlichen Wsldes befindet sich ein elegantes Caf6. Das erste
Quar$ier ist rnit immergriinen Blumen bepflanzt, zu denen das
siidliche Frankreich, Spanien, Italien u. s. w. gehoren, mit Laubbkumen, welche die Vegetation der wbniercn, gcmhsigten Zone,
und zwar thcils rnit Nadelholzern, theils mit Laubholzern, charakterisiren. Dieses Quaziier veranschaulicht daher gleichzeitig den
Haumwuchs der kalten und kaltercn gemlssigten Zone, wo die
Nadelholzer vorherrschen, und derjenigen des an das Mittellandische
Meer grenzenden Theils von Europa. Eine Allee von Llirchenbiiumen scheidet dieses Quartier von den HLumen, welche im Sommer und Herbst ihre Bluthen entwickeln. Darauf folgt ein mit im
Sommer bluhenden Zierbiiumen bepflanztes Quartier, welches von
dem vorigen durch eine Ahorn-Allee und yon dem hintersten, im
Friihlinge bluhende Zierbaume enthaitenden Quartiere durch eine
.
Vereinszeitung
111
Allee einer nordamerikanischen Raumart, des Ailanthus glanduloea,
getrennt ist. Die beiden Haupt-Alleen des untern Gartens bestehen
in der vorderen Halfte aus Linden, in der hinteren aus edlen Kastanien. Der ganze rechte, i n vier grosse Felder getheilte Streifen
des unteren Gartens ist der Cultur dcr Fruchtbaunic gewidmet und
nit einer grossen Baumschule verbuzden. Die Zahl der hier beh d l i c h e n Arten und Varietilten von Fruchtbaumen aller Gegenden
der Erde belauft sich auf 600. Der mittelste und breiteste Streifen
des Gartens zerfillt in vier grosse Felder. Das dem Eingange zunachst gelegene Quartier enthilt krautartige Zierpflanzen und wird
die Blumenzuchtschule genannt. Dann folgt ein von einem Gitter
umgebenes und gewohnlich verschlossenes Quartier, welches lauter
aussereuropaische, besonders Harz absondernde Biiume enthalt. In
seiner Mitte steht ein zierliches sechsseitiges Hauschen zur Beobachtung der Bienen. Im nachsten Quartiere werden schon bliihende
Samengewachse cultiviit. Das letzte und grosste Feld ist ganz der
rein wissenschaftlichen Botanik gewidmet, indem es zahlreiche
ReprLentanten sammtlicher natiirlichen Familien enthiilt, welche
nach dem System von J u s s i e u angeordnet sind. In diesem unter
dem Namen der Eeole de botanique bekannten Quai-tiere befanden
sich 1846 iiber 6500 verschiedene Pflanzenarten. Links vom Systeme, an die Rue de Ruffon grenzend, befindet sich die Galerie
de botanique ein langes schijnes Gebiudc, welches die Bibliothek.
des botanicLen Gartens, die sehr bedeutenden Herbarien und die
nicht minder bedeutenden mineralogischen Sammlungen einschliesst,
rechts davon erheben sich die zahlrcichen und grossxrtigen GewachshBuser. Gerade vor 'dem System, dcn Hintergrund des unteren
Gartens bildend, erhebt sich das grossartige Gebiiude des naturhistorischen Museums welches ungeheure Sammlungen von Thieren
aller Art, von Thierskeletten, Eiern, Nestern, vorweltliehen Thieren
u. s. w. von unschdtzbarem Werthe birgt. Unter den GewachshBusern sind namentlich das Palmenhaus, das Orchideenhaus und
das grosse Haus f k Pflanzen der wai-meii gemiissigten Zone bemerkenswerth. Das Palmenhaus ist ein formlicher Glaapallast indem alle seine W i n d e und das Dach von Glas sind. Es w i d von
unten geheizt, weshalb die Palmen und andere Prachtgewachse der
heissen Zone hier unmittelbar im Boden wurzeln, wie i n ihrem
Vaterlande. Mehrere derselbcn haben eine bedeutende Hohe erreicht. Das vie1 niedrigere Orchideenhaus enthiilt eine lusserst
reiche Sammlung jener wunderbar herrlichen GewLchse, welche i n
den Urwaldern der Tropenzone die S l m m e und Aeste der Biiume
nnd die Felswande schmiicken, so wie aridere unter Bhnlichen Vcrhaltnissen wachsende Tropenpflanzen. Die andcren warmen Hauser
sind der Cultur der tropischen Farm, dcr Cacteen und anderer
Pflanzen der heissen Zone gewidmet. Eiues derselben enthalt ein
grosses von einer schonen Glaakuppel iibcrwolbtes Bassin, auf dessen
Wasserspiegel die Hiesenblatter der Victoria regia und die Hatter
zahlreicher anderer Wassergewlchse der Tropen schwimmen und
welchcs mit malerischen Gruppen tropischer Sumpfgewachse umeben ist. Das grosse gemLsigt warme Haus, welches sich ausseri a l b des unteren Gartens am Eingange des Schweizerthals befindet,
enthiilt meistens Kappflanzen (Pflanzen vom Vorgebirge der guten
Hoffnung und iiberhaupt a u Siidafrika),
~
neuholliindische und neuseelandische Gewiichse. Vor demselben liegt in einer drei Meter
unter die Oberflache des iibrigen Gartens eingesenkten Vertiefung
der wahreud des Sommera mit neuseelandischen Biiumen geschmiickte
112
l’ereinszeitung.
