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Zur sanittspolizeilichen Revision technischer Gewerbesttten.

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Hirschberg,
80
Znr sanitltspolizeilichen Revision technischer
- Gewerbestiitten;
yon
A. H i r s ch b e r g i n Sondershausen *).
Seit dem Jahre 1859 sind in hiesigem Lande periodisch wiederkehrende sanitatspolizeiliche Revisionen technischer Gewerbestatten eingefuhrt worden, bei denen das
classische Werk ,,Handbuch der Sanitatspolizei von Dr.
L. P a p p e n h e i m als Grundlage gedient hat.
I n Folgendem werden die Gesichtspuncte entwickelt,
welche unter Beriiclrsichtigung der localen Verhaltnisse
bei einigen dieser Revisionen maassgebend gewesen sind
und hieran die Erfahrungen geknupft, welche hierbei
resultirten.
I. Kanfllden, Material nnd Droguen-Bandlungen.
I . Wie ist die Absonderung der Gifte, der giftigen
oder schhdlichen Farben oder sonstigen derartigen Materialien, ferner die der Phosphor-Ziindrequisiten von den
iibrigen Waaren durchgefiihrt ?
2. Wie und wo sind die Salztonnen placirt, aus
welchem Material sind die Wagen, Messgefasse und
Schopfkellen, welche beini Verkauf des Salzes in Anwendung kommen; wie sind dieselben gehalten und wo
werden die Gewichte zum Salzverkauf aufbewahrt ?
3. Bus welchem Material sind die Gefasse und Utensilien zum Zapfen und Messen des Brannteweins, des Essigs und der Liqueure, wie sind dieselben gehalten?
4. Auf ihre Unschadlichkeit zu untersuchen sind
u. A. Cichorien, sogenannter Gesundheitskaffee, Schnupftaback, Oblaten, Essig, Branntewein, Pflaumenmus, eingemachte Gurken, Sardellen, Citronat u. dgl. m., ferner
die Farbe der Papiere und der Stanniol, in welchen die
Waaren verpackt sind.
5. Das Verzeichniss oder die Preisliste der Waaren
ist einzusehen, urn ails denselben oder auf sonst geeignete
-
*) Vom Hewn Verfasser
ilri
Mai 1865 eingesendet.
D. Ked.
sanitatspolizeilic7e Revision technischer Gewerbeetiitten.
81
Weise zu entnehmen, ob oder in welcher Ausdehnung
die hier in Rede stehenden Gewerbetreibenden auf daa
M efdic i n a1 g e b i e t ubergreifen.
Bei den hier einschlagigen Revisionen ward die Aufmerksamkeit besonders darauf gerichtet, wie ausser der
Absonderung der Gifte, Farben und Metallsalze von den
iibrigenwaaren, die der Phosphor-Ziindrequisiten und Ziindhiitchen von den Nahrungsmitteln durchgefiihrt worden.
Es fand sich mehrfach, dass beide Waaren SO placirt
waren, dass eine Verunreinigung der unterhalb stehenden
Nahrungsmittel wirklich statt gefunden hatte. Die Phoephorziindholzer diirfen nur in kleineren Quantitaten im
Laden und zwar in o f f e n e n Stein- oder Metallgefassen
aufbewahrt werden, wahrend dcr grossere Vorrath in
einer trocken gelegenen Niederlage, abgesondert von den
iibrigen Waaren, unterzubringen ist. Diese Anordnung
wird namentlich in den landlichen Hokerliiden, wo oft in
den diirftigsten Localitaten ein wirres Durcheinander der
verschiedenartigsten Verkaufsartikel anzutreffen ist, mit
Strenge aufrecht zu erhalten und die Befolgung durch
die Ortspolizeibehorde zu controliren sein.
Das Salz wird gewohnlich in grossen, mit Deckel
versehenen Kisten oder Tonnen aufbewahrt und aus denselben im Einzelnen verkauft. Der Behglter muss dicht
gefugt sein und der Deckel einen iibergreifenden Rand
h b e n ; die Schopfkelle zum Salz, so wie die Wagschale,
in welchem das Salz verwogen wird, miissen von H o l z
sein. Zur Wagschale wird ein festes Holz genommen,
welches vor der Verarbeitung gut mit L e i n o l f i r n i s s
getrankt worden; die Schale zur Aufnahme der Gewichte
kann von W e i s s b l e c h sein, die Schniire an den Wagschalen sind von H a n f s t r i c k e n , welche mit Leinijlf i r n i s s gut getrankt worden, herzustellen. Bei den Revisionen fanden sich meist beide Wagschalen von Weissblech, in einzelnen Fallen auch von K u p f e r mit messingenen oder eisernen Kettenschniiren in nicht sauberem
und stark oxydirtem Zustande vor. Zweckmassig wird
Arch. d.Pharm. CLXXV. Bds. 1.u. 2. Hft.
6
82
Hirsch berg,
die Wage nicht i i b e r , sondern n e b e n dem Vorrathsgefiiss ange bracht. In dem ersteren gewohnlichen Falle
steht der Salzkasten fast immer offen und ist der Inhalt
nicht vor Verunreinigungen geschiitzt.
Die beim Salzverkauf zur Anwendung komnienden
Qewichte durfen nicht, wie es rneist derFall ist, i n n e r h a 1b des Vorrathsgefasses, sondern miissen n e b e n demselben aufgestellt werden.
Die Trichter ZUIX Einzelnverkauf des Brannteweins
sind in der Regel unpassend von M e s s i n g b l e c h und
mit einem in der Mitte des Trichters festgelotheten Siebboden versehen. Die innere Seite des Trichters, namentlich aber dieser Siebboden und der unter demselben befindliche Theil des Trichters, sind dann stets mit einer
dicken Oxydlage uberzogen. Die niessingenen Trichter
sind durch zinnerne zu ersetzen.
Es wurden verschiedene Sorten Branntewein auf etwaigen Kupfergehalt untersucht und in einigen, namentlich in den fiiselhaltigen, solches nachgewiesen.
Der E s s i g , in der Regel mehr oder weniger verdiinnter B r a n n t w e i n e s s i g , in einzelnen Fallen auch
M a1 z e s s i g , ward durchgehends frei von beigemischten
fremden 88uren oder sonst gesundheitsschadlichen Beimischungen gefunden. Gemasse und Trichter aus meist
schlechtgehaltenem Blech, sind durch h o l z e r n e ersetzt
worden. Diese sind, wenn das Material passend gewahlt,
hinreichend haltbar und billig herzustellen und den aus
oft stark bleihaltigem Zinn gefertigten Utensilien vorzuziehen.
Der S ch n u pf t a b a c k ist in Glas- oder Steingefassen
aufzubewahren und darf nur in h o r n e r n e n Wagschalen
verwogenundmit h o l z e r n e n oder h o r n e r n e n L o f f e l n
behandelt werden. Verpackung desselben in B 1e i - oder
Z i n n f o 1i e ist hierorts verboten, die mit zwischenliegender Guttapercha - Verpackung in Zinnfolie zwar ebenfalls,
wird aber, nachdem die Zinnfolie als bleifrei erkannt
worden, geduldet. - I n Riicksicht auf die Wahrnehmung,
sanitatspolizeiliche Revision technischer Gewerbestatten. 83
dass der in Metallfolie verpackte Schnupftaback vielfach
bleihaltig, wurden im Jahre 1859 30 Proben, im Jahre
1862 103 Proben, im Jahre 1864 endlich 51 Proben untersucht. Unter den ersteren fanden sich z w e i s t a r k
b l e i h a l t i g , eine andere ergab K u p f e r und zwar in
120 Gran 0,007 Kupferoxyd, eine dritte Spuren desselben. Unter den 103 Proben waren zwei, unter den 51
Proben eine, und zwar aus alterer Verpackung herriihrend, bleihaltig, der verhaltnissmassig geringe Bleigehalt
der verunreinigten Proben durfte die Vermuthung des
a b s i c h t l i c h e n *) Zusatzes ausschliessen. Sammtliche
Proben waren s t a r k e i s e n h a l t i g und fand sich i n der
Asche derselben eine unverhaltnissmiiisig grosse Menge
K a l k . Der Kupfergehalt diirfte aus dem bisweilen zur
Farbung desTabacks oder des demselben wohl auch zugemischten Steinklees verwendeten Eisenvitriols, kann
aber auch aus der Behandlung des Tabaclrs in kupfernen Gefassen herstammen.
C i d o r i e n , C o n t i n e n t a l - und G e s u n d h e i t s k a f f e e und andere dergleichen K a f f e e s u r r o g a t e I
C h o k o l a d e u. a. pflegen in gefarbten Papierhullen, oft
mit schimmernden Etiquetten versehen, verpackt eu sein.
Eine Untersuchung solcher Papiere und Etiquetten ergab
Folgendes:
1. C i c h o r i e n , 3 Sorten: blaues, in der Masse gefarbtes Papier - unschldlich; gelbe Etiquetten - Farbe
Ch r o m g e 1b , b 1e i h a 1t ig.
2 . E x t r a f e i n e r C o n t i n e n t a l k a f f e e : gelbes Papier - b l e i h a l t i g .
3. G e s u n d h e i t s k a f f e e , 2 Sorten: rothes Papier
mit gelben Etiquetts - b e i d e s b l e i h a l t i g .
4. C o n t i n e n t a l k a f f e e : blaugrunes Papier - k u pf e r h a l t i g.
5. und 6. D e u t s c h e r K a f f e e ; e x t r a f e i n e r Q e *) Absichtliche Beimischung vou Bleigehalt diirfte wohl nicht
B.
vorkommen.
6"
84
Iiirschberg,
s u n d h e i t s k a f f e e : rothbraunes Papier rnit schwarzem
Stempel - unschadlich.
7. Cafe. du continent: rothes Papier, schwarzer Stempel - unschadlich.
8. F e i n f e i n G e s u n d h e i t s k a f f e e : hellbraunes
Papier rnit schwarzem Stempel - unschadlich.
