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978-3-658-18443-8 13

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Der Umwelt zuliebe
Uwe Seidler | Manfred Nebel | Nicolai Melchger | Monika Raible | Olaf Rindfleisch | Fred Decker | Karsten Scheible
© Daimler AG
Bei Entwurf und technischem Design stand die Verbesserung der Effizienz als
wesentliche Säule des Fahrzeugkonzepts im Fokus. Dabei wurde nicht nur auf
den Betrieb des Fahrzeugs Wert gelegt, sondern der gesamte Produktlebens­
zyklus betrachtet. Im Ergebnis zeigt sich die neue E-Klasse mit einer deutlich
verbesserten Umweltbilanz.
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017
J. Liebl (Hrsg.), Mercedes-Benz E-Klasse, ATZ/MTZ-Typenbuch, https://doi.org/10.1007/978-3-658-18443-8_13
Der Umwelt zuliebe
Verbrauch
Die gesetzlichen Anforderungen im Hinblick auf Kraftstoffverbrauch und CO2Emissionen wurden in den vergangenen
Jahren kontinuierlich verschärft. Die gesetzlichen Vorschriften zur Flottenzielerreichung von 130 g CO2/km im Jahr 2015
und von 95 g CO2/km 2020, aber auch das
gesteigerte Interesse der Kunden stützen
unsere Anstrengungen, im Bereich Emissionen und Klimaschutz immer wieder
Maßstäbe in den jeweiligen Fahrzeugsegmenten zu setzen. Bei Geschäftskunden
von Mercedes-Benz steigt die Anzahl der
Unternehmen mit einer sogenannten
„green car policy“ stark an, sodass auch
von dieser Seite die Verbrauchsreduktion
massiv an Bedeutung gewinnt.
Teil der Klimaschutzpolitik sind aus staatlicher Sicht CO2-Flottenzielwerte. Mit dem
Vertrag von Paris vom Dezember 2015
kommt diesem Punkt noch höheres Gewicht zu. Derzeit haben die EU, Japan,
USA, Kanada, aber auch China, Indien
und Mexiko eine Flottenverbrauchsregelung, Bild 1. Weitere Länder sind zu erwarten. Aktuell sind die Zielwerte meist an das
Gewicht gebunden. In USA/Kanada wird
hierfür allerdings die Aufstandsfläche, der
sogenannte Footprint, benutzt. Zur Einhaltung der Flottenzielwerte werden für jedes
Fahrzeug konkrete CO2-Ziele abgeleitet.
Dabei fließen neben Flottenaspekten auch
Steuergrenzen und nicht zuletzt der Stand
der Technik ein, also wettbewerbsorientierte Ansprüche. Deshalb sind im Produktentwicklungsprozess die CO2-Ziele bereits am
Beginn der Strategiephase klar zu definieren und in die Entwicklung zu integrieren.
Im Konzeptheft werden diese Ziele dann
verbindlich festgeschrieben, im Projektablauf regelmäßig überprüft und bei Bedarf
Maßnahmen abgeleitet. Dafür werden prognostizierte Verbräuche laufend gegen die
vereinbarten Ziele gespiegelt.
Die „green car policy“ vieler Unter­
nehmen geht so weit, dass Mitarbeiter,
deren Fahrzeug die Vorgaben für den
Kraftstoffverbrauch der Fahrzeugflotte
überschreiten, mit einer Malus-Zahlung
bestraft werden oder das Fahrzeug
selbst gar ausgelistet wird (Delisting).
Parallel dazu ist der Verbrauch für Firmen ein relevanter Aspekt. Nicht zuletzt deshalb wurde bei der Entwicklung
darauf geachtet, die neue E-Klasse in
jedem Fahrprofil effizienter zu gestalten und den Kunden aktiv zu unterstützen, sparsam zu fahren und nahe am
Normverbrauch unterwegs zu sein.
Wesentliche Einflußgrößen auf den Verbrauch sind fahrzeugseitig:
QQ Rollwiderstand der Reifen
QQ Aerodynamik
QQ Gewicht
QQ Triebstrangwirkungsgrad.
All diese Stellschrauben wurden bei der
Entwicklung der neuen E-Klasse verbessert. So ist die E-Klasse mit einem cW-Wert
ab 0,23 Benchmark in ihrem Segment, die
Gewichtsspirale wurde durchbrochen und
der Einsatz der neuen Motorengeneration
sowie der nächsten Hybridgeneration
senkt den Verbrauch der neuen E-Klasse
trotz erheblicher Mehrinhalte auf ein
sehr geringes Niveau.