Jardin de natwdhth, welcher dazu bestimmt ist, Pflanzen fremder Klimate an das franzhische Klima zu gewohnen. An denselben
stiisst der Aussaatgarten (Jardin dw emis), in welchem fortwarend
Auaeaeten von den im Garten gesammelten, so wie von den aus
allen Welttheilen erhaltenen Siimereien, Knollen, Zwiebeln u. 8. w.
veranetaltet werden, urn jungi Pflanzeu theils zum Ersatz der aken
oder eingegangenen, theils zum Austausch mit andem botanischen
Giirten, theils zum Verkauf zu ziehen. Zwischen den Gewiichshiiusern der Rue d e Jardin und Rue de Seine breitet sich der
obere, von einem hiigcligen Gelande gebildete Garten aus, welcher
kaum
des Gesammtareals des Gartens einnimmt. Wir lenken
nun unsere Schritte nach dem Cedernhiigel, melcher hoch iiber
diesen anmuthigen, mit prachtigen Baum - und Strauchgruppen
geschmuckten Park emporragt und auf seinem Scheitel einen eleganten Kiosk triigt. Dieaer Hiigel ist aus verschiedenen NadelhSlzern und anderen immergriinen Baiimen bedeckt und bietet von
seinem Gipfel eine prachtvolle Aussicht iiber den ganzen Garten
und iiber einen grossen Theil von Paris und seiner Umgebungen,
besonders aber nach dem beriihmten, jenseits der Vorstadt St. Antoine am Abhange eines Hiigels sich hinziehenden Friedhofe von
Pere -Laokaise dar. Auch befindet sich hier ein Detonationsmerid i m , d. h. eine Vorrichtung, welche den Durchgang dcr Sonne
durch die Mittagslinie, also den Augenblick des wahren Mittags
mittelst des Losbrennens eines Knnonensclilags verkiindet. Es ist
niimlich ein grosses Hrennglas so gestellt, dass es die Warmestrah!en der Sonne i n jenem Augenblicke concentrirt und einen in
seinem Brennpuncte befindlichen Kanonenschlag entziindet. Es
vorstcht sich von selbst, dam dies bloss im Sommer und bei heiterm Wetter geschehen kann. Ein ganz iihnlicher Dctonationsineridian bcfindct sich auch im Garten des Palais Roytl. Allein
die griisste Merkwiirdigkeit jenes Hiigels ist unskreitig die an seinem
Abhange stchende grosse Ceder vom Libanon. Dicselbe wurcle,
wie eine Inschrift besagf im Jahrc 1734 durch den hcriihniten
Botaniker B e r n a r d d e J u s s i e u , den Schijpfer des natiirlichen
Pflanzcnsvstcms, gepflanzt, und ist folglich gegenwartig 121 Jahre
a1t *). Sie bildet eineii majestatischcn h u m , welcher schon von
fern durch seine breitpyramidalc, schwarzgriine Krone in die Augcn
Killt. Die Coder vom Libanon (Piizus Cedrus L.) ist keineswegs
ein schlanker, cypresscnartigcr, sondcrn ein sehr breitkroniger Baum
mit dickem und meist nicht gcradem Stamme, welcher zwar einen
bedeutenden Umfang, aber kcine ansehnliche HShe erreicht **).
Die Acste boginnen in geringer Hohe iiber d e n Boden und stehen
vollkommen wagerecht ab. Sie sind im Alter sehr gekriimnit und
zweireihig mit ebenfalls horizontalen Nehcnibten und Zwcigen
*) Dieser Daum ist nicht der glteste, dcn man dort sieht. Es
existirt noch a n eincm Theile dcs Gartens in der Nlhe der
eine Akazie, die crste, welche
alten 13aumschule Tournc.foz~~*ts,
aus Nordamerika kam. Sic wurde im J a h r c l m von V c s p a s i a n R o b i n gepflanzt, ist albo jctzt 220 Jahre alt und sornit
das alteste Gewlchs desGartens. Linnt5 gab ihr den Namen
Robinia zum Andenken an ihren Vcrpflanaer nach Frankrcich.