9. F e i n s t e s K a f f e e s u r r o g a t : rothes Papier mit
gelbem Etiquett - b e i d e s b l e i h a l t i g .
10. G e s u n d h e i t s k a f f e e : gelbes Papier - b l e i h a l t i g ; schwarzer Stempel - unschadlich.
11. C i e r m a n i s c h e r K a f f e e : griines Papier
k u p f e r h a l t i g ; Tother Stempel - b l e i h a l t i g ; am
Schluss rothes Papier - b 1e i h a1 t i g, schwarzer Stempel - unschadlich.
12. B r u s t c a r a m e l l e n ; rotherUmschlag - s t a r k
b 1e i h a l t i g.
13. B e s t c Z u i k e r y C i c h o r i e ; blauPapier, schwarzer Stempel - beides unschadlich.
14. F e i n p r a p a r i r t e r C a c a o - T h e e ; griines Papier - a r s e n - und k u p f e r h s l t i g .
Verwerflich sind ferner die in der lfasse init Ch r o m g e l b gefiirbten P a p i e r s a c k e , um in denselben Nahrungsmittel fur Menschen abzugeben.
M e n n i g r o t h g e f a r b t e O b l a t e n gaben beimVerbrennen ein B 1e i k o rn. Cochenilleroth verbreitete auf
gluhende Kohlen gestreut einen starken Knoblauchgeruch.
- Bei der Untersuchung der Farben auf Arsen ward die
Farbe mit Ammoniak ausgezogen, dann rnit Chlorwasserstoffsaure ubersattigt und die bis sum Kochen erhitzte
Fliissigkeit mit metallischem Kupfer behandelt.
II. Die Waaren und Utensilien der Conditoren, Zuckerbicker, Chokoladefabrikanten, Pfefferkiichler and Liqueur - Fabrilcanten.
Bei ihnen sind zu beachtell:
1. Die F a r b e n d e r g e f a r b t e n W a a r e n .
2. Die F a r b e n d e r P a p i e r h i i l l e n und P a p i e r s c h n i t z e l , in welche die Waaren verpackt werden, eben
so die der P a p i e r e , mit welchen die Schachteln zu den
-
sanitiitspolizeiliche Revision technischer Gezoerbestatten.
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Waaren a u s g e k l e i d e t sind. Die F a r b e n d e r L i q u e u r e , ferner der S t a n n i o l und die Zusammensetzung
der sonst hier zur Verpackung verwendeten Me tal If o 1i e;
die Farben der F r u c h t s i i f t e , F r u c h t g e l h e s und L i m o 11 a d e n.
3. Das Material und die Haltung der Gefisse und
Utensilien zur Bereitung des E i s e s und der L i m o n a d e n ; die Messgefgsse und sonstigen Utensilien zum Verkauf der Liqueure.
4. Sind Waaren oder Praparate vorrathig, welche
als a n g e b l i c h e H e i l r n i t t e l gegen Krankheiten angepriesen, resp. verkauft werden?
5. Sind die flaschenweise eum Verkauf gestellten
L i q u e u r e mit Etiquetten versehen, welche den Inhalt
der Flaschen und die Firma des Fabrikanten tragen ?
Die hier untersuchten Farben erwieseri sich durchgehends als unschadlich und diirften die Anilinfarben,
nachdem in denselben ein billiges, leicht anzuwendendes
und in der hier in Frage kommenden Verdunnung jedenfalls unschadliches Farbematerial dargeboten wird, die
bisher angewandten Farbungsmittel immer mehr verdrangen, nicht zu gedenken, dass die fortschreitende Technik
der Fabrikation der Anilinfarben, diese der Bestandtheile
(vor Allem des Arseniks) entkleiden wird, welche ihre
Verwendung bisher in manchen Fiillen bedenklich erscheinen liess. Zum Roth wurde und wird noch eine mit
Zinnsalz aus Fernambukholz oder Cochenille-Auszug niedergeschlagene Farbe verwendet, von welcher schadliche
Wirkungen nicht bekannt geworden sind.
F e i n e r e C o n f i t i i r e n sind vielfach mit Farben
organischen Ursprungs gefarbt, welche in fester und flussiger Form aua Frankreich und der Schweiz bezogen
werden, von prachtvollem Ton, luft- und lichtbestandig
sind und deren Fabrikation geheim gehalten wird. Ebenso
sind die yon dorther bezogenen, in der Masse gef&r&n
Enveloppes beschaffen. Die Schachteln, in denen solche
Confituren mitunter in den Handel gebracht werden, wa-
86
HirschBerg,
ren, bevor der Schwerspath zum Glaciren des Papiers
Verwendung gefunden, fast durchgangig mit w e i ss e m ,
m i t B l e i w e i s s g l a c i r t e m P a p i e r ausgekleidet. Gefarbte Papierschnitzel zum Verpacken der Waaren sind
meist Abfalle der so eben erwahnten bunten Papiere.
Anders verhalt es sich mit den bunten Papieren, in
welche die Z u c k e r b a c k e r und P f e f f e r k u c h l e r ihre
Fabrikate, welche sie fur die weniger wohlhabenden Classen der Bevblkerung, fur die landliche Bev6lkerung und
namentlich auf den Jahrmarkten feil bieten, zu verpacken
pflegen. Hier komiyen nicht allein zu P a p i e r d u t e n ,
sondern auch z u m E i n w i c k e l n d e r B o n b o n s u.dgl.
fast n u r P a p i e r e vor, welche m i t Blei- und K u p f e r f a r b e n g e f a r b t s i n d , und da die Innenseite solcher Papiere vielfach mit der Farbe der Aussenseite beflcckt ist, so liegt die Gefahr der Verunreinigung der
Waare nahe. In anderer Weise tritt derselbe Fall ein,
wenn die verpackten Waaren, wie oft, N e i g u n g z u m
F e u ch t w e r d e n haben, und klingt es wahrhaft komisch,
wenn derart verpackte hygroskopische Fabrikate dann in
den potnphaftesten Anpreisungen als g e g e n a l l e r l e i
B e s c h w e r d e n w i r k s a m empfohlen werden. Wie in
den meisten deutschen Staaten, so sollen gesetzlich auch
hierorts zu genannten Zwecken zwar nur solche Papiere
verwendet werden, welche mit Saft- oder sonst unschadlichen Farben gefarbt sind, so lange aber nicht die Buntpapier - Fabrikanten und -Handler ihre Fabrikate und
Handelsartikel dieser Vorschrift gemass herstellen, so lange
wird, wie die tagliche Erfahrung lehrt, die Controle
schwer, j a fast undurchfuhrbar bleiben.
(Die griinen arsenhaltigen Farben sind auch dern
grasseren Publicum nach und nach so verdachtig geworden, dass deren Anwendunginder T a p e t e n f a b r i k a t i o n
und zur Farbung von K l e i d e r s t o f f e n immer seltener
wird. Dagegen floriren dieselben noch fortwahrend auf
vielem w e i b l i c h e n K o p f p u t z , indess auch hier fast
durchgehends in Stearin incorporirt, ' in welcher Form
sanitiitspolizeiliche Revision technischer Gewerbestiitten.
87
eine nachtheilige Wirkung derselben weniger zu befiirchten ist.)
Die beiRercitung desrc'rucht-, V a n i l l e - und s o n s t i g e n dgl. E i s e s zur Verwendung kommenden z i n n e r n e n G e f a s s e diirften namentlich ,jet&, wo die Centrifiige vielfach hei Gefrieren der C r h e s in Anwendung
gebracht wird, bei sanherer Haltung kaum zu Redenken
Anlass geben. Wenn aber das Gemisch zu Milch-Cr6mes, bevor es in die Form gebracht wird, eine Xncht
iiber stehen bleibt, so ist es vorgekommen, dass unter
gewissen Ternperatur- und Luftfeuchtigkeits-Verhaltnissen
die Obertlache desselben fiich rasch mit mikroskopischeri
Schimmel -Vegetationen bedeckt, welche auch das Innere
der Masse durchsetzen und beini Genuss solchen Ekes
die Wirkungen hervorbringen kiinnen, auf Grund deren
in den letxten Jahren solche Eissorten Gegenstand gerichtiich-cheniischer Untersuchung geworden sind.
111. Bierbranereien, Bierlagerkeller, Bierschankstatten.
A. B i e r b r a u e r e i e n , B i e r 1 a g e r k e 1 ler.
I. Physiognomie und Haltnng der E t a b l i s s e m e n t s
im Allgemeinen.
2. Aus w e l c h e m M a t e r i a l siiid die B r a u p f a n n e n
und Kii h l a p p a r a t e hergestellt, und wie sind diese Utensilien gehalten?
3. Wie ist die Heschaffenheit der V e r b i n d u n g s r o h r e n , K i i h l r o h r e n , S e i h e r , Z a p f e n u. dgl.?
4. Wie ist die Stellung der M a i s c h b o t t i c h e , der
Braupfannen nnd der Kiihlapparate nach der Localitat nnd
zu einander?
5 . Wie ist die M a l z t e n n e , wie die D a r r e und
der M a l z b o d e n beschaffen und gehalten?
6. Woher wird das W a s s e r eum Hrauen entnommen?
7. Kann dasselbe ohne Weitercs oder erst nachdem
es abgekocht oder sedimentirt worden, gebraucht werden?
8. Welehe G e r s t e n s o r t e n werden zum Mala verwendet, anf welchem Boden sind dieselben erwachsen,
88
Hirschbe rg,
werden dieselben in grosseren Parthien angekauft, findet
beim Wachsen verschiedener Sorten ein Unterschied statt
und wie verhalten sich beim Maischen die gemischten
Sorten? Wird helleres oder dunkleres Malz dargestellt,
und wie verhalt sich das aus diesen verschiedenen Modificationen hergestellte Jungbier heim Gahren?