Mit Verbrauchswerten ab 102 g/km
ist die E-Klasse bereits ab Anlauf das
137
Bild 1
Länder mit
CO2- Flotten­
verbrauchs­
gesetzen
(orange)
(© Daimler AG)
138
Bild 2
ECO-Anzeige 2.0
mit „Glow” im
Volldigitalcockpit
(© Daimler AG)
Tabelle 1
Anlauf­
motorisierungen
Die neue E-Klasse von Mercedes-Benz
Maß der Dinge im Wettbewerbsumfeld.
Erreicht wurde dies auch mithilfe neuentwickelter rollwiderstandsoptimierter
Reifen ab 6,6 ‰ in den Größen 16"
und 17". Damit bietet die E-Klasse
nicht nur in der Ecktypkonfiguration,
sondern auch in den Lines EXCLUSIVE
und AVANTGARDE diesen sehr guten
Verbrauchswert. Der später anlaufende
Plug-in Hybrid erhält erstmals das neue
Getriebe NAG3 und ist bezüglich der
Energieausnutzung ein höchst effizientes Fahrzeug.
Die verbesserte ECO-Anzeige im Cockpit zeigt dem Fahrer die Verbrauchsfreundlichkeit seines aktuellen Fahrstils
und mögliche Verbesserungspotenziale
auf, Bild 2.
Die ECO-Anzeige bewertet das indi­
viduelle Fahrverhalten nach drei Kenngrößen: Beschleunigung, gleichmäßiger Fahrstil und vorausschauende Fahrweise.
Fährt der Fahrer in der jeweiligen Kategorie verbrauchsoptimal, dann leuchtet der
entsprechende innere Teil des Kreises mit
dem Symbol auf und der zugehörige Balkenwert wächst. Als positive Ver­stärkung
dient sowohl die Anzeige der Bonuskilometer, als auch der sogenannte „Glow”Effekt. Fährt der Fahrer besonders effizient, das heißt alle drei Balken werden komplett gefüllt, so erscheint eine grüne Wolke
hinter der Anzeige.
Fahrprogramme: Mit dem DYNAMICSELECT-Schalter wählt der Fahrer zwischen verschiedenen Fahrprogrammen
(ECO, Comfort, Sport, Sport+, Individual). Die Fahrprogramme beeinflussen
Lenkung, Triebstrang, Fahrwerk sowie
Klimatisierung. Wählt der Kunde ECO,
werden alle Parameter auf günstigsten
Verbrauch eingestellt. In diesem Fahrprogramm beziehungsweise unter der Einstellung INDIVIDUAL, steht dem Kunden
der Segelmodus zur Verfügung.
Zum Anlauf startet die neue E-Klasse mit
dem in Tabelle 1 dargestellten Aggregateportfolio.
Damit bietet die E-Klasse Volumen-motorisierungen und die Diesel-Topmotorisierung bereits ab dem Start an. In rascher Folge kommen die weiteren Motorisierungen auf den Markt.
(© Daimler AG)
Modell
Hubraum
[cm³]
Leistung
[kW]
Drehmoment
[Nm]
Beschleunigung
0-100 km/h [s]
Höchstgeschwindigkeit
[km/h]
Verbrauch
[l/100km]
CO 2
[g/km]
Effizienzklasse
Diesel
E 220 d
1950
143
400
7,3
240 abgeregelt
3,9
102
A+
E 350 d
2987
190
620
5,9
250 abgeregelt
5,1
133
A
1991
135
300
7,7
240 abgeregelt
5,9
132
B
Otto
E 200
Der Umwelt zuliebe
alle Angaben in kg
Typ
E-Klasse neu
(W 213)
E-Klasse alt
(W 212)
Wettbewerber 1
Wettbewerber 2
Zuladung (EG)
E 200
640
585
535
505
Zul. Anhängelast*
E 200
1900
1900
2000
1600
Zuladung (EG)
E 220 d
640
585
535
505
Zul. Anhängelast*
E 220 d
2000/2100**
2000
2000
1800
Zuladung (EG)
E 350 d
640
545
535
505
Zul. Anhängelast*
E 350 d
2100
2100
2000
1900
139
Tabelle 2
Nutz- und Anhängelast im Vergleich
(© Daimler AG)
*) gebremst bei 12 % Steigung
**) in Verbindung mit Sonderausstattung Exclusive oder Avantgarde
Gewichtsmanagement
Einen weiteren wesentlichen Beitrag zur
Energieeffizienz leistet der Leichtbau.