D i e Red.
**) Die Ceder des Libanon misst gegenwilrtig in der Htihe eines
Meters (3) iibcr dem Boden und ungefiihr 311%Meter (101,$’)
im Umfange.
Die Red.
Vereimzeitmg.
113
besetzt, welche zahlreiche Biischel 10- 15 Linien langer, dunkelgriiner Nadeln tragen. Deshalb bildet ein jeder Hauptast ein
horizontales dichtes Laubdach, und da die Aeste nach der Spitze
des Baumes hin fortwahrend kurzer werden, so sieht die ganze
Cedernkrone aus wie eine breite, aus horizontalen Laubschichten
zusammen esetzte Pyramide. Die Breite der untersten Aeste iibertri& die 6esammthohe des Baumes um ein Betrlchtliches. Von
dem Cedernhugel begeben wir uns, uns links der Rue de Seine
zuwendend, nach dem Schweizerthal. Dieser Gang fuhrt uns bei
einem grossen an die Rue de Seine grenzenden Gebaude vorbei,
welches die Wohnungen fii die Administrationsbeamten des gesammten Gartens, so wie Magazine u. a. m. enthiilt. Vor demeelben
steht isolirt ein grosser vierfliigeliger Pavillon, in dessen oberem
Stockwerke die Professoren wohnen. Im Erdgeschoss befindet sich
der botanische Horsaal, ein schones Amphitheater, welchcs 1200
I’ersonen fasst, und dessen Eingang vi-ithrend der warmen Jahrszeit
mit zwei schonen, hohen sicilianischen Dattelpalmen, welche Ludwig XIV. zum Geschenk erhiel geschinuckt ist. Vor dem Amphitheater sind im Sommer scbone ruppen von Striiuchen und Stauden
Nord- und Siidafrikas und Neuhollands aufgestcllt. Das Schweizerthal ist ein reizender, aus Geholzen, Wiesen und Rlumenbosquets
bestehender Park, welcher ungefahr 1/4 des gesammten Gartenareals
einnimmt und von dem eigentlichen botanischen Garten durch eine
breite, vierfache Linden- Allee getrcnnt ist. In 14 umzlumten
Bbtheilungen, deren jede wieder in kleine Bezirke zcrfiillt, befinden sich vielc Familien von auslandischen Wicderkauern Nagethiercn und anderen friedliebenden wilden Thicren, als kirsche
und Hehe aller Art, Gemsen, Gazellcn, Antilopcn, Giraffen, Elephantcn, Kameele, Lamas u. s. w. Jede Thierfamilie hat ihren nach
ihren Rediirfnissen eingerichteten Stall, wclcher lusscrlich als eine
Rindeuhutte, als eine Einsiedelei, oder untcr einer anderen gefiilligen
Form erscheint: der freie vor demselben befindlichc Platz, wo die
Thiere nach ihrem Belieben umherlaufen kiinncn, ist mit griinen
Itasenplitzen, Baumen und Gestrauchgruppen und biiufig auch mit
einem Wasserbassin versehen. Die Haubthiere sind in eine lange
Reihe grosser Kifige eingeschlossen welche das Erdgeschoss eines
grossen, fir die Administration der henagerie bestimmten Gebiiudes
im ncuesten Theile des Schweizerthals enthllt. Im Schweizerthale
befinden sich auch mehrere grosse, tief in den Boden eingesackte
Zwinger, wo mehrere Barenfamilien hausen.
Der Pflanzengarten von Paris wurde im Jalire 1626 unter der
Regierung Ludwigs XIII. gegriindet. Als dicser Monarch einen
ursprunglich wiisten Sandplatz und einen Schindanger atn Ende
der damaligen Vorstadt St. Victor zur Cultur von Arzneikriiutern
bestimmte, dachte er wohl schwerlich daran, dass er den Grund zu
cinem Etablissement lege, welches jetzt eine Hauptzierde yon Paris
und mit Recht der Stolz von ganz Frankrcicll ist, da es durch
Verbreitung zahlreicher wichtigcr Culturpflanzen Scgen ubcr dieses
ganze Land ausgcgossen hat und ausserdem durch die vielen hochwichtigcn Entdcckungen im Gebietc der ISotanik und der gesamnitcn Naturwissenschaften, welche in demselben gemacht worden sind,
fh die ganze Welt zu eiuer Hauptstittc des menschlichen Wissens
Ll.
geworden ist. (Unterh. am hliusl. Hcerd. lid. 1. N o . 1.)
Q
Arch. d. Phlum. CXXXVI. Bas. 1. Hft.
s
Der botanbche Gaden
ZIL Breslau im Sommer 1854.