9. 1st der G a h r k e l l e r an der Brauerei oder von
derselben entfernt belegen; auf welche Weise wird in
letzterem Falle das Jungbier in den Gahrkeller geschafft,
welche Temperatur hat derselbe und wohin rniindet derselbe nach Aussen?
10. Wie ist der L a g e r k e l l e r beschaffen und gehalten, ist derselbe in Fels gehauen, durch Mauerwerk
unterstutzt oder aus solchem hergestellt ? Bildet derselbe
eine gerade Flucht oder sind Abzweigungen vorhanden ?
Wohin mundet derselbe nach Aussen?
Wie hoch ist die Temperatur des Kellers im Fruhjahr, wie hoch im Sommer, wie ist die Luft in demselben beschaffen? Wird die Temperatur durch Eis regulirt
und wie ist der Eisbehalter construirt und belegen?
Sind die Fasslager von Stein oder von Holz? Liegen die Fasser neben einander oder ein jedes in einer
besonderen Abtheilung?
Wie sind Gewolbe und Sohle des Kellers beschaffen
und gehalten; ist fur das Spiilwasser eine Abflussrinne
vorhanden oder wie wird dasselbe sonst aus dem Keller
geschafft ? Disponirt Temperatur und Feuchtigkeit des
Kellers das Holz der Fasser und Fasslager zum S c h i m m e l n und wie wird dasselbe hiergegen geschutzt? Wie
ist das Luftloch des Kellers construirt?
B. B i e r s c h a n k s t a t t en.
1. E i n r i c h t u n g und Haltung des Etablissements
im A l l g e m e i n e n .
2. Wird s e l b s t g e b r a u t e s oder g e k a u f t e s B i e r
verschenkt? Wird in letzterem Falle das Bier ausgegohren oder ungegohren auf das Lager genommen? Wie
sanitutspolizeiliche Revision technischer Gewerbestutten.
89
gross sind die Gebinde, aus denen das Schenkbier verzapft wird und aus w e l c h e n i M a t e r i a l sind die Z a p f e n
und Gem a s s e zu demselben, wie sind dieselben gehalten ?
3. Unter welchem Theile des Gebaudes liegt der
Keller, von welchen Gebauden und sonstigen Localitiiten
wird derselbe von Aussen begrenzt? Wie ist das Gewolbe und die Sohle desselben beschaffen und gehalten,
wie hoch ist die T e m p e r a t n r , wie die L u f t in demselben, ist hinreichender Gegenzug vorhanden? Wie wird
die R e i n i g u n g desselben bewirkt, wie sind dic Fasser
uncl Fasslager gehalten? Werden in oder neben dem
Lagerkeller fur das Bier noch andere Materialien und
welche aufbewahrt ; wohin miindet derselbe nach Aussen?
Eine Verordnung des Furstl. Ministeriums vom 7. Juni
1860 verbietet den Verkauf von s a u r e m u n d s o n s t
v e r d o r b e n e m odervon s o g e n . w i e d e r g u t g e m a c h t e m B i e r bei entsprechender Geld- oder Gefangnissstrafe.
Dergleichen Bier sol1 entweder confiscirt oder durch Zusatz von Salz oder Asche denaturirt werden.
Gleiche
Strafen oder Nachtheile treffen Diejenigen, welche solches
Bier auf Lager oder in oder bei Schanklocalen haben
oder den Besitz desselben verheimlichen. Vergehen im
Ruckfalle ziehen Verdoppelung der Strafe und nach Befinden Concessions - Entziehung nach sich.
A. Das Bier, namentlich das Lagerbier, hat in den
letzten Jahrzehnten als Qenussinittel sowohl, als auch
als sociales Element eine solche Bedeutung angenommen, dass hier die sanit#tspolizeiliche Controle namentlich seit der Zeit geboten erscheint, wo das Brauereigewerbe in den meisten Staaten ein rnehr oder weniger
freies geworden ist.
In Bayern, wo bisher alljiihrlich der Gehalt des untergahrigen Bieres gesetzlich festgesetzt wird, erstreckt
sich diese Controle
1. auf g e s u n d h e i t s s c h a d l i c h e Biere im Allgemeinen,
2. , g e r i n g h a l t i g e ,
30
Hivschberg,
3. auf a l t e r i r t e ,
v e r d o r b e n e Riere, und zwar ob mit oder obne
Schuld des Brauers.
Die chemische Untersuchung hat beztiglich des ersten Punctes in neuerer Zeit zwar brauchbare Anhaltspuncte dargeboten, urn die theilweise Ersetzung des Hopfens durch distinct narkotische Stoffe nachweisen zu
konnen, aber es ist zur Zeit eine noch ungeloste Aufgabe,
a 1l e die vegetabilischen Stoffe auf analytischern Wege
b e s t i m m t nachzuweisen, welche wirklich oder vermeintIich als Ersatzmittel des Hopfens verwendet werden. Gewissenlose Brauer werden hiernach irnmer noch im Stande
sein, ihr betriigerisches Thun fortzusetzen, ohne dass die
oft begrundeten Klagen des Publicums durch po s i t i v e
Resultate der chemischen Untersuchung bewahrheitet werden konnten. Auf der andern Seite ist aber auch nicht
ausser Acht zu lassen, dass wenn ein Bier n i ch t g u t
h e k om ni t ", dies nicht immer als Beweis der Verfalschung
desselben angesehen werden diirfe. Ein Bier liann ails
den besten Materialien eingebraut sein und wenn dessen
Alkohol-, Hopfenbitter- und Malzextractgehalt nicht in angemessenem Verhaltniss zu einander stehen, dennoch selbst
niassig genossen, ,,schlecht bekommen ". P r e ch t 1 sagt
in seiner ,,T'echnologischen Encyklopadie" 11. 134.: ,,Ftir
die Qualitat des Rieres giebt es keinen Stillstand; wenn
es aufhiirt besser zu werden, so beginnt die Periode sziner Verschlechterung : der Zuckerstoff ist dann entweder so weit erschiipft, dass die Essiggahrung ihren Anfang ninimt, wenn noch Ferment vorhanden ist, dos
Bier wird s a u e r , odqr es ist dns Ferment erschopft,
obgleich noch Zucker vorhanden ist, und es verliert sich
die Kohlensaure, das Bier wird s c h a a l , wenn es nicht
in vollkommen luftdichten Gefassen sich befindet".
Das s a u e r 1 i che B i e r wird bekanntlich durch einen
Zusatz v o n N a t r o n b i c a r b o n a t wieder ,,gutgemacht'
und werden hierzu unglaublich grosse Mengen dieses Satzes verbraucht, entschieden nachtheilige Wirkungen nach
4.
sanit8tspolizeiliche Ii'evision technischer Gewerbestb'tten.
91
dem Genuss eines derart entsauerten Bieres aber nicht
wahrgenommen; doch wird dasselbe, besonders wenn
grossere Mengen entsauert worden, in verhaltnissmassig
kurzer Zeit vollstandig ungeniessbar. Der sussliche Geschmack und Geruch, die dunklere Farbe, der zahe Schaum
und eine Klarheit, welche von der Glanzhelle eines gesunden Bieres sich wesentlich unterscheidet, konnen als
ausserliche Zeichen einer Kiinstelei angesehen werden,
deren positiver Nachweis durch die Untersuchung der
Asche des verdachtigen Bieres ausserdem zu erbringen
ist. Zu bemerken bleibt, dzss dies G u t m a c h e n besonders beim L a g e r b i e r vorkommt.
Um beurtheilen zu k h n e n , ob ein (Lager-) Bier mit
oder ohne Schuld des Brauers verdorben ist oder dem
Verderben rasch entgegen geht, sind die ausseren und inneren Bedingungen, unter denen dasseIbe gebrant worden, gegohren und gelagert hat, in Betracht zu ziehen.
Als aussere Bedingungen sind hier die Puncte A 1 - 5,
als innere die A 6-9
zu berucksichtigen.
Die in neuerer Zeit errichteten Brauereien erfullen
in der Regel diese Bedingungen, anders ist es aber bei
den alteren Brauereien, namentlich bei den kleineren
Dorfbrauereien. Hier geben die Revisionen denn auch
den Besitzern oder Benutzern derselben in der Regel
willkommenen Anlass, durch Belehrung und guten Rath
Missbrauche zu beseitigen und auf Eirihaltung eines rationelleren Retriebs hinzuwirken.
In den Stadten sind die alteren Rrauereien vielfach
in verhaltnissmassig engen Strassen belegen, es m a n g e 1t
i n d e n s e l b e n o f t a n L u f t u n d L i c h t und ist deren
Einrichtung mehr auf ober- als auf untergahrige Biere
berechiiet. I n erhohtem Grade gilt dies aber fur die
meisten Dorfbrauereien, in denen zwar in der Regel nur
obergahriges Bier gebraut wird, wo aber bei den mangelhaften Einrichtungen das Gerathen des Gebraues mitunter von Zufglligkeiten abhangt, welche der Wirth oder
der die Branerei betreibende Xrbeiter, welche Beide nicht
92
Hirsch berg,
immer gelernte Brauer sind, selten zu beherrschen vermogen, wenn auch schon eine gewisse gluckliche Empirie hier zuweilen uber Schwierigkeiten hinweghilft, an
denen ein rationeller Betrieb oft scheitert.
Um in solchen Localitaten dem Mange1 an Licht
und Luft abzuhelfen, empfiehlt sich eine Aufsattelung des
meist zu flacLen Daches, in welcher seitliche Oeffnungen anzubringen sind, im Dache selbst die Anbringung
moglichst vieler Glasziegel an verschiedenen Stellen desselben. Durch letztere Einrichtung wird nicht allein der
Verkehr im Inneren des Gebaudes ‘erleichtert, sondern
auch eine der Bedingungen entfernt, unter der sich in
der feuchtwarmen Luft und dem Halbdunkel der Brauereien leicht Schimmel oder solche niikroskopische Gebilde bilden, welche die Luft verderben und so zur Sauerung und dem Umschlagen des Jungbiers die erste Veranlassung geben. Aus demselben Grunde ist darauf zu
halten, dass die Brauereilocalitaten f r e i von S p i n n e n g e w e b e n und uberhaupt derart reinlich gehalten werden,
dass sich nirgends Cruditaten ansammeln. Die Sohle der
Brauerei muss, wenn nicht mit Asphalt oder durch Cement verbundenen Steinplatten ausgelegt, doch aim regelmassig gefugtem Steinpflaster hergestellt und eine Neigung nach der zum Abfluss des Spulwassers bestirnmten
Rinne haben.