Er ist zudem eine unerlässliche Voraussetzung für ein stimmiges Fahrzeug-Gesamtkonzept: Ein niedriges Leergewicht ermöglicht eine hohe Nutzlast, einen niedrigen
Kraftstoffverbrauch, attraktive Fahrleistungen und ein gutes Ride- und Handlingverhalten. Das Gewicht der neuen E-Klasse
konnte durch konsequente Umsetzung von
Leichtbaumaßnahmen in allen Baugrup-
pen gegenüber der Vorgängerbaureihe um
bis zu 80 kg reduziert werden. Mehr noch
als das Leergewicht sind die Nutzlast und
die Anhängelast für den Kunden unmittelbar erlebbar. Hier weist die neue E-Klasse
Bestwerte im Wettbewerbsumfeld auf, Tabelle 2.
Die Umsetzung von Leichtbaumaßnahmen erfordert jedoch die Lösung
vieler Zielkonflikte. Technische Anforderungen wie ein größeres Platzangebot, stärkere Motorleistungen, neue
attraktive Ausstattungsinhalte oder
Bild 3
Übersicht
Vorausschaufunk­
tionen im Plug-In
(© Daimler AG)
140
Die neue E-Klasse von Mercedes-Benz
erhöhte Sicherheitsanforderungen
führen häufig zu Mehrgewicht. Bei
Mercedes-Benz wird ab Projektbeginn
ein am Wettbewerbsumfeld orientiertes Gewichtsziel definiert und ein konsequentes Gewichts-management umgesetzt.
Leichtbaumaßnahmen
Bei der Entwicklung der neuen E-Klasse
war es ein klares Ziel, die mit der aktu­ellen
S-Klasse (BR 222) und der C-Klasse
(BR 205) eingeleitete Umkehr der Ge­
wichtsspirale fortzusetzen, Bild 5. Im Ergebnis konnte das Leergewicht der E-Klasse um bis zu 80 kg reduziert und die Zuladung um bis zu 95 kg erhöht werden. So ist
der neue Vierzylinder-Dieselmotor OM654
mit Aluminium-Kurbelgehäuse rund 35 kg
leichter geworden. Durch den niedrigeren
Kraftstoffverbrauch konnte das Tankvolumen reduziert und gleichzeitig die Reichweite erhöht werden. Ein größerer Tank ist
als Sonderausstattung erhältlich. Im Bereich der Karosserie wurden Leichtbaumaßnahmen von bis zu 32 kg umgesetzt
und der Längenzuwachs sowie Mehrgewichte aus dem Bereich Safety kompensiert. Auffällig ist hier der Einsatz von Aluminium im Heckwagen, der gegenüber
dem Vorgängermodell etwa 18 kg leichter
ausfällt. Bild 6 zeigt am Beispiel des E 220 d
mit Neungang-Automatikgetriebe die
Leicht­baumaßnahmen auch aus den Bereichen Interieur, Exterieur, Fahrwerk, Einglasung, Triebstrang sowie Elektrik-Elektronik.
Aerodynamik
Mercedes-Benz investiert konsequent
in Maßnahmen zur Effizienzsteigerung
und Verbrauchsreduzierung, die insbesondere im realen Kundenbetrieb deutliche Einsparungen bringen. Dazu gehört unter anderem das gesamte Feld
ECO-Distronic
Die neue ECO-Distronic des Fahrassistenzpakets differenziert deutlicher zwischen den Fahrprogrammen. So bietet sie
jetzt im Fahrprogramm ECO eine ökologisch effizientere Abstimmung, gibt bei
einer fixierten Sollwertvorgabe mehr Freiraum bei der Regelabweichung und beschleunigt deutlich verbrauchsschonender.
Damit wird der Nachteil der Distronic gegenüber einem geübten Fahrer minimiert.
Intelligentes Segeln
Beim serienmäßigen Radarsystem CPA
und den beiden Sonderausstattungen
Fahrassistenzpaket und Distronic Solo
gibt es im Fahrprogramm ECO die Funktion Segeln. Beim Segeln wird der Triebstrang vom Motor getrennt, und der Motor läuft im Leerlauf. Beim Auffahren auf
einen anderen Verkehrsteilnehmer wechselt das Fahrzeug in den Schub, damit
nicht unnötig Kraftstoff verbraucht wird.