Die botaniscben Garten haben nicht nur die Kenntniss der
versohiedenen Pflanzenarten zu fdrdern, sondern auch Einrichtungen
zu treffen, dhrch, welche man sich eine anschauliche Uebersicht
von den mannichfaltigen Pflanzenformen der Erde zu verschafFen
vermag. Je reicher ein Garten ausgestattet ist, um desto' eher wird
auch eim solcher Versuch gelingen, der eigentlich niehts anderes
bezwecken kann, ale unseres unsterblichen H u mb 01 dt's Ideen
i i h r P h y s i o g n o m i k d e r Gewiichse praktisch darzustellen. Auch
ist en wohl erforderlich, dergleichen Aufstellungen im Freien zu
bewirken, da Gewacbhiuser nur selten Raum genug bieten, um
recht Vielen Anscliauung gewiihren zu kiinnen. Ungeachtet der
mannichfaltigen damit verknii Ren Schwierigkeiten habe ich es bei
freilich nur im beschrankten drade vorhandenem Materiale dennoch
unternommen, Einrichtungen dieser Art insLeben zu rufen, welche
a l e erste Versuche dieser Art freilich sehr gegriindete Anspriiche auf
nachsichtige Beurtheilung zu machen haben; Zunachst sind 54 Gruppen dieser Art in den verschiedenen Theilen des Gartens eingerichtet worden, iiber welche eine am Eingange des Gartens befestigte Tafel niiheim Aufschluss ertheilt, wiihrend bei jeder ejnzelnen
Cfruppe sich noch eine kleinere Tafel befindet, auf der auch noch
die Hauptgattungen der Aufstellung mit verzeichnet sind. 41 beziehen sich auf die. sSimmtlichen H a u p t p f l a n z e n f o r m e n d e r
E r d e , 14 andere auf Pflanzenformen einzelner Linder und Zonen
in ihrer Gesammtheit. Unter den ersteren sehen wirMoose, Flechten ; Farrnkrauter der gemiissigten Zone beider Hemispharen gepflanzt auf und um einen fossilen Baumstamm (Pinites Protolark)
von 27' Umfang aus dem Braunkohlenlt~ger von Laasan in der
Nihe auch noch andere zur Illustration der Braunkohleniormation
dienende Exemplare; tropische Farm, unter ihnen auch ein halbbaumartiges (Lmtrueu), Aroiden, Schlingpflanzen, baumartige Lilien,
Griiser verschiedener Zonen inclusive baumartiger, Banauen oder
Pisanggewiichse, Amomeen, Cannaceen, Ananasgewiichse, Agaven,
Palmen, Ericeenformen der verschiedensten Gegenden der Erde,
Nadelholzer der nordlichen und siidlichen Halbkugel, Cycadeen,
myrthenartige Gewiichse ale Hauptvegetationsform der temperii-trn
und subtropischen Zone Neuhollands, Cactusformen, Agaven und
andere fleischige Gewachse, Laubholzer mit abfallendem, mit perennirendem Laube und mit gefiederten Blittern aller Zonen, akazienund mimosenartige Gewachse etc. Zur Uebersicht der Pflanzenformen einzelner Liinder und Zonen in ihrer Gesammtheit dienen
Zusammenstellungen von Vegetationsformen der arktischen Zone,
der Alpen beider Hemisphiren, des siidlichen Euro as, Laubholzer
des nordlichen Amerikas, Chinaa und Japans, des torgebirges der
guten Hoffnung, Australiens etc., welche alle noch vielfache Erweiterung erfahren kiinnen. Den medicinisch und technisch wichtigen im Freien ausdauernden Ptlanzen ist ein eigenes Feld gewidmet,
ebenso denjenigen, welche sich in der kiilteren Jahreszeit in unseren
Gewachshiusern und nur zeitweilig, zum Theil zum ersten Male
im Freien befinden, unter letztern die Mutterpflanzen des Tragant,
Indigo, Kampfer, Aloe, arabischen und elastischen Gummis der
Baumwolle, Sassaparillc, Cardamomen, der Bataten, Jalappa, heerewiebel, des Zimmts, Raffees, Zuckerrohr, Sternannis, Pistacien,
Pfefferartcn ctc. In dem Inneren des grossen Warmbauses, dessen
vollstiindigen Umbau wir der Munifizenz dee hohen Boniglichen
0
115
T’krehszeitzmg.
Ministeriums verdanken, sind alle Pflanzen der Tropen ungefahr
so zusammengestellt, wie sie in den dortigen Urwilldern etwa vorkommen, wobei auch zugleich auf die charakteristischen Formen
der Tropen der alten und neuen Welt die moglichste Riicksicht
genommen ward. Gegenwilrtig bliihen darin unter anderen Cycas
reuolutu, das grosste Exemplar dieser Art in Deutschland, Myrtus
Pimenta, Alloplectta
ecaoma, Medinilla speciosa B1 u. a. m. Breslau, im Juli 1854. %of. Dr. Goppert. (Uot.Ztg. 1854. 8.565.)