Die B r a u p f a n n e n sind in derRegel von K u p f e r ,
bei nicht sauberer Haltung konnen die Oxydationsproducte desselben bekanntlich schadlich fur das Bier als
menschliches Genussmittel werden. Gusseiserne besser
noch schmiedeeiserne Pfannen sind den kupfernen vorzuziehen; wenn dieselben erst einen Ueberzug von Bierstein angenommen haben, SO wird das Braugut nicht
mehr geschwarzt und ist es, um dies abzuwenden, hinreichend, einige Absude von Nachbier in den neuen Eisenpfannen zu machen. Eiserne Pfannen empfehlen sich
aber noch aus der Rucksicht, dass dieselben mit Steinkohlen geheizt werden konnen.
sanitatspolizeiliche Revision technischer Gewedestatten.
93
Die Pfanne sol1 moglichst hoch und wenn rnit dein
Kuhlgelager in demselben Raume, jedenfalls hoher als
dieses gelegen, mit Dunstfang versehen und fur Ableitung
der Dampfe ins Freie gut gesorgt sein. Die Kuhl- und
Leitungsrohren sollen sauber gehalten, erstere von Aussen, letztere inwendig v e r z i n n t sein.
Die Kiihlgeliiger sind in der Regel von Holz, schmiedeeiserne mit ausgerundeten Wangen, so dass scharfe
Winkel vermieden werden, verdienen aber bei weitem
den Vorzug. Das beste astfreieste Holz bietet selbst bei
guter Fugung dem Braugut immer hinreichende Puncte
dar, um das Innere der Bohlen nach und nach in einen
miirben Zustand zu versetzen, ohne dass von dem anscheinend gesunden Aeussern des Holzes auf die innere
Zersetzung desselben geschlossen werden konnte, wenn
nicht bei warmerer Lufttemperatur die in der Richtung
der Fugen oft auftretende sogen. wilde Gahrung des
Jungbiers von dem letzterwahnten Zustande des Holzes
Zeugniss gabe. Die Wangen und die Bohlen des Kuhlgelagers waren in einem Falle ini Innern dermaassen
verstockt, dass dieselben fast nur durch die mit Bierstein dick iiberzogene Aussenseite derselben zusammengehalten wurden. Der hohe Preis solcher s chm i e d e e i s e r n e n K i i h l s c h i f f e steht zwar our Zeit der allgemeinen Einfiihrung derselben entgegen, aber ihre Dauerhaftigkeit und die Moglichkeit, dieselben stets frei von
Hefenresten zu erhalten, lassen die vermehrte Anwendung
vortheilhaft erscheinen. Betreffs der Schwarzung des
Biers durch solche neue eiserne Kiihlschiffe gilt das fur
die eisernen Pfannen Gesagte. Verwerflich und nicht zu
dulden ist, wenn die Lucken und die Verbindungen holzerner Kiihlschiffe, wie zuweilen der Fall, mit Z i n k 6 1e ch beschlagen sind.
Zu holzernen Kuhlschiffen ist moglichst astfreies Holz
zu nehmen; die Aststellen, welche Lucken und Rime haben, mussen ausgestemmt und mit gesundem Holz verkeilt werden ; bei nicht durchgehenden Aststellen wird
94
Hirschberg,
diese ausgestemmt, die Lucke mit Brennspiritus gefiillt,
dieser angeziindet und nachdem der Spiritus abgebrannt,
die Lucke mit geschmolzenem Schwefel, dem etwas Qlaspulver oder Bimssteinpulver zugesedat worden, ausgegossen; auch das Ausgiessen rnit geschmolzenem Schwefel
und sofortiges Verkeilen mit gutem Holz ist hier anwendbar. In beiden Fallen wird solcherart die, wenn auch
nur geringe Fuge, mit einer gegen das Braugut indifferenten Substanz gedichtet. Zur Dichtung von Fugen,
bei denen wegen ihrer Lage dieselbe nicht anwendbar,
ist nur B a s t zu verwenden. I n einemFalle fanden sich
die Fugen mit Bast und Mehlteig erfullt!
Die Praxis lehrt, dass es der regelmassigen Gahrung
des Bieres Eintrag thut, wenn man die holzernen Kiihlgelager mit alkalischen Fliissigkeiten vollstandig entsauert und begnugt man sich daher in der Regel, den innern Raum derselbkn zeitweilig rnit d i i n n e m B r e i v o n
g e l o s c h t e m K a l k zu uberziehen. Um die Fugen desselben dicht zu erhalten, werden die Kuhlschiffe, wenn
sie leer stehen, rnit einer Wasserschicht bedeckt; wenn
dies Wasser aber nicht ofterer erneuert wird, so kann
dasselbe, besonders wenn nach dem Ablassen das Kiihlschiff nicht jedesmal gut gereinigt wird, schadlich wirken.
Die M a i s c h - und die B o t t i c h e , in die das frisch
gebraute Bier in einigen Brauereien abgelassen wird,
bevor dasselbe auf das Kuhlschiff kommt, sollen eine
solche Stellung haben, dass die aus der heissen Flussigkeit sich entwickelnden Wasserdampfe rasch ins Freie
abziehen konnen. Nie diirfen solche Kiihlbottiche ihre
Stellung u n t e r dem Kuhlschiff haben.
Die M a l z t e n n e sol1 gewolbt, das Gewolbe moglichst glatt und gleich den Wanden stets in gutem Abput2 gehalten sein; ofteres Abweissen beider mit K a l k
ist der Gesundheit des Malzes forderlich. Wo statt eines
Qewolbes eine Holzdeeke vorhanden, sollen die Zwischenraume zwischen den Balkenlagen mit gesunden Brettern
verschlagen sein und mussen etwa sich zeigende Sch w a m m-
sanitutspolizsiliche Revision techniscber Gewerbestatten.
95
g e b i l d e sofort beseitigt werden. Dass hier das Irnpragniren des Holzes behufs Conservirung desselben nioht
am Orte, wird kaum der Bernerkung bediirfen. Die
Sohle der Tenne sei, wenn nicht von Asphalt, doch aus
niit Cement gefugten Platten oder hart gebrannten Steinen hergestellt und ist diese Fugung gut in Stand zu
erhalten, besonders sind die Stellen zu berucksichtigeii,
wo die Sohle die Wiinde beriihrt. Der Q u e l l b o t t i c h
sol1 von Stein, holzerne mussen so hoch gestellt sein,
class die Sohle unter denselben leicht gereinigt werden
konne. Es ist darauf zu sehen, dass weder an und unter dem Quellbottich, noch in den Fugen der Ausplattung Malzreste sich festsetzen und dort weiter wachsen.
Die Thiiren der Tenne mtissen mit einem wasserdichten
Anstrich versehen und sauber gehalten werden, auch
muss durch angemessenen Gegenzug eine gute Liiftung
beschafft werden konnen.
R a u c h d a r r e n sind iiberall zu beseitigen, denn abgesehen davon, dass das Bier von dem auf diesen Darren dargestellten Ma12 eineii r a u ch e r i g e n G e s ch m a ck
anzunehmen pflegt, so werden auch die solchem Malze
anhangenden brenzlichen Stoffe bei der Gabrung mehr
oder weniger storend wirken, namentlich danh, wenn, wie
jetzt gewohnlich, die obergahri en Biere nur schwach
$.
eingebraut werden, wahrend in fruheren Zeiten der grossere Gehalt des Bieres diesen schadlichen Einfluss weniger wirksam werden liess.
Kleinere Brauereien pflegen das Malz nicht selbst
darzustellen, sondern aus Malzereien zu beziehen, welche
nach Einrichtung und Betrieb der Gegenstand sanitltspolizeilicher Controle sein konnen.
Die Beschaffenheit des W a s s e r s , welches zum Brauen
verwendet wird, ist ein vielleicht noch nicht hinreichend
gewiirdigtes, das Gerathen des Biers nicht unwesentlich
bedingendes Moment. Im Allgemeinen darf angenommen werden, dass j e reicher ein Wasser an s c h w e f e l s a u r e m u n d k o h l e n s a u r e m K a l k ist, sich dasselbe u m
96
Hirschberg,
s o w e n i g e r zum Bierbrauen eigne. Der beim Kochen
solchen Wassers sich ausscheidende Pfannenstein schlagt
beim Abkiihlen der Wiirze eine den Gehalt derselben
abschwlchende Menge ihrer Bestandtheile mit iiieder und
sind die in den Kiihlbottichen und Kiihlgelagern sich
vorfindenden Absatze zum Theil die Ergebnisse hiervon.
Elin weiches luftreiches Wasser eignet sich dagegen besonders gut zur Bierbrauerei und durfte das in den
Brauereien in Bay ern zur Anwendung komniende Wasser die Giite des dortigen Biers mit bedingen; dass, wie
die Erfahrung lehrt, bei gewissen atmospharischen Zustanden die Gebraue nicht gerathen, wird, wie hier einschaltend erwahnt werden mag, durch den O z o n g e h a l t
der Atmosphare rationell erkldrt werden kijnnen.