Damit wird dem Fahrer die Entscheidung
abgenommen, welcher Modus in der aktuellen Fahrsituation effizienter ist.
ECO-Assistent (Plug-in)
Der ECO-Assistent unterstützt den Fahrer,
eine ökonomische und komfortable Fahrweise zu erreichen. Er ist Teil der Vorausschaufunktionen im Plug-In-Hybrid, Bild 3.
Hierzu stehen dem Fahrer auf Wunsch folgende Funktionen zur Verfügung:
–– Zusätzlicher variabler Druckpunkt
im haptischen Fahrpedal, Bild 4.
Durch einen spürbaren Druckpunkt
im haptischen Fahrpedal wird dem
Fahrer die maximal verfügbare elek­
trische Fahrleistung signalisiert. Überdrückt er den Druck­punkt, schaltet der
Verbrennungsmotor ein.
–– Doppelimpuls im haptischen Fahrpedal. Durch einen spürbaren Doppel­
impuls im haptischen Fahrpedal erhält
der ­Fahrer eine Empfehlung zum Lösen des Fahrpedals. Hierdurch kann
der Verbrennungsmotor abgeschaltet
und vom Antriebsstrang abgekoppelt
werden – das Fahrzeug kann in den
Segelmodus oder in die Rekuperation
wechseln. Der Doppelimpuls wird abhängig von der Geschwindigkeit des
Fahrzeugs und vom Abstand sowie der
Relativgeschwindigkeit zu einem vorausfahrenden Fahrzeug ausgelöst.
Der Umwelt zuliebe
141
Bild 4
Haptisches
Fahrpedal – Druckpunkt und Doppel­
impuls
(© Daimler AG)
Bild 5
Umkehr der
Gewichtsspirale
Beispiel E 220 d
und seiner
­Vorgänger
(© Daimler AG)
der Fahrzeugaerodynamik, auf dem
Mercedes-Benz die Vorreiterrolle hält.
Das Ziel bei der E-Klasse war daher
schon in einem sehr frühen Entwicklungsprozess im Jahr 2010 klar formuliert: Die Aerodynamik muss die cWBestwerte von CLA und S-Klasse erreichen. Standen anfangs noch cW=0,22 im
Raum, zeigte sich schnell, dass unter
Berücksichtigung der übrigen Randbedingungen cW=0,23 als zwar sehr ambiti-
oniertes, aber auch realistisches Entwicklungsziel gesetzt werden konnte.
Ziele und Maßkonzept
Im nächsten Schritt erfolgte die Diskussion über das Maßkonzept des Fahrzeugs,
insbesondere in Bezug auf die hintere
Spurweite und die Fahrzeughöhe, wobei
bereits Aspekte der Fertigung berücksich-
142
Die neue E-Klasse von Mercedes-Benz
Bild 6
Leichtbaumaß­
nahmen und
gewichtsrelevante
Mehrinhalte mit
Kundennutzen
(E 220 d)
(© Daimler AG)
tigt wurden, um das ambitionierte cW-Ziel
im weiteren Entwicklungsverlauf überhaupt erreichen zu können.
Zum einen gelang es, das relativ starke
Stirnflächenwachstum der letzten Gene
rationen deutlich zu bremsen, Bild 7,
zum anderen blieb über die Breite an der
Hinterachse die Option für ein aerodyna-
Bild 7
Zeitliche Entwicklung der Stirnfläche
der E-Klasse
vom W 123 bis
zum W 213
(© Daimler AG)
misch günstiges Heck erhalten. Im folgenden Entwicklungsprozess kam erstmals ein 1:1-Aeropotenzialmodell des W
213 neben dem Designmodel zum Einsatz.
Dieses wurde genutzt, um einen Entwicklungsbeschluss für eine weitere Neuheit,
ein vollständiges Luftregelsystem oberund unterhalb des Biegequerträgers auf
Der Umwelt zuliebe
143
Bild 8
AIRPANEL-System
des W 213 mit zwei
regelbaren Jalousien
(© Daimler AG)
der sogenannten Ebene 0 zu bekommen –
also vorne und sichtbar im Fahrzeugbug.
Dies war zu diesem frühen Zeitpunkt besonders wichtig, um die Außenhaut gleich
auf dieses Schließsystem hin zu optimieren
und die Effizienz des Systems zu verbessern.