Referent kann sich nicht versagen auf den botanischen Gartea
zu Breslau, welcher ausser seinem Keichthum a n seltenen Phnzen
durch die gliickliche Ausfiihrung dieser genialen Idee ein besonderes Interesse erlangt, Jeden, der Gelegenheit hat, denselben zu
besuchen, recht dringend aufmerksam zu Inachen und, wenn wir
bedauern miissen, dass die diesjahrige General -Versmmlung dee
norddeutschen Apotheker-Vereins nicht in Breslau abgehalten werden konnte, so wird es recht vielen unserer Collegen sehr willkommen sein, wenn jene Versammlung recht bald an diescm
anziehenden Orte statt finden k6nnte. Gewiss wird die durch
Herrn Professor G o p p e r t angeregte gluckliche Idee auch anderwiirts cur Ausfuhrung gebracht werden. Unwillkurlich fiillt dcm
Referenten dabei der herrliche Herrnhiiuser Garten mit seirien
Pflanzenschitzen und - reichen hlitteln ein.
Rornung.
Ueber den Einjuss der Kalte tcahrend des Winters 1853
und 1854 auf die PJEunzen
machte Professor M a r t i n s in Montpellier interessante Beobachtungen. Er fand, dass eine Mauer einen wirkssmcrn Schutz gewiihre, als alle iiusseren Hiillen. E r fiihrt davon ein schlagendes
Beispiel an. Eine achtjahrige moeniz ductylifera, aus dem Versuchsgarten in Algier jm Jahre vorher von ihm mitgebracht, war
sehr gut angewachsen, sie stand ganz frci, nur nach Norden durch
einen Busch Cppressen und Maulbeeren geschiitzt. Er liess die
Blatter in Hiischel zusammenhinden, den Uaurn niit einem pyramidalen Dach iiberdecken und den Stamm rnit Decken umhiillen.
Kin mit dem Stamme in Beruhrung stehender Thermometer zeigte
9%. Alle ausseren Blatter waren abgestorben, das Herz war
gesund geblieben und es hat rnit der grossten h a f t ausgetrieben.
Zwei andcre Datteln standen vor des Verfassers Hause, nur von
Stroh umgcben, sie litten weniger. Eine Ihttelpalrne, in dem
Winkcl zweier hohen und nach Siidost gericlitctcn Maucrn im
ehemaligen Garten Gonan’s stehend und wiihrend des ganzen Winters sonst gar nicht beschiitzt, hatte von allen am wenigsten gelitten, nur die iiussersten Spitzen der l<lltter waren erfroren und
sie bluhete von Juni an. Am bestcn crtragen Pflaiizen mit fcsten
Blilttern, namentlich Conifercn, die durch -4usstralilung entsteliende
IGlte und die Rauhreife in der Gegend von Montpellier, und alle
Gewiichse, welche eine mittlere Sommerwiirme von 210 erfordern,
urn Muthen und Friichte hervorzubringcn, werden, wenn sic den
plotzlichen UebergHngen der Temperatur widerstehen k6nnen, sich
fur das Klirna von Montpellier eignen. Der Charakter der mittellindischen \\’inter ist niirnlich einc grosse Temperaturverscliiedenheit
zwischen Tag und Nacht, denn dss Thermometer fie1 in der Nacht
bis - 90 C., blieb dagegen am Tage wiihrend des ganzen Winters
8*
116
stets iiber Null. Die in der Nacht erkalteten Pflanzen konnen sich
so amTage wieder erw'krmen, wahrend in Paris der Frost zuweilen
anhaltend Tag und Nacht regiert. Langsam aber unvermeidlich
durchdringt er die Pflanzen, selbst wenn sie rnit Hiillen umgeben
sind. Die Temperatur aller ihrer Gewebe wird sich endlich rnit
der der Luft ins Gleichgewicht setzen, und wie ein Mensch, der
fahig ist, eine starke, aber kurz dauernde KAlte zu ertragen, einer
geringern, aber anhaltenden unterliegen wird, so bequemt sich auch
die Lebenskraft gewisser Pflanzen an die Uebergange, wird aber
nicht einer lange fortdauernden Kalte wideritehen konnen. Die in
Siiden so niitzlichen Schutzmittel, welche die Pflanzen gegen die
nachtliche Ausstrahlung beschiitzen, sind im Norden weniger niitzlich, wenn die Kiilte dauernd ist. I n Paris hat z. B. das Thermometer zwischen den 13. und 31. December zwischen +4,2 und 14OC. geschwankt, wiihrend 7 Tage ist es bestlndig unter Null
geblieben. Der Verfasser fuhrt eine langere Reihe von Pflanzen
vor, welche denwintcr 1854 im Garten von Montpellier mehr odcr
wcniger gut crtrugen, von denen Ref. nur einige namhaft machcn will.