Die zweckentsprechende Auswahl des Wassers liegt
nun zwar im eigensten Interesse des Brauera, dennoch
aber wird die Lage und die Beschaffenheit der Brunnen,
welche das Wasser zum Brauen liefern, der sanitatspolizeilichen Controle sich nicht entziehen diirfen. I n
dem Eingangs dieses Aufsatzes angefiihrten Pappenheimschen Werke sind unter ,TrinkwasserU die Bedingungen
entwickelt, nach denen die L a g e d e r B r u n n e n und
die Beschaffenheit des aus denselben gesch6pften Wassers erklart und beurtheilt werden muss, und lehrt die
tiigliche Erfahrung, dass aus Nichtbeachtung dieser Bedingungen so manches Brunnenwasser, abgesehen von
seinen natiirlichen Bestandtheilen, als menschliches Genussmittel unbrauchbar wird und werden muss. Wie verderblich manche Brunnenwasser aber auch fur die Thiere
werden konnen und wirklich werden, geht aus dern nach
dem Genusse solcher V\-’asser sporadisch auftretenden
11 i 1z b r a n d e hervor. Nicht allein in griisseren Stadten,
in deren Untergrunde u. A. G a s - , T e l e g r a p h c n - , W a s s e r - und K l o a k e n - R o h r e n sich kreuzen, wo die Auswurfsstoffe einer niehr oder weniger dichten Bevolkerung
den Boden impragniren und im Regenwasser dem nicht
irnmer undurchlassenden Untergrunde und von diesem
sanitatspolizeiliche Revision technischer Gewerbestatten.
97
noch aus weiter Entfernung den Brunnenschachten zugefiihrt werden - niuht allein unter solchen Bedingungen finden sich Brunnen vor, deren Inhalt unbrauchby
ist. Die Abfliisse aus den M i s t s t a t t e n , aus den A b o r t e n , aus den K i i c h e n , den S c h l a c h t e r e i e n , den
O e r b e r e i e n und F a r b e r e i e n , das von den D g c h e r n
f r e i a b f l i e s s c n d e R e g e n w a s s e r u. s. w., ulles dies
kann unter Umstanden und wie der tagliche Augenschein
lehrt, in der That den wesentlichsten Einfluss auf die
Beschaffenheit der Brunnen auch der kleineren Stadte
und Dorfer aussern. Aber es wird, wie es scheint, vorlanfig noch ein fromnier Wunsch bleiben, dass bei Anlegung neuer Brunnen neben den baupolizeilichen auch
die sanitatspoliseilichen Forderungen beriicksichtigt werden mochten.
TVo clas Wasser zuin Brauen in Ermangelung anderer Besugsquellen aus den R a che n genommen werden
muss, welche die Stadte und Dorfer frei oder auch in
Rinnsalen durchfliessen, ist darauf zu halten, dass dasselbe durch Sedimentiren vor oder nach dem einmaligen
Aufkoclien geklart werde. I n manchen Gegenden wird
noch heute aus demselbenwasser, i n welchem d e r F l a c h s
g e r o s t e t w u r d e , d a s B r a u w a s s e r e n t n o m m e n , und
wenn dasselbe such durch langeres Fliessen einen Theil
der Stoffe, welohe dasselbe schwgrslich farben, abgesetzt
hat, so wird eine vollstandige lilarung desselben doch erst
durch Auf kochen erlangt, wobei die Kesselwande sich
am Flussigkeitsrande mit einem- s ch w a r s 1i ch e n h a r z i g e n A b s a t s bekleiden. Nach dem vollstandigen Erkalten ist d a m solches Wasser zwar farblos, aber vie1
matter von Geschmnck als das urspriingliche Fliesswasser unter gleichen Umstanden.
Als bekannt darf vorausgesetzt werden, dass die
Q e r s t e j e nach dem Boden, auf weluhem dieselbe erwachsen, in ihren Bestandtheilen eine quantitativ relative
Verschiedenheit zeigt. Diese Verdchiedenheit wird ferner dadurch bedingt, dass die Gerste aus einem mehr
7
Arch. d. Pharm. CLXXV.Bds. 1. u. 2. Hft.
98
Hwschberg,
trocknen oder mehr nassen Jahre stainmt und weiiii dieselbe, ohne von Regen betroffen worden zu sein, eingeheimst worden ist. Diese Momente werden beim Malzen
der Gerste ihren Einfluss iiben und beiin Ankauf derselben so weit als thunlich niuht ausser Acht zu lassen
sein. Es wird sich daher empfehlen, bei einem Sat6 nur
Gerste e i n e s Gewauhses zu verwenden. Die grosseren
Brauereien, welche ihren Bedarf niit Auswahl und in
grosseren Parthien anzukaufen in der Lage sind, aerden
daher sowohl in dieser, als auch in der Iliicksicht, dass
sie nur Zilteres N a b verbrauen, den kleineren Brauereien
gegeniiber giinstiger situirt sein.
Auf den n e u e r e n D a r r e n wird, nachdem man
sich uberzeugt, dass blondes M a l ~ das haltbarste Bier
gebe, fast nur solches Malz bereitet. Urn dem Biere aber
den gerade beliebten dunkleren oder dunkeln Farbenton
zu verschaffen, wird dasselbe mit einem wasserigen Ausxug von g e b r a n n t e m Male, auch wohl von g e b r s n n tern G e t r e i d e gefiirbt und komint solche , , B i e r c o u 1 e u r fabrikmasbig.dargestellt im Handel vor. Bei einSachen Bieren werden zu demselben Zwecke der kochenden Wurze farbende Pflanzenausziige zugesetzt, welche
zugleich die Schuttung derselben beschleunigen.
Die Qualitat der dem Jungbiere zugesetzten Hefe bedingt
wesentlich die des Gahrungsproductes und wird fast in
jeder Brauerei nach liingerer oder kurzerer Zeit sich
hierbei ein Wectisel nothwendig oder niitzlich erweisen.
Das g e k i i h l t e J u n g b i e r w i d , wenn der Gahrkeller in unmittelbarer Niihe, durchRohren in den Gahrkeller ubergefuhrt. Oft lie# dieser Keller aber von der
Brauerei entfernt und mird dann das Jungbier buttenweise in die Rottiche des Gahrkellers ubertragen. Dieses nicht empfehlenswerthe, durch die localen Verhiiltnjsse
aber gebotcne Verfabren hat Uebelstande in seinem Gefolge, welche auf die Gube des Bieres nicht ohne Einfluss aind.
In der Regel ist der Giihrkeller v o r dem Lager-
sanitatspolizeiliche Revision technischer Gewerbestiitten.
99
keller belegen und bildet die erste Abtheilung desselben,
hat seinen Ausgang ins Freie und pflegt durch Doppelthuren abgeschlossen zu sein. Eine Ternperatur von
4
bis 60R. ist fur die Untergahrung die angeniessenste, n ~ e i s t
ist dieselbe aber hoher, jedenfalls dann, wenn der Keller in oder in nnchster Nehe dei Brauerei nach Aussen
mundet, eine Disposition, welche, wenn auch den Betrieb
erleichternd, weder fur das Braugut iin Gkhr- noch fur
das Lagergut in1 Lagerkeller vorthei!haft ist. Keine Absperrung, keine Veutiletion wird verhindern konnen, dass
die warmere Luft aus der Brauerei und die Diimpfe aus
der im Retrieb befindlichen Pfanne in den Keller dringen und dort in deru sich verdichtenden Wasser atherische und sonstige voni Wasserdanipf niechanisch aufgenommene Stoffe absetzen, welcher Absatz die Grundlage zu Schimmelvegetsticjmn und Luftverderbniss abgiebt.
D i e K e l l e r z u m L a g e r b i e r sollen nacli d e r N o r d s e i t e belegen und mit einem V o r r a u n i verselien sein,
der durch Doppelthuren geschlossen wird; der Zwischenraum zwischen diesen Thiiren, so wie die aussere Seite
der Thur ist im Sommer zur Abhaltung der Warme
durch Strohgeflecht zu schiitzen. Ein bedachter Vorbau,
welcher die Sonnenstrahlen von der Thur abhalt, ist diesem Zwecke noch forderlicher. Die Keller selbst sind
zum Theil in Fels gehauen, zumTheil durch Mauerwerk
gestiitzt oder auch durchaus von solchem erbaut. I n ersterem Falle sickern in den meisten Fiillen die Tagwasser durch das Gewolbe, incrustiren dasselbe mit der Zeit
mit losen Tropfsteingebilden und niuss dann dem Wasser ein Sammelpunct gegeben werden. Die niedere Temperatur, welche in solchen Kellern herrscht, ist zwar
vortheilhaft fur die Conservirung des Biers, die Feuchtigkeit giebt aber auch Anlnss zur Entstehung von Schimnielgebilden und wirdein u n d u r c h l a s s e n d e s G e s t e i n
daher fur einen Felsenkeller vorzuziehen sein. Etwaiges
Mnuerwerk muss mit besonders gut geLrannteu Steincn
hergestellt und mit gutem Cement verstrichen sein.
+
7*
100
Hirschberg,
Unzweckmassig ist es, die Keller in e i n e r geraden
Flucht anzulegen. J e mehr Abzweigungen angebracht
werden konnen, desto eher wird es moglich sein, durch
zeitweiliges Vermauern einzelner Kellerabtheilungen das
dort lagernde Bier vor den nachtheiligen Einfliissen abzuschliessen, welche etwa in andern Abtheilungen wirksam geworden. In Kellern, wo die einzelnen Fasser j e
in einer besonderen Abtheilung liegen, eine Einrichtung,
welche ihrer Kostspieligkeit wegen zu den weniger oft vorkommenden gehijren mochte, ist insofern noch eine besondere Burgschaft fur die Gesunderhaltung des Bieres gegeben, als durch diese Einrichtung die nahe Beriihrung der
Fasser untereinander vermieden wird, ein Moment, welches mehr als es den Anschein hat, von Wichtigkeit ist.