Neben der Arbeit am 1:1-Aeropotenzial­
modell und einem 1:4-Modell mit Raddrehung wurden weitere Details mit Computational Fluid Dynamic (CFD) rechnerisch
abgesichert. Ebenso wurde der Grundstein
für eine sehr gute Aeroakustik gelegt, indem intensiv mit Design und den Fachbereichen an den Radien der Scheiben gearbeitet wurde. Zum ersten Mal gab es von
Seiten der Aeroakustik Zielvorgaben für
Maximalradien, um die Steifigkeit des
Greenhouses zu erhöhen. Die gesetzten
Ziele konnten in großem Umfang umgesetzt und sogar einige weitere aeroakustisch wirksame Mehrinhalte in das Projekt
integriert werden. Akustisch optimierte
Türgriffe, erweiterte Türdichtungen und
akustisch wirksame Verbundglas-Seitenscheiben als Sonderausstattung für alle
Fahrzeuge sorgen für einen hörbaren Fortschritt und heben das Fahrzeug auf das
Niveau der S-Klasse der Vorgängergeneration. Dank der klaren cW-Zielvorstellung
der Projektleitung konnten selbst größere
Hürden, wie etwa ursprünglich gesetzte
Übernahmeumfänge, aufgebrochen und
eine neue, dreiteilige Motorraumverkleidung für die E-Klasse entwickelt werden.
Mit den ersten Hardwareversuchen zeigte
sich, dass alle bis dahin entwickelten Teile
auch wie geplant funktionierten, zum anspruchsvollen Ziel aber dennoch ein
∆cW=0,002 bestand. So wurde als letzte
Maßnahme dem Basisfahrzeug ein ECOFahrwerk mit einer Tieferlegung von
15 mm als Serienausstattung zugeordnet
und somit der Zielwert mit cW=0,233 erreicht.
Einzelmaßnahmen:
QQ Luftregelsystem Front: Während das
Konzept für die technische Realisierung
der Schließfunktion relativ schnell entworfen war, benötigte die Betriebsstrategie der Jalousien viele aufwendige
Abstimmungen mit den für die thermische Absicherung verantwortlichen
Bereichen. Im Fahrzustand fährt die
obere Jalousie eine leicht geöffnete
ECO-Position an, die untere Jalousie
144
Die neue E-Klasse von Mercedes-Benz
Bild 9
Unterboden­
verkleidung des
E 200 mit NSG
(© Daimler AG)
Tabelle 3
Aerodynamische
Kennzahlen W 213
und W 212 im
Vergleich
(© Daimler AG)
cw
(© Daimler AG)
W 212
0,25
A
[m2]
2,33
2,31
cw × A
[m2]
0,54
0,58
1
Bild 10
Hinterachse des
W 213 mit AeroFederlenker­
verkleidungen
W 213
0,23 1
cw-Bestwert des E 200 NSG Basic
Der Umwelt zuliebe
145
Bild 11
QQ
QQ
wird komplett geschlossen. Dadurch
wird eine Grundversorgung von Aggregaten und Motorraum mit Kühlluft sichergestellt und gleichzeitig ein cW-Benefit von bis zu 0,015 realisiert. Unterhalb von 60 km/h – dort ist der Einfluss
des Luftwiderstands noch gering – und
bei erhöhten Anforderungen an die
Kühlleistung wird das System geöffnet,
Bild 8.
Unterbodenverkleidungen vorne:
Der vordere Bereich wurde beim
W 213 komplett neugestaltet, Bild 9.
Es konnte unter Berücksichtigung
der Bordsteinauffahrt und des Fuß­
gängerschutzes ein großer Teil des
möglichen cW-Potenzials realisiert
werden. In Verbindung mit der hinteren großen Motorraumverkleidung,
die schon beim Vorgänger eingesetzt
wurde, ergibt sich für das Gesamtpaket
ein ∆cW= - 0,011 im Vergleich zum Ausgangszustand.
Verkleidung an der Hinterachse: Als
aerodynamisch wichtiger aber auch
hartnäckiger Bereich erwies sich die
Hinterachse. Viele Varianten von Lenkerabdeckungen sowie Abrisskanten
im Bereich der seitlichen Unterbodenverkleidung wurden untersucht und
wieder verworfen. Am Ende erwiesen
sich die großen Federlenkerverkleidungen, Bild 10 (grün), als effizienteste Maßnahme mit einer Verbesserung
des cw-Werts von bis zu 0,004.