1) Pflanzcn, welche diesen Winter ohne i r g n d einen Schutz
im Frcien aushielten und nicht zu den schon im uden Frankrcichs,
nur i n den hlrtesten Wintern, die ausnahmsweise auftreten, leidenden gehoren. Es sind darunter Pflsnzen, welche in ihrem Vaterlande pie Kaltegrade ertragcn, Pittospomm chinense, Tobira, Melianthua major, Camelia japoniea, Vitex Agnua castus, Arbutus Andrachne, Acacia Juli brussia, Poinciana GiUiesii, Lagerstroeniia
iradica, Styrax officinalis, Viburnum Tinus, Fahiana imbricata, Tamarix tetrandra, Cupressus torulosa, .pendula, Abies Pinsapo, Cedrus
Deadora, atlantica, Pinus canarienszs, Araucaria brasilianea, Sabal
Adansonii, Chamaerops humilis, Agave americana. Wnsserpflanzen:
!l%CThalia dealbata, ATdumbium qerifolium, Aponogeton distachycm,
Limnochaeris Humholdtii, Nuphar advcna, Pontederia cordata, Jussieua grandijlora.
2) Gewiichse, die an der Siidseite eincr Mauer oder eines Gebludes, sonst unbcdeckt aushielten,: Opuntia decipiens, Crreus peruvianus, Solanum jaminoides, Capparis spinosa, Nerium Oleander,
Rosa Banksiae.
3) Gewachse, welche fern von jedem Schutz, nur mit Deckcn
und Stroh hedeckt aushielten : Stilingia sebifera, Phoenix dacty
lifera (die ausfieren Hlltter der letzteren erfroren).
4) Gewiichse, welche von einer Mauer und mit Decken geschiitzt sich erhielten : Phytolacca clioictc, Dioclca glycinoides, Phoenix
dactylifera.
5) Gewachse, welche vor eiuer Mauer stehend, von eincm
Bretterdach bedeckt, und rnit Decken umhiillt aushielten: Citrus
Aurantium, Opuntia ficus indica, Echitrs suaueolens.
Die folgenden ganz oder theilweise voin Frost getodteten Pflanzen waren zum Theil lange im Garten im freien Lande cultivirt.
Seitdem M a r t i n s in Montpellier war, hatten sie ohne Gefihrdung
ertragen - S0,l am 27. December 1851, und - 7 0 3 am 28. Februm
1852, woraus man Rieht, dass sie mindcre ICiltegrade, etwa bis zu
80 C. ertragen konnen.
Ganzlich wurden getiidtet und zwar fern von jcdem Schutze:
My0 yrum laetum, Cnsuarina equisetifolin, Acacia longifolia, Acacia,
dealtCitrus Aurantium, Echites suaueolens, Capparis spinosa,
Eugenia australis, Acacia acanthocarpa.
Getodtet wurdcn, obgleich rnit DIchern und Stroh bedeckt :
Vereinszeihng.
117
Euphorbia dendroidee, Ricinua africanus, Opuntia j c u s indica,
Senecio scandens.
Aus der Wurzel schlugen wieder aus ohne allen Schutz im
freien Lande : Sophora aecundijEora, Ceratonia silipua, Pasat ora
coerulea, und a n der SiidReite einer Mauer: Cordza M i m , &us
mauritiana, Schinua Mohe, Hibiseus mutabilk, Lippia citriodora,
Acacia acanthocarpa, Laurus Camphora, Enjthrim Crista g d i etc.
(Bot. Ztg. 1855.p . 212.)
Homng.
Ueber das Verhalten der Kartofeln gegeniiber der Kravawleit.
Der Konigliche Garten -Director Herr L e n n B hat in den letaten Jahren verscbiedene Sorten von Kartoffeln cultiviren laasen
und iiber das Verhalten demelben gegeniiber der Krankheit der
Markisch 6konomiscben Gesellschaft zu Potsdam eine werthvolle
Mittheilung zugesandt, welche bier folgt.
Im unmittelbaren Zusammenhange mit der Konigl. Landesbaunischule zu Alt-Geltow bei Potsdam steht ein Versuchsfeld fiir
solche Gewaclise, die zu okonomischen oder industriellen Zwecken
dienen und empfohlen werden; sie werdeu hie+ eincr naheren und
eorgG1tigen Priifung unterworfen und nach Befund develben empfohlen und durch Mittheilung der gewonnenen ,5"amereien u. s. w.
moglichst verbreitet.