D i e F a s s l a g e r sollen aus Stein oder wenn von
Hole, dieses, bevor e s in den Keller gebracht wird, mit
einer schwachen Aufliisung von K u p f e r v i t r i o 1 oder
C h 1o r s i n k getrankt werden. Kreosot leistet hier nur
eine gewisse Zeit hindurch seine Dienste, dauernd vermag dasselbe den Einflussen nicht zu widerstehen, welche
Kellerluft und Feuchtigkeit auf dasselbe ausiiben und ist
noch zu beriicksichtigen, d a s s e i n e m i t K r e o s o t d u n s t e n erfiillte Kellerleift d e r gesunden E n t w i c k e l u n g d e s B i e r e s h i n d e r l i c h w e r d e n k a n n . Die
erstgenannten beiden Mittel sind indess zur Conservirung
der F a s s e r s e l b s t natiirlich n i c h t anwendbar, und
muss hier durch stetes Reinhalten der Aussenwand der
FFisser das Schimmeln derselben verhindert werden. J e
mehr dns Bier sich seiner Reife nahert, desto rascher
werden im Allgemeinen die Fasser mit Schimmel beschlagen, und wird ein geubtes Auge von der,Farbe des
Schimmels auf den Fassern auf die Beschaffenheit des
Bieres in den Fassern schliessen konnen.
Weisse
S c h i m m e l v e g e t a t i o n ist in der Regel ein Zeichen, dass
das Bier noch v o r w a r t s - g r i i n l i c h e hingegen, d a s s
es u n z w e i f e l h a f t r i i c k w a r t s geht. Wenn durch das
Auspichen der Fasser der Inhalt derselben vollstlndig
sanitiitspolizeiliche Revision technischer Gewerbesttitten. 101
nach Aussen abgeschlossen werden konnte, so wurden
die Fasser iiberhaupt nicht oder doch nur wenig beschlagen. Ein indifferenter, aber haltbarer Ueberzug der inneren Fasswandungen, der solches leistet, ist, so vie1 bekannt, noch nicht dargeboten.
Die S o h l e d e s K e l l e r s soll ausgeplattet und
unterhalb des Kopfendes der Fasser mit einer Rinne
versehen sein, deren Abfluss nach dem Eingang zum
Keller zu leiten und dort in einer ebenfalls ausgeplatteten Vertiefung zu munden hat, in welcher die Abfliisse
sich sammeln und aus welchen dieselben aus dem Keller entfernt werden. Da in diesen Vertiefungen die
Cruditaten aus dem Keller sich ansammeln, so ist auf
sorgfaltige Reinhaltung derselben zu halten. Zweckmassig
ist es, die Sohle des Kellers a b und an mit einem Gemisch von g e l o s c h t e m K a l k u n d S a g e s p a n e n , abreiben zu lassen; sodann ist es erforderlich, dam, nachdem der Keller entleert und geluftet worden, alljahrig Gewolbe und Wande mit scharfen Besen abgekehrt und
dann mit Kalk abgeweisst werden.
Die T e m p e r a t u r d e s K e l l e r s soll, wenn derselbe seinem Zweck vollstandig entspricht,
40 R. nicht
ubersteigen, in den meisten Kellern schwankt dieselbe
sber, namentlich in den Sommermonaten, gewohnlich zwi4 und 80R. und ubersteigt dieselbe auch zuschen
weilen. Dam unter solchen Verhaltnissen die feuchte
Kellerluft, namentlich wenn Keller, Fasslager und Fasser
nicht s e h r reinlich gehalten werden, ihren verderblichen
Einfluss auf das lagernde Bier ausiibt und selbst das
gesundeste dem Ruckgange rascher, als es wohl sonst der
Fall, entgegenfiihre, wird durch die taglichen Vorkommnisse bestatigt, und kann nicht genug darauf hingewiesen
werden, dass eine zu hohe Temperatur des Kellers besonders und erst dann von nachtheiligem Einfluss sei,
wenn der Keller Moder oder Schimmel enthalt.
Urn nun aqch in den Sommermonaten in den Kellern eine gleichmiissig niedrige Temperatur zu erhalten,
+
+
102
Hkschberg,
hat man in, und wo dies nicht thunlich, neben densclben
E i s b e h a 1t e r angelegt.
Die alteren Anlagen dieser
Art haben zum Theil den Fehler, dasR die Wandung
derselben auf einer Seite unmittelbar an die des Kellers
anliegt oder durch dieselbe gebildet wird, in welchem
Falle der Inhalt des Eishehalters, ohne die beabsichtigte
Wirkung zu iiussern, leichter schmilzt. Bei neueren Anlagen dieser Art ist dieser Fehler vermieden. Die grijsste
Wirkung wird erreicht, wenn der Eisbehalter i n d e r M i t t e
des K e l l e r s u n d von a l l e n Seiten freiliegend
aus festem RIauerwerk erbaut wird. Derselbe sol1 im
Innern die F o r m eines umgekehrten Zuckerhutes haben,
mit eincm Rost und mit verschliessbaren, nach Innen gehenden Oeffnungen versehcn sein. Wenn der Untergrund
das voin Schmelzen des Eises herriihrende Wasser nicht
aufznnehmen verrnag, so ist auf andere Weise fiir Beseitigung desselbcn zu sorgen. Der obere Theil des Eisbehblters muss durch das Kellergewijlbe nach Aussen
raichen, das Mannloch des Hehiilters mit Bohlcn und
schlechten Wiirmeleitern geschlossen und wenn moglich im
Baumschatten rnit einem Erd- und Rasenhiigel bedeckt sein.
Das Luftloch des Kellers geht am Ende desselben
zu Tnge.
Soil dasselbe seinem Zcvecke entsprechen
und die erforderliche Erneuerung der Luft im Innern
des Kellere vermitteln, so muss fiir angemeesenen Gegenzug gcsorgt werden. Das Holznw-k der Kellerthtireo
wird mit einer Auflijsung von schwefelsaurem Kupferoxyd
oder Chlorzink getriinkt.
Das bisher Gesagte bezieht sich nun zwar vorzugameise anf die Bedingungen, nach dencn die Qualitiit des
Lagerbicrs beurtheilt werden kann, dieselben werden
aber anch mit einigen Modificationen bei der Beurtheilung des e i n f a c h e n B i e r e s in Retracht kommen miissen. Wahrend ersteres streng genommen ein Luxusartikel, dient das andere zur Nahrung und Erquickung dcs
minder Beguterten und wenn durch gutes einfaches Bicr
der Genuss des Branntweins gemindert werden kann, SO
sanittitspolizeiliche Revision technischer Gewerbestiitten. 103
ist es Aufgabe der Aufsicbtsbehorde, die Brauer anzuhalten oder, so weit als thunlich, in den Stand zu setzen,
diesea Bier in guter Beschaffenheit einziibrauen und zu
erhalten. Nicht zu bezweifeln aber ist, dass beim obergahrigen Bier mitunter die widersinnigsten und in ihrer
Wirkung auf den menschlichen Organismus oft nachtheiligen Kiinsteleien vorgenomnien werden, ohne dass dieselben, wie schon oben bemerkt, auf analytischem Wege
bestimmt nachgewiesen werden konnten. Verschiedene
Gewurze, S i i s s h o l z , F i c h t e n s p r o s s e n und andere an
und fur sich nicht schadliche Ingredienzien, schlimmerer
nicht zu gedenken, sollen oft ein an sich schwaches Bier
aromatisch, xber auch gehaltreicher erscheinen lnssen,
indess ist anzunehmen, dass ein solch an sich schwaches
gekunsteltes Bier sich nicht Iange Iialt. Der Nachtheil
fur die Consumenten Lleibt hiernach derselbe und ist die
Harmlosiglreit niancher Erauer so gross, dass sie aus
dergleichen Kiinsteleien gar kein Gehsimniss machen.
Glnnzhelle und erfrischender Geschmack sind die
einzigen sicheren ausseren Zeichen eines gesunden Bieres.
Eine leichte Triibung, wclche dem Biere ein mehr oder
weniger opalescirendes Ansehen giebt, kann daher riihren, dass das noch verhiiltnissniiissig junge Bier noch
nicht alle Hefe abgeschieden hat, und tritt solche Triibung gewoiihnlich dann auf, wenn das Bier sehr kalt ist,
verschwindet aber, wenn das Bier die gewijhnliche Temperatnr angenommen hat, andererseits kann dieselbe aber
auch den Anfang des Abwartsgehens des Rieres bezeichnen. D i e a l l z u g r o s s e B i t t e r k e i t d e s j u n g c n L a g e r b i e r e s mindert sich gewijhnlich, wenn dasselbe altcr
geworden, indem ein Theil derselben der sich ausscheidenden Hefe folgt. Wenn dem Lagerbiere durch Nntronbicarbonat aufgeholfen worden ist, so hat dasselbe
auch zuweilen ein Bitter, welches von fremdem Zusato
herriihren durfte und dessen Natur nicht bekannt. Sicher
aber ist, dass eine gewisse Industrie dergleichen Hiilfrcmittel darbiete. Das vor einigen Jahren in den Handel
104
Erschberg,
gebrachte H o p f e n e x t r a c t scheint in der Praxis keinen
Roden gewonnen zu haben und wird, da die positive
Gewissheit, dass nur tadelloser Hopfen zur Darstellung
desselben verwendet worden, nicht immer gegeben werden kann, diesen Boden auch kaum gewinnen. Das bei
diesem Extract gewonnene und mit demselben in den
Handel gebrachte atherische Hopfentil, bei welchem der
Nachweis seiner Aechtheit und Giite schon eher zu
fiihren ware, ist in kleinen Mengen angewandt, wohl
geeignet, dem Biere ein angenehmes Hopfenaroma zu
rerleihen und die Haltbarkeit des Schenkbieres zu erhohen.