Mit diesen Aeromaßnahmen konnten
die gegenüber dem Vorgänger ungünstigeren Randbedingungen – größeres Rad
mit größerem Rstat, größerer Kühlluftbedarf, breitere Spur, kürzerer Überhang
hinten – mehr als kompensiert werden,
Tabelle 3.
Umweltbilanz
Entscheidend für die Umweltverträglichkeit eines Fahrzeugs ist die Reduktion
der Umweltbelastung durch Emissionen
und Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus, das heißt von der
Rohstoffgewinnung über Produktion
und Gebrauch bis zur Verwertung. Bei
Mercedes-Benz ist der Prozess der umweltgerechten Entwicklung fest in der
Organisation verankert.
Im Vergleich zum Vorgänger erzeugt die
neue E-Klasse E 220 d bei der Herstellung
zunächst eine etwas höhere Menge Kohlendioxidemissionen. Dies ist vor allem
auf die Leichtbaumaßnahmen und den
dadurch bedingten höheren Alumi-
Emissionsvergleich
W 213 zum Vorgänger
(© Daimler AG)
146
Bild 12
Bauteile aus
nachwachsenden
Rohstoffen
(© Daimler AG)
Die neue E-Klasse von Mercedes-Benz
niumeinsatz zurückzuführen. Aufgrund
der nochmals deutlich ver­besserten Effizienz in der Nutzungsphase ergeben sich
über die gesamte Laufzeit jedoch klare
Vorteile für die neue E-Klasse – im Lebenszyklus rund 29 % weniger CO2-Emissionen als der Vorgänger aus dem Jahr
2009. Und auch bei den Stickoxid­
emissionen verbessert sich die Lebens­
zyklusbilanz der neuen E-Klasse E 220 d
um 40 %, legt man die Typprüfwerte des
NEFZ zugrunde. Im realen Fahrbetrieb
lassen sich die NOx-Emissionen nochmals deutlich reduzieren, Bild 11.
Ressourceneinsatz
Zur Schonung der natürlichen Ressourcen kommen bei der neuen E-Klasse Naturmaterialien wie Flachs- und Cellulosefasern, Baumwolle und Naturkautschuk zum Serieneinsatz. In der
Basisvariante werden insgesamt 90 Bauteile mit einem Gewicht von 33 kg unter
der Verwendung von Naturma­terialien
hergestellt, ein Plus von 59 % gegenüber
dem Vorgänger, Bild 12. Zusätzlich werden verstärkt Recyclingmaterialien
­eingesetzt. Insgesamt 72 Bauteile mit
einem Gewicht von 54,4 kg können an-
Der Umwelt zuliebe
teilig aus hochwer­tigen rezyklierten
Kunststoffen hergestellt werden, was
einer Steigerung um 30 % entspricht.
Allergie-geprüfter
­Fahrzeuginnenraum
Die E-Klasse wurde entsprechend den
strengen Kriterien für das Quali­
tätssiegel der Europäischen Stiftung
für Allergieforschung (ECARF) ent­
wickelt. Mit diesem Qualitätssiegel
zeichnet die ECARF Produkte aus, deren Allergikerfreundlichkeit sie wissenschaftlich überprüft hat. Die
Voraus­s etzungen dafür sind umfangreich: So werden zahlreiche Bauteile
jeder Ausstattungsvariante eines Fahrzeugs auf Inhalations- und Kontaktallergene getestet. Ferner werden unter
medizinischer Betreuung Probandenversuche in Fahrzeugen und Materialproben durchgeführt.
Fazit
Die neue Mercedes-Benz E-Klasse
erfüllt nicht nur höchste Ansprüche
in puncto Sicherheit, Komfort, Agilität
und Design, sondern auch auf dem Gebiet
der Umweltverträglichkeit.
Bei der neuen E-Klasse profitieren Kunden unter anderem von einem d
­ eutlich
reduzierten Kraftstoffverbrauch, geringeren Emissionen und einem umfassenden
Recyclingkonzept. Überdies wird ein höherer Anteil hochwertiger Rezyklate und
nachwachsender Rohstoffe eingesetzt.
Die neue E-Klasse bietet damit eine insgesamt deutlich verbesserte Umweltbilanz.
DANKE
Weitere Autoren: Christoph Müller, Klaus
Ruhland, Manfred Steiner.
147
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