Eine besondere Aufrnerksamkeit ist neben vielen andern Gewiichsen der Kartoffel geschenkt; eine grosse Anzahl von Sorten
wurde gesammelt, wiederbolt cultivirt und geuau beobachtet, urn
ganz besonders diejenigen Sorten kennen zu lernen, die sich durch
ein Widerstehen gegen die Iinollenkrankheit sowohl, als such durch
andere vorziigliche Eigenuchaften einer allgemeinen Empfehlung
wiirdig zeigen.
Viele hochst interessante Beobachtungen und Resultate hat
diese nun schon mehrere Jahre fortgesetzte Cultur von nahe an
180 verschiedenen Kartoffelsorten gebracht, vide Sorten haben
die Probe bestanden und konnen zum Anbau aus Ueberzeugung
und Erfahrung empfohlen werden. Nach diesen Beobachtungen
uben die Form und die Farbe der Knollen, so wie die Reifzeit
einen wesentlichen Einfluss auf die Disposition fur die Krankheit
der Knollen aus, und aus der Zusammenstellung der Beobachtungen
der drei letzteu Jahre ergiebt sich, dass der Farbe nach a. von
weissen circa 1 / ~ , b. von rothen circa 1/10, c. von blauen keine der
Sorten erkrankte, mithin der Fsrbe nach die weissen Sorten die
am meisten empfanglichen fi die Krankheit sind.
Der Form nach erkrankten: (c. von rundlichen circa *Is, b. von
langen circa 'Is, c. von nierenfoirmigen circa 1/10 der Sorten, mithin
sind der Form nach die langen Kartoffelsorten die empfanglichsten
f i i die Krankheit.
Theilt man die Sorten nach ihrer Reifzeit in solche, die bie
Mitte August, und in solche, die nach dicscrZeit reifen, so ergiebt
sich aus der dreijiihrigen Uebersicht, dass a. von Sorten bis Mitte
August reifend circa 1/10, b. von Sorten nach dieser Zeit reifend
circa
der Sorten erkrankten, mithin die gossere Disposition zur
Erkranlrung auf dic Spatreifenden fdllt.
Ueber die Classifieirung der Kartoffeln ihrer Form nach bat
Hr. Z a r n a k folgende Mittheilung gegcben:
,Mit Leichtigkeit lassen sich siimmtliche Kartoffelsorten ihrer
Form nach in ,rundliche, ltigliclie, uiid nierenfcirmige' eintheilen.
118
.
Vereinszeitung
Z u den rnndlichen sind alle diejenigen
e u ziihlen, deren E n g e
und Dicke wenig verschieden, wenn such sonst die Form unregelmiissig ist. Die l i g l i c h e n Bind doppelt so lang und langer als
dick, meist in ihrer Normalform walzenfdrmig, nur zuweilen an
dem Ende, wo sie an der Mutterpflanze angeheftet sind, ein wenig
dunner, aber an dem, dem Anheftepuncte entgegengesetzten Ende
knrz abgerundet. Fast durchgehends haben die langlichen Sorten
sehr viele und sehr tiefliegende Augen, wodurch sie sich besonders
von den Nierenkartoffeln unterscheiden. Die Nierenkartoffeln sind
gleichfalls um das Doppelte langer als dick an dem Ende, wo sie
angeheftet s i n 3 steta zugespitzt, am anderen Ende mehr oder
weniger stark a gerundet, meistens etwas gebogen; dabei haben sie
sehr wenige und sehr flachliegeude Augen, was der Knolle stets
ein sehr glattes Ansehen giebt. Nach sorgfaltiger Durchsicht der
Kartoffelsorten (186) fand sich unter den linglichen oder nierenfiirmigen keine einzige, bei der sich ein Zuspitzen der Knolle an
dem, dem Anheftepuncte entgegengesetzten Ende als Normalform
nachweiaen liess, nur bei einigen nierenfdrmigen Sorten f n d e n
sich euweilen einige, die am erwahnten Ende sich abermals verjiingten, dies maren jedoch nur Ausnahmen von der Normalform.
Dagegen sind unter den rundlichen Sorten mehrere, bei denen ee
fast scheint, als ob ein Vorjiingen nach dem, dem Anheftepuncte
entgegengesetzten Ende normalmassig sei. Dass die Form der
Knolle auf daa Erkranken Einfluss ha$ scheint unzweifelbaft. Die
hiesige Sammlung, der Form nach i n die 3 erwilhnteu Abtheilungen
gebracht, ergab in Bezug auf das Erkranken der Knollen im Herbste
1853 folgcnde Resultate:
Von 133 Sorten runder Kartoffeln erkrankten 13 Sorten
, 35 ,, langlicher ,,
n
13 n'
,, 18 , nierenform. ,
n
1 n
Bemerkt wird hierbei noch, dass die runden Sorten i n einem sehr
geringen Grade und nur an einzelnen Knollen erkrankt waren, so
dass bei ihnen allein die griisste Aufmerksamkeit das Auftreten
der Krankheit entdecken konnte und Verluste dadurch gar nicht
verursacht wurden. Die langlichen dagegen waren in einem solchen
Grade erkrankt, dass bei mehreren Sorten 10-15 Proc. von vorn
herein verloren gingen. Nach allen hier gesammelten Notizen
scheint es fast, als ob alle diejenigen Sorten die sehr viele und
tiefliegende Augen haben, am starksten zum drkranken hinneigen.