R. Wo die Brauereien mit S c h a n k s t a t t e n verhunden sind, wird die Einrichtung der letzteren h u m
zu besonderen Bemerkungen Veranlassung geben. Anders aber ist es, menn der Wirth das Bier in grosseren
oder kleineren Fassern aus der Rrauerei entnimmt und
daher fur Pflege desselben Sorge zu tragen hat. Von
den landlichen Schenkwirthen bei uns wird das einfache
Rier gewohnlich als Jungbier nus den Brauereien geholt
und, nachdem es in den JVirthskellern ausgegohren, entweder von der Hefe ab oder nachdem es zuvor in kleinere Fasser abgezogen worden, verzapft. I n ersterem
Falle scheint das Rier, bei kuhler Lagerung und wenn
ein solches Fass nicht zu lange am Zapfen geht, sich
besser und langer zu halten. Als Regel aber ist festzuhalten, dass ausgegohrenes Bier ohne Hefe aus Flssern
verzapft werde, deren Grosse dem muthmaasslichen Verbrauch suf zwei bis drei Tagen entspricht. Man findet
in Schankstatten, besonders in Dorfschenken, sehr oft
sogenanntes ,abgesetztes Bier ",Reste aus griisseren Fass e n , welche sauerlich oder schal geworden, zu herabgesetztem Preis an die ilrmere Bevolkerung verschenkt
wverden. Hier wird die Aufsichtsbehorde durch V e r n i ch t e n o d e r D e n a t u r i r e n s o l c h e n B i e r e s die nachtheiligen Folgen, welche der Genuss desselben, namentlich
im Sommer, nach sich zieht, zuvorkommen miissen. Bei
'
sanitatspolizeiliche Revision technischsr Gewerbestatten. 105
Schenkbier jeder Art sind die auf dew Spunde des Fasses anzubringenden Vorrichtungen zu empfehlen, durch
welche der Zutritt der ausseren Luft zu dem Inhalt desselben abgehalten wird. Das S p r i t z e n des Bieres, eine
unappetitliche und nixr das Auge bestechende Operation,
ist nicht zu gestatten.
K u p f e r n e G e m a s s e sind hier, da die Reinhaltung
derselben nicht immer und nicht oft genug in dem erforderlichen Grade zu geschehen pflegt, durch solche von
Z i n n oder W e i s s b l e c h zu ersetzen.
Wie beim Lagerbier, so sind auch beini einfachen
Bier Lage, Einrichtung und Haltung der Keller die Haltbarkeit und Gute desselben wesentlich bedingende Momente.
Nicht selten nber sind solche Keller an der Sudseite gelegen, mitunter sind dieselben vor den Ein- und Ab5ussen der Aborte, Pissoirs und der Dungerstatten nicht hinlanglich geuchutzt, oft wird auch das von den Uachern
frei abkliessende, d. h. in einer Rinne nicht gesammelte
Regenwasser den Kellern, aus den schon weiter oben
entwickclten Griinden, nachtheilig und muss in solchen
Fallen die erforderliche Abhulfe geschafft werden. Ferner durfen in Kellern, in welchen Bier lagert, n u r dieses oder n u r n o c h Spirituosen, nicht aber Nahrungsmittel, als z. B. K a r t o f f e l n , K a s e , g e k o c h t e s und
r o h e s F l e i s c h , s a u r e Milch, S a u e r k r a u t , s a u r e
G u r k e n , B r o d u. s. w. aufbewahrt werden. Ini Retreff
der Haltung des Kellers im Allgemeinen, der Fasslager
und der Reinhaltung beider gilt das bereits unter A.
Angefiihrte.
Die Ventilation solcher Keller ist durch Herstellung
eines zweckentsprechenden Gegenzugs zu beschaffen und
wenn das Iiellerloch in einen Hof in der Nahe der Miststitte mundet, so ist dasselbe mit einem nach Oben verlangerten Schlot zu versehen.
Schliesslich mag noch erwahnt werden, dass bei der
Revision von kleineren, namentlich landlichen Brauereien
und Schankstatten, zwar ein dem Umfang und den Mit-
106
Hirsch berg,
teln derselben entsprechender Maassstab angelegt, dnss
aber auch in diesen Fallen auf Erfullung der Grundbedingungen hingewirkt werden musse, deren Einha!tung
die Gesunderhaltung des gnt eingebrauten Bieres verburgen kann.
IV. Ziindbolzfabriken.
Bei ihrer Reurtheilung hat man zu fragen:
1. Wo l i e g e n die Fabriken, sind in der Nnhe derselben b e w o h n t e Q e b l u d e ?
2. Welche M a t e r i a 1i e n werden zur Ziindmasse
gebraucht, wie und wo werden dieselben aufbewahrt ?
3. Werden die Holzchen durch M e n s ch e n h s n d
oder durch eine besondere Maschine in die Rahmen eingelegt, oder biindelweise geschwefelt und getnucht ?
4. Wird gewtihnlicher S t a n g e n p h o s p h o r oder
S c h w e f e l p h o ~ p h o rziir Masse penommen'!
(ieschieht
das Schmclzen des Phosphors in l u f t d i c h t v e r s c h l o s s e n e n, mit Haube, Ruhrer und Ableitnngsrohr versehenen Gefassen, oder in o f f e n e n Gefiissen unter einem
Rauchfange ?
Ti. Geschicht die Bercitung der Masse unter cinem
gu t z i e h e n d e n S c h o r n s t e i n e ?
6. Wird die Masse mit G u m m i , L e i m oder D e x t r i n bereitet?
7. 1st das T a u c h l o c a l und der S c h m e l z r a u m
von den ubrigen Raumen getrennt?
8. Wie ist fur das A b l e i t e n d e r D a m p f e b e i m
T a u c h e n der geschwefelten Hiilzer gesorgt?
9. 1st die T r o c k e n k a m m e r abgesondert von den
ubrigen R h m e n ? wie ist die V e n t i l a t i o n dieses Raumes
beschaffen, ist derselbe f e u e r s i ch e r ausgestattet und
dient derselbe auch als Durchgang oder zu sonstigen
Z wecken ?
10. Wo geschieht das V e r p a c k e n der fertigen Waare,
wo und wie wird dieselbe a u f b e w a h r t ?
11. Welche Mittel werden angewandt, urn die L u f t
sanitEtspolizeiliche Revision technischep Getuerbestlitten. 107
in den Fabriklocalen iiberhaupt r e i n zu erhalten, event.
dieselbe zu reinigen?
12. Welche Art von Individuen nach Qeschlecht,
Alter und Gesundheitszustand werden als A r b e i t e r verwendet resp. zugelassen, welche C o n t r o l e wird uber
den G e s u n d h e i t s z u s t a n d derselben gefiihrt, welche
Vorsichtsmassregeln werden angewandt, um dieselben
vor der P h o s p h o r e k r o s e und den nachtheiligen Folgen zu schiitzen, welche aus der Haidhabung sonstiger
giftigen Materialien entstehen konnen, und wie ist der
Gesundheitszustand der Arbeiter ?
1% Auf welche Weise nnd wie oft wird die R e i n i g u n g der FabriklocalitSten, Arbeitstische, Utensilien etr.
vorgenommen und wo bleiben die Abgange aus der
Fabri k ?
Die Fabrikntion von Ziindholzern wird in hipsigem
Furstenthum ziemlich schwunghaft betrieben, grossere Fabrikcn sind zwar nicht vorhanden, indess finden in den
vorhandenen Etablissements dieser A r t wohl an 100 Personen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters Beschsftigung.
Die Fabriklocale, in der Regel urspriinglich
Gartenhkuser und von allen Seiten freiliegend, waren,
bevor eine Revision derselben etatt gefunden, wenig oder
gar nicht darnach eingerichtet, dass die Arbciter vor
den nachtheiligen Einflussen ihrer Heschaftigung Sicherung
erhielten und s i n d m e h r e r e F a l l e v o n P h o s p b o r n e k r o s e v o r g e k o m m e n , welche Entstellung der Betroffenen, in einem Falle sogar d e n T o d zur Folge hatten.
Die meisten Fabrikstatten dienen nur zu genanntem
Zwecke, anders ist es mit denen in N e u s t a d t a m
R e n n s t e i g e in der Oberherrschaft, wo auch Ziindholzer
fabricirt werden. Hier wird die Herstellung derselben
meist in den Hauskiichen und in den Wohnstuben betrieben, und nnr in einzelnen Hausern sind abgesonderte
Arbeits- und Trockenraume vorhanden. Die Lente, welche
die Ziindholzer in ihren Ktichen und Wohnstuben verar-
108
Hirsc hberg,
beiten, widmen sich dieser Beschaftigung aber nur zeitweilig, verkaufen ihrevorrathe und kehren erst dann zu
derselben zuruck, wenn sich ihnen keine andere lohnendere Beschaftigung darbietet.
Die sanitatspolizeiliche
Controle kann sich daher, abgesehen von der Armuth der
Bevolkerung, higr nur darauf beschranken, die Arbeiter
auf die nachtheiligen Folgen, welche aus sorgloser oder
nachlassiger Handhabung dieses Fabrikationszweiges fur
sie entstehen konnen, aufmerksam zu machen. Die in
Neustadt vorhandenen besonderen Fabrikstatten sind mit
den Wohnungsraumen der Fabrikanten unter einem Dache
belegen und den spater ergangenen Vorschriften gemass,
so weit als thunlich, eingerichtet, aber auch hier muss
die Controle sich aus den vorhin angefuhrten Grunden
bei einem geringeren Grade von Leistung beruhigen.
Urn einen praktischen Massstab zur Beurtheilung
und einen Leitfaden zur Verbesserung der hierlandischen
Fabriken und des Betriebes in denselben zu gewinnen,
wurde die grosse, vorziiglich gut eingerichtete Fabrik von
Ziindrequisiten des Herrn C o m m e r z i e n -C o m m i s s a i r
D e i g i n L a u t e r b e r g a.H. eingesehen und ist hier
der zuvorkommenden Bereitwilligkeit dankend Erwahnung
zu thun, welche der Inhaber derselben bei diesem Anlass
bewiesen hat.
Unter Festhaltung der Eingangs aufgestellten allgemeinen Gesichtspuncte sind folgende Regeln massgebend geworden :
1. Das Einlegen der Hijlzchen in die Rahmen muss
in einem b e s o n d e r e n R a u m e geschehen, in welchem
nicht zugleich die fertige Waare verpackt werden darf.
2. D i e Z u n d m a s s e darf n i c h t a u f f r e i e m F e u e r ,
sondern nur auf aus heissem Wasser entwickelten Dampfen
(im Dampfbad) bereitet werden. Auf 100,000 Holzchen sind
h i i c h s t e n s z w e i L o t h S t s n g e n p h o s p h o r zu verwenden. Neuerdings ist den Fabrikanten statt des Stangenphosphors der S c h w e f e l p h o s p h o r empfohlen und
von denselben gern angewendet worden. In der That
sanitatspolizeiliche Revision technischer Gewerbestiitten. 109
hat der Schwefelphosphor durch seine F liis s i g k e i t ,
seine leichte E n t z ii n d 1i ch k e i t , durch den Urnstand,
dass bei Anwendung desselben die Masse k a l t behandelt
werden kann, endlich durch die E r s p a r n i s s a n P h o s p h o r , was in okonomischer und hygienischer Beziehung
ins Gewicht f&llt, V o r z i i g e vor dem gewohnlichen
Phosphor.
Die Versuche, den Phosphor in Schwefelkohlenstoff
gelost der Ziindmasse zu incorporiren, haben, ungeachtet
auf diese Weise eine ausserst feine Zertheilung des Phosphors und eine bedeutende Ersparniss an Substanz zu
erwarten stand, in ihren Erfolgen den Beifall der Fabrikanten nicht gehabt. Freilich wird durch die erwahnte
ausserst feine Zertheilung des Phosphors die Entziindlichkeit desselben bedeutend gesteigert, aber die leichte Entziindlichkeit des verdunstenden Schwefelkohlenstoffes, die
nachtheilige Wirkung der Dampfe desselben auf die Arbeiter und die Erfahrung, dass die auf solche Weise bereitete Ziindmasse a n den Holzchen l e i ch t f e u ch t u n d
u n w i r k s a m w i r d , stehen dieser Methode entgegen.
Die mit a m o r p h e m P h o s p h o r dargestellten Massen haben sich nicht bewahrt.
Als B i n d e m i t t e l sollen n u r G u m m i o d e r L e i m ,
beides von bester Sorte, angewendet werden. Es liegt
dies auch schon .im eigensten Interesse der Fabrikanten,
denn die mit schlechtem Gummi oder schlechtem Leim
bereitete Masse wird an den Holzchen leicht feucht und
sind diese dann unbrauchbar, dunsten aber dann auch
fortwahrend phosphorige Saure ab. Es ist dahin zu sehen, dass die Auflosung des Gummis k a l t , die des
Leimes i m W a s s e r b a d e geschehe. S t a r k e g u m m i
is t d u r cha u s u n b r a uch b a r.
3. I n dem Locale, in welchem die Masse bereitet wird
und in welchem die Ziindholzer gewohnlich auch getaucht
werden, muss der Heerd m i t e i n e m g u t z i e h e n d e n
S c h o r n s t e i n e und rnit einem Mantel, welcher bis unter die
Brust eines erwachsenen Mannes hinabreicht und an der
110
Hirschberg,
Seite, wo der Arbeiter steht, mit einem Fenster ausgestattet
sein, daniit dieser, ohne die aus der Masse sich entwickelnden Dunste einathmen zu niiissen, das Tauchen der Holachen ausfiihren konne. Unter diesem Mantel befindet
sich auch die Schwefelpfanne. Um die Phosphor- und
Schwefeldampfe sicher abzuleiten, ist der Zug des Sctiornsteins mog1icht;t wirksam zu niachen. Sowohl dieser, als
alle ubrigen Fabrikraume sollen hoch, hell und gerauniig
angelegt und so lange die Witterung es gestattet, sollen
die Arbeiten b e i o f f e n e n F e n s t e r n verrichtet werden.
4. Die T r o c k e n k a m m e r , in welcher die fertige Waare
i m Winter oder bei ungunstiger Witterung getrocknet
wird, muss f e u e r f e s t und g e w 6 1b t sein und darf nicht
als Durchgang oder zu sonstigen Zwecken dienen. Die
gut schliessende Eingangsthur muss inwendig mit Blech
beschlagen, in der Wolbung der Kammer auch eine Oeffnung angebracht werden, welche die Miinduug eines gemnuerten Dunstzuges bildet, der uber die Dachhohe hinaus verlangert, sich nach Oben allmiilig erweitert. Dieser Dunstzug ist durch einen Schieber von Eisenblech
verschliessbar, welcher durch die Wand der Kammer
geht und von der Hausflur aus gehandhabt wird. Es
ist fur gehorigen Gegenzug zu sorgen und muss der
Ofen, durch welchen die Kammer geheizt wird, a u s s e r h a l b derselben angebracht werden.
5. In dem zum V e r p a c k e n der fertigen Waare
bestimmten Raume durfen die Arbeiter nicht zu gedrangt
sitzen und muss derselbe mit einem in der Decke befind:
lichen, bis iiber die Dachhohe hinausreichenden holzernen
Dunstfange versehen sein. Urn die V e n t i l a t i o n zu
fordern, sind hier unter den Fenstern in der Fussbodenhohe Oeffnungen anzubringen, welche wie der Dunstzug
durch Klappen verschliessbar sind.
Zum L a g e r n der verpackten Waare muss ein besonderer Rauin vorhanden sein.
6 . Arbeitsraume, Tische, Utensilien u. s. w. miissen
wochentlich mehre Male mit feuchten Sagespanen g u t
aunitatspolizeiliche Revision technischer Gewepbestatten. 111
g e r e i n i g t und der Kehricht muss verbrannt werden.
Woclientlich einmal sind die Arbeitsrhme zu scheuern.
7. Jiingere Kinder, namentlich solohe, welche noch
nicht schulpflichtig sind, diirfen in den Fabriken n i c h t
bescbaftigt werden ; schulpflichtige Kinder diirfen durch
Beschaftigung in den Fabriken vom Schulbesuch nicht
abgehalten und ausschliesslioh nur zuin Einlegen der
ungetauchten I-lolzer in die IZahmen verwendet werden.
8. Personen, welche an haufigern Husten oder Brustbkklemmung leiden, durfen in den Fabriken nicht beschaftigt werden.
9. Personen, welclie a n cariosen Ziihnen, an frisohen
Zahnwunden, an blutendem oder eiterndeni Zahnfleisch
leiden, sind eben so wenig als Arbeiter anzunelimeii.
Solche, welclie offene oder eiternde Stellen am Korper
haben, sind auf die Nothwendigkeit, dieselben ofters zu
reinigen, aufmerksam au niachen.
10. Den Arbeitern sind Arbeitsoberkleider au halten,
weluhe sie bei der Arbeit iiberwerfen und beiin Verlassen
der Arbeit wieder ablegen. Es ist darauf ail halten, dass
die Arbeiter vor deni Verlassen der Fabrik Gesicht und
H b d e gehorig waschea und sind denselben zu dem
Ende Waschwasser, Seife und Ilandtiieher vorzuhalt'en.
Ebenso miissen dieselben den Mund ofterer mit einer
Mischung von gebrannter Magnesia niit Wasser oder niit
Kalkwasser gut ausspiilen. D a s E s s e n i n d e n F a b r i k r a u m e n ist unbedingt z u untersagen.
11. Die Revision der Fabriken ist nanientlich iru
W i n t e r oder bei ungiinstiger Witterung wiederholt vorzunehmen.
Als Luftreinigungsrnittel haben sioh A m m o n i a kd a m p f e vorzuglich bewahrt. Wenn dieselben riuhtig
angewendet werden, so sind dieselLen fur die Arbeiter
nicht un bequem und verschwindet der Pliosphorgeruch
in kurzester Zeit, und angefeuclitetes Laukmuspapier, welches in der phosphorischen Luft der Fabriken gerothet
wird, reagirt dann nicht mehr auf Siiure.
Da die
112
Begemanrt, Beitrtlge m r Toxikologie.
Mischung von Ammoniaksalz niit Kalk, aus welcher das
Ammoniak entwickelt wird, ihre Dienste bald zu versagen pflegt, so ist es zweckmassig, statt derselben den
aogen. doppelten Salmiakgeist (Liquor Ammonii caust. duplex) zu verwenden und selbigen zu dem Ende in flachen
Gefassen gelinde zu erwarmen.
Sohliesslich sei noch erwahnt, dass sowohl der Vorrath von Phosphor, als der iibrigen zur Verwendung
kommenden atzenden und starkwirkenden Substanzen in
feuerfesten, kiihl gelegenen Behaltern unter Schlues gehalten werden muss und nur dem Inhaber der Fabrik
zuganglich sein darf.
Beitrage zur Toxikologie ;
mitgetheilt yon
C. 13 eg e m a n n i n Hannover.
__
Kulium fcrrocyaiiatum, Blutlaugensalz. Einem mittelgrossen Fleischerhunde wurde 1 Drachme Blutlaugensalz
in Wasser gelost beigebracht. Das Thier zeigte nicht
die geringste Veriinderung irn Befinden, es blieb munter,
wie zuvor. Am folgenden T a p erhielt dasselbe, da es
aus andern Griinden getodtet werden sollte, 1 Scrupel
Cyankaliu,m, gleichfalls in Wasser gelost. Sofort verfiel
der Hund in gewaltige Beangstigungen und krampfhafte
Verzuckungen. Es wiihrte jedoch eine geraume Zeit, ehe
der Tod erfolgte. Nach diesen Versuchen ist, wie j a
bereits bekannt, das Blutlaugensalz nicht giftig. Das
Cyankalium wirkt sehr energisch, jedoch anders wie
Blausaure. Die Blausaure aussert ihre Wirkung, nach
den giitigen Mittheilungen des Herrn Dr. H a r m s , auf
das verlangerte Mark, das Cyankalium aber auf das
Ruckenmark, weswegen bei Anwendung des letzteren die
furchtbaren Heklemmungen.
1 Scrupel Cyankalium enthalt ungefghr so vie1 Cyan,
wie 9 Gran wasserfreier Blausaure, welche 450 Gran
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