Eine besondere Empfehlung verdienen nun von den cultivirten
Sorten :
a. S p e i s e k a r t o f f e l n .
Weisse englische Rostbeaf ................ weiss, rundlich,
runde friihe engl. Treibk.
desgl.
friihe Londonk..
desgl.
desgl.
fruhe Mausek.
Braunschweiger Zuckerk.
desgl.
deagl.
hollandische Zuckerk.
friuhe Wschsk..
desgl.
Familienk. ..............................
desgl.
weiss, nierenfdrmig
friihe ,fitbeetk.
Friihlings Cantoloup
desgl.
friihe niedrige rothe.
roth, rundlich
Donna Maria
roth, nierenfdrmig
Mausek
desgl.
blaumarmorirte
blau, rundlich.
................
.........................
...........................
.................
....................
..........................
.........................
.....................
.....................
............................
..................................
..........................
Vereinszeitung.
119
Die friihe Mistbeetkartoffel, ganz besonders aber die zuletzt
genannte, zeigten sich steta ah die vorzuglichsten Friihkartoffeln.
b. F u t t e r k a r t o f f e l n .
weiss, rundlich
Grosse Rohan
Lammers Sechs .Wochen
desgl.
Lumpers..
weiss, lang
Liverpooler ..............................
desgl.
gelb, lang
grosse, yon Montevideo
nierenfbrmig
Arakatsche
rothe Wetz de St. Jaase- ten-Noode ....... roth, rundlich
Kartoffeln von Tournay
roth, lang
desgl.
grosse Orange
desgl.
grosse rothe von der amerilr, Westkiiste
blau, rundlich.
grosse blaue Amerikanische
Hierbei ist es wohl selbatredend, dam viele von den als ,,Speisekarrtoffeln" aufgefuhrten ebenfalls zu andern wirthschaftlichen
B.
Zwecken sehr tauglich sind. (Landzo. Ztg. 1854.)
............................
.................
...............................
...................
..............................
..................
...........................
...
...............
Chinesische Zuckerpflanze.
Der Chef im Ministerium fir Landwirthschaft, Handel und
Sffentliche Arbeiten zu Paris, Hr. Bloch, welchen das Kijniglich
Preussische Landes-Oekonomie-Collegium zu seinem Correspondenten
ziihlt, hat dem Collegium Samen einer neuen Zuckerpflanze zugesandt, von welcher man industriellen Erfolg erwartet. Das Collegium hat den Samen zu Culturversuchen vertheilt, so daas im
niichsten Herbste sichere Resultate envartet werden diirfen. Die
Pflanze, welche man ,,Chinesische Zuckerpflanze" nennt, ist der
schon friiher bekannt gewordene und angebauete Nolcus sacdaratw
und diirfte als Rivalin der Runkelrube fur die Zuckerproduction
eine Zukunft haben*). (Wir theilen diese Hoffnung nicht! S-1.)
Homung.
(Bot. Ztg. 1854. p. 6Of.)
Ueber eine Varietdt
Leinsamen.
W. P r o c t e r , welcher 14 englische Meilen ostlich von Picqua,
Miami County Ohio wohnt, erhielt den reifen Samen eines Stengels
mit weissen dluthen auf einem Leinfelde von E v e r i n g h a m gefunden, der sich vom gewohnlichen Leinsamen sogleich unterschied.
Der Samen hat eine griingelbe Farbe und sieht auf den ersten
Blick faat aus wie Canariensaat. Zerreibt man den Samen mit
Waaser im Morser so bekommt man einen dicken Schleim, der
wie gewohnlicher Leinsamenschleim riecht, aber eine vie1 hellere
Farbe hat. Aus 100 Theilen Samen zog Aether 32 Theile Oel
aus. Derselbe scheint sich dahcr nur durch den Mange1 des braunen Farbstoffes vom gewohnlichen zu unterscheiden. (New- York
Journ. of Phann. V.3. - Chem.pharm. Centrbl. 1835. No. 20.) B.
*) Neuere Berichte iiber die Zuckerhirse, Holeus sacchar&,
lassen dieselbe nicht als Rivalin der Runkelriibe auftreten,
dieselbe wird jedoch als ein ausgeseichnetea Futtermittel fiir
daa Vieh geriihmt.
D i e Red.
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